9. Januar 2021

Niemand ist größer als der Verein!

So prangt es in riesigen Lettern an den Eingängen zur Cannstatter Kurve und ebenso am Trainingsgelände in Sichtweite von der Teppichetage des Clubhauses mit dem roten Dach. Die Botschaft des Schwabensturm ist zugleich Mahnung und Aufforderung an alle Streithähne, das Kriegsbeil im Sinne des Großen Ganzen, nämlich des VfB Stuttgart 1893 e. V., zu begraben.

Für eine Mahnung ist es selbstverständlich bereits zu spät. Das Tischtuch zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der AG, Thomas Hitzlsperger, und Claus Vogt, dem e.V.-Präsidenten, ist ohnehin zerschnitten. Ein Weg zurück zu einer professionellen Normalität mit den beiden scheint ausgeschlossen. Noch immer herrscht Fassungslosigkeit über den Frontalangriff in Form seines (?) „offenen Briefes“ des sonst so smarten Hitzlsperger, noch immer schwingt die Vermutung mit, Hitzlsperger habe sich vor den Karren derer spannen lassen, die eine vollständige Aufklärung des Datenskandals mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Claus Vogt ein Arbeitszeugnis auszustellen und ihn ggf. abzuwählen obliegt den Mitgliedern des e. V. und nicht dem Vorstandsvorsitzen der AG.

Es sind die Geister, die mit der Ausgliederung gerufen wurden, dass der Präsident des e.V. in der AG mitmischt und zumindest Vorgänge hinterfragen darf und muss, wenngleich er als alleiniger Kämpfer oft auf verlorenem Posten steht und für die Protagonisten nicht mehr als eine Nervensäge ist, die ohnehin nichts ausrichten kann.

Selbst das scheint in der AG nicht auszuhalten zu sein, so jedenfalls liest sich Hitzlspergers Abrechnung. Dabei darf man nicht vergessen, dass das (neue) Amt des Vorstandsvorsitzenden einst geschaffen wurde, weil sich Dietrich seinerzeit zu sehr ins operative Geschäft einmischte.

Dietrich versuchte selbstverständlich keiner wegzumobben, schließlich wurde er ja von denen fürs Amt vorgeschlagen, die nun mutmaßlich Vogt loswerden wollen. Nach der damaligen Logik müsste also eher die Besetzung des Vorstandsvorsitzenden hinterfragt werden, der sich vom Grüßgott-August des e. V. auf der Nase herumtanzen lässt, als dass man nach der völligen Macht im e.V. strebt.

Dass Mitglieder, Fans und die komplette Medienlandschaft gleichermaßen über Hitzlspergers Tiraden und Machtanspruch zu weiten Teilen entsetzt sind, und dessen Beliebtheitswert binnen Minuten von 100 auf null absackte, schockierte selbst den sonst so berechnenden und medienerfahrenen Meisterschützen von 2007.

Sollte die Bilanz von Claus Vogt wirklich so verheerend sein, obläge es den Mitgliedern den Präsidenten auf der nächsten Mitgliederversammlung einfach abzuwählen. Dieser möglichen Abwahl vorzugreifen und den Präsidenten mittels eines Putschversuches aus dem Amt zu drängen, steht Hitzlsperger nicht zu. Die Hoffnung, dass Vogt nach Hitzlspergers Rundumschlag erledigt sei, aufgeben und klein beigeben würde, schwang sicherlich mit. Zum Glück gibt sich Vogt kämpferisch, ich hoffe und erwarte es als Mitglied auch, dass er nicht aufgibt.

Den Präsidenten einfach wegmobben zu wollen ist das eine, mit Versprechen aus der Ausgliederungspropaganda, wonach dem e.V.-Präsidenten der Aufsichtsratsvorsitz zusteht, zu brechen, das andere.

Inzwischen (für mich viel zu spät) meldete sich in diesem Schmierentheater auch der Vereinsbeirat zu Wort und ermahnte alle Beteiligten zu Besonnenheit und Zurückhaltung.

Der Vereinsbeirat, bekanntermaßen eher der AG als den Mitgliedern, die ihn gewählt haben, verschrieben, beauftragte eine „renommierte Anwaltskanzlei im Sportrecht“, die vermutlich in Ludwigsburg ansässig sein dürfte, mit der Prüfung der Rechtmäßigkeit Thomas Hitzlspergers Bewerbung zum Vereinspräsidenten.

Anstatt an Moral und einstige Versprechen zu erinnern und Hitzlspergers Ansinnen einfach abzulehnen, werden Kosten verursacht, damit die Rechtsverdreher ja ein Hintertürchen finden, Hitzlspergers Kandidatur durchzudrücken.

Dem einen Riegel vorschieben könnte der von Ron Merz (VfB-Mitglied, Blogger und Podcaster/ nachspielzeit.online) eingereichte Satzungsänderungsantrag, wonach es künftig untersagt sein soll, dass in bestimmten Vereinsorganen (Präsidium, Vereinsbeirat) tätige Mitglieder gleichzeitig Posten in der AG ausüben, ausgenommen davon, der Aufsichtsratsvorsitz des Präsidenten.

Sollte dieser Antrag zugelassen und diesem gleich zu Beginn der nächsten Mitgliederversammlung stattgegeben werden, wäre die Präsidentschafts-Kandidatur Hitzlspergers hinfällig, es sei denn, er gäbe seine Ämter in der AG ab. Außerdem betroffen wäre Stand heute Rainer Mutschler, der sowohl im Präsidium sitzt, als auch Angestellter der AG ist.

Vorgestern meldete sich dann auch der Fanausschuss zu Wort. Bezeichnend, dass es dem VfB Stuttgart seine aktive Fanszene nicht wert ist, auch dieses Statement eines Vereins-Gremiums, auf der offiziellen Homepage zu veröffentlichen.

Ob hier ein Anspruch dessen besteht, sei dahingestellt. Vogt beklagte sich in seiner Reaktion auf Hitzlspergers Vorwürfe darüber, dass ihm eine Richtigstellung falscher oder unvollständig wiedergegebener Zeitungsartikel auf der VfB-Homepage verwehrt geblieben ist, aus Zeiten der Ausgliederung kennt man, dass nur einseitig „informiert“ wurde und Gegenargumente der Kritiker als „Fake“ diffamiert wurden. Der VfB täte gut daran, das komplette Stimmungsbild abzubilden und nicht schon wieder nur seine eigene „Wahrheit“ zu veröffentlichen.

Der Fanausschuss prangert das Errichten von Drohkulissen an und dass, sollte der Kandidatur von Hitzlsperger nicht stattgegeben werden, die Existenz des VfB Stuttgart auf dem Spiel stehe.

Außerdem wird kritisiert, dass Hitzlsperger sich als couragierter Kämpfer für den kompletten Vorstand, Teile des Aufsichtsrats, des e.V.-Präsidiums und des Vereinsbeirats aufspielt und kein einziger aus diesen Gremien Vogt Rückendeckung geben würde.

Ferner wird an Versprechen der Ausgliederung erinnert, nach denen dem e.V. eine wichtige Rolle in der AG zugesagt war und an die Verantwortung des Vereinsbeirats appelliert, eine Verlegung der Mitgliederversammlung in „wärmere Monate“ zu prüfen, in denen sowohl die Ergebnisse der Ermittlungen im Datenskandal vorliegen sollten, als auch eine Präsenzveranstaltung im Rahmen des Möglichen sein könnte.

Es liegt mir nach wie vor fern, einseitig Partei für Claus Vogt ergreifen zu wollen. Seine Arbeit hinter verschlossenen Türen kann ich nicht beurteilen. Was wegen der Pandemie möglich oder unmöglich war umzusetzen, auch darüber kann ich mir kein Urteil erlauben. Was nach außen sichtbar ist, und allein das ist ein Pfund, mit dem Vogt wuchern kann, ist, dass er es nach der Dietrich-Ära schaffte, den Verein wiederzuvereinen, die Außendarstellung gravierend zu verbessern und den Dialog mit der Fanszene wieder aufzunehmen. Nur, wenn alle an einem Strang ziehen, herrscht Ruhe im Karton und diese hatten wir, bis zum unsäglichen Vorpreschen von Thomas Hitzlsperger.

Auch Thomas Hitzlsperger trug zur Verbesserung der Außendarstellung bei, was nach Michael Reschke allerdings ein ähnlicher Selbstläufer war, wie für Claus Vogt nach Wolfgang Dietrich.

Hitzlsperger, Deutscher Meister mit dem VfB, WM-Dritter mit der Nationalelf, Bundesverdienstkreuzträger und auch sonst einer, der geerdet scheint und sympathisch ist, hat beim VfB eine steile Karriere nach der Karriere hingelegt. In gut zweieinhalb Jahren vom Berater des Vorstands zum Sportvorstand aufgestiegen, gut ein halbes Jahr später folgte der Vorstandsvorsitz.

Bei allem Respekt für diese Leistung, Hitzlsperger, Mittlere Reife und gelernter Bürokaufmann, ohne Studium im Sportmanagement oder Ähnlichem und ohne Berufserfahrung ein solches Amt in einem Unternehmen mit etwa 200 Millionen Euro Jahresumsatz anzuvertrauen, riecht schon von Natur aus nach Vetterleswirtschaft.

Welche Leichen im Keller der Datenskandal auch zutage bringen wird, die Anzeichen verdichten sich, dass nicht nur die Bauernopfer Schraft und Fischer um ihren Job fürchten müssen, sondern einige mehr.

Da braucht sich auch keiner zu beschweren, dass die Kosten von Esecon aus dem Ruder laufen, wenn die Aufklärung an so vielen Stellen behindert wird, wie es mehr und mehr zutage tritt.

Nach einem gestern erschienenen Bericht der StN/STZ lägen die wenig vorankommenden Ermittlungen unter anderem an der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Hitzlspergers Vorstandskollegen Heim und Röttgermann.

Zudem wurde bekannt, dass Schraft und Fischer, obwohl der VfB nach Bekanntwerden der Affäre verlautbart hatte, die beiden würden bis zum Abschluss der Ermittlungen ihre Arbeit ruhen lassen, weiter an Langzeitprojekten und „aus administrativen Gründen“ arbeiten würden. Da stellt sich schon von Haus aus die Frage, weshalb man den beiden, ist man denn ernsthaft eher an Aufklärung als Vertuschung interessiert, nicht deren Zugänge gesperrt hat. So kennt man es jedenfalls von „normalen“ Unternehmen.

Dass Vogt „weitgehend isoliert“ ist, verwundert in dem Sumpf nicht mehr wirklich. Ob im Vereinsbeirat Maintok und Erhard, denen sauer aufstieß, dass Vogt sie auf Drängen des Fanausschusses aus der Lenkungsgruppe zur Aufklärung der Datenaffäre nahm, Mutschler und Gaiser aus dem Präsidium, die in verantwortlicher Position an der Ausgliederungskampagne mitwirkten, die genannten Vorstandskollegen und nicht zuletzt Teile des Aufsichtsrats, allen scheint die vollständige Aufklärung der Affäre ein Dorn im Auge zu sein.

Über das menschenverachtende Wirken von Wilfried Porth beim Daimler hat Unternehmensberater und Buchautor Dr. Dieter Lederer unlängst einen Artikel veröffentlicht (https://www.xing.com/news/insiders/articles/ein-wolf-im-wolfspelz-der-unwurdige-kahlschlag-des-herrn-porth-bei-daimler-3485629). Darin heißt es unter anderem, bezogen darauf, Mitarbeiter loswerden zu wollen, „Kaltstellen und Mobbing, angeordnet vom Arbeitsdirektor (Porth) höchstpersönlich“.

Wenn man also bezweifelt, dass Hitzlsperger sein Pamphlet aus eigenen Stücken verfasst hat, und „höhere Mächte“ dahinter vermutet, sollte man die Rolle des Aufsichtsrats beleuchten, denn, nichts anderes als Mobbing ist die völlige Isolation Vogts im Verein.

Hoffnung, dass der Wind rauer und die Luft dünner wird, für all jene, denen es mehr um den Erhalt ihrer Position als um das Wohl des VfB geht, macht, dass inzwischen nicht nur der Kicker sondern auch die der AG sonst so wohlgesonnene Stuttgarter Journaille investigativen Journalismus betreibt, wie man ihn erwartet.

Ans Herz gelegt seien die aktuellen Podcasts von MeinVfB (https://www.meinvfb.de/podcast.html) und auch vom Zeitungsverlag Waiblingen (https://www.zvw.de/podcasts/podcast-vfb/), in denen herrlich authentisch, sowohl der Fan, dem dieses Theater an die Nieren geht, als auch der Wille, zur Aufklärung beitragen zu wollen, mitschwingen.

Mittlerweile hoffe ich fast schon, dass die Verstöße gegen den Datenschutz, die Esecon und der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg aufdecken, gravierend genug sind, die Staatsanwaltschaft auf den Plan treten und Computer und Datenträger beschlagnahmen zu lassen. Je mehr Antworten die Aufklärung liefert, umso besser.

Vielleicht erhalten wir dann auch Antworten darauf, weshalb seit Rolf Rüssmann fast ausschließlich Azubis in Führungspositionen gehievt wurden, die dankbar fürs Vertrauen und leicht zu lenken waren.

Von Briem/ Schneider, über Heldt, Bobic, Dutt, Reschke bis hin zu Hitzlsperger, nie waren die Genannten in vergleichbarer Position tätig, alle waren auf ihre Art Anlernlinge.

Mich würde noch immer interessieren, weshalb man sich bspw. einem Bernhard Heusler verschloss, der das Knowhow mitgebracht hätte, eine Fußball-AG zu führen und gleichzeitig mit den Fans gekonnt hätte. Ist es die stetige Angst, dass Dinge zutage treten könnten, die wir uns, obwohl einiges gewohnt, überhaupt noch nicht vorstellen können?

Alles steht und fällt mit den Ergebnissen der Untersuchungen, bis diese nicht veröffentlicht sind, sollten weder Präsidentschaftskandidaten bestimmt noch eine Mitgliederversammlung anberaumt werden.

Hitzlsperger jedenfalls hat sich ein klassisches Eigentor geschossen! Ich bin gespannt, ob er aus dieser Nummer nochmal rauskommt und möchte dahingehend auch keine Prognose abgeben.

Eigentlich müsste er wegen vereinsschädigendem Verhalten entlassen werden. Auf der anderen Seite steht der vielversprechende eingeschlagene Weg mit Sven Mislintat an seiner Seite und den gestellten Weichen im Nachwuchsleistungszentrum, die in den nächsten Jahren ihre Früchte tragen sollten. Daher würde ich Hitzlspergers Abgang wirklich bedauern. Ich erwarte jedoch von ihm, dass er einsieht, übers Ziel hinausgeschossen zu sein und seine Kandidatur zurückzieht.

Steht er dann zu seinen Worten, „für Transparenz und Glaubwürdigkeit“ zu stehen und dass er wissen wolle, „ob“ etwas falsch gelaufen sei, sprich der Aufklärung nicht im Wege zu stehen und auf Förderer und Gönner keine Rücksicht zu nehmen, kann ich es mir vorstellen, dass er weitermachen kann, wenngleich er misstrauischer als zuvor beäugt werden dürfte.

Die Kosten, ob von einer Versicherung gedeckt oder nicht, dürfen jetzt auch nicht mehr die ganz große Rolle spielen in einem Konstrukt, das in den letzten zwei, drei Jahren allein für Spielerberater einen zweistelligen Millionenbetrag ausgegeben hat. Der Wunsch nach dem Trockenlegen des Sumpfes sollte höher gewichtet sein.

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Mannschaft. Teile der Medien machen unsere jüngsten Niederlagen in Wolfsburg und Leipzig bereits am Machtkampf der beiden Streithähne fest und dass dieser Unruhe in die Mannschaft tragen würde.

Für mich totaler Quatsch: zum einen verlieren wir in Wolfsburg und gegen Leipzig ohnehin (fast) immer, zum anderen steht zwischendurch ja auch der Einzug ins Pokal-Achtelfinale.

Den meisten Spielern liegt ihre Instagram-Story ohnehin mehr am Herzen als die Vereinspolitik ihres Arbeitgebers. In Zeiten des Lockdowns verbrauchen sie mehr Energie damit, einen „Stylisten“ zu organisieren, der ihnen für die nächste Story die Haare schön macht, als Gedanken daran zu verschwenden, wer nächster Präsident des e.V. wird.

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1. Januar 2021

Cannstatter Chaos-Club!

Harmonisch wie lange nicht, schien es beim VfB zuzugehen. Everybody’s Darling Thomas Hitzlsperger, Meister-Torschütze von 2007, eloquent und smart ist Vorstandsvorsitzender! Sven Mislintat, das Diamantenauge, dem hoffnungsvolle Talente aus der ganzen Welt aus der Hand zu fressen scheinen und sich wider besseren Angeboten von renommierteren Vereinen für den VfB entscheiden. Dazu, der Präsident Claus Vogt, der es nach Jahren der Spaltung unter Wolfgang Dietrich geschafft hat, die Fangemeinde zu einen und ein, wie ich meine, guter Repräsentant des VfB Stuttgart 1893 e. V. ist. Zu all der guten Außendarstellung gesellt sich sportlicher Erfolg und ein Fußball, der einen bisweilen mit der Zunge schnalzen lässt.

Eigentlich zu schön, um wahr zu sein! Ist es ja auch nicht! Einen Tag vor Silvester wurde bekannt, dass der CEO der VfB Stuttgart AG, Thomas Hitzlsperger, neben dem Vorstandsvorsitz auch das Amt des e.V.-Präsidenten anstrebe und seine Bewerbung hierfür beim Vereinsbeirat eingereicht habe.

Seine Beweggründe erläuterte er gut eine (!) Stunde nach Bekanntwerden seiner Kandidatur in einem vierseitigen offenen Brief auf seiner Homepage.

Doch Moment, „Beweggründe“ wäre schmeichelhaft umschrieben für die Tiraden, die Hitzlsperger gegenüber dem von den Mitgliedern gewählten Claus Vogt ablässt. Die Quintessenz des Beitrags ist nicht, dass Hitzlsperger unbedingt Präsident werden möchte, sondern, dass er eine weitere Amtszeit Vogt’s verhindern möchte – koste es, was es wolle.

Mit diesem Affront gegen den Präsidenten geht Hitzlsperger All-In und nimmt bewusst in Kauf, dass es beim nun anstehenden Machtkampf nur Verlierer geben wird und der größte Verlierer dabei schon jetzt der VfB Stuttgart ist.

Waren wir drauf und dran zum Vorzeigeverein zu werden, sind spätestens seit dem 30.12. Witze über Schalke 04 und den Hamburger SV für VfBler wieder tabu. Mir erschließt sich nicht, dass ein derartiges Zerwürfnis nicht intern geklärt und die Reviere so abgesteckt werden können, dass ein bestellter Vorstandsvorsitzender neben einem gewählten Präsidenten fungiert, ohne dass man sich derart brachial in die Quere kommt.

Mit dieser Form der Generalabrechnung ist rein gar nichts mehr zu kitten. Von nun an kann es nur noch heißen, Hitzlsperger oder Vogt, beide gemeinsam scheint ausgeschlossen, genauso wie der Wunsch auf Ruhe im Verein, bis dieser Machtkampf entschieden ist.

Hitzlspergers Abrechnung, die ich fast schon als Mobbing bezeichnen würde, zielt auf Claus Vogt’s Arbeitsweise, die man als Außenstehender natürlich schlecht beurteilen kann. Welche Position Thomas Hitzlsperger während seines steilen Aufstiegs auch bekleidete, stets betonte er, dass er dazulernen und die richtigen Ratgeber um sich haben müsste.

Auch Vogt ist als Funktionär an der Spitze eines Bundesligisten Novize und lernt noch dazu. Seit gut einem Jahr, das durch Corona zudem maßgeblich erschwert wurde, ist Claus Vogt nun im Amt. Kann man in diesem relativ kurzen Zeitraum in einem Verein, der nach Kontinuität strebt, schon den Stab über jemanden brechen oder wäre nicht doch, durch guten Willen und die eine oder andere Hilfestellung, es möglich gewesen, eine gesunde Arbeitsatmosphäre zu schaffen? Gibt es „den“ gelernten Vereinspräsidenten überhaupt, der auf Anhieb alles richtig macht oder liegt es nicht in der Natur der Sache, dass ein aus der Mitte der Fans gewählter Präsident sich erst einmal einfinden und als von außen kommender in den bestehenden Inner Circle positionieren muss. Oder ist das Problem gar, dass dieser Präsident ausnahmsweise nicht vom Aufsichtsrat ausgesucht wurde?

Was hätte Hitzlsperger denn gemacht, wenn Vogt regulär für vier Jahre gewählt worden wäre? Ihn schon vorher aus dem Amt geputscht? Steht es dem Vorstandsvorsitzenden der AG überhaupt zu, so mit dem Präsidenten umzugehen, der gut 72.000 Mitglieder vertritt?

Hitzlsperger schreibt von „ dem gesamten Vorstand der AG und zahlreichen Gremienmitgliedern aus Präsidium, Aufsichtsrat und Vereinsbeirat sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, die mit Vogt Probleme hätten, womit klar zu werden scheint, dass seine Kandidatur nicht auf seinem alleinigen Mist gewachsen ist, sondern es sich um eine gezielte Kampagne weiterer Personen handelt, die das Ziel verfolgen, Vogt loszuwerden. Daran schließt sich unweigerlich die immer wiederkehrende Frage an, ob Hitzlsperger nicht doch auch nur eine Marionette der Vertreter des Anker-Investors ist.

Weil Claus Vogt’s Beliebtheitswerte bei den Mitgliedern auch der AG nicht verborgen geblieben sind und Volker Zeh („Es gibt Leute, die möchten, dass ich der neue Präsident werde!“), der seinen Hut in den Ring warf, schon aufgrund eines Fotos in Lederhose und seiner Nähe zu Red Bull wenig erfolgversprechend anmutet, musste die Alles-Oder-Nichts-Lösung mit dem (einst?) so beliebten Thomas Hitzlsperger her – wohl dem einzigen, dem es zugetraut wird, Vogt zu schlagen.

Es stellt sich die Frage, weshalb die AG Claus Vogt auf derart drastische Weise loswerden möchte. Der Einfluss des Präsidenten in der AG ist ohnehin überschaubar. Im Aufsichtsrat ist er, selbst als Aufsichtsratsvorsitzender, einer unter vielen. Wenn er dort seine Rechte und Pflichte wahrnimmt und millionenschwere Vertragsverlängerungen hinterfragt oder sich erklären lässt, wo ist das Problem? Dafür wurde er schließlich gewählt! Haben Hitzlsperger & Co. schon damit Probleme, ist es mit ihrem Demokratieverständnis nicht weit her!

Oder ist es die Angst, die die Gremien umtreibt? Angst vor der lückenlosen Aufklärung der Datenaffäre? Steigt Hitzlsperger in den Ring, um Kollegen oder gar sich selbst vor weitreichenden Konsequenzen zu bewahren? Bangen außer die in den Skandal mutmaßlich verstrickten Oliver Schraft und Uwe Fischer noch andere Leute um Posten und Reputation? Welche Rolle spielten die Aufsichtsräte Porth und Jenner, was wussten die Vorstände Heim, Röttgermann und nicht zuletzt Thomas Hitzlsperger? Bei den Geschützen, die aufgefahren wurden, würde mich nicht mehr verwundern, stünde uns das ganz große Beben noch bevor.

Meine erste Reaktion auf Hitzlspergers Abrechnung mit Vogt war, dass Claus Vogt erledigt sei und früher oder später seinen Hut nehmen müsste. Je länger ich den Offenen Brief aber sacken ließ, desto ungeheuerlicher und ungerechter Claus Vogt gegenüber empfand ich ihn, so dass ich mittlerweile hoffe, dass Hitzlsperger (und damit die AG?!) mit der Dampfhammermethode nicht durchkommt.

Hitzlspergers Vorwürfe sind meist schwammig formuliert und lassen Raum für Interpretationen, rechtfertigen für mich aber nicht die Schärfe, die Hitzlsperger da reingebracht hat. Wer A sagt, muss auch B sagen, sowohl die eine, als auch die andere Seite. Die Schlammschlacht ist eröffnet, bei halbgaren Formulierungen fällt es schwer, sich abschließend für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Daher geht es mir als erstes um den Umgang miteinander und hier ist Hitzlsperger für mich weit übers Ziel hinausgeschossen.

Claus Vogt ist erfolgreicher Unternehmer, Initiator des FC Playfair und in erster Linie Mensch, der einen derartigen Umgang mit ihm weder nötig noch verdient hat. Vermutlich blickt er auf eine längere Erfolgsgeschichte zurück, als es Hitzlsperger als Vorstandsvorsitzender einer Fußball-AG tut.

Hitzlsperger hat seit der Trennung von Reschke einen Abstieg (zu späte Trennung von Weinzierl) und den Fehlgriff mit Tim Walter zu verantworten, sowie den Aufstieg zu großen Teilen der Dummheit des HSV zu verdanken. Also reden wir von einem Hoch, das bislang vier Monate lang andauert und dessen Nachhaltigkeit erst noch unter Beweis zu stellen ist. Auch wenn ich zuletzt immer froh war, einen wie Hitzlsperger als DAS Gesicht des VfB zu haben, darf er sich nicht alles erlauben. Ich bin da flexibel und gewöhne mich auch an neue Gesichter.

Hitzlsperger wirft Vogt vor, Interna nach außen zu tragen, wo doch erste Berichte Mitte Dezember, die Vogts Arbeit diffamierten, von anderer Seite (AG?) an die BILD und weitere Medien lanciert wurden. Den Vorwurf Hitzlspergers, die Kosten der Ermittlungsarbeit Esecons würden aus dem Ruder laufen, entkräftete Vogt, dass diese zu einem großen Teil von einer Versicherung abgedeckt und zudem der AG bekannt gewesen seien. Außerdem erteilte laut Veröffentlichung auf vfb.de auch die AG einen Ermittlungsauftrag bei derselben Kanzlei, sicherlich nicht zu anderen Konditionen.

Claus Vogt berichtet in seiner Gegendarstellung des weiteren davon, dass von AG-Seite versucht wurde, den Auftrag an Esecon zu torpedieren, einzugrenzen und gar zu beenden, was ein ganz dicker Hund wäre.

Tarnen, tricksen, täuschen sei mit ihm (Vogt) nicht zu machen, was tief blicken lässt, wie groß die Panik im Roten Haus sein muss.

Ich persönlich habe ein großes Interesse an der Aufklärung des Datenskandals, weil ich im Rahmen der Ausgliederungsdebatte, wie die gesamte VfB-Blogger- und Ultrasszene, viel Hirnschmalz investiert habe, um vor Risiken einer Ausgliederung zu warnen, Alternativen aufzuzeigen und einen Gegenpol zur einseitigen Vereinspropoganda zu bieten.

Stellt sich nun heraus, dass zudem mit unlauteren Mitteln Mitglieder beeinflusst werden sollten und Verantwortliche heute noch im Amt und Würden sind, kann es nur heißen, weg mit ihnen, egal, welche Position sie derzeit bekleiden.

Aufklärung, Transparenz und damit womöglich verbunden ein Austrocknen des Sumpfes, der uns über zehn Jahre lang begleitet, stehen für mich über einer verzweifelten, erpresserisch herangetragenen Bitte um Rückkehr zur „Vernunft“. Wir haben uns oft genug blenden lassen, geändert hat sich bis heute grundlegend nichts, wie sich an der Dietrich-liken „Pistole auf die Brust“ jetzt wieder unschwer ablesen lässt.

Ich befürchte, Hitzlspergers Ausführungen waren nur der Beginn einer Kampagne, die den Mitgliedern einmal mehr suggerieren soll, wie gut es die Protagonisten doch mit dem VfB meinen und dass jeder, der das Vorhaben Hitzlsperger zum VfB-Präsidenten wählen zu lassen torpediert, automatisch „nein zum Erfolg“ sagt und den Verein (einmal mehr) in Schutt und Asche legen wolle.

Von solchen Drohgebärden sollten wir uns nicht ein weiteres Mal einschüchtern lassen.

Ich zitiere ja ungern Wolfgang Dietrich, aber, mit einigen Punkten seiner aus der Emotion verfassten Rücktrittserklärung hatte er sicher nicht unrecht. Dort heißt es u. a. „Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen…“ Und weiter „Der Vereinsführung und allen Gremien wünsche ich die Kraft und das wache Auge, nicht zuzulassen, dass Einzelne sich den VfB Stuttgart für ihre persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen zunutze machen.“ Diese Aussagen bieten viel Interpretationsspielraum und es dürfte klar sein, dass „denen“ und „Einzelne“ weiter ihr Unwesen treiben und Claus Vogt zum damaligen Zeitpunkt nicht gemeint gewesen sein kann.

Vogt geht auf „Weitere falsche Behauptungen und Unterstellungen, die „jetzt“ den Rahmen sprengen würden.“ nicht weiter ein. Mir liegt es fern, einseitig für Claus Vogt Partei ergreifen zu wollen, da ich vor kurzem noch beide mochte und optimistisch gewesen bin, die Parteien würden sich trotz der Zeitungsartikel noch zusammenraufen.

Nach der Schärfe, die Thomas Hitzlsperger reingebracht hat, scheint das Tischtuch endgültig zerschnitten zu sein. Eine weitere Zusammenarbeit unmöglich, der Wahlkampf, wenn er denn ein echter wird, hat begonnen.

Der Vereinsbeirat hätte es in der Hand, diesem unwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten. Stimmen Hitzlspergers Ausführungen, Vogt habe auch Teile des Vereinsbeirats gegen sich aufgebracht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Vogt’s Kandidatur nicht zugelassen wird.

Oder der Vereinsbeirat lässt Hitzlspergers Kandidatur nicht zu, wofür weit mehr Gründe sprächen. Kann es im Interesse des Vereins sein, jeglichen Einfluss in der AG, der nach der Ausgliederung ohnehin sehr überschaubar geworden ist, auch noch einzubüßen. Welch Gegenpart zur AG soll der e. V. denn noch sein, wenn der CEO der AG darüber befindet, was das Beste für den e. V. sein soll?

Vogt formuliert die mögliche Konstellation mit Hitzlsperger als VfB-Präsident so, dass damit die Ausgliederung vollendet sei und man sich der lästigen Mitglieder endlich entledigt habe, für mich käme dieser Vorgang einer Feindlichen Übernahme gleich.

Der Aufsichtsrat könnte fast ausschließlich aus Sponsoren- und Investoren-Vertretern mit immer weniger VfB-Bezug bestehen, wenn der Vorstandsvorsitzende der AG als Vereinspräsident die Mitglieder des Aufsichtsrats entsendet oder zumindest vorschlägt. Hanebüchene Szenarien und Interessenkonflikte stünden uns bevor, die tunlichst vermieden werden sollten.

Vor nicht allzu langer Zeit schwadronierte man, die Zeiten von Oneman-Shows seien vorbei und jetzt will man eine solche durchdrücken? Mitglieder, seid wachsam!

Es gäbe noch mehr gute Gründe, die eine Zulassung Hitzlspergers zur Wahl verböten, die Entscheidung darüber obliegt aber dem Vereinsbeirat, der sich des öfteren schon der AG näher als den Mitgliedern zeigte und demnach, so meine Befürchtung, nach gutem Zureden, was alles über den VfB hereinbräche, würde Vogt Präsident bleiben, im Sinne der AG die „richtige“ Entscheidung treffen wird.

Einzige Möglichkeit glaubhaft zu bleiben (oder besser zu werden), Vertrauen in die Organe zurückzuerlangen und die Situation etwas zu befrieden, wäre meines Erachtens, die Auswahl der Präsidentschaftskandidaten so lang auszusetzen, bis der Datenskandal vollständig aufgeklärt ist und etwaige Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden konnten. Ansonsten sieht sich auch der Vereinsbeirat Vorwürfen der Vertuschung und Mitgliedertäuschung ausgesetzt oder wird von der AG als Verbündeter der Revoluzzer hingestellt und für den Untergang des Abendlands verantwortlich gemacht. Eine Lose-Lose-Situation also, die man nicht unbedingt haben muss.

In diesem furchtbar vergifteten Klima möchte ich mir keine Mitgliederversammlung vorstellen, die wegen Corona digital stattfinden müsste. Höre ich im Zusammenhang mit dem VfB „digital“ sträuben sich mir die Nackenhaare. Der über allem schwelende Datenskandal, Berichte über nicht funktionierende Abstimmungsgeräte bei der Ausgliederungs-MV, sowie eine abrupt abgebrochene WLAN-Verbindung just in dem Moment, als die realistische Chance bestand, Wolfgang Dietrich abzuwählen, lassen den Verdacht zu, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging.

Was Hitzlsperger bzw. sein Ghostwriter entweder nicht bedacht, oder völlig unterschätzt hat, ist, was sein Move mit den Fans macht. Entsetzen, zwei Lager und keiner spricht mehr von der tollen Mannschaft, die schon morgen gegen Leipzig wieder um Punkte kämpft.

Dabei sind die Fans, die einzige Konstante. Spieler, Trainer, Funktionäre kommen und gehen, der VfB bleibt! Deshalb, rafft Euch, es geht um den VfB und nicht um Personen!

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