15. Februar 2015

Oh, Du wunderschöner VfB…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:59

…sangen wir einst und durften Fußballfesten beiwohnen, die sich auch Jahrzehnte später noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Was ist nur aus diesem einst so wunderschönen Verein geworden? Ein Abstiegskandidat, das Team, das den schlechtesten und langweiligsten Fußball der Liga spielt. Stand VfB früher für „Verein für Begeisterung“ praktizieren wir heutzutage Angsthasenfußball zum Abgewöhnen. Der VfB steht auf Platz 18 und damit genau dort, wo er auch hingehört.
Die Luft auf dem Wasen dürfte nach der Niederlage in Sinsheim deutlich dünner werden. Jetzt merkt es wohl der letzte Träumer, dass wir uns (unaufhaltsam?) auf rasanter Talfahrt in Richtung Zweite Liga befinden. Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, mich an einen Strohhalm klammern zu können und auf die noch verbleibenden 13 Spiele im Oberhaus positiv zu blicken. Soll der Bock gegen den wiedererstarkten BVB umgestoßen werden? In Hannover? Im Leben nicht. Mit blutleeren Auftritten ohne jegliche Kreativität, ohne Überraschungsmomente? Was soll denn Hoffnung machen? Wir haben eine Truppe, die mit Sicherheit die schlechteste ist, die je die Farben unseres Vereins tragen durfte. Diese schlechte Truppe muss es aber richten, weil wir nur die eine haben.
Ich habe jegliches Vertrauen in diese Truppe verloren, das Wort „Mannschaft“ meide ich bewusst schon seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dieser (Gurken-)Truppe.
Der gestrige Tag begann ja schon symptomatisch. Mit dem RWS ging es im Bus diese paar Kilometer in Richtung Autobahnraststätte Sinsheim. Um 12.30 Uhr war Abfahrt in ES-Berkheim, gegen 13.15 Uhr der Zustieg im Gewerbegebiet Ditzingen-Ost. Es lief ganz gut, bis Sinsheim-Süd, als plötzlich alles stand. Unser Kutscher nahm dann diese Ausfahrt, was ich mit dem Stau in Verbindung brachte und ihm durchaus einen guten Plan B zugetraut hätte. Abgesehen davon, dass wir auch auf dieser Route mehr gestanden als gefahren sind, wunderten wir uns mehr und mehr über Plan B, spätestens dann, als wir linkerhand das Stadion gesehen haben und doch nicht mal endlich diese Richtung eingeschlagen hatten. Der Kutscher aber fuhr unbeeindruckt weiter seinen Stiefel herunter, bis wir schließlich – ja, tatsächlich, im Ort Hoffenheim gestanden sind. Hat diese Koryphäe von Kutscher doch wohl offensichtlich „Hoffenheim“ ins Navi eingegeben. ;-)
Als die Uhr bereits auf 14.40 Uhr stand, stieg natürlich die Unruhe im Bus an. In der Ortsmitte also wieder gewendet, so dass wir wieder auf die Autobahn und auf dieser von der anderen Seite aus kommend ankamen, an der Ausfahrt vorne reingedrängt, so dass wir doch noch kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gästeplatz standen. Die meisten im Bus hatten Stehplätze und um diese Zeit sicherlich ihre Probleme, noch einen guten Platz im Block zu finden. Bei mir war es weniger tragisch, da ich einen Sitzplatz, den ich direkt beim Heimverein bestellt habe, hatte. Abgesehen davon, dass man von dort relativ gut in den Gästeblock fotografieren kann, dachte ich, dass es im „Heimbereich“ auch Vollbier geben würde. Weit gefehlt, auch dort nur alkoholfrei, hat der Veranstalter doch sicherlich realisiert, dass auch diese Kurve außer den paar Hansels mit Dauerkarten, weitestgehend in VfB-Hand sein würde. So war das Spiel also noch schwerer zu ertragen.
Unser Neuzugang Serey Dié musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie Schwaab und Ibisevic, die für Harnik und Timo Werner weichen mussten. Huub Stevens war also auch gegen die in der Rückrunde noch punktlosen Hoffenheimer nicht dazu bereit, über seinen eigenen Schatten zu springen und mehr als zwei Offensivkräfte aufzubieten.
Mein Verständnis für diesen Angsthasenfußball hält sich dabei in Grenzen. Die Null muss stehen, ist zwar ein Credo, das noch nicht von vornherein verwerflich ist, aber eben nur, wenn man vorne auch trifft und so sicher steht, um auch mal ein 1:0 nach Hause zu schaukeln. Das aber kann der VfB nicht, so dass es mir momentan lieber wäre, im Veh-Stil anzutreten, wo man nach einem 0:3 gegen Leverkusen noch zurückkommen konnte und auch in Frankfurt nach Rückständen jeweils eine passende Antwort geben konnte. Ist die Ausrichtung von vorne herein auf Catenaccio angelegt, fällt es umso schwerer den Schalter umzulegen, wenn es sein muss.
Unter Veh war durchaus Offensivpotential erkennbar, auf dem man aufbauen könnte. So kann und muss es zwar heißen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive endlich mal zu finden, jedoch nicht allein auf Kosten der Offensive, sondern um Kapital aus diesen Stärken zu ziehen und die Gegentoranzahl zu reduzieren.
Weshalb hole ich einen Kostic für gut sechs Millionen Euro, der, als Königstransfer eines klammen Vereins, nur auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt. Natürlich muss er es lernen, nach hinten mit zu arbeiten, aber, wenn dem „Team“ eingebläut wird und sie es auch annehmen, dass sie für den einen oder anderen Künstler zusätzliche Wege gehen müssen, kann und muss man einen solchen Spielertypen und auch einen Alexandru Maxim auf dem Platz vertragen können.
Das sind doch Spieler, die der Fan und Zuschauer sehen möchte, die durch einen Geistesblitz Torgefahr entfachen können. Wir aber haben pro Halbzeit ein, zwei harmlose Schüsschen zu verzeichnen, wodurch gestern sogar einer unhaltbar für Baumann abgefälscht wurde und wir das erste VfB-Tor im Jahre 2015 bejubeln durften. Unsere Bilanz aus den letzten fünf Spielen lautet also 1:5 Tore, zwei Punkte. Die Gegentore zwar noch aller Ehren wert für einen Abstiegskandidaten, offensiv dafür nicht bundesligareif. Mit einer solchen Spielweise wie zuletzt geht es unweigerlich runter. Wir sind in einer Lage angekommen, in der nur noch Siege helfen.
Es bringt weder etwas in Köln auf Unentschieden zu spielen, noch gestern in Hoffenheim. Das 1:2 in der Nachspielzeit hat mich gestern nicht einmal mehr groß aufgeregt, weil mir schon der eine Punkt zu wenig war und man mit einem Punkt seit Einführung der Dreipunkteregel sowieso nicht von der Stelle kommt. Natürlich kann man mal mit einem Unentschieden leben, aber eben nur dann, wenn man sich nicht vorwerfen muss, nicht alles für einen Sieg getan zu haben.
Ich bin der Meinung, ein Umdenken kann nur durch Niederlagen stattfinden, auch wenn jetzt von Spielern und Offiziellen doch wieder rumgeheult wird, wie bitter der Knockout in der Nachspielzeit gewesen sei. Nein, der VfB bietet Fußball zum Abgewöhnen, langweilig, langsam, harmlos, ideenlos, herzlos und schlecht. Der Gegner passt sich diesem schlechten Spiel an und gewinnt das Spiel trotzdem, zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber, er gewinnt und hat damit sein Ziel erreicht, im Gegensatz zum VfB. Stevens muss jetzt einfach das Risiko erhöhen und mehr Kreativpotential bringen.
Wie erfolgversprechend eine Umstellung bspw. auf eine Raute sein könnte, dafür reicht ein Blick nach Bremen. Nur wenn man dem Gegner suggeriert, dass man ein Spiel unbedingt gewinnen will, hat dieser Respekt vor einem. Wenn ich aber wie das Kaninchen vor der Schlange agiere und stets den Rück- dem Steilpass vorziehe, signalisiere ich Demut und Angst und das gegen die Bayern genauso wie gegen Paderborn. Mutmacher fallen mir heute wenige bis keine ein.
Stevens selbst wirkte gestern ja beängstigend ratlos – ich hoffe, dass er aus seiner Ratlosigkeit heraus sich und sein Spielsystem hinterfragt und gegen Dortmund mit dem Mute der Verzweiflung antritt. Eine große Chance liegt für mich in der Gelbsperre von Christian Gentner. Er mag ein Spieler sein, der in einem gut harmonierenden und kombinierenden Team mitspielen kann, er ist aber kein Leader, kein Kapitän und erst recht nicht einer, der sein Herz in die Hand nimmt und die Richtung fürs Team vorgibt. Gegen Dortmund muss die Truppe anders auftreten als in den ganzen letzten Spielen, sonst kann der VfB die Punkte gleich in den Pott schicken und wir können es beim gemütlichen Teil des Abends belassen und müssen nicht für einen erneuten Grottenkick unser Vorglühprogramm unterbrechen. Außer der des Kapitäns würde ich noch andere Positionen überdenken, Romeu hat endgültig das „Niveau“ dieser Truppe erreicht. Beim 2:1 gestern hat er mal wieder viel zu langsam geschaltet, sonst hätte der Fehlpass von Baumgartl vermutlich nicht diese verheerende Folge gehabt. Weshalb Hlousek, der keine vernünftige Flanke in den Strafraum bringt, Woche für Woche auflaufen darf, verstehe, wer will. Ein Leibold von den Amas bekommt keine Chance und flieht im Sommer, schlechter als Hlousek ist er auch nicht. Auch Rausch, den ich einst für einen guten Zugang hielt, ist völlig außen vor und dümpelt bei den Amas herum.
Harnik, absolut formschwach, stets überhastet verstolpert er die wenigen vielversprechenden Aktionen, diese Aufzählung könnte man fast quer durchs Team fortsetzen. Ich hoffe, dass Gruezo bald und Didavi überhaupt noch zurückkommen, waren es doch diese beiden, die auch in der letzten Saison, übrigens ab dem Dortmund-Spiel, für mehr Stabilität im Mittelfeld gesorgt hatten. Auch Ginczek, der gestern wieder bei den Amas getroffen hat, würde ich Ibisevic vorziehen.
Gestern auch wieder war unsere „Offensive“, ob Harnik, Werner oder später auch Ibisevic, hauptsächlich am Fallen und am Lamentieren, anstatt erst dann das Spielen einzustellen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es ist erbärmlich und beschämend zugleich mit anzusehen, wie erwachsene Männer von einer Windbö von den Beinen geholt werden und dann noch Mienen aufziehen, wie kleine Mädchen, denen man die Barbiepuppe weggenommen hat.
Da wir noch immer von Berufsfußballern sprechen, die in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer an den Tag legen, die Basics wie Ball stoppen und Passspiel verlernt zu haben scheinen, frage ich mich, was die Ursachen sind. Spielt die Mannschaft etwa mal wieder gegen den Trainer? Jeder Verstolperer ein kleiner Nadelstich gegen den Trainer? Da ich bei dieser Truppe keinen Charakter sehe, würde mich das jetzt nicht einmal verwundern, alles bereits dagewesen.
Es muss sich Grundlegendes ändern, wenn man die Chance auf den Klassenerhalt weiter wahren möchte. Seit gestern schließe ich dabei auch einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr aus. Wenn ein Trainer selbst zugibt, mit seinem Latein am Ende zu sein, ist es nicht nur fünf vor sondern bereits nach zwölf. Spätestens hier sollten die Alarmglocken schrillen, spätestens hier könnte der VfB mit einem Novum die Bundesligahistorie bereichern, nämlich indem man zwei Trainerrücktritte innerhalb ein und derselben Saison zu verzeichnen hätte. Das wäre nur ein weiteres Indiz dafür, dass es vorne und hinten nicht passt, was Bobic über vier lange Jahre zusammengestellt hat. Sowohl sportlich als auch menschlich passt es in der Truppe nicht, Stevens hat es bislang auch nicht geschafft, elf Spieler auf den Rasen zu schicken, die einigermaßen miteinander harmonieren und vor allem welche, die als Mannschaft auftreten.
Ich bin der Letzte, der einen weiteren Trainerwechsel fordert und schreibe lediglich, dass er mich nicht wundern würde. Jede weitere Unruhe ist nicht förderlich, allerdings muss der VfB auch jede noch seine kleine Chance ergreifen, der zweiten Liga noch zu entrinnen.
Ich unterstelle einmal, die meisten, die jetzt sagen, nur durch einen Abstieg würde sich grundlegend im Verein etwas ändern, spinnen dieses Szenario nicht weiter. Der VfB ist notorisch klamm, so klamm, dass Kimmich verkauft werden MUSSTE, um überhaupt die laufenden Kosten bis zum Ende dieser Saison gesichert zu haben. Bei einem Abstieg würden uns geschätzt noch einmal circa 20-30 Millionen Euro wegbrechen, was mich zunächst einmal um die Lizenz bangen lässt. Ich hoffe, die Finanzexperten im Verein können dazu Anfang März, wenn die Lizenzen vergeben werden, Entwarnung geben.
Dann sieht es zunächst einmal so aus, dass wohl so ziemlich alle Verträge für die zweite Liga gelten, es mag sein zu verringerten Bezügen, aber, wir haben diesen Kader zunächst einmal weiter an der Backe. Der Verein muss dann natürlich versuchen, diesen Kader auszudünnen und einen nach dem anderen an den Mann bzw. an den Verein zu bringen. Zu allererst werden dann die weg sein, die Geld einbringen (könnten), wie Rüdiger, Maxim, Baumgartl, Werner, Didavi, Gruezo, Vlachodimos und einige vielversprechende Talente mehr. Die Ulreichs, Gentners, Niedermeiers, Hlouseks, Ibisevic‘, Schwaabs usw. werden erst einmal ausloten, ob sie es überhaupt einen Abnehmer für sie gibt, der mehr bezahlt, als der VfB zahlen müsste und dann womöglich noch beteuern, dass sie beim Neuaufbau mithelfen wollen, weil ihr Herz so sehr am VfB hängt. Ich wiederum sähe nur Hoffnung auf eine grundlegende Besserung und vor allem Aufbruchsstimmung, wenn das Verhältnis genau andersherum wäre. Natürlich kann es sein, dass ein Timo Werner und vielleicht auch Timo Baumgartl ihrem Herz gehorchen und besseren Angeboten widerstehen, ob da aber auch der Verein mitspielt und nicht doch (mal wieder) lieber Kasse machen möchte, bliebe abzuwarten.
Es wäre also zu befürchten, dass wir in der zweiten Liga eine eben solche eierlose Gurkentruppe auf dem Platz stehen hätten, wie jetzt schon. Damit würden wir dann auch in der zweiten Liga nicht zwangsläufig eine gute Rolle spielen. Der Grat, nach einem ersten Abstieg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, ist schmal, dauert es im Normalfall doch Jahre, sich schon von einem einzigen Zweitligajahr zu erholen. Schafft man den Aufstieg nicht auf Anhieb, gerät man schon Lichtjahre in Rückstand und läuft Gefahr, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Spielt man in der 2. Liga nicht um den Aufstieg mit, werden Spiele mit 15.000 Zuschauern und noch weniger zum Alltag werden, so dass man eigentlich schon fast im städtischen Stadion zu Degerloch spielen und sich die hohen Betriebskosten des Neckarstadions sparen könnte.
Spätestens seit gestern muss man sich ernsthaft mit diesen Szenarien beschäftigen, so traurig es auch ist. Es ist diese Untätigkeit der Vereinsführung, vor allem dass man die letzte Saison nicht als letzten Warnschuss verstanden hat, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Abstieg wäre hausgemacht, jahrelang drauf hingearbeitet und nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Was mich gestern selbst erschrocken hat, war, dass ich wohl schon so abgestumpft bin, dass mich diese Lage nicht einmal mehr sonderlich fertig macht. 2011 in Gladbach war das noch ganz anders, da ist man mit Tränen in den Augen in der Halbzeit wildfremden Leuten um den Hals gefallen und hat, „das war’s“ gestammelt. Vier Jahre später, in denen man mehr oder weniger dahingesiecht ist und jetzt eben jemand den Stecker zieht, fühlt sich das dann eher wie eine Erlösung an.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es einmal soweit kommt. Als Fan kann man noch und nöcher „Kämpfen bis zum Schluss“ propagieren, wenn es die Truppe auf dem Platz nicht verinnerlicht und Woche für Woche enttäuscht, muss man die Situation eben irgendwann als gegeben hinnehmen und im Stillen leiden. Ändern können wir ja sowieso nichts mehr dran.
Ich würde sowieso in der 2. Liga bei der Stange und vor allem auch auswärts so aktiv bleiben wie bisher, so wie es die gewöhnungsbedürftigen Anstoßzeiten zulassen. Eines weiß ich aber schon jetzt: sollte der Abstieg Realität geworden sein und der VfB mich im Mai freundlich darum bitten, wie gewohnt Monate vor Saisonbeginn 430 Euro für meine Dauerkarte abzudrücken, können sie mich erst einmal gern haben. Da kann man dann in Ruhe beobachten, was der Verein gedenkt zu ändern, wie die künftige Mannschaft aussehen wird, wer das sportliche Sagen hat und vieles mehr.
Mein Pessimismus ist die eine Sache, meine Liebe zum Verein eine andere. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen, der Verein bleibt!

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11. Februar 2015

Nur noch 14 Endspiele!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 21:11

Nachdem das Buchprojekt endlich Konturen annimmt und sich in der Schlussphase befindet, finde ich endlich mal wieder Zeit, die aktuelle Lage unseres VfB zu kommentieren.
Die Winterpause verlief einigermaßen unspektakulär und doch machte sie mir zunächst einmal Sorgen. Unser Super-Talent Joshua Kimmich, mit Rückkaufoption an RB Leipzig verkauft, erklärte klipp und klar, dass er nicht mehr zum VfB zurückkehren wolle. Wer mochte es ihm verdenken? Er hatte es niemals vor, so früh sein hiesiges und familiäres Umfeld zu verlassen, wurde damals aber von Fredi Bobic und Bruno Labbadia dazu gedrängt, indem sie ihm nicht einmal einen Platz in der zweiten Mannschaft, also in der 3. Liga, zugestehen wollten. Er selbst wäre diesen Umweg gerne gegangen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Eine Leihe (bzw. Verkauf mit Rückkaufoption), oder besser Abschiebung, zu einem anderen Verein birgt immer das Risiko, dass der Spieler sich woanders wohler fühlt, und innerlich mit seinem Stammverein abschließt. Das war bei Julian Schieber so, das war auch zeitweise bei Daniel Didavi so, der am Ende nur froh war und es auch sein konnte, dass der VfB, als er mit einer schweren Verletzung vom Club zurück kam, ihm beigestanden hat und seinen Vertrag verlängerte, so dass er keine Zukunftsängste haben brauchte.
Bei der U19-Europameisterschaft fiel mir Kimmich sehr positiv auf, so dass ich mich sehr auf ihn freute und natürlich hoffte, dass der VfB auch hingeschaut hat und die Rückkaufoption in Anspruch nimmt.
Spieler, die man so leichtfertig fortschickt, erfahren in einem fremden Umfeld auf einmal Dinge, die es beim VfB schon lang nicht mehr gibt. Wertschätzung des Vereins, Wertschätzung der eigenen Fans und ein leistungsorientiertes Umfeld, wo eben der spielt, der besser ist und sich im Training aufgedrängt hat. Bei uns aber ist die Stammmannschaft seit Jahren ein mehr oder weniger geschlossener Kreis mit ein paar Positionen, die aus unterschiedlichen Gründen unantastbar sind. Sei es eine besondere Lobby, Stammplatzgarantien oder auch schädliche Geschäftsbeziehungen von (Ex-)Manager Bobic mit Spielerberater Schwab (Gentner, Ulreich). Solche Verstrickungen und das daraus resultierende jahrelange Durchschleppen von manchen Spielern sind für mich maßgeblich mitverantwortlich für die Misere, wie wir sie in den letzten Jahren hatten und haben.
Hätten solche Garantien oder „Freundschaftsdienste“ keine Rolle gespielt, stünde möglicherweise heute Leno im Tor und zwei der vielen schon neben und wegen Gentner gescheiterten Nebenmänner, nicht zuletzt wären die Chancen für einen Joshua Kimmich ungleich größer gewesen, es ins Team zu schaffen. An dieser Stelle zitiere ich mal User homer aus dem offiziellen VfB-Forum, wie ich finde, ein sehr guter Ansatz zur Personalie Gentner: „Bekommt Gentner einen reinen Abräumer neben sich gestellt (Kvist), wird nach kurzer Zeit dieser kritisiert, weil er kein Spiel aufbauen kann, obwohl es dann eigentlich Gentners Aufgabe war. Bekommt Gentner einen Spielorganisator, der feine Bälle von hinten heraus spielen kann zur Seite (Oriol, Leitner), hagelt es schon bald Kritik, dass diese keine Zweikämpfe gewinnen. Dabei wäre das dann Gentners Aufgabe. So oder so, Gentner kam immer gut raus aus der Situation…“.
Dies sind nur einige Nachwirkungen der Ära Bobic, die uns vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen werden.
Durch den Verkauf Kimmichs an den FC Bayern, der sogar noch die unendliche Güte besaß, einen Teil der Ablöse Cash auf den Tisch des Hauses zu legen, wurde verhindert, dass ob der notorischen Geldarmut gar ein Leistungsträger im Winter verkauft werden musste, „nur“ um die laufenden Kosten bis Saisonende zu sichern. So kam der VfB zu diesem Geld wie die Jungfrau zum Kinde und hat natürlich auch gleich zugegriffen, um Löcher zu stopfen, wie es schön hieß. Auch wenn viele Kimmich eine Karriere wie Sami Khedira zutrauen und der „Abgang“ höchst schmerzlich ist, blieb dem Verein im Grunde keine andere Wahl. Es bringt ja auch nichts, einen unwilligen Spieler zu holen, außerdem, wenn Bayern ruft, hat man als VfB Stuttgart im Grunde sowieso keine Chance, den Spieler zu halten. Das Tischtuch wurde bei seinem Wechsel nach Leipzig zerschnitten, daher war das Verhältnis jetzt nicht mehr zu kitten, schade!
Dann wurde am Dreikönigstag Robin Dutt als Bobic-Nachfolger vorgestellt. Ich gebe es zu, mein Favorit war er nicht. Nach wie vor halte ich es ihm vor, dass er den elementar wichtigen Posten des Sportdirektors beim DFB beim erstbesten Angebot eines Bundesligisten, hingeschmissen hatte. Das war für mich erstens schlechter Stil und zweitens das Verhalten eines Menschen, der nicht weiß, was er will. Natürlich ist er jetzt beim VfB wieder näher an einer Mannschaft dran, als er das beim DFB war, aber, seine Aufgaben dürften dort auch vor der Unterschrift schon bekannt gewesen sein. Selbstredend brachte sich der VfB selbst in diese Bredouille, mitten in einer Saison, den Sportdirektor wechseln zu müssen, weil unter die Personalie Fredi Bobic nicht wie von vielen erwartet und gefordert schon im Mai 2014 der Schlussstrich gezogen wurde. So brachte man sich wieder einmal selbst unter Zugzwang und musste aus den Resten, die der Markt hergab, die bestmögliche Lösung suchen. Einen Stefan Reuter anzubaggern, der beim FC Augsburg einen tollen Job verrichtet, hielt ich nicht nur für aussichtslos sondern auch für stillos. Ein Manager, der während der Saison alles stehen und liegen lässt, um wegen ein paar Euro fuffzig mehr woanders anzuheuern, wäre wohl alles nur nicht loyal und vertrauenswürdig.
Ich hätte, aus Mangel an wirklich guten Alternativen, damit leben können, wenn Jochen Schneider und Huub Stevens zusammen die Planungen vorangetrieben und den neuen Mann zum 1.7. erst präsentiert hätten. Dann hätte man sich durchaus (jetzt schon) darum bemühen können, jemanden, wie Reuter oder auch Schmadtke, um nur zwei potentielle Kandidaten zu nennen, aus ihrem Vertrag zu bekommen. Wäre man sich einig geworden, hätte der neue Mann ja trotzdem in Entscheidungen, die neue Saison betreffend, eingebunden werden können.
Hätte, wenn und aber, jetzt haben wir Dutt und ich drücke die Daumen, dass es gut wird und wieder aufwärts geht. In Sachen Verzahnung Nachwuchs – Amateure – Profis eilt ihm aus Freiburg ja ein guter Ruf voraus. Ist diese Durchgängigkeit wieder eine Selbstverständlichkeit und schafft er es die Leistungskultur in unserem Verein wieder zum Leben zu erwecken, wäre schon viel gewonnen. Wünschenswert wäre es auch, wenn dieser Sportdirektor seinen Urlaub dann nehmen würde, wenn die Arbeit getan ist und nicht im Juli. Bei zukünftigen Neuverpflichtungen soll ja in Zusammenarbeit mit dem Scouting, Management und Trainerstab eine Einstimmigkeit erzielt und erst dann jemand verpflichtet werden, wenn diese gegeben ist. Es wäre schon ein bahnbrechender Fortschritt, wenn von nun an die Spieler, die an den Neckar gelotst werden, auf ihren Charakter hin, ihr privates Umfeld, ihre (Spiel-)Intelligenz und weitere Kriterien durchleuchtet würden und man keine Spieler mehr ausschließlich nach einem DVD-Studium oder einem Telefonat aus New York City verpflichtet. Bisher hört man von Dutt beim VfB nur Gutes, ich hoffe, es bleibt so und wünsche ihm ein gutes Händchen und viel Erfolg.
Meine Vorbehalte habe ich jetzt bei Seite geschoben, ich wünsche mir einfach, dass Dutt uns wieder in ruhigere Fahrwasser führt und wir alle gemeinsam wieder bessere Zeiten erleben, angefangen natürlich mit dem Nichtabstieg. Vor Ablauf seiner ersten 100 Tage verbietet sich eine Beurteilung sowieso, nach ein, zwei Transferperioden kann man ein erstes Zwischenfazit ziehen.
In diesem Jahr waren wir erstmals im Wintertrainingslager in Lagos. Das Wetter ließ zu wünschen übrig, angeblich hatte es sechs Wochen lang nicht geregnet, bis der VfB dann kam. Wir hatten jeden Tag Regen, mal mehr, mal weniger und böigen Wind, so dass es zwar wärmer als in Deutschland war, nicht aber so warm, wie wir es uns gewünscht hätten. Stevens‘ Training hatte mir sehr gut gefallen, die Jungs haben richtig Gas geben müssen. Stevens, mal locker, mal streng, eine gute Mischung. Chima Onyeike und „Papa“ haben die „Mannschaft“ richtig schwitzen lassen, so dass sie eigentlich konditionell auf der Höhe sein sollten. Es fallen eben die extremen technischen Unzulänglichkeiten, die man auch in den Spielen sieht, auf und, da ich schon verschiedene Mannschaften in verschiedenen Trainingslagern gesehen habe, kann ich auch sagen, dass die Stimmung schon besser war als derzeit in der Truppe, aber, das sieht man ja auch bei den Spielen auf dem Platz. Wenn man dann noch manche Torschusstrainings sah, bei denen die meiste Laufarbeit Zeugwart Micha Meusch, der die Bälle suchen und einsammeln musste, kann es einem schon etwas angst und bange werden. Symptomatisch für dieses Trainingslager bei nicht ganz so optimalen Wetterbedingungen und kaum vorhandenen Testgegnern war dann noch, dass das erste von nur zwei Testspielen (leider auf der Hotelanlage, ohne Tribüne, vor allem ohne Bierstand!) gegen die albanische Spitzenmannschaft K.F Laci ins Visier der albanischen Wettmafia geraten ist und sich somit das 5:0 als wertlos herausstellte. War aber schon auch eine komische Taktik der Albaner, die in der zweiten Halbzeit ihre Viererkette an der Mittellinie postiert hatten. Von der Fanbetreuung war Klenky vor Ort, der uns etwa 25 Fans dann noch im Namen des VfB in die Bar des Mannschaftshotels auf ein paar Kaltgetränke eingeladen hatte. Von den Spielern war der Kapitän angekündigt, gekommen sind dann (bis zum Beginn des Mannschafts-Abendessens) zusätzlich noch Schorsch Niedermeier, Ulle, Flo Klein, Timo Werner und Mart Ristl. War ein kurzes Aufeinandertreffen, aber wirklich nett, auch wenn man schon den Eindruck bei so manchem hatte, dass er froh war, als es endlich vorüber war. Gerade in diesen düsteren Zeiten ist eben auch da nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sondern man hinterfragt schon das eine oder andere, wenn man schon mal die Gelegenheit dazu hat.
Positiv herausgestochen haben für mich in Lagos eigentlich ausschließlich die Youngsters. Von den überraschend Mitgenommenen Jugend- und Amateurspielern haben mich vor allem Ristl und Sama überzeugt, auch Vlachodimos machte einen starken Eindruck. Er hat etwas Katzenartiges wie einst Gerhard Heinze. Timo Werner besticht für mich durch sein normales Auftreten. Anfangs hatte kaum einer seine Lippen zu einem Guten Morgen auseinandergebracht, nicht so Timo Werner, der uns gleich ein, „hallo, Servus“ entgegenwarf. Auch Meuschi (und den anderen Teambetreuern) gegenüber, dem die meisten ihr Zeug nur hinwerfen, pflegt er einen normalen Umgang, reicht es ihm hin oder legt es noch zusammen und trägt auch jeden Tag als einer der wenigen Spieler einen Kasten Ensinger zurück ins Hotel. Es sind so Kleinigkeiten, die aber auf eine gute Erziehung, ein gutes Elternhaus schließen lassen und einen, der nicht meint, ihm gehöre die Welt und dass er etwas Besseres sei. Ich finde ihn einen klasse Burschen und hoffe inständig, dass er hier bei seinem Traumverein sein Glück findet und seine sportlichen Ziele erreichen kann. Es wäre ein Jammer, ihn verlieren zu müssen, nur, weil der Verein durch jahrelange Misswirtschaft an die Wand gefahren wurde. Natürlich steckt er im Formtief derzeit, ihn muss man aber stützen, weiß man doch, was er drauf hat. Läuft es in der Mannschaft wieder besser, spielen wir sicherer, kann auch er seine Stärken wieder besser ausspielen. Es ist immer schwer für einen Teenager die Bürde des großen Hoffnungsträgers zu tragen, der das Ruder herumreißen soll, verkehrte Welt bei uns, eigentlich sollten diesen Part die erfahrenen Spieler einnehmen…
Robin Dutt indes hat mit Serey Die, dem frischgebackenen Afrikameister, seinen ersten Neuzugang an Land gezogen. Anscheinend hatte er ihn schon zu seiner Freiburger Zeit auf dem Zettel, damals war er unbezahlbar. Da er bei seinem Ex-Club FC Basel in Ungnade gefallen ist, war er jetzt zum Schnäppchenpreis zu haben. Ihm eilt der Ruf des „Enfant terrible“ voraus, der immer „gut“ für eine rote Karte ist. Einige Szenen habe ich auch bereits vom Afrika-Cup gesehen, die das untermauern. Ich hoffe mal, dass er, der ja den europäischen aus Basel gewöhnt sein sollte, sich ein wenig zügelt, nicht dass er gleich wieder fehlt, bevor wir ihn richtig kennenlernen durften. Ein Spielertyp, der uns bisher fehlt, ist er auf jeden Fall, zweikampfstark, ein Kampfschwein und brutal schnell zudem und das trotz seiner schon 30 Jahre auf dem Buckel. Ich freue mich auf ihn und bin gespannt, wer aus unserem Hochgeschwindigkeitsmittelfeld für ihn weichen muss. Hoffentlich reicht es bereits für Hoffenheim, wenn er bereit ist. Wie man es vom VfB aber kennt, wird er sicherlich erst einmal einsam seine Runden an Clubheim drehen, anstatt mit der Mannschaft nach Sinsheim zu fahren. Ein Spielertyp, der uns gefehlt hat, ist er auf jeden Fall. Ob er auf Anhieb eine Führungsrolle einnehmen kann, wird man sehen. Verständigen kann er sich nur auf Französisch, aber, man weiß ja, die Fußballersprache ist international.
Die Rückrunde ist bereits wieder drei Spieltage alt. War es nun ein Fehlstart oder einfach nur dem schweren Startprogramm geschuldet? Einen Punkt mehr als zu Beginn des Jahres 2014 haben wir ja bereits gesammelt. Gegen Gladbach und Bayern rechnete ich jedenfalls schon vorher mit einer Niederlage. Gegen Gladbach fiel sie sogar knapper aus, als ich es befürchtet hatte. Der Beginn war katastrophal, so dass man schnell hätte in Rückstand liegen können, wenn nicht müssen. Danach wurde Gladbach dann schwächer, so dass das Spiel ausgeglichen war und sogar auch der VfB in Führung hätte gehen können. Just dann, als man nicht unbedingt mit der Gladbacher Führung rechnen musste, kam sie. Dämlich dabei, dass sich der VfB auskontern ließ. Irgendwie lernt die Mannschaft nicht aus den Fehlern der Vergangenheit. Dennoch hatte man noch Chancen und in der Nachspielzeit durch Georg Niedermeier DIE Chance schlechthin. Den muss er machen, unglaublich die Kugel aus vier Metern an die Latte zu hämmern. Dennoch war das Spiel ein Spiegelbild der Hinrunde. Unglaubliche Schwächen bei gegnerischen Standards und Konteranfälligkeit auf der einen, Harmlosigkeit im Angriff auf der anderen Seite, weil es eben so gut wie nie gelingt, hinter die gegnerische Abwehrreihe zu kommen. Dies verhindert zum einen das behäbige Spiel aus dem Mittelfeld, das oft beim eigenen anstatt beim gegnerischen Torwart endet oder technische Unzulänglichkeiten wie ungenaue Pässe oder Fehler beim Ballstoppen, die einem Angriff den Schwung nehmen. Das sind die sogenannten Basics, die ein Profi eigentlich drauf haben müsste.
Danach ging es nach Köln, endlich mal wieder, immer wieder ein Highlight die Atmosphäre in diesem Stadion und auch die Stadt. Die letzten sieben Bundesligaspiele in der Domstadt verlor der VfB nicht, zudem ist Köln nach dem VfB zweitschlechteste Heimmannschaft. Wenn nicht jetzt, wann dann, war man geneigt zu sagen, sollte es mit einem kleinen Befreiungsschlag klappen, zumal die nächsten Aufgaben gegen Bayern, in Hoffenheim, gegen Dortmund und in Hannover kaum einfacher werden dürften. Meine Hoffnung darauf bekam schon den ersten Dämpfer, als ich die Mannschaftsaufstellung vernommen hatte. Eine Offensive mit lediglich Sararer und Harnik fand ich von vornherein ein wenig dürftig und zeugte nicht unbedingt davon, dass man das Spiel unbedingt gewinnen wollte. Man hatte zwar durch Harnik und Leitner zwei Chancen, was aber in 90 Minuten insgesamt zu wenig ist. Weitere Offensivkräfte wie Ibisevic und Maxim wechselte Trainer Stevens erst in der 87. Und in der 90. Minute ein, so dass es schon den Anschein erweckte, Stevens wäre tatsächlich bei schwachen Kölnern mit dem 0:0 zufrieden, was ich nicht nachvollziehen konnte. Die Defensive stabiler aufzustellen als es Armin Veh tat, ist zwar ein probates Mittel, wenn diese neue Stabilität jedoch dann Offensivakteure und weitestgehend Offensivaktionen ausschließt, ist das Ganze nicht mit anzuschauen und zudem nicht sehr erfolgversprechend. Für mich war das folgerichtige 0:0 in Köln eindeutig zu wenig.
Dann kamen die Bayern. Auch wenn es nicht das befürchtete Debakel gab, auch für ein 0:2 und eine unerwartet gute Abwehrleistung gibt es keine Punkte. Die Bayern taten nicht mehr als nötig und siegten, so dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Bereits nach dem Hinspiel gab es Pappenheimer, die sich dafür feiern lassen wollten, weil es kein Debakel gab, auch dieses Mal gab es überwiegend lobende Stimmen aus der Mannschaft. Ich lese, man habe Pech gehabt, wenig zugelassen usw. Einen Torschuss, den von Sakai, haben wir in 90 Minuten zustande gebracht, Manuel Neuer musste keinen einzigen Ball halten, so kann man einfach nicht gewinnen. Und wenn man sich dann bei dem 0:1 wie auf dem Bierdeckel ausspielen lässt, Ulle zudem zu weit vor dem Tor steht, liegt man eben zurück und es ist doppelt schwer noch etwas Zählbares zustande zu bringen. Dann noch das 0:2 und die Bayern konnten das Ergebnis kraftschonend verwalten. So waren alle zufrieden, der VfB dass ja die Abwehr so toll stand und die Bayern, weil sie ihren ersten Rückrundensieg mühelos einfahren konnten. Alle? Nein, ich war nicht zufrieden. Natürlich hatte ich nicht ernsthaft dran geglaubt, dass wir den Bayern weh tun könnten, aber, ich bin eben auch Zeitzeuge früherer Schlachten und gebe mich nicht damit zufrieden, als Sparringspartner lediglich ein blaues Auge und keinen K. O.-Schlag versetzt bekommen zu haben. Verloren ist verloren, wir dümpeln weiterhin mit 18 Punkten im Keller vor uns hin, uns fehlen weiterhin noch sechs Siege, um gute Chancen auf den Klassenerhalt zu haben.
Nur, gegen wen sollen die gelingen? Wir haben zwar einige direkte Konkurrenten noch zu Gast im Neckarstadion, ob das jetzt gut ist in Anbetracht von zuletzt sechs (!) Heimspielen ohne eigenes Tor, sei dahingestellt. Spiele, wie das in Köln, wo einem in Anbetracht der unterirdischen Leistung des Gegners die Punkte auf dem Silbertablett serviert werden, müssen ohne Wenn und Aber gewonnen werden, soll das zarte Pflänzchen Hoffnung weiter blühen. Ich versuche es, positiv zu denken und daran zu glauben, dass es Huub ein zweites Mal richten wird. Nur gibt es derzeit sehr wenig, das mir Hoffnung macht. Der VfB ist die Mannschaft in der Liga, die den langweiligsten und langsamsten Fußball praktiziert, für die der Spielaufbau ein Fremdwort ist und die aus ihren einfachen Fehlern einfach nicht zu lernen imstande ist. So wird es sehr, sehr schwer.
Ob es ausgerechnet an der Autobahnraststätte Sinsheim am Samstag die Wende geben wird? Hoppenheim ist zwar noch schlechter in die Rückrunde gestartet als der VfB, hat aber spielerisch weit mehr zu bieten als wir, so dass zu befürchten ist, dass wir einmal mehr der ideale Aufbaugegner für einen am Boden liegenden Gegner sind. In ähnlicher tabellarischer Situation setzte es dort im letzten Jahr ein sang- und klangloses 1:4, damals allerdings noch im Hurra-Stil mit Thomas Schneider an der Linie. Hoffnung macht mir allenfalls, dass das Stadion in weiß-roter Hand sein wird. Wie viele andere auch, habe ich mein Ticket beim Heimverein direkt bestellt. Auch Stand heute gibt’s da noch Tickets, so dass auch jetzt noch VfBler die Chance haben, sich an diesem Kontingent zu bedienen, greift zu! Ob die Mannschaft diese Unterstützung als Auftrag betrachtet oder sich wie in einem Heimspiel wähnt und dann nicht einmal mehr ein Tor zustande bringt, warten wir es ab. Im Grunde kann es nur besser werden!

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22. Dezember 2014

Aus, Aus, Aus, das Fußballjahr ist aus!

Selten war ich so froh wie am Samstag, die Truppe ein paar Wochen nicht sehen zu müssen und mich in nächster Zeit vermehrt den schönen Dingen des Lebens zuwenden zu können. Die einst schönste Nebensache der Welt ist beim VfB zu einem gequälten Dahinsiechen verkommen, war man einst der Verein für Begeisterung ist man nunmehr nach mindestens vier Jahren Misswirtschaft zum Verein für Bedeutungslosigkeit oder auch zum Verein für Bewegungslosigkeit mutiert. War man vor noch nicht allzu langer Zeit selbst motiviert bis in die Haarspitzen und holte in den neunzig Minuten auch auf der Tribüne alles aus sich heraus, kauert man heute in seinem Sitz und schaut dem Treiben auf dem Platz fast schon mitleidig zu.
Gegen die Fußballmacht Paderborn ließ der VfB mal wieder alles vermissen, was den Fußball ausmacht. Kein Tempo, keine Aggressivität, Zweikampfschwäche, an Ideen- und Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Gerade einmal vier Tore (drei davon allein beim 3:3 gegen Leverkusen nach 0:3-Rückstand) brachte der VfB in dieser Saison zu Hause zustande, bei 16 Gegentoren. Acht Heimspiele, die an die Nieren gingen. Was versprach man sich nicht alles durch den Umbau des Neckarstadions in ein reines Fußballstadion? Eine Festung sollte es werden, die allen Mannschaften, national und international das Fürchten lehrt und ein Hexenkessel ist.
Die Realität aber sieht leider anders aus, eine „Mannschaft“, die keine ist, die das kleine Einmaleins des Fußballs nicht kann, die fußballerische und Konzentrationsschwächen an den Tag legt, jegliche Identifikation mit Stadt und Verein vermissen lässt und dann noch beleidigte Leberwurst spielt, wenn das Publikum diese Vorstellungen nicht noch goutiert. Ständig hören und lesen wir von der angeblichen Qualität in dieser Truppe, auf dem Platz lassen diese jedoch selten bis nie aufblitzen.
Ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn meine Mannschaft verloren hat, wenn, dann dürfte ich mein Herzblut nicht in diese Sportart und schon gar nicht in diesen Verein stecken. Sieg und Niederlage gehören zum Fußballspiel wie das Bier und die Stadion-Rote. Aber, an der Art und Weise von Niederlagen störe ich mich schon hier und da, dann nämlich, wenn man sich fragen muss, was die Jungs auf dem Platz eigentlich beruflich machen, was sie denn im Kopf haben, wenn die gleichen Fehler immer und immer wieder gemacht werden. Was sie ihrem Arbeitgeber und den Fans zurück zu geben sie bereit sind, oder ob sie sich in einer Einbahnstraße sehen, in der man zwar das fürstliche Gehalt einstreichen darf, sich dafür aber zu keinerlei Gegenleistung verpflichtet sieht? Ob man es als zahlender Kunde nicht erwarten kann, dass ein Fußballprofi ein oder zwei Mal die Woche für 90 Minuten alles aus sicher herausholt, alles für den Verein gibt und nicht nach einem zufällig gewonnenen Spiel der Schlendrian einkehrt. In Hamburg lag spielerisch auch einiges im Argen, hatte man Glück, dass der HSV einen grottenschlechten Tag erwischt hatte, dort aber stimmte wenigstens die kämpferische Einstellung. Dadurch hatten sie sich den Sieg auch verdient.
Vier Tage später, man darf dabei nicht vergessen, dass Paderborn einen Tag weniger Zeit zur Regeneration hatte, kickt man dann wieder einen solchen Stiefel zusammen? Kein Wunder, dass wir seit nunmehr 15 Monaten keine zwei Siege in Folge mehr feiern durften, wenn nach einem Sieg gleich wieder Selbstzufriedenheit einkehrt und jeder denkt, es würde schon von selbst laufen.
Ganz schön angefressen war Huub Stevens nach dem Spiel. Ihm dürfte spätestens am Samstag klargeworden sein, welchen Sauhaufen er hier übernommen hat und welch harte Arbeit vor ihm liegt. Das Team muss über kurz oder lang komplett verändert werden. Armin Veh hat dies nach seinem Abschied durch die Blume gesagt, Dieter Hoeneß gestern bei Sport im Dritten unverblümt. Es wurde zu lange auf falsche Pferde gesetzt, die Zusammenstellung des Kaders ist unter aller Sau, wir haben zu viele ähnliche Spielertypen und vor allem keine Führungsspieler.
Wir haben keinen einzigen in der Mannschaft, der das Heft in die Hand nimmt und auch mal dazwischenhaut, wenn es nötig ist. Es herrscht keine bzw. eine falsche Hierarchie. Leute wie Romeu, Gruezo oder Kostic hätten zumindest in puncto Körpersprache das Zeug voran zu gehen, sind aber als Neulinge oder sogar Leihspieler nicht dazu prädestiniert und stellen sich naturgemäß erst einmal hinten an.
Kapitän Christian Gentner mag ein Laufwunder sein, leider hat er sich die falsche Sportart für diese läuferischen Qualitäten ausgesucht. Wenn Stevens ein unmissverständliches Zeichen setzen möchte, sollte er Gentner des Amtes entheben und die Binde Mister X geben, der hoffentlich noch kommt und von dem Stevens dann überzeugt ist und sein verlängerter Arm werden könnte. Vom derzeitigen Kader fällt mir so gut wie niemand ein, der dieses Amt übernehmen könnte, ich weiß nur, dass Gentner mit der Binde und der ihm damit aufgebürdeten Führungsrolle überfordert ist.
Sven Ulreich, auch am Samstag wieder mit ein, zwei guten Paraden, dafür ist er schließlich Torwart, aber eben in Kombination mit einigen Unsicherheiten. Die Spieleröffnung, seine langen Bälle, eine einzige Katastrophe, Antizipation ebenfalls, da hatte er zwei Mal Glück, dass nichts passiert ist. Mir fällt derzeit kein anderer Bundesligatorwart ein, der in jedem Spiel mindestens zwei, drei Böcke drin hat. Fast jeden Ball lang auf Harnik, selbst dann, als Harnik schon ausgewechselt war. Laut Kicker-Statistik 59% Fehlpässe (Kruse 26%), so kann doch kein vernünftiges Aufbauspiel stattfinden, wenn der erste in der Kette den Ball meistens dem Gegner hergibt. Auch das ist eine Personalie, mit der ich (bekanntermaßen) seit Jens Lehmanns Karriereende Bauchschmerzen habe. Ulle profitierte lang von der Tatsache, dass sein Berater Schwab und Fredi Bobic Freunde und Geschäftspartner sind, es war ja dann auch kein Zufall, dass, sobald Bobic entlassen wurde, der Torwartwechsel erfolgte. Ich hatte Armin Veh auf dem Kabinenfest Anfang September genau auf diese Problematik angesprochen und erntete vielsagende Blicke, so dass mir klar war, ohne dass er groß etwas dazu sagte, dass ich offene Türen bei ihm eingerannt hatte. So war der Torwartwechsel irgendwann einfach nur logisch und bei weitem nicht nur Ulles Patzer in Dortmund geschuldet. Einige meinten ja, wegen EINEM Fehler, den Torwart herauszunehmen, das würde ja gar nicht gehen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das bei Ulle nicht passt und bei dem vor allem keine Verbesserung zu erkennen ist. Außer seinen Stärken auf der Linie hat er für mich fast nur Schwächen und ist er vor allem Torwart moderner Prägung. Natürlich hat Manuel Neuer diesbezüglich die Messlatte hoch angesetzt, natürlich wird es keinem Torhüter gerecht, ihn an Neuer zu messen, aber, besseres mitspielen, besseres fußballerisches Können, besseres Stellungsspiel, bessere Handlungsschnelligkeit, etc. pp. darf man von einem Bundesligatorwart schon erwarten. Dass Thorsten Kirschbaum auch nicht besser war, heißt nicht automatisch, dass Ulle wieder unangefochtene Nummer 1 sein muss.
Er muss sich warm anziehen wie der Rest der Truppe und, sollte er sich, gemeinsam mit Menger, nicht wieder aufs Niveau von vor zweieinhalb Jahren bringen können, muss man Vlachodimos eine Chance geben und am besten Ulle und Kirsche verkaufen, bevor Vlachodimos es Leno nachmacht und das Weite sucht.
Ich befürchte, dass die notwendigen personellen Korrekturen in der Winterpause nicht durchgeführt werden können. Zum einen ist der Verein notorisch pleite, zum anderen aber gibt der Winter-Transfermarkt auch nichts her, außer unzufriedenen Spielern, bei denen es ungewiss wäre, ob sie den Schalter so schnell umlegen und uns sofort helfen würden. Man hat schließlich nicht immer das Glück wie wir 2011, als Hajnal und Okazaki sofort einschlugen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatten.
So werden wir wohl oder übel mit diesem Kader auskommen müssen, so sehr allein der Gedanke daran auch Angst macht. Stevens wird eine härtere Gangart einschlagen, das war aus seinen Worten an diesem Wochenende deutlich herauszuhören. Seine PK nach dem Spiel fand ich erfreulich, endlich mal ein Trainer, der sich nach diesem Grottenkick nicht vor „seine“ Spieler sondern sie an den Pranger stellt und Klartext redet, nämlich, dass man mit einer solchen Einstellung kein Spiel gewinnen kann. Was mussten wir uns nach durchaus ähnlichen Spielen schon vorwerfen lassen, wir wären verwöhnt, was wir denn wollten, die Leistung war doch o. k. , wir haben uns „nur“ nicht belohnt.
Unsere Heimbilanz ist schon jetzt katastrophal, gegen Mannschaften wie Köln und Augsburg, die unter normalen Umständen zu unserer direkten Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg gehören, verlieren wir, gegen Paderborn, von den meisten als Absteiger Nummer eins gehandelt, spielen wir unentschieden und sind die schlechtere Mannschaft, und gegen die „Großen“ in der Liga, wie Wolfsburg und Schalke, holen wir uns Klatschen ab, so dass der Klassenunterschied schon jetzt klar zu sehen ist. Leverkusen ist auch in diese Kategorie einzuordnen, auch gegen die Werkself war es nach dem 0:3 zur Halbzeit zapfenduster. Vor den ersten Heimspielen in der Rückrunde kann einem daher nur angst und bange werden, heißen die Gegner doch Gladbach, Bayern und Dortmund. Ja, auch den BVB reihe ich noch in die Kategorie der Top-Teams ein und bin überzeugt davon, dass der BVB zumindest noch in die obere Tabellenhälfte klettern wird.
Gegen biedere Paderborner war einzig Daniel Didavis Rückkehr ein Lichtblick. Vor allem seine Standards wohltuend, schade, dass der zurzeit formverbesserte Alexandru Maxim verletzt passen musste. Außer Ulle und Gente, die enttäuschten, war Sakai einmal mehr nicht bundesligatauglich. Martin Harnik verlor so gut wie jeden Zweikampf und jedes Kopfballduell, Hlousek an seinem Geburtstag mit mehr Schatten als Licht. Auch Timo Werner ist schon die ganze Saison nur ein Schatten seiner selbst, wobei ich es den Youngstern nicht einmal verdenken kann. Die jungen Spieler brauchen Führung, gestandene Spieler neben sich, zu denen sie aufschauen, von denen sie lernen können. Wir zahlen momentan die Zeche für die „Firmenkultur“, die von oben nach unten vorgelebt wird. Anstatt Leute mit Ecken und Kanten und kontroversen Meinungen zu holen und sich die Köpfe heiß zu reden, wird eher Wert darauf gelegt, dass jeder seine Klappe hält. Wer dieses Spiel nicht mitzuspielen bereit ist, wendet dem Verein den Rücken zu. Wem sein sicherer Posten aber wichtiger ist, als sichtbarer Erfolg und kontinuierliche Verbesserung, der bleibt auch dann auf seinem Posten kleben, wenn er erkennt, dass im Grunde alles umsonst ist, was er tut. So muss es doch bspw. auch Andi Menger gehen, der einen Leno gehen lassen muss und Ulreich krampfhaft zur Nummer Eins erklärt wird, nur weil man ihm das bei der Lehmann-Verpflichtung mal versprochen hat und weil er eben das so wichtige Vitamin B hat.
Auch Fredi Bobic äußert sich heute im Kicker erstmals nach seinem Rauswurf, auch er lässt kein gutes Haar am mächtigen Aufsichtsrat, auch er sieht es inzwischen so, gegen Windmühlen angekämpft zu haben. Wenn es so schlimm und seine Mission zum Scheitern verurteilt war, frage ich mich, weshalb er dann nicht den Bettel hingeschmissen hat. Da er dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste vom VfB steht, sollte er dennoch vorsichtig sein, was das Nachtreten angeht. Er wäre nicht der Erste, der sich nachträglich noch eine fristlose Kündigung einhandelt, wenn betriebliche Abläufe oder Interna an die Öffentlichkeit getragen werden. Der VfB muss sparen, wo es geht, so gesehen käme ihm das sicherlich entgegen. ;-)
Was die Bobic-Nachfolge angeht, bin ich äußerst skeptisch, ob man im Verein gewillt ist, einen Mann mit eigenen Visionen zu holen oder wieder nur einen, der für die Vereinsführung und den mächtigen Aufsichtsrat ein bequemer Zeitgenosse ist, den man noch „ziehen“ kann. In diese Kategorie fällt für mich auch der derzeit favorisierte Robin Dutt. Zwar hat er jetzt nicht den viel zitierten Stallgeruch, aber, er dürfte schon zu Beginn sehr dankbar sein, wieder nahe seiner Heimat Leonberg seinen Dienst verrichten zu dürfen. Seit seiner Zeit in Freiburg hat er nichts mehr gerissen, ist in Leverkusen grandios gescheitert, hat den Job beim DFB selbst geschmissen und auch in Bremen keine Bäume ausgerissen.
Gerade seine Demission beim DFB werfe ich ihm vor. Matthias Sammer hatte für diesen Posten Maßstäbe gesetzt und den Grundstein für die Erfolge der U-Nationalmannschaften und auch den WM-Gewinn in Brasilien gelegt. Einen für Fußball-Deutschland so elementar wichtigen Posten nach noch nicht einmal einem Jahr beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga zu kündigen und beim DFB ein Vakuum zu hinterlassen, das spricht für mich nicht für Charakterstärke. Damals stellte er angeblich fest, dass er Trainer mit Leib und Seele sei und sich eher auf dem Platz denn am Schreibtisch zu Hause sieht, um jetzt die Rolle rückwärts zu schlagen? Für mich äußerst fraglich, ob wir mit diesem Mann in eine erfolgreiche Zukunft gehen können. Was, wenn der nächste Sinneswandel bei ihm eintritt? Dieses Risiko sollte der VfB genau abwägen, wurde man doch nach Armin Vehs Rücktritt schon kalt erwischt. Im übrigen würde es Dutt kraft seines Amtes auch mit Spielern zu tun bekommen, die trotz laufenden Vertrages eine Luftveränderung meinen zu brauchen, wie soll er hier argumentieren und auf die Gültigkeit von Verträgen pochen, wenn er selbst eine solche Wankelmütigkeit an den Tag legt.
Bei der Sportdirektorensuche ist nach wie vor der Zeitpunkt der Trennung von Fredi Bobic das große Problem. Es ist nun bereits die zweite Saison, die man wegen Zauderei frühzeitig in den Sand gesetzt hat, bevor sie richtig begann. War es erst Bruno Labbadia, dessen Vertrag man nicht zum Saisonende auslaufen ließ, nun also Fredi Bobic, dem man bereits im Mai dieses Jahres seine Papiere hätte geben müssen. Beide Male war der Transfermarkt bereits geschlossen, so dass die jeweiligen Nachfolger nichts Grundlegendes mehr ändern konnten. Unter diesen Voraussetzungen ist es schon äußerst bemerkenswert, dass wir mit Huub Stevens dank acht Punkten aus sechs Spielen überhaupt noch in Schlagdistanz sind. Zeitweise sah es schon bedenklicher aus, ab Platz 10, zu dem wir zwei Punkte Rückstand haben, kann es noch jeden erwischen, so gesehen ist die Ausgangsposition für die Rückrunde so schlecht nicht. Fakt ist aber, dass wir eine bessere Rückrunde hinlegen müssen als es die Vorrunde war.
Da ich in Huub Stevens großes Vertrauen setze und mir sicher bin, dass er weiß, was zu tun ist und an welchen Hebeln anzusetzen ist, bin ich, mangels geeigneter Kandidaten, fast dafür, die Saison mit Stevens als Teammanager und Schneider als Fachmann für die kaufmännischen Angelegenheiten zu Ende zu bringen und ab 1.7. eine 1a-Lösung (die man dann evtl. auch aus einem laufenden Vertrag holen kann) zu präsentieren. Diese Konstellation würde aber natürlich die Gefahr beinhalten, dass mit Stevens der nächste Trainer seine Wunschkandidaten holen würde, im Sommer aber möglicherweise schon wieder weg ist. Auf der anderen Seite, da beißt die Maus keinen Faden ab, zählt momentan einzig der kurzfristige Erfolg, der da heißt Klassenerhalt.
Traut man es diesem Tandem nicht zu, wäre für mich Jan Schindelmeiser von den derzeit verfügbaren Kandidaten noch der beste. Als ehemaliger Fußballer, lizenzierter Trainer und Unternehmensberater bringt er eine hohe Qualifikation mit, Ihm täte man Unrecht, ihn lediglich auf seine Hoffenheimer Zeit zu reduzieren. Andere Kandidaten wie Nerlinger und Kreuzer haben bislang noch nicht nachhaltig ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt bzw. sind gescheitert, während dies bei möglichen Novizen wie Kahn, Effenberg oder Lehmann naturgemäß nicht der Fall ist. Nach Heldt und Bobic bin ich für einen erfahrenen Mann auf diesem so wichtigen Posten, da dieser Schuss sitzen muss. Lässt man die Erfahrung außer Acht, hätte für mich Jens Lehmann immer noch eine enorme Strahlkraft. Diese Lösung hätte sicherlich ihren Charme, ob die Herren aber bereit sind, einen Neuling, der zugleich Querdenker und streitbarer Geist ist, zu holen, bezweifle ich.
Nimmt man die Erfahrung als Teil eines Anforderungsprofils schiede Robin Dutt aber ohnehin gleich mit aus. Auch Henk Veldmate, der zum Favoritenkreis gehören soll, wäre zugleich Chance und Risiko. Chance deshalb, weil er seine Arbeit vollkommen unvoreingenommen antreten würde und sicherlich neue Impulse reinbringen würde. Wer in Groningen gute Arbeit geleistet hat und die holländische Fußballphilosophie verinnerlicht hat, kann möglicherweise auch auf dem Wasen frischen Wind reinbringen. Dass die Verpflichtung eines Mannes, der die Liga nicht kennt, Risiken birgt, hat man erst kürzlich beim HSV mit Frank Arnesen gesehen. Schleppt er die ersten ein, zwei Holländer an, die nicht sofort einschlagen, findet sich unter den Koryphäen bei uns in Vorstand und Aufsichtsrat sicherlich mindestens einer, der ihm „erklärt“ wie Fußball hierzulande funktioniert, so dass am Ende doch wieder alles beim Alten bleibt.
Ich beneide den Verein nicht darum, diese so schwierige richtungsweisende Entscheidung treffen zu müssen, bemitleiden tue ich sie aber mitnichten, haben sie sich diese Suppe doch grandios selbst eingebrockt.
Egal, wer am Ende des Tages diese Position übernimmt. Er hat die Herkulesaufgabe vor sich, den Kader komplett umzugestalten. Sich von hochbezahlten Durchschnittskickern und schlechten Charakteren zu trennen, und ein Gerüst an erfahrenen, integeren Profis zusammenzustellen, die den Anhang wieder mitzureißen vermögen und zu denen unsere Nachwuchskräfte aufschauen können. Dies wird sicherlich nicht von heute auf morgen passieren können, aber, man muss darauf hinarbeiten und sollte vor allem JEDE Vertragsverlängerung ganz genau überdenken.
Dass in den vergangenen Tagen dann noch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Schmidt aus der Deckung prescht und Huub Stevens mit in den Weihnachtsurlaub gibt, ein einstelliger Tabellenplatz müsse aufgrund unseres im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz hohen Etas schon drin liegen, ist für mich ein Paradoxon sondergleichen. Was diese „Mannschaft“ wert ist, zeigt sie Woche für Woche auf dem Platz, nämlich nichts. Natürlich ist der Etat hoch, wenn man Durchschnittskickern zu viel bezahlt, über die Qualität der Truppe sagt das rein gar nichts aus, dies spricht allenfalls Bände für die Unfähigkeit und sportliche Inkompetenz unserer Vereinsführung. So gesehen ein klassisches Eigentor!
Für mich geht es einzig und allein um den Klassenerhalt und diesen zu realisieren dürfte schwer genug werden. Schafft es Huub Stevens ein zweites Mal müsste ihm eigentlich ein Denkmal gesetzt werden. Wie eingangs schon beklagt, hat er es mit einer Truppe zu tun, die täglich an die Grundtugenden des Fußballspiels erinnert werden muss, der es fremd ist, zu kämpfen und Leidenschaft zu zeigen. Die letzten 5-10 Minuten gegen Paderborn konnte ich kaum fassen, wir ließen Paderborn gewähren, keiner ging drauf, keiner bemühte sich mehr den Ball zu erobern. Da war kein Siegeswillen, nichts erkennbar, jeder versteckte sich nur hinter dem Anderen.
Dann ist da offensichtlich noch immer ein Zwist zwischen Mannschaft und Fans. Anstatt sich zu bemühen, die Gunst der Fans wiederzuerlangen, flüchten sie in Selbstmitleid. Auch am Samstag wieder, immerhin dem letzten Spiel eines, auch für uns Fans, harten Jahres, kam die Mannschaft nur halbherzig und mit großem „Sicherheitsabstand“ in die Kurve. Von einer Aktion, wie in anderen Stadien üblich, „danke für die tolle Unterstützung im Jahr 2014“ oder Ähnlichem nichts zu sehen. Natürlich werden sie alle mal ein böses Wort aus der Kurve gehört, vielleicht auch mal einen oder mehrere Mittelfinger zu sehen bekommen haben, aber, rechtfertigt es das, das ganze Stadion abzustrafen, alle über einen Kamm zu scheren und auf immer und ewig auf Bähmulle zu machen? Ich finde es auf der einen Seite ganz schwach, auf der anderen aber ist das auch nicht verwunderlich. Welchen Charakter diese Truppe hat (oder auch nicht) bekommen wir fast jede Woche vor Augen geführt.
Langsam kommt man sich als Fan mehr geduldet denn erwünscht vor. Verkehrte Welt, mit dieser heutigen, verwöhnten, Spielergeneration kann ich bald überhaupt nichts mehr anfangen!
In Huub Stevens haben wir wenigstens den bestmöglichen so kurzfristig verfügbaren Mann bekommen, der die Jungs an der Ehre packen und an ihre Pflichten erinnern kann und wird.
Jetzt genießen wir erst einmal die fußballlose, besinnliche Zeit, bevor es 2015 weiter geht. Zwischen den Feiertagen und Feierlichkeiten schau ich dann auch gerne mal bei Sky Sport vorbei, wo die englische Premier League ein Mammutprogramm abspult. Jeder Verein, alle zwei, drei Tage, 90 Minuten Vollgas, Kampf und Leidenschaft pur. Man fragt sich dabei manchmal, ob das tatsächlich die gleiche Sportart ist, wie die, die wir uns im Neckarstadion anschauen.
Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten, besinnliche schöne Tage und einen guten Rutsch ins Jahr 2015.

Viele Grüße, Franky

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19. November 2014

Angekommen auf Platz 18

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 08:26

Trotz des Bahnstreiks fanden gut 2.000 VfBler den Weg an den Osterdeich ins Bremer Weserstadion. Wir vertrauten dem Notfahrplan der Deutschen Bahn und fuhren eben knapp zwei Stunden früher als geplant in Stuttgart los. Vorteil unseres Intercitys war, dass er in Stuttgart begann und somit zu erwarten war, dass der Zug beim Einstieg noch nicht brechend voll war, was sich auch bewahrheitete. Wir enterten sofort das Bordbistro und gaben den Tisch bis zum Ziel Bremen auch nicht mehr auf. Die Fahrt war megalustig und sehr kurzweilig. Sämtliche Regeln wurden kurzerhand aufgehoben. Vorteil bei den alten Intercity-Zügen ist ja, dass man die Fenster noch öffnen kann, so dass sich zeitweise auf der sehr geräumigen Behindertentoilette des Zuges gleichzeitig sieben (!) Leute aufhielten, rauchten und Party machten. Selten so gelacht! Fast planmäßig, gegen 14.30 Uhr, erreichten wir Bremen und hatten somit noch genügend Zeit, einzuchecken und uns auf das Spiel einzustimmen. Noch etwas feste Nahrung zu uns zu nehmen vergaßen wir dabei gänzlich. Mit dem Taxi ging es dann von der Jimi Hendrix Bar zum Stadion. Da wir zu fünft waren und kein Großraumtaxi zu bekommen war, musste leider einer von uns im Kofferraum Platz nehmen, was den Taxi Driver zu Schweißausbrüchen hinriss. Er war die ganze Fahrt über nur am herum heulen und sah schon, erst recht als in Stadionnähe die Präsenz der Ordnungshüter zunahm, seine Taxikonzession entschwinden. Da das nicht unser Problem war, ertrugen wir sein Gezetere mit Fassung.
Am Stadion angekommen tranken wir noch kurz ein Bierchen, ich versuchte noch eine überzählige Karte loszuwerden, was mir leider nicht gelang. Ein großer Andrang auf das „Topspiel“ des Tages (18. gegen 15.) fand an der Tageskasse nicht mehr statt, wer sich den Kick antun wollte, hatte sich sein Ticket schon vorher besorgt.
Den letzten Sieg in Bremen feierte der VfB 2006 in der Meistersaison, unter Trainer Armin Veh. Sonst gab es für uns im Weserstadion oft nichts zu bestellen. Das raue Klima, die steife Brise, man weiß nicht woran es liegt, es gibt jedenfalls bessere Pflaster für den VfB. Natürlich traten wir dort oft an, als Bremen eine Spitzenmannschaft und zudem eine Heimmacht war. Weshalb es dort auch in der Gegenwart nicht für uns laufen will, verstehe wer will.
Bremen hat ganz ähnliche Probleme wie der VfB. Der Kader war lang auf Championsleague-Einnahmen gebürstet, als diese wegbrachen fraßen die Spieler Werder förmlich die Haare vom Kopf. Damit hat es sich aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Tauschen wir im Schnitt knapp alle zwei Jahre den Übungsleiter aus, hatte Bremen über Jahrzehnte mit Otto Rehhagel und Thomas Schaaf Kontinuität auf dieser so wichtigen Position. Auch das Umfeld ist erstaunlich ruhig und verständnisvoll und steht zu 100% zu Werder, dem Aushängeschild Bremens. Wie in der Post-Rehhagel-Ära klappt die Neubesetzung des Trainerpostens auch nach Schaaf nicht auf Anhieb. Robin Dutt ist Geschichte und wurde leider aus VfB-Sicht zwei Wochen zu früh entlassen. Wie schon damals in Thomas Schaaf rekrutierte Werder jetzt mit dem Duo Skripnik/ Frings zwei Werder-Urgesteine, die einen bemerkenswerten Start hinlegten mit dem Pflichtsieg im Pokal und dem Ausrufezeichen ein paar Tage später in Mainz.
Es gab also wahrlich bessere Zeitpunkte für einen selbst angeschlagenen VfB die weite Reise in den hohen Norden anzutreten. Der VfB war zweifelsohne angeknockt nach dem 0:4 gegen Wolfsburg und stand vor dem Abstiegsgipfel unter Druck. Ob sie diesem gewachsen sein würden, da hatte ich schon vor dem Spiel so meine (berechtigten) Zweifel. Schließlich haben wir keinen Spieler, der humorlos seinen Stiefel herunterkickt und einfach sein Leistungsvermögen abrufen kann, wie verfahren die Situation auch ist. Jeder, wirklich jeder in der Truppe hat genügend mit sich selbst zu tun und kann den vorhandenen Druck weder ausblenden noch in positive Energie umwandeln.
Wir haben derzeit in der Tat elf Zappelphilippe auf dem Platz, denen selbst die einfachsten Dinge misslingen. Unterläuft einem ein Fauxpas ist keiner da, der diesen ausbügelt. Es scheint gerade so, als ob die Anderen froh wären, dass dieser nicht ihnen selbst unterlaufen ist.
So war einfach nur zu hoffen, man möge selbst in Führung gehen, dann spielte es sich leichter, das eigene Selbstvertrauen würde zurück kehren und Bremen finge wieder an nachzudenken, als umgekehrt.
Da der Gästeblock in Bremen eine Frechheit ist, hatte ich, wie schon in der Vorsaison, meine Karte direkt bei Werder bestellt. Im Gästeblock kostet ein Sitzplatz ja stolze 40 Euro, man sitzt hinter Gittern und hat zu allem Überfluss noch einen Fangzaun vor der Nase. In der Rückrunde soll der Gästeblock fanfreundlicher umgestaltet werden, man darf gespannt sein. Trotzdem würde ich in Bremen immer wieder diesen Platz bestellen, hat man doch auch andere Vorteile, wenn man nicht in den Gästebereich geht. Man bekommt Vollbier, kann Speis und Trank auf die Tribüne mitnehmen, und die Einlasskontrolle geht relaxter vonstatten.
Einige VfBler waren auch um mich herum, die überwiegende Mehrzahl aber natürlich Werderaner. Die Stimmung der Bremer war von Beginn an gut. Es war eine gewissen Erleichterung herauszuhören, dass die Ära Dutt zu Ende ist und so etwas wie eine Aufbruchstimmung zu erkennen. Nach dem Bremer Vereinslied „Ein Leben lang grün-weiß“, ja, wie schon berichtet, werde ich bei der Schalparade des Gegners schon mal wehmütig, dass wir keine eigene Hymne haben, erfolgte der Einlauf der Mannschaften und als Intro aus beiden Fanlagern die Rote Karte für Red Bull.
Dieses Konstrukt möchte kein Traditionalist in der Bundesliga sehen. Ein Spielzeug des österreichischen Brausemilliardärs Mateschitz, das sämtliche Regelungen bzgl. des 50+1 unterläuft und ad absurdum führt. Gut, wenn man einen Ex-Manager des Konzerns wie Helmut Sandrock beim DFB platzier hat, der im Sommer mitverantwortlich dafür war, dass Red Bull überhaupt in die zweite Liga aufsteigen durfte. Leider werden die Proteste nichts bringen. Über kurz oder lang wird sich Leipzig neben Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim mit um die Europapokal-Plätze rangeln, während Vereine wie der VfB und Werder Bremen um ihre Existenz kämpfen. Natürlich boykottiert nahezu jede Fanszene das Auswärtsspiel in Leipzig, von den Leipzigern aber wird dieses Projekt angenommen. Wären die Leute dort mal konsequent und würden ausschließlich zu Lok oder anderen umliegenden Vereinen gehen, wäre die Chance vorhanden gewesen, dass sich Mateschitz zumindest einen anderen Dummen hätte suchen müssen, so aber wird der steile Aufstieg nicht aufzuhalten sein. Leider! Noch trauriger finde ich dabei, dass es ausgerechnet eine Schwaben-Connection ist, die maßgeblich den Aufstieg dieses unerwünschten Konstrukts begleitet.
Zum Spiel braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Da wir sonntags och eine anstrengende Rückfahrt hatten, hatte ich weder die Muße meine Bilder noch zu bearbeiten und online zu stellen, noch mir den Kick noch einmal in voller Länge zu Gemüte zu führen und zu analysieren.

Montags wollte ich dann meinen Blog schreiben, zu mehr als zu einem Entwurf kam es leider nicht. Trotz der Bundesligapause hatte ich viel um die Ohren und bin ja auch, wie die meisten mitbekommen haben, mit dem Buchprojekt „Das sind die Fans“ nebenbei beschäftigt. Noch werden Autoren gesucht, Fanclubs und Einzelpersonen, die Geschichten aus ihrem Fandasein erzählen möchten. Es würde mich freuen, Beiträge aus den Epochen zu bekommen, die ich auch bewusst miterlebt habe, also ab ca. Mitte der 1970er-Jahre bis heute. Bis zum 23.12.14 muss man sich entschlossen haben mitzumachen und eine Einverständniserklärung unterschrieben beim Verlag vorliegen, bis zum 06.01.2015 dann der Beitrag fertig sein. Interessenten können sich an die in den Rundmails veröffentlichte Email-Adresse oder auch an [email protected] wenden.

Das Fazit des Spiels lautet, teilweise gefällige Spielanlage, fahrig, teils kläglich im Abschluss und hinten anfällig bei Standardsituationen. Bremen hatte den klaren Plan, den VfB das Spiel machen zu lassen, im Wissen darüber, dass der VfB das nicht kann, um dann überfallartig zu kontern, weil es sich in der Liga herumgesprochen hat, dass der VfB einige Zeit braucht, um sich nach eigenen Angriffen defensiv zu sortieren. Dies funktionierte zwar nicht, dafür schlug es zwei Mal (eigentlich sogar drei Mal) nach Eckbällen ein. Beim ersten Gegentor ließ sich Klein von Prödl wegdrücken, der Rüdiger anköpfte und von dessen Körper der Ball den Weg ins Tor fand. Der eine oder andere Schiri pfeift das vielleicht ab, dennoch, das ging zu einfach. Und beim zweiten Tor wollten alle auf einmal, wie nach einer Strafecke beim Feldhockey, das Tor absichern und ließen dem Schützen Fin Bartels allen Raum der Welt, um die Kugel mit einem satten Schuss zu versenken. Wäre da nur einer herausgerückt, und hätte das Spielgerät erobern wollen, eine schöne Kontersituation hätte entstehen können. Der VfB fängt sich Tore ein, die gibt’s eigentlich gar nicht. Das einzig „positive“, am Samstag musste man nicht über unser Torwartproblem sinnieren.
Vorne waren wir weitestgehend kläglich, slapstickverdächtig schon der „Abschluss“ von Kapitän Gentner als er auf den Boden köpfte anstatt ins leere Tor. Das wäre das 1:1 gewesen und hätte neuen Mut gebracht. Nach dem 2:0 war dann „aus die Maus“, nichts ging mehr. Der VfB noch mehr verunsichert brachte keine klare Aktion nach vorne mehr zustande und Bremen brachte den Heimsieg sicher über die Runden.
So stand bei biederen Bremern ein 0:2 am Ende. Um mich herum Feierlaune ohne Ende. Das muss man eben aushalten können, wenn man sich seinen Platz bei den Heimfans sichert.
Und, ich muss sagen, mir fiel es nicht einmal schwer die Kontenance zu bewahren, konnte ich mich doch schon mindestens eine halbe Stunde lang darauf einstellen. Am Ende wünschte man sich gegenseitig noch viel Glück für den Klassenerhalt, war man sich doch auch da einig, dass besser Vereine wie Bremen, der VfB oder der HSV in der Liga bleiben sollen, als dass die Retortenvereine aufsteigen oder drin bleiben.
Der VfB ist am 11. Spieltag also dort angekommen, worauf schon einige Jahre emsig drauf hingearbeitet wurde. Wir sind Letzter. Veh macht derzeit auch nicht gerade den Eindruck, dass er den Schalter finden würde und wüsste, wie er den Karren wieder flott bekommt. Er lamentiert über die nicht vorhandene Qualität im Kader, die falsche Kaderzusammenstellung und die amateurhaften Fehler, die uns immer wieder das Genick brechen. Alles bekannte Tatsachen. Die Tabelle lügt nun mal nicht. Wir haben nach elf Spielen neun Pünktchen, die meisten Gegentore der Liga und auch die meisten Niederlagen auf dem Konto. All dies mache ich jedoch nicht am Trainer fest. Ich stelle mir nur die Frage, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Versprechungen er gelockt wurde und ob er nicht ein wenig blauäugig an die Aufgabe herangegangen ist. Man hört ja immer wieder heraus, dass Veh gerne noch etwas gemacht hätte auf dem Transfermarkt, jedoch kein Geld mehr da war. Beratungsresistent wie Fredi Bobic war, auch wie überzeugt er von der Qualität des von ihm zusammengestellten Kaders war, ist es nicht auszuschließen, dass Bobic eben auch alles abgeschmettert wurde, was an Änderungswünschen kam. Jedem, der die Vorsaison intensiv verfolgt hat, war es klar, dass im Defensivbereich etwas getan werden muss, dass wir auch da nur mit einem blauen Auge davon kamen, weil es eben noch drei blindere Teams in der Liga gab. Dass dies nicht immer gut ausgeht, dass 32 Punkte wohl kein zweites Mal für den 15. Platz reichen würden, ist ebenfalls so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber, da der große Knall nicht erfolgte, ging man das Unternehmen Saison 2014/2015 abermals sehr naiv an und der Trainer darf jetzt die Suppe auslöffeln. Daher ist es zu billig jetzt schon wieder den Trainer anzuzählen. Ich sehe den Zustand der Truppe mittlerweile als irreparabel an, vor allem was das Defensivverhalten und das Fehlen von Führungsspielern angeht. Und wenn man dann noch offensiv Zaubermäuse wie Maxim aufbieten muss, der es auch im Abstiegskampf mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei lösen möchte, dann gute Nacht VfB. Für den VfB geht es in den verbleibenden sechs Spielen bis zur Winterpause nur darum, noch das eine oder andere Pünktchen zu ergattern und den Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz nicht zu groß werden zu lassen.
Ob es förderlich ist, dass Veh seine Spieler, einen nach dem anderen, öffentlich abwatscht und somit noch mehr verunsichert, sei dahingestellt. Psychologisch vielleicht nicht der allerbeste Kniff. Auf der anderen Seite, wir haben es hier mit Männern zu tun, die das aushalten und ihre Schlüsse ziehen sollten. In der Ära Bobic/ Labbadia wurden die Spieler lange genug in Watte gepackt und sie konnten es sich in der Wohlfühloase VfB bequem machen, irgendwann ist eben auch Schluss mit lustig. Schon Stevens fasste die Jungs härter an und hatte Erfolg damit. Das allerdings in der Schlussphase der Saison, als man bereits zwei Übungsleiter verschlissen hatte und die Tabelle den Ernst der Lage unmissverständlich deutlich machte. In der Vorrunde hat es ein Trainer ungleich schwerer. Noch schwärmen die meisten von der Qualität, die man im Kader habe und sind der Auffassung, dass man zu Unrecht da unten festsitze.
Die Gefahr ist groß, dass, sollte die Mannschaft sich nach dem Kuschelkurs zurück sehnen und die harten und mahnenden Worte des bösen Veh als ehrabschneidend empfinden, den Trainer schneller abgeschossen hat, wie der gucken kann. Alles schon mal dagewesen!
Bitter war es, mit diesem Negativerlebnis als Inhaber der roten Laterne in die Bundesligapause zu gehen. Eine Aufarbeitung des Spiels, eine Fehleranalyse kann dadurch erst gut zehn Tage nach dem Bremen-Spiel erfolgen, wenn die Hälfte der Mannschaft wahrscheinlich gar nicht mehr weiß, wo wir gekickt haben.
Danach kommt dann der FC Augsburg ins Neckarstadion, gegen den wir in der letzten Saison sang- und klanglos 1:4 unter gingen. Einfacher als in Bremen dürfte es dann auch nicht werden. Augsburg weiß, wie man dem VfB Probleme bereitet, vor allem in Stuttgart. Köln und Hoffenheim haben es schließlich vorgemacht, hinten sicher stehen und vorne zumindest einen der Fehler ausnützen und fertig ist der Auswärtssieg. Ich würde es mir wünschen, dass der VfB dem Gegner diesen Gefallen nicht tut und den Fuggerstädtern nicht ins offene Messer laufen möge.
Lieber selbst hinten Beton anrühren, dass die Null ausnahmsweise einmal möglichst lange steht. Nur über die Defensive ist der Misere beizukommen. Wenn dann beide nicht viel Risiko gehen, birgt das natürlich die Gefahr eines langweiligen 0:0, was in der derzeitigen Situation jedoch schon als Achtungserfolg zu bewerten wäre.
Daniel Schwaab fällt verletzt aus, für ihn dürfte Georg Niedermeier wieder in die Innenverteidigung rücken. Timo Baumgartl, der in Bremen ein gutes Debut feierte, stünde ebenfalls als Alternative zur Verfügung. Ob man ihm bei diesem Hühnerhaufen, der sich Abwehr schimpft, jedoch einen Gefallen tun würde, ihn von Anfang an zu bringen, da habe ich meine Zweifel. Hier fehlt einmal mehr DER Abwehrchef, den man im Sommer versäumt hatte zu holen. Zudem plädiere ich dafür, Gruezo mal wieder zu bringen. Er war doch maßgeblich am Klassenerhalt in der letzten Rückrunde beteiligt, glänzt durch sein Stellungsspiel und fängt dadurch viele Bälle schon im Ansatz ab. Gentner, auch wenn er Kapitän ist, würde ich auf die Bank setzen, ist er doch vor allem defensiv keine Hilfe. Im Sinne einer erfolgversprechenden Taktik und Formation müssen nun mal Opfer gebracht werden.

Klar ist, in den nächsten beiden Spielen gegen Augsburg und in Freiburg sollte tunlichst gepunktet werden, um nicht schon aussichtslos ins Hintertreffen zu geraten. Allein, es fehlt der Glaube, wenn man sich die Hilflosigkeit der Truppe anschaut. Diese Saison könnte es wirklich so weit sein, dass sich das Missmanagement der letzten Jahre rächt. Man würde es sich ja manchmal wünschen, wenn man die Garantie hätte, dass wir, wie 1977, zurück kommen würden, als wir mit einer jungen, hungrigen und einen herzzerreißenden Fußball zelebrierenden Mannschaft auf Anhieb Vierter wurden. Doch, das waren andere Zeiten. Mittlerweile ist die (finanzielle) Kluft zwischen erster und zweiter Liga riesig. Ein Abstieg könnte den Ruin des Vereins bedeuten, es wäre fraglich, ob wir uns davon je wieder erholen würden. Sportlich würde ich es gelassener sehen. Da ich Pragmatiker bin und es versuche, mich auf neue Situationen immer schnell einzustellen, sehe ich zuerst das Positive. Die Wahrscheinlichkeit wäre groß, dass wir im Unterhaus wieder öfter jubeln könnten als zuletzt, Gegner wie Düsseldorf, Lautern, Bochum, Braunschweig, 1860, St. Pauli, KSC, Glubb, wären attraktiver als Paderborn, Augsburg, Hoffenheim & Co., in der Fangemeinde würde sich endlich wieder die Spreu vom Weizen trennen. Bis auf die Anstoßzeiten hätte die Liga schon ihren (eigenen) Charme und es wäre auch nicht aller Tage Abend. Wenn eben die finanzielle Ungewissheit nicht wäre! Diese erscheint mir derzeit unkalkulierbar, wenn man immer wieder zwischen den Zeilen heraushört, es dürfe nicht viel passieren, in der Bundesliga wohlgemerkt, und der Verein befände sich am Rande der Zahlungsunfähigkeit.

Daher müssen im Winter die Weichen für eine starke Rückrunde gestellt werden und Verstärkungen, notfalls fremdfinanziert, her. Ein Abstieg käme nämlich ein Vielfaches teurer.

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22. September 2014

Bobic: „Mir macht die Arbeit nach wie vor Spaß“

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:34

Schön, wenn der Herr Sportdirektor seinen Spaß hat. Mir ist er langsam vergangen, so früh wie selten in einer Saison.
Fünftes Pflichtspiel der noch jungen Saison, zum vierten Mal null zu zwei verloren. Spötter erkennen endlich mal wieder Konstanz und Kontinuität beim VfB. Mir macht diese neuerliche Heimpleite einfach nur Angst. In dieser Verfassung sind wir Abstiegskandidat Nummer 1 in der Liga. Holten wir in der letzten Saison wenigstens 32 Punkte, weil wir überwiegend die Schlussviertelstunde verschlafen haben, legen wir jetzt eine ordentliche Anfangsviertelstunde hin und verschlafen die restlichen 75 Minuten. Eine Weiterentwicklung der besonderen Art!
Fredi Bobic dagegen machte dieser Auftritt Mut. Würden wir es immer schaffen, ein solches Spiel hinzulegen, mache er sich keine Sorgen. Die Hoffenheimer in der gestrigen Verfassung waren sicher kein übermächtiger Gegner und trotzdem verstand man es kaum, Torchancen zu kreieren. Gegen den VfB im Spätsommer bzw. Frühherbst 2014 genügt es hinten geordnet zu stehen und mit ein paar Nadelstichen vorne unserer instabilen Truppe den Zahn zu ziehen. Dieses Rezept hat sich in der Liga herumgesprochen, mutierte doch unser Neckarstadion in den letzten Jahren zum Selbstbedienungsladen. Hoffenheim rückte damit sogar von seinem eigentlichen Stil ab und hatte damit Erfolg, so dass sie drei Punkte weitestgehend mühelos einsacken konnten. Da fragt man sich ernsthaft, gegen wen wir überhaupt gewinnen wollen. Am Mittwoch in Dortmund sicherlich nicht!
Zu Beginn sah es zwar noch so aus, als ob die Mannschaft engagierter zu Werke gehen würde und der erste Saisonsieg in greifbarer Nähe wäre. Der VfB begann mutiger als vor Wochenfrist in München oder auch gegen Köln, hatte sogar eine gute Kopfballchance zum 1:0 durch Martin Harnik, die Baumann parierte.
Wie aber so oft war es schnell vorbei mit der Herrlichkeit, da abermals gleich die erste Torannäherung des Gegners zum Rückstand führte. Daniel Schwaab verweigerte bei einem Rudy-Freistoß das Kopfballduell mit Modeste, so dass dieser unbehelligt zum 0:1 einköpfen konnte. Dieser Nackenschlag genügte schon wieder, die ohnehin verunsicherte Mannschaft völlig konfus werden zu lassen.
Nachdem sich die Mannschaft geschüttelt hatte, nahm sie zwar das Zepter wieder in die Hand, ohne allerdings zu glasklaren Chancen zu kommen. Meist handelte es sich doch um Zufallsprodukte, vielleicht fehlt tatsächlich auch etwas das Glück, dass einfach mal ein abgefälschter Ball reingeht und die Mannschaft aufbaut.
Was die Jungs dann in den Pausentee bekamen, darüber kann man nur mutmaßen. Da war sie wieder, die altbekannte Lethargie und Behäbigkeit. Anstatt herauszukommen und auf den Ausgleich zu drängen, wurde das ohnehin nicht hochklassige Spiel zum Langeweiler.
Hoffenheim weigerte sich am Spiel teilzunehmen, der VfB hatte zwar viel Ballbesitz, fand aber einmal mehr die Lücke nicht, um die Kraichgauer ernsthaft zu gefährden. Fredi Bobic gab zwar auch gestern wieder zum Besten „Die Qualität der Mannschaft ist ausreichend“, für welche Liga hat er allerdings nicht dazu gesagt.
Das VfB-Spiel geprägt von Ballverlusten und Fehlpässen, die immer und immer wieder einen Spielneuaufbau von hinten notwendig machen. Da es dann eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis der Ball wieder in der Nähe des gegnerischen Strafraums ist, verrinnen die Minuten und irgendwann läuft einem die Zeit davon. Erst nach den Einwechslungen von Maxim und Kostic ab Minute 70 wurden die Angriffe zielgerichteter und erst ab da war wieder so etwas wie ein Wille zu erkennen. Fünf Minuten vor Schluss mussten wir die Hoffnung auf den Ausgleich endgültig begraben, als nach Ballverlust von Alexandru Maxim das 0:2 fiel.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bereits vor dem Spiel keinerlei Hoffnung hatte, dass wir gewinnen könnten. So war dieser Knockout fast eine Erleichterung, weil es dem mutmaßlich aussichtslosen Hoffen ein Ende setzte. Ich konnte bei diesem Spiel nicht einmal die Abneigung gegen dieses Projekt „auskosten“ und, wie die Jahre davor, das Spiel mit der Faust in der Tasche verfolgen. In diesen Tagen ist man doch mehr mit dem VfB beschäftigt und macht sich große Sorgen um den eigenen Verein anstatt sich um Andere zu scheren.
Ich habe Verständnis für Armin Veh, der der Auffassung ist, zu viele Änderungen in der ersten Elf, wären der Sicherheit im Spiel abträglich und würden der Mannschaft nicht gut tun.
Auf der anderen Seite haben wir aber einige Schwachstellen in dieser „ersten Elf“, die diskussionswürdig wären. Nachdem der Spielplan veröffentlicht wurde, hatte ich schon die Befürchtung, dass wir nach den ersten fünf Spielen ganz ohne Punkt da stehen könnten. Die Auswärtsspiele in Gladbach, München und Dortmund haben es in sich, dazu noch der Heim-Angstgegner Köln und eben jenes Hoffenheim, das sich vor allem in der Defensive gut verstärkt hat. Gegen dieses Hoffenheim jedoch, stark ersatzgeschwächt, hätte man nicht verlieren müssen.
Danach, so „mein Plan“, müsste man jedoch mit dem punkten anfangen. Sprich, jetzt in Dortmund rechne ich mir realistisch nichts aus, am Samstag dann aber, gegen Hannover 96, sollte tunlichst der erste Dreier eingefahren werden. Mittlerweile bin ich skeptisch, ob der Bock „so schnell“ umgestoßen werden kann. Nach nunmehr fast zwei Monaten Vorbereitungszeit und fünf Pflichtspielen ist noch nicht zu erkennen, welchen Fußball der VfB eigentlich zu spielen gedenkt.
Es sieht auf dem Platz planlos aus, die Raumaufteilung passt nicht, der ballführende steht oft auf verlorenem Posten. Bei eigenem Ballbesitz ist der eigene Mann meist von drei Gegnern umringt und keiner eilt zu Hilfe. Es sind fußballerische Grundtugenden, die dieser Mannschaft fehlen, von Kreativität und der Lust ein geiles Spiel hinzulegen ganz zu schweigen.
Für mich wäre es an der Zeit einige personelle Wechsel in der Startelf umzusetzen. Leute wie Sakai und Schwaab sind mittlerweile Woche für Woche Schwachstellen, der Kapitän Christian Gentner versteht es wie kein zweiter sich während dem Spiel zu verstecken. Zumindest auf diesen Positionen würde ich an Armin Vehs Stelle neue Leute bringen.
Wenn gewisse Wechsel auch unter Armin Veh ausbleiben sollten, schenke ich der kolportierten „Verschwörungstheorie“ mehr und mehr Glauben, nämlich dass die Mannschaft unter anderem auch durch die Direktive „von oben“ oder vertraglichen Zusagen aufgestellt wird.
So lang Fredi Bobic das Sagen hat, liegt der Verdacht nah, dass er durch freundschaftliche und geschäftliche Bande mit Jürgen Schwab, dem Berater von Gentner und Ulreich, dem Trainer immer anraten dürfte, diese beiden aufzustellen. Wir haben ja einige Beispiele von Spielern, die bei uns massiv an Marktwert eingebüßt haben, bei diesen beiden soll das sicherlich nicht so sein. Wenn es nach der Leistung ginge, bekäme nämlich auch mal ein Konkurrent die Chance zu spielen.
Auch bei Ibisevic, der krankheitsbedingt passen musste (oder wurde er womöglich mit dieser Begründung aus der Schusslinie genommen?) liegt der Verdacht einer vertraglich zugesicherten Stammplatzgarantie nahe. Aus sportlicher Sicht hätte er sich längst eine Pause „verdient“. So vermute ich, werden in unserer Mannschaft aus politischen Gründen mehrere Positionen, und das schon seit Jahren, sprichwörtlich blockiert.
Als am Samstag die Aufstellung fürs Hoffenheim-Spiel verkündet wurde, war ich sehr enttäuscht und sagte gleich, „das kann nichts werden“. Gentner ist derzeit eigentlich nicht mehr vermittelbar. Als Kapitän nicht, nicht einmal als einer von vielen in dieser ohnehin schon schwachen Mannschaft.
Er läuft zwar viel, jedoch meist in seinen eigenen Räumen, da wo der Ball mit Sicherheit nicht hinkommt. Leaderqualitäten zeigt er überhaupt keine, wie auch, er ist einfach kein Leader und damit auch kein Kapitän. So taumelt die Mannschaft führungslos durch die Spiele, jeder, auch die Youngster, ist auf sich selbst gestellt, auch ein Grund, weshalb sie im Spiel durch ein einziges unerwartetes Ereignis aus der Bahn geworfen werden.
Antonio Rüdiger dagegen scheint seine Stippvisite bei der Nationalmannschaft, für mich etwas überraschend, sehr gut getan zu haben. Wie schon in München war er auch gegen Hoffenheim einer der Wenigen, bei denen die Körpersprache signalisierte, dass er gewillt ist, an der Wende zu arbeiten. Ihn sah ich insgesamt sicherer und auch nicht so hektisch wie vor der Länderspielpause. Ihm gelang zwar auch nicht alles, dennoch hob er sich für mich von den meisten seiner Mannschaftskameraden ab.
Fast schon paradox in diesen Tagen ist die Kluft zwischen der Mannschaft auf der einen und den Fans auf der anderen Seite. Dass Leute wie Strunz und Babbel, die mit Schimpf und Schande davongejagt wurden, das „schwierige Stuttgarter Umfeld und das erfolgsverwöhnte Stuttgarter Publikum“ mitverantwortlich für die Misere und die Unsicherheit der Mannschaft machen, ist man ja gewöhnt.
Dass aber Spieler wie Daniel Schwaab, der außer dem Assist zum Rückstand nichts erwähnenswertes zustande brachte, nach seiner Publikumsschelte gegen Köln am Samstag fast als Rädelsführer anzusehen war, der seinen Teamkollegen deutete, NICHT in die Kurve zu gehen, ist neu. Sven Ulreich leistete sich Ähnliches, auch andere Spieler suchen in den Fans Mitschuldige für die schwachen Darbietungen auf dem Rasen. Fredi Bobic bläst natürlich ins selbe Horn und der Präsident Wahler ist mal wieder weder zu sehen noch zu hören. Der VfB ist damit das einzige mir bekannte Unternehmen, bei dem all seine Angestellten ungestraft die zahlende Kundschaft beschimpfen dürfen. Verkehrte Welt eigentlich, zumal sich das Team über mangelnde Unterstützung wahrlich nicht beklagen braucht. Ein jeder, auch die externen Kritiker, sollte doch mal ins Stadion kommen, welchen „Fußball“ wir in den letzten Jahren über uns ergehen lassen müssen. Spiele, deren Tempo an Altherrenfußball erinnern, mit höchstens ein, zwei nennenswerten Torabschlüssen pro Halbzeit, und die als Massenware. Dennoch sind die Treuesten der Treuen immer da, ob daheim oder auswärts. Die Mannschaft wird angefeuert und angepeitscht, Pfiffe hagelt es in den meisten Fällen erst nach Spielende. Natürlich kommt es vor, dass bei einzelnen Spielern die Geduld verloren gegangen ist und schon die Erwähnung ihrer Namen im Stadion zu einem Pfeifkonzert führt. Das könnte aber auch daran liegen, dass jegliches Verständnis fehlt, wenn einzelne Akteure Woche für Woche ihre Unfähigkeit unter Beweis stellen dürfen. Woran das liegen könnte, habe ich weiter oben beschrieben…
Der Verein täte gut daran sich wieder Vertrauen bei seinem Anhang zu erarbeiten. Der offene Brief vom Commando Cannstatt 97 hat es auf den Punkt gebracht. Wir haben die Schnauze voll von Durchhalteparolen, vom „für dumm verkaufen“ der Anhängerschaft. Die Aufarbeitung der Vorsaison ist ausgeblieben. Es geht gerade so weiter, außer, dass wir in Traore noch einen Qualitätsspieler verloren haben, auf dem Papier also haben wir uns sogar verschlechtert, auch wenn Romeu und Kostic schon gute Ansätze gezeigt haben und ich mir auch von Ginczek einiges verspreche.
Das Vertrauen in die handelnden Personen beim VfB schwindet auch bei mir mehr und mehr. Wie schon öfter ausgeführt, hätte Fredi Bobic nach der missratenen letzten Saison abgelöst werden müssen. Mit seiner Aussage „an diesem Kader lasse ich mich messen“ gab er doch die perfekte Vorlage, die von Aufsichtsrat und Präsident Wahler nur nicht aufgenommen wurde. Stattdessen wird Bobic zum „absolut der Mann unseres Vertrauens“ hochgelobt, was mir nicht unbedingt große Hoffnung auf Besserung macht.
Wie immer wieder zu hören und zu lesen ist, soll es um die Finanzen hochkritisch bestellt sein. Umso mehr versteht man daher die Personalpolitik seit Bobic Amtsantritt nicht. Durchschnittsspieler mit fürstlichen Gehältern werden jahrelang mitgeschleppt, versperren einst vielversprechenden hinzugekauften Spielern den Weg in die Startelf, diese wiederum verlieren nach und nach Form und Lust, um am Ende ablösefrei gehen dürfen, nur, dass man sie von der Gehaltsliste hat. Solche „Fälle“ hatten wir in den letzten Jahren zur Genüge, rechnete man diese hoch käme man sicherlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der in den Sand gesetzt wurde. Durchleuchtet man doch noch, weshalb Spieler wie Marica, Kuzmanovic und Traore, für die man zum richtigen Zeitpunkt hohe (bzw. überhaupt) Transfererlöse hätte erlösen können, den VfB ablösefrei verließen, ließe sich die Rechnung fortsetzen. Durch die Entscheidung Gazi anstatt Porsche zum Hauptsponsor zu machen, die dem daimlerfreundlichen Aufsichtsrat angelastet wird, wurden nicht nur durch geringere Sponsoring-Einnahmen Millionen verschenkt, auch dem Merchandising-Umsatz war Gazi auf der Brust nicht gerade förderlich. Dies sind nur ein paar Beispiele, wie man mit mehr Sachverstand und weniger Eigeninteresse ein paar Millionen hätte einnehmen können, die uns heute fehlen.
Anstatt im Mai den Cut gemacht zu haben und Fredi Bobic‘ wohl angebotenen Rücktritt als Manager bzw. Sportvorstand zu akzeptieren, spricht man ihm auf der einen Seite das volle Vertrauen aus, möchte ihm aber gleich noch ein Expertengremium zur Seite stellen, das ihn beaufsichtigen soll. Dazu reagiert er oft bockig auf Kritiker und verscherzt es sich mit ihnen, also, was tun, schaffen wir eben den Posten des Kommunikationsdirektors. Einfacher (und billiger) wäre es an der Stelle, die Wurzel des Übels zu entfernen, anstatt den ohnehin schon teuren Verwaltungsapparat noch weiter aufzublähen.
Ob ein Rauswurf Bobic‘ zum jetzigen Zeitpunkt mehr als einen neuen Impuls bringen würde, weiß ich nicht. Diese Gelegenheit wurde verpasst. Der Transfermarkt ist geschlossen, Geld für Verstärkungen wäre wohl sowieso nicht da! Dass sich Bobic jetzt aber schon wieder gemüßigt sieht, betonen zu müssen, der Trainer stehe nicht zur Disposition, beunruhigt mich, ist eine solche Aussage doch oftmals der Anfang vom Ende. Diese Mannschaft scheint mittlerweile untrainierbar zu sein, Veh kann wohl am wenigsten für die Misere. Ihm traue ich es zu, den Karren wieder flott zu bekommen, auch wenn ich hoffe, dass die Zeit nicht gegen ihn arbeitet. Eher hätte ich Angst, dass er von sich aus hinschmeißt, vielleicht, weil man ihn mit falschen Versprechungen gelockt hat, dann stünden wir wohl endgültig vor dem Scherbenhaufen.
Alles muss ich ja nicht verstehen, was sich derzeit in den Räumen der Geschäftsstelle meines Herzensvereins abspielt, mein Problem derzeit ist, dass ich so gut wie nichts davon nachvollziehen kann. Ich möchte dem Verein zwar nicht absprechen, dass einige langfristige Projekte auf den Weg gebracht sind, deren Früchte wir in einigen Jahren ernten werden. Trotzdem wandelt der VfB auf einem schmalen Grat, wenn er meint, die Fangemeinde Jahr für Jahr aufs Neue nicht nur vertrösten, nein, auch verarschen zu können. Wo ist die Aufarbeitung? Wo sind die Kracher? Was ist mit dem „ein Weiter so wird es nicht geben“? Man hat das Gefühl, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Wie, wenn da unten auf dem Wasen einer säße, der austesten will, was man dem VfB-Fan noch so zumuten könnte. Meine Schmerzgrenze ist längst überschritten. Auch ich bin nicht mehr gewillt, eine weitere #Zusammenhalten-Saison mitzumachen, das war ein einmaliger, zugegebenermaßen intelligenter, Marketing-Gag, der es schaffte, Dampf aus dem Kessel zu nehmen, schließlich hätte schon letzte Saison nicht viel gefehlt, und die Lage wäre eskaliert. Umso fahrlässiger auch in der neuen Saison gerade so weiterzumachen.
Jetzt sind die Spieler, jetzt ist der Verein in der Pflicht zu liefern, sonst kehren dem Verein noch mehr Leute den Rücken. Welchen Imageverlust der VfB in den letzten Jahren erlitten hat, merkt doch jeder VfBler schon in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Wer, der nichts mit dem VfB am Hut hat, hat heute noch Verständnis dafür, dass man immer noch und der unterirdischen Darbietungen zum Trotz, bei jedem Spiel zugegen ist. Mittlerweile kann man fast überall im Ländle zahlreichere Fanartikel von Bayern, Dortmund und Schalke erwerben also vom VfB. Viele Schulkinder stehen lieber auf der Sonnenseite und wenden sich erfolgreicheren Vereinen zu, wenn sie nicht gerade aus einem dunkelroten Elternhaus kommen. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. Der VfB steht nur noch für schlechten Fußball, Misserfolg, Kundenunzufriedenheit und Chaos. Wenn die Vereinsoberen sich da noch auf die Schultern klopfen, welch tolle Arbeit sie machen, leiden sie unter totalem Realitätsverlust. Hier muss schleunigst die Kehrtwende eingeleitet werden und seit 2007 verlorenes Terrain zurückgewonnen werden.

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