26. Januar 2021

Offener Brief an Thomas Hitzlsperger

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 17:04

Lieber Thomas Hitzlsperger,

da wir augenscheinlich in der Zeit der offenen Briefe leben, wende auch ich mich mit einem ebensolchen an Dich.

Ich habe Tage und Nächte des Grübelns verbracht und muss Dir doch mal etwas mit auf den Weg geben. Es geht ein Riss durch unseren VfB, nicht nur zwischen AG und Verein, sondern auch zwischen Euch da oben und uns Fans.

Eigentlich bist Du ja ein Glückskind! Du konntest Dein Hobby zum Beruf machen und hast 2005 Dein Glück mit dem Wechsel von Aston Villa zum VfB gefunden.

Dein „Hammer“, die linke Klebe, war in der Liga gefürchtet und von uns VfBlern geliebt. Wir haben Dich ins Herz geschlossen, schon lange vor dem goldenen Schuss 2007 zum Ausgleich gegen Energie Cottbus. Ecke Pardo, Direktabnahme Hitzlspergeeeeerrrrrrrrrr! Ekstase pur, spätestens ab diesem Moment branntest Du Dich ein in die Geschichtsbücher des VfB Stuttgart 1893 e. V.

Es gibt nicht viele derart einprägsame Momente in der über 127-jährigen Vereinsgeschichte, wie dieser, als Dir 56.000 Zuschauer im Stadion und Hunderttausende in der Innenstadt und in den Sportbars zu Füßen lagen.

Anschließend wurdest Du gar unser Kapitän, ehe 2010 Christian Gross keine Verwendung mehr für Dich hatte und Du bei der anschließenden Tour über Lazio, West Ham, Wolfsburg, Everton und schließlich der Everton-Reserve nie mehr annähernd so glücklich wurdest, wie einst am Neckar.

Wir Schwaben brauchen immer etwas länger, jemandem das Herz zu öffnen, bei Dir ging es rasend schnell, warst Du doch stets nicht nur der abkassierende Profi, sondern schautest schon als Spieler über den Tellerrand hinaus. Ob im Trainingslager oder bei sonstigen Gelegenheiten, immer wenn man Dich ansprach, hattest Du freundliche Worte parat und nahmst Dir Zeit für jene, die den Zirkus unterstützen.

Nach der Karriere wolltest Du den Fußball von der anderen Seite kennenlernen und zeichnetest unter anderem für eine Ausgabe von 11Freunde als Chefredakteur verantwortlich. Bei einem Magazin, welches den Fußball aus dem Blickwinkel der Fans betrachtet und die Sorgen und Nöte der Fans in den Fokus stellt. Anschließend warst Du als erfrischend nüchterner Experte bei Live-Spielen der ARD am Start und erwarbst Dir hohe Reputation weit über das Schwabenland hinaus. Du wurdest überregional wahrgenommen, als einer der Klartext redet und Werte verkörpert, der für Integrität und Toleranz warb, einer, der was zu sagen hatte und dem man gerne zuhört(e). All das gipfelte schließlich letztes Jahr im von Bundespräsident Steinmeier verliehenen Bundesverdienstkreuz.

Nach dem Abstieg 2016, als der VfB ohne Präsidenten dastand und die Vereinsführung gerade mal aus Bankkaufmann Heim und Trikotverkäufer Röttgermann bestand, zauberten die Herren Dich als „Berater“ des Vorstands aus dem Hut, einen Sympathen, der damals auch dringend nötig war, als der Verein in „Schutt und Asche“ lag.

Es spielte dabei offensichtlich überhaupt keine Rolle, was ein Berater des Vorstands den lieben langen Tag so macht, es genügte bereits, sympathisch zu sein und dem gemeinen Fan den Eindruck zu vermitteln, unser aller Glück läge nicht allein in den Händen von Heim und Röttgermann.

Ein Jahr später berief man Dich ins Präsidium, danach ernannte man Dich zum Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Wieder ein Jahr später, nach dem desaströsen 0:3 bei Fortuna Düsseldorf und der Entlassung von Michael Reschke ernannte man Dich als dessen Nachfolger zum Vorstand Sport, womit Du erstmals beim VfB in der Karriere nach der (Spieler-)Karriere in den Fokus der Öffentlichkeit gerietst.

Zugegeben, es war ein undankbarer Job! Präsident Dietrich lag mit Reschke im Clinch, weil Reschke Weinzierl nach knapp fünf Monaten wieder entlassen wollte. Weder das wollte Dietrich Reschke zugestehen, erst recht aber nicht, dass Reschke den nächsten Fehlgriff auf die Trainerbank setzt. Deshalb musste Reschke gehen und nicht Weinzierl.

Damit solltest Du Dich nun herumschlagen und demonstriertest Nibelungentreue zu einem Trainer, bei dem bereits nach wenigen Wochen klar war, dass er weder zum Verein noch zur Mannschaft passt und der VfB mit ihm sehenden Auges gen Abstieg zusteuern würde.

Dein Zaudern und Deine mangelhafte Entschlussfreudigkeit (stimmt, diese wirfst Du nun ja Claus Vogt vor…) ließen das Schiff unaufhaltsam gen Unterhaus schlingern, ehe die „Mannschaft“ das letzte Wort sprach und durch ein 0:6 bei Weinzierls alter Liebe Augsburg zum Handeln zwang, wenngleich leider viel zu spät.

Mit Nico Willig an der Seitenlinie war in der Truppe zwar wieder ein Wille erkennbar, das Aufbäumen kam jedoch zu spät, womit der Abstieg hausgemacht war und Du Dir als Mitverantwortlicher für den Abstieg erste Kratzer auf dem bislang blitzblanken Lack zugezogen hast.

Deine zögernde Haltung in der Trainerfrage wurde Dir verziehen, hatte der Abstieg doch auch etwas Selbstreinigendes. Mit Sven Mislintat an Deiner Seite wurden alte Zöpfe abgeschnitten und Altlasten nur noch behalten, wenn sie vertraglich gebunden waren und es nicht einsahen, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Der Aufstieg gelang mehr schlecht als recht, lediglich dem Unvermögen des HSV war es zu verdanken, dass es zurück in die Bundesliga ging.

Deinem Werdegang im Club tat der Abstieg freilich keinen Abbruch. Im Gegenteil, Dein persönlicher Aufstieg nahm an Rasanz sogar noch zu. Keine fünf Monate nach dem Abstieg wurdest Du auf den neu geschaffenen Posten des Vorstandsvorsitzenden gehievt und warst fortan nicht mehr nur für den Sport, sondern auch die Bereiche Unternehmensstrategie und Kommunikation verantwortlich. Trotz namhafter „Konkurrenz“ in einem ganz gewiss ergebnisoffenen Bewerbungsverfahren (?) wurdest Du Leuten wie etwa Bernhard Heusler, die nachweislich schon erfolgreich einen Profiverein geführt haben, vorgezogen. Bist eben ein Glückskind!

Oder war es etwa nicht bloßes Glück, und es steckte Kalkül Deiner Förderer beim VfB dahinter? Wollte man lieber einen, der schon aus purer Dankbarkeit Vorgänge der Vergangenheit nicht hinterfragen würde, anstatt von außen einen Macher zu holen, der die Leichen im Keller der Mercedesstraße 109 ausbuddeln könnte?

Wie tief der Sumpf auf dem Cannstatter Wasen ist, lässt sich auch gut fünf Monate nach Bekanntwerden des Datenskandals nur erahnen. Die Blockadehaltung, von der die Medien zunehmend berichten, spricht nicht gerade für den Willen, die versprochene Transparenz und lückenlose Aufklärung auch tatsächlich einzulösen.

Auch wenn die Fa. Esecon mittlerweile einräumte, der VfB sei inzwischen etwas kooperativer geworden und Du Artikel der Zeitung mit den vier großen Buchstaben freudig teilst, stellt man sich die Frage, ob es nicht ein Leichtes wäre, Ermittlern jetzt Zugang zu ermöglichen, wenn vorher monatelang die Gelegenheit bestand, Beweise beiseite zu schaffen.

Wie der VfB IT-seitig aufgestellt ist und ob es Datensicherungen gibt, an die „normale“ Mitarbeiter nicht herankommen, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedoch, bei allem was man beim VfB rund um die IT so mitbekommt (WLAN-Gate, unzuverlässig verlaufende Abstimmungen, Zusammenbrechen der Webseite bei besonderen Schnäppchen oder Ticketverkäufen, etc. pp.), scheint man mit der elektronischen Datenverarbeitung im 21. Jahrhundert noch nicht angekommen zu sein.

Also schwebt der Datenskandal nach wie vor über Allem und scheint im Haus mit dem roten Dach der Auslöser großer Nervosität und Panik zu sein!

Noch immer glaube ich nicht, dass Du den in Deinem Namen veröffentlichten offenen Brief vom 30. Dezember des Vorjahres alleine verfasst hast und dieser aus freien Stücken erfolgte. Wie verzweifelt muss jemand sein, der wahre Schimpftiraden ablässt, um Präsident Claus Vogt loswerden und ihn mundtot zu machen, nur, weil dieser sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Datenskandal vollumfänglich aufklären zu wollen. Wer in der AG hat was genau zu befürchten?

Ich weiß, als Vorstandsvorsitzender der AG bist Du uns Fans und Mitgliedern keine Rechenschaft schuldig, jedoch nur, solang es um die Belange der AG geht. Wird aber der amtierende und gewählte Präsident, der sich zudem bei weiten Teilen der Fans großer Beliebtheit erfreut, aufs Übelste herbeleidigt, um erwirken zu wollen, dass dieser aufgibt, geht uns das sehr wohl etwas an.

Wen meinst Du schützen zu müssen, wenn Du, wie inzwischen bekannt ist, die Ermittlungen der Fa. Esecon am liebsten beenden wolltest, „weil die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind“?

Nach heutigen Erkenntnissen sind diese, wenn überhaupt, nur deshalb aus dem Ruder gelaufen, weil die Ermittler von Beginn an nicht wie erforderlich ihrer Arbeit nachgehen konnten. Zudem seien die Kosten größtenteils von einer Versicherung gedeckt. Der Vorwurf einer fehlenden Kostenschätzung muss allein schon damit entkräftet sein, dass die AG dem Vernehmen nach der Fa. Esecon ebenfalls einen Auftrag erteilt hat und somit mit den Konditionen vertraut gewesen sein sollte, sofern sie selbst eine Kostenschätzung eingefordert hat.

Wie groß muss die Verzweiflung sein, mit kinderleicht zu widerlegenden Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen? Bist doch ein intelligenter junger Mann, dem es klar gewesen sein musste, dass Lügen kurze Beine haben und gerade solche Vorwürfe in Windeseile widerlegt sein dürften, wenn sie denn nicht stimmen.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, so dass ich mich mit den wenigen inhaltlichen Vorwürfen Deines offenen Briefes gar nicht weiter auseinandersetzen möchte.

Bewahrheitet sich allein dies, lässt das nur den Schluss zu, dass der offene Brief allein das Ziel hatte, Vogt zu erledigen und aus dem Amt zu drängen.

Deine Präsidentschaftskandidatur entpuppt sich damit lediglich als eine Scheinkandidatur, weil auch Dir klar sein muss, mit welchen Versprechungen die Ausgliederung erreicht wurde und dass diese unter anderem darauf fußte, dass der Präsident des e.V. gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender in der AG zu sein hat. Ob ihr hier dennoch ein Hintertürchen findet und Du großzügig auf den Aufsichtsratsvorsitz-Posten verzichten würdest, geschenkt. Der Präsidentenposten war nie ein wirkliches Ziel von Dir, die Kandidatur sollte lediglich dazu führen, dass Vogt entweder aufgibt oder der Vereinsbeirat Euch beide nicht nominiert.

Letzteres scheint einzutreten, verfolgt man die Berichterstattung der letzten Tage. Der Vereinsbeirat schaltete einen Headhunter für die Kandidatensuche ein. An der Stelle sei die Frage erlaubt, können wir uns den überhaupt leisten?

Medien berichten bereits, Gaiser sei der favorisierte Kandidat des Vereinsbeirates, der gegen Mister X antreten soll. Volker Zeh habe beim Briefing nicht den allerbesten Eindruck hinterlassen und scheint allenfalls als Notnagel zur Wahl gestellt werden.

Dem Vernehmen nach ist es Euch also tatsächlich gelungen, Vogt für eine nächste Amtszeit zu verhindern. Wie armselig! Fühlt sich das tatsächlich gut an? Fühlt man sich dabei gar als Triumphator? Schaut man sich ein solches Vorgehen bei Leuten wie Wilfried Porth ab, die von Berufs wegen Arbeitnehmer aus dem Job mobben, wenn man sie nicht mehr brauchen kann, wie man aus der Daimler-Belegschaft hört? Mit dem Unterschied natürlich, dass Porth dies Untergebenen gegenüber praktiziert und Du den Aufstand gegen einen Vorgesetzten probst.

Ein ehrenamtlicher e.V.-Präsident wird immer eine Art Laiendarsteller sein, der zunächst ins Amt hineinwachsen und die Aufgabe mit seinen anderen Verpflichtungen in Einklang bringen muss. Gedenkt Ihr mit dem nächsten genauso zu verfahren, wenn Euch seine/ ihre Nase nicht passt oder er/ sie nicht nach Eurer Pfeife tanzt? Ihr macht Euch die Welt, Widdewidde wie sie Euch gefällt.

Der Einfluss des e.V. in der AG ist ohnehin sehr beschränkt und nicht mal damit kommt ihr klar? Mit einem, der zwar Vorgänge hinterfragen, sie aber meist sowieso nicht ändern kann? Damit habt Ihr schon ein Problem? Das kannst Du vielleicht Deiner Großmutter erzählen, mir nicht. Ich glaube nicht daran, dass das Ausüben der Kontrollpflicht im Aufsichtsratsgremium zum großen Riss geführt hat, sondern dass die Vorwürfe vorgeschoben sind, um Vogt zu eliminieren.

Solang der Datenskandal über allem schwebt und der Verdacht im Raum steht, dass Ihr Vogt nur deshalb loswerden möchtet, damit gewisse Herrschaften weiter ihr Unwesen auf dem Wasen treiben können, hat Vogt jegliche Unterstützung verdient. Claus Vogt ist unser gewählter Präsident und MUSS ohne Wenn und Aber zur Wiederwahl aufgestellt werden, es sei denn, in den nächsten Wochen kommt noch heraus, dass er silberne Löffel geklaut oder sich durch Anderes untragbar gemacht hat.

Solang auch nur ansatzweise der Verdacht besteht, dass Vogt gezielt gemobbt wird, die Mit-Präsidiumsmitglieder Gaiser und Mutschler, die mutmaßlich auch in Datenskandal und Ausgliederungspropaganda verstrickt sind, nicht mit, sondern gegen ihn arbeiten, muss Vogt rehabilitiert werden.

Das Bild, das man sich in den letzten Wochen über die Vorgänge und Machtverhältnisse beim VfB gemalt hat, bekam gestern einen weiteren Anstrich. Anscheinend seien Claus Vogt und Du inzwischen im Gespräch und ihr versucht aus der verfahrenen Situation einigermaßen heil herauszukommen. Chapeau! Vogt habe es nachvollziehbar abgelehnt, den Aufsichtsratsvorsitz abzugeben, sei aber mit Dir übereingekommen, auf seinen Sitz im Präsidialrat zu verzichten, in dem sonst noch Porth und Adrion sitzen, was jedoch von „einem“ langjährigen Aufsichtsratsmitglied abgelehnt worden sei. Dass es sich bei diesem mutmaßlich um Wilfried Porth handelt, dürfte auf der Hand liegen.

Weitere Schlichtungsversuche scheiterten oder verliefen im Sande. Dein offener Brief war harter Tobak und wäre in normalen Unternehmen, wenn ein Vorstandsvorsitzender seinen Vorgesetzten im Aufsichtsrat derart angreift, ein Kündigungsgrund gewesen. Für die Wortwahl hast Du Dich inzwischen, spät und halbherzig, entschuldigt. Die Vorwürfe und die Ambition als Präsident zu kandidieren stehen jedoch noch im Raum. Für diese Woche hast Du weitere Erklärungen angekündigt, auf die ich mittlerweile gut verzichten kann. In Deinen bisherigen Statements höre ich sehr viel „ich“ heraus und nicht einmal einen Gedanken, wie sich denn Claus Vogt nach Deiner Schimpftirade gefühlt haben muss. Diese Ausführungen hättest Du Dir dann auch sparen können, schließlich hast Du Dir die Reaktionen auf den offenen Brief selbst zuzuschreiben.

Solang Du meinst, Dich vor den Karren der Sponsoren-Vertreter im Aufsichtsrat, Gaiser, Mutschler, Heim, Röttgermann, Schraft und anderen spannen lassen zu müssen, hast Du jegliches Vertrauen verspielt.
Natürlich bildet die Blogger- und Twitter-Bubble nicht die gesamte Fanszene ab. Auch die Ultras, deren Botschaften ihr täglich unmissverständlich lesen könnt, sind nicht die gesamte Fanszene. Der Fan-Ausschuss auch nicht, repräsentiert allerdings schon einen beträchtlichen Teil der organisierten Fans. Und dann gibt es natürlich noch jene, die damals „Ja zum Erfolg“ sagten und sich wohl erneut um den Finger wickeln lassen würden, wenn denn das Produkt auf dem Rasen zufriedenstellend liefert, denen die Vereinspolitik letztlich also egal ist.

Uns alle eint jedoch wohl, dass wir von dem derzeitigen Schmierentheater enttäuscht und entsetzt sind und auf zügigen Waffenstillstand hoffen.

Ich wünsche mir, dass Du wieder zu jenem Thomas Hitzlsperger wirst, der Du warst, als wir noch stolz auf Dich sein konnten. Dem Werte etwas bedeuten und der sie nicht mit Füßen tritt. Der für Recht, Ordnung und Transparenz steht und nicht falsche Freunde deckt und zu unlauteren Mitteln greift.

Stellt man die Frage nach Vogts Eignung für das Präsidentenamt, darf man durchaus auch hinterfragen, was einen einstigen Kicker und TV-Experten befähigen soll, ein Millionen-Unternehmen zu führen. Bislang, als Du noch unsere Lichtgestalt warst, war das kein Thema, zu groß Deine Verdienste um den Verein. Jetzt aber, im Glashaus sitzend, müssen solche Fragen erlaubt sein.

Zu einer guten Unternehmensführung gehört auch ein gutes Krisenmanagement. Dass Du die Reaktionen und Anfeindungen nach Deinem offenen Brief so nicht erwartet hast, gar geschockt bist, verwundert mich. Einen bislang untadeligen Claus Vogt derart niedermachen und erledigen zu wollen, zeugt nicht von menschlicher Größe, weshalb der Gegenwind, der Dir dafür entgegenschlägt, nur berechtigt ist.

Noch bin ich weit davon entfernt, „Spalter-„Bilder von Dir im Netz zu teilen, ertappte mich allerdings schon bei einem zarten Liken eines solchen. Was Du losgetreten hast grenzt an Verrat an den Mitgliedern und darf nicht ungesühnt bleiben.

Mittlerweile zucke ich schon zusammen, wenn ich Dein Konterfei irgendwo sehe, eine Reaktion, die ich seit Wolfgang Dietrich beim VfB nicht mehr von mir kannte. Soweit ist es gekommen! Mach bitte nicht noch mehr kaputt und besinne Dich darauf, was Du einst verkörpertest.

Entkräfte die Vorwürfe an Claus Vogt, findet eine gemeinsame Linie, ob es Porth passt oder nicht. Liefere diejenigen ans Messer, die Unrecht zu verantworten haben und die maßgeblich für den Niedergang seit der Meisterschaft stehen. Und wenn Du am Ende als einziger Vorstand übrig bleiben solltest, jeder ist ersetzbar, es kann nur besser werden.

Aus meiner Sicht hättest auch Du eine zweite Chance verdient, nutze sie bitte. Es wäre jammerschade, spieltest Du den Märtyrer für all jene, die außer Vetterleswirtschaft und Machterhalt nichts im Schilde führen, und die ihr eigenes Wohl über das des VfB stellen.

Grenze Dich von denen ab und handele nach Deinem Gespür, nicht nach dem was man Dir vorgibt. Noch ist ein gewisser Rückhalt unter den Fans vorhanden, nicht zuletzt wegen der Auftritte auf dem grünen Rasen. Allerdings steht man auch da am Scheideweg. Sollte gegen Mainz nicht gepunktet werden, kann sich auch dieser Eindruck schnell ins Gegenteil umkehren, womit der Wind von allen Seiten rauer werden dürfte.

Allein auf das Pferd „Junge Wilde“ zu setzen wäre also riskant, das ist nach wie vor Tagesgeschäft. Das Fundament für eine bessere sportliche Zukunft scheint zwar geschaffen, es wäre schön, wenn in Zukunft wieder vorwiegend darüber berichtet werden würde.

Ich hoffe noch immer, dass Du zur Besinnung kommst und die Entscheidung des Vereinsbeirats gegen Deine Kandidatur nicht zugleich eine Entscheidung gegen Dich UND Claus Vogt sein wird, was jedoch zu befürchten ist. Wenn Du süffisant in den Stuttgarter Nachrichten zitiert wirst mit „In meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender arbeite ich mit dem von der Mitgliederversammlung gewählten Präsidenten des Vereins zusammen. Der Vereinsbeirat wird entscheiden, welche Kandidaten er den Mitgliedern zur Wahl vorschlägt“, meine ich zwischen den Zeilen zu lesen, dass Du schon wüsstest, wen der Vereinsbeirat NICHT vorschlagen wird, wenn man davon ausgehen muss, dass eine weitere Zusammenarbeit zwischen Vogt und Dir undenkbar ist.

Dies käme einem Affront gegen alle Mitglieder gleich. Schadensbegrenzung wäre sicher noch möglich, wenn Du auf den Vereinsbeirat zugehen würdest, Deine Kandidatur zurückziehst und darauf einwirkst, im Sinne eines demokratischen Prozesses, dass dieser Claus Vogts Kandidatur zulassen soll.

Stellen sich dann im Wahlkampf und nach Veröffentlichung der Ergebnisse im Datenskandal die Vorwürfe an ihn als gerechtfertigt heraus, ist Vogt tatsächlich die Pfeife, als die Du ihn hinstellst, obläge es den Mitgliedern, ihn einfach nicht mehr zu wählen.

So aber, wie Ihr es Euch vorstellt, einen unliebsamen Präsidenten, der erstmals nicht vom Aufsichtsrat vorgeschlagen wurde, einfach aus dem Amt zu putschen und dem Vereinsbeirat einen eigenen Kandidaten aufs Auge zu drücken, widerspricht jeglichem Demokratieverständnis.

Ich möchte ausdrücklich kein Plädoyer für Vogt abhalten, weil ich dessen Arbeit im Innenleben nicht beurteilen kann, aber, Eure Vorgehensweise stinkt zum Himmel und darf schon deshalb nicht am Ende von Erfolg gekrönt sein.

In diesem Sinne, besinne Dich auf das, was Dich einst ausgezeichnet hat, DU hast noch diese eine Chance, wenn Du denn loslassen kannst von falschen Freunden, Fördern und Gönnern, die, wie Dietrich einst sagte, „die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.“

Nutze sie!!!

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9. Januar 2021

Niemand ist größer als der Verein!

So prangt es in riesigen Lettern an den Eingängen zur Cannstatter Kurve und ebenso am Trainingsgelände in Sichtweite von der Teppichetage des Clubhauses mit dem roten Dach. Die Botschaft des Schwabensturm ist zugleich Mahnung und Aufforderung an alle Streithähne, das Kriegsbeil im Sinne des Großen Ganzen, nämlich des VfB Stuttgart 1893 e. V., zu begraben.

Für eine Mahnung ist es selbstverständlich bereits zu spät. Das Tischtuch zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der AG, Thomas Hitzlsperger, und Claus Vogt, dem e.V.-Präsidenten, ist ohnehin zerschnitten. Ein Weg zurück zu einer professionellen Normalität mit den beiden scheint ausgeschlossen. Noch immer herrscht Fassungslosigkeit über den Frontalangriff in Form seines (?) „offenen Briefes“ des sonst so smarten Hitzlsperger, noch immer schwingt die Vermutung mit, Hitzlsperger habe sich vor den Karren derer spannen lassen, die eine vollständige Aufklärung des Datenskandals mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Claus Vogt ein Arbeitszeugnis auszustellen und ihn ggf. abzuwählen obliegt den Mitgliedern des e. V. und nicht dem Vorstandsvorsitzen der AG.

Es sind die Geister, die mit der Ausgliederung gerufen wurden, dass der Präsident des e.V. in der AG mitmischt und zumindest Vorgänge hinterfragen darf und muss, wenngleich er als alleiniger Kämpfer oft auf verlorenem Posten steht und für die Protagonisten nicht mehr als eine Nervensäge ist, die ohnehin nichts ausrichten kann.

Selbst das scheint in der AG nicht auszuhalten zu sein, so jedenfalls liest sich Hitzlspergers Abrechnung. Dabei darf man nicht vergessen, dass das (neue) Amt des Vorstandsvorsitzenden einst geschaffen wurde, weil sich Dietrich seinerzeit zu sehr ins operative Geschäft einmischte.

Dietrich versuchte selbstverständlich keiner wegzumobben, schließlich wurde er ja von denen fürs Amt vorgeschlagen, die nun mutmaßlich Vogt loswerden wollen. Nach der damaligen Logik müsste also eher die Besetzung des Vorstandsvorsitzenden hinterfragt werden, der sich vom Grüßgott-August des e. V. auf der Nase herumtanzen lässt, als dass man nach der völligen Macht im e.V. strebt.

Dass Mitglieder, Fans und die komplette Medienlandschaft gleichermaßen über Hitzlspergers Tiraden und Machtanspruch zu weiten Teilen entsetzt sind, und dessen Beliebtheitswert binnen Minuten von 100 auf null absackte, schockierte selbst den sonst so berechnenden und medienerfahrenen Meisterschützen von 2007.

Sollte die Bilanz von Claus Vogt wirklich so verheerend sein, obläge es den Mitgliedern den Präsidenten auf der nächsten Mitgliederversammlung einfach abzuwählen. Dieser möglichen Abwahl vorzugreifen und den Präsidenten mittels eines Putschversuches aus dem Amt zu drängen, steht Hitzlsperger nicht zu. Die Hoffnung, dass Vogt nach Hitzlspergers Rundumschlag erledigt sei, aufgeben und klein beigeben würde, schwang sicherlich mit. Zum Glück gibt sich Vogt kämpferisch, ich hoffe und erwarte es als Mitglied auch, dass er nicht aufgibt.

Den Präsidenten einfach wegmobben zu wollen ist das eine, mit Versprechen aus der Ausgliederungspropaganda, wonach dem e.V.-Präsidenten der Aufsichtsratsvorsitz zusteht, zu brechen, das andere.

Inzwischen (für mich viel zu spät) meldete sich in diesem Schmierentheater auch der Vereinsbeirat zu Wort und ermahnte alle Beteiligten zu Besonnenheit und Zurückhaltung.

Der Vereinsbeirat, bekanntermaßen eher der AG als den Mitgliedern, die ihn gewählt haben, verschrieben, beauftragte eine „renommierte Anwaltskanzlei im Sportrecht“, die vermutlich in Ludwigsburg ansässig sein dürfte, mit der Prüfung der Rechtmäßigkeit Thomas Hitzlspergers Bewerbung zum Vereinspräsidenten.

Anstatt an Moral und einstige Versprechen zu erinnern und Hitzlspergers Ansinnen einfach abzulehnen, werden Kosten verursacht, damit die Rechtsverdreher ja ein Hintertürchen finden, Hitzlspergers Kandidatur durchzudrücken.

Dem einen Riegel vorschieben könnte der von Ron Merz (VfB-Mitglied, Blogger und Podcaster/ nachspielzeit.online) eingereichte Satzungsänderungsantrag, wonach es künftig untersagt sein soll, dass in bestimmten Vereinsorganen (Präsidium, Vereinsbeirat) tätige Mitglieder gleichzeitig Posten in der AG ausüben, ausgenommen davon, der Aufsichtsratsvorsitz des Präsidenten.

Sollte dieser Antrag zugelassen und diesem gleich zu Beginn der nächsten Mitgliederversammlung stattgegeben werden, wäre die Präsidentschafts-Kandidatur Hitzlspergers hinfällig, es sei denn, er gäbe seine Ämter in der AG ab. Außerdem betroffen wäre Stand heute Rainer Mutschler, der sowohl im Präsidium sitzt, als auch Angestellter der AG ist.

Vorgestern meldete sich dann auch der Fanausschuss zu Wort. Bezeichnend, dass es dem VfB Stuttgart seine aktive Fanszene nicht wert ist, auch dieses Statement eines Vereins-Gremiums, auf der offiziellen Homepage zu veröffentlichen.

Ob hier ein Anspruch dessen besteht, sei dahingestellt. Vogt beklagte sich in seiner Reaktion auf Hitzlspergers Vorwürfe darüber, dass ihm eine Richtigstellung falscher oder unvollständig wiedergegebener Zeitungsartikel auf der VfB-Homepage verwehrt geblieben ist, aus Zeiten der Ausgliederung kennt man, dass nur einseitig „informiert“ wurde und Gegenargumente der Kritiker als „Fake“ diffamiert wurden. Der VfB täte gut daran, das komplette Stimmungsbild abzubilden und nicht schon wieder nur seine eigene „Wahrheit“ zu veröffentlichen.

Der Fanausschuss prangert das Errichten von Drohkulissen an und dass, sollte der Kandidatur von Hitzlsperger nicht stattgegeben werden, die Existenz des VfB Stuttgart auf dem Spiel stehe.

Außerdem wird kritisiert, dass Hitzlsperger sich als couragierter Kämpfer für den kompletten Vorstand, Teile des Aufsichtsrats, des e.V.-Präsidiums und des Vereinsbeirats aufspielt und kein einziger aus diesen Gremien Vogt Rückendeckung geben würde.

Ferner wird an Versprechen der Ausgliederung erinnert, nach denen dem e.V. eine wichtige Rolle in der AG zugesagt war und an die Verantwortung des Vereinsbeirats appelliert, eine Verlegung der Mitgliederversammlung in „wärmere Monate“ zu prüfen, in denen sowohl die Ergebnisse der Ermittlungen im Datenskandal vorliegen sollten, als auch eine Präsenzveranstaltung im Rahmen des Möglichen sein könnte.

Es liegt mir nach wie vor fern, einseitig Partei für Claus Vogt ergreifen zu wollen. Seine Arbeit hinter verschlossenen Türen kann ich nicht beurteilen. Was wegen der Pandemie möglich oder unmöglich war umzusetzen, auch darüber kann ich mir kein Urteil erlauben. Was nach außen sichtbar ist, und allein das ist ein Pfund, mit dem Vogt wuchern kann, ist, dass er es nach der Dietrich-Ära schaffte, den Verein wiederzuvereinen, die Außendarstellung gravierend zu verbessern und den Dialog mit der Fanszene wieder aufzunehmen. Nur, wenn alle an einem Strang ziehen, herrscht Ruhe im Karton und diese hatten wir, bis zum unsäglichen Vorpreschen von Thomas Hitzlsperger.

Auch Thomas Hitzlsperger trug zur Verbesserung der Außendarstellung bei, was nach Michael Reschke allerdings ein ähnlicher Selbstläufer war, wie für Claus Vogt nach Wolfgang Dietrich.

Hitzlsperger, Deutscher Meister mit dem VfB, WM-Dritter mit der Nationalelf, Bundesverdienstkreuzträger und auch sonst einer, der geerdet scheint und sympathisch ist, hat beim VfB eine steile Karriere nach der Karriere hingelegt. In gut zweieinhalb Jahren vom Berater des Vorstands zum Sportvorstand aufgestiegen, gut ein halbes Jahr später folgte der Vorstandsvorsitz.

Bei allem Respekt für diese Leistung, Hitzlsperger, Mittlere Reife und gelernter Bürokaufmann, ohne Studium im Sportmanagement oder Ähnlichem und ohne Berufserfahrung ein solches Amt in einem Unternehmen mit etwa 200 Millionen Euro Jahresumsatz anzuvertrauen, riecht schon von Natur aus nach Vetterleswirtschaft.

Welche Leichen im Keller der Datenskandal auch zutage bringen wird, die Anzeichen verdichten sich, dass nicht nur die Bauernopfer Schraft und Fischer um ihren Job fürchten müssen, sondern einige mehr.

Da braucht sich auch keiner zu beschweren, dass die Kosten von Esecon aus dem Ruder laufen, wenn die Aufklärung an so vielen Stellen behindert wird, wie es mehr und mehr zutage tritt.

Nach einem gestern erschienenen Bericht der StN/STZ lägen die wenig vorankommenden Ermittlungen unter anderem an der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Hitzlspergers Vorstandskollegen Heim und Röttgermann.

Zudem wurde bekannt, dass Schraft und Fischer, obwohl der VfB nach Bekanntwerden der Affäre verlautbart hatte, die beiden würden bis zum Abschluss der Ermittlungen ihre Arbeit ruhen lassen, weiter an Langzeitprojekten und „aus administrativen Gründen“ arbeiten würden. Da stellt sich schon von Haus aus die Frage, weshalb man den beiden, ist man denn ernsthaft eher an Aufklärung als Vertuschung interessiert, nicht deren Zugänge gesperrt hat. So kennt man es jedenfalls von „normalen“ Unternehmen.

Dass Vogt „weitgehend isoliert“ ist, verwundert in dem Sumpf nicht mehr wirklich. Ob im Vereinsbeirat Maintok und Erhard, denen sauer aufstieß, dass Vogt sie auf Drängen des Fanausschusses aus der Lenkungsgruppe zur Aufklärung der Datenaffäre nahm, Mutschler und Gaiser aus dem Präsidium, die in verantwortlicher Position an der Ausgliederungskampagne mitwirkten, die genannten Vorstandskollegen und nicht zuletzt Teile des Aufsichtsrats, allen scheint die vollständige Aufklärung der Affäre ein Dorn im Auge zu sein.

Über das menschenverachtende Wirken von Wilfried Porth beim Daimler hat Unternehmensberater und Buchautor Dr. Dieter Lederer unlängst einen Artikel veröffentlicht (https://www.xing.com/news/insiders/articles/ein-wolf-im-wolfspelz-der-unwurdige-kahlschlag-des-herrn-porth-bei-daimler-3485629). Darin heißt es unter anderem, bezogen darauf, Mitarbeiter loswerden zu wollen, „Kaltstellen und Mobbing, angeordnet vom Arbeitsdirektor (Porth) höchstpersönlich“.

Wenn man also bezweifelt, dass Hitzlsperger sein Pamphlet aus eigenen Stücken verfasst hat, und „höhere Mächte“ dahinter vermutet, sollte man die Rolle des Aufsichtsrats beleuchten, denn, nichts anderes als Mobbing ist die völlige Isolation Vogts im Verein.

Hoffnung, dass der Wind rauer und die Luft dünner wird, für all jene, denen es mehr um den Erhalt ihrer Position als um das Wohl des VfB geht, macht, dass inzwischen nicht nur der Kicker sondern auch die der AG sonst so wohlgesonnene Stuttgarter Journaille investigativen Journalismus betreibt, wie man ihn erwartet.

Ans Herz gelegt seien die aktuellen Podcasts von MeinVfB (https://www.meinvfb.de/podcast.html) und auch vom Zeitungsverlag Waiblingen (https://www.zvw.de/podcasts/podcast-vfb/), in denen herrlich authentisch, sowohl der Fan, dem dieses Theater an die Nieren geht, als auch der Wille, zur Aufklärung beitragen zu wollen, mitschwingen.

Mittlerweile hoffe ich fast schon, dass die Verstöße gegen den Datenschutz, die Esecon und der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg aufdecken, gravierend genug sind, die Staatsanwaltschaft auf den Plan treten und Computer und Datenträger beschlagnahmen zu lassen. Je mehr Antworten die Aufklärung liefert, umso besser.

Vielleicht erhalten wir dann auch Antworten darauf, weshalb seit Rolf Rüssmann fast ausschließlich Azubis in Führungspositionen gehievt wurden, die dankbar fürs Vertrauen und leicht zu lenken waren.

Von Briem/ Schneider, über Heldt, Bobic, Dutt, Reschke bis hin zu Hitzlsperger, nie waren die Genannten in vergleichbarer Position tätig, alle waren auf ihre Art Anlernlinge.

Mich würde noch immer interessieren, weshalb man sich bspw. einem Bernhard Heusler verschloss, der das Knowhow mitgebracht hätte, eine Fußball-AG zu führen und gleichzeitig mit den Fans gekonnt hätte. Ist es die stetige Angst, dass Dinge zutage treten könnten, die wir uns, obwohl einiges gewohnt, überhaupt noch nicht vorstellen können?

Alles steht und fällt mit den Ergebnissen der Untersuchungen, bis diese nicht veröffentlicht sind, sollten weder Präsidentschaftskandidaten bestimmt noch eine Mitgliederversammlung anberaumt werden.

Hitzlsperger jedenfalls hat sich ein klassisches Eigentor geschossen! Ich bin gespannt, ob er aus dieser Nummer nochmal rauskommt und möchte dahingehend auch keine Prognose abgeben.

Eigentlich müsste er wegen vereinsschädigendem Verhalten entlassen werden. Auf der anderen Seite steht der vielversprechende eingeschlagene Weg mit Sven Mislintat an seiner Seite und den gestellten Weichen im Nachwuchsleistungszentrum, die in den nächsten Jahren ihre Früchte tragen sollten. Daher würde ich Hitzlspergers Abgang wirklich bedauern. Ich erwarte jedoch von ihm, dass er einsieht, übers Ziel hinausgeschossen zu sein und seine Kandidatur zurückzieht.

Steht er dann zu seinen Worten, „für Transparenz und Glaubwürdigkeit“ zu stehen und dass er wissen wolle, „ob“ etwas falsch gelaufen sei, sprich der Aufklärung nicht im Wege zu stehen und auf Förderer und Gönner keine Rücksicht zu nehmen, kann ich es mir vorstellen, dass er weitermachen kann, wenngleich er misstrauischer als zuvor beäugt werden dürfte.

Die Kosten, ob von einer Versicherung gedeckt oder nicht, dürfen jetzt auch nicht mehr die ganz große Rolle spielen in einem Konstrukt, das in den letzten zwei, drei Jahren allein für Spielerberater einen zweistelligen Millionenbetrag ausgegeben hat. Der Wunsch nach dem Trockenlegen des Sumpfes sollte höher gewichtet sein.

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Mannschaft. Teile der Medien machen unsere jüngsten Niederlagen in Wolfsburg und Leipzig bereits am Machtkampf der beiden Streithähne fest und dass dieser Unruhe in die Mannschaft tragen würde.

Für mich totaler Quatsch: zum einen verlieren wir in Wolfsburg und gegen Leipzig ohnehin (fast) immer, zum anderen steht zwischendurch ja auch der Einzug ins Pokal-Achtelfinale.

Den meisten Spielern liegt ihre Instagram-Story ohnehin mehr am Herzen als die Vereinspolitik ihres Arbeitgebers. In Zeiten des Lockdowns verbrauchen sie mehr Energie damit, einen „Stylisten“ zu organisieren, der ihnen für die nächste Story die Haare schön macht, als Gedanken daran zu verschwenden, wer nächster Präsident des e.V. wird.

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3. März 2013

Happy Birthday, Mr. President!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:03

Happy Birthday, MV. Ein Präsident mit Ecken und Kanten, mit dem Bundesligaaufstieg, zwei Deutschen Meisterschaften, dem Pokalsieg 1997, zwei Europacupfinalteilnahmen etc. pp sportlich sehr erfolgreich. Ein Mensch, der es schaffte namhafte Spieler wie Carlos Dunga an den Neckar zu locken, der Ausstrahlung versprühte und eine unbändige Leidenschaft für den VfB. Kurz: ganz und gar keine graue Maus, wie wir sie jetzt auf dem Präsidentensessel erdulden müssen. Von MV habe ich persönlich von klein auf profitiert, in dem ich als Bub zu jeder Saison Autogrammkarten en masse und das unterschriebene Mannschaftsposter sowie einiges mehr bekam, meist von seinem Fahrer. Da mein Vater als Beamter, auch direkt unter MV, bei Betriebskicks mit ihm Fußball spielte, wurde auch des öfteren über die Dörfer getingelt und für einen guten Zweck gespielt, wo natürlich immer Volksfest angesagt war, wenn MV aufkreuzte. Auch da war ich öfter dabei und hatte, letztmals vor etwa fünf Jahren, immer wieder die Gelegenheit mit ihm über den VfB zu sprechen. Ob ihm die Vorliebe für guten Sekt und Wein durch sein Geburtsdatum 3.3.33 in die Wiege gelegt wurde, vermag ich nicht zu sagen. Dieses kann aber sogar ich mir leicht merken. ;-) . Aus diesen Gründen habe ich mich prinzipiell an “Vorfelder-Raus-”-Rufen, die immer wieder mal durchs Neckarstadion tobten, nie beteiligt. Es war wahrlich nicht alles Gold was glänzte unter seiner Ägide, dennoch war er ein Präsident, über den ich heutzutage glücklich wäre. Der durch seinen Einfluss in DFB und UEFA die Interessen des VfB vertrat, damals waren wir wer, heute lassen wir uns von allen nur noch über den Tisch ziehen. Das einzige, das ich ihm nicht verzeihe war die Entlassung von Jogi Löw und die Intrhonisierung von W. S. aus KA, und das nach einer Saison in der wir ins Pokalsiegerfinale in Stockholm einzogen. Überwiegen tun aber eindeutig die posiviten Erinnerungen und deshalb wünsche ich MV von Herzen alles Gute, vor allem Gesundheit und etwas mehr Ruhe und Gelassenheit im neuen Lebensjahrzehnt. Sein Herz wird es ihm danken!

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