22. April 2014
3. März 2014
Gestern bin ich seit langem mal wieder mit einem gewissen Optimismus zu einem Spiel gefahren. Nicht weil ich plötzlich von unserer Truppe und der sportlichen Leitung überzeugt wäre, aber, das Spiel gegen Hertha war zumindest in kämpferischer Hinsicht ein Fortschritt und außerdem gaben die Hessen schon des Öfteren unseren Aufbaugegner. Das emotionale Europaleague-Aus der Eintracht, das schwere Donnerstag-Spiel in den Knochen, taten ein Übriges. Und, ein klein wenig Fußballsachverstand darf man den Verantwortlichen ja schon auch unterstellen, was die Hoffnung nährte, dass sie nicht ohne Grund, trotz dieser unvergleichlichen Negativserie, an Bobic und Schneider festhielten.
So war Frankfurt für mich ein Schlüsselspiel, das wir unter keinen Umständen verlieren durften. Personell konnte Schneider auf den wiedergenesenen Kapitän Gentner und den nach Gelb-/Rot-Sperre zurückgekehrten Moritz Leitner zurückgreifen. Zudem stand Cacau erstmals nach 1 ½ Jahren wieder in der Anfangself. Nach druckvollem Beginn der Eintracht fand der VfB nach zwanzig Minuten zunehmend zu mehr Sicherheit und versuchte das Mittelfeld durch schnelles Konterspiel zu überbrücken, was uns nach einer guten halben Stunde das 0:1 durch Martin Harnik einbrachte. Groß war natürlich der Jubel und die Erleichterung, dennoch traute man dem Braten nicht so recht, zumal ernsthafte Torabschlüsse beim VfB weiterhin eine Seltenheit sind. Zu oft kommt der letzte Pass nicht an oder wird ein entscheidender Zweikampf verloren. Die Fehlpassquote und Zweikampfbilanz sprachen auch in diesem Spiel wieder eindeutig für den Gegner.
In der zweiten Halbzeit ließ sich der VfB mehr und mehr hinten rein drängen, ohne groß in Gefahr zu geraten, weil man noch weitestgehend gut stand und war im Sturm fast nicht mehr vorhanden. Glück hatten wir, als Aytekin nach vermeintlichem Foul von Cacau schon auf Elfmeter entschied, sein Assistent an der Linie aber intervenierte und er diesen schließlich (mutig) zurücknahm. Nicht einmal solche Umstände, die uns in die Karten spielen und den Gegner demotivieren könnten, vermögen wir in dieser Zeit auszunutzen. Trotz allem muss Alexandru Maxim in der 78. Minute das 2:0 machen und der Fisch wäre geputzt gewesen. Boka hat sich mit einer klasse Willensleistung gegen Zambrano den Ball erkämpft und passte mustergültig auf den mitgelaufenen Rumänen, doch diesem versprang der Ball, so dass er aus drei Metern den Ball nicht etwa im leeren Tor unterbrachte sondern meterweit vorbei schoss. Haste Scheiße am Fuß, hast scheiße am Fuß könnte man sagen, ich sage, es sind diese (späten) unsäglichen Konzentrationsmängel, die uns vermutlich die Liga kosten werden. So kam es, wie ich es befürchtet hatte und wie es im Grunde kommen musste. Nach einem erneut katastrophalen Abschlag von Ulreich, der wie ein Bumerang zurück kommt, hebt Rüdiger das Abseits auf und sage und schreibe drei Frankfurter haben freie Bahn. Frankfurts Joker Rosenthal war es schließlich, der zum Ausgleich vollendete. Ein Tor, wie ich es in der Bundesliga noch überhaupt nicht gesehen habe, so ein dilettantisches Abwehrverhalten, auch das wird uns letztenendes das Genick brechen. In der 90. Minute schließlich ließ sich unser selbst ernannter Führungsspieler Georg Niedermeier mit einem Beinschuss im Strafraum düpieren, so dass Alex Meier leichtes Spiel hatte und den Frankfurter Siegtreffer markieren durfte.
Der VfB stellt mit mittlerweile 49 Gegentoren nach dem HSV die zweitschlechteste Abwehr, auch wenn diese den Namen eigentlich nicht verdient hätte. 2,13 Gegentore pro Spiel, so viele kannst Du vorne gar nicht schießen, schon gar nicht, wenn man es kaum schafft Überraschungsmomente zu schaffen und niemand den Mut hat auch mal aus der zweiten Reihe abzuziehen.
So war die achte Niederlage in Folge und die elfte aus den letzten zehn Spielen besiegelt. Mal wieder schlichen die Spieler wie begossene Pudel in die Kurve um sich regungslos die immer lauter werdenden Schimpftiraden der treuen Fans anzuhören. Einige, wie Traore, der schon die Tage zählt, bis er uns verlassen darf, drehten gleich wieder ab, andere ließen sich noch auf das eine oder andere Gespräch ein.
Schneider trottete, die Hände in den Taschen vergraben, hinterher und scheint mit seinem Latein am Ende zu sein.
Klar kann er die Dinger, wie die hundertprozentige von Maxim, nicht selbst versenken. Auch klar, dass er einem gestandenen Spieler wie Ulreich nicht noch erklären müssen sollte, wie man Abstöße schlägt und dass er zu seiner Zeit noch anders zu Werke gegangen ist, als es Niedermeier beim 2:1 tat.
Dennoch wirft das bisherige Wirken Schneiders Fragen auf. Weshalb darf Sakai Woche für Woche seine Bundesligauntauglichkeit unter Beweis stellen? Unbedrängte Fehlpässe, gepaart mit katastrophalem Stellungsspiel, in dieser Verfassung hat er auf dem Platz nichts zu suchen. Kein Zufall schließlich, dass der entscheidende Treffer über Sakais Seite fiel. Das weiß inzwischen jeder Gegner, wo wir besonders leicht zu knacken sind.
Weshalb verhindert ein Gentner die Einwechslung von Haggui? Wer hat das Sagen? Kann es nicht doch sein, wie man immer wieder hört, dass die Mannschaft Schneider nicht ernst nimmt?
Auch die Wechsel erfolgten zu spät. Erfahrene Trainer nutzen diese auch einmal als eine Art „Auszeit“, um dem Gegner den Schwung in einer Drangphase zu nehmen, nicht so Schneider. Er hat ein Gottvertrauen und hofft, es werde schon irgendwie gutgehen.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass es mir um Schneider Leid täte, wenn er als schwächstes Glied der Kette seinen Spind räumen müsste. Sein Talent, ein guter Trainer zu werden, möchte ich ihm nicht absprechen, sicherlich sammelt er derzeit Erfahrungen fürs weitere „Trainer-Leben“, ob er jedoch in der Lage ist, den Bock umzustoßen, ich glaube es nicht. Das Grundübel ist die Mannschaft, in sich zerstritten, eine profihafte Einstellung (auf und außerhalb des Platzes) vermissen lassend, die es nicht schafft, wenigstens als Zweckgemeinschaft zu funktionieren und sich neunzig und nicht nur achtzig Minuten zu konzentrieren. (Mindestens) einer pennt immer, was zu der Flut von Gegentoren führt und die uns verzweifeln lässt.
Bobic, der diese nicht harmonierende Truppe zusammengestellt hat, wird als der Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen. Anscheinend gibt es auf der Geschäftsstelle keine Streitkultur mehr, seit Bobic auf den meisten Posten „seine“ Leute installiert hat. So hat er sich den Status als Alleinherrscher erarbeitet bzw. an sich gerissen, und es scheint, dass ihm der Erhalt dieses Status‘ mehr wert ist als das Wohl des VfB. Spieler, die unbequeme Wahrheiten aussprachen wurden nach und nach aussortiert, zuletzt William Kvist, der in der jetzigen Situation eine Stütze sein könnte.
So kämen wir bei einem Trainerwechsel wohl eher vom Regen in die Traufe. Leute wie Stanislawski und Fink würden in Bobic‘ Beuteschema passen, sind es doch eher stille Vertreter der Zunft und würden den Job mit Kusshand übernehmen. Alte Weggenossen wie Balakow und Soldo, die als Duo im Gespräch sind, würden ihm ebenso ähnlich sehen, sind es doch Freunde vergangener Tage, denen man zu gern einen gut dotierten Posten verschaffen würde.
Im Gegensatz dazu würde sich ein Bobic sicherlich nicht den von mir favorisierten Gross (den er ja selbst entlassen hat) ins Haus holen, abgesehen davon, dass es sich Gross sicher auch nicht antun würde, noch einmal unter Bobic zu arbeiten. Wenn Gross, dann als starker Mann und anstelle von Bobic.
Auch Stevens oder Schaaf, die für ihre knorrige Art bekannt sind, wären Alphatiere, die sich von Bobic nicht sagen lassen würden, wie der Hase hier zu laufen hat. Aufgrund ihrer großen Erfahrung wäre es ihnen zwar zuzutrauen, den Karren wieder flott zu bekommen, jedoch, wie es scheint, ist Bobic sein Machterhalt wichtiger als der Klassenerhalt.
Morgen also sollen Aufsichtsrat und Vorstand entscheiden, ob es tatsächlich mit Schneider weiter gehen und er gegen Braunschweig die neunte Niederlage in Folge anpeilen darf. Ich hoffe, man sieht den Tatsachen ins Auge und erkennt dass die Zusammenarbeit Mannschaft – Trainer vermutlich irreparabel beschädigt ist. Dann muss gehandelt werden und zwar sofort.
Mir ist es auch klar, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem gewandelt wird. Verlässt man den eingeschlagenen Weg mit einem jungen unerfahrenen Trainer, der das Konzept mit trägt, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen? Holt man einen Trainer-Fuchs wie z. B. Stevens, der sicherlich eher auf erfahrene Kräfte setzen würde, als auf unsere Grünschnäbel? Nimmt man den Abstieg bewusst in Kauf, weil keine andere Lösung den Erfolg garantieren würde? Oder setzt man noch einmal alle Hebel in Bewegung, um es wenigstens versucht zu haben? Je länger man wartet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unheil noch abgewendet werden kann. Langsam aber sicher laufen uns die Spiele davon. Diesbezüglich kann man es fast bedauerlich finden, dass der SC Freiburg und der Hamburger SV sich ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckern und (noch) hinter uns stehen. Hätten die etwas konstanter gepunktet und uns auf den vorletzten Platz verdrängt, wäre sicherlich schon die Reißleine gezogen worden.
Will man weiterhin bedingungslos an Schneider festhalten, notfalls mit ihm in die zweite Liga gehen, dann sollen die Vereinsoberen doch gleich einmal ein schlüssiges Konzept vorlegen. Bislang hört man nur von Horrorszenarien, die einen den Untergang vom VfB befürchten lassen im Falle des Worst Case. Stand jetzt dürfte so gut wie kein Spieler feststehen, der bereit ist, auch im Unterhaus die Stiefel für den VfB zu schnüren, ganz abgesehen davon, ob wir sie überhaupt noch sehen wollten. Geschweige denn kann sich noch niemand vorstellen, mit welchem Budget man dieses Abenteuer angehen müsste, in welchen Bereichen es Einschnitte geben müsste, ob wir die Raten fürs Stadion und fürs Nachwuchszentrum noch stemmen könnten, und, und, und. Würde es uns einmal jemand erklären, dass auch im Falle des Abstiegs nicht aller Tage Abend wäre, vielleicht kann man sich die zweite Liga dann auch schon mal schön reden. Vielleicht wäre es wert abzusteigen, schon allein, um nächste Saison keinen einzigen Spieler von der derzeitigen Zweckgemeinschaft mehr sehen und ertragen zu müssen. Ganz ehrlich, in dieser Truppe habe ich keinen Lieblingsspieler mehr, das gab es in meiner Zeit als VfB-Fan eigentlich noch nie. An die Spieltermine müsste man sich gewöhnen und reichlich Urlaub opfern, dafür gäbe es aber mal wieder jede Menge neuer Stadien und neue Eindrücke. Wir würden einige Auswärts- zu Heimspielen machen, wobei dann zu hoffen wäre, dass bis dahin der Heimkomplex abgelegt werden konnte. Vielleicht gelänge es, wie nach dem Abstieg 1975, eine spielstarke Mannschaft mit jungen Spielern, überwiegend aus der Region, zusammenzustellen, der es wieder Spaß macht, zuzuschauen, mit der man sich ein Stück weit identifizieren kann, die vor hat, den VfB wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die Bundesliga. Bei den Fans würde sich die Spreu vom Weizen trennen und die Dauerkarte (vermutlich) günstiger werden. Ich als Fan würde den Kopf nicht in den Sand stecken und wäre auch im Unterhaus so oft es geht dabei.
Seit gestern habe ich mich fast schon mit dem Abstieg abgefunden und kann mir derzeit nicht einmal vorstellen, wie wir Braunschweig schlagen wollen. Die stellen sich zu elft hinten rein, der VfB findet keine Lösungen dieses Abwehrbollwerk zu knacken und ein oder zwei Abwehrfehler fabrizieren wir sowieso jedes Mal.
Entweder es geschieht etwas, das noch einmal eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte oder wir gehen sang- und klanglos (r)unter. Die Hoffnungen mit der derzeitigen Konstellation habe ich gestern endgültig zu Grabe getragen.
24. August 2013
Der Titel dieses Werks mag befremdlich klingen, es ist aber der Song, der uns in Rijeka ständig in den Ohren klang und der auch irgendwie bezeichnend ist, für das was wir mittlerweile alle paar Tage dargeboten bekommen.
So waren es auch weniger die jüngsten Auftritte der Mannschaft, die mich bewogen hatten, mit acht RWSlern die 750 Kilometer lange Strecke an die Adria-Küste anzutreten, als vielmehr das Drumherum, das tolle Stadion, die vielen Bekannten, die man jedes Mal trifft und ein Tag am Meer, vom dem wir sicherlich noch eine Weile zehren werden.
Treffpunkt unserer Truppe war Mittwoch 21 Uhr auf dem P&M-Platz Esslingen, wo wir unser feuerrotes Stadtmobil beluden, etwa 20 Minuten später fort kamen und in die Nacht hinein fuhren. Ich hatte es mir so schön ausgemalt, dass ich irgendwann todmüde in den Schlaf fallen würde, um am Spieltag dann einigermaßen fit zu sein. Denkste, dazu war die Stimmung einfach zu gut, zu gutes (wohl gekühltes) Bier an Bord, eine gute Anlage mit lauter Musi im Busle und zu guter Letzt will man natürlich auch für Unterhaltung der Fahrer sorgen, dass diese fit bleiben und wir gut ankommen. So sind mir auf der ganzen Fahrt gerade einmal für eine halbe Stunde die Augen zugefallen. Wir kamen super durch und konnten nachts natürlich auch auf die Tube drücken. So weit, so gut. An der kroatischen Grenze dann aber wurde jeder, der einigermaßen nach Fußballfan aussah, herausgezogen, was die Freude auf Kroatien schon einmal etwas trübte. Wir mussten, wie einige andere auch rechts heranfahren und es geschah erst einmal nichts. Nur, wenn man mal aussteigen wollte oder sich beim Grenzpolizisten beklagte, dass man eine Notdurft verrichten müsse, wurden sie sofort pampig und taten kund, wenn wir Probleme bekommen wollten, könnten wir sie kriegen. Arroganter Arsch dachte ich mir. Ein Mädchen einer ebenfalls an der Grenze gestrandeten Gruppe stieg kurz aus, um Freunde zu begrüßen und wurde mit einem harschen „schleich di“ vom Grenzer zurück ins Vehikel beordert.
Als es immer mehr Autos wurden, die den Platz belagerten, wurden wir schließlich, nach etwa 45 Minuten anhand der Ausweise, die vorher eingesammelt wurden, einzeln aufgerufen und mussten unsere Taschen öffnen. Dass dies eine reine Schikane-Aktion war, wurde schnell klar, weil der Grenzer gar nicht gründlich durchsuchte, sondern nur und im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich schaute, ohne selbst Hand anzulegen. Schließlich kam dann eines unserer Mädels dran, wo direkt beim Aufmachen der Tasche ein lila BH heraus blitzte, der dem scheinbar so strengen Ordnungshüter dann endgültig die Sinne vernebelte. Danach ging nämlich alles ganz schnell, wir durften aufs Klo und dann auch endlich weiterfahren. Wie ich später erfuhr hatten wir noch Glück im Unglück, andere wurden bis zu drei Stunden schikaniert und weitaus gründlicher gefilzt.
Dennoch kostete uns diese unnötige Schikane-Aktion den Sonnenaufgang am Meer! Gegen 7.30 Uhr kamen wir dann in Rijeka an, haben dann schnell kroatische Kuna organisiert und sind frühstücken und Kaffee trinken gegangen. Da wir in unserem Hostel erst ab 13 Uhr einchecken konnten und sich abzeichnete, dass es ein sonniger und heißer Tag werden würde, schnappten wir unsere Badesachen und gingen auf die Suche nach einem Strand. Der Parkwächter unseres Parkplatzes schickte uns in südliche Richtung, was wir, ganz ahnungslose Touristen, dann auch befolgten. Außer einem riesen Frachtschiff und Kränen sahen wir auch nach längerem Marsch überhaupt nichts, was auch nur annähernd an einen Strand erinnern würde. Dann fragten wir auf dem Weg noch eine ältere Dame, die uns zwar einerseits bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein, allerdings auch zu bedenken gab, dort ginge es nur zum Hundestrand. Egal, was die Vierbeiner erfreut kann Zweibeinern nicht schaden.
. Dass Rijeka nicht mit einer Vielzahl von schönen Stränden gesegnet ist, hatte ich im Vorfeld schon gelesen, dafür hätten wir unsere Zelte in Opatija aufschlagen müssen. Am Hundestrand gingen dann ein paar von uns ins Wasser, ich selbst ließ es sein, da es mir ohne Badesandalen doch zu steinig war. Sah aber verlockend aus, muss ich zugeben. Hitze und strahlender Sonnenschein, da hätte mir eine Abkühlung auch gut getan. Nebenan vergnügten sich ein paar Hunde, die sich allerdings nicht darüber beklagten, den Strand mit uns teilen zu müssen.
Einer der Hundehalter organisierte uns dann schließlich ein Taxi, das uns in zwei Fuhren zurück zum Parkplatz brachte. Einige von uns bekamen schon wieder Hunger, so dass wir uns auf die Suche nach einem Speiselokal begaben. An allzu vielen Restaurants kamen wir nicht vorbei, so dass wir schließlich in Kroatien in einem mexikanischen Lokal landeten. Ich selbst hatte zum einen noch keinen großen Hunger, zum anderen freute ich mich eher auf einen kroatischen Grillteller, als dass ich bei brütender Hitze das scharfe Essen beim Mexikaner zu mir nehmen wollte. So aßen alle anderen dort, nur ich nicht, was ich dann aber auch nicht bereute, kamen der eine oder andere doch ganz ordentlich ins Schwitzen. Wenn man so in die Gesichter schaute, schien ein Teil der Mahlzeiten nahe der Schmerzgrenze gewesen zu sein. Dennoch waren die Stuttgarter Jungs eisern und aßen ihren Teller auf. Zur Belohnung gab es einen Schnaps auf Kosten des Hauses, der nicht minder scharf gewesen war.
Danach bezogen wir unser Hostel, in dem zwei Zimmer für uns reserviert waren. Für die Mädels ein Dreibett-, für uns Männer ein Sechsbettzimmer. Ich muss ja zugeben, dass so etwas überhaupt nicht mehr mein Ding ist. In diesem Fall aber, ich konnte erst kurzfristig dieser Truppe zusagen, da ich zuvor noch bei anderen im Wort stand, war alles schon so gebucht und ich dachte, eine Nacht geht das schon. Im Zimmer legten wir uns dann für etwa 1 ½ Stunden ab und konnten noch einmal duschen, bevor es auf die Piste und in Richtung Stadion gehen sollte.
Irgendwann nach 16 Uhr zogen wir dann los und fragten uns zum Restaurant Gardens durch, das in den Faninfos empfohlen wurde. Schließlich musste ich ja auch noch etwas essen, da zuvor schon kommuniziert worden war, dass es im und am Stadion nichts zu futtern gäbe. Das Gardens war die richtige Wahl, ich aß Cevapcici mit Pommes und Reis, eine ordentliche Portion, die als Grundlage genügen sollte und richtig schmackhaft. Der am heftigsten Chili Con Carne Geschädigte bekam dann noch zwei Saucieren voller Senf hingestellt, um sein Sodbrennen zu bekämpfen. Dort verweilten wir einige Zeit und tranken noch das eine oder andere kroatische Bier, bevor wir uns Gedanken machten, wie wir ins Stadion kommen würden. Taxis bekamen wir keine, schon gar nicht für neun Leute, also fragten wir uns zum Bus durch, der in Richtung des Stadions fuhr. In den Faninfos waren leider keine Informationen darüber zu finden, wie man zum Stadion gelangen könnte. Es wurde einfach davon ausgegangen, dass man sich schon irgendwie am Fansammelplatz einfinden und von dort zum Stadion eskortiert werden würde. Aufgrund der Umstände und des Schlafdefizites der durchgemachten Nacht, war uns das aber alles zu früh, so dass wir den Weg individuell in Angriff nahmen.
Vom ersten Bus der Linie 1, der zum Stadion fahren würde, sahen wir gerade noch die Rücklichter, so dass wir knappe 20 Minuten auf den nächsten warten mussten. Als dieser heranfuhr war schon eine Horde Rijeka-Fans drin, doch es gelang uns, uns noch gerade so hinein zu quetschen. Hier war so eine Art Commando Kindergarten unterwegs, wobei uns dabei schon ein Eindruck vermittelt wurde, wie heißblütig die Rijeka-Fans sein würden. Auf der ganzen Fahrt wurde gehüpft und gesungen, was das Zeug hielt. Dort hallte uns auch erstmals dieses ominöse „Stuttgart, Stuttgart, auf Wiedersehen“ entgegen. Wir fanden es lustig und mussten unsere losen Utensilien wie Schals und Mützen eisern verteidigen, was nicht allen von uns gelang. Getauscht hätte ich ja noch, aber einfach so bei erstbester Gelegenheit meine Sachen zu verschenken, da bin ich zu sehr Schwabe.
. Die Busfahrt war schier endlos und eigentlich wären Ohropax angesagt gewesen, so laut war es schon während der Fahrt. Es wurde ja nicht nur gesungen sondern noch mit allem gegen den Bus getrommelt, was irgendwie Lärm machte, u. a. hatte einer eine abgesägte Regenrinne oder ein ähnliches Utensil dabei. Die Temperatur im Bus dürfte bei etwa 60 Grad Celsius gelegen haben, so dass ich mein frisch angezogenes Trikot hätte auswinden können, so patschnass wie es war. Die Busfahrt war aber dennoch ein super Erlebnis, die Stimmung freudig und frotzelnd, jedoch überhaupt nicht feindselig. Wir hoffen alle, dass hiervon auch noch ein Video in den Weiten des Handyspeichers auftaucht…
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Nachdem wir das Ziel erreicht hatten, wollten einige noch Erinnerungsbilder mit uns machen, dem wir selbstverständlich auch eingewilligt hatten. Danach liefen wir dem Pulk hinterher, wurden aber schon sehr bald von Ordnungshütern daran gehindert, weiter zu laufen. Ich hätte das Stadion gerne noch von oben fotografiert, wir wurden aber nicht mehr durchgelassen. Die Polizisten wiesen uns den weiten Weg in Richtung unseres Gästeeingangs und eskortierten uns bis dahin, immer scharf und bestimmend beobachtend, dass nicht einer würde ausscheren wollen.
Als wir ankamen, gab es am Getränkestand außerhalb des Stadions schon nichts mehr zu trinken, was mich ziemlich ärgerte nach dem Flüssigkeitsverlust während der Busfahrt. Vor dem Stadion hatten wir dann noch einige Bekannte getroffen und beobachtet, wie fünf VfBler festgenommen und in einen Polizeibus verfrachtet wurden. Wie sich später herausstellte anscheinend, weil sie zwei Promille Alkohol im Blut hatten. Nach dem Spiel sammelte das CC im Block Geld ein, um diese fünf VfBler auslösen zu können, damit diese wie geplant abends noch die Heimreise antreten konnten. Wir gaben auch unseren Obolus, kann es doch im Grunde im treffen. Ob wegen Alkohol, einem bösen Blick, dem überschreiten eines bestimmten Bereiches, Zaun hinauf klettern, um ein gutes Foto zu bekommen oder einfach nur, weil man zu einer falschen Zeit am falschen Ort ist. Seine Grundrechte gibt man mit dem Kauf einer Eintrittskarte ab, der Grundsatz „ohne Beweis keine Verurteilung bzw. Strafe“ ist für Fußballfans scheinbar weltweit außer Kraft gesetzt, man ist mehr und mehr der Willkür eines Staates und seiner Exekutive ausgesetzt. Daher war es für mich eine Selbstverständlichkeit, meinen Teil dazu beizutragen. You are not alone, WIR sind die Kurve!
Danach gingen wir etwa 20 Minuten vor Spielbeginn hinein ins Stadion. Wie immer hatte ich auch dieses Mal wieder Bedenken, ob es am Einlass Stress wegen meiner Kamera würde. Auch hier ist man absolut der Willkür der Leute am Einlass ausgesetzt. Die Faninfos auf der VfB-Seite bzw. diese, die der VfB von den Kroaten bekamen, waren mehr als dürftig. Zum einen waren sie in Englisch gehalten. Für mich ja kein Problem, dennoch hätte sich der VfB auch die Mühe machen können, diese zu übersetzen und nicht einfach ungefiltert online zu stellen. Zum anderen stand dort drin weder etwas davon, dass es Beschränkungen bzgl. Kameras geben würde, noch, dass es eine Promillegrenze geben würde. Wie ich gehört habe, habe diese bei 0,8 Promille gelegen. Auch davon, dass man keine Feuerzeuge mitnehmen dürfte, habe ich nichts gelesen. Am Einlass musste ich meine Hosentaschen leeren und prompt haben sie mir, wie vielen anderen auch, Feuerzeuge abgenommen, viel Spaß damit, ihr Kroaten. Ihr ward ja so gründlich, dank Feuersteinen gab es dennoch ordentlich Feuer im Stadion.
Meine Kameratasche hat sie dagegen überhaupt nicht interessiert.
Auch wenn wir relativ spät rein kamen, war doch noch genügend Platz im Block, um sich einen guten Platz auszusuchen. Ein neues Stadion ist für mich nach wie vor immer etwas Besonderes und ich freue mich jedes Mal aufs Neue wie ein kleines Kind darauf. Dort in Rijeka aber erwartete uns noch etwas mehr. Ein Stadion, zwischen einer Felswand und dem Meer gebaut, das schon eine einzigartige Lage hat. So postierte ich mich in der ersten Halbzeit auch so, dass ich einen Platz mit Meerblick hatte und hoffte auf das eine oder andere schöne Bild davon. Es war ein Ausblick zum Genießen und die Stimmung war auch schon recht gut. Die gut 900 VfBler hatten allerdings allergrößte Mühe, den heißblütigen Kroaten stimmlich etwas entgegen zu setzen. Dieses gelang eigentlich mehr visuell denn akustisch. Auf diesen langen Reisen merkt man vielen doch die Strapazen an, vor allem denjenigen, die wie wir die ganze Nacht auf der Autobahn unterwegs waren und schon das eine oder andere Bierchen intus hatten.
Ein Übriges tut die fast schon gleichgültige Haltung die viele derzeit haben, wenn es um den VfB geht. Jedes Spiel ein Spiegelbild dessen, was man schon seit Monaten zu sehen bekommt, emotionslos auf dem Rasen, emotionsloser als normalerweise auch auf den Rängen. Man fährt zum Spiel, erwartet aber nichts, außer vielleicht dass das Team, zumal live übertragen im Free TV und in der Prime Time, uns nicht allzu sehr blamieren möge, wie schon so oft geschehen. Derzeit herrscht eine negative Grundstimmung rund um den VfB, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Aufbruchsstimmung, die die Wahl von Wahler für kurze Zeit erzeugt hat, wie verpufft. Der triste Alltag hat uns wieder, es macht keinen Spaß mehr, dieser Truppe bei der Ausübung ihres Berufes zuzuschauen. Wir sind es leid Woche für Woche dieselben Ausreden und Spielanalysen zu hören. Alleine für die Aussage von Labbadia, wir würden in einer Ergebniskrise stecken und für die ordentlichen Leistungen nicht belohnt werden, gehört Bruno eigentlich links und rechts eine an die Backen, damit er einmal seine Bruno-Brille absetzt und den Tatsachen ins Auge blickt. Ich habe schon lange keine ordentliche Leistung mehr vom VfB gesehen, insofern bekommt der VfB derzeit das, das er verdient, nämlich null Punkte! Wie der „Trainer“ redet, so spielt die Mannschaft. Wie das Kaninchen vor der Schlange macht man sich auch vor der, bei allem Respekt, allenfalls dritten kroatischen Kraft vorher in die Hose, anstatt einfach mal konzentrierten, mutigen, engagierten Fußball zu spielen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es mit diesem Trainer überhaupt nichts mehr werden kann. Wie sagt man so schön, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und dieser Schrecken, bisher noch ohne Ende, begleitet uns schon eine gefühlte Ewigkeit. Wie aufgeregt war ich früher, wenn es ins Stadion ging, kaute schon einen Tag vorher an meinen Fingernägeln und konnte die Dramatik während des Spiels kaum aushalten. Und jetzt? Emotionslos! Ich erwarte nichts! Und das tolle daran? Meine Erwartungen werden bestätigt! Ich bekomme nichts geboten! Super, Ziel erreicht.
Eigentlich ja schön, wenn man nach dem größten Dreckskick nicht einmal enttäuscht nach Hause geht. Man schont seine Nerven und läuft nicht griesgrämig durch die Gegend, man kann mit Kollegen und Bekannten über den VfB lästern und fühlt sich nicht einmal mehr getroffen, weil sie ja Recht haben.
Jetzt aber mal halblang, bis hierher und nicht weiter!!! Kanns das sein? Muss ich tatenlos mit ansehen, wie mein geliebter VfB, so den Bach runter geht? Zur Lachnummer der Nation verkommen ist? Von handelnden Personen, Verdienste in der Vergangenheit hin oder her, herunter gewirtschaftet wird. Dass von einem Übungsleiter, dessen größter sportlicher Erfolg der Klassenerhalt eines Traditionsvereins, seines Zeichens Gründungsmitglied der Bundesliga und so etwas wie zum Inventar der Liga gehörend, ist, dass dieser Verein, früher immer für attraktiven Angriffsfußball stehend, schleichend zur grauen Maus verkommen ist? Immer hoffend, der Gegner möge den einen entscheidenden Fehler machen und wir das Spiel mit einem dreckigen 1:0 gewinnen. Wenn die Klarheit ins Spiel zurück kommt, werden wir auch gegen einen länger im Spielbetrieb steckenden brutal schwer zu bespielenden Gegner wie Rijeka weiter kommen können.
Das kann doch nicht der Anspruch sein. Mit Fußball a` la Labbadia wird das Stadion leer gespielt und anderen Sportarten oder Vereinen werden Zuschauer zugespielt, weil dies nur noch Hartgesottene ertragen können oder wollen. Und dies mehr deswegen, weil wir alle so etwas wie eine große Familie sind, und sich das Leid unter Leidensgenossen besser ertragen lässt.
Der Verein muss jetzt handeln! Wenn Fredi Bobic nicht zeitnah Klartext redet und sich von Labbadia deutlichabgrenzt, steht auch er für mich zur Disposition. Für mich ein VfBler durch und durch, jetzt wäre er aber in der Pflicht Schaden vom Verein abzuwenden.
Die Vertragsverlängerung mit Labbadia, das auch noch bis 2016, war der größte Stuss, den er vollbracht hat. Ohne Not. Zu einer Zeit, als wir gerade mal wieder eine grottenschlechte Vorrunde mit historischen Blamagen, u. a. gegen Bayern und das Dorf, hinnehmen mussten. Zu einer Zeit also als sich schon eine gewisse Bruno-Müdigkeit breit machte.
Dass er jetzt auch seinen eigenen A… retten und vermeiden möchte, den Trainer rauszuschmeißen, weil durch den langfristigen Vertrag eine erkleckliche Abfindung fällig ist, mag aus seiner Sicht verständlich sein.
Im Sinne und zum Wohle des VfB ist das sicherlich nicht. Wir sind gerade dabei, die nächste Saison in den Sand zu setzen. Daher muss meiner Meinung nach jetzt gehandelt werden und nicht erst dann, wenn fast nichts mehr zu retten ist, und es nur noch um Schadensbegrenzung geht. Dies wird dann nämlich zusätzliche Millionen kosten, weil ein VfB der langweiligen Ergebnisfußball spielt und zu stark für die Abstiegsplätze und zu schwach für die oberen Regionen ist, keinen mehr interessiert. 40.000 Zuschauer im ersten Heimspiel gegen einen Championsleague-Teilnehmer sollten Alarmsignal genug sein, dass die Leute den Labbadia-Fußball leid sind. Wenn diejenigen, die jetzt schon fern bleiben und diejenigen, die nach und nach leise servus sagen, sich einmal für andere Wochenendbeschäftigungen entschieden haben, dürfte es, auch mit einem Trainer, schwer werden, diese zurück zu gewinnen. Labbadia selbst dürfte einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass zum Heimspielauftakt nur eine gefühlte Minuskulisse den Weg ins Stadion fand. War doch er es, der trotz einiger Neuzugänge weiterhin alles madig machte und suggerierte, man brauche weiterhin nichts zu erwarten, bzw. erst dann, wenn noch Neymar oder Messi verpflichtet werden. Nach dieser Aussage gäbe es für Bobic eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder Bruno entlassen oder Messi (respektive Neymar) holen. Andernfalls, und das wurde schon gegen Leverkusen vor Augen geführt, haben wir eine Saison wie die letzte zu erwarten. Emotionslos, ohne Spielfreude, ohne Spielwitz, mitunter konfus aber bestimmt nicht einfallsreich im kreieren von Torchancen, einfach gearbeiteter (schlecht anzuschauender) Fußball. So stehen die Chancen schlecht, die Heimschwäche der letzten Saison abzulegen.
Im Spiel hat sich der VfB mal wieder, wie es Gentner formulierte, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es stand halt der VfB auf dem Platz, wie ihr wisst „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“. Demnach müsste man im Grunde von der UEFA Schmerzensgeld dafür verlangen dürfen, dass im Stadion nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird. Im Grunde war das Gekicke einmal mehr nicht zu ertragen. Fehlpässe hüben wie drüben mit der einen oder anderen Halbchance, der dann hinterher nachgetrauert wurde. Schon bei der Aufstellung konnte man eigentlich nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Maxim wieder draußen, dafür Cacau, derzeit offensichtlich formschwach und viel zu langsam, im Spiel. Molinaro, eigentlich auf der Verkaufsliste, darf abermals ran und seine Schwächen offenbaren. Dass der sich (schon gegen Plovdiv) international festspielen durfte, auch ein Bärendienst (hoffentlich bald eine Hinterlassenschaft) von Labbadia für den VfB. Ein international beschäftigter Verein, wird ihn jetzt sicherlich nicht mehr holen, zumal ihm Bruno jetzt auch immer wieder die Gelegenheit gibt, unter Beweis zu stellen, was er alles unter ihm verlernt hat.
Harnik durfte ebenfalls wieder ran, obwohl seit Wochen und Monaten nur ein Schatten seiner selbst. Weshalb wir einen solch großen Kader besitzen, wenn das Leistungsprinzip und Konkurrenzkampf außer Kraft gesetzt sind, erschließt sich mir nicht.
Was Kvist verbrochen hat, würde mich schon auch einmal interessieren. Dass er die Bremse im VfB-Spiel war, hatte ich früher ja kritisiert. Eine Denkpause – schön und gut. Es dauerte ja ewig, bis Labbadia ihn überhaupt mal draußen ließ. Dass er aber jetzt so immens außen vor ist, hat er nicht verdient. Er ist ein guter Fußballer, das ist unbestritten. Ein Trainer hätte ihm ausgetrieben, den Blick nur zurück zu richten und defensiv zu denken, die Unsicherheit, die er zum Schluss hatte, hätte genauso bekämpft werden können, notfalls mit einem Mentaltrainer. Dass es sich Labbadia jetzt aber leistet, einen unseren, vom Marktwert her, wertvollsten Spieler so nieder zu machen, dass er überhaupt keine Rolle mehr spielt, das hat Kvist nicht verdient. Gerade jetzt, wo es in der Mannschaft hinten und vorne nicht stimmt, wäre die Zeit für ein Comeback reif, auch, um nicht noch mehr an Wert zu verlieren. Auch so ein Fall von Geldverbrennung Marke Labbadia. Kvist, kürzlich noch mit einem Marktwert von 7,5 Mio. gelistet, jetzt auf 5,5 Mio. taxiert und, sollte sich ein Abnehmer finden, dürfte er sicherlich für noch einiges weniger wechseln, nur um ihn von der Gehaltsliste zu haben.
Auch in Rijeka war das Geschehen auf den Rängen weitaus interessanter und sehenswerter als das auf dem grünen Rasen. Wirklich eine geile südländische Atmosphäre, die uns die Armada (Ultras des HNK Rijeka) dort beschert hat. Eine Choreographie, die während des Spiels beginnt und etwa 5 Minuten dauerte, sieht man nicht alle Tage. Dazu geile Pyroshows, hüben wie drüben. Der Spielverlauf an sich ist hinlänglich bekannt und es auch nicht wert, näher darauf einzugehen.
Nach dem Leverkusen-Spiel tat Bobic die „Bruno raus“-Rufe damit ab, dass das Gros der wahren Fans zum gesamten Team stehen würde und diese nur vereinzelt zu hören wären. In Rijeka aber rief es schon fast der gesamte Block, und dies fern der Heimat, was dem Verein zu denken geben sollte. Unsere „Bruno raus“-Rufe wurden von den Kroaten mit einem herzlichen „Bruno, Bruno, auf Wiedersehen“ beantwortet. Klasse!
Eine bizarre Situation gab es noch, als die Mannschaft in die Kurve kam. So gut wie keiner klatschte, damit konnten die Spieler nichts anfangen. Sie standen wie angewurzelt da und wir starrten uns gegenseitig an.
Dass im Stadion überhaupt keine Durchsage auf Deutsch kam, zeugt nicht von allerbester Gastfreundschaft. Die Blocksperre nach dem Spiel dauerte sage und schreibe 1 ¼ Stunden und das ohne auch nur einen kleinen Hinweis weshalb und weswegen. Dass hier alles so schön ruhig geblieben ist, war wohl alleine dem milden Sommerabend, der Besonnenheit und auch der Trägheit der mitgereisten Schwaben geschuldet.
Als wir endlich herausgelassen wurden, waren die Wege, die wir gehen durften, klar vorgezeichnet. Wie eine Herde Schafe wurden wir vom Stadion weg getrieben und mussten eine Steigung hoch gehen, die an die Substanz ging. Wer eine kurze Rast einlegen wollte, wurde immer weiter und weiter getrieben, ohne jede Gnade seitens der Polizei. Wir sahen ein altes Pärchen, wo der Mann die Frau fast den Berg hoch schob, weil sie nicht mehr konnte. Menschenverachtend, wie hier mit einem umgesprungen wurde. Oben angekommen wurden wir daran gehindert, zum Bus zu gelangen, der uns die gut sechs Kilometer in die Stadt gebracht hätte. Andere durften nicht in Richtung ihrer Autos laufen oder erst, nachdem sie oberkörperfrei sich ihrer Trikots entledigt hatten. Taxis waren weit und breit keine zu sehen, so dass viele den langen Weg in die Stadt zu Fuß auf sich nahmen. Die Kroaten hatten das nämlich auch so gut getimt, dass wir erst „frei“ waren, als der letzte Bus weggefahren war. Manchmal wünschte man sich, die gegnerischen Fans (die aber ja nichts dafür können) würden bei uns genauso behandelt werden.
Wir hatten das Glück, dass wir einen Bekannten aus dem Fanclub getroffen hatten, der uns in zwei Fuhren mit dem Auto zu unserem Hostel brachte. Wie Aussätzige wurden wir dort behandelt, Gastfreundschaft sieht anders aus.
In der Stadt dann schließlich fanden wir in fußläufiger Nähe kein Lokal mehr, wo wir etwas zum trinken bekommen hätten. Zum Glück hatten wir noch Kühltaschen voller Bier im Zimmer. Damit machten wir uns in der Fußgängerzone breit und hatten noch einen sehr lustigen Abend. Immer wieder kamen Rijeka-Fans vorbei und intonierten ihr „Stuttgart, Stuttgart, auf Wiedersehen“, das wir mittlerweile schon mitsangen. Einige blieben dann noch bei uns und wir feierten gemeinsam bis tief in die Nacht. Da war dann auch die Zeit gekommen, meinen Schal gegen einen Rijeka-Schal zu tauschen.
Schade, dass es bei einem solchen Spiel nicht möglich ist, zusammen mit dem Gegner in der Fankneipe des Stadions oder Drumherum ein Bier zu trinken und sich kennen zu lernen. Das wäre eine Art von Völkerverständigung und würde so manche Aggressivität herausnehmen. Ich glaube nicht, dass es bei diesen beiden Fanlagern zu größeren Problemen gekommen wäre. Sicherlich gibt es auf beiden Seiten Provokateure, diese gilt es eben in die Schranken zu weisen und auch einmal des Lokals zu verweisen. Aber, bei Fußballspielen macht es sich die Obrigkeit immer sehr einfach und nimmt gleich alle in Sippenhaft.
Am nächsten Morgen, abermals nach ziemlich wenig Schlaf, ließen wir den Tag langsam anklingen und starteten erst gegen 12.15 Uhr in Richtung Heimat. In Spittal, Österreich, machten wir dann noch eine ausgedehnte „Mittagspause“, aßen und tranken etwas in einem schönen Biergarten und waren schließlich gegen 22.30 Uhr wieder in Esslingen.
Es war ein rundum gelungener Trip mit klasse Leuten. Es hat alles zusammengepasst, jederzeit gerne wieder. Jetzt erst einmal erholen, aber auch davon zehren. Morgen hat uns der Alltag dann schon wieder, es geht nach Augsburg.
Als treuer Fan mag man es ja kaum aussprechen. Wie ich mich schon über das Lastminute-Tor in Rijeka zu einem „guten“ Auswärtsergebnis nicht erfreuen konnte, wäre ich auch bei einem Sieg bei den bayerischen Schwaben nicht euphorisch, würde das Leiden unter Bruno doch nur weiter verlängert werden. Traurig, wie weit es schon gekommen ist…
6. Mai 2012
Der gestrige kam einem perfekten Tag ziemlich nah. Früh morgens ging es schon los zur Saisonabschlussfahrt des OFC Leintal Power aufs Partyfloß des Neckarkäptn, mit dem wir von der Anlegestelle Poppenweiler nach Bad Cannstatt fuhren.
Vor dem Spiel noch ging es weiter auf den Wasen, Pilsbar Grandl. Dann weiter ins Stadion, wo zunächst Stefano Celozzi, Timo Gebhart, Matthieu Delpierre und Khalid Boulahrouz verabschiedet wurden, eine wunderschöne Choreographie zelebriert wurde, der VfB anschließend ein Spiegelbild der Saison ablieferte, indem er am Boden lag und stark zurückgekommen ist, mit anschließender Ehrenrunde, wo der Einzug in die Europa-League Playoffs mit den Fans gefeiert wurde.
Nach dem Spiel dann feierten wir ebenfalls noch mal richtig mit dem OFC United Supporters, indem wir eine Kneipentour durch Cannstatt unternahmen. Heute ist daher erst einmal Regeneration angesagt, allerdings erst, nachdem die Bilder online sind und ein Bericht verfasst wurde.
Wie schon erwähnt, steht das gestrige Spiel für mich exemplarisch für unseren Saisonverlauf. Nach einem guten Beginn folgte ein recht ernüchternder Durchhänger, um am Ende wieder alle Kräfte zu mobilisieren und das Ruder noch herumzureißen. Grund zum jubeln haben wir ohne Zweifel. Der sechste Tabellenplatz ist ein riesen Erfolg, wenn man sich vor Augen führt, wo wir vor Jahresfrist standen. Nach der Floßfahrt 2011 stand das alles entscheidende Spiel gegen Hannover 96 an, in dem wir zum siegen verbannt waren, um nicht abzusteigen. Jetzt dürfen wir uns wieder auf Europa freuen! An dieser Stelle ist es auch einmal an der Zeit, eine Lanze für Bruno Labbadia und sein Team zu brechen, der uns innerhalb von 1 ½ Jahren vom Abstiegsplatz in die Europa League geführt hat. Diese Leistung ist nicht hoch genug zu bewerten, befindet sich der VfB doch noch immer in einer Phase der wirtschaftlichen Konsolidierung. Erst jetzt, im Sommer 2012, ist der VfB befreit von einigen hochdotierten Verträgen und auch Fehleinkäufen, die noch Horst Heldt zu verantworten hatte. Bisher waren Fredi Bobic und damit auch Bruno Labbadia die Hände gebunden, da sie mit Spielern arbeiten mussten, die teilweise ihre Verträge absaßen, die ihnen Shopping-Hotte zugestand.
Jetzt hat der VfB die große Chance den Kader weiter punktuell zu verstärken, das aber nur dann, wenn aus der zweiten Mannschaft kein geeignetes Personal rekrutiert werden kann. Der Kader kann auf ein Normalmaß von 22-25 Spielern verkleinert werden, was dem Trainerteam das arbeiten erleichtern und die Zahl der Tribünenhocker ohne jede Einsatzchance reduzieren würde. Die Transferbilanz von Fredi Bobic liest sich hervorragend, klammert man einmal Camoranesi aus. Ansonsten hat er mit Augenmaß Zugänge präsentiert, die uns allesamt weiter brachten. Von den bisher feststehenden Abgängen sind alle mehr oder weniger nachvollziehbar. Celozzi ist nie richtig in Stuttgart angekommen, Delpierre mit geschätzten 4,2 Millionen Euro Jahressalär zu teuer und auch ohne Aussicht auf die Rückkehr in die Stammformation. Timo Gebhart tut sicherlich eine Luftveränderung gut, für ihn war in Labbadias System kein Platz mehr. Ihm wünsche ich, dass ihn Dieter Hecking in Nürnberg „hinbekommt“. Er muss auf gut deutsch erwachsen werden und mehr durch Leistungen auf dem Platz, als durch seine Präsenz im Nachtleben, von sich reden machen. Am meisten schmerzt mich der Abgang von Khalid Boulahrouz. Ihn mag ich vom Typ her, einer, der Vollprofi durch und durch ist und für Fans immer ein offenes Ohr hatte. Seine Verpflichtung damals mit einem hochdotierten Vertrag war ebenfalls Horst Heldt zuzuschreiben und für mich zu der Zeit nicht nachvollziehbar. Unsere Innenverteidigung stand damals mit Tasci und Delpierre felsenfest, wofür also einen hochbezahlten Bankdrücker verpflichten? Daher kam er lange nicht auf die Beine beim VfB, zumal er durch den Verlust eines Kindes auch privat eine sehr schwere Zeit durchmachte. Jetzt, unter Bruno Labbadia, zum Schluss seiner Ära beim VfB, nahm er die Rolle als Rechtsverteidiger an, die er phasenweise bärenstark interpretierte. Er ist zweikampfstark und zudem blitzschnell, was man ihm kaum zutraut. Leider verletzte er sich nach seiner starken Vorstellung in Sinsheim, als er beide Tore vorbereitete und im Kampf um einen neuen Vertrag keine weiteren sportlichen Argumente mehr liefern konnte. Trotzdem ist es natürlich nachvollziehbar, dass sich Verein und Spieler mit ihren unterschiedlichen (finanziellen) Interessen nicht nahe kamen. Eine Vertragsverlängerung wäre nur in Betracht gekommen, wenn der Spieler auf etwa die Hälfte seines bisherigen Salärs verzichtet hätte. Der Spieler wiederum pocht sicherlich darauf, dass es um „seinen letzten großen Vertrag“ geht und sondiert den Markt, wer ihm mehr bezahlt als der VfB. Alles Gute Kannibale!
Ob uns weitere Spieler mit hochdotierten Verträgen verlassen, wie bspw. Molinaro, Kuzmanovic oder sogar Cacau, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Ebenso, welche Neuen Bobic aus dem Hut zaubert. Erster „Neuzugang“ ist Daniel Didavi, der zurückkehren soll und sich dem Kampf um einen Platz im Team stellen muss. Kann er dabei Leistungen anbieten, wie zuletzt in Nürnberg, dürfen wir uns auf ihn freuen. Ich denke mal, die über viereinhalb Monate dauernde Sommerpause wird spannend werden wie selten.
Wir werden uns die Zeit bis dahin mit dem ein oder anderen Testspiel vom VfB zum Saisonabschluss verkürzen, beim Länderspiel Schweiz-Deutschland in Basel vor Ort sein und wieder zum Trainingslager reisen, sofern es der Termin zulässt. Und dann bin ich jetzt schon gespannt, wohin uns die Europa League Playoff Auslosung führt. Nach einjähriger Europa League Abstinenz lechzt man förmlich nach dem nächsten internationalen Auftritt. Nicht zuletzt steht dann noch die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine an, die wir aufgrund der Gegebenheiten in der Ukraine nicht bereisen werden. Nicht nur die politische, auch die infrastrukturelle Lage und die exorbitant gestiegenen Übernachtungskosten schrecken ab, sich das anzutun.
22. April 2012