9. Januar 2021

Niemand ist größer als der Verein!

So prangt es in riesigen Lettern an den Eingängen zur Cannstatter Kurve und ebenso am Trainingsgelände in Sichtweite von der Teppichetage des Clubhauses mit dem roten Dach. Die Botschaft des Schwabensturm ist zugleich Mahnung und Aufforderung an alle Streithähne, das Kriegsbeil im Sinne des Großen Ganzen, nämlich des VfB Stuttgart 1893 e. V., zu begraben.

Für eine Mahnung ist es selbstverständlich bereits zu spät. Das Tischtuch zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der AG, Thomas Hitzlsperger, und Claus Vogt, dem e.V.-Präsidenten, ist ohnehin zerschnitten. Ein Weg zurück zu einer professionellen Normalität mit den beiden scheint ausgeschlossen. Noch immer herrscht Fassungslosigkeit über den Frontalangriff in Form seines (?) „offenen Briefes“ des sonst so smarten Hitzlsperger, noch immer schwingt die Vermutung mit, Hitzlsperger habe sich vor den Karren derer spannen lassen, die eine vollständige Aufklärung des Datenskandals mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Claus Vogt ein Arbeitszeugnis auszustellen und ihn ggf. abzuwählen obliegt den Mitgliedern des e. V. und nicht dem Vorstandsvorsitzen der AG.

Es sind die Geister, die mit der Ausgliederung gerufen wurden, dass der Präsident des e.V. in der AG mitmischt und zumindest Vorgänge hinterfragen darf und muss, wenngleich er als alleiniger Kämpfer oft auf verlorenem Posten steht und für die Protagonisten nicht mehr als eine Nervensäge ist, die ohnehin nichts ausrichten kann.

Selbst das scheint in der AG nicht auszuhalten zu sein, so jedenfalls liest sich Hitzlspergers Abrechnung. Dabei darf man nicht vergessen, dass das (neue) Amt des Vorstandsvorsitzenden einst geschaffen wurde, weil sich Dietrich seinerzeit zu sehr ins operative Geschäft einmischte.

Dietrich versuchte selbstverständlich keiner wegzumobben, schließlich wurde er ja von denen fürs Amt vorgeschlagen, die nun mutmaßlich Vogt loswerden wollen. Nach der damaligen Logik müsste also eher die Besetzung des Vorstandsvorsitzenden hinterfragt werden, der sich vom Grüßgott-August des e. V. auf der Nase herumtanzen lässt, als dass man nach der völligen Macht im e.V. strebt.

Dass Mitglieder, Fans und die komplette Medienlandschaft gleichermaßen über Hitzlspergers Tiraden und Machtanspruch zu weiten Teilen entsetzt sind, und dessen Beliebtheitswert binnen Minuten von 100 auf null absackte, schockierte selbst den sonst so berechnenden und medienerfahrenen Meisterschützen von 2007.

Sollte die Bilanz von Claus Vogt wirklich so verheerend sein, obläge es den Mitgliedern den Präsidenten auf der nächsten Mitgliederversammlung einfach abzuwählen. Dieser möglichen Abwahl vorzugreifen und den Präsidenten mittels eines Putschversuches aus dem Amt zu drängen, steht Hitzlsperger nicht zu. Die Hoffnung, dass Vogt nach Hitzlspergers Rundumschlag erledigt sei, aufgeben und klein beigeben würde, schwang sicherlich mit. Zum Glück gibt sich Vogt kämpferisch, ich hoffe und erwarte es als Mitglied auch, dass er nicht aufgibt.

Den Präsidenten einfach wegmobben zu wollen ist das eine, mit Versprechen aus der Ausgliederungspropaganda, wonach dem e.V.-Präsidenten der Aufsichtsratsvorsitz zusteht, zu brechen, das andere.

Inzwischen (für mich viel zu spät) meldete sich in diesem Schmierentheater auch der Vereinsbeirat zu Wort und ermahnte alle Beteiligten zu Besonnenheit und Zurückhaltung.

Der Vereinsbeirat, bekanntermaßen eher der AG als den Mitgliedern, die ihn gewählt haben, verschrieben, beauftragte eine „renommierte Anwaltskanzlei im Sportrecht“, die vermutlich in Ludwigsburg ansässig sein dürfte, mit der Prüfung der Rechtmäßigkeit Thomas Hitzlspergers Bewerbung zum Vereinspräsidenten.

Anstatt an Moral und einstige Versprechen zu erinnern und Hitzlspergers Ansinnen einfach abzulehnen, werden Kosten verursacht, damit die Rechtsverdreher ja ein Hintertürchen finden, Hitzlspergers Kandidatur durchzudrücken.

Dem einen Riegel vorschieben könnte der von Ron Merz (VfB-Mitglied, Blogger und Podcaster/ nachspielzeit.online) eingereichte Satzungsänderungsantrag, wonach es künftig untersagt sein soll, dass in bestimmten Vereinsorganen (Präsidium, Vereinsbeirat) tätige Mitglieder gleichzeitig Posten in der AG ausüben, ausgenommen davon, der Aufsichtsratsvorsitz des Präsidenten.

Sollte dieser Antrag zugelassen und diesem gleich zu Beginn der nächsten Mitgliederversammlung stattgegeben werden, wäre die Präsidentschafts-Kandidatur Hitzlspergers hinfällig, es sei denn, er gäbe seine Ämter in der AG ab. Außerdem betroffen wäre Stand heute Rainer Mutschler, der sowohl im Präsidium sitzt, als auch Angestellter der AG ist.

Vorgestern meldete sich dann auch der Fanausschuss zu Wort. Bezeichnend, dass es dem VfB Stuttgart seine aktive Fanszene nicht wert ist, auch dieses Statement eines Vereins-Gremiums, auf der offiziellen Homepage zu veröffentlichen.

Ob hier ein Anspruch dessen besteht, sei dahingestellt. Vogt beklagte sich in seiner Reaktion auf Hitzlspergers Vorwürfe darüber, dass ihm eine Richtigstellung falscher oder unvollständig wiedergegebener Zeitungsartikel auf der VfB-Homepage verwehrt geblieben ist, aus Zeiten der Ausgliederung kennt man, dass nur einseitig „informiert“ wurde und Gegenargumente der Kritiker als „Fake“ diffamiert wurden. Der VfB täte gut daran, das komplette Stimmungsbild abzubilden und nicht schon wieder nur seine eigene „Wahrheit“ zu veröffentlichen.

Der Fanausschuss prangert das Errichten von Drohkulissen an und dass, sollte der Kandidatur von Hitzlsperger nicht stattgegeben werden, die Existenz des VfB Stuttgart auf dem Spiel stehe.

Außerdem wird kritisiert, dass Hitzlsperger sich als couragierter Kämpfer für den kompletten Vorstand, Teile des Aufsichtsrats, des e.V.-Präsidiums und des Vereinsbeirats aufspielt und kein einziger aus diesen Gremien Vogt Rückendeckung geben würde.

Ferner wird an Versprechen der Ausgliederung erinnert, nach denen dem e.V. eine wichtige Rolle in der AG zugesagt war und an die Verantwortung des Vereinsbeirats appelliert, eine Verlegung der Mitgliederversammlung in „wärmere Monate“ zu prüfen, in denen sowohl die Ergebnisse der Ermittlungen im Datenskandal vorliegen sollten, als auch eine Präsenzveranstaltung im Rahmen des Möglichen sein könnte.

Es liegt mir nach wie vor fern, einseitig Partei für Claus Vogt ergreifen zu wollen. Seine Arbeit hinter verschlossenen Türen kann ich nicht beurteilen. Was wegen der Pandemie möglich oder unmöglich war umzusetzen, auch darüber kann ich mir kein Urteil erlauben. Was nach außen sichtbar ist, und allein das ist ein Pfund, mit dem Vogt wuchern kann, ist, dass er es nach der Dietrich-Ära schaffte, den Verein wiederzuvereinen, die Außendarstellung gravierend zu verbessern und den Dialog mit der Fanszene wieder aufzunehmen. Nur, wenn alle an einem Strang ziehen, herrscht Ruhe im Karton und diese hatten wir, bis zum unsäglichen Vorpreschen von Thomas Hitzlsperger.

Auch Thomas Hitzlsperger trug zur Verbesserung der Außendarstellung bei, was nach Michael Reschke allerdings ein ähnlicher Selbstläufer war, wie für Claus Vogt nach Wolfgang Dietrich.

Hitzlsperger, Deutscher Meister mit dem VfB, WM-Dritter mit der Nationalelf, Bundesverdienstkreuzträger und auch sonst einer, der geerdet scheint und sympathisch ist, hat beim VfB eine steile Karriere nach der Karriere hingelegt. In gut zweieinhalb Jahren vom Berater des Vorstands zum Sportvorstand aufgestiegen, gut ein halbes Jahr später folgte der Vorstandsvorsitz.

Bei allem Respekt für diese Leistung, Hitzlsperger, Mittlere Reife und gelernter Bürokaufmann, ohne Studium im Sportmanagement oder Ähnlichem und ohne Berufserfahrung ein solches Amt in einem Unternehmen mit etwa 200 Millionen Euro Jahresumsatz anzuvertrauen, riecht schon von Natur aus nach Vetterleswirtschaft.

Welche Leichen im Keller der Datenskandal auch zutage bringen wird, die Anzeichen verdichten sich, dass nicht nur die Bauernopfer Schraft und Fischer um ihren Job fürchten müssen, sondern einige mehr.

Da braucht sich auch keiner zu beschweren, dass die Kosten von Esecon aus dem Ruder laufen, wenn die Aufklärung an so vielen Stellen behindert wird, wie es mehr und mehr zutage tritt.

Nach einem gestern erschienenen Bericht der StN/STZ lägen die wenig vorankommenden Ermittlungen unter anderem an der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Hitzlspergers Vorstandskollegen Heim und Röttgermann.

Zudem wurde bekannt, dass Schraft und Fischer, obwohl der VfB nach Bekanntwerden der Affäre verlautbart hatte, die beiden würden bis zum Abschluss der Ermittlungen ihre Arbeit ruhen lassen, weiter an Langzeitprojekten und „aus administrativen Gründen“ arbeiten würden. Da stellt sich schon von Haus aus die Frage, weshalb man den beiden, ist man denn ernsthaft eher an Aufklärung als Vertuschung interessiert, nicht deren Zugänge gesperrt hat. So kennt man es jedenfalls von „normalen“ Unternehmen.

Dass Vogt „weitgehend isoliert“ ist, verwundert in dem Sumpf nicht mehr wirklich. Ob im Vereinsbeirat Maintok und Erhard, denen sauer aufstieß, dass Vogt sie auf Drängen des Fanausschusses aus der Lenkungsgruppe zur Aufklärung der Datenaffäre nahm, Mutschler und Gaiser aus dem Präsidium, die in verantwortlicher Position an der Ausgliederungskampagne mitwirkten, die genannten Vorstandskollegen und nicht zuletzt Teile des Aufsichtsrats, allen scheint die vollständige Aufklärung der Affäre ein Dorn im Auge zu sein.

Über das menschenverachtende Wirken von Wilfried Porth beim Daimler hat Unternehmensberater und Buchautor Dr. Dieter Lederer unlängst einen Artikel veröffentlicht (https://www.xing.com/news/insiders/articles/ein-wolf-im-wolfspelz-der-unwurdige-kahlschlag-des-herrn-porth-bei-daimler-3485629). Darin heißt es unter anderem, bezogen darauf, Mitarbeiter loswerden zu wollen, „Kaltstellen und Mobbing, angeordnet vom Arbeitsdirektor (Porth) höchstpersönlich“.

Wenn man also bezweifelt, dass Hitzlsperger sein Pamphlet aus eigenen Stücken verfasst hat, und „höhere Mächte“ dahinter vermutet, sollte man die Rolle des Aufsichtsrats beleuchten, denn, nichts anderes als Mobbing ist die völlige Isolation Vogts im Verein.

Hoffnung, dass der Wind rauer und die Luft dünner wird, für all jene, denen es mehr um den Erhalt ihrer Position als um das Wohl des VfB geht, macht, dass inzwischen nicht nur der Kicker sondern auch die der AG sonst so wohlgesonnene Stuttgarter Journaille investigativen Journalismus betreibt, wie man ihn erwartet.

Ans Herz gelegt seien die aktuellen Podcasts von MeinVfB (https://www.meinvfb.de/podcast.html) und auch vom Zeitungsverlag Waiblingen (https://www.zvw.de/podcasts/podcast-vfb/), in denen herrlich authentisch, sowohl der Fan, dem dieses Theater an die Nieren geht, als auch der Wille, zur Aufklärung beitragen zu wollen, mitschwingen.

Mittlerweile hoffe ich fast schon, dass die Verstöße gegen den Datenschutz, die Esecon und der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg aufdecken, gravierend genug sind, die Staatsanwaltschaft auf den Plan treten und Computer und Datenträger beschlagnahmen zu lassen. Je mehr Antworten die Aufklärung liefert, umso besser.

Vielleicht erhalten wir dann auch Antworten darauf, weshalb seit Rolf Rüssmann fast ausschließlich Azubis in Führungspositionen gehievt wurden, die dankbar fürs Vertrauen und leicht zu lenken waren.

Von Briem/ Schneider, über Heldt, Bobic, Dutt, Reschke bis hin zu Hitzlsperger, nie waren die Genannten in vergleichbarer Position tätig, alle waren auf ihre Art Anlernlinge.

Mich würde noch immer interessieren, weshalb man sich bspw. einem Bernhard Heusler verschloss, der das Knowhow mitgebracht hätte, eine Fußball-AG zu führen und gleichzeitig mit den Fans gekonnt hätte. Ist es die stetige Angst, dass Dinge zutage treten könnten, die wir uns, obwohl einiges gewohnt, überhaupt noch nicht vorstellen können?

Alles steht und fällt mit den Ergebnissen der Untersuchungen, bis diese nicht veröffentlicht sind, sollten weder Präsidentschaftskandidaten bestimmt noch eine Mitgliederversammlung anberaumt werden.

Hitzlsperger jedenfalls hat sich ein klassisches Eigentor geschossen! Ich bin gespannt, ob er aus dieser Nummer nochmal rauskommt und möchte dahingehend auch keine Prognose abgeben.

Eigentlich müsste er wegen vereinsschädigendem Verhalten entlassen werden. Auf der anderen Seite steht der vielversprechende eingeschlagene Weg mit Sven Mislintat an seiner Seite und den gestellten Weichen im Nachwuchsleistungszentrum, die in den nächsten Jahren ihre Früchte tragen sollten. Daher würde ich Hitzlspergers Abgang wirklich bedauern. Ich erwarte jedoch von ihm, dass er einsieht, übers Ziel hinausgeschossen zu sein und seine Kandidatur zurückzieht.

Steht er dann zu seinen Worten, „für Transparenz und Glaubwürdigkeit“ zu stehen und dass er wissen wolle, „ob“ etwas falsch gelaufen sei, sprich der Aufklärung nicht im Wege zu stehen und auf Förderer und Gönner keine Rücksicht zu nehmen, kann ich es mir vorstellen, dass er weitermachen kann, wenngleich er misstrauischer als zuvor beäugt werden dürfte.

Die Kosten, ob von einer Versicherung gedeckt oder nicht, dürfen jetzt auch nicht mehr die ganz große Rolle spielen in einem Konstrukt, das in den letzten zwei, drei Jahren allein für Spielerberater einen zweistelligen Millionenbetrag ausgegeben hat. Der Wunsch nach dem Trockenlegen des Sumpfes sollte höher gewichtet sein.

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Mannschaft. Teile der Medien machen unsere jüngsten Niederlagen in Wolfsburg und Leipzig bereits am Machtkampf der beiden Streithähne fest und dass dieser Unruhe in die Mannschaft tragen würde.

Für mich totaler Quatsch: zum einen verlieren wir in Wolfsburg und gegen Leipzig ohnehin (fast) immer, zum anderen steht zwischendurch ja auch der Einzug ins Pokal-Achtelfinale.

Den meisten Spielern liegt ihre Instagram-Story ohnehin mehr am Herzen als die Vereinspolitik ihres Arbeitgebers. In Zeiten des Lockdowns verbrauchen sie mehr Energie damit, einen „Stylisten“ zu organisieren, der ihnen für die nächste Story die Haare schön macht, als Gedanken daran zu verschwenden, wer nächster Präsident des e.V. wird.

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18. April 2013

FIIIIIINNNAAAAALE, oho. :-)

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 19:18

Bilder vom DFB-Pokal-Halbfinale gegen Freiburg sind jetzt online. Es ist vollbracht, der VfB steht seit 2007 mal wieder im Finale in Berlin. Es war das erwartet harte Stück Arbeit mit einem am Ende glücklichen, aber verdienten, Sieger. Die Freiburger haben uns alles abverlangt, vor allem in läuferischer Hinsicht. Durch deren guter Raumaufteilung musste der VfB, der durch die Europa League-Teilnahme zwölf Spiele mehr bestreiten musste als die Südbadener und zudem vom DFB zwei Tage weniger Zeit zur Regeneration nach dem Gladbach-Spiel erhielt, richtig beißen, um sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Es war eine tolle und konzentrierte Willensleistung bei überragender Stimmung. Man kann kaum glauben, dass es etwa 12.000 Freiburger waren, die ihr Team unterstützt hatten. In der Cannstatter Kurve hat man sie kaum gehört, was natürlich die Frage aufwirft, ob sie so leise oder wir so laut waren. Eher letzteres natürlich, jedem war gestern bewusst, dass auch wir auf den Rängen voll dagegen halten und alles aus uns raus holen müssen. Ich für meinen Teil war nach „getaner Arbeit“ jedenfalls heiser wie lange nicht mehr.

Der Einlauf der Mannschaften wurde begleitet von Choreos in beiden Kurven, wovon unsere natürlich weitaus beeindruckender war. Da ich bei den Nicht-Bundesligaspielen in die Kurve wechsele, konnte ich unsere Choreo leider nur von oben und nicht von der anderen Seite fotografieren.

Jetzt fahren wir also nach Berlin, für mich nach 1986, 1997 und 2007 das vierte Pokalendspiel mit dem VfB. Eigentlich haben wir gegen die in dieser Saison übermächtigen Bayern keine Chance, doch, wer weiß, im Fußball gibt es immer wieder unglaubliche Geschichten. Wer hätte gedacht, dass wir 2007 gegen Nürnberg scheitern? Das Spiel wäre sicherlich anders verlaufen, wenn Cacau nicht nach einer halben Stunde vom Platz geflogen wäre. Vielleicht spielt uns ja ein ähnlicher Vorfall des ungeschickten Boateng in die Karten, vielleicht bekommen wir einen Schiri, der Robben nach der 2. Schwalbe zum Duschen schickt. Möglicherweise schafft es Antonio Rüdiger erneut Ribery weitestgehend aus dem Spiel und ihm somit die Freude am selbigen zu nehmen. Dann ist der Franzose auch immer für den einen oder anderen Tritt gut.

Das Finale ist jedoch noch in weiter Ferne. Erst gilt es, die verbleibenden fünf Bundesligaspiele ordentlich über die Bühne zu bringen, den Aufwärtstrend fortzusetzen und im Rhythmus zu bleiben. Auch wenn die Saison wohl sowohl nach oben als auch nach unten gelaufen ist, muss jetzt das Augenmerk darauf gelegt werden, nicht ein Prozent nachzulassen sondern eher eine Serie hinzulegen, um in Berlin voll auf der Höhe zu sein. Die Leistungen zuletzt, insbesondere auch der große Kampf, den man dem BVB geliefert hat, machen Mut, dass wir im Finale einen anderen VfB erleben dürfen, als noch in der Hinrunde beim 1:6 oder anfangs der Rückrunde bei diesem leidenschaftslos her geschenkten 0:2.

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14. März 2010

2:2 verloren!

Da wir uns Ende des vergangenen Jahres mit den Lidl-Bahntickets eingedeckt hatten, war es natürlich eine willkommene Gelegenheit zum Samstag-15.30 Uhr-Spiel nach Bremen zu fahren. Die Zugverbindungen sind gut und man hat mit diesen Tickets keine Zugbindung, so dass man flexibel auf Verspätungen reagieren kann, was sich vor allem auf der Rückfahrt als gute Sache erweisen sollte. Um 7.27 Uhr ging es in Stuttgart planmäßig los. Zunächst nahmen wir den ICE Richtung Hamburg-Altona. Erst schafften wir uns mit den mitgebrachten Fleischküchle eine gute Grundlage und klopften einen Skat. Recht bald allerdings kam der Durst auf, so dass wir in den Bistro-Wagen weiter zogen und auf den Tag anstießen. Im Zug fuhren etliche VfB-Fans mit, so dass auch schon früh die ersten Lieder angestimmt wurden.

In Hannover dann stiegen wir um in den Intercity nach Bremen. Dieser hatte einge Minuten Verspätung, so dass genügend Zeit vorhanden war, ein paar Erinnerungsfotos zu schießen.

Schließlich kam er dann doch der Zug und wir nahmen die letzte Etappe unserer langen Anfahrt in Angriff: die etwa einstündige Fahrt in die Stadt der Stadtmusikanten. Auch dieser Zug war natürlich zu einem großen Teil in VfB-Hand.

In Bremen angekommen, wägten wir kurz ab, ob es sich noch lohnt, in die Innenstadt zu gehen oder ob wir schon Richtung Stadion ziehen sollen. Für letzteres entschieden wir uns dann. Carle und ich checkten erst einmal ab, wie wir fahren können, so dass wir zwar in Stadionnähe sind, aber dennoch noch etwas trinken und vielleicht auch essen gehen können.

Da ich kurz vor unserer Ausstiegshaltestelle ein Franziskaner-Schild erspähte, schauten wir uns diesen Laden mal aus der Nähe an. Die Wirtschaft war mehr eine Trinkhalle, lud aber weniger zum essen ein, so dass wir es beim Trinken beließen. Wir waren die einzigen Schwaben in der Kneipe, was aber für die Eingeborenen kein Problem war, wir wurden nett im grün-weißen Kreis aufgenommen und fanden auch gleich einen netten Menschen, der ein Gruppenbild von uns Vieren machte.

Wenig später gingen wir dann weiter zum Stadion, welches sich ja, wie unser heimisches Neckarstadion, im Umbau befindet. Aus diesem Grund bekam der VfB im Gästebereich auch nur Sitzplatzkarten, diese allerdings zum humanen Preis von Stehplätzen für 16 Euro.

Vor dem Stadion trafen wir auch gleich einige Bekannte, u. a. auch unseren Fanbeauftragten Peter Reichert. Noch eine kurze Stärkung mit Stadionwurst und Bier und schon ging es hinein ins Weserstadion. Das Wetter war ganz ok an diesem Samstag, zwar kalt mit leichtem Wind, aber sonnig und trocken. Wenn man bedenkt, dass ein, zwei Tage zuvor an gleicher Stelle noch ein heftiger Wintereinbruch mit 10 Zentimeter Neuschnee Einzug erhalten hat, konnte man da nicht meckern.

Im Stadion herrschte eine tolle Atmosphäre, erstmals natürlich als das Werder-Vereinslied “Lebenslang Grün-Weiß” ertönte. Aber auch die gut 1.500 Schwaben machten ordentlich Lärm und bewiesen einmal mehr, dass der Auswärtssupport zum besten gehört, was die Bundesliga zu bieten hat.

Das Wetter wie gesagt schön, der Platz leider nicht. Bremen hatte geplant, in der Woche zuvor den Rasen zu erneuern, die Rechnung aber ohne die Wettergötter gemacht. Diese ließen den Tausch des Geläufs nicht zu, so dass wir es hier mit einem Rübenacker zu tun bekamen, auf dem der lange und harte Winter sichtbare Wunden hinterlassen hat. Der VfB spielte mit der gleichen Aufstellung wie beim 2:1 gegen Frankfurt. Gross ist ja ein Verfechter von “Never change a winning team”. Dies ist ein Erfolgsrezept des schweizer Trainers. Er hat gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beim VfB erkannt, wie verunsichert das Team unter Babbel war, ob der ständigen Wechsel und dass der Mannschaft vor allem eines wiedergeben muß: Stabilität. Diese hatte der VfB in den zurückliegenden Monaten in beeindruckender Manier wieder erlangt. Leider war unter der Woche das Länderspiel gegen Argentinien, so dass ein normaler Trainingsbetrieb nicht möglich war. Ursprünglich wollte ich auch zu dem Länderspiel fahren, verkaufte aber meine Karten kurzfristig mit reichlich Verlust, und das aus mehreren Gründen. Zum einen hatte ich 10 Tage vor dem Spiel noch immer meinen Urlaub nicht genehmigt bekommen, dann stehen ja weitere Ausflüge wie Schalke, Barcelona und auch Berlin an, so dass der Verzicht dennoch eine Geldersparnis einbrachte. Der Hauptgrund aber war, dass mich das Führungsteam der Nationalmannschaft mittlerweile gehörig nervt. Die geplatzten Vertragsverhandlungen, bei denen sicher  beide Parteien ihren Anteil haben. Dass Herr Löw sich in unsere Vereinspolitik eingemischt hatte, indem er Thomas Hitzlsperger zum Wechsel fast schon genötigt hat. Ich bin mir sicher, hätte er seine Klappe gehalten, und ihn ermutigt, beim VfB um seine Chance zu kämpfen, wäre Hitz noch hier und hätte sich das Kapitel Lazio Rom ersparen können.

Ebenfalls nervt mich, dass in der Nationalmannschaft nur noch derjenige Chancen hat, der kuscht oder sich irgendwann einmal Verdienste erworben hat und somit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wurde.

Ich war lange von der Arbeit von Löw und seinem Team überzeugt, auch weil man die Nationalmannschaft wieder anschauen konnte im Gegensatz zu dem, was unter Völler oder Ribbeck dargeboten wurde. Jetzt allerdings haben sich die Herren ein Imperium aufgebaut, und watschen jeden ab, der dort einbrechen will bzw. Kritik äußert. Dies hat Züge einer Löw’schen Diktatur. Dass die Verhandlungen auf Eis gelegt sind und erst nach der WM weitergeführt werden sollen, halte ich für äußerst schädlich in Bezug auf eine ordentliche WM-Vorbereitung und sich für mich eher ein Indiz, dass schon feststeht, dass die Zusammenarbeit nicht fortgeführt wird.

Bei dem Test gegen Argentinien waren Tasci von Beginn an, sowie Cacau und Khedira als Einwechselspieler im Einsatz. Leider endete bei diesem undankbaren Einsatz Cacaus großartige Serie mit 7 Toren in 3 Spielen. Er brachte zwar frischen Wind, blieb aber erfolglos.

Jetzt aber hinein ins Spiel, welches sehr verhalten begann. Beide Teams tasteten sich erst einmal ab und beschnupperten sich. Gleich der erste konstruktive Angriff nach 15 Minuten brachte die Führung für den VfB, Hleb setzte sich auf links durch, paßte in die Mitte zu Pogrebnjak und der ließ Wiese keine Chance. Der Jubel im VfB-Block war natürlich riesig.

Danach kam Werder besser ins Spiel und hatte durch Naldo eine richtige gute Freistoßchance, die Lehmann klasse entschärfte.

Dann erzielte Tim Borowski ein Tor, das aber zurecht wegen abseits nicht anerkannt wurde. Pizarro fand aus 5 Metern in Lehmann seinen Meister. Der VfB geriet zwar unter Druck, was in Bremen ja nicht außergewöhnlich ist, schaffte es aber auch immer wieder klug zu kontern und Werders Defensive von einer in die andere Verlegenheit zu bringen. So muß Cacau das 0:2 erzielen, als er frei vor Wiese auftauchte. Danach erzielte Pizarro noch ein Abseitstor, das ebenfalls zu Recht keine Anerkennung fand. In der 42. Minute aber war es soweit. Nach einer schönen Kombination über Pogrebnjak, dem besten Spieler auf dem Platz, der auf Gebhart verlängerte, dessen butterweiche Flanke den Kopf von Khedira fand und dieser Tim Wiese keine Chance ließ. 0:2 in Bremen, wie geil ist das denn? Setzt der VfB seine Aufholjagd in Richtung der Europacup-Plätze weiter fort? Es war die Chance, den Abstand auf Bremen auf ein Pünktchen zu verkürzen.

Nach der Pause deutete zunächst auch wenig daraufhin, dass hier noch etwas schief gehen könnte. Der VfB hatte weitere Chancen durch Hleb und Cacau, die aber leider nicht entschlossen genug waren. Dazu kam auch der Platz, der manche Bälle übel verspringen ließ. Diesem fiel auch Lehmann zum Opfer, der in der 75. Minute einen an sich harmlosen Schuß vom eingewechselten Almeida zum Anschluß passieren lassen mußte. Urplötzlich war Werder im Spiel und kam nach einem von Celozzi an Marin verursachten Foulelfmeter durch Frings sogar noch zum Ausgleich. Danach wollte Bremen sogar noch mehr, doch der VfB ließ nichts mehr anbrennen. Vor dem Spiel wäre ich mit einem Unentschieden in Bremen zufrieden gewesen, nach diesem Spielverlauf allerdings nicht. Dies kam eher einer gefühlten Niederlage gleich, da bis eine Viertelstunde vor Schluß nichts auf eine Bremer Aufholjagd hindeutete. Dass die Bremer Offensive mit Özil, Marin, Pizarro und Almeida jederzeit in der Lage ist, eine Abwehr in Verlegenheit zu bringen, ist ja bekannt, dennoch hätte der VfB bei besserer Chancenverwertung den Sack zumachen müssen. So war es allenfalls noch ein Achtungserfolg und der ein vielversprechender Auftakt der schweren Auswärtsspiele in Bremen, Schalke, Barcelona und München.

Die Mannschaft wurde dennoch freundlich verabschiedet, auch unseren Spielern war die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben. So blieb uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, das Positive aus diesem Spiel mitzunehmen. Nämlich dass es unsere Mannschaft mittlerweile schafft, eine so spielstarke Truppe wie Werder, fast vollständig aus dem Spiel zu nehmen. Das klappt, weil die Mannschaft mittlerweile wieder durch eine immens hohe Laufbereitschaft glänzt und mehr und mehr wieder eine Handschrift zu erkennen ist. Die letzten Monate wecken in mir große Hoffnungen, dass die nächste Saison mal wieder von Beginn an mit dem VfB zu rechnen sein könnte. Jetzt noch einen internationalen Startplatz zu erreichen, halte ich für fast aussichtslos, da die anderen Mannschaften sich auch keine Blöße geben. Dafür haben wir einfach in der Vorrunde zu viel an Boden verloren. Wie schon mehrfach von mir betont: eine Saison ohne Dreifachbelastung kann auch die große Chance sein, wieder richtig vorne mitzumischen und darauf sollten wir uns freuen.

Das Remis war also weder Fisch noch Fleisch für uns und so traten wir unmittelbar nach Spielende doch etwas enttäuscht die Heimreise an. Die Rückfahrt zum Hauptbahnhof ging flotter als erwartet, so dass wir zunächst den Zug um 18.09 Uhr erreichten, mit dem wir doch tatsächlich noch zu einer Zeit ankommen würden, zu der in Stuttgart noch S-Bahnen verkehren. Doch, wie eingangs erwähnt, erwies sich das Lidl-Ticket ohne Zugbindung als Glücksfall. In Hannover erreichten wir zwar den Anschluß, den ICE nach München. Geplant war, in Würzburg umzusteigen und den Regionalexpress nach Stuttgart zu nehmen. Doch als der ICE Minute um Minute an Verspätung dazu packte, war es uns zu riskant, womöglich in Würzburg unseren Zug zu verpassen. Also stiegen wir in Kassel aus, weil wir wußten, dass hier mindestens noch ein Zug nach Stuttgart vorbei kommen würde. Vorher kam allerdings ein ICE Richtung Basel über Mannheim. Dort stiegen wir ein und erwägten kurz, über Karlsruh zu fahren, wo auch Anschluß zu einem Regionalexpress nach Stuttgart bestehen sollte. Als auch dieser ICE einige Minuten Verspätung hatten, verwarfen wir auch den Gedanken wieder, und nahmen die sichere Variante, stiegen in Mannheim aus und warteten auf den Zug, der 0.44 Uhr in Stuttgart einfuhr und mit dem wir eben aufs Taxi angewiesen waren. Aber: Hauptsache noch heimgekommen. Alles in allem war es ein schöner Tag mit einem aufregenden Spiel, aber natürlich anstrengend. Zug fahren ist ja schon nett, im Bistro vergeht die Zeit auch wie im Flug. Und, im Gegensatz zu früheren Jahren scheint die Bahn auch eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle entdeckt zu haben: Ging früher schon mal nach 2 Stunden das Bier aus oder war es lauwarm, scheinen die Bestände mittlerweile fast unerschöpflich zu sein und das noch gekühlt. Doch fast 1.300 km an einem Tag sind dennoch heftig, das nächste Mal werden wir wohl wieder an der Weser übernachten.

Die nächsten Berichte folgen von Schalke und von Barcelona.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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23. Oktober 2009

Babbel rügt seinen Star – Hleb muss sich einfügen

Category: Presse — Tags: , , , , , – Franky @ 07:55

Es gibt Trainer, die können und wollen eigentlich keine außerordentlichen Spieler. Volker Finke, früher SC Freiburg, gehört dazu. Finke nutzte damals jede Gelegenheit, die Leistungen des genialen Spielmachers Rodolfo Cardoso zu schmälern. Aus Sorge, der Argentinier könne übermütig werden. Und aus Furcht, ein Star könne das Kollektiv sprengen. Mitunter wirkten Finkes Versuche künstlich und lächerlich. Erstens liebten alle Cardoso und sein Spiel. Zweitens war er das Herz der Breisgau-Brasilianer. Drittens braucht das Ego solcher Spierltypen eine gewisse Sonderbehandlung – sie denken und fühlen oft wie Diven.

Kluge Trainer wissen: Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sture Gleichmacherei führt dabei – wie bei Ex-VfB-Coach Ralf Rangnick und dem damaligen Regisseur Krassimir Balakov – zur Katastrophe. Aber zuviel Freiheit endet in Anarchie.

Irgendwo dazwischen versucht sich derzeit Markus Babbel im Umgang mit Alexander Hleb. Denn der Star (6,5 Millionen Euro Jahresgehalt) fordert viel und hält sich an wenig. Hleb beansprucht die Position Zehn im Mittelfeld, ist sich aber für Defensivarbeit zu schade.

Den Roten macht Hlebs Star(r)sinn zu schaffen. Seine Allüren. Im Spiel gegen den FC Sevilla führte Hlebs Eigenleben zum 0:1 – dem Anfang vom bitteren Ende (1:3). Der Weißrusse delegierte seine Deckungsaufgaben (zu spät) an Christian Träsch weiter – prompt fiel der Gegentreffer. Im Mannschaftskreis wächst daher der Unmut. Es heißt: Wenn er seine Leistung bringen würde, dürfte er sich etwas rausnehmen. Aber so …

. . . so braucht Hleb jemanden, der ihm sanft seine Möglichkeiten und Grenzen zeigt. Kurzum: Hleb braucht Führung.
Nichts anderes macht nun Markus Babbel – vor dem Donnerstagtraining in einer 15-minütigen Standpauke an alle. Und in Einzelgesprächen mit Hleb. Auf die Szene Hlebs gegen den FC Sevilla angesprochen, sagte der VfB-Teamchef grantig: “Wenn eine Ecke kurz gespielt wird und ein Spieler ist da zugeteilt, dann ist er auch verantwortlich.” Und: “Einzelne müssen sich in das Ganze einfügen.”
Sollte Alexander Hleb das beherzigen, wird Babbel seine Leistung sicher entsprechend würdigen. Im Gegensatz zu anderen Trainern, weiß er: Besondere Spieler wie Hleb machen den Unterschied.

STN 22.10.2009

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