21. September 2012

Der Stuttgarter (Irr-)Weg

Auch gegen den Tabellenführer aus der großen Fußballnation Rumänien war gestern nicht mehr als eine Punkteteilung drin. Erneut konnte bzw. musste man ein über weite Strecken behäbiges Spiel vom VfB mit ansehen, gespickt mit haarsträubenden Schnitzern in der Defensive und abermals großen technischen Unzulänglichkeiten. Da sie es ja eigentlich besser können, ordne ich dies unter mangelnder Konzentration ein. Diese war auch verantwortlich für den 1:1-Ausgleich, der unmittelbar nach dem eigentlich so wichtigen frühen Führungstor fiel. Mein Gott, auf dem Platz stehen Profis – es ist doch keiner böse, wenn diese bei dem euphorischen Ole-Ola NICHT mitmachen. Sie brauchen sich auch selbst auf die Schulter klopfen, ein jeder, der dem VfB die Daumen drückt, wäre einfach nur froh, wenn sie nach dem Anstoß die Ordnung wieder aufnähmen…

Am Ende konnte man dann noch froh sein, überhaupt einen Punkt ergattert zu haben, da man kurz vor Schluss durch einen Foulelfmeter in Rückstand geriet. Nach dem Ausgleich durch Schorsch Niedermeier hatten wir sogar noch hochkarätige Chancen um zu gewinnen, doch es hat nicht sollen sein. Vielleicht ist es ja tatsächlich so, wie Martin Harnik bei Sport im Dritten sagte, dass momentan die Geilheit auf Tore fehle. Ich kann so etwas zwar nicht nachvollziehen, für mich geht es nämlich im Fußball gerade darum, ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen. Aber, ich bin ja auch kein Experte! Diese sitzen bei uns auf der Bank und auf der Tribüne. Vielleicht sollte ich auch langsam einfach mal die Sportart wechseln, denn langsam komme ich nicht mehr mit, was sich bei uns derzeit auf dem Rasen abspielt. Die an und für sich gute und harmonische Vorbereitung, wie weggeblasen. Der Umstand, der eigentlich zu unserem Vorteil gereichen sollte, nämlich, dass wir aufgrund der recht geringen Fluktuation in der Sommerpause auf ein eingespieltes Team zurückgreifen konnten, stellt sich als haltlos heraus. Auch die Mär vom Stuttgarter Weg und dem propagierten Vorhaben, dem eigenen Nachwuchs eine Chance zu geben, ist das Papier nicht wert auf dem er beschrieben ist. Ich war mit diesem Vorhaben hundert prozentig d’accord und sah es auch als erfreulich an, dass im Sommer fast keine neuen Spieler verpflichtet wurden, um unseren talentierten Nachwuchskickern den Weg nicht zu verbauen.

Nur, jetzt nach drei Spieltagen sind wir bei den Vereinen, die am wenigsten Spieler unter 23 Jahren eingesetzt haben. Mittlerweile gehören wir zu den vom Durchschnittsalter her ältesten Mannschaften in der Liga. Welche Mogelpackung möchte man uns hier verkaufen? Warum erhält gegen Düsseldorf im erweiterten Teamkader ein angeschlagener Tasci den Vorzug vor Antonio Rüdiger. Wie ist es zu erklären, dass nach dem verletzungsbedingten Ausfall Hoglands kein Rechtsvereidiger, oder einer der ihn spielen kann, mehr auf der Bank ist und daher Kvist, auf der für ihn ungewohnten Position, in die Bresche springen muss. Wäre Rüdiger im Kader gewesen, wäre er, obwohl gelernter Innenverteidiger, die erste Option gewesen, so, hatte man Tasci für alle Fälle auf die Bank gesetzt, traute ihm den Einsatz aber offensichtlich nicht zu.

So aber dachte man mit den Hochgeschwindigkeitsfußballern Kvist, Gentner, Kuzmanovic und Hajnal den Düsseldorfer Abwehrriegel knacken zu können. Weshalb ist es einem Raphael Holzhauser nicht gestattet, Koryphäen wie Gentner, Kvist oder Kuzmanovic im defensiven Mittelfeld einmal Druck zu machen. Warum ist es aussichtslos für Kevin Stöger an Tamas Hajnals Unverzichtbarkeitsstatus zu kratzen? Kein Mensch, verlangt, dass alle auf einmal, für immer oder von Anfang an alle drei Tage 90 Minuten zum Einsatz kommen. Aber, die Jungs über Kurzeinsätze heranzuführen und sie spüren zu lassen, dass man auf sie baut, wäre ein tolles Zeichen. Ich kann es mittlerweile verstehen, wenn uns immer mehr Talente und Eigengewächse den Rücken zukehren, weil der Stuttgarter Weg nur auf dem Papier existiert und nicht in die Tat umgesetzt wird. Ist doch klar, dass die Jungs, die mittlerweile alle 19 Jahre alt sind, langsam die Geduld verlieren.

Derzeit ist es ja wahrlich nicht so, dass die von Labbadia auserkorene Stammmannschaft Bäume ausreißen und begeisternden Fußball spielen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Mindestens die Hälfte des Teams derzeit könnte man beliebig aus der Mannschaft nehmen und keiner würde sich beschweren. Ich für meinen Teil sehe lieber junge Talente in der Mannschaft, die noch etwas erreichen wollen, als etablierte Kräfte, bei denen man manchmal den Eindruck hat, die Spiele sind lästige Pflichtübungen inmitten des so schönen Profifußballerlebens.

Derzeit habe ich ein schlechtes Gefühl, was den weiteren Verlauf der Vorrunde anbelangt. Es scheint ja auch einige Misstöne im Team untereinander und teilweise auch gegen die Aufstellungen und Ansichten des Trainerteams zu geben, so dass es durchaus einen „stürmischen Herbst“ geben könnte. Das Gute allerdings am Fußball ist, dass das Geschwätz von heute morgen, oder besser gesagt am Sonntag, schon wieder total überholt sein könnte, nämlich, nach einem Sieg an der Weser. Allein, mir fehlt der Glaube!

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
11. April 2012

Auch in Augsburg obenauf

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 09:44

Endlich mal wieder ein neues Stadion! Die Vorfreude war groß, die Ernüchterung vor Ort um so größer. Wie die meisten anderen neuen Stadien auch, erinnerte der Bau eher an ein Einkaufszentrum denn an einen Fußballtempel. Auch die Atmosphäre im Inneren ist doch sehr ausbaufähig. Die gut 3.000 VfBler machten bei weitem mehr Alarm als die Heimfans. Bei einem Verein, der erstmals im Oberhaus spielt, ist das aber wohl normal, muss die Fankultur erst noch wachsen. Noch ist zu viel Eventpublikum vorhanden, das zu Zweiligazeiten entweder nictht im Stadion war oder nach München gefahren ist.

Aber, letztenendes ist mir das auch egal, weil wir ja ausschließlich gekommen sind, um unseren VfB zu unterstützen. Und dieser tat das, was die letzten Wochen Programm ist: Mit Vollgas Richtung Europa League stürmen. Aller Anfang ist schwer, so auch der gestern, als wir, wie schon gegen Mainz, durch einen frühen Elfmeter in Rückstand gerieten. Diese Hallowachpille tat dem VfB erneut gut. Es brauchte ein wenig, um gegen die kampfstarken Augsburger ins Spiel zu kommen, mit Tascis Ausgleich nach Hajnal-Ecke aber zeigte der VfB wieder eine gnadenlose Effektivität, die uns auch schon in den letzten Wochen auszeichnete. Als Harnik dann zehn Minuten später unsere Farben in Führung schoss, war den Augsburgern der Zahn weitestgehend gezogen. Sie setzten den VfB zwar weiter unter Druck, waren im Abschluss aber meist zu harmlos, um die Wende herbeizuführen. Kampf und Aggressivät alleine reichen im Frühjahr 2012 eben nicht, um dem VfB den Schneid abzukaufen. Mit zunehmender Spieldauer mussten die bayerischen Schwaben ihrem Anfangstempo Tribut zollen und dem VfB gelang es, sie weiter vom eigenen Kasten fernzuhalten. In der Schlussphase traf dann noch unser Torgarant der letzten Wochen, Vedad Ibisevic, nach glänzendem Zuspiel vom wiedererstarkten Christian Gentner, zur Entscheidung: 1:3. Gentner ist sicherlich erster Anwärter auf den Platz neben Kvist auf der Doppelsechs gegen Bremen, wo Kuzmanovic gelbgesperrt fehlen wird.

Im Kampf um Platz fünf hat sich der VfB jetzt eine glänzende Ausgangsposition erarbeitet, die es am kommenden Freitag gegen Werder Bremen zu untermauern gilt. Mit Leistungen wie zuletzt muss dem VfB vor niemandem in der Liga mehr bange sein, auch wenn der Sieg gestern weniger mit spielerischer Leichtigkeit, sondern eher durch dagegen halten und Effektivität errungen wurde. Bremen ist zu Hause ja einer unserer Lieblingsgegner und sollte auch am Freitag keine unüberwindbare Hürde darstellen. Das gestrige 2:2 in Unterzahl gegen Mönchengladbach ist schwer einzuschätzen, haben doch auch die Gladbacher gerade nicht ihre stärkste Phase. Insgesamt sehe ich unseren nächsten Gegner auf dem absteigenden Ast und daher machbar. Bilder davon und ein Kurzbericht folgen am nächsten Samstag.

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
10. März 2012

Not gegen Elend!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:22

Bilder von Spiel gegen Kaiserslautern sind jetzt online auf https://www.frankys-stadionpics.de//bilder/thumbnails.php?album=331. Wundertüte VfB! Wer gedacht hatte, mich eingeschlossen, ein 4:0 auswärts in Hamburg gebe den notwendigen Rückenwind, das Schlusslicht zu Hause einfach mal so aus dem Stadion zu schießen, wurde bitterlich enttäuscht. Das war mal wieder Fußball, der allenfalls dazu taugt, das Stadion leer zu spielen. Der VfB verfiel wieder in alte Strickmuster und schaffte es erneut nicht, einen kompakt stehenden Gegner auszuspielen, und das, wenn er auch noch so minderbemittelt ist wie die biederen Pfälzer. Labbadia scheint mit seinem Latein auch am Ende, anders lassen sich die Auswechslungen nicht erklären. Der einzige Kreativspieler Hajnal wird durch “Kopf nach unten Cacau” ersetzt. Am Ende hatten wir vier Mittelstürmer auf dem Platz und Boula und Tasci versuchten sich als Spielmacher. Verkehrte Welt! Freitagspiele sind einfach geil, allerdings nur, wenn man sie gewinnt und genüsslich zuschauen kann, wie die Konkurrenten Federn lässt. Nach einem solchen Grottenkick aber vergeht einem die Lust auf die anderen Spiele. Letzte Woche noch begann ich, seit langem mal wieder, nach oben in der Tabelle zu blicken und hatte die Europa League Plätze im Visier. Ein Spiel später sehne ich wieder einmal das Saisonende herbei und hoffe, dass der radikale Umbruch kommt. Auch der Trainer darf bei der Saisonanalyse nicht außen vor bleiben. Im Sommer gilt es alles zu hinterfragen und möglicherweise einen Trainer aus einem Vertrag heraus zu holen, der den Weg konsequent mitträgt, Eigengewächse einzubauen. Labbadia traue ich das nicht zu. Ich bin froh, dass wir im gesicherten Mittelfeld stehen und ein Trainerwechsel während der Saison kein Thema ist. Verpflichtet man während der Saison einen Feuerwehrmann hat man in der Regel einen Schuss frei, der sitzen muss. Im Sommer dann, möglichst unmittelbar nach Saisonende, stehen alle Türen offen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Management einen Plan hat und weiß, wo man hin möchte. Ich mache mir große Sorgen, dass unsere hochtalentierten Nachwuchsspieler mehr und mehr Frust schieben und den Verein verlassen könnten. Derzeit haben wir in unserer Reserve einen richtig guten Jahrgang, aus dem man Kapital schlagen muss. Wenn nicht jetzt, wo wir uns im gesicherten Mittelfeld zu etablieren scheinen, wenn nicht jetzt, wann dann, möchte man den Holzhausers, Stögers, Hemleins etc. die Gelegenheit geben, sich zu zeigen. Wo steht es geschrieben, dass die Jungs mit 18, 19 Jahren zu grün sind und sich erst über 2,3 Jahre in der 3. Liga beweisen müssen. Learning by doing, manch ein Junge wächst auch mit den Aufgaben. Unter Labbadia würde sehr wahrscheinlich auch ein Mario Götze heute noch in der 2. Mannschaft spielen. Da wünschte ich mir mehr Mut zum Jugendstil und zu unpopuläreren Entscheidungen. Zu verlieren haben wir doch jetzt nichts mehr.

Nächsten Freitag geht es dann nach Sinsheim, hoffentlich mit einer besseren Leistung wie gestern. Es gilt, gegen den aufgeblasenen Dorfclub weiterhin ungeschlagen zu bleiben und Babbel das Wiedersehen zu vermiesen. Die Vorzeichen, zumindest nicht zu verlieren, stehen gut. Hoffenheim kann zu Hause nicht mehr gewinnen, und das ist auch gut so!

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
20. Februar 2012

Katerstimmung

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 14:00

Als derzeitige Allesfahrer standen wir auch vor dem Sonntag-Abend-Spiel in Hannover (510 Kilometer, danke, DFL!) nicht vor der Frage, ob wir hinfahren, sondern nur wie wir es machen. Wir entschieden uns für die Ochsentour mit dem RWS-Bus, die der Fanclub dieses Mal kostenlos anbot. So ging es also gestern früh gegen halb acht in Ditzingen-Ost, von wo aus der Bus uns aufgabelte, mit einem weiteren Einstiegstopp in Untergruppenbach, über die A81 und die A7 ab in den hohen Norden. Die Busfahrten mit dem RWS sind bisher eigentlich immer lustig und einigermaßen zivilisiert von statten gegangen. Jetzt aber, nach der Leverkusen-Tour schon das zweite Mal in Folge, war es ziemlich nervig. Beide Male funktionierte die Bus-Toilette nicht. Wenn man dann Jungvolk an Bord hat, die meinen sich während der Fahrt abschießen zu müssen, hat das zur Folge, dass alle 45 Minuten eine Pinkelpause eingelegt werden muss, was das Vorankommen nicht gerade fördert. Aufgrund der Faschingsferien und einiger Absagen von „normalen“ Leuten waren dieses Mal unverhältnismäßig viele Rotzlöffel an Bord, die die lange Fahrt zu einer Tortur machten. Hamburg und Hoffenheim sind sowieso schon individuell geplant, wie es danach weiter geht, hängt auch von den noch nicht feststehenden Terminierungen ab. Unter diesen Umständen aber werden wir sicher mal wieder vermehrt auf Bahn oder Auto umsteigen.

Trotz der unsäglichen Pausen, die ihren Höhepunkt fanden, als eine 18-jährige, wohlgemerkt auf der Hinfahrt, nach gerade mal etwa 300 Kilometern sich urplötzlich übergeben musste, trotzdem erreichten wir das Ziel AWD-Arena überpünktlich etwa anderthalb Stunden vor Spielbeginn. Wir hielten uns dann noch längere Zeit, kurz geduscht von einem heftigen Graupelschauer, vor dem Stadion auf, wo wir einige Bekannte trafen und uns in optimistischen Prognosen übertrafen. Dennoch, war aus den Gesprächen herauszuhören, wäre wohl jeder mit einem Punkt bei den heimstarken Hannoveranern zufrieden gewesen.

Gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn schließlich gingen wir in unseren Block, wo ich zunächst einmal enttäuscht wurde. Wie in den letzten Jahren auch ging ich davon aus, dass unser Block unterhalb des VfB-Fanblocks, also im Unterrang liegt. Dieses Mal aber bekamen wir Karten im Oberrang zugeteilt, wo ich mich erst einmal orientieren musste. Unseren Fanblock konnte ich daher natürlich nicht wie gewünscht fotografieren, sehr schade, war doch eine beeindruckende Choreographie für das alte VfB-Wappen geplant. Wir hatten weder ein Klo noch einen Getränkestand im Block, was sich jedoch als nicht tragisch erwies. Ein freundlicher Ordner öffnete auf Wunsch stets das Tor zu unserem Fanblock. Zwei Vorteile hatte dies natürlich auch. Zum einen konnten wir uns auch in diesem Bereich aufhalten und den einen oder anderen Smalltalk halten, zum anderen benötigte man in diesem Bereich keine Arena-Card sondern konnte bar bezahlen. Als ich dann noch feststellte, dass im Gegensatz zu vielen Auswärtsfanblöcken sonst in der Liga Vollbier ausgeschenkt wurde, war die Welt zunächst für mich wieder einigermaßen in Ordnung.

Dies sollte sich mit dem eigentlichen Höhepunkt des Tages, dem Spiel, ändern. Mit dem Einlauf der Mannschaften erfolgte wie bereits erwähnt eine schöne Choreo, die ich von meiner Perspektive, wie erwähnt, bedauerlicherweise nicht besonders gut fotografieren konnte. Gegenüber dem Hertha-Spiel musste Labbadia Serdar Tasci, der mit Oberschenkelproblemen ausfiel, durch Maza ersetzen. Ansonsten nahm das gleiche Team die Herausforderung Hannover an, die vor acht Tagen die Berliner Hertha mit 5:0 aus dem Neckarstadion schoss. Wie schon in den letzten Auswärtsspielen begann der VfB für meinen Geschmack zu passiv und überließ dem Gegner schnell die Initiative. Hätte man nach einem solchen Kantersieg im Rücken doch mit breiter Brust antreten können, verhielt man sich einmal mehr zu demütig und attackierte die ballführenden 96er zu halbherzig, wodurch sich Hannover schnell ein Übergewicht erspielte. In der Anfangsphase noch waren deren Bemühungen selten zielstrebig, so dass in den ersten 20 Minuten reichlich wenig passierte. Dem VfB war in der Anfangsphase durchaus das Bemühen anzumerken nach vorne zu spielen, doch wie in letzter Zeit so oft, kam der letzte Pass nicht an oder Bälle wurden leichtfertig verstolpert und vertändelt. Hannover wirkte da schon zielstrebiger und sogar, in Anbetracht des Europaleague-Spiels gegen Brügge, frischer als der VfB.

Das Unheil für den VfB nahm dann in der 25. Minute seinen Lauf, als Haggui eine von Pander scharf getretene Ecke nahezu ungehindert einköpfen konnte. Nur 7 Minuten später köpfte dann Winter-Neuzugang Diouf eine Pander-Ecke zum 2:0 in die Maschen. Slomka nannte es später eine extreme Variante der Raumdeckung, die der VfB bei gegnerischen Eckbällen praktiziert, ich würde es eher stümperhaft nennen. Warum diese Anfängerfehler in der Trainingsarbeit nicht abgestellt werden können, verstehe ich nicht.  Mittlerweile wird beim VfB also nicht mehr der Gegenspieler sondern nur noch der (leere) Raum gedeckt. An den Pfosten, weder am kurzen noch am langen, ist eine Absicherung postiert und Sven Ulreich schließlich ist auch nicht bekannt dafür, dass er sich bei Ecken ins Getümmel wirft. Harnik hatte zwischenzeitlich die Chance zum 1:1 auf dem Fuß gehabt, vergab aber leider kläglich gegen Zieler. Nach dem 2:0 war das Spiel quasi gelaufen und man musste Angst vor einem Debakel haben. Sinnbildlich war es noch kurz vor der Pause unser „Stabilisator“ William Kvist, der Schmiedebach den Ball in den Fuß spielte, dieser traf aber zum Entsetzen des Hannoveraner Publikums nur das Außennetz. So gesehen war der VfB mit dem 0:2 zur Halbzeit gut bedient. Dem VfB möchte ich ja nicht absprechen, dass man sich in der Halbzeit eingeschworen hat, noch einmal alles zu probieren. Als Beweis dafür, dass die Zeichen von nun an auf Sturm stehen, durfte die Einwechslung Cacaus für den Ersatzkapitän Gentner herhalten. Cacau war es dann auch, der beim Anstoß zur zweiten Halbzeit den Ball berühren durfte, ehe Sekunden später Pander mit einem satten Linksschuss seine Farben mit 3:0 in Front brachte. Hannover war nach wie vor die Belastung des Brügge-Spiels von unter der Woche nicht anzumerken und spielte Katz und Maus mit dem VfB. Die Slapstick-Einlagen in der VfB-„Verteidigung“ fanden ihren Höhepunkt als Hajnal erst unbedrängt einen Fehlpass am eigenen Sechzehner spielte und Sakai eine neuerliche Ecke verhindern wollte. Sein Befreiungsschlag landete allerdings bei den 96ern und über Umwege bei Stindl, der aus 13 Metern abzog und zum 4:0 einnetzte. An einem guten Tag hält Sven Ulreich den Ball vielleicht, spielentscheidend war diese Aktion aber nicht mehr. Dass der VfB kurz darauf durch Harnik zum 1:4 und Okazaki mit einem Seitfallzieher Marke Tor des Monats noch auf 2:4 verkürzen konnte, lag wohl weniger an der eigenen Moral als daran, dass Hannover den Kick schon abhakte und an das wichtige Europaleaguespiel in Brügge am kommenden Donnerstag dachte. Kurze Zeit später bot sich Ibisevic gar noch die Chance zum 3:4 aus Stuttgarter Sicht, die Zieler zu unserem Leidwesen spektakulär zunichtemachte. Ich möchte da jetzt aber gar nicht hadern und mir ausmalen, ob noch etwas drin gewesen wäre, wenn dieses Tor fällt. Ein Punkt wäre in Anbetracht unserer Leistung und der der Hannoveraner nicht verdient gewesen. Im Gegensatz zu Bobic und Labbadia sehe ich dieses Spiel als Ganzes und attestiere dem VfB keine gute Leistung, wären die Standardsituationen nicht gewesen. Diese gehören nun einmal zum Spiel dazu und gehören schleunigst verbessert. Ich kann es einfach nicht verstehen, weshalb es hochbezahlte Bundesligakicker nicht schaffen, sich einmal in der Woche für 90 Minuten zu konzentrieren und auf dem Platz das Besprochene in die Tat umsetzen. Wären es einmalige Aussetzer könnte man darüber hinweg sehen. Dem VfB gelangen in den letzten 13 (!) Bundesligaspielen gerade einmal 2 Siege gegen Augsburg und Hertha, kassierte aber sieben Niederlagen. Hier kann man nicht mehr von einer vorübergehenden Schwäche reden, der VfB steckt in einer Abwärtsspirale. Daran ändert auch ein zwischenzeitliches Strohfeuer wie gegen Hertha nichts. Auch wenn ich in letzter Zeit keine Weiterentwicklung oder gar Verbesserung der Mannschaft feststellen kann, bin ich gegen einen neuerlichen Trainerwechsel. Labbadia kämpft sicherlich mit Vehemenz gegen das Vorurteil sein, nur ein Halbjahrestrainer zu sein, wie zuvor schon in Leverkusen und beim HSV. Auch beim VfB könnte dieser Eindruck entstehen, war doch nur die letzte Rückrunde stark, diese allerdings sensationell nach nur 12 Punkten aus der Vorrunde und dem geschafften Klassenerhalt. Mit Abstrichen startete der VfB noch gut in die Saison, seit Mitte Oktober aber stagniert die Entwicklung. Mit welchem Personal, mit welcher Formation Labbadia auch antritt, nichts greift. Das Team ist nicht homogen, keine Einheit, harmoniert nicht und hat einfach auch nicht die Klasse für höhere Weihen. Es fehlt an Spielwitz und Ideen, dazu kommen dann noch die haarsträubenden Abwehrfehler. Hajnal, der in der letzten Rückrunde ein wichtiger Mosaikstein zur Leistungssteigerung war, ist nur noch ein Schatten seiner selbst und überfordert unser Spiel zu lenken. Wenn ich gerade gestern seine Standards mit denen von Pander vergleiche, ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ich hoffe, dass diese Saison, in der wir nun sowohl acht Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz, als auch acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben, vernünftig zu Ende gespielt wird, ohne noch einmal ernsthaft unten rein zu rutschen. In den Heimspielen gegen Freiburg, Nürnberg und Kaiserslautern sollte dieser Sack zugemacht werden. Je früher der Blick nach oben gerichtet werden kann, desto besser. Dann könnten die ein oder anderen jungen Wilden zu mehr Einsatzzeiten kommen und der Abgesang einiger hochbezahlten Durchschnittskickern, deren Verträge hoffentlich, auch zu deutlich geringeren Bezügen, nicht mehr verlängert werden. Es gehört ein radikaler Neuaufbau her mit Jungs, die es wert sind, den roten Brustring zu tragen. Bobic‘ und auch Labbadias Arbeit können erst hundertprozentig bewertet werden, wenn die Altlasten aus der Ära Heldt ihren Spind in der Mercedesstraße geräumt haben. Ab dem kommenden Sommer beginnt hoffentlich eine neue Zeitrechnung und es steht dann hoffentlich nicht gleich wieder ein Übergangsjahr bevor. Diese Übergangsjahre nämlich lassen sich dem treuen VfB-Publikum von Jahr zu Jahr schlechter verkaufen.

Somit freue ich mich darauf, wenn am 5.5.2012 diese Saison über dem Strich beendet wurde und etliche Spieler zum Abschied Blumen überreicht bekommen. Ich hoffe auf vernünftige Weichenstellungen in der kommenden Sommerpause, die mit 16 Wochen lang genug ist, wegweisende Entscheidungen zu treffen.

Für mich ist es eher untypisch, dass ich eine solch lange Pause herbei sehne. Das sagt aber in diesem Fall einiges darüber aus, wie satt ich die Darbietungen in diesem Spieljahr habe!

Die Rückfahrt verlief dann ähnlich nervtödend wie die Hinfahrt. Gegen 2.30 Uhr schließlich waren wir daheim, geschafft, gestresst, körperlich am Ende und mit der Niederlage im Kopf.

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
11. Februar 2012

Der Krise getrotzt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 22:02

Bilder vom Spiel gegen Hertha BSC sind jetzt online. Irgendwie traute man seinen Augen nicht. Der VfB fegte bei Temperaturen von minus 15 Grad wie ein Wintersturm durch die Mercedes Benz-Arena und fertigte den Berliner Sportclub mit 5:0 ab.
War der VfB jetzt so stark oder die unter Skibbe 0-Punkte-Hertha so schlecht heute? Ich denke, von beidem ein bisschen. Der VfB trat engagierter und willensstärker als zuletzt auf, die Hertha zog sich zunächst einmal zurück und ging äußerst passiv ins Spiel. So schaffte es der VfB früh Überzahlsituationen zu schaffen und kam zu ersten zaghaften Chancen, während Berlin in der Offensive nicht stattfand. So konnten unsere Außenverteidiger Boulahrouz und Sakai Akzente im Angriff setzen, während sie defensiv kaum gefordert waren. Sakai lieferte ein gelungenes Debut ab und harmonierte auf der linken Seite gut mit seinem Landsmann Okazaki. Nach diesem Auftritt befürworte ich es, dass er auch in Hannover im Team bleibt und damit den Vorzug vor Artur Boka, der bis dahin wieder vom Afrika-Cup zurück sein wird. Durch Bokas Absenz und Molinaros Sperre rückte Sakai fast zwangsweise in die Startformation, während Cacau und Schieber durch Harnik und Hajnal im Vergleich zum Pokalspiel ersetzt wurden.
Besonders die Herausnahme von Cacau sorgte für Erstaunen, war er doch bislang so gut wie immer gesetzt. Bobic und Labbadia kündigten nach dem Pokaldebakel Konsequenzen an, Cacau traf es nun eben. Meiner Ansicht nach war diese Maßnahme mehr als überfällig. Nicht erst seit seiner Abwahl aus dem Mannschaftsrat wirkt Cacau wie ein Fremdkörper und fällt mehr durch Lamentieren und Reklamieren denn durch Torgefahr auf.
Cacau saß also erst einmal draußen und „musste mit ansehen“ wie seine Teamkameraden sich in einen wahren Rausch spielten. Innerhalb von acht Minuten, zwischen der 24. und der 32. Minute war das Spiel entschieden. Ibisevic erzielte sein erstes Tor für den Traditionsverein aus Cannstatt, Harnik und Okazaki legten nach. Dazwischen flog Ottl noch zu Recht vom Platz als er Hajnal von hinten brutal ummähte. Damit war das Spiel natürlich entschieden und der VfB ließ Ball und Gegner laufen, während die Hertha quasi nicht mehr am Spiel teilnahm. Harnik ließ seine Treffer zwei und drei zum 5:0 noch folgen und war damit natürlich der Mann des Tages. Danach passierte nicht mehr allzu viel und man freute sich langsam auf das Spielende und das Aufwärmen später im SSC. Der Spielverlauf half aber natürlich mit, dass einem trotz der eisigen Temperaturen warm ums Herz wurde, die mehrmals durchs Oval schwappende La Ola tat ihr übriges.
Nach der Enttäuschung vom Mittwoch zog also das Trainerteam die angekündigten Konsequenzen und die Mannschaft zeigte eine Trotzreaktion. Mich kann die Leistung von heute aber lange nicht besänftigen, zu tief sitzt noch der Stachel, dass wir uns abermals den Bayern kampflos ergeben hatten, wäre doch der Weg nach Europa über den Pokal so kurz und Berlin immer eine Reise wert gewesen. Für meinen Geschmack hätten schon viel früher deutliche Worte fallen und die ein oder andere Änderung durchgeführt werden müssen. Das Bayern-Spiel war nur eine Fortsetzung von leblosen Auftritten zuvor, wie bspw. In Bremen, Wolfsburg, Schalke oder gegen Gladbach. Auch da konnte man schon weder den Willen noch einen Plan erkennen und es stand kein füreinander kämpfendes Team auf dem Platz. Wir befanden uns da bereits in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Warum nicht schon vorher wachgerüttelt wurde erschließt sich mir nicht. Der Zeitpunkt, dies jetzt nach dem Bayern-Spiel zu tun, dürfte unter Umständen damit zusammen hängen, dass sich der VfB dieses Mal vor der ganzen Fernsehnation lächerlich gemacht hatte und nicht „nur“ vor den eigenen Fans. Jetzt lautet die spannende Frage natürlich, wie nachhaltig diese Leistungsexplosion sein wird. Hat der VfB jetzt den Dreh gefunden, in die Erfolgsspur zurückzukehren oder war der Kantersieg gegen die Hertha nur ein Strohfeuer? Kommenden Sonntag tritt der VfB bei Hannover 96 an, deren Entwicklung in den letzten 1 ½ Jahren mich tief beeindruckt. Das ist eine schwer auszuspielende Mannschaft, die ihrerseits überfallartig zu kontern versteht. Gute Arbeit, die Mirko Slomka dort im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten leistet. In den beiden letzten Jahren gab es für den VfB jeweils in der AWD-Arena nichts zu holen. Hoffen wir mal, dass der VfB mit dem Rückenwind des heutigen Sieges dort selbstbewusster als zuletzt auftritt und aus der niedersächsischen Landeshauptstadt etwas Zählbares mitnimmt.

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system