14. September 2014

Mutlos, leblos, VfB

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Die positiven Nachrichten vorneweg, wir haben es hinter uns! Wir haben „nur“ 0:2 in München verloren. Dass man dort auch durchaus eine Packung bekommen kann, haben wir vor fast genau zwei Jahren beim 1:6 erleiden müssen. Der Unterschied zu damals aber: vor zwei Jahren spielten wir nicht nur gut mit, wir gingen auch mit 0:1 in Führung und, wer weiß, hätte damals nicht Ulles Dauerformtief begonnen, hätte man damals das Zeug dazu gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Als er einen Schuss vor die Füße Müllers prallen ließ, war es damals schon vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man ließ sich regelrecht abschlachten.
Anders gestern, ohne Torschuss kann man nun mal kein Spiel gewinnen. Und, darauf zu bauen, bei den Bayern wenigstens ein 0:0 zu ermauern ist derzeit genau so unrealistisch wie ein Abstieg der übermächtigen Bayern.
Was waren das damals noch Spiele, die dem auch heute noch bemühten Begriff „Südschlager“ mehr als gerecht wurden. Wir zogen zwar im altehrwürdigen Olympiastadion meistens den Kürzeren, boten aber stets einen offenen Schlagabtausch und erarbeiteten uns den Respekt der Bayern, auch den der Fans. Ergebnisse wie ein 3:5 aus unserer Sicht waren keine Seltenheit, bei minus 16 Grad und dem ersten Spiel von Franz Beckenbauer auf der einen, Jürgen Röber auf der anderen Seite, erlebte ich gar „meinen“ ersten Sieg überhaupt bei den Bayern, dank der Hand Adrian Knups. Unvergessen danach die Polonäse „oberkörperfrei“ durch den Olympiapark und die Triumphfahrt über die von Schneewehen durchsetzte A8 zurück nach Stuttgart.
Damals waren die Fahrten nach München noch richtige Highlights in der Saison. Unter den Fans herrschte eine Gier dabei zu sein, nicht selten fanden bis zu 10.000 Schwaben den Weg nach München und man rechnete sich vor den Spielen etwas aus. Was hatten wir auch für Spieler in den 70er, 80er und 90er-Jahren. Da war zwar auch die eine oder andere Pfeife dabei, wir hatten aber Typen in unseren Reihen, die ihr Herz in die Hand nahmen und die Anderen mitzureißen wussten. Heute hat sich dieses Verhältnis leider dramatisch umgekehrt.
Mittlerweile nimmt man als Allesfahrer die Fahrt nach München eher mürrisch hin, viele andere kneifen von vornherein. Eines dieser Stadien „auf der grünen Wiese“, am A… der Welt, Gästeblock im dritten Rang, wo man weder sein Paulaner Light (gut, das boykottiere ich sowieso) noch eine Stadionwurst mit auf den Platz nehmen darf. Wo man von den überheblichen Bayern-Fans nur noch blöd angemacht oder belächelt wird, wo man sich auf gut deutsch schwer im Zaum halten muss, um nicht auszurasten und irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Mir schwillt da jedes Mal regelrecht der Kamm… Dann stellen sie uns noch eine Hundertschaft Turtles vor den Block, was auch nicht gerade zur allgemeinen Gelassenheit beiträgt. Fast schon lustig oder eher lächerlich in München, wie zwanghaft in manchen Bereichen auf Fantrennung geachtet wird und 50 Meter weiter wieder alles zusammenfließt. Da werden mal so richtig Steuergelder verschwendet, sollen sie sich doch ein Beispiel an NRW nehmen, wo sie es mit weniger Polizei und Deeskalation probieren, was bisher offensichtlich gut funktioniert.
Die Mannschaft hat schon die Hosen voll, wenn sie das Stadion betritt und schaut ehrfürchtig zu ihren Gegenspielern auf. Da scheint es manchmal, dass es im Vorfeld nur wichtig ist, wer von wem das Trikot abstaubt, von Selbstvertrauen und ernsthaftem Siegeswillen keine Spur.
Wir haben leider keine Führungsspieler mit Eiern in der Hose, die schon durch ihre Körpersprache ihrem Gegenüber klar machen, „wenn Du meinst Hugoles mit mir treiben zu können, gibt’s auf die Socken…“. Im Gegenteil, im Zweifel wird zurückgezogen, ein Foul an einem Bayern-Akteur wird in der Republik ja schon als Majestätsbeleidigung angesehen, solchen Diskussionen und dem Aufschrei der Bayern-Oberen möchte man lieber im Vorfeld gleich jegliche Nahrung nehmen.
Armin Veh hat schon nach dem Köln-Spiel angeprangert, die Jungs seien alle zu lieb. So hielt sich meine Hoffnung schwer in Grenzen, dass wir in München einen anderen VfB erleben würden, doch, auch meine Hoffnung stirbt zuletzt und immer erst nach dem Spiel.
Wie Kampf Berge versetzen kann, konnte man beim Freitag-Abend-Spiel Bayer 04 Leverkusen-Werder Bremen erleben. Leverkusen, eigentlich den Bremern übermächtig, hätte zur Pause gut und gern 4:0 führen können, wenn nicht gar müssen, wurde von den Bremern aber nach und nach der Zahn gezogen. Bremen hielt mit großem Kampf und, wenn sich die Möglichkeit bot, auch mit mutigem Spiel nach vorne, dagegen. Dort wurde um jeden Zentimeter Rasen gekämpft, kein Ball verloren gegeben. Solche Spiele kenne ich eher von der Insel, so dass ich schwer beeindruckt war, so etwas in unserer Liga verfolgen zu dürfen.
Nach diesem Kick sah ich mich sofort gemüßigt, Sven Ulreich, der auf Facebook postete, dass sie sich im Hotel aufs Spiel vorbereiteten, auf seine Pinnwand zu posten, dass ich hoffe, dass sie sich dieses Spiel angeschaut haben und dass sie verdammt noch mal ein ähnliches Engagement an den Tag legen sollen und so auch befähigt wären, den Bayern weh zu tun. Die Bayern, verletzungsgeplagt und vor anstrengenden Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen stehend, wollten die Partie im Schongang gewinnen und sich nicht außerordentlich verausgaben. Für dieses Vorhaben war der VfB natürlich der dankbarste Gegner, den man sich wünschen kann. Gerade störe ich mich beim vorigen Satz am Wort „Gegner“, Sparringspartner wäre treffender. Wir liefen ordentlich nebenher, ohne den Bayern zu nahe zu treten. Die Defensive stand zwar weitestgehend gut, die meiste Zeit liefen wir aber trotzdem nebenher und überließen den Bayern das Spielgerät.
Erschreckend fand ich einmal mehr die technischen Mängel, die bei uns zutage traten. Fehlpässe über drei Meter sind nicht bundesligatauglich. Und wenn dem einen oder anderen Spieler bei einem 3-Meter-Pass die Kugel noch 4 Meter wegspringt, bis man sie kontrolliert hat oder eben, wie meistens, der Gegner sich den Ball geschnappt hat, braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Spielfluss aufkommt und vor allem keine Überraschungsmomente entstehen, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Gefahr entstand allenfalls durch Kopfbälle von Antonio Rüdiger oder einem Distanzschuss von Timo Werner. Bayern hätte ohne Torwart spielen können, kein einziger Ball kam auf den Kasten von Manuel Neuer. Ich habe nunmehr in vier Pflichtspielen in der noch jungen Saison gerade einmal vier Torschüsse gezählt. Wenn man es in naher Zukunft nicht schafft, ein kombinationssichereres Offensivspiel mit gefährlichen Torabschlüssen, hinzulegen, wird es ganz schwer, auch nur ein einziges Spiel zu gewinnen. Unsere Abwehr ist nach wie vor zu instabil, um nicht zu null spielen zu können.
Armin Veh brachte in Leitner und Werner für Maxim und Didavi zwar zwei Neue, leider verpufften diese Wechsel, weil man nach dem Köln-Spiel auf allen Positionen hätte wechseln können und keiner der damaligen Totalausfälle besser aus der Länderspielpause kam.
Leitner zeigte auch gestern wieder, dass er ein Schönwetterfußballer ist. Wenn es in der Truppe läuft, kann er glänzen, ein Spieler, der Ordnung in ein nicht funktionierendes Team hineinbringt ist er nicht. Auf Timo Werner dagegen lass ich noch nichts kommen. Er ist blutjung und muss sich an den Rhythmus in der Liga weiterhin gewöhnen. In der zweiten Halbzeit, als er für Ibisevic in die Mitte rückte, war er auffälliger und hat mir (an der Seite von Kostic und Maxim) gut gefallen. Bevor ich den lustlosen und stets lamentierenden Sturmtank Ibisevic bringe, setze ich doch lieber auf Dauer auf Timo Werner, dem man anmerkt, dass er will und dass er sich verausgabt. Jedoch vertraue ich hier auch Armin Veh, der Tag für Tag am besten sieht, ob er der großen Belastung jede Woche schon jetzt gewachsen ist.
Veh muss möglichst schnell „seine“ Elf finden, die uns wieder mehr Freude macht und vor allem erfolgreicheren Fußball spielt. Momentan sieht es zwar nach einer ganz düsteren Saison aus, jedoch sollte man nach gerade einmal vier, zugegebermaßen sehr ernüchternden, Pflichtspielen die Kirche im Dorf lassen. Mir war es seit der Spielplanpräsentation klar, dass es durchaus sein könnte, dass wir nach fünf Spielen noch ohne Punkt da stehen. Gladbach, Bayern, Dortmund, zu Beginn gleich die denkbar schwersten Auswärtsaufgaben, dazwischen noch unseren (Heim-)Angstgegner Köln und die Hoffenheimer, die sich dank Hopps Millionen mal wieder namhaft verstärkt haben. Daher ist es noch viel zu früh, den Kopf in den Sand zu stecken. Erschreckend allenfalls für mich, wie wenig wir insgesamt an den Spielen teilgenommen haben, wie wenig Torgefahr entfacht wurde und wie leidenschaftslos, vor allem gegen Köln, der Brustring von der gesamten Truppe spazieren getragen wurde.
Veh scheint langsam zu merken, auf welch schwierige Aufgabe er sich hier eingelassen hat. Er beteuert, als Außenstehender den VfB nicht so schlecht gesehen zu haben, wie er wirklich geworden ist. Schade, dass diese Erkenntnis offensichtlich nicht schon während der Trainingslager gereift ist, auch wenn es sich langsam herausstellt, dass die kolportierten 15 Millionen Euro für Sommertransfers, unter Vorbehalt des Verkaufs von Altlasten und inklusive aller Gebühren, Handgelder, Gehälter, erfolgten. Für einen Lastminute-Einkauf, der so dringend nötig gewesen wäre, war angeblich schon kein Geld mehr da. Anstatt in ein kalkuliertes Risiko zu gehen und wenigstens noch einen erstklassigen Innenverteidiger zu holen, riskiert man hier also (sehenden Auges) den Super-GAU. Dieser wird zwar nicht zwingend kommen, Gegner, die mehr mit uns auf Augenhöhe spielen als die ersten fünf bekommen wir auch noch, angesichts der fragilen ersten Elf, die Woche für Woche auf dem Platz steht, halte ich ihn zumindest für möglich.
Bernd Wahler scheint Bobic einfach weiter „machen zu lassen“ und kümmert sich in erster Linie um die Ausgliederung der Profiabteilung. Ob diese Prioritätenfestlegung realitätsgetreu ist, wird sich herausstellen. Meiner Ansicht nach muss zuerst der sportliche Bereich attraktiv und erfolgversprechend aufgestellt sein, um überhaupt potente Geldgeber für den VfB begeistern zu können und sich am Ende, in Anbetracht der Gesamtsituation nicht unter Wert verkaufen zu müssen. Dass Bobic einfach weiter machen durfte nach der verkorksten letzten Saison ist für mich DER Kardinalfehler schlechthin. Auch diese bittere Tatsache laste ich Bernd Wahler an, der auf mich den Eindruck macht, (zu) bequem zu sein und sich aus dem sportlichen Bereich komplett herauszuhalten. Da hätte ich mir einen starken Mann wie früher MV gewünscht, der auf den Tisch haut und personelle Konsequenzen zieht. Das richtige Datum für den großen Schnitt ist immer der 1.7., hier wurde es versäumt Nägel mit Köpfen zu machen.
Auch wenn ich letzten Endes mit der Installation von Armin Veh als Cheftrainer einverstanden war und noch immer bin – ich hatte schon am Ende der letzten Saison bedauert, dass Huub Stevens nicht weiter machen und eine Auszeit nehmen wollte. Jetzt allerdings bröckelt langsam durch, dass Stevens durchaus zum weitermachen bereit gewesen wäre, man aber schon bei Armin Veh im Wort stand. Sollte das die Wahrheit sein, verstehe ich die Welt nicht mehr. Stevens kannte die Mannschaft immerhin schon und hätte wohl besser gewusst, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, als es Armin Veh wusste. So holte man lieber einen unbedarften Mann, dem die unbequemen Wahrheiten in der Mannschaft noch nicht so geläufig waren, beließ Bobic im Amt, der wiederum Armin Veh „einarbeiten“ durfte und seine (Fehl-)Sicht über die Mannschaft und ihr Innenleben an Veh weitergab.
Das Lamentieren über diese groben Fehler der Vergangenheit bringt uns jetzt aber leider auch nicht weiter, auch wenn es noch so traurig ist. Im Grunde sehe ich diese Mannschaft fast als untrainierbar an, zumindest kommt man mit Nettigkeiten bei ihr nicht weiter, siehe Stevens, der mit seiner knorrigen, kompromisslosen Art genau der Richtige war.
Veh merkt man die Akribie an, mit der sein Engagement antrat und er ist bereit, Änderungen durchzuziehen. Nach 2 ½ Monaten Arbeit an alter Wirkungsstätte hat er diese Woche Sven Ulreich angezählt bzw. in die Pflicht genommen, nämlich dass er fußballerisch und im Lesen des Spiels besser werden müsse um ein guter Bundesligatorwart zu werden. Meiner Ansicht nach sind dies jedoch Defizite, die ein Torwart hat oder auch nicht und kaum im vergleichsweise hohen Alter noch erlernt werden können. Vielleicht wollte Veh auch nur vorbauen, dass irgendwann einmal eine Ablösung Ulles, kein Tabuthema mehr ist.
Mit den Auswechslungen von Gentner und Ibisevic gestern setzte er (hoffentlich) ein Zeichen für die Zukunft, dass KEIN Platz in der Mannschaft in Stein gemeißelt ist. Neben den Genannten haben wir leider noch einige Baustellen mehr. Für gestern hatte ich gehofft, dass Schorsch Niedermeier anstelle von Daniel Schwaab in die Innenverteidigung rücken würde, dass Sakai und Harnik die längst überfällige Pause bekommen würden. Beide waren auch gestern wieder schwach und mit Unmengen an Stockfehlern. In Daniel Ginczek „wächst“ ernsthafte Konkurrenz für Ibisevic heran, möglicherweise sitzt er schon gegen Hoffenheim auf der Bank. Meiner Meinung nach scheut Veh (noch) den ganz großen Umbruch, um das ohnehin schon sehr fragile Gebilde nicht völlig zum Einsturz bringen. Andererseits, mir würde es Hoffnung machen und es könnte dadurch ein Ruck durchs Team gehen. Das Gros des Teams ist doch für die meisten unsäglichen Auftritte in den letzten Jahren maßgeblich verantwortlich, das hätte man auch schon im Sommer so analysieren müssen, geschehen ist so gut wie nichts, wie auch, wenn der Manager während der für einen „Einkäufer“ wichtigsten Phase der Saison mal eben so drei Wochen in den Urlaub geht.
So zielt mein Stückchen Hoffnung, die ich noch in diese Saison setze, darauf ab, bis zum nächsten Transferfenster den Schaden so gering wie möglich zu halten und dann den großen Umbruch einzuleiten. Gegen Hoffenheim habe ich schon jetzt ein ganz dummes Gefühl, dass es eine Niederlage geben könnte, die so richtig weh tut. Andererseits holten wir vor Jahresfrist im ersten Spiel unter Thomas Schneider mit dem 6:2 gegen Hoffenheim unseren ersten Saisonsieg und den noch richtig spektakulär.
Aufgeben gilt nicht, immer weiter kämpfen und dann siegen, für den Brustring, für den VfB, und nicht zuletzt für uns Fans. Gerade gegen Hoffenheim kann sich das Team keine so emotionslose Vorstellung wie im Heimspiel gegen Köln leisten, gerade da erwarten wir, dass sich jeder zerreißt und schon die Körpersprache im Kabinengang klar macht, dass es hier nur einen Sieger geben wird. Enttäuscht die Mannschaft erneut, kommen schwere Zeiten auf das Team zu, auch im Verhältnis zu den Fans. Der Vertrauensvorschuss, den man ihnen in der letzten Saison durch #Zusammenhalten und ähnliche Aktionen zugestand, ist langsam aber sicher aufgebraucht. Vor allem dann, wenn man von der Tribüne aus den Eindruck hat, dass die Mannschaft gar nicht will, dann muss sie sich ohne Wenn und Aber dem aufkeimenden Zorn stellen und darf nicht Bähmulle spielen wie nach dem Köln-Spiel! Das zeigte nämlich den „Charakter“ dieser Truppe schonungslos auf, nämlich die Schuld bei den Anderen zu suchen anstatt sich an die eigene Nase zu fassen. Der Rückhalt der Fans ist nach wie vor da, auch gestern in München wieder.

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4. Mai 2014

Gerade nochmal gutgegangen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 13:25

Seit gestern, dem 03. Mai 2014, 17.21 Uhr, steht fest, der VfB gehört auch in der Saison 2014/2015 zum elitären Kreis der Bundesligisten. Trotz der wieder einmal in der Schlussminute eingefangenen Niederlage gegen den VfL Wolfsburg ist Platz 15 eingemeißelt.
Gut, es soll vor dieser Saison der eine oder andere vom internationalen Geschäft gefaselt haben, gar von der Championsleague träumten manche. Die Realität holte uns jedoch schnell ein. Den vermeintlichen Vorteil, im Gegensatz zu den Vorjahren, dass relativ frühzeitig der Kader für die Saison stand, wurde gleich verspielt, indem Bruno Labbadia überhaupt nicht daran dachte, die Vorbereitung zu nutzen, um eine Stammmannschaft einzuspielen. In nahezu jedem Vorbereitungsspiel würfelte Labbadia eine Aufstellung aus und wechselte in der zweiten Halbzeit auch noch komplett durch. So stand von Anfang an keine eingespielte Truppe auf dem Platz, der eine wusste nicht, was der andere machte. Die ersten Pflichtspiele gegen Plovdiv und den BFC Dynamo wurden mehr schlecht als recht erledigt, in den Playoffs gegen Rijeka war international bereits Endstation. Nicht nur, dass man dem deutschen Fußball in Bezug auf die 5-Jahreswertung einen Bärendienst erwies, stand der VfB mit einem Kader, der auf drei Wettbewerbe ausgerichtet war, plötzlich vor einer Saison, in der (nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal in Freiburg) „nur“ noch das Alltagsgeschäft Bundesliga zu bewältigen war.
Labbadia, dem Trainer von Bobic‘ Gnaden, der, obwohl heftig in der Kritik stehend, obwohl er ständig über das hiesige Umfeld bruddelte, der für einen „Fußball“ stand, der dem an und für sich schönen Sport in nichts ähnelte, trotz aller Zweifel, trotz brodelnder Stimmung im Umfeld, wurde dieser Labbadia von Bobic kurzerhand mit einem hochdotierten 3-Jahres-Vertrag ausgestattet, um ein halbes Jahr später doch zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Labbadia hier fertig hatte.
Es folgte Thomas Schneider, der B-Jugend-Trainer, der zunächst einen guten Start hinlegte. Manche munkeln, dass er in der Anfangszeit noch von der Ordnung, die unter Labbadia durchaus herrschte, profitiert hatte. Je mehr er dann aber selbst verantwortlich zeichnete, desto katastrophaler wurden die Auftritte. Die ersten sieben Bundesligaspiele noch ungeschlagen, wobei am Ende der Serie drei unnötige Unentschieden gegen Bremen, in Hamburg und gegen Nürnberg dabei waren, folgte das 1:6 in Dortmund, das noch unglücklich zustande kam. 1:0 geführt, einen Elfer, der das 2:2 bedeuten hätte können, kurz vor der Pause nicht bekommen und dann abgeschossen worden. Danach gewann man vor der Winterpause noch in Freiburg und gegen Hannover 96, lieferte aber auch grottenschlechte Spiele ab, wie bspw. auf Schalke. Mit 18 Punkten ging man in die Winterpause, schon damals erinnerte ich daran, dass dies die Bilanz eines Abstiegskandidaten ist und lediglich dadurch kaschiert wurde, weil es eben noch ein paar noch schlechtere Mannschaften in der Liga gab.
Das Trainingslager in Südafrika ließ man sich von der DFL sponsern, über den sportlichen Wert konnte schon damals trefflich gestritten werden. Im Verlauf der weiteren Runde offenbarte sich dann, dass man die Hausaufgaben nicht machte. Der VfB kam aus der Winterpause nicht verbessert und machte dazu auch keinen austrainierten Eindruck. Es begann die Serie der späten (Joker-) Gegentore und der „unglücklichen“ Niederlagen. Der Verdacht erhärtete sich, dass Schneider zwar ein guter B-Jugendtrainer sein mag, einer ausgebufften Profitruppe jedoch nicht vermitteln kann, worauf es ankommt. In der B-Jugend dauern die Spiele lediglich 80 Minuten und nach diesen 80 Minuten stellte der VfB regelmäßig den Spielbetrieb ein. Dazu kam, dass es Schneider nicht schaffte, Disziplin in den Haufen zu bekommen. Die einen waren weitaus mehr Könige der Nacht als auf dem Platz, andere wie Ibisevic tanzten Schneider auf der Nase herum und erkannten ihn nicht als ihren Chef an. Hier hätte Schneider, schon lang vor Ibisevic Undiszipliniertheit gegen Augsburg, Exempel statuieren und ein solch vereinsschädigendes Verhalten unterbinden müssen. Schneider war für das Haifischbecken Bundesliga offensichtlich zu nett und glaubte an das Gute im Spieler, nämlich, dass die lange Leine irgendwann mit Leistung zurückgezahlt werden würde. Weit gefehlt! Auch nach seinem Platzverweis war Ibisevic ein Fremdkörper im Spiel und regelmäßig ein Totalausfall auf dem Platz. Offensichtlich „arbeitete“ er daran, wie schon bei seinen vorigen Stationen auch, für sich gewinnbringend das Trikot wechseln zu dürfen. Eines hat er jetzt schon geschafft, von uns Fans will ihn kaum einer mehr beim VfB sehen. Der Verein muss nun Verhandlungsgeschick beweisen und ihn nicht (wie viele andere vor ihm) weit unter Wert abgeben.
Schneider hat es also verpasst, sich als Bundesligatrainer zu beweisen. Schon seit Leverkusen, der dritten „unglücklichen“ Niederlage binnen einer Woche, war es mir klar, dass wir mit Schneider kein Spiel mehr gewinnen würden und der Verein zum zweiten Mal in dieser Saison zum Handeln gezwungen sein würde.
Man sagt ja „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, dennoch hat sich der VfB lang davor gescheut, seine Entscheidung pro Schneider als Fehlentscheidung zuzugeben. Erst nach dem 2:2 gegen Braunschweig zog man erneut die Reißleine und installierte den eine Woche zuvor bei PAOK Saloniki geschassten Huub Stevens als Cheftrainer.
Für mich einerseits viel zu spät, andererseits hätte man Stevens kaum früher bekommen. Dass nach Schneider, der vieles einfach laufen ließ, auch das, was nicht lief, ein erfahrener Mann kommen musste, der Disziplin in den Laden bringt, war mir klar. Daher stand ich von Anfang an hinter der Entscheidung, auch wenn es mir zu Beginn schwer fiel, Stevens losgelöst von seiner Schalker Vergangenheit zu sehen, für die er steht wie kaum ein anderer. Erstmals in dieser Saison verspürte ich in mir so etwas wie Aufbruchsstimmung, auch wenn das Kapitel Schneider zu sehr in die Länge gezogen wurde. Seit Christian Gross hatte ich zum ersten Mal wieder ein gutes Gefühl, was unseren Cheftrainer anging. Ich war sehr skeptisch, ob der Schnitt nicht zu spät erfolgte und mir nicht sicher, ob Stevens zaubern und die Mannschaft von heute auf morgen wieder in die Spur bringen könnte. Als Indiz der in mir geweckten Aufbruchsstimmung wollte ich mir die erste Trainingseinheit des „Retters“ nicht entgehen lassen und war von seiner Präsenz auf Anhieb angetan. Klare Anweisungen auf dem Platz, neue Trainingsformen und Vertreter unserer Spaßfraktion, wie Traore, Boka und Maxim, die voll bei der Sache waren und sich nicht getrauten, ihre üblichen Faxen zu machen. Er brachte sofort Zug und Konzentration rein. Stevens ist ein Disziplinfanatiker, bezeichnend, dass er vor Vormittagseinheiten ein gemeinsames Frühstück einführte, weil er früh erkannt hat, dass es einigen Spielern an der nötigen Professionalität fehlt(e).
Das erste Spiel in Bremen brachte ein Remis, über das man sich nicht freuen konnte, weil uns abermals ein später Ausgleichstreffer um den verdienten Lohn brachte. „Verdient“ setze ich mal in Ausrufezeichen, weil es wieder die alte Leier war. Nach eigener Führung zu wenig getan, die letzte Gier, die Führung auszubauen, ging uns schon einige Zeit ab. Dramatisch, dass wir zu allem Überfluss aufgrund des HSV-Sieges auf Platz 17 zurückfielen.
Was folgte, war dennoch ein klarer Aufwärtstrend. Überlebenswichtige und erzitterte Siege gegen den HSV und Freiburg, eine knappe Niederlage gegen den Vizemeister BVB nach 2:0-Führung, Punktgewinne in Gladbach und Hannover, dazwischen der eindrucksvolle 3:1-Sieg gegen Huub’s Ex-Verein Schalke. Lediglich die 0:2-Niederlage in Nürnberg war ein heftiger Ausrutscher nach unten. Nürnbergs einziger Sieg aus den letzten 10 Spielen und eine ganz schwache Vorstellung unseres VfB. Auf der Heimfahrt in die Nacht, es war ja ein Mittwochabend-Spiel, hätte ich keinen Pfifferling auf den VfB mehr gesetzt. Diese Saison bot viele Tiefpunkte, dieser tat aber richtig weh.
Da wir mittlerweile aber einen Fußballlehrer auf der Kommandobrücke haben, arbeitete er diese Niederlage schonungslos auf und zog die richtigen Schlüsse. Der dauerverletzte Daniel Didavi, der sich die Wochen davor Spielpraxis bei den Amateuren holte, stand gegen den BVB völlig überraschend in der Startelf, genauso wie der im Winter verpflichtete Ecuadorianer Carlos Gruezo. Stevens hat hier zwei aus dem Hut gezaubert, mit denen wohl keiner (mehr) ernsthaft gerechnet hatte. Interessant, dass Stevens in Gruezo den einzigen „richtigen“ Sechser im Kader sieht und damit indirekt und offen die Kaderzusammenstellung unseres Vorstands kritisiert hat. Seit diesen personellen Maßnahmen war die nötige Stabilität zurückgekehrt und die Auftritte wurden ansehnlicher. Dass das Selbstvertrauen noch immer nicht zurück gekehrt ist, merkte man in den Auswärtsspielen in Gladbach und Hannover, wo man die Siege, die auf dem Silbertablett bereit lagen, nicht holte. Auf der anderen Seite haben wir diese Spiele auch nicht verloren, was Wochen zuvor sicherlich passiert wäre, ein Indiz zurückgekehrter Stabilität.
Der Punkt in Hannover war letztlich der entscheidende im Kampf um den Klassenerhalt. Anfangs war ich enttäuscht über das 0:0 am Freitagabend, auf der anderen Seite wies ich aber auch darauf hin „abwarten, was der Punkt noch wert sein kann“. Durch die Ergebnisse, die dann samstags und sonntags folgten waren wir faktisch gerettet, auch wenn der Teufel ein Eichhörnchen ist, und man sich nie sicher sein darf, solang rechnerisch noch etwas passieren kann.
Daher waren wir gut beraten, die neu erweckte Heimstärke auch gestern zu zeigen und selbst den noch fehlenden Punkt zu holen, um sich nicht auf die Bayern verlassen zu müssen, die nach der Klatsche gegen Real Madrid beim HSV Charakter zeigen mussten. Für uns ging es gegen die Millionentruppe von VW Wolfsburg, die noch um die CL-Qualifikation kämpfen. Leider zeigten die Wölfe recht früh, welche Substanz in ihrer zusammengekauften Truppe steckt und das Geld eben manchmal doch Tore schießt. De Bruyne erzielte nach einer knappen Viertelstunde das 0:1. Danach plätscherte das Spiel vor sich hin. Wolfsburg zeigte die bessere Spielanlage, dem VfB fehlten die Mittel richtig dagegen zu halten. In der zweiten Halbzeit war der VfB besser im Spiel, kam auch zum Ausgleich, um in der Schlussminute doch noch, nach haarsträubendem Fehler vom eingewechselten Boka, den Nackenschlag zum 1:2 hinnehmen zu müssen.
Nach dem Spiel verabschiedeten sich Traore, Boka und Cacau, die den Verein verlassen werden, von den Fans. Traore blühte unter Stevens auf und hat gewiss seinen Anteil am Klassenerhalt. Dennoch weine ich ihm keine Träne nach, steht er doch maßgeblich für ein abgehobenes Söldnertum. Ein Spieler, der die Realität nicht kennt, wie Otto Normalbürger sein tägliches Leben zu meistern hat, stellt sich hin und möchte ernsthaft glauben machen, dass er mit zwei Millionen Euro Jahresgehalt, Probleme sähe seine Familie zu ernähren. Ein Spieler, der die eigenen Fans mehrfach beleidigt hat, weil das Publikum grottenschlechte Darbietungen nicht goutiert hat, sondern in seinen Augen die Frechheit besaß, den Unmut in Form von Pfiffen kundzutun. Auch sein Abgang von Augsburg war schon unrühmlich, in Zukunft muss der Verein einfach mehr auf den Charakter der Spieler schauen und zukünftige Zugänge in dieser Hinsicht durchleuchten. Wie bei Ibisevic wiederholt sich auch bei ihm Geschichte. Mönchengladbach wird sicherlich auch eines Tages diesbezüglich seine helle Freude an ihm haben.
Arthur Boka, dem man schon letztes Jahr „nur“ einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag gab, verlässt den VfB nach acht Jahren. In diesen acht Jahren wechselten regelmäßig Licht und Schatten ab, unumstrittener Stammspieler war er selten. Links hinten für mich falsch aufgehoben, da er defensiv große Schwächen hat, was er gestern wieder unter Beweis stellte. Anfangs mit Ludovic Magnin, später mit Molinaro hatte er stets gute Konkurrenz auf der Position und konnte sich selten festspielen. Im linken offensiven Mittelfeld hatten wir meistens bessere, so machte er für mich die besten Spiele in der letzten Saison neben Kvist auf der Doppel-Sechs. Ich mochte ihn trotzdem, ein schillernder Paradiesvogel, aber auch ein Kämpfer, dem ich für die Zukunft in Málaga alles Gute wünsche.
Und, schließlich, nach elf Jahren wird uns auch Cacau verlassen. „Time to say goodbye“, irgendwann ist eben für jeden Schluss. Man kennt die Interna nicht, man weiß nicht, welche Gehaltsvorstellungen Cacau noch hatte, klar ist, die 3,5 Millionen Jahressalär, die er seit seinem letzten Vertragspokerhickhack, als er quasi schon einmal weg war, einstreicht, durfte man ihm bei weitem nicht mehr geben. Ob er einen großen Wert für den Zusammenhalt in der Mannschaft besitzt und er somit weiterhin wertvoll gewesen wäre, auch da habe ich meine Zweifel. Gerade nach seinem Sommermärchen 2010 machte er eher den Eindruck eines Egomanen und steckte förmlich mit seiner schlechten Laune an, wenn es nicht wunschgemäß lief. Zudem war er in letzter Zeit viel und langwierig verletzt und hat nicht mehr die Spritzig- und Schnelligkeit, die im modernen Fußball gefordert ist. Daher ist der Abschied für mich nachvollziehbar und richtig. Ihn durchzuschleppen, „nur“ weil er ein verdienter Spieler ist, halte ich für falsch und finanziell unverantwortlich. Nun wünsche ich ihm, dass er bei der Vereinswahl ein glückliches Händchen hat und noch einmal aufblühen wird. Ihm wird eine Luftveränderung sicherlich gut tun und, wer weiß, vielleicht sehen wir ihn ja in absehbarer Zeit in unserem Trainerstab wieder.
Ich hoffe, dass dies nicht die einzigen Abgänge sein werden. Der Kader gehört runderneuert. Abdellaoue steht angeblich vor einer Rückkehr nach Hannover, Sakai hat gestern wieder seine Bundesligauntauglichkeit unter Beweis gestellt, was Sararer kann oder auch nicht, nach diesem Jahr bin ich nicht schlauer, auch einige andere dürften auf der Kippe stehen. Allerdings hoffe ich, dass keine weiteren unumstößlichen Tatsachen geschaffen werden, bevor feststeht, welcher Trainer in der nächsten Saison das Zepter schwingen wird.
Nach Feiern ist mir heute nicht zumute. Erleichterung ob des geschafften Klassenerhalts ist vorhanden, mehr aber auch nicht. Zu enttäuscht bin ich über die Fehlentwicklungen in den letzten Jahren. Die Aufbruchsstimmung, die vor Jahresfrist vorhanden war, ist verpufft und einer Ernüchterung gewichen. Bernd Wahler muss sich jetzt beweisen, muss seinen großen Worten Taten folgen lassen. Es gehört von oben nach unten aufgeräumt. An erster Stelle wird sich Fredi Bobic erklären müssen. Die Vertragsverlängerung mit Labbadia, fehlende Transfererlöse, wenn man Spieler lieber ablösefrei gehen lässt, anstatt rechtzeitig Verträge zu verlängern oder Spieler zu verkaufen, da fehlt ihm die Weitsicht. Seine Nähe zur Mannschaft und damit ein Stück weit das untergraben der Autorität des Trainers unter Labbadia und Schneider fand ich schon lang schädlich. Daher nicht verwunderlich, dass er seit Stevens‘ Amtsantritt von der Tribüne aus und nicht mehr von der Bank die Spiele verfolgt. Uns dann weiszumachen (oder auch vorlügen), er hätte von oben den besseren Überblick, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
Dann hat er in den nunmehr fast vier Jahren seines Wirkens nach und nach altbewährte Kräfte durch eigene Spezies ersetzt, die dankbar für den lukrativen Job sind und es nicht wagen würden, ihrem Gönner zu widersprechen und kontrovers zu diskutieren. Wie man hört soll es eine Streitkultur an der Mercedesstraße nicht mehr geben, aufkeimende Kritik einfach abgeschmettert werden. Es gibt niemanden, der (Entscheidungen von) Bobic kontrolliert und vor allem mit ihm auf Augenhöhe diskutieren könnte. Hier hat sich Bobic eine Machtfülle geschaffen, die dem VfB schadet. Sein Vorstandskollege Ruf, der noch heute, im Jahr 2014, auf die Dienste eines Computers verzichten soll, sehnt langsam aber sicher seine Rente herbei und wird einen Teufel tun, durch Querdenken und Aufbegehren seinen Posten zu riskieren.
Auch im Aufsichtsrat stehen Veränderungen an. Das bisherige Gremium zeichnet sich durch eine Ja-Sager-Mentalität und wirtschaftliche (Eigen-) Interessen aus, und dient nicht unbedingt immer dem Wohle des VfB. Ich hoffe, der VfB hat endlich mal den Mut, auch unbequeme Leute wie Karl Allgöwer einzubinden und nicht nur die einen Schulterklopfer durch andere zu ersetzen. Guido Buchwald steht ja zur Debatte. Nichts gegen unseren Diego, ob er aber einer wäre, der unbequeme Wahrheiten ausspricht und sie auch knallhart vertritt, da habe ich meine großen Zweifel.
Die Mitgliederversammlung jedenfalls dürfte interessant werden. Der VfB täte gut daran, sich bis dahin neu aufgestellt zu haben, wenn nicht, dürfte die MV recht turbulent werden.
Ich weiß nicht, ob jemals schon 32 Punkte zum Klassenverbleib gereicht haben. Diese Bilanz ist für einen Verein wie den VfB erbärmlich und nur dazu ausreichend den Worst Case Abstieg abzuwenden, weil es drei noch blindere Mannschaften in der Liga gibt.
Die Fehlentwicklungen der letzten Jahre müssen nun schonungslos aufgearbeitet werden. Für mich steht und fällt vieles mit der Trainerfrage. Möchte Stevens weitermachen? Dann wäre meiner Meinung nach alles andere als eine Vertragsverlängerung mit ihm schwer vermittelbar. Es kann aber natürlich auch sein, dass er das Engagement von Anfang an als Kurzzeitbeschäftigung angesehen hat, eine erkleckliche Nichtabstiegsprämie einstreicht und sich dann verabschiedet, um mit mittlerweile 60 Jahren kürzer zu treten und das Leben mit seiner Frau genießen zu können. Das müsste man natürlich respektieren.
Sollte er hier aber Blut geleckt haben und weiter machen wollen, bin ich hundertprozentig für eine Verlängerung mit Stevens. Er hat einen Plan und weiß, was zu tun ist. Könnte er bei der Kaderplanung mitwirken, hätte ich ein gutes Gefühl, weil er sicherlich schon jetzt im Kopf hat, welche Mosaiksteinchen fehlen, um eine Mannschaft auf den Platz zu schicken, die eine bessere nächste Saison hinlegen kann. Zudem gefällt mir Stevens als Typ. Klare Worte, ein wenig Ironie und vor allem authentisch.
Wenn Stevens nicht mehr möchte, böte dies auf der anderen Seite die Chance für einen Neuanfang. Unser Meistertrainer Armin Veh wäre wieder frei, zum 1.7. könnte man notfalls auch jemanden aus einem bestehenden Vertrag holen.
Wichtig ist, ab heute, wo Planungssicherheit herrscht, müssen die Weichen in die Zukunft gestellt werden und das möglichst schnell und trotzdem mit Bedacht und Weitsicht.
Planspiele, wie vor Wochen kolportiert, mit Rangnick als Sportdirektor und Tuchel als Trainer haben für mich einen großen Charme. Dabei stellt sich die Frage, was Rangnick als Supervisor bei Redbull noch vor hat. Salzburg ist überlegen Meister, Leipzig steigt auf, wenn sie die Auflagen der DFL erfüllen können, was ich nicht hoffe!
Hat er damit seine Ziele erreicht oder ist er erst fertig, wenn er den nächsten Retortenclub in die Bundesliga geführt hat? Ist für ihn Geld alles oder ist seine Heimatverbundenheit und Liebe zum VfB größer?
Vor der Saison posaunte Bobic in die Welt hinaus, dass er sich an diesem Kader messen lassen würde, was ihm jetzt (zu Recht) um die Ohren gehauen wird. Seit er bei uns das Zepter schwing, ging es kontinuierlich bergab. Zuletzt fehlte ihm das glückliche Händchen in Trainerentscheidungen und Spielerverpflichtungen. Fehlentscheidungen, gepaart mit einer Beratungsresistenz sind eine explosive Mischung.
Wenn jetzt Tacheles geredet wird, muss die Personalie Bobic auf die Tagesordnung und über eine Ablösung nachgedacht und ggf. auch vollzogen werden. Er ist schließlich das Gesicht des VfB und somit auch das Gesicht des Niedergangs. Diese Saison und das glückliche Ende sollten der rechtzeitige Schuss vor den Bug gewesen sein, so weiter machen wir bisher, können sie nicht mehr auf dem Wasen, was ja auch schon Wahler vor einiger Zeit zum Besten gab. Jetzt kommt die Zeit des Handelns, Wahler, mach es!
Heute mache ich mal den Guardiola und erkläre die Saison für beendet. Aufgrund einer Familienfeier wird München mein einziges Auswärtsspiel in dieser Saison sein, das ich verpassen werde. Das Bedenkliche daran: es fällt mir überhaupt nicht schwer. Abgesehen von der sportlichen Bedeutungslosigkeit des Kicks, ist München eines meiner unbeliebtesten Stadien überhaupt. Dazu noch als Staffage für die Meisterfeierlichkeiten zu dienen, darauf habe ich schlicht und einfach keine Lust. Diese Saison hat Nerven gekostet, jetzt kann man (als Fan) zum gemütlichen Teil übergehen und gespannt sein, wie es beim VfB weitergehen wird.

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28. Januar 2014

Die Krise setzt sich fort!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 18:45

Nach den durchweg positiven und frohgelaunten Berichten aus dem fernen Südafrika, markigen Worten unseres Kapitäns sowie unseres Trainers, konnte ich den Neustart in die Rückrunde, den Beginn der so viel zitierten Aufholjagd, kaum erwarten. Die ganze Woche über war ich nervös. Voller Vorfreude zählte ich die Tage bis es endlich wieder losging.

Für den Gewinner der Wintervorbereitung, Mo Abdellaoue, freute ich mich ganz besonders, dass er endlich beim VfB angekommen zu sein scheint. Bereits mehrfach hatte ich mich darüber echauffiert, dass Mo kaum eine echte Chance, geschweige denn das Vertrauen des Trainers bekommen hat. Dass er ein sensibler Spieler ist, der Selbstbewusstsein und Anerkennung braucht, um seine Leistung abzurufen. Dass er es besser kann, als er in der Vorrunde zeigen durfte, bewies er zur Genüge in  Hannover. Daher wehrte ich mich auch vehement gegenüber denjenigen, die ihn schon jetzt als Fehleinkauf von der Hannoveraner Resterampe abstempelten und bei jedem misslungenen Ballkontakt, wenn er denn mal überhaupt bei einem Spiel gegen denselben treten durfte, zu murren begannen. Das ist genau das, was einem sensiblen Spieler den Rest gibt.

So freute ich mich zu hören, dass er am Kap der guten Hoffnung den Reset-Knopf gefunden hat und einen neuen Anlauf nimmt. Zumal Thomas Schneider ankündigte, mit zwei Spitzen zu spielen, was ihm sicherlich mehr entgegen kommt, als als Backup für den gesetzten Vedad Ibisevic zu fungieren, um dann den Heilsbringer zu geben, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

So war ich also happy, als es endlich Samstag war und es in Richtung Neckarstadion ging. Mit 19 Punkten, auch das hatte ich bereits vor Weihnachten geschrieben, haben wir, wenn man davon ausgeht, dass 40 Punkte für den Klassenerhalt benötigt werden, gerade einmal die Bilanz eines Abstiegskandidaten, die es schleunigst aufzupolieren gilt. Da die nächsten Aufgaben gegen die Bayern und in Leverkusen nicht leichter werden, war also ein Sieg gegen die biederen Mainzer schon fast Pflicht, ging es doch auch darum, die gute Stimmung der Vorbereitung mit in die Rückrunde hinein zu retten.

Bereits eine Viertelstunde vor Spielbeginn nahm ich meinen Platz im Block 3B ein und musste erst einmal kurz überlegen, ob zufällig das Volksfest oder sonst ein Event stattfindet, oder welchen Grund es sonst gibt, weshalb die Leute später als sonst kommen. Beschämend leer fand ich unser „Wohnzimmer“ vor, offiziell 38.000 Besucher, tatsächlich sicherlich kaum einmal 30.000, und das nach einer sechswöchigen Pause. So sehr die Protagonisten #aufbruch1893 predigen und damit eine Aufbruchsstimmung erzeugen möchten, man glaubt ihnen nicht mehr. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem der „normale“ Zuschauer zuerst Taten sehen möchte und sich nicht abermals für dumm verkaufen lässt. In Zeiten stetig steigender Lebenshaltungskosten und überzogener Eintrittskartenpreise überlegt es sich ein Familienvater eben dreimal, ob er für diese zu erwartende fußballerische Magerkost so tief in die Tasche greift. Wer möchte es den Leuten verdenken. Es ist ja auch nicht so, dass man für sein Geld irgendeine Gegenleistung wie Spielfreude oder Spaßfußball erwarten dürfte. Wie oft wurde gepredigt „ihr für uns, wir für euch“, wie oft waren das leere Worthülsen und der Alltag holte uns schneller wieder ein als uns allen lieb war.

Schon seit einiger Zeit sind die Stadionbesuche nicht mehr vergnügungssteuerpflichtig. Erfreuten wir uns vor zwei Jahren noch an „dreckigen Siegen“, die mehr erzittert, denn erspielt wurden, gewinnen wir diese Grottenkicks heute nicht einmal mehr. Die Spiele plätschern dahin, es ist weder Spielfreude zu erkennen, noch, dass hier ein wahres Team auf dem Platz stünde,  das gemeinsame Sache macht. Jeder ist sich selbst am nächsten, keiner bereit, Verantwortung zu übernehmen. So sehen dann auch die Spiele aus, Stückwerk in weiten Teilen, kein Zusammenhang, kein Zusammenspiel, nicht einmal der unbändige Wille, für den Verein und für uns Fans alles zu geben. Nachdem der x-te Trainer dran glauben musste, der unbeliebte Aufsichtsratsvorsitzende ebenso seinen Stuhl räumen musste wie Ex-Präsident Mäuser fragt man sich, welches Impulses es noch bedarf, bis sich einmal die Spieler selbst in die Pflicht nehmen.

Als Außenstehender würde man es mal gerne sehen, dass die Herren Profis am Schlafittchen gepackt werden, doch in dieser Hinsicht dürften dem Verein arbeitsrechtlich enge Grenzen gesteckt sein. Dennoch habe ich den Eindruck, dass der Verein nicht alle seine Möglichkeiten ausschöpft. Wie viele Spieler hatten wir denn in den letzten Jahren, die es sich hier bequem machten in der Wohlfühloase VfB, auch wenn sie längst keine Rolle mehr spielten, anstatt ihren Hintern zu bewegen und, notfalls auch für weniger Geld, woanders spielen zu können. Dass dies niemand macht und lieber den VfB auspresst wie eine Zitrone, so lang es nur geht, beweist doch, mit was für einer Generation wir es zu tun haben. Wohlstandsjünglinge, denen das Geld wichtiger als alles andere ist. Dass wir uns nicht falsch verstehen: der VfB als Vertragspartner ist natürlich in der Schuld und verpflichtet, geschlossene Verträge einzuhalten. Nur, solchen Spielern sollte man das Leben auf dem Wasen eben so unbequem wie möglich machen. Weshalb nicht Spieler, wie früher Kuzmanovic oder im Sommer Traore, für die Transfererlöse generiert werden könnten, aus dem Alltagsbetrieb herausnehmen und sie dadurch anregen entweder den Vertrag zu verlängern oder das Weite zu suchen? Ein Spieler mit Charakter wird sich doch in der Regel lieber auf der großen Bühne präsentieren wollen, anstatt unter Ausschluss der Öffentlichkeit Wald- und Wiesenläufe zu machen. Außer den Bayern und Dortmund leistet es sich nur noch der VfB in Deutschland Spieler  ablösefrei gehen zu lassen. Hier ist das Management gefragt und hat schlichtweg versagt, wenn Spieler ablösefrei den Verein verlassen. Wenn ein Jahr vor Vertragsende keine Einigung in Sicht ist muss eine Lösung her, die dem Verein noch eine Ablöse beschert und dem Spieler eine neue Perspektive eröffnet. Wofür haben wir denn einen solch großen Kader und eine gute zweite Mannschaft, wenn nicht ab diesem Zeitpunkt schon versucht wird, sich den Nachfolger heranzuziehen und ihm Spielpraxis zu verschaffen. Mir kommt es immer vor, als dass man einfach in den Tag hinein lebt und nur auf Entwicklungen  reagiert, anstatt selbst (frühzeitig) das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Diese Erkenntnis schlägt sich auch auf der Position des Trainers nieder. Erst wird der Vertrag mit Labbadia aufgrund von selbst auferlegtem Druck verlängert, um ihn dann ein dreiviertel Jahr später zu feuern. Folge dessen: hohe Abfindungszahlung und ein Trainer, der nicht bei drei auf dem Baum war und mit der „Planung“ seines Vorgängers zu Recht kommen muss. In Sachen Labbadia hat sich lang vor dessen Vertragsverlängerung abgezeichnet, dass er den Verein nicht weiter bringt, dass er unzufrieden wirkt und auch dass dessen Standing in der breiten Öffentlichkeit nicht das Beste war. Steckte ein Plan in der Managementarbeit hätte man Anfang 2013 ein Anforderungsprofil an einen Trainer erstellen, diesen aussuchen und notfalls zum 1.7. aus dem Vertrag herauskaufen können. Diese Summe, die in der Regel dem Monatsgehalt eines gut bezahlten Profis entspricht, hätte auch noch der VfB aufbringen können.

Wenn sich die hohen Herren auf der Klausur im Tannheimer Tal auch unbequeme Wahrheiten an den Kopf geworfen haben, wird die eine oder andere der genannten sicherlich dabei gewesen sein. Ich habe das Gefühl, dass Fredi Bobic seitdem verstärkt unter Beobachtung steht und sich nicht mehr viele Fehler leisten darf. Unterm Strich hat er, in gewiss nicht einfachen Zeiten, als Manager eine katastrophale Bilanz vorzuweisen.

Nach der längst überfälligen Trennung von Labbadia schmiss man Schneider ins kalte Wasser und übergab ihm einen zusammengewürfelten Haufen an Akteuren, von denen man nicht den Eindruck hat, ihr letztes Hemd für den VfB zu geben. Wir haben zwar Ur-VfBler wie Gentner und Ulreich, die einfach froh sind, hier zu sein, in der Heimat, bei der Familie, bei IHREM VfB. Solche Bekenntnisse werden beim VfB schnell mit langjährigen gut dotierten Verträgen belohnt, ohne den sportlichen Wert für die Mannschaft zu beleuchten.

Wie jedem Spieler und Trainer, der bei uns seinen Dienst antritt, bin ich zunächst einmal neutral und gebe Schneider die Chance, meine Gunst zu gewinnen. Ob er der richtige ist, wird sich erweisen, heute schon den Stab über den Trainer zu brechen, wäre verfrüht.

Ein wenig enttäuscht bin ich darüber, dass er im Vergleich zu seinem Vorgänger sehr wenig geändert hat. Es werden doch im Vorfeld seiner Bestellung zum Cheftrainer Gespräche stattgefunden haben, was er anders als sein Vorgänger machen möchte. Er muss sich doch von diesem abheben und kein Ebenbild abgeben. Im Ablauf der Spiele sehe ich noch keinen großen Unterschied zu denen unter Labbadia. Nach wie vor ist wenig Bewegung im Spiel, noch immer wird mehr der Rückwärts- als der Vorwärtsgang eingelegt, nach wie vor kassieren wir viele einfache und vermeidbare Gegentore, nach wie vor ist die Stammmannschaft fast eine geschlossene Gesellschaft von 13, 14 Akteuren. Angesichts des großen Kaders hätte ich eigentlich einen größeren Konkurrenzkampf erwartet.

Solang sich nichts Grundlegendes ändert an der Aufstellung, der Einstellung und der Körpersprache der Spieler, so lang schlechte Vorstellungen noch immer schön geredet werden, so lang wird kein Fan zurückzugewinnen sein, der fürs erste mit dem VfB abgeschlossen hat. Diese Leute wollen überzeugt werden von Fortschritt und Nachhaltigkeit dessen und sehen, wofür der VfB eigentlich steht. .

Zu dem Rahmen, der einem Rückrundenauftakt nicht würdig war, wurde es noch, pünktlich zum Wiederbeginn, lausig kalt, so dass ich hoffte, beim Spiel würde mir wenigstens  warm  (ums Herz) werden.

Außer der schon vorab angekündigten Doppelspitze brachte Schneider Maxim auf der linken Außenbahn, Traore und Werner blieben also zunächst einmal draußen. Auch der als Ersatzkapitän abgesetzte Georg Niedermeier musste mit der Reservistenrolle vorlieb nehmen.

Am Anfang war dem VfB auch das Bemühen anzumerken, gut in die Rückrunde zu starten. Selber ließ man (noch) nichts zu, und versuchte schnell nach vorne zu spielen. Nachdem Mo Abdellaoue artistisch zum 1:0 abgestaubt hatte wurde die Hoffnung auf den so wichtigen Dreier weiter genährt. Leider versäumte es der VfB wiederholt nach eigener Führung genau so weiter zu machen und mit Vehemenz nachzulegen. Nach eigener Führung setzt man sich erst einmal bequem zur Ruhe und schaut sich an, was der Gegner so drauf hat. Das war an diesem Samstag Gott sei Dank nicht sehr viel, im Gegenteil, fast wäre das 2:0 für uns gefallen, wenn Mo unseren Ex-Spieler Shinji Okazaki nicht getreten hätte. Das Tor durch Martin Harnik, den man ansonsten auf dem Platz vergeblich gesucht hat, wurde zu Recht nicht gegeben. Diese Chance in der 26. Minute war für lange, lange Zeit das letzte in der Offensive gesetzte Lebenszeichen vom VfB. Stattdessen geilte man sich einmal mehr an Ballstaffetten durch die eigenen Reihen auf, die regelmäßig durch ungenaue Zuspiele oder technische Unzulänglichkeiten auch schon wieder beendet waren. Da unseren Innenverteidigern die Anspielstationen nach vorne fehlten, wurde, wie in der Vorrunde auch schon, immer öfter Sven Ulreich ins Spiel mit einbezogen, dem anzumerken war, dass er froh war, wenn er den Ball unfallfrei wieder nach vorne gebracht hat. Ob ins Aus oder zum Gegner, das spielt in diesem Moment keine Rolle, Hauptsache weg! Dieses Spielchen wiederholt sich pro Halbzeit gefühlte 15-20 Mal und dient meiner Ansicht nach nicht dazu, die davon getriebenen Zuschauer wieder zurück zu gewinnen. Leitner im Mittelfeld sehr bemüht, Gentner formschwach, läuft zwar viel, manchmal aber auch nur, um sich hinter einem Gegenspieler zu verstecken. So stelle ich mir unseren Kapitän, an dem die Mitspieler eigentlich aufschauen sollten, nicht vor. Ibisevic, ein Totalausfall, wirkte, wie wenn er froh wäre jetzt einen Nebenmann zu haben, der ihm die Arbeit abnimmt, zumindest schaute er stets sehr interessiert zu, wie Abdellaoue sich mühte. Maxim, nicht so stark wie gewohnt, wie auch, ist er doch ein zentraler Mittelfeld- und kein Außenbahnspieler.

Dass der rechte Verteidiger eine unserer größten Baustellen ist, weiß man nicht erst seit Samstag. Gegen Mainz aber bewies Sakai, dass er, zumindest in seiner jetzigen Form, einfach nicht bundesligatauglich ist. Er hatte so einen guten Start als er kam, so dass schon ernsthaft darüber nachgedacht würde, ihn aufgrund seiner deutschen Mutter einzudeutschen, um Löw ein Pendant zu Lahm zu liefern. Dann aber befiel ihn, äußerst rätselhaft und noch nicht erforscht, die VfB-Krankheit, die sich darin äußert, dass so gut wie jeder unserer Neuzugänge, der eine früher, der andere später, sein Leistungsvermögen nahezu komplett verliert. Spontan kann ich mich an keinen Akteur erinnern, der in jüngster Vergangenheit zu uns kam und sich erwähnenswert verbesserte. Im Gegenteil, sie verschlechtern sich eher, so auch Sakai. Mir blutet das Herz, wenn ich an Leute wie Hinkel, Beck, Osorio oder auch Hilbert denke, die wir alle mehr oder weniger davon gejagt haben.

Letztendlich war es dann auch Sakai, dem es vorbehalten blieb, den Mainzer Ausgleichstreffer vorzubereiten, in dem er einen kapitalen Querschläger zu Moritz schlug. Dieser schickte Okazaki auf die Reise, woraufhin Ulle völlig ungestüm und unmotiviert aus dem Kasten gestürmt kam, Sakai über den Haufen rannte, Okazaki nicht wusste wie ihm geschah und lässig einschieben konnte. In allerjüngster Vergangenheit der dritte Bock dieser Art von Ulle, was seinem Selbstbewusstsein sicherlich nicht förderlich ist. Er wirkt auf mich ohnehin schon seit geraumer Zeit unsicher. Wie wenn er stets zwei Lösungen im Kopf hat und dann die falsche wählt. Ein Torhüter muss einen Großteil seines Spiels intuitiv spielen, muss Situationen antizipieren und eben EINE Entscheidung treffen. Und dies aus dem Bauch heraus und sich nicht erst die Frage stellen „was mach ich jetzt“? Wer Selbstvertrauen hat, beim wem es läuft, der trifft in seinem Spiel weitestgehend die richtigen Entscheidungen, weil er nicht groß überlegt, sondern weiß, was er zu tun hat. Soviel ich weiß hat sich an der  uralten Torhüterregel „wenn der Torwart raus kommt, muss er ihn haben“ noch nichts geändert. Hier fehlt es am Timing, an der Kommunikation mit den Vorderleuten und auch an seinem Durchsetzungsvermögen, sonst kämen solche Tore normalerweise überhaupt nicht, und schon gar nicht in solcher Regelmäßigkeit zustande.

Ich kann es mir nicht erklären, woran es liegt, hat er doch schon bewiesen, dass er es besser kann. Möglicherweise fühlt er sich als Ikone zu sicher. Der Kritik, die auf ihn jetzt herein prasselt muss sich Ulle stellen und schleunigst daran arbeiten, solche Fehler abzustellen. Geht man auch bei dieser Position vom Leistungsprinzip aus, darf zumindest über einen  Torwartwechsel nachgedacht werden. Wir haben, zusammen mit Schalke 04, die beste Torwartschmiede Deutschlands und im Sommer mit Thorsten Kirschbaum zudem eine hochveranlagte Nummer zwei verpflichtet. Schon um die Reservisten und Nachwuchsleute nicht zu verprellen und ihnen jeder Illusion einer (fairen) Chance zu berauben, wäre es angebracht  Trainingsleistungen und die derzeitige Form sprechen zu lassen und den besseren aufzustellen. Einen Wechsel morgen beim Bayern-Spiel hielte ich allerdings für Quatsch, da wäre die Wahrscheinlichkeit groß, den nächsten Hoffnungsträger zu verbrennen. So hat Ulle also weiterhin die Chance, sich auf seine Stärken zu besinnen und die Kritiker verstummen zu lassen. Warum nicht gleich morgen?

In der zweiten Halbzeit übernahm der VfB wieder etwas mehr das Kommando, klare Chancen aber blieben Mangelware. Einzig in der 71. Minute, als Abdellaoue auf dem Weg in Richtung Tor war und gefoult wurde, hätte es einen Platzverweis für Mainz geben können, wenn nicht müssen. Und, wenn man kein Glück hat, kommt noch Pech hinzu, nämlich als Mainz mit dem so gut wie einzigen Torschuss in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer erzielte. Auch hier hatte ich von unserem Platz aus den Eindruck, dass Ulle mit besserem Stellungsspiel und größerer Handlungsschnelligkeit die Flanke auf den Torschützen hätte erreichen können, der Ball war schließlich lang in der Luft.

So stand also am Ende, nach einem abermals weitestgehend emotionslosen, langweiligen Spiel die dritte Heimniederlage sowie die vierte Niederlage in den letzten fünf Spielen. Schlimm, dass das Spiel ein Spiegelbild der Vorrunde war, von Neubeginn, Aufholjagd und dergleichen keine Spur. Die Spiele plätschern ohne große Höhepunkte vor sich hin, auf der Tribüne langweilt man sich zu Tode und wundert sich dabei nicht, dass keine (Aufbruch-)Stimmung rund um den VfB aufkommen mag.

Die Ernüchterung ist groß, meine Hoffnung auf eine bessere Rückrunde geschwunden. Noch mehr, seit Samstag „dürfen“ wir uns mit dem Abstiegsszenario auseinander setzen. Der Abstand auf den Relegationsplatz ist auf drei Punkte zusammengeschmolzen, die Kellerkinder fangen plötzlich an zu punkten. Der Trainerwechsel bisher verpufft, unsere Achse von sog. Führungsspielern mit Ulreich, Niedermeier, Gentner, Harnik, Ibisevic schwächelt durchgängig oder spielt nicht. Was also soll Hoffnung auf Besserung machen? Was kurzfristig, was langfristig? Kurzfristig plädiere ich auf jeden Fall dafür einen Rani Khedira zu bringen, der seine Sache gegen Hannover gut gemacht hat, so lang Gentner der Mannschaft nicht helfen kann. Da Abdellaoue und Ibisevic ähnliche Typen sind und Ibisevic in letzter Zeit hauptsächlich durch reklamieren und linke Fouls auffällt, würde ich Werner und Mo im Sturm aufbieten. Rojas könnte ich mir auf Harniks Position vorstellen. Den Rechtsverteidiger könnte Antonio Rüdiger geben, wenn Schneider das (Stamm-) Innenverteidiger-Duo Rüdiger/ Schwaab zu sprengen bereit ist. Ob Patrick Funk derzeit eine Alternative wäre, kann ich schwer beurteilen. Da man ihn aber von St. Pauli zurückbeordert und nicht gegen geringe Ablöse hat ziehen lassen, gehe ich davon aus, dass man im Sommer noch von seinen Qualitäten überzeugt war.

Eines ist klar, es muss einfach Schluss sein mit einem Stammteam als geschlossener Gesellschaft, wo man höchstens durch Verletzungen oder Sperren herausgerissen wird. So würde ein Leistungsprinzip ad absurdum geführt, und verleitet zur Bequemlichkeit derer, die immer spielen und hat zur Folge, dass die vielen Spieler, die außen vor sind, zuerst frustriert sind, um dann innerlich mit dem VfB abzuschließen. Sollte dann einmal der „Ernstfall“ eintreten, sind diese Spieler aufgrund mangelnder Spielpraxis und auch aufgrund mangelnder Motivation kaum zu gebrauchen, zumal sie wüssten, dass sie, wenn der Platzhalter wieder einsatzbereit ist, sowieso wieder draußen sind. Mit solchen Maßnahmen könnte Schneider sein Profil schärfen und sich Anerkennung im Kader erarbeiten, nicht aber, wenn schwächelnde Stammkräfte immer wieder spielen und nach schwachen Leistungen auch noch unter Artenschutz genommen werden.

Morgen kommen also die Bayern. Die Hütte wird ausnahmsweise mal wieder voll werden, was aber lediglich für den Schatzmeister ein Grund zur Freude sein dürfte. Ich rechne mit 15.000 bis 20.000 Bayern-Fans, so dass der Abend schwer zu ertragen sein dürfte. In sportlicher Hinsicht sind meine Erwartungen sowieso auf dem Nullpunkt, so dass ich froh bin, wenn ich den morgigen Tag hinter mir habe. Zu weit ist die Schere auseinander gedriftet, zu chancenlos der Rest der Liga und erst recht der VfB. So wird es einzig von den Bayern abhängen, wie das Ergebnis ausfallen wird. Haben sie Lust uns abzuschießen oder reichen ihnen einfach die drei Punkte und lassen Gnade vor Recht ergehen. Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich egal, ob wir 0:2 oder wie Werder 0:7 verlieren, beides ergibt unter dem Strich null Punkte. Weh tut es so oder so. Vielleicht wäre ein Debakel auch besser als eine knappe Niederlage wie im Pokalfinale, die vieles kaschieren würde. Dann könnten wir wenigstens auf klare Worte nach dem Spiel hoffen und keine Schönrederei mehr.

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass es mir auch bewusst ist, dass erst ein Spiel in der Rückrunde gespielt ist und es durchaus immer noch möglich ist, dass wir eine Halbserie sehen werden, die Spaß macht. Allein, mir fehlt nach der dürftigen Vorstellung gegen Mainz der Glaube daran.

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10. Juni 2013

Berlin, Berlin, wir waren in Berlin!

Bilder vom Pokalfinale in Berlin sind jetzt online. Die Tour mit dem RWS mit drei vollbesetzten Bussen war zwar anstrengend, aber auch richtig geil. Die Nacht von Freitag auf Samstag durchgefahren, nach einem Abstecher im Rössle in Neukölln die Zimmer bezogen, danach umgehend in die City zum Treffpunkt der VfB-Fans auf den Breitscheidplatz und jede Menge Freunde und Bekannte getroffen, so dass wir fast die Zeit vergaßen. Erst gegen 19.15 Uhr eilten wir schließlich mit dem Taxi vom Kudamm zum Olympiastadion, so dass ich zunächst einmal die Eröffnungszeremonie einschließlich Nationalhymne und Pyro-Show der Bayern-Fans verpasste. Direkt zum Anpfiff war ich schließlich im Block und war bereit für die Sensation. Der VfB begann stark und stürzte die Bayern auch in die eine oder andere Verlegenheit, leider ohne zählbaren Erfolg. Als die Bayern einen unberechtigten Elfer zugesprochen bekamen, nahm das Unheil seinen Lauf und wir liefen einem Rückstand hinterher. Nachdem Gomez in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit mit einem Doppelpack auf 3:0 stellte, lief beim VfB gar nichts mehr zusammen und man musste befürchten, dass das Team einbricht. Dies bis zur 71. Minute, in der Harnik Sakais Flanke zum Ehrentreffer verwertete. Danach drückte der VfB, brachte nach schier endloser Verletzungspause erstmals wieder Cacau und kam zum Anschlusstreffer, erneut durch Harnik. Und das, kurz nachdem uns ein Handelfmeter verwehrt blieb. Danach drückte der VfB weiter, kam aber leider zu keinem weiteren Treffer mehr. Eine Verlängerung in diesem Spiel hätte mich brennend interessiert. Den Bayern ging der Arsch auf Grundeis, Robben, Gomez und Ribery waren ausgewechselt, eine Verlängerung wäre sicherlich interessant geworden. Dieses Finale übertraf aus VfB-Sicht die Erwartungen der meisten Anhänger, die doch eher eine Klatsche denn einen offenen Kampf erwartet hatten. Nichtsdestotrotz, wir haben das Finale verloren und können uns für die Lobeshymnen nichts kaufen. Eines hat der VfB jedenfalls einmal geschafft: vor der Fernsehnation ein gutes Bild abzugeben und sich nicht zu blamieren, was, wenn man die jüngste Vergangenheit betrachtet, gar nicht so selbstverständlich war.
Wir konnten das Stadion also erhobenen Hauptes verlassen und das Team, dessen Moral und den Brustring feiern. Wo wir auch hinkamen an diesem Abend: erfolgsverwöhnte Bayern-Fans mit Mienen, wie wenn sie gerade abgestiegen wären und feiernde Schwaben-Fans, die den Bayern, obwohl im Stadion in großer Überzahl, stimmungsmäßig weit überlegen waren.
So hatten wir noch einen schönen Abend, den wir an der Hotelbar in Berlin-Neukölln ausklingen ließen. Am Sonntagmorgen, 11.45 Uhr, traten wir wieder die Heimfahrt an. Die Berliner hatten keine bessere Idee, als am Tag nach dem Pokalfinale, an dem die Finalgäste für gewöhnlich die Heimreise antreten, eine Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ansetzen zu lassen und dafür einige Autobahnen, unter anderem das Avus-Teilstück voll zu sperren. Ein Hinweis über Leuchttafeln auf dem Hinweg wäre sicherlich hilfreich gewesen, erfolgte aber leider nicht. So fuhren wir ins vorprogrammierte Chaos und benötigten alleine für die ersten 50 Kilometer über drei Stunden. Nach über 13 Stunden Fahrt erreichte ich schließlich um 1 Uhr reichlich erschöpft die Heimat.
Ich hoffe, unsere Jungs haben Blut geleckt und setzen alles daran, uns und sich das Erlebnis FINALE im nächsten Jahr wieder zu bescheren.

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26. Mai 2013

Wembley – ein geniales Erlebnis

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 21:42

Bilder vom CL-Finale in Wembley sind jetzt online. Außerdem kurze Eindrücke aus West Ham und Millwall. Es war mal wieder ein genialer Trip. London, eine tolle Stadt, die Insel an sich, immer wieder eine Reise wert. Wembley, ein geniales Stadion. Super Anbindung an die Jubilee Line, am Einlass keinerlei Probleme und mit der Rolltreppe bis in den Oberrang. Was will man mehr. :-) Hammer Atmosphäre, leider mit dem falschen Sieger. Bayern-Dusel eben mal wieder, vom Schiri begünstigt und dann kurz vor der Verlängerung so ein Tor, ausgerechnet vom für den Oskar nominierten Schauspieler Nummer 1. So ungerecht kann Fußball sein. Ich streite ja nicht ab, dass die Bayern den Titel aufgrund der überragenden Saison verdient haben, wie der Sieg zustande kam jedoch ist skandalös. Hoffentlich hat Herr Gräfe genau hingeschaut und rückt dies am Samstag gerade und stellt mal auch einen Bayern vom Platz.

Für Samstag sind meine ohnehin schon gedämpften Erwartungen durch den Bayern-Sieg auf den Nullpunkt gesunken. Das Niveau des gestrigen Spiels war eine andere Liga, als die, in der der VfB derzeit spielen kann. Streckenweise war ich wirklich begeistert vom antizipieren, der Handlungsschnelligkeit, der (Spiel-)Intelligenz von fast allen Protagonisten. Alles Attribute, die der VfB im Jahr 2013 einfach nicht hat und am Samstag sicherlich auch nicht herbei zaubern kann. Wir dürften nur annähernd eine Chance haben, wenn es gelingt KEINE Fehler zu machen, stets hoch konzentriert und den Bayern auch gedanklich mal einen Schritt voraus zu sein. Die Bayern werden gierig sein und alles daran setzen, das Triple zu holen, der VfB muss von Beginn an unterstreichen, dass der Pott nach Stuttgart gehört und den Bayern notfalls auch weh tun. In London war es schon einmal eine harte Probe, als „neutraler“ Zuschauer nicht dazwischen zu grätschen, wenn man dem überheblichen Geschwätz der Lederhosenträger gelauscht hat. Wir wollten jedoch keinen Stress und uns nicht unnötig aufregen, also haben wir die Pub-Auswahl so getroffen, um wenigstens dort keinen Bayern-Büffel über den Weg zu laufen. Am Samstag in Berlin wird sich das sicherlich nicht vermeiden lassen. Es war ja schon immer schwierig die Nordösterreicher zu ertragen. In diesem Jahr aber schweben sie in noch höheren Sphären und werden sicherlich neben und hoffentlich auf dem Rasen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dieses arrogante Gehabe, mich graut es jetzt schon wieder…

So dumm und arrogant die Aussage von Rummenigge auch ist, die Bayern würden auch mit 1,8 Promille gegen den VfB gewinnen, so traurig ist es, dass er damit wahrscheinlich sogar Recht hat.

Natürlich hoffe ich, dass der VfB am Samstag das Unmögliche möglich macht, allein, mir fehlt der Glaube und auch das Vertrauen in diese Mannschaft und deren Trainer.

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