27. Januar 2020

Wintertrainingslager 2020 in Marbella!

Bereits kurz nach dem bitteren Abstieg in der Alten Försterei im letzten Mai, kam ich zu der Erkenntnis, „dann klappt es endlich mal wieder mit dem Wintertrainingslager“. Die zweite Liga startet später ins Jahr, so dass der VfB-Tross erst Mitte Januar und nicht schon kurz nach Neujahr, wo ich schlecht Urlaub nehmen kann, in südliche Gefilden aufbricht.

Als Mitte Oktober langsam durchsickerte, dass es nach Marbella gehen würde, nahmen die Planungen an Fahrt auf. Ursprünglich zu siebt buchten wir eine Ferienwohnung mit fünf Schlafzimmern und zwei Bädern sowie die Flüge nach Málaga. Nachdem bedauerlicherweise zwei Mitstreiter den Trip absagen mussten, waren wir nur noch zu fünft, Konsequenz, aus dem 9er-Busle wurde ein geräumiger Kombi, in den wir uns bei den geplanten Ausflügen hineinzuzwängen hatten.

Tag 1: Ab in den Süden, der Sonne hinterher

Das Team reiste bereits Freitags an, wir Samstags. Erfahrungsgemäß verpasst man am ersten Tag nicht viel, da oft noch am Clubgelände trainiert, gemeinsam zu Mittag gegessen und erst am Nachmittag der Flieger bestiegen wird. Anders diesmal, die Mannschaft flog bereits früh am Morgen und absolvierte schon nachmittags das erste Training auf den La Quinta Football Fields.

Wir starteten Samstags gemütlich in den Tag, hob der motorisierte Vogel doch erst um 16.30 Uhr ab, so dass sich unsere Reisegruppe zur Stärkung und Einstimmung im Echterdinger Brauhaus versammelte. Von dort waren es inklusive Fußweg und Fahrzeit mit der S-Bahn keine 10 Minuten zum Flughafen Stuttgart. Dort angekommen stellten wir zunächst einmal fest, dass wir unseren Trip nicht in der Hauptreisezeit durchführten. Gelinde gesagt habe ich den Stuttgarter Flughafen noch nie so leer erlebt, wie an jenem Samstag. Leer, aber nicht ganz leer, denn, wir trafen spätestens am Gate auf viele bekannte Gesichter. Kaum angekommen, wurden wir auch schon mit den obligatorischen Fischerhüten ausgestattet, die dieses Mal die Aufschrift „Official Schickimicki Supporters Club – Marbella 2020“ trugen.

Im Gegensatz zu den oft sehr überlaufenen Sommertrainingslagern ist man im Winter weitestgehend „unter sich“, man kennt sich, man schätzt sich und man hat jede Menge Spaß miteinander. Unsere Reisegruppe, bestehend aus vier Mann + „Puppe“, saß verstreut im Flieger, da Platzreservierungen bei Billigairlines mittlerweile extra berechnet werden und wir nun mal eben Schwaben sind. Zudem verbringen wir ja eine Woche auf relativ engem Raum miteinander, so dass diese zweieinhalbstündige Trennung zu verschmerzen war.

Soke, weithin bekannt als Stadionfotograf und seines Zeichens Groundhopper (siehe www.soke2.de), stellte einen Wochenplan auf, der jede Menge Fußballspiele beinhaltete, das erste bereits am Anreisetag um 21 Uhr. Planmäßige Landung war um 19 Uhr, danach galt es den Mietwagen und den Schlüssel für die Ferienwohnung zu organisieren, so dass das Vorhaben schon recht sportlich, bei optimalem Verlauf jedoch machbar, war.

Trotz Verzögerungen beim Mietwagenerhalt und der Suche nach der etwas versteckt gelegenen, verkehrsberuhigten Straße unserer Wohnung und eines Parkplatzes (In Marbella wie ein Sechser im Lotto!), lagen wir noch gut genug in der Zeit, um das Spiel besuchen zu können. Im Visier war das Copa del Rey Match des Lokalmatadoren Marbella FC, Drittligist im Ligasystem des spanischen Fußballs, gegen den Erstligisten Real Valladolid.

Das Estadio Municipal de Marbella liegt fußläufig zu unserer Wohnung, so dass es auch nicht tragisch gewesen wäre, hätten wir den Anpfiff verpasst. Immer den Flutlichtern hinterher, hieß es dann! Wir waren zwar nahezu pünktlich am Stadion, fanden jedoch keine Tickethäuschen vor, was, wie wir kurz darauf erfuhren, darin seine Ursache hatte, dass das Spiel restlos ausverkauft war.

Das schmucke Stadion fasst bei Fußballspielen gerade einmal 7.300 Zuschauer, hat in der Vergangenheit aber auch schon weit mehr ausgehalten. The Queen spielten 1986 auf der Magic Tour ihr vorletztes Konzert mit Freddie Mercury überhaupt, Prince gab sich dort die Ehre, ebenso der King of Pop, Michael Jackson, vor bemerkenswerten 28.000 Zuschauern.

Da Trübsal blasen nicht unser Ding ist, begaben wir uns in einen Pub gegenüber des Stadions, um begleitet von Stadionatmosphäre auf die erfolgreiche Anreise und die bevorstehende Woche anzustoßen.
Dort trafen wir auch die Jungs vom ersten oberfränkischen VfB-Fanclub „Rauhe Ebrach“ wieder, die mit uns im Flieger saßen. Sie hatten von einem Erlebnis der besonderen Art zu berichten, zeigten sie doch ein Foto mit Ronaldo, dem brasilianischen Weltmeister von 2002.

Wie Gerd von Leintal Power bei „Red Dogs Hohenlohe TV“ zum Besten gab, „der Dicke, nicht DER Ronaldo“. Denke ich an Ronaldo, denke ich automatisch auch an Oliver Kahn, der 2002 nach herausragenden Leistungen im Turnierverlauf, ausgerechnet im Finale zwei Mal gegen Ronaldo patzte und Brasilien somit zum Weltmeister machte!

Wie wir auch, versuchten die Franken an Karten zu kommen und passierten die Haupttribüne just als dieser Ronaldo vor dem Eingang eine Zigarette rauchte.

Ronaldo ist seit 2018 Mehrheitseigner bei Real Valladolid und war deshalb vor Ort. Nach dem Spiel reihten wir uns ein in die Teenie-Schar vor dem Eingang, in der Hoffnung, dass sich Ronaldo Zeit für weitere Fotos nehmen würde, doch, begleitet von der Polizei begab er sich in Begleitung einer hübsch aussehenden Blondine zum nahegelegenen Vehikel und brauste davon. Ein paar Blicke konnten wir erhaschen, zu mehr reichte es leider nicht.

Den Geräuschen aus dem Stadion nach zu urteilen, legte der Underdog eine riesige Partie hin und führte bis zur 86. Minute mit 1:0, ehe Ünal der Ausgleich gelang und damit die Verlängerung erzwang. Da wir in Sichtweite der Gegengerade saßen, bekamen wir plötzlich mit, dass am Eingang kein Ordner mehr stand und wurden von Einheimischen, die schon wussten, wie enttäuscht wir waren, nur Zaungäste sein zu dürfen, ermutigt, jetzt doch rein zu gehen. Gesagt, getan, die einen etwas früher, ich pünktlich zur Verlängerung, waren wir plötzlich mittendrin statt nur dabei und bekamen doch noch „unser“ Spiel am ersten Tag.

Marbella war auch in der Verlängerung die bessere Mannschaft, erzielte jedoch leider kein weiteres Tor mehr, so dass das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen musste, an dem Marbella kläglich scheiterte. Den Abend ließen wir in der netten Kneipe nebenan ausklingen, in der hunderte ausgehängter Schals DER Blickfang waren. Einer vom VfB fehlt leider weiterhin, alles, was nicht unbedingt ins Handgepäck musste, blieb daheim. Billigflieger olé.

Tag 2: Training, hoppen und gut schlemmen

Am zweiten Tag galt es nach einem spartanischen Frühstück in der Ferienwohnung zum ersten Mal das Trainingsgelände aufzusuchen. Dieses Unterfangen begann zunächst mit einem kleinen Schock am Morgen. Da wir am Vorabend bekanntlich keine Zeit zu verlieren hatten, stellten wir das Auto im nächstbesten Parkhaus ab und bekamen prompt die sprichwörtliche Quittung präsentiert: satte 39 Euro verlangte der Automat für eine Nacht parken, willkommen bei den „Schönen und Reichen“!

Die Suche nach dem Trainingsgelände erwies sich zunächst als schwierig, weil es die „La Quinta Football Fields“ noch nicht zu geben schien, als die Aufnahmen für Google Maps gemacht wurden. Den Straßennamen fand schließlich unser Navi nicht, so dass wir uns am Hintergrund der Aufnahmen, die der VfB bereits von den Einheiten online stellte, orientierten und damit tatsächlich auch zum Erfolg kamen.

Am Trainingsplatz angekommen, galt es natürlich zuerst den Tross zu begrüßen und mit den anderen Trainingslager-Gästen die bisherigen Eindrücke sowie die weiteren Vorhaben zu besprechen. Ganze vier Bilder von „meinem“ ersten Training wies daher mein Kamerachip aus, was nicht weiter schlimm war. Zum einen hatten wir ja noch ein paar Tage, zum anderen befanden wir uns sozusagen auf der Durchreise zum nächsten Ground.

Dieser sollte uns an die Grenze zu Gibraltar, nach La Línea de la Concepción, führen. Der Ground bestach weniger durch hochklassigen Fußball denn durch sein einzigartiges Ambiente. Nach vorne blickte man auf den Rasen, links der Felsen von Gibraltar und dreht man sich nach hinten um hat man einen wunderschönen Blick auf das Mittelmeer.

Im Estadio Municipal de La Línea de la Concepción fand das Drittliga-Spiel Real Balompédica Linense gegen CP Villarrobledo statt, das die Hausherren durch ein Tor kurz vor Schluss mit 1:0 für sich entscheiden konnten. Dadurch herrschte gute Laune bei den Gastgebern, was sich an den großzügigen Mischungen beim Ausschank in der Stadiongaststätte zeigen sollte.

Abends lud die VfB-Fanbetreuung die Mitreisenden in ein Restaurant ein, wobei die Speisen bezahlt werden mussten und der VfB uns auf die Getränke einlud. „Klenky“ brachte außer Holger Laser auch unseren Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger sowie den neu gewählten Präsidenten Claus Vogt mit.

Anders als bei vorherigen Trainingslagern, als die ganze Mannschaft oder wenigstens einzelne Spieler zum Plausch mit den Fans antraten, waren es dieses Mal „nur“ Offizielle!

Meiner Freude über die Einladung tat dies keinen Abbruch, weiß ich mittlerweile schon überhaupt nicht mehr, was ich mit den Bübchen zu bereden hätte, leben die doch größtenteils sowieso in ihrer eigenen und für mich kaum noch nachvollziehbaren Welt.

Dass ein Holger Badstuber mittlerweile der dienstälteste VfB-Profi ist, sagt so einiges aus über die nicht vorhandene Identifikation mit unserem Kader. Einzig mit den Älteren hätte man überhaupt eine Gesprächsgrundlage gefunden, was es auch nicht mehr brauchte, war doch Mario Gomez Anfang Dezember Gast in der Schwemme, wo ein guter Austausch möglich war.

Da wir schnell an der größten Tafel des Raumes Platz nahmen und diese genauso schnell bis auf den Platz gefüllt war, fand sich den ganzen Abend über weder Platz für „Hitz“ noch für Claus Vogt. An der Stirnseite nahmen schließlich Klenky und Holger Platz, so dass wir uns den Abend über mehr mit Ihnen als mit den eigentlichen „Stars“ des Abends unterhielten, was auch interessant und aufschlussreich war, zudem kennt man und versteht sich ja auch!

Mit Claus Vogt konnte ich mich im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfes bereits austauschen und es war unwahrscheinlich, dass sich binnen einem Monat Präsidentschaft Grundlegendes in seinen Positionen verändert hatte oder er das eine oder andere Entscheidende bereits auf den Weg bringen konnte.

Hitzlsperger saß zeitweise direkt hinter mir, so dass ich einiges selbst aufschnappen konnte und anderes, was er zum besten gab, hinterher in Gesprächen erfuhr. Nach dessen Ausführungen jedenfalls wurde mir die Trennung von Walter plausibler und erfolgte demnach eher zu spät, wenngleich eine Spielpause natürlich immer besser dazu geeignet ist, den Schnitt zu vollziehen.

Da hauptsächlich Allesfahrer am Start waren, kam die Frage nach internationalen Testspielen, auswärts versteht sich, auf, was Hitzlsperger ein wenig zu überraschen schien. Als wir ihm mitteilten, dass wir mit dem Erreichen des DM-Endspiels unserer U19 die Youth League fest im Visier hatten, merkte er, wie ernst uns diese „Ersatzdroge“ für entgangene Europapokalfreuden ist. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, er solle doch mal bei seinen Ex-Vereinen Aston Villa und West Ham United anklopfen, vielleicht wird es ja was!

Ein solcher Abend ist Gold wert, fühlt man sich doch ernst genommen und kann er doch gegenseitiges Verständnis erzeugen. Noch immer bin ich erleichtert, dass wir Dietrich losbekommen haben und vertraue Hitzlsperger und Vogt, dass sie den VfB in ein besseres Licht und auch langsam und beharrlich in die Erfolgsspur zurück führen. Da Rückschläge nie auszuschließen sind, verliere ich auch nicht die Nerven, sollte der Aufstieg in diesem Jahr verpasst werden. Der Umbruch war nötig und gewaltig, so dass man nicht erwarten kann, dass von heute auf morgen alles gut wird.

Nachdem sich Hitzlsperger und Vogt verabschiedet haben und die letzten Pitcher über den Tisch gingen, ließ man den Abend in einer Karaoke-Bar ausklingen.

Tag 3: Hallo Marbella, hallo Mikrophon

Das Vormittagstraining ließen wir ausfallen. Da am Nachmittag das erste Testspiel gegen den FC Basel anstand, war mehr als ein einstündiges Anschwitzen auf dem Platz ohnehin nicht zu erwarten, so dass man sich das getrost schenken konnte.

Nach den ersten Tagen voller „Termine“ wollten wir jetzt endlich einmal unsere unmittelbare Umgebung erkunden. Wir ließen uns sagen, Marbella liege am Meer. Bislang hatte ich noch keines gesehen, so dass es höchste Zeit war, danach zu schauen. Tatsächlich, eine wunderschöne Strandpromenade, Sand und Wasser wohin das Auge reichte, erwarteten uns, kaum mehr als fünf Gehminuten von unserer Bude entfernt. So wateten wir durch den Sand, schossen Bilder und ließen den Herrgott einen guten Mann sein.

Alsbald begaben wir uns zum Auto, das wir von nun an in einem günstigeren Parkhaus für 16,80 Euro Höchstsatz abgestellt hatten und suchten einen Supermarkt auf, um uns mit San Miguel Dosen für das bevorstehende Testspiel zu versorgen.

Anders als bei den Trainingseinheiten war das Gelände bei diesem internationalen Testspiel plötzlich nicht mehr frei zugänglich. Wegen der Parkplatzsituation am Trainingsplatz fanden wir uns bereits eine Stunde vor Spielbeginn ein und wurden von einem Wächter freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass der Zutritt erst eine halbe Stunde vor Spielbeginn gestattet sei und dieser ohne Mitnahme von alkoholischen Kaltgetränken zu erfolgen habe. In spanischen „Stadien“ sei Alkohol grundsätzlich verboten und dies gelte schließlich auch für dieses „Spitzenspiel“.

Wir hatten Glück in einem unbeobachteten Moment und als “Anhängsel” der Fanbetreuung hinein huschen zu können, während die anderen, die später eintrafen, ihren Proviant vor dem Eingang austrinken oder wieder ins Auto bringen mussten.

So waren wir plötzlich gefragter denn je und versorgten die durstige Bagage mit Bier, soweit die prall gefüllten Rucksäcke es hergaben. Der Sheriff indes lief die Seitenlinie auf und ab, konfiszierte hier eine Bacardi-Flasche, dort ein Sixpack, ließ uns jedoch weitestgehend in Ruhe, da wir mittlerweile (unauffällige) Cola-Becher zum Umfüllen organisiert hatten.

Als das Spiel im Gange war, standen die Handys nicht mehr still. Das Mikrophon lag „etwas unglücklich“ direkt vor uns auf dem Boden und sollte Atmosphäre in die Heimat transportieren, was eindrucksvoll gelang.

In den sozialen Medien überschlugen sich die Kommentare, teils beleidigend, was umgehend zu Gegenreaktionen und im einen oder anderen Fall auch zu weniger vorzeigenswerten Retourkutschen führte. „Den“ Fans hier aber Homophobie und Rassismus zu unterstellen, wie teilweise zu lesen war, schießt meines Erachtens weit übers Ziel hinaus, nicht nur weil ich von Verallgemeinerungen und Pauschalurteilen ohnehin nichts halte.

Wir waren einfach, wie einige User erkannten, gut drauf und zudem der Stresssituation des heimlich „trinken müssens“ ausgesetzt. Besondere Situationen rufen besondere Maßnahmen hervor. Ich fand es extrem lustig und verstehe so manche Spaßbremse in der Heimat nicht, die wohl nicht ernsthaft tiefgründige Fußballfachgespräche bei einem unbedeutenden Kirmeskick im Urlaub erwartet hat. Das Spiel gewann der VfB durch einen Doppelschlag kurz nach der Pause mit 2:0, ein gelungener Auftakt für unseren neuen Trainer Pellegrino Matarazzo.

Tag 4: Das Morgengrauen oder der verhinderte Plan

Heute wegen gestern geschlossen. So oder so ähnlich könnte man umschreiben, weshalb aus dem geplanten Ganztagestrip nach Málaga mit Sightseeing nur einer zum Fußballspiel wurde! Da drei Mitglieder unserer fünfköpfigen Reisegruppe es am Vorabend übertrieben hatten, lässt sich fast schon von einem Mehrheitsbeschluss sprechen, den eigentlichen Plan ad acta gelegt zu haben, auch wenn es für die anderen beiden verständlicherweise nicht so schön war.

Erst nachmittags gegen 15 Uhr kamen wir weg und stellten das Auto (natürlich) auf einem kostenpflichtigen Parkplatz nahe des Stadions ab. Immer in Richtung Wasser gehend, ließen wir die Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten sein und kehrten am Hafen ins Hardrock-Cafe ein. Dort gesellten sich weitere VfBler dazu, mit denen wir einige Zeit später per Taxi zum Stadion zurück fuhren.
Dort angekommen bemerkten wir bereits eine Vielzahl an Ultras, die zwar einige Schlachtgesänge skandierten, offensichtlich aber das Stadion (noch) nicht betraten. Insgesamt fanden sich im Stadion La Rosaleda des skandalträchtigen Málaga CF 12.203 Zuschauer ein, wobei die Ultras aufgrund eines Stimmungsboykotts erst kurz vor der Halbzeitpause in den Block kamen.

Die Proteste richten sich gegen den aus der Herrscher-Familie Katars stammenden Vereinseigners und -Präsidenten Abdullah Al-Thani, der sich erst vor Wochenfrist des beliebten Trainers Víctor Sánchez entledigt hatte. Offenbar gelegen kam ihm ein im Netz aufgetauchtes Video, das den Ex-Trainer im Vereins-Poloshirt und mit heruntergelassener Hose onanierend zeigte. Der Trainer hatte wenige Tage davor die Vereinsführung beschuldigt, Versprechen nicht eingehalten und „betrogen“ zu haben, so dass es auf jeden Fall ein Gschmäckle hat, dass das Video gerade zu diesem Zeitpunkt auftauchte und vor allem, wer ein Interesse hatte, es zu diesem Zeitpunkt zu veröffentlichten. Die Fans stellten sich jedenfalls auf die Seite des Coaches, ist der Präsident doch schon seit der Übernahme des Vereins nicht sehr wohlgelitten.

Der allmächtige Katari hatte den Club 2010 übernommen, bis 2013 rund 150 Millionen Euro in sein Spielzeug investiert, ehe das Kartenhaus zusammenfiel und man schließlich aufgrund des Financial Fairplay der UEFA von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen wurde. Daraufhin trennte man sich von etlichen namhaften Spielern und backt seither kleinere Brötchen, mittlerweile sogar in der 2. Liga.
Somit war stimmungstechnisch wenig geboten und auch spielerisch herrschte weitestgehend totale Armut. Nach dem 1:0 in der 2. Spielminute hofften wir noch auf ein Feuerwerk, nichtsahnend, dass es sich hierbei bereits um den einzigen Höhepunkt gehandelt hatte. Alles in allem ein enttäuschendes Duell der zweiten Tabellenhälfte, bei dem man leidvoll miterleben musste, was aus einem einst glanzvollen Championsleague-Teilnehmer geworden ist, der sein Heil in die Hände eines Scheichs gelegt hat, der TSV 1860 München lässt grüßen!

Tag 5: Ein Tag am Meer

Nach dem Vormittagstraining begaben wir uns direkt auf den Weg nach Cádiz. 170 Kilometer zu einem Zweitligakick, der uns eigentlich nichts angeht, kann man mal machen! Da die Geschichte von Cádiz bis in die Jahre um 1.000 v. Chr. reicht, gilt die auf einer Landzunge im Atlantik gelegene Perle als die älteste Stadt Europas. Erneut war unsere erste Anlaufstelle das Stadion, um nach dem Spiel Cádiz CF gegen CD Mirandés schnell den weiten Rückweg antreten zu können. Dieses Mal hatten wir Glück und fanden eine kostenlose Parkgelegenheit 200 Meter vom Stadion entfernt.

Da wir langsam hungrig wurden und nach Spielende gegen 23 Uhr die Auswahl eher überschaubar sein würde, schlenderten wir vom Stadion aus in Richtung Strandpromenade und kehrten dort in einem Argentinischen Steakhaus ein.

Gesättigt entschlossen wir uns, angesichts der bald einsetzenden Dunkelheit, auf die Stadtbesichtigung zu verzichten und lieber von einer Strandbar aus den wunderschönen Sonnenuntergang zu bestaunen. „Puppe“ ließ sich am Strand für ihre „Insta-Story“ ins rechte Licht setzen, während wir uns das Bier schmecken ließen und den An-, ähm, Ausblick genossen.

Für stolze 35€ gönnten wir uns einen Platz auf der Gegentribüne, was der „günstigsten“ Kategorie entsprach, als wir direkt nach Ankunft den Ticketschalter aufsuchten.

Hintertortribünen waren überhaupt keine im Verkauf, was uns angesichts unserer ersten Spiele in Andalusien, bei denen eben nur die Geraden geöffnet waren, auch nicht weiter skeptisch werden ließ. Das „Premium-Produkt“ Segunda Division, hat dem Vernehmen nach eben seinen Preis, ist ja beim VfB nicht anders!

Im Gegensatz des Spiels derselben Liga in Málaga, als es ein Kellerduell war, waren wir nun beim unangefochtenen Spitzenreiter zu Gast, was unsere Erwartungen an ein Spektakel nach oben geschraubt hatte.

Doch, weit gefehlt, auf dem Spielfeld bemerkte man nicht, wer hier Spitzenreiter und wer Neunter ist. Der erlösenden Führung der Hausherren in der ersten Halbzeit, folgte postwendend der Ausgleich. Man fühlte sich einmal mehr an den VfB erinnert, um festzustellen, „ist halt auch nur zweite Liga“.

In der zweiten Hälfte ging Cádiz erneut in Führung und schien sich dieses Mal die Butter nicht mehr vom Brot nehmen zu lassen. Spätestens, als in der 90. Minute das 3:1 fiel, konnte man davon ausgehen, der Tabellenführer würde sich keine Blöße mehr geben.

Doch, weit gefehlt: die zahlreichen freudetrunkenen Anhänger, die nach diesem Tor das Stadion verließen, verpassten sowohl den Anschluss von Mirandes, als auch in der 7. (!) Minute der Nachspielzeit den Ausgleich. Für mich eine späte Genugtuung, litten die Gastgeber doch, nachdem sie in Führung lagen, an extremer Fallsucht und verzögerten das Spiel ein ums andere Mal.

Apropos Zuschauerabmarsch: fühlt man sich wie zuhause, geht nach dem Abpfiff noch gemütlich aufs Klo, macht ein paar Fotos vom sich leerenden Stadion und wartet schließlich auf die Anderen, läuft man Gefahr, eingeschlossen zu werden. Direkt hinter uns, keine 15 Minuten nach Spielende, wurden die Tore abgeschlossen. So schnell sich ein spanisches Stadion kurz vor Spielbeginn füllt, so schnell leert es sich auch wieder.

Tag 6: Länderpunkt Gibraltar

Am Donnerstag wurde zunächst das Vormittagstraining besucht, nach dem es hieß, sich von einigen zu verabschieden, die nachmittags zurück in die Heimat flogen. Daher wurden noch Erinnerungsfotos gemacht und selbst ein Mannschaftsfoto mit Fans konnte initiiert werden, das ich leider, da mitten im Gespräch, verpasst hatte. Außer dem Foto am Fanabend mit Thomas Hitzlsperger habe ich dieses Mal überhaupt keine Bilder von mir mit Spielern oder Offiziellen machen lassen.

Nach einem Trainerwechsel bin ich traditionell sauer auf die „Mannschaft“, die es überhaupt so weit hat kommen lassen und sehe diese in der Pflicht, erst einmal zu liefern, bevor sie mit mir auf „Friede, Freude, Eierkuchenfotos“ dürfen. Die oft einmalige Gelegenheit mich mit dem gerade aktuellen Übungsleiter ablichten zu lassen, wollte ich eigentlich wahrnehmen, schaffte es aber leider nicht mehr, da wir nach den Training-Sessions stets auf dem Sprung waren und Spieler und Staff auf dem Weg zum Bus nicht an uns vorbei kamen.

So ging es nach dem Training gleich auf britisches Hoheitsgebiet nach Gibraltar. Gibraltar, an der Nordseite der Straße von Gibraltar gelegen, ist vor allem bekannt für die einzig freilebenden Affen Europas. Wobei freilebend nicht heißt, dass sie sich auch selbst versorgen müssen, haben viele Touristen doch Leckerli für sie dabei, auch wenn die Fütterung der Berberaffen eigentlich streng verboten ist!

Weltweit einmalig ist, dass man, um auf die Halbinsel Gibraltar zu gelangen, die Landebahn des Flughafens von Gibraltar überqueren muss. Ist man dann „drüben“, erwarten einen gleich Taxifahrer, die eine gut zweistündige Rundtour auf den Upper Rock anbieten. Kostenpunkt 30 Euro pro Person, worin die 15 Euro Eintritt, die man auch als Fußgänger bezahlen müsste, enthalten sind. Im Eintritt ebenfalls enthalten ist die Tropfsteinhöhle „St. Michael’s Cave“, die wir auch besuchten und vor der dann noch kurz mit Middlesbrough-Fans, ebenfalls inzwischen zweitklassig, über längst vergangene Europacup-Duelle sinniert wurde.

Anders als in Spanien, wo es bei Spielen ausschließlich alkoholfreie Getränke gab und selbst das Rauchen teilweise, wie in Málaga, nicht erlaubt ist, juckte das in Gibraltar niemanden.

Gibraltar hat eine Liga mit zwölf Vereinen, die ausschließlich im einzigen Stadion des „Landes“, dem Victoria-Stadium, spielen. Nach elf Spielen, also jeder gegen jeden, wird die Liga unterteilt in eine Championship- und eine Abstiegsrunde, wobei wir uns sinnigerweise ein Spiel der Abstiegsrunde, nämlich Mons Calpe SC gegen College 1975 FC, herausgesucht hatten.

Dieses schien fast ausschließlich Groundhopper zu interessieren, denn mehr als rund 50 Zuschauer dürften nicht da gewesen sein. Der „Gastgeber“ gewann durch ein spätes Tor mit 1:0 und freute sich, genauso wie wir, über den kurz darauffolgenden Schlusspfiff. Auch wenn damit der Länderpunkt Gibraltar eingefahren wurde, war dieses Spiel ohne jegliche Atmosphäre ein zähes Unterfangen und hatte seine Höhepunkte in Start und Landung je einer Maschine auf dem daneben befindlichen Flughafen. Da eine Stadionkneipe oder ein Kiosk, zumindest auf unserer Seite, nicht auszumachen war, holten wir bei einer nahegelegenen Tanke Dosenbier, was hier niemanden interessierte. Kein Eintritt, keine Kontrollen, nicht einmal ein Ordner schien dort Dienst zu tun, ein „Erstligaspiel“ der besonderen Art. Nach dem Spiel stärkten wir uns, wie schon vor dem Spiel in La Línea, beim Burger King für die Rückfahrt und ließen den Abend im Irish Pub in Marbella, in fußläufiger Entfernung von unserer Wohnung aus gelegen, ausklingen.

Tag 7: Freizeit

Den wettertechnisch schönsten und wärmsten Tag unseres Aufenthalts hatten wir am Freitag. Schon die Wetterapp prognostizierte 20° und Sonnenschein, so dass die kurze Hose wenigstens nicht umsonst mitgenommen wurde.

Da ich trotz kurzer Nacht morgens als erster „fit“ war und auch nach der Morgentoilette keinerlei Lebenszeichen in der Bude vernommen wurden, entschloss ich mich, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Die „Old Town“ wollte ich unbedingt noch sehen, und ließ es daher nicht darauf ankommen, ob wir das in der Gruppe geschafft hätten.

Gesagt, getan, kurz eine erste Anlaufstelle ergoogelt und hin navigiert. Einzig Thilo war auch schon unterwegs und gesellte sich zu einem kleinen Frühstück in einem Café zu mir, ehe sich unsere Wege auch schon wieder trennten.

Die Altstadt hielt, was sie verspricht, ein tolles Ambiente bei bestem Frühlingswetter, enjoy the life! Da ich von den Anderen noch immer nichts hörte, entschloss ich mich, am Meer entlang zum Yachthafen Puerto Banus zu marschieren. Eine stattliche Entfernung zwar, aber, mit einem Ziel vor Augen und sein eigenes Tempo gehen könnend, nur zu empfehlen, zumal man ständig neue Eindrücke sammelt und einem der Weg daher nicht so lang vorkommt, wie er tatsächlich ist.

Da auch die Anderen (o.k., eine Ausnahme) den Yachthafen sehen und ein paar Bilder machen wollten, trafen wir uns dort, um dann doch relativ schnell zum Nachmittagstraining aufzubrechen. Die Dekadenz, die einem dort entgegenschlägt, ist wahrlich nicht unsere Welt.

Das Nachmittagstraining war für 15 Uhr angesetzt, um 16 Uhr bereits fand das Spiel FC Luzern-Gaz Metan Mediaș im Marbella Football-Center statt. Wir einigten uns darauf, bei diesem Testspiel nur die zweite Halbzeit anzuschauen, um bei unserem letzten Training etwas länger verweilen zu können.

Das Marbella Football Center, wo unter anderem auch Borussia Dortmund Anfang Januar ein Testspiel ausgetragen hat, wäre als Trainingsanlage für uns Fans die bessere Wahl gewesen. Gab es in La Quinta gerade einmal zwei Dixi-Klos und keinerlei Verpflegungsmöglichkeiten glänzte das Marbella Football Center sowohl mit sanitären Anlagen, einem Vereinsheim sowie einer Tribüne. Es wäre zu empfehlen, dass der VfB bei der Auswahl seiner Spielstätten nicht nur auf die Nähe zum eigenen Hotel, sondern auch auf die Bedürfnisse der (wenigen) mitreisenden Fans achten würde.

Während andere Vereine schon zwei Monate vor einem Trainingslager Fanreisen anbieten, werden unsere zwei (!) Wochen vor Abflug erst offiziell kommuniziert, damit ja keiner auf die Idee kommt, so kurzfristig noch zu buchen. Auf dem Fan-Abend hieß es dazu, die Bestätigung des Hotels sei erst so spät gekommen, womit ich allerdings Probleme habe, das so glauben zu können.

Unmittelbar nach Schlusspfiff dieses Spiels brausten wir auch schon wieder davon und nahmen noch die letzten 15 Minuten der 0:2-Testspielpleite des 1. FC Nürnberg gegen den kroatischen Vertreter NK Osijek auf der Sportanlage Dama de Noche mit.

Danach zog es uns zurück an die Strandpromenade von Marbella, wo es für einige Mitreisende nach Steaks, Burger und Pasta endlich die ersehnte Paella gab, ehe wir unseren letzten Abend wieder im Irish Pub ausklingen ließen.

Tag 8: Ein letztes Spiel und Abreise

Exakt fünf Stunden vor unserem Abflug stand der zweite und letzte Test unseres VfB im Rahmen des Trainingslagers von Marbella auf dem Programm. Erneut auf dem Trainingsplatz ging es gegen den ungarischen Vertreter MOL Fehérvár FC, den man mit 3:1 in die Schranken wies. Merklich leerer war es geworden, war es doch einigen, die mit uns flogen, zu riskant den Flieger zu verpassen.

Uns reichte es optimal, der Mietwagen war in Windeseile und ohne nähere Begutachtung abgenommen und auch der Check-In verlief reibungslos.

Als Resümee des Wintertrainingslagers lässt sich festhalten, dass es wieder eine super Truppe und jeder Tag erlebenswert war. Bestens zusammengefasst hat die Tage Thilo von den Red Dogs Hohenlohe unter https://www.youtube.com/watch?v=bRSPqpDlLJc, wo unsere gesamte Reisegruppe sowie „Mühli“, Produzent des einzigartigen VfB-Brots, zu Wort kommen. Zu einem Statement der „Bordbistroszene“ kam es leider nicht mehr, da diese völlig überraschend am Dienstag bereits abreiste und uns uns selbst überlassen hat.

Wir, das waren Sandra („Puppe“, Fahrerin 1/ RWS Berkheim), Steffen (Fahrer 2/ Leintal Power 05), Soke (Reiseleiter/ RWS Berkheim), Thilo (Kameramann/ Red Dogs Hohenlohe) und Franky (Chronist/ RWS Berkheim), fühlen uns nach diesem Trainingslager bestens gerüstet für die Restrunde und sehen dem ersten Härtetest nächstes Wochenende in Hamburg gelassen entgegen.

Wie weit die Mannschaft unter neuem Trainer schon ist, werden wir nach den ersten beiden Spielen gegen Heidenheim und in St. Pauli wissen. Tolle Trainingslager mit besten Bedingungen gab es bereits zuhauf, allein das ist kein Indikator für eine erfolgreiche Restrunde, zumal bestimmt auch keiner unserer Konkurrenten von einer katastrophalen Vorbereitung zu berichten weiß.

Maulhelden sind sie alle, die jetzt die zurückgekehrte Einfachheit unter Matarazzo, der die Jungs (noch) nicht zu überfordern scheint, loben, entscheidend ist ab Mittwoch auf dem Platz. Da wird sich zeigen, ob das Quäntchen Spritzigkeit, welches zu knappen Abseitsentscheidungen führte, durch das direktere Spiel unter dem neuen Trainer freigesetzt wird. Es wird sich zeigen, ob dies auch zu mehr Konzentration gereicht, die oft gefehlt hat, oder die Gegner noch immer reihenweise zu Großchancen gegen uns kommen.

Man würde dem neuen Trainer gerne Zeit geben und manchem Spieler, der um Geduld bat, bis die Abläufe sitzen, beipflichten, doch, wenn wir eines nicht haben, ist es Zeit! Das Team muss liefern, sofort, denn, nach fünf Niederlagen in den ersten 18 Spielen darf sich der VfB nicht mehr viele Punktverluste leisten, will er als einer der beiden ersten aufsteigen.

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19. Mai 2013

Endlich: Saisonende!

Schon traditionell findet vor dem letzten Saison-Heimspiel die vom OFC Leintal-Power organisierte Fahrt auf dem Partyfloß statt, zu der alle OFC’s eingeladen sind. Wie in jedem Jahr war die Nachfrage riesig und das Boot somit schnell ausgebucht. Ich war bereits zum dritten Mal dabei und freute mich auch in diesem Jahr wieder, an Bord auf viele bekannte Gesichter zu treffen. Treffpunkt war wie immer der Bahnhof in Ludwigsburg von wo aus uns ein Shuttleservice zum Anleger nach LB-Poppenweiler brachte. Der Wettergott meinte es richtig gut mit uns, weitestgehend strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen, kühles Bier und toller Service an Bord, was will man mehr. Für mich bedeutet diese Floßfahrt auch immer so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit, lassen wir doch ehemalige Wohnorte, oder Orte, an denen ich anderweitig viel Zeit verbrachte links und rechts liegen, wie bspw. Aldingen, Hofen, den Max-Eyth-See, Münster und natürlich Bad Cannstatt. Gegen 13 Uhr erreichten wir wohl behalten unseren Zielhafen Mercedes Benz Museum, von wo aus es sofort in Richtung Otto’s Vesperstüble ging, um sich vor dem Spiel noch stärken zu können.

Ursprünglich war für den letzten Spieltag eine Saisonabschlussfete mit dem Live-Auftritt des Hofbräuregiments avisiert. Aufgrund wohl hoher Auflagen der Behörden in Bezug des Verkehrsabflusses nach dem Spiel wurde die Veranstaltung Mitte der Woche leider abgesagt. So war eben Business as usual angesagt, schade!

Daher lag am frühen Nachmittag der Höhepunkt des Tages schon hinter mir, abgesehen davon, dass ich nach dem Spiel noch mit einigen Bekannten zu einer „kleinen“ Saisonabschluss-Kneipentour verabredet war.

Und, genau, da war ja auch noch ein Bundesligaspiel, das man der Vollständigkeit halber, auch noch besuchen sollte. Positiv daran schon einmal, nach dem langen Vorprogramm an diesem Tage war es erhol- und auch ratsam eine etwa 2 ½-stündige bierfreie Phase  einzulegen. Im Stadion fällt mir das nicht allzu schwer, boykottiere ich doch bis heute mehr oder weniger das bargeldlose Bezahlsystem im Stadion. Wenn ich zufällig einmal Guthaben auf meiner Fankarte habe, vermeide ich es für gewöhnlich mich an Stoßzeiten an den Ständen anzustellen, also bin ich, wenn ich denn mal was hole, kurz vor der Halbzeit am Stand und habe schon des Öfteren ein Bier erhalten, das sie wohl zu Spielbeginn eingeschenkt hatten und das auch entsprechend schmeckte. Daher übe ich bei Heimspielen lieber Verzicht und freue mich dann eben auf die dritte Halbzeit.

Eigentlich bedenklich, wenn dies meine größten „Sorgen“ vor einem Bundesligaheimspiel sind. Selten war ich emotionsloser dabei, selten war ich glücklicher, dass eine elendige Saison sein Ende gefunden hat. Auch freute ich mich selten mehr beim Gedanken, viele Spieler des diesjährigen Teams in der nächsten Saison nicht mehr sehen zu müssen.

Wenn man sich die Anzahl der schon feststehenden Neuzugänge und dazu die der gehandelten Neuzugänge anschaut und von letzterem auch nur die Hälfte wahr wird, dürfte uns erneut ein großer  Umbruch bevorstehen. Und, das ist auch gut so. In mittlerweile rund 37 Jahren, in denen ich den VfB aktiv begleite und verfolge habe ich eine VfB-Elf noch nie schlechteren Fußball spielen sehen. In einer Saison, in der man sich von Erzfeinden demütigen lässt, von Absteigern und Abstiegskandidaten abschießen lässt, historisch am wenigsten Heimpunkte holt, die drittharmloseste Bundesligamannschaft stellt und über weite Strecken Fußball zum Abgewöhnen bietet, darf der Einzug ins Pokalfinale und die damit verbundene neuerliche Qualifikation fürs internationale Geschäft nicht alles übertünchen, was schief gelaufen ist. Es müssen Änderungen her und zwar in allen Ebenen des Vereins.

Dieter Hundt, der alternde Aufsichtsratschef, muss bei der nächsten Mitgliederversammlung im Juli zum Rückzug bewogen werden. Entsprechende Anträge sollen bereits eingegangen sein. Ein wichtiger Aspekt, dieses Vorhaben zu einem positiven Abschluss zu bringen, dürfte sein, dass auch in der Wappenfrage Entscheidungen erwartet werden und somit sicherlich auch viele Mitglieder aus der Kurve zugegen sein werden. Der Termin wurde erneut auf einen Montag-Abend gelegt, was es weiter weg wohnenden und nicht mobilen Mitgliedern natürlich erschwert, an dieser wichtigen MV anwesend sein zu können. Ein solches „den Leuten Steine in den Weg legen“, genauso wie die ins Leben gerufene Präsidentenkandidatenfindungskommission, sind wohl so etwas wie das letzte Pfeifen im Walde von Hundt. Ein Aufsichtsrat, am besten der gesamte, der wissentlich aufgrund vetternwirtschaftlicher Verflechtungen ein Porsche-Sponsoring verhindert und stattdessen mit Gazi eine schlechter vergütete Sponsoring-Partnerschaft eingeht, um die Mercedes-Leute rund um den Verein nicht zu vergraulen, gehört auf die Straße gesetzt und auf Regresszahlungen verklagt.

Über Mäuser ist jedes Wort zu viel, dieses Thema hat sich zum Glück erledigt! Schade nur, dass eine solche Pflaume wohl noch eine Abfindung in Höhe von gut 700.000 Euro für Nichts erhalten wird. Er täte gut daran, läge ihm der VfB am Herzen, zumindest auf einen Teil davon zu verzichten, wobei mir auch klar ist, dass dies eine unrealistische Hoffnung darstellt.

Unseren Manager Fredi Bobic sehe ich nach wie vor positiv. Er ist ein VfBler durch und durch und leistet gute Arbeit. Nur, stehe ich immer noch zu dem, was ich vor einigen Wochen schon einmal geschrieben habe: er muss sich nach meinem Geschmack mehr von seinem Trainer abgrenzen und ihm nicht nur nach dem Mund reden. Mich ärgert es wahnsinnig, wenn jeder Blinde sieht, was für ein Murks zusammen gekickt wird und dieser dann von Labbadia und Bobic unisono schön geredet wird, so dass man sich zwischendurch schon einmal Gedanken über deren Zurechnungsfähigkeit machen darf. Hier fehlt uns eindeutig eine Abteilung Attacke, wie es Sammer derzeit bei den Bayern gibt. Ein Mahner, der auch einmal unbequeme Wahrheiten ausspricht, anstatt auf Weichspülermentalität zu setzen und so zu hoffen, dass sich weiterhin alle lieb haben. Vom Naturell her wäre Bobic dazu  prädestiniert, er hat aber wohl Angst davor, durch ein Vorpreschen nach außen Unruhe zu schüren und intern Reibungen zu erzeugen. Jedoch sind gerade diese wichtig, dass man sieht, dass der Verein lebt. Derzeit plätschert es sowohl im Verein als auch auf dem Rasen nur noch dahin, was zur Folge hat, dass wir mehr und mehr zur grauen Maus verkommen, keine interessante Marke mehr darstellen, der Fußball unattraktiv und wenig spektakulär ist. Wenn uns dann noch weisgemacht wird, dass nicht mehr drin wäre mit unseren Möglichkeiten, dass unsere Erwartungen zu hoch seien, dass wir Schwaben mit unserer Bruddlermentalität mit nichts zufrieden wären, und, und, und, dann haben die Herren den Schuss nicht gehört. Ein Stadiongänger hat durchaus ein feines Gespür für das, was er erwarten kann. Dass der VfB in naher Zukunft wohl nicht um die Champions League mitspielen kann, damit haben wir uns abgefunden. Dass es auch nicht immer zum Erreichen der Europa League reicht, auch damit haben wir kein Problem. Ein zehnter Platz am Ende, akzeptabel, wenn der Einsatz und die Leidenschaft stimmen, womöglich noch Pech hinzukam und/ oder die anderen einfach besser waren. Alleine aus diesen Gründen laufen dem VfB nicht die Zuschauer davon und werden auch nicht alleine deshalb so  emotionslos, wie sie über weite Strecken der Saison waren. Was die Leute fernbleiben lässt, was die, die kamen, auf ihren Plätzen erstarren lässt, ist das leblose Gekicke auf dem Rasen, der langweilige Fußball, den wir vorgesetzt bekommen, eine Mannschaft, die kein Team zu sein scheint, ein System, das nicht als solches zu erkennen ist, fußballerische Schwächen von Berufsfußballern, die unerklärlich sind, individuelle Patzer, die den Gegner in schöner Regelmäßigkeit zu Toren einlädt. Das kapiert der Zuschauer auf der Tribüne nicht, wenn permanent Fehler passieren, die selbst in der Kreisliga nicht zu entschuldigen wären. Wenn dann die Statements nicht etwa in Richtung von „wir können Euren Unmut verstehen, dafür laufen sie eine Runde um den Bärensee“ sondern stattdessen von ordentlichen Auftritten geredet wird, für die man sich nicht belohnt hätte, fängt der „normale“ Zuschauer an, an sich selbst zu zweifeln, meint, dieses Spiel ist zu hoch für ihn, und bleibt eben das nächste Mal zu Hause und bildet sich fort.

Die Zuschauerzahlen in der Rückrunde sollten Mahnung genug sein. Passend dazu wurden in dieser Woche die Dauerkartenpreise für die nächste Saison veröffentlicht. In vfb-direkt schreiben sie von einer moderaten Preiserhöhung von 2%, in etwa also der Inflationsrate. Ich sage, unverschämt, unmittelbar nach einer solchen Katastrophensaison noch mehr Geld als ohnehin schon zu verlangen. Der Verein sollte seine Preispolitik der letzten Jahre mal überdenken und vor sich vor allem die Jahre ansehen, in denen sie die Preise weit über der Inflationsrate erhöht haben bzw. in den Umbaujahren, als wir in einem halben und offenen Stadion den vollen Preis zu entrichten hatten.

Ich sehe überhaupt keine Gründe für eine Preiserhöhung, oder darf ich für mehr Geld besseren Fußball und besseren Komfort erwarten? Nein, als zahlender Zuschauer und Teil des Spiels muss ich alles ohne Murren und ohne Geld-Zurückgarantie so hinnehmen.

Dem Fan in der Kurve kann man das Geld ja aus der Tasche ziehen, der wird immer wieder kommen, die Lücken zuletzt auf den teuren Plätzen aber, sollten zum Nachdenken anregen.

Solang ein Herr Hundt, siehe oben, ein besseres dotiertes Sponsoring ausschlägt, solang genau der gleiche Hund(t), einen Präsidenten, den keiner will, durchdrückt und ihm jetzt den Lebensabend mit einer saftigen Abfindung versüßt, ist es schon grotesk, dass aus solchen Gründen der kleine Mann tiefer in die Tasche greifen soll. Aber, ich bin ja kein Phantast: würde der Verein ein ausgeprägtes Taktgefühl und ein Gespür für die Stimmung rund um den Verein an den Tag legen, wäre es wohl nicht mein VfB.

Bobic, wie gesagt, für mich nach wie vor der richtige Mann am richtigen Ort. Seine Transferbilanz kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Letzten Winter wurde mit Alexandru Maxim ein dicker Fisch an Land gezogen, mir bereitet es große Freude, dass da jetzt wenigstens einer ist, dessen Freund der Ball ist. Die schon feststehenden Zugänge lesen sich prominenter als in den letzten Transferperioden, käme jetzt noch der eine oder andere der gehandelten Namen wie Leitner, Lasogga, Volland, etc. könneen wir uns sicherlich auf die neue Saison freuen.

Bzgl. der Trainerposition habe ich mich ja in letzter Zeit auf Labbadia eingeschossen. Ihm traue ich es nicht mehr zu, den Karren wieder flott zu bekommen. Er ist mir taktisch zu unflexibel, kann es offensichtlich nicht mit jungen Spielern, erscheint ratlos, wenn ein Spiel in eine andere Richtung läuft als auf dem Reißbrett aufgemalt. Dies spiegelt sich auch in seinen späten und oft nicht nachvollziehbaren Auswechslungen wider. Ein Matchplan sieht sicher anders aus.

Dazu dieses ständige Herumgejammere über das anspruchsvolle Umfeld, die schlechte Stimmung, die begrenzten finanziellen Möglichkeiten, das mangelnde Vertrauen in ihn, die Überbelastung der Spieler. Durch dieses ständige madig machen von allem rund um den VfB, ist er auch nicht der Typ, der eine Aufbruchsstimmung erzeugen und Leute überzeugen kann, ins Stadion zu kommen. Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr kommt, erwartet bloß nicht zu viel. Dies ist auch eine Art von Geschäftsschädigung, ist es doch vergleichbar mit dem Filialleiter, der seine potentiellen Kunden davor warnt, seinen Laden zu betreten.

Den Umgang mit jungen Spielern hat unlängst Silvio Meißner, Berater von Christoph Hemlein, so beschrieben, dass Hemlein vor 1 ½ Jahren, nachdem er einige Male bei den Profis zum Zuge kam, ohne Begründung und persönliche Erklärung wieder zurück zur zweiten Mannschaft degradiert wurde und überhaupt nicht wusste, weshalb. Ich konnte das genauso wenig nachvollziehen und kann mich erinnern, dass er im Pokal gegen den FSV Frankfurt und in Nürnberg ordentliche Auftritte hinlegte. Bei den Amateuren hat er mir meist gut gefallen, vor allem sein Einsatz und die Gier an den Ball zu kommen, haben mir imponiert. Solche Spielertypen mag eigentlich der Zuschauer, Spieler, die sich in jeden Zweikampf reinhauen, die keinen Ball verloren geben und auch einmal über das Ziel hinausschießen. Labbadia sah ihn wohl nicht so, jetzt verlässt uns Hemlein in Richtung Nijmwegen.

Ähnlich muss es Antonio Rüdiger gegangen sein, als er ein ordentliches Spiel gegen Ribery zu Beginn der Rückrunde ablieferte und im nächsten Spiel in Düsseldorf wieder draußen saß. Gerade für unsere junge Spieler, die Kapital für die Zukunft darstellen, benötigen wir einen Trainer, der sowohl psychologisch als auch als Fußballlehrer das Gespür für den Umgang mit ihnen hat, der sie fordern aber zugleich auch fördern kann. Labbadia wird immer einen erfahrenen einem jungen Spieler vorziehen. Ich bin gespannt, was mit Didavi passiert, wenn er denn mal wieder richtig angreifen kann. Ihm hat er ja auch das Blaue vom Himmel versprochen, um dann mit Hajnal den Vertrag zu verlängern.

Daher würde ich mir ein rasches Umdenken in der Trainerfrage wünschen. Die Zeit ist jetzt gekommen, zwischen Bundesligaabschluss und Trainingsbeginn könnte man durchaus an einen Kandidaten herantreten, der woanders unter Vertrag steht. Nach einem neuerlichen Fehlstart, dem Labbadia mit seinen in dieser Woche geäußerten Bemerkungen, die Spieler würden durch die jetzt noch anstehenden Länderspiele ausgepresst wie Zitronen, schon die Ausreden geliefert hat, wäre dieser Zug abgefahren und man müsste abermals auf einen arbeitslosen Fußballlehrer zurück greifen, weil er gerade frei ist und nicht, weil man von seiner Philosophie überzeugt wäre. So dreht man sich auf Dauer im Kreis.

Dafür, dass bei mir nach dem letzten Bundesligaspieltag die Luft raus ist, spricht auch, dass ich dem Pokalfinale mit allem anderem als mit Vorfreude entgegenblicke. Ich freue mich auf die Tour, eine tolle Party mit VfBlern in der Stadt, befürchte für das Spiel jedoch das Schlimmste. Wenn alles normal läuft und beide Teams ihr Leistungsvermögen abrufen, müsste es eine Klatsche setzen, wie sie Berlin in einem Finale noch nicht gesehen hat.

Meiner Meinung nach hängt vieles vom Verlauf des Champion League Finals nächsten Samstag in London ab. Sollte Bayern sein drittes Finale innerhalb von drei Jahren verlieren, der BVB also triumphieren, könnte ich mir vorstellen, dass die Bayern in ein tiefes Loch fallen werden, aus dem es schwer sein dürfte innerhalb von einer Woche positiv gestimmt heraus zu kommen. Spieler wie Lahm und Schweinsteiger würden zu grübeln beginnen, ob ihnen bis Ende ihrer Karriere jemals noch ein internationaler Titel vergönnt sein würde. Daran hätten sie zu knabbern, davon bin ich überzeugt. Daher drücke ich am Samstag den Dortmundern die Daumen, auch wenn sie mich gestern bitterlich enttäuscht haben, durch das Reanimieren des Dorfclubs von der Autobahnraststätte Kraichgau. Gestern früh noch war ich total davon überzeugt, dass wir abends eine Abstiegsparty würden feiern können. So traf es leider die Düsseldorfer, die eben eine grottenschlechte Rückrunde gespielt hatten und selbst gegen eigentlich rechte Gegner zur richtigen Zeit wie Bremen und Nürnberg nicht gewinnen konnten. Der Sieg gegen uns war einer von zweien in der gesamten Rückrunde.

Für eine Einschätzung zum Pokalfinale melde ich mich dann kurz davor noch einmal. Ich mag momentan noch nicht daran denken, es ist einfach noch zu weit weg, angesichts des bevorstehenden Finals in London.

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