28. April 2013
Gestern war wieder einer dieser Tage bei dem ich ein deutliches Kribbeln verspürte. Das Hannover-Spiel, Sonntag 17.30 Uhr, hatte ich leider sausen lassen müssen, da es mit dem Job nicht vereinbar war. So war das letzte Auswärtsspiel schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her. Es stand so etwas wie ein (schwäbisches) Derby an, wenn auch ein ganz junges. Gegen den FCA hatte der VfB noch nie verloren, weder in der Bundesliga noch in den 70er-Jahren in der 2. Liga Süd. Zugegebenermaßen lief man sich aber auch noch nicht allzu oft auf Augenhöhe über den Weg. Beim VfB gibt die Entwicklung der letzten Wochen durchaus Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten. Seit dem Frankfurt-Spiel, als Arthur Boka erstmals als Sechser den in dieser Saison schwach agierenden William Kvist ersetzte, als Alexandru Maxim, damals Reservist, sich als Standardspezialist in die Stammelf spielte, ist spürbar eine Weiterentwicklung festzustellen. Seitdem ist so etwas wie Spielkultur zu erkennen und die Ergebnisse stimmen auch. Der Ausfall von Kapitän Serdar Tasci konnte durch Antonio Rüdiger gut kompensiert werden. Georg Niedermeier schwang sich zum Turm in der Schlacht auf, natürlich mittlerweile durch den Abgang von Maza wieder gestärkt und unumstrittene Stammkraft und Abwehrchef. Diese Entwicklung gab mir Anlass zur Hoffnung, dass sich das Team zum Saisonende hin weiter steigern kann, und womöglich noch Chancen auf die Qualifikation für die Europa League über die Liga schaffen kann. Dies könnte keine oder eine verkürzte Qualifikationsphase zur Europa League nach sich ziehen, als wenn wir als unterlegener Pokalfinalist teilnehmen würden.
Los ging es gestern gegen 10.30 Uhr mit dem RWS-Bus. Wir erreichten das Stadion schon sehr frühzeitig gegen 13 Uhr. Da es in Augsburg am Stadion, wie eigentlich rund um alle neuen „Arenen“, so gut wie nichts gibt, wo es sich aufzuhalten lohnen würde, entschloss ich mich noch in die Stadt zu fahren und Kumpels zu treffen, die zudem noch meine Eintrittskarte bei sich hatten. Ich machte mich also auf zur Tram-Station, wo allerdings gähnende Leere herrschte und es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis die erste Bahn ankam. Als diese an mir vorbei fuhr, sah es aus, als ob die Leute teilweise „quer liegen“ würden, andere waren an die Scheiben gepresst, total überfüllt, ob dies den Sicherheitsauflagen entspricht, wage ich mal zu bezweifeln. Zunächst sah ich diese Überfüllung als Folge davon an, dass ewig keine Bahn gen Stadion fuhr und sicherlich an allen Haltestellen das Gedränge groß gewesen wäre. Als dann aber die Polizei auffuhr und sich zur Eskorte formierte, war mir schnell klar, dass hier das Commando Cannstatt und andere Insassen des Sonderzugs eintrafen. Ein Bekannter sprang mir schnell entgegen, der aufgrund der heißen Temperaturen in der Bahn glitschig wie ein Aal war.
Skandalöse Umstände wenn hier Fußballfans wie Vieh behandelt werden und diese bis zum geht nicht mehr in eine Straßenbahn gepresst werden. Dass der eine oder andere, aufgrund von Platzangst, von Erstickungsängsten, Hitzewallungen oder Geruchsbelästigungen mit Reaktionen wie Sachbeschädigungen oder Beleidigungen reagiert, kann ich nachvollziehen. Ich war auch schon mal, in Nürnberg, zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde ebenfalls, wo ich nur auf eine Bahn wartete, aufgrund meiner VfB-Utensilien gegen meinen Willen in eine Bahn gepresst, woraufhin auch meine gute Laune verflogen war. Die ganzen Umstände, rund um eine Auswärtsfahrt, werden immer menschenunwürdiger, es scheint fast, als würde man seine Menschenrechte beim Verlassen der eigenen Stadt zurücklassen. Sei es, dass man gezwungen wird, in dieser einen Bahn mitzufahren, ob man möchte oder nicht, sei es auch dass Strafen ohne Verfahren und Ermittlungen verhängt werden, sei es, dass man sich von auswärtigen Ordnungsdiensten und –hütern alles gefallen lassen muss, weil sie doch „am längeren Hebel“ sitzen und man sich nach Widersetzungen gegen noch so irrsinnige Anweisungen des Ground verwiesen werden könnte und ein Verfahren, das ein Stadionverbot nach sich ziehen könnte, am Hals hätte. Also, gilt es Ruhe zu bewahren und alles in sich hinein zu fressen. Hier bin ich ehrlich gesagt froh schon ein gesetzteres Alter erreicht zu haben und ruhiger zu sein, als vor 20 Jahren. Damals war der Rebell in mir noch weitaus ausgeprägter als heute, wo ich es, wenn auch sehr zähneknirschend, einsehe, dass man bestimmte Dinge einfach nicht zum positiven ändern kann, so schwachsinnig sie sind, welch Schikane sie auch darstellen.
Den Tramfahrer konnte ich überreden, mit der Bahn in die Stadt zurück fahren zu dürfen, obwohl es eigentlich eine Leerfahrt hätte werden sollen und die Tram offensichtlich abgestellt und einer Grundreinigung unterzogen werden sollte. Aufgrund dieser Verzögerungen, war es leider schon 14.30 Uhr als ich im Brauhaus 1516 ankam, wo meine Kumpels bereits warteten. Viel Zeit war also nicht mehr, zumal sich der Weg vom Stadion in die Innenstadt als zeitaufwändiger als gedacht erwies. Kurz nach 15 Uhr entschlossen wir uns dann, eines derer Taxis zu nehmen, die scharenweise am Bahnhof auf Kundschaft warteten. Ich hatte die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben, rechtzeitig zum Intro auf den Rängen meinen Platz eingenommen zu haben. Der Taxifahrer machte uns allerdings wenig Hoffnung auf ein schnelles Ankommen, er fuhr diese Tour zum vierten Mal an diesem Tag und war spürbar genervt, von den Staus, die er schon hinter sich hatte. Also motivierten wir ihn, sein Bestes zu geben und auf die Tube zu drücken. Unser Kutscher, ein Kroate, tat sein Bestes, uns auf dem schnellsten Weg zum Stadion zu bringen. Wir hatten großes Glück, kein Stau weit und breit, wir wurden direkt vors Stadion gefahren, gerade einmal 20 Meter neben unserem Eingang. Die Einlasskontrolle war zu meiner großen Freude sehr relaxt, nicht einmal meine Kamera wollten sie sehen, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Pünktlich zur Zelebration der Augsburger Mannschaftsaufstellung nahmen wir unsere Plätze ein. Beim Verlassen des Brauhauses hätte ich mir dies nie und nimmer vorstellen können.
Nachdem der VfB wieder einigermaßen in der Spur zu sein schien, gab Trainer Labbadia dem Kader (und sicherlich sich selbst auch!) drei Tage frei, um nach der englischen Woche mit dem Einzug ins Pokalfinale, die Köpfe frei zu bekommen und regenerieren zu können.
Gut, hinterher ist man immer schlauer, nach dem gestrigen Spiel kann man zu der Ansicht gelangen, dass die Jungs innerlich schon auf Urlaub getrimmt waren und vor allem das Spiel in Augsburg als unwichtig erachteten. Der VfB begann mit derselben Aufstellung wie beim letzten Spiel gegen Freiburg, dieselbe Einstellung jedoch fehlte von Beginn an. Dem FCA merkte man gleich an, dass sie um jeden Zentimeter fighten würden und sich mit Vehemenz gegen den drohen Abstieg stemmen würden. Der VfB dagegen begann wieder einmal viel zu abwartend und überließ dem Gegner die Initiative, was bei uns einfach selten erfolgversprechend ist. So ließen die ersten guten Chancen der Gastgeber nicht lange auf sich warten und die Brust wurde noch breiter. Breit genug war sie eigentlich sowieso schon, weil eine hervorragende Rückrunde hingelegt wird und zwei Wochen davor Eintracht Frankfurt aus dem Stadion gefegt wurde. Dies war dem VfB jedoch nicht Warnung genug, zu behäbig wurde zu Werke gegangen. Nach dem Spiel sind die Augsburger schon die viertbeste Rückrundenmannschaft, und weisen nach jämmerlichen neun Punkten in der Vorrunde, eine Bilanz auf, die aller Ehren wert ist.
Der Auftritt des VfB dagegen erinnerte eher an einen lustigen Betriebsausflug. Sie ließen sich den Schneid abkaufen und machten nicht den Eindruck, als würden sie es schaffen, die Spannung (bis zum Pokalfinale) hochzuhalten. Dies wäre eine Charakterfrage gewesen, offensichtlich ist dieser Charakter bei unserer Truppe jedoch nicht vorhanden, was wir allerdings schon vorher wussten, wenn man sich diese Saison re vu passieren lässt. Daher können wir wirklich froh sein, wenn die Saison zu Ende ist und wir nicht noch ernsthaft unten rein rutschen. Es kann uns ja theoretisch noch der Relegationsplatz drohen, auch wenn nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass Augsburg bei den Bayern gewinnt. Von der notwendigen Grundspannung für den Ligabetrieb war gestern wenig zu spüren. Klar hatte der VfB die eine oder andere Chance und hätte kurz nach der Pause durch Martin Harnik in Führung gehen müssen. Klar hat Schiedsrichter Gräfe wieder einmal ein Spiel zerpfiffen. Wenn man aber ehrlich ist, war das Spiel nur deshalb bis weit in die zweite Hälfte offen, weil die Augsburger einmal mehr ein Problem mit der Chancenverwertung hatten. Bei einem Torschussverhältnis von 22:7 für einen Abstiegskandidaten kann man nicht wirklich von einer unglücklichen Niederlage reden.
In Augsburg waren einfach zu viele Spieler überfordert, dem Kampfgeist der Augsburger etwas entgegen zu setzen und luden sie schließlich durch haarsträubende Fehler zum Tore schießen ein. Angefangen bei Ulle, der (mindestens) am ersten Gegentor schuld war, Rüdiger, dieses Mal schwach, leitete das zweite ein, Okazaki, nach seiner Einwechslung nicht bundesligatauglich, schließlich verlor den Ball zum endgültigen Knockout. Harnik schon seit Monaten nur noch ein Schatten seiner selbst. Natürlich hat er die Messlatte letzte Saison hoch gelegt, so dass man von ihm mehr erwartet, als er in den letzten Monaten auf den Platz bringt. Er selbst sieht sich wohl schon in England und kokettiert immer wieder mit einem Wechsel auf die Insel. Gemessen am gestrigen Spiel ließe sich noch der eine oder andere ebenfalls aufführen.
Labbadia höchstpersönlich gab Mitte der zweiten Halbzeit dann noch das komplett falsche Signal, in der er die beiden einzigen Aktivposten Traore und Maxim auswechselte und sein Team damit unnötig schwächte.
Letztendlich war es viel zu wenig, was uns die Jungs geboten haben. Uns und natürlich auch den anderen Kandidaten im Abstiegskampf. Dass Hoffenheim durch unsere Niederlage auf dem Abstiegsplatz verbleibt, ist eine positive Begleiterscheinung, die wohl jeder VfB-Fan goutieren wird. Vereinen wie Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf haben wir jedoch einen Bärendienst erwiesen. Die sind jetzt wieder mittendrin statt nur dabei im Abstiegskampf. Ich bin grundsätzlich weder Freund eines Auslaufenlassens am Ende der Saison, wenn es um nichts mehr geht, genauso wenig wie der eines übertriebenen Rotationsprinzips, wie es Bayern und Dortmund momentan an den Tag legen. Deren Qualität ist allerdings groß genug, ihre Spiele trotzdem zu gewinnen, so dass von Wettbewerbsverzerrung keine Rede aufkommen muss. Wenn aber ein VfB so leidenschaftslos daherkommt, zudem nach einer dem Vernehmen nach nicht (ausreichend) vorhandenen Vorbereitung, kann ich den Unmut der anderen Abstiegskandidaten verstehen, haben wir doch Augsburg zum Rekordsieg ihrer Bundesligazugehörigkeit verholfen. Andererseits bräuchte sich gerade Werder Bremen nicht darüber zu beklagen, hatten sie doch 2004 als feststehender Meister ein 2:6 zu Hause gegen Leverkusen, das mit uns um die CL-Qualifikation buhlte, hingelegt, ein Ergebnis, das zwei Wochen zuvor natürlich nie und nimmer zustande gekommen wäre. Am letzten Spieltag dann überholte uns Leverkusen schließlich im direkten Duell, dem letzten mit Felix Magath auf unserer Trainerbank, bevor er zu den Bayern wechselte. Wenn man sich die finanzielle Diskrepanz zwischen Champions League und dem damaligen UEFA-Cup anschaut, hat uns diese Abschenken der Bremer richtig Geld gekostet.
Spätestens seit damals ärgert es mich sehr, wenn sich Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, einfach hängen lassen.
Beim VfB muss diese Saison nach dem Finale in Berlin gnadenlos aufgearbeitet und tunlichst vermieden werden, dieser Saison Schönes abzugewinnen, weil wir ins Finale eingezogen und für die Europa League qualifiziert sind. Zu gut meinte es die Losfee in beiden Wettbewerben mit uns, um dass man das Erreichen des Pokalfinales im DFB-Pokal bzw. des Achtelfinals in der Europa League überbewerten sollte. Der Alltag in der Bundesliga war trist, die Leistungen oft erschreckend schwach, sowohl spielerisch als auch vom Engagement her, dazu wurden einige sang- und klanglose Niederlagen hingenommen, die richtig weh taten.
Trotzdem soll dies die Vorfreude auf das große Finale in Berlin nicht schmälern. Wenn ich denn aus der Ticketlotterie erfolgreich herausgehen werde, wird es nach 1986, 1997 und 2007 mein viertes Finale mit dem VfB werden. Die Aussichten auf „meinen“ zweiten Pokalsieg nach 1997 sind sicherlich überschaubar, doch muss auch dieses Spiel erst einmal gespielt werden. Um den in dieser Saison übermächtigen Bayern ernsthaft Paroli bieten zu können, muss auf jeden Fall ein Sahnetag her. Es muss der gleiche Biss an den Tag gelegt werden wie gegen den BVB vor ein paar Wochen, auch wenn es den großen Bayern weh tun sollte. Legt man eine Passivität an den Tag wie in beiden bisherigen Saisonduellen gegen die Bayern oder wie auch gestern, dann werden wir wohl einer historischen Schmach beiwohnen müssen. Bis dahin jedoch ist es noch ein weiter Weg. Einiges dürfte auch vom Abschneiden der Bayern in der Champions League abhängen. Nach einer Final-Niederlage in Wembley gegen den BVB könnten unsere Chancen sprunghaft ansteigen, weil dann bei dem einen oder anderen Bayern-Spieler die große Leere aufkommen dürfte. Auch wird man bis dahin sehen, ob es der VfB schafft, die Spannung hochzuhalten. Der VfB hat nach dem letzten Spieltag zwei Wochen Zeit, sich auf Berlin vorzubereiten. Ich hoffe, sie nutzen diese Zeit, um zu trainieren, trainieren, trainieren. Freie Tage scheinen das falsche Signal ans Team zu sein!
Wenn man sich die Namen vor Augen führt, die beim VfB schon so gut wie fix sein sollen für die kommende Saison, macht es mir durchaus Hoffnung, dass die mageren Jahre vorbei sein könnten. Leute wie Schwaab, Rausch, Leitner und Lasogga haben zum Teil schon das Zeug dazu, die Qualität anzuheben und den Konkurrenzkampf auf einem höheren Niveau anzuheben. Spannend würde dann werden, wer uns im Gegenzug verlassen wird. Allerdings hege ich immer große Zweifel, wenn ich höre, an wem Interesse bestehen würde, jedoch noch kein Vertrag unterzeichnet ist. Dieser Status ruft bekanntlich andere Vereine auf den Plan, die ein paar Euro fuffzig mehr bieten können und die Spieler zum „umdenken“ bewegen könnten.
Wenigstens ist Sararer bereits fix. Aus dem Frankenland, von Leuten, die den Spieler besser kennen als ich, wurde mir bereits zu diesem Transfer gratuliert und in Aussicht gestellt, dass wir uns auf ihn freuen dürften.
Für mich war das Augsburg-Spiel das letzte Auswärtsspiel des VfB in dieser Saison, Schalke lasse ich aus, da wir sonntags am Millerntor beim Spiel FC St. Pauli (mit Paddy Funk) gegen das seit diesem Wochenende als Aufsteiger feststehenden Eintracht Braunschweig (Glückwunsch Ermin Bičakčić!) zu Gast sein werden. Ich war lange am überlegen, samstags noch Schalke mitzunehmen und von dort aus nach Hamburg zu fahren. Das wäre insgesamt jedoch ziemlich stressig geworden. Außerdem ist in Hamburg an besagtem Wochenende auch einiges, wie u. a. der Hafengeburtstag geboten und zählt auch die Turnhalle nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstadien. Angesichts der Leistung von gestern hält sich meine Enttäuschung heute auch in Grenzen, mich so entschieden zu haben.
Auch danach warten noch einige Highlights, auf die ich mich freue, wie die inzwischen schon traditionelle Floßtour mit dem OFC Leintalpower 05 vor dem letzten Heimspiel, dem Champions League Finale in London, wofür ich in der Verlosung endlich einmal erfolgreich war und schließlich das DFB-Pokalfinale in Berlin.
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11. November 2012
„Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“, ein inzwischen geflügeltes Wort unter den Fans, die den VfB öfter auch über die Landesgrenzen hinaus begleiten. Eine Floskel, die durchaus wiedergibt, welch unnötige Niederlagen im Gepäck gegen nicht unbedingt als stärker einzuschätzende Teams man des Öfteren eingesteckt hat, wenn es wieder auf die Heimreise geht. „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“ kommt einem auch wieder in den Sinn, wenn man sich die Gruppengegner bewusst macht, und dass man gegen diese nach drei Spielen gerade mal zwei läppische Pünktchen auf der Haben-Seite hat. Noch bei der Auslosung sagte fast jeder, gut, die Gegner nicht besonders attraktiv, dafür ist das Weiterkommen kein Problem. Fahren wir eben in der nächsten Runde nach Liverpool oder Mailand….
Die Auswärtstouren an sich wollen ja frühzeitig, bestenfalls direkt nach der Auslosung, gebucht werden, da man schon am Tag der Auslosung stündlich beobachten kann, wie die Preise bei den Flugsuchmaschinen in die Höhe schnellen. Nachdem Molde bei mir leider zeitlich nicht hinhaute, entschied ich mich dafür, dann wenigstens Kopenhagen und Bukarest einzutüten. Lange musste ich also warten, auf die erste Auswärtstour nach Lissabon im Februar 2011. Meine größte Sorge war, dass nach dem Spiel in Kopenhagen in der Gruppe schon alles vorbei sein könnte und wir nur noch zum „Betriebsausflug“ ohne sportlichen Anreiz nach Bukarest reisen würden.
Doch, wie es auch für das Team gilt, sollte man zunächst den ersten Schritt bewältigen, bevor man an den zweiten denkt. Also ging es für uns am Mittwoch erst einmal in die dänische Hauptstadt. Ich freute mich wie ein kleines Kind darauf, endlich wieder international unsere Farben in die Welt hinaus zu tragen und darauf, mit etwa 2.500 Gleichgesinnten, die dänische Hauptstadt in ein weiß-rotes Meer zu tauchen. Wir buchten einen Flug ab Stuttgart, mit Umstieg in Amsterdam bei der Königlich Niederländischen Fluggesellschaft KLM. Der Rest unserer Clique nahm einen Direktflug vom Euroairport Basel-Mulhouse-Fribourg. Uns war dieser Weg zum Flug dieses Mal zu weit, flogen wir doch bereits nach Barcelona und Lissabon von diesem Airport ab und steckten auf der Rückfahrt jeweils freitags stundenlang im Wochenend- und Feierabendverkehr auf der A5 und A8 fest. So fanden wir uns am Mittwoch pünktlich gegen 13.45 Uhr am Boarding-Gate ein, um zu erfahren, dass der Flug aus Amsterdam erst gut zwei Stunden später als geplant eintreffen würde. Wie es dann weiter gehen würde, würden wir erst in Amsterdam erfahren, das konnte, wollte oder durfte uns das Stuttgarter Bodenpersonal nicht sagen. Für den ungeplanten, längeren Aufenthalt in Stuttgart erhielten wir jeweils einen 5-Euro-Gutschein, mit dem man bei den Preisen dort oben nicht weit kommt, blätterte ich doch schon für eine halbe Bier 5,70 € hin. Eine weitere Verzögerung in Stuttgart blieb uns erspart. In Amsterdam angekommen, machten wir uns am riesigen Amsterdamer Flughafen Schiphol auf den Weg, einen KLM-Schalter zu finden, leider erfolglos. Auf Nachfrage wurden wir zu Automaten gelotst, an denen wir erfuhren, dass wir auf den Flug um 20.55 Uhr umgebucht wurden. Neben dem Flugticket bekamen wir dort noch einen 10-Euro-Verzehrgutschein, einen 50 Euro-KLM-Fluggutschein sowie einen Voucher für eine niederländische Telefonkarte mit ausgedruckt, den wir am Flughafen hätten einlösen können. Da aber überall freies WLAN vorhanden war und wir niemanden groß zu informieren hatten, verzichteten wir darauf, diesen einzulösen. Bei den Preisen am Flughafen waren auch die 10 Euro nicht unbedingt das wert, was wir „draußen“ dafür bekommen hätten, aber immerhin. Wir „gönnten“ uns auf Kosten von KLM ein Menü beim dortigen Burger King und kamen wenigstens nicht hungrig in Dänemark an. Später erfuhr ich dann, dass der Rest unserer Truppe unweit des Hotels in Kopenhagen ein indisches Buffet zu sich nahm, was es mich auf einmal positiv sehen ließ, dass wir beim Burger King noch „gewohnte“ Kost zu uns nehmen konnten. Statt um 18.15 Uhr sollten wir knapp vier Stunden später als geplant in Kopenhagen eintreffen. Den Weg zum Hotel hatte ich bereits zu Hause verinnerlicht, so dass wir am Kopenhagener Airport Kastrup schnurstracks in Richtung Bahnhof liefen und von dort die etwa 10-minütige Fahrt zum Hauptbahnhof antraten. Dank Google Streetview liefen wir bereits im Hauptbahnhof in die richtige Richtung, so dass wir bereits knapp 45 Minuten nach der Landung im Copenhagen Crown Hotel einchecken konnten. Wenn man in einer großen Gruppe unterwegs ist und diese möglichst alle im selben Hotel untergebracht sein wollen, muss man sicherlich den ein- oder anderen Abstrich machen. So auch bei diesem Hotel, das für dänische Verhältnisse günstig war und zentral gelegen ist, Stichwort „kurze Wege“. Die sanitären Einrichtungen jedoch waren stark renovierungsbedürftig und nicht wirklich sauber. Das Frühstück sehr spartanisch und der Kaffee für mich ungenießbar. Als Kaffeejunkie, der einfach nicht in die Gänge kommt, wenn er morgens keinen gescheiten Kaffee bekommt, ein No-Go. Daher ließ ich am zweiten Tag das Frühstück komplett ausfallen und lief lieber in Richtung des Bahnhofs, um in einem Cafe meiner Sucht zu frönen.
Nach kurzem Check-In und frisch machen machten wir uns umgehend auf den Weg, die anderen zu suchen. Kaum aus dem Hotel raus kam uns schon ein Pärchen entgegen, die uns sagten, wo „ungefähr“ sich die anderen aufhalten würden. Die fanden wir dann auch, keine 200 Meter vom Hotel entfernt. Schnell merkten wir, dieser Anreisetag hatte dem Rest der Truppe Tribut abverlangt. Die Verluste waren riesig, saß doch gerade noch ein Haufen von fünf Leuten zusammen, alle anderen hatten sich mehr oder weniger heftig und zu früh abgeschossen oder waren einfach müde. Wir kamen eigentlich recht fit und vor allem durstig an, starteten wir doch noch recht spät und gemütlich in diesen Anreisetag. Auch die Wartezeit an beiden Flughäfen hat mich weniger geschlaucht oder geärgert, ändern konnte man es ja sowieso nicht, also nutzte auch alles herum lamentieren nichts, zumal wir ja noch am Tag vor dem Spiel ankamen. Wir freuten uns jedenfalls über die bekannten Gesichter und hatten in einem netten Pub auch noch einen schönen Restabend.
Am nächsten Morgen nach dem unbefriedigenden Frühstück hatte es ein Teil unserer Truppe eilig und konnte nicht warten, bis die letzten fertig waren, so dass diese bereits die Stadtbesichtigung in Angriff nahmen, während wir noch warteten und kurz darauf im, Gott sei Dank, kleinen Kreis aufbrachen. Gott sei Dank deshalb, weil ich es eher gemütlich haben wollte und noch irgendwo einen gescheiten Kaffee benötigte, anstatt dem „Reiseleiter“ ohne Rast und ohne Ziel hinterher zu hecheln. Trotz leichten Nieselregens entschieden wir uns, zum späteren Fantreffpunkt, Nyhavn, zu gehen und nicht, wie die Anderen, den Bus zu nehmen und marschierten also in Richtung Wasser. Kopenhagen-Erfahrene haben nicht zu Unrecht von der dänischen Metropole geschwärmt, es gibt schon sehr nette und urige Ecken in der mit vielen Wasserwegen gespickten Stadt. Zu einer anderen Jahreszeit ist es sicher noch prickelnder, um einen bleibenden Eindruck zu gewinnen, genügte aber auch dieser eine Tag. Am Nyhavn-Gebiet angekommen, sahen wir schon zur Mittagszeit einige VfBler, schließlich sind die Busse auch inzwischen eingetroffen. In einem Pasta-Schnellimbiss aßen wir noch kurz etwas, man weiß ja an Spieltagen nie, ob es nach dem Spiel noch etwas geben würde. Außerdem sah ich in diesem Laden ein Segafredo-Emblem, was für guten Kaffee sprach. Nachdem ich endlich etwas Vernünftiges im Magen hatte und zudem der Kopf langsam fit wurde, war die Zeit gekommen, sich fürs Spiel einzustimmen und das ein oder andere Bierchen zu trinken. Einige unserer Bekannten trafen wir dort auch gleich wieder, der Rest war noch mit der Stadtbesichtigung zugange. Dass die Preise skandinavisch hoch sein würden, darauf waren wir gefasst. Eine halbe Bier für etwa 7 Euro, schon happig. Ich allerdings sehe den Trip im Gesamtpaket mit Bukarest, wo wir sicherlich wieder einiges einsparen werden. So verweilten wir einige Zeit in einer netten Seemannskneipe. Wir nahmen morgens schon alles mit, was wir für den Stadionbesuch benötigen würden, die Anderen mussten noch einmal zurück zum Hotel. So waren wir kurzzeitig nur noch zu dritt und gingen nach draußen, wo sich die Straße zunehmend mit VfBlern gefüllt hatte und wo wir jede Menge bekannte Gesichter trafen und den einen oder anderen Smalltalk hielten. Unter Anderen sprach ich auch mit unserem Fanbetreuer Christian Schmidt sowie unserem Stadionsprecher und vfbtv-Gesicht Holger Laser, die beide mit der Mannschaft anreisten. Ich erkundigte mich natürlich sofort, wie die Jungs drauf sein würden und welchen Eindruck sie sonst machen würden. Mir wurde versichert, das Team wäre voll fokussiert darauf, aus Kopenhagen etwas mitzunehmen und dass der Trainer auch nicht in Erwägung ziehe, nicht mit der bestmöglichen Mannschaft aufzulaufen. Außerdem wäre es eine ungeheure Motivation für sie, dass sie von so vielen Brustringträgern begleitet werden würden. Diese Aussagen gingen natürlich runter wie Öl und machten mir erstmals Hoffnung an diesem Tag, dass das Team die diesjährige Europa League nicht sang- und klanglos abschenken würde, um sich nur noch auf Pokal und Bundesliga zu konzentrieren. An diesem Fantreffpunkt fielen mir aber auch Jungs auf, die ich noch nie gesehen hätte und welche, die man zwar kennt, auf deren Anwesenheit man bei Auswärtsspielen aber lieber verzichten würde. Polizeipräsenz war auch vorhanden, jedoch waren es die wahren Freunde und Helfer, die einem Infoflyer in die Hand drückten und für das eine oder andere Erinnerungsfoto zur Verfügung standen.
Je mehr sich der Platz füllte, desto mehr hatte man den Eindruck, die Bierpreise würden steigen, kostete doch ein Fläschchen Tuborg auf der Straße schon so viel, wie zuvor eine Halbe in der Kneipe. Zu dritt entschlossen wir uns dann, schon einmal in Richtung des Stadions zu laufen, in der Hoffnung, ferner ab des großen Trubels noch eine Kneipe mit moderateren Preisen zu finden. Tatsächlich fanden wir nach längerem Marsch eine nette Kneipe und kehrten noch einmal ein. Ich stürmte nach dem langen Weg erst einmal in die Toilette, nicht ohne die beiden Anderen zu beauftragen, mir eine Halbe mitzubestellen. Als ich zurück kam, bekam ich jedoch zu hören, sie hätten mir nichts mitbestellt, hier wäre das reinste Bierparadies, was sich beim Blick in die Karte auch bestätigte. Meine Leib- und Hausmarke, Franziskaner Weißbier, mitten in Kopenhagen, dazu bestimmt weitere 50 Sorten international bekannter Biermarken. Da ließ ich mich natürlich nicht zwei Mal bitten. Preislich in etwa so, wie wir zuvor auch schon bezahlt hatten, ging also… Dass wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten, bemerkten wir, als wir hörten, dass die Karawane der VfB-Fans lautstark, durch Gesänge, aber auch durch Kanonenschläge, unweit von unserem Lokal vorbei zog. Drei Franzis später liefen wir dann den Spuren, die die Karawane hinterlassen hatte, hinterher und kamen, nach viel längerem Fußweg als gedacht, erst gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn recht geplättet am Stadion Parken an.
Nach der Pyro-Einlage in Molde und nach der Erkenntnis von der Karawane, dass auch dieses Mal reichlich Munition vorhanden sein würde, rechnete ich eigentlich mit strengen Einlasskontrollen und machte mir ernsthaft Sorgen, ob wir rechtzeitig Einlass finden würden. Diese Sorge aber war unbegründet. Es befand sich zwar eine lange Schlange vor dem Eingang unseres Blockes D2, die Kontrollen waren aber vergleichsweise lasch, so dass sich kaum einer eine länger als 10 Sekunden andauernde Abtastprozedur unterziehen musste.
Nachdem ich an den Verpflegungsständen weitere Bekannte traf, ging es hinein in ein wirklich schmuckes Stadion, ein neuer Ground, sogar ein neuer Länderpunkt, wie die Groundhopper, zu denen ich nicht zu zählen bin, zu sagen pflegen. Dafür bin ich noch zu wenig und vor allem bei zu wenig Spielen ohne VfB-Beteiligung unterwegs. Dennoch freue ich mich jedes Mal tierisch darauf, wenn es in ein Stadion geht, in dem ich noch nicht war. Der Block war erwartungsgemäß bereits gut gefüllt. Aus Macht der Gewohnheit suchte ich zunächst die auf meiner Karte aufgedruckte Reihe 13 auf, um schnell festzustellen, dass es trotz der bei internationalen Spielen obligatorischen Sitzplätze, freie Platzwahl gibt und die vorderen Reihen dem Commando Cannstatt vorbehalten sind. Dennoch, wie es der Zufall so will, standen just in dieser Reihe direkt an der Treppe weitere Freunde von mir. Nach einem kurzen Plausch schaute ich rundherum, und sah ganz oben im Block die Arme von Anita wedeln und dass sich dort die Anderen, die wir teilweise seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatten, versammelt hatten. Also ging ich auch dort hoch und holte zum ersten Mal meine Kamera heraus, um einmal rundherum zu knipsen. Dass die Gastgeber eine Choreo geplant hatten, sah ich bereits an den auf Kopenhagener- und Gegentribüne an den Plätzen ausgelegten Tafeln. Die Spieler beider Mannschaften waren sich bereits eifrig am Aufwärmen und gingen kurze Zeit später schon zurück in die Katakomben, für eine letzte Konzentrationsphase und um die letzten Anweisungen der Trainer in Empfang zu nehmen.
Den Einlauf der Mannschaften verpasste ich, weil ich damit beschäftigt war, die Choreographie der dänischen Fans über zwei Tribünen zu fotografieren. Nachdem die VfBler, wie in den letzten Spielen auch, zu einem letzten Einschwören einen Kreis bildeten ging es auch gleich los.
Meine Erwartungen an das VfB-Team waren die, dass sie sofort untermauern sollten, dass hier unbedingt gewonnen werden muss. Trainer Labbadia unterstrich dieses Vorhaben, indem er anstelle vom zuletzt starken Spielmacher Raphael Holzhauser Shinji Okazaki als zweite Sturmspitze aufbot. Ansonsten spielte noch Molinaro für Boka im Vergleich zum Auftritt in Dortmund. Der Beginn des Spiels spiegelte meine Erwartungen leider noch nicht wider. Anstelle des VfB übernahmen zunächst die Dänen das Kommando und kamen zu ersten zaghaften Torannäherungen. Dass Fußball ein einfaches Spiel ist, zeigt sich immer wieder, wenn man international auf eigentlich limitiertere Teams trifft, die es schaffen, dem VfB durch eine solide Grundordnung den Zahn zu ziehen. Nach einer Viertelstunde hatten die Dänen die erst Großchance des Spiels, als sich Gentner und Tasci nicht einig waren, doch der seit Wochen solide spielende Sven Ulreich parierte glänzend. Auch nach gut 35 Minuten hatte der VfB bis auf zwei, drei zaghafte Torannäherungen nichts Nennenswertes zustande gebracht. Harmlos, wenig kreativ, nicht zielstrebig genug, Ballverluste im Spielaufbau und wenn mal freie Schussbahn war, kamen Schüsschen heraus, über die auch ein Kreisliga-B-Keeper nur milde gelächelt hätte.
Action gab es dann (leider) auf den Rängen anstatt auf dem Spielfeld. Angefangen hat es relativ harmlos mit einer Pyroshow. Als Stadionfotograf liebe ich solche Bilder und bin auch bei denen, die eine Legalisierung des kontrollierten Abbrennens fordern. Es macht die Stadionatmosphäre noch bunter und lebhafter und ist ein Stilmittel der Fankultur, wenn verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Nichts anderes fordern ja die Ultravertreter. Ich für meinen Teil fühle mich beim Stadionbesuch nach wie vor sicher und muss ja nicht mittendrin stehen, wenn ich Ängste hegen sollte, mich könnte so ein Teil verletzen. Was aber überhaupt nicht geht sind die danach abgefeuerten Feuerwerkskörper und das zünden von Böllern. Ein jeder wird es an Silvester schon einmal erlebt habe, welch Ohrensausen, bis hin zum Knalltrauma, ein in unmittelbarer Nähe abgefeuerter Böller verursachen kann. Trauriger Höhepunkt waren dann aber die Feuerwerksraketen, die vom Stadiondach abprallten und aufs Spielfeld fielen. Nicht auszudenken, wenn jemand davon getroffen worden wäre und Verbrennungen davon getragen hätte. In diesem Moment schämt man sich einfach nur noch für eine kleine Gruppe Unverbesserlicher, die unsere Stadt, unseren Verein, unser Wappen zutiefst beschädigen und in den Dreck ziehen. Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden können. Lange musste man mit einem Spielabbruch rechnen, dazu kam es Gott sei Dank nicht. Dass dem VfB die Punkte am grünen Tisch entzogen werde könnten, diese Befürchtung hege ich nicht. Nach meinem Kenntnisstand sind wir international nicht vorbestraft. Den VfB wird voraussichtlich eine hohe Geldstrafe und uns Fans womöglich in Bukarest strengere Einlasskontrollen und sonstige Restriktionen drohen. Das Commando Cannstatt hat sich inzwischen klar und deutlich von den Raketen- und Böllerabschüssen in Richtung Rasen distanziert und verwies auf den von der Ultra-Szene auferlegten Ehrenkodex, eben keine brennenden Gegenstände aufs Spielfeld zu werfen bzw. schießen und keine Böller zu zünden. Laut einiger Zeugenberichte besteht der Verdacht, dass diese Gegenstände überhaupt nicht von VfBlern sondern möglicherweise von Lauterer und Cottbusser „Fans“ geworfen wurden, die eine „Freundschaft“ zu Stuttgarter Althools hegen und mit denen im Stadion zugegen waren. Solche Gruppen sind meist auf der großen internationalen Bühne anzutreffen, so z. B. auch letztes Jahr beim EM-Qualifikations-Spiel Österreich-Deutschland in Wien. Ob dies damit zusammenhängt, dass einige derer in Deutschland Stadionverbot haben oder ob es darum geht im Ausland einen auf dicke Hose zu machen, weiß ich nicht, da ich in solchen Kreisen nicht verkehre. Fakt ist aber auch, dass sie die Karten durch beim VfB registrierte Fans erhalten haben müssen. Diese müssen sich fragen lassen, ob ihnen der VfB tatsächlich am Herzen hängt.
Die Aussagen dazu nach dem Spiel von Manager Bobic und Präsident Mäuser machen mir Hoffnung, dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt nach der Tat die Aufklärungsarbeit weit voran geschritten sein könnte, da beide sehr wohl zu differenzieren wussten und nicht auf „DIE Fans“ eingedroschen haben. Irritiert hat mich lediglich die Aussage von Mäuser, die dem Fanausschuss für den Fall ausbleibender Randale zugesicherten 15.000 Euro „hätten sie verspielt“. Vermutlich war es eine Gruppe von etwa 25 Leuten, also 1% der VfB-Anhänger, die das Image zutiefst beschädigten. Alle anderen, wirklich alle, gaben ein großartiges Bild in der dänischen Hauptstadt ab. Ich bin gottfroh, dass auch bei diesen Vorfällen die dänischen Ordnungs- und Sicherheitskräfte kühlen Kopf bewahrten und nicht planlos den Block gestürmt haben. Großen Respekt für diese Besonnenheit.
Ich habe mich unheimlich geschämt in diesen Momenten, weil mir sofort klar war, dass es, egal wie das Spiel ausgehen würde, diese Bilder sein würden, die in die Welt transportiert werden. Und das zur Unzeit. Wasser auf die Mühlen derer, die Käfighaltung für Fans fordern und möglichst alles abschaffen möchten, was den Stadionbesuch so einzigartig macht. Absolut kontraproduktiv für die Debatten um den Erhalt der Fankultur. Und das Traurige daran ist, dass sich diejenigen, die darum kämpfen, nicht einmal an die eigene Nase fassen müssen, sondern, offensichtlich, von Leuten konterkariert werden, denen es ausschließlich um die „3. Halbzeit“ geht. Bin immer noch stinksauer.
Danach war an ein ordentliches Fußballspiel kaum mehr zu denken. Wir schämten uns ob der Vorfälle und diskutierten, ob der Ausgang des Spiels womöglich letztendlich egal sein würde, weil uns ein möglicher Sieg sowieso wieder aberkannt werden könnte. Ich war in dieser Hinsicht weniger skeptisch als einige Bekannte, da beim VfB doch relativ wenig passiert. Wenn die UEFA solch harte Geschütze auffahren würde, müssten wahrscheinlich in jeder Runde Spiele am grünen Tisch umentschieden werden. Klar ist aber auch, dass so etwas nie mehr vorkommen sollte, um die UEFA nicht weiter herauszufordern. Rapid Wien hatte nach mehreren Verfehlungen seiner Fans anfangs dieser Saison ein Geisterspiel auszutragen. Wie gesagt, ich hoffe, Zeugenaussagen tragen dazu bei, die Täter ausfindig zu machen, dass diese zur Rechenschaft gezogen und zur Kasse gebeten werden können. Wie von mehreren Seiten kommuniziert, wird am Montag der Fanausschuss turnusgemäß zusammen kommen und auch (natürlich) über diese Vorfälle beraten. Hoffentlich wird der interessierten Öffentlichkeit das Ergebnis der Zusammenkunft nicht vorenthalten.
Das Spiel fand dann irgendwann doch seine Fortsetzung. Der für mich erste ernsthafte Torschuss stellte eine Kopfballchance von Okazaki in der Schlussminute der ersten Halbzeit dar. Eindeutig zu wenig in einem Spiel, das unbedingt gewonnen werden muss.
Nach Presseberichten sollen die Böllerwerfer in der Halbzeit schon das Weite gesucht haben, soviel dazu, wie viel diesen Feiglingen das Geschehen auf dem Rasen wert war.
Nach Wiederbeginn auf dem Platz das unveränderte Bild. Kaum zwingende Aktionen, beide Teams neutralisierten sich weitestgehend. Nach 65 Minuten, also bereits 155 gespielten Minuten beider Mannschaften stand noch immer auf beiden Seiten die Null, als Labbadia Boka für den dieses Mal wirkungslosen Traoré brachte. Ein Wechsel, den ich erst einmal überhaupt nicht mitbekam, wurde doch auf den Rängen weiter heftig diskutiert.
Schon bald aber erkannte ich unseren kleinen Ivorer auf dem Platz, da über dessen linke Seite auf einmal merklich mehr lief. Boka war unheimlich präsent, zog auch in die Mitte und versuchte zum Torabschluss zu kommen. Ihm war deutlich anzumerken, dass er sich etwas vorgenommen hatte. So war es schließlich kein Zufall, dass er es war, der knapp eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung punktgenau auf unseren Knipser Vedad Ibisevic flankte und dieser per Kopf zum 0:1 traf. Ein Tor, an das ich fast nicht mehr zu glauben wagte. Kurz zuvor stieg noch einmal Rauch aus dem Ultrablock auf. Hier denke ich, haben sich die Jungs selbst diszipliniert, und den Bengalo vorsichtshalber gleich wieder gelöscht haben, um nicht weiteren Ärger zu provozieren. Bravo, wenn die Selbstreinigung soweit funktioniert.
Kurz vor Spielende erlöste uns unser Ösi Martin Harnik, als er von seiner rechten Seite nach innen zog und sehenswert ins lange Eck schlenzte. 0:2, der so sehr ersehnte erste Sieg in der Europa League war unter Dach und Fach. Dieser Sieg spült uns in der Tabelle auf den zweiten Platz, was uns wieder alle Möglichkeiten eröffnet. Selbst der Gruppensieg ist jetzt noch drin, wenn in Bukarest gewonnen werden sollte. Der Mannschaft war es nach den Vorkommnissen und der aufgeheizten Atmosphäre (auch die Dänen ließen sich anstecken und warfen Feuerzeuge in Richtung Sven Ulreich) nicht nach großer Party vor der VfB-Kurve, wofür ich an diesem Tag vollstes Verständnis hatte. Die Spieler liefen kurz an uns vorbei und klatschten uns zu, danach verschwanden sie im Bauch des Stadions. Einzig der Ex-Kopenhagener William Kvist war ein gefragter Gesprächspartner und eilte von Kamerateam zu Kamerateam. Alles in allem also ein erfolgreicher Abend mit einem VfB, der zumindest vom Ergebnis her, den Aufwärtstrend unterstrich.
Sehr überrascht war ich dann, dass die im Flyer vorher angekündigte „mögliche“ Blocksperre nicht angewandt wurde und wir sofort das Stadion verlassen durften. Auch hier Kompliment an die Dänen, sowohl Fans als auch Sicherheitskräfte, die trotz der Vorfälle, genau so liberal, freundlich und hilfsbereit waren wie zuvor. Kein böses Wort, kein Gepöbele, auch hier noch einmal Respekt von meiner Seite. Wir wollten dann auf schnellstem Weg in die Stadt zurück, möglichst nicht mehr viel laufen und nahmen, nachdem auch in einer gefühlten Ewigkeit kein Bus kam, ein Taxi und fuhren direkt zu Streckers – Vesterbro Bryghus in der Nähe des Tivoli und des Hauptbahnhofs, wo bereits einige andere unserer Clique auf uns warteten. Dort verbrachten wir noch einen netten Abend, und trafen weitere Bekannte, die die Nacht noch in der Stadt verbrachten, was mich sehr freute.
Am Freitag ging es dann wieder zurück, drei Punkte im Gepäck und die Erkenntnis, dass einige wenige Idioten, die mit dem VfB rein überhaupt nichts am Hut haben (dazu zähle ich auch die, die denen die Karten besorgt haben!), einem einen solchen Trip vermiesen oder zumindest ein bitteres Gschmäckle verpassen können.
Jetzt bin ich froh, dass mein Bericht Sonntag um die Mittagszeit fertig geworden ist. Rechtzeitig noch, um ab sofort die Vorbereitungen für das Hannover-Spiel aufnehmen und mich frühzeitig bei unserem Treffpunkt im SSC einfinden zu können.
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13. April 2010
Schon im Herbst letzten Jahres, nach der gemeinsamen Tour mit unserem Trainingslager-Stammtisch zum Spiel in Hamburg, entschlossen wir uns, auch zusammen zum Spiel nach Berlin zu fahren. Wegen der sehr kurzfristigen endgültigen Terminierungen der Spiele buchten wir von Freitag bis Montag, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Die Zugtickets waren frühzeitig gebucht, doch leider bekam Anita den lange als Urlaub eingereichten Freitag nicht frei, so dass Anita und ich kurzerhand die Zugfahrt stornieren mußten und mit dem Auto hinther kamen. Um 15.30 Uhr am Freitag kamen wir schließlich los. Gott sei Dank waren allerortens noch Osterferien, so dass die Verkehrslage weitgehend entspannt war. Wir fuhren relativ gemütlich und schafften die 630 Kilometer in ziemlich genau 6 1/2 Stunden, trotz einiger kleiner Pausen. Gegen 22 Uhr erreichten wir also unser Holiday Inn Express Hotel in der Stresemannstraße in Berlin-Mitte, nahe des Potsdamer Platzes. Da uns die “Zugfahrer” bereits angekündigt hatten, war alles schon vorbereitet und der Check-In ging ratzfatz. Im Zimmer angekommen, nahmen wir sofort Kontakt mit den anderen auf, die uns gleich darum baten, auf dem schnellsten Wege, also mit dem Taxi, ins Klo zu kommen, wo wir reserviert hatten und wo es richtig klasse wäre. Wir ließen uns natürlich nicht zwei Mal bitten und folgten diesem Aufruf. Etwa um 23 Uhr erreichten wir diese Kultgaststätte, in der man einmal gewesen sein muß, was dann aber, um es vorweg zu nehmen, auch reicht. Nach der langen Autofahrt freute ich mich natürlich auf mein erstes Bier, das ich dann auch prompt serviert bekam. Meine Augen wurden aber groß, da es in großen Urinbechern ausgeschenkt wird. Ich trinke grundsätzlich nicht gerne aus Plastikbechern, dies war aber besonders gewöhnungsbedürftig. Ein Bier kostete stolze 8,20 Euro bei einer Abgabemenge von 0,6 bis 0,8 Litern. So genau nahmen es die Bediensteten dabei nicht. Drei Getränke später ging es dann ans Zahlen, was bei einer gemeinsamen Rechnung für 12 Leute gar nicht so einfach ist. Anita und ich waren ja noch nicht so lang da wie die Anderen, so dass es bei uns noch am Einfachsten war. Insgesamt belief sich die Rechnung auf rund 300 Euro, ich denke, wir düften wieder kommen, wenn wir denn wollten.
. Das Klo ist eine kultige Erlebniskneipe im alten Zentrum Berlins nahe des Ku’Damms. Der Zusatz “Betreten auf eigene Gefahr” ist durchaus ernst zu nehmen, weil einen doch einige Überraschungen erwarten können, wenn dem Personal danach ist.




Auch im Klo entdeckt: Mädel mit Hammel-Tatoo
Wir fuhren dann nach dem Zahlen aber mit dem Taxi zum Hotel, wo wir in der gegenüberliegenden Kneipe noch etwas tranken, bevor wir nach dem anstrengenden Tag in die Falle fielen.
Der Morgen begann natürlich mit einem ausgedehnten Frühstück, das für ein Viersternehotel für meinen Geschmack etwas eintönig war, zumindest wenn man drei Nächte dort verweilt. So gab es nur gekochte Eier, die auch noch steinhart waren, jedoch keine Rühr- oder Spiegeleier. Die Obstauswahl war dürftig und wenn etwas aus war, dauerte es relativ lang, bis wieder nachgefüllt wurde. Ich möchte aber nicht nur nörgeln, die Brötchen waren frisch, es gab sechs Sorten Marmelade zur Auswahl, der Kaffee war o.k. und Lebensmittel wie Butter oder Wurst wurden gut gekühlt. Alles in allem war das Frühstück schon o. k. und vor allem frisch, man findet ja doch immer ein Haar in der Suppe.
Für 11 Uhr verabredeten wir uns dann in der Hotel-Lobby, um Richtung Stadt aufzubrechen. Der Anhalter-Bahnhof befindet sich etwa 300 Meter vom Hotel entfernt. Von dort fuhren wir mit der S-Bahn bis zum Alexanderplatz, wo wir gleich ein Gruppenfoto schießen ließen.

Von dort liefen wir los, um das Lokal “Schwarzwaldstuben” zu suchen. Wir hatten kompetente Männer mit Stadtplan dabei, dennoch ließ einen die Vermutung nicht los, wir würden mit der Kirche ums Dorf laufen.
Nach einiger Zeit erreichten wir die Kneipe aber doch. Heiko traf dort seinen in Babelsberg leben Bruder, die Kneipe ausschließlich von VfB-Fans bevölkert. Als ich die Speisekarte sah, mußte ich dann doch schmunzeln. Wir mußten uns nicht auf die preußische Küche umstellen, gab es dort doch Gaisburger Marsch, Linsen und Spätzle, Maultaschen und einiges mehr. Zu trinken gab es Rothaus-Pils. Ich gebs ja zu: dieses badische Bier trinke ich wirklich gerne. Der Hunger war aber wenige Stunden nach dem Frühstück noch nicht so groß, so dass ich mir die Linsen mit Anita teilte. Hat aber wirklich fast geschmeckt wie daheim. Der Berliner VfB-Fanclub “Cannstatter Kurve Berlin 08″ stimmte sich dort ebenfalls auf das Spiel ein, so dass ich deren Vorsitzenden Björn, mit dem ich schon Mailkontakt hatte” auch mal persönlich traf.

Der stolze Papa Heiko mit Nils bei seinem ersten Auswärtsspiel


Mitten in Berlin: Lecker Maultaschen
Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem Hinweg, schlossen wir uns den Jungs von der Cannstatter Kurve Berlin an, als diese sich vor dem Lokal sammelten, um gemeinsam zur U-Bahn-Station Oranienburger Tor zu laufen. Leider setzte gerade zu dieser Zeit erst einmal strömender Regen ein, so dass wir pitschnass die U-Bahn erreichten. An der Friedrichstraße stiegen wir um, da von dort eine S-Bahn direkt bis zum Stadion fährt. Um einen Fahrschein mußten wir uns an diesem Tag überhaupt nicht kümmern, da die Eintrittskarte von 5 Stunden vor dem Spiel bis 3 Uhr nachts gültig ist. Gegen 14.30 Uhr erreichten wir das Olympiastadion, wo angesichts der gesperrten Berliner Ostkurve noch relativ wenig los war.

Nach einer kurzen Diskussion, ob wir draußen noch etwas trinken oder schon ins Stadion gehen, entschieden wir uns für Letzteres, da wir relativ strenge Kontrollen vermuteten. Diese hielten sich im Rahmen, was mich aber verwunderte, war, dass wir sowohl am Eingang ins Stadion als auch beim Zugang in den Block durchsucht wurden. Aufgrund der Vorfälle beim Spiel Hertha-1. FC Nürnberg durften ja nur 25.000 Berliner plus die 1.851 VfB-Fans, die die Tickets über den VfB bezogen, ins Stadion. So blieb der komplette Unterrang der Ostkurve leer, im Oberrang verloren sich nur ein paar Hansel. Statt dessen organsierte Hertha für die Ausgesperrten ein Public Viewing in der nahegelegenen Waldbühne. Der Berliner Stadionsprecher versuchte ziemlich vergeblich die Zuschauer zum Supporten zu animieren. Mehr als das allseits bekannte “Ha, ho, he, Hertha BSC” brachten die Hereingelassenen nicht zustande. Es fand dann vor dem Spiel auch noch eine Live-Schaltung zur Waldbühne statt, die gut gefüllt war.
Im VfB-Block wurden Flyer verteilt, in denen darüber informiert wurde, dass das Commando Cannstatt in den ersten 15 Minuten des Spiels auf jeglichen Support verzichten würde, da die jüngsten DFB-Urteile gegen Fans alle, also auch uns betreffen würden bzw. könnten. Ich war darauf vorbereitet, da ich schon in einem Newsletter über diese Aktion informiert wurde. Hinter dieser Form von Protest stehe auch ich, da ich mich selbst bedanken würde, wenn ich wegen dem Fehlverhalten Einzelner trotz Dauerkarte auf ein Spiel vom VfB verzichten müßte. Hier stimmt einfach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr. Es ist ein verschwindend geringer Prozentsatz von “Fans”, die den Frieden stören, im Verhältnis zu den zig Tausend, die sich anständig verhalten. Hier macht man es sich sehr, sehr einfach, in dem man den Verein zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und Fans aussperrt. Warum wurde nach den Vorkommnissen beim Nürnberg-Spiel nicht auch ein Raphael Schäfer verurteilt, der nachweislich trotz der aufgeheizten Stimmung mit obszönen Gesten provozierte. Im Übrigen fand ich es damals schon glatt, um es auf schwäbisch auszudrücken, dass sich der Käptn als erster vom Acker machte. Er hatte wohl schon ein schlechtes Gewissen, so wie der gerannt ist. Normalerweise geht der Kapitän doch als Letzter von Bord.
Ich selbst mache mir große Sorgen, dass den VfB in naher Zukunft ein ähnliches Urteil treffen könnte. Nach den Vorkommnissen in Frankfurt ist der VfB vorbestraft. Danach kamen die Proteste nach dem Bochum-Spiel sowie vereinzelte Zündeleien bei uns im Stadion. Nachdem der DFB bei den Sanktionen die Latte extrem hoch gelegt hat, können sie ja fast nicht anders, als bei den nächsten Vorkommnissen, ähnliche Strafen zu verhängen. Der DFB bzw. die DFL sollten hier gewaltig zurück rudern und an den Gesprächstisch zurückkehren, um zu erörtern, wie man den Problemen Herr werden kann, anstatt in Aktionismus zu verfallen und Kollektivstrafen zu verhängen. Wenn sie in diesem Maße weitermachen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wieder Zäune hochgezogen werden und ganze Fanlager ausgesperrt werden.
Nach dem Urteil wurden auch den VfB-Fans nur noch personalisierte Karten ausgegeben. Was das sollte, weiß ich nicht! Wir hatten unsere Karten bereits davor bestellt und auch unpersonalisiert bekommen. Nach dem Urteil gegen Hertha BSC mußte man beim VfB vorstellig werden, um eine Karte zu bekommen, was natürlich den zahlreichen in Berlin und Umgebung lebenden VfB-Fans nahezu unmöglich war. Selbst die VfB-Fanclubs in Berlin hatten größte Probleme, annähernd ihr Wunschkontingent zu erhalten. Diese Maßnahme war allein auf dem Mist vom VfB gewachsen, im DFB-Urteil wurden lediglich die Hertha-Fans sanktioniert. So wurden den VfB-Fans in Berlin und auch sonst denen, die weit weg von Stuttgart leben, noch unnötig Steine in den Weg geworfen. Berlin ist ja eines der wenigen Auswärtsspiele, bei denen man sich im Vorfeld im Grunde nicht um Karten kümmern muß, da es an den Tageskassen normalerweise noch ausreichend Tickets gibt, auch für den Gästeblock.
Die Ostkurve war also nahezu menschenleer. Es waren ein Berliner Bär, eine überdimensionale Hertha-Fahne, sowie jeweils zwei Hertha- und zwei KSC-Fahnen angebracht, da die Herthaner ja eine intensive Fanfreundschaft mit unseren “Badischen Freunden” pflegen. Einige Berliner gesetzteren Alters zollten uns vor dem Spiel Respekt für die geplante Solidaritätsaktion. Die Hertha-Fans auf der Gegengerade scherte die Aktion weniger, war es doch die Chance für sie, auf sich aufmerksam zu machen. Hertha verteilte dann auch noch Bang-Bangs, um akkustisch dem VfB Support nicht ganz unterlegen zu sein.
Dem Protest schlossen sich fast alle im VfB-Block an, lediglich ein paar Krakeeler hinter uns ignorierten den Protest. Ob sie aber über die Aktion im Bilde waren, weiß ich nicht, da sie offensichtlich schon mehr als die im Stadion erlaubten 0,8 Promille intus hatten.
Der VfB begann mit dem gleichen Personal wie gegen Mönchengladbach vor Wochenfrist. Hleb und Khedira fielen abermals verletzt aus, der zuletzt formverbesserte Boulahrouz erhielt erneut den Vorzug vor Celozzi.




Das Spiel plätscherte in den ersten Minuten ähnlich trostlos wie die Atmosphäre auf den Rängen dahin. Der VfB spielte zu Beginn zu passiv und mit einigen Unkonzentriertheiten. Die Hertha versuchte ihr Heil immer wieder in Kontern, der VfB lud die Berliner durch unnötige Ballverluste aber auch dazu ein.

Nach den ereignislosen ersten 15 Minuten und der Stille im weiten Rund brannten wir VfB-Fans natürlich darauf, unsere Mannschaft anzufeuern. Ab Minute 16 also wehten unsere weißroten Fahnen und die VfB-Fans gaben alles, um die Mannschaft aufzuwecken, was auch prompt gelang. Die erste Torchance des Spiel hatte Pogrebnjak nach Zuspiel von Marica, wenig später verfehlte Roberto Hilbert das Tor.Diese Phase war aber leider nur ein Strohfeuer. Es wurde einmal mehr deutlich, dass der VfB im Sommer personell einiges tun muß. Über die Außen Gehart und Hilbert waren wir viel zu harmlos. Hier wurde deutlich, dass Hleb und auch Khedira unserem Spiel fehlen. Es war kein Spieler auf dem Platz, der mal einen Ball halten und für Ordnung sorgen konnte. Die wenigen Standardsituationen wurden ausnahmslos kläglich vergeben. Mir fehlt das Verständnis, wenn bei fast jedem Eckball der Ball vom ersten Abwehrspieler abgefangen wird.
Dafür stand unsere Innenverteidigung dieses Mal gut. Die Herthaner standen hinten recht diszipliniert und wurden vom VfB immer wieder zu Kontern eingeladen. In der 23. Minute hatte der VfB Glück, dass der Linienrichter Gekas im Abseits sah, in der 36. Minute übersahen die Spielleiter ein Handspiel von Tasci im Strafraum. In dieser Phase also Glück für den VfB, bei dem nach vorne fast gar nichts mehr ging, da viele Bälle leichtfertig hergegeben wurden oder der finale Pass nicht ankam.





Aus der Kabine kamen die Mannschaften unverändert. Als Gross merkte, dass die Wirkung seiner Halbzeitansprache bereits nach wenigen Minuten verpufft war und das Spiel drohte, weiter in Richtung 0:0-Spiel dahin zu plätschern, ließ er früh in der 2. Halbzeit schon Cacau warmlaufen und wechselte ihn schließlich in der 57. Minute für Marica ein. Es war Cacaus erstes Spiel nach der Bekanntgabe seines Weggangs und ihm war deutlich anzumerken, dass er noch etwas reißen möchte.
Ich finde es schade, dass er geht, verstehe aber auch den Verein, wenn er in Zeiten der Weltwirtschaftskrise die Gehälter seiner Angestellten nicht nach Gutdünken der Spieler anhebt. Ich wünsche Cacau alles Gute und würde mich freuen, wenn er ein Angebot aus dem Ausland annehmen würde. Würde er bspw. zu Hoppenheim oder Schlacke wechseln, ja dann würde er in meiner Wertschätzung leider beträchtlich sinken!
Das Spiel des VfB wurde mit der Hereinnahme von Cacau zielstrebiger und dominanter, da er weite Wege gegangen ist und sich die Bälle aus dem Mittelfeld (die ja selten ankamen) notfalls auch selbst holt. So war es auch ihm vorbehalten, das Siegtor zu erzielen. Er probiert es wenigstens aus der Distanz und hatte Glück, dass sein Schuß in der 74. Minuten von van Bergen für Drobny unhaltbar abgefälscht wurde. So hatte er das Glück erzwungen und Hertha hadert jetzt natürlich.


Danach hatte man den Eindruck, die Herthaner würden jetzt die Nerven verlieren, da sie einige überharte Fouls begingen, die vom Schiedsrichter noch härter bestraft hätten gehört. Nach dem Tor verharrten die Berliner in einer Art Schockstarre und der VfB spielte seinen Stiefel weiter herunter. Auch der stürmende Hertha-Torwart Drobny änderte schließlich am ersten VfB-(Bundesliga-)Sieg in Berlin seit 1991 nichts mehr. Mir fiel natürlich auch ein Stein vom Herzen. Ich hatte vor dem Spiel kein sonderlich gutes Gefühl, da die Hertha quasi ums Überleben kämpft und durchaus Qualität auf dem Platz zu bieten hat. Dass sie auswärts stärker sind als zu Hause, wo sie lediglich am 8. August 2009 gegen Hannover 96 gewannen, war mein Hoffnungsschimmer, dem aber die gruselige Bilanz seit 1991 gegenüber stand.


So durften wir also abermals jubeln und uns an der so langsam unheimlichen Serie unter Trainer Christian Gross erfreuen. Immer öfter stelle ich mir die Frage “Was wäre wenn”, also, was wäre, wenn Babbel schon im Oktober entlassen worden wäre oder er seinen Rückblick erklärt hätte, um weiteren Schaden vom Verein abzuwenden. Mittlerweile geht er ja damit hausieren, dass ihm die Doppelbelastung über den Kopf wuchs und er zu wenig Einfluß auf die Mannschaft nehmen konnte. Selbsterkenntnis – für uns leider zu spät.

Wie in den letzten Spielen auch, feierten die Spieler zunächst für sich im Kreis. Nur einer fehlte – Pavel Pogrebnjak der auch hier unkonzentriert wirkte.

Erst danach kam die Mannschaft zu uns Fans und ließ sich, zu Recht, feiern. Solche Siege mußt Du einfach einfahren, auch wenn sie glanzlos sind. Es hätte zu diesem Zeitpunkt sicher dankbarere Aufgaben gegeben, als auf eine am Abgrund stehende Hertha zu treffen.



Die Herthaner präsentierten sich dann als schlechte Verlierer. Wie in einer größeren Gruppe üblich, mußten wir recht lange warten, bis wir wieder alle zusammen waren. Doch dann, etwa 20 Minuten nach Spielende, war ein problemloser Abmarsch vom Olympiagelände nicht mehr möglich. Mittlerweile trafen auch die Fans von der Waldbühne kommend ein und pöbelten was das Zeug hielt. Es war richtiges Gesocks dabei, das da rumpöbelte und Theater suchte. Wir ließen uns nicht provozieren und warteten so lange, bis sich die Situation beruhigt hatte und die aggressivsten in die Gefängniszellen in den Katakomben des Stadions abgeführt wurden. Immer wieder wurde uns die tolle Fanfreundschaft mit dem KSC unter die Nase gerieben, in der Hoffnung wir würden ein wenig mit denen bubeln. Da wir alle schon etwas länger aus den Windeln raus sind, ignorierten wir sie. Ich grinste in mich hinein und freute mich diebisch, dass sie nächstes Jahr ihre Freundschaft mit dem KSC in Liga Zwei wieder aufleben lassen können. Ebenso wie letztes Jahr nach dem Spiel beim KSC, ebenso muß ich heute sagen, dass denen die 2. Liga richtig gut tun wird, um wieder zur Besinnung zu kommen.
Die Hertha selbst, in persona Michael Preetz, erwies sich, ebenso wie ihre tollen Fans, als schlechte Verlierer und schickten einen Protestbrief an den DFB. In den letzten drei Heimspielen wären ihnen 8 Punkte geklaut worden. Heult doch! Wer sagt denn, dass Lehmann gegen Gekas nicht gehalten hätte, dass der Elfmeter reingegangen wäre und, dass wir gegen ein recht minderbemitteltes Team wie Hertha nicht, wie zwei Wochen zuvor in München, einen 0:1-Rückstand noch gedreht hätten. Herr Preetz, fassen Sie sich an die eigene Nase. Wer hat denn den Sauhaufen zusammengestellt? Merken Sie was? Also, bitte den Ball flach halten.
Als das Gros der Chaoten also abgezogen war oder in den Büschen lag machten wir uns auf zur S-Bahn und stiegen am Bahnhof Zoo aus. Auch dort wurden wir von einer Horde Hertha-Fans aufs übelste beschimpft, woraufhin wir die Straßenseite wechselten und Richtung Kurfürstendamm weiter liefen, nicht ohne weiter bepöbelt zu werden. Doch je weiter es Richtung Ku’Damm und damit in bessere Gegenden ging, desto weniger Aggressivität schlug uns entgegen. Wir gingen dann in den Altberliner Biersalon auf dem Ku’Damm, wo wir uns schon beim Pokalfinale 2007 aufhielten und ordentlich feierten. Dort tranken wir etwas und sahen uns das 1:1 zwischen Bayer 04 Leverkusen und den Bayern an. Auch hier waren natürlich enttäuschte Herthaner, mit denen man aber reden konnte, ohne dass sie gleich die Fäuste fliegen lassen wollten. Dass die Hertha einen Frust schiebt, ist ja verständlich, kein Verständnis habe ich allerdings, wenn einem Hass entgegen schlägt und man um Leib oder gar sein Leben fürchten muß, weil Chaoten, die im Leben nichts mehr zu verlieren haben, ihren ganz eigenen Frust schieben und alles und jeden für ihre mißliche Lage verantwortlich machen.
Nach dem Bayern-Spiel gingen wir dann noch in einen riesigen Irish Pub, in dem “El Classico” lief, also das Spiel der Spiele in Spanien, Real-Barca. Wir einigten uns aber dann darauf, den Pub in der Halbzeit zu verlassen (es stand 0:1 durch den galaktischen Messi) und uns wieder in Richtung Stresemannstraße aufzumachen. Dort kann man auch gemütlich etwas trinken und weiß sein Bett in der Nähe. So kehrten wir noch im direkt gegenüber unseres Hotels gelegene Wirtshaus Stresemann ein. Da wir seit dem Frühstück kaum noch etwas zu essen bekamen, ließen wir die Speisekarte kommen, schließlich kann man dort bis 1 Uhr noch essen bestellen. Ich entschied mich für eine Berliner Currywurst mit Pommes, weiß-rot natürlich und war nicht sonderlich begeistert. Keine Ahnung, was die Berliner so an ihrer Currywurst finden. Sie haben sie vielleicht erfunden, die Besten gibt es aber eindeutig bei uns, ich sage nur “Chef” oder Brunnenwirt. Andere hatten aber noch weniger Glück bei ihrer Auswahl. Die Currywurst mit Brot wurde mit Vollkornbrot serviert, das konnten wir uns nur so erklären, dass die Brötchen ausgegangen sind. Oder essen die das immer so? Und Carle schließlich wollte noch etwas leichtes vor der Nacht haben und bestellte sich Nachos. Ein bißchen dippen und knabbern dacht er sich. Denkste! Die Nachos kamen mit Käse überbacken was ihn doch sehr befremdete, Geli, die das Unheil schon kommen sah und ihm vorher einen Cheeseburger empfahl, mußte dann noch helfen.
Am nächsten Morgen trafen wir uns gegen 10.45 Uhr, um uns auf den Weg nach Potsdam zu machen. Ja, es stand Kultur auf dem Programm. Wir fuhren vom Anhalter-Bahnhof zur Friedrichstraße, von wo aus wir den Regionalexpress nach Brandenburg nahmen, der in Potsdam hält. Wir fuhren bis zum Sans Souci Park und durchschritten das weiträumige Gelände, wo sich Friedrich der Große im 18. Jahrhundert gleich mehrere Denkmäler setzte.

Wir liefen die schöne Alleenlandschaft entlang, wo immer wieder weitere prunkvolle Gebäude zum Vorschein kamen. Los ging es am Neuen Palais, es folgten einige weitere Gebäude und immer wieder Skulpturen, über deren Bedeutung wir aber leider nicht im Bilde waren. Um hier planvoll vorzugehen und sich in die Geschichte und Bedeutung der ganzen Gebäude und Figuren einzulesen, fehlte uns schlichtweg die Zeit. Wir waren zwar immer noch zu langsam unterwegs, aber daszu später mehr.

Auch hier entdeckten wir wieder zwei Grazien, muß mich doch mal einlesen, was die darstellen sollen.

Um zum eigentlichen Lustschloß von Friedrich dem Großen zu gelangen, mußten wir noch eine Steigung bewältigen.

Doch dann, nach längerem Fußmarsch, standen wir endlich vor Sans Souci, das mit “Ohne Sorge” übersetzt werden kann. Ein Franzose wurde dann von Geli gleich mal eingeteilt, ein Gruppenfoto von uns zu schießen.

Da wir bereits kurz nach 15 Uhr von Heikos Bruder an der Bootsanlegestelle nahe des Potsdamer Bahnhofs erwartet wurden, kamen wir langsam in Zeitdruck. Zu sehr bummelten wir durch den Park. Also blieb für die Stadt nicht mehr viel Zeit, zumal wir auch endlich mal etwas trinken und vielleicht noch eine Kleinigkeit essen wollten. Dies taten wir bei Nudles und brachen danach sofort auf.

Wie schon erwähnt, ist est mit 13 Leuten schwierig immer zusammen zu bleiben und so kam es wie es kommen mußte. Es waren mehrere Kleingruppen unterwegs, man verlor sich, der eine verließ sich auf den Anderen, und, und, und. Langer Rede, kurzer Sinn. Wir verpassten unser Boot um etwa 5 Minuten. Matze, Heikos Bruder, der einzige, der genau wußte, wo es los ging, war zwar da und versuchte, den Bootsführer ein paar Minuten warten zu lassen, das war jedoch ein aussichtsloses Unterfangen. Wir sollten früher aufstehen, meinte dieser unfreundliche Bootsführer. Die Weiße Flotte Potsdam hat es wohl nicht nötig, auf 14 zahlende Fahrgäste 5 Minuten zu warten, zumal wir ja schon in Sichtweite vom Boot waren. Unabhängig davon, dass es die letzte Bootstour in unsere Richtung an diesem Tage war, unabhängig davon hätten wir dieser Gesellschaft auch nichts mehr zahlen wollen. So gingen wir zurück zum Bahnhof und erkundigten uns, wie wir noch zum Schwielowsee kommen können, da dort im Strandbad ein Tisch für uns reserviert war. Wir konnten wählen zwischen Zug und Bus wobei der Bus früher kam und wir uns für diesen entschieden. Die Fahrt war recht abenteuerlich, da die Strecke teilweise Schlaglöcher wie zu schlechtesten DDR-Zeiten aufwies.

Uns erwartete eine Lokalität, schön von Wasser umgeben mit Sandstrand und sehr idyllisch gelegen. Leider hatten wir für diese Jahreszeit Pech mit dem Wetter. Letztes Jahr an Ostern hatten wir schließlich auch schon sommerliche Temperaturen. Da wäre es natürlich noch einiges schöner gewesen. So konnten wir uns aber trotzdem erstmals an diesem Tage in die gemütlichen Sessel fallen lassen und ohne Hektik etwas trinken. Zu essen gab es italienische Kost. Die Auswahl war relativ dürftig, die Preise dem Standort mit Seeblick und dem dort vorgefundenen Ambiente angemessen. Zu trinken gab es Veltins, gegessen habe ich eine Pizza Calzone, deren Zutaten man selbst zusammen stellen konnte. Das Essen war ganz hervorragend und, wenn auch etwas teurer als in einer gewöhnlichen Pizzeria, jeden Cent wert. Auch die Anderen habe ich nicht meckern hören.


In Potsdam hatten wir einen Zugfahrplan mitgenommen, so dass wir es nicht verpaßten, Caputh (ja, so heißt der Ort wirklich…) wieder rechtzeitig zu verlassen. Der Bahnhof sah wirklich so aus, als wäre hier die Zeit stehen geblieben.


Von Caputh fuhren wir also mit dem Zug zurück nach Potsdam wo nach wenigen Minuten Aufenthalt unser Zug zurück nach Berlin Friedrichstraße einfuhr. Der Weg zurück zum Anhalter-Bahnhof war mittlerweile schon Routine. Dieses Mal kehrten wir im Cafe Stresemann ein, direkt gegenüber vom S-Bahnhof und stießen zusammen auf unseren dritten und letzten Abend in Berlin an.


Gott sei Dank war ich von meiner Calzone noch so gesättigt, dass ich nur noch flüssige Nahrung zu mir nehmen wollte. Anders die Geli, die sich vom Kellner zu einer original Berliner Currywurst überreden ließ. Nachdem ihr die Soße am Abend zuvor zu fad war, erkundigte sie sich, ob die Soße wirklich, wie auf der Karte ausgeschrieben, scharf wäre. Skeptisch wäre ich selbst geworden, wenn mir der Kellner zu der Auswahl gesagt hätte “Man kann sie essen”. So jedenfalls zückte ich doch schnell den Photo, als die arme Geli nach Luft röchelte und den Brand dann sofort mit Caipirinha und dem gecrushten Eis löschte.


Ich hatte aus Interesse dann auch die Soße probiert und war froh, dass ich es bei dem einen Bissen belassen konnte, die war wirklich teuflisch scharf.
Am nächsten Morgen hieß es dann schon wieder Abschied nehmen. Anita und ich fuhren gegen 9.45 Uhr wieder los und bewältigten die Strecke erneut in 6 1/2 Stunden. Das Wetter bot auf der Fahrt fast sein gesamtes Repertoire. Einen eisigen Wind bei 2-3°, strömenden Regen, dichten Nebel und ab Württemberg scheinte dann auch mal die Sonne. Abends dann trafen wir uns noch mit den anderen, die in Stuttgart ankamen beim Haxnwirt im Hauptbahnhof, um das verlängerte Wochenende endgültig ausklingen zu lassen. Leider ist es schon wieder vorbei.
Ich hoffe, Euch hat mein Erlebnisbericht gefallen. Mein nächstes Auswärtsspiel ist das Spiel in Bochum, ein nächster Bericht folgt aber voraussichtlich schon früher.
Ich wünsche Euch was, viele Grüße und bis bald
Franky
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