26. Mai 2013
Bilder vom CL-Finale in Wembley sind jetzt online. Außerdem kurze Eindrücke aus West Ham und Millwall. Es war mal wieder ein genialer Trip. London, eine tolle Stadt, die Insel an sich, immer wieder eine Reise wert. Wembley, ein geniales Stadion. Super Anbindung an die Jubilee Line, am Einlass keinerlei Probleme und mit der Rolltreppe bis in den Oberrang. Was will man mehr.
Hammer Atmosphäre, leider mit dem falschen Sieger. Bayern-Dusel eben mal wieder, vom Schiri begünstigt und dann kurz vor der Verlängerung so ein Tor, ausgerechnet vom für den Oskar nominierten Schauspieler Nummer 1. So ungerecht kann Fußball sein. Ich streite ja nicht ab, dass die Bayern den Titel aufgrund der überragenden Saison verdient haben, wie der Sieg zustande kam jedoch ist skandalös. Hoffentlich hat Herr Gräfe genau hingeschaut und rückt dies am Samstag gerade und stellt mal auch einen Bayern vom Platz.
Für Samstag sind meine ohnehin schon gedämpften Erwartungen durch den Bayern-Sieg auf den Nullpunkt gesunken. Das Niveau des gestrigen Spiels war eine andere Liga, als die, in der der VfB derzeit spielen kann. Streckenweise war ich wirklich begeistert vom antizipieren, der Handlungsschnelligkeit, der (Spiel-)Intelligenz von fast allen Protagonisten. Alles Attribute, die der VfB im Jahr 2013 einfach nicht hat und am Samstag sicherlich auch nicht herbei zaubern kann. Wir dürften nur annähernd eine Chance haben, wenn es gelingt KEINE Fehler zu machen, stets hoch konzentriert und den Bayern auch gedanklich mal einen Schritt voraus zu sein. Die Bayern werden gierig sein und alles daran setzen, das Triple zu holen, der VfB muss von Beginn an unterstreichen, dass der Pott nach Stuttgart gehört und den Bayern notfalls auch weh tun. In London war es schon einmal eine harte Probe, als „neutraler“ Zuschauer nicht dazwischen zu grätschen, wenn man dem überheblichen Geschwätz der Lederhosenträger gelauscht hat. Wir wollten jedoch keinen Stress und uns nicht unnötig aufregen, also haben wir die Pub-Auswahl so getroffen, um wenigstens dort keinen Bayern-Büffel über den Weg zu laufen. Am Samstag in Berlin wird sich das sicherlich nicht vermeiden lassen. Es war ja schon immer schwierig die Nordösterreicher zu ertragen. In diesem Jahr aber schweben sie in noch höheren Sphären und werden sicherlich neben und hoffentlich auf dem Rasen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dieses arrogante Gehabe, mich graut es jetzt schon wieder…
So dumm und arrogant die Aussage von Rummenigge auch ist, die Bayern würden auch mit 1,8 Promille gegen den VfB gewinnen, so traurig ist es, dass er damit wahrscheinlich sogar Recht hat.
Natürlich hoffe ich, dass der VfB am Samstag das Unmögliche möglich macht, allein, mir fehlt der Glaube und auch das Vertrauen in diese Mannschaft und deren Trainer.
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19. Mai 2013
Schon traditionell findet vor dem letzten Saison-Heimspiel die vom OFC Leintal-Power organisierte Fahrt auf dem Partyfloß statt, zu der alle OFC’s eingeladen sind. Wie in jedem Jahr war die Nachfrage riesig und das Boot somit schnell ausgebucht. Ich war bereits zum dritten Mal dabei und freute mich auch in diesem Jahr wieder, an Bord auf viele bekannte Gesichter zu treffen. Treffpunkt war wie immer der Bahnhof in Ludwigsburg von wo aus uns ein Shuttleservice zum Anleger nach LB-Poppenweiler brachte. Der Wettergott meinte es richtig gut mit uns, weitestgehend strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen, kühles Bier und toller Service an Bord, was will man mehr. Für mich bedeutet diese Floßfahrt auch immer so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit, lassen wir doch ehemalige Wohnorte, oder Orte, an denen ich anderweitig viel Zeit verbrachte links und rechts liegen, wie bspw. Aldingen, Hofen, den Max-Eyth-See, Münster und natürlich Bad Cannstatt. Gegen 13 Uhr erreichten wir wohl behalten unseren Zielhafen Mercedes Benz Museum, von wo aus es sofort in Richtung Otto’s Vesperstüble ging, um sich vor dem Spiel noch stärken zu können.
Ursprünglich war für den letzten Spieltag eine Saisonabschlussfete mit dem Live-Auftritt des Hofbräuregiments avisiert. Aufgrund wohl hoher Auflagen der Behörden in Bezug des Verkehrsabflusses nach dem Spiel wurde die Veranstaltung Mitte der Woche leider abgesagt. So war eben Business as usual angesagt, schade!
Daher lag am frühen Nachmittag der Höhepunkt des Tages schon hinter mir, abgesehen davon, dass ich nach dem Spiel noch mit einigen Bekannten zu einer „kleinen“ Saisonabschluss-Kneipentour verabredet war.
Und, genau, da war ja auch noch ein Bundesligaspiel, das man der Vollständigkeit halber, auch noch besuchen sollte. Positiv daran schon einmal, nach dem langen Vorprogramm an diesem Tage war es erhol- und auch ratsam eine etwa 2 ½-stündige bierfreie Phase einzulegen. Im Stadion fällt mir das nicht allzu schwer, boykottiere ich doch bis heute mehr oder weniger das bargeldlose Bezahlsystem im Stadion. Wenn ich zufällig einmal Guthaben auf meiner Fankarte habe, vermeide ich es für gewöhnlich mich an Stoßzeiten an den Ständen anzustellen, also bin ich, wenn ich denn mal was hole, kurz vor der Halbzeit am Stand und habe schon des Öfteren ein Bier erhalten, das sie wohl zu Spielbeginn eingeschenkt hatten und das auch entsprechend schmeckte. Daher übe ich bei Heimspielen lieber Verzicht und freue mich dann eben auf die dritte Halbzeit.
Eigentlich bedenklich, wenn dies meine größten „Sorgen“ vor einem Bundesligaheimspiel sind. Selten war ich emotionsloser dabei, selten war ich glücklicher, dass eine elendige Saison sein Ende gefunden hat. Auch freute ich mich selten mehr beim Gedanken, viele Spieler des diesjährigen Teams in der nächsten Saison nicht mehr sehen zu müssen.
Wenn man sich die Anzahl der schon feststehenden Neuzugänge und dazu die der gehandelten Neuzugänge anschaut und von letzterem auch nur die Hälfte wahr wird, dürfte uns erneut ein großer Umbruch bevorstehen. Und, das ist auch gut so. In mittlerweile rund 37 Jahren, in denen ich den VfB aktiv begleite und verfolge habe ich eine VfB-Elf noch nie schlechteren Fußball spielen sehen. In einer Saison, in der man sich von Erzfeinden demütigen lässt, von Absteigern und Abstiegskandidaten abschießen lässt, historisch am wenigsten Heimpunkte holt, die drittharmloseste Bundesligamannschaft stellt und über weite Strecken Fußball zum Abgewöhnen bietet, darf der Einzug ins Pokalfinale und die damit verbundene neuerliche Qualifikation fürs internationale Geschäft nicht alles übertünchen, was schief gelaufen ist. Es müssen Änderungen her und zwar in allen Ebenen des Vereins.
Dieter Hundt, der alternde Aufsichtsratschef, muss bei der nächsten Mitgliederversammlung im Juli zum Rückzug bewogen werden. Entsprechende Anträge sollen bereits eingegangen sein. Ein wichtiger Aspekt, dieses Vorhaben zu einem positiven Abschluss zu bringen, dürfte sein, dass auch in der Wappenfrage Entscheidungen erwartet werden und somit sicherlich auch viele Mitglieder aus der Kurve zugegen sein werden. Der Termin wurde erneut auf einen Montag-Abend gelegt, was es weiter weg wohnenden und nicht mobilen Mitgliedern natürlich erschwert, an dieser wichtigen MV anwesend sein zu können. Ein solches „den Leuten Steine in den Weg legen“, genauso wie die ins Leben gerufene Präsidentenkandidatenfindungskommission, sind wohl so etwas wie das letzte Pfeifen im Walde von Hundt. Ein Aufsichtsrat, am besten der gesamte, der wissentlich aufgrund vetternwirtschaftlicher Verflechtungen ein Porsche-Sponsoring verhindert und stattdessen mit Gazi eine schlechter vergütete Sponsoring-Partnerschaft eingeht, um die Mercedes-Leute rund um den Verein nicht zu vergraulen, gehört auf die Straße gesetzt und auf Regresszahlungen verklagt.
Über Mäuser ist jedes Wort zu viel, dieses Thema hat sich zum Glück erledigt! Schade nur, dass eine solche Pflaume wohl noch eine Abfindung in Höhe von gut 700.000 Euro für Nichts erhalten wird. Er täte gut daran, läge ihm der VfB am Herzen, zumindest auf einen Teil davon zu verzichten, wobei mir auch klar ist, dass dies eine unrealistische Hoffnung darstellt.
Unseren Manager Fredi Bobic sehe ich nach wie vor positiv. Er ist ein VfBler durch und durch und leistet gute Arbeit. Nur, stehe ich immer noch zu dem, was ich vor einigen Wochen schon einmal geschrieben habe: er muss sich nach meinem Geschmack mehr von seinem Trainer abgrenzen und ihm nicht nur nach dem Mund reden. Mich ärgert es wahnsinnig, wenn jeder Blinde sieht, was für ein Murks zusammen gekickt wird und dieser dann von Labbadia und Bobic unisono schön geredet wird, so dass man sich zwischendurch schon einmal Gedanken über deren Zurechnungsfähigkeit machen darf. Hier fehlt uns eindeutig eine Abteilung Attacke, wie es Sammer derzeit bei den Bayern gibt. Ein Mahner, der auch einmal unbequeme Wahrheiten ausspricht, anstatt auf Weichspülermentalität zu setzen und so zu hoffen, dass sich weiterhin alle lieb haben. Vom Naturell her wäre Bobic dazu prädestiniert, er hat aber wohl Angst davor, durch ein Vorpreschen nach außen Unruhe zu schüren und intern Reibungen zu erzeugen. Jedoch sind gerade diese wichtig, dass man sieht, dass der Verein lebt. Derzeit plätschert es sowohl im Verein als auch auf dem Rasen nur noch dahin, was zur Folge hat, dass wir mehr und mehr zur grauen Maus verkommen, keine interessante Marke mehr darstellen, der Fußball unattraktiv und wenig spektakulär ist. Wenn uns dann noch weisgemacht wird, dass nicht mehr drin wäre mit unseren Möglichkeiten, dass unsere Erwartungen zu hoch seien, dass wir Schwaben mit unserer Bruddlermentalität mit nichts zufrieden wären, und, und, und, dann haben die Herren den Schuss nicht gehört. Ein Stadiongänger hat durchaus ein feines Gespür für das, was er erwarten kann. Dass der VfB in naher Zukunft wohl nicht um die Champions League mitspielen kann, damit haben wir uns abgefunden. Dass es auch nicht immer zum Erreichen der Europa League reicht, auch damit haben wir kein Problem. Ein zehnter Platz am Ende, akzeptabel, wenn der Einsatz und die Leidenschaft stimmen, womöglich noch Pech hinzukam und/ oder die anderen einfach besser waren. Alleine aus diesen Gründen laufen dem VfB nicht die Zuschauer davon und werden auch nicht alleine deshalb so emotionslos, wie sie über weite Strecken der Saison waren. Was die Leute fernbleiben lässt, was die, die kamen, auf ihren Plätzen erstarren lässt, ist das leblose Gekicke auf dem Rasen, der langweilige Fußball, den wir vorgesetzt bekommen, eine Mannschaft, die kein Team zu sein scheint, ein System, das nicht als solches zu erkennen ist, fußballerische Schwächen von Berufsfußballern, die unerklärlich sind, individuelle Patzer, die den Gegner in schöner Regelmäßigkeit zu Toren einlädt. Das kapiert der Zuschauer auf der Tribüne nicht, wenn permanent Fehler passieren, die selbst in der Kreisliga nicht zu entschuldigen wären. Wenn dann die Statements nicht etwa in Richtung von „wir können Euren Unmut verstehen, dafür laufen sie eine Runde um den Bärensee“ sondern stattdessen von ordentlichen Auftritten geredet wird, für die man sich nicht belohnt hätte, fängt der „normale“ Zuschauer an, an sich selbst zu zweifeln, meint, dieses Spiel ist zu hoch für ihn, und bleibt eben das nächste Mal zu Hause und bildet sich fort.
Die Zuschauerzahlen in der Rückrunde sollten Mahnung genug sein. Passend dazu wurden in dieser Woche die Dauerkartenpreise für die nächste Saison veröffentlicht. In vfb-direkt schreiben sie von einer moderaten Preiserhöhung von 2%, in etwa also der Inflationsrate. Ich sage, unverschämt, unmittelbar nach einer solchen Katastrophensaison noch mehr Geld als ohnehin schon zu verlangen. Der Verein sollte seine Preispolitik der letzten Jahre mal überdenken und vor sich vor allem die Jahre ansehen, in denen sie die Preise weit über der Inflationsrate erhöht haben bzw. in den Umbaujahren, als wir in einem halben und offenen Stadion den vollen Preis zu entrichten hatten.
Ich sehe überhaupt keine Gründe für eine Preiserhöhung, oder darf ich für mehr Geld besseren Fußball und besseren Komfort erwarten? Nein, als zahlender Zuschauer und Teil des Spiels muss ich alles ohne Murren und ohne Geld-Zurückgarantie so hinnehmen.
Dem Fan in der Kurve kann man das Geld ja aus der Tasche ziehen, der wird immer wieder kommen, die Lücken zuletzt auf den teuren Plätzen aber, sollten zum Nachdenken anregen.
Solang ein Herr Hundt, siehe oben, ein besseres dotiertes Sponsoring ausschlägt, solang genau der gleiche Hund(t), einen Präsidenten, den keiner will, durchdrückt und ihm jetzt den Lebensabend mit einer saftigen Abfindung versüßt, ist es schon grotesk, dass aus solchen Gründen der kleine Mann tiefer in die Tasche greifen soll. Aber, ich bin ja kein Phantast: würde der Verein ein ausgeprägtes Taktgefühl und ein Gespür für die Stimmung rund um den Verein an den Tag legen, wäre es wohl nicht mein VfB.
Bobic, wie gesagt, für mich nach wie vor der richtige Mann am richtigen Ort. Seine Transferbilanz kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Letzten Winter wurde mit Alexandru Maxim ein dicker Fisch an Land gezogen, mir bereitet es große Freude, dass da jetzt wenigstens einer ist, dessen Freund der Ball ist. Die schon feststehenden Zugänge lesen sich prominenter als in den letzten Transferperioden, käme jetzt noch der eine oder andere der gehandelten Namen wie Leitner, Lasogga, Volland, etc. könneen wir uns sicherlich auf die neue Saison freuen.
Bzgl. der Trainerposition habe ich mich ja in letzter Zeit auf Labbadia eingeschossen. Ihm traue ich es nicht mehr zu, den Karren wieder flott zu bekommen. Er ist mir taktisch zu unflexibel, kann es offensichtlich nicht mit jungen Spielern, erscheint ratlos, wenn ein Spiel in eine andere Richtung läuft als auf dem Reißbrett aufgemalt. Dies spiegelt sich auch in seinen späten und oft nicht nachvollziehbaren Auswechslungen wider. Ein Matchplan sieht sicher anders aus.
Dazu dieses ständige Herumgejammere über das anspruchsvolle Umfeld, die schlechte Stimmung, die begrenzten finanziellen Möglichkeiten, das mangelnde Vertrauen in ihn, die Überbelastung der Spieler. Durch dieses ständige madig machen von allem rund um den VfB, ist er auch nicht der Typ, der eine Aufbruchsstimmung erzeugen und Leute überzeugen kann, ins Stadion zu kommen. Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr kommt, erwartet bloß nicht zu viel. Dies ist auch eine Art von Geschäftsschädigung, ist es doch vergleichbar mit dem Filialleiter, der seine potentiellen Kunden davor warnt, seinen Laden zu betreten.
Den Umgang mit jungen Spielern hat unlängst Silvio Meißner, Berater von Christoph Hemlein, so beschrieben, dass Hemlein vor 1 ½ Jahren, nachdem er einige Male bei den Profis zum Zuge kam, ohne Begründung und persönliche Erklärung wieder zurück zur zweiten Mannschaft degradiert wurde und überhaupt nicht wusste, weshalb. Ich konnte das genauso wenig nachvollziehen und kann mich erinnern, dass er im Pokal gegen den FSV Frankfurt und in Nürnberg ordentliche Auftritte hinlegte. Bei den Amateuren hat er mir meist gut gefallen, vor allem sein Einsatz und die Gier an den Ball zu kommen, haben mir imponiert. Solche Spielertypen mag eigentlich der Zuschauer, Spieler, die sich in jeden Zweikampf reinhauen, die keinen Ball verloren geben und auch einmal über das Ziel hinausschießen. Labbadia sah ihn wohl nicht so, jetzt verlässt uns Hemlein in Richtung Nijmwegen.
Ähnlich muss es Antonio Rüdiger gegangen sein, als er ein ordentliches Spiel gegen Ribery zu Beginn der Rückrunde ablieferte und im nächsten Spiel in Düsseldorf wieder draußen saß. Gerade für unsere junge Spieler, die Kapital für die Zukunft darstellen, benötigen wir einen Trainer, der sowohl psychologisch als auch als Fußballlehrer das Gespür für den Umgang mit ihnen hat, der sie fordern aber zugleich auch fördern kann. Labbadia wird immer einen erfahrenen einem jungen Spieler vorziehen. Ich bin gespannt, was mit Didavi passiert, wenn er denn mal wieder richtig angreifen kann. Ihm hat er ja auch das Blaue vom Himmel versprochen, um dann mit Hajnal den Vertrag zu verlängern.
Daher würde ich mir ein rasches Umdenken in der Trainerfrage wünschen. Die Zeit ist jetzt gekommen, zwischen Bundesligaabschluss und Trainingsbeginn könnte man durchaus an einen Kandidaten herantreten, der woanders unter Vertrag steht. Nach einem neuerlichen Fehlstart, dem Labbadia mit seinen in dieser Woche geäußerten Bemerkungen, die Spieler würden durch die jetzt noch anstehenden Länderspiele ausgepresst wie Zitronen, schon die Ausreden geliefert hat, wäre dieser Zug abgefahren und man müsste abermals auf einen arbeitslosen Fußballlehrer zurück greifen, weil er gerade frei ist und nicht, weil man von seiner Philosophie überzeugt wäre. So dreht man sich auf Dauer im Kreis.
Dafür, dass bei mir nach dem letzten Bundesligaspieltag die Luft raus ist, spricht auch, dass ich dem Pokalfinale mit allem anderem als mit Vorfreude entgegenblicke. Ich freue mich auf die Tour, eine tolle Party mit VfBlern in der Stadt, befürchte für das Spiel jedoch das Schlimmste. Wenn alles normal läuft und beide Teams ihr Leistungsvermögen abrufen, müsste es eine Klatsche setzen, wie sie Berlin in einem Finale noch nicht gesehen hat.
Meiner Meinung nach hängt vieles vom Verlauf des Champion League Finals nächsten Samstag in London ab. Sollte Bayern sein drittes Finale innerhalb von drei Jahren verlieren, der BVB also triumphieren, könnte ich mir vorstellen, dass die Bayern in ein tiefes Loch fallen werden, aus dem es schwer sein dürfte innerhalb von einer Woche positiv gestimmt heraus zu kommen. Spieler wie Lahm und Schweinsteiger würden zu grübeln beginnen, ob ihnen bis Ende ihrer Karriere jemals noch ein internationaler Titel vergönnt sein würde. Daran hätten sie zu knabbern, davon bin ich überzeugt. Daher drücke ich am Samstag den Dortmundern die Daumen, auch wenn sie mich gestern bitterlich enttäuscht haben, durch das Reanimieren des Dorfclubs von der Autobahnraststätte Kraichgau. Gestern früh noch war ich total davon überzeugt, dass wir abends eine Abstiegsparty würden feiern können. So traf es leider die Düsseldorfer, die eben eine grottenschlechte Rückrunde gespielt hatten und selbst gegen eigentlich rechte Gegner zur richtigen Zeit wie Bremen und Nürnberg nicht gewinnen konnten. Der Sieg gegen uns war einer von zweien in der gesamten Rückrunde.
Für eine Einschätzung zum Pokalfinale melde ich mich dann kurz davor noch einmal. Ich mag momentan noch nicht daran denken, es ist einfach noch zu weit weg, angesichts des bevorstehenden Finals in London.
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Lange hatte ich mit mir gerungen, ob ich unser Spiel auf Schalke noch mitnehmen und von dort nach Hamburg fahren soll. Hätte es mir der VfB in dieser Saison öfter gedankt, fast überall hin mitgereist zu sein, hätten die Protagonisten auf dem Rasen stets genau so viel Einsatz und Hingabe geboten wie wir Fans auf den Rängen, wäre das Spiel sportlich noch von Bedeutung gewesen, dann hätte die Frage, vor der ich Stand, sicherlich nicht „ob“ sondern nur „wie“ geheißen. So aber entschloss ich mich erstmals der Facebook-Einladung des OFC Roter Brustring Hamburg zum VfB gucken in der Sportsbar O’Learys in Hamburg-Bahrenfeld zuzusagen und den VfB mit Gleichgesinnten in Hamburg zu verfolgen. Daher war es mein erstes Ziel an diesem Wochenende pünktlich dort einzutreffen und verabredete mich auch mit unseren Bekannten dort, bei denen wir, wie immer, auch Unterschlupf fanden. Da die Bahn- und Flugpreise, wohl auch wegen des Hafengeburtstages, schon exorbitant in die Höhe geschnellt waren – wie gesagt, die Entscheidung aufs Schalke-Spiel zu verzichten, zog sich etwas hin – setzten wir uns Samstag früh gegen 7 Uhr ins Auto und kamen nach weitestgehend staufreier, gemütlicher Fahrt schon um 14 Uhr in Bahrenfeld ein. Die Logistik dort war unschlagbar, was ich schon tags zuvor im Internet so recherchiert hatte. Direkt am S-Bahnhof Bahrenfeld steuerten wir den kostenlosen Park & Ride Platz an, der gerade einmal ca. 50 Meter von der Sportsbar entfernt ist. Besser geht es also überhaupt nicht.
Die Sportsbar machte auf mich auf Anhieb einen sympathischen Eindruck. Die Spiele des HSV und des FC St. Pauli werden dort immer übertragen. Auf Bestellung ist jedoch auch jedes Einzelspiel möglich, das dann in einer der vielen gemütlich angeordneten Nischen angeschaut werden kann. Da wir sehr früh da und daher die ersten VfBler waren, informierten wir uns kurz, wo denn „unser“ Spiel gezeigt werden würde und nahmen schon einmal Platz. Kurz mit einem leckeren Burger gestärkt und schon trafen auch die ersten Fanclubmitglieder ein. Zu Spielbeginn waren wir eine etwa 20 „Mann“ starke schwäbische Enklave mitten in Hamburg, drückten dem VfB die Daumen und konnten am Ende ja sogar einen Auswärtssieg bejubeln. Den Schalkern in die Champions League Suppe zu spucken, das fühlte sich nicht ganz so schlecht an. Nebenan bejubelten die Rauten-Fans den Auswärtssieg in Hoffenheim, so dass überall gute Stimmung herrschte. Hoffenheim so gut wie abgestiegen, der HSV mit einem Bein in der Europa League (mit einer Woche Abstand wissen wir, dass es in beiden Fällen anders kommen sollte…). Wir schauten noch gemütlich „Alle Spiele, alle Tore“, tranken noch einen Pitcher und zogen dann irgendwann weiter in Richtung Landungsbrücken. Das Auto ließen wir bis zum späten Abend stehen, waren doch Parkplätze in der Hansestadt am Hafengeburtstag-Wochenende Mangelware. Erstmals überhaupt durchlief ich den alten Elbtunnel, um die Parade einiger Kreuzfahrtschiffe und das Feuerwerk von der anderen Elb-Seite aus zu bewundern. Es wurde noch ein wunderschöner Abend in einer immer wieder aufs Neue faszinierenden Stadt.
Am Sonntag hatte ich dann ins Auge gefasst, schon frühzeitig von unserem Domizil in Kaltenkirchen nach Hamburg aufzubrechen, um erstmals die Queen Mary 2 live zu sehen. Gegen 7 Uhr sonntagmorgens sollte sie für eine knapp zwölfstündige Stippvisite in der Hansestadt eintreffen. Für die kleine Schwester der Queen Mary 2, der Queen Elizabeth, bin ich schon einmal früh aufgestanden und durch den Hamburger Nieselregen in Richtung Elbe geeilt. Ähnliches hatte ich mir für diesen Sonntag vorgenommen, zumal unsere Gastgeber meistens viel länger schlafen als wir selbst. Der Samstag entpuppte sich durch die lange Fahrt und dem, was dann noch kam, als sehr anstrengend, so dass ich sonntags Mühe hatte, in die Gänge zu kommen, und dieses Vorhaben dann wieder verwarf. Stattdessen genoss ich einen Kaffee nach dem nächsten und hoffte, bis zum Spiel am Millerntor fit zu sein.
Ich weiß, viele VfB-Fans hegen Antipathien gegen St. Pauli, wegen seiner „anderer“ Fans, wegen der vorwiegend linken Ausrichtung und welchen Gründen auch immer. Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Ich fühlte mich dort schon immer sehr wohl, auch rund um die VfB-Spiele in den 1980ern und 1990ern. Im Stadion herrschte Rivalität, danach in den Kneipen auf dem Kiez wurde man stets gut aufgenommen und konnte mit den St. Paulianern richtig einen drauf machen. So hegte ich schon immer Sympathien für die Freibeuter der Liga, ohne besondere Kontakte zum Kiez-Club zu haben. Dies veränderte sich vor nunmehr zehn Jahren. Am Rande unserer UEFA-Cup-Partien gegen Celtic Glasgow, die eine Fanfreundschaft mit St. Pauli pflegen, entwickelte sich ein reger Austausch per Mails und in Foren zwischen der VfB Fancommunity und dem Basis St. Pauli Forum, was darin gipfelte, dass die St. Paulianer uns zum Benefizspiel gegen den FC Bayern einluden. Wir fuhren damals zu dritt mit dem Zug nach Hamburg und wurden schon am Bahnhof von einer etwa zehnköpfigen Gruppe empfangen. Von Beginn an wurden wir sehr herzlich aufgenommen und waren gleich mittendrin statt nur dabei. Es entwickelte sich eine Freundschaft, so dass wir von nun an zumindest ein bis zwei Mal im Jahr ans Millerntor fuhren und auch Gegenbesuche, bspw. mit VfB-Spiel und Volksfest erhielten. Wie immer im Leben, Freundschaften muss man pflegen. Vieles aus der Anfangszeit ist auseinander gegangen, bei vielen Leuten, die damals dabei waren, haben sich teils die Prioritäten verschoben, einige wenige sind aber zu meiner Freude noch übrig geblieben. Ich bin einer der letzten Mohikaner aus dieser Zeit und pflege die Kontakte bis heute so gut es auf die Entfernung eben geht. Ich versuche pro Halbserie ein Spiel am Millerntor zu besuchen, was nicht immer einfach zu organisieren ist, wenn man die oft kurzfristigen Terminierungen in Betracht zieht. Ganz ärgerlich war es vor zwei Jahren, als das VfB-Spiel in Bremen wegen eines Castor-Transports verlegt wurde, so dass wir dann das schon fest eingeplante St. Pauli-Spiel gegen Dresden verpassten und zudem noch Züge und Hotels umzubuchen hatten.
Mittlerweile versuche ich bei Besuchen am Millerntor einen Stehplatz in der Süd zu ergattern, um mit unseren Bekannten und deren Clique zusammenstehen, mit der wir auch schon inzwischen gut bekannt sind und immer viel Spaß haben. Leider gab es gegen Braunschweig, wie auch schon in der Vorsaison, keinen Alkohol im Stadion, da das Spiel als Risikospiel eingestuft wurde. Sehr schade, zumal wir aufgrund der Anlaufschwierigkeiten in den Tag recht spät am Stadion waren und auch gleich hinein gingen.
Gegen den schon feststehenden Aufsteiger aus Braunschweig ging St. Pauli vom Anstoß an beherzt und kampfstark zu Werke und gönnte Braunschweig keinen Meter Boden. So lief das Spiel schon frühzeitig in die von St. Pauli gewünschte Richtung. Es wurde am Ende ein ungefährdeter 5:1-Sieg, der natürlich frenetisch bejubelt wurde. Die Atmosphäre im Stadion war sensationell, zum ersten Mal habe ich die neue Gegengerade voll besetzt gesehen und erlebt. Der Wechselgesang mit der Süd klappt schon ganz gut. Da natürlich durch die größere Kapazität auch „neue“ Leute auf der Tribüne stehen ist der Support natürlich noch etwas ausbaufähig. Gänsehautgarantie war unabhängig vom Ergebnis auch so gegeben. Es hieß Abschied zu nehmen von zwei langjährigen Spielern, nämlich von Florian Bruuuuuunnns und Marius Ebbers Fußballgott. Noch gut 20 Minuten nach Spielende war das Stadion weitestgehend gefüllt, als die beiden ihre Ehrenrunde liefen, und das obwohl es wegen dem zum Risikospiel auserkorenen Aufeinandertreffens kein Vollbier im Stadion gab. Die Jungs jedenfalls bekamen einen Abschied der sich gewaschen hatte. Falls sich der eine oder andere über die Plüschtier-Armada auf dem Rasen wundert: Ebbe hatte sich Spenden in dieser Form gewünscht, diese wurden eingesammelt und werden einem guten Zweck zuführt.
Für mich war das Spiel am Millerntor wie immer ein besonderes Erlebnis, das ich genossen habe. Ich freue mich auch darüber, dass der Klassenerhalt nun in trockenen Tüchern ist und es nicht mehr auf das Ergebnis am letzten Spieltag in Kaiserslautern ankommt. Paddy Funk, unseren Leihspieler, dessen Zukunft noch ungeklärt ist, habe ich noch nie so stark im St. Pauli-Trikot gesehen, wie an diesem Sonntag. Wenn St. Pauli ihn halten möchte und der VfB keine Verwendung mehr für ihn hat, wünsche ich mir, dass sich die beiden Parteien einigen mögen. Angeblich aber, so sickerte es im Laufe der letzten Woche durch, möchte Funk zurück zum VfB. Fände ich ein wenig schade, da ich es mir nicht vorstellen kann, dass er beim VfB Chancen auf einen Stammplatz hätte. In den zwei Jahren auf dem Kiez hat er einen soliden Part gespielt, sich jedoch nicht als der Über-Spieler aus der Bundesliga heraus kristallisiert, so dass er einer Hausnummer wie St. Pauli durchaus weiter gut tun könnte, beim VfB jedoch, der in höheren Kategorien denkt, würde er, zumindest in der ersten Mannschaft chancenlos sein. Eine kleine Hoffnung, dass es sich hierbei um eine Ente handeln könnte, habe ich noch. Angeblich hat der VfB ja eine für St. Pauli utopische Ablösesumme ausgerufen. Vielleicht möchte Paddy ja durch diese „Drohung“ seine Position stärken, indem der VfB nun vor der Wahl steht, einen Spieler, für den man keine Verwendung hat, durchzuschleppen, oder aber Funk für einen endgültigen Abgang keine Steine in den Weg zu legen.
Einen kleinen Wermutstropfen am Millerntor gab es für mich dann doch noch. Braunschweig und besonders Ermin Bicakcic gönne ich den Aufstieg sehr, eine 1:5-Klatsche hätte es jetzt nicht unbedingt sein müssen, ist sie ihrer bisherigen Saison doch nicht ganz würdig.
Vor diesem Spiel hatten einige St. Pauli-Fans ganz schönes Muffensausen, hätte doch bei einer neuerlichen Heimniederlage und einem gleichzeitigen Sieg von Aue und Dresden der Relegationsplatz gedroht. Dass der eine oder andere St. Paulianer recht abergläubisch ist, merkte ich dann schon vor dem Spiel. Viele, die mitbekamen, dass eigentlich der VfB der Club meines Herzens ist, fragten sofort nach „meiner“ Bilanz bei meinen Stippvisiten am Millerntor. Diesbezüglich konnte ich sie beruhigen, ich konnte mich nur an eine einzige Heimniederlage in meinem Beisein erinnern, und da stand ich in der anderen Kurve, als der VfB durch Schipplocks Tor 2:1 gewann. Nach dem Spiel dann wurde schon angekündigt, dass ich das nächste Mal, wenn es wieder Spitz auf Knopf stehen würde, als Talisman angefordert werden würde, was ich mir natürlich gerne gefallen lassen würde.
Gerade dieses Spiel herausgesucht haben wir uns aus zweierlei Gründen. Die Entscheidung dafür fiel bereits Ende des letzten Jahres. Zum einen, weil der vorletzte Spieltag fix terminiert war, zum anderen weil unser Leihspieler Paddy Funk auf unseren Ex-Verteidiger Ermin Bicakcic traf. Letzte Saison bei der gleichen Ansetzung noch, konnte ich mit beiden am Rande des Spiels Smalltalk betreiben und wollte dies eigentlich auch nach diesem Spiel tun.
Nach diesem Spiel aber hatte ich nur noch zwei Dinge im Sinn. Ein Bier und einen Sitzplatz. Es war doch ziemlich anstrengend, vor allem durch die Verabschiedungen in die Länge gezogen, so dass am Ende der Rücken ganz schön geschmerzt hatte. Wir zogen also gleich in Richtung Clubheim los um noch das eine oder andere Astra zu vernichten. Schon im Stadion wurde angekündigt, die Mannschaft würde sich am Hafen auf der Jolly Roger Bühne präsentieren und für das eine oder andere Gespräch zur Verfügung stehen. Unsere dritte Halbzeit am Clubheim dauerte aber wohl zu lang, so dass dieses Event schon vorüber war als wir dort eintrafen. Sei’s drum, es wurde auch so wieder ein netter Abend mit Auslaufparade der Luxusliner, auf der ich dann die Queen Mary 2 doch noch bestaunen durfte.
Mittlerweile bin ich drei, vier Mal im Jahr in Hamburg, meiner absoluten Lieblingsstadt in Deutschland, Stuttgart natürlich nicht mitgezählt. Der nächste Trip lässt so (aller Voraussicht nach) nicht mehr lang auf sich warten. Am letzten Juni-Wochenende steht wieder der Schlagermove an, ein Event, das ich mir schon in den letzten Jahren nicht entgehen ließ und inzwischen auch schon fast so etwas wie eine Pflichtveranstaltung ist.
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