
Zum 2. Mal in Folge am 0:1 beteiligt - Alex Hleb
Es gibt Trainer, die können und wollen eigentlich keine außerordentlichen Spieler. Volker Finke, früher SC Freiburg, gehört dazu. Finke nutzte damals jede Gelegenheit, die Leistungen des genialen Spielmachers Rodolfo Cardoso zu schmälern. Aus Sorge, der Argentinier könne übermütig werden. Und aus Furcht, ein Star könne das Kollektiv sprengen. Mitunter wirkten Finkes Versuche künstlich und lächerlich. Erstens liebten alle Cardoso und sein Spiel. Zweitens war er das Herz der Breisgau-Brasilianer. Drittens braucht das Ego solcher Spierltypen eine gewisse Sonderbehandlung – sie denken und fühlen oft wie Diven.
Kluge Trainer wissen: Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sture Gleichmacherei führt dabei – wie bei Ex-VfB-Coach Ralf Rangnick und dem damaligen Regisseur Krassimir Balakov – zur Katastrophe. Aber zuviel Freiheit endet in Anarchie.
Irgendwo dazwischen versucht sich derzeit Markus Babbel im Umgang mit Alexander Hleb. Denn der Star (6,5 Millionen Euro Jahresgehalt) fordert viel und hält sich an wenig. Hleb beansprucht die Position Zehn im Mittelfeld, ist sich aber für Defensivarbeit zu schade.
Den Roten macht Hlebs Star(r)sinn zu schaffen. Seine Allüren. Im Spiel gegen den FC Sevilla führte Hlebs Eigenleben zum 0:1 – dem Anfang vom bitteren Ende (1:3). Der Weißrusse delegierte seine Deckungsaufgaben (zu spät) an Christian Träsch weiter – prompt fiel der Gegentreffer. Im Mannschaftskreis wächst daher der Unmut. Es heißt: Wenn er seine Leistung bringen würde, dürfte er sich etwas rausnehmen. Aber so …
. . . so braucht Hleb jemanden, der ihm sanft seine Möglichkeiten und Grenzen zeigt. Kurzum: Hleb braucht Führung.
Nichts anderes macht nun Markus Babbel – vor dem Donnerstagtraining in einer 15-minütigen Standpauke an alle. Und in Einzelgesprächen mit Hleb. Auf die Szene Hlebs gegen den FC Sevilla angesprochen, sagte der VfB-Teamchef grantig: “Wenn eine Ecke kurz gespielt wird und ein Spieler ist da zugeteilt, dann ist er auch verantwortlich.” Und: “Einzelne müssen sich in das Ganze einfügen.”
Sollte Alexander Hleb das beherzigen, wird Babbel seine Leistung sicher entsprechend würdigen. Im Gegensatz zu anderen Trainern, weiß er: Besondere Spieler wie Hleb machen den Unterschied.
STN 22.10.2009
