26. April 2015

Rote Laterne zurückerobert!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:10

Aufgrund eines Kurzurlaubs langte es mir nach Augsburg nur zu einer Kurzanalyse auf Facebook, so dass ich meine Gedanken dazu mit der Analyse des Freiburg-Spiels vermische. Gerade nach dem Freiburg-Spiel wiegt es doppelt schwer, dass es in Augsburg eine absolut unnötige und vermeidbare Niederlage setzte. Dass die Augsburger derzeit nicht viel wert sind, lässt sich an deren Niederlagen in Paderborn und Hamburg ablesen. Selbst gegen einen solchen Gegner gelingt es uns nicht, den Gegner klein zu halten und ein Spiel zu dominieren. Gefälligen Phasen folgen stets solche, wo man sich das Spiel des Gegners aufdrängen lässt und nach und nach den Faden verliert. Dann setzt es noch technische Unzulänglichkeiten, individuelle Aussetzer und fertig ist die Niederlage.
Den ersten Aufreger vor dem Augsburg-Spiel gab es schon bei der Schiedsrichteransetzung. Mir liegt es fern diese völlig unnötige Niederlage an Schiri Kinhöfer festzumachen. Dennoch, absolut unsensibel vom DFB, den gleichen Pfeifenmann für dieses Spiel einzuteilen, der uns im Hinspiel so verpfiffen hatte und bei einem mit seiner selbstherrlichen Art und seinem pfauenartigen Gehabe schon beim Anblick Aggressionen schürt. Im Hinspiel flog Schwaab nach noch nicht einmal einer halben Stunde vom Platz. Der VfB kämpfte in der Folgezeit wacker und geriet durch den unberechtigt gegebenen Elfer auf die Verliererstraße, was schließlich Armin Veh dazu veranlasste das Handtuch zu werfen, so dass Kinhöfer (Kicker-Note 5,5/ nützte uns allerdings natürlich nichts, zur Belohnung durfte die Pfeife ja im Rückspiel auch gleich wieder ran.) durchaus mitverantwortlich zeichnet für die ganze Scheiße, die wir seither über uns haben ergehen lassen müssen. Die Bayern hätten wohl bei ähnlicher Konstellation diesen Schiri für das nächste Spiel kategorisch abgelehnt und beim DFB auch noch Gehör dafür gefunden, beim VfB aber nimmt man es so hin und kann es sich auch nicht vorstellen, wer überhaupt hier hin stehen und den dicken Maxe markieren könnte.
Ich kann mich noch genau erinnern, wie es mir erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, als ich die Nachricht von Vehs Rücktritt (?) erhielt. Und, seien wir ehrlich, seither wurde es doch eher schlimmer. Unter Veh machte ich durchaus einen Aufwärtstrend hin zu erlebnisreichen Fußballfesten aus, was wie sich wie Balsam auf der Seele anfühlte, nach den grottenschlechten Darbietungen in den letzten Jahren. Tatsächlich fehlte ihm das Glück, aber, auch er biss sich eben an diesem (nicht bundesligatauglichen) Kader die Zähne aus, auch er verzweifelte wegen sich ständig wiederholender Anfängerfehlern von Berufsfußballern. Ich hatte damals aber nicht den Eindruck, dass er schon mit seinem Latein am Ende gewesen wäre und vermute noch immer andere Gründe, die zu seinem Rücktritt (oder doch seiner Entlassung?) führten. Leider wird uns auch zu diesem Thema im verlogenen Bundesligabusiness wohl keiner jemals die Wahrheit sagen.
Zunächst einmal verstand ich wieder einmal Huub Stevens nicht, dass er anstelle des gesperrten Martin Harnik Daniel Schwaab aufbot und somit der zuletzt gegen Bremen starken Offensive den Schwung nahm. Nicht nur, dass ein Klein im rechten Mittelfeld weit weniger Akzente setzen kann als Harnik, ist Schwaab für mich auch eines der vielen Probleme dieser “Mannschaft”, große Klappe, nix dahinter, im Zweifel halt mal das Publikum für seine eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich machen. Hlousek, ohne Worte, solide im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten. Und eben wieder Ulle, der uns diese Saison noch kein Spiel gewonnen hat. Beim 0:1 köpfte er den Ball nicht ins Aus und brauchte zu allem Überfluss noch eine gefühlte Ewigkeit, in seinen Kasten zurückzukehren, beim 1:2 hält ein guter Torwart den Ball auch mal fest, anstatt ihn abzuklatschen und wenn, dann ins Tor-Aus.
Natürlich könnte man bei den beiden Gegentoren mit Ulle gnädig sein und die Rolle Rüdigers hinterfragen, der für mich unverständlich, gleich auf Anhieb den soliden Timo Baumgartl verdrängt hat, aber, wenn ein Keeper in nahezu jedem Spiel patzt, dann reicht es einfach nicht. Konnte man zu jener Zeit, in der Lehmann zwischen den Pfosten stand, bei gegnerischen Standards in den Strafraum relaxt ein Bier holen gehen, verursachen diese, seit Ulle im Kasten steht, Herzrasen, weil er auf der Linie klebt, anstatt sich auch mal mannhaft ins Getümmel zu werfen. Hier muss man einfach das Gesamtpaket sehen und das ist bei Ulle ungenügend. Es reicht einfach nicht, ein VfB-Herz zu haben und der süße Sonnyboy zu sein, einen guten Torhüter brauchen wir und zwar so schnell wie möglich!
Mit etwas Recherche käme ich in dieser Saison gut und gerne auf 20 Gegentore, bei denen man über die Rolle Ulles sprechen könnte oder sogar muss. Mal klebt er auf der Linie, dann steht er wieder zu weit vor dem Kasten, zögert beim Herauslaufen und verliert die Hundertstel, die ihm am Ende fehlen. Außer René Deck und Raphael Schäfer fällt mir kein VfB-Torhüter der letzten Jahrzehnte ein, der schwächer als gewesen wäre als derzeit Ulle. Ihm fehlt fast alles, was einen guten Torhüter ausmacht. Sein Selbstvertrauen, das er in den eineinhalb Folgejahren nach seiner Ausbootung gegen Benfica Lissabon 2011 durchaus ausstrahlte, ist ihm gänzlich abhanden gekommen. Er wirkt wie ein Zappelphilipp, der dadurch seine Vorderleute eher verunsichert als dass er ihnen Sicherheit vermitteln würde. Bestechen andere Keeper im Eins gegen Eins durch Selbstsicherheit und verschaffen sich Respekt vor dem auf sie zulaufenden Stürmer, macht Ulle eher brav die Türe auf.
Gestern war dann zu beobachten, dass ein Adam Hlousek wohl lieber einen Elfmeterpfiff in Kauf nimmt, anstatt darauf zu vertrauen, die Hände wegzulassen, weil ja noch Ulle da ist. Beim Elfmeter selbst zelebriert manch ein Keeper ein wahres Theater, schnappt dem Schützen den Ball weg, hampelt auf der Linie herum oder sonst was, was den Schützen nervös machen und ihm suggerieren soll, dass „ich“ den Ball sowieso halte. Ulle dagegen steht regungslos in der Tormitte und lässt das Unheil einfach so über sich ergehen, null Ausstrahlung, nichts.
Unter der Woche sprach (endlich) auch die Stuttgarter Presse unser Torwartproblem offen an und wies darauf hin, dass Vlachodimos mit nunmehr 21 Jahren mit den Hufen scharrt und auf seine Chance lauert. Natürlich ist all das nicht förderlich, im Abstiegskampf auf ein am Boden liegendes Nervenbündel einzudreschen. Auf der anderen Seite aber hat man lange genug auf „Friede, Freude, Eierkuchen“ gemacht, waren die Ulle-Jünger lauter zu hören als seine Kritiker, so dass ein dauerhafter Torwartwechsel nie ein Thema war. Aus dem Abgang von Leno sollte man seine Lehren gezogen haben und den gleichen Fehler mit Vlachodimos nicht noch einmal machen. Schon damals hatte man den besseren Keeper ziehen lassen, um einen Sven Ulreich zu stärken und erst gar keine Konkurrenzsituation aufkommen zu lassen.
Ulle muss im Grunde dem Herrgott ewig danken, dass er seit nunmehr fünf Jahren im VfB-Strafraum herumirren darf. Schon als junger Keeper, als er zwischenzeitlich Raphael Schäfer auf die Bank verwies, überzeugte er nicht, so dass Veh auch damals zurückrudern musste. Dann holte man Jens Lehmann unter anderem mit dem Auftrag Lehrmeister für Ulle zu sein und versprach Ulle den Posten nach Lehmanns Karriereende. Eine Versprechung wohl ohne Bedingungen, bspw. der, den Leistungsstand Ulles zu gegebener Zeit zu überprüfen und dann zu entscheiden. Zu diesem Versprechen stand man (zu) viele Jahre. Ab 2011, als Bobic Sportdirektor wurde und als fast erste Amtshandlung meinen Lieblingstrainer der letzten Jahre, Christian Gross, der auch bereits mehr oder weniger lautstark einen anderen Torhüter forderte, entließ, „lebte“ Ulle dann von der Seilschaft seines Berater Schwab mit Fredi Bobic und der Leistungsgedanke wurde einmal mehr ad absurdum geführt.
Ich hoffe sehr, egal wie die Saison ausgehen wird, auf einen Wechsel auf dieser so wichtigen Position. Vlachodimos hat sich diese Chance verdient und wächst womöglich mit den Aufgaben. Was ich bei den Amateuren von ihm gesehen habe, hat mir gut gefallen. Er hat ein besseres Stellungsspiel, eine bessere Intuition, eine bessere Spieleröffnung und wirkt spielintelligenter als Ulle. Körperlich könnte er noch ein wenig zulegen für meinen Geschmack, was aber mit individuellen Trainingsplänen durchaus machbar erscheint.
Die gestrigen verlorenen Punkte lassen sich freilich nicht an Ulle festmachen. Wer sich eine 2:0-Halbzeitführung gegen einen Gegner, der offensichtlich überhaupt nicht auf dem Platz stand, so leichtfertig aus der Hand nehmen lässt, muss eine lange Ursachenforschung betreiben.
Das VfB-Spiel ist schon seit einigen Spielen ansehnlicher und vor allem besser geworden. Vor allem das Wissen, mit Daniel Ginczek wieder einen Zentrumsstürmer zu haben, der die aufgelegten Dinger auch rein macht, verleiht den Jungs (auf den Flügeln) Flügel. Die Spielanlage sieht inzwischen vielversprechend und nicht als die eines Abstiegskandidaten aus. Umso ärgerlicher, dass Huub mit Angsthasenfußball bspw. die Auswärtsspiele in Köln und Hoffenheim verschenkt hat, wo wir es doch alle wussten, dass das mit acht defensiv orientierten Spielern nicht gut gehen kann.
In der Halbzeit hätte man sich nicht vorstellen können, dass das Spiel noch kippen könnte, außer wohl Huub Stevens. Der meinte nämlich gegen eine Wand gesprochen zu haben, ohne deutlicher zu werden, wer seine Vorgaben denn nicht erfüllt hat. Augenscheinlich kam der VfB in der zweiten Halbzeit nicht mit dem Doppelwechsel der Freiburger und der daraus resultierenden Systemumstellung zurecht. Freiburg wurde auf einmal spielbestimmend, eröffnete dem VfB dadurch aber auch Räume für Konter, wovon Martin Harnik einen zum 3:0 hätte nutzen müssen. Als Mann der ersten Hälfte mit Torvorlage und Tor gegen seinen Lieblingsgegner Freiburg lief Harnik in der 54. Minute allein auf Bürki zu und hätte alles klar machen müssen, stattdessen verstolperte er die Kugel. Vier Zeigerumdrehungen später kam es dann zur oben erwähnten Szene, als Hlousek ungeschickt Schmid auflaufen lief und den Elfmeter provozierte. Freiburgs Winterneuzugang Petersen verwandelte mühelos. Da hatten wir es wieder, das uns so vertraute Zitterspiel. Gift natürlich für das Nervenkostüm einiger Memmen im Brustring-Trikot, aber natürlich harter Bundesligaalltag, dem es sich entgegen zu stemmen gilt. Ein Angriff nach dem anderen rollte nun auf das VfB-Tor zu, weil wir nur noch reagierten als selbst zu agieren und das Spiel wieder versuchen würden an uns zu reißen. Immer mal wieder gab es sanfte Konteransätze, mehr nicht. Just, als man selbst einmal wieder in der Nähe des Freiburger Tores war, gerade einmal acht Minuten nach dem Elfmeter, unterband Hlousek mit einem taktischen Foul den möglichen Konter der Freiburger und sah folgerichtig gelb-rot. Hlousek, dumm und dümmer. Ungeschickt und grobschlächtig oft sein Spiel, einfach dumm dieser Einsatz, wenn ich schon gelbverwarnt bin. Nach zuletzt Harnik und nun Serey Dié ist Hlousek nun also auf Schalke gesperrt. Eigentlich wäre sein Ausfall jetzt nicht die ganz große Schwächung, wenn eben nicht zu befürchten wäre, dass in Gelsenkirchen Gotoku Sakai an seiner Stelle mutmaßlich sein Unwesen treibt. Ob es Konstantin Rausch von den Amateuren direkt in die Startelf der Profis schafft, wage ich zu bezweifeln, auch wenn ich ihn gerner sähe als Sakai. Als Reaktion auf den Platzverweis brachte Stevens „meinen Freund“ Schwaab anstelle von Maxim, was ich auch nicht so recht nachvollziehen konnte. Dieser Wechsel signalisierte den Freiburgern doch auch nur, dass vom VfB offensiv fast nichts mehr zu erwarten sein würde und sich dieser demütig hinten reinzustellen gedenkt.
Zu zehnt war es dann eine Frage der Zeit, bis es wieder klingeln würde im Kasten. Der VfB hatte längst, auch zu elft schon, den Faden verloren und konnte den Schalter an diesem Tag offensichtlich und zu unserem Leidwesen nicht mehr umlegen. Es wurde nur noch versucht sich hinten zu verbarrikadieren anstatt für Entlastung zu sorgen. Das Tor fiel dann in der 85., wenn auch der Ball etwas glücklich zu Petersen gelangte. Auch danach war der VfB nur noch darauf bedacht, das Remis wenigstens noch zu halten, obwohl uns dieser Punkt nicht wirklich weiter hilft.
Beim Stande von 2:1 Didavi nach gerade auskurierter schwerster Verletzung zu bringen, konnte ich auch nicht nachvollziehen. Er kam für Kostic, der mit seiner Dynamik noch eher für Gefahrensituationen hätte sorgen können, als Dida, dem (noch) eher langsamen Typ ohne Spielpraxis. So sehr ich mich darüber gefreut habe, ihn überhaupt wieder auf dem Platz zu sehen, so wenig konnte ich den Zeitpunkt verstehen, zumal nach Kostic’ Auswechslung kaum mehr einer da war, der einen Standard hätte rausholen können, bei dem Didavis größte Stärken zum Tragen gekommen wären.
Auch hätte Stevens meiner Meinung nach Hlousek nach dessen verschuldetem Elfmeter herausnehmen müssen, da er durch seine rustikale und ungelenke Spielweise immer gelbgefährdet ist.
Und überhaupt muss man sich fragen, weshalb Stevens, wenn offensichtlich jemand in der Halbzeit nicht richtig zugehört hat, diesen Kandidaten nicht nach wenigen Minuten vom Feld genommen hat. Eine solche erzieherische Maßnahme hätte vielleicht auch noch einmal einen Schub gegeben und die Mannschaft zur Dominanz der ersten Halbzeit zurückkehren lassen, lange bevor das Kind mit dem Elfmeter in den Brunnen gefallen war.
Kapitän Christian Gentner sprach in die Mikrofone, er wisse nicht, „was er damit meint. Dass Freiburg zurückkommt, war klar”. Dieses Statement hinterlässt bei mir nur Fragezeichen. Vielleicht war es ja dann gerade der Kapitän, der nicht zugehört hatte. Auch Gentner gestern für mich wieder ein Spiegelbild seines Wirkens beim VfB. In der ersten Halbzeit, als es gelaufen ist, nett anzuschauen, in der zweiten gnadenlos mit untergegangen und weder mit fußballerischem Können noch mit seiner Körpersprache fähig die Wende zu verhindern. Wenn man Stevens gestern und heute genau zugehört hat, spricht aus ihm eine gewisse Ratlosigkeit, aber auch die Fassungslosigkeit welche Fehler eine Bundesligatruppe Woche für Woche auf den Platz zaubert. Es sieht fast so aus, als wäre er der Verzweiflung ganz nah. Meine Einlassungen bzgl. seiner erfolgten und nicht erfolgten Auswechslungen möchte ich nicht als genereller Kritik an ihm verstanden wissen, er ist für mich noch immer die ärmste Sau im Verein und muss das auslöffeln, was ihm unzählige Dilettanten in den letzten Jahren eingebrockt haben.
Der Klassenverbleib käme immer mehr einem Wunder gleich. Seit heute Nachmittag haben wir sie wieder, die rote Laterne, und das vier Spieltage vor Saisonende. Es gilt in diesen Spielen also noch mindestens zwei Clubs hinter uns zu lassen, was wir noch immer aus eigener Kraft schaffen können, wenn wir denn alle Spiele gewinnen würden. Je nachdem wie wenig die anderen punkten, könnten unter Umständen auch zwei Siege zum Klassenerhalt reichen. Nur, siegen, was ist das? Zwei davon haben wir in den letzten beiden Spielen fahrlässig her geschenkt, auch gegen Bremen ließ man ihn sich fast noch nehmen. In 30 Saisonspielen schafften wir gerade einmal 6 Siege, das heißt in jedem fünften Spiel einen. Bleiben wir also dieser Statistik treu, können wir wohl einpacken. Es muss also eine Steigerung her und seit gestern weiß man auch, dass man bei seiner Rechnung nicht unbedingt (nur) auf die Heimspiele bauen darf. Es muss von nun an im Grunde immer und überall gepunktet werden, am besten also auch nächsten Samstag in der Turnhalle auf Schalke. Schalke seit sechs Spielen ohne Sieg, der Hunter zudem seit 1187 Minuten ohne Treffer. Da kommt der VfB sicherlich recht, ein guter Aufbaugegner waren wir schon immer. Eher düstere Aussichten also und nicht viel, was noch Hoffnung macht. Die Konkurrenz bekleckert sich zwar auch nicht mit Ruhm oder legt furchteinflößende Serien hin, aber, der VfB stellt sich eben noch dümmer an und gewinnt seine eigenen Spiele nicht, so dass die rote Laterne die einzig richtige Konsequenz ist.

Hier noch ein Buchtipp in eigener Sache, seit Freitag, dem 24.04. ist das Werk versandkostenfrei bestellbar: http://www.eysoldt-verlag.de/epages/64781030.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/64781030/Products/978-3-938153-00-0

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
13. April 2015

Martin Harnik, der personifizierte Wahnsinn

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 19:10

Er ist zwar nicht unbedingt der „Man oft the Match“, vereinigt aber alle Facetten dieses Wahnsinns-Spiels in sich. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Werder Bremen versemmelt Harnik binnen zwei Minuten zwei Hochkaräter, wobei vor allem der zweite in kaum einem Saisonrückblick fehlen dürfte. Hatte er die Situation bereits abgehakt, weil das ein sicheres Tor war oder ist es doch der riesen Druck, der auf den Jungs lastet, der die Beine lähmt und einfachste Dinge nicht mehr gelingen lässt? Unglaublich, denkt sich der neutrale Beobachter, unfassbar der Fan auf der Tribüne. Sind es doch genau solche Dinger, die am Ende über Erst- oder Zweitklassigkeit entscheiden (können).
Es ist zweifellos menschlich, dass auf der Tribüne gemurrt oder auf gut schwäbisch gebruddelt und mehr oder weniger vehement Harniks Auswechslung gefordert wurde, auf der anderen Seite aber auch wieder kontraproduktiv, da die Jungs die volle Unterstützung brauchen und nicht noch zusätzliche Nervosität von außen aufs Feld hinein gebracht werden sollte. Da sollte sich der Fan in der Kurve und auf der Tribüne hinterfragen, wobei ich mich natürlich auch an die eigene Nase fasse. Ich pfeife zwar nie während des Spiels unsere eigenen Spieler aus, aber, beim einen oder anderen unfassbaren Fauxpas platzt es eben auch aus mir heraus. Thomas Hitzlsperger hat bei Sport im Dritten plausibel erklärt, wie er die Stimmung und teilweise auch Missstimmung auf der Haupttribüne erlebt hat und wie diese auf die Spieler wirkt. Auch Harnik gab hinterher zum Besten, dass er diese Unruhe von außen mitbekommen hat und sie ihm nicht unbedingt geholfen hat, er wirkte schon ein wenig enttäuscht über den eigenen Anhang, was ich ihm nicht einmal verdenke.
Der Spieler selbst wäre nach seiner vergebenen Hundertprozentigen am liebsten im Erdboden versunken. Dass er sich nur wenige Sekunden später dennoch schon wieder zu einer Sahneaktion aufschwingen konnte, fand ich dabei schon sehr bemerkenswert und zeugt von einer intakten Einstellung. Er erlief durch seine Schnelligkeit einen langen Ball von Gentner und kam vor dem Werder-Keeper Wolf an das Spielgerät, flankte punktgenau in die Mitte, wo unser Mittelstürmer Daniel Ginczek nur noch einzunicken brauchte. Harnik, zwischen Genie und Wahnsinn! Das sind die Aktionen, wo er uns hilft und für die Mannschaft so wertvoll sein kann. Knapp eine Viertelstunde später zeigte er dann wieder sein anderes Gesicht. Erst wegen Meckerns verwarnt worden, um dann nach einem leichten Ballverlust übermotiviert zu versuchen, die Kugel zurückzuerobern. Er kam zu spät und sah zu Recht die zweite gelbe Karte. Auch diese Aktion sinnbildlich für das Spiel Harniks und die Ungeduld des eigenen Anhangs. Nach Fehlpass Harniks ließen die Reaktionen aus dem Publikum nicht lange auf sich, so dass er reichlich ungestüm versuchte seinen Fehler wieder auszubügeln. Auch wenn man von einem Bundesligaspieler erwartet, Nebengeräusche ausblenden zu können, muss man es Martin Harnik zugestehen, dass er, nach dieser Berg- und Talfahrt voller Adrenalin, auf Teufel komm raus den Ball zurückerobern wollte, was in dieser Situation nahe des gegnerischen Strafraums absolut unnötig war.
Er flog also und gestand hinterher ein, nach dem 2:2 der Bremer den Tränen nahe gewesen zu sein. Diese zwei verlorenen Punkte hätte man zu einem Großteil ihm zugeschrieben, da er auf dem Papier der Mannschaft geschadet hatte, wo er doch nur alles für den gemeinsamen Erfolg tun wollte. Auch und gerade wegen seiner Direktheit mag ich Harnik, auch wenn er einen manchmal ganz schön zur Weißglut treiben kann. Er ist aber etwas, das uns sonst fast völlig abgeht, ein Typ nämlich!
Dass dies Alles heute kein großes Thema mehr ist, haben wir Serey Dié’s Dynamik in der Nachspielzeit zu verdanken. Er zog nach über 90 kraftraubenden Minuten noch einmal einen Sprint durchs Mittelfeld an, passte in die Gasse auf Daniel Ginczek, der, nach feiner Ballannahme auf Wolf zustürmte und im Stile eines Klassestürmers zum 3:2 vollendete. Ein Tor wie ein, Entschuldigung, Orgasmus, eine Befreiung sondergleichen. Danach ein Lärmpegel im Stadion, wie man ihn in letzter Zeit nur noch selten hatte, es brach so viel aus einem heraus, das sich in schier endlos schlechten, emotions- und erfolglosen Spielen aufgestaut hatte. Ein Klassetor, das sah richtig nach Spielkultur aus und macht Hoffnung für die kommenden Aufgaben. Wenngleich es nach wie vor zu einfach ist, Tore gegen uns zu erzielen, momentan sind wir wenigstens wieder in der Lage zurückschlagen zu können. Gut, dass wir die Gegentore aufgrund des Sieges nicht aufdröseln und allzu barsch kritisieren müssen, bei beiden sah die Abwehr und auch Sven Ulreich, der bei einem Eckball an den Fünfmeterraum auch mal rauskommen darf, nicht gut aus.
Gerade Daniel Ginczek scheint sich in der Endphase noch zu einem echten Faustpfand aufzuschwingen und es allen Zweiflern zu zeigen, weshalb man diesen schwer verletzten Jungen im Sommer geholt hat. Ich persönlich war immer von ihm überzeugt. Er ist einer, dessen Qualitäten mir schon bei einigen Besuchen zu seiner Zeit am Millerntor ins Auge gestochen sind und von dem ich weiß, dass er ein charakterlich einwandfreier, mitten im Leben stehender Junge ist. Typ Familienvater, die schon Otto Rehhagel in seinen Glanzzeiten am meisten schätzte. Für ihn freut es mich ganz besonders, dass er jetzt zu explodieren scheint. Zweiter Doppelpack in einem Heimspiel in Folge und, was noch viel wichtiger ist, seine Tore brachten zwei Heimsiege ein, so dass uns vor den nächsten Aufgaben nicht bange sein muss. Das Restprogramm ist nach wie vor machbar, vor allem, wenn wir das Neckarstadion für den Rest der Saison zur uneinnehmbaren Festung werden lassen. Die nächsten Heimgegner Freiburg, Mainz und HSV verbreiten nicht schon im Vorfeld Angst und Schrecken, so dass die Jungs mit breiter Brust in die Spiele gehen können und sie hoffentlich gewinnen werden. Wir sind schließlich der VfB.
Auch in Augsburg rechne ich mir durchaus etwas aus. Die Fuggerstädter schwächeln derzeit vor allem auswärts und haben jüngst sogar dem SC Paderborn den ersten Rückrundensieg ermöglicht. Zu Hause zeigen sie jedoch ein anderes Gesicht, höchst aggressiv und äußerst schwer zu bespielen. Dort wird um jeden Millimeter Boden gekämpft. Der VfB muss den Kampf annehmen und darf sich nicht den Schneid abkaufen lassen. Von der Qualität her, ja, jetzt fange ich auch noch damit an, brauchen wir uns vor den Augsburgern sicherlich nicht zu verstecken. Sie haben jedoch das bessere Kollektiv, einer schuftet für den Anderen und sie sind gut organisiert. Wenn wir spielerisch an die guten Anfangsphasen der letzten Auswärtsspiele, bei hochkarätigeren Gegnern, anknüpfen und diese Linie über 90 Minuten schaffen beizubehalten, ist dort sogar ein Auswärtsdreier drin.
In den letzten Jahren gab es in Augsburg stets alkoholfreies Bier im Gästeblock, so dass ich annehme, dass es dieses Jahr nicht anders sein dürfte. Da wird das „Schwabenduell“ zum Derby hochstilisiert, welches es für uns überhaupt nicht ist. Daher strikte Fantrennung, alkoholfreies Bier und auch sonst nicht gerade ein freundlicher Umgang mit den „Gästen“. Diese ganzen Umstände inspirierten mich dazu, meine Karten direkt über den FCA zu bestellen. Haupttribüne, Reihe 1, ähnlich wie in Leverkusen, erwarte ich mir dabei eine gute Beinfreiheit und auf der Werbebande Platz um mein (Voll-)Bier abzustellen. Dazu kommt eine herausragend gute Perspektive, um unseren Fanblock abzulichten, was will man mehr.
Bevor hier Missverständnisse entstehen, natürlich halte ich es auch zwei Stunden lang ohne ein Bier aus, bei Heimspielen vor allem trinke ich eher selten ein Bier, allein schon deshalb weil mich die langen Schlangen in der Halbzeit abschrecken, aber, es geht mir hier ums Prinzip, um die Freiheit, die mir genommen wird, für mich zu entscheiden, ob ich ein Bier trinken möchte oder nicht.
Einfach wird es in Augsburg sicherlich nicht, zudem ist jetzt, auch das sage ich in vollem Ernst, leider Martin Harnik gesperrt. Auch wenn er zwischen Genie und Wahnsinn wandelt, wie wertvoll er für die Mannschaft sein kann, hat er schon oft eindrucksvoll bewiesen.
So geil sich dieser gestrige Sieg noch immer anfühlt, so wenig gewonnen ist bisher bei nüchterner Betrachtung der Tabellenlage. Wir haben im 14. Heimspiel den dritten Sieg errungen, was einer Erfolgsquote von knapp 21,5% entspricht. Um den Klassenerhalt zu schaffen, sind jedoch noch drei weitere Heimsiege aus den verbleibenden drei Heimspielen dringend notwendig, also eine 100%ige Erfolgsquote, die in Anbetracht der Statistik fast utopisch anmutet. Dennoch macht es Hoffnung, dass wir die letzten beiden Heimspiele mit jeweils drei geschossenen Toren siegreich gestalten konnten und dass wir endlich wieder einen Mittelstürmer haben, der weiß, wo das Tor steht. Vor einigen Wochen noch lehnte sich Daniel Ginczek, der heute seinen 24. Geburtstag feiert, Glückwunsch dazu, weit aus dem Fenster und versprach die zum Klassenerhalt notwendigen Tore noch beizusteuern. Es mag bei dieser vollmundigen Ankündigung eine Rolle gespielt haben, sich selbst in Position zu bringen und Stevens beeinflussen zu wollen, ihm (weiterhin) den Vorzug vor Vedad Ibisevic zu geben. Aber, es spricht auch für sein Selbstvertrauen und das zurückgekehrte Vertrauen in seinen Körper nach seiner schweren Kreuzbandverletzung. In den Spieltags-Nachbetrachtungen gestern hörte ich unter anderem, dass es der HSV einzig der Schwere der Verletzung Ginczeks zu verdanken hatte, letzte Saison überhaupt drin geblieben zu sein, denn, hätte Ginczek sich nicht verletzt und Tore zum Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg in der letzten Saison beisteuern können, wäre die Bundesligauhr wohl schon im Vorjahr abmontiert worden. So könnte er es im zweiten Anlauf schaffen, den Dino dorthin zu schießen, worauf die Stellinger seit Jahren hin arbeiten, nämlich in die 2. Liga.
Dies möchte ich jetzt nicht als Häme verstanden wissen. Mir ist hier nur das Hemd näher als die Hose, sprich, es wäre mir vollkommen egal, wen es denn erwischt, die Hauptsache ist die, dass wir selbst dem Abstieg ein weiteres Mal von der Schippe springen.
Sollte dieser Fall eintreten und der HSV den verdienten Abstieg ernten, sollte dies von der VfB-Führung als allerletztes Warnsignal verstanden werden, dass es eben doch nicht immer gut geht.
Ich selbst bin auf den Abstieg vorbereitet und versuche ihn mir auch selbst seit geraumer Zeit schön zu reden. Fast ausnahmslos reizvolle Auswärtsspiele, die Zeichen stünden auf Aufbruch, ein „Weiter so“ würde es in der 2. Liga definitiv nicht geben. Vielleicht hätte man ja sogar ein glückliches Händchen bei der Kaderzusammenstellung, bekäme eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammen und wir dürften mal wieder konstant attraktive Spiele erleben und würden in der Tabelle oben mitspielen. Selbstredend wären die Auswärtsspiele die wahren Highlights, an ein Montag-Abend-Spiel im Dezember bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gegen den FSV Frankfurt vor etwas mehr als 10.000 Zuschauern möchte ich jetzt noch nicht denken.
Die große Angst, sollten wir es wieder „gerade so“ schaffen, ist doch die, dass es dann auch im nächsten Jahr genauso weiter gehen wird und es uns dann eben, wie möglicherweise jetzt den HSV, ein Jahr später erwischen würde. Dann doch lieber jetzt den Stecker ziehen als weiter so dahin zu siechen. Verstünde der Verein diese Saison jedoch als allerletzten Schuss vor den Bug und würde sich ab Abpfiff dieser Bundesligasaison neu erfinden und den Kader rigoros ausmisten und dabei tunlichst vor vermeintlichen Ikonen nicht Halt machen, sähe ich durchaus auch Chancen, den VfB ohne Abstieg rundzuerneuern. Dies müsste aber auf allen Ebenen geschehen, in Aufsichtsrat, Vorstand, Trainerstab und Mannschaft, wobei bzgl. des Trainerstabs weniger Huub Stevens anspreche als z. B. einen Torwarttrainer Andi Menger unter dessen Ägide sich Ulreich und Kirschbaum nicht weiter entwickelt haben, ein Bernd Leno verkauft wurde und der eine oder andere Hoffnungsträger bei der zweiten Mannschaft versauert. Einen Neubeginn mit Huub Stevens halte ich dagegen für denkbar, sollte eine ganz große Lösung wie beispielsweise die mit Thomas Tuchel nicht realisierbar sein. Stevens weiß, was zu tun sein würde und geht inzwischen auch mehr und mehr in der Aufgabe hier auf und identifiziert sich vor allem auch damit.
Aufgrund des finanziellen Fiaskos, das im Falle des Abstiegs droht, hoffe ich nach wie vor darauf, dass wir es noch schaffen und sehe die Chancen mittlerweile bei mindestens 50 Prozent, einfach weil das Selbstvertrauen zurückgekehrt ist, das Spiel, wie gegen Bremen gesehen, nach dem ersten Gegentor nicht quasi schon verloren ist und weil wir auf dem Papier ein machbares Restprogramm haben. Der Auftritt gegen Bremen machte Mut, auch, weil es über weite Strecken ein gutes Spiel vom VfB war und man den Sieg zum Schluss, mit zehn Mann, erzwungen hat. Ob Martin Harnik oder Serey Dié, der das erste Gegentor mit einem haarsträubenden Fehlpass einleitete, beide zeigten eine Reaktion und ließen sich nicht hängen. Auch das eine Charaktereigenschaft, die Mut macht für die restlichen Spiele, während des Spiels den Schalter umlegen und Fehler abhaken zu können.
Dass am Ende mehr als der Relegationsplatz herausspringen könnte ist derzeit unwahrscheinlich. Außer Hannover 96 punkten alle über dem Strich mehr oder weniger regelmäßig, so dass, Stand heute, von keinem der theoretisch noch gefährdeten Teams noch ein großer Einbruch zu erwarten ist und man demnach darauf hoffen muss, dass wenigstens Hannover weiterhin erfolglos seinem ersten Rückrundensieg hinterherjagt.
So müssen wir uns wohl oder übel mit der Relegation anfreunden, einer Entscheidung, die es nach meinem dafürhalten überhaupt nicht geben sollte. Es sind Spiele, in denen so ungeheuerlich viel Brisanz steckt, dass sie keinem den Beteiligten wirklichen Spaß bereiten. Auch hier stehen wieder, wie überall im sogenannten modernen Fußball, die kommerziellen Interessen über denen der Vereine, der Fans und auch über Sicherheitsaspekten.
Einen Vorgeschmack, was drohen könnte, bot vor einigen Jahren das Relegationsduell zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin, wo sich vor allem die Berliner negativ hervortaten. Es standen in den letzten Jahren aber noch weitaus brisantere Begegnungen für die Relegation im Raum: Ob St. Pauli-HSV, Düsseldorf-Köln, Nürnberg-Fürth oder aktuell VfB-KSC. Alles Duelle zwischen Fan-Lagern, die sich bis aufs Blut hassen und wo demzufolge das Schlimmste zu befürchten wäre, wenn es denn dazu käme. Wer die Vorkommnisse 2009 rund um das Wildparkstadion miterlebt hat und verfolgt, wie sich die gegenseitige Abneigung trotz unterschiedlicher Ligazugehörigkeit in den letzten Jahren immer weiter hochgeschaukelt hat, muss bei einem Relegationsspiel VfB-KSC als weitere Steigerung befürchten, dass erstmals Tote zu beklagen sein könnten. Da die Sicherheit vor allem im Wildpark kaum zu gewährleisten ist, erwägt Innenminister Gall im Falle eines Falles gar eine Verlegung des KSC-„Heimspiels“ an einen anderen Spielort.
So weit sind wir zum Glück noch nicht, noch sind weder wir 16. und auch der KSC ist noch nicht Dritter der 2. Liga. Es kommt wie es kommt, im schlimmsten Fall auch zu diesem Spiel. Dennoch sollte es die DFL in Erwägung ziehen, die Relegation wieder abzuschaffen. Wer am 34. Spieltag auf dem 16. Tabellenplatz der Bundesliga steht, hat es verdient abzusteigen, genauso wie der Dritte der 2. Liga den Aufstieg verdient hätte. Dass es der HSV in der letzten Saison mit kläglichen 27 Punkten geschafft hat, die Klasse zu erhalten, hat mit „verdientem Lohn“ so viel zu tun, wie der VfB derzeit mit der Champions League.
Dies ein kleiner Exkurs und allenfalls Zukunftsmusik. Der VfB tut gut daran, weiterhin von Spiel zu Spiel zu denken und Step by Step die nötigen Punkte einzufahren, wir werden sehen, was dabei herauskommt und wie verrückt die Ergebnisse der Konkurrenz ausfallen werden. Noch haben wir die Konstellation, dass die halbe Liga um die internationalen Plätze kämpft und die andere Hälfte gegen den Abstieg. Ein echtes Niemandsland der Tabelle gibt es noch nicht. Wir müssen aber darauf gefasst sein, dass gegen Ende der Saison Ergebnisse produziert werden, die man nicht für möglich halten würde, wenn es für die eine oder andere Mannschaft um nichts mehr geht. Daher nützt es auch nichts, auf Patzer der Konkurrenz zu hoffen, wir müssen unsere Punkte selber holen und damit auch die theoretischen Zweifel beseitigen. Noch hätten wir die Möglichkeit, die Saison mit 44 Punkten abzuschließen, was natürlich relativ unwahrscheinlich ist, diese würden aber hundertprozentig reichen, egal, was die Konkurrenz macht. Also, weiter positiv denken, es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass wir die letzten sieben Spiele gewännen. ;-)

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
5. April 2015

Wölfe eine Nummer zu groß für den VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , – Franky @ 13:41

Bilder aus Wolfsburg jetzt online. Es war die erwartete Niederlage bei einem Gegner, der eben auch wirklich auf JEDER Position zwei Klassen besser besetzt ist. Dennoch wäre etwas drin gewesen, wenn man in der zweiten Halbzeit genauso engagiert und konzentriert zu Werke gegangen wäre wie in Halbzeit eins. So aber überließ man den bissigen Wölfen die Initiative und die Tore fielen fast zwangsläufig. Diese Niederlage und auch der zeitgleiche Sieg der Freiburger gegen Köln darf uns nicht umwerfen. Nächste Woche verliert Freiburg in Schalke und wir müssen Bremen schlagen, dann ist der alte Abstand wieder hergestellt. Und überhaupt, die Heimspiele müssen jetzt einfach vollends gewonnen werden. Es sind immer wieder Ansätze da, die hoffen lassen, leider (bisher) nur phasenweise und nicht über 90 Minuten. Hoffen wir, dass wir den Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen können und im Sommer der Kader gnadenlos ausgemistet wird. Abgesehen davon, dass wir schon noch einige andere Rumpelfußballer in unseren Reihen und damit bei weitem mehr Probleme haben als „nur“ unsere vermeintlichen Ikonen, im Sommer müssen Leute wie Gentner und Ulreich hinterfragt und am besten ausgetauscht werden.
Gentner, ein Alibifußballer par excellance, auch gestern wieder, blinde Bälle ins Nichts, Ballverluste ohne Ende, weil er weder mit Auge noch mit Köpfchen spielt, sondern als „Führungsspieler“ nur eines im Sinn hat, den Ball so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Das seine einzige Intension, ob der Ball in unseren Reihen bleibt, ist da erst einmal zweitrangig.
Ulle, gut, ob er am zweiten Tor schuld ist oder nicht, von meiner Perspektive hinter dem Tor sah es so aus, zumal ich der Ansicht bin, dass ein Torwart weniger spekulieren und den Ball haben sollte, wenn er denn nicht abgefälscht wird. Aber gut, da gehen die Meinungen auseinander, vielleicht war es auch im TV besser zu sehen, ich schau es mir nachher erst noch einmal an. Aber, und jetzt kommt das große ABER. Fußballerisch und Antizipation nach wie vor eine Katastrophe. Was bei uns Bälle durch den Strafraum segeln und er nicht im Traum auf die Idee kommt, mal einen abzufangen! Wenn jeder Ball, den er nach vorne schlägt, im Aus oder beim Gegner landet, dann tut es mir Leid, das ist nicht bundesligatauglich. Gerade in Zeiten des modernen Fußballs, wo es in erster Linie um Balleroberung und schnelles Umschalten geht, sind unsere beiden vermeintlichen Führungsspieler maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir unzählige Ballverluste oder, wie bei den nicht abgefangenen Flanken, mögliche Balleroberungen nicht erfolgen und wir dadurch ständig am Hinterherrennen sind. Wer Ulles Leistung ausschließlich an zwei, drei gehaltenen Bällen, die noch fast auf den Mann kamen, bewertet, sieht das Gesamtkonstrukt nicht. Jens Lehmann würde vermutlich auch mit 45 Jahren noch eine viel bessere Figur machen, als es Ulle macht. In den zwei Jahren, wo er hier war, musste man sich bei keinem einzigen Eckball oder Freistoß aus dem Halbfeld Sorgen machen, weil er eben Herrscher über seinen Strafraum war, was man von Ulle nicht behaupten kann. Auch gestern war wieder zu sehen, dass der Keeper auf der anderen Seite größere Präsenz ausgestrahlt hat.
Das ist aber Zukunftsmusik und hilft uns jetzt nicht weiter. Ich werde aber trotzdem nicht müde, diese Herren zu kritisieren, nicht dass im Sommer wieder einmal politisch gedacht wird und man sich davor scheut, vermeintliche Publikumslieblinge auszusortieren, weil man Fanproteste befürchtet. An der Stelle muss einfach klar werden, dass es hier zwei Lager gibt, die sich inzwischen zumindest die Waage halten dürften.
Ich bin nach wie vor guter Dinge, dass es klappen kann mit dem, auch direkten, Klassenerhalt, auch wenn die Spiele immer weniger werden und der Druck zunimmt. Bis auf das Spiel auf Schalke haben wir ausschließlich Gegner vor der Brust, die wir schlagen können. Einfach wird es sicherlich nicht, auch nicht am Sonntag gegen Bremen, die eine starke Rückrunde spielen. Aber, es ist ein Heimspiel, das letzte Spiel des Spieltags und möglicherweise die große Möglichkeit mit einem Heimsieg an Hamburg und Paderborn vorbeizuziehen. Wenn das nicht Ansporn genug ist?!

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
23. März 2015

Kleiner Schritt (zum großen Glück?)

Sieg! Ein Heimsieg sogar! Auch am Sonntagmorgen muss man sich fast noch kneifen, auch am Sonntagmorgen möchte, obwohl angemessen verkatert, das Grinsen nicht aus dem Gesicht weichen. Man hatte ja schließlich fast schon vergessen, wie sich ein Sieg anfühlt und welche Gefühle er freizusetzen vermag.
Die beste Erkenntnis des Tages: die Mannschaft kann doch noch gewinnen. Der erste Sieg seit drei Monaten (1:0 in Hamburg), der erste Heimsieg seit einem halben Jahr (1:0 gegen Hannover 96). Der VfB hat in einem Spiel drei Tore geschossen und drei Punkte eingefahren, wo doch in den zwölf (!) vorigen Heimspielen gerade einmal sechs Punkte und sechs Tore gelangen.
Komischerweise hatte ich seit dem 4:2 des 1. FC Köln gegen die Eintracht vor zwei Wochen, das uns als VfB eigentlich relativ wenig tangierte, das gute Gefühl, dass auch wir gegen diesen Gegner unsere Torflaute beheben werden könnten, einfach aus dem Grund, weil sich die Kölner zu Hause für gewöhnlich ähnlich dämlich anstellen wie die Brustringträger. Die Hessen, einfach der richtige Gegner zur richtigen Zeit.
Dazu kam, dass die Mannschaft wusste, dass sie die Eintracht bezwingen kann, erinnerte man sich doch nur allzu gern an das famose 5:4 aus der Hinrunde zurück. Martin Harnik hatte seine Rotsperre abgesessen. Ein Spieler, bei dem ich hin und wieder verzweifle, wenn er Bälle überhastet verstolpert, einfachste Pässe ins Nirwana spielt und stets den falschen Laufweg wählt. Der aber auch schon gezeigt hat, dass er es anders, nämlich besser, kann, torgefährlich ist und sich vor allem nie hängen lässt. Deshalb mag ich ihn, deshalb begrüßte ich seine Zweispiele-Sperre, eine Pause, die ihm gegönnt sein sollte und die er hoffentlich dafür genutzt hatte, sein System herunterzufahren und Kräfte für das Saisonfinale zu sammeln. In ihn, der im Hinspiel zwei Mal erfolgreich war, setzte ich große Hoffnungen in dieses Spiel. Das derzeit absurde ist doch auch, dass man die Spieler verflucht, sie auf die Bank oder Tribüne wünscht, und, nachdem sein(e) Vertreter es dann ebenfalls nicht besser gemacht hatte(n), in ihm bzw. ihnen wiederum den/die Hoffnungsträger für das nächste Spiel sieht. Was bleibt einem auch anderes übrig, wir haben eben nur diese Spieler und müssen mit ihnen über die Runden gekommen, abgesehen von den Youngstern, die aus der Jugend und von den Amateuren nach oben drängen. War es zuletzt Jerome Kiesewetter so stand gegen die Eintracht Marvin Wanitzek kurz vor seinem Bundesliga-Debüt.
Moritz Leitner hingegen blieb nach seiner Gelb-Sperre nur der Platz auf der Tribüne. Unter der Woche war bekannt geworden, dass Leitner nach Ablauf der Leihe im Sommer definitiv zu Borussia Dortmund zurückkehren würde, alles andere wäre ehrlich gesagt im Schwabenland auch nicht vermittelbar gewesen. Leitner hat nicht nur sportlich nicht überzeugt, menschlich ist er ein Riesen-A.., das noch nichts erreicht hat, aber meint, er wäre es. Ein Spieler, dem durchaus großes Talent in die Wiege gelegt wurde, der aber den Ernst des (Fußballer-)Lebens, mit all seinen Facetten, seinen Pflichten auf und außerhalb des Platzes nicht begriffen hat, und bei dem ich mir sicher bin, dass er im „normalen“ Leben mit den „Hey Alder, voll krass Typen“ auf der Straße abhängen und kein Bein auf den Boden bekommen würde. Als Profi ist er vermeintlich privilegiert und lässt das Fans und Medien gegenüber auch heraushängen.
Gegen eine zweijährige Leihe, bei einem möglichen Jahrhundertfußballer auch mal ohne Kaufoption, spricht ja an und für sich nichts. Leverkusen bekommt mit Christoph Kramer einen fertigen Spieler zurück, auch von der Leihe von Kevin de Bruyne von Chelsea nach Bremen haben alle Seiten profitiert, aber, man muss sich dennoch vorher mit dem Spieler beschäftigen. Hole ich ein Problemkind wie Moritz Leitner, dann muss ich mir im Klaren darüber sein, dass ich mich um ihn möglicherweise mehr kümmern und ihn ein Stück weit auch noch erziehen muss, als es bei stärkeren Charakteren notwendig wäre. Nicht umsonst bootete ihn Rainer Adrion vor der U21-EM in Israel wegen Charakterschwäche aus, gerade bei Adrion, beim VfB ja kein Unbekannter, hätten sich Bobic und Labbadia über Leitner erkundigen und ihre Schlüsse ziehen können. So aber sah man wieder einmal nur, dass er ein feines Füßchen besitzt ohne zu hinterfragen, ob das Köpfchen genau so fein ist. Bobic tätigte seine Transfers am liebsten per Telefon und Mail aus New York City, Labbadia war bekannt dafür, dass er wenig mit den Jungs, vor allem denen, die nicht zum Führungskreis gehörten, sprach, von daher eine Konstellation, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Um diesem Jungen den richtigen Weg aufzuzeigen, hätte es eines Trainers vom Schlag eines Otto Rehhagels bedurft, der den Jungen an die Hand genommen hätte und wohl seine Ehefrau Beate noch eingebunden hätte, ihn zu bekochen und ihm Manieren beizubringen. So aber waren es für alle Beteiligten zwei verlorene Jahre. Der VfB profitierte nicht, der Spieler nicht und auch Borussia Dortmund dürfte wenig Freude an ihm haben, wenn er zurückkommt und ihn wohl sofort weiter reichen.
Leitner ist auf jeden Fall kein Spieler, auf den wir im Abstiegskampf noch bauen können, so dass ich hoffe, dass er seine Abschiedsvorstellung im VfB-Trikot vor zwei Wochen gegen Hertha BSC gegeben hat. Da soll Huub Stevens lieber an seiner Linie vom Samstag festhalten und dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben und damit den Jungs, bei denen man weiß, dass sie sich zerreißen werden, um auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen.
Außer Harnik rückten im Vergleich zum Leverkusen-Spiel auch wieder Hlousek für den völlig indisponierten Sakai und Baumgartl für Daniel Schwaab in die Anfangsformation.
Der VfB legte einen sehr nervösen Start hin. Woche für Woche hofft man darauf, dass die Jungs alles daran setzen, den Bock umzustoßen und dies vor allem mit Köpfchen versuchen, um dann umgehend feststellen zu müssen, wie es um ihr Nervenkostüm weiterhin bestellt ist. Wieder sah man von Beginn an elf Nervenbündel auf dem Platz, die froh waren, unfallfrei geradeaus laufen zu können, fast alles andere misslang. Fehlpass reihte sich an Fehlpass, fast jeder Zweikampf ging verloren, Spielkultur Fehlanzeige. Bereits nach zwei Minuten der erste Schreckmoment. Lastete ich es Florian Klein noch in Leverkusen nicht an, dass er Schwaab im Strafraum anschoss, da dieser ohnehin immer nur im Weg herumsteht, war es gegen die Eintracht äußerst fahrlässig von ihm, in ähnlicher Situation Inui anzuschießen. Der Ball flog zum Glück knapp über die Latte. Es wäre erneut Slapstick zur Unzeit gewesen! Dies war der Auftakt einer unterirdischen ersten Halbzeit, die alles vermissen ließ, was notwendig gewesen, um die Wende herbeizuführen. Mit dem 0:0 waren wir sehr gut bedient und konnten uns bei der Frankfurter Eintracht bedanken, dass das Spiel noch nicht entschieden war. Keine einzige ernsthafte Torannäherung in 45 Minuten und das in einem wahren Alles-Oder-Nichts-Spiel, einfach nur erbärmlich.
Wer sich diesen katastrophalen Auftritt schön trinken wollte, hatte Pech gehabt, zumindest wenn er das Spiel von der Cannstatter Kurve aus verfolgte. Als Konsequenz der Vorfälle rund ums Hertha-Spiel wurde in der Cannstatter Kurve kein Alkohol ausgeschenkt, außerdem trat die Polizei uns „normalen“ Stadionbesuchern behelmt und in (Nah-)Kampfausrüstung entgegen, betonte aber, damit nicht provozieren zu wollen. Beides ein Witz, anstatt sich an ihre eigene Nase zu fassen, Selbstkritik zu üben, wie es überhaupt zu dieser Eskalation kommen konnte, wird es sich einfach gemacht und es werden pauschal 20.000 Zuschauer in der Kurve als potentielle Gewalttäter abgestempelt. Sinnloser Aktionismus, sinnlose Muskelspiele von VfB und der Obrigkeit.
Das Bier gehört schon seitjeher zu einem Fußballspiel wie die Stadionwurst und der Ball, so dass mir jedes Mal das Verständnis dafür fehlt, wenn bestimmte Zuschauergruppen dieses vollkommenen Fußball-Erlebnisses beraubt werden. Was mich am meisten daran stört, ist, dass es stets nur einzelne Gruppen sind, denen man damit unterstellt potentiell gewalttätig zu sein und mit dem Bierkonsum nicht umgehen zu können. Oft sind es lediglich die Auswärtsfans oder wie hier eine ganze Fankurve, die von solchen Restriktionen betroffen sind. In wieweit ein solches an Willkür und Bevormundung grenzendes Verbot überhaupt mit dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) vereinbar ist oder ob man sich diskriminiert fühlen darf und gegen solche (Teil-)Verbote klagen könnte, vermag ich, da kein Jurist, nicht zu beurteilen. Vielleicht fällt eine solche Maßnahme auch unter das Hausrecht des Veranstalters, interessant wäre es schon mal, dies genauer zu hinterfragen.
Wenn schon ein Alkoholverbot verhängt wird, dann bitte doch im gesamten Stadion einschließlich der V.I.P.-Bereiche, in denen der edle Hopfen selbst ausgeschenkt wird, wenn, wie bei internationalen Spielen Usus, generelles Alkoholverbot herrscht.
Aber, ich schweife schon wieder ab, ich merke das gerade daran, dass ich im Zusammenhang mit dem VfB auf internationale Spiele zu sprechen komme.
Personell unverändert ging es in die zweite Halbzeit. Trainer Schaaf erinnerte seine Mannen bei seiner Halbzeitansprache wohl daran, wie einfach es derzeit ist, gegen den VfB Tore zu schießen. Oczipka überlief mühelos Serey Dié, drang in den Strafraum ein und legte quer. Sage und schreibe drei (!) Frankfurter standen frei, Seferovic schließlich drosch die Kugel zum 0:1 in die Maschen. Es sind Gegentore wie dieses, die einen in dieser Zeit verzweifeln lassen. Oftmals genügt ein einziger Pass, ein einziger verlorener Zweikampf um den Mannschaftsteil namens Abwehr zu einem Torso werden zu lassen. Tore schießen leicht gemacht!
Huub Stevens zog die richtige Konsequenz und nahm Serey Dié gegen Romeu heraus. Der sonst gute Serey Dié, zum einen an diesem Tag völlig indisponiert, war zu diesem Zeitpunkt bereits stark gelb-rot-gefährdet. Er, der seine Zweikämpfe immer am Limit führt, wäre nach seinem Fauxpas beim Gegentor sicherlich schwer zu bändigen gewesen, daher eine für michnachvollziehbare Auswechslung.
Kurze Zeit später musste Stevens erneut auswechseln. Timo Werner, ebenfalls ganz schwach am Samstag, bekam einen Schlag auf die Achillessehne und musste humpelnd vom Platz (Entwarnung folgte am Sonntag, alles halb so wild), er wurde durch Kostic ersetzt, der noch in Leverkusen zur Startformation gehörte.
Auf einmal war mehr Zug im Spiel nach vorne. War der VfB nach dem 0:1 und den Minuten danach mausetot, musste man befürchten, wir würden jetzt endgültig abgeschossen, nahmen die Jungs ihr Herz plötzlich in die Hand. Ein Geistesblitz von Alexandru Maxim, der einen Ball akrobatisch in den freien Raum weiterleitete, Martin Harnik, der seine Schnelligkeit ausspielen konnte und wagemutig vor Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp an den Ball kam und herein spitzeln konnte und schließlich Daniel Ginczek in der Mitte waren die Protagonisten des wie aus dem Nichts gefallenen Ausgleichs. Mit einer einzigen Aktion wischte Harnik den schlechten Eindruck der ersten guten Stunde beiseite und zeigte, wie wertvoll er noch immer für die Mannschaft sein kann.
Ginczek in der Mitte hatte keine Mühe mehr, den Ball über die Linie zu bugsieren. So einfach es auch war, kam das Tor (s)einer Befreiung gleich. Ginczeks erstes Bundesligator für den VfB gut 13 Monate nach seinem Kreuzbandriss, den er noch im Trikot des 1. FC Nürnberg erlitten hatte.
Viele schimpften ja auch über diesen Transfer, wie es sein könne, einen so schwer verletzten Spieler zu holen. Ich hatte über diesen Transfer nie gemeckert, lediglich aber immer darauf hingewiesen, dass seine Verpflichtung nachvollziehbar war, wenn man sie als Vorgriff für die nächste Saison ansieht. Einen Spieler seiner Klasse kann man schon mal für 2,5 Millionen Euro holen, hat man doch die Chance eine gute Rendite einzufahren. Hätte man sich nicht um ihn bemüht, wäre ein anderer Verein gekommen und wir müssten womöglich seine Entwicklung zum Top-Spieler aus der Ferne beobachten. Als er noch für St. Pauli spielte, sah ich ihn einige Male live spielen und traute ihm einen ähnlichen Weg wie den von Max Kruse zu, der es auch von St. Pauli bis in die Nationalmannschaft geschafft hat. Daher war dieser Transfer für mich kalkulierbares Risiko, man durfte eben nicht zu früh schon Wunderdinge von ihm erwarten. Nachdem er bereits einige Male bei den Amateuren erfolgreich war, preschte er selbst vor nicht allzu langer Zeit hervor, er sei überzeugt davon, den VfB zum Klassenerhalt schießen zu können. Eine gewagte Prognose, vielleicht aber auch eine Kampfansage in Richtung Vedad Ibisevic und auch in Richtung Trainer die versteckte Bitte, im weiterhin das Vertrauen zu schenken.
War er noch in Leverkusen aus nächster Nähe an Bernd Leno gescheitert, platzte nun gegen die Eintracht endlich der Knoten. Keine drei Minuten später, ein genialer Lupfer von Maxim auf Ginczek, vorzügliche Ballannahme und direkt der Abschluss ins Glück. Eine tolle Aktion von beiden, die verdeutlicht, welche Rolle im Fußball der Kopf spielt. Das 1:1 war der Brustlöser, auf einmal machten die Füße wieder das, was der Kopf wollte. Plötzlich purzelten etwa 45.000 Herzen, man traute seinen Augen nicht, das sah nach Spielkultur aus.
Die zweite Geschichte des Spiels, neben Ginczek, schrieb Alexandru Maxim. Bereits zur Auswechslung vorgesehen, Wanitzek stand schon zur Einwechslung bereit, schwang er sich binnen Minuten zum Man of the Match empor. Zwei Geistesblitze dieses Spielers, der für mich eigentlich immer spielen müsste. Unser mit Abstand bester Fußballer, der immer dazu in der Lage ist, ein Spiel durch einen gut getretenen Standard, einen direkten Freistoß oder auch durch einen Geistesblitz aus dem Spiel heraus zu entscheiden. Natürlich hat er in der Rückwärtsbewegung seine Defizite, eine (laufstarke) Mannschaft muss diese aber kompensieren können und bereit sein, Drecksarbeit für diesen Genius zu verrichten, wenn sie sieht, dass letztendlich alle von ihm profitieren.
Als die Eintracht mehr schlecht als recht versuchte, dem Spiel abermals eine Wende zu geben, wie es ja im Hinspiel der Fall war, schlug die Stunde von Filip Kostic. Er zog einen unwiderstehlichen Sprint an, ließ Chandler fast stehen, hob kurz den Kopf, sah den heranbrausenden Alexandru Maxim und passte punktgenau in die Mitte, so dass Maxim nur noch einzuschieben brauchte. 3:1, unglaublich. Ich hatte Tränen in den Augen und konnte kaum etwas sagen. Wie der Mannschaft, so fiel auch mir ein riesen Stein vom Herzen, und das noch ohne dass ich bereits die Ergebnisse der Konkurrenz gekannt hätte. Nach dem Freiburger Sieg und dem Paderborner Punktgewinn wären wir im Falle einer Niederlage schon fast weg gewesen.
So geht es jetzt erleichtert in die Bundesligapause zwischen der Länderspiele gegen Australien und in Georgien. Natürlich bleiben wir Schlusslicht der Liga, natürlich war der Sieg nur ein kleiner Schritt in Richtung Klassenerhalt. Aber, er steigert das Selbstvertrauen, das Vertrauen in die eigene Stärke(n). Die Jungs haben mal wieder gesehen, dass sie doch zumindest nach vorne nicht ganz so schlecht besetzt sind, wie die bisher magere Torausbeute vermuten ließe. Und, Daniel Ginczeks erste Treffer nähren die Hoffnung auf die so dringend benötigten Stürmertore in den verbleibenden Partien. Das Restprogramm liest sich doch machbar. Nach der Pause geht es zwar zunächst nach Wolfsburg, die sich zur zweiten Kraft im Deutschen Fußball nach den Bayern aufgeschwungen haben. Dort hängen die Trauben für uns in den letzten Jahren immer sehr hoch, aber, auch dieses Spiel beginnt bei 0:0. Beim Championsleague-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen legte das Team ja auch eine gute erste halbe Stunde hin und hätte in Führung gehen können, weshalb soll das nicht auch bei den Wölfen gelingen, die mit den Köpfen vielleicht schon beim DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den SC Freiburg sind. Bange machen gilt nicht, auch dieses Spiel muss erst einmal gespielt werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man den Schwung der letzten halben Stunde gegen Frankfurt mitnimmt und dieser nicht durch eine desolate Vorstellung gleich verpufft. Danach kommen die Gegner, gegen die man punkten muss. Gegen Werder, in Augsburg, gegen Freiburg, später noch die Heimspiele gegen Mainz und Hamburg sowie in Paderborn, noch liegt alles drin, den Super-GAU Abstieg abzuwenden.
Natürlich dürfen wir diesen Sieg nicht überbewerten. Natürlich wurde er nur durch gütliche Mithilfe der Frankfurter möglich gemacht, aber, das so wichtige Erfolgserlebnis ist da und lässt sich auch nicht weg diskutieren. Im Fußball wird viel im Kopf entschieden, auf diesen Erfolg gilt es aufzubauen. Dass die ersten gut 60 Minuten einmal mehr nicht bundesligatauglich waren, dürfte den Protagonisten genauso klar sein wie dem Fan vor dem Fernseher oder auf der Tribüne. Zurücklehnen dürfen wir uns nicht. Mit einem Sieg ist noch überhaupt nichts erreicht, es muss konzentriert weitergearbeitet und weiterhin alles der Mission Klassenerhalt untergeordnet werden.
Unabhängig davon, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen werden, ein „Weiter so“ darf es auf keinen Fall noch einmal geben. Der Kader muss ein grundlegend anderes Gesicht bekommen. Identifikationsfiguren wie Ulreich und Gentner (wo war er eigentlich während des Spiels?) müssen ebenso hinterfragt und am besten ausgetauscht oder ins zweite Glied zurückgestuft werden, wie die ganzen Schwaabs, Hlouseks, Hagguis, Abdellaoues, Sararers und wie sie alle heißen. Wir brauchen eine Achse, an der sich unsere Nachwuchskräfte, die es weiter konsequent einzubauen gilt, aufrichten und zu der sie aufschauen können.
Egal, wer Trainer wird, für Robin Dutt wird es die vordringlichste Aufgabe sein, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, um aus der Wohlfühloase VfB (endlich) eine Leistungsgesellschaft zu entwickeln. Neben unzähligen wirtschaftlichen Fehlentscheidungen ist es für mich der Hauptgrund des Niedergangs der letzten Jahre schlechthin, dass kein Leistungsklima mehr vorhanden ist, einige Plätze im Team mehr nach der Lobby des Spielers als aus Leistungsgründen fest vergeben sind und Bessere dadurch nicht zum Zuge kamen. Die Konsequenz daraus war, dass uns die besonders ehrgeizigen deshalb verlassen haben und die bequemen geblieben sind und ihre Verträge notfalls abgesessen haben.
Im Grunde käme es einem Wunder gleich, wenn wir auch in dieser Saison wieder mit einem blauen Auge davon kämen. Darauf bräuchte sich keiner etwas einbilden, dies wäre einzig und allein der Schwäche der Konkurrenz geschuldet. Was dem Fan bzw. Kunden für teures Geld schon seit Jahren zugemutet wird, spottet jeder Beschreibung. Dass der Umbruch alternativlos ist, liegt auf der Hand. Fraglich ist, wie die betroffenen Spieler bis zum Saisonende damit umgehen, wenn sie nicht wissen, wie es für sie nach der Saison weiter geht. Können Sie das professionell ausblenden oder schleppt der eine oder andere gar einen zusätzlichen Rucksack mit sich herum? Ich denke positiv und glaube daran, dass sich keiner unserer Spieler den Stempel eines Absteigers aufdrücken lassen möchte und sie schon daher aus reinem Eigeninteresse bestrebt sein werden, den Abstieg noch abzuwenden.
Ein positives Beispiel, was Konzentration auf den Abstiegskampf und Identifikation mit dem Verein bedeuten, liefern ausgerechnet mal wieder unsere Youngsters. Sowohl Timo Werner als auch Timo Baumgartl verzichten auf die Länderspielreisen mit der U19 und konzentrieren sich in der Heimat auf die kommenden wichtigen Aufgaben, wobei Werner ja sowieso angeschlagen angereist wäre. Chapeau dafür und weiter so!

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system
19. März 2015

VfB weiter im Sinkflug

Die tolle Krombacher-Fan Tour wurde lediglich durch das Spiel getrübt. Ansonsten muss man sagen, alles richtig gemacht. Am Freitag um 10 Uhr ging es bereits vor der Schleyer-Halle los, natürlich mit reichlich Krombacher-Bier an Bord. Der Veranstalter hatte seine Rechnung zunächst ohne die Mitfahrer gemacht, denn, nach gerade mal knapp zwei Stunden war das Bier aufgebraucht und das Bus-Klo dafür voll. Für Nachschub wurde jedoch schnell gesorgt, so dass einer lustigen Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand. Gegen 16 Uhr bereits erreichten wir unser Domizil in Attendorn, im Sieger Land gelegen. Weshalb sie ausgerechnet VfB-Fans ins Sieger Land brachten, war uns nicht so ganz klar, vielleicht war es ja ein gutes Omen. Begrüßt wurden wir mit einer leckeren Gulaschsuppe und Krombacher Bier vom Fass, was ebenfalls in unserem All-Inclusive-Arrangement enthalten war. Von dort ging es dann wenig später weiter ins knapp 100 Kilometer entfernt gelegene Leverkusen, das wir zu einer guten Zeit erreichten. Es blieb genügend Zeit noch in die gegenüber der BayArena gelegene „Pille“ zu gehen, wo wir die RWSler und noch einige andere bekannte Gesichter trafen. Diese Location mit ihrem großen Biergarten, für mich immer ein Muss, wenn wir in Leverkusen sind, wobei mir Leverkusen sowieso immer gut gefällt. Werksclub hin oder her, dort ist doch noch mehr Tradition vorhanden als bspw. bei VW und SAP, mit den Fans dort hatte ich noch nie Probleme und auch in Bezug auf Einlass und Ordnungspersonal hebt sich Leverkusen für mich von vielen anderen Away-Stadien positiv ab. Zudem ist Leverkusen selten ausverkauft, so dass ich dort schon traditionell direkt meine Eintrittskarte bestelle und auf der Gegengerade sitze. Mein Eingang liegt, logistisch perfekt, kaum mehr als 50 Meter vom Eingang der Pille entfernt, so dass ich, wo die Stehplatzkarteninhaber schon lang weg waren, noch gemütlich ein Bierchen trinken konnte. Am Einlass hatte ich erwartungsgemäß auch mit meiner Bridge-Kamera keine Probleme, so dass es gleich hinein in dieses schmucke Stadion ging. Den Platz hatte ich mir bei der Bayer 04 Saalplanung perfekt ausgesucht, Reihe 1 und direkt am Gang. Vorne kann man sein Bier auf die Bande stellen, das man auch noch rasend schnell bekommt. Es gibt zwar im Stadion die Bayer-Card als Bezahlkarte, man hat aber auch die Möglichkeit, wenn der Geld Chip aufgeladen ist, mit EC-Karte zu bezahlen. Diese Bezahlart lasse ich mir gerne gefallen, da es sie in ein paar anderen Stadien auch schon in dieser Form gibt. Als „Bayer-Kunde“ konnte ich erstmals in einem Stadion das freie WLAN testen und konnte feststellen, wenn auch ein bisschen langsam, aber, es funktionierte.
Auch bis dahin, alles richtig gemacht. Dann allerdings kam das Spiel, welches sich zwar gut anließ, aber, wenn man keine Tore macht, rächt es sich meist hinten und wenn man die Gegentore dann noch herschenkt, setzt es eben auch bei einem Club wie Bayer 04, der mit den Köpfen schon beim Championsleague-Rückspiel bei Athletico Madrid war, eine 0:4-Klatsche, mit der man am Ende noch gut bedient war.
Es ist eigentlich unbegreiflich, wenn man sich die erste halbe Stunde vor Augen führt, in der der VfB sein Heil mutig in der Offensive suchte und Leverkusen keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bis eben zu jener 32. Minute, als erst Hilbert Timo Werner entwischte, von Sakai nicht an der Hereingabe gehindert wurde, Ulle den Ball, der halbhoch (!) durch den 5-Meter-Raum flog, nicht abfing, Klein zu allem Überfluss Schwaab anschoss und schließlich Gentner, Kostic und Dié am Ball vorbeiliefen, anstatt dass auch nur einer der Dreien die Kugel weg aus der Gefahrenzone befördert hätte. Wendell sagte danke und erzielte die Leverkusener Führung. Slapstick pur, eigentlich müsste man alle daran Beteiligten für den Comedy-Preis nominieren. Zum Lachen eigentlich, wenn es nicht so traurig wäre. Vorne ein zahnloser Tiger und hinten schießt man sich die Dinger selten rein, so ist es eigentlich nicht möglich, die Klasse zu halten.
Ich hatte erst einmal genug gesehen und ging Bier holen. Schwupps, kaum draußen, Jubel und die Tor-Hymne „Whatever you want“, die mir auch am Tag danach noch in den Ohren klingen sollte. Damit war das Ding gelaufen, ein Doppelschlag nach vielversprechender Anfangsphase, also, blieb ich erstmal in den Katakomben und steckte mir eine Zigarette an. Die BayArena ist ja, wie Hoffenheim auch, ein reines Nichtraucherstadion. Im Gästeblock mag dies keinen interessieren, in den anderen Bereichen des Stadions jedoch schon. Und, als Gast, der nicht die Intension hatte, negativ aufzufallen, hielt ich mich natürlich auch daran. Danach ging ich dann wieder auf meinen wirklich tollen Platz, wo ich die „Mannschaft“ kurze Zeit später auseinanderfallen sah.
Beim 3:0 spielte Bellarabi Gotoku Sakai Knoten in die Beine. Und überhaupt, was – erlaube – Sakai? An allen Gegentoren maßgeblich beteiligt, von Hilbert ein ums andere Mal wie ein Anfänger überlaufen, weshalb er nach unzähligen bundesligauntauglichen Auftritten immer wieder in der Startformation auftaucht, ist mir ein Rätsel. Natürlich rege ich mich auch über Hlousek auf, die beiden nehmen sich nicht viel. Hlousek wurde in dieser Woche seit längerer Zeit mal wieder in den Kreis der tschechischen Nationalmannschaft berufen, dieser Nationalmannschaft muss es wirklich schlecht gehen, mag man sich denken.
Dass Rausch, der bei den Amateuren vor sich hindümpelt so viel schlechter sein soll als diese beiden, kann ich mir nicht vorstellen. Bei dieser Misere auf der linken Seite trauert man selbst noch einem Arthur Boka nach. Er hatte zwar auch große Defizite im Defensivverhalten, war aber nach vorne wirkungsvoller und vor allem war ein Kämpfer, der mal dazwischengehauen hat, während Sakai ob der Fußballkunst seiner Gegenspieler, nur staunend und mit offenem Mund zuschaut.
Dies nur eine verbesserungswürdige Planstelle in der Anfangsformation von vielen. Die Torwartfrage stellt sich nach wie vor. Ich hoffe, dass der VfB im Sommer handelt und Vlachodimos das Vertrauen schenkt oder notfalls von extern jemanden holt. Dass Leno der eindeutig bessere Torwart ist, konnte man auch am Freitag wieder sehen. Er ist fußballerisch sowieso stärker, spielt aber auch besser mit, hat ein besseres Stellungsspiel und eine stärkere Ausstrahlung. Einer von sehr, sehr vielen Fehlern und Fehleinschätzungen der letzten Jahre, wobei bei dieser persönliche Seilschaften vor leistungsorientiertem Denken gingen.
Weshalb Timo Baumgartl nach seinem Fehler gegen den BVB plötzlich total außen vor ist und Schwaab das Vertrauen geschenkt wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Schwaab, der sich gerne mal mit den Fans, die die einzigen sind, die alles geben, anlegt und selbst Woche für Woche eine schwache Vorstellung an die nächste reiht, würde bei mir allenfalls noch ein Notnagel sein. Spätestens nach diesem Slapstick vom Freitag, an dem sämtliche Arrivierten einschließlich der Führungs-Ikone Gentner beteiligt waren, verbietet es sich eigentlich, dem Jungen Nervenstärke abzusprechen. Er war bei seinen Spielen immer einer der Wenigen, dem man Ballfertigkeit attestieren konnte und der den Kopf dabei noch oben hatte. Von Jugend und Amateuren ist er auch einen besser mitspielenden Torwart gewohnt, der besser antizipiert und schneller dem Ball entgegen kommt, wenn ein Rückpass zu kurz gerät, wie es Ulle gegen den BVB getan hatte.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass im Grunde jeder Einzige in der Startformation austauschbar wäre, kein Einziger ist dabei, der das Prädikat Leistungsträger verdienen würde.
Hoffnungsträger sind stets diejenigen, die ausfielen und wieder einsatzbereit sind, bis sie eben dann auch wieder enttäuscht haben. So hoffe ich derzeit auf eine baldige Rückkehr von Antonio Rüdiger und Daniel Didavi, wobei ich bei Letzterem nicht wirklich dran glaube, dass er noch mal auf die Beine kommt.
Ein Impuls fürs Team wäre eine Rückkehr sicherlich, ging es doch auch in der letzten Saison erst aufwärts, als er (und Gruezo) in die Mannschaft kamen. Auch auf Martin Harnik dürfen wir gegen die Frankfurter Eintracht wieder hoffen. Vielleicht haben ihm diese zwei Spiele Sperre gut getan, dass er jetzt frischer im Kopf ist und sich wieder über die volle Distanz konzentrieren kann. In den letzten Spielen, in denen er zum Einsatz kam, fiel er in einer schwachen Mannschaft eher noch ab. Seine Torgefährlichkeit vergangener Jahre könnten wir derzeit jedenfalls gut gebrauchen.
Nicht nur bei Harnik, auch beim Rest des Teams, ist ein riesiges Kopfproblem auszumachen. Ich schrieb schon vor einiger Zeit, die Jungs bräuchten einen guten Psychologen, der ihnen die Angst vor der eigenen Courage austreibt. Wie sie derzeit auftreten, wird es ganz, ganz schwer werden mit dem Klassenerhalt. Natürlich sind wir nominell besser als Paderborn und Freiburg besetzt, natürlich sind die beiden noch in Schlaginstanz, natürlich würde ein einziger Sieg genügen, um (zunächst und bei gleichzeitiger Niederlage der anderen) an beiden vorbeizuziehen.
Aber, die beiden haben, im Gegensatz zu uns, ein Team im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Platz, die füreinander durch dick und dünn gehen, was in der Endphase ein entscheidender Faktor werden könnte. Bei uns haben es viele noch immer nicht kapiert, dass es nur gemeinsam geht, dass sie sich helfen und auch mal den Fehler des Anderen bereit sein müssen auszubügeln. Freiburg hat jetzt zwei machbare Heimspiele vor der Brust, was bedeutet, wir müssen gegen die Frankfurter Eintracht unbedingt gewinnen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass dieses Schneckenrennen im Tabellenkeller endlos so weitergeht.
Wie es aussieht, wird Stevens auch gegen die Eintracht noch auf der Bank sitzen. Nach der ersten halben Stunde von Leverkusen sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung. Auf der anderen Seite könnte ein neuer Impuls in Form eines neuen Übungsleiters der Truppe noch einmal einen Schub verleihen, mir kommt das ganze derzeit sehr eingefahren vor, die Reaktion auf eine Niederlage ist stets die gleiche, nämlich „abhaken, hart weiter arbeiten und es im nächsten Spiel besser machen“. Nur, uns laufen die „nächsten Spiele“ weg, da waren’s nur noch neun.
Durch die völlig unnötige (so frühe und vermeintliche) Einstellung Zornigers als Trainer für die nächste Saison, hat sich der VfB dieser letzten Patrone beraubt und wird, wenn’s dumm läuft, sang- und klanglos runter gehen. Mir kommt es derzeit so vor, man nimmt den Abstieg mit Stevens jetzt bewusst in Kauf, denn, selbst wäre man von Stevens nicht mehr überzeugt, was sollen die Herren denn tun? Zum einen ist die Kasse sowieso klamm, fraglich, ob man sich die Abfindung überhaupt leisten könnte. Zum anderen, begänne Zorniger schon jetzt, mitten im Abstiegskampf, hätte man womöglich einen Trainer mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet, der im Mai seine Koffer wieder packen müsste, denn, mit dem Abstieg wäre er auf dem Wasen höchstwahrscheinlich verbrannt.
Oder aber, man holt einen Übergangstrainer, der, sollte er erfolgreich sein und den Abstieg verhindern können, sich im Nu einen Heldenstatus hier erarbeiten würde, so dass Zorniger auch dann eine schwere Hypothek belasten dürfte. Da weiter kein Dementi zu dieser Personalie vom VfB kommt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es Fakt ist, dass der Wechsel Zornigers zum VfB bereits in trockenen Tüchern ist. Stevens selbst wird nicht aufgeben, dazu ist er zu sehr Kämpfer, zudem ist er sicherlich auch nicht bereit, auf Geld zu verzichten. So dümpeln wir also weiterhin vor uns hin, ohne Hoffnung auf grundlegende Besserung.
Natürlich kommt mit Frankfurt jetzt ein Gegner, der prädestiniert dazu wäre, gegen ihn die Trendwende zu schaffen. Im Hinspiel haben wir ihnen fünf Dinger eingeschenkt, zudem bekamen sie selbst in Köln die Bude voll, die das Tore schießen auch nicht gerade erfunden haben.
Jedoch, wir haben in Frankfurt auch vier Tore kassiert, offensiv sind sie gefährlich und haben in Alex Meier den derzeitigen Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen. Ein Tier vorne, das schwer auszurechnen und zu verteidigen ist, der seine Tore mit jedem Körperteil und von innerhalb und außerhalb des Strafraums erzielt. Da ich mir immer nicht so ganz im Klaren bin, in wie weit sich unsere Spieler mit ihren kommenden Gegenspielern beschäftigen, an Ulle schon einmal der Tipp, es tunlichst zu vermeiden so weit wie sonst vor seinem Kasten zu stehen. Er hat in dieser Saison schon einige Tore gefangen, die zu vermeiden gewesen wären, wenn sein Stellungsspiel besser wäre, Meier hat das Auge und das Gefühl im Fuß genau solche (Stellungs-) Fehler auszunützen.
Man wird der Eintracht aber auch nicht gerecht, wenn man alles auf Meier reduziert. Er muss ja auch von seinen Mitspielern in Szene gesetzt werden und auch das machen bspw. Aigner und Inui vorzüglich. Gerade ein Aigner, an dem Veh schon zu VfB-Zeiten interessiert war und den er schließlich zur Eintracht holte, wird sich auf unsere Sakais und Hlouseks jetzt schon freuen.
Unsere Ultras hatte nach dem 3:0 kurz nach der Pause die Schnauze voll, hängten ihre Fahnen ab, stellten das Supporten ein und verließen den Block. Eine verständliche Reaktion und längst überfällig. Ist ja fast schon bemitleidenswert unseren einst so stolzen VfB als Sparringspartner sehen zu müssen, der dem Gegner in allen Belangen unterlegen ist und wo man jederzeit Angst haben muss, dass dieser mühelos noch einen Gang aufschalten könnte. Auch für die Fanszene ist es derweil ein schmaler Grat, wie man sich verhalten soll. Alle sind stinksauer, in jedem Einzelnen, dem der Verein so am Herzen liegt, brodelt es gewaltig, so dass es eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Frust so richtig entlädt. Aber, die Fans sind auch pragmatisch. Man sieht natürlich auch, welche nervlichen Wracks da auf dem Platz stehen, draufhauen, bringt da wohl am allerwenigsten. Derzeit haben wir es mit einer ähnlichen Gefühlslage wie in der Vorsaison zu tun, auch damals siegte am Ende der Pragmatismus. Wenn man als Fanszene eine Erkenntnis von damals mitnehmen und aus etwaigen Fehlern lernen möchte, so vielleicht aus diesem, dass man ruhig blieb, als das Ziel, der Klassenerhalt, erreicht war. Hätte man damals vehement auf die (versprochene) Aufarbeitung der Saison gepocht und Konsequenzen gefordert, vielleicht hätte man damals schon Fredi Bobic aus dem Amt drängen können und uns wäre diese Saison erspart geblieben.
Nach dem Spiel ging es direkt zum Busparkplatz, unser Busfahrer Ahmet hatte schließlich mehrfach darauf hingewiesen, dass er Punkt 23 Uhr abfahren würde. Dort noch die Jungs und Mädels vom RWS und von Leintalpower getroffen und ein Bier zusammen getrunken, ging es dann weiter in Richtung Hotel. Vier Businsassen hatten Ahmets Durchsage wohl nicht ernst genommen, fehlten bei der Abfahrt und wurden für 200 Euro kostengünstig von einem Taxi zum Hotel chauffiert. ;-) Im Hotel gab es bedauerlicherweise nichts mehr zu essen, so dass wir uns abermals an die Flüssignahrung halten mussten und dies feuchtfröhlich bis in die Morgenstunden auch taten. Nach einem tollen Frühstück ging es dann am Samstagmorgen weiter zur Brauereibesichtigung und Verköstigung in die Krombacher Brauerei, von wo es dann gegen 14.45 Uhr wieder in die Heimat ging. Gegen 19.30 Uhr waren wir zurück an der Schleyer-Halle, von wo es nicht etwa heim zum Regenerieren ging sondern direkt ins Jugendhaus nach Neugereut, wo das CC97 seinen 18. Geburtstag und damit seine Volljährigkeit feierte. Auch dort wieder jede Menge Bekannte getroffen, es wurde trotz der Tabellensituation vom VfB ein schöner und lustiger Abend.
Die Sicherheitsthematik kocht nach den Vorkommnissen rund um unser Hertha-Spiel sowie den Geschehnissen um das Spiel KSC gegen Red Bull Leipzig wieder hoch.
Eigens dafür sah sich Sport im Dritten dazu genötigt, das Thema zu erörtern und talkte mit Christoph Ruf (freier Journalist und Kenner der Fanszene), Rüdiger Seidenspinner von der Polizeigewerkschaft und Ingo Wellenreuther (Präsident KSC). Dazu wurde ein Interview mit einem „Stuttgarter Hooligan“ eingespielt, wie es sich gehört und dass die Leute vor dem Fernseher schön Angst bekommen, von hinten, mit Kapuzenpulli und nachgesprochener Stimme. Dieser war für mich schon einmal völlig fehl am Platze, da es ja nicht um irgendwelche Hooligan-Kämpfe auf der grünen Wiese ging, sondern um Vorkommnisse in Cannstatt, von denen nicht erwiesen ist, wer daran beteiligt war, also ob Hooligans, Ultras, Normalos, ja, nicht einmal ob wir von welchen aus dem VfB-, dem KSC- oder dem Hertha-Lager sprechen.
Beim zweiten Themenkomplex handelte es sich um KSC-Kinder, die dem Mannschaftshotel von Red Bull einen Besuch abstatteten, der sich inzwischen auch als weitaus weniger dramatisch herausstellte, wie ursprünglich von Ralf Rangnick geschildert.
Diese Runde hätten sich die Macher vom SWR schenken können, weil nicht mit einer Silbe versucht wurde zu erörtern, wie sich solche Vorfälle vermeiden ließen, nämlich beispielsweise durch cleverere Terminierungen, besonnenere Beamten und auch einer Kennzeichnungspflicht der Beamten, um den schwarzen Schafen darunter endlich den Garaus zu machen. Einzig der freie Journalist in der Runde räumte ein, dass es unverhältnismäßige Einsätze von Beamten gibt, die auch durchaus solche „Gelegenheiten“ nutzten, um sich auszutoben. Mir liegt es dabei fern, irgendwelche Sachbeschädigungen oder Angriffe auf Personen, die sich rund ums Hertha-Spiel ereignet hatten, schönzureden. Wie jeder Verein haben auch wir „Fans“ in unseren Reihen, die im Schutz der Menge und der Dunkelheit Straftaten begehen, weil das Entdeckungsrisiko relativ klein ist. Ich selbst lehne Gewalt und Vandalismus ab und hoffe, dass man die wenigen Hirnverbrannten schnappt und zur Rechenschaft zieht, sind es doch unter anderem diejenigen, denen wir die vielen Restriktionen rund um ein Fußballspiel „zu verdanken“ haben. Gerade aber weil man weiß, dass es die gibt, dass sie nicht aussterben, im Gegenteil, sie auch nachgeboren werden, wäre es wünschenswert, dass auf der Gegenseite die schwarzen Schafe vom Dienst suspendiert werden und man Polizeieinsätze erlebt, die auf Deeskalation abzielen. Dazu gehören ausgeklügelte Polizeistrategien mit wirklichen Kennern des Fanverhaltens und nicht irgendwelche Hardliner, die meinen, dann geht man eben mit Schlagstock und Pfefferspray in die Menge rein. Gerade dann „erreicht“ man nämlich solch chaotische Zustände, wie sie in Stuttgart vorgefallen sind. Dann trifft es auch viele Unbeteiligte und auch als „normaler“ Fan solidarisiert man sich mit den eigenen Leuten eher als mit der prügelnden Staatsmacht.
Dass sich Präsident Wahler, um den man sich zuweilen schon Sorgen macht, wo er sich rumtreibt, zu diesem Thema aus der Deckung wagte, als noch überhaupt nicht geklärt war, welche Darstellungen über die Vorkommnisse überhaupt der Wahrheit entsprechen, passt derzeit ins Bild, das der VfB abgibt. Erst einmal werden die eigenen Fans an den Pranger gestellt, anstatt Ursache und Wirkung zu durchleuchten. Man würde sich wünschen, Wahler äußerte sich mit solch klaren Worten zur inzwischen wieder einmal beispiellosen sportlichen Talfahrt und er würde Lösungsansätze aufzeigen. So aber überlässt er dies vollkommen dem Novizen und immer etwas unbeholfen erscheinenden Robin Dutt, während der VfB das schlechteste Jahr seiner bald 122-jährigen Vereinsgeschichte hinlegt. Das sind dann immer die Momente, in denen ich in Nostalgie schwelge und mich nach Gerhard Mayer-Vorfelder zurücksehne. Er nahm sich als Präsident stets das Recht heraus, den Jungs die Leviten zu lesen und sie an ihre Verantwortung dem Verein, den Fans, der Stadt und dem Umfeld zu erinnern, ob es dem Trainer und Manager passte oder auch nicht. Als Fan wusste man damals immer, dass es einen gibt, der Emotionen vorlebt und dem ein Niedergang nicht egal ist. Derzeit hat man aber den Eindruck, man lässt jeden vor sich hin wursteln, ob Trainer oder Manager, und, wenn das nächste Spiel verloren wird, hofft man einfach auf das übernächste. Es ist diese Lethargie, die mich wahnsinnig werden lässt und wenig Hoffnung auf ein gutes Ende macht.

GD Star Rating
a WordPress rating system
GD Star Rating
a WordPress rating system