11. April 2012
Endlich mal wieder ein neues Stadion! Die Vorfreude war groß, die Ernüchterung vor Ort um so größer. Wie die meisten anderen neuen Stadien auch, erinnerte der Bau eher an ein Einkaufszentrum denn an einen Fußballtempel. Auch die Atmosphäre im Inneren ist doch sehr ausbaufähig. Die gut 3.000 VfBler machten bei weitem mehr Alarm als die Heimfans. Bei einem Verein, der erstmals im Oberhaus spielt, ist das aber wohl normal, muss die Fankultur erst noch wachsen. Noch ist zu viel Eventpublikum vorhanden, das zu Zweiligazeiten entweder nictht im Stadion war oder nach München gefahren ist.
Aber, letztenendes ist mir das auch egal, weil wir ja ausschließlich gekommen sind, um unseren VfB zu unterstützen. Und dieser tat das, was die letzten Wochen Programm ist: Mit Vollgas Richtung Europa League stürmen. Aller Anfang ist schwer, so auch der gestern, als wir, wie schon gegen Mainz, durch einen frühen Elfmeter in Rückstand gerieten. Diese Hallowachpille tat dem VfB erneut gut. Es brauchte ein wenig, um gegen die kampfstarken Augsburger ins Spiel zu kommen, mit Tascis Ausgleich nach Hajnal-Ecke aber zeigte der VfB wieder eine gnadenlose Effektivität, die uns auch schon in den letzten Wochen auszeichnete. Als Harnik dann zehn Minuten später unsere Farben in Führung schoss, war den Augsburgern der Zahn weitestgehend gezogen. Sie setzten den VfB zwar weiter unter Druck, waren im Abschluss aber meist zu harmlos, um die Wende herbeizuführen. Kampf und Aggressivät alleine reichen im Frühjahr 2012 eben nicht, um dem VfB den Schneid abzukaufen. Mit zunehmender Spieldauer mussten die bayerischen Schwaben ihrem Anfangstempo Tribut zollen und dem VfB gelang es, sie weiter vom eigenen Kasten fernzuhalten. In der Schlussphase traf dann noch unser Torgarant der letzten Wochen, Vedad Ibisevic, nach glänzendem Zuspiel vom wiedererstarkten Christian Gentner, zur Entscheidung: 1:3. Gentner ist sicherlich erster Anwärter auf den Platz neben Kvist auf der Doppelsechs gegen Bremen, wo Kuzmanovic gelbgesperrt fehlen wird.
Im Kampf um Platz fünf hat sich der VfB jetzt eine glänzende Ausgangsposition erarbeitet, die es am kommenden Freitag gegen Werder Bremen zu untermauern gilt. Mit Leistungen wie zuletzt muss dem VfB vor niemandem in der Liga mehr bange sein, auch wenn der Sieg gestern weniger mit spielerischer Leichtigkeit, sondern eher durch dagegen halten und Effektivität errungen wurde. Bremen ist zu Hause ja einer unserer Lieblingsgegner und sollte auch am Freitag keine unüberwindbare Hürde darstellen. Das gestrige 2:2 in Unterzahl gegen Mönchengladbach ist schwer einzuschätzen, haben doch auch die Gladbacher gerade nicht ihre stärkste Phase. Insgesamt sehe ich unseren nächsten Gegner auf dem absteigenden Ast und daher machbar. Bilder davon und ein Kurzbericht folgen am nächsten Samstag.
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22. April 2011
Was hatte ich Bedenken vor dem Spiel bei den heimstarken Kölnern. Einem Team, das unter dem Kölner Urgestein Frank Schäfer wieder zu einer echten Einheit geworden war. In dem ein Lukas Podolski zum Kapitän ernannt wurde und seitdem (endlich) auch im Verein sein Potential ausschöpft. Das sich vor Wochenfrist beim ärgsten Rivalen nach der 0:4-Hinspiel-Heimpleite auch auswärts mit 1:5 abschlachten ließ. Das unter der Woche sichtlich mit den Füßen scharrte, um diese Schmach baldmöglichst ausmerzen zu können. Diese Kölner sollten also gegen unsern gegen Kaiserslautern noch auseinander gefallenes Team, die Möglichkeit zur baldigen Wiedergutmachung und zur Versöhnung mit den Fans erhalten. Es gab eigentlich vor dem Spiel wenig, was für den VfB sprach. Die Kölner hatten zuletzt sieben (!) Heimspiele in Folge für sich entscheiden können, der VfB wiederum konnte in dieser Saison nur selten überzeugen. In der Rückrunde unter Bruno Labbadia entwickelte sich der VfB zwar zum emsig Punkte sammelnden Eichhörnchen. Doch, wenn man ehrlich ist, hätte jedes Spiel, in dem Punkte eingefahren wurden, auch ganz anders laufen können. Den Begriff Glück möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr überstrapazieren, nachdem wir in der Vorrunde durch viel Pech und/ oder Schiedsrichterfehlentscheidungen erst in diese missliche Lage gerieten. Daher sehe ich dieses Glück in der Rückrunde viel eher als ausgleichende Gerechtigkeit und auch, wie Labbadia immer betont, die Belohnung für den immensen Aufwand an, der betrieben wird. Dass wir die nötigen Punkte zum Klassenerhalt nicht mit Glanz und Gloria einfahren würden, dürfte jedem klar sein, dem der VfB am Herzen liegt. In dieser Saison dürfen wir keine gehobene Spielkultur einfordern. Dazu sind in den vergangenen Transferperioden zu viele Fehler gemacht worden. Es wurden Leistungsträger und Identifikationsfiguren abgegeben und selten Neue geholt, die in deren Fußstapfen treten konnten, geholt. Zudem wirken sich die vielen Trainerwechsel negativ aus. Jeder Trainer durfte, im Rahmen der kaum vorhandenen Möglichkeiten, seine Wunschspieler holen. Diese Trainer sind schon lang Geschichte, die Spieler, die sie holten, aber noch vertraglich gebunden. Die Zusammensetzung des Kaders in dieser Saison passt vorne und hinten nicht. Wir haben lauter Indianer und keine Häuptlinge, die Spieler passen weder charakterlich noch von der Spielweise her zusammen. Das sind die wahren Gründe für den Absturz. Hier muss in der Sommerpause der Hebel angesetzt werden und ein Umbruch her. Ich wünsche mir hierzu von der Vereinsführung und vom Management „Eier“, diesen radikal einzuleiten. Nach dem Klassenerhalt, darf es einfach nicht wieder heißen „Ende gut, alles gut“. Die Saison muss knallhart analysiert werden und man muss sich von dem ein oder anderen Spieler trennen, der den VfB nicht weiter bringt, auch wenn der ein oder andere unter Wert abgegeben werden muss. Der VfB muss wieder eine unverwechselbare Identität bekommen und seiner Philosophie ein Ausbildungsverein zu sein, folgen. Es muss wieder ein Kollektiv entstehen, wo der eine für den anderen bereit ist, durchs Feuer zu gehen.
Als wir am vergangenen Samstag die Fahrt nach Köln antraten, spielten wir fast jedes Horrorszenario durch, das an diesem Spieltag eintreten könnte. Siegesgewiss waren wir jedoch nicht. Auch wenn Köln in den letzten Jahren stets ein gutes Pflaster für den VfB war, die Gesamtsituation ist doch in dieser Saison eine ganz andere. Wir fuhren als Außenseiter nach Köln und rechneten mit dem schlimmsten. Wie bereits in der letzten Saison bestellte ich unsere Eintrittskarten beim 1. FC Köln direkt. Der VfB bekam für sein Auswärtskontingent lediglich Stehplatzkarten sowie Sitzplätze über dem Stehblock. Diese Sitzplätze sind zum einen recht teuer, für das, dass man den Fanblock kaum sieht und hinter dem Fangnetz sitzt. Zum anderen saß ich dort schon einmal hinter einer total zerkratzten Plexiglasscheibe, die der natürliche Feind eines jeden Fotografen ist. Die Plätze auf der Gegengerade waren nur unwesentlich teurer und boten beste Sicht, auf den Platz und zu unseren Fans. Weiterer Pluspunkt, wir „belasteten“ unser Auswärtskontingent nicht. In unserem Block dürften je zur Hälfte FC- und VfB-Fans gewesen sein, gute Stimmung war also garantiert. Ich muss auch betonen, dass es eine sehr freundschaftliche Atmosphäre war, kein Gestänkere, nicht einmal, als wir uns bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ erhoben.
Das Rhein-Energie-Stadion in Köln gehört zu meinen absoluten Lieblingsstadien. Die Stimmung dort, die enthusiastischen Fans, das Kölner Vereinslied mit der rotweißen Schalparade, allgemein ein wenig Karnevals-Flair, die Cheerleaders beim Einlaufen. All das sauge ich auf, bevor die Protagonisten den Platz betreten.
Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, keimte bei mir zum ersten Mal Hoffnung auf Besserung auf. Tamas Hajnal stand in der Anfangsformation, der Winterneuzugang, der in den vergangenen Spielen schmerzlich vermisst wurde. Erwartungsgemäß durfte auch Cacau als alleinige Spitze ran, der den gelbgesperrten Pavel Pogrebnjak gut vertrat. Da ich einen stürmischen 1. FC Köln erwartete war mir wichtig, dass der VfB ruhig und sachlich beginnt und die Kölner vom eigenen Tor weit weg hält. Dies gelang in der ersten Halbzeit überraschend gut. Diese plätscherte so dahin mit wenig zwingenden Aktionen auf beiden Seiten. Die Kölner machten einen überraschend leblosen Eindruck und boten über weite Strecken Sommerfußball. Der VfB hatte auch schon in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel und mehr Möglichkeiten als der FC. Mehr und mehr gewannen wir den Eindruck, dass dort tatsächlich etwas zu holen sein könnte, ein Tor musste eben her.
Kurz nach dem Seitenwechsel parierte Rensing einen Kopfball von Okazaki glänzend. Der Japaner war erneut ein Aktivposten, muss auf sein erstes Tor aber weiter warten. Wenig später trabte Christian Träsch über den halben Platz, wurde nicht angegriffen und fasste sich schließlich ein Herz. Dessen Gewaltschuss schlug im Kölner Tor ein und versetzte die VfB-Ecke in einen kollektiven Freudentaumeln Schätzungsweise 6.000 VfB-Fans waren mit von der Partie und machten das Auswärts- zeitweise zu einem Heimspiel. Als zwei Minuten später Harnik die Kopfballverlängerung von Tasci ins Tor spitzelte gab es kein Halten mehr. Ein geschenkter Handelfmeter durch Kuzmanovic brachte schließlich das 0:3 und damit die Vorentscheidung. Der VfB ließ zwar die Gastgeber noch einmal hoffen, als sie Novakovic den Anschluss zum 1:3 ermöglichten, wirklich in Gefahr geriet der so lebenswichtige Dreier nicht mehr. Der VfB bot eine insgesamt gute und couragierte Leistung, auch dank den neu ins Team gekommenen Hajnal und Cacau.
Was ich schon vor Monaten predigte scheint sich ins Bewusstsein des Teams eingebrannt zu haben. Wenn einem zu Hause die Mittel fehlen, einen Gegner auszuspielen, muss man sich die Punkte auswärts holen. In der Vorrunde gelang kein einziger Auswärtssieg, in der Rückrunde nun schon derer vier. Jedoch sehe ich dies auch nicht als den einzigen Grund an, weshalb es zu Hause derzeit schlechter läuft. Die Baustelle ist nach wie vor ein riesen Manko. Die Gästefans hört man fast in jedem Spiel besser als die eigenen, zumindest ist das bei unseren Plätzen auf der Haupttribüne Seite so. So verschärft sich der altbekannte Umstand noch, dass das Stuttgarter Publikum besonders kritisch ist. Kann in einem geschlossenen Rund, in dem die Fangesänge durchs Stadion hallen, das Geraune und Gebruddle der Eventfans einigermaßen kompensiert werden, funktioniert das in der Baustelle überhaupt nicht.
Auswärts jedoch stehen die eigenen Fans wie ein Mann hinter dem Team und supporten im Normalfall über die gesamte Spieldauer hinweg. Zu Hause verteilen sich die „wahren Fans“ über sämtliche Bereiche im Stadion. Ich bin guter Hoffnung, dass die mit Beginn der neuen Saison wieder besser wird und unser Stadion wieder zu einer Festung wird. Noch zwei Heimspiele, dann haben wir das Gröbste überstanden.
Jetzt steht aber wieder mal ein Heimspiel an, am Ostersamstag gegen den Hamburger SV. Dieser hat noch eine Minimalchance auf einen Europa League Platz und möchte diese nutzen. Allerdings bestimmen derzeit eher die Vorstandsquerelen als die Kicker die Schlagzeilen. Wenigstens einigte man sich jetzt mit dem Veh-Nachfolger Michael Oenning auf eine weitere Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus. Der HSV wird ebenfalls von großen Verletzungsproblemen geplagt. Zudem ist es fraglich, ob sich die Spieler auf das Sportliche konzentrieren können, wenn die Medien für die nächste Saison immense Gehaltseinsparungen kolportieren. Der ein oder andere Großverdiener wird sich sicherlich hinterfragen, ob es für ihn noch Sinn macht, sich den Hintern aufzureißen, um als Dank im Sommer den Laufpass zu bekommen. So stehen die Vorzeichen für den VfB nicht einmal schlecht, wenn es gelingt noch einmal so aggressiv aufzutreten und konzentriert auf die Chance zu warten. Wenn es gelingt die Hamburger vehement zu bearbeiten, könnten diese bei den sommerlichen Temperaturen schnell die Lust verlieren. Für Bruno Labbadia ist es eine Reise in die Vergangenheit. Vor fast genau einem Jahr wurde er beim HSV entlassen und hinterließ einige verbrannte Erde. Der ein oder andere Spieler ist nicht sehr gut auf ihn zu sprechen. Einen Nachteil für uns sehe ich darin aber nicht, eher könnte es sein, dass der ein oder andere Hamburger etwas übermotiviert daher kommt. Dafür kennt Bruno die Hanseaten in und auswendig und weiß hoffentlich, wie man ihnen den Zahn zieht.
Nach meiner Rechnung fehlen uns noch höchstens vier Punkte zum Klassenerhalt, der VfB täte gut daran, die ersten drei davon bereits am Samstag einzufahren. Auf ein frohes Osterfest!
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13. Februar 2011
Hatte man nach dem ersten Auswärtssieg in der letzten Woche wieder eine leise Hoffnung, dass es nun doch aufwärts gehen würde mit dem VfB, so wurde diese gestern gegen den Club auf fürchterliche Weise wieder zerstört. Dass der Club sich in den letzten Jahren zum Angstgegner vom VfB aufgeschwungen hat, dass es sicher auch nicht einfacher werden würde als gegen die Freiburger im letzten Heimspiel, das war mir schon vor dem Spiel klar. Trotzdem war ich gestern vor dem Spiel guter Hoffnung, dass es dem VfB erstmals in der Saison gelingen würde, zwei Mal nacheinander zu siegen. Der Auftritt in der 2. Halbzeit in Mönchengladbach, als es erstmals in dieser Spielzeit gelang, einen Rückstand noch in einen Sieg umzumünzen, machte Mut. Vor allem in Person von Tamas Hajnal, der Spielkultur einbrachte und seine neuen Kollegen ein ums andere Mal gekonnt in Szene setzte. So ein Spielertyp würde auch helfen können, die kompakten Nürnberger zu Fehlern zu zwingen und Räume für die Stürmer zu schaffen. So meine Hoffnung vor dem Spiel.
Als wir das Neckarstadion betraten, merkte man vielen Fans die Vorfreude auf das Spiel bei den vorfrühlinghaften Temperaturen. Die VfB-Fans empfingen die Mannschaft mit einem farbenfrohen Fahnenmeer und signalisierten der Mannschaft, dass sie sich einmal mehr der Unterstützung der Kurve sicher sein konnten.


Schon vor dem Anpfiff überraschte mich die Mannschaftsaufstellung von unserem Trainer Bruno Labbadia. Dass unser Kapitän Delpierre zurückkehren würde, davon war auszugehen. Dass aber nicht Didavi sondern Elson in der Startformation stand, damit war nicht zu rechnen. Ein Elson der lange nicht gut genug war und lange nicht in System passte, der, nach der Verpflichtung von Hajnal faktisch noch mehr aufs Abstellgleis geschoben wurde, ausgerechnet dieser Elson durfte von Beginn an ran. Und das beim Startelfdebut von Hajnal. Erst war beim VfB überhaupt kein Platz für einen Spielmacher, und nun standen auf einmal zwei 10er auf dem Platz. Elson spielte im linken Mittelfeld, auf einer Linie mit Hajnal zentral und Träsch rechts. Kuzmanovic stand als einziger Sechser auf dem Platz, Pogrebnjak und Harnik bildeten das Sturmduo. Überraschend nicht im Kader stand unsere japanische Stürmerhoffnung Shinji Okazaki. Sein Ex-Verein Shimizu S-Pulse verweigere die Spielberechtigung, da er auch dort noch ein gültiges Arbeitspapier habe, und die FIFA habe über diesen Fall zu entscheiden. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Fall ausgeht. Nicht dass wir für den ablösefreien Spieler am Ende noch eine Transferentschädigung bezahlen müssen. Da es sich noch um ein schwebendes Verfahren handelt, halte ich mich mit einer Bewertung und eventuellen Schuldzuweisungen zurück. Jaaaa, der VfB!
Der VfB begann eigentlich ganz gefällig, ohne aber richtig gefährlich vor Raphael Schäfers Gehäuse aufzutauchen. Gleich die erste vernünftige Kombination der Franken führte dann aber auf der anderen Seite zum 0:1. Dieses Tor war ein Spiegelbild des VfB in der Saison 2010/11. Es ging viel zu einfach für die Nürnberger, ausgehend von einem Einwurf, dann ein dilettantischer Abwehrversuch von Molinaro zu einem ungedeckten Clubberer, der den Ball ins von Ulreich aus gesehen linke Eck einnetzte. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ball haltbar war, stark geschossen war er jedenfalls nicht. Möglicherweise war Ulreich die Sicht etwas versperrt. Aus meiner Perspektive sah es aber so aus, als sei er zu langsam in Richtung Ball abgetaucht. Wie so oft in letzter Zeit führte also gleich der erste Schuss aufs Tor zum 0:1. Dieser Treffer löste für kurze Zeit eine richtige Schockstarre im weiten Rund aus. Die Hoffnungen, die noch vor dem Spiel vorhanden waren, waren bereits nach gut 10 Minuten einer brutalen Ernüchterung gewichen.
Auch den VfBlern auf dem Platz merkte man die Verunsicherung von Minute zu Minute mehr an. Der VfB versuchte zwar das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, hatte mehr Ballbesitz als die Nürnberger, kam aber kaum einmal gefährlich vor das Nürnberger Tor. Hinten war der VfB anfällig, so dass man schon fast von Auflösungserscheinungen sprechen konnte. Bezeichnend dafür das 0:2 durch unsere Leihgabe Julian Schieber. Weder Elson noch Molinaro hinderten Chandler am Flanken, in der Mitte genügte ein Hüpfer von Julian Schieber, um die Lufthoheit gegen Serdar Tasci zu erlangen. Tasci stand völlig neben sich, auch beim 3. Tor erweckte er den Eindruck, dass er das Leihgeschäft Schiebers nach Nürnberg nicht mitbekommen hat und ihn noch als Mannschaftskameraden wähnte. Tasci, der eigentlich in den letzten Wochen aufsteigende Tendenz zeigte, war gestern unterirdisch schlecht. Es war wieder einmal eine Länderspielwoche, in der er wohl mehr darüber lamentierte, nicht in den Kreis der Auserwählten berufen worden zu sein, als seine volle Konzentration auf seine derzeitige Hauptaufgabe, den Abstiegskampf mit dem VfB, zu lenken. Tasci, der ja an einer ausgeprägten Selbstüberschätzung “leidet”, sollte sich, bevor er überhaupt über das Thema Nationalmannschaft nachdenkt, erst einmal wieder dem kleinen Einmaleins auf dem Fußballplatz widmen und sich verdammt nochmal konzentrieren. Gestern war es eine unterirdische Leistung von ihm, genauo wie von Molinaro und Kuzmanovic, die auf ihren Positionen hoffnungslos überfordert waren.
Kurz vor der Pause gelang dem VfB durch ein Glückstor von Patrick Funk der Anschluss, wodurch wieder ein wenig Hoffnung aufkeimte. Diese war aber bereits in der 51. Minute wieder verflogen, als Schieber Tasci problemlos davon lief und dieser punktgenau Chandler bediente. Julian Schieber verkniff sich ganz gentlemanlike einen überschwänglichen Torjubel, da sein Herz doch für den VfB schlägt. Tragisch ist aber trotzdem, dass er mit seiner hervorragenden Leistungen den VfB dem Abgrund wieder ein Stück näher gebracht hat.
Die VfB-Abwehr war spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Selbstbedienungsladen geworden. Danach brach die Moral vom VfB komplett, die Nürnberger konnten noch das 1:4 erzielen und hätten auch noch deutlich höher gewinnen können. Doch auch ein 1:4 gegen Nürnberg ist ein Debakel sondersgleichen. Einmal mehr zeigte sich, dass der Kader zu schwach ist, um eine bessere Rolle in der Liga zu spielen als die derzeitige.
Sowohl ein Fredi Bobic, als auch ein Erwin Staudt hatten uns für die Wintertransferperiode Transfers in Aussicht gestellt, die uns weiter bringen würden. Nichts ist geschehen. Ein Japaner, dem die Spielberechtigung fehlt, der sich in einer völlig neuen Welt erst einmal akklimatisieren muss, dazu im Sturm, wo im derzeitigen Kader noch am wenigstens der Schuh drückt. Dazu noch Tamas Hajnal, der obligatorische Last-Second-Transfer, ein Spieler, der in Dortmund ins 3. oder 4. Glied gedrängt worden ist, dem ein gewisser Toni Da Silva den Rang abgelaufen hat für eine Position, die wir eigentlich nicht im Angebot haben. Diese Personalpolitik verstehe wer will. Dass die größte Problemzone die Abwehr bildet, wurde gestern einmal mehr offenkundig. Dass ein Kuzmanovic, der sich analog zu Tasci stets zu höherem berufen fühlt, auch gestern wieder total überfordert war, dass dieser Spieler, der immer wieder mal mit angeblichen Angeboten aus der Serie A kokettiert, dem die Fans nach eigener Aussage sch…egal sind, nicht mit der Schubkarre über den Brenner gefahren wurde, habe ich auch nicht verstanden. Trotz eines Überangebots im defensiven Mittelfeld fehlt es uns dort an Qualität. Ein Typ Marke Van Bommel oder Jermaine Jones, selbst ein Christian Tiffert hätte uns gut getan, getan wurde nichts. Schon nach den verpassten Chancen während der Sommertransferperiode war klar, dass man mit diesem Kader irgendwie in den Winter kommen muss. Jetzt haben wir den Salat und müssen durch bis zum Bitteren Ende, das, und die Gefahr ist seit gestern präsent wie nie, den Abstieg in die 2. Liga bedeuten kann.
Langsam schwindet bei mir die Hoffnung auf ein gutes Ende auf den Nullpunkt. Der VfB hat einfach Baustellen in allen Manschaftsteilen. Der Torwart gefällt zwar durch einige Paraden, strahlt aber insgesamt zu wenig Sicherheit aus, die man im Abstiegskampf braucht. Die gesamte Viererabwehrkette leistet sich zu viele Unkonzentriertheiten und wirkt nicht abgestimmt. Bei Funk wechseln Licht und Schatten. Ihm kann man Fehler noch am ehesten verzeihen, da er ein Greenhorn ist und erst seine erste Bundesligasaison spielt. Dennoch kräht nach Degen, Celozzi oder Boulahrouz als Alternative derzeit kein Hahn.
Was auf der anderen Seite aber Molinaro seit seiner festen Verpflichtung abliefert ist eine Frechheit. Klar profitierte er in der letzten Saison noch von Hleb, mit dem er gut harmonierte. Aber auch in der Rückwärtsbewegung war er in der letzten Saison um Klassen besser, als das was er jetzt abruft. Gestern einfach unterirdisch. Auch die Innenverteidigung taumelt in dieser Saison von einer Verlegenheit in die nächste, egal ob die Protagonisten Tasci, Delpierre, Niedermeier oder Boulahrouz hießen. Zum defensiven Mittelfeld habe ich mich weiter oben schon ausführlich geäußert. Auf den Außenbahnen haben wir jetzt nach den Ausfällen von Boka und Gebhart fast ein Vakuum und eigentlich keine antrittschnellen Spieler mehr, die notwendig wären. Auch hier hätte eine Verstärkung frischen Wind bringen können. Wie Hajnal eingebaut wird, muss sich erst noch zeigen.
Dass wir fußballerisch im Vergleich zur Vorsaison entscheidend an Qualität verloren haben, ist augenscheinlich. Dazu ist kein Häuptling vorhanden, der das Heft des Handelns in die Hand nimmt und die Kameraden mitreißt. Die Spiele plätschern oft leidenschaftslos vor sich hin. Eigentlich müssten Profis ja mit den Hufen scharren, wenn sie nach einer Woche Training herausgelassen werden. Beim VfB ist davon nichts zu spüren. Die ersten Halbzeiten werden regelmäßig verschlafen. Kein Spielwitz, kein Esprit, gestern wieder bis auf Ausnahmen wie Pogrebnjak und Träsch auch kein Kampf und zu wenig Laufbereitschaft. Jeder ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er der Mannschaft wirklich helfen könnte. Was hier noch helfen kann? Ich weiß es nicht, vielleicht sollten die Verantwortlichen die Dienste eines Psychologen in Anspruch nehmen, der Blockaden lösen könnte, die auch nach zweimaligem Trainerwechsel noch vorhanden sind.
Apropos Trainerwechsel: noch immer bin ich überzeugt davon, dass die Misere nicht solche Ausmaße angenommen hätte, hätte man an Christian Gross festgehalten. Für mich ist er nach wie vor der beste VfB-Trainer seit langem gewesen. Ausnahmsweise muss ich hier dem ungeliebten W. S. aus KA Recht geben, der kürzlich im Dritten angeprangert hatte, dass ein erfahrener Trainer wie Gross dem Managernovizen Bobic erklären musste, wie er die Mannschaft aus der damaligen Krise zu bringen gedenkt. Und, dass spätestens nach dem zweiten Trainerwechsel auch der Manager hinterfragt gehört. Für mich jedenfalls hat er die Probezeit nicht bestanden und ist, aufgrund verfrühter Trainerentlassung und verfehlter Personalpolitik einer der Hauptschuldigen der derzeitigen Talfahrt.
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der schweren Zeit werden wir den VfB auch am Donnerstag in Lissabon und am Sonntag in Leverkusen lautstark unterstützen. Eines ist klar, nach den Ergebnissen vom Wochenende ist in Leverkusen ein Sieg Pflicht. Nach der gestrigen “Leistung” eigentlich unvorstellbar aber auch nicht unmöglich, hat Leverkusen doch auch so seine Probleme zu Hause. Allerdings sollten es unsere Jungs tunlichst vermeiden, die Pillendreher ähnlich zum Toreschießen einzuladen, wie die Nürnberger gestern. Es ist eine konzentrierte und couragierte Leistung notwendig, dann kann das Unmögliche möglich gemacht werden.
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18. Oktober 2010
Und der Linienrichter hebt die Fahne
Die Fernsehkameras müssen ausbleiben, als Florian Meyer und seine Assistenten, die Herren Glindemann und Frank, weit nach dem Schlusspfiff Asche auf ihr Haupt streuen. Jeder habe gesehen, dass man beim 2:2 des VfB auf Schalke eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen habe, erklärt das Schiedsrichtergespann im kleinen Kreis, es bleibe nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen. Fredi Bobic fällt es jedoch sichtbar schwer, sich damit zu begnügen. “Es bringt uns nichts mehr, wenn sich die Schiedsrichter ständig entschuldigen, das geht mir auf den Keks. Uns fehlen die Punkte”, faucht der Manager des VfB. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison ist den Stuttgartern ein glasklares Tor aberkannt worden. In Nürnberg (1:2) zählte der Kopfballtreffer von Pavel Pogrebnjak nicht, gegen Eintracht Frankfurt (1:2) durfte Cacau nur kurz über den vermeintlichen Ausgleich in der Schlussminute jubeln – beide Male wegen eines angeblichen Foulspiels, das keines war.
Im Abseits soll nun Serdar Tasci vor dem Treffer von Cacau gestanden haben. Tat er aber nicht, was für den VfB erneut sehr bitter war, da es vor der Pause die 2:0-Führung bedeutet hätte. “Für so etwas brauche ich nicht einmal eine Zeitlupe, das habe ich in realer Geschwindigkeit erkannt, dass das nie und nimmer abseits war”, sagt Bobic. In allen drei Fällen waren es die Linienrichter, die verhängnisvollerweise ins Spiel eingriffen. Sönke Glindemann hieß auf Schalke der Mann, der an der Seitenlinie stand – und der auch in der zweiten Hälfte seine Fahne hob, als Christoph Metzelder im Luftkampf mit Tasci “wie vom Blitz getroffen” (Bobic) zu Boden ging. Elfmeter, so signalisierte er seinem Chef, “obwohl Metzelder klar im Abseits stand”, wie Bobic meint.
“Wir werden permanent benachteiligt”
Die Schlussfolgerung des VfB-Managers: “Der Linienrichter hat versucht, uns das Genick zu brechen.” Eine derartige Häufung solch spielentscheidender Fehler seitens der Schiedsrichter, die den VfB bis zu sechs Punkte gekostet haben, will Bobic in seiner Karriere noch nie erlebt haben. “Das ist ja Wahnsinn, so langsam habe ich den Eindruck, die Assistenten leiten das Spiel”, sagt er und will künftig nicht mehr tatenlos zuschauen. Er wolle zwar keinen ganz großen Aufschrei, “aber ich will den Finger immer wieder in die Wunde legen. Denn es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir permanent benachteiligt werden.” Gezielte Nadelstiche in Richtung der Schiedsrichter will Bobic setzen, auf dass sie in Zukunft im Zweifel für den VfB entscheiden.
Und es dürfte ihn bestärken, dass sich auch der Schalker Trainer Felix Magath vor dem Spiel gegen seinen Exclub öffentlich vehement über die Schiedsrichter beschwert hatte – und sich prompt über eine aus seiner Sicht sehr wohlwollende Regelauslegung freuen durfte. Eine andere Idee von Fredi Bobic, grobe Schiedsrichterfehler künftig zu vermeiden, dürfte hingegen schwer umsetzbar sein: “Vielleicht stellen wir ja einen Antrag, künftig ohne Linienrichter zu spielen.”
(STZ 18.10.2010)
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9. Juli 2010
Die Bewässerungsanlage des Rasens hat längst ihren Dienst aufgenommen, das Moses-Mabhida-Stadions von Durban ist schon fast menschenleer. Oben, unter dem Dach der Arena, stehen noch ein paar Spanier und schwenken beglückt ihre rot-gelben Fahnen. Und unten auf der Trainerbank sitzt Per Mertesacker. Eine halbe Ewigkeit sitzt er dort, neben ihm hat Oliver Bierhoff Platz genommen, der Teammanager der Nationalmannschaft, und leistet Beistand. Hin und wieder tauschen sie ein paar Worte aus. Und starren ansonsten ins Leere. Eine Stunde später kommt Per Mertesacker aus der Kabine. Der lange Verteidiger wankt mehr, als dass er geht, eine Wasserflasche hat er in der Hand und nimmt ab und zu einen Schluck. Zwischendrin versucht er Worte für das zu finden, was er nicht begreifen kann: dass Deutschland gegen Spanien mit 0:1 verloren und den Einzug ins Endspiel auch bei dieser Weltmeisterschaft verpasst hat. “Wir sind ans Limit gestoßen”, sagt er, “wir haben es wieder nicht geschafft, im entscheidenden Moment unsere beste Leistung zu zeigen.”
Wie vor vier Jahren in Deutschland ist die DFB-Auswahl auch bei der WM in Südafrika kurz vor dem großen Ziel gescheitert. Dramatisch war sie damals, die 0:2-Niederlage gegen Italien in Dortmund, wo die beiden Gegentreffer erst in den allerletzten Minuten der Verlängerung fielen. Unspektakulär war der Spielverlauf dieses Mal – die Spanier waren von der ersten Minute an das eindeutig bessere Team. Also gibt es hinterher kein verzweifeltes Schluchzen und Weinen – dafür aber ist die Ernüchterung umso größer.
Die Spanier haben ihr Spiel weiter perfektioniert
Die Deutschen hatten geglaubt, sie seien ganz nahe herangerückt an die spanischen Großmeister des Kurzpassspiels, die für den Bundestrainer Joachim Löw das Vorbild sind. Sein Team hatte gegen England und Argentinien überragende Leistungen geboten und gehofft, nun auch dem ganz großen WM-Favoriten auf Augenhöhe begegnen zu können. Dann allerdings mussten die Spieler erkennen, dass Spanien eben doch noch eine Nummer zu groß ist, so wie es auch im EM-Finale 2008 in Wien der Fall gewesen war.
“Wir haben den Abstand verringert”, sagt der Kapitän Philipp Lahm und verweist auf die beiden Torchancen von Mesut Özil vor und Toni Kroos nach der Pause, die beim Stand von 0:0 das Spiel in eine andere Richtung hätten lenken können. Eine Standardsituation benötigten die Spanier danach, um durch den brachialen Kopfball von Carles Puyol zum Siegtreffer zu kommen. “Das macht es besonders bitter”, sagt der Assistenztrainer Hansi Flick.
All das ändert aber nichts daran, dass der Europameister auch diesmal als hochverdienter Sieger das Feld verließ. Deutschland hat seit 2008 große Fortschritte gemacht. Doch sind auch die Spanier nicht stehen geblieben und haben ihre Kunst seither noch weiter perfektioniert. Sie mögen bei der WM bis zum Halbfinale nur das Nötigste getan und nicht geglänzt haben. Dann aber boten sie ihre mit Abstand beste Leistung und erteilten dem Gegner Anschauungsunterricht.
“Der Mut und die Überzeugung haben gefehlt”
Sehr anschaulich beschreibt Miroslav Klose die Spielweise der Spanier, die jeden Gegner vor fast unlösbare Probleme stellt. “Wenn sie im Ballbesitz sind, rennt man vom einen zum nächsten, versucht in die Zweikämpfe zu kommen – und kommt doch fast immer zu spät. Da läuft der Ball hin und her, und man muss dauernd hinterherlaufen, um die Löcher zu schließen”, sagt der Stürmer, “und wenn man dann mal selbst an den Ball kommt, hat man nicht mehr die Kraft und die Frische, um eigene Akzente und Konter zu setzen.”
Die Spanier seien “reifer” gewesen, sagt Mertesacker, sie würden ja auch schon seit Jahren zusammenspielen. “Woher soll das bei uns kommen?” Natürlich hat er recht. Was die deutsche Mannschaft bei dieser WM geleistet hat, ist viel mehr als ihr die meisten zugetraut hatten. Sie ist so schnell gewachsen, dass man glaubte, sie sei auch schon in der Lage, die Spanier zu schlagen.
Die Spieler hatten vor der Partie selbst daran geglaubt – doch dann “haben uns der Mut und die Überzeugung gefehlt”, sagt Lahm. Man müsse “akzeptieren, dass es nicht ewig nach oben geht mit so einer jungen Mannschaft, die erst seit sieben Wochen zusammen ist”, sagt Joachim Löw. Höher als den dritten Platz bei der WM 2006 stuft Oliver Bierhoff schon jetzt die deutschen Leistungen bei dieser WM ein. “Wir hatten hier nicht die Unterstützung, den Schwung aus der Heimat”, sagt der Manager, “die Mannschaft war noch unerfahrener, sie ist jünger und hatte noch weniger Zeit, sich zu finden.” Insofern sei die Leistung “etwas größer als vor vier Jahren”.
Die große Zeit dieser Mannschaft wird noch kommen
Was bleibt ist die Hoffnung auf die Zukunft, auf den nächsten Anlauf beim nächsten Turnier. Die große Zeit dieser Mannschaft werde noch kommen, davon sind alle überzeugt. “Wir haben die Chance, in den nächsten Jahren ganz oben mitzuspielen”, sagt Philipp Lahm, “wenn wir so weitermachen, haben wir eine große Zeit vor uns.” Doch im Moment ist dies nur ein schwacher Trost. Auch der Kapitän weiß: “Man hat nicht bei jeder WM die Möglichkeit, ins Finale zu kommen.”
In der Nacht um drei kehrt der deutsche Tross aus Durban ins Teamhotel nach Pretoria zurück. Wie üblich ist ein reichhaltiges Buffet vorbereitet. Doch diesmal bedient sich fast niemand, und auch auf das Feierabendbier verzichten die meisten Spieler. Sie machen sich schnell auf den Weg in ihre Zimmer, sie wollen allein sein mit sich und ihrer Enttäuschung.
Sie haben auch keine Lust, sich nach der Rückkehr in die Heimat am Brandenburger Tor in Berlin den Fans zu präsentieren, so wie nach den vergangenen beiden Turnieren. Diesmal begeben sich die Spieler auf direktem Wege in den Urlaub. “Es wäre unpassend, sich zwei Tage nach dem Spiel um Platz drei feiern zu lassen”, sagt Lahm.
Eine letzte Pflicht steht in Südafrika noch bevor, das kleine Finale gegen Uruguay am Samstag Abend in Port Elizabeth. Einige Reservisten wie Serdar Tasci und Dennis Aogo werden dann zum Einsatz kommen, als Belohnung für die gute Trainingsarbeit. Mit Anstand und am besten mit einem Sieg wollen sich die Deutschen verabschieden, ehe sie am Sonntagabend in den Flieger steigen, der sie zurück in die Heimat bringt. Wenn in Johannesburg der neue Weltmeister gekürt wird, hat das deutsche Team das Land schon verlassen.
(STZ online)
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