27. September 2012

Indiskutabel

Acht Spiele lang ist es gutgegangen gegen den Dorfverein aus dem Kraichgau. Acht Spiele, in denen Ruhm und Ehre gewahrt blieben und der klamme Sparverein VfB Stuttgart den Hopp-Millionen getrotzt hatte. Acht Spiele ohne Niederlage gegen das mit Ex-VfBlern auf Feld und Bank gespickte Volk ohne Heimat. Acht Spiele, die ich alle live gesehen habe und wo es am Ende immer richtig gut tat, deren zugelaufenen „Fans“ die lange Nase zu zeigen.

Dass jede Serie einmal zu Ende geht, war mir auch in diesem Fall durchaus bewusst. Dass sich jedoch einmal die Angestellten des VfB in kurzen Hosen in einem solchen Prestigeduell so präsentieren würden, das hätte ich in meinen schlimmsten Träumen nicht erwartet. Der VfB ließ die Kraichgauer nach Belieben gewähren und kombinieren und präsentierte sich herz-, kampf- und charakterlos und vor allem nicht als Team. Es kochte ein jeder sein eigenes Süppchen und ergab sich wehrlos in sein Schicksal. In dieser „Mannschaft“ scheint es vorne und hinten nicht zu stimmen. Bereits zum zweiten Mal in der noch jungen Saison ergab sich der VfB noch auf dem Platz und ließ die Dinge ihren Lauf nehmen. Auch in Bremen fehlte nicht allzu viel und der VfB hätte sich abschießen lassen. Dort folgte immerhin in der zweiten Halbzeit eine Trotzreaktion und das Team wehrte sich.

Nach fünf Spieltagen muss man ganz klar konstatieren, dass es in dieser Saison (wieder einmal) einzig und allein um den Klassenerhalt geht. Wenn man durchschnittlichen Bundesligamannschaften schon hoffnungslos unterlegen ist, gegen wen möchte man dann überhaupt noch gewinnen.

Die Frage ist auch, wie lange schaut sich das unsere Führung noch an? Oder ist die Darbietung auf dem grünen Rasen mittlerweile zweitrangig, Hauptsache die schwarze Null steht? Mir wird es Angst und Bange, wenn ich an die kommenden Aufgaben gegen Nürnberg und Leverkusen denke. Beide zählen schon seit Jahren nicht unbedingt zu unseren Lieblingsgegnern. Sollte Labbadia, wovon ich ausgehe, noch eine Gnadenfrist erhalten, ist es dann überhaupt realistisch, dass wir auch wieder einmal dreifach punkten? War es gestern nicht offensichtlich, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielte? Kann es nicht sein, dass Georg Niedermeier die öffentlich formulierte Kritik mit Rückendeckung der übrigen Führungsspieler getätigt hat? Wurde Labbadia nicht schon dadurch zum Abschuss freigegeben? Es ist nicht so, dass ich es gutheiße, wenn eine Mannschaft einen Trainer abschießt, beim VfB scheint dies aber seit Jahren zum guten Ton und damit zur „Firmenkultur“ zu gehören, gebilligt von den Vereinsoberen. Oder hat von denen einer schon mal Tacheles geredet und den Jungs die Leviten gelesen, dass man sich im Brustringtrikot NIEMALS so präsentieren darf? Ich glaube es nicht. Mäuser zeigt sich lediglich auf offiziellen Anlässen und referiert vom Stuttgarter Weg, an den er wahrscheinlich selbst nicht mehr glaubt, sonst macht er sich rar und arbeitet daran, das Betriebsklima durch seine cholerische Art mehr und mehr zu vergiften, wie der Flurfunk so berichtet.  Nicht umsonst verlassen langjährige, loyale Mitarbeiter den VfB und wechseln den Verein, weil ihre Ideen und Visionen zu wenig Beachtung finden und die im sportlichen Bereich Verantwortlichen in die Gegenrichtung rudern. Quo Vadis also, VfB?

Auch jetzt noch, fast einen Tag danach, bin ich tief deprimiert, ratlos und vor allem stinksauer, wenn ich an gestern denke. Nach einer solch miserablen Vorstellung, möglicherweise der schlechtesten und blamabelsten, die ich je vom VfB gesehen habe, könnte man eigentlich den Laden direkt zu machen. Geht natürlich nicht, also fahre ich am Samstag nach Nürnberg und glaube an das Gute in unseren Spielern und dass sie gewillt sind, dort Wiedergutmachung zu betreiben. Allen Querelen oder Disharmonien zum Trotz, die Jungs müssen sich am Riemen reißen, sich konzentrieren und darauf besinnen, dass es gegen einen Gegner geht, der ebenfalls angeschlagen daher kommt. Wir wissen ja alle, dass sie es eigentlich besser können. Es geht um die Gegenwart und die Zukunft unseres VfB. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn unsere Spieler sich noch einmal so blutleer, ohne Kampf und ohne Wille präsentieren und damit die Zukunft des Vereins aufs tiefste gefährden und das Image weiter beschädigen, werden wir wieder Verhältnisse vorfinden wie vor zwei Jahren nach dem Spiel gegen Bochum.

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27. Januar 2012

Richtung weisend!

Nach dem Trainingslager im türkischen Belek, wo das Team konzentriert arbeiten und sich auf die Rückrunde einstimmen konnte, hatte ich große Hoffnungen, dass der Mannschaft der Schlendrian vom Ende der Vorrunde ausgetrieben wurde. Der VfB begann die Saison, vor allem nach dem Abstiegskampf der Vorsaison, mehr als akzeptabel und blieb lange auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen. Seit Mitte Oktober aber, seit dem Heimsieg gegen Hoffenheim, verfiel das Team wieder in alte Verhaltensmuster und der schleichende Leistungsabfall begann. Der Knackpunkt könnte mal wieder Mainz 05 gewesen sein, wo der VfB nach einer Führung unter gütiger Mithilfe eines Pfeifenmannes unterlag. Seitdem gelang lediglich noch ein mühevoller Arbeitssieg gegen das meiner Meinung nach schwächste Team der Liga, den FC Augsburg. Wurde gegen Köln noch der Sieg verschenkt, gegen die Bayern zu zehnt wenigstens gekämpft, machten mich die Auftritte in Bremen und in Wolfsburg fast sprachlos. Keine Konzentration, keine Kombinationen, keine Laufbereitschaft, keine Spielfreude, keine Handlungsschnelligkeit, kein Miteinander, keine taktische Disziplin, keine Passgenauigkeit, keine Überraschungsmomente, kein Esprit, keine Torgefahr, null Komma nix war zu sehen von all dem, weshalb wir zum Fußball gehen. 

Also, dachte ich mir, neues Jahr, neues Glück, würde die Mannschaft aufgeräumt aus der Pause kommen und bereits auf Schalke ein erstes Zeichen setzen. Mit dem RWS machten wir uns voller Vorfreude, aber dennoch mit einer gewissen Skepsis, auf in den Ruhrpott. Der VfB hatte lediglich einen Winterneuzugang präsentiert, den Japaner Sakai. Gekommen von einem japanischen Zweitligisten, angepriesen, der Außenverteidiger wäre links und rechts gleich stark einsetzbar. Ich hätte mir noch einen (bezahlbaren) kreativen Mittelfeldspieler gewünscht, da mich Hajnal bislang in dieser Saison enttäuscht hat. Er reiht sich ein in die Liste derer, die nach dem Unterzeichnen eines festen Vertrages, stark nachgelassen haben. So gab es in der Startelf in der Veltins-Arena nicht wirklich große Überraschungen. Was mich dennoch von Beginn an stutzig machte, war, dass mit Celozzi und Pogrebnjak zwei Spieler in der Startelf standen, die der VfB lieber heute als morgen los hätte. Dazu  wurde Kuzmanovic aufgeboten, der keinen Hehl daraus macht, dass er, auch lieber heute als morgen, wieder gerne in die Serie A wechseln würde. So stellte sich die Aufstellung wie ein Schaufenster dar. Dann hatte man mit Cacau noch einen Mann auf dem Platz, dem das entzogene Vertrauen der Mannschaft durch die Abwahl aus dem Mannschaftsrat sichtlich zu schaffen macht. Da wir weder beim Trainingslager waren, noch in Stuttgart die Gelegenheit hatten ein Training zu begleiten, vertrauten wir dem Trainerteam und hatten die Hoffnung, dass die elf, die da auf dem Platz standen, alle gut trainiert hätten und das bestmögliche Team darstellen würden. Heute weiß jeder, wie es auf Schalke gelaufen ist. Nach drei Minuten hätten wir im Grunde wieder heimfahren können, durch Unkonzentriertheit bei einer Standardsituation lagen wir bereits zu diesem frühen Zeitpunkt 0:1 zurück. Hätte der Schiri nicht zu Unrecht auf Abseits entschieden, hätte es nach acht Minuten 0:2 geheißen, wer weiß, wie wir dann unter die Räder gekommen wären. So stand es „nur“ 1:3 am Ende, mit dem der VfB gut bedient war. Sämtliche Attribute, die ich oben nannte, passten auch auf dieses Spiel. Ganz, ganz schwach. Schalke konnte sich nach der frühen Führung zurückziehen und auf Konter lauern. Dem VfB fiel dazu überhaupt nichts ein!!! Einziger Lichtblick in meinen Augen, Raphael Holzhauser, der in der 85. Minute zu seinem Bundesligadebut kam und mehr positive Ansätze zeigte als das komplette Mittelfeld in den 85 Minuten davor. 

Nach der anstrengenden Rückfahrt fand ich dann die Zeit, ein paar Ausschnitte vom Spiel und die Stimmen zum selben mir zu Gemüte zu führen und traute dabei meinen Augen und Ohren nicht. Bruno Labbadia faselte davon, wir hätten das Spiel kontrolliert und mehr Ballbesitz gehabt und die Niederlage hätte nur an den Standards gelegen. Nein, entweder ich habe ein anderes Spiel gesehen oder Bruno labert Bullshit. Es wird Zeit, dass jemand die Jungs wachrüttelt, bevor wir wieder auf einem Aufstiegsplatz stehen. Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Ich würde es mir wünschen, dass beim VfB Kontinuität einkehrt und Bruno Labbadia länger bei uns bleiben kann als viele seiner Vorgänger. Er hat mich sowohl durch seine Arbeit als auch durch seine Offenheit im Trainingslager beeindruckt und viele Pluspunkte bei mir sammeln können. Aber, nach diesen Auftritten zuletzt, müssen, wie es auch Sven Ulreich sagte, klare Worte gesprochen werden. Mit Leistungen wie zuletzt, auf dem Platz ohne Plan und ohne Spielkultur, spielt man über kurz oder lang das Stadion leer. Ich als Fan ertappe mich derzeit immer öfter, genau so ergebnisorientiert zu denken wie die Verantwortlichen und vergesse fast, dass ein Stadionbesuch auch Freude machen könnte. 

Wo wir beim nächsten Gegner wären: In der letzten Saison haben wir Mönchengladbach, zugegebenermaßen eine andere Borussia als heute, mit 7:0 zurück an den Niederrhein geschickt. In meiner Erinnerung sind auch noch ein 6:0 aus den 80ern und zwei 5:0 aus den 90ern gegen diesen Gegner fest verankert. Es sind eigentlich meist sehr launige Auftritte gegen einen Gegner, der sein Heil meist in der Offensive sucht und vor allem als auswärtsstark galt bzw. gilt. Die Borussia von heute kommt aber anders daher. Ein Gegner, der sich schwer locken lässt, taktisch unheimlich diszipliniert spielt und bei eigenem Ballbesitz blitzschnell ausschwärmt. Es ist wirklich sehr beachtlich, was Favre aus dem So-gut-wie-Absteiger vom Februar 2011 gemacht hat und was man mit taktischer Disziplin bewirken kann und wie Spieler (z. B. Hanke) noch dazu lernen können. Hier ist ganz klar die Handschrift des Trainers zu erkennen, die mir beim VfB momentan fehlt.  Und, wenn ich einen Marco Reus sehe, muss ich zugeben, dass mir bei dem Jungen das Herz aufgeht. Mit welcher Freude und in höchstem Tempo er auf die gegnerischen Abwehrreihen zuläuft und dennoch die Übersicht für den besser positionierten Nebenmann nicht verliert oder auch selbst abschließt. Einfach Klasse! Ich finde es auch gut, dass er nicht zu den Bayern geht sondern sich seinem Heimatclub anschließt. Und, in Gladbach scheint keiner wirklich sauer zu sein, hat er doch mit offenen Karten gespielt und spült jede Menge Euronen in die sonst so klamme Kasse. Es liegt an der Borussia, daraus etwas zu machen. Einen Bigpoint haben die Gladbacher letzten Freitag gegen die Bayern gesetzt und ihnen, wie schon im Hinspiel, den Zahn gezogen. Hinten wenig zugelassen, vorne gnadenlos effektiv! Dem VfB steht also eine schwere Aufgabe bevor. Ich glaube, wenn der VfB genau so pomadig auftritt wie in den letzten Spielen, gibt es nichts zu holen. Es wird auf jeden Fall Konzentration und Geduld gefragt sein. Diese Woche wurde in Ibisevic noch der herbei gesehnte Knipser verpflichtet. Ob er von Beginn an der Heilsbringer ist, wird sich erst noch erweisen müssen, ein schlechter Griff aber ist er meiner Meinung nach nicht. 

Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass uns auch ein Vorlagengeber gut zu Gesicht stehen würde. Für den Sommer ist ja Ibisevic‘ Kumpel Salihovic im Gespräch. Wenn das wahr ist und die Chance bestünde, ihn jetzt schon vom Dorfklub loszueisen, zugreifen bitte. Einen solchen Freistoßschützen hatten wir seit Balakov nicht mehr. Zudem ist er ein Spieler, der auch mal aus 30 Metern schießt, wenn man nicht direkt vors Tor kommt. Allerdings muss er, um für den VfB realistisch zu sein, große Abstriche in puncto Gehalt in Kauf nehmen. Ich kann mich noch gut erinnern, als Uli Hoeneß einmal ausplauderte, dass Salihovic in Hoffenheim mehr verdienen würde, als die Bayern ihm bezahlen wollten, was ja etwas heißen mag! Aber, die Zeiten haben sich auch in den letzten zwei, drei Jahren geändert. Immer mehr Vereine rücken ab von den immensen Gehaltszahlungen und kehren zur Vernunft zurück. Ausgenommen die Bayern, die über ein üppig ausgestattetes Festgeldkonto verfügen und die Wolfsburger, die sich an die „Erfolgsformel“ von 2009 zu erinnern scheinen, nämlich dass von 100 verpflichteten Spielern die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass elf davon unfallfrei geradeaus laufen können. Außer bei diesen beiden Vereinen ist auf dem Transfermarkt große Zurückhaltung zu spüren, wobei die Bayern ja „nur“ im Sommer auf großer Einkaufstour waren. Wenn in absehbarer Zeit endlich auch international das Financial Fairplay konsequent umgesetzt wird, wird sich das solide Wirtschaften der Bundesligavereine auszahlen und wir können womöglich den einen oder anderen (Welt-)Star mehr bewundern. 

Den derzeitigen Konsolidierungskurs vom VfB trage ich jedenfalls voll mit. Nach wie vor hat Fredi Bobic am Erbe von Horst Heldt zu knabbern, der zu Champions League Zeiten Durchschnittskicker mit Wahnsinnsverträgen ausstattete. Ich trage auch voll mit, wenn Spieler an zusätzlichen Einnahmen partizipieren, allerdings nur so lang, wie diese fließen und nicht noch zwei, drei Jahre danach. Diesen Sommer laufen viele dieser Verträge aus, die dem Verein fast die Luft zum atmen nehmen. Erst danach wird auch die Arbeit von Fredi Bobic besser beurteilt werden können und erst dann kann er uns davon überzeugen, dass der Stuttgarter Weg nicht zwangsläufig nur mit sparen, kleineren Brötchen backen und mit schleichendem Absturz zu tun hat. Dann wird sich auch zeigen, ob es Labbadia sich traut, den ein oder anderen jungen Spieler einzubauen oder zumindest als ersten Backup auf die Bank zu setzen. Die Bauers, Hemleins und Holzhausers sind doch mit Eifer dabei und motiviert, wenn sie denn mal die Chance bekommen. Auch einen Kevin Stöger, der in der Vorrunde leider von einer schweren Verletzung zurückgeworfen wurde, würde ich sehr gerne einmal auf der Hajnal-Position sehen. Hier wächst etwas heran, dem man auch einmal die Möglichkeit geben muss, zu gedeihen, bevor die Jungs die Geduld verlieren, wie Leno oder auch Ermin Bicakcic. Doch dies ist Zukunfsmusik! Erst einmal zählt das Hier und Jetzt und das heißt Mission Klassenerhalt Reloaded! 

Womit wir beim Titel dieses Beitrags wären. Richtung weisend! Quo Vadis VfB? Die Abstiegsränge sind durch die Niederlage auf Schalke wieder bedrohlich nahe gekommen. Eine Heimniederlage gegen Mönchengladbach und das große Zittern würde wieder von vorn beginnen. Danach geht es nach Leverkusen und im Pokal zu Hause gegen die Bayern bevor Angstgegner Hertha BSC ins Neckarstadion kommt. Bei diesem Programm kann es einem Angst und bange werden, so wie sich die Mannschaft in letzter Zeit präsentiert hat. Es ist aber für unser Team auch die Gelegenheit ein oder mehrere Ausrufezeichen zu setzen und die Abstiegsdiskussion im Keim zu ersticken. Angefangen werden sollte damit am besten schon am Sonntag, gegen einen unserer Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach. Die Gladbacher warten seit 1994 auf einen Auswärtssieg beim VfB und müssen sich hoffentlich noch weiter gedulden. Der VfB muss es einfach jetzt packen, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen, um den Umbruch im Team möglicherweise schon am Ende der Rückrunde einleiten zu können. Das Spiel gegen Gladbach wird uns die Tendenz aufzeigen und uns klar machen, ob der Auftritt auf Schalke ein negativer Ausrutscher oder ein Fingerzeig auf die uns bevorstehende Rückrunde war.

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15. April 2011

Ist der VfB noch zu retten?

Knapp eine Woche ist vergangen, seit dem brutal ernüchternden 2:4 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Langsam finde ich meine Worte wieder, es muss ja schließlich auch weiter gehen! Wie optimistisch sind wir doch die paar Schritte vom SSC ins Neckarstadion gegangen, optimistisch nach den Ergebnissen der Konkurrenz, dass sich der VfB ein kleines Polster auf die Abstiegsplätze verschaffen könnte. Es war DIE Chance bis auf Platz 13 vorzudringen. Nach zuvor fünf nicht verlorenen Spielen in Folge, war der Glaube an den Befreiungsschlag vorhanden. Was sich dann aber in den 90 Minuten auf dem grünen Rasen abspielte, spottet jeder Beschreibung.
Der VfB geriet nach einer durchwachsenen Anfangsphase früh in Rückstand, weil Boulahrouz gegen Lakic nicht engagiert genug ins Kopfballduell ging und sich wie ein Leichtgewicht im „Luftkampf“ wegdrücken ließ. Dass ein früher Rückstand Gift sein würde, war mir schon vor dem Spiel klar. Diesen galt es eigentlich unter allen Umständen zu vermeiden. Trotzdem kam der VfB durch einen glücklichen, wenn auch berechtigten Strafstoß zurück ins Spiel. Kuzmanovic besorgte den Ausgleich und hatte wenig später einen Geistesblitz, als er mit dem Außenrist einen Zuckerpass Molinaro in den Lauf spielte, dieser bis an die Grundlinie durchlief und scharf in die Mitte passte, wo Pogrebnjak den Ball mit all seiner körperlichen Wucht einnetzen konnte. Plötzlich führte der VfB 2:1 und alles schien auf einmal für die Schwaben zu sprechen.
Was den Jungs dann in den Pausentee getan wurde, würde mich interessieren. Anstatt selbst- und siegesbewusst aus der Kabine zu kommen und auf das dritte Tor zu spielen, versteckte sich jeder so gut er konnte und überließ den Pfälzern, bei denen übrigens ein gewisser Christian Tiffert glänzend Regie führte, komplett die Initiative. So kam es wie es kommen musste. Mitte der zweiten Halbzeit setzte der Lauterer Trainer Marco Kurz, in Stuttgart auch kein Unbekannter, alles auf eine Karte und brachte in Jimmy Hoffer einen weiteren Stürmer. Dass der schnell ist und auf Kontersituationen am Rande der Abseitslinie lauert, sollte sich auch bis ins Stuttgarter Team herumgesprochen haben. Hat es sich aber wohl nicht, wenn man sich das 2:2 ansieht, als ein langer Ball von Tiffert in den Lauf von Hoffer genügte, die VfB-Abwehr zu überspielen. Ulreich kam heraus und wurde von Hoffer überlobbt. Alte Torwartweisheit, „wenn er raus kommt, muss er ihn haben“. Was dann folgte war eine Demütigung fürs Schwaben-Herz. Nach einem Eckball von Tiffert kam abermals Lakic mit Anlauf und köpfte mit Wucht in die Mitte des Tores. Weder Harnik, der bei Standards für ihn eingeteilt war, noch Ulreich waren hier Herr der Lage. Ausgerechnet Lakic, dem seine ersten Tore in der Rückrunde gelangen, der schon von den eigenen Fans angefeindet wurde, nachdem er sich in der Winterpause mit dem Trikot seines künftigen Arbeitgebers, des VfL Wolfsburg, ablichten ließ. Das 2:4 schließlich, das ein katastrophaler Fehlpass von Träsch begünstigte, war für mich nicht mehr spielentscheidend.
Der VfB ließ sich also von einem eigentlich im Vergleich minderbemittelten Gegner, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, abschlachten. Die Pfälzer, die außer Kampf- und Teamgeist nicht viel in die Waagschale werfen können, haben dem VfB die Grenzen aufgezeigt.
Erschreckend schwach war abermals ohne Hajnal die Zentrale. Kuzmanovic tat sich in der ersten Halbzeit zwar als Lenker des Spiels hervor, tauchte in der zweiten aber genau so ab, wie der Rest der Mannschaft. Die Einwechslungen von Boka, Cacau und Gebhart verpufften wirkungslos. Gentner, der eigentliche Vertreter von Hajnal auf der 10er-Position war über weite Strecken überhaupt nicht zu sehen. Mich beschleicht mehr und mehr das Gefühl, dass er im Vertrag eine Stammplatzgarantie stehen hat. Anders kann es nicht sein, dass ein solch formschwacher Spieler Woche für Woche mit dazu beitragen darf, den VfB dem Abgrund Stück für Stück näher zu bringen. Wie schon vor Wochenfrist vorgeschlagen, hätte ich auf dieser Position lieber Didavi als Gentner gesehen. Auch die Einwechslung von Cacau, der an einer weichen Leiste laboriert und offensichtlich weder fit noch in Form ist, konnte ich nicht nachvollziehen. Er fand auch überhaupt nicht ins Spiel, hatte keine nennenswerte Aktion, außer vielleicht eine, als er, sinnbildlich für die Gesamtsituation beim Jagen nach dem Ball über seine eigenen Beine flog.

Schipplock, immerhin der Siegtorschütze in St. Pauli und drei Tage vor dem Spiel zweifacher Torschütze für unsere zweite Mannschaft in der 3. Liga gegen Wehen-Wiesbaden, stand auch parat und wäre wahrscheinlich mit mehr Selbstvertrauen ins Spiel gekommen, als Cacau, dem man auch die fehlende Spielpraxis anmerkt. So war ich also auch mit den Entscheidungen der sportlichen Leitung nicht einverstanden. Am Samstag nach dem Spiel hatten wir schon geunkt, eigentlich wäre es mal wieder an der Zeit für einen Trainerwechsel. J Jedoch im Ernst, diese letzte Patrone haben wir verschossen. Die Misere mache ich jetzt wirklich nicht am Trainer fest, der ja am allerwenigsten für den zusammengewürfelten Haufen an verschiedenen Spielertypen und Charakteren kann. Allerdings bin ich auch nicht davon überzeugt, dass Labbadia der richtige für diese Mission ist.
Jetzt gilt es für die letzten fünf Spiele die Kräfte zu bündeln und darum, dass wir Fans und das Team zusammenstehen. Es wird schwer genug. Morgen in Köln, die zuletzt sieben (!) Heimsiege in Folge eingefahren haben, muss ein Sieg her. Fragt mich nicht wie, aber er muss einfach gelingen. Die Kölner ließen sich am vergangenen Wochenende beim Lokalrivalen Mönchengladbach mit 1:5 abschlachten und brennen auf Wiedergutmachung vor eigenem Publikum. Die werden sicherlich mit gefletschten Zähnen den Rasen betreten und darauf hoffen, uns überrennen zu können. Hier wird sicherlich aus VfB-Sicht wichtig sein erst einmal Ruhe zu bewahren und kein frühes Gegentor zu kassieren. Sonst könnte es ein bitterböser Nachmittag für uns werden.

Die personelle Situation beim VfB spitzt sich langsam aber sicher zu. Zwar signalisiert Hajnal, dass er in Köln wieder in die Anfangsformation rücken kann. Doch Pogrebnjak fehlt gelbgesperrt und Gebhart mit doppeltem Bänderriss für den Rest der Saison. Wir haben kaum einen Spieler im Kader, den kein Wehwehchen plagt und der einen topfitten Eindruck macht. Außer vielleicht Gentner, der geschickt jedem Körperkontakt ausweicht und sich damit keiner großen Verletzungsgefahr aussetzt.

Cacau soll morgen von Anfang an spielen, in Erinnerung an seinen letzten Auftritt in Köln, als ihm beim 1:5 in der letzten Saison vier Tore gelangen, erhofft man sich dadurch die Wiedergeburt des „alten Cacau“. Seit der VfB ihm gesteigerte Wertschätzung entgegen brachte und seine Bezüge mit den Top-Verdienern im Verein anglich, scheint er einen zentnerschweren Rucksack mit sich rumzuschleppen und die Leichtigkeit verloren zu haben. Diese Bemerkung bezieht sich allerdings auf die erste Saisonhälfte, als er zu viel wollte und ihm nichts gelang und er dann aus diesem Fahrwasser nicht mehr heraus kam. Cacaus Rückrunde ist nicht zu bewerten, da er seit dem Trainingslager an Verletzungen laboriert und seither auch fast nur zu Kurzeinsätzen gekommen ist.

Harnik wird im rechten Mittelfeld benötigt, so bleibt Schipplock die einzige Alternative auf der Bank für den Sturm. Marica ist laut den Verantwortlichen weiterhin kein Thema. In dieser Situation wäre ich für eine Begnadigung von Marica gewesen, der mit seiner Schnelligkeit gerade auswärts für Gefahr sorgen könnte. Allerdings erfährt man ja auch nicht genau, was genau vorgefallen ist, dass er so außen vor ist, wie im Moment. Ein wenig mehr Ehrlichkeit und Klartext würde den Clubverantwortlichen gut zu Gesicht stehen. So kann nur über die wahren Gründe spekuliert werden. Man munkelt, er hätte in der Wintertransferperiode ein lukratives Angebot aus der Türkei gehabt, durfte nicht wechseln und ging dann in die Offensive. Wäre es so, hätte ich kein Verständnis für die Vereinsführung, hat man doch immer betont, Spieler die nicht voll und ganz mitziehen und mit dem Herzen bei der Sache sind, gehen könnten. Ist also Marica der Stinkstiefel, der im Kader sein Unwesen trieb? Wir, die zahlenden Fans, werden es wohl nie erfahren….

Angesichts der angesprochenen Probleme und des fehlenden spielerischen und menschlichen Verständnisses der Jungs untereinander fehlt mir mittlerweile der Glaube an eine Serie zum Saisonende. Die Mannschaft stellt derzeit ein sehr fragiles Gebilde dar. Es ist kein System zu erkennen, keiner möchte den Ball haben und der, der den Ball hat, hat teilweise vier Gegenspieler um sich, ohne dass sich ein Mitspieler hin bequemt, um ihm zu helfen. Diese Situation habe ich insbesondere beim bemitleidenswerten Pavel Pogrebnjak gegen Kaiserslautern mehrfach beobachtet. Hier geht es also um Laufarbeit, auch um das Antizipieren, Eigenschaften, die man bei Profis voraussetzen müsste, die derzeit nicht von unseren Kickern nicht abrufbar sind. Es sind im Spiel in allen Mannschaftsteilen Unsicherheiten zu sehen, die einem Angst machen. Die Mannschaft hat sich im Vergleich zur Vorrunde, als wir gegen Fußballgrößen wie Molde, Bratislava, Babelsberg und Chemnitz nur mit Mühe und Not gewonnen haben, null komma null weiter entwickelt. Der einzige Unterschied zwischen Vor- und Rückrunde ist der, dass das Glück zurückgekehrt ist und es die Schiedsrichter besser mit uns meinen. Keiner der 18 Punkte in der Rückrunde wurde geholt, weil wir die bessere Mannschaft waren, bei jedem dieser 18 Punkte war mehr oder weniger Glück dabei. Daher beschleicht mich das ungute Gefühl, dass es irgendwann einmal aufgebraucht ist. Ich hoffe, Kaiserslautern war nicht der Anfang einer Serie von Spielen, in denen es zu unseren Ungunsten läuft. Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen. Aber dieser Mannschaft, die in ihrem Innersten keine ist, nehme ich nicht ab, dass sie alles dafür tut, den Abstieg zu vermeiden. Ich glaube nicht, dass vom Stamm mehr als 2, 3 Spieler auch in der 2. Liga die Kickstiefel für den VfB schnüren würden. Sollten Gehaltskürzungen dann unumgänglich sein, werden sogar die 2, 3 Spieler in meinen Augen fraglich sein, So weit sind wir Gott sei Dank noch nicht. Noch haben die Spieler (mindestens) fünf Gelegenheiten zu zeigen, dass sie es wert sind, den Brustring zu tragen und auch sich selbst den Makel eines Abstiegs zu ersparen.
Morgen folgt also in Köln der nächste Akt. Ich freue mich sehr auf das Stadion und die Stimmung dort, die hoffentlich nur vor dem Spiel karnevalistische Züge hat. Wir werden dort übernachten und abends noch (hoffentlich in Hochstimmung) ein wenig die Kölner Altstadt unsicher machen. Der VfB wird wieder von etwa 4.500-5.000 Fans unterstützt werden, uns gar nicht mitgezählt, weil wir beim FC direkt die Karten bestellt haben. Ich hoffe auf ein Team, das gewillt ist, nach der derben Heimpleite gegen die Pfälzer, eine Trotzreaktion zu zeigen und bis zum Umfallen kämpft. Nur so werden wir eine Chance haben, dort zu bestehen. Die Kölner werden durch ihre Heimserie vor Selbstvertrauen nur so strotzen und angeführt von einem in den letzten Wochen und Monaten überragenden Podolski darauf brennen, letzte Zweifel an ihrem Klassenerhalt zu zerstreuen. Für uns ist es die Chance, die Kölner noch ein wenig mit unten rein zu ziehen. Sollten wir morgen nicht gewinnen, ist meine Hoffnung auf einen Nichtabstiegsplatz wohl auf dem Nullpunkt. Ich glaube zwar nicht unbedingt daran, dass Gladbach und St. Pauli (oder folgt da jetzt eine Trotzreaktion nach Stanis angekündigtem Abschied?) noch an uns vorbei ziehen, mehr als der Relegationsplatz dürfte dann aber kaum drin sein, wenn man sich das Restprogramm von uns undvon Wolfsburg anschaut. Dann liefe es womöglich vier Jahre nach dem Sieg in Bochum, der das Tor zur Meisterschaft entscheidend weit aufstieß, an gleicher Stätte auf ein Relegationsspiel um die Existenz hinaus. Ironie des Schicksals!

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4. Februar 2011

Ende oder Wende?

Wenn am morgigen Samstag der 18. auf den 17. trifft, von der DFL erstaunlicherweise zum Spiel der Woche gekürt, sollte auch dem Letzten klar geworden sein, was die Stunde geschlagen hat. Von nun an geht es nur noch ums nackte (sportliche) Überleben. Wer nach den Achtungserfolgen zum Auftakt gegen den Zweiten Mainz und gegen den Tabellenführer Dortmund geglaubt hatte, der Aufstieg in sicherere Tabellengefilde würde ein Selbstläufer werden, der wurde spätestens nach dem schwachen Spiel gegen den SC Freiburg eines Besseren belehrt.

Die Tabelle lügt nicht. Der VfB gehört in der Saison 2010/2011 tatsächlich dort hin, wo er steht, nämlich auf den vorletzten Tabellenplatz, lediglich durch das deutlich bessere Torverhältnis getrennt vom Schlußlicht, unserem morgigen Gegner Borussia Mönchengladbach. Allein 14 Tore davon machte der VfB im Hinspiel gut, dem sagenhaften 7:0. Dieses Spiel war natürlich Balsam auf die Seelen eines VfB-Fans, stand man doch nach den ersten drei Saisonspielen gänzlich ohne Punkte da. Leider war dieses Spiel nur Augenwischerei, verlor man doch bereits drei Tage später in Nürnberg wieder. Dort waren wir aufgrund eines Staus noch nicht einmal im Stadion, als unsere Leihgabe Julian Schieber bereits das 1:0 markierte.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass nach erfolgreichen Spielen der eine oder andere meint, sich zurücklehnen und mit halber Kraft spielen zu können. Nach jedem Spiel hört man die selben Attituden, dass die Qualität ja viel zu hoch wäre, als dass man ernsthaft absteigen könnte. So gelang es dem VfB in dieser Saison noch überhaupt nicht, zwei Spiele in Folge zu gewinnen, weil nach jedem Sieg der nächste Rückschlag folgte. Als Fan ist man da am verzweifeln.  Seit Bruno Labbadia VfB-Trainer ist, habe ich zwar schon den Eindruck, dass mehr Zug drin ist und die Spannung hoch gehalten wird. So gab es wenigstens im Pokalspiel gegen die Bayern und den Bundesligaspielen gegen Mainz und in Dortmund keinen Grund, sich übermangelnde Einsatzbereitschaft zu beklagen. Dass es im spielerischen Bereich hapert, ist, denke ich, ist normal, wenn man auf einem Abstiegsplatz steht und sich die Unsicherheit in die Köpfe gefräst hat. Gegen Freiburg allerdings hatte man schon den Eindruck, dass der alte Schlendrian wieder einzieht. Um einen kompakt stehenden Gegner wie den SC Freiburg ausspielen zu können, brauchts eine bedingungslose Laufbereitschaft, um Überraschungsmomente schaffen zu können. Vor allem in der ersten Halbzeit war davon nichts zu sehen. Da hat die Mannschaft wahrlich gespielt wie ein Absteiger. Die zweite Halbzeit wurde mir von den Verantwortlichen schon wieder zu gut gesehen. Ich fand sie zwar besser als die erste, aber dazu gehörte wahrlich nicht viel. Freiburg hatte keine große Mühe die frühe Führung über die Zeit zu schaukeln, da dem VfB über weite Strecken die Mittel fehlten, den badischen Abwehrriegel zu knacken. Mir wurde auch zu viel auf Martin Harnik herumgehackt, der kurz vor Schluß das leere Tor verfehlte. Zum einen ist er einer der wenigen Spieler, an denen es in dieser Saison wenig bis nichts auszusetzen gibt, zum anderen hätte uns ein Unentschieden auch nicht wesentlich weiter gebracht. Auch ein Punkt wäre zu wenig gewesen. Ein Übriges hat sich wieder der Schiedsrichter geleistet, als er einen Handelfmeter nicht gab. Diese Fehlentscheidung ließ uns immerhin auf Platz 10 bei www.wahretabelle.de klettern.

So ist und bleibt der VfB in dieser Saison eine Wundertüte und ich weiß wirklich nicht, was ich vom morgigen Spiel gegen einen sicher bissigen Gegner erwarten soll. Die Mönchengladbacher haben in der Winterpause ordentlich nachgebessert und sind mit zwei Auswärtssiegen und einer Heimpleite gegen Bayer Leverkusen gut in die Rückrunde gestartet. Die Borussia hat in dieser Saison jämmerliche drei Pünktchen zu Hause geholt und noch kein Heimspiel gewonnen. Dies deutet eigentlich darauf hin, dass die Borussen selbst das Spiel nicht machen können und die Initiative gern dem Gegner überlassen. Auswärts haben sie dann mehr Räume zum kontern. Ich hoffe, der VfB tut ihnen nicht den Gefallen das Spiel weitestgehend in die Gladbacher Hälfte zu verlagern, um sich dann auskontern zu lassen. Da der VfB noch keinen Auswärtssieg, Gladbach noch keinen Heimsieg hat, wäre ein Unentschieden, das keinem weiter hilft, ein logisches Ergebnis. Ich hoffe nicht, dass es so kommt, sondern dass WIR die Negativserie beenden. Das Szenario einer eventuellen Niederlage möchte ich schon gar nicht erst beleuchten und mich im Falle eines Falles erst nächste Woche damit beschäftigen.Um die Liga zu halten muss langsam mal auswärts gewonnen werden. Das nächste Heimspiel gegen den Club wird sicher ähnlich schwierig wie gegen Freiburg.

Natürlich freue ich mich auf den morgigen Tag und das Spiel im Borussia Park. Die Borussen sind für mich schon seit Kindheitstagen ein sympathischer Verein. In den 70er-Jahren hatte der Verein mit der Raute natürlich noch einen größeren Klang, als man regelmäßig tolle Europapokalschlachten im Fernsehen sah. Unvergessen ist auch 1978 das 12:0 gegen Borussia Dortmund mit ihrem jungen Trainer Otto Rehagel, das dennoch nicht zur Deutschen Meisterschaft reichte. Auch in den 80ern noch mit Trainer Jupp Heynckes war mit den Gladbachern immer zu rechnen. Nach einem Zwischenhoch Mitte der 90er-Jahre, als mit dem DFB-Pokal der bislang letzte Titel geholt wurde,  kam der erste Abstieg 1999. Seitdem kämpft die Borussia in jeder Saison mehr oder weniger gegen den Abstieg. Ich finde das große Fanpotenzial bemerkenswert, nicht nur regional, auch in ganz Deutschland trifft man Gladbach-Fans an, die regelmäßig zu Heim- und Auswärtsspielen fahren. Ich würde mich ja freuen, wenn wir beide die Klasse halten könnten, da auch die Borussia zweifellos in die Bundesliga gehört.

In dieser Woche hatte ich das Vergnügen mit meinem Blogger-Kollegen Daniel von www.buechsenwurf.de ein gegenseitiges Intervicw zu führen. Meine Antworten auf seine Fragen findet Ihr unter www.buechsenwurf.de/aktuelles.php, seine Antworten auf meine Fragen hier:

1. Wann und wie bist Du Borussia-Fan geworden?

Das muss wohl durch meinen Vater passiert sein, der häufiger am Bökelberg zugast war und sich im Gegensatz zu mir noch an bessere Fohlenzeiten erinnern kann.

2. Was macht für Dich den Mythos Borussia aus?

Die Borussia ist für mich ein besonderer Verein, ein Verein mit Geschichte, mit überregionalem Interesse. Ein Team das anders war und ist. Borussia ist immer für Ausreißer – positiv wie negativ – gut. Langweilig wird es nie. Die Fans halte ich ebenfalls für überdurchschnittlich, bin aber realistisch genug, um offen zu zugeben, dass an die Fans von Eintracht Frankfurt niemand ran zu kommen scheint.

3.  Was hatte die berühmte Fohlen-Elf in den 70ern, was dem derzeitigen Team fehlt?

Schwer zu sagen, da ich damals nicht dabei war. In den 70 prägte die Borussia ein ganz neues Fußballniveau. Es waren schlichtweg die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es scheint alles gepasst zu haben. Heute scheint es so, als würde Mitspieler X die Energie des Spielers Y aufsaugen – mit anderen Worten: Spielt Marx einen überragenden Pass, vergeigt es eben Arango …

4.  Wie hast Du den letzten Titel der Borussia, den Pokalsieg 1995, erlebt?

Ich war live am TV dabei und habe meinen Kindheitsidolen Effenberg, Dahlin, Herrlich, Klinkert und dem ganzen Team voller Begeisterung die Daumen gedrückt. Und das, obwohl ich damals nicht wusste, dass der Gewinn des DFB-Pokales ein Team für den UEFA-CUP qualifizierte.

5.  Fiel Dir der Umzug vom Bökelberg in den Borussia Park genauso schwer wie mir? Ich persönlich finde, dass etwas an Flair verloren gegangen ist.

Aus flairtechnischer Sicht war der Umzug eine Verschlechterung, was jedoch nicht an den Fans lag. Auf dem Berg stand man eng an eng, kannte sich und war unter seines Gleichen. Im Park sind viele Nörgler in der Kurve – das gab es am Bökelberg nicht. Aus finanzieller Sicht war der Umzug überfällig. Es liegt nun an den Fans, das was den Berg ausgemacht hat, in den Park zu tragen. Persönlich denke ich, dass Erinnerungen immer schöner wirken als das Hier und Jetzt.

6.   Wie erlebst Du das Pendeln zwischen erster und zweiter Liga in den letzten Jahren. Was meinst Du, wäre notwendig, um Mönchengladbach wieder langfristig in der Bundesliga zu etablieren.

Kontinuität und Besonnenheit. Das hektische Trainer- und Personalkarussel drehte sich in der Vergangenheit viel zu flott. Die Mannschaft ist gut in Schuss und ich glaube an den Klassenerhalt. Leider gibt es zu viele Nebenkriegsschauplätze, die in schlechten Zeiten auf sich aufmerksam machen und der Mannschaft schaden: Effenberg, Netzer usw.

7.  Wie hast Du Borussias höchste Auswärtsniederlage in der Bundesliga überhaupt, das 0:7 im Hinspiel, eingeordnet?

Eine Katastrophe sonder gleichen. Ich habe so etwas zuvor noch nie erlebt. Die Mannschaft hätte ebenso gut in der Kabine bleiben können. Trotzdem war ich noch immer dem Rausch aus dem Leverkusenspiel erlegen und habe das Spiel als einmaligen Ausrutscher eingeordnet.

8.   Welche Reaktion erwartest Du am Samstag von Deinem Team oder ist das Hinspiel im Vorfeld des Spiels kein Thema?

Das ist eine gute Frage, das Hinspiel wird sicherlich in den Köpfen der Spieler sein. Ich erwarte nur, dass man sich gegen eine Niederlage und gegen das Schicksal stemmt, der Rest kommt von allein.

9.  Welche Meinung hast Du zu Eurem Winterneuzugang, dem Ex-VfBler Martin Stranzl? Kann er im Abstiegskampf weiterhelfen. Macht seine Verpflichtung Sinn für Borussia? Was hältst Du von Eurem Trainer Michael Frontzeck, einst Deutscher Meister mit dem VfB. War es richtig, an ihm festzuhalten, als er in der Vorrunde ziemlich am Pranger stand?

Stranzl scheint sehr erfahren zu sein, was man auf dem Platz und im Training gemerkt hat. Bisher hat er mich nicht enttäuscht. Zu Frontzeck hatte ich weiter oben bereits einiges gesagt. Ich mag seine besonnene Art, stets ruhig und korrekt. Er ist ein Ruhepol in der heutigen Medienlandschaft.

10. Dein Tipp für Samstag?

Der erste Heimsieg ist fälltig. 3:1 für die Borussia, wobei wir zuerst ein Tor fangen werden.

(Daniel: www.buechsenwurf.de)

Ich gebe die Blumen gerne zurück. Wir hatten einen tollen Kontakt und ich wünsche Daniel mit seiner Borussia Alles Gute, nur nicht unbedingt für morgen. ;-) Ich hoffe, wir begegnen uns auch nächste Saison wieder in Liga 1. Für heute soll es das gewesen sein. Ich wünsche beiden Parteien für morgen, auf den Rängen und auf dem Spielfeld, ein allseits faires Spiel und eine tolle Stimmung sowie dem Schiedsrichter den richtigen Durchblick.

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25. September 2010

Quo Vadis VfB?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 06:21

Heute steht mal wieder ein richtungsweisendes Spiel vor der Tür. Gelingt es dem VfB wenigstens seine Heimspiele zu gewinnen, wenn man schon auswärts in schöner Regelmäßigkeit die Punkte liegen läßt, oder stürzt die Bayer-Elf den VfB in eine handfeste Krise? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von den bisher gezeigten Leistungen halten soll.

Der VfB hat seit dem Pflichtspielauftakt Ende Juli mit Ausnahme des Kantersiegs gegen Gladbach vor Wochenfrist noch kein gutes Spiel abgeliefert. Es hakt in allen Mannschaftsteilen, angefangen bei Sven Ulreich für den die Fußstapfen von Jens Lehmann zu groß sind, weiter in der Abwehr, wo weder Molinaro noch Niedermeier an die Vorjahresleistungen anknüpfen. Christian Träsch muss aufgrund der Verletzung von Celozzi und der Krankheit von Degen als Rechtsverteidiger aushelfen, obwohl er im Mittelfeld viel wertvoller wäre. Kuzmanovic und Gentner haben noch immer riesige Abstimmungsprobleme im defensiven Mittelfeld und von den Außenbahnen kommt auch zu wenig verwertbares für die Stürmer. Cacau stand in Nürnberg völlig neben sich, Pogrebnjak beweist zwar einen Formanstieg, welcher aber auch nicht wirklich verwunderlich ist, wenn man sich vor Augen führt, wo er herkommt. Marica geht wieder total unter, trotz eigentlich guter Vorbereitung. Seine gute Rückrunde war wohl auch nur ein Strohfeuer. So hat Christian Gross einige Großbaustellen zu bewältigen und ich habe Angst, dass ihn die Mannschaft jämmerlich im Stich läßt und die Mannschaft mal wieder um einen neuen Trainer bettelt.

All das, was uns in der letzten Saison seit Christian Gross’ Amtsantritt stark gemacht hatte, ist verflogen. Damals fand der VfB zuerst über den Kampf zum Spiel. Die Raumaufteilung war besser als unter Babbel und es wurde von jedem einzigen mehr gelaufen, so dass auch mal gedoppelt wurde und die Spieler sich gegenseitig halfen, Bälle zu erkämpfen. Dadurch war der VfB in der Offensive nicht so leicht ausrechenbar, als bei dem statischen Spiel zuletzt unter Babbel wie auch jetzt wieder unter Gross. Der Trainer ist hier die ärmste Sau, er ist letztendlich doch auch nur von der Einsatzbereitschaft seiner Spieler abhängig. Gross kann man keine Blauäugigkeit unterstellen. Er mahnte seit Pflichtspielbeginn, dass der Aderlass gross war und die Mannschaft noch Verstärkungen benötigt. So war der VfB zum Transferschluss an Mladen Petric dran, ein Spieler, den er aus Basler Zeiten bestens kennt, im besten Fußballeralter und ein Mann, der den Unterschied ausmachen kann. Doch der VfB kam seinem Wunsch nicht nach und hoffte, der HSV würde ihn zu einem Spottpreis verramschen. Das ärgert mich bis heute maßlos, war sich der VfB doch mit dem Spieler schon einig. Wir wissen natürlich nicht, ob der HSV ihn nur abgegeben hätte, wenn sie Van der Vaart bekommen hätten, hierzu aber wünschte ich mir mal ein klares und ehrliches Statement vom VfB, wie es wirklich gelaufen ist, anstatt Fredi Bobic von Veh beleidigen zu lassen. Stimmt aber die Aussage von Veh, dass der VfB gerade mal 3,5 Millionen geboten hat, finde auch ich das “Bemühen” des VfB lächerlich. Dann sollen sie lieber keine Energie in solch aussichtslose Unterfangen investieren. So wurden uns Camoranesi und ein weiterer Sechser namens Bah als Heilsbringer präsentiert. Die ganze Transferperiode über war zu lesen, dass der VfB massiv das Gehaltsniveau senken muss und dann leistet man sich einen alternden Weltmeister, der sicher auch nicht für weniger als 3 Millionen jährlich seine Fußballschuhe schnürt. Das passt für mich nicht zusammen und mutet eher konzeptlos an und sieht nach wirrem Aktionismus aus.

Wann schafft es der VfB einmal, seine Mannschaft weitestgehend zum Trainingsauftakt zusammen zu haben? Wie funktioniert beim VfB das Scoutingsystem, wenn man sich meist (fast) nur aus der Ramschmasse gegen Ende der Transferperiode bedient?

Gut, Christian Gentner wurde schon im letzten Winter als Neuzugang präsentiert. So sehr ich ihn mag und mich auch ein Stück weit freue, dass er wieder zurück ist, frage ich mich doch nach dem Sinn dieses Transfers. Seine Lieblingsposition ist bekanntermaßen im zentralen defensiven Mittelfeld. Dort hatten wir aber zum Zeitpunkt der Verpflichtung eine funktionierende Achse mit Khedira und Träsch, dazu als Backup den 8-Millionen-Mann Kuzmanovic. Des weiteren waren damals noch Thomas Hitzlsperger und Martin Lanig da. Für mich also ein Transfer ohne Sinn, zumal Gentner in Wolfsburg sicher ein hohes Gehalt erhielt und beim VfB ebenso sicher nicht weniger verdienen wird. Er war zwar ablösefrei, doch fließen in diesem Fall in der Branche Handgelder, die in der Höhe der eingesparten Ablösesumme nahe kommen. Für mich wurde hier also ganz klar Geld verbrannt, welches in eine Kreativkraft hätte investiert werden können. Das ist nur eines von unzähligen Beispielen aus der jüngsten Vergangenheit, wo der gemeine Fan sich nach einem Konzept der Vereinsführung fragt. Gut, die meisten fragwürdigen Transfers hatte noch Horst Heldt zu verantworten, drücken wir Fredi Bobic die Daumen, dass er ein besseres Händchen hat und beim Präsidium nicht ständig auf Granit beißt.

Um zum heutigen Spiel zurück zu kommen. Die Entwicklung macht mir Angst. Ich befürchte eine Saison, in der es gegen den Abstieg geht, wenn sich die Spieler nicht schnellstens hundertprozentig auf ihre Aufgabe beim VfB konzentrieren und sich voll und ganz reinhängen. Nur, wenn sie bereit sind, in jedem Spiel bis an ihre Leistungsgrenze zu gehen, werden wir es in ruhigere Tabellenregionen schaffen. Mir fehlt bei den Jungs der Biss und bei den meisten die Freude am Beruf. In Nürnberg waren wir noch nicht mal im Stadion (Mega-Stau auf der A6), als schon das 0:1 aus unserer Sicht fiel. Wie zu erwarten, war es auch noch ausgerechnet Julian Schieber, dem Niedermeier mal wieder nur Spalier stand, der uns den frühen Knock-Out versetzte. Der VfB ließ sich von der harten Gangart der Franken den Schneid abkaufen. Das Schiedsrichtergespann half den Nürnbergern auch noch fleißig, durch eine nicht gegebene rote Karte für Pinola und einem aberkannten Tor von Pogrebnjak, dennoch dürfen diese Umstände auch nicht darüber hinweg enttäuschen, dass es der VfB in den verbleibenden 87 Minuten nicht verstand, wirklich große Torgefahr zu entfachen. Wenn ich heute in der Stadion Aktuell lese “Unglückliche Niederlage trotz guter Leistung” bekomme ich Zustände. Ich sah eine über weite Strecken unterirdische Leistung gegen einen minderbemittelten Gegner. Wie schon öfter in der noch jungen Saison fehlte dem VfB die Frische und damit die Laufbereitschaft, um mal Überzahlsituationen zu schaffen oder Bälle schnell zurückzuerobern. Die Nürnberger standen nach der frühen Führung sehr tief und der VfB hatte keine Ideen dieses Bollwerk zu knacken. Wir haben jetzt in Mainz (die zugegebenermaßen momentan herzerfrischenden Fußball spielen), in Freiburg und in Nürnberg verloren, alles Mannschaften, die eigentlich hinter uns einzustufen wären. Wo möchte der VfB überhaupt punkten, wenn nicht bei den Mannschaften, bei denen es zu allererst gegen den Abstieg geht? Im nächsten Auswärtsspiel auf Schalke? Oder im übernächsten in Wolfsburg? Mit solchen Leistungen holen wir uns da zwei Packungen ab und haben im Oktober wieder eine Trainerdiskussion, die keine Sau hier braucht. Bis zur nächsten Transferperiode im Januar müssen wir mit diesem Kader leben. Daher baue ich jetzt in erster Linie auf die Rückkehr unseres Kapitäns Matthieu Delpierre, dessen Präsenz schon letzte Woche gegen Gladbach gut tat. Er wird der Defensive mehr Stabilität verleihen, dennoch, wie schon eingangs geschrieben, geht es beim VfB nur mit voller Konzentration und großer Laufbereitschaft aller Spieler. Wenn die nicht abgerufen werden, sehe ich schwarz.

Heute trifft unsere zuletzt langsam denkende Abwehr auf schnell spielende Leverkusener. Schon dieser Gedanke weckt in mir Unbehagen. Nach der Niederlage beim Club, auch nach der Art und Weise wie der Nürnberger Siegtreffer zustande kam, auch nach den Stimmen zum Spiel, als man eher die Schuld beim Schiedsrichter als bei sich selbst suchte, habe ich heute ein sehr schlechtes Gefühl. Dennoch hoffe ich natürlich, dass mich mein Gefühl trügt, ich kann es mir aber nicht richtig vorstellen. Wir hatten bislang nur einen Gegner von echtem Format, die Dortmunder Borussia, und gegen die haben wir uns phasenweise vorführen lassen. Schauen wir mal, ob mich der VfB heute eines Besseren belehrt. Ein Bericht, wie es gelaufen ist und wo wir nach dem Spiel stehen, folgt an gleicher Stelle.

Wir beginnen den Tag erst einmal, wie es sich für einen Schwaben gehört, auf dem Cannstatter Wasen und gehen dann sicher gutgelaunt rüber zum Neckarstadion und harren der Dinge, denen wir ausgesetzt werden. Allen ein schönes Wochenende und drückt die Daumen heute, der VfB braucht die 3 Punkte und unsere Unterstützung.

Viele Grüße

Franky

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