16. Juni 2020

Es mehren sich die Zweifel!

Nach der ersten Derbyniederlage seit 13 Jahren stellt sich mehr denn je die Frage, was seit Jahren beim VfB schiefläuft und Spieler schlechter statt besser werden lässt, wo man doch (fast) sämtliche Positionen mehrfach ausgetauscht hat. Stecken die Probleme doch tiefer, so dass ein Leistungsprinzip nach wie vor nicht möglich ist? Hatte Wolfgang Dietrich gar Recht, als er in seinem legendären Facebook-Post als Abschiedsgruß hinterherschickte „Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.“ Wer sind „denen“?

Dabei kann es sich doch fast nur noch um dessen (ehemalige) Vorstandskollegen Heim und Röttgermann sowie Mediendirektor Oliver Schraft handeln, an dem der ehemalige Dietrich-Berater Schlittenhardt jüngst kein gutes Haar ließ. Selbst der viel gescholtene Aufsichtsrat wurde in den letzten Jahren mehrfach neu besetzt, da man dort die Wurzel allen Übels vermutete, erinnert sei nur an den einst allmächtigen Dieter Hundt, der längst Geschichte ist.

„Der Fisch stinkt vom Kopf“, so der Volksmund, doch wer hinterfragt Wirken und Einfluss derer, die die Grabenkämpfe der letzten Jahre unbeschadet überstanden haben und teilweise sogar noch aufgerückt sind?

Bernhard Heusler, der als Vorstandsvorsitzender im Gespräch war, wäre vielleicht so ein Mann gewesen, der unvoreingenommen und mit Blick von außen aufräumen hätte können, aber, wie man weiß, schwache Führungskräfte scharen schwache Kräfte um sich, so dass die Wahl auf den mutmaßlich pflegeleichteren Thomas Hitzlsperger fiel, der einfach dankbar für diese große Chance ist.

Nichts verbesserte sich nach den Personalrochaden der Vergangenheit, im Gegenteil, der Niedergang nahm an Rasanz zu und man schlittert von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Ein neuerlicher Tiefpunkt ist sicherlich mit der Derby-Pleite erreicht. Und ein Punkt, an dem man (wieder einmal) konstatieren muss, dass es so nicht weiter gehen kann. Sieg und Niederlage gehören zum Sport wie die Fans! Jedoch erwartet man als Fan nach einer Niederlage, dass sich das Team dagegengestemmt hat. Dies war weder gegen den KSC noch bei den acht anderen Niederlagen in dieser Zweitligasaison der Fall. Mutlos und scheu anstatt furchtlos und treu sollten sich die Kicker zukünftig auf die Fahnen schreiben.

Abgesehen davon, dass die traditionelle Einschwörung der Fans aufs Derby aus bekannten Gründen ausfiel, es ein komisches Gefühl gewesen sein musste, zum Derby in ein leeres Stadion zu fahren, muss doch ein Fußballprofi soviel Eigenmotivation besitzen, aus den Umständen das Beste zu machen und sich verdammt nochmal den Arsch aufreißen, als gebe es kein Morgen.

Es muss sich doch wie ein Geschenk anfühlen, dass man trotz einer weitestgehend desaströsen Saison noch auf dem zweiten Tabellenplatz lag und den Aufstieg vier Spieltage vor Schluss aus eigener Kraft schaffen konnte. Dass diese Chance abermals so leichtfertig aus der Hand gegeben werden konnte, begreife ich nicht. Wie kann man einen derart pomadigen und leidenschaftslosen Auftritt hinlegen? In einem Derby? Das Team konnte am Sonntag fast schon froh sein, dass keine Fans zugegen waren, diese hätten den Auftritt sicher nicht so gleichgültig hingenommen, wie es das Team tat.

Auch wenn ich kein Freund ständiger Wechsel auf verantwortlichen Positionen bin und diese Fluktuation uns erst in diese missliche Lage brachten, in der wir uns befinden, wachsen in mir die Zweifel, ob nicht schon wieder ein großer Umbruch erfolgen muss, um die Ziele des Vereins nicht dauerhaft aus den Augen zu verlieren.

Den Weg mit Thomas Hitzlsperger als starkem Mann, Diamantenauge Sven Mislintat als Sportdirektor und dem bisweilen großmäuligen Trainer Tim Walter fand ich zumindest mal mutig und interessant.

Den großen Umbruch vom letzten Sommer zu bewältigen, braucht Zeit, neuer Sportdirektor, neuer Trainer, neues Team. Geduldig hätte ich diesen Weg mitgetragen, obwohl Tim Walter sich selbst im Weg stand. Ähnlich wie einst bei Alexander Zorniger, zu dem ich auch bis zum Schluss hielt, hatte ich auch bei Tim Walter die Hoffnung, dass er nicht ganz so beratungsresistent sein und an der einen oder anderen Stelle schon noch einlenken würde. Nach meinen Eindrücken vom Sommer-Trainingslager fand ich den Typen Walter überragend. Ich hatte den Eindruck, dass er seine Spieler begeistern kann und die Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche bei ihm passte.

Nachdem im Winter „die Mechanismen des Geschäfts“ erneut gegriffen haben und der Wunsch nach Kontinuität ad absurdum geführt wurde, wurde in Pellegrino Matarazzo ein Trainer verpflichtet, den dem Vernehmen nach eine Datenbank als (verfügbare) Optimalbesetzung für den VfB ausgespuckt hatte.

Mislintat beteuert, dass er noch immer der richtige Trainer für den VfB sei und hebt seine Sozialkompetenz hervor, blöd nur, dass die Ergebnisse und das Spiel auf dem grünen Rasen keine rationalen Gründe liefern, auf Teufel komm raus an diesem Trainer festzuhalten. Nach Walters Entlassung bin ich schmerzfrei, was einen zweiten Trainerwechsel angeht und bin sogar der Meinung, dass der Aufstieg nur noch geschafft werden kann, würde noch einmal reagiert werden.

Matarazzo fährt einen undurchsichtigen Schlingerkurs was seine Aufstellungen angeht, bringt Spieler gegen sich auf, die aus unerklärlichen Gründen völlig außen vor sind, was schlechte Stimmung in die Mannschaft trägt, welche sich wiederum auf dem Platz niederschlägt. Natürlich obliegt es auch den Spielern, Eigeninteressen hintenan zu stellen, ein Team und füreinander da zu sein und das Bestmögliche für den VfB herausholen zu wollen. Ein Trainer aber sollte die Marschrichtung vorgeben und die elf Spieler zusammenspielen lassen, die am besten miteinander harmonieren.

Von Harmonie ist beim VfB von Spiel zu Spiel weniger zu sehen. Man kann von Tim Walter halten, was man möchte, aber, er schaffte es, die Atmosphäre aufzulockern, indem es bei jedem Training Sieger und Verlierer gab und die Verlierer sich zum Affen machten. Hinter solchen Spielchen steckt ein Teambuilding-Gedanke, was sich für meine Begriffe durchaus in den Spielen niederschlug. Man hatte unter Walter selten den Eindruck, das Team würde sich gehen lassen oder nicht wenigstens alles versuchen, ein besseres Ergebnis zu erzielen. Meist waren es Chancenwucher und der VAR, was uns den Sieg kostete, während jetzt unter Matarazzo selbst Torgelegenheiten Mangelware sind.

Ein Massimo ist seit seinen Patzern in Kiel völlig außen vor, während Kaminski, der seit seinem Comeback keinen Mehrwert in unser Spiel brachte, gesetzt ist. Kapitän Kempf, der wenigstens kämpft, sitzt genauso draußen, wie Karazor, der noch vor der Corona-Pause einen soliden Innenverteidiger spielte und maßgeblich zur Eindämmung der Gegentorflut beitrug.

Es sind also nicht nachvollziehbare Personalentscheidungen, ewige Phrasendrescherei („wir werden weiter Gas geben“) und, dass ich es Matarazzo, zumindest wenn ich seine Pressekonferenzen zum Maßstab nehme, nicht zutraue, der Mannschaft ordentlich Zunder zu geben, ohne gänzlich Respekt einzubüßen.

Daher ist es meiner Meinung nach auch nicht ein ständiges „Fordern von Köpfen“, sondern die Frage, ob man mit den Entscheidungen in der Vergangenheit einfach falsch lag, die es zu korrigieren gilt.
Hitzlsperger ging bereits angeknockt in diese Saison, weil er durch das Zaudern in der Weinzierl-Frage den Abstieg maßgeblich mit zu verantworten hat. Mit seiner eloquenten Art tut er dem VfB nach der Post-Dietrich-Ära sicherlich gut, die Frage ist eben, ob Eloquenz alleine reicht in diesem knallharten Business.

Er installierte Mislintat als Sportdirektor, der sich zuvor als Scout für Borussia Dortmund und den FC Arsenal seine Meriten erworben hat. Nach Reschke der zweite Scout in Folge, der erstmals ins Rampenlicht rückt. Dass dieses nicht seine Kernkompetenz ist, sah man letzten Sonntag bei SWR Sport, als er für mich keine sonderlich gute Figur abgab und zudem schwer gestresst wirkte.

Auch wenn ich Mislintat die Eignung für diese Position nicht jetzt schon abspreche, stimmt es mich bedenklich, dass in den letzten 20 Jahren außer Rolf Rüssmann und Jan Schindelmeiser ausschließlich Novizen auf dem im sportlichen Bereich wichtigsten Posten beim VfB installiert wurden.

Briem (Scout)/ Schneider (Bankkaufmann) folgten auf Rüssmann bzw. Interims-Manager Magath, unter Giovanni Trapattoni wurde Horst Heldt vom Spieler zum Manager ernannt, dem Fredi Bobic (Einzelhandelskaufmann bei Hertie/ TV-„Experte“ beim DSF folgte. Nach Bobic kam Trainer Dutt, dann Schindelmeiser, bis hin zu den genannten Scouts Reschke und Mislintat. Ob das der richtige Weg ist, auch da hege ich Zweifel.

Mislintats Position sehe ich bereits jetzt, nach der unnötigen Vertragsverlängerung mit Matarazzo, extrem geschwächt. Muss der Trainer gehen, müsste Mislintat quasi gleich mitgehen. Im Umkehrschluss aber bedeutet dies auch, dass Mislintat von sich aus den Teufel tun würde, diesen Trainer zu entlassen, komme, was wolle und unbedacht dessen, was für den VfB das Beste wäre. Eine gefährliche und völlig unnötige Konstellation, weil hausgemacht.

Walter musste gehen, weil man das Ziel Aufstieg in Gefahr sah, eine Maßgabe, die für Matarazzo nicht gilt, wie Mislintat am Sonntag klarstellte. Ich verstehe das nicht, wäre doch ein zweites Zweitligajahr für den VfB, gerade in Corona-Zeiten, ein unkalkulierbares Risiko.

Der Auftritt Mislintats am Sonntag steigerte meine Wut auf die Auftritte sogar noch. Faselt etwas von „werden den Weg weitergehen“. Ich frage mich, welchen Weg? Wir haben mit Abstand den teuersten Kader der Liga und verdanken es gerade noch dem Unvermögen des HSV, überhaupt noch Chancen auf den Aufstieg zu besitzen, während Bielefeld mit einem Bruchteil der finanziellen Möglichkeiten seit gestern als Aufsteiger feststeht. Freut mich für die Arminen, die mit einer eingeschworenen Truppe und einem guten Trainer die Gunst der Stunde nutzten, Glückwunsch an dieser Stelle.

Ob der VfB den Aufstieg verdient hat oder nicht, sei dahingestellt. Noch sind Chancen da und der VfB sollte weiter alles Menschenmögliche versuchen, diesen auch zu erreichen. Allein mir fehlt der Glaube, dass die Spieler endlich als Mannschaft auftreten und sämtliche Animositäten zum Wohle des VfB auszublenden bereit sind. Schenkt man Aussagen von Holger Badstuber und zwei, drei anderen Spielern Glauben, die sie nach der Rückkehr aus Karlsruher einigen unentwegten erbosten Fans am Clubgelände gegenüber getätigt haben sollen, bestünde im Verein keinerlei Kommunikation zum Spielsystem oder wo welcher Spieler am besten aufgehoben sei. Dies würde jedenfalls die ständige Verunsicherung und das planlose Ballgeschiebe über weite Strecken der Partien erklären.

Bin bekennend „Old School“, so auch meine Erwartungshaltung in puncto Mannschaftsführung. Ich kann wenig mit den sogenannten Laptop-Trainern anfangen, die sich ihr Team am liebsten aufgrund von Computeranalysen züchten würden. Der älteren Trainergeneration, die letzten Vertreter dieser Spezies beim VfB hießen Christian Gross und Felix Magath, genügte ein Blick in die Augen ihrer Spieler, um zu erkennen, wer mental bereit für ein Derby gewesen wäre. Menschenkenntnis und ein gesunder Menschenverstand spielten eine wichtige Rolle und waren letztlich höher gewichtet als der Laktatwert oder ob ein Spieler 200 Gramm zu viel wiegt.

Nach solch blutleeren Auftritten wie am Sonntag in einem Derby, wünsche ich mir einen harten Hund auf der Bank, bei dem die Spieler nicht wüssten, welche Grausamkeit er für den nächsten Tag auf Lager hat, wenn sie nicht spuren.

Hart, aber gerecht, einer, der Leistung honoriert und Leistungsverweigerung sanktioniert, der erkennt, auf wen er sich verlassen und auf wen nicht. Der Spieler stark redet und die Spieler es ihm zurückzahlen. Eben einer, wie es Felix Magath beim VfB war. Als Magath 2001 zum VfB kam und Ralf Rangnick beerbte, war Balakov nur noch ein Schatten seiner selbst. Von Rangnick entmachtet, degradiert und nur noch ein Häufchen Elend, erkannte Magath als früherer Spielmacher sofort, wie er Bala anzupacken hatte, so dass er uns schließlich zum Klassenerhalt schoss.

Didavi ist auch ein Unterschiedsspieler, jedoch nur, wenn das Umfeld intakt und Vertrauen vorhanden ist. Seit seinem Frustfoul und anschließendem Platzverweis in Kiel fehlt Didavi, angeblich wegen muskulärer Probleme. Nachdem die DFL in Sachen positiv getesteter Corona-Fälle die Vereine zum Stillschweigen (oder auch Belügen) gegenüber der Öffentlichkeit aufgefordert hat, dringen derzeit allgemein sehr wenige triftige Gründe, weshalb ein Spieler auf dem Spielberichtsbogen fehlt, nach außen, so dass ich den wenigen, die mitgeteilt werden, nicht unbedingt Glauben schenke. Gehen wir einfach mal davon aus, Didavi wurde zum Sündenbock ernannt und die Öffentlichkeit soll das nicht wissen. Vermutlich bin ich einer der wenigen, der noch Hoffnungen in Didavi setzt und das vor allem deshalb, weil er unser bester Fußballspieler ist und einer allein in dieser Gurkentruppe eben auch keine Bäume ausreißen kann.

Holger Badstuber ist der nächste Fall, der bei vielen Fans nicht wohlgelitten ist. Dabei ist er der Einzige, aus dem die Unzufriedenheit über die Situation spricht. Während von einigen anderen die größte Sorge nach Abpfiff ist, dass die Frisur nach den 90 Minuten nicht zu Schaden kam und wie sie mit Belanglosigkeiten ihre Instagram-Follower beglücken können, kotzt Badstuber richtig ab.

Wie die großartige Karriere von Mario Gomez zu Ende geht, schmerzt mich besonders. Ihm fehlt leider zunehmend die Spritzigkeit und die sprichwörtlichen letzten Zentimeter. Doch in der Situation, in der wir uns befinden, benötigen wir vor allem Mentalität, Spieler, denen das Schicksal des VfB nicht egal ist, die kratzen, beißen, spucken und sich nicht wehrlos ergeben. Würde es in der Mannschaft stimmen und jeder bereit sein, für den anderen mitzulaufen, gäbe es überhaupt keine Alternative zu Mario Gomez, auch wenn er fünf Kilometer weniger läuft als andere. Schon allein seine Präsenz, der Respekt der Gegner vor seiner Karriere-Leistung, würde Raum für andere schaffen, wenn denn mal ein zweiter Stürmer mit ran dürfte.

Ich habe sie viel gescholten, „die Alten“, denke aber, jetzt in der entscheidenden Phase sind sie es, die vorangehen müssen und die vor allem auch dazu bereit sind. Nicht zu vergessen Castro, in den letzten Spieler noch so etwas wie der Einäugige unter den Blinden.

Ich hoffe, der Trainer findet für die letzten Spiele die richtige Mischung und gibt dem Team ein System an die Hand, das sie spielen kann und nicht nach zehn Minuten schon wieder vergessen hat. Sandhausen ist das Team, welches mit am besten aus der Corona-Pause kam und sehr unbequem zu spielen ist. Obwohl die Nordbadener so gut wie gerettet sind, wird das Spiel im großen Neckarstadion auch für sie das Spiel des Jahres sein, wo jeder motiviert genug sein wird, dem großen Favoriten ein Bein zu stellen und uns nichts zu schenken. Ich hoffe, den Brustringträgern ist dies auch bewusst!

Noch gebe ich die Hoffnung auf den Aufstieg nicht auf, schließlich hat der HSV das deutlich schwerere Restprogramm. Ob ich mich wirklich darüber freuen könnte, nach derart schlechten Auftritten über die gesamte Saison hinweg, in Zeiten von Corona, wo die große Sause ohnehin ausfällt? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls mache ich mir große Sorgen um den VfB, der auch in dieser Saison einen Schritt zurück anstatt nach vorn gemacht hat. Mahnende Beispiele, wohin ein schleichender Niedergang führen kann, gibt es zuhauf, ganz aktuell muss man den Blick nur in die Pfalz richten.

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11. September 2016

Am Tiefpunkt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 10:34

Sportliche Tiefpunkte gibt es immer wieder. Daher sollte man mit dem Einsatz von Negationswörtern vorsichtig umgehen und sie nicht überstrapazieren, schließlich ist meist noch immer Luft nach unten, wie man gerade beim VfB in den letzten Jahren erfahren musste.

Rudi Völler und „Weißbier“-Waldemar Hartmann führten anno 2003 eine der prominentesten Tiefpunktdebatten, als Völler anprangerte, dass der deutschen Nationalmannschaft immer neue Tiefpunkte angedichtet werden würden und er die ganze Scheiße nicht mehr hören könne. Nach einem 0:0 auf Island, beim damaligen Tabellenführer war das (O-Ton Netzer: keiner weiß, wie sie das geworden sind). Der Deutsche Fußballbund zog damals seine Schlüsse, investierte in die Ausbildung von Fußballern, machte Jugend-Internate zur Pflicht für jeden Profi-Verein und läutete dadurch das Ende der Rumpelfußballer-Generation um die Ramelows, Jeremies‘ und Janckers ein, was die ersten Früchte bereits 2006 sprießen ließ und uns elf Jahre später den Weltmeistertitel bescheren sollte. Mit einem „weiter so“ wären die Erfolge der letzten zehn Jahre jedenfalls nicht möglich gewesen.

Auch der VfB durchlebte schon mehrere Tiefpunkte. Der Abstieg 1975 war ein solcher, der 2016 sicherlich auch. Die Abstiege resultierten aus Fehlentwicklungen von Jahren und jeweils des einen Spieljahrs, indem man nicht mehr regulierend eingreifen konnte.

Tiefpunkte an einzelnen Spielen festzumachen, ist da schon schwieriger, vor allem heutzutage, wo der Fußball so schnelllebig geworden ist und wo jede noch so derbe Schmach wenige Tage später wieder wett gemacht werden kann, ohne dass allzu viel davon hängen bleibt. Klatschen, an denen man am gefühlten Tiefpunkt stand, gab es einige, so erinnere mich an ein 0:4 zu Hause gegen Bochum in den 80er-Jahren oder auch an das noch gar nicht so lang zurückliegende 1:4 gegen Greuther Fürth. Danach folgte stets Business as usual, so dass solche Schlappen keine Einschnitte in die Vereinschronik bedeuteten.

Weitaus derber fühlen sich aber Niederlagen an, die schon vom regionalen Charakter her ein No Go sind. Im ersten Zweitligajahr 1975/1976 beispielsweise das 2:3 im heimischen Neckarstadion gegen den SSV Reutlingen: Mit dem kürzlich verstorbenen Karl Bögelein an der Linie, der von Istvan Sztani übernahm, traf man als indiskutabler Tabellenzwölfter auf den „Lokalrivalen“ und verlor vor nicht einmal 2.000 zahlenden Zuschauern zu Hause mit 2:3. Es war das „Sahnehäubchen“ auf eine grottenschlechte erste Saison in der 2. Liga Süd, die der VfB als Elfter abschloss.

Spätestens an diesem Tag muss es unserem damals erst ein Jahr im Amt befindlichen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder klar geworden sein, dass der Umbruch nach dem Abstieg zu halbherzig ausgefallen war und der komplette Verein samt Kader noch einmal auf links gedreht werden muss.
MV verpflichtete im Sommer in einer Nacht- und Nebelaktion und auf Anraten des großen Hennes Weisweiler den jungen, hungrigen, enthusiastischen Trainer Jürgen Sundermann aus der Schweiz und setzte vermehrt auf die Jugend, während bis auf Hermann Ohlicher fast alle Absteiger den Verein verließen. Das Ende vom Lied ist bekannt. Die Rasselbande mit erfahrenen Haudegen wie Dragan Holcer und Hermann Ohlicher und vielen jungen Spielern aus der Region, wie Hansi Müller, Karl-Heinz Förster und Dieter Hoeneß, rockte die Liga und sorgte für Begeisterungsstürme im Schwabenland. In diese Saison fiel dann auch mein allererstes Auswärtsspiel, ein 0:0 bei den Münchner Löwen, 78.000 Zuschauer im Olympiastadion, davon bis zu 35.000 VfB-Fans, damals wie heute noch ein Wahnsinn für das Unterhaus.

Der Tiefpunkt gegen Reutlingen hatte somit wohl auch sein müssen. Ein Jahr später kehrte der VfB in die Bundesliga zurück, wurde auf Anhieb als Aufsteiger Vierter, Zweiter, Vierter und 1984 schließlich zum dritten Mal Deutscher Meister.

Die Trendwende, sowohl beim DFB, als auch beim VfB, ist eng mit dem Namen Gerhard Mayer-Vorfelder verknüpft. Beim DFB brachte er schon nach der peinlichen Euro 2000 erste Projekte der Jugendförderung auf den Weg und installierte 2004 das Gespann Klinsmann/ Löw, beim VfB ging er mit der Verpflichtung von Sundermann den unkonventionellen Weg und hatte ein gutes Gespür dafür, wann eine Ära zu Ende war und er Dinge grundlegend ändern musste.

Heidenheim ist für mich ein weiterer Tiefpunkt. Jahrelang gehörte der VfB zum Inventar der Bundesliga, während Heidenheim, früher noch als SB Heidenheim, meist in der Oberliga Baden-Württemberg vor sich hin dümpelte. Es sind gerade diese Spiele, vor denen man im Vorfeld schon gewarnt hatte, die jeder Einzelne beim VfB auch mental annehmen muss. Für den VfB ist es ein gefühltes Pokalspiel, während das Aufeinandertreffen für den Gegner das Spiel des Jahres bedeutet und jeder nur allzu gern dem großen Favoriten ein Schnippchen schlagen möchte.

Den Tiefpunkt stellt für mich gar nicht die Niederlage an sich dar. Gegen Heidenheim kann man durchaus auch mal verlieren. Es verdient großen Respekt wie der Nachbar von der Ostalb dabei ist, sich in der 2. Liga zu etablieren. Ich finde es herausragend, wie lang und mit welchem Erfolg Frank Schmidt schon die Geschicke dort leitet und dass er mit Marc Schnatterer einen Kapitän in seinen Reihen hat, auf den er sich verlassen kann und der vor allem überall auf dem Platz zu finden ist. Ich hätte beide mit Kusshand für die 2. Liga genommen und blicke fast schon neidisch zu solchen Vereinen, wenn ich mich mal wieder in unserer Kapitäns-Debatte verstricke.

Dies also die rein objektive Sichtweise, aus der eine Niederlage eines noch überhaupt nicht gefestigten VfB gegen Heidenheim nicht unrealistisch erschien. Dennoch, ich gebe es zu, habe ich mich im Vorfeld in keiner Sekunde mit einer möglichen Niederlage gegen Heidenheim befasst. Die kam in meiner Denke einfach nicht vor.

Es war doch alles bestellt. Der Kader wurde zum Ende der Transferperiode noch einmal verstärkt, bestes Spätsommerwetter, sensationelle 52.200 Zuschauer und durchaus auch Rückenwind durch den 2:1-Sieg beim SV Sandhausen. Heidenheim mobilisierte ebenfalls die Massen und brachte gut 4.000 Fans mit, so dass der äußere Rahmen perfekt war.

Wenn dann aber der Trainer der gleichen Elf das Vertrauen schenkt, die sich mit Ach und Krach durch den August rettete und in keinem der bisherigen Spiele überzeugen konnte, stellte dies für mich die erste Enttäuschung des Tages dar. Die Geschichte ist bekannt, der VfB verlor völlig verdient und nach indiskutabler Leistung 1:2 und zeigte zu keiner Zeit, dass er in der derzeitigen Verfassung Ansprüche auf einen der vorderen beiden Plätze erheben kann. Heidenheim war besser organisiert, cleverer, auch bissiger und motivierter, was das eigentlich Schlimme ist. Daher rede ich vom Tiefpunkt, wenn es in einem solchen Spiel, von dem man weiß, was es auch für die Fans bedeutet, nicht einmal die Grundtugenden auf den Platz bringt.

MV wäre dazwischen gegrätscht und hätte Trainer und Team, einen nach dem Anderen, zusammengefaltet. MV lebt leider nicht mehr, wer also soll es richten, wer soll den VfB wieder dorthin bringen, wo er eigentlich hingehört, wer haut dabei auf den Tisch, wer spricht ein Machtwort, wer geht unbeirrt den richtigen Weg und lässt sich durch Seilschaften, Errungenschaften, Gewohnheitsrechten und Gegenwind nicht davon abbringen bzw. bricht diese auf? Ich sehe weit und breit keinen im Verein, der mir diese Hoffnung geben würde.

Ob es der designierte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zu leisten imstande ist, kann ich noch nicht beurteilen. Ich teile die Anti-Haltung der Ultras nicht, die schon im Vorfeld und wohl ohne sich richtig mit der Personalie auseinandergesetzt zu haben, diesen Kandidaten ablehnen. Auch gestern wieder wurde auf Spruchbändern vor allem angeprangert, dass die Wahl keine demokratische ist, weil es keinen Gegenkandidaten ist. Ob sie dem Aufsichtsrat Vorschläge eingereicht haben, ist mir leider nicht bekannt, möglich wäre das wohl gewesen.

Wer soll denn ein weiterer geeigneter Kandidat sein? Guido Buchwald, dessen Funktionärskarriere eher mit überschaubarem Erfolg verlief? Karl Allgöwer, sicher DIE Ikone im Stuttgarter Fußball, aber, kann er einen Verein führen? Aus dem Umfeld ist zu hören, dass er wenig kompromissbereit und kein Teamplayer ist, weshalb seine Beratertätigkeit auch schon wieder Geschichte ist.

Die Problematik bei einem Gegenkandidaten ist die, dass wohl die wenigsten diesen Traumjob haben, der es ihnen erlaubt, Wahlkampf um das Amt des VfB-Präsidenten zu betreiben und, sollten sie gewählt werden, von heute auf morgen alles stehen und liegen lassen zu können oder aber bei nicht erfolgter Wahl im Beruf weiter wie bisher machen zu können.

Dietrich hat den Vorteil, dass er mit 68 Jahren diesen Job nicht mehr nötig hat und er das Amt ehrenamtlich und doch in Vollzeit ausüben könnte. Seine ersten Statements, wie er den VfB zurück in die Spur führen möchte, lesen sich so schlecht für mich nicht, so dass ich ihn nicht vornherein ablehne, sondern zunächst die eine oder andere Vorstellungsrunde mitmachen und mir dann ein Bild von ihm machen werde. Wichtig ist erst einmal, dass wir überhaupt wieder eine Führung bekommen und der Controller (Heim) und der Ticket- und Trikotverkäufer (Röttgermann) die längste Zeit ganz oben die Geschicke bestimmt haben.

Dass Dietrich innerhalb des Vereins moderieren wolle, hat er ja bereits verlauten lassen. Ohne der „Wahl“, die im Grunde überhaupt keine ist, jetzt schon vorgreifen zu wollen, ist dies die oberste Präsidentenpflicht und wäre schon jetzt notwendiger denn je.

Dass es von den Herren im Aufsichtsrat und der Rumpfvorstandschaft unglücklich war, den Trainer- vor dem Sportdirektorposten zu besetzen, habe ich bereits des Öfteren kritisiert. Dies kann für mich lediglich dadurch entschuldigt werden, dass Luhukay aufgrund seiner Referenzen die bestmögliche Wahl gewesen zu sein scheint, weiß er doch wie Aufstieg geht.

Schindelmeiser kam einige Wochen später und scheint ganz und gar nicht mit Luhukay auf einer Wellenlänge zu funken. Die Neuzugänge, die Schindelmeiser kurz vor Transferschluss an Land gezogen hat, sollen nicht gerade Wunschspieler Luhukays gewesen sein, wie dieser offen zugibt.

Hat sich ein jeder von uns Fans einen enormen Qualitätsschub durch die Neuen erhofft, dämpft Luhukay die Erwartungen, und kritisiert, dass sich im Kader zu viele Nationalitäten tummeln würden und dass die Integration der Neuen dauern würde. Als Außenstehender kann ich diese Denke nicht nachvollziehen, sagt man doch immer „gute“ Fußballer würden sich verstehen und die Fußballersprache sei international.

Luhukay legt sich also ein Alibi zurecht und erbittet sich Zeit, die man ihm nicht gewähren kann und auch nicht darf. Er muss jetzt, wo der Kader vollständig ist, damit beginnen zu liefern und darf das Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs niemals aus den Augen verlieren. Alles andere als der Wiederaufstieg käme einer mittleren Katastrophe gleich und würde die große Gefahr mit sich bringen, es sich im Unterhaus gemütlich zu machen und dort auf Jahre festzusitzen.

Nach dem fünften Pflichtspiel der Saison ist noch immer kein Spielsystem, kein Plan, keine Handschrift des Trainers erkennbar. Die „Leistungen“ sind eine nahtlose Fortsetzung der Katastrophen-Spiele in der Bundesliga, in der ebenfalls alles auf Zufall bedacht und keine Struktur im Spiel vorhanden war.

Gegen den 1. FC Heidenheim, mit dem sich die Wege in einem Pflichtspiel zuvor noch nie kreuzten, blamierte sich der VfB auf ganzer Linie. Immer wenn der VfB die große Chance hat, Rückenwind aus einer Euphoriewelle zu ziehen, sich vorne festzusetzen, die Fans mitzunehmen kommt mit Sicherheit der Rückschlag oder in diesem Fall der nächste Tiefpunkt.

Von den Neuen stand lediglich der Japaner Asano im Kader, von den Verletzten kehrte auch nur Kevin Großkreutz zurück. Die ersten Saisonspiele, weitestgehend mit den gleichen Aufstellungen, boten katastrophale fußballerische Magerkost, was durch zwei glückliche Siege und dem Weiterkommen im Pokal kaschiert wurde. Für mich damals kein Grund Alarm zu schlagen, weil der VfB in der Spur und die Hoffnung auf Besserung ab September da war. Ich hätte es mir gewünscht, dass Luhukay seine Startformation nun kräftig durcheinanderwirbelt.

Doch, was macht Luhukay, vertraut den gleichen, die mit Mühe und Not in Sandhausen gewannen und schon dort nichts von jener Dominanz versprühten, die man vom gefühlten Erstligisten oder dem FC Bayern der 2. Liga eigentlich erwarten würde. Der VfB ist nun mal mit Hannover 96 der Krösus der Liga, so dass man dies auf dem Platz auch sehen können muss.

Wenn wir schon vom FC Bayern der 2. Liga sprechen, wünschte ich mir eine „Mir-send-mir“-Mentalität, eine Selbstverständlichkeit, mit der man den Rasen betritt und den Gegner niederringt. Es ist aber eher das Gegenteil der Fall. Wie zu schlimmsten Bruno- und auch Kramny-Zeiten ist der Fußball verhalten, behäbig, abwartend. Es wird stets abgewartet, was der Gegner so drauf hat, anstatt selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Mit einer solchen Ausrichtung dürfte es schwer werden, überhaupt Punkte einzuheimsen, denn, anders als in der Bundesliga, wird uns in der 2. Liga kein einziger Gegner den Gefallen tun, uns mit offensiver Ausrichtung ins offene Messer zu laufen. Auch die vermeintlichen Spitzenmannschaften suchen ihr Heil in der Defensive und lauern auf unsere Fehler, die mit Krampen wie Klein, Sama und Sunjic in der Truppe auch nicht lange auf sich warten lassen.

Abgesehen von einer von Zimmer in der fünften Minute kläglich vergebenen Chance fand der VfB offensiv nicht statt. Terodde hängt vorne in der Luft und bekommt keine Bälle, so dass Heidenheim wenig Mühe hatte, den VfB vom eigenen Tor fernzuhalten.

Heidenheim war bei seinen eigenen Vorstößen zielstrebiger und gefährlicher, so dass das 0:0 zur Pause schon eher schmeichelhaft für den VfB war.
Beim VfB bot sich, wen wundert’s bei DER Aufstellung, das gewohnte Bild. Die Viererkette hinten durchweg nicht bundesligatauglich. Insúa, Klein, Sunjic zu langsam und Ausgangspunkte der beiden Gegentore, Sama völlig von der Rolle.

Luhukay muss sich schon fragen lassen, weshalb er den Jungen mit den sichtbar wackeligen Knien 90 Minuten lang durchspielen ließ und ihn nicht schon früh durch Kaminski ersetzte. Luhukay muss sehr wenig Vertrauen in sein Personal haben, wenn er sich davor scheut, ein nicht funktionierendes Gebilde durch die Hereinnahme des einen oder anderen derzeitigen Kaderauffüllers zu verändern.

Legt er hier seine Sturheit nicht ab und ist nicht bereit, variabler zu agieren und den Gegner auch mal zu überraschen, muss man kein Prophet sein, um die nächste Trainerdiskussion bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt riechen zu können.

Da Luhukay offensichtlich kein Kommunikator ist und patzig in die Mikrofone blafft, er müsse nichts erklären, wird er die Rätsel, die er uns aufgibt, wohl irgendwann mit ins Grab nehmen.

Auch Zimmermann hat für mich bislang bei keinem seiner Auftritte den Nachweis erbracht, ein Zweitligaspieler zu sein. Wie Sama mit den Amateuren abgestiegen, soll er nun einer der neuen Hoffnungsträger sein?

Da kann man nur hoffen, dass Hosogai schnell zurückkehrt, der übrigens mit einem Muskelfaserriss bereits vier Wochen lang ausfällt. Man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass beim VfB die Rekonvaleszenzzeiten um einiges länger ausfallen, als bei anderen Vereinen.

Dennoch, sollte der neue Präsident denn einmal sämtliche Prozesse und Abläufe innerhalb des Vereins und seiner Tochtergesellschaften durchleuchten, wäre auch die medizinische Abteilung einmal kritisch zu hinterfragen. Da im Verein bereits seit einiger Zeit viele (wirtschaftliche) Dinge wichtiger als der sportliche Erfolg sind, würde es mich nicht einmal mehr wundern, wenn die Zielvorgabe für unsere medizinische Abteilung nicht lauten würde, die Spieler schnellstmöglich dem Team zurückzuführen, sondern eine optimale Auslastung der VfB-Reha-Welt mindestens genau so wertig gewichtet ist.

Ich weiß nicht, ob ich es mir einbilde, aber, seit es die Reha-Welt gibt und es sich einer der ersten prominenten Kicker namens Yildiray Bastürk sich dort so richtig bequem machte, scheinen viele diese Welt gar nicht mehr verlassen zu wollen. Jedes noch so keine Kinkerlitzchen wird eine gefühlte Ewigkeit auskuriert, wobei man die ursprünglich getroffenen Ausfallzeit-Prognosen der Ärzte der Erfahrung nach getrost mal zwei nehmen kann, um auf die tatsächliche Ausfallzeit zu kommen.

Sollte auch Hosogai diesen Wellness-Bereich weiter in Anspruch nehmen wollen und sich sein Comeback noch weiter hinausziehen, wäre Luhukay gut beraten, es auch mal mit nur einem Sechser zu probieren und variabler zu agieren. Ich begrüße es ja grundsätzlich, wenn der VfB Youngster herausbringt, die sich in der ersten Elf freischwimmen, aber, um jeden Preis, nur weil sie jung sind, da geht der Schuss manchmal auch nach hinten los, vor allem, wenn die Mannschaft keine Einheit bildet.

Bei Sama, der ohnehin erst mal keine Rolle mehr spielen sollte, wenn Baumgartl fit und Pavard einsatzbereit ist, wird es interessant sein zu beobachten, ob ihm der Auftritt vom Freitag einen Knacks versetzt, der hängen bleibt.

Eine weitere Baustelle bleibt auch Maxim, dem oft eine unprofessionelle Einstellung, ein unprofessioneller Lebenswandel und auch eine gewisse Verweichlichung vorgeworfen werden. Wenn der x-te Trainer in ihm keinen Mann für 90 Minuten sieht, akzeptiere ich die Entscheidung des Trainers grundsätzlich, vor allem, wenn die Ergebnisse stimmen.

Ist die Nichtberücksichtigung jedoch auf die mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Kompromissbereitschaft des Trainers zurückzuführen und mündet in einen Kleinkrieg zum Schaden des Vereins, bekomme auch ich ein Problem mit dem Trainer. Persönliche Animositäten oder der Zwang dem öffentlichen Druck allein „zum Bossen“ nicht nachzukommen, wären zum Schaden des großen Ganzen und seinem Standing im Team sicherlich auch nicht förderlich.

Wir haben erst vier Spieltage hinter uns, die Saison ist noch lang. Eigentlich zu früh für eine Trainerdiskussion. Aber, Luhukay macht sich mit seiner Art, mit seinen Aufstellungen, mit seiner Außendarstellung, mit dem Schlechtreden der Neuzugänge und als Spaßbremse mitten in einer Phase großer Euphorie keine Freunde. Stimmt dann noch die Chemie zwischen ihm und dem Sportdirektor nicht, hat dieser ganz andere Vorstellungen, wie die Mannschaft auszusehen hat und wie man das Unternehmen Wiederaufstieg anpacken muss, hat er nicht einmal den Rückhalt in den eigenen Reihen, so dass die Zeichen schon früh auf Trennung stehen.

Es wäre zwar äußerst ärgerlich, erneut einen Trainer bzw. ein Trainerteam abfinden zu müssen und schon wieder vor einem Neuanfang zu stehen, aber, dies hätte sich dann der Aufsichtsrat an seine Akte zu heften, der den Trainer vor dem Sportdirektor verpflichtet hat.

Luhukay schaufelt sich derzeit sehenden Auges sein eigenes Grab. Die Leute rennen dem VfB die Bude ein, es herrscht, keine Sau weiß warum, so etwas wie Euphorie nach dem Abstieg und Luhukay hat nichts Besseres zu tun, die Erwartungshaltung zu kritisieren? Zu bemängeln, dass seine Spieler Angst vor der Kulisse gehabt hätten? Was sollen dann die Heidenheimer sagen? Ja, sicher, die sind das ja gewohnt. An Lächerlichkeit kaum zu überbieten solche Aussagen.

Luhukay legte ja noch nach. Wer nach den ersten vier Spielen mit unfassbar schlechtem Fußball jubilierte, als Schindelmeiser mit Mané, Asano und Pavard drei hoffnungsvolle Talente auslieh bzw. verpflichtete, bekommt vom Trainer bereits vor deren ersten Spielen den Dämpfer geliefert.
Die vielen Nationalitäten wären ein Problem, dass die Neuen zuletzt wenig gespielt hätten ebenso, hinzu kommt ein neuer Rhythmus und, Achtung Brüller, sie müssten eine neue Spielphilosophie verstehen.

Da fragt man sich, welche Spielphilosophie? Nach dem Spiel vom Freitag konnte man sprechen, mit wem man wollte, keiner konnte eine erkennen, keiner weiß, für welchen Fußball Luhukay eigentlich stehen möchte.

Was in den ersten Spielen dargeboten wurde, war durchweg konzeptlos und auf gut Glück ausgerichtet. Die fußballerischen Mängel sind fatal, hinzu kommt, dass keiner, auch nicht Kapitän Gentner, da ist, der das Heft des Handelns an sich reißen würde, nur Indianer, keine Häuptlinge. Auch dieses Problem haben wir nahtlos von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“. Einzig Großkreutz nach seiner Einwechslung und bedingt auch Maxim merkte man an, dass sie etwas bewegen wollten, was sich allerdings als wenig erfolgversprechend herausgestellt hat, wenn man sich so dämlich auskontern lässt.

Mein einziger Hoffnungsschimmer sind hier derzeit die Neuen und die Rückkehr der zur Zeit verletzten, dass man weder einen Klein, noch einen Sama, noch einen Sunjic, derzeit auch keinen Zimmermann mehr sehen muss und sich durch Mané und Asano die Durchschlagskraft im Angriff verbessert und Terodde endlich auch Bälle bekommt.

Ich erwarte in Kaiserslautern eine auf vier, fünf Positionen veränderte Truppe, die fußballerisch ohnehin besser aufgestellt, als Einheit auftritt und nicht wie gegen Heidenheim, wieder einmal keiner dem Anderen hilft. Dies ist erneut ein Indiz, dass es auch in dieser neu zusammengewürfelten Truppe überhaupt nicht zu stimmen scheint und man mehr gegen- als für einander „arbeitet“. Es ist bereits wieder von Cliquenbildung zu hören und von schlechter Stimmung innerhalb des Teams. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Großkreutz, der aus Dortmund professionelleres Arbeiten gewohnt ist, schiebt bereits mächtig Frust. Erst der Clinch mit dem Co-Trainer und gestern nach dem Spiel kritisierte er indirekt seine Mitspieler aber auch den Trainer, indem er mehr Mut einforderte.

Luhukay muss diesen Tendenzen vehement entgegen wirken, möchte er länger als nur ein paar Monate hier Trainer sein. Am Spieltag erweckte er für mich nicht diesen Eindruck. Er wirkt bereits jetzt genervt und ratlos und nimmt Darbietungen wie die vom Freitag fast teilnahms- und emotionslos hin, während man auf der Tribüne am Ausrasten ist. Wenn man sah, wie engagiert Frank Schmidt die seinen antrieb und dirigierte, blutete einem schon dabei das Herz.

Dass sich der Trainer im Innenleben des Vereins grundlegend anders präsentiert, kann ich mir nicht vorstellen, so dass zu befürchten ist, dass er die Stimmung im Team mit seiner wortkargen Art auch nicht unbedingt aufhellen kann.

Den späten Verpflichtungen, der Länderspielpause und dem Umstand geschuldet, dass die Neuen vor dem Heidenheim-Spiel erst ein, zwei Mal mit der Mannschaft trainieren konnten, könnte man für Luhukay gerade noch so als mildernden Umstand durchgehen lassen.
Für Kaiserslautern gilt diese Ausrede nicht mehr. Ob ein Pavard deutsch, französisch, chinesisch spricht oder taubstumm ist, es darf keine Rolle spielen, schlechter als Sama und Sunjic kann er nicht sein, also muss er spielen.

Mané wünsche ich mir auf Rechtsaußen, damit diese Position endlich von einer Offensivkraft und nicht improvisiert von einem Rechtsverteidiger bekleidet wird. Großkreutz oder Zimmer rechts hinten, Klein aus dem Kader streichen. Dies sind nur zwei von mir erhoffte und auch erwartete Änderungen, die „Leistungen“ bisher bieten unzählige weitere Möglichkeiten der Blutauffrischung.

Setzt Luhukay auch in Kaiserslautern auf diese in seinen Augen altbewährte Gurkentruppe und das Spiel geht in die Hose, ist der Niederländer für mich durch, so Leid mir das täte.

Mit Zorniger hatten wir es in der Vorsaison ja schon einmal mit einem unverbesserlichen Sturkopf zu tun. Nur, sein Fußball sah erfolgsversprechend aus, es fehlten Nuancen, um damit erfolgreich zu sein, er war emotional und höchst engagiert bei der Sache und posaunte im breitesten Schwäbisch Dinge in die Welt hinaus, die er mal besser für sich behalten hätte, was ihm letztendlich unter anderem das Genick brach. Bekanntermaßen hoffte ich bis zum Schluss darauf, dass er irgendwann mal einlenken und klüger im Umgang mit den Medien werden würde und sein Fußball, der schön zum ansehen war, auch zum Erfolg führen würde.

Jetzt haben wir es mit einem introvertierten Sturkopf zu tun, mit dem ich weit weniger anfangen kann. Bei Zorniger wusste man, wie er dachte, was ihn freute, was ihn ärgerte, bei Luhukay, keine Gefühlsregung, nichts! Man weiß nicht, ob ihn die Vorstellung am Freitag auch erschütterte oder ob er sie als „normal“ hinnahm, weil seine Spieler aus 16 Nationen ihren Deutsch-Kurs noch nicht bis zum Ende besucht haben und die Eingewöhnungsphase noch nicht bei allen abgeschlossen ist. Man weiß nicht, wie lang er diesen (seinen) Fußball als normal akzeptiert, vier, sechs, acht Wochen), bei acht, zwölf, sechzehn Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz?

Da es sich der VfB nicht leisten kann zu früh zu viel Boden auf die Aufstiegsplätze zu verlieren, wäre dann der Zeitpunkt gekommen, die Reißleine zu ziehen, wenn die Ziele des Vereins mit denen des Trainers nicht mehr korrespondieren.

Schon der Abstieg war hausgemacht, weil man zu lang dem Wirken Dutts und Kramnys vertraute und nicht mehr eingriff, als bereits alle Welt sah, dass man in dieser Konstellation keinen Punkt mehr holen würde. Den gleichen Fehler darf man nicht noch einmal machen, abwarten, die Dinge laufen lassen, auf das Gute in Jos hoffen, um dann irgendwann mit hoffnungslosem Rückstand vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Bis zum Ende der Transferperiode bin ich hinter Luhukay gestanden, jetzt beschleichen mich größte Zweifel, so dass ich mir derzeit eher einen Trainer wie Gisdol, der noch auf dem Markt wäre, wünschen würde, der Begeisterung vorlebt und auch vermitteln kann.

Jos zieht gerade ohne Rücksicht auf Verluste „sein Ding“ durch, wie ich meine, nicht gerade zum Vorteil des Vereins. Daher könnte es durchaus bei negativem Ausgang des Schlüsselspiels in Kaiserslautern schon heißen, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, dieses Mal dann gar schon bevor die Blätter fallen.

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