20. Februar 2017

That’s, why we love football

Superlative dieser Art klingen noch in meinen Ohren von einem englischen Fußball-Kommentar, der das 4:4 in Dortmund vor knapp fünf Jahren in Worte zu fassen versuchte, diese Worte fallen mir nun zu diesem unfassbaren Spiel in der Heidenheimer Voith-Arena am Freitagabend wieder ein.
Es stand zwar weder ein Bundesligaspiel an, noch beim deutschen Meister und acht Tore fielen auch nicht. Auch mit über 80.000 Zuschauern konnte der Gastgeber 1. FC Heidenheim beim besten Willen nicht aufwarten, wenngleich er immerhin, damals wie heute, „ausverkauft“ vermeldete und locker das Doppelte bis Dreifache an Tickets hätte absetzen können.

Das Fassungsvermögen des Stadions beträgt jedoch „nur“ 15.000, so dass sich jene wirklich glücklich schätzen konnten, die ein Ticket für dieses Spiel ergattern konnten. Dieses Spiel elektrisierte bereits im Vorfeld die Massen auf der Ostalb wie kaum eines zuvor. Da viele Heidenheim-Fans mit dem VfB sympathisieren oder zumindest, als Heidenheim noch unterklassig als Heidenheimer SB unterwegs war, mit dem VfB sympathisierten, wollte sich keiner dieses (hoffentlich) einmalige Aufeinandertreffen auf Augenhöhe entgehen lassen.

Auch für die VfBler war das Kontingent von 1.500 Tickets viel zu gering ausgefallen. Bei entsprechender Verfügbarkeit von Karten hätten die VfBler die ostälblerische Provinz wohl ähnlich überflutet wie seinerzeit schon die von Sandhausen und Kaiserslautern.

Auch Karten auf neutralem Terrain zu bekommen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es soll sogar VfBler gegeben haben, die 1. FCH-Mitglied wurden oder bei Heidenheim eine Rückrunden-Dauerkarte erstanden, nur um bei diesem Spiel dabei sein zu können. Im Nachhinein, in Anbetracht des tollen Spiels und Schwarzmarktpreisen von rund 150 Euro für ein Ticket nicht die schlechteste Entscheidung!

Der 1. FCH ist in der Region „in“, spielt als Tabellenfünfter eine bemerkenswert starke Runde und setzte sein Saisonhighlight bereits am 4. Spieltag mit dem Husarenstreich im Neckarstadion. Die Lust auf eine neuerliche Sensation und die Aussicht dabei zu sein, wenn der David 1. FCH dem Goliath VfB auch zu Hause ein Bein stellt, taten ein Übriges, dass die Voith-Arena in Windeseile ausverkauft war.

Wir, gute Kontakte eben, hätten zwar als Allesfahrer Karten im Gästeblock bekommen, zogen es jedoch vor, die Seite und damit in die Höhle des Löwen zu wechseln, in der Hoffnung vor allem vom Gästeblock bessere Bilder machen zu können. Dies gelang aufgrund der Wetter- und Lichtverhältnisse nur bedingt.

Auf der Homepage des FCH war am Vortag zu lesen, dass unser Block zum Heimfanbereich gehören würde und Gästefans keinen Zutritt hätten. Normalerweise heißt der Vermerk „kein Zutritt in Gästefankleidung“, dieses Mal also gleich Gästefans!? Schon die ganze Saison treibe ich mich ja in anderen Bereichen in den Stadien herum, so dass neutrale Kleidung ohnehin selbstverständlich gewesen wäre. In gutem Glauben, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, verwarf ich die Idee, einen Crashkurs in ostälblerisch zu besuchen wieder und hoffte, dass neutrale Kleidung und ordentliches Benehmen auch schon genügen würden.

Dem war dann auch so, keine Probleme beim Einlass und drinnen ein absolut entspanntes Miteinander. So erwartete ich das eigentlich auch und war im Vorfeld schon darüber verwundert, teils von einem Risikospiel und strikter Fantrennung zu lesen. Ich erwartete nicht, dass es dort irgendwelchen Ärger geben könnte und habe auch keine Auseinandersetzungen und Scharmützel mitbekommen.

Wieso auch? Für den VfB ist dieses Jahr gemeinsamer Ligazugehörigkeit (hoffentlich) nur ein Intermezzo und für die Heidenheimer DAS Spiel des Jahres. Ob es jetzt ein Nachbarschaftsduell oder ein Derby ist, darüber schieden sich im Vorfeld mal wieder die Geister. Bei diesem Aufeinandertreffen kommt mir das Wort „Derby“ leichter über die Lippen als gegen irgendwelche neureiche Emporkömmlinge, zum einen, weil es sich um einen württembergischen Nachbarn handelt und zum anderen, weil ich durchaus Respekt für das empfinde, was in den letzten Jahren auf der Ostalb gewachsen ist.

In Zeiten, in denen der VfB die Trainer häufiger wechselte als so mancher die Unterhose, hätte ich Trainer Frank Schmidt (Mitglied der Mannschaft vom TSV Vestenbergsgreuth, das den FC Bayern 1994 aus dem DFB-Pokal schmiss) und seinen Kapitän Marc Schnatterer (1998-2000 Jugendspieler beim VfB) mit Kusshand genommen, weil beide eine unbändige Leidenschaft verkörpern und für das Heidenheimer Fußballwunder DIE Eckpfeiler sind. Mittlerweile hat sich dieses Thema natürlich erledigt, weil wir mit Hannes Wolf bestens aufgestellt sind und Schnatterer mit seinen 31 Jahren allmählich ein Auslaufmodell wird.

Seit ich das letzte Mal in der Voith-Arena war (Vorbereitungsspiel im Juli 2013, noch unter Labbadia) hat sich das Stadion schwer gemausert und ist zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Woher ich meinen Optimismus vor dem Spiel nahm, weiß ich nicht. Jedenfalls dachte ich in keiner Sekunde an einen Punktverlust und war felsenfest davon überzeugt, dass wir die Schmach vom Hinspiel auf jeden Fall ausmerzen werden könnten.
Die Atmosphäre war schon vor dem Spiel hervorragend und bot einen würdigen Rahmen für ein denkwürdiges Fußballspiel. Zum Einlauf der Gladiatoren bot der Heidenheimer Anhang eine schöne Württemberg-Choreographie, ergänzt durch das Wunschdenken „ein neues Zeitalter wird kommen“ und einem Feuerwerk außerhalb des Stadions.

Während Trainer Frank Schmidt sein Team gegenüber dem Auswärtssieg bei den Würzburger Kickers umstellen musste, setzte Hannes Wolf getreu dem Motto „never change a winning team“ auf die zuletzt erfolgreiche Anfangself.

Die erste Torannäherung hatte Heidenheim durch den Liga-Topscorer Marc Schnatterer (jetzt, 8 Tore, 8 Assists), danach aber übernahm der VfB das Kommando und dominierte über weite Strecken die erste Hälfte.

Heidenheim gegen den VfB war auch das Duell der beiden 31-jährigen Kapitäne, deren Wege sich seit der E-Jugend immer wieder kreuzten und bei dem es Christian Gentner war, der den ersten Glanzpunkt setzte.

Nach der allerersten Ecke für den VfB verpasste es Heidenheim zwei Mal den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, so dass Gentner in seinem zweiten Versuch zur vielumjubelten Führung traf. Es war sein sechster Saisontreffer, womit ihm bereits jetzt so viele gelangen, wie noch nie zuvor innerhalb einer Saison in seiner Karriere.

Dieser Treffer zeigte bei den Heidenheimern, deren Matchplan aufs Konterspiel ausgelegt war, Wirkung, so dass der VfB Ball und Gegner laufen lassen konnte. Nach gut einer halben Stunde hatte Carlos Mané nach Insúa-Hereingabe die Hundertprozentige zum 0:2 auf dem Fuß, verfehlte jedoch zu unser aller Entsetzen das leere Tor.

Durch eine Einzelleistung von Schnatterer kamen die Heidenheimer unverhofft zum Ausgleich, als sich kein VfBler zuständig fühlte und man ihn ohne Gegenwehr gewähren ließ. Der unermüdliche Schnatterer nahm diese Einladung dankend an und traf mit einem fulminanten, jedoch wohl nicht unhaltbaren, 25-Meter-Schuss zum Ausgleich. Nichts hatte zuvor darauf hingedeutet, dass uns die Heidenheimer vor der Pause noch gefährlich werden könnten, ehe sich Schnatterer ein Herz fasste. Mit diesem Remis ging es kurz danach in die Halbzeitpause.

Der Ausgleich gab den Ostälblern sichtlich Auftrieb. Heidenheim wurde nach dem Seitenwechsel aktiver und bekam Oberwasser, während der VfB zunächst nicht so recht in die Puschen kam.

Hannes Wolf reagierte darauf und brachte erst Brekalo für Asano und kurze Zeit später Ginczek für Green. Danach wendete sich das Blatt wieder und es entstand ein offener Schlagabtausch.

Bei solchen äußeren Bedingungen, es regnete ja in Strömen, waren Distanzschüsse ein probates Mittel. Das erkannte der VfB und scheiterte damit durch Gentner und Grgic am glänzend aufgelegten Ex-VfB-Keeper Kevin Müller, der immerhin schon neun Mal in dieser Saison ohne Gegentor blieb.
Auch Terodde, der über weite Strecken mehr als unermüdlicher Kämpfer denn als Torjäger in Erscheinung trat, bot sich noch eine gute Kopfballchance, die Müller und Schnatterer mit vereinten Kräften auf der Linie vereitelten.

Das Spiel legte nun ein atemberaubendes Tempo vor und wogte hin und her. Schnatterer verfehlte den Kasten auf der anderen Seite denkbar knapp, während beim Gegenzug die große Stunde von Josip Brekalo zu schlagen begann.

Das kroatische Wunderkind, gerade einmal 18 Lenze auf dem Buckel und vor kurzem noch von Inter Mailand, Arsenal London und Benfica Lissabon umworben, dribbelte zunächst vom Strafraum weg, um dann doch all seine Kraft in einen mächtigen Schuss zu legen.

Kein Bierdeckel hätte mehr zwischen Ball und Torwinkel gepasst, so genau zielte Brekalo. Trainer Wolf bekannte nach dem Spiel verschmitzt, es sei gut, dass Brekalo noch nicht so des Deutschen mächtig sei und offensichtlich nicht verstanden habe, dass er ihm mit auf den Weg gegeben habe, nicht immer gleich abzuziehen, sondern die Situationen zu Ende zu spielen. Ein Tor wie ein Kunstwerk, auch Tage danach gerate ich ins Schwärmen
Nicht wenige meinten nach dem Spiel, so träfe ein Spieler einen Ball alle zehn Jahre mal, dann wollen wir doch hoffen, dass Brekalo mit diesem Traumtor sein Pulver noch nicht verschossen hat und er vor allem die Bodenhaftung bewahrt.

In einem dramatischen Spiel war damit aber längst noch nicht Schluss. Hitzige Atmosphäre, enges Stadion, Derbyfieber, Flutlicht, Fritz-Walter-Wetter, demzufolge ein glitschiges immer tiefer werdendes Geläuf und zwei Mannschaften, die sich gnadenlos bekämpften. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein packenderes Zweitligaspiel gesehen zu haben, in dem von der feinen Klinge bis zum rustikalen Handwerk keine Facette zu kurz kam.

Die beiden Kapitäne waren, nicht nur wegen ihrer Tore, mit die auffälligsten Spieler auf dem Platz. Schnatterer trieb nach dem erneuten Rückstand seine Farben vehement an und versuchte das Publikum noch mehr zu pushen, während Gentner seinem Pendant in Sachen Mentalität an diesem Tag in nichts nachstehen wollte.

Selten habe ich Gentner so entschlossen und kampfesbereit erlebt wie am Freitag in Heidenheim. Ihm kommt sicherlich inzwischen zu Gute, dass sich in der Schaltzentrale nicht mehr alles auf ihn fokussiert, sondern sich Anto Grgic mehr und mehr als Ballverteiler in den Vordergrund spielt und für die gegnerischen Trainer DER Mann ist, den es aus dem Spiel zu nehmen gilt.

Nach der Führung verpassten es Terodde und Grgic dann den Sack zuzumachen, was sich beinahe noch rächen sollte. In den letzten zehn Minuten zog Heidenheim mit dem Mute der Verzweiflung ein Offensiv-Spektakel auf, das seinesgleichen suchte. Bei sieben (!) fast unmittelbar aufeinander folgenden Eckbällen musste der VfB Schreckmomente fast im Sekundentakt überstehen und tat das mit unermüdlichem Kampfgeist und vor allem auch einer gehörigen Portion Glück. Brekalo klärte auf der Linie, Langerak lenkte einen Ball mit einem unglaublichen Reflex noch an die Latte. Während Heidenheim aus allen Rohren schoss, warfen sich die VfBler dazwischen und verteidigten das eigene Tor mit einer Leidenschaft, die man beim VfB lange nicht gesehen hat.

Nach dem Schlusspfiff erkannte man förmlich ein Funkeln in den Augen einiger Spieler, die sichtlich erleichtert und auch stolz waren, dieses schwierige Spiel siegreich über die Runden gebracht zu haben. Wenn ein alter Hase, wie es Simon Terodde ist, hinterher bekennt, er sei stolz Teil dieses Teams zu sein, sagt das, wie ich meine, viel über den neuen Teamgeist aus, der Einzug in die Mercedesstraße gehalten hat und auch darüber, dass die Jungs mit Spaß bei der Sache sind.

Der VfB verfügt mittlerweile über einen ausgeglichen 26-Mann-Kader und ist damit auch in der Breite für die 2. Liga herausragend gut besetzt. Die Kunst des Trainerteams besteht darin, alle Mann bei Laune zu halten und was die Kader-Nominierungen angeht, gerecht zu sein. Dies scheinen sie im Moment so gut hinzubekommen, wie man es beim VfB lange nicht mehr erlebt hat. Man hört überhaupt kein Wehklagen von Spielern, die derzeit nicht die erste Geige spielen oder es überhaupt nicht in den 18-Mann-Kader fürs Spiel schaffen, wie Alexandru Maxim und Hajime Hosogai beispielsweise.

Der mediale Aufschrei und der in den Foren war schon enorm, weil es Maxim fürs Heidenheim-Spiel nicht einmal mehr in den Kader geschafft hat. Ich kann den Maxim-Hype ohnehin nicht nachvollziehen, da er sich noch unter keinem Trainer durchgesetzt hat und weder die Kondition noch den Kampfgeist besitzt, um in einem umkämpften Spiel wie am Freitag, in dem 90 Minuten lang der Rasen umgepflügt wird, seinen Mann zu stehen. Seine Zeit beim VfB dürfte sich unweigerlich dem Ende zuneigen, da man mittlerweile nicht einmal mehr auf seine genialen Momente und seine Standards angewiesen ist. Auch diese beansprucht Anto Grgic derzeit für sich, von unseren hoch veranlagten und technisch beschlagenen Offensivspielern einmal abgesehen.

Auch Tage danach bin ich noch berauscht und von einer gewissen Euphorie getragen nach diesem wahnsinnigen Spiel. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich den restlichen Saisonverlauf als Selbstläufer an- und uns schon aufgestiegen sehe.

Beileibe nicht. Der VfB hat, bis auf Düsseldorf, alle seine Rückrundensiege mit Mühe und Not, jedoch auch nicht unverdient, erkämpft. Das verdeutlicht, dass trotz aller individuellen Klasse jeder Sieg aufs Neue hart erarbeitet werden muss und man die Füße wirklich erst im Mai hochlegen kann.

Dass man in Heidenheim derart ins Schwimmen geriet, muss dem Team zu denken geben und dennoch bringt den VfB jeder Sieg weiter, dieser ganz besonders.
Jeder Beteiligte hat gesehen, wie Teamgeist Berge versetzen kann und dass es sich lohnt, auch die letzten Körner aus sich herauszuholen. Ein heimstarkes Heidenheim, das mit brachialer Wucht anrannte, gelang es letztlich in die Schranken zu weisen, was Selbstvertrauen geben sollte. Dieses Glück, das man am Ende hatte, hat sich der VfB erarbeitet, vor nicht allzu langer Zeit wäre ein solches Spiel mit Sicherheit verloren gegangen.
Die Momentaufnahme mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sieht formidabel aus. Nächsten Sonntag kommen unsere Freunde vom 1. FC Kaiserslautern, die sich unter Norbert Meier aus der Abstiegszone befreien konnten und derzeit einen Lauf haben. Auch das Kaiserslautern aus dem Hinspiel ist mit dem der Gegenwart nicht mehr zu vergleichen, ich befürchte erneut eine ganz harte Nuss, die es da zu knacken gilt.

Der Lauterer Aufschwung, die Ansetzung am Sonntagnachmittag, die Entfernung von gerade einmal 180 Kilometern und die Fanfreundschaft mit dem VfB dürfte die Lauterer Massen mobilisieren, so dass ich mit weit über 5.000 Pfälzern im Neckarstadion rechne.

Bei Hannes Wolf als Trainer bin ich mir sicher, dass auch diese Aufgabe mit der gleichen Seriosität und Konzentration angegangen wird wie jedes andere Spiel auch, und er es nicht zulassen wird, dass das Team auch nur einen Prozentpunkt nachlässt.

Was vier Siege zum Rückrundenbeginn angeht und was sie wert sein können, diesbezüglich sind wir VfBler ja gebrannte Kinder. In der letzten Saison startete der VfB genauso furios ins neue Jahr, um im Mai sang- und klanglos abzusteigen.

Da vom Vorjahrespersonal nicht mehr viel übrig ist und der Teamgeist mittlerweile richtig gut zu sein scheint, schätze ich die Gefahr eines neuerlichen Einbruchs als sehr gering ein. Schindelmeiser und Wolf mit ihrer unaufgeregten fokussierten Art, sind nah am Team und werden gefährlichen Tendenzen sofort entgegenwirken. Seit langem hat man mal wieder den Eindruck, dass der Verein von Profis, und das auf allen Ebenen, geführt wird und man sich von kurzfristigen Erfolgen nicht blenden und ablenken lässt.

Geht die Teamfindung und Erlangung noch größerer Stabilität weiter mit sportlichen Erfolgen einher, geben wir die Tabellenführung nicht mehr aus der Hand. Der VfB wird sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln und stetig verbessern und hat mit den Winterneuzugängen Jérôme Onguéné und Ebenezer Ofori sogar noch zwei Asse im Ärmel, die den Konkurrenzkampf und damit den Leistungsdruck weiter erhöhen. Wann Onguéné’s Zeit kommt wird man sehen, da im Moment keine Notwendigkeit besteht, an Baumgartl und/ oder Kaminski zu rütteln, aber, Oforis Stunde könnte schon bald schlagen und von ihm erhoffe ich mir einen weiteren Qualitätsschub.

Derzeit sieht wirklich alles rund um den VfB sehr vielversprechend aus. Wie es wirklich um den Charakter der Mannschaft bestellt ist, werden wir aber erst so richtig erfahren, wenn wir gesehen haben, wie sie mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht und wie sie darauf dann reagiert. Auf diese Erfahrung kann ich jedoch liebend gern verzichten und baue gegen den FCK auf den fünften Sieg im fünften Rückrundenspiel.

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14. Februar 2017

Die individuelle Klasse setzte sich durch

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:27

Es war ein glücklicher und auch etwas schmeichelhafter Sieg für den VfB gegen ein äußerst unbequem zu bespielendes Sandhausen. Nicht umsonst sammelten die Mannen von Trainer Kenan Kocak bereits 30 Punkte in dieser Saison, nicht von ungefähr grüßten sie vor dem Spiel von Platz sechs aus.

Erstmals überhaupt während des Wirkens von Hannes Wolf veränderte der Trainer seine Startformation gegenüber dem vorherigen Spiel (2:0 gegen Fortuna Düsseldorf) auf keiner Position.
Im Grunde gab es dafür auch keine Veranlassung, legte die Mannschaft gegen die Fortunen doch, zumindest in der ersten Halbzeit, eine klasse Partie hin. Benjamin Pavard, der Reservist, der noch am nächsten an der ersten Elf dran zu sein schien, verletzte sich unter der Woche, für Daniel Ginczek käme ein Startelf-Einsatz noch zu früh.

Sandhausens oberste Maxime lautete zunächst, den VfB seiner Stärken zu berauben, ihn also nicht ins Spiel kommen zu lassen. Äußerst geschickt und diszipliniert verteidigten und verschoben die Nordbadener, doppelten unsere schnellen Carlos Mané und Takuma Asano und nahmen Ballverteiler und Spielmacher Anto Grgic so gut es eben ging aus dem Spiel. Geschickt entzog sich Grgic jedoch immer wieder dieser Bewachung und kurbelte doch auch den einen oder anderen vielversprechenden Angriff an. DER Gewinner der Vorbereitung ist inzwischen eine absolute Bereicherung im VfB-Spiel und hat derzeit die Nase klar vor Zimmermann und Hosogai.

Mit dem VfB und dem SV Sandhausen trafen zwei Teams aufeinander, die bislang im Kalenderjahr 2017 noch kein Gegentor zu beklagen hatten, so dass es nicht verwunderlich war, dass Torchancen zunächst Mangelware blieben.

Einzig Julian Green mit Schussversuchen aus der Distanz sorgte zunächst für einen Hauch von Torgefahr. Quasi mit dem Pausenpfiff ging der VfB doch noch in Führung, als Mané in den Strafraum hineinstieß und nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Simon Terodde verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt in die rechte Torecke. Die Pausenführung war aufgrund der größeren Spielanteile nicht unverdient.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde Sandhausen aktiver und rückte weiter vor, während der VfB sein Heil in Kontern suchte. Dadurch boten sich Räume für den VfB, die Mané und Green kurz nach der Pause besser hätten nutzen können. Nach einer guten Stunde brachte Kocak Wandervogel Sukuta-Pasu, der aus der Jugend von Bayer Leverkusen stammt, schon etliche nationale und internationale Stationen auf dem Buckel hat und aktuell beim SV Sandhausen gestrandet ist. Dieser war auch gleich, mit seinem ersten Ballkontakt, zur Stelle, als sich auf der linken Stuttgarter Abwehrseite drei VfBler ausspielen ließen und die Flanke von Pledl nicht verhindern konnten, sich Baumgartl und Großkreutz nicht einig waren, Langerak auf der Linie kleben blieb und Sukuta-Pasu in der Mitte unbedrängt einschieben konnte.

Nicht unverdient zu diesem Zeitpunkt, war Sandhausen doch zu Beginn der zweiten Halbzeit die aktivere Mannschaft. Der SVS witterte nun Morgenluft und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Während Zimmer allein vor Knaller scheiterte und Großkreutz nur die Latte traf hatte Sukuta-Pasu eine Viertelstunde nach dem Ausgleich die Hundertprozentige zu Sandhausens Führung auf dem Fuß.

Hannes Wolf wechselte offensiv und brachte nach Jean Zimmer noch Daniel Ginczek und Alexandru Maxim und sendete so als Signal an die Mannschaft, hier und heute unbedingt als Sieger vom Platz gehen zu wollen.

Angetrieben von den meisten der 44.560 Zuschauer wollte der VfB den Sieg jetzt erzwingen, was schließlich auch gelang. Nach Mané-Hereingabe war Simon Terodde per sehenswertem Seitfallzieher zur Stelle und markierte die so wichtige Führung. Sandhausen setzte noch einmal alles auf eine Karte und feuerte aus allen Rohren, während der VfB mit Mann und Maus verteidigte und den knappen Vorsprung schließlich mit Glück und Geschick über die Zeit brachte.

Am Ende konnte man konstatieren, dass es ein hartes Stück Arbeit war und man sich nicht hätte beklagen dürfen, wenn man am Ende nur mit einem oder gar keinem Punkt dagestanden hätte.

Da der VfB wahrlich kein schlechtes Spiel machte und Sandhausen, das muss man einfach mal anerkennen, richtig gut war, brauchen wir uns für diesen Sieg natürlich nicht zu schämen. Das sind genau jene Spiele, die die Mannschaft weiter bringen. Nach dem Auswärtssieg in St. Pauli hat der VfB bereits zum zweiten Mal den Sieg in der Schlussphase errungen, was dem Team Auftrieb geben und für die anstehenden Aufgaben Mut machen sollte. Die Schinderei aus dem Trainingslager hat sich offensichtlich gelohnt, so dass die Mannschaft weiter bis zum Schlusspfiff an sich glauben und alles versuchen wird, ist die Nuss auch noch so hart. Aus diesem Holz sind Aufsteiger geschnitzt! Wenn der FC Bayern der 2. Liga jetzt auch noch den Bayern-Dusel für sich beansprucht und zähere Spiele letztlich auch noch für sich entscheidet, ist das ein passabler Mutmacher für die kommenden Wochen und Monate.

Das WIE zählt heute sowieso schon nicht mehr. Viel mehr können wir mit Freude auf die Tabelle blicken und sehen, dass durch das Braunschweiger Remis in Nürnberg der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte angewachsen ist. Das ist schon mal ein Brett, jedoch auch kein Ruhekissen. Der VfB muss von nun an mehr denn je die Rolle des Gejagten annehmen und mit dieser Situation mental zurechtkommen.

Ob Christian Gentner, der sich in der Jäger-Rolle wohler fühlt als in der des Gejagten, deshalb auf dem Platz noch weniger zu sehen ist, als sonst ohnehin schon, sei dahingestellt. Wenn aber schon die Stuttgarter Medien, bei denen Gente sonst über jeden Zweifel erhaben ist, bewerten „Der Kapitän nimmt sich eine kleine Krise. Denn anders als in der Hinrunde ist Christian Gentner nicht mehr der alles überragende Antreiber im VfB-Mittelfeld. Durch seine Routine bleibt er aber unersetzlich.“, sollten bei ihm sämtliche Alarmglocken schrillen. Mr. Unersetzlich bekommt nämlich durch Anto Grgic und hoffentlich bald auch Ebenezer Ofori mächtig Druck, so dass die Chancen auf eine baldige Wachablösung gar nicht mehr so schlecht zu sein scheinen. Dem derzeitig praktizierten und weiter zu perfektionierenden Hochgeschwindigkeitsfußball ist Gente schon allein wegen seiner Übersetzung und seiner mangelnden Handlungsschnelligkeit nicht mehr gewachsen, daher entwickelt er sich mehr und mehr zu einem Hemmschuh, der das Spiel verlangsamt.

Der VfB steckt weiter in einem Entwicklungsprozess, in dem es gilt, die Handschrift Wolfs weiter zu verinnerlichen und das Team fit für die Bundesliga zu machen. Wenn diese Entwicklung einhergeht mit sportlichem Erfolg und dadurch etwas der Druck vom Kessel genommen wird, ist dies geradezu perfekt. Die 2. Liga ist derzeit für den VfB ideal und bietet Tests für den Ernstfall (Bundesliga) unter Wettkampfbedingungen.

Zurzeit ragen aus einer geschlossenen Mannschaft vor allem Simon Terodde, der Knipser, und Carlos Mané, der Künstler heraus. Es ist eine Augenweide ihn spielen zu sehen und seine Ballfertigkeit bestaunen zu dürfen. Wegen solcher Spieler strömen die Massen ins Stadion, daher hoffe ich, dass der VfB das Heft des Handels komplett in der Hand hat und an den Gerüchten, Sporting Lissabon fordere ihn bereits im Sommer zurück, nichts dran ist. Im Gegenteil, der VfB sollte alles Menschenmögliche tun, die Kaufoption zu ziehen und Mané langfristig an den VfB zu binden. Die kolportierte Summe von 15 Millionen Euro ist im heutigen Fußball nichts für einen Spieler seiner Klasse, der in ein paar Jahren das Doppelte oder Dreifache wert sein könnte.

Außer der individuellen Klasse einiger hatte dieses Mal auch das Publikum großen Anteil am Sieg. Ich habe die Atmosphäre bei unseren Heimspielen ja schon des Öfteren gescholten, gegen Sandhausen war sie überragend. Auch in schwierigen Phasen waren selbst bei uns auf der Haupttribüne kaum Pfiffe zu vernehmen, es schien so, niemand habe ernsthaft damit gerechnet, dass man Sandhausen mal so einfach aus dem Stadion schießen würde. Der Torschrei beim Siegtreffer hallt mir heute noch nach, so ohrenbetäubend war dieser. Pure Freude und Erleichterung nach dem Schlusspfiff, war sich doch jeder bewusst, welch schwere Geburt man soeben hinter sich gebracht hatte.

Über das schon obligatorische Lied „Wenn jemand fragt, wer Meister wird, dann sage ich zu Dir, das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB“ muss ich weiterhin schmunzeln, wenngleich ich es mit einem Augenzwinkern natürlich mitsinge. Ich kenne den Song noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als es wirklich um die Deutsche Meisterschaft ging, so dass ich mich am Saisonende, selbst wenn wir als Erster abschließen würden, auch nicht als Meister sondern „nur“ als Aufsteiger fühlen würde. Die „Meisterschale“, die es auch in der 2. Liga neuerdings gibt ist doch nur ein weiterer Marketing-Gag der DFL.

Kommenden Freitag in Heidenheim hat der VfB die Chance, die Tabellenführung weiter zu festigen und sich gleichzeitig für die bittere Heimniederlage im Hinspiel zu revanchieren. Unter den Eindrücken der Tage danach erscheint diese freilich in einem anderen Licht, war es doch das „Abschiedsspiel“ für Jos Luhukay mit einer Mannschaft, die ihrem Trainer nicht mehr folgte. So hatte selbst dieser Tiefpunkt noch etwas Gutes und bescherte uns nach den zwei Erfolgen unter Interims-Coach Olaf Janßen Hannes Wolf als neuen Trainer.

Heidenheim gewann jüngst in Würzburg und heimste somit erstmals im neuen Jahr Punkte ein. Dieser Sieg dürfte den Ostälblern neues Selbstvertrauen eingeflößt haben, so dass auch die Partie in der Voith-Arena für die Brustringträger kein Selbstläufer werden wird. Ich habe großen Respekt für das, was in Heidenheim in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Trainer Frank Schmidt und Kapitän Marc Schnatterer verkörpern dort Kontinuität und eine stetige Entwicklung nach oben, so dass in diesem Jahr zumindest der Relegationsplatz zur Bundesliga in Reichweite zu sein scheint.

Der VfB tut also gut daran, auch diese Aufgabe seriös anzugehen und den Kampf, den ihn auf der Ostalb erwarten dürfte, anzunehmen. Gerade die engen Spiele in St. Pauli und gegen den SV Sandhausen zeigen, dass der VfB, trotz der Optimalausbeute von neun Punkten in der Rückrunde, weit entfernt ist, einen Gegner in der 2. Liga einfach so an die Wand zu spielen.

Gelingt es, sich defensiv weiter zu festigen und konzentriert zu verteidigen, wird sich auch in Heidenheim im Verlauf der Spieldauer die individuelle Klasse des VfB durchsetzen. Einer überragenden Unterstützung kann sich der VfB sicher sein. Nicht wenige in der Region sympathisieren mit beiden Vereinen, so dass nicht nur das kleine Gästekontingent an die VfB-Fans ging, sondern sich auch sehr viele VfBler, wie auch wir, in den sonstigen Bereichen tummeln und das Auswärts- zum Heimspiel werden lassen.

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11. September 2016

Am Tiefpunkt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:34

Sportliche Tiefpunkte gibt es immer wieder. Daher sollte man mit dem Einsatz von Negationswörtern vorsichtig umgehen und sie nicht überstrapazieren, schließlich ist meist noch immer Luft nach unten, wie man gerade beim VfB in den letzten Jahren erfahren musste.

Rudi Völler und „Weißbier“-Waldemar Hartmann führten anno 2003 eine der prominentesten Tiefpunktdebatten, als Völler anprangerte, dass der deutschen Nationalmannschaft immer neue Tiefpunkte angedichtet werden würden und er die ganze Scheiße nicht mehr hören könne. Nach einem 0:0 auf Island, beim damaligen Tabellenführer war das (O-Ton Netzer: keiner weiß, wie sie das geworden sind). Der Deutsche Fußballbund zog damals seine Schlüsse, investierte in die Ausbildung von Fußballern, machte Jugend-Internate zur Pflicht für jeden Profi-Verein und läutete dadurch das Ende der Rumpelfußballer-Generation um die Ramelows, Jeremies‘ und Janckers ein, was die ersten Früchte bereits 2006 sprießen ließ und uns elf Jahre später den Weltmeistertitel bescheren sollte. Mit einem „weiter so“ wären die Erfolge der letzten zehn Jahre jedenfalls nicht möglich gewesen.

Auch der VfB durchlebte schon mehrere Tiefpunkte. Der Abstieg 1975 war ein solcher, der 2016 sicherlich auch. Die Abstiege resultierten aus Fehlentwicklungen von Jahren und jeweils des einen Spieljahrs, indem man nicht mehr regulierend eingreifen konnte.

Tiefpunkte an einzelnen Spielen festzumachen, ist da schon schwieriger, vor allem heutzutage, wo der Fußball so schnelllebig geworden ist und wo jede noch so derbe Schmach wenige Tage später wieder wett gemacht werden kann, ohne dass allzu viel davon hängen bleibt. Klatschen, an denen man am gefühlten Tiefpunkt stand, gab es einige, so erinnere mich an ein 0:4 zu Hause gegen Bochum in den 80er-Jahren oder auch an das noch gar nicht so lang zurückliegende 1:4 gegen Greuther Fürth. Danach folgte stets Business as usual, so dass solche Schlappen keine Einschnitte in die Vereinschronik bedeuteten.

Weitaus derber fühlen sich aber Niederlagen an, die schon vom regionalen Charakter her ein No Go sind. Im ersten Zweitligajahr 1975/1976 beispielsweise das 2:3 im heimischen Neckarstadion gegen den SSV Reutlingen: Mit dem kürzlich verstorbenen Karl Bögelein an der Linie, der von Istvan Sztani übernahm, traf man als indiskutabler Tabellenzwölfter auf den „Lokalrivalen“ und verlor vor nicht einmal 2.000 zahlenden Zuschauern zu Hause mit 2:3. Es war das „Sahnehäubchen“ auf eine grottenschlechte erste Saison in der 2. Liga Süd, die der VfB als Elfter abschloss.

Spätestens an diesem Tag muss es unserem damals erst ein Jahr im Amt befindlichen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder klar geworden sein, dass der Umbruch nach dem Abstieg zu halbherzig ausgefallen war und der komplette Verein samt Kader noch einmal auf links gedreht werden muss.
MV verpflichtete im Sommer in einer Nacht- und Nebelaktion und auf Anraten des großen Hennes Weisweiler den jungen, hungrigen, enthusiastischen Trainer Jürgen Sundermann aus der Schweiz und setzte vermehrt auf die Jugend, während bis auf Hermann Ohlicher fast alle Absteiger den Verein verließen. Das Ende vom Lied ist bekannt. Die Rasselbande mit erfahrenen Haudegen wie Dragan Holcer und Hermann Ohlicher und vielen jungen Spielern aus der Region, wie Hansi Müller, Karl-Heinz Förster und Dieter Hoeneß, rockte die Liga und sorgte für Begeisterungsstürme im Schwabenland. In diese Saison fiel dann auch mein allererstes Auswärtsspiel, ein 0:0 bei den Münchner Löwen, 78.000 Zuschauer im Olympiastadion, davon bis zu 35.000 VfB-Fans, damals wie heute noch ein Wahnsinn für das Unterhaus.

Der Tiefpunkt gegen Reutlingen hatte somit wohl auch sein müssen. Ein Jahr später kehrte der VfB in die Bundesliga zurück, wurde auf Anhieb als Aufsteiger Vierter, Zweiter, Vierter und 1984 schließlich zum dritten Mal Deutscher Meister.

Die Trendwende, sowohl beim DFB, als auch beim VfB, ist eng mit dem Namen Gerhard Mayer-Vorfelder verknüpft. Beim DFB brachte er schon nach der peinlichen Euro 2000 erste Projekte der Jugendförderung auf den Weg und installierte 2004 das Gespann Klinsmann/ Löw, beim VfB ging er mit der Verpflichtung von Sundermann den unkonventionellen Weg und hatte ein gutes Gespür dafür, wann eine Ära zu Ende war und er Dinge grundlegend ändern musste.

Heidenheim ist für mich ein weiterer Tiefpunkt. Jahrelang gehörte der VfB zum Inventar der Bundesliga, während Heidenheim, früher noch als SB Heidenheim, meist in der Oberliga Baden-Württemberg vor sich hin dümpelte. Es sind gerade diese Spiele, vor denen man im Vorfeld schon gewarnt hatte, die jeder Einzelne beim VfB auch mental annehmen muss. Für den VfB ist es ein gefühltes Pokalspiel, während das Aufeinandertreffen für den Gegner das Spiel des Jahres bedeutet und jeder nur allzu gern dem großen Favoriten ein Schnippchen schlagen möchte.

Den Tiefpunkt stellt für mich gar nicht die Niederlage an sich dar. Gegen Heidenheim kann man durchaus auch mal verlieren. Es verdient großen Respekt wie der Nachbar von der Ostalb dabei ist, sich in der 2. Liga zu etablieren. Ich finde es herausragend, wie lang und mit welchem Erfolg Frank Schmidt schon die Geschicke dort leitet und dass er mit Marc Schnatterer einen Kapitän in seinen Reihen hat, auf den er sich verlassen kann und der vor allem überall auf dem Platz zu finden ist. Ich hätte beide mit Kusshand für die 2. Liga genommen und blicke fast schon neidisch zu solchen Vereinen, wenn ich mich mal wieder in unserer Kapitäns-Debatte verstricke.

Dies also die rein objektive Sichtweise, aus der eine Niederlage eines noch überhaupt nicht gefestigten VfB gegen Heidenheim nicht unrealistisch erschien. Dennoch, ich gebe es zu, habe ich mich im Vorfeld in keiner Sekunde mit einer möglichen Niederlage gegen Heidenheim befasst. Die kam in meiner Denke einfach nicht vor.

Es war doch alles bestellt. Der Kader wurde zum Ende der Transferperiode noch einmal verstärkt, bestes Spätsommerwetter, sensationelle 52.200 Zuschauer und durchaus auch Rückenwind durch den 2:1-Sieg beim SV Sandhausen. Heidenheim mobilisierte ebenfalls die Massen und brachte gut 4.000 Fans mit, so dass der äußere Rahmen perfekt war.

Wenn dann aber der Trainer der gleichen Elf das Vertrauen schenkt, die sich mit Ach und Krach durch den August rettete und in keinem der bisherigen Spiele überzeugen konnte, stellte dies für mich die erste Enttäuschung des Tages dar. Die Geschichte ist bekannt, der VfB verlor völlig verdient und nach indiskutabler Leistung 1:2 und zeigte zu keiner Zeit, dass er in der derzeitigen Verfassung Ansprüche auf einen der vorderen beiden Plätze erheben kann. Heidenheim war besser organisiert, cleverer, auch bissiger und motivierter, was das eigentlich Schlimme ist. Daher rede ich vom Tiefpunkt, wenn es in einem solchen Spiel, von dem man weiß, was es auch für die Fans bedeutet, nicht einmal die Grundtugenden auf den Platz bringt.

MV wäre dazwischen gegrätscht und hätte Trainer und Team, einen nach dem Anderen, zusammengefaltet. MV lebt leider nicht mehr, wer also soll es richten, wer soll den VfB wieder dorthin bringen, wo er eigentlich hingehört, wer haut dabei auf den Tisch, wer spricht ein Machtwort, wer geht unbeirrt den richtigen Weg und lässt sich durch Seilschaften, Errungenschaften, Gewohnheitsrechten und Gegenwind nicht davon abbringen bzw. bricht diese auf? Ich sehe weit und breit keinen im Verein, der mir diese Hoffnung geben würde.

Ob es der designierte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zu leisten imstande ist, kann ich noch nicht beurteilen. Ich teile die Anti-Haltung der Ultras nicht, die schon im Vorfeld und wohl ohne sich richtig mit der Personalie auseinandergesetzt zu haben, diesen Kandidaten ablehnen. Auch gestern wieder wurde auf Spruchbändern vor allem angeprangert, dass die Wahl keine demokratische ist, weil es keinen Gegenkandidaten ist. Ob sie dem Aufsichtsrat Vorschläge eingereicht haben, ist mir leider nicht bekannt, möglich wäre das wohl gewesen.

Wer soll denn ein weiterer geeigneter Kandidat sein? Guido Buchwald, dessen Funktionärskarriere eher mit überschaubarem Erfolg verlief? Karl Allgöwer, sicher DIE Ikone im Stuttgarter Fußball, aber, kann er einen Verein führen? Aus dem Umfeld ist zu hören, dass er wenig kompromissbereit und kein Teamplayer ist, weshalb seine Beratertätigkeit auch schon wieder Geschichte ist.

Die Problematik bei einem Gegenkandidaten ist die, dass wohl die wenigsten diesen Traumjob haben, der es ihnen erlaubt, Wahlkampf um das Amt des VfB-Präsidenten zu betreiben und, sollten sie gewählt werden, von heute auf morgen alles stehen und liegen lassen zu können oder aber bei nicht erfolgter Wahl im Beruf weiter wie bisher machen zu können.

Dietrich hat den Vorteil, dass er mit 68 Jahren diesen Job nicht mehr nötig hat und er das Amt ehrenamtlich und doch in Vollzeit ausüben könnte. Seine ersten Statements, wie er den VfB zurück in die Spur führen möchte, lesen sich so schlecht für mich nicht, so dass ich ihn nicht vornherein ablehne, sondern zunächst die eine oder andere Vorstellungsrunde mitmachen und mir dann ein Bild von ihm machen werde. Wichtig ist erst einmal, dass wir überhaupt wieder eine Führung bekommen und der Controller (Heim) und der Ticket- und Trikotverkäufer (Röttgermann) die längste Zeit ganz oben die Geschicke bestimmt haben.

Dass Dietrich innerhalb des Vereins moderieren wolle, hat er ja bereits verlauten lassen. Ohne der „Wahl“, die im Grunde überhaupt keine ist, jetzt schon vorgreifen zu wollen, ist dies die oberste Präsidentenpflicht und wäre schon jetzt notwendiger denn je.

Dass es von den Herren im Aufsichtsrat und der Rumpfvorstandschaft unglücklich war, den Trainer- vor dem Sportdirektorposten zu besetzen, habe ich bereits des Öfteren kritisiert. Dies kann für mich lediglich dadurch entschuldigt werden, dass Luhukay aufgrund seiner Referenzen die bestmögliche Wahl gewesen zu sein scheint, weiß er doch wie Aufstieg geht.

Schindelmeiser kam einige Wochen später und scheint ganz und gar nicht mit Luhukay auf einer Wellenlänge zu funken. Die Neuzugänge, die Schindelmeiser kurz vor Transferschluss an Land gezogen hat, sollen nicht gerade Wunschspieler Luhukays gewesen sein, wie dieser offen zugibt.

Hat sich ein jeder von uns Fans einen enormen Qualitätsschub durch die Neuen erhofft, dämpft Luhukay die Erwartungen, und kritisiert, dass sich im Kader zu viele Nationalitäten tummeln würden und dass die Integration der Neuen dauern würde. Als Außenstehender kann ich diese Denke nicht nachvollziehen, sagt man doch immer „gute“ Fußballer würden sich verstehen und die Fußballersprache sei international.

Luhukay legt sich also ein Alibi zurecht und erbittet sich Zeit, die man ihm nicht gewähren kann und auch nicht darf. Er muss jetzt, wo der Kader vollständig ist, damit beginnen zu liefern und darf das Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs niemals aus den Augen verlieren. Alles andere als der Wiederaufstieg käme einer mittleren Katastrophe gleich und würde die große Gefahr mit sich bringen, es sich im Unterhaus gemütlich zu machen und dort auf Jahre festzusitzen.

Nach dem fünften Pflichtspiel der Saison ist noch immer kein Spielsystem, kein Plan, keine Handschrift des Trainers erkennbar. Die „Leistungen“ sind eine nahtlose Fortsetzung der Katastrophen-Spiele in der Bundesliga, in der ebenfalls alles auf Zufall bedacht und keine Struktur im Spiel vorhanden war.

Gegen den 1. FC Heidenheim, mit dem sich die Wege in einem Pflichtspiel zuvor noch nie kreuzten, blamierte sich der VfB auf ganzer Linie. Immer wenn der VfB die große Chance hat, Rückenwind aus einer Euphoriewelle zu ziehen, sich vorne festzusetzen, die Fans mitzunehmen kommt mit Sicherheit der Rückschlag oder in diesem Fall der nächste Tiefpunkt.

Von den Neuen stand lediglich der Japaner Asano im Kader, von den Verletzten kehrte auch nur Kevin Großkreutz zurück. Die ersten Saisonspiele, weitestgehend mit den gleichen Aufstellungen, boten katastrophale fußballerische Magerkost, was durch zwei glückliche Siege und dem Weiterkommen im Pokal kaschiert wurde. Für mich damals kein Grund Alarm zu schlagen, weil der VfB in der Spur und die Hoffnung auf Besserung ab September da war. Ich hätte es mir gewünscht, dass Luhukay seine Startformation nun kräftig durcheinanderwirbelt.

Doch, was macht Luhukay, vertraut den gleichen, die mit Mühe und Not in Sandhausen gewannen und schon dort nichts von jener Dominanz versprühten, die man vom gefühlten Erstligisten oder dem FC Bayern der 2. Liga eigentlich erwarten würde. Der VfB ist nun mal mit Hannover 96 der Krösus der Liga, so dass man dies auf dem Platz auch sehen können muss.

Wenn wir schon vom FC Bayern der 2. Liga sprechen, wünschte ich mir eine „Mir-send-mir“-Mentalität, eine Selbstverständlichkeit, mit der man den Rasen betritt und den Gegner niederringt. Es ist aber eher das Gegenteil der Fall. Wie zu schlimmsten Bruno- und auch Kramny-Zeiten ist der Fußball verhalten, behäbig, abwartend. Es wird stets abgewartet, was der Gegner so drauf hat, anstatt selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Mit einer solchen Ausrichtung dürfte es schwer werden, überhaupt Punkte einzuheimsen, denn, anders als in der Bundesliga, wird uns in der 2. Liga kein einziger Gegner den Gefallen tun, uns mit offensiver Ausrichtung ins offene Messer zu laufen. Auch die vermeintlichen Spitzenmannschaften suchen ihr Heil in der Defensive und lauern auf unsere Fehler, die mit Krampen wie Klein, Sama und Sunjic in der Truppe auch nicht lange auf sich warten lassen.

Abgesehen von einer von Zimmer in der fünften Minute kläglich vergebenen Chance fand der VfB offensiv nicht statt. Terodde hängt vorne in der Luft und bekommt keine Bälle, so dass Heidenheim wenig Mühe hatte, den VfB vom eigenen Tor fernzuhalten.

Heidenheim war bei seinen eigenen Vorstößen zielstrebiger und gefährlicher, so dass das 0:0 zur Pause schon eher schmeichelhaft für den VfB war.
Beim VfB bot sich, wen wundert’s bei DER Aufstellung, das gewohnte Bild. Die Viererkette hinten durchweg nicht bundesligatauglich. Insúa, Klein, Sunjic zu langsam und Ausgangspunkte der beiden Gegentore, Sama völlig von der Rolle.

Luhukay muss sich schon fragen lassen, weshalb er den Jungen mit den sichtbar wackeligen Knien 90 Minuten lang durchspielen ließ und ihn nicht schon früh durch Kaminski ersetzte. Luhukay muss sehr wenig Vertrauen in sein Personal haben, wenn er sich davor scheut, ein nicht funktionierendes Gebilde durch die Hereinnahme des einen oder anderen derzeitigen Kaderauffüllers zu verändern.

Legt er hier seine Sturheit nicht ab und ist nicht bereit, variabler zu agieren und den Gegner auch mal zu überraschen, muss man kein Prophet sein, um die nächste Trainerdiskussion bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt riechen zu können.

Da Luhukay offensichtlich kein Kommunikator ist und patzig in die Mikrofone blafft, er müsse nichts erklären, wird er die Rätsel, die er uns aufgibt, wohl irgendwann mit ins Grab nehmen.

Auch Zimmermann hat für mich bislang bei keinem seiner Auftritte den Nachweis erbracht, ein Zweitligaspieler zu sein. Wie Sama mit den Amateuren abgestiegen, soll er nun einer der neuen Hoffnungsträger sein?

Da kann man nur hoffen, dass Hosogai schnell zurückkehrt, der übrigens mit einem Muskelfaserriss bereits vier Wochen lang ausfällt. Man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass beim VfB die Rekonvaleszenzzeiten um einiges länger ausfallen, als bei anderen Vereinen.

Dennoch, sollte der neue Präsident denn einmal sämtliche Prozesse und Abläufe innerhalb des Vereins und seiner Tochtergesellschaften durchleuchten, wäre auch die medizinische Abteilung einmal kritisch zu hinterfragen. Da im Verein bereits seit einiger Zeit viele (wirtschaftliche) Dinge wichtiger als der sportliche Erfolg sind, würde es mich nicht einmal mehr wundern, wenn die Zielvorgabe für unsere medizinische Abteilung nicht lauten würde, die Spieler schnellstmöglich dem Team zurückzuführen, sondern eine optimale Auslastung der VfB-Reha-Welt mindestens genau so wertig gewichtet ist.

Ich weiß nicht, ob ich es mir einbilde, aber, seit es die Reha-Welt gibt und es sich einer der ersten prominenten Kicker namens Yildiray Bastürk sich dort so richtig bequem machte, scheinen viele diese Welt gar nicht mehr verlassen zu wollen. Jedes noch so keine Kinkerlitzchen wird eine gefühlte Ewigkeit auskuriert, wobei man die ursprünglich getroffenen Ausfallzeit-Prognosen der Ärzte der Erfahrung nach getrost mal zwei nehmen kann, um auf die tatsächliche Ausfallzeit zu kommen.

Sollte auch Hosogai diesen Wellness-Bereich weiter in Anspruch nehmen wollen und sich sein Comeback noch weiter hinausziehen, wäre Luhukay gut beraten, es auch mal mit nur einem Sechser zu probieren und variabler zu agieren. Ich begrüße es ja grundsätzlich, wenn der VfB Youngster herausbringt, die sich in der ersten Elf freischwimmen, aber, um jeden Preis, nur weil sie jung sind, da geht der Schuss manchmal auch nach hinten los, vor allem, wenn die Mannschaft keine Einheit bildet.

Bei Sama, der ohnehin erst mal keine Rolle mehr spielen sollte, wenn Baumgartl fit und Pavard einsatzbereit ist, wird es interessant sein zu beobachten, ob ihm der Auftritt vom Freitag einen Knacks versetzt, der hängen bleibt.

Eine weitere Baustelle bleibt auch Maxim, dem oft eine unprofessionelle Einstellung, ein unprofessioneller Lebenswandel und auch eine gewisse Verweichlichung vorgeworfen werden. Wenn der x-te Trainer in ihm keinen Mann für 90 Minuten sieht, akzeptiere ich die Entscheidung des Trainers grundsätzlich, vor allem, wenn die Ergebnisse stimmen.

Ist die Nichtberücksichtigung jedoch auf die mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Kompromissbereitschaft des Trainers zurückzuführen und mündet in einen Kleinkrieg zum Schaden des Vereins, bekomme auch ich ein Problem mit dem Trainer. Persönliche Animositäten oder der Zwang dem öffentlichen Druck allein „zum Bossen“ nicht nachzukommen, wären zum Schaden des großen Ganzen und seinem Standing im Team sicherlich auch nicht förderlich.

Wir haben erst vier Spieltage hinter uns, die Saison ist noch lang. Eigentlich zu früh für eine Trainerdiskussion. Aber, Luhukay macht sich mit seiner Art, mit seinen Aufstellungen, mit seiner Außendarstellung, mit dem Schlechtreden der Neuzugänge und als Spaßbremse mitten in einer Phase großer Euphorie keine Freunde. Stimmt dann noch die Chemie zwischen ihm und dem Sportdirektor nicht, hat dieser ganz andere Vorstellungen, wie die Mannschaft auszusehen hat und wie man das Unternehmen Wiederaufstieg anpacken muss, hat er nicht einmal den Rückhalt in den eigenen Reihen, so dass die Zeichen schon früh auf Trennung stehen.

Es wäre zwar äußerst ärgerlich, erneut einen Trainer bzw. ein Trainerteam abfinden zu müssen und schon wieder vor einem Neuanfang zu stehen, aber, dies hätte sich dann der Aufsichtsrat an seine Akte zu heften, der den Trainer vor dem Sportdirektor verpflichtet hat.

Luhukay schaufelt sich derzeit sehenden Auges sein eigenes Grab. Die Leute rennen dem VfB die Bude ein, es herrscht, keine Sau weiß warum, so etwas wie Euphorie nach dem Abstieg und Luhukay hat nichts Besseres zu tun, die Erwartungshaltung zu kritisieren? Zu bemängeln, dass seine Spieler Angst vor der Kulisse gehabt hätten? Was sollen dann die Heidenheimer sagen? Ja, sicher, die sind das ja gewohnt. An Lächerlichkeit kaum zu überbieten solche Aussagen.

Luhukay legte ja noch nach. Wer nach den ersten vier Spielen mit unfassbar schlechtem Fußball jubilierte, als Schindelmeiser mit Mané, Asano und Pavard drei hoffnungsvolle Talente auslieh bzw. verpflichtete, bekommt vom Trainer bereits vor deren ersten Spielen den Dämpfer geliefert.
Die vielen Nationalitäten wären ein Problem, dass die Neuen zuletzt wenig gespielt hätten ebenso, hinzu kommt ein neuer Rhythmus und, Achtung Brüller, sie müssten eine neue Spielphilosophie verstehen.

Da fragt man sich, welche Spielphilosophie? Nach dem Spiel vom Freitag konnte man sprechen, mit wem man wollte, keiner konnte eine erkennen, keiner weiß, für welchen Fußball Luhukay eigentlich stehen möchte.

Was in den ersten Spielen dargeboten wurde, war durchweg konzeptlos und auf gut Glück ausgerichtet. Die fußballerischen Mängel sind fatal, hinzu kommt, dass keiner, auch nicht Kapitän Gentner, da ist, der das Heft des Handelns an sich reißen würde, nur Indianer, keine Häuptlinge. Auch dieses Problem haben wir nahtlos von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“. Einzig Großkreutz nach seiner Einwechslung und bedingt auch Maxim merkte man an, dass sie etwas bewegen wollten, was sich allerdings als wenig erfolgversprechend herausgestellt hat, wenn man sich so dämlich auskontern lässt.

Mein einziger Hoffnungsschimmer sind hier derzeit die Neuen und die Rückkehr der zur Zeit verletzten, dass man weder einen Klein, noch einen Sama, noch einen Sunjic, derzeit auch keinen Zimmermann mehr sehen muss und sich durch Mané und Asano die Durchschlagskraft im Angriff verbessert und Terodde endlich auch Bälle bekommt.

Ich erwarte in Kaiserslautern eine auf vier, fünf Positionen veränderte Truppe, die fußballerisch ohnehin besser aufgestellt, als Einheit auftritt und nicht wie gegen Heidenheim, wieder einmal keiner dem Anderen hilft. Dies ist erneut ein Indiz, dass es auch in dieser neu zusammengewürfelten Truppe überhaupt nicht zu stimmen scheint und man mehr gegen- als für einander „arbeitet“. Es ist bereits wieder von Cliquenbildung zu hören und von schlechter Stimmung innerhalb des Teams. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Großkreutz, der aus Dortmund professionelleres Arbeiten gewohnt ist, schiebt bereits mächtig Frust. Erst der Clinch mit dem Co-Trainer und gestern nach dem Spiel kritisierte er indirekt seine Mitspieler aber auch den Trainer, indem er mehr Mut einforderte.

Luhukay muss diesen Tendenzen vehement entgegen wirken, möchte er länger als nur ein paar Monate hier Trainer sein. Am Spieltag erweckte er für mich nicht diesen Eindruck. Er wirkt bereits jetzt genervt und ratlos und nimmt Darbietungen wie die vom Freitag fast teilnahms- und emotionslos hin, während man auf der Tribüne am Ausrasten ist. Wenn man sah, wie engagiert Frank Schmidt die seinen antrieb und dirigierte, blutete einem schon dabei das Herz.

Dass sich der Trainer im Innenleben des Vereins grundlegend anders präsentiert, kann ich mir nicht vorstellen, so dass zu befürchten ist, dass er die Stimmung im Team mit seiner wortkargen Art auch nicht unbedingt aufhellen kann.

Den späten Verpflichtungen, der Länderspielpause und dem Umstand geschuldet, dass die Neuen vor dem Heidenheim-Spiel erst ein, zwei Mal mit der Mannschaft trainieren konnten, könnte man für Luhukay gerade noch so als mildernden Umstand durchgehen lassen.
Für Kaiserslautern gilt diese Ausrede nicht mehr. Ob ein Pavard deutsch, französisch, chinesisch spricht oder taubstumm ist, es darf keine Rolle spielen, schlechter als Sama und Sunjic kann er nicht sein, also muss er spielen.

Mané wünsche ich mir auf Rechtsaußen, damit diese Position endlich von einer Offensivkraft und nicht improvisiert von einem Rechtsverteidiger bekleidet wird. Großkreutz oder Zimmer rechts hinten, Klein aus dem Kader streichen. Dies sind nur zwei von mir erhoffte und auch erwartete Änderungen, die „Leistungen“ bisher bieten unzählige weitere Möglichkeiten der Blutauffrischung.

Setzt Luhukay auch in Kaiserslautern auf diese in seinen Augen altbewährte Gurkentruppe und das Spiel geht in die Hose, ist der Niederländer für mich durch, so Leid mir das täte.

Mit Zorniger hatten wir es in der Vorsaison ja schon einmal mit einem unverbesserlichen Sturkopf zu tun. Nur, sein Fußball sah erfolgsversprechend aus, es fehlten Nuancen, um damit erfolgreich zu sein, er war emotional und höchst engagiert bei der Sache und posaunte im breitesten Schwäbisch Dinge in die Welt hinaus, die er mal besser für sich behalten hätte, was ihm letztendlich unter anderem das Genick brach. Bekanntermaßen hoffte ich bis zum Schluss darauf, dass er irgendwann mal einlenken und klüger im Umgang mit den Medien werden würde und sein Fußball, der schön zum ansehen war, auch zum Erfolg führen würde.

Jetzt haben wir es mit einem introvertierten Sturkopf zu tun, mit dem ich weit weniger anfangen kann. Bei Zorniger wusste man, wie er dachte, was ihn freute, was ihn ärgerte, bei Luhukay, keine Gefühlsregung, nichts! Man weiß nicht, ob ihn die Vorstellung am Freitag auch erschütterte oder ob er sie als „normal“ hinnahm, weil seine Spieler aus 16 Nationen ihren Deutsch-Kurs noch nicht bis zum Ende besucht haben und die Eingewöhnungsphase noch nicht bei allen abgeschlossen ist. Man weiß nicht, wie lang er diesen (seinen) Fußball als normal akzeptiert, vier, sechs, acht Wochen), bei acht, zwölf, sechzehn Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz?

Da es sich der VfB nicht leisten kann zu früh zu viel Boden auf die Aufstiegsplätze zu verlieren, wäre dann der Zeitpunkt gekommen, die Reißleine zu ziehen, wenn die Ziele des Vereins mit denen des Trainers nicht mehr korrespondieren.

Schon der Abstieg war hausgemacht, weil man zu lang dem Wirken Dutts und Kramnys vertraute und nicht mehr eingriff, als bereits alle Welt sah, dass man in dieser Konstellation keinen Punkt mehr holen würde. Den gleichen Fehler darf man nicht noch einmal machen, abwarten, die Dinge laufen lassen, auf das Gute in Jos hoffen, um dann irgendwann mit hoffnungslosem Rückstand vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Bis zum Ende der Transferperiode bin ich hinter Luhukay gestanden, jetzt beschleichen mich größte Zweifel, so dass ich mir derzeit eher einen Trainer wie Gisdol, der noch auf dem Markt wäre, wünschen würde, der Begeisterung vorlebt und auch vermitteln kann.

Jos zieht gerade ohne Rücksicht auf Verluste „sein Ding“ durch, wie ich meine, nicht gerade zum Vorteil des Vereins. Daher könnte es durchaus bei negativem Ausgang des Schlüsselspiels in Kaiserslautern schon heißen, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, dieses Mal dann gar schon bevor die Blätter fallen.

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