23. Oktober 2012
Nach dem überaus gelungenen Auftakt in ein schönes Fußball-Wochenende in Halle, machten wir uns schnurstracks auf den Weg in die Freie und Hansestadt Hamburg. Die Straßen waren an diesem Samstagnachmittag bzw. -abend erfreulich frei, so dass wir ohne nennenswerte Beeinträchtigungen Hamburg erreichten. Lediglich in der Hamburger Innenstadt verloren wir noch knapp eine halbe Stunde, da, analog zu Stuttgart, rund um den Hauptbahnhof das Baufieber ausgebrochen zu sein scheint und die kurzen Ampelphasen ein zügiges Vorankommen verhinderten. Dennoch lagen wir gut in der Zeit und konnten unser Domizil unweit des Hauptbahnhofes und nahe an der Alster gelegen gegen 20.30 Uhr schon wieder verlassen und uns in Getümmel auf dem Hamburger Kiez stürzen.
Am Sonntagmorgen gegen 11 Uhr machten wir uns dann auf, bereits in voller (VfB-) Montur, um nicht mehr ins Hotel zurück zu müssen. Unser erster Weg führte uns zum Mannschaftshotel an der Außenalster, etwa 200 Meter von unserem Hotel entfernt gelegen, um nachzusehen, ob denn die Mannschaft auch gut angekommen ist. Der Bus stand jedenfalls da, es war aber zunächst weit und breit niemand zu sehen, so dass wir der Alster entlang in die Innenstadt spazieren wollten. Just in diesem Moment sahen wir dann von weitem doch noch eine Horde sportlicher junger Männer in weiß-roten Trainingsanzügen, so dass wir noch einmal kurz umkehrten. Diese verschwanden dann allerdings schnell im Hotel. Lediglich Trainer Bruno Labbadia ließ sich ein „Guten Morgen, schön, dass ihr da seid“ entlocken, William Kvist parlierte noch ein wenig mit einem dänischen Radfahrer, der Rest des Trosses freute sich anscheinend schon aufs nahende Mittagessen. Wir wollten die Jungs natürlich auch nicht in ihrer Konzentration stören und aufdringlich erscheinen, weshalb wir nach ein, zwei Erinnerungsfotos der Außen- und Binnenalster entlang in Richtung Hamburger Innenstadt gingen und uns schließlich entschlossen (jetzt schon) mit der U-Bahn nach St- Pauli zu fahren.


Dort wollten wir noch einen Kaffee trinken und uns langsam auf das bevorstehende Spiel einstimmen. Es war auch zu erwarten, dass sich die VfB-Fans, die schon in der Stadt waren, dort treffen würden. Wir nahmen schließlich in der Hamburger Alm, einem auf bayerisch getrimmten und neben dem Herzblut St. Pauli gelegenen Lokal, draußen Platz und waren überrascht, welch herrlichen Sonnenschein uns dieser SONNtag noch bescherte, war doch laut Videotext eher trübes Wetter für Hamburg gemeldet. Nach einem Cappuccino und einem Blick auf die Uhr, stellte ich fest, dass es langsam an der Zeit wäre, zu testen, wie das erste Astra schmecken würde. Wie erwartet, mundete es sehr, so dass wir an diesem Ort, wohin wir kurze Zeit später noch einen Freund hin dirigierten, bis zur Abfahrt nach Stellingen verweilten.
Gegen 15.45 Uhr nahmen wir also von der Reeperbahn aus die S-Bahn nach Stellingen und von dort aus einen der Shuttle-Busse zum Hamburger Volksparkstadion. Die Busse halten zwischen Stadion und O2-World. Zum Gästeeingang muss man dann noch um das halbe Stadion laufen. Dort angekommen orientierten wir uns zunächst einmal und schauten, wer denn, trotz der ungünstigen Terminierung, den Weg nach Hamburg gefunden hat. Da wir Sitzplatzkarten hatten, waren wir auch nicht besonders in Eile hinein zu kommen.
Hamburg ist schon seit eh und je eines meiner Lieblingsauswärtsspiele. Zum einen ist es meine Lieblingsstadt mit der weltoffenen, aber auch hanseatisch unterkühlten Art. Eine Weltstadt mit Herz, dem Hamburger Hafen als Tor zur Welt, wunderschönen aber auch verruchten Ecken. Eine Vielfalt und Schönheit, die Ihresgleichen sucht. Dazu gehört natürlich auch St. Pauli mit meinem zweitliebsten Verein, wo ich Freunde habe, die uns natürlich immer besonders die Daumen drücken, wenn es gegen die Rauten geht. Wo ein ganzer Stadtteil, einschließlich der Kiez-Beschäftigten eine Identifikation mit dem dort ansässigen FC St. Pauli hegt und pflegt, die mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Mittlerweile bin ich zwischen vier und fünf Mal im Jahr in Hamburg und bekomme einfach nicht genug davon.
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Auch das Stadion gefällt mir gut. Natürlich kein Vergleich mehr zum alten Volksparkstadion, als man von jedem Auswärtsspiel mit einer fetten Erkältung heim kam, weil es im weiten Rund extremst gezogen hat. Man ist jetzt, wie fast überall, sehr nah dran, kann innerhalb des Stadions fast rundherum laufen und man bekommt im Regelfall für Bargeld Vollbier, wo ja sowohl das eine, als auch das andere heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist.
Gut 1.600 VfB-Fans fanden trotz des Spieltermins am Sonntagabend den Weg ins Stadion. Ich kann mich noch gut erinnern, als die DFL davon sprach, sonntags nur Teams gegeneinander antreten zu lassen, die bis zu 300km voneinander entfernt sind. Nun, wie schon in Bremen, war die Entfernung doppelt so weit und ohne Urlaub kaum zu schaffen. Wie bei so vielen Themen, interessiert die hohen Herren bei DFB und DFL aber ihr Geschwätz von gestern nicht mehr, viel mehr, werden den Fans immer höhere Hürden aufgestellt. Sollten die Kernpunkte aus dem Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ in die Tat umgesetzt werden, ohne die Fans mit einzubeziehen, sehe ich uns auf eine noch nie dagewesene Eskalation zusteuern. Es sind fraglos Probleme vorhanden, die es zu lösen gilt und worüber die Fanvertreter auch bereit sind, mit zu diskutieren. Will man aber wegen vereinzelter Hohlköpfe ganze Fangruppen kollektiv bestrafen und Eingangskontrollen außerhalb der Menschenwürde einführen, wird das Ende der Fankultur eingeläutet und wir steuern auf englische Verhältnisse zu. Die Probleme würden mit Sicherheit nicht gelöst sondern nur auf andere Schauplätze und/ oder untere Ligen verlagert. Legislative, Exekutive und Judikative sollten sich hier auf ihre Kernaufgaben zurück besinnen und Straftaten oder Fehlverhalten aufklären, anstatt es sich einfach zu machen und ganze Fanlager vorzuverurteilen und in Sippenhaft zu nehmen. Ein Verein nach dem Anderen lehnt das Papier ja mittlerweile ab oder zieht sich wegen der Vorverurteilungen aus der Kommission zurück. Bundesweit finden Aktionen statt und werden Banner gezeigt mit dem Credo „Fick Dich DFB/ DFL“. In den Farben getrennt, in der Sache vereint!
Eine Aktion in diese Richtung habe ich am Sonntag von den HSV-Fans nicht gesehen, stattdessen hielten sie ein uns Stuttgarter beleidigendes Transparent in die Höhe, welches an geistiger Unreife schwer zu überbieten war. Ich denke, es liegt auf der Hand, wer NACH dem Spiel zu schlucken hatte…


Der VfB trat nach der Länderspielpause wieder mit Tasci für Maza, ansonsten mit der gleichen Formation wie gegen Leverkusen an, also auch, zum dritten Mal in Folge, mit Raphael Holzhauser in der Anfangsformation. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob dessen Berufung dem öffentlichen Druck oder der inneren Überzeugung von Bruno Labbadia geschuldet ist. Seine Leistungen jedenfalls machen mir eines deutlich: man darf die Jungs auf keinen Fall nur nach ihren Leistungen bei der zweiten Mannschaft beurteilen, wo ich auch Holzhauser oft nicht als herausragend gesehen habe. Die 3. Liga ist die unterste Profiklasse, eine Liga, in der meist 12-15 Mannschaften im Abstiegskampf stecken. In der ambitionierte Ex-Profivereine mit ausgebufften und hart zur Sache gehenden Recken antreten, wo es ganz schwer ist, als technisch beschlagener, aber noch nicht so robuster Bursche, sich durchzusetzen.
Holzhauser übernimmt im Profiteam auf Anhieb die kreative Führungsrolle, ist technisch beschlagen und führt schon jetzt so gut wie jeden Standard aus. Ein Hitzkopf, der immer top motiviert und voll bei der Sache ist und Alternativen wie Kuzmanovic oder Hajnal komplett vergessen macht. Durch seine technische Beschlagenheit gleicht er Schnelligkeits- und Spritzigkeitsdefizite, die ihm oft vorgeworfen wurden, mehr als aus. Die Ausführungen Labbadias in seiner „Am Arsch geleckt-„ Wutrede konnte ich insofern nicht nachvollziehen, da er ihn lange nicht berücksichtigt hat. Schon in der letzten Rückrunde, bspw. bei seiner Einwechslung im schon verlorenen Auswärtsspiel auf Schalke, hatte man erkennen können, dass der Junge Spielkultur rein bringt. Anstatt mit aller Macht in den internationalen Wettbewerb zu drängen, den man jetzt dabei ist, sang- und klanglos abzuschenken, hätte man schon in der Rückrunde den ein oder anderen jungen Spieler heranführen können, um die Früchte in dieser Runde zu ernten. Vielleicht wäre es dann auch gelungen, für Kuzmanovic im Sommer noch eine Ablöse zu generieren, wenn man ihm verdeutlicht hätte, dass die Tür zurück ins Team für ihn geschlossen ist. Ein Verein wie der VfB darf es sich einfach nicht leisten, einen solch teuren Spieler ablösefrei ziehen zu lassen, das schon gar nicht, wenn er keine Rolle mehr spielt. Für mich ein ganz ärgerlicher Managementfehler!
Zum Glück wurde Holzhauser nicht verliehen. Eine Leihe ist sicherlich die Möglichkeit, einem vielversprechenden Talent die Möglichkeit einzuräumen, woanders Spielpraxis zu erlangen. Für mich ein probates Mittel, wenn man ein Luxusproblem hat, dass ein Spieler an einem gestandenen Leistungsträger nicht vorbei kommt, ein Los, das früher z. B. Lisztes hinter Balakov hatte. So sind wir aber leider derzeit nicht aufgestellt. Es stechen wenige aus der ersten Elf hervor, die unersetzbar erscheinen, weshalb es für die jungen Spieler umso frustrierender sein muss, wenn sie nicht berücksichtigt werden. Dann birgt eine Leihe auch die Gefahr, dass die Spieler mit dem VfB abschließen und sich dem aufnehmenden Club anschließen wollen, siehe Schieber, siehe zunächst auch Didavi.
In Hamburg jedenfalls machte Holzhauser abermals ein gutes Spiel und schrammte nur haarscharf an seinem ersten Bundesligator vorbei. Bei seiner Auswechslung in der 80. Minute vernahm ich keine Pfiffe, sondern nur begeisterten Applaus.
Zum Spielverlauf muss ich eigentlich nicht die Chronologie der Chancen und der vielen Up’s und wenigen Down’s auflisten.
Der VfB gewann durch ein schön herausgespieltes Tor aus der 30. Minute von Ibisevic nach Hereingabe von Martin Harnik mit 1:0. Für mich war es die beste Saisonleistung vom VfB. Das Kollektiv hat gut zusammengearbeitet, sowohl nach vorne als auch nach hinten. Kvist, der angeschlagen von der Länderspielreise zurück kam, machte ein überragendes Spiel und nahm den Hamburger Spielmacher, von dessen Leistung das Wohl und Wehe des HSV maßgeblich abhängt, fast vollständig aus dem Spiel. Wenn die Hamburger mal unsere dieses Mal bärenstarke Innenverteidigung überwanden, war Sven Ulreich zur Stelle. Auf der Gegenseite konnte der VfB ein ums andere Mal Nadelstiche setzen, war stets präsent und gab das Heft des Handelns während der gesamten 90 Minuten nicht aus der Hand. Was mir dieses Mal sehr gefiel, war, wie konzentriert das Team zur Sache ging und wie wenige leichtfertige Ballverluste dieses Mal zu beklagen waren. Da wurde ein ums andere Mal der Ball in Richtung Seitenaus oder Tribüne gedroschen, anstatt auch nur einen Funken Risiko einzugehen. Es war also wenig, was wir dem HSV angeboten hätten. Und, da die Schaltzentrale aus dem Spiel genommen wurde, fiel den Hausherren nicht sonderlich viel ein. Im Grunde also ein sicherer Erfolg, auch wenn so ein 0:1 die Nerven bis zum zerbersten anspannt. Bei einem vom Kicker ausgewiesenen Chancenverhältnis von 3:10 hätte man uns die Beruhigungspille in Form des zweiten Tores gerne frühzeitig verabreichen dürfen. Einzig die fahrige Chancenverwertung war also zu beklagen, ansonsten konnten wir mit dem Auftritt rundum zufrieden sein. Und, René Adler auf dem Weg zurück zu alter Stärke, bewahrte die Hanseaten vor dem frühzeitigen Knock-Out. Als die Hamburger aber auch in 93 Minuten das Stuttgarter Bollwerk nicht überwinden konnten, war der zweite Saisonsieg des VfB und der zweite Auswärtssieg beim HSV in Folge perfekt. Dieser Pfiff zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht, das ich den ganzen Abend nicht mehr verlieren sollte, so gut hat dieser Auftritt und die volle Punkteausbeute getan. Das war ein Auftritt, der Lust auf mehr macht. Der VfB zeigt immer wieder in Nuancen zu was er imstande ist. Schön wäre es jetzt, Konstanz in den Laden zu bekommen und eine solch konzentrierte Leistung auch gegen Kopenhagen und Frankfurt auf den Rasen zu bekommen und endlich den ersten Heimsieg einzufahren.
Im Stadion traf ich dann nach Ewigkeiten mal wieder meinen Vetter, worauf wir feststellten, dass wir mit einigen des Hamburger VfB-Fanclubs „Roter Brustring Hamburg“ gemeinsame Bekannte haben, mit denen wir den Sieg dann noch standesgemäß begossen.

















27. Februar 2012
Nach dem Sieg gegen Freiburg fiel natürlich trotz des bevorstehenden Hamburg-Trips die 3. Halbzeit nicht komplett aus.
Daher war ich doch einigermaßen gerädert, als am Sonntag um 4 Uhr mein Wecker klingelte und ich fragte mich zunächst einmal, ob ich denn bekloppt wäre mal geschwind für ein Spiel durch die Republik zu düsen, zumal es ja nicht für meinen VfB sondern „nur“ zum Zweitligaspiel St. Pauli gegen die Eintracht aus Braunchweig war. Die Vorfreude auf das Millerntor und darauf einige Bekannte zu treffen, übertünchte diese Gedanken aber im Nu. Der VfB ist mein Herzensverein, St. Pauli kommt mit einigem Abstand aber direkt danach. In den überschaubaren Bundesligajahren des FC St. Pauli war es immer eine tolle Auswärtsfahrt, ohne Trouble wurden wir schon damals stets gastfreundlich aufgenommen.
Rund um unsere UEFA-Cup-Spiele gegen Celtic Glasgow entwickelte sich mit mehreren St. Pauli-Fans eine Freundschaft, die in Teilen bis heute Bestand hat. Mir war es wichtig, diese aufrecht zu erhalten und so finden bis heute regelmäßige Besuche und Gegenbesuche statt, und das nicht nur wenn ein Fußballspiel ansteht.
Für mich war die Begegnung von St. Pauli gegen Braunschweig bereits das 2. Spiel am Millerntor in dieser Saison. Unser Auswärtsspiel in Wolfsburg nutzten wir zur Weiterfahrt nach Hamburg und dem Besuch des Spitzenspiels gegen Eintracht Frankfurt (2:0). Dieses Spiel am Sonntag übte mich für mich, außer der immer faszinierenden Atmosphäre am Millerntor, einen besonderen Reiz aus, trafen doch unser an St. Pauli verliehene Patrick Funk und Ermin Bicakcic, der im Winter zu Braunschweig wechselte, aufeinander. Beide habe ich im Trainingslager als normal und authentisch gebliebene junge Kerle erlebt, die einfach sympathisch sind und deren weiteren Karriereverlauf ich gespannt verfolgen werde. Patrick Funk, der sich in St. Pauli sehr wohlfühlt, soll ja zum VfB zurück wechseln, während Ermin Bicakcic an Braunschweig verkauft wurde. Ermin konnte ich gestern noch persönlich zum Ausdruck bringen, dass ich es sehr schade finde, dass er es nach seiner in Wehen-Wiesbaden erlittenen Verletzung nicht mehr zurück ins Team schaffte und unser Trainer Labbadia scheinbar lieber auf arrivierte Kräfte denn auf den eigenen Nachwuchs setzt. Die Jungs haben doch bislang selten enttäuscht, wenn sie ins kalte Wasser geworfen wurden, wie z. B. erst Ermin und danach Bauer in Wehen-Wiesbaden. Die Verpflichtung von Maza verbaute diesen beiden Jungs den Weg zur nächsten Karrierestufe, ebenso wie die Verpflichtung von Ibisevic Hemlein den Weg ins Team versperrt. Soviel zum Stuttgarter Weg!
So war es mir also auch eine Herzensangelegenheit das Aufeinandertreffen dieser, im übrigen noch gut befreundeten, Jungs live und im Stadion anzusehen. Recht angeschlagen vom Vortag bestieg ich den um 5.51 Uhr startenden ICE nach Dortmund. In Mannheim musste ich umsteigen, hatte dort aber zunächst 40 Minuten Aufenthalt. Da wurde es mir dann bewusst, dass es vielleicht keine so gute Idee war, mit einer VfB-Tüte unterwegs zu sein, da am selben Bahnsteig ein Regionalexpress nach Mainz erwartet wurde, und mich doch etliche dunkle Gestalten unter den Nachtschwärmern deswegen schief anschauten. So war ich froh, als sich der Bahnsteig leerte, als deren Zug einfuhr und wieder lediglich „normale“ Reisende den Bahnsteig bevölkerten. Während des Halts versuchte ich dann erstmals an diesem Morgen feste Nahrung zu mir zu nehmen, was meinem Magen überhaupt nicht gut tat. Als mein Zug dann schließlich einfuhr trank ich entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten und auch der Tatsache geschuldet, dass die Maschine für den Cafe Crema ihren Dienst verweigerte, einen Schwarztee, der mir, toi, toi, toi, richtig gut tat. Die weitere Fahrt verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse. Kurz nach halb zwölf kam ich am Hamburger Hauptbahnhof, wo mir schon ein massives Polizeiaufgebot auffiel. Ich denke, die warteten auf einen Sonderzug aus Braunschweig. 2.500 Braunschweiger wurden erwartet. Ich fuhr dann gleich weiter mit der S-Bahn zum Bahnhof Reeperbahn. Geschickter wäre die U-Bahn gewesen, die direkt am Heiligengeistfeld hält, da mein Bahnticket aber auch in der S-Bahn Gültigkeit besaß, entschied ich mich für diese Variante und einen kurzen Fußweg die Reeperbahn hoch.
Am Stadion angekommen telefonierte ich mich dann gleich mit Bekannten zusammen, die auch „meine“ Karte hatten. Da ein Bekannter für das Spiel abgesagt hatte, kam ich mit einer Dauerkarte ins Stadion, wie früher bei uns auch, noch zum abknipsen. Da wir Stehplätze hatten und die Gruppe sich immer an einem bestimmten Platz im Stehplatzbereich trifft, gingen wir dann auch gleich ins Stadion hinein. Nach der obligatorischen Einlasskontrolle, inklusive dem Begutachten meiner Kamera, waren wir also schon recht früh im Stadion. Dort wurde dann bestätigt, was ich gerüchteweise schon hörte. Das Spiel galt als Risikospiel, daher gab es im gesamten Stadion nur alkoholfreies Bier. Mittlerweile hatte sich auch mein Magen erholt, so dass ich vor Betreten des Stehplatzbereiches, eine gute Stadionwurst essen konnte, wie in Hamburg üblich, mit spärlich Brot dazu.
Dann ging es also rein, in das altehrwürdige Stadion am Millerntor. Mir bereitet es jedes Mal aufs neue Gänsehaut, was die Fans dort abziehen und wie sich mit einigen Gesängen auch selbst auf die Schippe nehmen, wie z. B. gestern erstmals gehört „Ich liebe dich, Ich träum von dir, In meinen Träumen, Bist du Europacupsieger, Doch wenn ich aufwach, Fällt es mir wieder ein, Spielst ganz wo anders, In Liga 2.“ Zu diesem Spiel wurde eine riesige „Wir sind OOOOOH St. Pauli-Choreo“ auf der Südtribüne gezeigt, wofür gleich mal massig braune Fahnen im Block verteilt wurden. Da ich mittendrin war, konnte ich sie leider nicht schön fotografieren.

Die Geschichte des Spiels ist dann schnell erzählt. Das Spiel war von der ersten bis zur 92. Minute total zerfahren. Braunschweig stand gut und St. Pauli fiel wenig bis nichts ein, um die sich gut verschiebenden Braunschweiger Viererketten zu durchbrechen. Obwohl ich Paddy und Ermin mag, drückte ich gestern „natürlich“ St. Pauli die Daumen, auch weil St. Pauli die Punkte für den Aufstiegskampf dringender benötigt, als Braunschweig, die sich als starker Aufsteiger im gesicherten Mittelfeld befinden. Unsere beiden Stuttgarter machten ihre Sache ordentlich. Ermin Bicakcic war für einen Neuen als Innenverteidiger sehr präsent, dirigierte seine Vorderleute und war stets zur Stelle, wenn drohte, etwas anzubrennen. Und, Paddy Funk war bei St. Pauli der passsicherste Spieler. Das St. Pauli Spiel war von vielen Fehlpässen und Ungenauigkeiten geprägt, Paddy war weit und breit der einzige, der sich davon nicht anstecken ließ.
Ohne große Höhepunkte endete das Spiel also 0:0. Sehr ärgerlich aus St. Pauli-Sicht, da die Konkurrenz Federn ließ und mit einem Sieg der Sprung an die Tabellenspitze geglückt wäre. So ist bei St. Pauli weiterhin die Unbeständigkeit das Beständigste. Nächsten Montag geht’s zum Topspiel zu den Münchner Löwen, die derzeit einen Lauf haben und mittlerweile auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen sind.
Nach dem Spiel organisierte ich mir natürlich zuerst ein Astra. Wir warteten dann noch auf Paddy Funk und Ermin Bicakcic. Paddy Funk musste sich sputen, da er seinen Zug zum Treffpunkt der U21-Nationalmannschaft bekommen wollte. Diese spielt am Mittwoch in Halle gegen Griechenland. Dennoch nahm er sich kurz Zeit für einen Smalltalk durch die geöffnete Scheibe seines Daimlers. Dann kam schließlich auch noch Ermin aus dem abgeschirmten Bereich heraus und nahm sich Zeit für einen Plausch und Erinnerungsfotos, bis sich der Braunschweiger Mannschaftsbus in Bewegung setzte. Ich hatte dann noch etwa 2 ½ Stunden Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Diese nutzten wir noch für den Besuch des Schweinske auf der Reeperbahn, mittlerweile so etwas wie meine Lieblingsgastrokette in der Hansestadt. Einen Grillteller und zwei Franziskaner Weissbier später musste ich schon wieder Abschied nehmen. Um 19.24 Uhr war Abfahrt meines Zuges, gegen 1.10 Uhr, 20 Minuten verspätet, kam ich geschafft, aber wieder mit tollen Eindrücken in Stuttgart an. Die Fahrt selbst, die ich fast ausschließlich im Bordbistro verbrachte, war dann kurzweilig, bis Frankfurt hatte ich jedenfalls beste Unterhaltung.
Der Abschied von Hamburg tat dieses Mal nicht ganz so weh wie sonst. Bereits kommendes Wochenende hat Hamburg uns wieder, dann wieder mit dem VfB und der Hoffnung, dass wir seit langem mal wieder ein gutes Auswärtsspiel unseres VfB erleben dürfen.
30. Oktober 2010
Die Freude musste raus – und so konnte Zdravko Kuzmanovic nicht anders, als sich verbotenerweise das Trikot vom Leib zu reißen. Die Gelbe Karte sah der Mittelfeldspieler, doch das war ihm egal. Denn entscheidend war, dass Kuzmanovic in dieser 79. Spielminute das zweite Tor geschossen und so berechtigte Zweifel am Sieg des VfB beseitigt hatte.
Mit 2:0 (1:0) besiegten die Stuttgarter am Sonntagabend den FC St. Pauli und feierten damit vor 40.000 Zuschauern im neunten Bundesligaspiel den zweiten Sieg. Vom letzten Tabellenplatz ist der VfB dadurch auf Rang 14 geklettert und bleibt unter dem neuen Coach Jens Keller ungeschlagen. Der Trainerwechsel hat also vorerst die erhoffte Wirkung erzielt. Allerdings zeigte sich auch gegen den Aufsteiger, dass dem VfB weiterhin sehr viel Arbeit bevorsteht.
In allen Mannschaftsteilen hatte Keller sein Team im Vergleich zum 1:0-Sieg unter der Woche gegen Getafe verändert. In der Innenverteidigung kehrte Serdar Tasci für Khalid Boulahrouz zurück, der wegen einer Muskelverletzung kurzfristig nicht einmal auf der Bank saß. Timo Gebhart ersetzte im Mittelfeld Mauro Camoranesi – ein klares Signal an den Italiener, der bislang weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Und im Sturm erhielt diesmal Pawel Pogrebnjak den Vorzug – sehr zum Verdruss von Ciprian Marica, der am Donnerstag gegen Getafe den Siegtreffer erzielt hatte.
Vom neuen Selbstvertrauen seiner Spieler, von dem Jens Keller zuletzt gesprochen hatte, war dann aber herzlich wenig zu sehen. Im Gegenteil: der Aufsteiger aus St. Pauli war es, der in der Anfangsphase das deutlich bessere Spiel zeigte. Unerschrocken suchten die Hamburger den Weg nach vorne, während dem VfB die Verunsicherung und Nervosität deutlich anzumerken war. Und so fragte man sich, ob es von der Stuttgarter Seite eine gute Idee gewesen war, diese Partie mit derart großer Bedeutung aufzuladen.
Vom “wichtigsten Spiel meiner Karriere” hatte gar Christian Gentner gesprochen – und man mag sich lieber nicht vorstellen, wie es aussieht, sollte der VfB in der Schlussphase der Saison immer noch im Abstiegskampf stecken. Der große Druck jedenfalls lähmte sichtbar (nicht nur) Gentners Beine, bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung kurz vor der Pause gelang dem Mittelfeldspieler fast nichts. Sehr schmeichelhaft war es, dass der VfB zu diesem Zeitpunkt mit 1:0 in Führung lag. Im Anschluss an einen Eckball von Gebhart hatte der Verteidiger Georg Niedermeier mit einem Kopfball ins Tor getroffen (19.) – es war die erste gefährliche Szene vor dem Pauli-Tor. Sicherheit gab allerdings auch die Führung nicht.
Vor dem eigenen Tor brannte es derweil mehrmals lichterloh. Erst kratzte der glänzend aufgelegte Sven Ulreich einen verdeckten Schuss von Matthias Lehmann von der Torlinie (23.). Und als auch der VfB-Torhüter chancenlos gewesen wäre, verhinderte die Unterlatte bei einem 25-Meter-Schuss von Carlos Zambrano den Ausgleich (31.). Zumindest das Glück, das zuletzt gefehlt hatte, stand dem VfB diesmal also zur Seite, und das nicht nur im ersten Abschnitt.
Auch nach der Pause zeigte sich zunächst, warum der VfB vor dem Spiel Letzter und St. Pauli Sechster war. Die Hamburger kamen auch weiter gefährlich vors VfB-Tor. Wieder fehlten nur Zentimeter zum Ausgleich, als Tasci einen Heber von Max Kruse per Fallrückzieher von der Torlinie zurück ins Feld bugsierte (55.). Immerhin hielt der VfB mit großem Einsatz dagegen – und kam nach schöner Vorarbeit des eingewechselten Marica zum erlösenden 2:0. Schon am Mittwoch (20.30 Uhr) geht es für den VfB in der zweiten Pokalrunde in Chemnitz weiter. Übermut ist Fehl am Platz – in Runde eins kegelte der Regionalligist den FC St. Pauli aus dem Wettbewerb.
Stuttgart:
Ulreich – Celozzi, Tasci, Niedermeier, Boka (85.Molinaro) – Träsch, Kuzmanovic – Gebhart, Gentner (38. Harnik) – Cacau – Pogrebnjak (71. Marica).
St. Pauli:
Kessler – Lechner, Zambrano, Thorandt, Oczipka – Boll (63. Bruns), Lehmann – Kruse (58. Naki), Asamoah (83. Takyi), Bartels – Ebbers.
Schiedsrichter:
Welz (Wiesbaden).
Tore:
1:0 Niedermeier (19.), 2:0 Kuzmanovic (79.).
(STZ 24.10.10)
31. Juli 2010
Zwischen Donaueschingen, nach dem müden Kick gegen die Kickers und vor Grenchen stand für uns noch ein verlängertes Wochenende in Hamburg an, auf das wir uns sehr freuten. Entstanden ist dieses Vorhaben, als Ule seiner Alex zum 40er ein Schlagermove-Wochenende in Dortmund schenken wollte. Spontan wie ich manchmal bin, sagte ich, wenn ihr nach Hamburg geht, gehen wir mit. Ich komme zwar musikalisch eher aus der Metaller-Ecke, der Schlagermove wurde mir aber von Hamburger Freunden schon länger wärmstens ans Herz gelegt. Jetzt war also die Gelegenheit, mir dieses Event einmal aus der Nähe anzuschauen.
Als ich dann noch mitbekam, dass just an unserem Anreisetag, dem 16.7.2010, noch der FC St. Pauli ein Testspiel gegen Bayer Leverkusen bestreitet, war ich natürlich Feuer und Flamme. Unseren Bekannten, natürlich St. Pauli Dauerkarteninhaber, teilte ich dann auch gleich mit, dass ich nicht böse wäre, wenn sie ins Stadion gehen wollten und dass wir dann natürlich gerne mit gehen.
Schon seit etlichen Jahren ist für mich der FC St. Pauli der sympathischere Verein in Hamburg. Als Auswärts-Fans sind wir immer gut aufgenommen worden. Wenn man selbst keinen Stunk macht, bekommt man ihn mit den Heimfans dort in der Regel auch nicht. Verstärkt hatte sich die Sympathie in der Zeit rund um unsere UEFA-Cup-Spiele gegen Celtic Glasgow, mit denen der FC St. Pauli eine Fanfreundschaft pflegt. Über die VfB Fan-Community lernten wir das damalige St. Pauli Fanforum “Basis St. Pauli” kennen und traf sich auch das ein oder andere Mal. So fuhren wir zum Benefizspiel der Bayern am Millerntor und bekamen regelmäßig Gegenbesuche, wenn der Wasen anstand.
Vieles hat sich seither verlaufen, mit einigen stehen wir aber bis heute in regem Kontakt und statten uns Besuche und Gegenbesuche ab. Ich finde die Atmosphäre am Millerntor einfach geil und versuche, wenigstens ein Mal pro Saison dort zu sein. So waren wir zuletzt im Februar im Stadion beim Sieg gegen den KSC und so nutzte ich natürlich auch dieses Mal die Gelegenheit, das Spiel gegen Leverkusen und natürlich auch den Umbau des Stadions weiter zu verfolgen. War im Februar die Haupttribüne noch “platt”, ist sie jetzt so gut wie fertig. Wie wir startet auch St. Pauli erst am 2. Spieltag die Heimsaison, um für die Umbaumaßnahmen eine Woche mehr Zeit zu haben. Ich bin mir sicher, das Stadion wird ein richtiges Schmuckkästchen, wenn es fertig ist. Ich muß zugeben, dass ich aber schon auch ein Traditionalist bin. Wie ich bei uns bis heute mit dem Carl-Benz-Center wenig anfangen kann und noch immer der altehrwürdigen Stadiongaststätte hinterher trauerere, so vermisse ich auch, und das als Außenstehender, die alte Gaststätte des FC St. Pauli und fremdele noch ein wenig mit der neuen in die Südtribüne gebauten “Bar”.
So starteten wir also an diesem heißen Freitag unser Unternehmen Hamburg. Wir buchten bei der Bahn einen normalen IC, da dieser preislich erheblich günstiger war, als der ICE, der die Strecke auch nicht schneller bewältigen würde. Wie in etlichen Zügen in diesen Hochsommertagen schwächelte auch in diesem Zug die Klimaanlage, ohne allerdings ganz auszufallen. So war die Fahrt erträglich. Not amused war ich allerdings, dass die Bahn einfach mal den Bistro-Wagen weggelassen hat. Wir nahmen fast kein Vesper und sonstige Wegzehrung mit, weil wir davon ausgingen, bei der Bahn einen Leberkäswecken und ein kühles Franziskaner zu bekommen. Ich wäre aufgrund einer immensen Preisersparnis ohnehin lieber mit dem Auto gefahren – durch solch einen “Service” der Deutschen Bahn werden meine Vorurteile gegen das Bahnfahren natürlich erst recht nicht abgemildert. In Kassel dann wurde uns über die Lautsprecher aufgrund der in einigen Waggons ausgefallenen Klimaanlagen die Möglichkeit eröffnet den ICE auf dem Bahnsteig gegenüber zu nehmen. Für diese Möglichkeit war zunächst ich als einziger offen, sah ich doch die Gelegenheit, doch noch zu einem kühlen Franziskaner zu bekommen. Zunächst wollten alle auf ihren “sicheren” Plätzen sitzen bleiben, wußte man ja nicht, wie voll der andere Zug war. Als der ICE aber uns dann doch noch zu überholen drohte, rannten wir dann doch herüber. Mit einer Verspätung von gut 30 Minuten erreichten wir den Hamburger Hauptbahnhof. Da es mittlerweile schon 17.30 Uhr war und das Spiel um 19 Uhr begann, fuhren wir schnurstracks zum Park & Ride Parkplatz, warfen unser Gepäck ins Auto, und machten uns auf zum Kiez. An der Haltestelle Hagenbecks-Tierpark noch kurz eine “Streifenhörnchen-Dose”, ein Astra-Bier in einer Dose, gestreift wie das letztjährige St. Pauli-Trikot, gepackt und ab in die Straßenbahn.
Jedes Mal, wenn ich die U-Bahnhaltestelle St. Pauli verlasse überkommen mich Glücksgefühle. Ich fühle mich einfach wohl in Hamburg, meiner Lieblingsstadt. Vor allem St. Pauli und die Landungsbrücken haben mir es dort besonders angetan.
Wir gingen dann auch gleich hinein ins Stadion am Millerntor. Hatten wir gegen den KSC noch Sitzplätze in der Nordkurve gehabt, nahmen wir dieses Mal mit unseren Freunden Stehplätze in der Südkurve, um hautnah dabei zu sein. Schön war dann auch, dass wir weitere Bekannte aus früheren Zeiten trafen. Bei St. Pauli spielte erstmals Gerald Asamoah, der Stareinkauf von Schalke, am Millerntor, Leverkusen kam mit Trainer Heynckes, Adler war wieder im Tor, Manuel Friedrich, Patrick Helmes und Sami Hyppiä, aber noch ohne Michael Ballack.





Es entwickelte sich rasch ein flottes Spielchen mit besseren Chancen für St. Pauli. Vor allem Gerald Asamoah zeigte, dass er für die Mannschaft ein riesen Gewinn werden kann und erzielte auch die Führung. Ich muss zugeben, dieser Asamoah war mir weder bei Schalke noch bei der Nationalelf besonders sympathisch, er war für mich eher eine Reizfigur. Das braune Trikot jetzt kleidet ihn aber viel besser als königsblau. Ich kann mir vorstellen, dass er eine gute Verstärkung für St. Pauli werden kann, vor allem mit seiner Erfahrung und seinem Kampfgeist wird er dem ansonsten vielleicht zu grünen Team helfen können. Schade, dass er sich jetzt in der Vorbereitung schwerer verletzt hat und wahrscheinlich den Bundesligaauftakt verpassen wird. Lief St. Pauli zu Beginn noch häufiger in die Abseitsfalle der Leverkusener, war es eben jener Asamoah, der St. Pauli in der 31. Minute verdient in Führung schoss. Diese Führung hatte allerdings nicht sehr lange Bestand, in der 38. Minute traf Helmes zum 1:1, was auch der Pausenstand war.



Anders als sonst, wo ich eigentlich ständig am Fotografieren bin, machte ich bei diesem Spiel vergleichsweise wenig Fotos. Die Bierversorgung war quasi nie unterbrochen, so dass ich oftmals zwei Becher in der Hand und somit keine weitere frei hatte. Außerdem redeten wir natürlich auch viel über alte Zeiten, St. Pauli und den VfB.

Christel und Norbert beim Halbzeitbier

Hoch die Tassen
In der Halbzeit tauschte Holger Stanislawski das gesamte Team aus, was den St. Paulianer Spielfluß unterbrach. In der Folgezeit bestimmte Bayer 04 Leverkusen das Spiel, konnte aber auch kein weiteres Tor mehr erzielen, so dass es beim 1:1 blieb. Auch den Leverkusener, allen voran Trainer Heynckes, merkte man, dass sie Spaß hatten, am Millerntor zu Gast zu sein. Die Bundesliga darf sich freuen, St. Pauli is back. Die Leistung in der 1. Halbzeit gibt Zuversicht, dass St. Pauli in der Liga mithalten kann. Im Tabellenkeller finden sich Mannschaften, die meiner Meinung nach weniger Potential haben, so dass der Klassenerhalt sicher drin sein dürfte. Mich würde es freuen, wenn wir in Zukunft Jahr für Jahr ein Ligaspiel am Millerntor hätten.




Nach dem Schlußpfiff sorgten dann noch die Kids von Timo Schultz für Begeisterung. Als die Mannschaften schon lange das Feld verlassen hatten, wurden diese von einem noch vollen Stadion frenetisch bejubelt, als sie den Ball nach einigem Anlauf im Tor versenkten. Auch das ist St. Pauli, noch Party machen, wenn sie eigentlich schon vorbei ist.



Nach dem Spiel gingen wir dann gleich zur Warmup-Party für den Schlagermove, direkt vor dem Stadion auf dem Heiligengeistfeld. Dort trafen wir auch Ules wieder, die für das Spiel kein Interesse hatten.
Der Samstag begann zunächst einmal mit Kopfschmerzen. Wir hatten wohl das Warsteiner der Warmup-Party nicht vertragen. Nach langer Anlaufzeit und einem gediegenen Frühstück fuhren wir wieder Richtung St. Pauli. Der Schlagermove war schon im Gange, macht aber nichts, da die 44 Trucks zwei Mal auf der Reeperbahn vorbei kommen.
Was dort dann abging übertraf meine kühnsten Erwartungen. Partystimmung und lustige Leute, wohin das Auge reichte. Es war einfach ein perfekter Tag. Nach der großen Hitzewelle war es ein angenehmer Tag. Heiter bis wolkig und etwa 23° mit einem ca. einmütigen Regenschauer. Für eine solche Großveranstaltung mit etwa 400.000 – 500.000 Menschen standen wir relativ unbedrängt, waren nicht im Gedränge und doch mittendrin statt nur dabei. Es waren sowohl ausreichend Getränkestände bzw. mobile Getränkeverkäufer unterwegs, auch für die Verrichtung der Notdurft standen genügend Möglichkeiten zur Verfügung. So war im Grunde alles gegeben und ohne großes Schlangestehen zu erledigen, all das, was mich sonst oft von Großveranstaltungen abschreckt.
Nach den ersten Bieren am Nachmittag und einem leckeren Caipirinha wurde dann auch die Zunge lockerer und man gröhlte bei Evergreens wie Anita, Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben und Polonaise Blankenese lauthals mit. Die tollen Verkleidungen und schön geschmückten Trucks rundeten die gelungene Veranstaltung ab. Mir ging es wirklich so, dass ich mich nicht satt sehen konnte, was da im Sekundentakt an einem vorbei lief oder fuhr. Für uns stand schon an diesem Tag fest, dass wir auch im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen. Untenstehend einige der vielen Eindrücke, die wir gewinnen durften.
















Nach dem Schlagermove gingen wir noch ins nahegelegene Maredo speisen, da wir bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend flüssige Nahrung aufgenommen hatten, und danach noch einmal auf die Schlußparty aufs Heiligengeistfeld. Der Sonntag begann ähnlich wie der Samstag, mit langem Fitwerden, aber ohne Kopfschmerzen. An das Warsteiner hatten wir uns wohl inzwischen gewöhnt. Warsteiner war einer der Sponsoren des Schlagermove, sonst gibt es doch eher Astra auf dem Kiez und manchmal auch ein Franziskaner.
Wir flanierten dann noch ein wenig bei den Landungsbrücken. Saßen in einem Biergarten und beobachteten die Möwen und das Treiben im Hamburger Hafen. Bald darauf hieß es wieder Abschied nehmen, bis zum November, wenn der VfB beim HSV spielt. Die Bahnfahrt verlief ähnlich chaotisch wie die Hinfahrt. Ein Bistrowagen war zwar vorhanden, aber die Kühlung war ausgefallen. So gab es kein kaltes Bier zunächst. Ich ließ mir dann ein paar in einem Eisfach vorkühlen und konnte nach Göttingen dann mein erstes einigermaßen gekühltes Bier trinken. Da verstehe ich die Bahn nicht, erhöhen lieber ständig die Preise, anstatt einfach den Umsatz zu machen, den sie machen könnten.
Wir kamen dann mit 45 Minuten Verspätung in Stuttgart an, statt um 0.44 Uhr erst gegen 1.30 Uhr. Für uns folgte mal wieder ein Ruhetag, um dam Dienstag dann nach Grenchen in die Schweiz aufzubrechen. Ein Bericht davon folgt noch.
Fazit: es war ein ganz tolles Wochenende und ein richtiger Kontrast zu unserem sonstigen Sommerfahrplan, rund um den VfB.
11. Februar 2010
Ich wollte schon lange mal wieder nach St. Pauli, da auf mich das Millerntor und die Atomsphäre dort immer eine große Faszination ausüben. Aufgrund der oft kurzfristigen Spielansetzungen ist das aber nicht so einfach, schon gar nicht, wenn man, wie ich, möglichst auch deswegen kein VfB-Spiel verpassen möchte. Da die ersten Spieltage eines neuen Jahres immer “schon” im Dezember angesetzt werden, nahm ich diesen Spieltag ins Visier. Freitags St. Pauli gegen den KSC, Samstags den VfB beim Club. Da wir uns bei der letzten Aktion von Lidl mit Bahntickets eingedeckt haben und diese Freitags nicht gültig sind, fuhren wir schon am Donnerstag los. Erstes Hindernis war, dass ausgerechnet an diesem Donnerstag die SSB streikten und wir dadurch auf einen Fahrer zum Bahnhof angewiesen waren. Dies tat aber unserer Vorfreude keinen Abbruch und so bestiegen wir gegen halb zwölf den ICE Richtung Hamburg Altona. In Hamburg angekommen fuhren wir mit der U-Bahn zu Hagenbecks Tierpark, wo wir abgeholt wurden. Wir sind schon seit einigen Jahren mit einigen St. Paulianern gut befreundet, so konnten wir auch wieder bei Christel und Holger in Kaltenkirchen übernachten. Am Abend tranken wir dann gemütlich ein paar Bierchen, bekamen auch was zu essen und schauten uns zur Einstimmung auf den Freitag das St. Pauli-Aufstiegsvideo von 2007 an.
Am Freitag dann ließen wir den Tag spät und gemütlich anklingen und fuhren irgendwann mit der AKN-und S-Bahn nach Hamburg rein. Dort nahmen wir noch die U-Bahn und stiegen Feldstraße aus, um zum Millerntor zu pendeln. Gleich am Ausgang der Haltestelle traute ich meinen Augen und Ohren nicht, als ein sichtlich angetrunkener Badenser intonierte “St. Pauli und der KSC – Die Freundschaft”. Hab erst gedacht, ich bin im falschen Film, bis sich herausstellte, dass dies wohl eher einseitiges Wunschdenken war, und kein St. Pauli-Fan darauf reagierte. Weitere Vorkommnisse dieser Art hatte ich dann auch nicht mehr registriert. Insgesamt war alles friedlich. Ich muß auch herausstreichen, dass ich nicht zu dem Spiel gekommen bin, um die Gelbfüßler zu provozieren, sondern um mich möglichst mit dem FC St. Pauli über einen Sieg, und dadurch natürlich auch über eine Niederlage des KSC, zu freuen. So trug ich auch keine VfB-Utensilien zur Schau, man möchte ja schließlich auch nicht unbedingt für irgendwelche Tumulte verantwortlich sein. Vor dem Spiel tranken wir noch ein paar Astra im AFM-Container, um uns darin aufzuwärmen und holten uns die Stadionzeitung.

Wo doch im Süden der Republik an diesem Wochenende kurzzeitig der Frühling Einzug erhalten hat, herrschte im Norden noch Dauerfrost. Das Streusalz ist in ganz Hamburg knapp geworden, so dass die meisten Wege und Straßen vereist waren. Ich kann von Glück reden, dass ich kein einziges Mal auf dem Hosenboden saß, toi, toi, toi. Schließlich trafen wir dann beim Herausgehen noch Bekannte aus alten Zeiten, die nicht schlecht staunten, dass ich mich auch mal wieder am Millerntor blicken ließ. Danach ging es dann auch gleich zu unserem Platz in der Nordkurve. Das Stadion nimmt langsam Konturen an. Die neue Südtribüne hatte ich ja schon bei unserem Freundschaftsspiel vor Beginn der Saison 2008/2009 gesehen, jetzt saß ich auf der durch eine Rohrstahlkonstruktion erweiterten Nordtribüne, dafür wurde die Haupttribüne platt gemacht. Ich denke, wenn das Stadion mal fertig ist, wird es ein richtiges Schmuckkästchen sein. Als Nostalgiker fehlt mir aber, wie beim VfB ja auch, die alte Stadion-Gaststätte. Mit der neuen Location in der Südtribüne bin ich noch nicht so warm. Hab allerdings ja leider auch wenig Gelegenheiten mit ihr warm zu werden.
Als wir die ersten Blicke ins weite Rund warfen, staunten wir zu allererst über den Rasen, der den Namen eigentlich nicht mehr verdient hatte. Ein Rübenacker war das. Es war ja geplant in der Woche vor dem Spiel einen neuen Rasen zu verlegen, was aber aufgrund der eisigen Temperaturen leider nicht möglich war. Doch wenigstens fand das Spiel statt, ein Ausfall hätte mich persönlich wirklich hart getroffen. St. Pauli, sehr gastfreundlich, legte dann zur Freude der höchstens 500 mitgereisten Badenser noch das KSC-Vereinslied auf. Dies nutzte ich dann, mir schnell noch ein Astra zu holen. Vor dem Einlauf der Mannschaften folgte dann die St. Pauli-Hymne “Das Herz von St. Pauli”, wo natürlich die Stimmung sprunghaft anstieg und das Stadion in ein Meer von Wunderkerzen getaucht wurde. Der Einlauf selbst fand traditionell zu Hells Bells statt. Gänsehautatmosphäre schon zu Beginn.


Das Spiel begann rasant, St. Pauli hatte bereits nach wenigen Minuten durch Ebbers die Chance zur Führung. Kurz darauf eine Schrecksekunde, als Matthias Hain, der Torhüter, behandelt werden mußte, er konnte aber weiter spielen.

Für mich war beeindruckend, wie St. Pauli versuchte, von Beginn an, das Spiel an sich zu reißen. Spielerisch lag natürlich aufgrund der äußeren Bedingungen einiges im Argen, doch kämpferisch schaffte es St. Pauli schon zu Beginn dem KSC den Schneid abzukaufen. Klarere Torchancen blieben aber zunächst Mangelware. So resultierte das 1:0 aus der 24. Minute aus einem Freistoß. Rouwen Hennings hämmerte den Ball aus 30 Metern in die Maschen, Miller im KSC-Tor blieb chancenlos.


In der Folgezeit hatte St. Pauli Chancen zu erhöhen, vergab diese jedoch leichtfertig. Vom KSC war so gut wie nichts zu sehen, bis zur 40. Minute, als Naki den Ball vertändelte und Chrisantus, die Leihgabe vom HSV, diesen Fauxpas bestrafte. Doch St. Pauli, im Stile einer Spitzenmannschaft, zeigte sich nicht geschockt und erhöhte nur vier Minuten später nach Ozcipka-Flanke erneut durch Hennings auf 2:1. Mit diesem Resultat ging es in die Kabinen.
Nach der Pause mußten die Karlsruher Rabauken dann erst mal zündeln. Da der Wind günstig stand, nebelten sie nur sich selbst ein.

Auch nach der Pause hatte St. Pauli gute Chancen frühzeitig alles klar zu machen, nutzte sie jeoch nicht und bekam zu allem Überfluß nach Foul von Miller an Ebbers auch noch einen klaren Elfer verwährt.


Der KSC fand zwar fast nicht mehr statt, doch beim Stand von 2:1 muß man ja immer befürchten, noch ein dummes Gegentor zu kassieren. Gott sei Dank blieb den St. Pauli-Fans und auch mir dies erspart. Der FC St. Pauli gewann 2:1 und ist damit weiterhin auf Aufstiegskurs mit 7 Punkten Vorsprung auf den Dritten Augsburg.


Ich drücke St. Pauli die Daumen, dass sie es packen. Für mich ist es ein sehr sympathischer Verein mit tollen Fans, auch wenn ich weiß, dass viele VfBler ein Problem mit denen haben. Es mag daran liegen, dass ich gute Beziehungen und Freundschaften dort hin habe und jedes Mal sehr gut aufgenommen wurde. Außerdem übt auch Hamburg und dabei vor allem der Stadtteil St. Pauli mit den Landungsbrücken, dem Fischmarkt, den Kneipen etc, eben mit all seinen Facetten eine große Faszination auf mich aus und ist mit Abstand meine Lieblingsstadt in Deutschland, außer Stuttgart natürlich.
Nach dem Spiel ging es dann natürlich noch ein wenig auf den Kiez, allerdings nicht bis in die Puppen, zum einen war es äußerst kalt, andererseits mußten wir ja noch den letzten Zug nach Kaltenkirchen bekommen.
Am nächsten Morgen war erstmal ausschlafen angesagt. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden wir dann wieder nach Hamburg gebracht, wo um 12.01 unser ICE nach Nürnberg abfuhr. In sagenhaften 4 Stunden 23 Minuten schaffte es dieser pünktlich in die Frankenmetropole. Dort wurden wir erstmal mit einem einfallsreichen “Stuttgarter Arschlöcher” empfangen, was meine Vorfreude auf einen Auswärtssieg auch nicht unbedingt schmälerte. Vom Bahnhof aus fuhren wir mit der U-Bahn Richtung Messe Nürnberg, wo nicht nur die Spielwarenmesse stattfand, sondern auch die VfB-Fanbusse parkten. Dort konnten wir unser Gepäck unterbringen und nach dem Spiel mit zurückfahren. Als wir dort ankamen, war die Freude erstmal riesig, dass alles so perfekt geklappt hat. Vor dem Abmarsch zum Stadion genehmigte ich mir zunächst einmal noch ein Hofbräu zur Feier des Tages. Dann ging es also los in Richtung Stadion, vom Parkplatz aus etwa 600 Meter Fußweg. Wie in Nürnberg üblich wird man dort als auswärtiger Fan ständig angepöbelt. Wenn man wie ich nicht auf Ärger aus ist, schaltet man eben auf Durchzug. Am Stadion folgten wir dann den Wegweisern zu unserem Block. Als wir dort um Einlaß baten, wurden wir umgehend zurückgewiesen. Aufgrund der großen Anzahl der Gästefans wurde der Gästebereich erweitert. Unser Block gehört normalerweise schon zum Nürnberger Revier, so mußten wir also umdrehen und doch wieder zum Gästeeingang. Darauf hätten sie auch von vornherein hinweisen bzw. beschildern können, aber soviel Flexibilität kann man wohl nicht überall erwarten. Dafür kamen wir durch den Einlaß schnell und ohne Probleme durch. Unsere Plätze, nah am durch eine Plexiglasscheibe getrennten Bereich der Nürnberger, waren eigentlich nicht schlecht. Einziges Manko wieder einmal, dass ich unseren Fanblock nur sehr schlecht im Blick hatte. Die Nürnberger boten dann noch eine kleine Choreo “Pro 15.30″ dar, bevor auch schon das Spiel, aufgrund des großen Zuschauerandrangs mit ein paar Minuten Verspätung, angepfiffen wurde.


Das Spiel begann rasant. Dem FCN merkte man an, dass sie durch den Auswärtssieg in Hannover vor Wochenfrist Selbstvertrauen getankt hatten. Die Verstärkungen aus der Winterpause, die Bayern-Leihgaben Ottl und Breno sowie der vom HSV gekommene Tavares spielten allesamt von Beginn an. Beim VfB mußten weiterhin Delpierre und Cacau passen, so dass die gleiche Mannschaft begann, wie beim 4:1 gegen Dortmund. Die erste Chance in der Anfangsphase hatte der Club, Charisteas köpfte jedoch über das Tor. Die Nürnberger waren aggressiv und bissig und versuchten dem VfB frühzeitig den Schneid abzukaufen. Der VfB wirkte in der Anfangsphase beeindruckt und verlor die Mehrzahl der Zweikämpfe. Christian Gross war damit ganz und gar nicht einverstanden und versuchte die Mannschaft von außen immer wieder anzutreiben. Allerdings standen die unseren hinten sehr gut und ließen keine nennenswerten Chancen der Franken zu. Dann fiel wie aus heiterem Himmel mit der ersten richtigen Torchance das 0:1 für den VfB. Khedira düpierte auf dem linken Flügel Andreas Wolf und paßte scharf in den Rücken der Abwehr. Die Nürnberger Innenverteidung konzentrierte sich eher auf Pavel Pogrebnjak im Zentrum und vergaß Timo Gebhart, der mitgelaufen war und aus halbrechter Position trocken ins rechte Toreck von ihm aus gesehen einnetzte. Riesen-Jubel natürlich bei uns im Block und den etwa 3.500 mitgereisten VfB-Fans.

In der Folgezeit ruhte sich der VfB ein wenig auf der Führung aus und brachte nach vorne nicht mehr viel zustande. Die Clubberer rackerten zwar, außer zu relativ ungefährlichen Distanzschüssen von Mintal und Eigler langte es bei ihnen aber auch nicht vor dem Wechsel. In der 42. Minute bei einem der wenigen Vorstöße des VfB hätte es sogar noch Elfmeter für uns geben können, als Diekmeier eine Flanke von Pogrebnjak mit der Hand abwehrte. Gab es aber nicht, so ging es mit der, zumindest aufgrund der Spielanteile, schmeichelhaften Führung in die Kabinen. Wir stärkten uns mit einer original Nürnberger Rostbratwurst, die jedoch leider an eine Stuttgarter Stadion-Rote nicht im entferntesten heranreichte.
Unmittelbar hatte Ciprian Marica, der an seine starken Leistungen der Vorwochen nicht anknüpfen konnte, die große Chance zum vorentscheidenden 2:0 auf dem Fuß, Raphael Schäfer hielt aber sein Team im Spiel. Es war die letzte Aktion von Marica, der, gelbverwarnt, für Kuzmanovic Platz machen mußte. So stellte Christian Gross also auf eine Spitze um, was ich nicht ganz verstand. Gebhart hatte in der 55. Minute zwar aus ähnlicher Position wie zuvor Marica noch das 2:0 auf dem Fuß, fand aber auch in Schäfer seinen Meister. Jedoch verlagerte sich das Spiel in dieser Phase mehr und mehr in unsere Hälfte. Schließlich rächte sich die Passivität des VfB. Der Schweizer Bunjaku, an dem angeblich der VfB interessiert sein soll, düpierte Celozzi, der in dieser Situation nicht gut aussah, und zog ab. Auch Lehmann machte keine gute Figur, kam der Ball doch direkt auf ihn zugeflogen. Auf diesen vermeintlich haltbaren Ball nach dem Spiel angesprochen, beschwerte sich Lehmann über die neuen, immer unberechenbareren Bälle, und betonte, dass er aufgrund dieser weiteren Fortschritte der Sportgerätehersteller froh wäre, dass er sich im Herbst seiner Karriere befände. Nach dem Ausgleich drängten die unermüdlichen Nürnberger auf mehr, waren aber letztendlich zu harmlos bzw. die VfB-Abwehr war auf der Höhe. Lediglich Bunjakus Flanke, die an Freund und Feind vorbei durch den 5-Meter-Raum flog, brachte Gefahr, nachdem er einmal mehr Celozzi düpierte. Der VfB fand nun langsam den Faden wieder. Erster “Warnschuß” für die Nürnberger war ein Kopfball von Pogrebnjak in der 73. Minute. Vier Minuten später kam es nach einem Foul von Gebhart an Tavares zur Rudelbildung. Wie einst im Mai in Berlin eilte auch Schäfer aus seinem Kasten und forderte vehement eine Karte. Die hätte er selbst bekommen müssen, was hat der Kasper auch 40 Meter vor seinem Tor verloren. Wenn es gegen den VfB geht, erweckt der immer den Eindruck, uns besonders zu hassen, weil er seiner Ansicht nach ungerecht behandelt wurde in Stuttgart. Dabei sollte er sich zuerst mal an die eigene Nase fassen, mit Leistung hätte er sich schließlich ein Standing erarbeiten können. Lehmann war ja auch nicht Everybodies Darling, als er beim VfB anheuerte, überzeugte aber als sicherer Rückhalt. Die Leistung blieb aber während seiner ganzen Zeit beim VfB aus, stattdessen leistete er sich einen Bock nach dem nächsten und verschuldete während seines Wirkens einige deftige Niederlagen. Seine Misere begann schon im ersten Spiel vor heimischem Publikum, beim Liga-Pokal gegen die Bayern, als er sich einen Ball aus gut 25 Metern von Ribery fast selbst ins Netz legte. In schlechter Erinnerung sind mir auch noch besonders die 1:4 Auswärtsklatsche in Hamburg, als er wie ein Troll durch den Strafraum irrte und sein “Abschiedsspiel” in Wolfsburg, als wir 0:4 verloren. Dabei nahm das Unheil seinen Lauf, als Schäfer einen Fernschuß vor die Füße eines Wolfsburgers nur abklatschte, der nur noch einschieben brauchte. Bei diesen beiden und noch viel mehr deftigen Niederlagen waren wir dabei. Doch Schäfer fühlt sich nach wie vor ungerecht behandelt und tritt in jedem Interview, in dem seine Stuttgarter Zeit zur Sprache kommt, verbal nach. Ich war heilfroh, als dieses Kapitel beim VfB endlich beendet war. Für mich war er ein Hampelmann im Tor und der schlechteste VfB-Torwart seit Rene Deck. Versüßt wurde Schäfer seine “Leidenszeit” beim VfB im übrigen mit etwa 2 Millionen Euro Jahresgehalt und einer sicher stattlichen Abfindung.

In dieser Szene erhielten dann lediglich Gebhart und Breno die gelbe Karte, Schäfer wurder verschont. Danach hatte man den Eindruck, dass beide Teams mit dem Remis nicht zufrieden waren, es gab Chancen hüben wie drüben. Doch der VfB hatte erfreulicherweise das bessere Ende für sich. Nürnberg ließ sich im eigenen Stadion auskontern. Wieder lief der Konter über den überragenden Kapitän Sami Khedira, diesmal von rechts kommende. Er paßte erneut scharf herein, Pogrebnjak ließ klug durch und Hilbert kam vor dem sich verspekulierenden Schäfer an den Ball und netzte ein. Jetzt war natürlich weder auf der VfB-Bank noch im Gästebereich des Easy-Credit-Stadions ein Halten mehr. Grenzenloser Jubel brandete auf, als die Mannschaft in Kurve kam, um den Ex-Fürther Roberto Hilbert zu feiern.


Schäfer reklamierte daraufhin, keine Ahnung, was er gesehen haben möchte, das Tor war absolut regulär. Er sah die gelbe Karte, welche nach dem vorigen Vergehen gelb-rot hätte sein müssen. Der Club wirkte jetzt geschockt und der VfB hätte den Sack zumachen müssen. Tasci traf innerhalb weniger Sekunden bei einem Gestochere im Nürnberger Strafraum zwei Mal nur den Pfosten. Nach dieser Aktion verließ Schäfer wie von der Tarantel gestochen sein Gehäuse und wechselte sich selbst aus. Der Abgang, bei dem er sich noch ein Wortgefecht mit unserem Trainer Christian Gross lieferte, verstärkte meinen Eindruck, dass dieser Typ nicht ganz bachen ist. Gut, hinterher stellte sich heraus, dass er sich bei Tascis Chancen eine offene Rißwunde zuzog. Tasci konnte man dabei allerdings keine Schuld unterstellen. Egal, dieses Kasperle-Theater brachte weitere wertvolle Sekunden und wenig später war Schluß. Der VfB gewann also auch das vierte Rückrundenspiel und festigte den 10. Tabellenplatz. Mit dem Abstieg werden wir aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun haben, im Gegenteil, wer weiß, was noch möglich ist, wenn die Leistung konserviert werden kann. Auch wenn das Spiel insgesamt sicher das schwächste war unter der Leitung von Christian Gross, merkt man, wie konzentriert gearbeitet wird. Die Spielzüge und die Laufbereitschaft der Mannschaft machen Hoffnung auf mehr. Die Mannschaft versucht umzusetzen, was der Trainer vorgibt, nämlich auch in kritischen Situationen konzentriert nach vorne zu spielen, und das klappt immer besser. Ein Sieg am kommenden Samstag gegen den HSV würde, vor allem auch in Bezug der nahenden Begegnung gegen den FC Barcelona, noch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen geben und wäre daher sehr wichtig. Und es könnte der Abstand zu den Plätzen 4 und 5 weiter verringert werden. Selbst diese scheinen nicht mehr außer Reichweite zu sein. Doch das Credo von Gross, von Spiel zu Spiel zu denken, ist nach dieser verkorksten Vorrunde sicher nicht das schlechteste. Ich persönlich verlange auch keinen internationalen Startplatz für die nächste Saison. Würde das Team ihn erreichen, sprechen wir wieder von einer tollen Aufholjagd. Wird er verpaßt, würde ich diesem Umstand auch etwas positives abgewinnen können. Die Doppelbelastung, mit der wir selten gut zurecht gekommen sind, fiele weg. Dann wäre unter Umständen eine grandiose Saison in der Bundesliga möglich, siehe Leverkusen in dieser Saison.




Nachdem wir die Mannschaft gebührend gefeiert und verabschiedet hatten, lieferten wir uns noch einige Wortgefechte mit enttäuschten Nürnbergern. Nach dem dort einmal mehr erlebten Gepöbele, hätte ich auch nichts dagegen, der Club würde wieder absteigen, schaun mer mal wie es kommt. Wenn sie die Leistung vom Samstag in der Rückrunde weiter bringen, denke ich aber, dass sie die notwendigen Siege zum Klassenerhalt einfahren werden. Der VfB war cleverer und in den entscheidenden Momenten hellwach. Gegen die meisten anderen Bundesligamannschaften hätte es für die Nürnberger wohl zu einem Sieg gereicht.
Wir liefen dann im Pulk feiernder VfBler zurück zum Bus, wo wir die letzte Station unseres “verlängerten” Wochenendtrips antraten. Mit dem RWS Berkheim fuhren wir mit nach Esslingen-Berkheim, wo ich bereits am Mitwoch mein Auto abgestellt hatte. Logistisch einwandfrei gelaufen.
Im Bus wurde dann mit Wulle-Bier und Stuttgarter Hofbräu noch das Spiel analysiert und der Sieg gefeiert, Anita trank nichts, sie mußte mich schließlich noch heimfahren.
Alles in allem also ein sehr gelungenes Wochenende. Ich kam richtig euphorisiert zurück und freue mich auf die nächsten Spiele. Dem FC St. Pauli drücke ich für das Heimspiel gegen den FSV Frankfurt die Daumen und hoffe, dass sie dem Aufstieg wieder ein Stück näher kommen und dem VfB natürlich gegen den HSV einen Tag später. Eine Woche später sind wir dann in Kölle, wo seit gestern sicher auch der Baum brennt.
. Ziel dann: nach Freiburg und Nürnberg den dritten Auswärtssieg in Folge, denn “AUSWÄRTS SIEGEN IST SCHÖN”.
Bilder und Bericht vom HSV-Spiel möglicherweise am Sonntag, wenn die Party, auf der wir am Samstag sind, nicht ganz so heftig wird. Ich wünsche Euch was und bis bald
Euer Franky