16. Februar 2016

Kramny rockt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 08:47

Ein rundum gelungenes und erfolgreiches Fußball-Wochenende liegt hinter mir.

Bereits am Freitag war ich bei meinen Freunden von St. Pauli zu Gast, als der große Aufstiegs-Favorit Rattenball Leipzig mit Ralf Rangnick auf der Bank mit 1:0 am Millerntor niedergerungen wurde. Dieser Sieg dürfte den Aufstieg der Leipziger zwar auch nicht verhindern, aber, es war trotzdem ein gutes Gefühl, dass ihnen ein wenig in die Suppe gespuckt wurde, auch wenn wir in erster Linie wegen der Atmosphäre im Stadion und der Stadt nach Hamburg reisten und der Gegner zweitrangig war.
Nach langer Nacht auf dem Kiez und kurzer Schlafpause ging es am Samstagmorgen bereits kurz nach 7 Uhr mit dem ICE zurück in Richtung Landeshauptstadt, um rechtzeitig zum Spiel unseres VfB gegen Hertha BSC im Neckarstadion zu sein.

Planmäßige Ankunft wäre 12.35 Uhr gewesen, doch schon vor Hannover zeichnete sich ab, dass dies reines Wunschdenken war. In Hannover hatten wir bereits 45 Minuten Verspätung angesammelt, so dass sich die Deutsche Bahn kurzerhand entschloss, den Zug, der eigentlich direkt bis nach Stuttgart gefahren wäre, in Frankfurt enden zu lassen.

Wäre das alles nicht schon ärgerlich genug gewesen, mussten wir die Fahrt mit einem aus Berlin kommenden ICE fortsetzen, in dem sich hunderte von KSC-Freunden aufhielten und echten Abschaum darstellten. Ich bin ja viel unterwegs und habe trotzdem selten einen von der Anzahl so großen alkoholisierten, niveaulosen, aggressiven und provozierenden Mob durch sämtliche Altersklassen hinweg gesehen, wie ihn diesem Zug. Der durchschnittliche Alkoholpegel dürfte bei etwa drei Promille gelegen haben.

Mit dem DB-Logo auf der Brust schienen manche zu meinen, mit einem Freibrief für schlechtes Benehmen ausgestattet zu sein und dass die „Kollegen“ ihren Dreck ja schon irgendwie beseitigen würden. Wir sind ja auch viel unterwegs und trinken auch „mal“ was, meist jedoch gesitteter und vor allem so, dass wir anderen Reisenden nicht auf den Nerv gehen.

Da der Zug ohnehin ziemlich überfüllt war und wir uns mit diesem niveaulosen Haufen nicht auseinandersetzen wollten, begaben wir uns sofort und ohne erst einen Platz in der 2. Klasse gesucht zu haben, in die 1. Klasse. Nach all den Umständen durfte ein eigenmächtiges Upgrade ja drin gelegen haben.

Außer „Stuttgarter Arschlöcher“ und „Hertha und der KSC“ kennen diese geistigen Tiefflieger auch keine Lieder, diese schmetterten sie allen entgegen, die ihnen begegneten und so „begrüßten“ sie auch unsere schöne Stadt bei der Ankunft. Nur gut, dass sie gleich von der Polizei eingesammelt und zur S1, die direkt zum Neckarpark fährt, gebracht wurden, während wir auf andere Linien ausweichen konnten, um dieses Gesocks endgültig loszuwerden. Einige Straßburger und auch Karlsruher, denen es offensichtlich wichtiger war, gegen den VfB zu pöbeln, als die eigene Mannschaft in Duisburg zu unterstützen, mischten sich noch unters asoziale Berliner Volk, so dass in mir der große Wunsch aufkeimte, die Berliner auf dem Platz gehörig abzuschießen und ihnen somit die Heimreise zu vermiesen.

Gegen 13.45 Uhr erreichten wir schließlich Bad Cannstatt, so dass noch etwas Zeit, wenn auch weniger als geplant, blieb, es erstmals an diesem Tag mit fester Nahrung zu versuchen und mit saurem Radler nachzuspülen.

Kurz darauf ging es auch schon hinein ins Neckarstadion, obwohl sich die Einlasskontrolle einmal mehr hinzog und es zu langen Schlangen kam.

Die meist diskutierte Frage vor dem Spiel gegen den aktuellen Tabellendritten war, ob der VfB an dem Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund noch zu knabbern hätte oder dieses so weggesteckt hat, wie Kramny bei der Spieltagspressekonferenz weismachen wollte.

Als leidgeprüfter Fan wird es wohl noch lange dauern, bis man eine solche Siegesserie, wie man sie zuletzt in der Bundesliga hingelegt hat, als selbstverständlich erachtet und dem Braten zu trauen sich traut. Man hat zu große Zweifel und kann es noch nicht so richtig einschätzen, wie stabil das Gebilde schon oder wie fragil es noch ist, so dass das Spiel gegen Hertha einem kleinen Charaktertest gleich kam.

Bei der Aufarbeitung der Pokalniederlage war Kramny zunächst einmal als Psychologe gefragt. Er musste die Fehler, die zum K. O. führten anzusprechen und gleichzeitig die Jungs wieder aufzurichten. Schon an der Aufstellung gegen den BVB ließ sich ablesen, dass das Weiterkommen nicht allerhöchste Priorität besaß, was ich schade fand, denn, welcher Fan nimmt einen Abstecher nach Berlin im Mai nicht gerne mit?

Dass Langerak erstmals in einem Pflichtspiel für den VfB und gegen seine alten Kameraden auflaufen durfte, ist sicherlich als ein Zeichen zu deuten, Mitch zu zeigen, wie wichtig er fürs Team ist, auch wenn er sich derzeit hinten anstellen muss. Sunjic durfte für Schwaab ran, so dass der in der Liga immer besser funktionierende Abwehrverbund gleich auf zwei Positionen gesprengt war.

Die nicht vorhandene Abstimmung machte sich gegen den BVB schon früh beim 0:1 bemerkbar. Daher lässt sich schon ein wenig hineininterpretieren, dass Kramny das Ausscheiden zumindest einkalkuliert hat, als er seine Aufstellung festlegte. Dass er es bewusst provoziert hat, um Kräfte zu sparen und den Kopf frei für die Liga zu haben, soweit möchte ich nicht gehen, es war eher die Gelegenheit, Spielern die momentan keine Chance auf die erste Elf haben, zu signalisieren, dass sie dicht dran sind.

Hertha ist nicht Dortmund, so dass Kramny zwar vor den Berlinern warnte, jedoch auch Mut machte und einen Plan aufstellte, wie man die Berliner knacken kann.

Über den Ausfall des in Frankfurt mit Gelb-Rot des Feldes verwiesenen Daniel Didavi lamentierte Kramny nicht und schob die ganze Verantwortung der Vertretung auch nicht Alexandru Maxim zu. Er wies darauf hin, man könne Dida nicht 1:1 ersetzen und forderte dies im Kollektiv zu tun, womit er automatisch das ganze Team in die Pflicht nahm. Psychologisch sicher nicht ganz so ungeschickt.

Timo Werner, der gegen den BVB noch wegen eines grippalen Infekts passen musste, stand gegen die Hertha wieder zur Verfügung, so dass bis auf die Hereinnahme Maxims, keine Wechsel in der zuletzt in der Bundesliga so erfolgreichen Elf vorgenommen wurden.

Hertha BSC hatte nach dem Pokal-Spiel einen Tag weniger zur Regeneration zur Verfügung, was Pal Dardai im Vorfeld als Wettbewerbsverzerrung anprangerte, wobei die Hertha nach dem Pokal psychologisch im Vorteil war, da ihr Traum vom Finale daheim weiter lebt und sie sicherlich, wenn auch auswärts, die weitaus leichtere Aufgabe zu bewältigen hatten.

Für beide Teams von Nachteil war der vom Pokalspiel sehr ramponierte Rasen, da beide eher die feine Sohle bevorzugen und nicht so gern rustikal zur Sache gehen.

Und dennoch begann das Spiel aus VfB-Sicht gleich mit einem Paukenschlag. Der starke Timo Werner setzte sich auf der rechten Seite durch und passte scharf an Freund und Feind vorbei in Richtung Filip Kostic, welcher etwas überrascht schien und den Ball in Rücklage am Tor vorbei schoss. Gegen einen bekanntermaßen defensivstarken Gegner wäre dieses frühe Tor in der 2. Spielminute Gold wert gewesen.
Im Anschluss neutralisierten sich beide Teams weitestgehend in einem Spiel, das von gegenseitigem Respekt geprägt war. Hertha ließ aufblitzen, weshalb es auf dem 3. Tabellenplatz steht, ball- und kombinationssicher, aus einer guten Ordnung heraus spielend, ließen sie unserer zuletzt so hochgelobten Offensive kaum Räume, in die man hineinstoßen hätte können.

Einzig Maxims nah aufs Tor geschlagene Eckbälle brachten Keeper Jarstein ein ums andere Mal in die Bredouille.

Schiedsrichter Dingert rückte dann in den Mittelpunkt und machte sich unter denjenigen Zuschauern, die es mit dem VfB hielten, keine Freunde. Eine Balleroberung Gentners gegen Lustenberger pfiff er ab, kann man machen, muss man aber auch wiederum nicht unbedingt, Gentner wäre alleine aufs Tor zugelaufen. In der 27. Minute dann der nächste Aufreger, als Timo Werner im Strafraum gefoult wurde, jedoch nicht abhob, sondern sich aufrappelte und weiter spielte und im Anschluss zu dieser Szene wenigstens noch zum Kopfballabschluss kam.

Der rein ergebnisorientierte Fußball-Interessierte mag ihm danach geraten haben, bei Arjen Robben nachzufragen, auf welche Schauspielschule er denn gegangen ist, um das nächste Mal „cleverer“ zu agieren. Wem dagegen Fairness und Gerechtigkeit im Fußball wichtiger ist als das schnöde Ergebnis, sagt einfach „Chapeau“ zu Timo. Eine faire Aktion unseres Youngsters und überhaupt ist es doch nur „foul, wenn der Schiedsrichter pfeift“. Legt er sich und das Spiel läuft weiter, ist der Aufschrei auch groß. Einzig Schiedsrichter stand in der Pflicht, auf den Elfmeterpunkt zu zeigen und darf keine Unterschiede machen, ob einer den sterbenden Schwan mimt oder nicht. So lang Schiedsrichter schäbige Schauspieleinlagen mehr belohnen als faires Verhalten, werden die Robbens dieser (Fußball-)Welt nie aussterben.
Nach dieser Szene wurden die Berliner mutiger und hatten zunächst eine Freistoßchance durch Plattenhardt, der wegen seiner Heimatverbundenheit auch gerne mal zum VfB gewechselt wäre, und danach einen echten Hochkaräter durch Ibišević.

Dieser wurde im richtigen Moment von Cigerci angespielt und lief allein auf Przemysław Tytoń zu, der seinen Schuss artistisch und gerade noch mit dem rechten Fuß abwehren konnte.
Wie wurde der Pole doch anfangs gescholten, selbst ich sah uns zwischenzeitlich nach Ulle schon vom Regen in die Traufe gekommen zu sein (und das will was heißen), da Tytoń regelmäßige unerklärliche Aussetzer an den Tag legte.

Tytoń hat sich enorm stabilisiert und auch schon unter Zorniger erste Spiele für uns gewonnen, man denke bspw. an die Zu-Null-Spiele gegen Ingolstadt und Darmstadt. Jetzt aber, wo er seit Wochen die gleichen Vorderleute vor sich hat, das Team insgesamt besser und vor allem gemeinsam nach hinten arbeitet, ist er ein enorm starker Rückhalt geworden. Durch diese starke Parade zählt auch Tytoń zweifellos zu den Matchwinnern vom Samstag.

Ein Mitch Langerak kann einem dabei mittlerweile fast schon leidtun. Eigentlich als Nummer eins verpflichtet, danach gleich lange verletzt und jetzt im Wartestand, wie schon in den letzten Jahren beim BVB. Das hätte er sich sicher anders vorgestellt. Derzeit gibt es keinen Grund an Tytońs Status als Nummer eins zu rütteln.

Ibišević dagegen, dessen Gehalt der VfB zu großen Teilen weiterhin bezahlt, war somit zunächst das nicht vergönnt, was uns durch Ex-Spieler gefühlt jedes Mal ereilt, nämlich, dass sie gegen den VfB sicher treffen.

Auch Julian Schieber gelang das im Übrigen nicht, der nach einer Stunde eingewechselt wurde. Er wurde, wie nahezu jeder Ex-Spieler, der für seinen neuen Verein gegen den VfB aufläuft, mit einem gellenden Pfeifkonzert „begrüßt“, was ich persönlich immer etwas daneben finde. Von Schieber muss ja nicht nur haften geblieben sein, dass er dem Lockruf des Geldes und der Aussicht Championsleague spielen zu können, folgte, sondern auch seine zwei Tore beim 4:4 beim BVB, einem der unfassbarsten Spiele überhaupt. An diesem Samstag aber hatte seine Einwechslung noch eine ganz andere Note, betrat er doch nach exakt einjähriger Verletzungspause erstmals wieder das Spielfeld, so dass man ihn auch mit warmem und aufmunterndem Applaus hätte empfangen können.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff hatte der VfB nach Insúa-Hereingabe eine Chance durch Timo Werner, ehe Cigerci eine gute Kopfball-Chance hatte und auch Ibisevic mit einem harmlosen Flachschuss wieder in Erscheinung trat.

Doch dann schlug die große Stunde von Serey Dié. Erst eroberte er im Mittelfeld selbst den Ball, dieser gelangte über Umwege zu Alexandru Maxim, der scharf abzog, dass Jarstein nur abklatschen konnte. Den Abpraller ließ Kostic für den heranrauschenden Serey Dié passieren, welcher volley und mit dem Außenrist abzog und Jarstein keine Chance ließ. Ein Wahnsinnstor unserer Nummer 26, sein allererstes im VfB-Trikot, womit er seine herausragende Leistung krönte. Er legte einen Weltklasseauftritt hin, sehr passsicher, sehr zweikampfstark, aufopfernd kämpfend und ein wahrer Leader. Serey Dié steht wie einige andere auch sinnbildlich für den Aufschwung. Dutt drückte es so aus, dass das Trainerteam hart an seiner Positionstreue gearbeitet habe, was bedeutet, dass er sich mehr auf sein Kerngeschäft konzentriert und seine Vorstöße dosierter ausfallen. Ganz großes Kino des Ivorers, dem jeder, wirklich jeder, diesen Treffer von Herzen gönnte.

Nach dem brustlösenden Führungstreffer intensivierte die Hertha ihre Offensivbemühungen, kam aber bis auf einen Schuss von Brooks an den Außenpfosten kaum zu nennenswerten Möglichkeiten. Da hatte der VfB das Glück des Tüchtigen, ansonsten hatte unsere Defensive mit den immer besser funktionierenden Schwaab und Niedermeier die Berliner gut im Griff. Der VfB hatte das ganze Spiel über mehr und auch bessere Tormöglichkeiten, so dass die Führung mehr als verdient war.

Und trotzdem sollte es bis 84. Minute dauern, bis der Deckel drauf war. Symptomatisch für den „neuen“ VfB, der mittlerweile dosierter auftritt als noch zu Zorniger-Zeiten und auch mal das Tempo herausnimmt, dass der VfB zu diesem späten Zeitpunkt und mit dem Pokalspiel in den Knochen in den Schlussminuten noch ein Offensiv-Pressing betrieb, das schließlich den Berliner Ballverlust provozierte und woraus das erlösende 2:0 durch Filip Kostic resultierte. Auch Kostic einer der großen Profiteure unter Kramny, weil er wieder losgelassen wurde und seinem Instinkt folgen darf, statt dem Diktat Zornigers zu unterliegen, stur in die Mitte zu ziehen. Da ist er wieder, der Kostic aus den letzten Spielen der Rückrunde.

Ich war ja auch skeptisch, was die Installation Kramnys als Cheftrainer anging, weil ich es ihm zunächst nicht zutraute, diese schwierige Mannschaft in den Griff zu bekommen und weil die Lösung für mich aussah, als wolle man sich seiner womöglich letzten Patrone (noch) nicht berauben und lasse Kramny daher erst mal machen. Die Uhr stand auf fünf vor zwölf, so dass eigentlich keine Zeit für Experimente mehr vorhanden war.

Was Kramny aber seither angepackt hat, wie er sich gibt, wie er es verstanden hat, das Team zusammenzuschweißen, wie er die Mannschaft das spielen lässt, was sie am besten kann und vor allem, wie es ihm die Mannschaft dankt, ich hätte das nicht für möglich gehalten.

Der VfB stellt die beste Rückrundenmannschaft und wies den Tabellendritten Hertha BSC, der seinerzeit zuvor sechs Mal nicht verloren hatte, hochverdient und relativ deutlich in die Schranken. Mit nunmehr fünf Siegen in Folge, der besten Serie seit 2010, noch unter Christian Gross, hat der VfB nun nach 21 Spieltagen bereits 27 Punkte auf dem Konto und nimmt den zehnten Platz ein.

Zwölf Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegs-, der vor zwei Monaten noch VfB-Stammplatz war, schon sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, jedoch nur noch fünf Punkte Rückstand auf Platz sieben, der möglicherweise zur Europaleague-Qualifikation berechtigt.

Wohin soll man in der Tabelle also blicken? Ist die Zeit (schon) reif, ein neues Saisonziel auszugeben? Ich finde nicht! Da bin ich bei Jürgen Kramny, von Spiel zu Spiel denken und vor allem erst einmal die 40-Punkte-Marke knacken, ehe man zu spinnen anfängt. Wenn man die Truppe derzeit spielen sieht, kann man es sich zwar schwerlich vorstellen, dass das Team noch dermaßen einbrechen und in Gefahr geraten könnte, aber, der Teufel ist ein Eichhörnchen, wir sind gebrannte Kinder und tun gut daran, von Woche zu Woche weiterzusehen und erst einmal kleine Brötchen zu backen.

Schafft es Kramny jedoch, das Team weiterhin so bei Laune, die Stimmung hoch zu halten, ist noch vieles möglich. Der Teamgeist, auch unter den Reservisten, scheint überragend zu sein, so dass sich die Spieler gegenseitig zu Höchstleistungen pushen und der Lauf durchaus eine Eigendynamik annehmen kann, wie wir sie zuletzt 2007 erlebt haben.

Durch Handauflegen und die Krise weglächeln hat Kramny mit seinem Trainerteam zusammen sicherlich nicht für den Aufschwung gesorgt. Die Grundlagen, die in Belek gelegt wurden, zahlen sich schon jetzt aus, die Team-Building-Maßnahmen dort ebenfalls.

Die Neuzugänge Großkreutz und Kravets passen bislang wie die Faust aufs Auge. Großkreutz ist schon von seiner Siegermentalität und seiner offenen Art her ein Gewinn, dass er wie ein Irrer läuft und kämpft und stets bereit ist, sich völlig auszupowern, und das als Spieler, der schon alles erreicht hat, nötigt den Mitspielern Respekt ab und animiert die Anderen dazu, ebenfalls eine Schippe draufzulegen.

Kravets hingegen ist eine ernsthafte Alternative für Timo Werner, wofür er mir fast zu schade ist. Aber, Timo Werner selbst hat in dieser Saison einen enormen Sprung gemacht und machte auch am Samstag wieder ein starkes Spiel, so dass Timo nicht gerecht werden, ihn für Kravets zu opfern. Kravets wiederum war nun bereits zum dritten Mal in Folge nach seiner Einwechslung an einem Tor beteiligt, wenn auch am Samstag unorthodox und unfreiwillig, so dass Kramny ein Luxusproblem hat, wem er denn sein Vertrauen schenkt. Momentan ist auch Timo Werner sehr wertvoll für sein Team, erläuft Bälle und holt durch seine Schnelligkeit Freistöße heraus. Deshalb würde ich an dieser Formation derzeit nicht rütteln, zumal es ja auch sehr wertvoll für einen Trainer ist, jemanden in der Hinterhand zu haben, der sofort da ist und müde Abwehrreihen vor große Probleme stellen kann.

Nur schade, dass der dritte Neue, Federico Barba, eigentlich ja der Winterkönigstransfer, noch eine ganze Weile verletzt ausfällt.

Was mir an Kramny noch imponiert, ist, dass mir seine Auswechslungen bislang meist plausibel und zum richtigen Zeitpunkt erscheinen, mit Ausnahme vielleicht davon, dass er Didavi nach seiner gelben Karte in Frankfurt hätte schützen und auswechseln können und auch eine Auswechslung Insúas am Samstag Sinn gemacht hätte, spätestens nachdem er Glück hatte, nicht mit Gelb-Rot vom Platz geflogen zu sein. Da vertraut er aber seinen Mannen, dass sie sich im Griff haben und nicht durch eine dumme Aktion das eigene Team schädigen.

Ansonsten aber, Kravets für Werner habe ich thematisiert, aber auch Harnik für Maxim machte Sinn. Nicht nur, weil Maxim müde war, der Wechsel fiel just in eine Phase, in der die Berliner drohten, des Öfteren gefährlich durchs Zentrum nach vorne zu gelangen. Harnik lief diese Räume dann zu und hatte zum Schluss noch die Großchance zum 3:0.

Der letzte Wechsel, Klein für Serey Dié, diente freilich nur noch dazu, dem Mann des Spiels einen gebührenden Abgang zu verschaffen. Holger Laser, unser Stadionsprecher, rief dazu auf für Serey Dié aufzustehen und gut 40.000 VfB-Fans folgten dem Aufruf. Standing Ovations der glückseligen schwäbischen Fangemeinde, die geradezu entzückt ist, vom neuen VfB. Dass die Mannschaft schön spielen kann, erlebten wir unter Alexander Zorniger ja auch zur Genüge, der Unterschied im Hier und Jetzt aber ist, dass wir nicht nur schön spielen sondern auch gewinnen.

Begann man die Saison nach teilweise hervorragenden Leistungen mit vier Niederlagen, schaffte man nun gegen die gleichen Gegner zum Auftakt der Rückserie vier Siege.

Bratwurst-Fredi, der in diversen Kolumnen und auf kleinen unbedeutenden Spartensendern seinen unqualifizierten Senf hinzugeben darf, sprach Kramny jüngst ja die Bundesligatauglichkeit ab. Man darf gespannt sein, was ihm diese Woche dazu einfällt.

Ich möchte Kramny nun auch nicht in die höchsten Sphären heben, um ein erfolgreicher Bundesligatrainer zu sein, gehören viele Jahre Erfahrung auf hohem Niveau und nicht nur ein paar Spiele dazu, aber, jeder Große fing mal klein an, einen sehr guten Auftakt hat er jedenfalls hingelegt.

Was ihn grundlegend von Zorniger unterscheidet ist, dass es für Kramny wohl kein Beinbruch wäre, wenn er irgendwann einmal wieder ins zweite Glied zurückgestuft werden würde, während Zorniger den Eindruck erweckte, nichts ginge ihm schnell genug, dass er alles mit Gewalt einreißen und der neue Schwaben-Mourinho sein wollte. Dabei machte er leider den zweiten vor dem ersten Schritt, so dass die Trennung spätestens dann nicht mehr zu vermeiden war, als er die Mannschaft gänzlich verloren hatte.

Kramny hingegen macht seinen Job ruhig und unaufgeregt, hört auf sein Umfeld und auch auf die Mannschaft, was sie ihm derzeit unwiderstehlich dankt. Hoffen wir, dass es so weiter geht. Nächste Ausfahrt Schalke und ich ertappe mich tatsächlich dabei, darüber enttäuscht zu sein, sollten wir mit leeren Händen vom Pott zurückkehren. So schnell ändern sich die Zeiten.

Nach diesem gigantischen Wochenende verschwand mein Dauergrinsen am Sonntag dann von einem Moment auf den Anderen. Es wurde Gewissheit, was man nach der morgendlichen Einheit schon befürchten musste, nämlich, als Daniel Ginczek, gestützt von Gerhard Wörn, vom Platz humpelte.

Ginni hat sich erneut das Kreuzband gerissen, dieses Mal im anderen Knie. Seit dem 3.10.15 hatte Ginczek wegen eines Bandscheibenvorfalls pausieren müssen und war nach viereinhalb Monaten gerade erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und dann das. Einfach nur unfassbar traurig. Ich hoffe, die Operation und anschließende Reha verlaufen optimal, so dass uns Ginni zum Bundesligastart 2016/2017 wieder zur Verfügung steht. Kopf hoch Ginni, YNWA!

So manch einer schreibt Ginni jetzt schon für immer ab, weil seine Verletzungshistorie badstubersche Züge annehmen würde. Ich sehe da nicht so schwarz, zum einen ist Ginni noch jung und zum anderen hätte man es Daniel Didavi vor zwei Jahren auch nicht mehr zugetraut, so stark zurückzukommen und über einen jetzt doch erfreulich langen Zeitraum beschwerdefrei zu sein.

Der erwähnte Holger Badstuber bleibt der ganz große Pechvogel im deutschen Fußball und zog sich am Wochenende einen Fußbruch zu, der ihn die Euro in Frankreich kosten wird. Bitter für ihn, der einst in der VfB-Jugend gekickt hat und sich in den letzten Jahren mehr in der Reha als auf dem Platz befand. Auch ihm gute Besserung und dass er nach der neuerlichen Reha endlich mal gesund bleiben darf.

Nun freue ich mich auf eine Europapokal-Woche, auch wenn das Championsleague-Achtelfinale so gestückelt wurde und sich über vier Wochen erstreckt. Schalke wünsche ich eine gute Reise in die Ukraine, ein anstrengendes Spiel und eine beschwerliche Reise zurück. Die Trauben am Sonntag hängen zwar hoch in der Turnhalle, aber, dieser Mannschaft ist momentan vieles zuzutrauen, auch ein Sieg im Pott.

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