2. Dezember 2014
Auch noch gut acht Tage nach dem Rücktritt von Armin Veh, kann ich das Geschehene nicht so recht einordnen. Ist Veh tatsächlich freiwillig zurückgetreten oder hat man ihm den Rücktritt doch nahegelegt, um den Schein nach außen zu wahren, damit niemand sein Gesicht verliert?
Überall wo Veh bisher Dienst tat, kokettierte er über kurz oder lang mit seinem Abschied, wenn nicht alles so lief, wie er es sich vorstellte und wie seine (zu hohen?) Ansprüche an sich selbst sind. In dieser Hinsicht ist er ein typischer Wassermann, freiheitsliebend, motiviert, wenn er sich selbst verwirklichen kann, aber eben auch frustriert, wenn er nicht so kann, wie er gerne möchte und wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünscht. Dann neigt er aus diesem System auszubrechen und sich seine Freiheit wieder herzustellen. Ein wenig mehr Gelassenheit täte da Not, kann er doch als Trainer auch nicht alles selbst beeinflussen. Was kann ein Trainer beispielsweise dafür, wenn ein Sven Ulreich in Bochum den Ball völlig unmotiviert in die Mitte zum von drei Gegenspielern umringten Romeu passt und somit die nächste Zittersaison maßgeblich einleitet, wenn man sich gegen Wolfsburg durch einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte öfter dilettantisch auskontern lässt, in Bremen bei zwei Standards pennt oder gegen Augsburg von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Was kann Armin Veh dafür, dass der fällige Torwartwechsel zum Eigentor wird, weil Thorsten Kirschbaum sich noch schlechter präsentiert als Sven Ulreich in den letzten zweieinhalb Jahren.
Dass das Umkrempeln des VfB nicht von heute auf morgen geht, dürfte allen klar gewesen sein. Daher war das Umfeld bisher auch wohltuend ruhig, obwohl man auf dem 18. Platz angekommen war. Das Vertrauen in den Meistertrainer von 2007 war also durchaus vorhanden.
Den Rücktritt mit mangelndem Glück zu begründen, halte ich für Quatsch. Allerdings werfe ich Veh auch nicht Fahnenflucht vor oder dass der Kapitän das sinkende Schiff verlassen hat.
Die (wahren) Gründe muss man in der Person Vehs suchen. Veh war schon immer einer, der durch Charme, Charisma und Lockerheit faszinierte und Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte. Dies kehrte er jedoch nur nach außen, innen sieht es wohl anders. Die Situation vom VfB und dass er keine Mittel hatte (kurzfristig) dem Trend entgegenzuwirken nagte sichtlich an ihm und ließ ihn schließlich resignieren. Schon nach der Meisterschaft und vor allem gegen Ende seiner ersten Amtszeit war zu beobachten, dass es Veh nicht schaffte, sich auf schwierige Situationen ein- und in gewisser Weise auch umzustellen. Er macht sein Ding und hat keinen Plan B in der Tasche, dann läuft er lieber davon. Seinerzeit hatte Veh Horst Heldt als Freund und Manager an seiner Seite hatte und auch einen Erwin Staudt als Präsident, der sich um das Betriebsklima und die Sorgen und Nöte seiner Angestellten scherte.
Jetzt, in seiner zweiten Amtszeit, hatte Veh jedoch weder Heldt noch Leute wie Hübner und Bruchhagen um sich, die ihn in schweren Zeiten an die Seite nahmen und auf andere Gedanken brachten oder auch mal einfingen. Ich denke, Veh ist ein Mensch, der das hin und wieder mal braucht, der harmoniebedürftig ist und dem interner Zuspruch durchaus wichtig ist. Bernd Wahler möchte ich nicht unterstellen, dass ihm ein gutes Betriebsklima nicht auch am Herzen liegen würde, er ist jedoch mehr als Krisenmanager denn als Seelenmasseur gefragt in diesen Tagen. Und, Jochen Schneider ist zu unerfahren, um die Zeichen der Zeit der rechtzeitig erkannt zu haben.
Am Sonntag hatte Veh noch einen Auftritt bei Sky 90, den ich mit Spannung erwartete. Die offizielle Sprachregelung blieb bestehen, nämlich die, dass allein das fehlende Glück, welches Veh auf sich projiziert, den Ausschlag für den Rücktritt gegeben habe. Vielleicht erfahren wir in fünf Jahren einmal mehr, was diese Mission tatsächlich zum scheitern brachte. Ansonsten erläuterte Veh noch einmal, dass sich der Verein verändern muss, dass man über einige der Protagonisten der letzten Misserfolgs-Jahre nachdenken müsse, ob sie den Verein noch weiterbringen. Ein Jahr im Tabellenkeller könne Zufall sein, der Trend nach unten, den der VfB seit Jahren aufweist, jedoch nicht mehr. Was mich aufhorchen ließ, war die Aussage, dass 2007 mit 70 Mitarbeitern 130 Millionen Umsatz erwirtschaftet wurden und es heuer mit 160 Mitarbeitern gerade einmal 100 Millionen Umsatz sind. Gesundes Wachstum sieht anders aus.
Und, Veh erklärte noch einmal, dass er nach drei Jahren Eintracht Frankfurt eigentlich Trainerpause machen und bei Sky als Experte anheuern wollte, bis eben der VfB kam. Diesen Verein liebt er noch immer, schien aber doch mehr in der Vergangenheit zu schwelgen als die Gegenwart zu realisieren. Unser VfB ist leider mit dem von 2007 nicht mehr zu vergleichen, wir haben uns seither dramatisch zum Nachteil entwickelt. Dessen war sich Veh wohl nicht bewusst, als er auf dem Wasen unterschrieb. Er schätzte den Kader stärker ein als er tatsächlich ist, was ich ihm nicht einmal vorwerfe. Alle unseren Spieler zeigen ja hier und da starke Spiele und was sie wirklich drauf haben. Dass aber gute Einzelspieler noch keine Mannschaft ausmachen, dass man nicht nur das fußballerische Können sondern auch den Charakter der Spieler betrachten muss, bevor man sich ein Urteil bildet, dürfte Veh jetzt erkannt haben. Das sehen wirklich nur die, die tagtäglich mit der Truppe arbeiten und auch noch eher wir Fans, die sich ständig mit dem VfB beschäftigen.
Veh rate ich, als Nostalgiker der er ist, sein Vorhaben aus der HSV-Zeit wahr zu machen und auf den Job des Sportdirektors umzusatteln. Dort ist er weniger dem tagtäglichen Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, wird nicht jeder Schritt und Tritt beobachtet, ist er nicht von der Gunst seiner Spieler abhängig und kann vor allem gestalten anstatt sich mit dem zu begnügen, was ihm der Verein vorsetzt.
Wenn Veh diese Erkenntnis für sich nicht erlangen sollte, kann man im Grunde jeden Verein nur davon warnen, Armin Veh als Trainer zu holen. Nach Rostock und Reutlingen tat er es beim VfB bereits zum dritten Mal, „seinen“ Verein mitten in der Saison zu ver- und ein großes Vakuum zu hinterlassen. Seine anderen Vereine verließ Veh meist freiwillig zum Vertragsende, weil er frei sein möchte und nicht gefangen im Haifischbecken Bundesliga oder im Korsett eines Vereins.
Ein Club, der nach Kontinuität strebt, wird daher in naher Zukunft sicherlich nicht bei Veh anrufen, um ihn zu verpflichten. Meiner Meinung schadet dieser neuerliche Rücktritt seinem Ruf als Trainer. Abschließend wünsche ich Armin Veh, dass er sich die Sinnfrage stellt und sich genau überlegt, was er in Zukunft noch machen möchte und wie er sich sein nächstes Engagement vorstellt. Ich mag Veh nach wie vor, als Meistertrainer ist er sowieso für die VfB-Fangemeinde unsterblich, behalte ihn aber auch als freundlichen Menschen in Erinnerung, der immer ein offenes Ohr hatte. Klingt fast wie ein Nachruf, soll aber keiner sein. Ab jetzt oder besser gesagt seit letztem Freitag ist wieder „Huubschraubereinsatz“ auf dem Wasen.
Huub Stevens ist wieder da, ein knappes halbes Jahr nach dem Spiel im Schlienz-Stadion, als der VfB zum Saisonabschluss gegen eine Fanauswahl antrat und Stevens feierlich und mit viel Tam-Tam verabschiedet wurde. Ich hatte mir damals gewünscht, man würde zusammen weiter machen, fand dann aber Veh noch die charmanteste und mit die beste aller möglichen Nachfolge-Lösungen und bin auch jetzt froh, dass sich Stevens zum zweiten Mal bereit erklärt hat, dem VfB aus der Patsche zu helfen.
Huub Stevens ist das Gegenstück zu Armin Veh. Versuchte es Veh mehr mit Lockerheit, unserem „Kindergarten“ beizukommen, ist Stevens für seinen harten Stil und als Disziplinfanatiker bekannt. Wer ausschert und nicht mitzieht, hat bei ihm verloren. Wer mehr mit Schönspielerei als durch Kampf auffällt, für den ist kein Platz in der Stammelf. Stevens bringt Erfahrung und Eigenschaften mit, die dieser Mannschaft gut tut, wie man bereits in der Rückrunde der letzten Saison feststellen konnte. Hat uns tatsächlich zuletzt das Quäntchen Glück gefehlt, Stevens wird sich dieses sprichwörtlich versuchen zu erarbeiten, da er nicht an Zufälle glaubt. Eigentlich stellen wir jetzt zurück auf Mai 2014, eine Tatsache, die der VfB und Huub Stevens sich hätten ersparen können, wenn man sich bereits damals auf eine Weiterbeschäftigung verständigt hätte. Auch wenn es nicht zielführend ist, in den Sünden der Vergangenheit zu wühlen, mich würde es doch sehr interessieren, wie und warum es letztendlich zur Trennung kam. War es Huub Stevens, der nach seinem Saloniki-Engagement und dem Abstiegskampf mit uns eine Pause brauchte, in Ordnung und akzeptiert. Lieber sich selbst eine Pause verordnen, anstatt wider der inneren Stimme auf Teufel komm raus Raubbau am eigenen Körper zu betreiben und sich das erst einzugestehen, wenn man mitten im nächsten Engagement steckt.
Wenn aber der Abschied auf Zeit auf der Miste des VfB gewachsen sein sollte, ist diesem nicht mehr zu helfen. Das kann dann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass der ehrenkäsige Fredi Bobic Huub Stevens nicht weiter beschäftigen wollte, weil die beiden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Bei der Verpflichtung von Stevens setzten sich Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt und Wahler gegen Bobic durch, der ja gerne Krassimir Balakov zurück an den Neckar gelotst und damit seinem nächsten Kumpan einen Posten zugeschachert hätte. Stevens verbannte Bobic gleich zu Beginn (zu Recht) auf die Tribüne, bereits zu Bobic‘ aktiver Zeit bei der Berliner Hertha rasselten die beiden ja aneinander. So scheint es einmal mehr, dass Bobic eigene, persönliche Interessen über die des Vereins stellte. Eine andere mögliche Variante, weshalb man Stevens nicht das Vertrauen für die jetzige Saison aussprach, wäre die, dass man bei Veh schon länger im Wort stand.
Nicht nur aufgrund der jetzigen Umstände wäre die beste Lösung gewesen, Huub Stevens im Amt zu behalten und stattdessen Fredi Bobic bereits im Mai zu entlassen, dann wäre uns womöglich einiges Ungemach erspart geblieben. Stevens hätte dann schon seine eigene (dem Vernehmen nach auf dem Papier sogar schon vorhandene) Saisonplanung umsetzen können. Er wusste ja bereits, auf welche Spieler er setzt, auf welchen Positionen wir für ihn zufriedenstellend besetzt sind und wo man hätte etwas tun müssen. Eines wäre so sichergestellt gewesen, so naiv wie mit Armin Veh und dessen Einschätzung der Mannschaft wären wir nicht in die Saison gegangen.
Mit Stevens auf der Bank hatte ich am Freitag gleich ein gutes Gefühl. Die Mannschaft kennt ihn weitestgehend, er die Mannschaft. So erschien es mir durchaus im Bereich des Möglichen, dass vier Tage im Kreis der Mannschaft ausreichen könnten, um die Sinne neu zu schärfen und die Mannschaft gut für das Freiburg-Spiel ein- und aufstellen zu können. Hat man bei einigen unserer Spieler öfter mal den Eindruck, dass sie nicht die Hellsten sind und die Situation verkennen, weil sie sich stärker einschätzen als sie, wie an der Tabelle abzulesen ist, tatsächlich sind, wird die Trainerkabine neu bezogen, erkennen auch diejenigen, dass es wieder einmal fünf vor zwölf ist und sie plötzlich kein Alibi mehr haben.
Den Freiburg-Trip, zum Heimspiel unserer Freunde von den Murgtalschwaben, dehnten wir ein wenig aus und planten ihn von vornherein mit einer Übernachtung, um den so sehnlichst gewünschten Auswärtssieg danach gebührend feiern zu können. Bereits gegen 12 Uhr stellten wir das Auto in Weisenbach im Murgtal ab, stärkten uns noch für den langen Tag und machten uns dann mit der Bahn auf den Weg nach Freiburg. Gegen 16 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof an und besuchten zunächst den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, wo wir mit Bekannten verabredet waren. Nach drei Gläsern Glühwein und sehr wohlgestimmt ging es weiter in den Schwarzwaldblick, in Sichtweite des Schwarzwaldstadions, wo wir jedes Mal hingehen, wenn der VfB seine Visitenkarte im Breisgau abgibt. Ein Wahnsinn, wie viele Bekannte man bei Auswärtsspielen immer trifft und welche Gaudi man zusammen immer hat. So vergaß man fast die Zeit, sie rannte sprichwörtlich weg. Gerade noch pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichten wir unseren Platz auf der Gegentribüne. Besser geht es kaum zu sitzen, Reihe 5 mit super Sicht aufs Spielfeld und auch auf unseren Fanblock. Für mich zwar immer schade, wenn ich das Intro und bei Auswärtsspielen die gegnerische Schalparade respektive in Freiburg das Badener Lied verpasse, aber, wir hatten beim Vorglühen richtig Spaß, so dass ich das verschmerzen konnte, verpasste ich ja vom Spiel nichts.
So saßen wir also auf der Gegentribüne, auf der unser Platz stolze 57 Euro kostete, ich kann mich nicht erinnern, jemals für ein Bundesligaspiel mehr bezahlt zu haben. Mein Allzeitrekord liegt zwar bei 240 Euro für ein Ticket, aber, es handelte sich schließlich um das Halbfinale der WM 2006 Deutschland-Italien in Dortmund und es war der reguläre FIFA-Preis für diese Kategorie bei einem Halbfinale.
Als ich den Preis das erste Mal hörte (Karten mussten ja über unsere badischen Freunde besorgt werden, mit württembergischer Postleitzahl geht beim SCF überhaupt nichts) musste ich mir erst einmal bewusst werden, ob ich zur Championsleague in einen Fußballtempel oder zu einem Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten in die Freiburger Bruchbude gehen würde, aber, sei’s drum. Bevor ich etwa 40 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich berappe und, wie schon vorgekommen, hinter einer Plexiglasscheibe sitze und nur alkoholfreies Bier verabreicht bekomme, dann doch lieber zu diesem Preis hinein unters Freiburger Volk.
Zu Beginn war dem VfB die Verunsicherung, die die rote Laterne einfach mit sich bringt, anzumerken. Freiburg griff beherzt an und hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß. Umso verwunderlicher, dass nach einer halben Stunde plötzlich der VfB durch die Sturmspitze Martin Harnik in Führung ging. Diese Führung stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Gute zehn Minuten später aber, ich verrichtete gerade meine Notdurft, brandete großer Jubel auf, denn, Freiburg traf aus 25 Metern zum 1:1. Natürlich habe ich auch dieses Tor inzwischen gesehen und bin der Meinung, abgesehen davon, dass man den Schuss nicht einmal versucht hatte zu verhindern, dass Ulle den Ball normalerweise haben muss. Er wirkt zwar erleichtert, dass der böse Veh weg ist, ein besserer Torwart ist er dadurch leider noch lange nicht. Es gab im Spiel noch zwei, drei weitere Situationen, in denen er nicht gut aussah, so dass sich unser Torwartproblem fortsetzt.
Nach dem 1:1 hatten wir bei einem Lattenschuss noch Glück, so dass das 1:1 zur Pause für den VfB schmeichelhaft war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war der VfB in puncto Balleroberung präsenter und fand in Mitrovic sein Opfer. Ein Ballverlust des Serben an Sararer führte über Gentner und den wuchtigen Nachschuss von Carlos Gruezo zum 1:2. Dass Gruezo bei Stevens wieder schlagartig bessere Karten als unter Armin Veh haben würde, war mir ziemlich klar.
Wie der Holländer die Doppel-Sechs endgültig zu besetzen gedenkt, wird man vielleicht schon gegen Schalke sehen, wenn Oriel Romeu wieder einsatzberechtigt ist. Durch seine Sperre stellte sich die defensive Schaltzentrale mit Gruezo und Leitner fast von selbst auf. Gespannt darf man auch darauf sein, ob Leitner in Freiburg als Lückenbüßer herhalten musste oder ob er den zweiten Anlauf unter Stevens besser meistert als den ersten, wo er meist nur auf der Bank saß. Stevens steht eben mehr auf Malocher als auf Schönwetterfußballer. In Freiburg gefiel mir Leitner phasenweise richtig gut, war es doch auch, der Werner mit einem mustergültigen Pass auf die Reise schickte, und dieser wiederum Bürki zum 1:3 tunnelte. Nach Notbremse und folgerichtigem Platzverweis für Mitrovic war es dann Harnik, der seinen Doppelpack schnürte und zum 1:4 traf.
Das Glück war uns dieses Mal also hold, hätte der Schuss in der ersten Halbzeit durchaus auch nach hinten los gehen können. Veh befand bei Sky 90 sofort, mit ihm wäre auch dieses Spiel verloren gegangen, hypothetisch natürlich, und wenig zielführend. Ob wir gewonnen haben, weil Stevens das Glück mit an den Neckar brachte, Freiburg das Tor nicht traf, der VfB in Mitrovic einen Gönner fand oder wir einfach einmal vorne die Kisten machten, ist mir ziemlich schnuppe. Fußball ist erwiesenermaßen kein Glückspiel, es gibt zwar die eine oder andere Strähne, der man entgegenwirken kann, wenn man die regelmäßigen Trainingseinheiten dazu nutzt, an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich Woche für Woche zu verbessern. Dafür haben wir jetzt den richtigen Mann, Marke Fußballlehrer, an der Seitenlinie. Er würde sich persönlich beleidigt fühlen, gäbe es nichts zu verbessern, daher dürften die kommenden Monate das reinste Vergnügen für ihn als VfB-Trainer werden.
Dem VfB gelang es mit dem Auswärtssieg auf den Relegationsplatz 16 mit nunmehr zwölf Punkten zu klettern. Es war allemal ein Auftritt, der Mut macht für die nächsten schwierigen Aufgaben. Mit Siegen steigert sich automatisch auch wieder das Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren neuen alten Trainer ist ohnehin gegeben. Nun heißt es zuhause gegen den Lieblingsheimgegner Schalke 04 nachzulegen. In seiner ersten Amtszeit schaffte es Stevens, eine neue Heimstärke (unter anderem auch gegen seine alte Liebe Schalke) zu generieren, die jetzt wieder bitter nötig wäre, um die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu erringen. Aus den vier verbleibenden Spielen bis zur Winterpause sollten möglichst noch zwei Siege herausspringen, dann, mit 18 Punkten, hätte man eine vernünftige Basis für die Aufholjagd in der Rückrunde gelegt.
Für uns ging es nach dem Spiel noch einmal in den Schwarzwaldblick, wo die Sky-Sendung „Mein Stadion“ mit Uli Potofski zu Gast war. Fast als die letzten Gäste und zu später Stunde begaben wir uns schließlich auf die Suche nach dem Auto unserer Rückfahrgelegenheit. Da mittlerweile keine Bahn mehr zu jenem Park & Ride Platz fuhr, irrten wir in etwa eine geschlagene Stunde herum, und fanden das Vehikel dann auch schließlich. Für diese verlorene Zeit wurden wir insofern entschädigt, dass wir, entgegen des Plans uns nach Bühl zur S-Bahn zu chauffieren, mit Tempo 220 im Audi AS bis vor die Haustür nach Weisenbach gefahren wurden, die wir gegen 3 Uhr morgens erreichten. Total kaputt zwar, aber, mit dem ungewohnten Gefühl eines Sieges, der auch heute noch unheimlich gut tut.
24. November 2014
Die Fußballwelt ist doch so schnelllebig. Regte ich mich heute früh noch über einen Pfeifenmann namens Kinhöfer auf, ist das Spiel gestern und sind die Umstände, die zur Niederlage geführt haben, schon so gut wie in Vergessenheit geraten.
Kurz nach 11 Uhr heute Morgen platzte die Bombe. Armin Veh hat seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Bang! Auch jetzt noch macht mich diese Nachricht fassungslos und lässt mich in Schockstarre verfallen. Dennoch versuche ich hier, meine Gedanken zum Besten zu geben.
Mit Armin Veh hatte ich zum ersten Mal seit Christian Gross (Stevens ausgenommen) wieder ein gutes Gefühl, dass er uns dort hin führen kann, wo wir dem Selbstverständnis des Vereins nach stehen müssten. Nach 4 ½ Jahren Bobic, in denen Kritikresistenz und Vetterleswirtschaft Hochkonjunktur hatten, spürte ich, seitdem Veh das Zepter schwang, dass sich etwas bewegt auf dem Wasen. Er legte den Finger in die Wunde, probierte fiel aus, traute sich an verkrustete Strukturen heran, auch wenn er sich damit nicht immer nur Freunde machte.
Es ist aber doch verständlich, dass man nach Jahren der Erfolgslosigkeit und spielerischer Armut zuerst die Schuld bei denen suchen muss, die schon eine gefühlte Ewigkeit den Brustring spazieren tragen. Dass der Schuss des Torwartwechsels nach hinten los ging, konnte keiner ahnen. Auch ich hatte Thorsten Kirschbaum stärker eingeschätzt und bin enttäuscht darüber, dass er, vor allem mental, dem Druck im Haifischbecken Bundesliga nicht standgehalten hat. Jetzt aber Ulle wieder zum Messias hochzuheben, davon halte ich nichts. Für mich hat sich das Problem durch die (vorgeschobene?) Verletzung Kirsches und damit der Rückgängigmachung des Wechsels nicht gelöst. Gegen Augsburg war Ulle fast nicht zu bewerten. Einen Ball, kurz nach dem Platzverweis, hält er herausragend, einmal, in der zweiten Halbzeit, kommt er raus, lässt sich ausspielen und hat Glück, dass Baumgartl auf der Linie klärt. Wäre ein Tor gefallen, würden wir an dieser Stelle über einen Torwartfehler sprechen müssen. Ansonsten hielt er, was ein Bundesligatorhüter halten muss und offenbarte erneut seine Schwächen in der Spieleröffnung, wo ihm Handlungsschnelligkeit fehlt und ihm die altbekannte Lahmarschigkeit vorgeworfen werden muss. Natürlich hoffe auch ich, dass sich Ulle stabilisiert und zu einem Rückhalt wird, wie er es vor etwa dreieinhalb Jahren schon war, auf Sicht muss aber ein guter Torwart geholt oder von den Nachwuchsteams hochgezogen werden.
Unter der Leitung von Veh wurden die Auftritte peu à peu ansehnlicher, was sich leider nicht am Punktekonto ablesen lässt. Es nützt eben alle Schönspielerei nichts, wenn gravierende individuelle Fehler zu einer Vielzahl an Gegentoren führen. Gestern wurden diese Fehler minimiert, aber, das Unvermögen oder besser die Dummheit Daniel Schwaabs brachten uns letztendlich auf die Verliererstraße. Ab diesem Zeitpunkt rückte der Heimsieg zumindest in weite Ferne. Daniel Ginczek, der bis dahin ein vielversprechendes Comeback ablieferte, fiel der taktischen Umstellung zum Opfer, unsere Offensive fand danach so gut wie nicht mehr statt. Schwaab also, der sich schon mal mit den Fans anlegt, foult zwei Mal nahe der Mittellinie gelbwürdig. Natürlich war die gelb-rote Karte zu hart, natürlich würden die Bayern einen solchen Platzverweis nicht bekommen, dennoch war das Einsteigen Schwaabs ungestüm und unnötig. Natürlich hätte Kinhöfer, beträfe das zweite Foul einen Bayern-Spieler, Guardiola signalisiert, „nimm ihn runter, sonst fliegt er beim nächsten Foul“. Aber, wir sind eben nur der VfB, da macht das Draufhauen besonders Spaß. So war schon frühzeitig die Hoffnung auf den Heimsieg wie weggepfiffen. Da die Augsburger die Vorlage des Platzverweises nicht aus dem Spiel heraus verwerteten, legte das Schiedsrichtergespann nach, und schenkte Augsburg den Elfer zum Siegtreffe. Die Handspielregel nervt extrem und sorgt Woche für Woche für Diskussionen. Angelegt, angeschossen, unnatürliche Handbewegung, Vergrößerung der Körperfläche, etc. pp. Wenn der Ball die Hand Hlouseks traf, war es angeschossen und nie und nimmer ein Elfmeter, er versucht sie ja noch wegzuziehen. Das passt natürlich auch noch ins Bild. Man ist drauf und dran seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder zu null zu spielen und dann so etwas. Was soll da ein Trainer noch machen, der kann doch nur an der Linie verzweifeln.
Auch ich verstand während des fünfmonatigen Wirkens von Armin Veh einige Maßnahmen nicht unbedingt, zum Beispiel, weshalb Gruezo unter ihm keine Rolle mehr spielte, Gentner und Leitner jedoch in schöner Regelmäßigkeit zur Startformation gehörten. Auch gestern musste ich zunächst ungläubig schlucken, als ich sah, dass sich die einzige Konstante unserer Viererkette, Florian Klein, auf der Bank wieder fand. Auf der anderen Seite bemängelte ich es jahrelang, dass die erste Elf eine nahezu geschlossene Gesellschaft war, der Leistungsgedanke außer Kraft gesetzt war und unser Spiel für den Gegner viel zu einfach ausrechenbar war. Deshalb sah ich diese Wechsel durchaus als positiv an, sah Bewegung, einen Ansporn für die Reservisten, Gas zu geben, weil jeder seine Chance bekam. Selbst Sercan Sararer, vor Saisonbeginn zu den Amas verbannt, wurde für seine guten Leistungen dort belohnt und stand zuletzt gar mehrmals in der Anfangsformation.
Ich war hoffnungsfroh, mit Veh auf dem richtigen Weg zu sein. Es ging darum, noch den einen oder anderen Punkt zu verbuchen und in der Winterpause aufzurüsten. Dann muss auch dem letzten im Verein klar geworden sein, dass man die Versäumnisse aus der Sommerpause nachholen und dem Kader Qualität in der Defensive und, wenn möglich auch ein erfahrener Führungsspieler, auf den die jungen hören, zuführen muss, um die Chancen auf den Klassenerhalt zu erhöhen. Selbst mit der jetzigen Führung hatte ich Hoffnung, dass sie bis dahin erkannt haben, dass man Geld in die Hand nehmen muss, um den Abstieg zu vermeiden. Selbst, wenn, wie zu erwarten ist, kein Geld für Verstärkungen da ist, man würde sich Geld leihen müssen, denn ein Abstieg käme uns ein Vielfaches teurer zu stehen. Veh wäre da eigentlich in einer guten Position gewesen.
Was gestern nach dem Spiel vorgefallen ist, ich hoffe, man klärt uns zeitnah auf. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Veh, als er beispielsweise verkündete, Ulle stünde auch in Freiburg im Tor, schon im Kopf hatte, den Bettel hinzuschmeißen. Da man beim VfB eher Verschleierungstaktik als Offenheit an den Tag legt, ist Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Irgendetwas muss vorgefallen sein. Ich befürchtete ja schon länger, Veh wäre unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zurück an den Neckar gelockt worden. Vielleicht ging es darum, dass Veh, der ein grundehrlicher Mensch ist, langsam aber sicher die Öffentlichkeit informieren wollte, wie er sich den VfB 2014/2015 vorgestellt hat, welche Änderungen er vornehmen wollte und für was alles kein Geld zur Verfügung stand. Vielleicht war er um seinen guten Ruf besorgt, und wollte reinen Tisch machen, um nicht hinterher als blauäugiger Depp dazustehen.
Es passt zu Veh, dass er, wie schon bei Rostock und Reutlingen, von sich aus hinwirft. Diese Befürchtung hatte ich bereits vor einigen Wochen geäußert. Hier verhält sich Veh wie ein Ehrenmann und geht unter völligem Verzicht weiterer Bezüge, einfach weil ihm der Verein am Herzen liegt, weil er uns nicht auf der Tasche liegen möchte. Ich empfinde seinen Abgang nicht als feige sondern eher als konsequent. Angenommen wir stünden, mit Veh, in zwei bis drei Wochen noch immer mit neun Punkten auf dem letzten Tabellenplatz, sähe sich der Verein möglicherweise zum Handeln gezwungen und wir hätten wieder einmal millionenteure Abfindungszahlungen an der Backe.
Ich danke Veh für sein Herzblut, das er investiert hat. Ob bei den Trainingslagern im Sommer, beim Kabinenfest oder auch bei seinen Interviews, immer war ich beeindruckt von dem „Bock“, den er auf die Aufgabe hatte. Ich hatte mehrmals die Gelegenheit mit ihm zu sprechen und war jedes Mal fasziniert von seiner Lockerheit, seinem Charme und seinem Witz und bin sehr traurig, dass es nicht hat sein sollen. Unvergessen natürlich die Meisterschaft 2007, die für immer und ewig mit seinem Namen verbunden sein wird.
Jetzt stehen wir also da, ohne Sportdirektor, ohne Trainer. Unser Präsident Bernd Wahler steht nach der Entlassung „des Mannes unseres absoluten Vertrauens“ und dem Rücktritt von „Wunschtrainer“ Armin Veh mehr denn je in der Pflicht den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden, die ihm bei seiner Wahl im Sommer 2013 vorauseilten. Auf mich machte er auch heute einen eher rat- und planlosen Eindruck. Diese Suppe aber hat er sich selber eingebrockt.
Anstatt man die Missstände der Vorsaison, wie versprochen, schonungslos zur Sprache brachte, die Saison aufarbeitete und notwendige Schlüsse zog, präsentierte man den Messias Veh als Trainer und dachte naiv, alles würde gut werden. Wie, wenn 32 Punkte, die wohl nie mehr wieder zum direkten Klassenverbleib reichen werden, nicht Warnung genug gewesen wären, machte man einfach so weiter.
Dass ein gestandener Abwehrrecke schon in der letzten Saison fehlte, ignorierte man einfach. Rüdiger/ Schwaab, die schon bei der beispiellosen Negativserie unter Thomas Schneider meist das Innenverteidiger-Duo bildeten, wurde vertraut, auf die Verpflichtung des so wichtigen Abwehrchefs, der bspw. Rüdiger anleiten und führen könnte, verzichtet. Am Ende der Transferperiode stand für diese Personalie angeblich kein Geld mehr zur Verfügung, dann frage ich mich, weshalb man auf Teufel komm raus einen Traore-Ersatz gesucht und in Kostic schließlich auch gefunden hat und etwa 8 Millionen Euro für ihn ausgibt, wenn es viel größere Schwachstellen zu beheben galt.
Weshalb noch einen Mittelfeldspieler, wenn unserer Abwehr die Bundesligatauglichkeit fehlt? Für mich ist Kostic ohnehin eher Spielmacher denn Außenbahnspieler, daher umso kritischer zu hinterfragen dieser Transfer, da wir auf der zehn mit Didavi und Maxim schon (quantitativ) ausreichend besetzt sind. Nicht, dass ich etwas gegen Kostic hätte, für mich wurde hier lediglich das spärlich vorhandene Budget falsch eingesetzt. Ich halte ihn sonst für einen guten, wenn auch sehr eigensinnigen Spieler. Wobei man zu letzterem auch werden kann, wenn man keine guten Mitspieler hat, ich meine mich erinnern zu können, dass er am Anfang öfter versuchte, einen Doppelpass zu spielen, als er das gestern oder auch schon in Bremen tat.
Wahler muss diese vakanten Posten schnellstens bestmöglich besetzen. Ich halte nichts von der internen (Billig-)Lösung Jochen Schneider zum Sportdirektor zu befördern, einfach, weil ich ihm Betriebsblindheit unterstelle und es ihm nicht zutraue, sich gegen unseren mächtigen Aufsichtsrat und Spardirektor Ulrich Ruf durchzusetzen. Jener Ruf, der als oberster Controller des Vereins noch immer auf die Dienste eines Computers verzichten soll und daher mutmaßlich erst dann über die Finanzen des Vereins voll im Bilde zu sein scheint, wenn es kein Geld mehr von der Bank gibt. Der neue starke Mann muss auf Augenhöhe mit Aufsichtsrat und Vorstand diskutieren und verhandeln können. Er muss klare Vorstellungen haben, wie er den Karren wieder flott bekommt, wissen, an welchen Schrauben er zu drehen hat, welche Investitionen notwendig sind und vor allem auch, wen vom jetzigen Kader man schleunigst vom Hof jagen sollte. Es muss jeder auf den Prüfstand und dabei nicht nur sein bei schönem Wetter fußballerisches Können hinterfragt werden, sondern auch Eigenschaften wie Führungsstärke, Teamfähigkeit und Charakter durchleuchtet werden. Es geht im Mannschaftssport nur über das Kollektiv und hier hat Bobic bei der Mannschaftszusammenstellung kläglich versagt. Es gilt noch immer die Scherben aufzukehren, für die Bobic verantwortlich zeichnet. Diesen zu finden ist mitten in der Saison natürlich schwierig. Ich hatte gehofft, Veh würde den Posten bis Saisonsende in Personalunion bekleiden können, um dann bspw. einen Schmadtke oder einen anderen unter Vertrag stehenden Manager loseisen zu können. Jetzt bekommt auch diese Personalie wieder höchste Priorität, außer Schindelmeiser fällt mir hier so gut wie niemand ein, der sich in dem Job schon besondere Meriten erworben hat.
Der Aufsichtsrat, allen voran dessen Vorsitzender Schmidt, muss sich auf seine Kontrollaufgaben konzentrieren und weniger ins Tagesgeschäft einmischen. Noch jeder fähige, aber auch unbequeme Mann wurde abserviert, weil persönliche Eitelkeiten stets wichtiger waren als der Erfolg des Vereins. Die Strukturen und mangelnde Fachkompetenz im gesamten Verein müssen hinterfragt werden, ein „Weiter so“ darf es nicht geben, meinte Wahler schon in der letzten Saison.
Der neue Trainer dagegen hat nur diese eine Aufgabe, den Abstieg zu vermeiden. Dies dürfte mit dem vorhandenen Kader schwer genug werden. Perspektivisch etwas aufzubauen, einen Plan zu verfolgen, ist also wieder nicht möglich. Wieder einmal ist der VfB gezwungen zu reagieren anstatt selbst die Richtung vorzugeben. Wie es zur Stunde die Medien meinen zu wissen, wird der Nachfolger von Veh dessen Vorgänger.
Jener Huub Stevens also, der im Sommer angeblich eine Pause benötigte, dem man die Fähigkeit abgesprochen hatte, perspektivisch arbeiten zu können, er soll den Abstieg ein zweites Mal verhindern. Das wäre sicherlich nicht die schlechteste Lösung, passt aber wieder zur Konzeptlosigkeit unserer Vereinsführung. Wäre man nicht schon sehr früh bei Armin Veh im Wort gestanden, hätte man Anstrengungen unternommen, Stevens unbedingt halten zu wollen, möglicherweise wäre uns einiges erspart geblieben. Aber, damals stand ja auch noch Fredi Bobic in der Verantwortung, der von Stevens gleich zu Beginn seiner Amtszeit ordentlich in die Schranken verwiesen wurde. Ich war damals sehr enttäuscht, dass es mit Stevens nicht weiter ging, weil mir seine Art und sein (distanzierter) Umgang mit der Mannschaft gut gefiel.
Wir werden sehen, ob in Freiburg Reutershahn/ Geyer oder doch ein neuer Mann auf der Bank sitzen werden. In erster Linie steht die Mannschaft in der Pflicht, die uns in diese Situation gebracht und Veh zum Rücktritt genötigt hat. Die Herren in kurzen Hosen müssen es richten, sich 90 Minuten lang konzentrieren, nicht ablenken lassen und alles dem Beruf unterordnen. Und, sie müssen verdammt nochmal daran arbeiten, ein Kollektiv zu werden und sich auf dem Platz gegenseitig helfen. Das ist noch immer das Hauptmanko und von keinem Trainer der Welt auf Knopfdruck abzustellen.
Bis gestern war ich recht optimistisch, was die Fahrt nach Freiburg anging. In den letzten Jahren haben wir dort meist nicht schlecht ausgesehen, auch in der letzten Saison die drei Punkte mitgenommen. Ob die Unruhe in dieser Woche der Sache förderlich ist, bezweifle ich einmal. Schon deshalb wäre es gut, frühzeitig Klarheit, wenigstens auf dem Trainerposten, zu haben.
Auch wenn der VfB derzeit ein Komödienstadel sondergleichen ist, die leise Hoffnung, Thomas Tuchel könnte in der nächsten Saison als Trainer zum VfB zurückkehren, habe ich noch nicht aufgegeben. Natürlich stehen ihm alle Türen offen, natürlich hätte er das Zeug dazu bei einem ganz Großen anzuheuern, sollte jedoch noch ein klein wenig Verbundenheit zu dem Verein vorhanden sein, bei dem er den Trainerberuf erlernte, wäre es fahrlässig vom VfB, sich nicht um eine Verpflichtung zu bemühen. Dafür müssten jetzt schon Nägel mit Köpfen gemacht und müsste demzufolge der Kontrakt mit dem Veh-Nachfolger bis zum 30.6.2015 befristet sein. Ob sich Stevens oder ein Anderer darauf einlassen würde, steht auf einem anderen Blatt. Dies wäre ausnahmsweise eine von Weitblick getragene Entscheidung, die ich unserer derzeitigen Führungscrew schon einmal nicht zutraue. Auf der anderen Seite, nur wenn man als Verein selbst klare (realistische) Vorstellungen und Visionen hat und diese auch vorlebt und die Personalentscheidungen danach ausrichtet, ist die Voraussetzung gegeben, dauerhaft eine klare Linie und keinen Schlingerkurs an den Tag zu legen. Derzeit noch ist das Gegenteil der Fall, es wird in den Tag hinein gelebt und dann zieht einem ein Vorfall wie der Rücktritt von Armin Veh erst einmal den Boden unter den Füßen weg und ehe man sich versieht steht man vor Fernsehkameras und trägt diese Ratlosigkeit in die Welt hinaus.
Es ist zum heulen, was aus dem VfB geworden ist. Derzeit sind wir wirklich der Chaos-Verein Deutschlands schlechthin, selbst der HSV kommt da nicht mehr mit. Wenigstens diese rote Laterne sollte alsbald weitergegeben werden. Momentan wird man als VfB-Fan überall nur noch belächelt oder, was noch viel schlimmer ist, bemitleidet. Dieser Zustand ist fast unerträglich. Auch wenn heute ein schwarzer Tag in der VfB-Historie ist, jeder Tag ist ein neuer Anfang, morgen zum Beispiel, möglicherweise schon mit neuem altem Trainer.
29. September 2014
Eine turbulente Woche geht zu Ende. Fredi Bobic ist Geschichte beim VfB und der VfB hat mit vier Punkten aus zwei Spielen zuletzt scheinbar die Kurve gekriegt.
Gegen Hannover 96 spielten wir seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder hinten zu null und ließen so gut wie nichts anbrennen. Endlich entschloss sich Armin Veh zum Torwartwechsel. Für mich eine überfällige Maßnahme, hat Ulle zuletzt doch mehr und mehr gravierend gepatzt. Seine Schwächen konnte er eine zeit lang noch gut kaschieren, holte er doch auf der Linie manch einen Ball spektakulär, hielt aber auch zu dieser Zeit keine „Unhaltbaren“ oder hielt die Mannschaft mal im Spiel, wenn es nicht so lief. Oft war es der erste Torschuss, der drin war und das Spiel gleich in Bahnen lenkte, die kein VfB-Fan haben wollte. Vielleicht fehlte im zuletzt auch einfach das Glück, sei’s drum, ich bin froh über diese Maßnahme, weil Sven Ulreich für mich nie ein sehr guter Bundesligatorwart werden wird. Dafür fehlt ihm zu viel Grundsätzliches am Torwartspiel. Daher hoffe ich, dass Kirsche keine Zweifel aufkommen lässt, wer die wahre Nummer 1 ist und wenn, dass man alternativ entweder einem Youngster es zutraut oder sich nach einer Nummer 1 umschaut. Das aber ist Zukunftsmusik, der Anfang ist gemacht. Auch wenn Kirsche gegen Hannover nicht viel auf den Kasten bekam, hat mir seine Ausstrahlung gefallen. Hatte Ulle in Dortmund eine Passquote von lediglich knapp über 50% kam Kirschbaum gegen Hannover auf 77%. Augenscheinlich war, dass wir auch nach langen Bällen in Ballbesitz geblieben sind. Denke, wenn er richtig im Kasten angekommen ist, kann dies unser Spiel schneller machen. Daher, Chapeau, Armin Veh, alles richtig gemacht!
Ob es Zufall ist, dass dieser Torwartwechsel unmittelbar nach der Demission von Fredi Bobic erfolgt, vermag ich nicht so recht zu glauben. Oft hatte ich den Interessenkonflikt angesprochen, in dem Fredi Bobic durch seine geschäftliche Verbandelung mit Jürgen Schwab, dem Berater von Sven Ulreich und Christian Gentner, steckte. Habe hinein interpretiert, dass womöglich Bobic, als Freundschaftsdienst sozusagen, diese beiden stets geschützt und zu Leadern im Team beschworen hat, um seinem Kumpel Schwab deren Marktwert nicht zu versauen. Dass es schon lang nicht mehr nach Leistung ging auf dem Wasen, sondern der spielte, der die mächtigsten Fürsprecher hatte – diese Mutmaßungen bekommen jetzt ganz neue Nahrung. Wurde erst Bobic zur heiligen Kuh hochstilisiert (“absolut der Mann unseres Vertrauens”), waren es zuletzt noch Kapitän Gentner und eben Sven Ulreich, der auch von der Kurve nach wie vor großen Zuspruch erfährt.
Dass die Entlassung von Bobic richtig und einem neuen Leistungsklima förderlich ist, davon bin ich überzeugt. Allein der Zeitpunkt ist Schwachsinn. Wenn man das Herumgeeiere unseres Vorstands und Aufsichtsrats auf der Pressekonferenz und in den Tagen danach so sieht, muss man den Transparenten in der Kurve vom Samstag Recht geben – die Vereinsspitze hat schlicht geschlafen und es laufen gelassen.
Wurde der Zeitpunkt des offenen Briefes des CC kritisiert, kann ich dieser Kritik Stand jetzt zustimmen. Man hätte nämlich damit schon im Mai auf die Barrikaden gehen und dem Vorstand und Aufsichtsrat die Aufarbeitung der Vorsaison abnehmen müssen, dann wäre uns womöglich dieser abermals schlechte Saisonstart erspart geblieben. Wie schon die Entlassung von Labbadia wurde die von Bobic zu lang aufgeschoben und gezaudert statt gehandelt.
Jetzt hoffe ich, dass das Tandem Schneider/ Veh die Geschicke einige Zeit leiten wird, bestenfalls bis zum Ende der Saison. Mitten in der Serie bekommt man einfach keinen vernünftigen Mann. Dieser nämlich würde aus Loyalität zum bisherigen Arbeitgeber nicht alles stehen und liegen lassen, um beim VfB den Dienst anzutreten. Kritisiert man auf der einen Seite Spieler für ein solches Vorgehen, verurteilt man bei Trainern diese Söldnermentalität wie damals Magath, der quasi übergangslos von Wolfsburg nach Schalke wechselte, sollte man einen Manager, der so agiert, von vornherein äußerst kritisch beäugen und seinen Charakter in Frage stellen. Wer das tut, bei dem kann man auch nicht sicher sein, ob er den VfB beim nächstbesseren Angebot nicht auch sofort wieder im Stich lassen würde.
Der VfB soll sich Zeit lassen damit und möglichst nach Heldt und Bobic nicht schon wieder ein Greenhorn in den Ring schicken. Natürlich hat man jetzt mit Veh einen Fachmann an der Linie, sogar mit Crashkurs als Manager in Wolfsburg, ansonsten aber fehlt es nach wie vor an sportlicher Kompetenz in Aufsichtsrat und Vorstand. Da sitzt zwar ein Hansi Müller, der jedoch genauso wenig wie alle anderen die Fehlentwicklungen der letzten Jahre verhindert hat. Die Herren kommen mir vor wie Grüßgott-Onkel, die die Vorzüge des Funktionär-Lebens genießen, sich jedoch nicht befähigt oder bemüßigt sehen, auch einmal ihr Veto-Recht einzusetzen. Für die Musik zuständig ist einzig und allein der Aufsichtsratsvorsitzende. War es früher Dieter Hundt, der scheinbar die Geschicke des Vereins lenkte, ist es jetzt Dr. Schmidt. So jedenfalls mein Eindruck von der Pressekonferenz. Der Aufsichtsrat per se hat Prüfungs- und Überwachungspflichten, die Geschäftsführung jedoch sollte dem Vorstand vorbehalten sein. Beim VfB scheint es andersherum zu sein. Der Aufsichtsrat bestellt lediglich Vorstände, mit denen er Hugoles treiben kann und nicht solche, die sich auch mal aus Überzeugung durchzusetzen vermögen. Bernd Wahler hat mich bisher sehr enttäuscht, sah ich in ihm anfangs doch die eierlegende Wollmilchsau. Als Adidas-Manager in Berührung gekommen mit sämtlichen relevanten Personengruppen im Bereich des Sports. Mit Sportmanagern, mit Sportlern, Trainern, Funktionären, Sponsoren und nicht zuletzt mit den Endkunden. Daher versprach ich mir gute Kontakte und eine gute Kommunikation sowie den Blick fürs gesamte Konstrukt. Dass er aber trotzdem Bobic weiter wursteln und den Verein nahe ans Verderben führen ließ, das kreide ich ihm an. Bobic war eben nicht nur der nette Junge aus dem Hallschlag, er war ein misstrauischer Sturkopf, der andere Auffassungen kaum gelten ließ und seine alten Seilschaften beim VfB neu aufleben ließ. Hatte nur zu „seinen“ Leuten Vertrauen und vergraulte alte Institutionen im Verein, die nach und nach das Weite suchten. Hier ist der Verein jetzt gefordert, die Uhr ein wenig auf 2010 zurückzudrehen, um zu kitten, was zu kitten ist.
Ob dieser Befreiungsschlag auf Vorstandsebene zur sportlichen Trendwende geführt hat, lässt sich zumindest nicht gänzlich ausschließen. Schon lang empfand ich die Nähe von Bobic zur Mannschaft einfach nur schädlich, schon lang vertrat ich die Auffassung, die Ansprache an die Mannschaft sollte einzig und allein dem Trainer vorbehalten sein. Ein Manager kann ein, zwei Mal die Saison eine Brandrede halten, wenn es die Situation erfordert, sollte sich aber ansonsten fein heraushalten. Ein Schlüssel des Klassenerhalts in der Vorsaison war doch auch, dass just als Huub Stevens das Zepter übernahm, Bobic die Spiele schön von der Tribüne aus verfolgen durfte.
Hat der VfB bereits in Dortmund mit der Hereinnahme von Gruezo zu einer neuen Stabilität gefunden, setzte sich diese gegen Hannover, immerhin als Tabellendritter angereist, nahtlos fort. Natürlich kann man sagen, Hannover hat ja gar nichts gemacht, um uns in Verlegenheit zu bringen. Andererseits, Köln hat ja auch nichts gemacht und Hoffenheim auch nicht. Bei diesen Heimniederlagen fehlte die Präsenz im Mittelfeld, die wir gegen Hannover hatten. Ballsichere Spieler wie Romeu, Gruezo und zuletzt auch Leitner tun unserem Spiel sichtlich gut. Die erneute Auswechslung von Gentner wiederum signalisiert, dass Veh durchaus auch bereit ist, an dieser Stellschraube noch zu drehen. Die letzten Jahre gehören aufgearbeitet und hinterfragt und dabei natürlich an vorderster Front diejenigen Spieler, die immer dabei waren. Dass Gentner kein Kapitän im eigentlichen Sinne ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Veh arbeitet an einer neuen Hierarchie, gespannt darf man sein, ob sich diese innerhalb des vorhandenen Kaders herauskristallisieren kann oder ob man im Winter nachkaufen muss. Mir fällt leider auch keiner ein, der das Kapitänsamt aufgrund seiner Persönlichkeit für sich beanspruchen könnte.
Von der derzeitigen Präsenz her sicherlich Gruezo oder Romeu, die allerdings der deutschen Sprache nicht mächtig sind und, wie Romeu, auch nur ausgeliehen sind. Wer mich in den letzten Wochen positiv überrascht, ist Antonio Rüdiger. Auch ich war einer, der ihn liebend gern für das viele gebotene Geld verkauft gesehen hätte, habe aber jetzt den Eindruck, dass er in Sachen Nationalelf Morgenluft wittert und seit seiner Anwesenheit im Kreis der Elitekicker als ein anderer Toni zurückkam. Seine Fehlerquote hat er minimiert und besticht durch körperliche Präsenz und Einsatzwillen. Wenn er so weiter macht, haben wir einen Top-Mann in unseren Reihen. Wie genau es im Kreise der Nationalmannschaft zugeht, weiß man als Außenstehender natürlich nicht. Aber, es ist ja kein Geheimnis, dass Löw und Bierhoff großes Interesse daran haben, dass sich Nationalspieler wie Nationalspieler benehmen und der Öffentlichkeit vor allem kein Futter für Negativberichterstattung liefern. Auf die Etikette kommt es an und gerade hier hatte ich bei Rüdiger große Defizite festgestellt. Wenn er als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens daran arbeitet, sich seiner Verantwortung und seines Standings, aber natürlich auch seines großen Glücks Berufsfußballer zu sein bewusst wird, Autogrammwünsche in Gottes Namen als „dazu gehörend“ akzeptiert, ist bei ihm schon viel gewonnen. Bis vor kurzem habe ich ihn als arroganten Schnösel wahrgenommen und auch schon selbst so erlebt. Gerne aber beobachte ihn weiter und revidiere meine Meinung über ihn. Zuletzt hat mir sehr gut gefallen.
Nach dem Hannover-Spiel habe ich seit längerem mal wieder das Neckarstadion rundum zufrieden verlassen. Schönheitspreise erwarten wir ja schon lang nicht mehr. Der Dreier war eminent wichtig, sonst nichts. Ich hätte auch mit einem 0:0 leben können, wenn sich diese Chance zum Siegtreffer eben nicht geboten hätte. Hannover stand ja so tief, da ist es für jede Mannschaft schwer, durchzukommen, für den VfB im Jahr 2014 erst recht. So war es in erster Linie wichtig, selbst nichts zuzulassen, den Hannoveranern keine Möglichkeit zu bieten, ihrerseits das Tor zu machen. Die wollten den einen Punkt und hofften vielleicht insgeheim, dass wir den entscheidenden Fehler schon machen würden. Hoffenheims Trainer Gisdol hat schließlich vor Wochenfrist vorgeführt, wie dem VfB eigentlich immer beizukommen ist und auch keine Gelegenheit ausgelassen, dies der breiten Öffentlichkeit kundzutun. Daher ist es schon naheliegend, dass sich Korkut sicher war, im Neckarstadion mit der Hoffenheim-Taktik die drei Punkte entführen zu können. Weit gefehlt, es tut sich was beim VfB, was interessiert uns das Gegurke von vor einer Woche. 
Der Rahmen an diesem ersten Wasen-Samstag passte zudem. Herrliches Frühherbstwetter und eine tolle Choreo in der Cannstatter Kurve nach dem Motto „Wenn die ganze Kurve tobt, schlägt mein Herz in weiß und rot“. Begleitet von unzähligen Spruchbändern verschiedenster Fanclubs und –organisationen, die den Zusammenhalt innerhalb der Kurve und seiner verschiedensten Gruppierungen zementierten. Man kann dem Verein ja tatsächlich vorwerfen, was auch naheliegt, sich dem tobenden Mob in der Kurve gebeugt zu haben. Vier Punkte später aber muss man tatsächlich konstatieren, dass der Zeitpunkt so falsch nicht gewesen sein kann und es ein Wachrüttler fünf vor zwölf gewesen ist.
Vor der Saison hatte ich uns die ersten fünf Spiel Zeit gegeben, gar prognostiziert, dass wir womöglich danach mit null Punkten dastehen könnten, und dann eben mit dem punkten angefangen werden muss. Ferner räumte ich ein, dass Veh nicht von heute auf morgen alles über den Haufen werfen könne und er Zeit benötige, den Bock umzustoßen. Das war natürlich auch in gewissem Maße Zweckoptimismus, einfach, weil hier nicht immer der Trainer schuld sein kann, und die Probleme tiefer sitzen. Zum anderen auch, weil ich den Typen Veh mag und er wirklich ein netter Mensch ist, wie ich im Zillertal und kürzlich auch auf dem Kabinenfest feststellen durfte. Eines der größten Probleme des Vereins wurde am Mittwoch eliminiert, die anderen in den Führungsgremien sollten tunlichst und unverzüglich angegangen werden. Sportlich darf’s jetzt gerne so weiter gehen.
Am Freitag in Berlin bietet sich die Gelegenheit nachzulegen. Freue mich wie die Sau auf das lange Wochenende. Am Freitag Hertha-VfB, Samstag dann St. Pauli-Union Berlin, Fußballerherz was willst Du mehr?
25. September 2014
Gestern stand mal wieder eines der Saison-Highlights an. Flutlichtspiel im Westfalenstadion in Dortmund, wo natürlich sofort Erinnerungen an das 4:4 vor ein paar Jahren wach werden. Für mich keine Frage, obwohl unter der Woche, dabei sein zu wollen und zwei Urlaubstage dafür zu „opfern“. Dortmund ist für mich nicht nur wegen des größten Stadions Deutschlands mit der schwarz-gelben Wand ein gern bereistes Auswärtsspiel.
Mir gefällt’s einfach dort, wo man sich im Biergarten des Stadions Rote Erde unters schwarz-gelbe Volk mischen und das eine oder andere Bier mit BVB-Fans trinken kann, ohne dass einem feindselige Stimmung entgegenschlägt. Bei den Gesprächen mit den Dortmundern waren auch viele aufmunternde Worte dabei und, in Anbetracht dessen, dass sie die Auftritte der Brustringträger nicht jede Woche leidvoll mit ansehen müssen, die Meinung, dass unsere Qualität viel zu hoch wäre, um den Gang in die zweite Liga antreten zu müssen. Da musste dann schon das schwäbische Korrektiv eingreifen, indem wir unsere realistische Sicht der Dinge vertraten, nämlich, dass wir uns in dieser Saison tatsächlich ernsthafte Sorgen machen, weil einfach zu viel im Argen liegt.
Bereits zu Beginn unserer Busfahrt machte die Meldung die Runde, die Trennung von Sport-Vorstand Fredi Bobic sei beschlossene Sache und dass man diesen Schritt spätestens bis zur Winterpause vollzogen haben möchte. Dies war natürlich schnell Gesprächsthema Nummer eins und fast minütlich waren aktuellere Wasserstandsmeldungen zu erfahren, bis die Meldungen dahingehend lauteten, Fredi Bobic wäre mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
Die offizielle Bestätigung des VfB schließlich ließ bis kurz vor Spielbeginn auf sich warten. Der VfB dementiert zwar so lautende Meldungen, die Entlassung Bobic‘ wäre ihm am Telefon mitgeteilt worden, dennoch fällt kein gutes Licht auf die Art und Weise der Trennung. Ob jetzt am Telefon oder ob Bobic bereits in Dortmund verweilte und man ihn von dort zurück nach Stuttgart zitierte um ihm den Sachverhalt persönlich zu vermitteln macht für mich keinen Unterschied. Wurde von Vereins-Seite der Zeitpunkt der Veröffentlichung des offenen Briefs vom Commando Cannstatt angeprangert, kann man auch hier über die Richtigkeit des Zeitpunkts der Kündigung kritisieren.
Hätte der Verein konsequent gehandelt, hätte die Trennung auf der Klausurtagung im Dezember 2013 beschlossen werden und entweder nach Ende der Vorrunde, spätestens aber nach Saisonende 2013/2014 vollzogen werden müssen. Dass sich Bobic, spätestens seit der Vertragsverlängerung und (ebenfalls zu spät erfolgter) Beurlaubung von Bruno Labbadia heftigster Kritik ausgesetzt sah, war hinlänglich bekannt. Dass Bobic von sich aus nach Ende der letzten Saison seinen Rücktritt angeboten hat, ist ebenfalls Tatsache. Weshalb der Verein dieses „Angebot“ nicht angenommen hat und einen Schnitt vollzogen hat, verstehe ich wieder einmal nicht. Unser Aufsichtsrat und unsere Vorstandschaft vermittelt mehr und mehr den Eindruck, wie ein Politiker die Probleme auszusitzen und erst wenn das Volk aufmuckt und die Situation zu eskalieren droht, Konsequenzen zu ziehen, um in erster Linie ihren eigenen Allerwertesten zu retten. Präsident Wahler, der wie Bobic Zielscheibe der Proteste rund um das Hoffenheim-Spiel war, kroch erst jetzt, notgedrungen, aus seinem Schneckenhaus, um, so offiziell, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden, bzw. inoffiziell, sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Fredi Bobic tut einem in dieser Posse schon fast Leid und es wächst in mir der Eindruck, dass Bobic in diesem Ränkespiel „nur“ das Bauernopfer ist.
Natürlich habe ich in letzter Zeit oft genug aufgezählt, was ich Bobic vorwerfe, in Bezug auf schlechtes wirtschaften mit den knappen Mitteln, mangelnder Kommunikations- und Kritikfähigkeit, Dünnhäutigkeit, in gewisser Weise auch Arroganz. Ihn hier, wohlgemerkt zu diesem Zeitpunkt, zum Sündenbock abzustempeln, das hat er in dieser Form jedoch nicht verdient. Präsident Wahler und sein Gefolge haben in der Sommerpause ihren Job nicht gemacht, eine Trennung vom Sportdirektor zu diesem Zeitpunkt jetzt, macht wenig Sinn und sieht nach Aktionismus aus, da die Transfers getätigt sind, der Kader (für die Vorrunde) unumstößlich feststeht.
Bei einer früheren Demission hätte man sich ja um die tollsten Kandidaten bemühen können, auch solche, die bereits bei anderen Vereinen vertraglich gebunden sind. Auch Manager und Sportdirektoren lassen sich mittlerweile Ausstiegsklauseln für besondere Umstände in den Vertrag schreiben, so dass zumindest nichts unmöglich gewesen wäre. Jetzt aber, mitten in der Saison, würde nur ein einfältiger und charakterlich bedenklicher Manager, der bei einem anderen Verein in Lohn und Brot steht, diesen im Stich lassen und das nächstbeste Angebot annehmen. Hier ist fast nur zu hoffen, dass der VfB bei diesen Abwerbeversuchen erfolglos bleibt!
Jetzt einen Top-Mann zu bekommen, halte ich für äußerst unrealistisch. Ich hoffe, der VfB setzt hier keinen Schnellschuss, klappert einen nach dem anderen ab und hat bei Nummer elf oder zwölf vielleicht „Erfolg“. Die Interimslösung mit Armin Veh (Kaderplanung) und Jochen Schneider (das kaufmännische und Vertragsangelegenheiten) sollte meiner Meinung nach nicht nur eine kurzfristige sondern möglichst eine bis zum Saisonende werden. Würde Veh tatsächlich mittel- oder langfristig den Posten des Sportdirektors anstreben und der VfB Thomas Tuchel für die nächste Saison als Cheftrainer gewinnen können, wäre dies für mich im Moment die vielversprechendste Möglichkeit. Bei Armin Veh weiß man, was man an ihm hat und Thomas Tuchel ist ein ausgewiesener Fachmann, den man aber nicht mit falschen Versprechungen locken dürfte. Ob er, nach Jürgen Klopp der derzeit wohl zweitbegehrteste deutsche Fußballlehrer, jedoch an dieser schwierigen Aufgabe in einem brodelndem Umfeld interessiert wäre oder nicht doch lieber nach Schalke oder sonst einem ambitionierten Verein geht, der kurzfristig bessere Perspektiven böte, vermag ich nicht zu beurteilen. Er ist beim VfB „groß geworden“ als Trainer, hat durchaus noch ein Herz für den VfB, mag die Stadt, doch, ob diese emotionalen Kriterien den Ausschlag geben oder nicht doch die monetären, da habe ich meine Zweifel. Für mich wäre das die 1a-Lösung, da Tuchel ähnlich bekloppt ist wie Jürgen Klopp und es mit ihm nie langweilig werden würde. Ein Freigeist, der Mannschaft und Öffentlichkeit immer mal wieder mit neuen Ideen überraschen oder auch wachrütteln würde.
Von Leuten, die derzeit auch kolportiert werden, wie Todt und Zeyer, halte ich zunächst einmal überhaupt nichts. Todt, finde ich, hat noch keine großen Spuren im Manager-Business hinterlassen. Das einzige Kriterium, das ich mir vorstellen kann, das ihn möglicherweise (ein mögliches Interesse an ihm wird/ wurde vom VfB ja sowieso nicht bestätigt) zum VfB-Manager befähigen soll, ist wohl, dass er schon einmal, wenn auch ohne nachhaltigen Erfolg, seine Schuhe für den VfB geschnürt hat. Ihn jetzt aus dem KSC herauszubrechen, bei aller Feindschaft, hielte ich nicht für die feine englische Art. Auch Zeyer, ein Mann mit, wenn auch kurzer, VfB-Vergangenheit, mag bei den Kickers einen guten Job machen, was ihn aber nicht unbedingt automatisch zu einem guten VfB-Manager werden lassen würde. Auch er soll bei den Kickers bleiben. Ich gönne ihnen sogar den Aufstieg in die 2. Liga, mit Zeyer, da ich noch zum älteren Schlag gehöre und die Zeiten klasse fand, als beide (großen) Stuttgarter Vereine ihren festen Platz im bezahlten Fußball hatten.
Einen Mann wie Jens Lehmann zu holen, wie zuvor Heldt und Bobic, der keinerlei Erfahrung auf diesem Terrain vorzuweisen hat, birgt ein großes Risiko, auch wenn ich Jens Lehmann mag und schätze. Da aber dieses Mal der Schuss wirklich sitzen muss, um nicht endgültig ins finanzielle Fiasko zu stürzen, wäre mir persönlich dieses Risiko zum jetzigen Zeitpunkt zu groß.
Fredi Bobic ist also nun endgültig Geschichte beim VfB. Ich mochte ihn als Spieler und werde es nie vergessen, wie er 1994 wie Phönix aus der Asche kam und in seinen ersten fünf Bundesligaspielen auf Anhieb traf. Er war Teil des magischen Dreiecks und wurde mit dem VfB Pokalsieger. Eine unvergesslich schöne Zeit mit begeisterndem Offensivfußball. Leider erlag er 1999 dem Lockruf des Geldes und wechselte zum gestrigen Gegner Borussia Dortmund. So weit her war es also auch nicht mit dem VfB-Herz. Dennoch, als Spieler habe ich ihn in guter Erinnerung, jetzt als Manager leider weniger. Aus seiner Manager-Zeit bleibt bei mir eher haften, dass er sehr dünnhäutig auf Kritik reagiert und alle, die anderer Meinung sind als er, als Ahnungslose abtut. Als starker Mann hätte er der Öffentlichkeit gegenüber ehrlicher auftreten müssen, bspw. wenn er unterirdische Kicks schöngeredet und jede Kritik darüber harsch abgeschmettert hat.
Spieler- und Managerkarriere zusammengefasst möchte ich ihm danken für seine Zeit beim VfB und nehme es ihm auch ab, dass er stets bemüht war, zum Wohle des Vereins zu handeln. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute!
So drohte, das Spiel im Westfalenstadion fast in den Hintergrund zu geraten, was natürlich diesem Highlight nicht gerecht sein würde. Da wir ohne nennenswerten Stau die gut 430 Kilometer von ES-Berkheim nach Dortmund hinter uns brachten, erreichten wir schon gegen 17.30 Uhr den Gästebusparkplatz unweit des Stadions. Noch kurz ein Wulle am Bus geschnappt und schon machten wir uns auf den Weg zum Stadion Rote Erde. Leider setzte just in dem Moment, als wir dort waren, heftiger Regen ein, so dass wir unterm Dach eines Bierrundells eng zusammenrückten, mit einigen BVBlern die Situationen unserer beiden Vereine erörterten und das eine oder andere Bierchen zusammen tranken. Gegen 19.30 Uhr machten wir uns dann auf in Richtung des Stadions, das sich ja nur etwa 100-200 Meter Entfernung, je nachdem welchen Eingang man nehmen muss, erstreckt. Immer wieder beeindruckend, wenn man vor diesem Betonklotz steht, und sich an die 80er-Jahre zurückerinnert, als gerade Mal halb so viele Zuschauer ins Stadion passten. Trotz großer Menschenmassen vor „unserem“ Eingang ging es sehr zügig voran, so dass wir kaum 5 Minuten später bereits das Drehkreuz passiert hatten. Ich liebe es, wie professionell und unkompliziert die Einlasskontrollen bei „großen“ Vereinen mit viel Bundesligaerfahrung (meistens) ablaufen, ganz im Gegensatz zu Emporkömmlingen wie Mainz, Augsburg und Hoffenheim, die sich selbst am Eingang noch besonders profilieren müssen. So hatte ich keinerlei Probleme mit meiner Bridge-Kamera und der Fußballabend konnte beginnen. Ich hatte dieses Mal meinen Platz auf der Nord-Ost-Tribüne, Reihe 1, also schrägversetzt zu unserem Block mit einer herausragenden Sicht auf den Fanblock und aufs Spielfeld. Jedes Mal aufs Neue, wenn ich diesen Fußballtempel betrete, kribbelt es. Tolles Stadion, tolle Atmosphäre und einfach beeindruckend, wenn 80.000 Leute Stimmung machen. Spätestens nach der schwarz-gelben Schalparade zu YNWA gibt es schon mal einen Anflug von Gänsehaut.
Ich habe schon Bewunderung für den BVB übrig, mag deren Stil Fußball zu zelebrieren und ich mag Jürgen Klopp, der Dortmund zu dem gemacht hat, was es derzeit ist. Nämlich eine Hausnummer im deutschen und europäischen Fußball und DER Bayern-Jäger Nummer 1. Daher drücke ich ihnen im Kampf gegen die Bayern stets die Daumen und tat das auch beim CL-Finale im Wembley-Stadion, was ja leider bekanntlich nichts nutzte. Im direkten Duell aber, selbstredend, bin ich VfBler durch und durch und kenne keine Freunde, wenn das Spiel mal begonnen hat.
Die Vorzeichen waren so, dass beide Teams stark ersatzgeschwächt antreten mussten, den BVB hat es, wie so oft in letzter Zeit, aber härter erwischt, fallen dort doch immer wieder reihenweise hochkarätige Leistungsträger aus. Dennoch fällt es dem BVB leichter, seine Ausfälle zu kompensieren, weil der Kader qualitativ hochwertig und üppig ist. In den Gesprächen vor dem Spiel meinte ein Dortmunder, „Dortmund ist immer Dortmund. Egal wer ausfällt und dafür rein kommt, das Spiel des BVB ändert sich dadurch nicht“, womit er Recht behalten sollte. Dieses brutale Pressing, dieses bekämpfen des Gegners über 90 Minuten, dieses laufintensive Spiel, die klar verteilten Aufgaben auf dem Platz, sind es, die Dortmund eine klare Identität geben. Beim VfB hingegen, weiß man nicht so recht, ob es sich um eine Schwächung handelt, wenn der eine oder andere Spieler passen muss.
Ob die Personalie Bobic Einfluss auf die Leistung auf dem Platz gehabt hat, wage ich zu bezweifeln. Die Spielvorbereitung obliegt dem Trainer Armin Veh und oblag ihm hoffentlich auch in der Vergangenheit. Die Aufstellung ließ vermuten, dass der VfB sein Heil vorwiegend in der Defensive suchen würde. Ist ja auch durchaus vernünftig in Dortmund, dass man, zumal, wenn man als Tabellenletzter anreist, zunächst einmal auf Absicherung bedacht ist.
So durfte im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel unser WM-Fahrer Carlos Gruezo für den formschwachen Martin Harnik die Doppel-Sechs neben Oriel Romeu bilden. Diese Maßnahme erwies sich als Volltreffer, besticht Gruezo doch durch ein vorzügliches Spiel gegen den Ball und ist technisch versiert genug, den Ball nach einer Balleroberung nicht gleich wieder zu verlieren.
Insgesamt war die Raumaufteilung eine bessere als zuletzt, so dass Dortmund große Mühe hatte, ins Spiel zu finden und unser Tor zu gefährden. Außer dem Lattentreffer Kagawas brachten sie in der ersten Halbzeit nicht viel zustande, der VfB hatte alle Hände voll zu tun, um erst einmal zu verhindern, setzte aber auch vorne Nadelstiche, wann immer die Dortmunder Raum dafür anboten. Als leidgeprüfter VfB-Fan rieb man sich schon manchmal die Augen, wie forsch unsere Jungs den Kampf annahmen. So stand zur Pause ein verdientes 0:0, was in Anbetracht der letzten Resultate schon als Achtungserfolg zu werten war.
Wer dann dachte, der BVB könne den Druck erhöhen und würde uns irgendwann schon den erwarteten Rückstand bescheren, sah sich getäuscht. In der 48. Minute war es der VfB, der überraschend in Führung ging. Daniel Didavi verwertete eine Hereingabe von Christian Gentner zum 0:1. Dieser Treffer beeindruckte den BVB offenkundig, während die Brust beim VfB breiter und breiter wurde. Anstatt der BVB mit Vehemenz auf den Ausgleich drängte und hochkarätige Chancen herausspielte, nutzte der VfB einen seltenen Vorstoß zu Didavis 0:2.
Timo Werner, der mir als alleinige Spitze gestern hervorragend gefiel, spielte Dida klasse frei und hatte schließlich noch das Auge und die Passgenauigkeit, um dem Spielmacher den Treffer aufzulegen. VfB und Spielkultur passten in letzter Zeit wahrlich nicht zusammen, das aber war allererste Sahne.
Dieser Zwei-Tore-Vorsprung hielt leider gerade einmal fünf Minuten an. Nach Fehlpass Romeus verkürzte Aubameyang zum 1:2. Dennoch hatten Gentner und Ibisevic noch die Doppelchance zum 1:3 in der 84. Minute, was es wohl gewesen wäre. So aber kam es, wie es kommen musste, Immobile nutzte einen kapitalen Ulreich-Patzer zum Ausgleich. Wieder einmal musste der VfB spät noch Punkte einbüßen, wieder einmal konnte man die Führung nicht über die Zielgerade bringen. Auf der anderen Seite ist es für jeden Gegner schwer, diesen unwiderstehlichen Druck, den die Dortmunder ausüben, schadlos zu überstehen, vor allem, wenn das Publikum so richtig Alarm macht. Da ist es dann vielleicht auch Nervensache, diese enorme Lautstärke auszublenden und sich auf das Geschehen auf dem Platz zu fokussieren. Sven Ulreich schien es gestern nicht zu können, unerklärlich wie er beim 2:2 Ausgleich unter der Schmelzer-Flanke durch tauchen konnte. Immer offenkundiger wird, dass wir ein Torwart-Problem haben und ein Torwart-Wechsel kein Tabuthema mehr sein darf. Auch eine Passquote von gerade einmal knapp über 50% spricht nicht für unsere Nummer 1.
Alles in allem aber war es eine gute Mannschaftsleistung und endlich mal ein engagierter Auftritt unseres VfB. Vor dem Spiel hätte man natürlich einen Punkt liebend gern mitgenommen, danach, nach einer 2:0-Führung, sehe ich diesen mit gemischten Gefühlen. Sollten wir Hannover 96, immerhin Tabellendritter nach dem fünften Spieltag, schlagen und den Punkt vergolden, wäre alles gut und der Punkt hätte die langeersehnte Trendwende eingeleitet. Wenn sich das Neckarstadion aber wieder als Selbstbedienungsladen für unsere Gäste entpuppen sollte, muss man konstatieren, dass eine Mannschaft, die nicht fähig ist, das Spiel zu machen und sich auswärts leichter tut, dann auch auswärts die Punkte zum Klassenerhalt holen muss, dann wäre ein Punkt in Dortmund zu wenig gewesen.
Ich hoffe auf ersteres, einige gute Dinge hat man ja gestern gesehen. Wie ich finde, gehören Gruezo und Werner immer in die Startelf. Antonio Rüdiger machte erneut ein gutes Spiel und verhinderte in letzter Minute für den geschlagenen Ulreich gar das 3:2 für Dortmund. Eine Doppelte Absicherung mit Romeu und Gruezo verleiht dieser Mannschaft mehr Stabilität, ich hoffe, die war keine Ausnahme und dem Fehlen von Maxim sowie der Offensivstärke Dortmunds geschuldet. Und schließlich, Daniel Didavi, der Mann des Spiels, ist hinter einer einzigen Spitze Werner sehr gut aufgehoben.
So berechtigt der gestrige Tag zur Hoffnung auf Besserung in vielerlei Hinsicht. Sportlich wurde bewiesen, dass auch in diesem Kader durchaus Potential vorhanden ist, um zumindest einen Nichtabstiegsplatz anzustreben und in der Vereinsführung werden die Karten neu gemischt. Spannende Tage und Wochen stehen uns bevor.
22. September 2014
Schön, wenn der Herr Sportdirektor seinen Spaß hat. Mir ist er langsam vergangen, so früh wie selten in einer Saison.
Fünftes Pflichtspiel der noch jungen Saison, zum vierten Mal null zu zwei verloren. Spötter erkennen endlich mal wieder Konstanz und Kontinuität beim VfB. Mir macht diese neuerliche Heimpleite einfach nur Angst. In dieser Verfassung sind wir Abstiegskandidat Nummer 1 in der Liga. Holten wir in der letzten Saison wenigstens 32 Punkte, weil wir überwiegend die Schlussviertelstunde verschlafen haben, legen wir jetzt eine ordentliche Anfangsviertelstunde hin und verschlafen die restlichen 75 Minuten. Eine Weiterentwicklung der besonderen Art!
Fredi Bobic dagegen machte dieser Auftritt Mut. Würden wir es immer schaffen, ein solches Spiel hinzulegen, mache er sich keine Sorgen. Die Hoffenheimer in der gestrigen Verfassung waren sicher kein übermächtiger Gegner und trotzdem verstand man es kaum, Torchancen zu kreieren. Gegen den VfB im Spätsommer bzw. Frühherbst 2014 genügt es hinten geordnet zu stehen und mit ein paar Nadelstichen vorne unserer instabilen Truppe den Zahn zu ziehen. Dieses Rezept hat sich in der Liga herumgesprochen, mutierte doch unser Neckarstadion in den letzten Jahren zum Selbstbedienungsladen. Hoffenheim rückte damit sogar von seinem eigentlichen Stil ab und hatte damit Erfolg, so dass sie drei Punkte weitestgehend mühelos einsacken konnten. Da fragt man sich ernsthaft, gegen wen wir überhaupt gewinnen wollen. Am Mittwoch in Dortmund sicherlich nicht!
Zu Beginn sah es zwar noch so aus, als ob die Mannschaft engagierter zu Werke gehen würde und der erste Saisonsieg in greifbarer Nähe wäre. Der VfB begann mutiger als vor Wochenfrist in München oder auch gegen Köln, hatte sogar eine gute Kopfballchance zum 1:0 durch Martin Harnik, die Baumann parierte.
Wie aber so oft war es schnell vorbei mit der Herrlichkeit, da abermals gleich die erste Torannäherung des Gegners zum Rückstand führte. Daniel Schwaab verweigerte bei einem Rudy-Freistoß das Kopfballduell mit Modeste, so dass dieser unbehelligt zum 0:1 einköpfen konnte. Dieser Nackenschlag genügte schon wieder, die ohnehin verunsicherte Mannschaft völlig konfus werden zu lassen.
Nachdem sich die Mannschaft geschüttelt hatte, nahm sie zwar das Zepter wieder in die Hand, ohne allerdings zu glasklaren Chancen zu kommen. Meist handelte es sich doch um Zufallsprodukte, vielleicht fehlt tatsächlich auch etwas das Glück, dass einfach mal ein abgefälschter Ball reingeht und die Mannschaft aufbaut.
Was die Jungs dann in den Pausentee bekamen, darüber kann man nur mutmaßen. Da war sie wieder, die altbekannte Lethargie und Behäbigkeit. Anstatt herauszukommen und auf den Ausgleich zu drängen, wurde das ohnehin nicht hochklassige Spiel zum Langeweiler.
Hoffenheim weigerte sich am Spiel teilzunehmen, der VfB hatte zwar viel Ballbesitz, fand aber einmal mehr die Lücke nicht, um die Kraichgauer ernsthaft zu gefährden. Fredi Bobic gab zwar auch gestern wieder zum Besten „Die Qualität der Mannschaft ist ausreichend“, für welche Liga hat er allerdings nicht dazu gesagt.
Das VfB-Spiel geprägt von Ballverlusten und Fehlpässen, die immer und immer wieder einen Spielneuaufbau von hinten notwendig machen. Da es dann eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis der Ball wieder in der Nähe des gegnerischen Strafraums ist, verrinnen die Minuten und irgendwann läuft einem die Zeit davon. Erst nach den Einwechslungen von Maxim und Kostic ab Minute 70 wurden die Angriffe zielgerichteter und erst ab da war wieder so etwas wie ein Wille zu erkennen. Fünf Minuten vor Schluss mussten wir die Hoffnung auf den Ausgleich endgültig begraben, als nach Ballverlust von Alexandru Maxim das 0:2 fiel.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bereits vor dem Spiel keinerlei Hoffnung hatte, dass wir gewinnen könnten. So war dieser Knockout fast eine Erleichterung, weil es dem mutmaßlich aussichtslosen Hoffen ein Ende setzte. Ich konnte bei diesem Spiel nicht einmal die Abneigung gegen dieses Projekt „auskosten“ und, wie die Jahre davor, das Spiel mit der Faust in der Tasche verfolgen. In diesen Tagen ist man doch mehr mit dem VfB beschäftigt und macht sich große Sorgen um den eigenen Verein anstatt sich um Andere zu scheren.
Ich habe Verständnis für Armin Veh, der der Auffassung ist, zu viele Änderungen in der ersten Elf, wären der Sicherheit im Spiel abträglich und würden der Mannschaft nicht gut tun.
Auf der anderen Seite haben wir aber einige Schwachstellen in dieser „ersten Elf“, die diskussionswürdig wären. Nachdem der Spielplan veröffentlicht wurde, hatte ich schon die Befürchtung, dass wir nach den ersten fünf Spielen ganz ohne Punkt da stehen könnten. Die Auswärtsspiele in Gladbach, München und Dortmund haben es in sich, dazu noch der Heim-Angstgegner Köln und eben jenes Hoffenheim, das sich vor allem in der Defensive gut verstärkt hat. Gegen dieses Hoffenheim jedoch, stark ersatzgeschwächt, hätte man nicht verlieren müssen.
Danach, so „mein Plan“, müsste man jedoch mit dem punkten anfangen. Sprich, jetzt in Dortmund rechne ich mir realistisch nichts aus, am Samstag dann aber, gegen Hannover 96, sollte tunlichst der erste Dreier eingefahren werden. Mittlerweile bin ich skeptisch, ob der Bock „so schnell“ umgestoßen werden kann. Nach nunmehr fast zwei Monaten Vorbereitungszeit und fünf Pflichtspielen ist noch nicht zu erkennen, welchen Fußball der VfB eigentlich zu spielen gedenkt.
Es sieht auf dem Platz planlos aus, die Raumaufteilung passt nicht, der ballführende steht oft auf verlorenem Posten. Bei eigenem Ballbesitz ist der eigene Mann meist von drei Gegnern umringt und keiner eilt zu Hilfe. Es sind fußballerische Grundtugenden, die dieser Mannschaft fehlen, von Kreativität und der Lust ein geiles Spiel hinzulegen ganz zu schweigen.
Für mich wäre es an der Zeit einige personelle Wechsel in der Startelf umzusetzen. Leute wie Sakai und Schwaab sind mittlerweile Woche für Woche Schwachstellen, der Kapitän Christian Gentner versteht es wie kein zweiter sich während dem Spiel zu verstecken. Zumindest auf diesen Positionen würde ich an Armin Vehs Stelle neue Leute bringen.
Wenn gewisse Wechsel auch unter Armin Veh ausbleiben sollten, schenke ich der kolportierten „Verschwörungstheorie“ mehr und mehr Glauben, nämlich dass die Mannschaft unter anderem auch durch die Direktive „von oben“ oder vertraglichen Zusagen aufgestellt wird.
So lang Fredi Bobic das Sagen hat, liegt der Verdacht nah, dass er durch freundschaftliche und geschäftliche Bande mit Jürgen Schwab, dem Berater von Gentner und Ulreich, dem Trainer immer anraten dürfte, diese beiden aufzustellen. Wir haben ja einige Beispiele von Spielern, die bei uns massiv an Marktwert eingebüßt haben, bei diesen beiden soll das sicherlich nicht so sein. Wenn es nach der Leistung ginge, bekäme nämlich auch mal ein Konkurrent die Chance zu spielen.
Auch bei Ibisevic, der krankheitsbedingt passen musste (oder wurde er womöglich mit dieser Begründung aus der Schusslinie genommen?) liegt der Verdacht einer vertraglich zugesicherten Stammplatzgarantie nahe. Aus sportlicher Sicht hätte er sich längst eine Pause „verdient“. So vermute ich, werden in unserer Mannschaft aus politischen Gründen mehrere Positionen, und das schon seit Jahren, sprichwörtlich blockiert.
Als am Samstag die Aufstellung fürs Hoffenheim-Spiel verkündet wurde, war ich sehr enttäuscht und sagte gleich, „das kann nichts werden“. Gentner ist derzeit eigentlich nicht mehr vermittelbar. Als Kapitän nicht, nicht einmal als einer von vielen in dieser ohnehin schon schwachen Mannschaft.
Er läuft zwar viel, jedoch meist in seinen eigenen Räumen, da wo der Ball mit Sicherheit nicht hinkommt. Leaderqualitäten zeigt er überhaupt keine, wie auch, er ist einfach kein Leader und damit auch kein Kapitän. So taumelt die Mannschaft führungslos durch die Spiele, jeder, auch die Youngster, ist auf sich selbst gestellt, auch ein Grund, weshalb sie im Spiel durch ein einziges unerwartetes Ereignis aus der Bahn geworfen werden.
Antonio Rüdiger dagegen scheint seine Stippvisite bei der Nationalmannschaft, für mich etwas überraschend, sehr gut getan zu haben. Wie schon in München war er auch gegen Hoffenheim einer der Wenigen, bei denen die Körpersprache signalisierte, dass er gewillt ist, an der Wende zu arbeiten. Ihn sah ich insgesamt sicherer und auch nicht so hektisch wie vor der Länderspielpause. Ihm gelang zwar auch nicht alles, dennoch hob er sich für mich von den meisten seiner Mannschaftskameraden ab.
Fast schon paradox in diesen Tagen ist die Kluft zwischen der Mannschaft auf der einen und den Fans auf der anderen Seite. Dass Leute wie Strunz und Babbel, die mit Schimpf und Schande davongejagt wurden, das „schwierige Stuttgarter Umfeld und das erfolgsverwöhnte Stuttgarter Publikum“ mitverantwortlich für die Misere und die Unsicherheit der Mannschaft machen, ist man ja gewöhnt.
Dass aber Spieler wie Daniel Schwaab, der außer dem Assist zum Rückstand nichts erwähnenswertes zustande brachte, nach seiner Publikumsschelte gegen Köln am Samstag fast als Rädelsführer anzusehen war, der seinen Teamkollegen deutete, NICHT in die Kurve zu gehen, ist neu. Sven Ulreich leistete sich Ähnliches, auch andere Spieler suchen in den Fans Mitschuldige für die schwachen Darbietungen auf dem Rasen. Fredi Bobic bläst natürlich ins selbe Horn und der Präsident Wahler ist mal wieder weder zu sehen noch zu hören. Der VfB ist damit das einzige mir bekannte Unternehmen, bei dem all seine Angestellten ungestraft die zahlende Kundschaft beschimpfen dürfen. Verkehrte Welt eigentlich, zumal sich das Team über mangelnde Unterstützung wahrlich nicht beklagen braucht. Ein jeder, auch die externen Kritiker, sollte doch mal ins Stadion kommen, welchen „Fußball“ wir in den letzten Jahren über uns ergehen lassen müssen. Spiele, deren Tempo an Altherrenfußball erinnern, mit höchstens ein, zwei nennenswerten Torabschlüssen pro Halbzeit, und die als Massenware. Dennoch sind die Treuesten der Treuen immer da, ob daheim oder auswärts. Die Mannschaft wird angefeuert und angepeitscht, Pfiffe hagelt es in den meisten Fällen erst nach Spielende. Natürlich kommt es vor, dass bei einzelnen Spielern die Geduld verloren gegangen ist und schon die Erwähnung ihrer Namen im Stadion zu einem Pfeifkonzert führt. Das könnte aber auch daran liegen, dass jegliches Verständnis fehlt, wenn einzelne Akteure Woche für Woche ihre Unfähigkeit unter Beweis stellen dürfen. Woran das liegen könnte, habe ich weiter oben beschrieben…
Der Verein täte gut daran sich wieder Vertrauen bei seinem Anhang zu erarbeiten. Der offene Brief vom Commando Cannstatt 97 hat es auf den Punkt gebracht. Wir haben die Schnauze voll von Durchhalteparolen, vom „für dumm verkaufen“ der Anhängerschaft. Die Aufarbeitung der Vorsaison ist ausgeblieben. Es geht gerade so weiter, außer, dass wir in Traore noch einen Qualitätsspieler verloren haben, auf dem Papier also haben wir uns sogar verschlechtert, auch wenn Romeu und Kostic schon gute Ansätze gezeigt haben und ich mir auch von Ginczek einiges verspreche.
Das Vertrauen in die handelnden Personen beim VfB schwindet auch bei mir mehr und mehr. Wie schon öfter ausgeführt, hätte Fredi Bobic nach der missratenen letzten Saison abgelöst werden müssen. Mit seiner Aussage „an diesem Kader lasse ich mich messen“ gab er doch die perfekte Vorlage, die von Aufsichtsrat und Präsident Wahler nur nicht aufgenommen wurde. Stattdessen wird Bobic zum „absolut der Mann unseres Vertrauens“ hochgelobt, was mir nicht unbedingt große Hoffnung auf Besserung macht.
Wie immer wieder zu hören und zu lesen ist, soll es um die Finanzen hochkritisch bestellt sein. Umso mehr versteht man daher die Personalpolitik seit Bobic Amtsantritt nicht. Durchschnittsspieler mit fürstlichen Gehältern werden jahrelang mitgeschleppt, versperren einst vielversprechenden hinzugekauften Spielern den Weg in die Startelf, diese wiederum verlieren nach und nach Form und Lust, um am Ende ablösefrei gehen dürfen, nur, dass man sie von der Gehaltsliste hat. Solche „Fälle“ hatten wir in den letzten Jahren zur Genüge, rechnete man diese hoch käme man sicherlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der in den Sand gesetzt wurde. Durchleuchtet man doch noch, weshalb Spieler wie Marica, Kuzmanovic und Traore, für die man zum richtigen Zeitpunkt hohe (bzw. überhaupt) Transfererlöse hätte erlösen können, den VfB ablösefrei verließen, ließe sich die Rechnung fortsetzen. Durch die Entscheidung Gazi anstatt Porsche zum Hauptsponsor zu machen, die dem daimlerfreundlichen Aufsichtsrat angelastet wird, wurden nicht nur durch geringere Sponsoring-Einnahmen Millionen verschenkt, auch dem Merchandising-Umsatz war Gazi auf der Brust nicht gerade förderlich. Dies sind nur ein paar Beispiele, wie man mit mehr Sachverstand und weniger Eigeninteresse ein paar Millionen hätte einnehmen können, die uns heute fehlen.
Anstatt im Mai den Cut gemacht zu haben und Fredi Bobic‘ wohl angebotenen Rücktritt als Manager bzw. Sportvorstand zu akzeptieren, spricht man ihm auf der einen Seite das volle Vertrauen aus, möchte ihm aber gleich noch ein Expertengremium zur Seite stellen, das ihn beaufsichtigen soll. Dazu reagiert er oft bockig auf Kritiker und verscherzt es sich mit ihnen, also, was tun, schaffen wir eben den Posten des Kommunikationsdirektors. Einfacher (und billiger) wäre es an der Stelle, die Wurzel des Übels zu entfernen, anstatt den ohnehin schon teuren Verwaltungsapparat noch weiter aufzublähen.
Ob ein Rauswurf Bobic‘ zum jetzigen Zeitpunkt mehr als einen neuen Impuls bringen würde, weiß ich nicht. Diese Gelegenheit wurde verpasst. Der Transfermarkt ist geschlossen, Geld für Verstärkungen wäre wohl sowieso nicht da! Dass sich Bobic jetzt aber schon wieder gemüßigt sieht, betonen zu müssen, der Trainer stehe nicht zur Disposition, beunruhigt mich, ist eine solche Aussage doch oftmals der Anfang vom Ende. Diese Mannschaft scheint mittlerweile untrainierbar zu sein, Veh kann wohl am wenigsten für die Misere. Ihm traue ich es zu, den Karren wieder flott zu bekommen, auch wenn ich hoffe, dass die Zeit nicht gegen ihn arbeitet. Eher hätte ich Angst, dass er von sich aus hinschmeißt, vielleicht, weil man ihn mit falschen Versprechungen gelockt hat, dann stünden wir wohl endgültig vor dem Scherbenhaufen.
Alles muss ich ja nicht verstehen, was sich derzeit in den Räumen der Geschäftsstelle meines Herzensvereins abspielt, mein Problem derzeit ist, dass ich so gut wie nichts davon nachvollziehen kann. Ich möchte dem Verein zwar nicht absprechen, dass einige langfristige Projekte auf den Weg gebracht sind, deren Früchte wir in einigen Jahren ernten werden. Trotzdem wandelt der VfB auf einem schmalen Grat, wenn er meint, die Fangemeinde Jahr für Jahr aufs Neue nicht nur vertrösten, nein, auch verarschen zu können. Wo ist die Aufarbeitung? Wo sind die Kracher? Was ist mit dem „ein Weiter so wird es nicht geben“? Man hat das Gefühl, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Wie, wenn da unten auf dem Wasen einer säße, der austesten will, was man dem VfB-Fan noch so zumuten könnte. Meine Schmerzgrenze ist längst überschritten. Auch ich bin nicht mehr gewillt, eine weitere #Zusammenhalten-Saison mitzumachen, das war ein einmaliger, zugegebenermaßen intelligenter, Marketing-Gag, der es schaffte, Dampf aus dem Kessel zu nehmen, schließlich hätte schon letzte Saison nicht viel gefehlt, und die Lage wäre eskaliert. Umso fahrlässiger auch in der neuen Saison gerade so weiterzumachen.
Jetzt sind die Spieler, jetzt ist der Verein in der Pflicht zu liefern, sonst kehren dem Verein noch mehr Leute den Rücken. Welchen Imageverlust der VfB in den letzten Jahren erlitten hat, merkt doch jeder VfBler schon in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Wer, der nichts mit dem VfB am Hut hat, hat heute noch Verständnis dafür, dass man immer noch und der unterirdischen Darbietungen zum Trotz, bei jedem Spiel zugegen ist. Mittlerweile kann man fast überall im Ländle zahlreichere Fanartikel von Bayern, Dortmund und Schalke erwerben also vom VfB. Viele Schulkinder stehen lieber auf der Sonnenseite und wenden sich erfolgreicheren Vereinen zu, wenn sie nicht gerade aus einem dunkelroten Elternhaus kommen. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. Der VfB steht nur noch für schlechten Fußball, Misserfolg, Kundenunzufriedenheit und Chaos. Wenn die Vereinsoberen sich da noch auf die Schultern klopfen, welch tolle Arbeit sie machen, leiden sie unter totalem Realitätsverlust. Hier muss schleunigst die Kehrtwende eingeleitet werden und seit 2007 verlorenes Terrain zurückgewonnen werden.