23. Oktober 2012

Geschlossene Mannschaftsleistung

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , , – Franky @ 13:11

Nach dem überaus gelungenen Auftakt in ein schönes Fußball-Wochenende in Halle, machten wir uns schnurstracks auf den Weg in die Freie und Hansestadt Hamburg. Die Straßen waren an diesem Samstagnachmittag bzw. -abend erfreulich frei, so dass wir ohne nennenswerte Beeinträchtigungen Hamburg erreichten. Lediglich in der Hamburger Innenstadt verloren wir noch knapp eine halbe Stunde, da, analog zu Stuttgart, rund um den Hauptbahnhof das Baufieber ausgebrochen zu sein scheint und die kurzen Ampelphasen ein zügiges Vorankommen verhinderten. Dennoch lagen wir gut in der Zeit und konnten unser Domizil unweit des Hauptbahnhofes und nahe an der Alster gelegen gegen 20.30 Uhr schon wieder verlassen und uns in Getümmel auf dem Hamburger Kiez stürzen.

Am Sonntagmorgen gegen 11 Uhr machten wir uns dann auf, bereits in voller (VfB-) Montur, um nicht mehr ins Hotel zurück zu müssen. Unser erster Weg führte uns zum Mannschaftshotel an der Außenalster, etwa 200 Meter von unserem Hotel entfernt gelegen, um nachzusehen, ob denn die Mannschaft auch gut angekommen ist. Der Bus stand jedenfalls da, es war aber zunächst weit und breit niemand zu sehen, so dass wir der Alster entlang in die Innenstadt spazieren wollten. Just in diesem Moment sahen wir dann von weitem doch noch eine Horde sportlicher junger Männer in weiß-roten Trainingsanzügen, so dass wir noch einmal kurz umkehrten. Diese verschwanden dann allerdings schnell im Hotel. Lediglich Trainer Bruno Labbadia ließ sich ein „Guten Morgen, schön, dass ihr da seid“ entlocken, William Kvist parlierte noch ein wenig mit einem dänischen Radfahrer, der Rest des Trosses freute sich anscheinend schon aufs nahende Mittagessen. Wir wollten die Jungs natürlich auch nicht in ihrer Konzentration stören und aufdringlich erscheinen, weshalb wir nach ein, zwei Erinnerungsfotos der Außen- und Binnenalster entlang in Richtung Hamburger Innenstadt gingen und uns schließlich entschlossen (jetzt schon) mit der U-Bahn nach St- Pauli zu fahren.

Dort wollten wir noch einen Kaffee trinken und uns langsam auf das bevorstehende Spiel einstimmen. Es war auch zu erwarten, dass sich die VfB-Fans, die schon in der Stadt waren, dort treffen würden. Wir nahmen schließlich in der Hamburger Alm, einem auf bayerisch getrimmten und neben dem Herzblut St. Pauli gelegenen Lokal, draußen Platz und waren überrascht, welch herrlichen Sonnenschein uns dieser SONNtag noch bescherte, war doch laut Videotext eher trübes Wetter für Hamburg gemeldet. Nach einem Cappuccino und einem Blick auf die Uhr, stellte ich fest, dass es langsam an der Zeit wäre, zu testen, wie das erste Astra schmecken würde. Wie erwartet, mundete es sehr, so dass wir an diesem Ort, wohin wir kurze Zeit später noch einen Freund hin dirigierten, bis zur Abfahrt nach Stellingen verweilten.

Gegen 15.45 Uhr nahmen wir also von der Reeperbahn aus die S-Bahn nach Stellingen und von dort aus einen der Shuttle-Busse zum Hamburger Volksparkstadion. Die Busse halten zwischen Stadion und O2-World. Zum Gästeeingang muss man dann noch um das halbe Stadion laufen. Dort angekommen orientierten wir uns zunächst einmal und schauten, wer denn, trotz der ungünstigen Terminierung, den Weg nach Hamburg gefunden hat. Da wir Sitzplatzkarten hatten, waren wir auch nicht besonders in Eile hinein zu kommen.

Hamburg ist schon seit eh und je eines meiner Lieblingsauswärtsspiele. Zum einen ist es meine Lieblingsstadt mit der weltoffenen, aber auch hanseatisch unterkühlten Art. Eine Weltstadt mit Herz, dem Hamburger Hafen als Tor zur Welt, wunderschönen aber auch verruchten Ecken. Eine Vielfalt und Schönheit, die Ihresgleichen sucht. Dazu gehört natürlich auch St. Pauli mit meinem zweitliebsten Verein, wo ich Freunde habe, die uns natürlich immer besonders die Daumen drücken, wenn es gegen die Rauten geht. Wo ein ganzer Stadtteil, einschließlich der Kiez-Beschäftigten eine Identifikation mit dem dort ansässigen FC St. Pauli hegt und pflegt, die mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Mittlerweile bin ich zwischen vier und fünf Mal im Jahr in Hamburg und bekomme einfach nicht genug davon. :-) .

Auch das Stadion gefällt mir gut. Natürlich kein Vergleich mehr zum alten Volksparkstadion, als man von jedem Auswärtsspiel mit einer fetten Erkältung heim kam, weil es im weiten Rund extremst gezogen hat. Man ist jetzt, wie fast überall, sehr nah dran, kann innerhalb des Stadions fast rundherum laufen und man bekommt im Regelfall für Bargeld Vollbier, wo ja sowohl das eine, als auch das andere heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Gut 1.600 VfB-Fans fanden trotz des Spieltermins am Sonntagabend den Weg ins Stadion. Ich kann mich noch gut erinnern, als die DFL davon sprach, sonntags nur Teams gegeneinander antreten zu lassen, die bis zu 300km voneinander entfernt sind. Nun, wie schon in Bremen, war die Entfernung doppelt so weit und ohne Urlaub kaum zu schaffen. Wie bei so vielen Themen, interessiert die hohen Herren bei DFB und DFL aber ihr Geschwätz von gestern nicht mehr, viel mehr, werden den Fans immer höhere Hürden aufgestellt. Sollten die Kernpunkte aus dem Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ in die Tat umgesetzt werden, ohne die Fans mit einzubeziehen, sehe ich uns auf eine noch nie dagewesene Eskalation zusteuern. Es sind fraglos Probleme vorhanden, die es zu lösen gilt und worüber die Fanvertreter auch bereit sind, mit zu diskutieren. Will man aber wegen vereinzelter Hohlköpfe ganze Fangruppen kollektiv bestrafen und Eingangskontrollen außerhalb der Menschenwürde einführen, wird das Ende der Fankultur eingeläutet und wir steuern auf englische Verhältnisse zu. Die Probleme würden mit Sicherheit nicht gelöst sondern nur auf andere Schauplätze und/ oder untere Ligen verlagert. Legislative, Exekutive und Judikative  sollten sich hier auf ihre Kernaufgaben zurück besinnen und Straftaten oder Fehlverhalten aufklären, anstatt es sich einfach zu machen und ganze Fanlager vorzuverurteilen und in Sippenhaft zu nehmen. Ein Verein nach dem Anderen lehnt das Papier ja mittlerweile ab oder zieht sich wegen der Vorverurteilungen aus der Kommission zurück. Bundesweit finden Aktionen statt und werden Banner gezeigt mit dem Credo „Fick Dich DFB/ DFL“. In den Farben getrennt, in der Sache vereint!

Eine Aktion in diese Richtung habe ich am Sonntag von den HSV-Fans nicht gesehen, stattdessen hielten sie ein uns Stuttgarter beleidigendes Transparent in die Höhe, welches an geistiger Unreife schwer zu überbieten war. Ich denke, es liegt auf der Hand, wer NACH dem Spiel zu schlucken hatte…

Der VfB trat nach der Länderspielpause wieder mit Tasci für Maza, ansonsten mit der gleichen Formation wie gegen Leverkusen an, also auch, zum dritten Mal in Folge, mit Raphael Holzhauser in der Anfangsformation. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob dessen Berufung dem öffentlichen Druck oder der inneren Überzeugung von Bruno Labbadia geschuldet ist. Seine Leistungen jedenfalls machen mir eines deutlich: man darf die Jungs auf keinen Fall nur nach ihren Leistungen bei der zweiten Mannschaft beurteilen, wo ich auch Holzhauser oft nicht als herausragend gesehen habe. Die 3. Liga ist die unterste Profiklasse, eine Liga, in der meist 12-15 Mannschaften im Abstiegskampf stecken. In der ambitionierte Ex-Profivereine mit ausgebufften und hart zur Sache gehenden Recken antreten, wo es ganz schwer ist, als technisch beschlagener, aber noch nicht so robuster Bursche, sich durchzusetzen.

Holzhauser übernimmt im Profiteam auf Anhieb die kreative Führungsrolle, ist technisch beschlagen und führt schon jetzt so gut wie jeden Standard aus. Ein Hitzkopf, der immer top motiviert und voll bei der Sache ist und Alternativen wie Kuzmanovic oder Hajnal komplett vergessen macht. Durch seine technische Beschlagenheit gleicht er Schnelligkeits- und Spritzigkeitsdefizite, die ihm oft vorgeworfen wurden, mehr als aus. Die Ausführungen Labbadias in seiner „Am Arsch geleckt-„ Wutrede konnte ich insofern nicht nachvollziehen, da er ihn lange nicht berücksichtigt hat. Schon in der letzten Rückrunde, bspw. bei seiner Einwechslung im schon verlorenen Auswärtsspiel auf Schalke, hatte man erkennen können, dass der Junge Spielkultur rein bringt. Anstatt mit aller Macht in den internationalen Wettbewerb zu drängen, den man jetzt dabei ist, sang- und klanglos abzuschenken, hätte man schon in der Rückrunde den ein oder anderen jungen Spieler heranführen können, um die Früchte in dieser Runde zu ernten. Vielleicht wäre es dann auch gelungen, für Kuzmanovic im Sommer noch eine Ablöse zu generieren, wenn man ihm verdeutlicht hätte, dass die Tür zurück ins Team für ihn geschlossen ist.  Ein Verein wie der VfB darf es sich einfach nicht leisten, einen solch teuren Spieler ablösefrei ziehen zu lassen, das schon gar nicht, wenn er keine Rolle mehr spielt. Für mich ein ganz ärgerlicher Managementfehler!

Zum Glück wurde Holzhauser nicht verliehen. Eine Leihe ist sicherlich die Möglichkeit, einem vielversprechenden Talent die Möglichkeit einzuräumen, woanders Spielpraxis zu erlangen. Für mich ein probates Mittel, wenn man ein Luxusproblem hat, dass ein Spieler an einem gestandenen Leistungsträger nicht vorbei kommt, ein Los, das früher z. B. Lisztes hinter Balakov hatte. So sind wir aber leider derzeit nicht aufgestellt. Es stechen wenige aus der ersten Elf hervor, die unersetzbar erscheinen, weshalb es für die jungen Spieler umso frustrierender sein muss, wenn sie nicht berücksichtigt werden. Dann birgt eine Leihe auch die Gefahr, dass die Spieler mit dem VfB abschließen und sich dem aufnehmenden Club anschließen wollen, siehe Schieber, siehe zunächst auch Didavi.

In Hamburg jedenfalls machte Holzhauser abermals ein gutes Spiel und schrammte nur haarscharf an seinem ersten Bundesligator vorbei. Bei seiner Auswechslung in der 80. Minute vernahm ich keine Pfiffe, sondern nur begeisterten Applaus.

Zum Spielverlauf muss ich eigentlich nicht die Chronologie der Chancen und der vielen Up’s und wenigen Down’s auflisten.

Der VfB gewann durch ein schön herausgespieltes Tor aus der 30. Minute von Ibisevic nach Hereingabe von Martin Harnik mit 1:0.  Für mich war es die beste Saisonleistung vom VfB. Das Kollektiv hat gut zusammengearbeitet, sowohl nach vorne als auch nach hinten. Kvist, der angeschlagen von der Länderspielreise zurück kam, machte ein überragendes Spiel und nahm den Hamburger Spielmacher, von dessen Leistung das Wohl und Wehe des HSV maßgeblich abhängt, fast vollständig aus dem Spiel. Wenn die Hamburger mal unsere dieses Mal bärenstarke Innenverteidigung überwanden, war Sven Ulreich zur Stelle. Auf der Gegenseite konnte der VfB ein ums andere Mal Nadelstiche setzen, war stets präsent und gab das Heft des Handelns während der gesamten 90 Minuten nicht aus der Hand. Was mir dieses Mal sehr gefiel, war, wie konzentriert das Team zur Sache ging und wie wenige leichtfertige Ballverluste dieses Mal zu beklagen waren. Da wurde ein ums andere Mal der Ball in Richtung Seitenaus oder Tribüne gedroschen, anstatt auch nur einen Funken Risiko einzugehen. Es war also wenig, was wir dem HSV angeboten hätten. Und, da die Schaltzentrale aus dem Spiel genommen wurde, fiel den Hausherren nicht sonderlich viel ein. Im Grunde also ein sicherer Erfolg, auch wenn so ein 0:1 die Nerven bis zum zerbersten anspannt. Bei einem vom Kicker ausgewiesenen Chancenverhältnis von 3:10 hätte man uns die Beruhigungspille in Form des zweiten Tores gerne frühzeitig verabreichen dürfen. Einzig die fahrige Chancenverwertung war also zu beklagen, ansonsten konnten wir mit dem Auftritt rundum zufrieden sein. Und, René Adler auf dem Weg zurück zu alter Stärke, bewahrte die Hanseaten vor dem frühzeitigen Knock-Out. Als die Hamburger aber auch in 93 Minuten das Stuttgarter Bollwerk nicht überwinden konnten, war der zweite Saisonsieg des VfB und der zweite Auswärtssieg beim HSV in Folge perfekt. Dieser Pfiff zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht, das ich den ganzen Abend nicht mehr verlieren sollte, so gut hat dieser Auftritt und die volle Punkteausbeute getan. Das war ein Auftritt, der Lust auf mehr macht. Der VfB zeigt immer wieder in Nuancen zu was er imstande ist. Schön wäre es jetzt, Konstanz in den Laden zu bekommen und eine solch konzentrierte Leistung auch gegen Kopenhagen und Frankfurt auf den Rasen zu bekommen und endlich den ersten Heimsieg einzufahren.

Im Stadion traf ich dann nach Ewigkeiten mal wieder meinen Vetter, worauf wir feststellten, dass wir mit einigen des Hamburger VfB-Fanclubs „Roter Brustring Hamburg“ gemeinsame Bekannte haben, mit denen wir den Sieg dann noch standesgemäß begossen.

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27. Februar 2012

Immer eine Reise wert: St. Pauli

Nach dem Sieg gegen Freiburg fiel natürlich trotz des bevorstehenden Hamburg-Trips die 3. Halbzeit nicht komplett aus.

Daher war ich doch einigermaßen gerädert, als am Sonntag um 4 Uhr mein Wecker klingelte und ich fragte mich zunächst einmal, ob ich denn bekloppt wäre mal geschwind für ein Spiel durch die Republik zu düsen, zumal es ja nicht für meinen VfB sondern „nur“ zum Zweitligaspiel St. Pauli gegen die Eintracht aus Braunchweig war. Die Vorfreude auf das Millerntor und darauf einige Bekannte zu treffen, übertünchte diese Gedanken aber im Nu. Der VfB ist mein Herzensverein, St. Pauli kommt mit einigem Abstand aber direkt danach. In den überschaubaren Bundesligajahren des FC St. Pauli war es immer eine tolle Auswärtsfahrt, ohne Trouble wurden wir schon damals stets gastfreundlich aufgenommen.

Rund um unsere UEFA-Cup-Spiele gegen Celtic Glasgow entwickelte sich mit mehreren St. Pauli-Fans eine Freundschaft, die in Teilen bis heute Bestand hat. Mir war es wichtig, diese aufrecht zu erhalten und so finden bis heute regelmäßige Besuche und Gegenbesuche statt, und das nicht nur wenn ein Fußballspiel ansteht.

Für mich war die Begegnung von St. Pauli gegen Braunschweig bereits das 2. Spiel am Millerntor in dieser Saison. Unser Auswärtsspiel in Wolfsburg nutzten wir zur Weiterfahrt nach Hamburg und dem Besuch des Spitzenspiels gegen Eintracht Frankfurt (2:0). Dieses Spiel am Sonntag übte mich für mich, außer der immer faszinierenden Atmosphäre am Millerntor, einen besonderen Reiz aus, trafen doch unser an St. Pauli verliehene Patrick Funk und Ermin Bicakcic, der im Winter zu Braunschweig wechselte, aufeinander. Beide habe ich im Trainingslager als normal und authentisch gebliebene junge Kerle erlebt, die einfach sympathisch sind und deren weiteren Karriereverlauf ich gespannt verfolgen werde. Patrick Funk, der sich in St. Pauli sehr wohlfühlt, soll ja zum VfB zurück wechseln, während Ermin Bicakcic an Braunschweig verkauft wurde. Ermin konnte ich gestern noch persönlich zum Ausdruck bringen, dass ich es sehr schade finde, dass er es nach seiner in Wehen-Wiesbaden erlittenen Verletzung nicht mehr zurück ins Team schaffte und unser Trainer Labbadia scheinbar lieber auf arrivierte Kräfte denn auf den eigenen Nachwuchs setzt. Die Jungs haben doch bislang selten enttäuscht, wenn sie ins kalte Wasser geworfen wurden, wie z. B. erst Ermin und danach Bauer in Wehen-Wiesbaden. Die Verpflichtung von Maza verbaute diesen beiden Jungs den Weg zur nächsten Karrierestufe, ebenso wie die Verpflichtung von Ibisevic Hemlein den Weg ins Team versperrt. Soviel zum Stuttgarter Weg!

So war es mir also auch eine Herzensangelegenheit das Aufeinandertreffen dieser, im übrigen noch gut befreundeten, Jungs live und im Stadion anzusehen. Recht angeschlagen vom Vortag bestieg ich den um 5.51 Uhr startenden ICE nach Dortmund. In Mannheim musste ich umsteigen, hatte dort aber zunächst 40 Minuten Aufenthalt. Da wurde es mir dann bewusst, dass es vielleicht keine so gute Idee war, mit einer VfB-Tüte unterwegs zu sein, da am selben Bahnsteig ein Regionalexpress nach Mainz erwartet wurde, und mich doch etliche dunkle Gestalten unter den Nachtschwärmern deswegen schief anschauten. So war ich froh, als sich der Bahnsteig leerte, als deren Zug einfuhr und wieder lediglich „normale“ Reisende den Bahnsteig bevölkerten. Während des Halts versuchte ich dann erstmals an diesem Morgen feste Nahrung zu mir zu nehmen, was meinem Magen überhaupt nicht gut tat. Als mein Zug dann schließlich einfuhr trank ich entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten und auch der Tatsache geschuldet, dass die Maschine für den Cafe Crema ihren Dienst verweigerte, einen Schwarztee, der mir, toi, toi, toi, richtig gut tat. Die weitere Fahrt verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse. Kurz nach halb zwölf kam ich am Hamburger Hauptbahnhof, wo mir schon ein massives Polizeiaufgebot auffiel. Ich denke, die warteten auf einen Sonderzug aus Braunschweig. 2.500 Braunschweiger wurden erwartet. Ich fuhr dann gleich weiter mit der S-Bahn zum Bahnhof Reeperbahn. Geschickter wäre die U-Bahn gewesen, die direkt am Heiligengeistfeld hält, da mein Bahnticket aber auch in der S-Bahn Gültigkeit besaß, entschied ich mich für diese Variante und einen kurzen Fußweg die Reeperbahn hoch.

Am Stadion angekommen telefonierte ich mich dann gleich mit Bekannten zusammen, die auch „meine“ Karte hatten. Da ein Bekannter für das Spiel abgesagt hatte, kam ich mit einer Dauerkarte ins Stadion, wie früher bei uns auch, noch zum abknipsen. Da wir Stehplätze hatten und die Gruppe sich immer an einem bestimmten Platz im Stehplatzbereich trifft, gingen wir dann auch gleich ins Stadion hinein. Nach der obligatorischen Einlasskontrolle, inklusive dem Begutachten meiner Kamera, waren wir also schon recht früh im Stadion. Dort wurde dann bestätigt, was ich gerüchteweise schon hörte. Das Spiel galt als Risikospiel, daher gab es im gesamten Stadion nur alkoholfreies Bier. Mittlerweile hatte sich auch mein Magen erholt, so dass ich vor Betreten des Stehplatzbereiches, eine gute Stadionwurst essen konnte, wie in Hamburg üblich, mit spärlich Brot dazu.

Dann ging es also rein, in das altehrwürdige Stadion am Millerntor. Mir bereitet es jedes Mal aufs neue Gänsehaut, was die Fans dort abziehen und wie sich mit einigen Gesängen auch selbst auf die Schippe nehmen, wie z. B. gestern erstmals gehört „Ich liebe dich, Ich träum von dir, In meinen Träumen, Bist du Europacupsieger, Doch wenn ich aufwach, Fällt es mir wieder ein, Spielst ganz wo anders, In Liga 2.“ Zu diesem Spiel wurde eine riesige „Wir sind OOOOOH St. Pauli-Choreo“ auf der Südtribüne gezeigt, wofür gleich mal massig braune Fahnen im Block verteilt wurden. Da ich mittendrin war, konnte ich sie leider nicht schön fotografieren.

Die Geschichte des Spiels ist dann schnell erzählt. Das Spiel war von der ersten bis zur 92. Minute total zerfahren. Braunschweig stand gut und St. Pauli fiel wenig bis nichts ein, um die sich gut verschiebenden Braunschweiger Viererketten zu durchbrechen. Obwohl ich Paddy und Ermin mag, drückte ich gestern „natürlich“ St. Pauli die Daumen, auch weil St. Pauli die Punkte für den Aufstiegskampf dringender benötigt, als Braunschweig, die sich als starker Aufsteiger im gesicherten Mittelfeld befinden. Unsere beiden Stuttgarter machten ihre Sache ordentlich. Ermin Bicakcic war für einen Neuen als Innenverteidiger sehr präsent, dirigierte seine Vorderleute und war stets zur Stelle, wenn drohte, etwas anzubrennen. Und, Paddy Funk war bei St. Pauli der passsicherste Spieler. Das St. Pauli Spiel war von vielen Fehlpässen und Ungenauigkeiten geprägt, Paddy war weit und breit der einzige, der sich davon nicht anstecken ließ.

Ohne große Höhepunkte endete das Spiel also 0:0. Sehr ärgerlich aus St. Pauli-Sicht, da die Konkurrenz Federn ließ und mit einem Sieg der Sprung an die Tabellenspitze geglückt wäre. So ist  bei St. Pauli weiterhin die Unbeständigkeit das Beständigste. Nächsten Montag geht’s zum Topspiel zu den Münchner Löwen, die derzeit einen Lauf haben und mittlerweile auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen sind.

Nach dem Spiel organisierte ich mir natürlich zuerst ein Astra. Wir warteten dann noch auf Paddy Funk und Ermin Bicakcic. Paddy Funk musste sich sputen, da er seinen Zug zum Treffpunkt der U21-Nationalmannschaft bekommen wollte. Diese spielt am Mittwoch in Halle gegen Griechenland. Dennoch nahm er sich kurz Zeit für einen Smalltalk durch die geöffnete Scheibe seines Daimlers. Dann kam schließlich auch noch Ermin aus dem abgeschirmten Bereich heraus und nahm sich Zeit für einen Plausch und Erinnerungsfotos, bis sich der Braunschweiger Mannschaftsbus in Bewegung setzte. Ich hatte dann noch etwa 2 ½ Stunden Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Diese nutzten wir noch für den Besuch des Schweinske auf der Reeperbahn, mittlerweile so etwas wie meine Lieblingsgastrokette in der Hansestadt. Einen Grillteller und zwei Franziskaner Weissbier später musste ich schon wieder Abschied nehmen. Um 19.24 Uhr war Abfahrt meines Zuges, gegen 1.10 Uhr, 20 Minuten verspätet, kam ich geschafft, aber wieder mit tollen Eindrücken in Stuttgart an. Die Fahrt selbst, die ich fast ausschließlich im Bordbistro verbrachte, war dann kurzweilig, bis Frankfurt hatte ich jedenfalls beste Unterhaltung.

Der Abschied von Hamburg tat dieses Mal nicht ganz so weh wie sonst. Bereits kommendes Wochenende hat Hamburg uns wieder, dann wieder mit dem VfB und der Hoffnung, dass wir seit langem mal wieder ein gutes Auswärtsspiel unseres VfB erleben dürfen.

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31. Juli 2010

Millerntor und Schlagermove

Zwischen Donaueschingen, nach dem müden Kick gegen die Kickers und vor Grenchen stand für uns noch ein verlängertes Wochenende in Hamburg an, auf das wir uns sehr freuten. Entstanden ist dieses Vorhaben, als Ule seiner Alex zum 40er ein Schlagermove-Wochenende in Dortmund schenken wollte. Spontan wie ich manchmal bin, sagte ich, wenn ihr nach Hamburg geht, gehen wir mit. Ich komme zwar musikalisch eher aus der Metaller-Ecke, der Schlagermove wurde mir aber von Hamburger Freunden schon länger wärmstens ans Herz gelegt. Jetzt war also die Gelegenheit, mir dieses Event einmal aus der Nähe anzuschauen.

Als ich dann noch mitbekam, dass just an unserem Anreisetag, dem 16.7.2010, noch der FC St. Pauli ein Testspiel gegen Bayer Leverkusen bestreitet, war ich natürlich Feuer und Flamme. Unseren Bekannten, natürlich St. Pauli Dauerkarteninhaber, teilte ich dann auch gleich mit, dass ich nicht böse wäre, wenn sie ins Stadion gehen wollten und dass wir dann natürlich gerne mit gehen.

Schon seit etlichen Jahren ist für mich der FC St. Pauli der sympathischere Verein in Hamburg. Als Auswärts-Fans sind wir immer gut aufgenommen worden. Wenn man selbst keinen Stunk macht, bekommt man ihn mit den Heimfans dort in der Regel auch nicht. Verstärkt hatte sich die Sympathie in der Zeit rund um unsere UEFA-Cup-Spiele gegen Celtic Glasgow, mit denen der FC St. Pauli eine Fanfreundschaft pflegt. Über die VfB Fan-Community lernten wir das damalige St. Pauli Fanforum “Basis St. Pauli” kennen und traf sich auch das ein oder andere Mal. So fuhren wir zum Benefizspiel der Bayern am Millerntor und bekamen regelmäßig Gegenbesuche, wenn der Wasen anstand.

Vieles hat sich seither verlaufen, mit einigen stehen wir aber bis heute in regem Kontakt und statten uns Besuche und Gegenbesuche ab. Ich finde die Atmosphäre am Millerntor einfach geil und versuche, wenigstens ein Mal pro Saison dort zu sein. So waren wir zuletzt im Februar im Stadion beim Sieg gegen den KSC und so nutzte ich natürlich auch dieses Mal die Gelegenheit, das Spiel gegen Leverkusen und natürlich auch den Umbau des Stadions weiter zu verfolgen. War im Februar die Haupttribüne noch “platt”, ist sie jetzt so gut wie fertig. Wie wir startet auch St. Pauli erst am 2. Spieltag die Heimsaison, um für die Umbaumaßnahmen eine Woche mehr Zeit zu haben. Ich bin mir sicher, das Stadion wird ein richtiges Schmuckkästchen, wenn es fertig ist. Ich muß zugeben, dass ich aber schon auch ein Traditionalist bin. Wie ich bei uns bis heute mit dem Carl-Benz-Center wenig anfangen kann und noch immer der altehrwürdigen Stadiongaststätte hinterher trauerere, so vermisse ich auch, und das als Außenstehender, die alte Gaststätte des FC St. Pauli und fremdele noch ein wenig mit der neuen in die Südtribüne gebauten “Bar”.

So starteten wir also an diesem heißen Freitag unser Unternehmen Hamburg. Wir buchten bei der Bahn einen normalen IC, da dieser preislich erheblich günstiger war, als der ICE, der die Strecke auch nicht schneller bewältigen würde. Wie in etlichen Zügen in diesen Hochsommertagen schwächelte auch in diesem Zug die Klimaanlage, ohne allerdings ganz auszufallen. So war die Fahrt erträglich. Not amused war ich allerdings, dass die Bahn einfach mal den Bistro-Wagen weggelassen hat. Wir nahmen fast kein Vesper und sonstige Wegzehrung mit, weil wir davon ausgingen, bei der Bahn einen Leberkäswecken und ein kühles Franziskaner zu bekommen. Ich wäre aufgrund einer immensen Preisersparnis ohnehin lieber mit dem Auto gefahren – durch solch einen “Service” der Deutschen Bahn werden meine Vorurteile gegen das Bahnfahren natürlich erst recht nicht abgemildert. In Kassel dann wurde uns über die Lautsprecher aufgrund der in einigen Waggons ausgefallenen Klimaanlagen die Möglichkeit eröffnet den ICE auf dem Bahnsteig gegenüber zu nehmen. Für diese Möglichkeit war zunächst ich als einziger offen, sah ich doch die Gelegenheit, doch noch zu einem kühlen Franziskaner zu bekommen. Zunächst wollten alle auf ihren “sicheren” Plätzen sitzen bleiben, wußte man ja nicht, wie voll der andere Zug war. Als der ICE aber uns dann doch noch zu überholen drohte, rannten wir dann doch herüber. Mit einer Verspätung von gut 30 Minuten erreichten wir den Hamburger Hauptbahnhof. Da es mittlerweile schon 17.30 Uhr war und das Spiel um 19 Uhr begann, fuhren wir schnurstracks zum Park & Ride Parkplatz, warfen unser Gepäck ins Auto, und machten uns auf zum Kiez. An der Haltestelle Hagenbecks-Tierpark noch kurz eine “Streifenhörnchen-Dose”, ein Astra-Bier in einer Dose, gestreift wie das letztjährige St. Pauli-Trikot, gepackt und ab in die Straßenbahn.

Jedes Mal, wenn ich die U-Bahnhaltestelle St. Pauli verlasse überkommen mich Glücksgefühle. Ich fühle mich einfach wohl in Hamburg, meiner Lieblingsstadt. Vor allem St. Pauli und die Landungsbrücken haben mir es dort besonders angetan.

Wir gingen dann auch gleich hinein ins Stadion am Millerntor. Hatten wir gegen den KSC noch Sitzplätze in der Nordkurve gehabt, nahmen wir dieses Mal mit unseren Freunden Stehplätze in der Südkurve, um hautnah dabei zu sein. Schön war dann auch, dass wir weitere Bekannte aus früheren Zeiten trafen. Bei St. Pauli spielte erstmals Gerald Asamoah, der Stareinkauf von Schalke, am Millerntor, Leverkusen kam mit Trainer Heynckes, Adler war wieder im Tor, Manuel Friedrich, Patrick Helmes und Sami Hyppiä, aber noch ohne Michael Ballack.

Es entwickelte sich rasch ein flottes Spielchen mit besseren Chancen für St. Pauli. Vor allem Gerald Asamoah zeigte, dass er für die Mannschaft ein riesen Gewinn werden kann und erzielte auch die Führung. Ich muss zugeben, dieser Asamoah war mir weder bei Schalke noch bei der Nationalelf besonders sympathisch, er war für mich eher eine Reizfigur. Das braune Trikot jetzt kleidet ihn aber viel besser als königsblau. Ich kann mir vorstellen, dass er eine gute Verstärkung für St. Pauli werden kann, vor allem mit seiner Erfahrung und seinem Kampfgeist wird er dem ansonsten vielleicht zu grünen Team helfen können. Schade, dass er sich jetzt in der Vorbereitung schwerer verletzt hat und wahrscheinlich den Bundesligaauftakt verpassen wird. Lief St. Pauli zu Beginn noch häufiger in die Abseitsfalle der Leverkusener, war es eben jener Asamoah, der St. Pauli in der 31. Minute verdient in Führung schoss. Diese Führung hatte allerdings nicht sehr lange Bestand, in der 38. Minute traf Helmes zum 1:1, was auch der Pausenstand war.

Anders als sonst, wo ich eigentlich ständig am Fotografieren bin, machte ich bei diesem Spiel vergleichsweise wenig Fotos. Die Bierversorgung war quasi nie unterbrochen, so dass ich oftmals zwei Becher in der Hand und somit keine weitere frei hatte. Außerdem redeten wir natürlich auch viel über alte Zeiten, St. Pauli und den VfB.

Christel und Norbert beim Halbzeitbier

Hoch die Tassen

In der Halbzeit tauschte Holger Stanislawski das gesamte Team aus, was den St. Paulianer Spielfluß unterbrach. In der Folgezeit bestimmte Bayer 04 Leverkusen das Spiel, konnte aber auch kein weiteres Tor mehr erzielen, so dass es beim 1:1 blieb. Auch den Leverkusener, allen voran Trainer Heynckes, merkte man, dass sie Spaß hatten, am Millerntor zu Gast zu sein. Die Bundesliga darf sich freuen, St. Pauli is back. Die Leistung in der 1. Halbzeit gibt Zuversicht, dass St. Pauli in der Liga mithalten kann. Im Tabellenkeller finden sich Mannschaften, die meiner Meinung nach weniger Potential haben, so dass der Klassenerhalt sicher drin sein dürfte. Mich würde es freuen, wenn wir in Zukunft Jahr für Jahr ein Ligaspiel am Millerntor hätten.

Nach dem Schlußpfiff sorgten dann noch die Kids von Timo Schultz für Begeisterung. Als die Mannschaften schon lange das Feld verlassen hatten, wurden diese von einem noch vollen Stadion frenetisch bejubelt, als sie den Ball nach einigem Anlauf im Tor versenkten. Auch das ist St. Pauli, noch Party machen, wenn sie eigentlich schon vorbei ist.

Nach dem Spiel gingen wir dann gleich zur Warmup-Party für den Schlagermove, direkt vor dem Stadion auf dem Heiligengeistfeld. Dort trafen wir auch Ules wieder, die für das Spiel kein Interesse hatten.

Der Samstag begann zunächst einmal mit Kopfschmerzen. Wir hatten wohl das Warsteiner der Warmup-Party nicht vertragen. Nach langer Anlaufzeit und einem gediegenen Frühstück fuhren wir wieder Richtung St. Pauli. Der Schlagermove war schon im Gange, macht aber nichts, da die 44 Trucks zwei Mal auf der Reeperbahn vorbei kommen.

Was dort dann abging übertraf meine kühnsten Erwartungen. Partystimmung und lustige Leute, wohin das Auge reichte. Es war einfach ein perfekter Tag. Nach der großen Hitzewelle war es ein angenehmer Tag. Heiter bis wolkig und etwa 23° mit einem ca. einmütigen Regenschauer. Für eine solche Großveranstaltung mit etwa 400.000 – 500.000 Menschen standen wir relativ unbedrängt, waren nicht im Gedränge und doch mittendrin statt nur dabei. Es waren sowohl ausreichend Getränkestände bzw. mobile Getränkeverkäufer unterwegs, auch für die Verrichtung der Notdurft standen genügend Möglichkeiten zur Verfügung. So war im Grunde alles gegeben und ohne großes Schlangestehen zu erledigen, all das, was mich sonst oft von Großveranstaltungen abschreckt.

Nach den ersten Bieren am Nachmittag und einem leckeren Caipirinha wurde dann auch die Zunge lockerer und man gröhlte bei Evergreens wie Anita, Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben und Polonaise Blankenese lauthals mit. Die tollen Verkleidungen und schön geschmückten Trucks rundeten die gelungene Veranstaltung ab. Mir ging es wirklich so, dass ich mich nicht satt sehen konnte, was da im Sekundentakt an einem vorbei lief oder fuhr. Für uns stand schon an diesem Tag fest, dass wir auch im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen. Untenstehend einige der vielen Eindrücke, die wir gewinnen durften.

Nach dem Schlagermove gingen wir noch ins nahegelegene Maredo speisen, da wir bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend flüssige Nahrung aufgenommen hatten, und danach noch einmal auf die Schlußparty aufs Heiligengeistfeld. Der Sonntag begann ähnlich wie der Samstag, mit langem Fitwerden, aber ohne Kopfschmerzen. An das Warsteiner hatten wir uns wohl inzwischen gewöhnt. Warsteiner war einer der Sponsoren des Schlagermove, sonst gibt es doch eher Astra auf dem Kiez und manchmal auch ein Franziskaner.

Wir flanierten dann noch ein wenig bei den Landungsbrücken. Saßen in einem Biergarten und beobachteten die Möwen und das Treiben im Hamburger Hafen. Bald darauf hieß es wieder Abschied nehmen, bis zum November, wenn der VfB beim HSV spielt. Die Bahnfahrt verlief ähnlich chaotisch wie die Hinfahrt. Ein Bistrowagen war zwar vorhanden, aber die Kühlung war ausgefallen. So gab es kein kaltes Bier zunächst. Ich ließ mir dann ein paar in einem Eisfach vorkühlen und konnte nach Göttingen dann mein erstes einigermaßen gekühltes Bier trinken. Da verstehe ich die Bahn nicht, erhöhen lieber ständig die Preise, anstatt einfach den Umsatz zu machen, den sie machen könnten.

Wir kamen dann mit 45 Minuten Verspätung in Stuttgart an, statt um 0.44 Uhr erst gegen 1.30 Uhr. Für uns folgte mal wieder ein Ruhetag, um dam Dienstag dann nach Grenchen in die Schweiz aufzubrechen. Ein Bericht davon folgt noch.

Fazit: es war ein ganz tolles Wochenende und ein richtiger Kontrast zu unserem sonstigen Sommerfahrplan, rund um den VfB.

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13. Februar 2010

Routinier mit Ambitionen „Van the Man“ will mit dem HSV nach oben

Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij, geboren im niederländischen Oss, zu fußballerischem Weltruhm gekommen als Ruud van Nistelrooy in Eindhoven, Manchester und Madrid, verstärkt seit Januar den Angriff
des Hamburger Sport-Vereins. Der Transfer von „Van the Man“ war mit Sicherheit der ligaweit spektakulärste Wechsel in diesem Winter und löste in der Hansestadt eine Welle der Euphorie um den internationalen
Topstürmer aus. Den ersten Vereinsrekord knackte der 33-Jährige dann auch schon bevor er überhaupt nur eine einzige Pfl ichtspielminute für den HSV bestritten hatte. Denn sein Jersey mit der Nummer 22 verkaufte
sich innerhalb weniger Wochen über 2.000 Mal. Dies gelang beim Traditionsverein aus dem hohen Norden binnen so kurzer Zeit noch keinem anderen Spieler. Sein Bundesliga-Debüt feierte van Nistelrooy am
vergangenen Samstag beim 3:3 der Labbadia-Elf in Köln, als er kurz vor dem Schlusspfiff für den Doppeltorschützen Mladen Petric eingewechselt wurde. Seine Einsatzzeiten sollen sich in den kommenden Partien aber deutlich erhöhen. Die Möglichkeit, dass der Welttorjäger von 2002 bereits im heutigen Spiel in weitaus größerem Maße zum Zuge kommt, ist durchaus gegeben. Immerhin hat der Niederländer in der Vergangenheit schon bewiesen, dass er weiß, wo in Stuttgart das Tor steht. Beim legendär gewordenen
2:1-Sieg des VfB über Manchester United in der Champions League anno 2003 war es van Nistelrooy, der den Treffer der Red Devils markierte, damals vom Elfmeterpunkt aus. Und bei der Weltmeisterschaft 2006 erzielte der 64-fache Nationalspieler für die holländische Elftal ebenfalls in der Mercedes-Benz Arena ein Tor, das seinen Farben den Sieg gegen die Elfenbeinküste brachte. Das Kapitel Nationalmannschaft, für die er insgesamt 33 Tore erzielte, hat er zwischenzeitlich für sich für beendet erklärt, auf Vereinsebene will er aber indes noch einiges erreichen. „Der HSV ist ein toller Verein, mit einer starken Mannschaft und großen Ambitionen. Und große Ambitionen habe ich auch“, betonte Ruud van Nistelrooy schon bei seiner Vorstellung in Hamburg.
Seine Tore sollen dazu beitragen, dass die HSV-Raute auch in der kommenden Saison wieder in Europa präsent sein wird. Schließlich möchte der Weltstar seinen 59 Europapokal-Toren noch ein paar weitere hinzufügen und mit den Hamburgern auch einen Titel gewinnen.

(Stadion Aktuell 13.2.10)

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8. Januar 2010

Der VfB Stuttgart im September 2009

September

4.9.2009

Osorio will den VfB verlassen

Beim VfB Stuttgart bahnt sich der erste Abgang im Sommer 2010 an: Rechtsverteidiger Ricardo Osorio will die Roten verlassen.

Nach Pavel Pardo verliert der VfB am Saisonende wohl auch seinen zweiten Mexikaner. Ricardo Osorio (29) verkündete jedenfalls vor dem WM-Qualifikationsspiel in Costa Rica, er werde die Roten nach Vertragsende 2010 verlassen. Er sei enttäuscht darüber, dass ihm der VfB den gewünschten Zweijahresvertrag verwehrt habe.

“Wir reagieren nicht auf Zeitungsmeldungen. Wir werden uns mit Oso zu gegebener Zeit zusammensetzen”, sagte VfB-Manager Jochen Schneider. Osorio hatte zuletzt seinen Stammplatz als rechter Verteidiger verloren. (STN online)

4.9. 2009

Torflut in Oberschwaben

Der Rumpf der Lizenzspielermannschaft mit den Spielern, die sich nicht mit diversen Auswahlmannschaften auf Länderspielreise befinden, sowie den eben erst ins volle Teamtraining zurückgekehrten Akteuren machte sich am Freitagnachmittag auf den Weg nach Oberschwaben, wo in Altshausen ein Testspiel auf dem Programm stand. Der VfB siegte dort mit 14:0, wobei sich Roberto Hilbert dreifach und Nachwuchsstürmer Ali Pala gleich vierfach als Torschützen auszeichnen konnten. Elson und Bence Varga trafen doppelt. Torschützen: Elson, Hilbert (3), Ali Pala (4), Simak, Varga (2), Vecchione, Elson, Bastürk.

5.9.2009

Länderspiele:

Deutschland-Südafrika: Sami Khedira debütierte beim 2:0-Erfolg

Bevor die Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2010 in die heiße Phase geht, testete Bundestrainer Joachim Löw ein letztes Mal sein Team im Rahmen eines Freundschaftsspiels. Während andere Nationen schon am selben Abend um die begehrten Tickets kämpften, maß sich die deutsche Nationalmannschaft in der gerade nach einem großen Umbau neu eröffneten Leverkusener BayArena gegen die Auswahl des Gastgeberlandes der Endrunde, Südafrika. VfB-Spieler im Einsatz: Tasci (bis 45.), Khedira (ab 73.), Torschützen: Gomez, Özil

Russland-Liechtenstein 3:0, Pavel Pobrebnjak kam nicht zum Einsatz

Schweiz-Griechenland 2:0, Magnin spielte durch

Frankreich-Rumänien 1:1, Marica spielte durch

Kroatien-Weissrussland 1:0, Hleb war zwar nominiert, reiste aber wegen muskulärer Probleme vorzeitig ab.

Elfenbeinküste-Burkina Faso 5:0, Boka spielte 90 Minuten durch.

Costa Rica-Mexiko 0:3, VfB-Verteidiger Ricardo Osorio war im WM-Qualifikationsspiel der CONCACAF-Staaten in Costa Rica über die volle Distanz für sein Heimatland im Einsatz.

9.9.2009

Länderspiele:

Deutschland-Aserbaidschan 4:0

Schwarz und weiß: Ohne den überzeugenden Auftritt im Testspiel gegen Südafrika in Gänze bestätigen zu können, hat die deutsche Nationalmannschaft gegen Fußballzwerg Aserbaidschan den erwarteten Pflichtsieg gelandet. Mit dem 4:0-Heimerfolg mit einer schwachen und einer guten Halbzeit gegen den von Berti Vogts trainierten Underdog bleibt Deutschland voll auf Kurs Richtung Weltmeisterschaft 2010. Die Grundlage für den um den Gruppensieg entscheidenden Showdown in Russland im Oktober ist geschaffen. Hitzlsperger spielte durch, Tasci, Khedira und Cacau saßen 90 Minuten auf der Bank. Torschützen: Ballack, Klose (2), Podolski

Lettland-Schweiz 2:2, VfB-Linksverteidiger Ludovic Magnin wurde von Auswahltrainer Ottmar Hitzfeld gegen Lettland nicht berücksichtigt und musste von der Bank aus mit ansehen, wie sein Rivale Christoph Spycher von der Frankfurter Eintracht auf der Linksverteidigerposition agierte.

Wales-Russland 1:3, Beim russischen Erfolg auf der Insel kam VfB-Angreifer Pavel Pogrebnyak wie schon am vergangenen Samstag gegen Liechtenstein nicht zum Zug, auch weil der zuletzt angeschlagene Andrei Arshavin wieder zur Verfügung stand.

Weissrussland-Ukraine 0:0, Hleb spielte durch,

Serbien-Frankreich 1:1, Kuzmanovic wurde in der 71. Minute eingewechselt.

Rumänien-Österreich 1:1 Marica wurde in der 78. Minute ausgewechselt.

Mexiko-Honduras 1:0, Ricardo Osorio spielte durch.

12.9.2009

VfB verliert 1:3 in Hamburg

uch ohne seinen erfolgreichsten Torjäger Paolo Guerrero hat der Hamburger SV seinen Höhenflug in der Fußball-Bundesliga fortgesetzt. Mit dem 3:1 (1:0) über den VfB Stuttgart verteidigten die Hanseaten am Samstagabend vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften heimischen Nordbank-Arena die Tabellenführung in der Eliteliga und versetzten Champions-League-Teilnehmer Stuttgart einen weiteren Dämpfer. Mladen Petric (30.), Eljero Elia (58.) und Ze Roberto (90.+1) erzielten die Tore für die Gastgeber mit sehenswerten Distanzschüssen. Pawel Pogrebnjak schaffte dem Anschluss (62.). Nebenbei sorgten die Norddeutschen für den besten Saisonstart seit 29 Jahren (vier Siege, ein Remis) und stimmten sich mit dem Erfolg auf den Europa-League-Einsatz am nächsten Donnerstag bei Rapid Wien ein.

Dieses Mal war unser Trainingslagerstammtisch stark vertreten. Wir fuhren zu sechst in Stuttgart los und stiegen in Mannheim dann in den Zug, in dem die anderen, aus Baden-Baden kommend bereits saßen. Auch dieses Mal nahmen wir direkt Kurs auf das Bordbistro und sagten den anderen schnell mal Bescheid, wo sie uns finden können. :-) . Dort wurde die Fahrt natürlich wieder sehr kurzweilig. Wir lernten Iris und Johnnie Walker mit der Wodkaflasche aus der Nähe von Magdeburg kennen, die mit Fußball eigentlich wenig am Hut haben. Wir hatten aber eine tolle Gaudi mit ihnen und langsam schmeckte auch schon das Bier. An diesem Tag konnten wir ja ganz gemütlich starten, das Spiel war ja erst für 18.30 Uhr angesetzt.

In Hamburg angekommen bezogen wir erstmal unsere Zimmer, luden unser Gepäck ab und machten uns schnurstracks auf den Weg zum Kiez, wo wir im Herz von St. Pauli einkehrten. Da sich der Weg zum Stadion in Hamburg über S-Bahn Stellingen ewig hinzieht und vor allem auch der Abtransport nach dem Spiel sich immer ewig zieht, wollten wir dieses Mal den Weg über Othmarschen testen. Im VfB-Forum hatte ich gelesen, dass es auch von dort einen Busshuttle zum Stadion gibt und man mit der S3, die von der Reeperbahn aus verkehrt, fahren kann. Weiterer Vorteil: der Bus hält auf der Seite des Gästeblocks. Zugegebenermaßen ist es auch von dort noch relativ weit zu gehen, gefühlsmäßig waren die Busse aber nicht so überfüllt, wie von Stellingen aus. Kann aber auch daran gelegen haben, dass wir relativ früh schon unterwegs waren. Noch im Außenbereich vor dem Stadion erblickten wir erst einmal einige Imbissbuden. Gut, hatten wir doch bisher überwiegend flüssige Nahrung aufgenommen, dachten wir. Also holte ich mir ein Steakbrötchen und stellte dann fest, dass das gar nicht durch war. Ich warf es dann weg und probierte eine Thüringer. Die war auch nicht viel besser. Nicht würzig, sehr wässrig und dann bekommt man in Hamburg als Beilage gerade mal ein halbes ungetoastetes Toastbrot. Ist also eher einzustufen mit “Hauptsache etwas im Magen”, meine Gedanken kreisten aber um eine heimische Stadion-Rote. :-) Nebenher hörten wir noch die letzten Minuten der Radio-Schlußkonferenz an. Dann ging es also ins Stadion. Mir gefällt die Schüssel und ich bin immer, wenn es geht dabei, auch weil Hamburg auf mich immer eine Faszination ausübt und immer eine Reise wert ist. Der Einlaß verlief im Gegensatz zu vor zwei Jahren reibungslos. Vor zwei Jahren öffneten die Stadiontore mit einiger Verspätung, weil ein Buchstabe auf dem Dach des Stadions ins Wanken geriet. ;-)

Das Spiel selbst war aus VfB-Sicht wieder absolut enttäuschend. Ich bekomme schon immer die Krise, wenn wir mit nur einer Spitze, dieses Mal Pogrebnjak, antreten. Dazu rotierte Babbel aus der Nürnberg-Elf wieder vier Spieler raus. Wie soll sich so das Team einspielen? Warum brauchen so viele so oft eine Pause? Zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison?

Jedenfalls begann das Spiel wie so oft: der VfB spielte gefällig, war aber absolut ungefährlich in seinen Aktionen und oft viel zu zaghaft. Nach dem Rückstand wurde man ängstlich und reagierte nur noch. Der zuvor ebenfalls verunsicherte HSV wurde in seinen Aktionen sicherer und sicherer und hatte letztlich ein leichtes Spiel mit uns. Aus meiner Sicht haben wir das Spiel mehr oder weniger sang- und klanglos verloren und dümpeln nach 5 Spieltagen mit 5 Punkten im Niemandsland der Tabelle umher.

Wie bereits erwähnt, ist Hamburg eine Lieblingsstadt von mir und so versuche ich dann nach einer solchen Niederlage schnell zum gemütlichen Teil des Abends überzugehen und nicht mehr allzu viele Gedanken an das Dargebotene zu verschwenden. In diesem Fall allerdings nicht so einfach, hatten wir doch noch eine Verabredung mit einer ganzen Menge von VfB-Fans. Der offizielle VfB-Fanclub “Roter Brustring Hamburg” hat eine Barkassenfahrt organisiert, zu der ich Anita und mich sowie unsere Hamburger Freunde und St. Pauli Fans Christel und Holger, mit anmeldete. Leider wußte ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht, dass wir mit so vielen fahren würden. Als sich das herausstellte, waren die Tickets leider schon ausverkauft. So machten wir uns also vom Stadion aus auf dem schnellsten Weg Richtung Anlegeplatz. Planmäßige Abfahrt war 21.30 Uhr, wir kamen gerade mal etwa 5 Minuten vorher an, da die Abfahrt vom Stadion wieder sehr schleppend voranging. Aber, kein Problem, das Schiff fuhr sowieso mit Verspätung los, da wir noch auf den Fanclub “Cannstatter Kurve Berlin” warten, der mit dem Roten Brustring Hamburg befreundet ist und in großer Mannschaftsstärke an Bord kam. Die zweistündige Rundfahrt führte vorbei an der Speicherstadt und Hafencity hinein in den Freihafen und die Elbe hinunter und bot den faszinierenden Blick auf den Hamburger Hafen bei Nacht. Mit reichlich Bügelflaschen an Bord ging es also los. Die Stimmung war trotz der Niederlage prächtig, es wurde gehüpft und gesungen, was das Zeug hielt. Da die Nachfrage an der Fahrt so riesig war, plant Kusi nach meinen Informationen für nächstes Jahr noch ein größeres Boot zu chartern. Dann hoffe ich mal, dass wir dann alle unterkommen. :-) War wirklich klasse.

Wieder mit festem Boden unter den Füßen telefonierten wir uns wieder mit den anderen zusammen, sie wurden in der Pilsböre, Davidstraße, seßhaft, also gingen wir dorthin und ließen den Abend vollends ausklingen.

Da unser Zug erst am Sonntag nachmittag abfuhr, unternahmen wir dann morgens alle zusammen auch noch eine Bootsfahrt bei Tag. Die Rückfahrt mit dem ICE war nicht minder spaßig als die Hinfahrt. Nach der Ankunft in Stuttgart ließen wir dann den Abend im Haxnwirt am Hauptbahnhof noch gemütlich (!?) ausklingen. Hamburg war wieder sehr schön, aber auch anstrengend, so war ich froh, dass ich in weiser Voraussicht den Montag freigenommen hatte.

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16.09.2009

Nur 1:1 gegen die Glasgow Rangers: Pogrebnyaks Tor ist zu wenig

Der VfB Stuttgart hat zum Auftakt der Gruppenphase einen möglichen Sieg verpasst und musste sich gegen die Rangers aus Glasgow trotz einer starken ersten Halbzeit mit einem Remis begnügen. Die Schwaben verpassten es, aus der Überlegenheit vor dem Seitenwechsel mehr Kapital zu schlagen und hatten am Ende sogar etwas Glück, wenigstens einen Punkt am Neckar behalten zu haben. Die Tore: Der agile Cacau machte sich rechts auf, passte im richtigen Moment nach innen zu Pogrebnyak, und der Russe netzte aus zwölf Metern abgezockt gegen die Laufrichtung McGregors zur Stuttgarter Führung ein (18.). Bougherra setzte sich rechts im Zusammenspiel mit Rothen durch, drang in den Sechzehnmeterraum ein und überwand Lehmann aus 14 Metern mit einem strammen Schuss ins kurze Eck (77.).

Am Spieltag waren wir schon relativ früh in der Stadt unterwegs. Der Schloßplatz ist ja immer voll, wenn die Schotten da sind, so auch dieses Mal. Und meist geht es ja friedlich zu, wenn sie da sind. Da bekannt ist, dass die Schotten trinkfest sind, wurde vorsorglich das Bier in 1-Liter-Bechern ausgeschenkt. Auf dem Schloßplatz trafen wir dann auch gleich Nico und Heiko und stießen schon mal auf die Champions League an.

Die Auslosung hätte ja kaum günstiger für uns laufen können. Nicht nur, dass wir eine machbare Gruppe erwischt haben, wir bekamen auch das erste Mal in der Championsleague ein Heimspiel zum Auftakt und das noch gegen auswärts eher schwächere Rangers. Also mußte doch ein Sieg herausspringen, so dass man vom ersten Spieltag weg auf den ersten beiden Plätzen stehen würde.

Es wäre schön gewesen, doch es kam leider anders. Der VfB spielte 35 Minuten klasse Fußball, hatte an die 65% Ballbesitz und die Rangers nicht den Hauch einer Torchance. Dann geht man noch 1:0 in Führung, ist ja eigentlich wie gemalt, gegen eine Mannschaft, die in erster Linie daraus aus war, Tore zu verhindern und nach vorne selbst nicht viel vor hatte.

Unerklärlicherweise ruhte sich der VfB auf dem frühen 1:0 aus, anstatt aufs zweite Tor zu gehen und somit womöglich den Schotten frühzeitig die Hoffnung zu nehmen, dass hier was gehen könnte. Für mich war dieses Spiel zunächst einmal der Anfang vom Ende unserer Achtelfinalambitionen, weil ich furchtbar enttäuscht darüber war, dass es der VfB zugelassen hat, dass die biederen Schotten hier einen Punkt mitgenommen haben. Solche Punktverluste darfst Du Dir in der Champions League einfach nicht erlauben, wenn Du weiter kommen möchtest. Gegen Urziceni auswärts muß jetzt schon etwas mitgenommen werden, um nicht schon frühzeitig die Hoffnungen aufs Weiterkommen begraben zu müssen, danach folgen schließlich die beiden Spiel gegen den FC Sevilla.

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19.9.2009

0:2: Köln schießt den VfB in die Krise

Beim VfB Stuttgart herrschten nach dem Tiefschlag gegen den 1. FC Köln Katzenjammer und Krisenstimmung. “Das ist ein kapitaler Fehlstart, der nicht nachvollziehbar ist”, redete Sportdirektor Horst Heldt nach dem demütigenden 0:2 gegen den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga Tacheles.

Teamchef Markus Babbel sprach von einer “kritischen Situation”. Nach einer schonungslosen Aufzählung der schier endlosen Schwächen seiner in allen Belangen enttäuschenden Schützlinge kündigte der einstige Weltklasse-Verteidiger Konsequenzen an: “Ich werde mir was einfallen lassen. Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen.”

Während bei den taumelnden Schwaben Wundenlecken und Krisenbewältigung angesagt war, konnten die zuvor sieglosen Kölner ihr Glück kaum fassen. “Das ist Schicksal, ausgerechnet in Stuttgart zu gewinnen. Damit habe ich nicht gerechnet”, sagte der in der Kritik stehende Trainer Zvonimir Soldo nach dem Befreiungsschlag. “Ich habe noch am Abend vorher überlegt, was ich erzählen soll, wenn wir wieder verlieren.”

Sebastian Freis per Kopfball (25. Minute) und Wilfried Sanou aus rund 40 Metern nach einem völlig widersinnigen “Ausflug” von VfB-Schlussmann Jens Lehmann (89.) ersparten dem Daum-Nachfolger an seiner alten Wirkungsstätte diese Qual. (STN)

Nach diesem Spiel am 6. Spieltag waren wir also bereits auf dem 15. Platz angekommen, nach einer Niederlage gegen zuvor sieglos gebliebene Kölner.  Die Kölner erwiesen sich einmal mehr als Angstgegner vom VfB, der VfB gewann nur eine der letzten 13 Partien gegen Köln, nämlich das letzte Saison, durch 3 Gomez-Tore. Diesen Nachmittag aber damit zu erklären, wäre zu billig. Beim VfB lief rein gar nichts zusammen. Das war ein Totalausfall der kompletten Mannschaft, die immer verunsicherter wirkt. Babbel hatte zwar vor dem Spiel das Ende der Rotation ausgerufen, doch dieses Kind war schon in den Brunnen gefallen. Beim VfB im September 2009 ist kein Zusammenspiel, kein Esprit, kein Teamgeist, keine Torgefahr zu erkennen. Jeder Spieler scheint mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als dass er der Mannschaft helfen könnte. Allen voran Thomas Hitzlsperger, der von Babbel eine Denkpause verordnet bekam und auf der Bank saß. Oder auch Aleks Hleb (der allerdings gegen Köln nicht spielte), der derzeit weder die Erwartungen der Öffentlichkeit noch seine eigenen befriedigen kann. Bezeichnend, dass jetzt in diesem Spiel die Gegentore von den sonst mit zuverlässigsten Akteuren verschuldet wurden, nämlich von Träsch und von Lehmann.

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21.9.2009

VfB suspendiert Lehmann: Die Maß ist voll

Am Samstag gab es für Jens Lehmann kein Halten mehr. Nach dem 0:2 gegen Köln stürmte er aus dem Stadion, vorbei an den Reportern, die auf den Kommentar des Keepers zu seinem Fehler vor dem zweiten Gegentor warteten. Ein paar Stunden danach war klar, warum es Lehmann so eilig hatte. Da war er schon in München auf dem Oktoberfest. Willkommen in der Schickeria. Wiesn statt Wasen.

In der schweren Situation des VfB posierte er bei dem Edelgastronomen Käfer mit Sternchen wie Verona Pooth, Claudia Effenberg und mit Verena Kerth, der Exfreundin seines alten Rivalen Oliver Kahn. Das war die Lehmann’sche Art der Krisenbewältigung. Die Stuttgarter Fans trauerten – er feierte nach der bitteren Pleite mit dem Maßkrug in der Hand. Anders ausgedrückt: die Maß war voll – aber das Maß ist es auch. Der VfB suspendierte Lehmann, der im Pokal morgen in Lübeck nicht zum Kader gehört. Dafür steht Sven Ulreich oder Alexander Stolz zwischen den Pfosten. Das ist das Ergebnis der Bierzeltaffäre.

Diesen Beschluss fassten gestern der Manager Horst Heldt und der Teamchef Markus Babbel nach eingehenden Beratungen. Offen ließen sie noch, was nach Lübeck passieren wird. “Am Donnerstag werden Horst Heldt und ich mit Jens über die Sache reden – und dann sehen wir weiter”, sagt Markus Babbel. Möglich ist also sogar, dass das Strafmaß erhöht wird und dass Lehmann nicht nur für eine Partie draußen sitzt. Wie es überhaupt um seine Zukunft in Stuttgart bestellt ist, dürfte von seinem Verhalten abhängen, wenn er bei Heldt und Babbel zum Rapport antreten muss.

23.9.2009

3:1 – VfB zittert sich ins Achtelfinale

Das war nichts für schwache Nerven! Durch ein 3:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung hat der VfB Stuttgart beim VfB Lübeck mit Ach und Krach das Achtelfinale im DFB-Pokal erreicht. Damit ist die Krise nicht abgewendet – aber zumindest hat sie sich nicht verschärft.

So viele Steine, wie den Roten nach den 120 Spielminuten von den Herzen fielen, konnte kein Mensch zählen. Die Erleichterung war jedenfalls riesengroß, als Sami Khedira nach 109 Minuten eine Flanke von Roberto Hilbert zum 2:1 über die Torlinie drückte. Zuvor hatte Julian Schieber (77.) die Lübecker Führung durch Bastian Henning (6.) ausgeglichen. Mit einem Schlag kam wieder ein wenig Farbe in die aschfahlen Gesichter auf der VfB-Bank. Jeder wusste: Das war höchstwahrscheinlich die Entscheidung, weil den Lübeckern, die großartig gekämpft hatten, mehr und mehr die Kräfte schwanden. Als Cacau (117.) das 3:1 erzielte, hatten die Roten Gewissheit: Berlin, der Endspielort, ist eine Reise wert – der VfB bleibt im Rennen.

Gerade nochmal gut gegangen. Aber es stimmte doch bedenklich, dass der VfB über weite Strecken Mühe hatte in den Strafraum des Viertligisten zu gelangen und auf der anderen Seite gut und gerne hätte höher hinten liegen können. Zu diesem Zeitpunkt stellte ich mir schon die Frage, ob Babbel den Schalter noch einmal umlegen könnte oder ob ein neuer Impuls her muß. Die Leistungen zuletzt waren beängstigend und wurden in dieser Phase sogar noch von Spiel zu Spiel schlechter.

26.9.2009

3:0 in Frankfurt: War das der Befreiungsschlag?

Dank des Doppelpacks von Sturm-Hoffnung Julian Schieber hat der VfB einen Schritt aus der Krise heraus gemacht. Deshalb genoss er die Ovationen der Fans und eine Umarmung von Trainer Markus Babbel. “Ich habe gezeigt, dass ich da bin, wenn man mich braucht”, sagte der 20-Jährige nach dem 3:0 (2:0) bei Eintracht Frankfurt und dem Befreiungsschlag in der Fußball-Bundesliga. Doch Ansprüche stellte Schieber vor dem nächsten wichtigen Spiel am Dienstag in der Champions League bei Unirea Urziceni nicht: “Ob ich spiele, muss der Trainer entscheiden.”

Babbel war erleichtert und fand für Schieber nur lobende Worte. “Er dankt unser Vertrauen mit Leistung. Er hat große Fähigkeiten, die weiter geschliffen werden müssen”, sagte Babbel, warnte aber vor zu hohen Erwartungen an den U21-Nationalstürmer: “Er ist kein Ersatz für Mario Gomez.”

Ob Schieber, der den VfB schon beim 3:1 im DFB-Pokal bei Viertligist VfB Lübeck in die Verlängerung gerettet hatte, auf einen Einsatz in Europas Königsklasse hoffen darf, ließ Babbel offen und hielt es wie Rudi Carrel: “Lass dich überraschen.”

In Frankfurt hatte Babbel erneut viel gewagt, seine Startelf auf sechs Positionen verändert und Schieber den Vorzug vor Cacau und Pawel Pogrebnjak gegeben. “Ich bin ja nicht dumm und betreibe kein Harakiri. Mir war klar, dass wir frische Leute brauchten”, begründete der 37-Jährige seine erneute Rotation, wollte den Sieg aber nicht überbewerten: “Wir waren vorher nie in Panik und werden jetzt genausowenig nicht in Euphorie ausbrechen.”

Überschattet wurde die Partie von Stuttgarter Rowdys, die in der Schlussphase Feuerwerkskörper zündeten. Hitzlsperger und Babbel beruhigten die Situation. Nach dem Schlusspfiff fand Babbel bei Sky deutliche Worte: “So ein Verhalten einiger weniger Idioten kann man nicht akzeptieren. Ich hoffe, dass diese Männer entdeckt werden und sie auf immer und ewig Stadionverbot bekommen.”

Endlich mal ein relativ ungefährdeter Sieg, begünstigt natürlich durch die frühe 2:0 Führung und den Frankfurter Platzverweis unmittelbar danach. Dennoch war es, abermals ohne Hleb, eine gute Mannschaftsleistung mit einem endlich mal wieder guten Kapitän Hitzlsperger. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft den Schwung mit nach Rumänien nimmt. Um auch mal ein freies Wochenende zu haben, ließen wir Frankfurt aus. Auch, weil es dort immer wieder Theater mit Frankfurtern gibt, die einem im Wald auflauern, wenn man Pech hat. Je näher das Spiel rückte aber und vor allem am Spieltag hätte ich schon große Lust gehabt, dorthin zu fahren. So aber schauten wir das Spiel im Biergarten Leinfelden auf Großbildleinwand an und freuten uns riesig, was sie dort für ein Spiel hingelegt haben. Da ich nicht dabei war, kann ich über die Vorkommnisse dort nichts sagen bzw. mir nur eine verzerrte Meinung bilden. Zum einen aus dem, was in der Presse steht, zum anderen was in Foren berichtet wird von Leuten, die dabei waren. Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner Devise: “alles was dem Verein schadet, ist schädlich”. Weitere Vorkommnisse wie die in Frankfurt, werden wohl gnadenlos bestraft, unter Umständen sogar mit einem Geisterspiel oder mit einer Platzsperre. Bei diesen drohenden Strafen sollten diejenigen, die Böller abgeschossen haben, das überlegen anfangen. Dass in einem Stadion inzwischen jeder Winkel videoüberwacht ist, weiß man. So ist also die Gefahr da, entdeckt zu werden und in Regress genommen werden zu können.

29.9.2009

1:1 in Urziceni: Der VfB tritt auf der Stelle

Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff marschiert Markus Babbel über das holprige Feld und wundert sich. Der Stuttgarter Teamchef fühlt sich eher im UI-Cup denn in der Champions League. So hat er sich die Atmosphäre beim ersten Auswärtsspiel in der Königsklasse nicht vorgestellt. Babbel blickt auf ziemlich leere Ränge. Am Ende bilden 13.000 Zuschauer die Kulisse von Bukarest, wohin Unirea Urziceni ausweichen musste, weil das eigene Stadion dem Standard nicht genügt. Aber wenig später sind Babbel die Rahmenbedingungen mit den Fans und den schlechten Bodenverhältnissen egal. Er ärgert sich über das 1:1, mit dem der VfB seine Chancen auf den Achtelfinaleinzug nicht verbessert hat. Das ist das Fazit des Abends.

Die Tore: Eine Kopfballvorlage von Gebhart landete beim Verteidiger Serdar Tasci, der im Stile eines Klassestürmers vollendete. Das 1:0 in der fünften Minute also durch den Mann mit der Rückennummer fünf. Der VfB tat danach schlicht zu wenig. “Wir waren zu passiv”, sagte Babbel. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Nach Fehlern von Gebhart und Delpierre erzielte Varga das erste Tor seiner Elf in der Geschichte der Champions League (48.).

Auch dieses Spiel verschlug mir die Sprache. Nach dem vermeintlichen Befreiungsschlag gegen Frankfurt geht man mit etwas Selbstbewußtsein auf den Platz, geht in der 5. Minute in Führung, könnte sich vielleicht in einen Rausch spielen… Und? Was macht man? NIchts, rein gar nichts mehr. Unmittelbar nach der 1:0-Führung hat der VfB das Fußballspielen eingestellt und die Rumänen immer mehr kommen lassen. Der Ausgleich war die Konsequenz. Erst danach kam der VfB wieder zu Torchancen, konnte aber keine nutzen. So stehen wir nach 2 Spieltagen mit 2 mageren Pünktchen da, 6 hätten es sein können, wenn nicht müssen. Und Herr Babbel steht nach Spielende am Sky-Mikrofon und stellt fest “noch immer können wir unsere Ziele aus eigener Kraft erreichen”. Da fehlten mir gleich noch einmal die Worte. Meine Reaktion damals: nach den 6 Punkten gegen Sevilla sage ich nichts mehr. :-)

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