28. April 2013
Gestern war wieder einer dieser Tage bei dem ich ein deutliches Kribbeln verspürte. Das Hannover-Spiel, Sonntag 17.30 Uhr, hatte ich leider sausen lassen müssen, da es mit dem Job nicht vereinbar war. So war das letzte Auswärtsspiel schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her. Es stand so etwas wie ein (schwäbisches) Derby an, wenn auch ein ganz junges. Gegen den FCA hatte der VfB noch nie verloren, weder in der Bundesliga noch in den 70er-Jahren in der 2. Liga Süd. Zugegebenermaßen lief man sich aber auch noch nicht allzu oft auf Augenhöhe über den Weg. Beim VfB gibt die Entwicklung der letzten Wochen durchaus Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten. Seit dem Frankfurt-Spiel, als Arthur Boka erstmals als Sechser den in dieser Saison schwach agierenden William Kvist ersetzte, als Alexandru Maxim, damals Reservist, sich als Standardspezialist in die Stammelf spielte, ist spürbar eine Weiterentwicklung festzustellen. Seitdem ist so etwas wie Spielkultur zu erkennen und die Ergebnisse stimmen auch. Der Ausfall von Kapitän Serdar Tasci konnte durch Antonio Rüdiger gut kompensiert werden. Georg Niedermeier schwang sich zum Turm in der Schlacht auf, natürlich mittlerweile durch den Abgang von Maza wieder gestärkt und unumstrittene Stammkraft und Abwehrchef. Diese Entwicklung gab mir Anlass zur Hoffnung, dass sich das Team zum Saisonende hin weiter steigern kann, und womöglich noch Chancen auf die Qualifikation für die Europa League über die Liga schaffen kann. Dies könnte keine oder eine verkürzte Qualifikationsphase zur Europa League nach sich ziehen, als wenn wir als unterlegener Pokalfinalist teilnehmen würden.
Los ging es gestern gegen 10.30 Uhr mit dem RWS-Bus. Wir erreichten das Stadion schon sehr frühzeitig gegen 13 Uhr. Da es in Augsburg am Stadion, wie eigentlich rund um alle neuen „Arenen“, so gut wie nichts gibt, wo es sich aufzuhalten lohnen würde, entschloss ich mich noch in die Stadt zu fahren und Kumpels zu treffen, die zudem noch meine Eintrittskarte bei sich hatten. Ich machte mich also auf zur Tram-Station, wo allerdings gähnende Leere herrschte und es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis die erste Bahn ankam. Als diese an mir vorbei fuhr, sah es aus, als ob die Leute teilweise „quer liegen“ würden, andere waren an die Scheiben gepresst, total überfüllt, ob dies den Sicherheitsauflagen entspricht, wage ich mal zu bezweifeln. Zunächst sah ich diese Überfüllung als Folge davon an, dass ewig keine Bahn gen Stadion fuhr und sicherlich an allen Haltestellen das Gedränge groß gewesen wäre. Als dann aber die Polizei auffuhr und sich zur Eskorte formierte, war mir schnell klar, dass hier das Commando Cannstatt und andere Insassen des Sonderzugs eintrafen. Ein Bekannter sprang mir schnell entgegen, der aufgrund der heißen Temperaturen in der Bahn glitschig wie ein Aal war.
Skandalöse Umstände wenn hier Fußballfans wie Vieh behandelt werden und diese bis zum geht nicht mehr in eine Straßenbahn gepresst werden. Dass der eine oder andere, aufgrund von Platzangst, von Erstickungsängsten, Hitzewallungen oder Geruchsbelästigungen mit Reaktionen wie Sachbeschädigungen oder Beleidigungen reagiert, kann ich nachvollziehen. Ich war auch schon mal, in Nürnberg, zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde ebenfalls, wo ich nur auf eine Bahn wartete, aufgrund meiner VfB-Utensilien gegen meinen Willen in eine Bahn gepresst, woraufhin auch meine gute Laune verflogen war. Die ganzen Umstände, rund um eine Auswärtsfahrt, werden immer menschenunwürdiger, es scheint fast, als würde man seine Menschenrechte beim Verlassen der eigenen Stadt zurücklassen. Sei es, dass man gezwungen wird, in dieser einen Bahn mitzufahren, ob man möchte oder nicht, sei es auch dass Strafen ohne Verfahren und Ermittlungen verhängt werden, sei es, dass man sich von auswärtigen Ordnungsdiensten und –hütern alles gefallen lassen muss, weil sie doch „am längeren Hebel“ sitzen und man sich nach Widersetzungen gegen noch so irrsinnige Anweisungen des Ground verwiesen werden könnte und ein Verfahren, das ein Stadionverbot nach sich ziehen könnte, am Hals hätte. Also, gilt es Ruhe zu bewahren und alles in sich hinein zu fressen. Hier bin ich ehrlich gesagt froh schon ein gesetzteres Alter erreicht zu haben und ruhiger zu sein, als vor 20 Jahren. Damals war der Rebell in mir noch weitaus ausgeprägter als heute, wo ich es, wenn auch sehr zähneknirschend, einsehe, dass man bestimmte Dinge einfach nicht zum positiven ändern kann, so schwachsinnig sie sind, welch Schikane sie auch darstellen.
Den Tramfahrer konnte ich überreden, mit der Bahn in die Stadt zurück fahren zu dürfen, obwohl es eigentlich eine Leerfahrt hätte werden sollen und die Tram offensichtlich abgestellt und einer Grundreinigung unterzogen werden sollte. Aufgrund dieser Verzögerungen, war es leider schon 14.30 Uhr als ich im Brauhaus 1516 ankam, wo meine Kumpels bereits warteten. Viel Zeit war also nicht mehr, zumal sich der Weg vom Stadion in die Innenstadt als zeitaufwändiger als gedacht erwies. Kurz nach 15 Uhr entschlossen wir uns dann, eines derer Taxis zu nehmen, die scharenweise am Bahnhof auf Kundschaft warteten. Ich hatte die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben, rechtzeitig zum Intro auf den Rängen meinen Platz eingenommen zu haben. Der Taxifahrer machte uns allerdings wenig Hoffnung auf ein schnelles Ankommen, er fuhr diese Tour zum vierten Mal an diesem Tag und war spürbar genervt, von den Staus, die er schon hinter sich hatte. Also motivierten wir ihn, sein Bestes zu geben und auf die Tube zu drücken. Unser Kutscher, ein Kroate, tat sein Bestes, uns auf dem schnellsten Weg zum Stadion zu bringen. Wir hatten großes Glück, kein Stau weit und breit, wir wurden direkt vors Stadion gefahren, gerade einmal 20 Meter neben unserem Eingang. Die Einlasskontrolle war zu meiner großen Freude sehr relaxt, nicht einmal meine Kamera wollten sie sehen, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Pünktlich zur Zelebration der Augsburger Mannschaftsaufstellung nahmen wir unsere Plätze ein. Beim Verlassen des Brauhauses hätte ich mir dies nie und nimmer vorstellen können.
Nachdem der VfB wieder einigermaßen in der Spur zu sein schien, gab Trainer Labbadia dem Kader (und sicherlich sich selbst auch!) drei Tage frei, um nach der englischen Woche mit dem Einzug ins Pokalfinale, die Köpfe frei zu bekommen und regenerieren zu können.
Gut, hinterher ist man immer schlauer, nach dem gestrigen Spiel kann man zu der Ansicht gelangen, dass die Jungs innerlich schon auf Urlaub getrimmt waren und vor allem das Spiel in Augsburg als unwichtig erachteten. Der VfB begann mit derselben Aufstellung wie beim letzten Spiel gegen Freiburg, dieselbe Einstellung jedoch fehlte von Beginn an. Dem FCA merkte man gleich an, dass sie um jeden Zentimeter fighten würden und sich mit Vehemenz gegen den drohen Abstieg stemmen würden. Der VfB dagegen begann wieder einmal viel zu abwartend und überließ dem Gegner die Initiative, was bei uns einfach selten erfolgversprechend ist. So ließen die ersten guten Chancen der Gastgeber nicht lange auf sich warten und die Brust wurde noch breiter. Breit genug war sie eigentlich sowieso schon, weil eine hervorragende Rückrunde hingelegt wird und zwei Wochen davor Eintracht Frankfurt aus dem Stadion gefegt wurde. Dies war dem VfB jedoch nicht Warnung genug, zu behäbig wurde zu Werke gegangen. Nach dem Spiel sind die Augsburger schon die viertbeste Rückrundenmannschaft, und weisen nach jämmerlichen neun Punkten in der Vorrunde, eine Bilanz auf, die aller Ehren wert ist.
Der Auftritt des VfB dagegen erinnerte eher an einen lustigen Betriebsausflug. Sie ließen sich den Schneid abkaufen und machten nicht den Eindruck, als würden sie es schaffen, die Spannung (bis zum Pokalfinale) hochzuhalten. Dies wäre eine Charakterfrage gewesen, offensichtlich ist dieser Charakter bei unserer Truppe jedoch nicht vorhanden, was wir allerdings schon vorher wussten, wenn man sich diese Saison re vu passieren lässt. Daher können wir wirklich froh sein, wenn die Saison zu Ende ist und wir nicht noch ernsthaft unten rein rutschen. Es kann uns ja theoretisch noch der Relegationsplatz drohen, auch wenn nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass Augsburg bei den Bayern gewinnt. Von der notwendigen Grundspannung für den Ligabetrieb war gestern wenig zu spüren. Klar hatte der VfB die eine oder andere Chance und hätte kurz nach der Pause durch Martin Harnik in Führung gehen müssen. Klar hat Schiedsrichter Gräfe wieder einmal ein Spiel zerpfiffen. Wenn man aber ehrlich ist, war das Spiel nur deshalb bis weit in die zweite Hälfte offen, weil die Augsburger einmal mehr ein Problem mit der Chancenverwertung hatten. Bei einem Torschussverhältnis von 22:7 für einen Abstiegskandidaten kann man nicht wirklich von einer unglücklichen Niederlage reden.
In Augsburg waren einfach zu viele Spieler überfordert, dem Kampfgeist der Augsburger etwas entgegen zu setzen und luden sie schließlich durch haarsträubende Fehler zum Tore schießen ein. Angefangen bei Ulle, der (mindestens) am ersten Gegentor schuld war, Rüdiger, dieses Mal schwach, leitete das zweite ein, Okazaki, nach seiner Einwechslung nicht bundesligatauglich, schließlich verlor den Ball zum endgültigen Knockout. Harnik schon seit Monaten nur noch ein Schatten seiner selbst. Natürlich hat er die Messlatte letzte Saison hoch gelegt, so dass man von ihm mehr erwartet, als er in den letzten Monaten auf den Platz bringt. Er selbst sieht sich wohl schon in England und kokettiert immer wieder mit einem Wechsel auf die Insel. Gemessen am gestrigen Spiel ließe sich noch der eine oder andere ebenfalls aufführen.
Labbadia höchstpersönlich gab Mitte der zweiten Halbzeit dann noch das komplett falsche Signal, in der er die beiden einzigen Aktivposten Traore und Maxim auswechselte und sein Team damit unnötig schwächte.
Letztendlich war es viel zu wenig, was uns die Jungs geboten haben. Uns und natürlich auch den anderen Kandidaten im Abstiegskampf. Dass Hoffenheim durch unsere Niederlage auf dem Abstiegsplatz verbleibt, ist eine positive Begleiterscheinung, die wohl jeder VfB-Fan goutieren wird. Vereinen wie Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf haben wir jedoch einen Bärendienst erwiesen. Die sind jetzt wieder mittendrin statt nur dabei im Abstiegskampf. Ich bin grundsätzlich weder Freund eines Auslaufenlassens am Ende der Saison, wenn es um nichts mehr geht, genauso wenig wie der eines übertriebenen Rotationsprinzips, wie es Bayern und Dortmund momentan an den Tag legen. Deren Qualität ist allerdings groß genug, ihre Spiele trotzdem zu gewinnen, so dass von Wettbewerbsverzerrung keine Rede aufkommen muss. Wenn aber ein VfB so leidenschaftslos daherkommt, zudem nach einer dem Vernehmen nach nicht (ausreichend) vorhandenen Vorbereitung, kann ich den Unmut der anderen Abstiegskandidaten verstehen, haben wir doch Augsburg zum Rekordsieg ihrer Bundesligazugehörigkeit verholfen. Andererseits bräuchte sich gerade Werder Bremen nicht darüber zu beklagen, hatten sie doch 2004 als feststehender Meister ein 2:6 zu Hause gegen Leverkusen, das mit uns um die CL-Qualifikation buhlte, hingelegt, ein Ergebnis, das zwei Wochen zuvor natürlich nie und nimmer zustande gekommen wäre. Am letzten Spieltag dann überholte uns Leverkusen schließlich im direkten Duell, dem letzten mit Felix Magath auf unserer Trainerbank, bevor er zu den Bayern wechselte. Wenn man sich die finanzielle Diskrepanz zwischen Champions League und dem damaligen UEFA-Cup anschaut, hat uns diese Abschenken der Bremer richtig Geld gekostet.
Spätestens seit damals ärgert es mich sehr, wenn sich Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, einfach hängen lassen.
Beim VfB muss diese Saison nach dem Finale in Berlin gnadenlos aufgearbeitet und tunlichst vermieden werden, dieser Saison Schönes abzugewinnen, weil wir ins Finale eingezogen und für die Europa League qualifiziert sind. Zu gut meinte es die Losfee in beiden Wettbewerben mit uns, um dass man das Erreichen des Pokalfinales im DFB-Pokal bzw. des Achtelfinals in der Europa League überbewerten sollte. Der Alltag in der Bundesliga war trist, die Leistungen oft erschreckend schwach, sowohl spielerisch als auch vom Engagement her, dazu wurden einige sang- und klanglose Niederlagen hingenommen, die richtig weh taten.
Trotzdem soll dies die Vorfreude auf das große Finale in Berlin nicht schmälern. Wenn ich denn aus der Ticketlotterie erfolgreich herausgehen werde, wird es nach 1986, 1997 und 2007 mein viertes Finale mit dem VfB werden. Die Aussichten auf „meinen“ zweiten Pokalsieg nach 1997 sind sicherlich überschaubar, doch muss auch dieses Spiel erst einmal gespielt werden. Um den in dieser Saison übermächtigen Bayern ernsthaft Paroli bieten zu können, muss auf jeden Fall ein Sahnetag her. Es muss der gleiche Biss an den Tag gelegt werden wie gegen den BVB vor ein paar Wochen, auch wenn es den großen Bayern weh tun sollte. Legt man eine Passivität an den Tag wie in beiden bisherigen Saisonduellen gegen die Bayern oder wie auch gestern, dann werden wir wohl einer historischen Schmach beiwohnen müssen. Bis dahin jedoch ist es noch ein weiter Weg. Einiges dürfte auch vom Abschneiden der Bayern in der Champions League abhängen. Nach einer Final-Niederlage in Wembley gegen den BVB könnten unsere Chancen sprunghaft ansteigen, weil dann bei dem einen oder anderen Bayern-Spieler die große Leere aufkommen dürfte. Auch wird man bis dahin sehen, ob es der VfB schafft, die Spannung hochzuhalten. Der VfB hat nach dem letzten Spieltag zwei Wochen Zeit, sich auf Berlin vorzubereiten. Ich hoffe, sie nutzen diese Zeit, um zu trainieren, trainieren, trainieren. Freie Tage scheinen das falsche Signal ans Team zu sein!
Wenn man sich die Namen vor Augen führt, die beim VfB schon so gut wie fix sein sollen für die kommende Saison, macht es mir durchaus Hoffnung, dass die mageren Jahre vorbei sein könnten. Leute wie Schwaab, Rausch, Leitner und Lasogga haben zum Teil schon das Zeug dazu, die Qualität anzuheben und den Konkurrenzkampf auf einem höheren Niveau anzuheben. Spannend würde dann werden, wer uns im Gegenzug verlassen wird. Allerdings hege ich immer große Zweifel, wenn ich höre, an wem Interesse bestehen würde, jedoch noch kein Vertrag unterzeichnet ist. Dieser Status ruft bekanntlich andere Vereine auf den Plan, die ein paar Euro fuffzig mehr bieten können und die Spieler zum „umdenken“ bewegen könnten.
Wenigstens ist Sararer bereits fix. Aus dem Frankenland, von Leuten, die den Spieler besser kennen als ich, wurde mir bereits zu diesem Transfer gratuliert und in Aussicht gestellt, dass wir uns auf ihn freuen dürften.
Für mich war das Augsburg-Spiel das letzte Auswärtsspiel des VfB in dieser Saison, Schalke lasse ich aus, da wir sonntags am Millerntor beim Spiel FC St. Pauli (mit Paddy Funk) gegen das seit diesem Wochenende als Aufsteiger feststehenden Eintracht Braunschweig (Glückwunsch Ermin Bičakčić!) zu Gast sein werden. Ich war lange am überlegen, samstags noch Schalke mitzunehmen und von dort aus nach Hamburg zu fahren. Das wäre insgesamt jedoch ziemlich stressig geworden. Außerdem ist in Hamburg an besagtem Wochenende auch einiges, wie u. a. der Hafengeburtstag geboten und zählt auch die Turnhalle nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstadien. Angesichts der Leistung von gestern hält sich meine Enttäuschung heute auch in Grenzen, mich so entschieden zu haben.
Auch danach warten noch einige Highlights, auf die ich mich freue, wie die inzwischen schon traditionelle Floßtour mit dem OFC Leintalpower 05 vor dem letzten Heimspiel, dem Champions League Finale in London, wofür ich in der Verlosung endlich einmal erfolgreich war und schließlich das DFB-Pokalfinale in Berlin.
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19. Februar 2013
Auch drei Tage danach habe ich den dämlichen Ausgleichstreffer der Belgier in der Nachspielzeit des Hinspiels gegen den KRC Genk noch nicht so recht verdaut. Nach fünf Pleiten in der Liga in Serie lechzt der VfB nach einem Erfolgserlebnis und lässt sich dann noch so leichtfertig die Butter vom Brot nehmen, indem man den Belgiern beim Ausgleichstor Geleitschutz lieferte anstatt beherzt, auch über die 90. Minute hinaus, an- und einzugreifen. So wurde aus einem guten Europapokalergebnis ein sehr gefährliches. Immerhin, meine Befürchtungen, dass nach dem Hinspiel bereits alles aus sein könnte, bewahrheiteten sich Gott sei Dank nicht.
Das Spiel an sich war, wie so oft in der letzten Zeit, ein Langeweiler. Es traf ein verunsicherter VfB auf ein international allenfalls drittklassiges Genk, das allerdings, im Gegensatz zum VfB, die Gruppenphase u. a. gegen den FC Basel und Sporting Lissabon unbesiegt überstand. Der VfB seinerseits war ja bekanntlich auf Schützenhilfe von Steaua Bukarest angewiesen, um trotz der Heimniederlage gegen Molde FK in die Zwischenrunde einzuziehen. Dieses 1:1 im Hinspiel lässt die Hoffnung am Leben, in Genk den Einzug ins Achtelfinale klar machen zu können.
Hilfreich für dieses Bestreben wäre natürlich, wenn man sich an der Autobahnraststätte Sinsheim Selbstvertrauen würde holen können. Auch im 5. Jahr der Bundesligazugehörigkeit von Hopps Spielzeug kann ich mich nicht daran gewöhnen, zu einem Bundesligaspiel ins Kraichgau zu fahren. Das einzig Positive, bei einer Entfernung von rund 60 Kilometern stört selbst ein Sonntagabendspiel nicht besonders, kommt man doch zu einer zivilen Zeit heim und ohne Urlaub aus. Trotzdem prickelt es bei jedem anderen bevorstehenden Spiel mehr als bei diesem.
So fragte ich mich den ganzen Sonntag über, als ich mir die Zeit mit Ski-WM und Stammtisch in Sport 1 vertrieb, was mich denn motivieren sollte, überhaupt aus dem Haus zu gehen. Am meisten freute ich mich auf die Truppe vom RWS Berkheim und die (kurze) Busfahrt und dass ich wusste, dass ich im Gästeblock jede Menge Bekannte treffen würde. Auch in schlechten Zeiten ist der Zusammenhalt und das „in einem Boot sitzen“ unter den Fans der Hauptgrund anhaltend hoher Motivation, den VfB überall hin zu begleiten. Und, natürlich hofft man auch jedes Mal aufs Neue, dass es endlich gelingt den Bock umzustoßen und tabellarisch wieder in ruhigere Gefilde vordringen zu können. Bei Leistungen, wie weitestgehend an der Tagesordnung in der Saison 2012/2013 hätte das Team den einen oder anderen Stimmungsboykott mehr verdient.
Als Außenstehendem ist mir ein Kollektivversagen von Profisportlern in dieser Fülle unbegreiflich. Dass einer einmal einen schlechten Tag hat, den hat jeder von uns einmal. Dass aber regelmäßig außer Unkonzentriertheiten, die den Gegner zum Tore schießen einladen, auch mangelnder Kampfgeist, mangelnde Lauf- und Hilfsbereitschaft zu beklagen sind, dafür habe ich kein Verständnis. Wie man immer wieder hört, scheint es in der Mannschaft nicht zu stimmen, was auch auf dem Rasen zu erkennen ist. Hier muss eigentlich das Funktionsteam eingreifen und den Spielern einbläuen, worauf es im Mannschaftssport ankommt und dass irgendwelche Animositäten hinten anstehen müssen, wenn es um das große Ganze geht. Die Spieler, oder besser Gehaltsempfänger haben die verdammte Pflicht, für ihren Arbeitgeber und die Fans, die sie letztendlich bezahlen, alles abzurufen und auf dem Platz Gas zu geben. Momentan hat man eher den Eindruck, dass die Spiele lästige Pflichterfüllung sind und fast keiner mit Freude und Motivation zu Werke geht. Viele im Team spielen ihren Stiefel herunter, man wünschte sich mehr Spieler wie Ibrahima Traore, dem man den Willen jederzeit anmerkt. Ein William Kvist in seiner derzeitigen Form ist ein Bremser und keiner, der uns weiter bringt. Abgesehen von den unbegreiflichen Stockfehlern, die er produziert, wählt er jederzeit den Sicherheits(rück)pass, anstatt das Spiel einmal schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Ein moderner Sechser ist Sicherheitskraft und Spielmacher in einer Person, von letzterem ist bei Kvist überhaupt nichts zu sehen. Hier wünschte ich mir mehr Dynamik in seinem Spiel. Hoffnung auf Besserung macht mir, dass er schon zeigte, dass er als Stabilisator schon bessere Spiele ablieferte. Wenn Labbadia, wie zuletzt schon das eine oder andere Mal gezeigt, umstellt und Kvist alleiniger Sechser bleibt, ist er als defensiv denkender Stabilisator vertretbar. Auf der Doppelsechs jedoch, wo beide Spieler fürs Aufbauspiel zuständig sind, ist er für mich, zumindest derzeit, eine Fehlbesetzung. Heute habe ich mir Kvist herausgepickt, wobei man über weitere Unzulänglichkeiten (Abwehr) und Formkrisen des einen oder anderen Spielers weitere Worte verlieren könnte.
Dass Labbadia vergleichsweise wenig rotiert und meist seine Lieblingsspieler aufstellt, das verstehe ich nicht, zumal wir ja nicht gerade überragend spielen und damit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird. Dem einen oder anderen (und uns allen!) würde sicherlich zwischendurch die Pause eines Stammspielers gut tun, um sich wieder sammeln zu können und um über Sinn und Unsinn des Profifußballerlebens nachdenken zu können. Und, wenn von der Bank einer kommen sollte, der den Job besser macht und/ oder besser in Form ist, mein Gott, dann muss sich der Herausgenommene eben wieder hintenan stellen. Bei uns jedoch kommt einer mal rein, macht ein ordentliches Spiel und wird dann über Wochen wieder nicht berücksichtigt. Dass ein solches Vorgehen nicht stimmungs- und leistungsfördernd sein kann, um dies festzustellen muss ich weder Fußballlehrer noch Psychologe sein..
Nun also nach Sinsheim, dem Retortenclub, der sich eines Tages selbst, ohne die Milliönchen von Hopp, tragen soll und derzeit am Abgrund steht. Der voller Panik seit der Ära Rangnick Trainer um Trainer und Manager um Manager, verschleißt. Der voller Panik in der Winterpause noch einmal gut neun Millionen Euro investierte und sich damit den Titel des Winter-Einkaufsmeisters sicherte. Der es sich leisten kann, einen Unruheherd und Ex-Nationalspieler wie Marvin Compper für 300.000 Euro nach Italien zu entsorgen, Das Spielzeug Hopps, das auf Teufel komm raus in der Liga gehalten werden soll. Gut, die Ansprüche sind gesunken, wollte man noch vor der Saison noch in die Champions League.
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Mit Chancengleichheit und Financial Fairplay hat diese Einkaufspolitik natürlich nichts zu tun. Wollte man ursprünglich noch ein Team mit jungen Spielern aus der eigenen Jugend/ Region aufbauen, setzt man jetzt auf namhafte Akteure, die in Sinsheim ihren letzten großen Vertrag unterschreiben. Mit welchen Gehältern Hopp lockt, offenbarte ja vor Jahren schon Uli Hoeneß, der ausplauderte, zu einer Zeit, als der FC Bayern an Salihovic interessiert war, dass die Bayern im Gehaltspoker ausgestiegen wären, weil Hopp mehr geboten hatte. So erklärt sich auch, dass der FSV Mainz 05 in der Winterpause einen unumstrittenen Stammspieler wie Igor Polanski, seines Zeichens immerhin polnischer Nationalspieler, ziehen ließ. Der Preis muss eben stimmen! Auch dass im Sommer u. a. Delpierre (ehemals 4,3 Mios Gehalt vom VfB), Tim Wiese und Derdiyok im Kraichgau unterschrieben, unterstreicht, dass in Hoffenheim weiterhin Gehälter fernab der Vernunft gezahlt werden. Solche Vereine, die sich wirtschaftlich nicht selbst tragen müssen, machen den Markt kaputt und treiben die Gehälter immer weiter in die Höhe, was es einem Verein wie dem VfB natürlich nicht leichter macht. Zudem wird hier auch noch die 50 + 1 Regel unterlaufen. Diese besagt, dass der Geldgeber weder Stimmenmehrheit noch Geschäftsführung ausüben darf. Für das übt Hopp seit Jahren einen großen Einfluss auf die Geschehnisse aus. Um diesbezüglich keine Konsequenzen befürchten zu müssen, zahlt es sich eben aus, wenn man hochrangige Freunde beim FC Bayern und dem DFB sitzen hat…
Umso mehr würde es mir gut tun, wenn Hopp am Saisonende vor einem Scherbenhaufen stehen würde und den Gang in Liga 2 antreten müsste. Mir ist allerdings auch bewusst, dass Hopp so schnell nicht aufgeben würde und den „Betriebsunfall“ dann mit womöglich noch höherem finanziellem Engagement schnellstmöglich zu korrigieren versuchen würde.
So kann ich also mit diesem Konstrukt so überhaupt nichts anfangen. Dazu kommt, dass auch Fankultur in Hoffenheim ein Fremdwort ist. Das Stadion wird gefüllt von SAP-Mitarbeitern, die fleißig Freikarten erhalten, und Kunden, die die VIP-Bereiche auslasten. Auswärtsspiele mit weniger als 100 Hoffenheim-„Fans“ sind an der Tagesordnung. Selbst den kurzen Weg nach Stuttgart ins Neckarstadion finden selten mehr als 500 Auswärtsfans. Der Hoffenheimer Präsident Hofmann lieferte 2011 ja eine plausible Erklärung: „Dass unsere Fans nicht mitfahren, hat damit zu tun, dass sie teilweise Angst haben, nicht heil aus Stuttgart rauszukommen. Das letzte Mal mussten sich einige unter dem Auto verstecken!“. Selten so gelacht.
Als wir VfBler mit über 2.000 Fans in Babelsberg beim Pokalspiel bei Falkensee-Finkenkrug verweilten, verloren sich zur gleichen Zeit handgezählte 65 Hoffenheimer im Stadion des Berliner AK, was deren Präsident Ali Han zu der Aussage hinriss, „Ein Bundesligist, der so wenige Zuschauer mitbringt, soll sich lieber für die Bezirksliga anmelden”.
Vielleicht schwingt ja im Unterbewusstsein der Hoffenheimer diese Aussage mit, tun sie doch momentan alles dafür, um dieses Intermezzo so kläglich wie nur möglich wieder zu beenden.
Nach kurzer Busfahrt erreichten wir also die Ausfahrt Sinsheim und fuhren im Schritttempo weiter in Richtung unseres Gästeblockes. Bei Spielen wie diesen bin ich froh, direkt vor den Gästeblock gekarrt zu werden und möglichst auf keinen Heim“fan“ zu treffen. Noch ein kurzes Bierchen am Bus, wohlwissend, dass es im Gästeblock wieder kein Vollbier geben würde und schon ging es auch hinein. Die Einlasskontrollen zogen sich etwas in die Länge, selbst den Geldbeutel mussten wir öffnen, wurde doch vor einigen Jahren von VfBlern schon einmal ordentlich gezündelt. Insgesamt hielten sich die Kontrollen aber noch im ertragbaren Rahmen. Da der Stehplatzbereich (oder besser Käfig) erfahrungsgemäß brechend voll ist, bestellte ich Sitzplatzkarten für stolze 35 Euro, Preislich langen sie hin wie die ganz Großen… Noch kurz den einen oder anderen Smalltalk im Block gehalten und schon näherte man sich dem Spielbeginn. Das unvermeidliche Badener Lied wurde wie immer von den weit mehr als 3.000 VfBlern lautstark niedergepfiffen, so dass ich persönlich nicht vernehmen konnte, ob jemand mitgesungen hat. Da das Einzugsgebiet des Retortenclubs über die badischen Grenzen hinaus reicht, ein Service der besonderen Art. Für die „Neubadener“ wird auch noch im fünften Jahr der Text dieser Hymne eingeblendet. Kann ich verstehen, bei einer solchen Fluktuation unter den Kunden, muss dieser Service einfach sein.
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Zum Einlauf der Mannschaften gab es noch eine kleine Choreographie namens „Rote Karte für Viagogo“ im VfB-Block, mit der einmal mehr die Ablehnung der meisten VfB-Fans gegen den vom VfB durch die Partnerschaft mit Viagogo unterstützten (legalisierten) Schwarzmarkt verdeutlicht werden sollte. Auch ich stehe diesem Portal ablehnend gegenüber und verstehe nicht, weshalb es zwar verboten sein soll, seine Karte in Ebay zum Originalpreis zu verkaufen, es jedoch vom VfB goutiert wird, die Karten bei Viagogo zzgl. abzockerischer Gebühren zu verhökern. Langsam kommt es mir so vor, dass dem VfB jedes Mittel recht ist, ein paar Euro fuffzig zu verdienen. Gerne wird vom VfB via Homepage und vfb-direkt vorgeschoben, den Deal ausgiebig mit dem Fanausschuss diskutiert zu haben, wobei der Fanausschuss ja nie Möglichkeit hatte, soviel Einfluss zu nehmen, den Deal platzen zu lassen. Es ging also nur um das kleinstmögliche Übel!
Das Spiel begann dann vielversprechend, wenn nicht gar euphorisch für uns. Noch keine drei Minuten waren gespielt, als der seit Wochen beste VfBler Ibrahima Traoré
auf der linken Seite Andreas Beck wie einen Statisten aussehen ließ, in den Strafraum eindrang und scharf an den zweiten Pfosten flankte und der seit Monaten kriselnde Martin Harnik einen Kopfball-Torpedo an die Unterkante der Latte setzte, von wo aus der Ball schließlich im Tor landete. Ein Tor wie ein Donnerschlag. Die Erleichterung im Block war greifbar, war es doch ein immens wichtiges Spiel für uns. Sollte es tatsächlich Sechs-Punkte-Spiele geben, dieses war eines. Mit einem Sieg könnten wir uns 12 Punkte von Hoffenheim absetzen, bei einer Niederlage wären es nur noch sechs Punkte auf den Relegationsplatz und das Zittern würde so richtig beginnen. Es wird immer so viel von der Qualität geredet, die wir angeblich besitzen, doch, mit Leistungen wie in den letzten Wochen kann eben auch jedes Spiel verloren gehen. Nicht nur aufgrund der Tabellenkonstellation war ein Sieg Pflicht, es galt auch die Scharte aus dem Hinspiel auszuwetzen, als wir uns sang- und klanglos ergeben hatten und mit 0:3 den Kürzeren zogen. Jetzt also lag der VfB, erstmals in der Bundesliga im Jahre 2013, in Führung. Den Hoffenheimer, auch nicht gerade mit Selbstvertrauen im Übermaß bestückt, merkte man die große Verunsicherung an. Leider konnte der VfB kein Kapital daraus schlagen. Anstatt, für die mitgereisten Schwaben wäre es natürlich Balsam auf die geschundene Seele gewesen, auf einem am Boden liegenden ungeliebten Nachbarn herumzutreten und sie zu demütigen, machte es der VfB leider wieder einmal allzu gnädig. Man war mit der Führung zufrieden und beschränkte sich aufs Verwalten des knappen Vorsprungs. Für mich unverständlich, hat man doch erst drei Tage davor schmerzlich erfahren, wie sehr eine 1:0-Führung am seidenen Faden hängen kann. Außerdem haben wir ein miserables Torverhältnis zu beklagen, an dessen Verbesserung zu arbeiten erstrebenswert gewesen wäre. So plätscherte das Spiel dann der Halbzeit entgegen, der VfB wollte nicht mehr, Hoffenheim konnte nicht.
Als die zweite Hälfte ähnlich ereignislos begann, brachte der schwäbische Trainer Marco Kurz 10 Minuten nach der Pause in Derdiyok und Weis zwei frische Kräfte, was den Hoffenheimern zwar mehr Spielanteile, jedoch kaum nennenswerte Torchancen bescherte. In den zwei, drei brenzligen Situationen, die es zu überstehen galt, war unser Goalie Sven Ulreich zur Stelle, der dieses Mal wie ein Fels in der Brandung stand.
Einer meiner absoluten „Lieblingsschiedsrichter“, spätestens seit Mainz im Dezember 2011, als er die Mainzer im Alleingang auf die Siegerstraße geleitete, Guido Winkmann, war das Gekicke dann zu langweilig. Ließ er noch in der ersten Hälfte das eine oder andere brutale Vergehen der Gastgeber gänzlich ungeahndet, hielt er in der zweiten Hälfte bei jedem noch so harmlosen Foul einem unserer Spieler die gelbe Karte unter die Nase. Auch diesen Ball wussten die Hoffenheimer nicht aufzunehmen, so grottenschlecht waren sie, so dass am Ende ein knapper, wenn auch verdienter 1:0 Auswärtssieg für den VfB zu Buche stand.
Es war ein Spiel wie der Tabellenstand, Fünfzehnter gegen Sechzehnter, Not gegen Elend.
Der VfB konnte sich mit diesem Sieg ein wenig Luft verschaffen und muss, zumindest vorerst, in der Tabelle nicht mehr nach unten schauen. Hoffnung macht die in diesem Spiel ansteigende Form von Martin Harnik und auch Georg Niedermeier, der leider jetzt in Genk gesperrt ist. Auch Gentner und Holzhauser machten für mich über weite Strecken ein ordentliches Spiel. Jetzt gilt es diesen Rückenwind mitzunehmen und in Genk selbstbewusster aufzutreten als zuletzt. Dass Genk keine Übermannschaft ist, davon konnten wir uns am letzten Donnerstag überzeugen.
Auch ich werde in Belgien am Start sein, wieder einmal mit dem Bus vom RWS Berkheim, dieses Mal ohne Übernachtung. Von der Entfernung her ist das doch eher ein gefühltes Bundesligaauswärtsspiel, der nächste ausgedehnte Europa League Trip folgt dann hoffentlich Mitte März zum Achtelfinale bei Lazio Rom, sofern sie nicht zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach verlieren. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich mich über ein Weiterkommen von Gladbach nicht auch freuen würde… Es kommt wie es kommt, erst einmal ist sowieso der VfB am Zug!
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29. April 2012
Zum zweiten Mal in Folge schaffte ich es, bei allen 17 Auswärtsspielen unseres VfB dabei zu sein. Der letzte Auswärtsauftritt der Saison 2011/12 führte uns also zum mit unbeliebtesten Trip in die Arroganz-Arena. Die Geschichte wiederholt sich doch leider immer wieder. Endlose Staus, ein „Stadion“ mitten in der Pampa und am Ende fahren wir meist ohne Punkte heim.
Gestern machten wir uns bereits gegen 9.30 Uhr auf den Weg in den Freistaat. Kaum in Wendlingen auf der A8 angekommen, fuhren wir schon vor Kirchheim/Teck in den ersten Stau, laut Verkehrsfunk bis zu 16km lang, Tendenz zunehmend. So nahmen wir auch schon wieder die Ausfahrt und versuchten es bis Merklingen über Landstraßen, wo wir zunächst eine ganze Weile auch nur im Schritttempo vorankamen. Gut zwei Stunden nach der Abfahrt kurvten wir noch auf der Schwäbischen Alb umher, München noch in weiter Ferne. Nachdem wir dann endlich in Merklingen wieder auf die Autobahn auffuhren, hatte sich der Stau aufgelöst und den Rest der Strecke lief es dann befriedigend. Auf dem P&R Platz Garching-Hochbrück stellten wir unseren PKW ab und fuhren mit der U6 eine Station bis nach Fröttmaning, um den Rest der Strecke per pedes bei gut 30° und strahlendem Sonnenschein zu bewältigen. Wirklich schwach, dass die Eintrittskarte in München nicht, wie in den meisten Stadien der Republik, als Fahrkarte im MVV gilt! Gegen 15 Uhr schließlich standen wir vor dem Schlauchboot und baten um Einlass. Die Kontrollen ließen wir schnell und problemlos hinter uns und machten uns auf den Weg in den Oberrang. Bei dieser Hitze und nach den Strapazen der Anreise erschienen die Stufen nach oben endlos. Daher freute ich mich dann erst einmal auf ein kühles Bierchen (wieder einmal „Leichtbier“), zumal wir noch eine aufgeladene Arena-Card aus der Vorsaison besaßen.
Unmittelbar danach ging es auch schon rein in die Schüssel. Wir hatten, wie auch schon in der letzten Saison, einen Sitzplatz zum Stehplatzpreis im Stimmungsblock ergattert, da es eigentlich in der Allianz Arena im Gästebereich keine eigentlichen Stehplätze gibt. Die Stimmung unter den VfBlern war schon gut und wie immer zu Beginn eines Spiels hoffnungsfroh. Man war gespannt, welches Gesicht die Wundertüte VfB heute zeigen würde. Die Vorzeichen standen ja dieses Mal gar nicht so schlecht. Der VfB kam mit breiter Brust und zuvor zehn niederlagenlosen Spielen in Folge und hatte die Chance den fünften Platz aus eigener Kraft zu halten, sollten aus den letzten beiden Spielen vier Punkte geholt werden. Die Bayern dagegen, für die es in der Liga um nichts mehr geht. Koan Titel, der zweite Platz auch schon sicher, dazu hatten sie unter der Woche das Champions League Finale im eigenen Wohnzimmer erreicht und sollten mental und körperlich in Madrid einige Körner gelassen haben. So rotierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes gleich acht Spieler hinaus, was dem VfB eigentlich alle Möglichkeiten eröffnen sollte.
Nachdem ich in Köln so enttäuscht war, was die Einstellung unserer Truppe betraf, hatte ich die Hoffnung, dass die Jungs gemerkt haben, dass es mit 95% Engagement auch gegen einen Abstiegskandidaten nicht geht. Eine Woche hatte das Team Zeit, sich auf die Partie in München einzuschwören. Aus den Statements der Protagonisten konnte man durchaus die Hoffnung ableiten, dass die Mannschaft heiß ist und aus München unbedingt etwas mitnehmen möchte. Dass es im wahrsten Sinne des Wortes eine heiße Kiste werden würde, zeichnete sich auch schon Tage vorher ab. Gerade das könnte auch zum Vorteil gereichen, da die Bayern ja Mitte der Woche 120 Minuten gegangen sind und zudem noch Reisestrapazen in den Knochen hatten.
Also, auf geht’s Jungs aus Cannstatt!!!
Meine Ernüchterung stellte sich jedoch leider schon wieder in den Anfangsminuten ein. Ich hatte den Eindruck, dass der VfB einmal mehr zu lasch und zu fahrig in seinen Aktionen zu Werke ging. Frappierend auch die Tatsache, dass auch die B-Mannschaft der Bayern den unseren technisch hochüberlegen war. Ballan- und -mitnahme war beim VfB teilweise eine Katastrophe. Die Zeit, die unsere Jungs benötigten, um Zuspiele zu verarbeiten, die hat man auf diesem Niveau einfach nicht. Daraus resultierte, dass der VfB weitestgehend von Beginn an am hinterher laufen war. Für eine Mannschaft, die in den restlichen beiden Spielen noch unbedingt etwas erreichen möchten, fehlte mir der Biss und die Zweikampfhärte, mit denen man den Bayern vielleicht auch die Lust am Spiel hätte nehmen können. Beim Gegner wollte sich mit Sicherheit niemand verletzen und dadurch möglicherweise die beiden noch ausstehenden Endspiele verpassen. Also, wäre aus VfB-Sicht das ein oder andere Zeichen zu setzen, durchaus hilfreich gewesen, um den Bayern zu signalisieren, dass es notfalls auch auf die Socken gibt. Leider fehlte dem VfB diese positive Aggressivität. Im Gegenteil, durch die eingangs erwähnten technischen Unzulänglichkeiten waren wir von Beginn an am hinterherlaufen und luden durch Abspielfehler und vertändelte Bälle die Bayern zu Torchancen ein. Gerade Gomez, einer der wenigen nicht heraus rotierten Stammspieler, merkte man an, dass er sich unbedingt noch die Torjägerkanone sichern möchte. Er war stets gefährlich, wurde zudem noch angestachelt durch die schwäbischen Schmährufe. Die erste dicke Chance hatte allerdings der VfB als Georg Niedermeier nur die Querlatte traf. Danach gab es sehr viel Mittelfeldgeplänkel, die Bayern spielten ihren Stiefel herunter, dem VfB fehlten die Mittel und die Durchschlagskraft nach vorne. Nach einer verunglückten Rückgabe von Maza, der für den verletzten Tasci ins Team rückte, nahm das Unheil seinen Lauf. Unsere Nummer 1, Sven Ulreich, zögerte, ob er aus seinem Kasten kommen soll (meiner Meinung nach hätte er raus kommen müssen), Müller ersprintete die Kugel und passte zu Gomez, der nur noch ins leere Tor einschieben müsste. Die Gesten Richtung VfB-Block hätte er sich danach sparen können… Knackpunkt des Spiels war wohl die Szene unmittelbar danach als Okazaki zum zweiten Mal nur Aluminium traf und Gentner den Abpraller nicht genügend drücken konnte und über die Latte köpfte. Danach übernahmen die Bayern mehr und mehr die Spielkontrolle und dem VfB fehlte die letzte Konsequenz, den Gegner ernsthaft zu gefährden. Mit Beginn der zweiten Hälfte brachte unser Coach, Bruno Labbadia, Cacau für Kvist. Die ersten Minuten gehörten dem VfB, leider fehlte auch hier die Durchschlagskraft um Butt ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die Bayern lauerten auf Konter im eigenen Stadion, spielten die aber zunächst zu unserem Glück nicht sauber zu Ende. So dauerte es bis zur Schlussminute bis Thomas Müller einen Konter zum 2:0-Endstand abschloss. Wie erwähnt, insgesamt war mir das zu wenig und sah schwer nach einem auslaufen lassen der Saison aus. Leverkusen hat uns durch den Sieg gegen Hannover vom fünften Platz, der zur Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League berechtigt, verdrängt. Jetzt müssen wir auf die Nürnberger hoffen, dass sie um ihre Minichance auf den 7. Platz gegen Leverkusen kämpfen werden. Besonders ein Mann in deren Reihen, unser Leihspieler Daniel Didavi, wird bewusst sein, dem VfB helfen zu können, wenn er erneut eine Topleistung auf den Rasen bringt. Ich denke, wir dürfen uns auf ihn freuen, wenn er im Sommer zurückkommt, hat er doch eine überragende Rückrunde gespielt. Es würde mich freuen, wenn Labbadia in der neuen Saison Verwendung für ihn hätte. Er ist zwar nicht der schnellste und laufstärkste Spieler. Dafür hat er einen überragenden Schuss und schlägt starke Standards, Attribute die uns durchaus fehlen und stärker machen könnten. Der VfB seinerseits ist gegen Wolfsburg natürlich zum siegen verbannt. Wie in jeder Saison wird auch dieses Mal wieder dem Team daran gelegen sein, sich positiv in die Sommerpause zu verabschieden. Und, sollte Leverkusen in Nürnberg Federn lassen, muss der VfB da sein und sich den fünften Platz zurück erobern. Er würde eine ungestörtere Vorbereitung gewährleisten, da uns eine Qualifikationsrunde Anfang August, also mitten in der Saisonvorbereitung, erspart bliebe. Leider hat man die gute Ausgangsposition durch die beiden Auswärtsspiele in Köln und München aus der Hand gegeben. Spannend dürfte sein, wer gegen die Wölfe unsere Innenverteidigung bilden wird, fallen doch Tasci verletzt und Georg Niedermeier durch Gelbsperre aus. Zu allem Überfluss handelte sich Antonio Rüdiger gestern beim Spiel unserer Zweiten gegen den Zweitligaaufsteiger VfR Aalen eine rote Karte ein. Daher tippe ich auf das Abschiedsspiel unseres Ex-Kapitäns Matthieu Delpierre neben Maza.
Unterm Strich war es natürlich eine tolle Saison unseres VfB, egal, ob am Ende der 5. oder der 6. Platz steht. Nach dem Fastabstieg vor Jahresfrist jetzt wieder nach Europa gestürmt, was will man eigentlich mehr. Trotzdem wäre Stillstand Rückschritt, d. h. in der nächsten Saison wäre es durchaus mal wieder an der Zeit, die Top vier anzugreifen. Potential ist durchaus vorhanden, im Sommer kann man sich von etlichen Heldt’schen Altlasten trennen, die jahrelang ein Klotz am Bein waren, was die finanzielle Handlungsfähigkeit betraf. Die bisherige Transferbilanz von Fredi Bobic ist hervorragend, so habe ich durchaus Hoffnung, dass jetzt der nächste Schritt erfolgen kann. Dass die Mannschaft Qualität besitzt, zeigt sie in Nuancen immer wieder. Leider fehlt die Konstanz, siehe den Negativlauf November bis Februar, sonst wäre auch schon in dieser Saison zumindest Platz vier machbar gewesen.
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5. März 2012
Samstagnacht 4 Uhr in Stuttgart. Der Wecker klingelt und es heißt Aufstehen. Aufstehen für den VfB, aufstehen für die gut 660 Kilometer nach Hamburg, aufstehen, um den um 5.51 Uhr startenden ICE zu erreichen. Aufstehen für die Tour in meine Lieblingsstadt! Aufstehen für Hamburg, und das zum zweiten Mal innerhalb von 6 Tagen. Aber auch Aufstehen für den Auswärtssieg?
Wer’s glaubt, wird selig. Seit Ende September gab es keinen Auswärtssieg mehr. Mit Ausnahme des 2:2 in Leverkusen setzte es auswärts fast nur noch Niederlagen. So hielt sich mein Optimismus an diesem noch dunklen Samstagmorgen schwer in Grenzen. Woher also die Motivation nehmen, aufzustehen? Diese Frage stellt sich ein Fan gewöhnlich nicht, will man doch dabei sein, wenn sein Verein antritt. Als Fan malt man aber auch nicht schwarz, sondern hofft darauf, dass jede (Negativ-) Serie auch einmal ein Ende haben wird. Dazu kommt natürlich, dass bei so einer Tour der Spaß neben dem Fußball auch nicht zu kurz kommt. Dass wir in Hamburg einige Bekannte treffen würden, war ausgemachte Sache. Zufall war es aber, dass wir schon am Hauptbahnhof Stuttgart einige Freunde trafen, mit denen wir die komplette Fahrt in den hohen Norden schon feuchtfröhlich im Bistrowagen der Deutschen Bahn verweilten, so dass die Zeit wie im Flug, ähm Zug, verging. Um 11.34 Uhr erreichten wir pünktlich den Hamburger Hauptbahnhof, von wo aus wir die vorab gecheckte Verbindung mit der U3 bis zur Station „St. Pauli“ nahmen und alsbald in unserem Hotel, dem Holiday Inn Express Reeperbahn, einchecken konnten. Noch einen kurzen Snack im Maredo auf der sündigen Meile eingeworfen und wir machten uns auch schon auf den Weg zur Imtech-Arena, wie das Volksparkstadion neuerdings heißt. Gegen 14 Uhr trafen wir dort ein und überlegten gerade, ob wir schon rein gehen sollten, als die Ultras mit ihren Fahnen und Doppelhaltern um die Ecke kamen. Dies war dann Anlass genug, noch schnell hinein zu huschen, da sich deren Einlass erfahrungsgemäß zeitlich in die Länge zieht. Drinnen trafen wir dann gleich einige Mädels und Jungs vom OFC Roter Brustring Hamburg (RBHH), die schon fast traditionell zu „ihrem“ Heimspiel im Anschluss an das Spiel eine Barkassenfahrt auf der Elbe, inklusive Transfer vom Stadion zum Anleger, veranstalten. Zum dritten Mal in Folge habe ich uns dafür angemeldet. Lustig fand ich ja die Anekdote, dass die OFC-Mitglieder sich beim Einlass rechtfertigen mussten, weil sie „Hamburg“ in ihrem Logo haben und der Ordnungsdienst sie wohl am liebsten zu den Heimfans gesteckt hätte. Je näher der Spielbeginn rückte, desto mehr Bekannte trafen ein, so dass die Zeit rasend schnell um ging und wir uns langsam mal einen guten Platz im Stehblock suchen mussten. Relativ weit oben noch hörte ich es nach uns rufen, so dass wir uns gleich zu unseren Berkheimern gesellten. Im Stehblock war es natürlich wieder schwierig, vernünftige Fotos von unseren Ultras zu machen. Das nahm ich aber in Kauf, da vernünftige Geradentickets kaum unter 60 Euro zu haben waren und die auch wesentlich teureren Plätze über und neben dem Fanblock keinen besonderen Mehrwert diesbezüglich geboten hätten.
Gut elf Stunden nach dem Aufstehen, blickten wir also auf das weite Rund hinab und ich erinnerte mich daran, welch enttäuschende Vorstellungen der VfB in den vergangenen Jahren an gleicher Stelle abgeliefert hatte. Die letzten vier Vergleiche wurden allesamt verloren, wobei mir zwei davon in besonders schlechter Erinnerung sind. Als Meister setzte es 2007 eine herbe 1:4 Schlappe, der VfB in Gelb-Schwarz und mit einem gewissen R. S. aus N. im Kasten, der es unnachahmlich verstand, völlig hirn- und planlos durch seinen Strafraum zu irren, so dass auch der abgeklärteste Abwehrspieler dessen Welt nicht verstand. Gut, sagte ich mir schon damals, ohne Torwart verliert man auch in Hamburg… In der letzten Saison dann als unser rumänischer, noch von Heldt und Veh per DVD-Studium gesichteter und verpflichteter, „Wunderstürmer“ Ciprian Marica schon nach 16-Minuten Schiri Stark mit dem A-Wort bedachte und des Feldes verwiesen wurde. Eigentlich hat er ja Recht, dachte ich mir damals, trotzdem für einen Fan frustrierend, wenn man einmal durch fast ganz Deutschland fährt und dann auf dem Absatz wieder kehrt machen könnte, weil nach einer solchen Undiszipliniertheit in der Anfangsphase ein positives Ergebnis ziemlich unwahrscheinlich geworden war.
Zurück in der Neuzeit: als die Mannschaftsaufstellung vom VfB verlesen wurde, atmete ich zunächst auf, dass der VfB gegenüber dem Sieg gegen Freiburg unverändert antrat. Aufatmen deshalb, weil ich hoffte, dass Labbadia auch nach dem Ablauf von Molinaro’s Rotsperre Gotoku Sakai in der Mannschaft lassen würde. Dieser mausert sich immer mehr zu einer echten Verstärkung und harmoniert prächtig mit Shinji Okazaki auf der linken Seite. Ansonsten bestand auch wenig Grund zu tauschen, was bedeutete, dass Georg Niedermeier trotz Rippenprellung spielen konnte und Cacau, trotz Treffer in der Woche im Länderspiel gegen Frankreich, abermals auf der Bank saß.
Der VfB begann äußerst konzentriert und war zunächst einmal auf Sicherheit bedacht. Die ersten Chancen vergab Hajnal für den VfB, während die VfB-Abwehr sicher stand und nicht zu durchbrechen war. Nach 20 Minuten begannen wir schon den Teufel an die Wand zu malen. Der VfB hatte auch in einigen zurückliegenden Auswärtsspielen ganz gefällig angefangen und brach nach einem Gegentor dann auseinander. Anders jedoch jetzt in Hamburg. Mitte der zweiten Halbzeit brachte uns Vedad Ibisevic mit einer Klasseaktion in Führung. Wer jetzt wütende und stürmende Hamburger erwartete, wurde enttäuscht, der VfB erspielte sich weitere Chancen und erhöhte nur 8 Minuten nach dem 1:0 durch Kuzmanovic per Elfmeter auf 2:0. Der einzige Aufreger aus VfB-Sicht erfolgte erst kurz vor dem Pausenpfiff, als der HSV einen Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen bekam. Ulreich hatte aber mit Petric‘ Schüsschen keine Problem. So konnten wir mit einer beruhigenden Führung das Pausenbier genießen, so richtig trauen wollte dem Braten aber noch niemand. Man kennt ja den VfB. Doch dieser kam auch mit Elan aus der Pause. Rajkovic, der schon den ersten Elfer verursachte, legte Harnik elfmeterreif im Strafraum. Kuzmanovic verwandelte auch den zweiten Elfer sicher, so dass eigentlich nichts mehr anbrennen sollte.
In der 54. Minute dann schließlich die endgültige Entscheidung in diesem einseitigen Spiel. Sven Ulreich sprintete in Richtung Eckfahne, um einen Ball abzuschirmen und ihn ins Aus trudeln zu lassen, als plötzlich wie von einer Tarantel gestochen Paulo Guerrero angerauscht kam und ihn aufs übelste abgrätschte. Schon im Stadion hatte man gesehen, dass der Peruaner vorsätzlich eine schwere Verletzung unseres Keepers in Kauf genommen hat. In Anbetracht der Eskapaden dieses Skandal-Spielers ringt sich das Sportgericht hoffentlich zu einem äußerst harten Urteil durch und zieht Guerrero für eine lange Zeit aus dem Verkehr. Fürs erste ist ein Strafmaß von acht Spielen gefordert, gegen das der HSV Einspruch eingelegt hat. Der HSV versucht das brutale Einsteigen zu bagatellisieren und vergleicht das Einsteigen Guerreros mit dem Platzverweis von Ottl, für das er nur drei Spiele Sperre erhielt. Dieser Vergleich hinkt allerdings gewaltig. Abgesehen davon, dass ich die drei Spiele für Ottl auch als zu wenig empfand, war bei seiner Aktion noch irgendwie der Ball in der Nähe. Außerdem war das Tackling Ottls knapp über der Grasnarbe, während Guerrero angestürmt kam und im Stile eines Weitspringers Ulreich umsenste. Wäre das getroffene Bein sein Standbein gewesen, es wäre mit Sicherheit durch gewesen und unser Ulle hätte die nächsten sechs bis neun Monate in der Reha verbringen müssen. Dass Guerrero immer wieder das Kind im Manne zeigt, beweisen seine trotzigen Aussagen nach dem Spiel „er ist ja wieder aufgestanden und hat weiter gespielt“. Das spielt beim Sportgericht nur eine untergeordnete Rolle, zumal er nicht wegen rohem Spiels sondern wegen einer Tätlichkeit gesperrt wurde. Dass Guerrero von einigen HSV-Fans noch gefeiert wurde zeugt vom Niveau dieser geistigen Tiefflieger.
Nach der Aktion war der weitere Spielverlauf fast zur Nebensache geworden. Das Ding war gelaufen, der VfB steuerte einem ungefährdeten Auswärtssieg entgegen und wir in der Kurve standen noch immer unter dem Eindruck des Brutalo-Fouls an Ulreich. Die HSV-Fans waren gar nicht mehr zu hören, es schallten nur noch VfB-Freudengesänge und hin und wieder ein mit Inbrunst gesungenes Scheiß HSV durchs Stadion. Mehr als 2.500 Brustringträger übernahmen das Kommando im Volkspark und verabschiedeten die nach Hause eilenden Rauten mit einem freundlich gemeinten „Auf Wiedersehen“. Der VfB derweil erspielte sich Chance um Chance, am Ende laut Kicker-Statistik 0:10, und hätte weitaus höher gewinnen können. Einer ging dann doch noch rein: Martin Harnik, derzeit bester Torjäger der Rückrunde, trug sich auch noch in die Torschützenliste ein und vollendete zum auch in dieser Höhe völlig verdienten 0:4, seinem 14. Saisontor.
Schrieb ich letzte Woche noch, dass man die Saison eigentlich langsam ausklingen lassen kann, sind jetzt plötzlich die Europa League Plätze in Reichweite. Sollte Fürth im Pokalhalbfinale an Dortmund scheitern, was ja nicht komplett ausgeschlossen ist, dürfte bereits der siebente Tabellenplatz zur Europa League Teilnahme reichen. Drei Punkte trennen uns von Hannover, vier von Bremen auf dem 6. Platz. Und, diese beiden treffen am Wochenende aufeinander, was bedeutet, dass wir, vorausgesetzt eines eigenen Sieges gegen Kaiserslautern, aufgrund des besseren Torverhältnisses Hannover überholen könnten, sollten die in Bremen verlieren. Verrückt, wie schnell das mit der 3-Punkte-Regelung geht. Vor 2 Wochen sah ich uns noch bis zum Ende gegen den Abstieg spielen, da sich eine unterirdische Leistung an die nächste reichte. Plötzlich, 17 Tore aus den letzten fünf Spielen, sind wir die Torfabrik der Liga. Eigentlich bin ich ja kein großer Freund der Europaleague. Die Reisen haben zwar schon ihren Reiz, die vielen Sonntagspiele nerven aber und als Tabellensiebenter würde man sicherlich bereits schon im Juli gegen den Meister aus Kasachstan um den Einzug in die nächste Qualifikationsrunde kämpfen, was eine vernünftige Saisonvorbereitung erschweren und ein richtiges Trainingslager, in dem alle Nationalspieler mit von der Partie sind, unmöglich machen würde. Andererseits hat der Umstand früh schon Wettbewerbsspiele zu haben manchen Mannschaften auch schon genutzt. Scheint also auch eine Kopfsache zu sein. Dem VfB unter Christian Gross hat eine solche Vorbereitung vor zwei Jahren nicht gut getan. Aber natürlich stehen die Chancen jetzt recht gut, angesichts der kommenden Gegner Lautern, in Sinsheim und gegen den Club. Und, der VfB macht mittlerweile wieder einen stabileren Eindruck als noch vor ein paar Wochen. Wird diese Stabilität in die nächsten Wochen mitgenommen, steigert sich auch das Selbstvertrauen des Teams, was Hoffnung auf weitere Heldentaten macht. Hamburg war jedenfalls eine wunderschöne Heldentat, auch aus dem Grund, dass wir damit unseren Freunden, die dem FC St. Pauli nahe stehen, eine riesen Freude machen konnten.
Nach dem Spiel ging es dann bestens gelaunt Richtung Bus des RBHH und von dort zum Anleger Nähe Baumwall. Noch kurz formiert für ein Gruppenbild und schon ging’s los. Die Barkassenfahrt war wieder richtig klasse organisiert und hat großen Spaß gemacht. Der Käpt’n hatte ein Einsehen und legte kurzerhand an, damit sich die Herren erleichtern konnten und das enge Schiffsklo ein wenig entlastet wurde. Es wurde viel gesungen und gelacht und Flensburger (zumindest von mir) getrunken. Auch die VfB-Fanbetreuung war mit Klenky und Christian vertreten, auch eine Reminiszenz an den Beistand von Oben, dem Beinamen des OFC’s, der die VfB-Farben in der Hansestadt hoch hält. Die Fahrt war wie immer sehr kurzweilig, für eine Hafenrundfahrt zwar sehr lang, trotzdem ging sie für alle viel zu schnell zu Ende.
Wir zogen danach noch weiter auf den Kiez und wurden dort noch einmal so richtig gefeiert. Die am Kiez ansässigen bzw. dort verkehrenden stehen nun mal eher zu ihrem Stadtteilclub als zum HSV, so dass wir noch zig Hände schüttelten und sich die meisten mit uns freuten. Ein rundum gelungener Ausflug also. Wäre „Hamburg, meine Perle“ nicht gerade DER HSV-Song, ich würde das heute noch summen, mit dem geilen Gefühl des Auswärtssieges im Kopf.
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19. August 2011
Zunächst einmal muss ich mich an dieser Stelle entschuldigen, da ich in den letzten Wochen und Monaten nicht dazu gekommen bin, den einen oder anderen Bericht zu verfassen.
Die Sommerpause in diesem Jahr war recht kurzweilig. Nach der nervenzehrenden letzten Saison und der endgültigen Rettung am vorletzten Spieltag, war erst einmal „Herunterkommen“ angesagt. Während die Spieler in den letztendlich wohlverdienten Urlaub aufbrachen, vertrieb sich der gemeine Fußballfan die Zeit mit Pokalendspiel, Relegationsspielen, Champions-League-Finale sowie den zum Saisonabschluss angesetzten Länderspielen. Den Jux-Kick in Sinsheim gegen Uruguay musste ich nicht live gesehen haben, das darauf folgende EM-Quali-Spiel in Wien gegen Österreich dagegen schon. Als Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft war es ein leichtes an Karten zu kommen und so drückten wir der deutschen Mannschaft, wie schon vor drei Jahren bei der Euro 2008 im Wiener Ernst-Happel-Stadion die Daumen.
Gute zwei Wochen später bereits nahm der VfB-Tross, noch ohne seine Nationalspieler, den Trainingsbetrieb wieder auf. Die ersten Eindrücke konnten wir dann bereits am 24.6. beim Test in Brackenheim gewinnen, wo aufgrund der Abwesenheit zahlreicher Kaderspieler auch einige „Jungspunde“ zum Einsatz kamen. Am 9. Und 13.7. schauten wir uns noch die Tests in Kirchheim und bei den Kickers an, ehe es am 14.7. bereits zum Trainingslager nach Längenfeld ging. Dort weilten wir für die gesamte Dauer des VfB-Trainingslagers und waren auch natürlich auch bei den während des Aufenthalts angesetzten Testspielen mit von der Partie. Höhepunkt des Trainingslagers war natürlich das Fanfest, zu dem sich erstmals das komplette Team inklusive des Trainerstabs einfand und aus dem Nähkästchen plauderte. An unseren Tisch gesellten sich Sven Ulreich, Georg Niedermeier und der neue Torwarttrainer Andreas Menger.
Als Bruno Labbadia im Dezember als neuer VfB-Trainer vorgestellt wurde, war ich zunächst sehr skeptisch, ob er der richtige wäre. Für mich war er eher ein Sprücheklopfer, eher ein Lebemann, als einer, der den verfahrenen Karren wieder in die richtige Richtung steuern könnte. Doch, wie jedem Trainer, der beim VfB auf die Kommandobrücke tritt, gab ich ihm natürlich eine faire Chance und hoffte, dass er Erfolg haben würde. Schließlich war er nach 12 Punkten aus 16 Spielen und zwei verschlissenen Trainern so etwas wie die letzte Patrone, die Fredi Bobic hatte. Dass Bruno Labbadia mit seinem Trainerteam den VfB mit einer starken Rückrunde vor dem Abstieg rettete rechne ich ihm unheimlich hoch an. Labbadia predigte von Beginn an, das Team und die Fans müssten wieder zu einer Einheit werden und es ginge nur ZUSAMMEN. Dass diese Worte keine leeren Worthülsen sind, erfuhren wir im Trainingslager, um wieder zum vorigen Thema zurück zu kehren. Dass zum Fanfest der komplette Tross anrückte, war Bruno Labbadia zuzuschreiben, ebenso der unheimlich offene Umgang mit den Fans während der Zeit in Längenfeld sowie der unkomplizierte Umgang der Spieler mit den Anwesenden. Man merkte, dass er eine positive Grundstimmung verbreitet und mit gutem Beispiel voran geht. Es sind Kleinigkeiten, wie, dass die Trainer vorne weg marschieren, wenn es die etwa 300-400 Meter vom Mannschaftshotel zum Sportplatz und wieder zurück geht, und nicht mit dem Bus fahren, wie noch in Donaueschingen bspw. unter Gross. Ich habe noch keinen Trainer erlebt, der so akribisch auf dem Trainingsplatz arbeitet und auch so viele Übungen selbst mitmacht, um nach der Einheit noch ein Kleinfeld aufzubauen, auf dem er mit Eddy Sözer Fußballtennis spielt, während sich der Rest im Hotel bereits auf das Abendessen freut. Von seiner offenen Art war ich sehr angetan und so nahm er auch auf dem Fanfest kein Blatt vor den Mund. Diesem Trainer drücke ich wirklich die Daumen, dass er zunächst einmal den Herbst beim VfB übersteht und möglichst noch lange das Sagen beim VfB hat. Ich denke, zusammen mit Fredi Bobic, könnte er, mit ein bisschen Glück, eine kleine Ära prägen.
Am Ende des Trainingslagers nahmen wir auf der Rückfahrt dieselbe Route wie das Team, nämlich nach Aalen, um dem Test gegen den englischen Zweitligisten Nottingham Forrest beizuwohnen. Knapp eine Woche später fand dann bereits der Pflichtspielauftakt in die Saison 2011/12 mit dem Pokalspiel in Wiesbaden statt. Der VfB gewann mit 2:1 und stand in der 2. Runde. Ich, der auch vor Jahresfrist in Babelsberg Augenzeuge war, fand den Auftritt relativ souverän und sah uns während der 90 Minuten nie ernsthaft in Gefahr. Im Vergleich zu anderen oberklassigen Teams, allen voran Leverkusen, Wolfsburg und Bremen, gaben wir uns zum Auftakt keine Blöße und dürfen weiterhin vom Pokalsieg träumen. Der nächste Gegner FSV Frankfurt dürfte auch keine größere Hürde auf dem Weg dorthin sein.
Und schon ging sie also richtig los, die neue Saison. Am 6.8.2011, jenem für den VfB so historischen Tag, rollte zunächst die inzwischen schon traditionelle Karawane Cannstatt gen Stadion. Es war erneut ein sehr farbenfroher, stimmungsvoller Auftakt in die Heimspielsaison. Die Fans zogen ein in die neue Cannstatter Kurve, die von nun an als weiße Wand von sich reden machen soll. Nach zwei Jahren Baustelle und dadurch recht trister Stimmung machte schon der erste Einsatz Lust auf mehr. Das Stadion ist ein richtiges Schmuckkästchen geworden und hat das Zeug dazu, eine Festung zu werden. Die Stimmung war schon vor dem Spiel prächtig, was aber während der 90 Minuten im Spiel gegen Schalke 04 abging, übertraf meine Erwartungen. Der Schalker Anhang war während des gesamten Spiels kaum zu hören, erst recht nicht, nachdem wir ihnen zum Auftakt drei Buden eingeschenkt hatten und nach dem ersten Spieltag von der Tabellenspitze grüßten. Das Team war im Vergleich zur Vorsaison nur um Nuancen verändert. Ein Christian Träsch, in den letzten beiden Jahren noch der Inbegriff des Arbeitstiers, wurde überhaupt nicht vermisst, was mich schon zu der rhetorischen Frage hinreißt, „Who the fuck is Träsch?“. Sowohl Boulahrouz, der die Position des Rechtsverteidigers inzwischen auch im Kopf angenommen hat, als auch William Kvist als Partner von Kuzmanovic auf der Doppel-Sechs, boten eine starke Leistung. Maza, der kurzfristig für die Innenverteidigung verpflichtete Mexikaner, harmonierte mit dem nach Verletzung zurückgekehrten Serdar Tasci so prächtig, dass es nicht auffiel, dass die beiden erstmals zusammen spielten. Auf den weiteren Positionen spielten ausschließlich Akteure, die bereits im Vorjahr zum Team gehörten. Trotzdem wirkt die Mannschaft viel stabiler als in der letzten Saison. Es scheint, als habe man den Zusammenhalt im Team und die Form der Rückrunde, in die neue Saison hinüber retten können. Auch der Zusammenhalt ist ein Schlüssel des Erfolgs von Labbadia. In der Vorrunde noch ein zerstrittener Haufen von Ich-AG’s, schaffte man es, auch mit einer Maßnahme wie der Suspendierung von Marica, dass wieder an einem Strang gezogen wird. Es erwartet ja kein Mensch, dass elf Freunde auf dem Platz stehen. Erwarten darf man aber, dass alle nach demselben Ziel streben und sich auf dem Platz helfen. Labbadia gibt sowohl das Ziel als auch den Weg dorthin vor, was die Spieler auf dem Fanfest auch bestätigten. Wenn die Mannschaft so auftritt wie über weite Strecken gegen Schalke, dürfen wir uns auf eine schöne und vor allem entspanntere Saison als die letzte freuen. Es erwartet ja kein Mensch, dass wir sofort wieder ganz oben angreifen, was der Fan aber erwarten kann, ist, dass die Spieler dem Profifußball alles unterordnen und als Team auftreten. Hier sehe ich die Mannschaft auf einem guten Weg. Ein großes Plus ist dazu natürlich das fertige Stadion. Ich hoffe, dass fast alle Spiele ausverkauft sein werden und die Stimmung das Team weiter pusht, um endlich wieder eine Heimmacht zu werden. Der gelungene Auftakt ist schon einmal Gold wert, um mit Selbstvertrauen an die nächsten Aufgaben heranzugehen.
Beim ersten Auswärtsspiel der Saison, Samstag Abend in Mönchengladbach, waren wir (natürlich) auch mit von der Partie. Die Erinnerungen an unseren letzten Auftritt im Borussia-Park im Februar waren noch mehr als präsent. Bei einem 0:2-Pausenrückstand und dem 18. Platz in der „Blitztabelle“ fand bei der Halbzeitanalyse mit vielen bekannten Leidensgenossen bereits der Abgesang auf Liga 1 statt. Nach einer phänomenalen Aufholjagd gewannen wir noch 3:2 und die Gladbacher lagen am Boden. Dass am Ende beide die Klasse halten würden, darauf hätte an diesem Abend sicher niemand gewettet. So standen wir beide uns am Samstag unter gänzlich anderen Vorzeichen gegenüber. Der VfB nach dem Sieg gegen Schalke, Gladbach nach dem Überraschungsdreier in München, jeweils mit breiter Brust. Dass es nicht leicht werden würde, war mir von vornherein klar. Seit Favre bei Gladbach das Zepter übernommen hat, kommt die Borussia gut organisiert daher. Aus der Schießbude Borussia ist ein schwer bezwingbares Bollwerk geworden. Vor dem Spiel kassierte Gladbach saisonübergreifend in acht Spielen gerade einmal drei Gegentore. Großen Anteil an dieser Serie hat der junge Torhüter Marc-Andre ter Stegen, den Favre Ende der letzten Saison ins kalte Wasser schmiss und der großen Anteil am Klassenerhalt der Borussia hatte. Erwartet schwer wurde der Auftritt auch. In einem offenen Spiel zweier Mannschaften mit Selbstvertrauen hatte der VfB ein optisches Übergewicht, was aber leider nicht in Tore umgemünzt werden konnte. Die Gladbacher gingen durch einen zweifelhaften Elfmeter in Führung, den Kvist an dem bekanntermaßen schnell fallenden Reus verursacht haben soll. Geht das schon wieder los, mag man sich als VfB-Fan angesichts der Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB in der Vorsaison fragen. Doch anders als in der letzten Saison wirkt der VfB so stabil, einen Rückstand wegstecken zu können und so dauerte es keine fünf Minuten ehe der VfB durch Cacau nach intelligenter Vorarbeit von Gentner ausgleichen konnte. Danach hatte man den Eindruck, der VfB begnüge sich lieber mit dem Spatz in der Hand, als risikoreich nach der Taube auf dem Dach zu streben und war mit dem einen Punkt zufrieden. Auch nach der gelb-roten Karten zehn Minuten vor Schluss für Brouwers wollte oder konnte der VfB den Schalter nicht mehr umlegen, und den Sieg erzwingen. Gladbach stand weiterhin gut und ließ den VfB zu keinen weiteren Chancen kommen. Alles in Allem kann der VfB auch gut mit dem Punkt leben. Der VfB hat nach zwei Spieltagen vier Punkte gesammelt, so viele wie in der letzten Saison nach acht Spieltagen eingefahren waren. Auch hier halte ich es mit Labbadia und finde, nach den Erfahrungen des letzten Jahres tut uns ein wenig Demut gut. Noch weiß keiner wie sich die Saison entwickeln wird, allererstes Ziel sollte sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Dann spielt man in dieser engen Liga automatisch in der oberen Tabellenhälfte mit.
Bereits morgen steht der nächste Härtetest an. Gegen Bayer Leverkusen setzte es in der letzten Saison eine 1:4-Heimniederlage, wir sollten also gewarnt sein. Leverkusen ist sehr holprig in die Saison gestartet. Einem 0:2 in Mainz folgte ein glückliches 1:0 gegen Bremen. Dutt scheint noch nicht recht in Leverkusen angekommen, so dass ich mir die Frage stelle, ob ein Championsleague-Teilnehmer für ihn nicht eine Nummer zu groß ist. Gegenüber Stars wie Ballack („es muss eine Ehre sein, bei Bayer auf der Bank zu sitzen“) oder Rolfes (Dutt schmeckte die Kritik nach dem Mainz-Spiel nicht) spielt er gekünstelt den dicken Maxe, so dass er mich mit seinem Verhalten stark an Ralf Rangnicks Anfangszeiten und seine Dissonanzen mit Krassimir Balakov erinnert. Sehr nervös agierte er auch in der Torwartfrage. Leverkusen verpflichtete als Ersatz für den noch lange verletzten Rene Adler Yelldell aus Duisburg, den Dutt schon von seiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers kennt. Als dieser im Pokalspiel patzte, stand in Mainz die bisherige Nummer 2 Giefer zwischen den Pfosten. Dieser leitete dann durch einen schlimmen Fehler die Niederlage ein, woraufhin man auf einmal beim VfB vorstellig wurde und Bernd Leno bis zum Jahresende ausgeliehen bekam. Ich wünsche Bernd Leno in der Bayer-Stadt viel Glück, dass er sich auf höchstem Niveau beweisen kann und dass er noch stärker wieder zurückkehrt. Nicht auszudenken aber, sollte Leverkusen am Samstag durch eine schlechte Torhüterleistung, den Kürzeren ziehen. Die Transferperiode läuft ja noch knapp zwei Wochen, vielleicht wird dann einfach Torwart Nummer fünf geholt, die Werksclubs sind in Sachen Kadergröße ja nicht so zimperlich. So hat Leverkusen also jede Menge (hausgemachte) Probleme und wird sicherlich nicht mit übergroßem Selbstvertrauen in unsere schmucke Arena reisen. Dies gilt es auszunutzen. Der VfB muss von vornherein zeigen, wer Herr im Haus ist und dass es für Bayer nichts zu holen gibt. Wenn der VfB von vornherein mit dem bislang gezeigten Willen, der Mentalität und Konzentration zu Werke geht, ist mir nicht bange. Spielen lassen dürfen sie sie aber nicht. Leverkusen hat auch nach dem Abgang von Vidal noch exzellente Einzelspieler, die es in Schach zu halten gilt.
Wir Fans werden den VfB auch morgen, bei den zu erwartenden schwül-heißen Temperaturen, nach vorne pushen und unser Möglichstes tun, damit wir auch morgen um 17.20 Uhr noch eine makellose Heimbilanz vorweisen können. Unsere Spieler sollen, wie schon gegen Schalke, beim Einlauf aufgrund der Atmosphäre eine Gänsehaut bekommen und im Spiel, für sich, für den Verein und nicht zuletzt für uns Fans, alles geben und das Spiel für sich entscheiden. Ich bin guter Dinge, auf geht’s VfB!
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