2. Dezember 2012

Englische Woche endet versöhnlich

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 14:21

Zum vierten Spiel, dabei dem dritten Auswärtsspiel, binnen neun Tagen ging es also mal wieder ins Frankenland. Erstmals in 50 Jahren Bundesliga trat der VfB dabei beim Fusionsclub SpVgg Greuther Fürth an, den selbst ernannten Unaufsteigbaren, die es in der letzten 2. Liga Saison dann aber doch mal geschafft haben, diesen Nimbus zu durchbrechen. Nach 15 Spieltagen spricht allerdings vieles dafür, dass es sich dabei nur um ein einjähriges Intermezzo handelt, zu grün, nicht nur wegen ihrer Vereinsfarben, kommen die Fürther daher.

Eigentlich meint es der Spielplan mit dem VfB ja gut, in Zeiten, in denen eine englische Woche die andere jagt, und in denen der VfB sichtlich auf dem Zahnfleisch daher kommt. Nach der weiten und kraftzehrenden Bukarest-Reise ging es ins beschauliche Breisgau, um danach hintereinander gegen die beiden abgeschlagenen Schlusslichter Augsburg und Fürth antreten zu dürfen. Nach der Schmach in Freiburg, wurden wenigstens gegen Augsburg und Fürth sechs wichtige Punkte eingefahren, die dazu taugen, den Blick in der Tabelle wieder nach oben richten zu dürfen und vor allem, aller Voraussicht nach, in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Letztere ist die wichtigste Erkenntnis in dieser weiteren „Übergangssaison“.

Von mehr zu träumen verbietet sich fast von selbst. Der VfB ist nach wie vor ein sehr fragiles Gebilde, wo Kleinigkeiten den Anlass geben können, dieses einstürzen zu lassen. Dem VfB fehlen bundesligataugliche Alternativen, um dem einen oder anderen Leistungsträger auch einmal eine Pause gönnen zu können. So durfte gestern mal wieder ein Tamas Hajnal auf dem Platz sein Unwesen treiben, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Ihn stufe ich zwar nicht in die Kategorie „Fehleinkauf“ ein, da er uns in der Rückrunde 2010/11 sehr weitergeholfen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatte. Mittlerweile aber, sicherlich auch der wenigen Einsatzzeiten geschuldet, fehlt ihm jegliches Selbstvertrauen, so dass er auf dem Platz wie ein Fremdkörper wirkt. Seine Zeit dürfte abgelaufen sein. Zu langsam und statisch wirkt er, zu fahrig, wenn er den Ball hat. Dabei würde uns gerade ein Kreativspieler sehr gut tun, kommt doch aus dem Mittelfeld viel zu wenig Inspiration. Sollte diese Aufgabe in naher Zukunft einem Kevin Stöger nicht zugetraut werden, würde ich mir wünschen, dass der VfB in der Winterpause Geld in die Hand nimmt und handelt.  Wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass in der Wintertransferperiode als Vorgriff auf den Sommer Mittel freigesetzt werden, so würde ich es begrüßen, wenn der personelle Umbruch schon zu dieser Zeit seine Fortsetzung finden würde und unzufriedene Spieler wie bspw. Kuzmanovic und Maza abgegeben werden würden, sofern sich Abnehmer finden. Dann böte sich die Möglichkeit, junge Spieler noch näher an die Stammelf heranzuführen und Erfahrungen sammeln zu lassen, auch mit dem Risiko, dass sie Lehrgeld bezahlen. Nach dem Sieg in Fürth haben wir 22 Punkte auf dem Konto, gegen Schalke und in Mainz besteht noch die Möglichkeit, das Punktekonto weiter zu erhöhen, so dass, in Anbetracht der Schwäche einiger Abstiegskandidaten nach unten nichts mehr anbrennen sollte. Lieber also jetzt schon das Gerüst für 2012/13 einspielen, als wieder mit aller Macht in die Europa League zu drängen, um dann eine ähnlich konfuse nächste Saison zu spielen.

Vergnügungssteuerpflichtig sind die Auftritte des VfB in dieser Saison keineswegs. Besonders in den Heimspielen, wo gerade einmal zwei glückliche Siege heraussprangen, bietet der VfB meist fußballerische Magerkost. Die Spiele plätschern so dahin, das Team präsentiert sich äußerst einfallslos und versteht es nicht, eine kompakte Abwehr zu knacken. Gegen das Schlusslicht Augsburg ließ sich die Labbadia-Truppe phasenweise an die Wand spielen. Anstatt nach einer 1:0-Führung auf das 2:0 drängen, wird die Führung mehr schlecht als recht verwaltet und der Rückwärtsgang eingelegt, um so einen am Boden liegenden Gegner aus der Reserve zu locken. Ob dieses Sicherheitsdenken von der Bank vorgegeben wird oder die Spieler auf dem Platz dies eigenmächtig an den Tag legen, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass es von der Regionalliga aufwärts gegen jedes Team schwer sein dürfte, zu Torchancen zu kommen, wenn durch ständiges zurück spielen, Tempo aus dem Spiel genommen wird und sich der Gegner wieder in aller Ruhe formieren kann.

Auswärts dagegen läuft es deutlich besser. In der Auswärtstabelle belegt der VfB derzeit Platz zwei. In der Fremde kommt es dem VfB entgegen, nicht das Spiel machen zu müssen und man hat auch das eine oder andere Mal das Quäntchen Glück, das man braucht. Gestern brauchte es dieses Glück wie auch das Unvermögen des Gegners, das auch in Überzahl den Ball nicht über die Linie brachte. Die Fürther unterstrichen damit, weshalb sie in dieser Saison noch keinen Heimsieg zustande brachten, zu harmlos kamen sie über weite Strecken daher. Dem VfB genügte eine durchschnittliche Leistung, in dem der Kampf angenommen wurde. Das Tor des Tages erzielte der agile Shinji Okazaki, nachdem Ibisevic einen an ihm selbst verursachten Elfmeter noch vergab, Okazaki jedoch am schnellsten schaltete.

Der VfB hätte deutlich früher seine Ruhe haben können, wären die Konter sauberer zu Ende gespielt worden. Exemplarisch Martin Harnik, der, nach seiner Leistung gegen Augsburg zu Recht erst einmal draußen saß und zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Er ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst und vergab mehrere Konterchancen kläglich schon im Ansatz. So hieß es mal wieder zittern bis zum Schluss und man benötigte einen gut aufgelegten Sven Ulreich, um den wichtigen Auswärtssieg einzufahren. Diesen konnte letztendlich auch Thorsten Kinhöfer nicht verhindern, der nur so mit Karten um sich warf und unseren Kapitän Serdar Tasci vorzeitig zum Duschen schickte. War diese Hinausstellung hart, aber mit etwas Wohlwollen gerade noch vertretbar, waren die Karten danach mehr oder weniger lächerlich. In ein Spiel, das zwar kampfbetont aber keineswegs unfair ablief, brachte er eine Hektik rein, die sich gewaschen hatte. Gräbt der DFB weiterhin solche Pfeifen aus, braucht man sich nicht wundern, wenn die Emotionen auch außerhalb des Spielfelds hochkochen und manch einer durchdreht. Dieses divenhafte Auftreten von Kinhöfer und sein künstliches ringen um Autorität ging überhaupt nicht. Zudem „glänzte“ er durch eine sehr zweifelhafte Zweikampfauslegung und schwang sich zum Hauptdarsteller des Spiels auf. Immer ein tolles Armutszeugnis für einen Pfeifenmann, wenn sowohl Heim- als auch Auswärtsteam und –fans mit ihm hadern und ihm am liebsten an den Kragen gehen würden.

Apropos DFB bzw. DFL. Auch bei diesem Spiel wurde der Aktion „Ohne Stimme keine Stimmung“ gefolgt. Die Fürther blieben 12 Minuten, 12 Sekunden, ihrem Stimmungsblock komplett fern, auch das CC97 verzichtete in dieser Zeit auf jeglichen Support und hielt lediglich den Banner „Für den Erhalt der Fankultur“ hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion Früchte trägt und am 12.12. keine Entscheidungen gegen die Millionen von friedlichen Fans fallen. Im Übrigen, auch gestern wieder fühlte ich mich im Stadion sicher, https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/!

Weiter geht es bereits am Donnerstag gegen Molde FK und um den Einzug in das Sechzehntelfinale in der Europa League. Nach den Auswärtssiegen in Kopenhagen und in Bukarest hat der VfB das Weiterkommen in der eigenen Hand. Bei eigenem Sieg und wenn Bukarest in Kopenhagen nicht gewinnt, wäre der VfB sogar Gruppensieger. Dass dies aber sicher kein Selbstläufer wird, spätestens seit dem Hinspiel sollte der VfB gewarnt sein. Auch wenn Molde außer diesen drei Punkten keinen weiteren mehr gesammelt hat, dürfte es wieder ein hartes Stück Arbeit werden, denn auch die Norweger werden sicher nicht bestrebt sein, im Neckarstadion das Spiel zu machen. Trotzdem wäre natürlich alles andere als ein Sieg indiskutabel. Jedoch erscheint mir selbst dieses Unterfangen nicht als selbstverständlich, geht dem VfB doch die Leichtigkeit ab.

Wie der VfB wohl das Ende der Hinserie herbei sehnt, so geht es mir selbst auch. Alle drei, vier Tage ein Spiel, dazu mittlerweile eisige Temperaturen wie gestern in Fürth, man zählt die Spiele langsam herunter. Molde, Schalke, in Mainz und zum Abschluss das Pokalspiel gegen den 1. FC Köln, dann geht ein durchwachsenes VfB-Jahr zu Ende. Die Punkteausbeute ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Das Auftreten der Mannschaft weniger. Es fehlen mir die Begeisterung und der Spaß am Spiel. War der VfB lange durch herzerfrischenden Offensivfußball bekannt, wird bei uns Fußball über weite Strecken „nur“ noch gearbeitet. Dass die Mannschaft es besser kann als sie es zeigt, war in Bukarest zu sehen, als ein tolles Offensivfeuerwerk gezeigt wurde, das begeisterte.

In der Bundesliga dagegen gewannen wir nur in Nürnberg mit zwei Toren Unterschied, ansonsten waren es äußerst knappe Siege, die auf des Messers Schneide standen. Demgegenüber stehen deftige Niederlagen, ausgerechnet gegen die Vereine und Betriebssportgemeinschaften, die uns Fans besonders weh tun. Deswegen bin ich auch in dieser Saison schwer zu versöhnen, zu sehr drücken die 1:6, 0:3 und 0:3-Klatschen auf mein Gemüt. Bezeichnend, und das spricht für die oben angesprochene Fragilität, dass in diesen Spielen ein, zwei dumme oder unvorhergesehene Aktionen ausreichten, um das Team in sich zusammen fallen zu lassen.

Die von Labbadia vielfach erwähnte Stabilität ist also höchstens in Ansätzen zu erkennen. So wird sich auch ob des gestrigen Spiels auf die Schulter geklopft, dass man endlich einmal ein dreckiges Spiel nach Hause gebracht habe. Dass dieser dreckige Sieg aber erneut am seidenen Faden hing, blieb unerwähnt.

Schaun mer mal, was die Wundertüte VfB gegen Molde und zwei Tage später gegen Schalke zu bieten hat. Die Tabelle ist so eng, dass wir Schalke durch ein 7:0 überflügeln könnten, wobei mir ein (dreckiges) 1:0 natürlich auch genügen würde. :-) . Eine Konstellation, die vor einem Monat noch undenkbar gewesen wäre!

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