9. März 2014

Stevens kommt! Wann geht Bobic?

Frühlingsgefühle, Sonne, Samstag 15.30 und ein ausverkauftes Haus, Fußballerherz was willst Du mehr? Eigentlich beste Voraussetzungen einen tollen Samstag mit dem VfB zu verleben. Zumal mit Eintracht Braunschweig das Schlusslicht der Liga seine Visitenkarte im Neckarstadion abgab. Dass nach acht Niederlagen in Folge mal wieder ein Punkt heraussprang, darüber konnte sich nun wirklich keiner freuen.
Braunschweig war in der ersten halben Stunde zielstrebiger und ging nicht ganz überraschend nach katastrophalem Schnitzer von Antonio Rüdiger in Führung. Da unser gestriger Gegner nicht gerade übermächtig war, gelang es den Rückstand innerhalb von fünf Minuten in eine Führung zu drehen. Nach der Pause hatte unser Kapitän Christian Gentner per Foulelfmeter sogar das 3:1 auf dem Fuß, scheiterte aber kläglich. Am Ende kam es wie es kommen musste. Jeder um mich herum ahnte es, als die Stadionuhr die 80. Minute anzeigte, dass nun die Zitterminuten anbrechen würden. Spätestens als Trainer Schneider unsere Kreativzentrale durch die Auswechslung von Maxim und Hereinnahme von Rani Khedira aufgab und unsere kampfstärksten Spieler Boka und Cacau auswechselte, standen die Zeichen auf Ergebnissicherung, anstatt gegen die längst nicht sattelfeste Braunschweiger Abwehr zu versuchen den Todesstoß zu setzen.
Dass es ausgerechnet „unserem“ Ermin Bičakčić vorbehalten blieb, für den Braunschweiger Ausgleich zu sorgen, passte ins Bild. Der Junge hat Anstand und freute sich lediglich in sich hinein, möchte er doch auch nicht, dass „sein“ VfB in den Niederungen der 2. Liga versinkt. Einer wie er würde uns nach wie vor gut tun, wenn man betrachtet, welche Abwehrschnitzer wir uns Woche für Woche leisten. Aber, leider hatte er unter Bruno einen schweren Stand und schaffte es nach seiner Verletzung, die er sich beim Pokalspiel in Wehen-Wiesbaden zuzog, wo er uns zuvor noch in Führung brachte, nicht mehr ins Team. Unter anderem wegen ihm war ich in den letzten beiden Spielzeiten jeweils beim Spiel FC St. Pauli-Eintracht Braunschweig, wo er sich sogar die Zeit und die Muse nahm, bis zur Abfahrt des Braunschweiger Busses herauszukommen, um mit uns über seine Karriere und den VfB zu reden. Ein netter Kerl, für den die Tür bei uns hoffentlich nicht endgültig zugeschlagen ist.
Am Ende standen wir, trotz des ersten „Punktgewinns“ 2014 wie die begossenen Pudel da. Mit Verlaub, gegen wen möchte man noch gewinnen, wenn nicht gegen den Tabellenletzten zuhause. Der harte Kern in der Cannstatter Kurve verharrte lange nach Spielende noch in der Kurve und forderte den Vorstand auf, herauszukommen und sich zu stellen, was sie auch in Person von Fredi Bobic und Präsident Wahler taten. Auffallend, wie sehr der Verein in letzter Zeit bemüht ist, dass Pulverfass vor dem explodieren zu bewahren. Aktionen wie „Zusammenhalten“, die Mitfahrt von Wahler im Fanzug nach Frankfurt, die Präsenz von Bobic und Wahler bei Fanausschuss und den Regionalversammlungen, sie bemühen sich „schön Wetter“ zu machen und die Kurve ruhig zu halten.
Dennoch wäre es schon lang an der Zeit gewesen, ein zweites Mal in dieser Saison den Trainer zu wechseln. Es ist ja schön und wunderbar, Visionen zu haben, von denen man überzeugt ist. Mit einem jungen Trainer und einem jungen Team die Liga zu rocken, den VfB attraktiver aufzustellen und sich durch nichts und niemanden davon abbringen zu lassen. Nur, die Realität holt einen eben manchmal im Leben schneller ein, als man es wahrhaben möchte. Die Entscheidung für den jungen Trainer Schneider muss nicht automatisch richtig gewesen sein, weil er ein VfBler, ein Trainertalent ist und weil er die Philosophie des Vereins verinnerlicht hat. Schneider hatte von Beginn an Autoritätsprobleme, fuhr in Sachen Aufstellung und Personalführung einen Schlingerkurs und verlor einige Spiele mutmaßlich aufgrund seiner Ein- und Auswechslungen. Die Spieler können Woche für Woche noch so beteuern, wie toll die Zusammenarbeit ist und dass sie für den Trainer durchs Feuer gehen würden. Umsetzen tun sie es nicht und würden sie sagen, der Trainer hat keine Ahnung, könnte man sie abmahnen. Daher sollte man solche Aussagen nicht auf die Goldwaage legen. Für mich war es schon lang klar, dass sie Schneider über kurz oder lang abschießen würden.
Enttäuscht bin ich darüber, dass Bobic sein Schicksal nicht mit dem von Schneider verknüpft hat, ist doch er der Hauptverantwortliche für die sportliche Talfahrt in den letzten Jahren. Er war doch maßgeblich mitverantwortlich, die Ansprüche nach und nach auf ein Minimum herunterzuschrauben, hat schlechteste Vorstellungen schön geredet und sich über die Erwartungshaltung beklagt. Damit, und mit seiner Personalpolitik, hat er es geschafft, das Stadion leer zu spielen und eine Emotionslosigkeit rund um den VfB zu schaffen, die es so noch nie gegeben hat. Es kommen (unter normalen Umständen) gerade noch höchstens 40.000 Zuschauer, die größtenteils emotionslos zur Kenntnis nehmen, was auf dem Rasen passiert, oder eben auch nicht. Ein Spektakel erwartet man schon lang nicht mehr, prickelnde Szenen während eines Spiels kann man, eigentlich schon in den letzten Jahren, fast an einer Hand abzählen. Diese Emotionslosigkeit wird von den Spielern vorgelebt, spulen sie doch lediglich ihr Pensum ab anstatt dass sie Spielfreude versprühen.
Im Rahmen der „Zusammenhalten“-Aktion kam der VfB dann auf die glorreiche Idee für die Spiele gegen Hertha und Braunschweig Dauerkarteninhabern die Möglichkeit zu eröffnen, zwei weitere Karten für 2,50 Euro in der Untertürkheimer Kurve zu erstehen. Diese Aktion wurde dann auf alle noch freien Bereiche im Stadion ausgeweitet, so dass in unserem Block auf der Haupttribüne Seite, wo die Tageskarte normalerweise um die 35 Euro kostet, massig Leute umherirrten, die nur wegen der Ramsch-Tickets ins Stadion kamen. Immerhin konnte der VfB dadurch „ausverkauft“ vermelden und auf die größtmögliche Unterstützung bauen. Ich finde diese Aktion äußerst fragwürdig und denjenigen gegenüber, die sich teure Karten gekauft haben, ungerecht.
Nach dem Spiel war der Unmut im weiten Rund groß und entlud sich mehr auf die Person Bobic als auf Schneider. Bobic kann in der Kurve noch so beteuern, dass er selbst mal dort gestanden hätte, solche Aussagen sind nicht zielführend und ändern an der Tatsache nichts, dass der Hauptverantwortliche für die Misere ebenfalls seinen Hut nehmen müsste.
So traf es heute früh mal wieder das schwächste Glied in der Kette, Thomas Schneider. Ich hoffe für ihn, dass er als Trainer bei uns nicht ein für allemal verbrannt ist. Labbadia hat ihm eine schwer zu trainierende Truppe hinterlassen, zudem stand er doch immer im Schatten von Übervater Bobic, der durch seine Nähe zur Mannschaft die Kompetenzen des Trainers automatisch beschneidet. Schneider soll, so die derzeitige Sprachregelung, dem Verein weiter erhalten bleiben, was mich freuen würde. Ich denke, die Absetzung als Cheftrainer kann für ihn mehr Segen denn Fluch sein. Mein Gefühl sagte mir, dass wir mit ihm kein Spiel mehr gewinnen würden, was dem Abstieg gleich gekommen wäre. Ob der vielbeschworene Stuttgarter Weg jedoch in der 2. Liga mit dem Abstiegstrainer noch vermittelbar gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Daher lieber jetzt eine Zurückstufung ins zweite oder dritte Glied, um irgendwann einmal, wenn die Zeit wieder reif ist, stärker zurückzukehren.
Nun soll es also Huub Stevens richten. Meiner Meinung nach von den in Frage kommenden Kandidaten die beste Lösung. Mein Wunschtrainer Gross war sowieso unrealistisch, zumindest solang Bobic hier noch am Ruder sitzt. Stevens ist sicherlich die bessere Lösung als die zuvor ins Gespräch gebrachten Fink, Stanislawski und Balakow. Besser deshalb, weil er ein strenger, knorriger Trainer ist, der sich von Bobic nicht sagen lassen wird, welche Führung das Team braucht. Daher vermute ich mal, dass Stevens eher von Wahler als von Bobic durchgedrückt wurde.
Ob es Stevens schafft, in der Kürze der Zeit, der Mannschaft seine Handschrift zu verpassen oder ob die Situation schon zu verfahren und der VfB nicht mehr zu retten ist, ich weiß es nicht. Für mich kommt der Trainerwechsel viel zu spät und muss sofort fruchten, wenn wir noch die Klasse halten wollen. Als dringlichste Aufgabe wartet die Stabilisierung der Abwehr auf „Die Null muss stehen“-Huub. In jedem Spiel mindestens zwei Gegentore sind einfach zu viel, vor allem, wenn man sieht, wie einfach wir die Gegentore bekommen. Auch im psychologischen Bereich müssen die Hebel angesetzt werden, kann es doch nicht sein, dass in schöner Regelmäßigkeit ab der 80. Minute die Beine anfangen zu zittern und wir aus dem Nichts noch einen eingeschenkt bekommen. Zudem muss Stevens möglichst schon in dieser Woche erkennen, wer dem Druck mental gewachsen ist, wer Luft für 90 Minuten hat, wer professionell lebt und wer in dieser schweren Phase alles der schweren Aufgabe unterzuordnen bereit ist. Dann gilt es noch festzustellen, wer mit wem im Team am besten funktioniert und wer sich lediglich als Einzelkämpfer sieht. Was man so hört, ist Stevens ja ein akribischer Arbeiter, der sicherlich schon jetzt im DVD-Studium vertieft sein dürfte.
Immens wichtig wäre es schon am Samstag in Bremen ein erstes Lebenszeichen zu senden und einen Auswärtssieg einzufahren. Uns laufen langsam aber sicher die Spiele davon, von den verbleibenden zehn Spielen müssen sicherlich die Hälfte gewonnen werden, um die Klasse halten zu können. Am Ende warten Aufgaben wie Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Bayern, wo diese eher nicht eingeplant werden können.
Ob Stevens den Stuttgarter Weg konterkariert, ob er eher auf erfahrene Kräfte als auf Jungspunde setzt, wie es nach der Saison weitergehen wird, all das interessiert heute doch überhaupt nicht. Erst einmal kommt der Existenzkampf für den Verein, für seine Bediensteten, für seine Fans und danach kann oder muss man weitersehen.

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