15. Februar 2015

Oh, Du wunderschöner VfB…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:59

…sangen wir einst und durften Fußballfesten beiwohnen, die sich auch Jahrzehnte später noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Was ist nur aus diesem einst so wunderschönen Verein geworden? Ein Abstiegskandidat, das Team, das den schlechtesten und langweiligsten Fußball der Liga spielt. Stand VfB früher für „Verein für Begeisterung“ praktizieren wir heutzutage Angsthasenfußball zum Abgewöhnen. Der VfB steht auf Platz 18 und damit genau dort, wo er auch hingehört.
Die Luft auf dem Wasen dürfte nach der Niederlage in Sinsheim deutlich dünner werden. Jetzt merkt es wohl der letzte Träumer, dass wir uns (unaufhaltsam?) auf rasanter Talfahrt in Richtung Zweite Liga befinden. Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, mich an einen Strohhalm klammern zu können und auf die noch verbleibenden 13 Spiele im Oberhaus positiv zu blicken. Soll der Bock gegen den wiedererstarkten BVB umgestoßen werden? In Hannover? Im Leben nicht. Mit blutleeren Auftritten ohne jegliche Kreativität, ohne Überraschungsmomente? Was soll denn Hoffnung machen? Wir haben eine Truppe, die mit Sicherheit die schlechteste ist, die je die Farben unseres Vereins tragen durfte. Diese schlechte Truppe muss es aber richten, weil wir nur die eine haben.
Ich habe jegliches Vertrauen in diese Truppe verloren, das Wort „Mannschaft“ meide ich bewusst schon seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dieser (Gurken-)Truppe.
Der gestrige Tag begann ja schon symptomatisch. Mit dem RWS ging es im Bus diese paar Kilometer in Richtung Autobahnraststätte Sinsheim. Um 12.30 Uhr war Abfahrt in ES-Berkheim, gegen 13.15 Uhr der Zustieg im Gewerbegebiet Ditzingen-Ost. Es lief ganz gut, bis Sinsheim-Süd, als plötzlich alles stand. Unser Kutscher nahm dann diese Ausfahrt, was ich mit dem Stau in Verbindung brachte und ihm durchaus einen guten Plan B zugetraut hätte. Abgesehen davon, dass wir auch auf dieser Route mehr gestanden als gefahren sind, wunderten wir uns mehr und mehr über Plan B, spätestens dann, als wir linkerhand das Stadion gesehen haben und doch nicht mal endlich diese Richtung eingeschlagen hatten. Der Kutscher aber fuhr unbeeindruckt weiter seinen Stiefel herunter, bis wir schließlich – ja, tatsächlich, im Ort Hoffenheim gestanden sind. Hat diese Koryphäe von Kutscher doch wohl offensichtlich „Hoffenheim“ ins Navi eingegeben. ;-)
Als die Uhr bereits auf 14.40 Uhr stand, stieg natürlich die Unruhe im Bus an. In der Ortsmitte also wieder gewendet, so dass wir wieder auf die Autobahn und auf dieser von der anderen Seite aus kommend ankamen, an der Ausfahrt vorne reingedrängt, so dass wir doch noch kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gästeplatz standen. Die meisten im Bus hatten Stehplätze und um diese Zeit sicherlich ihre Probleme, noch einen guten Platz im Block zu finden. Bei mir war es weniger tragisch, da ich einen Sitzplatz, den ich direkt beim Heimverein bestellt habe, hatte. Abgesehen davon, dass man von dort relativ gut in den Gästeblock fotografieren kann, dachte ich, dass es im „Heimbereich“ auch Vollbier geben würde. Weit gefehlt, auch dort nur alkoholfrei, hat der Veranstalter doch sicherlich realisiert, dass auch diese Kurve außer den paar Hansels mit Dauerkarten, weitestgehend in VfB-Hand sein würde. So war das Spiel also noch schwerer zu ertragen.
Unser Neuzugang Serey Dié musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie Schwaab und Ibisevic, die für Harnik und Timo Werner weichen mussten. Huub Stevens war also auch gegen die in der Rückrunde noch punktlosen Hoffenheimer nicht dazu bereit, über seinen eigenen Schatten zu springen und mehr als zwei Offensivkräfte aufzubieten.
Mein Verständnis für diesen Angsthasenfußball hält sich dabei in Grenzen. Die Null muss stehen, ist zwar ein Credo, das noch nicht von vornherein verwerflich ist, aber eben nur, wenn man vorne auch trifft und so sicher steht, um auch mal ein 1:0 nach Hause zu schaukeln. Das aber kann der VfB nicht, so dass es mir momentan lieber wäre, im Veh-Stil anzutreten, wo man nach einem 0:3 gegen Leverkusen noch zurückkommen konnte und auch in Frankfurt nach Rückständen jeweils eine passende Antwort geben konnte. Ist die Ausrichtung von vorne herein auf Catenaccio angelegt, fällt es umso schwerer den Schalter umzulegen, wenn es sein muss.
Unter Veh war durchaus Offensivpotential erkennbar, auf dem man aufbauen könnte. So kann und muss es zwar heißen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive endlich mal zu finden, jedoch nicht allein auf Kosten der Offensive, sondern um Kapital aus diesen Stärken zu ziehen und die Gegentoranzahl zu reduzieren.
Weshalb hole ich einen Kostic für gut sechs Millionen Euro, der, als Königstransfer eines klammen Vereins, nur auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt. Natürlich muss er es lernen, nach hinten mit zu arbeiten, aber, wenn dem „Team“ eingebläut wird und sie es auch annehmen, dass sie für den einen oder anderen Künstler zusätzliche Wege gehen müssen, kann und muss man einen solchen Spielertypen und auch einen Alexandru Maxim auf dem Platz vertragen können.
Das sind doch Spieler, die der Fan und Zuschauer sehen möchte, die durch einen Geistesblitz Torgefahr entfachen können. Wir aber haben pro Halbzeit ein, zwei harmlose Schüsschen zu verzeichnen, wodurch gestern sogar einer unhaltbar für Baumann abgefälscht wurde und wir das erste VfB-Tor im Jahre 2015 bejubeln durften. Unsere Bilanz aus den letzten fünf Spielen lautet also 1:5 Tore, zwei Punkte. Die Gegentore zwar noch aller Ehren wert für einen Abstiegskandidaten, offensiv dafür nicht bundesligareif. Mit einer solchen Spielweise wie zuletzt geht es unweigerlich runter. Wir sind in einer Lage angekommen, in der nur noch Siege helfen.
Es bringt weder etwas in Köln auf Unentschieden zu spielen, noch gestern in Hoffenheim. Das 1:2 in der Nachspielzeit hat mich gestern nicht einmal mehr groß aufgeregt, weil mir schon der eine Punkt zu wenig war und man mit einem Punkt seit Einführung der Dreipunkteregel sowieso nicht von der Stelle kommt. Natürlich kann man mal mit einem Unentschieden leben, aber eben nur dann, wenn man sich nicht vorwerfen muss, nicht alles für einen Sieg getan zu haben.
Ich bin der Meinung, ein Umdenken kann nur durch Niederlagen stattfinden, auch wenn jetzt von Spielern und Offiziellen doch wieder rumgeheult wird, wie bitter der Knockout in der Nachspielzeit gewesen sei. Nein, der VfB bietet Fußball zum Abgewöhnen, langweilig, langsam, harmlos, ideenlos, herzlos und schlecht. Der Gegner passt sich diesem schlechten Spiel an und gewinnt das Spiel trotzdem, zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber, er gewinnt und hat damit sein Ziel erreicht, im Gegensatz zum VfB. Stevens muss jetzt einfach das Risiko erhöhen und mehr Kreativpotential bringen.
Wie erfolgversprechend eine Umstellung bspw. auf eine Raute sein könnte, dafür reicht ein Blick nach Bremen. Nur wenn man dem Gegner suggeriert, dass man ein Spiel unbedingt gewinnen will, hat dieser Respekt vor einem. Wenn ich aber wie das Kaninchen vor der Schlange agiere und stets den Rück- dem Steilpass vorziehe, signalisiere ich Demut und Angst und das gegen die Bayern genauso wie gegen Paderborn. Mutmacher fallen mir heute wenige bis keine ein.
Stevens selbst wirkte gestern ja beängstigend ratlos – ich hoffe, dass er aus seiner Ratlosigkeit heraus sich und sein Spielsystem hinterfragt und gegen Dortmund mit dem Mute der Verzweiflung antritt. Eine große Chance liegt für mich in der Gelbsperre von Christian Gentner. Er mag ein Spieler sein, der in einem gut harmonierenden und kombinierenden Team mitspielen kann, er ist aber kein Leader, kein Kapitän und erst recht nicht einer, der sein Herz in die Hand nimmt und die Richtung fürs Team vorgibt. Gegen Dortmund muss die Truppe anders auftreten als in den ganzen letzten Spielen, sonst kann der VfB die Punkte gleich in den Pott schicken und wir können es beim gemütlichen Teil des Abends belassen und müssen nicht für einen erneuten Grottenkick unser Vorglühprogramm unterbrechen. Außer der des Kapitäns würde ich noch andere Positionen überdenken, Romeu hat endgültig das „Niveau“ dieser Truppe erreicht. Beim 2:1 gestern hat er mal wieder viel zu langsam geschaltet, sonst hätte der Fehlpass von Baumgartl vermutlich nicht diese verheerende Folge gehabt. Weshalb Hlousek, der keine vernünftige Flanke in den Strafraum bringt, Woche für Woche auflaufen darf, verstehe, wer will. Ein Leibold von den Amas bekommt keine Chance und flieht im Sommer, schlechter als Hlousek ist er auch nicht. Auch Rausch, den ich einst für einen guten Zugang hielt, ist völlig außen vor und dümpelt bei den Amas herum.
Harnik, absolut formschwach, stets überhastet verstolpert er die wenigen vielversprechenden Aktionen, diese Aufzählung könnte man fast quer durchs Team fortsetzen. Ich hoffe, dass Gruezo bald und Didavi überhaupt noch zurückkommen, waren es doch diese beiden, die auch in der letzten Saison, übrigens ab dem Dortmund-Spiel, für mehr Stabilität im Mittelfeld gesorgt hatten. Auch Ginczek, der gestern wieder bei den Amas getroffen hat, würde ich Ibisevic vorziehen.
Gestern auch wieder war unsere „Offensive“, ob Harnik, Werner oder später auch Ibisevic, hauptsächlich am Fallen und am Lamentieren, anstatt erst dann das Spielen einzustellen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es ist erbärmlich und beschämend zugleich mit anzusehen, wie erwachsene Männer von einer Windbö von den Beinen geholt werden und dann noch Mienen aufziehen, wie kleine Mädchen, denen man die Barbiepuppe weggenommen hat.
Da wir noch immer von Berufsfußballern sprechen, die in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer an den Tag legen, die Basics wie Ball stoppen und Passspiel verlernt zu haben scheinen, frage ich mich, was die Ursachen sind. Spielt die Mannschaft etwa mal wieder gegen den Trainer? Jeder Verstolperer ein kleiner Nadelstich gegen den Trainer? Da ich bei dieser Truppe keinen Charakter sehe, würde mich das jetzt nicht einmal verwundern, alles bereits dagewesen.
Es muss sich Grundlegendes ändern, wenn man die Chance auf den Klassenerhalt weiter wahren möchte. Seit gestern schließe ich dabei auch einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr aus. Wenn ein Trainer selbst zugibt, mit seinem Latein am Ende zu sein, ist es nicht nur fünf vor sondern bereits nach zwölf. Spätestens hier sollten die Alarmglocken schrillen, spätestens hier könnte der VfB mit einem Novum die Bundesligahistorie bereichern, nämlich indem man zwei Trainerrücktritte innerhalb ein und derselben Saison zu verzeichnen hätte. Das wäre nur ein weiteres Indiz dafür, dass es vorne und hinten nicht passt, was Bobic über vier lange Jahre zusammengestellt hat. Sowohl sportlich als auch menschlich passt es in der Truppe nicht, Stevens hat es bislang auch nicht geschafft, elf Spieler auf den Rasen zu schicken, die einigermaßen miteinander harmonieren und vor allem welche, die als Mannschaft auftreten.
Ich bin der Letzte, der einen weiteren Trainerwechsel fordert und schreibe lediglich, dass er mich nicht wundern würde. Jede weitere Unruhe ist nicht förderlich, allerdings muss der VfB auch jede noch seine kleine Chance ergreifen, der zweiten Liga noch zu entrinnen.
Ich unterstelle einmal, die meisten, die jetzt sagen, nur durch einen Abstieg würde sich grundlegend im Verein etwas ändern, spinnen dieses Szenario nicht weiter. Der VfB ist notorisch klamm, so klamm, dass Kimmich verkauft werden MUSSTE, um überhaupt die laufenden Kosten bis zum Ende dieser Saison gesichert zu haben. Bei einem Abstieg würden uns geschätzt noch einmal circa 20-30 Millionen Euro wegbrechen, was mich zunächst einmal um die Lizenz bangen lässt. Ich hoffe, die Finanzexperten im Verein können dazu Anfang März, wenn die Lizenzen vergeben werden, Entwarnung geben.
Dann sieht es zunächst einmal so aus, dass wohl so ziemlich alle Verträge für die zweite Liga gelten, es mag sein zu verringerten Bezügen, aber, wir haben diesen Kader zunächst einmal weiter an der Backe. Der Verein muss dann natürlich versuchen, diesen Kader auszudünnen und einen nach dem anderen an den Mann bzw. an den Verein zu bringen. Zu allererst werden dann die weg sein, die Geld einbringen (könnten), wie Rüdiger, Maxim, Baumgartl, Werner, Didavi, Gruezo, Vlachodimos und einige vielversprechende Talente mehr. Die Ulreichs, Gentners, Niedermeiers, Hlouseks, Ibisevic‘, Schwaabs usw. werden erst einmal ausloten, ob sie es überhaupt einen Abnehmer für sie gibt, der mehr bezahlt, als der VfB zahlen müsste und dann womöglich noch beteuern, dass sie beim Neuaufbau mithelfen wollen, weil ihr Herz so sehr am VfB hängt. Ich wiederum sähe nur Hoffnung auf eine grundlegende Besserung und vor allem Aufbruchsstimmung, wenn das Verhältnis genau andersherum wäre. Natürlich kann es sein, dass ein Timo Werner und vielleicht auch Timo Baumgartl ihrem Herz gehorchen und besseren Angeboten widerstehen, ob da aber auch der Verein mitspielt und nicht doch (mal wieder) lieber Kasse machen möchte, bliebe abzuwarten.
Es wäre also zu befürchten, dass wir in der zweiten Liga eine eben solche eierlose Gurkentruppe auf dem Platz stehen hätten, wie jetzt schon. Damit würden wir dann auch in der zweiten Liga nicht zwangsläufig eine gute Rolle spielen. Der Grat, nach einem ersten Abstieg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, ist schmal, dauert es im Normalfall doch Jahre, sich schon von einem einzigen Zweitligajahr zu erholen. Schafft man den Aufstieg nicht auf Anhieb, gerät man schon Lichtjahre in Rückstand und läuft Gefahr, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Spielt man in der 2. Liga nicht um den Aufstieg mit, werden Spiele mit 15.000 Zuschauern und noch weniger zum Alltag werden, so dass man eigentlich schon fast im städtischen Stadion zu Degerloch spielen und sich die hohen Betriebskosten des Neckarstadions sparen könnte.
Spätestens seit gestern muss man sich ernsthaft mit diesen Szenarien beschäftigen, so traurig es auch ist. Es ist diese Untätigkeit der Vereinsführung, vor allem dass man die letzte Saison nicht als letzten Warnschuss verstanden hat, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Abstieg wäre hausgemacht, jahrelang drauf hingearbeitet und nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Was mich gestern selbst erschrocken hat, war, dass ich wohl schon so abgestumpft bin, dass mich diese Lage nicht einmal mehr sonderlich fertig macht. 2011 in Gladbach war das noch ganz anders, da ist man mit Tränen in den Augen in der Halbzeit wildfremden Leuten um den Hals gefallen und hat, „das war’s“ gestammelt. Vier Jahre später, in denen man mehr oder weniger dahingesiecht ist und jetzt eben jemand den Stecker zieht, fühlt sich das dann eher wie eine Erlösung an.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es einmal soweit kommt. Als Fan kann man noch und nöcher „Kämpfen bis zum Schluss“ propagieren, wenn es die Truppe auf dem Platz nicht verinnerlicht und Woche für Woche enttäuscht, muss man die Situation eben irgendwann als gegeben hinnehmen und im Stillen leiden. Ändern können wir ja sowieso nichts mehr dran.
Ich würde sowieso in der 2. Liga bei der Stange und vor allem auch auswärts so aktiv bleiben wie bisher, so wie es die gewöhnungsbedürftigen Anstoßzeiten zulassen. Eines weiß ich aber schon jetzt: sollte der Abstieg Realität geworden sein und der VfB mich im Mai freundlich darum bitten, wie gewohnt Monate vor Saisonbeginn 430 Euro für meine Dauerkarte abzudrücken, können sie mich erst einmal gern haben. Da kann man dann in Ruhe beobachten, was der Verein gedenkt zu ändern, wie die künftige Mannschaft aussehen wird, wer das sportliche Sagen hat und vieles mehr.
Mein Pessimismus ist die eine Sache, meine Liebe zum Verein eine andere. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen, der Verein bleibt!

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22. Dezember 2014

Aus, Aus, Aus, das Fußballjahr ist aus!

Selten war ich so froh wie am Samstag, die Truppe ein paar Wochen nicht sehen zu müssen und mich in nächster Zeit vermehrt den schönen Dingen des Lebens zuwenden zu können. Die einst schönste Nebensache der Welt ist beim VfB zu einem gequälten Dahinsiechen verkommen, war man einst der Verein für Begeisterung ist man nunmehr nach mindestens vier Jahren Misswirtschaft zum Verein für Bedeutungslosigkeit oder auch zum Verein für Bewegungslosigkeit mutiert. War man vor noch nicht allzu langer Zeit selbst motiviert bis in die Haarspitzen und holte in den neunzig Minuten auch auf der Tribüne alles aus sich heraus, kauert man heute in seinem Sitz und schaut dem Treiben auf dem Platz fast schon mitleidig zu.
Gegen die Fußballmacht Paderborn ließ der VfB mal wieder alles vermissen, was den Fußball ausmacht. Kein Tempo, keine Aggressivität, Zweikampfschwäche, an Ideen- und Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Gerade einmal vier Tore (drei davon allein beim 3:3 gegen Leverkusen nach 0:3-Rückstand) brachte der VfB in dieser Saison zu Hause zustande, bei 16 Gegentoren. Acht Heimspiele, die an die Nieren gingen. Was versprach man sich nicht alles durch den Umbau des Neckarstadions in ein reines Fußballstadion? Eine Festung sollte es werden, die allen Mannschaften, national und international das Fürchten lehrt und ein Hexenkessel ist.
Die Realität aber sieht leider anders aus, eine „Mannschaft“, die keine ist, die das kleine Einmaleins des Fußballs nicht kann, die fußballerische und Konzentrationsschwächen an den Tag legt, jegliche Identifikation mit Stadt und Verein vermissen lässt und dann noch beleidigte Leberwurst spielt, wenn das Publikum diese Vorstellungen nicht noch goutiert. Ständig hören und lesen wir von der angeblichen Qualität in dieser Truppe, auf dem Platz lassen diese jedoch selten bis nie aufblitzen.
Ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn meine Mannschaft verloren hat, wenn, dann dürfte ich mein Herzblut nicht in diese Sportart und schon gar nicht in diesen Verein stecken. Sieg und Niederlage gehören zum Fußballspiel wie das Bier und die Stadion-Rote. Aber, an der Art und Weise von Niederlagen störe ich mich schon hier und da, dann nämlich, wenn man sich fragen muss, was die Jungs auf dem Platz eigentlich beruflich machen, was sie denn im Kopf haben, wenn die gleichen Fehler immer und immer wieder gemacht werden. Was sie ihrem Arbeitgeber und den Fans zurück zu geben sie bereit sind, oder ob sie sich in einer Einbahnstraße sehen, in der man zwar das fürstliche Gehalt einstreichen darf, sich dafür aber zu keinerlei Gegenleistung verpflichtet sieht? Ob man es als zahlender Kunde nicht erwarten kann, dass ein Fußballprofi ein oder zwei Mal die Woche für 90 Minuten alles aus sicher herausholt, alles für den Verein gibt und nicht nach einem zufällig gewonnenen Spiel der Schlendrian einkehrt. In Hamburg lag spielerisch auch einiges im Argen, hatte man Glück, dass der HSV einen grottenschlechten Tag erwischt hatte, dort aber stimmte wenigstens die kämpferische Einstellung. Dadurch hatten sie sich den Sieg auch verdient.
Vier Tage später, man darf dabei nicht vergessen, dass Paderborn einen Tag weniger Zeit zur Regeneration hatte, kickt man dann wieder einen solchen Stiefel zusammen? Kein Wunder, dass wir seit nunmehr 15 Monaten keine zwei Siege in Folge mehr feiern durften, wenn nach einem Sieg gleich wieder Selbstzufriedenheit einkehrt und jeder denkt, es würde schon von selbst laufen.
Ganz schön angefressen war Huub Stevens nach dem Spiel. Ihm dürfte spätestens am Samstag klargeworden sein, welchen Sauhaufen er hier übernommen hat und welch harte Arbeit vor ihm liegt. Das Team muss über kurz oder lang komplett verändert werden. Armin Veh hat dies nach seinem Abschied durch die Blume gesagt, Dieter Hoeneß gestern bei Sport im Dritten unverblümt. Es wurde zu lange auf falsche Pferde gesetzt, die Zusammenstellung des Kaders ist unter aller Sau, wir haben zu viele ähnliche Spielertypen und vor allem keine Führungsspieler.
Wir haben keinen einzigen in der Mannschaft, der das Heft in die Hand nimmt und auch mal dazwischenhaut, wenn es nötig ist. Es herrscht keine bzw. eine falsche Hierarchie. Leute wie Romeu, Gruezo oder Kostic hätten zumindest in puncto Körpersprache das Zeug voran zu gehen, sind aber als Neulinge oder sogar Leihspieler nicht dazu prädestiniert und stellen sich naturgemäß erst einmal hinten an.
Kapitän Christian Gentner mag ein Laufwunder sein, leider hat er sich die falsche Sportart für diese läuferischen Qualitäten ausgesucht. Wenn Stevens ein unmissverständliches Zeichen setzen möchte, sollte er Gentner des Amtes entheben und die Binde Mister X geben, der hoffentlich noch kommt und von dem Stevens dann überzeugt ist und sein verlängerter Arm werden könnte. Vom derzeitigen Kader fällt mir so gut wie niemand ein, der dieses Amt übernehmen könnte, ich weiß nur, dass Gentner mit der Binde und der ihm damit aufgebürdeten Führungsrolle überfordert ist.
Sven Ulreich, auch am Samstag wieder mit ein, zwei guten Paraden, dafür ist er schließlich Torwart, aber eben in Kombination mit einigen Unsicherheiten. Die Spieleröffnung, seine langen Bälle, eine einzige Katastrophe, Antizipation ebenfalls, da hatte er zwei Mal Glück, dass nichts passiert ist. Mir fällt derzeit kein anderer Bundesligatorwart ein, der in jedem Spiel mindestens zwei, drei Böcke drin hat. Fast jeden Ball lang auf Harnik, selbst dann, als Harnik schon ausgewechselt war. Laut Kicker-Statistik 59% Fehlpässe (Kruse 26%), so kann doch kein vernünftiges Aufbauspiel stattfinden, wenn der erste in der Kette den Ball meistens dem Gegner hergibt. Auch das ist eine Personalie, mit der ich (bekanntermaßen) seit Jens Lehmanns Karriereende Bauchschmerzen habe. Ulle profitierte lang von der Tatsache, dass sein Berater Schwab und Fredi Bobic Freunde und Geschäftspartner sind, es war ja dann auch kein Zufall, dass, sobald Bobic entlassen wurde, der Torwartwechsel erfolgte. Ich hatte Armin Veh auf dem Kabinenfest Anfang September genau auf diese Problematik angesprochen und erntete vielsagende Blicke, so dass mir klar war, ohne dass er groß etwas dazu sagte, dass ich offene Türen bei ihm eingerannt hatte. So war der Torwartwechsel irgendwann einfach nur logisch und bei weitem nicht nur Ulles Patzer in Dortmund geschuldet. Einige meinten ja, wegen EINEM Fehler, den Torwart herauszunehmen, das würde ja gar nicht gehen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das bei Ulle nicht passt und bei dem vor allem keine Verbesserung zu erkennen ist. Außer seinen Stärken auf der Linie hat er für mich fast nur Schwächen und ist er vor allem Torwart moderner Prägung. Natürlich hat Manuel Neuer diesbezüglich die Messlatte hoch angesetzt, natürlich wird es keinem Torhüter gerecht, ihn an Neuer zu messen, aber, besseres mitspielen, besseres fußballerisches Können, besseres Stellungsspiel, bessere Handlungsschnelligkeit, etc. pp. darf man von einem Bundesligatorwart schon erwarten. Dass Thorsten Kirschbaum auch nicht besser war, heißt nicht automatisch, dass Ulle wieder unangefochtene Nummer 1 sein muss.
Er muss sich warm anziehen wie der Rest der Truppe und, sollte er sich, gemeinsam mit Menger, nicht wieder aufs Niveau von vor zweieinhalb Jahren bringen können, muss man Vlachodimos eine Chance geben und am besten Ulle und Kirsche verkaufen, bevor Vlachodimos es Leno nachmacht und das Weite sucht.
Ich befürchte, dass die notwendigen personellen Korrekturen in der Winterpause nicht durchgeführt werden können. Zum einen ist der Verein notorisch pleite, zum anderen aber gibt der Winter-Transfermarkt auch nichts her, außer unzufriedenen Spielern, bei denen es ungewiss wäre, ob sie den Schalter so schnell umlegen und uns sofort helfen würden. Man hat schließlich nicht immer das Glück wie wir 2011, als Hajnal und Okazaki sofort einschlugen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatten.
So werden wir wohl oder übel mit diesem Kader auskommen müssen, so sehr allein der Gedanke daran auch Angst macht. Stevens wird eine härtere Gangart einschlagen, das war aus seinen Worten an diesem Wochenende deutlich herauszuhören. Seine PK nach dem Spiel fand ich erfreulich, endlich mal ein Trainer, der sich nach diesem Grottenkick nicht vor „seine“ Spieler sondern sie an den Pranger stellt und Klartext redet, nämlich, dass man mit einer solchen Einstellung kein Spiel gewinnen kann. Was mussten wir uns nach durchaus ähnlichen Spielen schon vorwerfen lassen, wir wären verwöhnt, was wir denn wollten, die Leistung war doch o. k. , wir haben uns „nur“ nicht belohnt.
Unsere Heimbilanz ist schon jetzt katastrophal, gegen Mannschaften wie Köln und Augsburg, die unter normalen Umständen zu unserer direkten Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg gehören, verlieren wir, gegen Paderborn, von den meisten als Absteiger Nummer eins gehandelt, spielen wir unentschieden und sind die schlechtere Mannschaft, und gegen die „Großen“ in der Liga, wie Wolfsburg und Schalke, holen wir uns Klatschen ab, so dass der Klassenunterschied schon jetzt klar zu sehen ist. Leverkusen ist auch in diese Kategorie einzuordnen, auch gegen die Werkself war es nach dem 0:3 zur Halbzeit zapfenduster. Vor den ersten Heimspielen in der Rückrunde kann einem daher nur angst und bange werden, heißen die Gegner doch Gladbach, Bayern und Dortmund. Ja, auch den BVB reihe ich noch in die Kategorie der Top-Teams ein und bin überzeugt davon, dass der BVB zumindest noch in die obere Tabellenhälfte klettern wird.
Gegen biedere Paderborner war einzig Daniel Didavis Rückkehr ein Lichtblick. Vor allem seine Standards wohltuend, schade, dass der zurzeit formverbesserte Alexandru Maxim verletzt passen musste. Außer Ulle und Gente, die enttäuschten, war Sakai einmal mehr nicht bundesligatauglich. Martin Harnik verlor so gut wie jeden Zweikampf und jedes Kopfballduell, Hlousek an seinem Geburtstag mit mehr Schatten als Licht. Auch Timo Werner ist schon die ganze Saison nur ein Schatten seiner selbst, wobei ich es den Youngstern nicht einmal verdenken kann. Die jungen Spieler brauchen Führung, gestandene Spieler neben sich, zu denen sie aufschauen, von denen sie lernen können. Wir zahlen momentan die Zeche für die „Firmenkultur“, die von oben nach unten vorgelebt wird. Anstatt Leute mit Ecken und Kanten und kontroversen Meinungen zu holen und sich die Köpfe heiß zu reden, wird eher Wert darauf gelegt, dass jeder seine Klappe hält. Wer dieses Spiel nicht mitzuspielen bereit ist, wendet dem Verein den Rücken zu. Wem sein sicherer Posten aber wichtiger ist, als sichtbarer Erfolg und kontinuierliche Verbesserung, der bleibt auch dann auf seinem Posten kleben, wenn er erkennt, dass im Grunde alles umsonst ist, was er tut. So muss es doch bspw. auch Andi Menger gehen, der einen Leno gehen lassen muss und Ulreich krampfhaft zur Nummer Eins erklärt wird, nur weil man ihm das bei der Lehmann-Verpflichtung mal versprochen hat und weil er eben das so wichtige Vitamin B hat.
Auch Fredi Bobic äußert sich heute im Kicker erstmals nach seinem Rauswurf, auch er lässt kein gutes Haar am mächtigen Aufsichtsrat, auch er sieht es inzwischen so, gegen Windmühlen angekämpft zu haben. Wenn es so schlimm und seine Mission zum Scheitern verurteilt war, frage ich mich, weshalb er dann nicht den Bettel hingeschmissen hat. Da er dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste vom VfB steht, sollte er dennoch vorsichtig sein, was das Nachtreten angeht. Er wäre nicht der Erste, der sich nachträglich noch eine fristlose Kündigung einhandelt, wenn betriebliche Abläufe oder Interna an die Öffentlichkeit getragen werden. Der VfB muss sparen, wo es geht, so gesehen käme ihm das sicherlich entgegen. ;-)
Was die Bobic-Nachfolge angeht, bin ich äußerst skeptisch, ob man im Verein gewillt ist, einen Mann mit eigenen Visionen zu holen oder wieder nur einen, der für die Vereinsführung und den mächtigen Aufsichtsrat ein bequemer Zeitgenosse ist, den man noch „ziehen“ kann. In diese Kategorie fällt für mich auch der derzeit favorisierte Robin Dutt. Zwar hat er jetzt nicht den viel zitierten Stallgeruch, aber, er dürfte schon zu Beginn sehr dankbar sein, wieder nahe seiner Heimat Leonberg seinen Dienst verrichten zu dürfen. Seit seiner Zeit in Freiburg hat er nichts mehr gerissen, ist in Leverkusen grandios gescheitert, hat den Job beim DFB selbst geschmissen und auch in Bremen keine Bäume ausgerissen.
Gerade seine Demission beim DFB werfe ich ihm vor. Matthias Sammer hatte für diesen Posten Maßstäbe gesetzt und den Grundstein für die Erfolge der U-Nationalmannschaften und auch den WM-Gewinn in Brasilien gelegt. Einen für Fußball-Deutschland so elementar wichtigen Posten nach noch nicht einmal einem Jahr beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga zu kündigen und beim DFB ein Vakuum zu hinterlassen, das spricht für mich nicht für Charakterstärke. Damals stellte er angeblich fest, dass er Trainer mit Leib und Seele sei und sich eher auf dem Platz denn am Schreibtisch zu Hause sieht, um jetzt die Rolle rückwärts zu schlagen? Für mich äußerst fraglich, ob wir mit diesem Mann in eine erfolgreiche Zukunft gehen können. Was, wenn der nächste Sinneswandel bei ihm eintritt? Dieses Risiko sollte der VfB genau abwägen, wurde man doch nach Armin Vehs Rücktritt schon kalt erwischt. Im übrigen würde es Dutt kraft seines Amtes auch mit Spielern zu tun bekommen, die trotz laufenden Vertrages eine Luftveränderung meinen zu brauchen, wie soll er hier argumentieren und auf die Gültigkeit von Verträgen pochen, wenn er selbst eine solche Wankelmütigkeit an den Tag legt.
Bei der Sportdirektorensuche ist nach wie vor der Zeitpunkt der Trennung von Fredi Bobic das große Problem. Es ist nun bereits die zweite Saison, die man wegen Zauderei frühzeitig in den Sand gesetzt hat, bevor sie richtig begann. War es erst Bruno Labbadia, dessen Vertrag man nicht zum Saisonende auslaufen ließ, nun also Fredi Bobic, dem man bereits im Mai dieses Jahres seine Papiere hätte geben müssen. Beide Male war der Transfermarkt bereits geschlossen, so dass die jeweiligen Nachfolger nichts Grundlegendes mehr ändern konnten. Unter diesen Voraussetzungen ist es schon äußerst bemerkenswert, dass wir mit Huub Stevens dank acht Punkten aus sechs Spielen überhaupt noch in Schlagdistanz sind. Zeitweise sah es schon bedenklicher aus, ab Platz 10, zu dem wir zwei Punkte Rückstand haben, kann es noch jeden erwischen, so gesehen ist die Ausgangsposition für die Rückrunde so schlecht nicht. Fakt ist aber, dass wir eine bessere Rückrunde hinlegen müssen als es die Vorrunde war.
Da ich in Huub Stevens großes Vertrauen setze und mir sicher bin, dass er weiß, was zu tun ist und an welchen Hebeln anzusetzen ist, bin ich, mangels geeigneter Kandidaten, fast dafür, die Saison mit Stevens als Teammanager und Schneider als Fachmann für die kaufmännischen Angelegenheiten zu Ende zu bringen und ab 1.7. eine 1a-Lösung (die man dann evtl. auch aus einem laufenden Vertrag holen kann) zu präsentieren. Diese Konstellation würde aber natürlich die Gefahr beinhalten, dass mit Stevens der nächste Trainer seine Wunschkandidaten holen würde, im Sommer aber möglicherweise schon wieder weg ist. Auf der anderen Seite, da beißt die Maus keinen Faden ab, zählt momentan einzig der kurzfristige Erfolg, der da heißt Klassenerhalt.
Traut man es diesem Tandem nicht zu, wäre für mich Jan Schindelmeiser von den derzeit verfügbaren Kandidaten noch der beste. Als ehemaliger Fußballer, lizenzierter Trainer und Unternehmensberater bringt er eine hohe Qualifikation mit, Ihm täte man Unrecht, ihn lediglich auf seine Hoffenheimer Zeit zu reduzieren. Andere Kandidaten wie Nerlinger und Kreuzer haben bislang noch nicht nachhaltig ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt bzw. sind gescheitert, während dies bei möglichen Novizen wie Kahn, Effenberg oder Lehmann naturgemäß nicht der Fall ist. Nach Heldt und Bobic bin ich für einen erfahrenen Mann auf diesem so wichtigen Posten, da dieser Schuss sitzen muss. Lässt man die Erfahrung außer Acht, hätte für mich Jens Lehmann immer noch eine enorme Strahlkraft. Diese Lösung hätte sicherlich ihren Charme, ob die Herren aber bereit sind, einen Neuling, der zugleich Querdenker und streitbarer Geist ist, zu holen, bezweifle ich.
Nimmt man die Erfahrung als Teil eines Anforderungsprofils schiede Robin Dutt aber ohnehin gleich mit aus. Auch Henk Veldmate, der zum Favoritenkreis gehören soll, wäre zugleich Chance und Risiko. Chance deshalb, weil er seine Arbeit vollkommen unvoreingenommen antreten würde und sicherlich neue Impulse reinbringen würde. Wer in Groningen gute Arbeit geleistet hat und die holländische Fußballphilosophie verinnerlicht hat, kann möglicherweise auch auf dem Wasen frischen Wind reinbringen. Dass die Verpflichtung eines Mannes, der die Liga nicht kennt, Risiken birgt, hat man erst kürzlich beim HSV mit Frank Arnesen gesehen. Schleppt er die ersten ein, zwei Holländer an, die nicht sofort einschlagen, findet sich unter den Koryphäen bei uns in Vorstand und Aufsichtsrat sicherlich mindestens einer, der ihm „erklärt“ wie Fußball hierzulande funktioniert, so dass am Ende doch wieder alles beim Alten bleibt.
Ich beneide den Verein nicht darum, diese so schwierige richtungsweisende Entscheidung treffen zu müssen, bemitleiden tue ich sie aber mitnichten, haben sie sich diese Suppe doch grandios selbst eingebrockt.
Egal, wer am Ende des Tages diese Position übernimmt. Er hat die Herkulesaufgabe vor sich, den Kader komplett umzugestalten. Sich von hochbezahlten Durchschnittskickern und schlechten Charakteren zu trennen, und ein Gerüst an erfahrenen, integeren Profis zusammenzustellen, die den Anhang wieder mitzureißen vermögen und zu denen unsere Nachwuchskräfte aufschauen können. Dies wird sicherlich nicht von heute auf morgen passieren können, aber, man muss darauf hinarbeiten und sollte vor allem JEDE Vertragsverlängerung ganz genau überdenken.
Dass in den vergangenen Tagen dann noch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Schmidt aus der Deckung prescht und Huub Stevens mit in den Weihnachtsurlaub gibt, ein einstelliger Tabellenplatz müsse aufgrund unseres im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz hohen Etas schon drin liegen, ist für mich ein Paradoxon sondergleichen. Was diese „Mannschaft“ wert ist, zeigt sie Woche für Woche auf dem Platz, nämlich nichts. Natürlich ist der Etat hoch, wenn man Durchschnittskickern zu viel bezahlt, über die Qualität der Truppe sagt das rein gar nichts aus, dies spricht allenfalls Bände für die Unfähigkeit und sportliche Inkompetenz unserer Vereinsführung. So gesehen ein klassisches Eigentor!
Für mich geht es einzig und allein um den Klassenerhalt und diesen zu realisieren dürfte schwer genug werden. Schafft es Huub Stevens ein zweites Mal müsste ihm eigentlich ein Denkmal gesetzt werden. Wie eingangs schon beklagt, hat er es mit einer Truppe zu tun, die täglich an die Grundtugenden des Fußballspiels erinnert werden muss, der es fremd ist, zu kämpfen und Leidenschaft zu zeigen. Die letzten 5-10 Minuten gegen Paderborn konnte ich kaum fassen, wir ließen Paderborn gewähren, keiner ging drauf, keiner bemühte sich mehr den Ball zu erobern. Da war kein Siegeswillen, nichts erkennbar, jeder versteckte sich nur hinter dem Anderen.
Dann ist da offensichtlich noch immer ein Zwist zwischen Mannschaft und Fans. Anstatt sich zu bemühen, die Gunst der Fans wiederzuerlangen, flüchten sie in Selbstmitleid. Auch am Samstag wieder, immerhin dem letzten Spiel eines, auch für uns Fans, harten Jahres, kam die Mannschaft nur halbherzig und mit großem „Sicherheitsabstand“ in die Kurve. Von einer Aktion, wie in anderen Stadien üblich, „danke für die tolle Unterstützung im Jahr 2014“ oder Ähnlichem nichts zu sehen. Natürlich werden sie alle mal ein böses Wort aus der Kurve gehört, vielleicht auch mal einen oder mehrere Mittelfinger zu sehen bekommen haben, aber, rechtfertigt es das, das ganze Stadion abzustrafen, alle über einen Kamm zu scheren und auf immer und ewig auf Bähmulle zu machen? Ich finde es auf der einen Seite ganz schwach, auf der anderen aber ist das auch nicht verwunderlich. Welchen Charakter diese Truppe hat (oder auch nicht) bekommen wir fast jede Woche vor Augen geführt.
Langsam kommt man sich als Fan mehr geduldet denn erwünscht vor. Verkehrte Welt, mit dieser heutigen, verwöhnten, Spielergeneration kann ich bald überhaupt nichts mehr anfangen!
In Huub Stevens haben wir wenigstens den bestmöglichen so kurzfristig verfügbaren Mann bekommen, der die Jungs an der Ehre packen und an ihre Pflichten erinnern kann und wird.
Jetzt genießen wir erst einmal die fußballlose, besinnliche Zeit, bevor es 2015 weiter geht. Zwischen den Feiertagen und Feierlichkeiten schau ich dann auch gerne mal bei Sky Sport vorbei, wo die englische Premier League ein Mammutprogramm abspult. Jeder Verein, alle zwei, drei Tage, 90 Minuten Vollgas, Kampf und Leidenschaft pur. Man fragt sich dabei manchmal, ob das tatsächlich die gleiche Sportart ist, wie die, die wir uns im Neckarstadion anschauen.
Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten, besinnliche schöne Tage und einen guten Rutsch ins Jahr 2015.

Viele Grüße, Franky

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18. Dezember 2014

Ein Silberstreif am Horizont

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 23:25

Nach dem Schalke-Spiel fiel mein Blog zugegebenermaßen etwas drastisch aus, weniger des Ergebnisses wegen, als mehr wegen des Auftretens unserer Truppe. Derbe Pleiten gab es auch früher schon, jedoch nicht in unschöner Regelmäßigkeit wie zurzeit. Lagen früher einige Jahre oder gar Dekaden zwischen zwei Debakeln setzte es in den letzten beiden Jahren schon zwei 1:6-Klatschen auswärts in München und in Dortmund, gegen die man zwar auch mal so hoch verlieren kann, jedoch nicht in der Art und Weise, wie es geschah. Viel schlimmer aber, das 0:4 gegen Schalke 04 war im siebten Heimspiel die fünfte Heimniederlage sowie das zweite 0:4 auf eigenem Terrain binnen fünf Wochen. Diese statistischen Fakten belegen, wie weit es mit dem VfB gekommen ist. War es früher die pure Freude ins Neckarstadion zu gehen, sparte man sich den Besuch anfangs von seinem Taschengeld ab oder ging, wenn das Geld knapp war, erst zur zweiten Halbzeit „runter“, als kein Eintritt mehr verlangt wurde, liefert man heute seine Knete für die Dauerkarte schon im Mai brav ab und kauft damit die Katze im Sack. Aufgrund einiger Aktionen, die der VfB in den letzten Jahren abzieht, bin ich sehr verärgert. Versprach man uns im letzten Jahr eine schonungslose Aufarbeitung der Vorsaison, von der nichts zu sehen war oder verramschte Eintrittskarten für 2,50 Euro oder wie zuletzt zum halben Preis. Als Dauerkartenkunde hat man von solchen Aktionen nichts. Ich bin wirklich geneigt, im nächsten Jahr erst einmal abzuwarten, ob sich im Verein etwas ändert, bevor ich meinen teuren Haupttribünenplatz wieder nehme.
Früher, vor Bosman, war mehr Identifikation seitens der Spieler mit dem Verein vorhanden, mehr Schwaben hatte man sowieso in der Mannschaft, aber, es war eben auch eine andere Zeit mit ehrbareren Spielern, die nicht ausschließlich ihr Gehaltsscheck interessierte, sondern die auch bereit waren und sich verpflichtet fühlten, etwas dafür zu leisten. Und, wer diese Pflicht aus den Augen verlor, dem las Gerhard Mayer-Vorfelder ganz schnell die Leviten. Heutzutage haben wir es mit einer Generation zu tun, „komm ich heut nicht, komm ich morgen“, die es vermeintlich geschafft haben, die es sich ohne große Gegenleistung in der Wohlfühloase VfB Stuttgart 1893 e. V. bequem machen und sich einen feuchten Kehricht darum scheren, für wen sie „arbeiten“, wie viel Herzblut bei den Fans und auch den (anderen) Mitarbeitern im Spiel ist und vor allem was in all denen zerbrechen würde, wenn sie den Karren weiterhin sang- und klanglos dem Abgrund entgegen rasen lassen. Darum bleibe ich dabei, dass man, sollte es auch ein zweites Mal gelingen, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen, den VfB auf allen Ebenen runderneuern muss und vor allem bei der Spielerauswahl nicht nur den Fokus darauf zu legen hat, ob sie einigermaßen mit dem Ball umgehen können, sondern auch darauf, wie der Mensch tickt, welche Einstellung er mitbringt, ob er privat gefestigt und vor allem ob er teamfähig ist. Nur wenn das gegeben ist, wir wieder elf Spieler auf dem Platz haben, die bereit sind Gras füreinander zu fressen, Eifersüchteleien und Animositäten untereinander für neunzig Minuten ausblenden, kann es wieder eine Freude sein, den Spielen beizuwohnen. Früher ging man noch ins Stadion, um den Alltagsfrust auszublenden, heutzutage hat sich das umgekehrt, kommt man schon missgestimmt aus dem Wochenende, zumindest, was den VfB anbelangt. Der VfB hat ein riesen Potential an treuen Fans, die sich die ganze Sch… die letzten Jahre fast klaglos angetan haben, unterschätzen und es sich mit ihnen verscherzen sollte es der VfB aber nicht, irgendwann reißt jeder Geduldsfaden!
Mit Retter „Huub“ ist zumindest ein wenig Schluss mit lustig was die Mannschaft anbelangt. Er setzt, wie in der Vorsaison, auf teambildende Maßnahmen wie dem gemeinsamen Frühstück vor dem Training und achtet auch penibelst darauf, dass „seine Jungs“ wie Profis leben, sich ausgewogen ernähren und vor allem genug und das richtige zur rechten Zeit essen. Auch setzt Stevens, im Gegensatz zu Vorgänger Veh, auf Stabilität und hat lieber Arbeiter als Künstler auf dem Platz. Die ersten „Opfer“ dieser Personalrochaden scheinen in Leitner, Kostic und Maxim gefunden. Leitner und Maxim hatten es bereits bei Stevens‘ erster Amtszeit schwer. Gerade Leitner, dessen Leihgeschäft eine einzige Enttäuschung ist, wurde zuletzt überhaupt nicht mehr berücksichtigt, während Maxim sich durch seine starke Leistung nach der Einwechslung in Mainz den Startelfeinsatz in Hamburg verdient hat.
Wie zu lesen ist, denkt Alexandru Maxim an eine Flucht im Winter, trotz laufenden Vertrages bis 2017. Ich hoffe, der VfB wird einen Teufel tun, Maxim ziehen zu lassen. Wenn, dann müsste schon ein unmoralisches Angebot im ordentlichen zweistelligen Millionenbereich her, dass ich sagen würde, o. k. da kann man nicht nein sagen. Andernfalls soll sich der Junge durchbeißen. Die Fähigkeiten dazu hat er, er schlägt starke Standards, hat einen guten Schuss und ein gutes Auge für den Mitspieler. Ich sehe ihn gerne spielen und bin auch der Auffassung, dass eine funktionierende Mannschaft einen Spieler wie Maxim verkraften können muss, der eben nicht alle Wege nach hinten macht, durch Geniestreiche vorne aber dafür der Mannschaft hilft. Eine Hand wäscht die andere, das muss Stevens an die Truppe ran bringen. Natürlich steigen Maxims Aktien nicht unbedingt, wenn der leider oft langwierig verletzte Daniel Didavi zurückkehrt, dann muss er aber, wie im Mannschaftssport üblich, um seinen Platz kämpfen und nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten davonlaufen.
Nach Mainz fuhren wir mit dem RWS-Bus. Zu diesem „Topspiel der Woche“, Samstag 18.30 Uhr, hatte ich unser Ticket direkt beim Heimverein bestellt und saß auf der Haupttribüne, der besseren Perspektive zum fotografieren wegen aber auch, weil man sich außerhalb des Gästekäfigs einfach besser bewegen kann und „freier“ ist. Mainz 05 steckt in einer Negativspirale von sechs sieglosen Spielen, der VfB kam mit der Hypothek des 0:4 gegen Schalke 04 in die Coface-Arena, in der wir seit dem Umzug der Mainzer vom Bruchweg-Stadion noch keinen Punkt geholt haben. Da mein Vertrauen in die Truppe sowieso auf den Nullpunkt gesunken ist und ich die herausragenden Nehmerqualitäten des Aufbaugegners VfB zur Genüge kenne, hatte ich kein besonders gutes Gefühl vor dem Spiel, um es milde auszudrücken.
Mit Shinji Okazaki steht zu dem noch ein Ex-VfBler in den Mainzer Reihen, ist zu allem Überfluss auch deren bester Torschütze, so dass, wenn man den VfB kennt, davon auszugehen war, dass er, wie fast jeder Ex-Spieler, auch gegen uns treffen würde. Okazaki ist für mich ein Sinnbild der Ära Bobic/ Labbadia. Ich bemängelte oft, dass unter Labbadia das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt war, er seine Mannschaft im Kopf hatte und diese auch so aufstellte, wenn nichts Gravierendes vorgefallen war. So brachte man auch im „Fall Okazaki“ auf Teufel komm raus Stoßstürmer Ibisevic, und war er noch so lustlos oder formschwach und setzte stattdessen Okazaki überhaupt nicht ein oder wenn, dann nicht auf seiner besten Position. Ich hatte es seinerzeit schon thematisiert, dass Okazaki des Öfteren als bester Torschütze mit Selbstvertrauen aus einer Vorbereitung kam, um dann zum Auftakt, doch wieder auf der Bank zu versauern. Okazaki, der sich sowieso in einem ihm fremden Kulturkreis zurechtzufinden hatte, hatte zu allen sportlichen Problemen in Labbadia noch einen Trainer, der den Reservisten nicht einmal erklärt hat, weshalb er nicht auf sie setzt und, wie ich hörte, nur mit den „Stammkräften“ gesprochen hat. Dadurch hatte es ein sensibler Spieler wie Okazaki doppelt schwer nachzuvollziehen, in welch falschem Film er sich befand Ich fand es außerordentlich schade, wie es gelaufen ist und mag ihn nach wie vor, unvergessen sein Tor gegen Schalke beim ersten Spiel im fertig umgebauten Stadion oder sein Fallrückziehertor in Hannover.
Große Lust auf den VfB verspürte ich zudem nicht, als wir im Dauerregen von Mainz an unserem Platz angekommen waren. Direkt vor unserem Block auf der Haupttribüne Seite waren die Nasen von Sky Hellmann, Didi Hamann, Metzelder und Loddar schon kräftig am analysieren, als wir nach unzähligen Gesprächen im eingezäunten Busparkplatzbereich und auch im Innenraum des Stadions an unserem Platz angekommen waren. Nach YNWA und schöner Schalparade ging es hinein ins Spiel. Die Aufstellung von Stevens erstaunte dann doch. Dass er nach dem Schalke-Debakel auf gleich fünf Positionen wechselte war nachzuvollziehen, dass er aber Mit Werner, Ginczek und wohlwollend auch noch Gentner gerade einmal drei Offensivkräfte aufbot, überraschte dann doch. So war es nicht verwunderlich, dass sich der VfB hinten reindrängen ließ und vorne in der ersten Halbzeit überhaupt nicht stattfand. Dennoch bedurfte es für die Mainzer eines Standards. Geis verwandelte den Freistoß aus 22 Metern sehenswert direkt, wobei Okazaki Ulreich schlitzohrig die Sicht versperrte. Kurz nach Wiederbeginn hatte Ginczek die erste VfB-Chance, diese war jedoch hochkarätig, lief er doch alleine auf den Mainzer Schlussmann Karius zu. Karius, der aus der Torwartschmiede des VfB stammt, reagierte glänzend mit einem Reflex. Danach war es aber wieder für lange Zeit vorbei mit der VfB-Herrlichkeit. Die Mainzer übernahmen wieder die Initiative und waren dem 2:0 näher als der VfB dem Ausgleich. Erst durch die Hereinnahmen von Maxim und Kostic kam der VfB zu mehr Ballkontrolle und folglich auch zu Torchancen. Die aber, die zum Ausgleich führte, war im Grunde überhaupt keine. Kostic‘ als Flanke gedachter Ball kullerte am Ende an Freund und Feind vorbei ins Tor. Sein erster Bundesligatreffer, kurios, aber egal. Danach wurde der VfB mutiger und hätte bei genaueren Zuspielen sogar noch den Sieg davon tragen können. Doch, auch die Mainzer hatten den Sieg in Person von Okazaki vor Augen, dessen Ball in der Nachspielzeit von Christian Gentner noch von der Linie gerettet werden konnte. So stand am Ende ein alles in allem glücklicher Punkt auf der Haben-Seite. Nach der Negativserie in Mainz in den letzten Jahren gewann ich diesem durchaus Positives ab, auch wenn man sich als Schlusslicht der Tabelle natürlich von dort nicht weg bewegt, wenn man seine Spiele nicht gewinnt. Stevens hob die Stabilität hervor, die seine Umstellungen gebracht hatten, das war nach dem indiskutablem Auftritt gegen Schalke auf jeden Fall ein Fortschritt und nicht der falscheste Ansatz.
Wer über die Überbelastung der armen Spieler jammert, sollte die Fans in einer englischen Woche auch nicht außer Acht lassen, vor allem dann nicht, wenn es in dieser zwei Mal auswärts zur Sache geht. Keine 72 Stunden nach dem Abpfiff in Mainz wurde der VfB schon wieder in Hamburg gefordert. Für uns hieß dies, Sonntag gegen 0 Uhr ziemlich geschafft zu Hause gewesen, den Sonntag mehr oder weniger zum regenerieren und ausruhen genutzt, um sich dann am Montagmorgen auf den Weg nach Hamburg zu machen. Wir hatten zwar einen angenehme Zeit für unseren Flug gewählt, nämlich 10 Uhr morgens, trotzdem hieß es früh aufzustehen, um den Weg zum Flughafen und die Prozeduren dort ohne großen Zeitdruck hinter sich zu bringen. Wird Hamburg erfahrungsgemäß hart, war mir eigentlich daran gelegen, gemütlich in den Tag zu starten, wohlwissend, dass der Abend sicher lang werden würde. Weit gefehlt, wenn man Bekannte am Flughafen trifft und von denen zum Frühschoppen animiert wird. So wurde die Wartezeit schon feuchtfröhlich hinter sich gebracht.
Da wir bereits zig Mal in Hamburg waren und die meisten Sightseeing-Ziele schon hinter uns haben, war es uns relativ egal, dass das Wetter an diesen drei Tagen zu keinen Outdoor-Aktivitäten, abgesehen vom Spiel, einlud. Irgendwo drinnen, sei es im Hotel oder am Montagnachmittag in der Pils-Börse, war es da doch am gemütlichsten. Montagabend dann aber hatten wir eine Verabredung in Hamburg-Altona auf dem Ottenser Weihnachtsmarkt zum Glühwein mit Schuss trinken. Dieser Abend war ein gelungener Opener für den Hamburg-Aufenthalt und klang im Schweinske Altona noch nett aus. Die ersten Verluste gab es dabei auch zu verzeichnen, ohne jetzt Namen zu nennen, ich war’s definitiv nicht. ;-)
Nach (zu) kurzer Nacht starteten wir dann mit einem sensationell reichhaltigen Frühstück in unserem Hotel Novotel Hamburg City Alster in den Tag. Für den Nachmittag hatte der Hamburger VfB-Fanclub Roter Brustring Hamburg (RBHH) zum Warmup auf Hamburgs geilsten Weihnachtsmarkt, den Santa Pauli am Spielbudenplatz, mitten auf der Reeperbahn, geladen. Dort verabredeten wir uns mit anderen VfBlern, die auch schon angekommen waren, um uns aufs Spiel einzustimmen. Es war windig und nasskalt, Hamburger Wetter eben. Ich finde es immer wieder schön und bin dankbar dafür, wie sich die Jungs vom RBHH ins Zeug legen und eine gemeinsame Anlaufstelle für die VfB-Fans, die im Lauf der Zeit natürlich immer mehr wurden, schaffen. Leider machten die Terminierungen für „ihr“ Heimspiel einer neuerlichen Barkassenfahrt, die bei Samstag-Terminen traditionell für VfB-Fans nach dem Spiel stattfindet, in den letzten Jahren einen Strich durch die Rechnung, aber, der Treff auf dem Santa Pauli hatte auch etwas und war schön und stimmungsvoll. Bemerkenswert dabei war, dass es sich eine Reisegruppe aus dem Sponsorenpool des VfB mit Norbert Haug, dem ehemaligen Motorsport-Chef von Mercedes Benz, sowie Buffy Ettmayer ebenfalls nicht nehmen ließ, beim Treff vorbei zu schauen. Noch schnell Fotos mit beiden gemacht und ein wenig mit Buffy gesmalltalkt, der ja für beide Vereine am Ball war, und schon gab es das Kommando zum gemeinsamen Abmarsch und zur gemeinsamen Fahrt mit S-Bahn und Shuttle-Bus zum Stadion. Dort trafen wir auch noch zahlreiche Freunde und Bekannte. Schon bemerkenswert, dass zu einem Spiel in Hamburg unter der Woche noch gut 1.500 VfBler anreisen. Der harte Kern ist eben überall dabei, wer konnte, war dabei, schließlich bekommt auch nicht jeder in der Vorweihnachtszeit frei, sonst wären es noch einige mehr geworden. Langsam bin ich es müßig, mich über die Terminierungen von Spielen aufzuregen, bei denen die Vereine mehr als 300 Kilometer auseinander liegen. Dass nur solche Vereine bspw. sonntags gegeneinander spielen, bei denen die Entfernungen kürzer sind, wird ja schon lange außer Acht gelassen. Und, dass es in einer Saison mit drei englischen Wochen, den VfB alle drei Mal erwischt, auswärts ran zu müssen, dazu noch in Dortmund, Hamburg und Köln, was man alles gerne mal mit Übernachtung macht, ist schade und unterstreicht den nicht vorhandenen Stellenwert der Fans im Handeln der DFL.
Nach dem glücklichen Punktgewinn von Mainz wusste ich auch vor Hamburg nicht so recht, was wir zu erwarten hätten. Hamburg ist im Aufwind und hat die letzten drei Heimspiele allesamt gewonnen, auf der anderen Seite machte mir Mut, dass der VfB in den letzten Jahren öfter mal in Hamburg gewann, obwohl die Gesamtauswärtsbilanz dort nach wie vor verheerend schlecht ist. Stevens brachte im Gegensatz zum Mainz-Spiel den wieder einsatzbereiten Harnik und Maxim für Ginczek und Werner. Das Spiel begann mit einem engagierten HSV, der anfangs die Spielregie übernahm, erste Chancen gab es aber hüben wie drüben. Der VfB war präsenter als noch in Mainz im ersten Durchgang, hatte aber große Probleme mit dem guten Hamburger Pressing in der Anfangsphase, das den VfB immer wieder zu Ballverlusten verleitete. Den ersten unschönen Aufreger gab es in der 20. Minute, als Van der Vaart Georg Niedermeier fernab des Spielgeschehens von hinten um rempelte. Gelb wäre das Mindeste in dieser Situation gewesen, alleine wegen dieser Dummheit des Niederländers wäre auch die rote Karte akzeptabel gewesen. Jeder im Stadion sah es, „nur“ eben die vier Schiedsrichter hatten Tomaten auf den Augen.
Als Sky-Kultreporter Rolf „Rollo“ Fuhrmann von Van der Vaart wissen wollte, was ihn bei dieser Aktion geritten hätte, rastete er vor laufender Kamera aus und fragte Rollo, ob er schlecht geschlafen habe. Ein arroganter A… , früher begnadeter Fußballer, heute ein Altstar, der mehr durch Eskapaden neben und Handgreiflichkeiten auf dem Platz auffällt, denn durch fußballerische Glanzpunkte. Wer den HSV nicht mag, muss sich eigentlich wünschen, dass Van der Vaart noch lang sein Unwesen im HSV-Team treibt. Er macht nur noch ganz selten den Unterschied aus, ist sonst eher Mitläufer denn Leistungsträger, blockiert aber einen Stammplatz, weil, einen Van der Vaart setzt man doch nicht auf die Bank.
Nach dieser Situation war es aber zum Glück vorbei mit der HSV-Herrlichkeit. Die Fehlpässe auf Hamburger Seite häuften sich, das Publikum wurde ungeduldig und pfiff die Rothosen aus, während der VfB mehr und mehr Spielkontrolle und Sicherheit erlangte und Chance um Chance kreierte. Schön herausgespielt war dann auch das 0:1. Klein nahm einen Fehlpass von Van der Vaart (danke!) auf, passte zu Harnik und nahm Tempo auf. Harnik auf Maxim, der den Ball bekam, weil Behrami stolperte. Maxim mit Auge und Übersicht auf Klein, der inzwischen in Position gelaufen war und gegen die Laufrichtung von Drobny einschob. Riesen Jubel im Block und auf dem Feld, spätestens ab diesem Zeitpunkt, war mir klar, hier geht heute was. Kurz darauf war Halbzeit. Aus der Kabine kam der VfB nicht nur früher als der HSV sondern auch besser. Beinahe hätte es 0:2 gestanden, Harnik und Niedermeier verpassten, jetzt auf unserer Seite, haarscharf das erlösende Tor.
Mittlerweile hatte ich ein richtig gutes Gefühl, zu desolat präsentierte sich der HSV, ein weiteres Tor lag in der Luft, dann hätte ich mir durchaus auch ein 0:4 wie 2012 vorstellen können, weil die VfB-Brust breiter und der HSV immer hilfloser wurde. Doch plötzlich übernahm Schiedsrichter Brych die Hauptrolle und schickte Georg Niedermeier wegen einer vermeintlichen Notbremse mit glatt Rot vom Platz. Nie und nimmer war das eine Notbremse, Sakai wäre noch zur Stelle gewesen. Dass Niedermeier nur die Mindestsperre von einem Spiel erhielt, unterstreicht meine Sicht der Situation, kommt sie doch einem Freispruch gleich. Um seine Schiris zu schützen verhängt der DFB diese „Mindestsperre“, schwachsinnig dieses „Gesetz“, aber ein Gesetz ist nun mal so schwachsinnig wie die Herren, die es beschließen.
Im Fußball gelten eben andere Gesetze wie im normalen Leben, Fußballer werden trotz erwiesener Unschuld verurteilt, Fans werden Restriktionen auferlegt, ihrer Freiheit beraubt, präventiv einfach mal als potentielle Straftäter angesehen, von Polizeikonvois begleitet und sind der Willkür dieser ausgesetzt. Fast schon aberwitzig in Hamburg wie eine Gruppe VfBler, die meinetwegen dem Ultras-Lager zuzurechnen sind und deren Zug erst früh morgens zurück nach Stuttgart fuhr, die also noch eine schöne Nacht auf dem Hamburger Kiez verbringen wollten, in der S-Bahn und bis auf den Kiez Polizeigeleit bekamen. Wir fuhren zufälligerweise mit der gleichen Bahn in die Stadt und fanden es nur lächerlich und beschämend. Keine Ahnung, bis wohin die Jungs begleitet wurden, auf die Toilette sicherlich auch noch, als wir die Gruppe nachts um 3 Uhr wieder trafen, war von den bis an die Zähne bewaffneten Turtles nichts mehr zu sehen.
Nach der roten Karte, um wieder zum Spiel zurück zu kommen, war es natürlich ein ganz anderes Spiel. Der HSV versuchte Druck aufzubauen und die Überzahl zu nutzen, der VfB war „nur“ noch darauf bedacht, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Das machten sie überraschend gut und geschickt, der HSV kam auch in Überzahl und offensiver Wechsel kaum zu nennenswerten Torchancen. Der VfB zwar nach wie vor mit manch haarsträubendem Ballverlust, wenn auch im Vergleich zu etlichen Spielen zuvor, stark minimiert, aber, dieses Mal mit einer kämpferisch absolut überzeugenden Vorstellung. Der Sieg war insgesamt hochverdient und macht auf einmal Mut, den Klassenerhalt schaffen zu können. Huub Stevens weiß, was zu tun ist und findet langsam „seine“ Formation. Auf Schönspielerei kommt es in diesen Tagen nicht an, wir müssen von Spiel zu Spiel denken und in Eichhörnchenmanier Punkte sammeln.
Gelänge gegen Paderborn der zweite Heimsieg der Saison, hätte man mit dann 19 Punkten eine solide Basis für die Rückrunde gelegt. Aber, Vorsicht vor Paderborn, einfach nur bemerkenswert, was die Underdogs für eine Saison spielen. Mit großem Kampf- und Teamgeist spielen sie den einfachen Ball, eben das was sie können. Diesbezüglich könnten sich unsere Jungs eine Scheibe davon abschneiden und demütig zum kleinen Einmaleins des Fußballs zurück kehren, erst Sicherheit in die Aktionen bekommen, anstatt mit Hacke, Spitze, eins zwei drei den Ball zu vertändeln und in Konter zu laufen. Diesen Schlendrian treibt Stevens ihnen nach und nach aus und berücksichtigt Spieler, die diese Lektion partout nicht lernen möchten, seltener oder überhaupt nicht mehr.
Gegen Paderborn erwarte ich kein mitreißendes Spiel, eher ein Taktikgeplänkel und auf beiden Seiten die primäre Vorgabe, keine Fehler zu machen und ein Gegentor herzuschenken Solche Spiele kennen wir noch aus der Rückrunde der Vorsaison, als Stevens bei seiner ersten Amtszeit fast so etwas wie eine neue Heimstärke auf den Wasen zurückbrachte, die letztlich auch die Basis für den Klassenerhalt war. Mir wäre es auch völlig egal, wenn wir einem Grottenkick beiwohnen und (erst) in der 88. Minute den 1:0-Siegtreffer bejubeln dürften, Hauptsache, wir geraten nicht in Rückstand. Dann nämlich dürfte es gegen tiefstehende Ostwestfalen sehr schwierig werden, das Spiel noch zu drehen.
Ein Silberstreif am Horizont ist der unerwartete Auswärtssieg in Hamburg allemal, auch zwei Tage später noch tut er verdammt gut.
Nachdem wir den Volkspark verlassen und endlich einen Busshuttle bekommen hatten, wurde der Abend im Kreise von Freunden und angesichts eines runden Geburtstags noch richtig lustig und lang. Am Mittwoch, bei erneut sehr bescheidenem Wetter, besuchten wir noch das sehenswerte Miniatur-Wunderland, bevor es abends zurück ins Königreich Württemberg ging. Tolle Tage liegen hinter uns und bereits übermorgen geht es schon wieder in unser geliebtes Neckarstadion. Ein fast volles Haus, davor und danach diverse Treffen auf ein Saisonabschlussbierchen mit Freunden, was kann es Schöneres geben?

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8. Dezember 2014

Bitte erlöse uns von dem Bösen…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 22:24

…zu allererst vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Joachim Schmidt, der einem Dieter Hundt in nichts nach steht und der heimliche Boss auf dem Wasen ist. Der Marionetten um sich herum versammelt, die sich ihren Allerwertesten platt hocken, im Endeffekt aber nichts zu melden haben.

Erlöse uns von Vorstandsmitglied Ulrich Ruf, der als Controller, oder wie sein Titel beim VfB lautet, Finanzvorstand, ein Millionenunternehmen nach wie vor auf dem Reißbrett mit führt, weil die IT-Entwicklung spurlos an ihm vorbeiging. Sein Vertrag läuft ohnehin im Sommer aus, ich hoffe keiner der Betriebsblinden an der Mercedesstraße kommt auf die Idee, diesen noch einmal zu verlängern.

Erlöse uns auch von der angedachten Manager-Lösung Jochen Schneider. Trotz jahrzehntelanger Handlangertätigkeit für unterschiedlichste Sportdirektoren, heißt das noch lange nicht, dass er der Aufgabe als Manager in vorderster Front gewachsen ist. Ich habe ehrlich gesagt die Nase voll von internen Lösungen, es muss ein Profi her, der über den VfB-Tellerrand hinausschauen kann und nicht nur Erfahrung in einem Unternehmen vorweisen kann, das an die Wand gefahren wurde. Schneider mag ein loyaler Zuarbeiter und ein Fachmann im kaufmännischen Bereich und im Vertragsmanagement sein, als Sportdirektor wünsche ich mir einen Mann, der die Branche kennt und den man vor allem auch in der Branche kennt und respektiert und der jede Menge Kontakte und Reputation besitzt.
Robin Dutt, der seit heute als Favorit für den Posten durch die Gazetten geistert, ist so ein Name. Meiner Ansicht aber auch nicht mehr. Als Trainer ist er nach seiner Freiburger Zeit überall gescheitert, auch wenn er es in Leverkusen als Heynckes-Nachfolger nicht leicht hatte. In Bremen hatte er dann mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, die ihn beim VfB erwarten würden, nämlich unter Sparzwang eine schlagkräftige Truppe formen zu müssen. Was ihn für mich aber völlig disqualifiziert ist die Art und Weise, wie er zunächst den Sportdirektor-Posten beim DFB annahm und beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga gleich wieder schmiss. Offensichtlich hat ihm der Schreibtischjob weniger behagt als die tägliche Arbeit mit einer Mannschaft, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er den Job dieses Mal aus voller Überzeugung antreten würde. Schon allein die Tatsache, dass er nahe seiner Heimat Leonberg eine Stelle antreten könnte, würde ihn sicherlich ins grübeln bringen, ob damit dem VfB langfristig gedient wäre, wage ich zu bezweifeln.
Wegen der Heimatverbundenheit haben wir schon so manchen geholt, ob auf Spieler- oder Funktionärsebene, so richtig gedankt hat es dem Verein keiner und weitergebracht hat es den Verein auch nicht. Dutt ist bei mir irgendwie unten durch, seitdem er den so wichtigen Job beim DFB, wo er ja Sammer-Nachfolger wurde, nach noch nicht einmal einem Jahr wieder geschmissen hat. Das wäre eine Tätigkeit gewesen, in der strategisches Planen und Gestalten unabdingbar ist und somit umso fataler, wenn man sich jedes Jahr nach einer neuen Lösung umschauen muss. Auch Dutt-Nachfolger Hansi Flick scheint dort mehr Not- als Dauerlösung zu sein, hat die Suche ja auch lange genug gedauert. Natürlich würde ich ihm, wie jedem anderen neuen auch, eine Eingewöhnungszeit einräumen und ihn dann irgendwann einmal nur über seine Tätigkeit beim VfB bewerten, aber, meine 1A-, 1B- und auch 1C-Lösung wäre Dutt nicht.

Erlöse uns auch langsam wieder von Präsidenten Bernd Wahler, von dem sich alle viel mehr versprochen haben. Auch für mich las sich seine Vita wie die der eierlegenden Wollmilchsau. Er war als Adidas-Manager im großen Sport zu Hause, hatte beruflich mit Sportlern, Managern, Trainern, Verbänden und den Endkunden, also den Fans, zu tun. Zudem ist der Präsidentenjob für den VfB-Fan Wahler auch noch eine Herzensangelegenheit, so dass ich nach der fürchterlichen Mäuser-Ära begeistert war aufgrund dessen Wahl. Nach gut 15-monatiger Amtszeit ist die Ernüchterung umso größer. Natürlich war er seit Beginn seiner Amtszeit mehr Krisenmanager denn Gestalter, schafft es aber bis heute nicht, an Präsenz und Autorität zuzulegen und aus dem Schatten des mächtigen Aufsichtsrats herauszutreten. Bei der Pressekonferenz nach der Bobic-Entlassung sah man deutlich, wer das Wort führte (nämlich Dr. Schmidt) und wer brav den Worten lauschte und hier und da zustimmend nickte (nämlich Wahler) Von unserem Präsidenten erwarte ich, dass er in düsteren Tagen wie diesen auch mal auf den Tisch haut und Klartext redet und nicht immer andere vorschickt. Ich, der die gesamte Ära Mayer-Vorfelder mitbekommen hat, bin natürlich anderes gewohnt, was das anbelangt. MV hätte nicht vier lange Jahre (also auch die der Ex-Präsidenten) zugeschaut und Krisen milde weggelächelt, in denen der Verein für Begeisterung zum Verein für Bedeutungslosigkeit mutierte. Wenn er den Zeitpunkt gekommen sah, ließ er sich schon auch mal in der Kabine blicken und las den Spielern (und auch Trainern) die Leviten. Sogenannte Führungsspieler durften im Kultus- und später im Finanzministerium antanzen, um Rechenschaft abzulegen und wenn alles nicht fruchtete, lud er die Mannschaft zu sich in den Muckensturm ein und soff sie unter den Tisch, so dass in den nächsten Tagen schon allein der brummende Schädel daran erinnerte, was von ihnen verlangt wird. Heute werden unsere Spieler zu sehr in Watte gepackt und geschützt bis zum geht nicht mehr. Wie sollen sich da auch überhaupt Persönlichkeiten entwickeln, wie soll ein Spieler überhaupt einschätzen können, was sie uns mit Auftritten wie dem von Samstag antun, wenn sie ständig abgeschottet und vor jeglicher heftiger Kritik geschützt werden.

Erlöse uns auch von der Mannschaft, die über Jahre hinweg maßlos enttäuschte und die selbst an maßloser Selbstüberschätzung leidet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ulles, Gentes, Schwaab, Harniks, Sakais, um nur einige zu nennen, nach der VfB-Zeit woanders noch eine große Zeit haben werden. Wer kam denn groß raus in den letzten Jahren, nachdem er den VfB verließ. Außer den teuer verkauften Spielern, die ihre Klasse hatten und noch immer haben, fällt mir keiner ein, der woanders nach seiner VfB-Zeit groß durchstartete. Es ist doch kein Wunder, dass es für Leute wie Ulle und Gente, die bei uns im Verein so hoch im Kurs stehen, nie irgendwelche ernsthaften Abwerbungsversuche gab. Von dem jetzigen Kader fallen mir spontan die beiden Timos ein sowie die Langzeitverletzten Didavi und Ginczek, die mir noch am ehesten auch im Falle eines Abstiegs wohlgelitten wären. Auch Antonio Rüdiger möchte ich derzeit nicht verteufeln, bin aber nach wie vor überzeugt, dass ihm ein erfahrener Nebenmann fehlt. Seine Qualitäten hat er zweifellos und trotz einiger grober Schnitzer stimmt bei ihm wenigstens noch die Körpersprache auf dem Platz.

Nach schier endlosen Jahren dürftiger Auftritte reift in mir seit Samstag die Erkenntnis, dass nur ein Abstieg diese heilende Wirkung haben kann und nur so der nötige Kahlschlag kommen wird. Ein Bernd Wahler versprach zwar noch im März diesen Jahres, als uns das Wasser bis zum Halse stand, ein „weiter so“ werde und dürfe es nicht geben, es waren leider, wie man heute weiß, nur leere Worthülsen. Im Sommer wurde genau so weiter gemacht und jetzt bekommen wir eben die Quittung dafür. Sollte der Abstieg kommen, wird er zweifelsohne eng mit dem Namen Bernd Wahler verbunden sein. Er kann natürlich nichts für die Sünden der Vergangenheit, er hat aber auch die Gunst der Stunde nicht genutzt, den Verein zu verändern und neu auszurichten, geschweige denn neue Gelder zu generieren. Das von der Vereinsführung gepriesene Allheilmittel Ausgliederung können sie sich derzeit abschminken, diese Personen haben jeglichen Kredit aufgebraucht, so dass die Mitglieder einen Teufel tun werden, mit der 75% Mehrheit für die Ausgliederung zu stimmen.

Der Verein muss jetzt, ohne Ausgliederung, retten, was zu retten ist. Ein Abstieg käme teuer, sehr teuer und würde den VfB womöglich in die Zahlungsunfähigkeit manövrieren, so dass sogar die Lizenz für die zweite Liga in Gefahr sein könnte. Aus wirtschaftlicher Sicht gilt es diesen unbedingt zu vermeiden, aus emotionaler aber freunde ich mich langsam damit an. Es wäre die Möglichkeit, den Verein wieder zu verschlanken und komplett neu aufzustellen. Diese Chance müsste dann aber auch genutzt und allen Beteiligten, die beteuern würden, den „Betriebsunfall“ korrigieren zu wollen, der Laufpass gegeben werden.

Das Spiel am Samstag war der Offenbarungseid schlechthin und eine Bewerbung erster Güte für das Montagspiel bei Sport 1. Man fragt sich, was die Woche übergetan wurde und ob es über „Singen und Klatschen“ hinausging. Hat man sich angesichts, des doch durchaus glücklichen und zu hoch ausgefallenen Sieges beim SC Freiburg, die ganze Woche über auf die Schultern geklopft, oder sich auf das Schalke-Spiel vorbereitet? Hat ein Martin Harnik nach zwei Toren im Breisgau gleich wieder die Bodenhaftung verloren und gemeint, nun ginge es wieder mit halber Kraft? Verlassen sich alle einzig und allein auf Retter Huub, dass der es schon richten würde? Ist es unseren Spielern überhaupt klar, dass auch er auf das Wohlwollen seiner Spieler angewiesen ist? Er ist kein Zauberer, der den Hut hebt und bei dem plötzlich aus Scheiße Gold wird.
So wie ihn „seine Jungs“ am Samstag im Stich ließen, dürfte es eigentlich nicht verwundern, wenn, zwei Wochen nach dem Rücktritt Armin Vehs der nächste sagen würde „macht Euren Scheiß allein“. Ein Trainer muss doch an der Linie verzweifeln, wenn er sieht, wie man einen Gegner förmlich zum Tore schießen einlädt. Wie schon in Bremen wurde das Spiel in erster Linie durch Standardsituationen des Gegners entschieden. Ich bemängele ja schon lang, dass wir zu wenig geistige Überflieger in der Mannschaft haben, was sich in solchen Situationen dann auf dem Platz zeigt. Standards zu verteidigen lernt man in der Jugend, arbeitet im Training darauf hin, legt Zuordnungen fest, etc. Wer da nicht aufpasst, dies nicht umsetzen kann, dem fehlt es eben im Kopf, vor allem, wenn Fehler in solcher Häufigkeit vorkommen. Wie Harnik, sicherlich noch geschwächt durch zu viele La-Ola-Wellen unter der Woche, seinen ihm bei Ecken zugeteilten Gegenspieler Choupo-Moting gewähren ließ, spottet jeder Beschreibung. Unabhängig davon erinnerte ich mich auch am Samstag wieder an einen Jens Lehmann im Tor, dessen Hoheitsgebiet der Straf- und vor allem der 5-Meter-Raum, war. In den zwei Jahren, in denen Lehmann unser Tor hütete, konnte man bei gegnerischen Ecken wegschauen, so wenig Gefahr bestand, so sicher pflückte er die Ecken runter. Dass Ulle, wie der Reporter in der Sport 1 Nachbetrachtung, bester Stuttgarter war, da möchte ich nicht einmal widersprechen, allerdings nur deshalb, weil man keinen einzigen positiv herausheben könnte.

Das Spiel war also bereits nach acht Minuten so gut wie verloren, daher möchte ich auch gar nicht näher darauf eingehen. Einzig noch, dass sich zu allem Überfluss kurz vor Schluss Antonio Rüdiger schwer verletzt hat und vermutlich über Monate ausfallen wird, ist noch eine Erwähnung wert. Vielleicht hat diese Verletzung ja auch ihr Gutes, nämlich das, dass der Verein in der Innenverteidigung in der Winterpause zum handeln gezwungen sein dürfte, so dass doch noch ein gestandener (intelligenter) Verteidiger geholt wird, der uns die dringend benötigte Stabilität verleihen kann.

Ich bin am Samstag seit langem mal wieder vorzeitig gegangen. Es war etwa die 70. Minute, in der ich mich fragte, was ich hier noch soll. Arbeitsverweigerung auf ganzer Strecke, kein Kampfgeist, zweikampfschwach, kein Spielwitz, ein Klassenunterschied. Zudem habe ich gefroren wie ein Hund, unsere Weihnachtsfeier im 1893 stand vor der Tür, also sind wir schon mal vorgegangen. Dort hörte ich bei einigen Freunden am Abend deutlich wie selten heraus, vor allem bei denen, die zu jedem Heimspiel einen Anreiseweg von 100-200 Kilometern zurückzulegen haben, dass sie am überlegen sind, sich überhaupt noch mal eine Dauerkarte zu holen und ob sie sich gar die nächsten Heimspiele noch antun sollen. Ich kann es keinem verdenken, zu blutleer die Vorstellungen, zu viele Baustellen im Verein, zu wenig Leidenschaft zu erkennen, momentan ist der VfB eher ein Verein, der Leiden schafft als einer, der Freude macht.

Der VfB läuft derzeit ernsthaft Gefahr, noch viel mehr treue Fans zu verlieren als dem Verein in den letzten Jahren ohnehin schon den Rücken zugekehrt haben. Leidensfähigkeit kann man denen nicht absprechen. Es ist nur so, dass viele es mittlerweile so sehen, dass man die Wochenenden sinnvoller gestalten kann, als sich Woche für Woche ein Frusterlebnis nach dem nächsten abzuholen. Nach Jahren des Missmanagements und dem Für-Dummverkaufen der Fans ist keine Hoffnung auf Besserung mehr vorhanden. Man hat innerlich schon fast abgeschlossen und hofft nur noch, dass man bald erlöst werden möge.

Der Verein siecht seit Jahren auf der Intensivstation vor sich hin und weit und breit ist niemand in Sicht, der den Verein gesundet oder der endlich den Stecker zieht. Das schlimmste derzeit ist für mich tatsächlich, dass ich die Hoffnung mittlerweile begraben habe, dass sich in der jetzigen Konstellation jemals irgendetwas Grundlegendes ändern wird, die Mannschaft dann aber, wenn man es überhaupt nicht erwartet, plötzlich wieder zuckt, um im nächsten Spiel dann wieder auf der ganzen Linie zu versagen. So befindet man sich wahrhaftig permanent in einem grausamen Wechselbad der Gefühle, das immer schwerer zu ertragen ist. Auch heute, zwei Tage nach dem Debakel gegen Schalke, wäre mir inzwischen ein Ende mit Schrecken lieber als der Schrecken ohne Ende.

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2. Dezember 2014

Von Pech-Armin und Huub im Glück

Auch noch gut acht Tage nach dem Rücktritt von Armin Veh, kann ich das Geschehene nicht so recht einordnen. Ist Veh tatsächlich freiwillig zurückgetreten oder hat man ihm den Rücktritt doch nahegelegt, um den Schein nach außen zu wahren, damit niemand sein Gesicht verliert?
Überall wo Veh bisher Dienst tat, kokettierte er über kurz oder lang mit seinem Abschied, wenn nicht alles so lief, wie er es sich vorstellte und wie seine (zu hohen?) Ansprüche an sich selbst sind. In dieser Hinsicht ist er ein typischer Wassermann, freiheitsliebend, motiviert, wenn er sich selbst verwirklichen kann, aber eben auch frustriert, wenn er nicht so kann, wie er gerne möchte und wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünscht. Dann neigt er aus diesem System auszubrechen und sich seine Freiheit wieder herzustellen. Ein wenig mehr Gelassenheit täte da Not, kann er doch als Trainer auch nicht alles selbst beeinflussen. Was kann ein Trainer beispielsweise dafür, wenn ein Sven Ulreich in Bochum den Ball völlig unmotiviert in die Mitte zum von drei Gegenspielern umringten Romeu passt und somit die nächste Zittersaison maßgeblich einleitet, wenn man sich gegen Wolfsburg durch einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte öfter dilettantisch auskontern lässt, in Bremen bei zwei Standards pennt oder gegen Augsburg von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Was kann Armin Veh dafür, dass der fällige Torwartwechsel zum Eigentor wird, weil Thorsten Kirschbaum sich noch schlechter präsentiert als Sven Ulreich in den letzten zweieinhalb Jahren.
Dass das Umkrempeln des VfB nicht von heute auf morgen geht, dürfte allen klar gewesen sein. Daher war das Umfeld bisher auch wohltuend ruhig, obwohl man auf dem 18. Platz angekommen war. Das Vertrauen in den Meistertrainer von 2007 war also durchaus vorhanden.
Den Rücktritt mit mangelndem Glück zu begründen, halte ich für Quatsch. Allerdings werfe ich Veh auch nicht Fahnenflucht vor oder dass der Kapitän das sinkende Schiff verlassen hat.
Die (wahren) Gründe muss man in der Person Vehs suchen. Veh war schon immer einer, der durch Charme, Charisma und Lockerheit faszinierte und Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte. Dies kehrte er jedoch nur nach außen, innen sieht es wohl anders. Die Situation vom VfB und dass er keine Mittel hatte (kurzfristig) dem Trend entgegenzuwirken nagte sichtlich an ihm und ließ ihn schließlich resignieren. Schon nach der Meisterschaft und vor allem gegen Ende seiner ersten Amtszeit war zu beobachten, dass es Veh nicht schaffte, sich auf schwierige Situationen ein- und in gewisser Weise auch umzustellen. Er macht sein Ding und hat keinen Plan B in der Tasche, dann läuft er lieber davon. Seinerzeit hatte Veh Horst Heldt als Freund und Manager an seiner Seite hatte und auch einen Erwin Staudt als Präsident, der sich um das Betriebsklima und die Sorgen und Nöte seiner Angestellten scherte.
Jetzt, in seiner zweiten Amtszeit, hatte Veh jedoch weder Heldt noch Leute wie Hübner und Bruchhagen um sich, die ihn in schweren Zeiten an die Seite nahmen und auf andere Gedanken brachten oder auch mal einfingen. Ich denke, Veh ist ein Mensch, der das hin und wieder mal braucht, der harmoniebedürftig ist und dem interner Zuspruch durchaus wichtig ist. Bernd Wahler möchte ich nicht unterstellen, dass ihm ein gutes Betriebsklima nicht auch am Herzen liegen würde, er ist jedoch mehr als Krisenmanager denn als Seelenmasseur gefragt in diesen Tagen. Und, Jochen Schneider ist zu unerfahren, um die Zeichen der Zeit der rechtzeitig erkannt zu haben.
Am Sonntag hatte Veh noch einen Auftritt bei Sky 90, den ich mit Spannung erwartete. Die offizielle Sprachregelung blieb bestehen, nämlich die, dass allein das fehlende Glück, welches Veh auf sich projiziert, den Ausschlag für den Rücktritt gegeben habe. Vielleicht erfahren wir in fünf Jahren einmal mehr, was diese Mission tatsächlich zum scheitern brachte. Ansonsten erläuterte Veh noch einmal, dass sich der Verein verändern muss, dass man über einige der Protagonisten der letzten Misserfolgs-Jahre nachdenken müsse, ob sie den Verein noch weiterbringen. Ein Jahr im Tabellenkeller könne Zufall sein, der Trend nach unten, den der VfB seit Jahren aufweist, jedoch nicht mehr. Was mich aufhorchen ließ, war die Aussage, dass 2007 mit 70 Mitarbeitern 130 Millionen Umsatz erwirtschaftet wurden und es heuer mit 160 Mitarbeitern gerade einmal 100 Millionen Umsatz sind. Gesundes Wachstum sieht anders aus.
Und, Veh erklärte noch einmal, dass er nach drei Jahren Eintracht Frankfurt eigentlich Trainerpause machen und bei Sky als Experte anheuern wollte, bis eben der VfB kam. Diesen Verein liebt er noch immer, schien aber doch mehr in der Vergangenheit zu schwelgen als die Gegenwart zu realisieren. Unser VfB ist leider mit dem von 2007 nicht mehr zu vergleichen, wir haben uns seither dramatisch zum Nachteil entwickelt. Dessen war sich Veh wohl nicht bewusst, als er auf dem Wasen unterschrieb. Er schätzte den Kader stärker ein als er tatsächlich ist, was ich ihm nicht einmal vorwerfe. Alle unseren Spieler zeigen ja hier und da starke Spiele und was sie wirklich drauf haben. Dass aber gute Einzelspieler noch keine Mannschaft ausmachen, dass man nicht nur das fußballerische Können sondern auch den Charakter der Spieler betrachten muss, bevor man sich ein Urteil bildet, dürfte Veh jetzt erkannt haben. Das sehen wirklich nur die, die tagtäglich mit der Truppe arbeiten und auch noch eher wir Fans, die sich ständig mit dem VfB beschäftigen.
Veh rate ich, als Nostalgiker der er ist, sein Vorhaben aus der HSV-Zeit wahr zu machen und auf den Job des Sportdirektors umzusatteln. Dort ist er weniger dem tagtäglichen Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, wird nicht jeder Schritt und Tritt beobachtet, ist er nicht von der Gunst seiner Spieler abhängig und kann vor allem gestalten anstatt sich mit dem zu begnügen, was ihm der Verein vorsetzt.
Wenn Veh diese Erkenntnis für sich nicht erlangen sollte, kann man im Grunde jeden Verein nur davon warnen, Armin Veh als Trainer zu holen. Nach Rostock und Reutlingen tat er es beim VfB bereits zum dritten Mal, „seinen“ Verein mitten in der Saison zu ver- und ein großes Vakuum zu hinterlassen. Seine anderen Vereine verließ Veh meist freiwillig zum Vertragsende, weil er frei sein möchte und nicht gefangen im Haifischbecken Bundesliga oder im Korsett eines Vereins.
Ein Club, der nach Kontinuität strebt, wird daher in naher Zukunft sicherlich nicht bei Veh anrufen, um ihn zu verpflichten. Meiner Meinung schadet dieser neuerliche Rücktritt seinem Ruf als Trainer. Abschließend wünsche ich Armin Veh, dass er sich die Sinnfrage stellt und sich genau überlegt, was er in Zukunft noch machen möchte und wie er sich sein nächstes Engagement vorstellt. Ich mag Veh nach wie vor, als Meistertrainer ist er sowieso für die VfB-Fangemeinde unsterblich, behalte ihn aber auch als freundlichen Menschen in Erinnerung, der immer ein offenes Ohr hatte. Klingt fast wie ein Nachruf, soll aber keiner sein. Ab jetzt oder besser gesagt seit letztem Freitag ist wieder „Huubschraubereinsatz“ auf dem Wasen.
Huub Stevens ist wieder da, ein knappes halbes Jahr nach dem Spiel im Schlienz-Stadion, als der VfB zum Saisonabschluss gegen eine Fanauswahl antrat und Stevens feierlich und mit viel Tam-Tam verabschiedet wurde. Ich hatte mir damals gewünscht, man würde zusammen weiter machen, fand dann aber Veh noch die charmanteste und mit die beste aller möglichen Nachfolge-Lösungen und bin auch jetzt froh, dass sich Stevens zum zweiten Mal bereit erklärt hat, dem VfB aus der Patsche zu helfen.
Huub Stevens ist das Gegenstück zu Armin Veh. Versuchte es Veh mehr mit Lockerheit, unserem „Kindergarten“ beizukommen, ist Stevens für seinen harten Stil und als Disziplinfanatiker bekannt. Wer ausschert und nicht mitzieht, hat bei ihm verloren. Wer mehr mit Schönspielerei als durch Kampf auffällt, für den ist kein Platz in der Stammelf. Stevens bringt Erfahrung und Eigenschaften mit, die dieser Mannschaft gut tut, wie man bereits in der Rückrunde der letzten Saison feststellen konnte. Hat uns tatsächlich zuletzt das Quäntchen Glück gefehlt, Stevens wird sich dieses sprichwörtlich versuchen zu erarbeiten, da er nicht an Zufälle glaubt. Eigentlich stellen wir jetzt zurück auf Mai 2014, eine Tatsache, die der VfB und Huub Stevens sich hätten ersparen können, wenn man sich bereits damals auf eine Weiterbeschäftigung verständigt hätte. Auch wenn es nicht zielführend ist, in den Sünden der Vergangenheit zu wühlen, mich würde es doch sehr interessieren, wie und warum es letztendlich zur Trennung kam. War es Huub Stevens, der nach seinem Saloniki-Engagement und dem Abstiegskampf mit uns eine Pause brauchte, in Ordnung und akzeptiert. Lieber sich selbst eine Pause verordnen, anstatt wider der inneren Stimme auf Teufel komm raus Raubbau am eigenen Körper zu betreiben und sich das erst einzugestehen, wenn man mitten im nächsten Engagement steckt.
Wenn aber der Abschied auf Zeit auf der Miste des VfB gewachsen sein sollte, ist diesem nicht mehr zu helfen. Das kann dann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass der ehrenkäsige Fredi Bobic Huub Stevens nicht weiter beschäftigen wollte, weil die beiden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Bei der Verpflichtung von Stevens setzten sich Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt und Wahler gegen Bobic durch, der ja gerne Krassimir Balakov zurück an den Neckar gelotst und damit seinem nächsten Kumpan einen Posten zugeschachert hätte. Stevens verbannte Bobic gleich zu Beginn (zu Recht) auf die Tribüne, bereits zu Bobic‘ aktiver Zeit bei der Berliner Hertha rasselten die beiden ja aneinander. So scheint es einmal mehr, dass Bobic eigene, persönliche Interessen über die des Vereins stellte. Eine andere mögliche Variante, weshalb man Stevens nicht das Vertrauen für die jetzige Saison aussprach, wäre die, dass man bei Veh schon länger im Wort stand.
Nicht nur aufgrund der jetzigen Umstände wäre die beste Lösung gewesen, Huub Stevens im Amt zu behalten und stattdessen Fredi Bobic bereits im Mai zu entlassen, dann wäre uns womöglich einiges Ungemach erspart geblieben. Stevens hätte dann schon seine eigene (dem Vernehmen nach auf dem Papier sogar schon vorhandene) Saisonplanung umsetzen können. Er wusste ja bereits, auf welche Spieler er setzt, auf welchen Positionen wir für ihn zufriedenstellend besetzt sind und wo man hätte etwas tun müssen. Eines wäre so sichergestellt gewesen, so naiv wie mit Armin Veh und dessen Einschätzung der Mannschaft wären wir nicht in die Saison gegangen.
Mit Stevens auf der Bank hatte ich am Freitag gleich ein gutes Gefühl. Die Mannschaft kennt ihn weitestgehend, er die Mannschaft. So erschien es mir durchaus im Bereich des Möglichen, dass vier Tage im Kreis der Mannschaft ausreichen könnten, um die Sinne neu zu schärfen und die Mannschaft gut für das Freiburg-Spiel ein- und aufstellen zu können. Hat man bei einigen unserer Spieler öfter mal den Eindruck, dass sie nicht die Hellsten sind und die Situation verkennen, weil sie sich stärker einschätzen als sie, wie an der Tabelle abzulesen ist, tatsächlich sind, wird die Trainerkabine neu bezogen, erkennen auch diejenigen, dass es wieder einmal fünf vor zwölf ist und sie plötzlich kein Alibi mehr haben.
Den Freiburg-Trip, zum Heimspiel unserer Freunde von den Murgtalschwaben, dehnten wir ein wenig aus und planten ihn von vornherein mit einer Übernachtung, um den so sehnlichst gewünschten Auswärtssieg danach gebührend feiern zu können. Bereits gegen 12 Uhr stellten wir das Auto in Weisenbach im Murgtal ab, stärkten uns noch für den langen Tag und machten uns dann mit der Bahn auf den Weg nach Freiburg. Gegen 16 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof an und besuchten zunächst den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, wo wir mit Bekannten verabredet waren. Nach drei Gläsern Glühwein und sehr wohlgestimmt ging es weiter in den Schwarzwaldblick, in Sichtweite des Schwarzwaldstadions, wo wir jedes Mal hingehen, wenn der VfB seine Visitenkarte im Breisgau abgibt. Ein Wahnsinn, wie viele Bekannte man bei Auswärtsspielen immer trifft und welche Gaudi man zusammen immer hat. So vergaß man fast die Zeit, sie rannte sprichwörtlich weg. Gerade noch pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichten wir unseren Platz auf der Gegentribüne. Besser geht es kaum zu sitzen, Reihe 5 mit super Sicht aufs Spielfeld und auch auf unseren Fanblock. Für mich zwar immer schade, wenn ich das Intro und bei Auswärtsspielen die gegnerische Schalparade respektive in Freiburg das Badener Lied verpasse, aber, wir hatten beim Vorglühen richtig Spaß, so dass ich das verschmerzen konnte, verpasste ich ja vom Spiel nichts.
So saßen wir also auf der Gegentribüne, auf der unser Platz stolze 57 Euro kostete, ich kann mich nicht erinnern, jemals für ein Bundesligaspiel mehr bezahlt zu haben. Mein Allzeitrekord liegt zwar bei 240 Euro für ein Ticket, aber, es handelte sich schließlich um das Halbfinale der WM 2006 Deutschland-Italien in Dortmund und es war der reguläre FIFA-Preis für diese Kategorie bei einem Halbfinale.
Als ich den Preis das erste Mal hörte (Karten mussten ja über unsere badischen Freunde besorgt werden, mit württembergischer Postleitzahl geht beim SCF überhaupt nichts) musste ich mir erst einmal bewusst werden, ob ich zur Championsleague in einen Fußballtempel oder zu einem Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten in die Freiburger Bruchbude gehen würde, aber, sei’s drum. Bevor ich etwa 40 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich berappe und, wie schon vorgekommen, hinter einer Plexiglasscheibe sitze und nur alkoholfreies Bier verabreicht bekomme, dann doch lieber zu diesem Preis hinein unters Freiburger Volk.
Zu Beginn war dem VfB die Verunsicherung, die die rote Laterne einfach mit sich bringt, anzumerken. Freiburg griff beherzt an und hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß. Umso verwunderlicher, dass nach einer halben Stunde plötzlich der VfB durch die Sturmspitze Martin Harnik in Führung ging. Diese Führung stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Gute zehn Minuten später aber, ich verrichtete gerade meine Notdurft, brandete großer Jubel auf, denn, Freiburg traf aus 25 Metern zum 1:1. Natürlich habe ich auch dieses Tor inzwischen gesehen und bin der Meinung, abgesehen davon, dass man den Schuss nicht einmal versucht hatte zu verhindern, dass Ulle den Ball normalerweise haben muss. Er wirkt zwar erleichtert, dass der böse Veh weg ist, ein besserer Torwart ist er dadurch leider noch lange nicht. Es gab im Spiel noch zwei, drei weitere Situationen, in denen er nicht gut aussah, so dass sich unser Torwartproblem fortsetzt.
Nach dem 1:1 hatten wir bei einem Lattenschuss noch Glück, so dass das 1:1 zur Pause für den VfB schmeichelhaft war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war der VfB in puncto Balleroberung präsenter und fand in Mitrovic sein Opfer. Ein Ballverlust des Serben an Sararer führte über Gentner und den wuchtigen Nachschuss von Carlos Gruezo zum 1:2. Dass Gruezo bei Stevens wieder schlagartig bessere Karten als unter Armin Veh haben würde, war mir ziemlich klar.
Wie der Holländer die Doppel-Sechs endgültig zu besetzen gedenkt, wird man vielleicht schon gegen Schalke sehen, wenn Oriel Romeu wieder einsatzberechtigt ist. Durch seine Sperre stellte sich die defensive Schaltzentrale mit Gruezo und Leitner fast von selbst auf. Gespannt darf man auch darauf sein, ob Leitner in Freiburg als Lückenbüßer herhalten musste oder ob er den zweiten Anlauf unter Stevens besser meistert als den ersten, wo er meist nur auf der Bank saß. Stevens steht eben mehr auf Malocher als auf Schönwetterfußballer. In Freiburg gefiel mir Leitner phasenweise richtig gut, war es doch auch, der Werner mit einem mustergültigen Pass auf die Reise schickte, und dieser wiederum Bürki zum 1:3 tunnelte. Nach Notbremse und folgerichtigem Platzverweis für Mitrovic war es dann Harnik, der seinen Doppelpack schnürte und zum 1:4 traf.
Das Glück war uns dieses Mal also hold, hätte der Schuss in der ersten Halbzeit durchaus auch nach hinten los gehen können. Veh befand bei Sky 90 sofort, mit ihm wäre auch dieses Spiel verloren gegangen, hypothetisch natürlich, und wenig zielführend. Ob wir gewonnen haben, weil Stevens das Glück mit an den Neckar brachte, Freiburg das Tor nicht traf, der VfB in Mitrovic einen Gönner fand oder wir einfach einmal vorne die Kisten machten, ist mir ziemlich schnuppe. Fußball ist erwiesenermaßen kein Glückspiel, es gibt zwar die eine oder andere Strähne, der man entgegenwirken kann, wenn man die regelmäßigen Trainingseinheiten dazu nutzt, an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich Woche für Woche zu verbessern. Dafür haben wir jetzt den richtigen Mann, Marke Fußballlehrer, an der Seitenlinie. Er würde sich persönlich beleidigt fühlen, gäbe es nichts zu verbessern, daher dürften die kommenden Monate das reinste Vergnügen für ihn als VfB-Trainer werden.
Dem VfB gelang es mit dem Auswärtssieg auf den Relegationsplatz 16 mit nunmehr zwölf Punkten zu klettern. Es war allemal ein Auftritt, der Mut macht für die nächsten schwierigen Aufgaben. Mit Siegen steigert sich automatisch auch wieder das Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren neuen alten Trainer ist ohnehin gegeben. Nun heißt es zuhause gegen den Lieblingsheimgegner Schalke 04 nachzulegen. In seiner ersten Amtszeit schaffte es Stevens, eine neue Heimstärke (unter anderem auch gegen seine alte Liebe Schalke) zu generieren, die jetzt wieder bitter nötig wäre, um die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu erringen. Aus den vier verbleibenden Spielen bis zur Winterpause sollten möglichst noch zwei Siege herausspringen, dann, mit 18 Punkten, hätte man eine vernünftige Basis für die Aufholjagd in der Rückrunde gelegt.
Für uns ging es nach dem Spiel noch einmal in den Schwarzwaldblick, wo die Sky-Sendung „Mein Stadion“ mit Uli Potofski zu Gast war. Fast als die letzten Gäste und zu später Stunde begaben wir uns schließlich auf die Suche nach dem Auto unserer Rückfahrgelegenheit. Da mittlerweile keine Bahn mehr zu jenem Park & Ride Platz fuhr, irrten wir in etwa eine geschlagene Stunde herum, und fanden das Vehikel dann auch schließlich. Für diese verlorene Zeit wurden wir insofern entschädigt, dass wir, entgegen des Plans uns nach Bühl zur S-Bahn zu chauffieren, mit Tempo 220 im Audi AS bis vor die Haustür nach Weisenbach gefahren wurden, die wir gegen 3 Uhr morgens erreichten. Total kaputt zwar, aber, mit dem ungewohnten Gefühl eines Sieges, der auch heute noch unheimlich gut tut.

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