23. März 2015
Sieg! Ein Heimsieg sogar! Auch am Sonntagmorgen muss man sich fast noch kneifen, auch am Sonntagmorgen möchte, obwohl angemessen verkatert, das Grinsen nicht aus dem Gesicht weichen. Man hatte ja schließlich fast schon vergessen, wie sich ein Sieg anfühlt und welche Gefühle er freizusetzen vermag.
Die beste Erkenntnis des Tages: die Mannschaft kann doch noch gewinnen. Der erste Sieg seit drei Monaten (1:0 in Hamburg), der erste Heimsieg seit einem halben Jahr (1:0 gegen Hannover 96). Der VfB hat in einem Spiel drei Tore geschossen und drei Punkte eingefahren, wo doch in den zwölf (!) vorigen Heimspielen gerade einmal sechs Punkte und sechs Tore gelangen.
Komischerweise hatte ich seit dem 4:2 des 1. FC Köln gegen die Eintracht vor zwei Wochen, das uns als VfB eigentlich relativ wenig tangierte, das gute Gefühl, dass auch wir gegen diesen Gegner unsere Torflaute beheben werden könnten, einfach aus dem Grund, weil sich die Kölner zu Hause für gewöhnlich ähnlich dämlich anstellen wie die Brustringträger. Die Hessen, einfach der richtige Gegner zur richtigen Zeit.
Dazu kam, dass die Mannschaft wusste, dass sie die Eintracht bezwingen kann, erinnerte man sich doch nur allzu gern an das famose 5:4 aus der Hinrunde zurück. Martin Harnik hatte seine Rotsperre abgesessen. Ein Spieler, bei dem ich hin und wieder verzweifle, wenn er Bälle überhastet verstolpert, einfachste Pässe ins Nirwana spielt und stets den falschen Laufweg wählt. Der aber auch schon gezeigt hat, dass er es anders, nämlich besser, kann, torgefährlich ist und sich vor allem nie hängen lässt. Deshalb mag ich ihn, deshalb begrüßte ich seine Zweispiele-Sperre, eine Pause, die ihm gegönnt sein sollte und die er hoffentlich dafür genutzt hatte, sein System herunterzufahren und Kräfte für das Saisonfinale zu sammeln. In ihn, der im Hinspiel zwei Mal erfolgreich war, setzte ich große Hoffnungen in dieses Spiel. Das derzeit absurde ist doch auch, dass man die Spieler verflucht, sie auf die Bank oder Tribüne wünscht, und, nachdem sein(e) Vertreter es dann ebenfalls nicht besser gemacht hatte(n), in ihm bzw. ihnen wiederum den/die Hoffnungsträger für das nächste Spiel sieht. Was bleibt einem auch anderes übrig, wir haben eben nur diese Spieler und müssen mit ihnen über die Runden gekommen, abgesehen von den Youngstern, die aus der Jugend und von den Amateuren nach oben drängen. War es zuletzt Jerome Kiesewetter so stand gegen die Eintracht Marvin Wanitzek kurz vor seinem Bundesliga-Debüt.
Moritz Leitner hingegen blieb nach seiner Gelb-Sperre nur der Platz auf der Tribüne. Unter der Woche war bekannt geworden, dass Leitner nach Ablauf der Leihe im Sommer definitiv zu Borussia Dortmund zurückkehren würde, alles andere wäre ehrlich gesagt im Schwabenland auch nicht vermittelbar gewesen. Leitner hat nicht nur sportlich nicht überzeugt, menschlich ist er ein Riesen-A.., das noch nichts erreicht hat, aber meint, er wäre es. Ein Spieler, dem durchaus großes Talent in die Wiege gelegt wurde, der aber den Ernst des (Fußballer-)Lebens, mit all seinen Facetten, seinen Pflichten auf und außerhalb des Platzes nicht begriffen hat, und bei dem ich mir sicher bin, dass er im „normalen“ Leben mit den „Hey Alder, voll krass Typen“ auf der Straße abhängen und kein Bein auf den Boden bekommen würde. Als Profi ist er vermeintlich privilegiert und lässt das Fans und Medien gegenüber auch heraushängen.
Gegen eine zweijährige Leihe, bei einem möglichen Jahrhundertfußballer auch mal ohne Kaufoption, spricht ja an und für sich nichts. Leverkusen bekommt mit Christoph Kramer einen fertigen Spieler zurück, auch von der Leihe von Kevin de Bruyne von Chelsea nach Bremen haben alle Seiten profitiert, aber, man muss sich dennoch vorher mit dem Spieler beschäftigen. Hole ich ein Problemkind wie Moritz Leitner, dann muss ich mir im Klaren darüber sein, dass ich mich um ihn möglicherweise mehr kümmern und ihn ein Stück weit auch noch erziehen muss, als es bei stärkeren Charakteren notwendig wäre. Nicht umsonst bootete ihn Rainer Adrion vor der U21-EM in Israel wegen Charakterschwäche aus, gerade bei Adrion, beim VfB ja kein Unbekannter, hätten sich Bobic und Labbadia über Leitner erkundigen und ihre Schlüsse ziehen können. So aber sah man wieder einmal nur, dass er ein feines Füßchen besitzt ohne zu hinterfragen, ob das Köpfchen genau so fein ist. Bobic tätigte seine Transfers am liebsten per Telefon und Mail aus New York City, Labbadia war bekannt dafür, dass er wenig mit den Jungs, vor allem denen, die nicht zum Führungskreis gehörten, sprach, von daher eine Konstellation, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Um diesem Jungen den richtigen Weg aufzuzeigen, hätte es eines Trainers vom Schlag eines Otto Rehhagels bedurft, der den Jungen an die Hand genommen hätte und wohl seine Ehefrau Beate noch eingebunden hätte, ihn zu bekochen und ihm Manieren beizubringen. So aber waren es für alle Beteiligten zwei verlorene Jahre. Der VfB profitierte nicht, der Spieler nicht und auch Borussia Dortmund dürfte wenig Freude an ihm haben, wenn er zurückkommt und ihn wohl sofort weiter reichen.
Leitner ist auf jeden Fall kein Spieler, auf den wir im Abstiegskampf noch bauen können, so dass ich hoffe, dass er seine Abschiedsvorstellung im VfB-Trikot vor zwei Wochen gegen Hertha BSC gegeben hat. Da soll Huub Stevens lieber an seiner Linie vom Samstag festhalten und dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben und damit den Jungs, bei denen man weiß, dass sie sich zerreißen werden, um auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen.
Außer Harnik rückten im Vergleich zum Leverkusen-Spiel auch wieder Hlousek für den völlig indisponierten Sakai und Baumgartl für Daniel Schwaab in die Anfangsformation.
Der VfB legte einen sehr nervösen Start hin. Woche für Woche hofft man darauf, dass die Jungs alles daran setzen, den Bock umzustoßen und dies vor allem mit Köpfchen versuchen, um dann umgehend feststellen zu müssen, wie es um ihr Nervenkostüm weiterhin bestellt ist. Wieder sah man von Beginn an elf Nervenbündel auf dem Platz, die froh waren, unfallfrei geradeaus laufen zu können, fast alles andere misslang. Fehlpass reihte sich an Fehlpass, fast jeder Zweikampf ging verloren, Spielkultur Fehlanzeige. Bereits nach zwei Minuten der erste Schreckmoment. Lastete ich es Florian Klein noch in Leverkusen nicht an, dass er Schwaab im Strafraum anschoss, da dieser ohnehin immer nur im Weg herumsteht, war es gegen die Eintracht äußerst fahrlässig von ihm, in ähnlicher Situation Inui anzuschießen. Der Ball flog zum Glück knapp über die Latte. Es wäre erneut Slapstick zur Unzeit gewesen! Dies war der Auftakt einer unterirdischen ersten Halbzeit, die alles vermissen ließ, was notwendig gewesen, um die Wende herbeizuführen. Mit dem 0:0 waren wir sehr gut bedient und konnten uns bei der Frankfurter Eintracht bedanken, dass das Spiel noch nicht entschieden war. Keine einzige ernsthafte Torannäherung in 45 Minuten und das in einem wahren Alles-Oder-Nichts-Spiel, einfach nur erbärmlich.
Wer sich diesen katastrophalen Auftritt schön trinken wollte, hatte Pech gehabt, zumindest wenn er das Spiel von der Cannstatter Kurve aus verfolgte. Als Konsequenz der Vorfälle rund ums Hertha-Spiel wurde in der Cannstatter Kurve kein Alkohol ausgeschenkt, außerdem trat die Polizei uns „normalen“ Stadionbesuchern behelmt und in (Nah-)Kampfausrüstung entgegen, betonte aber, damit nicht provozieren zu wollen. Beides ein Witz, anstatt sich an ihre eigene Nase zu fassen, Selbstkritik zu üben, wie es überhaupt zu dieser Eskalation kommen konnte, wird es sich einfach gemacht und es werden pauschal 20.000 Zuschauer in der Kurve als potentielle Gewalttäter abgestempelt. Sinnloser Aktionismus, sinnlose Muskelspiele von VfB und der Obrigkeit.
Das Bier gehört schon seitjeher zu einem Fußballspiel wie die Stadionwurst und der Ball, so dass mir jedes Mal das Verständnis dafür fehlt, wenn bestimmte Zuschauergruppen dieses vollkommenen Fußball-Erlebnisses beraubt werden. Was mich am meisten daran stört, ist, dass es stets nur einzelne Gruppen sind, denen man damit unterstellt potentiell gewalttätig zu sein und mit dem Bierkonsum nicht umgehen zu können. Oft sind es lediglich die Auswärtsfans oder wie hier eine ganze Fankurve, die von solchen Restriktionen betroffen sind. In wieweit ein solches an Willkür und Bevormundung grenzendes Verbot überhaupt mit dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) vereinbar ist oder ob man sich diskriminiert fühlen darf und gegen solche (Teil-)Verbote klagen könnte, vermag ich, da kein Jurist, nicht zu beurteilen. Vielleicht fällt eine solche Maßnahme auch unter das Hausrecht des Veranstalters, interessant wäre es schon mal, dies genauer zu hinterfragen.
Wenn schon ein Alkoholverbot verhängt wird, dann bitte doch im gesamten Stadion einschließlich der V.I.P.-Bereiche, in denen der edle Hopfen selbst ausgeschenkt wird, wenn, wie bei internationalen Spielen Usus, generelles Alkoholverbot herrscht.
Aber, ich schweife schon wieder ab, ich merke das gerade daran, dass ich im Zusammenhang mit dem VfB auf internationale Spiele zu sprechen komme.
Personell unverändert ging es in die zweite Halbzeit. Trainer Schaaf erinnerte seine Mannen bei seiner Halbzeitansprache wohl daran, wie einfach es derzeit ist, gegen den VfB Tore zu schießen. Oczipka überlief mühelos Serey Dié, drang in den Strafraum ein und legte quer. Sage und schreibe drei (!) Frankfurter standen frei, Seferovic schließlich drosch die Kugel zum 0:1 in die Maschen. Es sind Gegentore wie dieses, die einen in dieser Zeit verzweifeln lassen. Oftmals genügt ein einziger Pass, ein einziger verlorener Zweikampf um den Mannschaftsteil namens Abwehr zu einem Torso werden zu lassen. Tore schießen leicht gemacht!
Huub Stevens zog die richtige Konsequenz und nahm Serey Dié gegen Romeu heraus. Der sonst gute Serey Dié, zum einen an diesem Tag völlig indisponiert, war zu diesem Zeitpunkt bereits stark gelb-rot-gefährdet. Er, der seine Zweikämpfe immer am Limit führt, wäre nach seinem Fauxpas beim Gegentor sicherlich schwer zu bändigen gewesen, daher eine für michnachvollziehbare Auswechslung.
Kurze Zeit später musste Stevens erneut auswechseln. Timo Werner, ebenfalls ganz schwach am Samstag, bekam einen Schlag auf die Achillessehne und musste humpelnd vom Platz (Entwarnung folgte am Sonntag, alles halb so wild), er wurde durch Kostic ersetzt, der noch in Leverkusen zur Startformation gehörte.
Auf einmal war mehr Zug im Spiel nach vorne. War der VfB nach dem 0:1 und den Minuten danach mausetot, musste man befürchten, wir würden jetzt endgültig abgeschossen, nahmen die Jungs ihr Herz plötzlich in die Hand. Ein Geistesblitz von Alexandru Maxim, der einen Ball akrobatisch in den freien Raum weiterleitete, Martin Harnik, der seine Schnelligkeit ausspielen konnte und wagemutig vor Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp an den Ball kam und herein spitzeln konnte und schließlich Daniel Ginczek in der Mitte waren die Protagonisten des wie aus dem Nichts gefallenen Ausgleichs. Mit einer einzigen Aktion wischte Harnik den schlechten Eindruck der ersten guten Stunde beiseite und zeigte, wie wertvoll er noch immer für die Mannschaft sein kann.
Ginczek in der Mitte hatte keine Mühe mehr, den Ball über die Linie zu bugsieren. So einfach es auch war, kam das Tor (s)einer Befreiung gleich. Ginczeks erstes Bundesligator für den VfB gut 13 Monate nach seinem Kreuzbandriss, den er noch im Trikot des 1. FC Nürnberg erlitten hatte.
Viele schimpften ja auch über diesen Transfer, wie es sein könne, einen so schwer verletzten Spieler zu holen. Ich hatte über diesen Transfer nie gemeckert, lediglich aber immer darauf hingewiesen, dass seine Verpflichtung nachvollziehbar war, wenn man sie als Vorgriff für die nächste Saison ansieht. Einen Spieler seiner Klasse kann man schon mal für 2,5 Millionen Euro holen, hat man doch die Chance eine gute Rendite einzufahren. Hätte man sich nicht um ihn bemüht, wäre ein anderer Verein gekommen und wir müssten womöglich seine Entwicklung zum Top-Spieler aus der Ferne beobachten. Als er noch für St. Pauli spielte, sah ich ihn einige Male live spielen und traute ihm einen ähnlichen Weg wie den von Max Kruse zu, der es auch von St. Pauli bis in die Nationalmannschaft geschafft hat. Daher war dieser Transfer für mich kalkulierbares Risiko, man durfte eben nicht zu früh schon Wunderdinge von ihm erwarten. Nachdem er bereits einige Male bei den Amateuren erfolgreich war, preschte er selbst vor nicht allzu langer Zeit hervor, er sei überzeugt davon, den VfB zum Klassenerhalt schießen zu können. Eine gewagte Prognose, vielleicht aber auch eine Kampfansage in Richtung Vedad Ibisevic und auch in Richtung Trainer die versteckte Bitte, im weiterhin das Vertrauen zu schenken.
War er noch in Leverkusen aus nächster Nähe an Bernd Leno gescheitert, platzte nun gegen die Eintracht endlich der Knoten. Keine drei Minuten später, ein genialer Lupfer von Maxim auf Ginczek, vorzügliche Ballannahme und direkt der Abschluss ins Glück. Eine tolle Aktion von beiden, die verdeutlicht, welche Rolle im Fußball der Kopf spielt. Das 1:1 war der Brustlöser, auf einmal machten die Füße wieder das, was der Kopf wollte. Plötzlich purzelten etwa 45.000 Herzen, man traute seinen Augen nicht, das sah nach Spielkultur aus.
Die zweite Geschichte des Spiels, neben Ginczek, schrieb Alexandru Maxim. Bereits zur Auswechslung vorgesehen, Wanitzek stand schon zur Einwechslung bereit, schwang er sich binnen Minuten zum Man of the Match empor. Zwei Geistesblitze dieses Spielers, der für mich eigentlich immer spielen müsste. Unser mit Abstand bester Fußballer, der immer dazu in der Lage ist, ein Spiel durch einen gut getretenen Standard, einen direkten Freistoß oder auch durch einen Geistesblitz aus dem Spiel heraus zu entscheiden. Natürlich hat er in der Rückwärtsbewegung seine Defizite, eine (laufstarke) Mannschaft muss diese aber kompensieren können und bereit sein, Drecksarbeit für diesen Genius zu verrichten, wenn sie sieht, dass letztendlich alle von ihm profitieren.
Als die Eintracht mehr schlecht als recht versuchte, dem Spiel abermals eine Wende zu geben, wie es ja im Hinspiel der Fall war, schlug die Stunde von Filip Kostic. Er zog einen unwiderstehlichen Sprint an, ließ Chandler fast stehen, hob kurz den Kopf, sah den heranbrausenden Alexandru Maxim und passte punktgenau in die Mitte, so dass Maxim nur noch einzuschieben brauchte. 3:1, unglaublich. Ich hatte Tränen in den Augen und konnte kaum etwas sagen. Wie der Mannschaft, so fiel auch mir ein riesen Stein vom Herzen, und das noch ohne dass ich bereits die Ergebnisse der Konkurrenz gekannt hätte. Nach dem Freiburger Sieg und dem Paderborner Punktgewinn wären wir im Falle einer Niederlage schon fast weg gewesen.
So geht es jetzt erleichtert in die Bundesligapause zwischen der Länderspiele gegen Australien und in Georgien. Natürlich bleiben wir Schlusslicht der Liga, natürlich war der Sieg nur ein kleiner Schritt in Richtung Klassenerhalt. Aber, er steigert das Selbstvertrauen, das Vertrauen in die eigene Stärke(n). Die Jungs haben mal wieder gesehen, dass sie doch zumindest nach vorne nicht ganz so schlecht besetzt sind, wie die bisher magere Torausbeute vermuten ließe. Und, Daniel Ginczeks erste Treffer nähren die Hoffnung auf die so dringend benötigten Stürmertore in den verbleibenden Partien. Das Restprogramm liest sich doch machbar. Nach der Pause geht es zwar zunächst nach Wolfsburg, die sich zur zweiten Kraft im Deutschen Fußball nach den Bayern aufgeschwungen haben. Dort hängen die Trauben für uns in den letzten Jahren immer sehr hoch, aber, auch dieses Spiel beginnt bei 0:0. Beim Championsleague-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen legte das Team ja auch eine gute erste halbe Stunde hin und hätte in Führung gehen können, weshalb soll das nicht auch bei den Wölfen gelingen, die mit den Köpfen vielleicht schon beim DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den SC Freiburg sind. Bange machen gilt nicht, auch dieses Spiel muss erst einmal gespielt werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man den Schwung der letzten halben Stunde gegen Frankfurt mitnimmt und dieser nicht durch eine desolate Vorstellung gleich verpufft. Danach kommen die Gegner, gegen die man punkten muss. Gegen Werder, in Augsburg, gegen Freiburg, später noch die Heimspiele gegen Mainz und Hamburg sowie in Paderborn, noch liegt alles drin, den Super-GAU Abstieg abzuwenden.
Natürlich dürfen wir diesen Sieg nicht überbewerten. Natürlich wurde er nur durch gütliche Mithilfe der Frankfurter möglich gemacht, aber, das so wichtige Erfolgserlebnis ist da und lässt sich auch nicht weg diskutieren. Im Fußball wird viel im Kopf entschieden, auf diesen Erfolg gilt es aufzubauen. Dass die ersten gut 60 Minuten einmal mehr nicht bundesligatauglich waren, dürfte den Protagonisten genauso klar sein wie dem Fan vor dem Fernseher oder auf der Tribüne. Zurücklehnen dürfen wir uns nicht. Mit einem Sieg ist noch überhaupt nichts erreicht, es muss konzentriert weitergearbeitet und weiterhin alles der Mission Klassenerhalt untergeordnet werden.
Unabhängig davon, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen werden, ein „Weiter so“ darf es auf keinen Fall noch einmal geben. Der Kader muss ein grundlegend anderes Gesicht bekommen. Identifikationsfiguren wie Ulreich und Gentner (wo war er eigentlich während des Spiels?) müssen ebenso hinterfragt und am besten ausgetauscht oder ins zweite Glied zurückgestuft werden, wie die ganzen Schwaabs, Hlouseks, Hagguis, Abdellaoues, Sararers und wie sie alle heißen. Wir brauchen eine Achse, an der sich unsere Nachwuchskräfte, die es weiter konsequent einzubauen gilt, aufrichten und zu der sie aufschauen können.
Egal, wer Trainer wird, für Robin Dutt wird es die vordringlichste Aufgabe sein, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, um aus der Wohlfühloase VfB (endlich) eine Leistungsgesellschaft zu entwickeln. Neben unzähligen wirtschaftlichen Fehlentscheidungen ist es für mich der Hauptgrund des Niedergangs der letzten Jahre schlechthin, dass kein Leistungsklima mehr vorhanden ist, einige Plätze im Team mehr nach der Lobby des Spielers als aus Leistungsgründen fest vergeben sind und Bessere dadurch nicht zum Zuge kamen. Die Konsequenz daraus war, dass uns die besonders ehrgeizigen deshalb verlassen haben und die bequemen geblieben sind und ihre Verträge notfalls abgesessen haben.
Im Grunde käme es einem Wunder gleich, wenn wir auch in dieser Saison wieder mit einem blauen Auge davon kämen. Darauf bräuchte sich keiner etwas einbilden, dies wäre einzig und allein der Schwäche der Konkurrenz geschuldet. Was dem Fan bzw. Kunden für teures Geld schon seit Jahren zugemutet wird, spottet jeder Beschreibung. Dass der Umbruch alternativlos ist, liegt auf der Hand. Fraglich ist, wie die betroffenen Spieler bis zum Saisonende damit umgehen, wenn sie nicht wissen, wie es für sie nach der Saison weiter geht. Können Sie das professionell ausblenden oder schleppt der eine oder andere gar einen zusätzlichen Rucksack mit sich herum? Ich denke positiv und glaube daran, dass sich keiner unserer Spieler den Stempel eines Absteigers aufdrücken lassen möchte und sie schon daher aus reinem Eigeninteresse bestrebt sein werden, den Abstieg noch abzuwenden.
Ein positives Beispiel, was Konzentration auf den Abstiegskampf und Identifikation mit dem Verein bedeuten, liefern ausgerechnet mal wieder unsere Youngsters. Sowohl Timo Werner als auch Timo Baumgartl verzichten auf die Länderspielreisen mit der U19 und konzentrieren sich in der Heimat auf die kommenden wichtigen Aufgaben, wobei Werner ja sowieso angeschlagen angereist wäre. Chapeau dafür und weiter so!
19. März 2015
Die tolle Krombacher-Fan Tour wurde lediglich durch das Spiel getrübt. Ansonsten muss man sagen, alles richtig gemacht. Am Freitag um 10 Uhr ging es bereits vor der Schleyer-Halle los, natürlich mit reichlich Krombacher-Bier an Bord. Der Veranstalter hatte seine Rechnung zunächst ohne die Mitfahrer gemacht, denn, nach gerade mal knapp zwei Stunden war das Bier aufgebraucht und das Bus-Klo dafür voll. Für Nachschub wurde jedoch schnell gesorgt, so dass einer lustigen Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand. Gegen 16 Uhr bereits erreichten wir unser Domizil in Attendorn, im Sieger Land gelegen. Weshalb sie ausgerechnet VfB-Fans ins Sieger Land brachten, war uns nicht so ganz klar, vielleicht war es ja ein gutes Omen. Begrüßt wurden wir mit einer leckeren Gulaschsuppe und Krombacher Bier vom Fass, was ebenfalls in unserem All-Inclusive-Arrangement enthalten war. Von dort ging es dann wenig später weiter ins knapp 100 Kilometer entfernt gelegene Leverkusen, das wir zu einer guten Zeit erreichten. Es blieb genügend Zeit noch in die gegenüber der BayArena gelegene „Pille“ zu gehen, wo wir die RWSler und noch einige andere bekannte Gesichter trafen. Diese Location mit ihrem großen Biergarten, für mich immer ein Muss, wenn wir in Leverkusen sind, wobei mir Leverkusen sowieso immer gut gefällt. Werksclub hin oder her, dort ist doch noch mehr Tradition vorhanden als bspw. bei VW und SAP, mit den Fans dort hatte ich noch nie Probleme und auch in Bezug auf Einlass und Ordnungspersonal hebt sich Leverkusen für mich von vielen anderen Away-Stadien positiv ab. Zudem ist Leverkusen selten ausverkauft, so dass ich dort schon traditionell direkt meine Eintrittskarte bestelle und auf der Gegengerade sitze. Mein Eingang liegt, logistisch perfekt, kaum mehr als 50 Meter vom Eingang der Pille entfernt, so dass ich, wo die Stehplatzkarteninhaber schon lang weg waren, noch gemütlich ein Bierchen trinken konnte. Am Einlass hatte ich erwartungsgemäß auch mit meiner Bridge-Kamera keine Probleme, so dass es gleich hinein in dieses schmucke Stadion ging. Den Platz hatte ich mir bei der Bayer 04 Saalplanung perfekt ausgesucht, Reihe 1 und direkt am Gang. Vorne kann man sein Bier auf die Bande stellen, das man auch noch rasend schnell bekommt. Es gibt zwar im Stadion die Bayer-Card als Bezahlkarte, man hat aber auch die Möglichkeit, wenn der Geld Chip aufgeladen ist, mit EC-Karte zu bezahlen. Diese Bezahlart lasse ich mir gerne gefallen, da es sie in ein paar anderen Stadien auch schon in dieser Form gibt. Als „Bayer-Kunde“ konnte ich erstmals in einem Stadion das freie WLAN testen und konnte feststellen, wenn auch ein bisschen langsam, aber, es funktionierte.
Auch bis dahin, alles richtig gemacht. Dann allerdings kam das Spiel, welches sich zwar gut anließ, aber, wenn man keine Tore macht, rächt es sich meist hinten und wenn man die Gegentore dann noch herschenkt, setzt es eben auch bei einem Club wie Bayer 04, der mit den Köpfen schon beim Championsleague-Rückspiel bei Athletico Madrid war, eine 0:4-Klatsche, mit der man am Ende noch gut bedient war.
Es ist eigentlich unbegreiflich, wenn man sich die erste halbe Stunde vor Augen führt, in der der VfB sein Heil mutig in der Offensive suchte und Leverkusen keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bis eben zu jener 32. Minute, als erst Hilbert Timo Werner entwischte, von Sakai nicht an der Hereingabe gehindert wurde, Ulle den Ball, der halbhoch (!) durch den 5-Meter-Raum flog, nicht abfing, Klein zu allem Überfluss Schwaab anschoss und schließlich Gentner, Kostic und Dié am Ball vorbeiliefen, anstatt dass auch nur einer der Dreien die Kugel weg aus der Gefahrenzone befördert hätte. Wendell sagte danke und erzielte die Leverkusener Führung. Slapstick pur, eigentlich müsste man alle daran Beteiligten für den Comedy-Preis nominieren. Zum Lachen eigentlich, wenn es nicht so traurig wäre. Vorne ein zahnloser Tiger und hinten schießt man sich die Dinger selten rein, so ist es eigentlich nicht möglich, die Klasse zu halten.
Ich hatte erst einmal genug gesehen und ging Bier holen. Schwupps, kaum draußen, Jubel und die Tor-Hymne „Whatever you want“, die mir auch am Tag danach noch in den Ohren klingen sollte. Damit war das Ding gelaufen, ein Doppelschlag nach vielversprechender Anfangsphase, also, blieb ich erstmal in den Katakomben und steckte mir eine Zigarette an. Die BayArena ist ja, wie Hoffenheim auch, ein reines Nichtraucherstadion. Im Gästeblock mag dies keinen interessieren, in den anderen Bereichen des Stadions jedoch schon. Und, als Gast, der nicht die Intension hatte, negativ aufzufallen, hielt ich mich natürlich auch daran. Danach ging ich dann wieder auf meinen wirklich tollen Platz, wo ich die „Mannschaft“ kurze Zeit später auseinanderfallen sah.
Beim 3:0 spielte Bellarabi Gotoku Sakai Knoten in die Beine. Und überhaupt, was – erlaube – Sakai? An allen Gegentoren maßgeblich beteiligt, von Hilbert ein ums andere Mal wie ein Anfänger überlaufen, weshalb er nach unzähligen bundesligauntauglichen Auftritten immer wieder in der Startformation auftaucht, ist mir ein Rätsel. Natürlich rege ich mich auch über Hlousek auf, die beiden nehmen sich nicht viel. Hlousek wurde in dieser Woche seit längerer Zeit mal wieder in den Kreis der tschechischen Nationalmannschaft berufen, dieser Nationalmannschaft muss es wirklich schlecht gehen, mag man sich denken.
Dass Rausch, der bei den Amateuren vor sich hindümpelt so viel schlechter sein soll als diese beiden, kann ich mir nicht vorstellen. Bei dieser Misere auf der linken Seite trauert man selbst noch einem Arthur Boka nach. Er hatte zwar auch große Defizite im Defensivverhalten, war aber nach vorne wirkungsvoller und vor allem war ein Kämpfer, der mal dazwischengehauen hat, während Sakai ob der Fußballkunst seiner Gegenspieler, nur staunend und mit offenem Mund zuschaut.
Dies nur eine verbesserungswürdige Planstelle in der Anfangsformation von vielen. Die Torwartfrage stellt sich nach wie vor. Ich hoffe, dass der VfB im Sommer handelt und Vlachodimos das Vertrauen schenkt oder notfalls von extern jemanden holt. Dass Leno der eindeutig bessere Torwart ist, konnte man auch am Freitag wieder sehen. Er ist fußballerisch sowieso stärker, spielt aber auch besser mit, hat ein besseres Stellungsspiel und eine stärkere Ausstrahlung. Einer von sehr, sehr vielen Fehlern und Fehleinschätzungen der letzten Jahre, wobei bei dieser persönliche Seilschaften vor leistungsorientiertem Denken gingen.
Weshalb Timo Baumgartl nach seinem Fehler gegen den BVB plötzlich total außen vor ist und Schwaab das Vertrauen geschenkt wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Schwaab, der sich gerne mal mit den Fans, die die einzigen sind, die alles geben, anlegt und selbst Woche für Woche eine schwache Vorstellung an die nächste reiht, würde bei mir allenfalls noch ein Notnagel sein. Spätestens nach diesem Slapstick vom Freitag, an dem sämtliche Arrivierten einschließlich der Führungs-Ikone Gentner beteiligt waren, verbietet es sich eigentlich, dem Jungen Nervenstärke abzusprechen. Er war bei seinen Spielen immer einer der Wenigen, dem man Ballfertigkeit attestieren konnte und der den Kopf dabei noch oben hatte. Von Jugend und Amateuren ist er auch einen besser mitspielenden Torwart gewohnt, der besser antizipiert und schneller dem Ball entgegen kommt, wenn ein Rückpass zu kurz gerät, wie es Ulle gegen den BVB getan hatte.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass im Grunde jeder Einzige in der Startformation austauschbar wäre, kein Einziger ist dabei, der das Prädikat Leistungsträger verdienen würde.
Hoffnungsträger sind stets diejenigen, die ausfielen und wieder einsatzbereit sind, bis sie eben dann auch wieder enttäuscht haben. So hoffe ich derzeit auf eine baldige Rückkehr von Antonio Rüdiger und Daniel Didavi, wobei ich bei Letzterem nicht wirklich dran glaube, dass er noch mal auf die Beine kommt.
Ein Impuls fürs Team wäre eine Rückkehr sicherlich, ging es doch auch in der letzten Saison erst aufwärts, als er (und Gruezo) in die Mannschaft kamen. Auch auf Martin Harnik dürfen wir gegen die Frankfurter Eintracht wieder hoffen. Vielleicht haben ihm diese zwei Spiele Sperre gut getan, dass er jetzt frischer im Kopf ist und sich wieder über die volle Distanz konzentrieren kann. In den letzten Spielen, in denen er zum Einsatz kam, fiel er in einer schwachen Mannschaft eher noch ab. Seine Torgefährlichkeit vergangener Jahre könnten wir derzeit jedenfalls gut gebrauchen.
Nicht nur bei Harnik, auch beim Rest des Teams, ist ein riesiges Kopfproblem auszumachen. Ich schrieb schon vor einiger Zeit, die Jungs bräuchten einen guten Psychologen, der ihnen die Angst vor der eigenen Courage austreibt. Wie sie derzeit auftreten, wird es ganz, ganz schwer werden mit dem Klassenerhalt. Natürlich sind wir nominell besser als Paderborn und Freiburg besetzt, natürlich sind die beiden noch in Schlaginstanz, natürlich würde ein einziger Sieg genügen, um (zunächst und bei gleichzeitiger Niederlage der anderen) an beiden vorbeizuziehen.
Aber, die beiden haben, im Gegensatz zu uns, ein Team im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Platz, die füreinander durch dick und dünn gehen, was in der Endphase ein entscheidender Faktor werden könnte. Bei uns haben es viele noch immer nicht kapiert, dass es nur gemeinsam geht, dass sie sich helfen und auch mal den Fehler des Anderen bereit sein müssen auszubügeln. Freiburg hat jetzt zwei machbare Heimspiele vor der Brust, was bedeutet, wir müssen gegen die Frankfurter Eintracht unbedingt gewinnen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass dieses Schneckenrennen im Tabellenkeller endlos so weitergeht.
Wie es aussieht, wird Stevens auch gegen die Eintracht noch auf der Bank sitzen. Nach der ersten halben Stunde von Leverkusen sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung. Auf der anderen Seite könnte ein neuer Impuls in Form eines neuen Übungsleiters der Truppe noch einmal einen Schub verleihen, mir kommt das ganze derzeit sehr eingefahren vor, die Reaktion auf eine Niederlage ist stets die gleiche, nämlich „abhaken, hart weiter arbeiten und es im nächsten Spiel besser machen“. Nur, uns laufen die „nächsten Spiele“ weg, da waren’s nur noch neun.
Durch die völlig unnötige (so frühe und vermeintliche) Einstellung Zornigers als Trainer für die nächste Saison, hat sich der VfB dieser letzten Patrone beraubt und wird, wenn’s dumm läuft, sang- und klanglos runter gehen. Mir kommt es derzeit so vor, man nimmt den Abstieg mit Stevens jetzt bewusst in Kauf, denn, selbst wäre man von Stevens nicht mehr überzeugt, was sollen die Herren denn tun? Zum einen ist die Kasse sowieso klamm, fraglich, ob man sich die Abfindung überhaupt leisten könnte. Zum anderen, begänne Zorniger schon jetzt, mitten im Abstiegskampf, hätte man womöglich einen Trainer mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet, der im Mai seine Koffer wieder packen müsste, denn, mit dem Abstieg wäre er auf dem Wasen höchstwahrscheinlich verbrannt.
Oder aber, man holt einen Übergangstrainer, der, sollte er erfolgreich sein und den Abstieg verhindern können, sich im Nu einen Heldenstatus hier erarbeiten würde, so dass Zorniger auch dann eine schwere Hypothek belasten dürfte. Da weiter kein Dementi zu dieser Personalie vom VfB kommt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es Fakt ist, dass der Wechsel Zornigers zum VfB bereits in trockenen Tüchern ist. Stevens selbst wird nicht aufgeben, dazu ist er zu sehr Kämpfer, zudem ist er sicherlich auch nicht bereit, auf Geld zu verzichten. So dümpeln wir also weiterhin vor uns hin, ohne Hoffnung auf grundlegende Besserung.
Natürlich kommt mit Frankfurt jetzt ein Gegner, der prädestiniert dazu wäre, gegen ihn die Trendwende zu schaffen. Im Hinspiel haben wir ihnen fünf Dinger eingeschenkt, zudem bekamen sie selbst in Köln die Bude voll, die das Tore schießen auch nicht gerade erfunden haben.
Jedoch, wir haben in Frankfurt auch vier Tore kassiert, offensiv sind sie gefährlich und haben in Alex Meier den derzeitigen Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen. Ein Tier vorne, das schwer auszurechnen und zu verteidigen ist, der seine Tore mit jedem Körperteil und von innerhalb und außerhalb des Strafraums erzielt. Da ich mir immer nicht so ganz im Klaren bin, in wie weit sich unsere Spieler mit ihren kommenden Gegenspielern beschäftigen, an Ulle schon einmal der Tipp, es tunlichst zu vermeiden so weit wie sonst vor seinem Kasten zu stehen. Er hat in dieser Saison schon einige Tore gefangen, die zu vermeiden gewesen wären, wenn sein Stellungsspiel besser wäre, Meier hat das Auge und das Gefühl im Fuß genau solche (Stellungs-) Fehler auszunützen.
Man wird der Eintracht aber auch nicht gerecht, wenn man alles auf Meier reduziert. Er muss ja auch von seinen Mitspielern in Szene gesetzt werden und auch das machen bspw. Aigner und Inui vorzüglich. Gerade ein Aigner, an dem Veh schon zu VfB-Zeiten interessiert war und den er schließlich zur Eintracht holte, wird sich auf unsere Sakais und Hlouseks jetzt schon freuen.
Unsere Ultras hatte nach dem 3:0 kurz nach der Pause die Schnauze voll, hängten ihre Fahnen ab, stellten das Supporten ein und verließen den Block. Eine verständliche Reaktion und längst überfällig. Ist ja fast schon bemitleidenswert unseren einst so stolzen VfB als Sparringspartner sehen zu müssen, der dem Gegner in allen Belangen unterlegen ist und wo man jederzeit Angst haben muss, dass dieser mühelos noch einen Gang aufschalten könnte. Auch für die Fanszene ist es derweil ein schmaler Grat, wie man sich verhalten soll. Alle sind stinksauer, in jedem Einzelnen, dem der Verein so am Herzen liegt, brodelt es gewaltig, so dass es eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Frust so richtig entlädt. Aber, die Fans sind auch pragmatisch. Man sieht natürlich auch, welche nervlichen Wracks da auf dem Platz stehen, draufhauen, bringt da wohl am allerwenigsten. Derzeit haben wir es mit einer ähnlichen Gefühlslage wie in der Vorsaison zu tun, auch damals siegte am Ende der Pragmatismus. Wenn man als Fanszene eine Erkenntnis von damals mitnehmen und aus etwaigen Fehlern lernen möchte, so vielleicht aus diesem, dass man ruhig blieb, als das Ziel, der Klassenerhalt, erreicht war. Hätte man damals vehement auf die (versprochene) Aufarbeitung der Saison gepocht und Konsequenzen gefordert, vielleicht hätte man damals schon Fredi Bobic aus dem Amt drängen können und uns wäre diese Saison erspart geblieben.
Nach dem Spiel ging es direkt zum Busparkplatz, unser Busfahrer Ahmet hatte schließlich mehrfach darauf hingewiesen, dass er Punkt 23 Uhr abfahren würde. Dort noch die Jungs und Mädels vom RWS und von Leintalpower getroffen und ein Bier zusammen getrunken, ging es dann weiter in Richtung Hotel. Vier Businsassen hatten Ahmets Durchsage wohl nicht ernst genommen, fehlten bei der Abfahrt und wurden für 200 Euro kostengünstig von einem Taxi zum Hotel chauffiert.
Im Hotel gab es bedauerlicherweise nichts mehr zu essen, so dass wir uns abermals an die Flüssignahrung halten mussten und dies feuchtfröhlich bis in die Morgenstunden auch taten. Nach einem tollen Frühstück ging es dann am Samstagmorgen weiter zur Brauereibesichtigung und Verköstigung in die Krombacher Brauerei, von wo es dann gegen 14.45 Uhr wieder in die Heimat ging. Gegen 19.30 Uhr waren wir zurück an der Schleyer-Halle, von wo es nicht etwa heim zum Regenerieren ging sondern direkt ins Jugendhaus nach Neugereut, wo das CC97 seinen 18. Geburtstag und damit seine Volljährigkeit feierte. Auch dort wieder jede Menge Bekannte getroffen, es wurde trotz der Tabellensituation vom VfB ein schöner und lustiger Abend.
Die Sicherheitsthematik kocht nach den Vorkommnissen rund um unser Hertha-Spiel sowie den Geschehnissen um das Spiel KSC gegen Red Bull Leipzig wieder hoch.
Eigens dafür sah sich Sport im Dritten dazu genötigt, das Thema zu erörtern und talkte mit Christoph Ruf (freier Journalist und Kenner der Fanszene), Rüdiger Seidenspinner von der Polizeigewerkschaft und Ingo Wellenreuther (Präsident KSC). Dazu wurde ein Interview mit einem „Stuttgarter Hooligan“ eingespielt, wie es sich gehört und dass die Leute vor dem Fernseher schön Angst bekommen, von hinten, mit Kapuzenpulli und nachgesprochener Stimme. Dieser war für mich schon einmal völlig fehl am Platze, da es ja nicht um irgendwelche Hooligan-Kämpfe auf der grünen Wiese ging, sondern um Vorkommnisse in Cannstatt, von denen nicht erwiesen ist, wer daran beteiligt war, also ob Hooligans, Ultras, Normalos, ja, nicht einmal ob wir von welchen aus dem VfB-, dem KSC- oder dem Hertha-Lager sprechen.
Beim zweiten Themenkomplex handelte es sich um KSC-Kinder, die dem Mannschaftshotel von Red Bull einen Besuch abstatteten, der sich inzwischen auch als weitaus weniger dramatisch herausstellte, wie ursprünglich von Ralf Rangnick geschildert.
Diese Runde hätten sich die Macher vom SWR schenken können, weil nicht mit einer Silbe versucht wurde zu erörtern, wie sich solche Vorfälle vermeiden ließen, nämlich beispielsweise durch cleverere Terminierungen, besonnenere Beamten und auch einer Kennzeichnungspflicht der Beamten, um den schwarzen Schafen darunter endlich den Garaus zu machen. Einzig der freie Journalist in der Runde räumte ein, dass es unverhältnismäßige Einsätze von Beamten gibt, die auch durchaus solche „Gelegenheiten“ nutzten, um sich auszutoben. Mir liegt es dabei fern, irgendwelche Sachbeschädigungen oder Angriffe auf Personen, die sich rund ums Hertha-Spiel ereignet hatten, schönzureden. Wie jeder Verein haben auch wir „Fans“ in unseren Reihen, die im Schutz der Menge und der Dunkelheit Straftaten begehen, weil das Entdeckungsrisiko relativ klein ist. Ich selbst lehne Gewalt und Vandalismus ab und hoffe, dass man die wenigen Hirnverbrannten schnappt und zur Rechenschaft zieht, sind es doch unter anderem diejenigen, denen wir die vielen Restriktionen rund um ein Fußballspiel „zu verdanken“ haben. Gerade aber weil man weiß, dass es die gibt, dass sie nicht aussterben, im Gegenteil, sie auch nachgeboren werden, wäre es wünschenswert, dass auf der Gegenseite die schwarzen Schafe vom Dienst suspendiert werden und man Polizeieinsätze erlebt, die auf Deeskalation abzielen. Dazu gehören ausgeklügelte Polizeistrategien mit wirklichen Kennern des Fanverhaltens und nicht irgendwelche Hardliner, die meinen, dann geht man eben mit Schlagstock und Pfefferspray in die Menge rein. Gerade dann „erreicht“ man nämlich solch chaotische Zustände, wie sie in Stuttgart vorgefallen sind. Dann trifft es auch viele Unbeteiligte und auch als „normaler“ Fan solidarisiert man sich mit den eigenen Leuten eher als mit der prügelnden Staatsmacht.
Dass sich Präsident Wahler, um den man sich zuweilen schon Sorgen macht, wo er sich rumtreibt, zu diesem Thema aus der Deckung wagte, als noch überhaupt nicht geklärt war, welche Darstellungen über die Vorkommnisse überhaupt der Wahrheit entsprechen, passt derzeit ins Bild, das der VfB abgibt. Erst einmal werden die eigenen Fans an den Pranger gestellt, anstatt Ursache und Wirkung zu durchleuchten. Man würde sich wünschen, Wahler äußerte sich mit solch klaren Worten zur inzwischen wieder einmal beispiellosen sportlichen Talfahrt und er würde Lösungsansätze aufzeigen. So aber überlässt er dies vollkommen dem Novizen und immer etwas unbeholfen erscheinenden Robin Dutt, während der VfB das schlechteste Jahr seiner bald 122-jährigen Vereinsgeschichte hinlegt. Das sind dann immer die Momente, in denen ich in Nostalgie schwelge und mich nach Gerhard Mayer-Vorfelder zurücksehne. Er nahm sich als Präsident stets das Recht heraus, den Jungs die Leviten zu lesen und sie an ihre Verantwortung dem Verein, den Fans, der Stadt und dem Umfeld zu erinnern, ob es dem Trainer und Manager passte oder auch nicht. Als Fan wusste man damals immer, dass es einen gibt, der Emotionen vorlebt und dem ein Niedergang nicht egal ist. Derzeit hat man aber den Eindruck, man lässt jeden vor sich hin wursteln, ob Trainer oder Manager, und, wenn das nächste Spiel verloren wird, hofft man einfach auf das übernächste. Es ist diese Lethargie, die mich wahnsinnig werden lässt und wenig Hoffnung auf ein gutes Ende macht.
15. Februar 2015
…sangen wir einst und durften Fußballfesten beiwohnen, die sich auch Jahrzehnte später noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Was ist nur aus diesem einst so wunderschönen Verein geworden? Ein Abstiegskandidat, das Team, das den schlechtesten und langweiligsten Fußball der Liga spielt. Stand VfB früher für „Verein für Begeisterung“ praktizieren wir heutzutage Angsthasenfußball zum Abgewöhnen. Der VfB steht auf Platz 18 und damit genau dort, wo er auch hingehört.
Die Luft auf dem Wasen dürfte nach der Niederlage in Sinsheim deutlich dünner werden. Jetzt merkt es wohl der letzte Träumer, dass wir uns (unaufhaltsam?) auf rasanter Talfahrt in Richtung Zweite Liga befinden. Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, mich an einen Strohhalm klammern zu können und auf die noch verbleibenden 13 Spiele im Oberhaus positiv zu blicken. Soll der Bock gegen den wiedererstarkten BVB umgestoßen werden? In Hannover? Im Leben nicht. Mit blutleeren Auftritten ohne jegliche Kreativität, ohne Überraschungsmomente? Was soll denn Hoffnung machen? Wir haben eine Truppe, die mit Sicherheit die schlechteste ist, die je die Farben unseres Vereins tragen durfte. Diese schlechte Truppe muss es aber richten, weil wir nur die eine haben.
Ich habe jegliches Vertrauen in diese Truppe verloren, das Wort „Mannschaft“ meide ich bewusst schon seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dieser (Gurken-)Truppe.
Der gestrige Tag begann ja schon symptomatisch. Mit dem RWS ging es im Bus diese paar Kilometer in Richtung Autobahnraststätte Sinsheim. Um 12.30 Uhr war Abfahrt in ES-Berkheim, gegen 13.15 Uhr der Zustieg im Gewerbegebiet Ditzingen-Ost. Es lief ganz gut, bis Sinsheim-Süd, als plötzlich alles stand. Unser Kutscher nahm dann diese Ausfahrt, was ich mit dem Stau in Verbindung brachte und ihm durchaus einen guten Plan B zugetraut hätte. Abgesehen davon, dass wir auch auf dieser Route mehr gestanden als gefahren sind, wunderten wir uns mehr und mehr über Plan B, spätestens dann, als wir linkerhand das Stadion gesehen haben und doch nicht mal endlich diese Richtung eingeschlagen hatten. Der Kutscher aber fuhr unbeeindruckt weiter seinen Stiefel herunter, bis wir schließlich – ja, tatsächlich, im Ort Hoffenheim gestanden sind. Hat diese Koryphäe von Kutscher doch wohl offensichtlich „Hoffenheim“ ins Navi eingegeben. 
Als die Uhr bereits auf 14.40 Uhr stand, stieg natürlich die Unruhe im Bus an. In der Ortsmitte also wieder gewendet, so dass wir wieder auf die Autobahn und auf dieser von der anderen Seite aus kommend ankamen, an der Ausfahrt vorne reingedrängt, so dass wir doch noch kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gästeplatz standen. Die meisten im Bus hatten Stehplätze und um diese Zeit sicherlich ihre Probleme, noch einen guten Platz im Block zu finden. Bei mir war es weniger tragisch, da ich einen Sitzplatz, den ich direkt beim Heimverein bestellt habe, hatte. Abgesehen davon, dass man von dort relativ gut in den Gästeblock fotografieren kann, dachte ich, dass es im „Heimbereich“ auch Vollbier geben würde. Weit gefehlt, auch dort nur alkoholfrei, hat der Veranstalter doch sicherlich realisiert, dass auch diese Kurve außer den paar Hansels mit Dauerkarten, weitestgehend in VfB-Hand sein würde. So war das Spiel also noch schwerer zu ertragen.
Unser Neuzugang Serey Dié musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie Schwaab und Ibisevic, die für Harnik und Timo Werner weichen mussten. Huub Stevens war also auch gegen die in der Rückrunde noch punktlosen Hoffenheimer nicht dazu bereit, über seinen eigenen Schatten zu springen und mehr als zwei Offensivkräfte aufzubieten.
Mein Verständnis für diesen Angsthasenfußball hält sich dabei in Grenzen. Die Null muss stehen, ist zwar ein Credo, das noch nicht von vornherein verwerflich ist, aber eben nur, wenn man vorne auch trifft und so sicher steht, um auch mal ein 1:0 nach Hause zu schaukeln. Das aber kann der VfB nicht, so dass es mir momentan lieber wäre, im Veh-Stil anzutreten, wo man nach einem 0:3 gegen Leverkusen noch zurückkommen konnte und auch in Frankfurt nach Rückständen jeweils eine passende Antwort geben konnte. Ist die Ausrichtung von vorne herein auf Catenaccio angelegt, fällt es umso schwerer den Schalter umzulegen, wenn es sein muss.
Unter Veh war durchaus Offensivpotential erkennbar, auf dem man aufbauen könnte. So kann und muss es zwar heißen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive endlich mal zu finden, jedoch nicht allein auf Kosten der Offensive, sondern um Kapital aus diesen Stärken zu ziehen und die Gegentoranzahl zu reduzieren.
Weshalb hole ich einen Kostic für gut sechs Millionen Euro, der, als Königstransfer eines klammen Vereins, nur auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt. Natürlich muss er es lernen, nach hinten mit zu arbeiten, aber, wenn dem „Team“ eingebläut wird und sie es auch annehmen, dass sie für den einen oder anderen Künstler zusätzliche Wege gehen müssen, kann und muss man einen solchen Spielertypen und auch einen Alexandru Maxim auf dem Platz vertragen können.
Das sind doch Spieler, die der Fan und Zuschauer sehen möchte, die durch einen Geistesblitz Torgefahr entfachen können. Wir aber haben pro Halbzeit ein, zwei harmlose Schüsschen zu verzeichnen, wodurch gestern sogar einer unhaltbar für Baumann abgefälscht wurde und wir das erste VfB-Tor im Jahre 2015 bejubeln durften. Unsere Bilanz aus den letzten fünf Spielen lautet also 1:5 Tore, zwei Punkte. Die Gegentore zwar noch aller Ehren wert für einen Abstiegskandidaten, offensiv dafür nicht bundesligareif. Mit einer solchen Spielweise wie zuletzt geht es unweigerlich runter. Wir sind in einer Lage angekommen, in der nur noch Siege helfen.
Es bringt weder etwas in Köln auf Unentschieden zu spielen, noch gestern in Hoffenheim. Das 1:2 in der Nachspielzeit hat mich gestern nicht einmal mehr groß aufgeregt, weil mir schon der eine Punkt zu wenig war und man mit einem Punkt seit Einführung der Dreipunkteregel sowieso nicht von der Stelle kommt. Natürlich kann man mal mit einem Unentschieden leben, aber eben nur dann, wenn man sich nicht vorwerfen muss, nicht alles für einen Sieg getan zu haben.
Ich bin der Meinung, ein Umdenken kann nur durch Niederlagen stattfinden, auch wenn jetzt von Spielern und Offiziellen doch wieder rumgeheult wird, wie bitter der Knockout in der Nachspielzeit gewesen sei. Nein, der VfB bietet Fußball zum Abgewöhnen, langweilig, langsam, harmlos, ideenlos, herzlos und schlecht. Der Gegner passt sich diesem schlechten Spiel an und gewinnt das Spiel trotzdem, zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber, er gewinnt und hat damit sein Ziel erreicht, im Gegensatz zum VfB. Stevens muss jetzt einfach das Risiko erhöhen und mehr Kreativpotential bringen.
Wie erfolgversprechend eine Umstellung bspw. auf eine Raute sein könnte, dafür reicht ein Blick nach Bremen. Nur wenn man dem Gegner suggeriert, dass man ein Spiel unbedingt gewinnen will, hat dieser Respekt vor einem. Wenn ich aber wie das Kaninchen vor der Schlange agiere und stets den Rück- dem Steilpass vorziehe, signalisiere ich Demut und Angst und das gegen die Bayern genauso wie gegen Paderborn. Mutmacher fallen mir heute wenige bis keine ein.
Stevens selbst wirkte gestern ja beängstigend ratlos – ich hoffe, dass er aus seiner Ratlosigkeit heraus sich und sein Spielsystem hinterfragt und gegen Dortmund mit dem Mute der Verzweiflung antritt. Eine große Chance liegt für mich in der Gelbsperre von Christian Gentner. Er mag ein Spieler sein, der in einem gut harmonierenden und kombinierenden Team mitspielen kann, er ist aber kein Leader, kein Kapitän und erst recht nicht einer, der sein Herz in die Hand nimmt und die Richtung fürs Team vorgibt. Gegen Dortmund muss die Truppe anders auftreten als in den ganzen letzten Spielen, sonst kann der VfB die Punkte gleich in den Pott schicken und wir können es beim gemütlichen Teil des Abends belassen und müssen nicht für einen erneuten Grottenkick unser Vorglühprogramm unterbrechen. Außer der des Kapitäns würde ich noch andere Positionen überdenken, Romeu hat endgültig das „Niveau“ dieser Truppe erreicht. Beim 2:1 gestern hat er mal wieder viel zu langsam geschaltet, sonst hätte der Fehlpass von Baumgartl vermutlich nicht diese verheerende Folge gehabt. Weshalb Hlousek, der keine vernünftige Flanke in den Strafraum bringt, Woche für Woche auflaufen darf, verstehe, wer will. Ein Leibold von den Amas bekommt keine Chance und flieht im Sommer, schlechter als Hlousek ist er auch nicht. Auch Rausch, den ich einst für einen guten Zugang hielt, ist völlig außen vor und dümpelt bei den Amas herum.
Harnik, absolut formschwach, stets überhastet verstolpert er die wenigen vielversprechenden Aktionen, diese Aufzählung könnte man fast quer durchs Team fortsetzen. Ich hoffe, dass Gruezo bald und Didavi überhaupt noch zurückkommen, waren es doch diese beiden, die auch in der letzten Saison, übrigens ab dem Dortmund-Spiel, für mehr Stabilität im Mittelfeld gesorgt hatten. Auch Ginczek, der gestern wieder bei den Amas getroffen hat, würde ich Ibisevic vorziehen.
Gestern auch wieder war unsere „Offensive“, ob Harnik, Werner oder später auch Ibisevic, hauptsächlich am Fallen und am Lamentieren, anstatt erst dann das Spielen einzustellen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es ist erbärmlich und beschämend zugleich mit anzusehen, wie erwachsene Männer von einer Windbö von den Beinen geholt werden und dann noch Mienen aufziehen, wie kleine Mädchen, denen man die Barbiepuppe weggenommen hat.
Da wir noch immer von Berufsfußballern sprechen, die in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer an den Tag legen, die Basics wie Ball stoppen und Passspiel verlernt zu haben scheinen, frage ich mich, was die Ursachen sind. Spielt die Mannschaft etwa mal wieder gegen den Trainer? Jeder Verstolperer ein kleiner Nadelstich gegen den Trainer? Da ich bei dieser Truppe keinen Charakter sehe, würde mich das jetzt nicht einmal verwundern, alles bereits dagewesen.
Es muss sich Grundlegendes ändern, wenn man die Chance auf den Klassenerhalt weiter wahren möchte. Seit gestern schließe ich dabei auch einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr aus. Wenn ein Trainer selbst zugibt, mit seinem Latein am Ende zu sein, ist es nicht nur fünf vor sondern bereits nach zwölf. Spätestens hier sollten die Alarmglocken schrillen, spätestens hier könnte der VfB mit einem Novum die Bundesligahistorie bereichern, nämlich indem man zwei Trainerrücktritte innerhalb ein und derselben Saison zu verzeichnen hätte. Das wäre nur ein weiteres Indiz dafür, dass es vorne und hinten nicht passt, was Bobic über vier lange Jahre zusammengestellt hat. Sowohl sportlich als auch menschlich passt es in der Truppe nicht, Stevens hat es bislang auch nicht geschafft, elf Spieler auf den Rasen zu schicken, die einigermaßen miteinander harmonieren und vor allem welche, die als Mannschaft auftreten.
Ich bin der Letzte, der einen weiteren Trainerwechsel fordert und schreibe lediglich, dass er mich nicht wundern würde. Jede weitere Unruhe ist nicht förderlich, allerdings muss der VfB auch jede noch seine kleine Chance ergreifen, der zweiten Liga noch zu entrinnen.
Ich unterstelle einmal, die meisten, die jetzt sagen, nur durch einen Abstieg würde sich grundlegend im Verein etwas ändern, spinnen dieses Szenario nicht weiter. Der VfB ist notorisch klamm, so klamm, dass Kimmich verkauft werden MUSSTE, um überhaupt die laufenden Kosten bis zum Ende dieser Saison gesichert zu haben. Bei einem Abstieg würden uns geschätzt noch einmal circa 20-30 Millionen Euro wegbrechen, was mich zunächst einmal um die Lizenz bangen lässt. Ich hoffe, die Finanzexperten im Verein können dazu Anfang März, wenn die Lizenzen vergeben werden, Entwarnung geben.
Dann sieht es zunächst einmal so aus, dass wohl so ziemlich alle Verträge für die zweite Liga gelten, es mag sein zu verringerten Bezügen, aber, wir haben diesen Kader zunächst einmal weiter an der Backe. Der Verein muss dann natürlich versuchen, diesen Kader auszudünnen und einen nach dem anderen an den Mann bzw. an den Verein zu bringen. Zu allererst werden dann die weg sein, die Geld einbringen (könnten), wie Rüdiger, Maxim, Baumgartl, Werner, Didavi, Gruezo, Vlachodimos und einige vielversprechende Talente mehr. Die Ulreichs, Gentners, Niedermeiers, Hlouseks, Ibisevic‘, Schwaabs usw. werden erst einmal ausloten, ob sie es überhaupt einen Abnehmer für sie gibt, der mehr bezahlt, als der VfB zahlen müsste und dann womöglich noch beteuern, dass sie beim Neuaufbau mithelfen wollen, weil ihr Herz so sehr am VfB hängt. Ich wiederum sähe nur Hoffnung auf eine grundlegende Besserung und vor allem Aufbruchsstimmung, wenn das Verhältnis genau andersherum wäre. Natürlich kann es sein, dass ein Timo Werner und vielleicht auch Timo Baumgartl ihrem Herz gehorchen und besseren Angeboten widerstehen, ob da aber auch der Verein mitspielt und nicht doch (mal wieder) lieber Kasse machen möchte, bliebe abzuwarten.
Es wäre also zu befürchten, dass wir in der zweiten Liga eine eben solche eierlose Gurkentruppe auf dem Platz stehen hätten, wie jetzt schon. Damit würden wir dann auch in der zweiten Liga nicht zwangsläufig eine gute Rolle spielen. Der Grat, nach einem ersten Abstieg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, ist schmal, dauert es im Normalfall doch Jahre, sich schon von einem einzigen Zweitligajahr zu erholen. Schafft man den Aufstieg nicht auf Anhieb, gerät man schon Lichtjahre in Rückstand und läuft Gefahr, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Spielt man in der 2. Liga nicht um den Aufstieg mit, werden Spiele mit 15.000 Zuschauern und noch weniger zum Alltag werden, so dass man eigentlich schon fast im städtischen Stadion zu Degerloch spielen und sich die hohen Betriebskosten des Neckarstadions sparen könnte.
Spätestens seit gestern muss man sich ernsthaft mit diesen Szenarien beschäftigen, so traurig es auch ist. Es ist diese Untätigkeit der Vereinsführung, vor allem dass man die letzte Saison nicht als letzten Warnschuss verstanden hat, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Abstieg wäre hausgemacht, jahrelang drauf hingearbeitet und nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Was mich gestern selbst erschrocken hat, war, dass ich wohl schon so abgestumpft bin, dass mich diese Lage nicht einmal mehr sonderlich fertig macht. 2011 in Gladbach war das noch ganz anders, da ist man mit Tränen in den Augen in der Halbzeit wildfremden Leuten um den Hals gefallen und hat, „das war’s“ gestammelt. Vier Jahre später, in denen man mehr oder weniger dahingesiecht ist und jetzt eben jemand den Stecker zieht, fühlt sich das dann eher wie eine Erlösung an.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es einmal soweit kommt. Als Fan kann man noch und nöcher „Kämpfen bis zum Schluss“ propagieren, wenn es die Truppe auf dem Platz nicht verinnerlicht und Woche für Woche enttäuscht, muss man die Situation eben irgendwann als gegeben hinnehmen und im Stillen leiden. Ändern können wir ja sowieso nichts mehr dran.
Ich würde sowieso in der 2. Liga bei der Stange und vor allem auch auswärts so aktiv bleiben wie bisher, so wie es die gewöhnungsbedürftigen Anstoßzeiten zulassen. Eines weiß ich aber schon jetzt: sollte der Abstieg Realität geworden sein und der VfB mich im Mai freundlich darum bitten, wie gewohnt Monate vor Saisonbeginn 430 Euro für meine Dauerkarte abzudrücken, können sie mich erst einmal gern haben. Da kann man dann in Ruhe beobachten, was der Verein gedenkt zu ändern, wie die künftige Mannschaft aussehen wird, wer das sportliche Sagen hat und vieles mehr.
Mein Pessimismus ist die eine Sache, meine Liebe zum Verein eine andere. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen, der Verein bleibt!
11. Februar 2015
Nachdem das Buchprojekt endlich Konturen annimmt und sich in der Schlussphase befindet, finde ich endlich mal wieder Zeit, die aktuelle Lage unseres VfB zu kommentieren.
Die Winterpause verlief einigermaßen unspektakulär und doch machte sie mir zunächst einmal Sorgen. Unser Super-Talent Joshua Kimmich, mit Rückkaufoption an RB Leipzig verkauft, erklärte klipp und klar, dass er nicht mehr zum VfB zurückkehren wolle. Wer mochte es ihm verdenken? Er hatte es niemals vor, so früh sein hiesiges und familiäres Umfeld zu verlassen, wurde damals aber von Fredi Bobic und Bruno Labbadia dazu gedrängt, indem sie ihm nicht einmal einen Platz in der zweiten Mannschaft, also in der 3. Liga, zugestehen wollten. Er selbst wäre diesen Umweg gerne gegangen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Eine Leihe (bzw. Verkauf mit Rückkaufoption), oder besser Abschiebung, zu einem anderen Verein birgt immer das Risiko, dass der Spieler sich woanders wohler fühlt, und innerlich mit seinem Stammverein abschließt. Das war bei Julian Schieber so, das war auch zeitweise bei Daniel Didavi so, der am Ende nur froh war und es auch sein konnte, dass der VfB, als er mit einer schweren Verletzung vom Club zurück kam, ihm beigestanden hat und seinen Vertrag verlängerte, so dass er keine Zukunftsängste haben brauchte.
Bei der U19-Europameisterschaft fiel mir Kimmich sehr positiv auf, so dass ich mich sehr auf ihn freute und natürlich hoffte, dass der VfB auch hingeschaut hat und die Rückkaufoption in Anspruch nimmt.
Spieler, die man so leichtfertig fortschickt, erfahren in einem fremden Umfeld auf einmal Dinge, die es beim VfB schon lang nicht mehr gibt. Wertschätzung des Vereins, Wertschätzung der eigenen Fans und ein leistungsorientiertes Umfeld, wo eben der spielt, der besser ist und sich im Training aufgedrängt hat. Bei uns aber ist die Stammmannschaft seit Jahren ein mehr oder weniger geschlossener Kreis mit ein paar Positionen, die aus unterschiedlichen Gründen unantastbar sind. Sei es eine besondere Lobby, Stammplatzgarantien oder auch schädliche Geschäftsbeziehungen von (Ex-)Manager Bobic mit Spielerberater Schwab (Gentner, Ulreich). Solche Verstrickungen und das daraus resultierende jahrelange Durchschleppen von manchen Spielern sind für mich maßgeblich mitverantwortlich für die Misere, wie wir sie in den letzten Jahren hatten und haben.
Hätten solche Garantien oder „Freundschaftsdienste“ keine Rolle gespielt, stünde möglicherweise heute Leno im Tor und zwei der vielen schon neben und wegen Gentner gescheiterten Nebenmänner, nicht zuletzt wären die Chancen für einen Joshua Kimmich ungleich größer gewesen, es ins Team zu schaffen. An dieser Stelle zitiere ich mal User homer aus dem offiziellen VfB-Forum, wie ich finde, ein sehr guter Ansatz zur Personalie Gentner: „Bekommt Gentner einen reinen Abräumer neben sich gestellt (Kvist), wird nach kurzer Zeit dieser kritisiert, weil er kein Spiel aufbauen kann, obwohl es dann eigentlich Gentners Aufgabe war. Bekommt Gentner einen Spielorganisator, der feine Bälle von hinten heraus spielen kann zur Seite (Oriol, Leitner), hagelt es schon bald Kritik, dass diese keine Zweikämpfe gewinnen. Dabei wäre das dann Gentners Aufgabe. So oder so, Gentner kam immer gut raus aus der Situation…“.
Dies sind nur einige Nachwirkungen der Ära Bobic, die uns vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen werden.
Durch den Verkauf Kimmichs an den FC Bayern, der sogar noch die unendliche Güte besaß, einen Teil der Ablöse Cash auf den Tisch des Hauses zu legen, wurde verhindert, dass ob der notorischen Geldarmut gar ein Leistungsträger im Winter verkauft werden musste, „nur“ um die laufenden Kosten bis Saisonende zu sichern. So kam der VfB zu diesem Geld wie die Jungfrau zum Kinde und hat natürlich auch gleich zugegriffen, um Löcher zu stopfen, wie es schön hieß. Auch wenn viele Kimmich eine Karriere wie Sami Khedira zutrauen und der „Abgang“ höchst schmerzlich ist, blieb dem Verein im Grunde keine andere Wahl. Es bringt ja auch nichts, einen unwilligen Spieler zu holen, außerdem, wenn Bayern ruft, hat man als VfB Stuttgart im Grunde sowieso keine Chance, den Spieler zu halten. Das Tischtuch wurde bei seinem Wechsel nach Leipzig zerschnitten, daher war das Verhältnis jetzt nicht mehr zu kitten, schade!
Dann wurde am Dreikönigstag Robin Dutt als Bobic-Nachfolger vorgestellt. Ich gebe es zu, mein Favorit war er nicht. Nach wie vor halte ich es ihm vor, dass er den elementar wichtigen Posten des Sportdirektors beim DFB beim erstbesten Angebot eines Bundesligisten, hingeschmissen hatte. Das war für mich erstens schlechter Stil und zweitens das Verhalten eines Menschen, der nicht weiß, was er will. Natürlich ist er jetzt beim VfB wieder näher an einer Mannschaft dran, als er das beim DFB war, aber, seine Aufgaben dürften dort auch vor der Unterschrift schon bekannt gewesen sein. Selbstredend brachte sich der VfB selbst in diese Bredouille, mitten in einer Saison, den Sportdirektor wechseln zu müssen, weil unter die Personalie Fredi Bobic nicht wie von vielen erwartet und gefordert schon im Mai 2014 der Schlussstrich gezogen wurde. So brachte man sich wieder einmal selbst unter Zugzwang und musste aus den Resten, die der Markt hergab, die bestmögliche Lösung suchen. Einen Stefan Reuter anzubaggern, der beim FC Augsburg einen tollen Job verrichtet, hielt ich nicht nur für aussichtslos sondern auch für stillos. Ein Manager, der während der Saison alles stehen und liegen lässt, um wegen ein paar Euro fuffzig mehr woanders anzuheuern, wäre wohl alles nur nicht loyal und vertrauenswürdig.
Ich hätte, aus Mangel an wirklich guten Alternativen, damit leben können, wenn Jochen Schneider und Huub Stevens zusammen die Planungen vorangetrieben und den neuen Mann zum 1.7. erst präsentiert hätten. Dann hätte man sich durchaus (jetzt schon) darum bemühen können, jemanden, wie Reuter oder auch Schmadtke, um nur zwei potentielle Kandidaten zu nennen, aus ihrem Vertrag zu bekommen. Wäre man sich einig geworden, hätte der neue Mann ja trotzdem in Entscheidungen, die neue Saison betreffend, eingebunden werden können.
Hätte, wenn und aber, jetzt haben wir Dutt und ich drücke die Daumen, dass es gut wird und wieder aufwärts geht. In Sachen Verzahnung Nachwuchs – Amateure – Profis eilt ihm aus Freiburg ja ein guter Ruf voraus. Ist diese Durchgängigkeit wieder eine Selbstverständlichkeit und schafft er es die Leistungskultur in unserem Verein wieder zum Leben zu erwecken, wäre schon viel gewonnen. Wünschenswert wäre es auch, wenn dieser Sportdirektor seinen Urlaub dann nehmen würde, wenn die Arbeit getan ist und nicht im Juli. Bei zukünftigen Neuverpflichtungen soll ja in Zusammenarbeit mit dem Scouting, Management und Trainerstab eine Einstimmigkeit erzielt und erst dann jemand verpflichtet werden, wenn diese gegeben ist. Es wäre schon ein bahnbrechender Fortschritt, wenn von nun an die Spieler, die an den Neckar gelotst werden, auf ihren Charakter hin, ihr privates Umfeld, ihre (Spiel-)Intelligenz und weitere Kriterien durchleuchtet würden und man keine Spieler mehr ausschließlich nach einem DVD-Studium oder einem Telefonat aus New York City verpflichtet. Bisher hört man von Dutt beim VfB nur Gutes, ich hoffe, es bleibt so und wünsche ihm ein gutes Händchen und viel Erfolg.
Meine Vorbehalte habe ich jetzt bei Seite geschoben, ich wünsche mir einfach, dass Dutt uns wieder in ruhigere Fahrwasser führt und wir alle gemeinsam wieder bessere Zeiten erleben, angefangen natürlich mit dem Nichtabstieg. Vor Ablauf seiner ersten 100 Tage verbietet sich eine Beurteilung sowieso, nach ein, zwei Transferperioden kann man ein erstes Zwischenfazit ziehen.
In diesem Jahr waren wir erstmals im Wintertrainingslager in Lagos. Das Wetter ließ zu wünschen übrig, angeblich hatte es sechs Wochen lang nicht geregnet, bis der VfB dann kam. Wir hatten jeden Tag Regen, mal mehr, mal weniger und böigen Wind, so dass es zwar wärmer als in Deutschland war, nicht aber so warm, wie wir es uns gewünscht hätten. Stevens‘ Training hatte mir sehr gut gefallen, die Jungs haben richtig Gas geben müssen. Stevens, mal locker, mal streng, eine gute Mischung. Chima Onyeike und „Papa“ haben die „Mannschaft“ richtig schwitzen lassen, so dass sie eigentlich konditionell auf der Höhe sein sollten. Es fallen eben die extremen technischen Unzulänglichkeiten, die man auch in den Spielen sieht, auf und, da ich schon verschiedene Mannschaften in verschiedenen Trainingslagern gesehen habe, kann ich auch sagen, dass die Stimmung schon besser war als derzeit in der Truppe, aber, das sieht man ja auch bei den Spielen auf dem Platz. Wenn man dann noch manche Torschusstrainings sah, bei denen die meiste Laufarbeit Zeugwart Micha Meusch, der die Bälle suchen und einsammeln musste, kann es einem schon etwas angst und bange werden. Symptomatisch für dieses Trainingslager bei nicht ganz so optimalen Wetterbedingungen und kaum vorhandenen Testgegnern war dann noch, dass das erste von nur zwei Testspielen (leider auf der Hotelanlage, ohne Tribüne, vor allem ohne Bierstand!) gegen die albanische Spitzenmannschaft K.F Laci ins Visier der albanischen Wettmafia geraten ist und sich somit das 5:0 als wertlos herausstellte. War aber schon auch eine komische Taktik der Albaner, die in der zweiten Halbzeit ihre Viererkette an der Mittellinie postiert hatten. Von der Fanbetreuung war Klenky vor Ort, der uns etwa 25 Fans dann noch im Namen des VfB in die Bar des Mannschaftshotels auf ein paar Kaltgetränke eingeladen hatte. Von den Spielern war der Kapitän angekündigt, gekommen sind dann (bis zum Beginn des Mannschafts-Abendessens) zusätzlich noch Schorsch Niedermeier, Ulle, Flo Klein, Timo Werner und Mart Ristl. War ein kurzes Aufeinandertreffen, aber wirklich nett, auch wenn man schon den Eindruck bei so manchem hatte, dass er froh war, als es endlich vorüber war. Gerade in diesen düsteren Zeiten ist eben auch da nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sondern man hinterfragt schon das eine oder andere, wenn man schon mal die Gelegenheit dazu hat.
Positiv herausgestochen haben für mich in Lagos eigentlich ausschließlich die Youngsters. Von den überraschend Mitgenommenen Jugend- und Amateurspielern haben mich vor allem Ristl und Sama überzeugt, auch Vlachodimos machte einen starken Eindruck. Er hat etwas Katzenartiges wie einst Gerhard Heinze. Timo Werner besticht für mich durch sein normales Auftreten. Anfangs hatte kaum einer seine Lippen zu einem Guten Morgen auseinandergebracht, nicht so Timo Werner, der uns gleich ein, „hallo, Servus“ entgegenwarf. Auch Meuschi (und den anderen Teambetreuern) gegenüber, dem die meisten ihr Zeug nur hinwerfen, pflegt er einen normalen Umgang, reicht es ihm hin oder legt es noch zusammen und trägt auch jeden Tag als einer der wenigen Spieler einen Kasten Ensinger zurück ins Hotel. Es sind so Kleinigkeiten, die aber auf eine gute Erziehung, ein gutes Elternhaus schließen lassen und einen, der nicht meint, ihm gehöre die Welt und dass er etwas Besseres sei. Ich finde ihn einen klasse Burschen und hoffe inständig, dass er hier bei seinem Traumverein sein Glück findet und seine sportlichen Ziele erreichen kann. Es wäre ein Jammer, ihn verlieren zu müssen, nur, weil der Verein durch jahrelange Misswirtschaft an die Wand gefahren wurde. Natürlich steckt er im Formtief derzeit, ihn muss man aber stützen, weiß man doch, was er drauf hat. Läuft es in der Mannschaft wieder besser, spielen wir sicherer, kann auch er seine Stärken wieder besser ausspielen. Es ist immer schwer für einen Teenager die Bürde des großen Hoffnungsträgers zu tragen, der das Ruder herumreißen soll, verkehrte Welt bei uns, eigentlich sollten diesen Part die erfahrenen Spieler einnehmen…
Robin Dutt indes hat mit Serey Die, dem frischgebackenen Afrikameister, seinen ersten Neuzugang an Land gezogen. Anscheinend hatte er ihn schon zu seiner Freiburger Zeit auf dem Zettel, damals war er unbezahlbar. Da er bei seinem Ex-Club FC Basel in Ungnade gefallen ist, war er jetzt zum Schnäppchenpreis zu haben. Ihm eilt der Ruf des „Enfant terrible“ voraus, der immer „gut“ für eine rote Karte ist. Einige Szenen habe ich auch bereits vom Afrika-Cup gesehen, die das untermauern. Ich hoffe mal, dass er, der ja den europäischen aus Basel gewöhnt sein sollte, sich ein wenig zügelt, nicht dass er gleich wieder fehlt, bevor wir ihn richtig kennenlernen durften. Ein Spielertyp, der uns bisher fehlt, ist er auf jeden Fall, zweikampfstark, ein Kampfschwein und brutal schnell zudem und das trotz seiner schon 30 Jahre auf dem Buckel. Ich freue mich auf ihn und bin gespannt, wer aus unserem Hochgeschwindigkeitsmittelfeld für ihn weichen muss. Hoffentlich reicht es bereits für Hoffenheim, wenn er bereit ist. Wie man es vom VfB aber kennt, wird er sicherlich erst einmal einsam seine Runden an Clubheim drehen, anstatt mit der Mannschaft nach Sinsheim zu fahren. Ein Spielertyp, der uns gefehlt hat, ist er auf jeden Fall. Ob er auf Anhieb eine Führungsrolle einnehmen kann, wird man sehen. Verständigen kann er sich nur auf Französisch, aber, man weiß ja, die Fußballersprache ist international.
Die Rückrunde ist bereits wieder drei Spieltage alt. War es nun ein Fehlstart oder einfach nur dem schweren Startprogramm geschuldet? Einen Punkt mehr als zu Beginn des Jahres 2014 haben wir ja bereits gesammelt. Gegen Gladbach und Bayern rechnete ich jedenfalls schon vorher mit einer Niederlage. Gegen Gladbach fiel sie sogar knapper aus, als ich es befürchtet hatte. Der Beginn war katastrophal, so dass man schnell hätte in Rückstand liegen können, wenn nicht müssen. Danach wurde Gladbach dann schwächer, so dass das Spiel ausgeglichen war und sogar auch der VfB in Führung hätte gehen können. Just dann, als man nicht unbedingt mit der Gladbacher Führung rechnen musste, kam sie. Dämlich dabei, dass sich der VfB auskontern ließ. Irgendwie lernt die Mannschaft nicht aus den Fehlern der Vergangenheit. Dennoch hatte man noch Chancen und in der Nachspielzeit durch Georg Niedermeier DIE Chance schlechthin. Den muss er machen, unglaublich die Kugel aus vier Metern an die Latte zu hämmern. Dennoch war das Spiel ein Spiegelbild der Hinrunde. Unglaubliche Schwächen bei gegnerischen Standards und Konteranfälligkeit auf der einen, Harmlosigkeit im Angriff auf der anderen Seite, weil es eben so gut wie nie gelingt, hinter die gegnerische Abwehrreihe zu kommen. Dies verhindert zum einen das behäbige Spiel aus dem Mittelfeld, das oft beim eigenen anstatt beim gegnerischen Torwart endet oder technische Unzulänglichkeiten wie ungenaue Pässe oder Fehler beim Ballstoppen, die einem Angriff den Schwung nehmen. Das sind die sogenannten Basics, die ein Profi eigentlich drauf haben müsste.
Danach ging es nach Köln, endlich mal wieder, immer wieder ein Highlight die Atmosphäre in diesem Stadion und auch die Stadt. Die letzten sieben Bundesligaspiele in der Domstadt verlor der VfB nicht, zudem ist Köln nach dem VfB zweitschlechteste Heimmannschaft. Wenn nicht jetzt, wann dann, war man geneigt zu sagen, sollte es mit einem kleinen Befreiungsschlag klappen, zumal die nächsten Aufgaben gegen Bayern, in Hoffenheim, gegen Dortmund und in Hannover kaum einfacher werden dürften. Meine Hoffnung darauf bekam schon den ersten Dämpfer, als ich die Mannschaftsaufstellung vernommen hatte. Eine Offensive mit lediglich Sararer und Harnik fand ich von vornherein ein wenig dürftig und zeugte nicht unbedingt davon, dass man das Spiel unbedingt gewinnen wollte. Man hatte zwar durch Harnik und Leitner zwei Chancen, was aber in 90 Minuten insgesamt zu wenig ist. Weitere Offensivkräfte wie Ibisevic und Maxim wechselte Trainer Stevens erst in der 87. Und in der 90. Minute ein, so dass es schon den Anschein erweckte, Stevens wäre tatsächlich bei schwachen Kölnern mit dem 0:0 zufrieden, was ich nicht nachvollziehen konnte. Die Defensive stabiler aufzustellen als es Armin Veh tat, ist zwar ein probates Mittel, wenn diese neue Stabilität jedoch dann Offensivakteure und weitestgehend Offensivaktionen ausschließt, ist das Ganze nicht mit anzuschauen und zudem nicht sehr erfolgversprechend. Für mich war das folgerichtige 0:0 in Köln eindeutig zu wenig.
Dann kamen die Bayern. Auch wenn es nicht das befürchtete Debakel gab, auch für ein 0:2 und eine unerwartet gute Abwehrleistung gibt es keine Punkte. Die Bayern taten nicht mehr als nötig und siegten, so dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Bereits nach dem Hinspiel gab es Pappenheimer, die sich dafür feiern lassen wollten, weil es kein Debakel gab, auch dieses Mal gab es überwiegend lobende Stimmen aus der Mannschaft. Ich lese, man habe Pech gehabt, wenig zugelassen usw. Einen Torschuss, den von Sakai, haben wir in 90 Minuten zustande gebracht, Manuel Neuer musste keinen einzigen Ball halten, so kann man einfach nicht gewinnen. Und wenn man sich dann bei dem 0:1 wie auf dem Bierdeckel ausspielen lässt, Ulle zudem zu weit vor dem Tor steht, liegt man eben zurück und es ist doppelt schwer noch etwas Zählbares zustande zu bringen. Dann noch das 0:2 und die Bayern konnten das Ergebnis kraftschonend verwalten. So waren alle zufrieden, der VfB dass ja die Abwehr so toll stand und die Bayern, weil sie ihren ersten Rückrundensieg mühelos einfahren konnten. Alle? Nein, ich war nicht zufrieden. Natürlich hatte ich nicht ernsthaft dran geglaubt, dass wir den Bayern weh tun könnten, aber, ich bin eben auch Zeitzeuge früherer Schlachten und gebe mich nicht damit zufrieden, als Sparringspartner lediglich ein blaues Auge und keinen K. O.-Schlag versetzt bekommen zu haben. Verloren ist verloren, wir dümpeln weiterhin mit 18 Punkten im Keller vor uns hin, uns fehlen weiterhin noch sechs Siege, um gute Chancen auf den Klassenerhalt zu haben.
Nur, gegen wen sollen die gelingen? Wir haben zwar einige direkte Konkurrenten noch zu Gast im Neckarstadion, ob das jetzt gut ist in Anbetracht von zuletzt sechs (!) Heimspielen ohne eigenes Tor, sei dahingestellt. Spiele, wie das in Köln, wo einem in Anbetracht der unterirdischen Leistung des Gegners die Punkte auf dem Silbertablett serviert werden, müssen ohne Wenn und Aber gewonnen werden, soll das zarte Pflänzchen Hoffnung weiter blühen. Ich versuche es, positiv zu denken und daran zu glauben, dass es Huub ein zweites Mal richten wird. Nur gibt es derzeit sehr wenig, das mir Hoffnung macht. Der VfB ist die Mannschaft in der Liga, die den langweiligsten und langsamsten Fußball praktiziert, für die der Spielaufbau ein Fremdwort ist und die aus ihren einfachen Fehlern einfach nicht zu lernen imstande ist. So wird es sehr, sehr schwer.
Ob es ausgerechnet an der Autobahnraststätte Sinsheim am Samstag die Wende geben wird? Hoppenheim ist zwar noch schlechter in die Rückrunde gestartet als der VfB, hat aber spielerisch weit mehr zu bieten als wir, so dass zu befürchten ist, dass wir einmal mehr der ideale Aufbaugegner für einen am Boden liegenden Gegner sind. In ähnlicher tabellarischer Situation setzte es dort im letzten Jahr ein sang- und klangloses 1:4, damals allerdings noch im Hurra-Stil mit Thomas Schneider an der Linie. Hoffnung macht mir allenfalls, dass das Stadion in weiß-roter Hand sein wird. Wie viele andere auch, habe ich mein Ticket beim Heimverein direkt bestellt. Auch Stand heute gibt’s da noch Tickets, so dass auch jetzt noch VfBler die Chance haben, sich an diesem Kontingent zu bedienen, greift zu! Ob die Mannschaft diese Unterstützung als Auftrag betrachtet oder sich wie in einem Heimspiel wähnt und dann nicht einmal mehr ein Tor zustande bringt, warten wir es ab. Im Grunde kann es nur besser werden!
22. Dezember 2014
Selten war ich so froh wie am Samstag, die Truppe ein paar Wochen nicht sehen zu müssen und mich in nächster Zeit vermehrt den schönen Dingen des Lebens zuwenden zu können. Die einst schönste Nebensache der Welt ist beim VfB zu einem gequälten Dahinsiechen verkommen, war man einst der Verein für Begeisterung ist man nunmehr nach mindestens vier Jahren Misswirtschaft zum Verein für Bedeutungslosigkeit oder auch zum Verein für Bewegungslosigkeit mutiert. War man vor noch nicht allzu langer Zeit selbst motiviert bis in die Haarspitzen und holte in den neunzig Minuten auch auf der Tribüne alles aus sich heraus, kauert man heute in seinem Sitz und schaut dem Treiben auf dem Platz fast schon mitleidig zu.
Gegen die Fußballmacht Paderborn ließ der VfB mal wieder alles vermissen, was den Fußball ausmacht. Kein Tempo, keine Aggressivität, Zweikampfschwäche, an Ideen- und Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Gerade einmal vier Tore (drei davon allein beim 3:3 gegen Leverkusen nach 0:3-Rückstand) brachte der VfB in dieser Saison zu Hause zustande, bei 16 Gegentoren. Acht Heimspiele, die an die Nieren gingen. Was versprach man sich nicht alles durch den Umbau des Neckarstadions in ein reines Fußballstadion? Eine Festung sollte es werden, die allen Mannschaften, national und international das Fürchten lehrt und ein Hexenkessel ist.
Die Realität aber sieht leider anders aus, eine „Mannschaft“, die keine ist, die das kleine Einmaleins des Fußballs nicht kann, die fußballerische und Konzentrationsschwächen an den Tag legt, jegliche Identifikation mit Stadt und Verein vermissen lässt und dann noch beleidigte Leberwurst spielt, wenn das Publikum diese Vorstellungen nicht noch goutiert. Ständig hören und lesen wir von der angeblichen Qualität in dieser Truppe, auf dem Platz lassen diese jedoch selten bis nie aufblitzen.
Ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn meine Mannschaft verloren hat, wenn, dann dürfte ich mein Herzblut nicht in diese Sportart und schon gar nicht in diesen Verein stecken. Sieg und Niederlage gehören zum Fußballspiel wie das Bier und die Stadion-Rote. Aber, an der Art und Weise von Niederlagen störe ich mich schon hier und da, dann nämlich, wenn man sich fragen muss, was die Jungs auf dem Platz eigentlich beruflich machen, was sie denn im Kopf haben, wenn die gleichen Fehler immer und immer wieder gemacht werden. Was sie ihrem Arbeitgeber und den Fans zurück zu geben sie bereit sind, oder ob sie sich in einer Einbahnstraße sehen, in der man zwar das fürstliche Gehalt einstreichen darf, sich dafür aber zu keinerlei Gegenleistung verpflichtet sieht? Ob man es als zahlender Kunde nicht erwarten kann, dass ein Fußballprofi ein oder zwei Mal die Woche für 90 Minuten alles aus sicher herausholt, alles für den Verein gibt und nicht nach einem zufällig gewonnenen Spiel der Schlendrian einkehrt. In Hamburg lag spielerisch auch einiges im Argen, hatte man Glück, dass der HSV einen grottenschlechten Tag erwischt hatte, dort aber stimmte wenigstens die kämpferische Einstellung. Dadurch hatten sie sich den Sieg auch verdient.
Vier Tage später, man darf dabei nicht vergessen, dass Paderborn einen Tag weniger Zeit zur Regeneration hatte, kickt man dann wieder einen solchen Stiefel zusammen? Kein Wunder, dass wir seit nunmehr 15 Monaten keine zwei Siege in Folge mehr feiern durften, wenn nach einem Sieg gleich wieder Selbstzufriedenheit einkehrt und jeder denkt, es würde schon von selbst laufen.
Ganz schön angefressen war Huub Stevens nach dem Spiel. Ihm dürfte spätestens am Samstag klargeworden sein, welchen Sauhaufen er hier übernommen hat und welch harte Arbeit vor ihm liegt. Das Team muss über kurz oder lang komplett verändert werden. Armin Veh hat dies nach seinem Abschied durch die Blume gesagt, Dieter Hoeneß gestern bei Sport im Dritten unverblümt. Es wurde zu lange auf falsche Pferde gesetzt, die Zusammenstellung des Kaders ist unter aller Sau, wir haben zu viele ähnliche Spielertypen und vor allem keine Führungsspieler.
Wir haben keinen einzigen in der Mannschaft, der das Heft in die Hand nimmt und auch mal dazwischenhaut, wenn es nötig ist. Es herrscht keine bzw. eine falsche Hierarchie. Leute wie Romeu, Gruezo oder Kostic hätten zumindest in puncto Körpersprache das Zeug voran zu gehen, sind aber als Neulinge oder sogar Leihspieler nicht dazu prädestiniert und stellen sich naturgemäß erst einmal hinten an.
Kapitän Christian Gentner mag ein Laufwunder sein, leider hat er sich die falsche Sportart für diese läuferischen Qualitäten ausgesucht. Wenn Stevens ein unmissverständliches Zeichen setzen möchte, sollte er Gentner des Amtes entheben und die Binde Mister X geben, der hoffentlich noch kommt und von dem Stevens dann überzeugt ist und sein verlängerter Arm werden könnte. Vom derzeitigen Kader fällt mir so gut wie niemand ein, der dieses Amt übernehmen könnte, ich weiß nur, dass Gentner mit der Binde und der ihm damit aufgebürdeten Führungsrolle überfordert ist.
Sven Ulreich, auch am Samstag wieder mit ein, zwei guten Paraden, dafür ist er schließlich Torwart, aber eben in Kombination mit einigen Unsicherheiten. Die Spieleröffnung, seine langen Bälle, eine einzige Katastrophe, Antizipation ebenfalls, da hatte er zwei Mal Glück, dass nichts passiert ist. Mir fällt derzeit kein anderer Bundesligatorwart ein, der in jedem Spiel mindestens zwei, drei Böcke drin hat. Fast jeden Ball lang auf Harnik, selbst dann, als Harnik schon ausgewechselt war. Laut Kicker-Statistik 59% Fehlpässe (Kruse 26%), so kann doch kein vernünftiges Aufbauspiel stattfinden, wenn der erste in der Kette den Ball meistens dem Gegner hergibt. Auch das ist eine Personalie, mit der ich (bekanntermaßen) seit Jens Lehmanns Karriereende Bauchschmerzen habe. Ulle profitierte lang von der Tatsache, dass sein Berater Schwab und Fredi Bobic Freunde und Geschäftspartner sind, es war ja dann auch kein Zufall, dass, sobald Bobic entlassen wurde, der Torwartwechsel erfolgte. Ich hatte Armin Veh auf dem Kabinenfest Anfang September genau auf diese Problematik angesprochen und erntete vielsagende Blicke, so dass mir klar war, ohne dass er groß etwas dazu sagte, dass ich offene Türen bei ihm eingerannt hatte. So war der Torwartwechsel irgendwann einfach nur logisch und bei weitem nicht nur Ulles Patzer in Dortmund geschuldet. Einige meinten ja, wegen EINEM Fehler, den Torwart herauszunehmen, das würde ja gar nicht gehen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das bei Ulle nicht passt und bei dem vor allem keine Verbesserung zu erkennen ist. Außer seinen Stärken auf der Linie hat er für mich fast nur Schwächen und ist er vor allem Torwart moderner Prägung. Natürlich hat Manuel Neuer diesbezüglich die Messlatte hoch angesetzt, natürlich wird es keinem Torhüter gerecht, ihn an Neuer zu messen, aber, besseres mitspielen, besseres fußballerisches Können, besseres Stellungsspiel, bessere Handlungsschnelligkeit, etc. pp. darf man von einem Bundesligatorwart schon erwarten. Dass Thorsten Kirschbaum auch nicht besser war, heißt nicht automatisch, dass Ulle wieder unangefochtene Nummer 1 sein muss.
Er muss sich warm anziehen wie der Rest der Truppe und, sollte er sich, gemeinsam mit Menger, nicht wieder aufs Niveau von vor zweieinhalb Jahren bringen können, muss man Vlachodimos eine Chance geben und am besten Ulle und Kirsche verkaufen, bevor Vlachodimos es Leno nachmacht und das Weite sucht.
Ich befürchte, dass die notwendigen personellen Korrekturen in der Winterpause nicht durchgeführt werden können. Zum einen ist der Verein notorisch pleite, zum anderen aber gibt der Winter-Transfermarkt auch nichts her, außer unzufriedenen Spielern, bei denen es ungewiss wäre, ob sie den Schalter so schnell umlegen und uns sofort helfen würden. Man hat schließlich nicht immer das Glück wie wir 2011, als Hajnal und Okazaki sofort einschlugen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatten.
So werden wir wohl oder übel mit diesem Kader auskommen müssen, so sehr allein der Gedanke daran auch Angst macht. Stevens wird eine härtere Gangart einschlagen, das war aus seinen Worten an diesem Wochenende deutlich herauszuhören. Seine PK nach dem Spiel fand ich erfreulich, endlich mal ein Trainer, der sich nach diesem Grottenkick nicht vor „seine“ Spieler sondern sie an den Pranger stellt und Klartext redet, nämlich, dass man mit einer solchen Einstellung kein Spiel gewinnen kann. Was mussten wir uns nach durchaus ähnlichen Spielen schon vorwerfen lassen, wir wären verwöhnt, was wir denn wollten, die Leistung war doch o. k. , wir haben uns „nur“ nicht belohnt.
Unsere Heimbilanz ist schon jetzt katastrophal, gegen Mannschaften wie Köln und Augsburg, die unter normalen Umständen zu unserer direkten Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg gehören, verlieren wir, gegen Paderborn, von den meisten als Absteiger Nummer eins gehandelt, spielen wir unentschieden und sind die schlechtere Mannschaft, und gegen die „Großen“ in der Liga, wie Wolfsburg und Schalke, holen wir uns Klatschen ab, so dass der Klassenunterschied schon jetzt klar zu sehen ist. Leverkusen ist auch in diese Kategorie einzuordnen, auch gegen die Werkself war es nach dem 0:3 zur Halbzeit zapfenduster. Vor den ersten Heimspielen in der Rückrunde kann einem daher nur angst und bange werden, heißen die Gegner doch Gladbach, Bayern und Dortmund. Ja, auch den BVB reihe ich noch in die Kategorie der Top-Teams ein und bin überzeugt davon, dass der BVB zumindest noch in die obere Tabellenhälfte klettern wird.
Gegen biedere Paderborner war einzig Daniel Didavis Rückkehr ein Lichtblick. Vor allem seine Standards wohltuend, schade, dass der zurzeit formverbesserte Alexandru Maxim verletzt passen musste. Außer Ulle und Gente, die enttäuschten, war Sakai einmal mehr nicht bundesligatauglich. Martin Harnik verlor so gut wie jeden Zweikampf und jedes Kopfballduell, Hlousek an seinem Geburtstag mit mehr Schatten als Licht. Auch Timo Werner ist schon die ganze Saison nur ein Schatten seiner selbst, wobei ich es den Youngstern nicht einmal verdenken kann. Die jungen Spieler brauchen Führung, gestandene Spieler neben sich, zu denen sie aufschauen, von denen sie lernen können. Wir zahlen momentan die Zeche für die „Firmenkultur“, die von oben nach unten vorgelebt wird. Anstatt Leute mit Ecken und Kanten und kontroversen Meinungen zu holen und sich die Köpfe heiß zu reden, wird eher Wert darauf gelegt, dass jeder seine Klappe hält. Wer dieses Spiel nicht mitzuspielen bereit ist, wendet dem Verein den Rücken zu. Wem sein sicherer Posten aber wichtiger ist, als sichtbarer Erfolg und kontinuierliche Verbesserung, der bleibt auch dann auf seinem Posten kleben, wenn er erkennt, dass im Grunde alles umsonst ist, was er tut. So muss es doch bspw. auch Andi Menger gehen, der einen Leno gehen lassen muss und Ulreich krampfhaft zur Nummer Eins erklärt wird, nur weil man ihm das bei der Lehmann-Verpflichtung mal versprochen hat und weil er eben das so wichtige Vitamin B hat.
Auch Fredi Bobic äußert sich heute im Kicker erstmals nach seinem Rauswurf, auch er lässt kein gutes Haar am mächtigen Aufsichtsrat, auch er sieht es inzwischen so, gegen Windmühlen angekämpft zu haben. Wenn es so schlimm und seine Mission zum Scheitern verurteilt war, frage ich mich, weshalb er dann nicht den Bettel hingeschmissen hat. Da er dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste vom VfB steht, sollte er dennoch vorsichtig sein, was das Nachtreten angeht. Er wäre nicht der Erste, der sich nachträglich noch eine fristlose Kündigung einhandelt, wenn betriebliche Abläufe oder Interna an die Öffentlichkeit getragen werden. Der VfB muss sparen, wo es geht, so gesehen käme ihm das sicherlich entgegen. 
Was die Bobic-Nachfolge angeht, bin ich äußerst skeptisch, ob man im Verein gewillt ist, einen Mann mit eigenen Visionen zu holen oder wieder nur einen, der für die Vereinsführung und den mächtigen Aufsichtsrat ein bequemer Zeitgenosse ist, den man noch „ziehen“ kann. In diese Kategorie fällt für mich auch der derzeit favorisierte Robin Dutt. Zwar hat er jetzt nicht den viel zitierten Stallgeruch, aber, er dürfte schon zu Beginn sehr dankbar sein, wieder nahe seiner Heimat Leonberg seinen Dienst verrichten zu dürfen. Seit seiner Zeit in Freiburg hat er nichts mehr gerissen, ist in Leverkusen grandios gescheitert, hat den Job beim DFB selbst geschmissen und auch in Bremen keine Bäume ausgerissen.
Gerade seine Demission beim DFB werfe ich ihm vor. Matthias Sammer hatte für diesen Posten Maßstäbe gesetzt und den Grundstein für die Erfolge der U-Nationalmannschaften und auch den WM-Gewinn in Brasilien gelegt. Einen für Fußball-Deutschland so elementar wichtigen Posten nach noch nicht einmal einem Jahr beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga zu kündigen und beim DFB ein Vakuum zu hinterlassen, das spricht für mich nicht für Charakterstärke. Damals stellte er angeblich fest, dass er Trainer mit Leib und Seele sei und sich eher auf dem Platz denn am Schreibtisch zu Hause sieht, um jetzt die Rolle rückwärts zu schlagen? Für mich äußerst fraglich, ob wir mit diesem Mann in eine erfolgreiche Zukunft gehen können. Was, wenn der nächste Sinneswandel bei ihm eintritt? Dieses Risiko sollte der VfB genau abwägen, wurde man doch nach Armin Vehs Rücktritt schon kalt erwischt. Im übrigen würde es Dutt kraft seines Amtes auch mit Spielern zu tun bekommen, die trotz laufenden Vertrages eine Luftveränderung meinen zu brauchen, wie soll er hier argumentieren und auf die Gültigkeit von Verträgen pochen, wenn er selbst eine solche Wankelmütigkeit an den Tag legt.
Bei der Sportdirektorensuche ist nach wie vor der Zeitpunkt der Trennung von Fredi Bobic das große Problem. Es ist nun bereits die zweite Saison, die man wegen Zauderei frühzeitig in den Sand gesetzt hat, bevor sie richtig begann. War es erst Bruno Labbadia, dessen Vertrag man nicht zum Saisonende auslaufen ließ, nun also Fredi Bobic, dem man bereits im Mai dieses Jahres seine Papiere hätte geben müssen. Beide Male war der Transfermarkt bereits geschlossen, so dass die jeweiligen Nachfolger nichts Grundlegendes mehr ändern konnten. Unter diesen Voraussetzungen ist es schon äußerst bemerkenswert, dass wir mit Huub Stevens dank acht Punkten aus sechs Spielen überhaupt noch in Schlagdistanz sind. Zeitweise sah es schon bedenklicher aus, ab Platz 10, zu dem wir zwei Punkte Rückstand haben, kann es noch jeden erwischen, so gesehen ist die Ausgangsposition für die Rückrunde so schlecht nicht. Fakt ist aber, dass wir eine bessere Rückrunde hinlegen müssen als es die Vorrunde war.
Da ich in Huub Stevens großes Vertrauen setze und mir sicher bin, dass er weiß, was zu tun ist und an welchen Hebeln anzusetzen ist, bin ich, mangels geeigneter Kandidaten, fast dafür, die Saison mit Stevens als Teammanager und Schneider als Fachmann für die kaufmännischen Angelegenheiten zu Ende zu bringen und ab 1.7. eine 1a-Lösung (die man dann evtl. auch aus einem laufenden Vertrag holen kann) zu präsentieren. Diese Konstellation würde aber natürlich die Gefahr beinhalten, dass mit Stevens der nächste Trainer seine Wunschkandidaten holen würde, im Sommer aber möglicherweise schon wieder weg ist. Auf der anderen Seite, da beißt die Maus keinen Faden ab, zählt momentan einzig der kurzfristige Erfolg, der da heißt Klassenerhalt.
Traut man es diesem Tandem nicht zu, wäre für mich Jan Schindelmeiser von den derzeit verfügbaren Kandidaten noch der beste. Als ehemaliger Fußballer, lizenzierter Trainer und Unternehmensberater bringt er eine hohe Qualifikation mit, Ihm täte man Unrecht, ihn lediglich auf seine Hoffenheimer Zeit zu reduzieren. Andere Kandidaten wie Nerlinger und Kreuzer haben bislang noch nicht nachhaltig ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt bzw. sind gescheitert, während dies bei möglichen Novizen wie Kahn, Effenberg oder Lehmann naturgemäß nicht der Fall ist. Nach Heldt und Bobic bin ich für einen erfahrenen Mann auf diesem so wichtigen Posten, da dieser Schuss sitzen muss. Lässt man die Erfahrung außer Acht, hätte für mich Jens Lehmann immer noch eine enorme Strahlkraft. Diese Lösung hätte sicherlich ihren Charme, ob die Herren aber bereit sind, einen Neuling, der zugleich Querdenker und streitbarer Geist ist, zu holen, bezweifle ich.
Nimmt man die Erfahrung als Teil eines Anforderungsprofils schiede Robin Dutt aber ohnehin gleich mit aus. Auch Henk Veldmate, der zum Favoritenkreis gehören soll, wäre zugleich Chance und Risiko. Chance deshalb, weil er seine Arbeit vollkommen unvoreingenommen antreten würde und sicherlich neue Impulse reinbringen würde. Wer in Groningen gute Arbeit geleistet hat und die holländische Fußballphilosophie verinnerlicht hat, kann möglicherweise auch auf dem Wasen frischen Wind reinbringen. Dass die Verpflichtung eines Mannes, der die Liga nicht kennt, Risiken birgt, hat man erst kürzlich beim HSV mit Frank Arnesen gesehen. Schleppt er die ersten ein, zwei Holländer an, die nicht sofort einschlagen, findet sich unter den Koryphäen bei uns in Vorstand und Aufsichtsrat sicherlich mindestens einer, der ihm „erklärt“ wie Fußball hierzulande funktioniert, so dass am Ende doch wieder alles beim Alten bleibt.
Ich beneide den Verein nicht darum, diese so schwierige richtungsweisende Entscheidung treffen zu müssen, bemitleiden tue ich sie aber mitnichten, haben sie sich diese Suppe doch grandios selbst eingebrockt.
Egal, wer am Ende des Tages diese Position übernimmt. Er hat die Herkulesaufgabe vor sich, den Kader komplett umzugestalten. Sich von hochbezahlten Durchschnittskickern und schlechten Charakteren zu trennen, und ein Gerüst an erfahrenen, integeren Profis zusammenzustellen, die den Anhang wieder mitzureißen vermögen und zu denen unsere Nachwuchskräfte aufschauen können. Dies wird sicherlich nicht von heute auf morgen passieren können, aber, man muss darauf hinarbeiten und sollte vor allem JEDE Vertragsverlängerung ganz genau überdenken.
Dass in den vergangenen Tagen dann noch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Schmidt aus der Deckung prescht und Huub Stevens mit in den Weihnachtsurlaub gibt, ein einstelliger Tabellenplatz müsse aufgrund unseres im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz hohen Etas schon drin liegen, ist für mich ein Paradoxon sondergleichen. Was diese „Mannschaft“ wert ist, zeigt sie Woche für Woche auf dem Platz, nämlich nichts. Natürlich ist der Etat hoch, wenn man Durchschnittskickern zu viel bezahlt, über die Qualität der Truppe sagt das rein gar nichts aus, dies spricht allenfalls Bände für die Unfähigkeit und sportliche Inkompetenz unserer Vereinsführung. So gesehen ein klassisches Eigentor!
Für mich geht es einzig und allein um den Klassenerhalt und diesen zu realisieren dürfte schwer genug werden. Schafft es Huub Stevens ein zweites Mal müsste ihm eigentlich ein Denkmal gesetzt werden. Wie eingangs schon beklagt, hat er es mit einer Truppe zu tun, die täglich an die Grundtugenden des Fußballspiels erinnert werden muss, der es fremd ist, zu kämpfen und Leidenschaft zu zeigen. Die letzten 5-10 Minuten gegen Paderborn konnte ich kaum fassen, wir ließen Paderborn gewähren, keiner ging drauf, keiner bemühte sich mehr den Ball zu erobern. Da war kein Siegeswillen, nichts erkennbar, jeder versteckte sich nur hinter dem Anderen.
Dann ist da offensichtlich noch immer ein Zwist zwischen Mannschaft und Fans. Anstatt sich zu bemühen, die Gunst der Fans wiederzuerlangen, flüchten sie in Selbstmitleid. Auch am Samstag wieder, immerhin dem letzten Spiel eines, auch für uns Fans, harten Jahres, kam die Mannschaft nur halbherzig und mit großem „Sicherheitsabstand“ in die Kurve. Von einer Aktion, wie in anderen Stadien üblich, „danke für die tolle Unterstützung im Jahr 2014“ oder Ähnlichem nichts zu sehen. Natürlich werden sie alle mal ein böses Wort aus der Kurve gehört, vielleicht auch mal einen oder mehrere Mittelfinger zu sehen bekommen haben, aber, rechtfertigt es das, das ganze Stadion abzustrafen, alle über einen Kamm zu scheren und auf immer und ewig auf Bähmulle zu machen? Ich finde es auf der einen Seite ganz schwach, auf der anderen aber ist das auch nicht verwunderlich. Welchen Charakter diese Truppe hat (oder auch nicht) bekommen wir fast jede Woche vor Augen geführt.
Langsam kommt man sich als Fan mehr geduldet denn erwünscht vor. Verkehrte Welt, mit dieser heutigen, verwöhnten, Spielergeneration kann ich bald überhaupt nichts mehr anfangen!
In Huub Stevens haben wir wenigstens den bestmöglichen so kurzfristig verfügbaren Mann bekommen, der die Jungs an der Ehre packen und an ihre Pflichten erinnern kann und wird.
Jetzt genießen wir erst einmal die fußballlose, besinnliche Zeit, bevor es 2015 weiter geht. Zwischen den Feiertagen und Feierlichkeiten schau ich dann auch gerne mal bei Sky Sport vorbei, wo die englische Premier League ein Mammutprogramm abspult. Jeder Verein, alle zwei, drei Tage, 90 Minuten Vollgas, Kampf und Leidenschaft pur. Man fragt sich dabei manchmal, ob das tatsächlich die gleiche Sportart ist, wie die, die wir uns im Neckarstadion anschauen.
Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten, besinnliche schöne Tage und einen guten Rutsch ins Jahr 2015.
Viele Grüße, Franky