23. März 2015

Kleiner Schritt (zum großen Glück?)

Sieg! Ein Heimsieg sogar! Auch am Sonntagmorgen muss man sich fast noch kneifen, auch am Sonntagmorgen möchte, obwohl angemessen verkatert, das Grinsen nicht aus dem Gesicht weichen. Man hatte ja schließlich fast schon vergessen, wie sich ein Sieg anfühlt und welche Gefühle er freizusetzen vermag.
Die beste Erkenntnis des Tages: die Mannschaft kann doch noch gewinnen. Der erste Sieg seit drei Monaten (1:0 in Hamburg), der erste Heimsieg seit einem halben Jahr (1:0 gegen Hannover 96). Der VfB hat in einem Spiel drei Tore geschossen und drei Punkte eingefahren, wo doch in den zwölf (!) vorigen Heimspielen gerade einmal sechs Punkte und sechs Tore gelangen.
Komischerweise hatte ich seit dem 4:2 des 1. FC Köln gegen die Eintracht vor zwei Wochen, das uns als VfB eigentlich relativ wenig tangierte, das gute Gefühl, dass auch wir gegen diesen Gegner unsere Torflaute beheben werden könnten, einfach aus dem Grund, weil sich die Kölner zu Hause für gewöhnlich ähnlich dämlich anstellen wie die Brustringträger. Die Hessen, einfach der richtige Gegner zur richtigen Zeit.
Dazu kam, dass die Mannschaft wusste, dass sie die Eintracht bezwingen kann, erinnerte man sich doch nur allzu gern an das famose 5:4 aus der Hinrunde zurück. Martin Harnik hatte seine Rotsperre abgesessen. Ein Spieler, bei dem ich hin und wieder verzweifle, wenn er Bälle überhastet verstolpert, einfachste Pässe ins Nirwana spielt und stets den falschen Laufweg wählt. Der aber auch schon gezeigt hat, dass er es anders, nämlich besser, kann, torgefährlich ist und sich vor allem nie hängen lässt. Deshalb mag ich ihn, deshalb begrüßte ich seine Zweispiele-Sperre, eine Pause, die ihm gegönnt sein sollte und die er hoffentlich dafür genutzt hatte, sein System herunterzufahren und Kräfte für das Saisonfinale zu sammeln. In ihn, der im Hinspiel zwei Mal erfolgreich war, setzte ich große Hoffnungen in dieses Spiel. Das derzeit absurde ist doch auch, dass man die Spieler verflucht, sie auf die Bank oder Tribüne wünscht, und, nachdem sein(e) Vertreter es dann ebenfalls nicht besser gemacht hatte(n), in ihm bzw. ihnen wiederum den/die Hoffnungsträger für das nächste Spiel sieht. Was bleibt einem auch anderes übrig, wir haben eben nur diese Spieler und müssen mit ihnen über die Runden gekommen, abgesehen von den Youngstern, die aus der Jugend und von den Amateuren nach oben drängen. War es zuletzt Jerome Kiesewetter so stand gegen die Eintracht Marvin Wanitzek kurz vor seinem Bundesliga-Debüt.
Moritz Leitner hingegen blieb nach seiner Gelb-Sperre nur der Platz auf der Tribüne. Unter der Woche war bekannt geworden, dass Leitner nach Ablauf der Leihe im Sommer definitiv zu Borussia Dortmund zurückkehren würde, alles andere wäre ehrlich gesagt im Schwabenland auch nicht vermittelbar gewesen. Leitner hat nicht nur sportlich nicht überzeugt, menschlich ist er ein Riesen-A.., das noch nichts erreicht hat, aber meint, er wäre es. Ein Spieler, dem durchaus großes Talent in die Wiege gelegt wurde, der aber den Ernst des (Fußballer-)Lebens, mit all seinen Facetten, seinen Pflichten auf und außerhalb des Platzes nicht begriffen hat, und bei dem ich mir sicher bin, dass er im „normalen“ Leben mit den „Hey Alder, voll krass Typen“ auf der Straße abhängen und kein Bein auf den Boden bekommen würde. Als Profi ist er vermeintlich privilegiert und lässt das Fans und Medien gegenüber auch heraushängen.
Gegen eine zweijährige Leihe, bei einem möglichen Jahrhundertfußballer auch mal ohne Kaufoption, spricht ja an und für sich nichts. Leverkusen bekommt mit Christoph Kramer einen fertigen Spieler zurück, auch von der Leihe von Kevin de Bruyne von Chelsea nach Bremen haben alle Seiten profitiert, aber, man muss sich dennoch vorher mit dem Spieler beschäftigen. Hole ich ein Problemkind wie Moritz Leitner, dann muss ich mir im Klaren darüber sein, dass ich mich um ihn möglicherweise mehr kümmern und ihn ein Stück weit auch noch erziehen muss, als es bei stärkeren Charakteren notwendig wäre. Nicht umsonst bootete ihn Rainer Adrion vor der U21-EM in Israel wegen Charakterschwäche aus, gerade bei Adrion, beim VfB ja kein Unbekannter, hätten sich Bobic und Labbadia über Leitner erkundigen und ihre Schlüsse ziehen können. So aber sah man wieder einmal nur, dass er ein feines Füßchen besitzt ohne zu hinterfragen, ob das Köpfchen genau so fein ist. Bobic tätigte seine Transfers am liebsten per Telefon und Mail aus New York City, Labbadia war bekannt dafür, dass er wenig mit den Jungs, vor allem denen, die nicht zum Führungskreis gehörten, sprach, von daher eine Konstellation, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Um diesem Jungen den richtigen Weg aufzuzeigen, hätte es eines Trainers vom Schlag eines Otto Rehhagels bedurft, der den Jungen an die Hand genommen hätte und wohl seine Ehefrau Beate noch eingebunden hätte, ihn zu bekochen und ihm Manieren beizubringen. So aber waren es für alle Beteiligten zwei verlorene Jahre. Der VfB profitierte nicht, der Spieler nicht und auch Borussia Dortmund dürfte wenig Freude an ihm haben, wenn er zurückkommt und ihn wohl sofort weiter reichen.
Leitner ist auf jeden Fall kein Spieler, auf den wir im Abstiegskampf noch bauen können, so dass ich hoffe, dass er seine Abschiedsvorstellung im VfB-Trikot vor zwei Wochen gegen Hertha BSC gegeben hat. Da soll Huub Stevens lieber an seiner Linie vom Samstag festhalten und dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben und damit den Jungs, bei denen man weiß, dass sie sich zerreißen werden, um auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen.
Außer Harnik rückten im Vergleich zum Leverkusen-Spiel auch wieder Hlousek für den völlig indisponierten Sakai und Baumgartl für Daniel Schwaab in die Anfangsformation.
Der VfB legte einen sehr nervösen Start hin. Woche für Woche hofft man darauf, dass die Jungs alles daran setzen, den Bock umzustoßen und dies vor allem mit Köpfchen versuchen, um dann umgehend feststellen zu müssen, wie es um ihr Nervenkostüm weiterhin bestellt ist. Wieder sah man von Beginn an elf Nervenbündel auf dem Platz, die froh waren, unfallfrei geradeaus laufen zu können, fast alles andere misslang. Fehlpass reihte sich an Fehlpass, fast jeder Zweikampf ging verloren, Spielkultur Fehlanzeige. Bereits nach zwei Minuten der erste Schreckmoment. Lastete ich es Florian Klein noch in Leverkusen nicht an, dass er Schwaab im Strafraum anschoss, da dieser ohnehin immer nur im Weg herumsteht, war es gegen die Eintracht äußerst fahrlässig von ihm, in ähnlicher Situation Inui anzuschießen. Der Ball flog zum Glück knapp über die Latte. Es wäre erneut Slapstick zur Unzeit gewesen! Dies war der Auftakt einer unterirdischen ersten Halbzeit, die alles vermissen ließ, was notwendig gewesen, um die Wende herbeizuführen. Mit dem 0:0 waren wir sehr gut bedient und konnten uns bei der Frankfurter Eintracht bedanken, dass das Spiel noch nicht entschieden war. Keine einzige ernsthafte Torannäherung in 45 Minuten und das in einem wahren Alles-Oder-Nichts-Spiel, einfach nur erbärmlich.
Wer sich diesen katastrophalen Auftritt schön trinken wollte, hatte Pech gehabt, zumindest wenn er das Spiel von der Cannstatter Kurve aus verfolgte. Als Konsequenz der Vorfälle rund ums Hertha-Spiel wurde in der Cannstatter Kurve kein Alkohol ausgeschenkt, außerdem trat die Polizei uns „normalen“ Stadionbesuchern behelmt und in (Nah-)Kampfausrüstung entgegen, betonte aber, damit nicht provozieren zu wollen. Beides ein Witz, anstatt sich an ihre eigene Nase zu fassen, Selbstkritik zu üben, wie es überhaupt zu dieser Eskalation kommen konnte, wird es sich einfach gemacht und es werden pauschal 20.000 Zuschauer in der Kurve als potentielle Gewalttäter abgestempelt. Sinnloser Aktionismus, sinnlose Muskelspiele von VfB und der Obrigkeit.
Das Bier gehört schon seitjeher zu einem Fußballspiel wie die Stadionwurst und der Ball, so dass mir jedes Mal das Verständnis dafür fehlt, wenn bestimmte Zuschauergruppen dieses vollkommenen Fußball-Erlebnisses beraubt werden. Was mich am meisten daran stört, ist, dass es stets nur einzelne Gruppen sind, denen man damit unterstellt potentiell gewalttätig zu sein und mit dem Bierkonsum nicht umgehen zu können. Oft sind es lediglich die Auswärtsfans oder wie hier eine ganze Fankurve, die von solchen Restriktionen betroffen sind. In wieweit ein solches an Willkür und Bevormundung grenzendes Verbot überhaupt mit dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) vereinbar ist oder ob man sich diskriminiert fühlen darf und gegen solche (Teil-)Verbote klagen könnte, vermag ich, da kein Jurist, nicht zu beurteilen. Vielleicht fällt eine solche Maßnahme auch unter das Hausrecht des Veranstalters, interessant wäre es schon mal, dies genauer zu hinterfragen.
Wenn schon ein Alkoholverbot verhängt wird, dann bitte doch im gesamten Stadion einschließlich der V.I.P.-Bereiche, in denen der edle Hopfen selbst ausgeschenkt wird, wenn, wie bei internationalen Spielen Usus, generelles Alkoholverbot herrscht.
Aber, ich schweife schon wieder ab, ich merke das gerade daran, dass ich im Zusammenhang mit dem VfB auf internationale Spiele zu sprechen komme.
Personell unverändert ging es in die zweite Halbzeit. Trainer Schaaf erinnerte seine Mannen bei seiner Halbzeitansprache wohl daran, wie einfach es derzeit ist, gegen den VfB Tore zu schießen. Oczipka überlief mühelos Serey Dié, drang in den Strafraum ein und legte quer. Sage und schreibe drei (!) Frankfurter standen frei, Seferovic schließlich drosch die Kugel zum 0:1 in die Maschen. Es sind Gegentore wie dieses, die einen in dieser Zeit verzweifeln lassen. Oftmals genügt ein einziger Pass, ein einziger verlorener Zweikampf um den Mannschaftsteil namens Abwehr zu einem Torso werden zu lassen. Tore schießen leicht gemacht!
Huub Stevens zog die richtige Konsequenz und nahm Serey Dié gegen Romeu heraus. Der sonst gute Serey Dié, zum einen an diesem Tag völlig indisponiert, war zu diesem Zeitpunkt bereits stark gelb-rot-gefährdet. Er, der seine Zweikämpfe immer am Limit führt, wäre nach seinem Fauxpas beim Gegentor sicherlich schwer zu bändigen gewesen, daher eine für michnachvollziehbare Auswechslung.
Kurze Zeit später musste Stevens erneut auswechseln. Timo Werner, ebenfalls ganz schwach am Samstag, bekam einen Schlag auf die Achillessehne und musste humpelnd vom Platz (Entwarnung folgte am Sonntag, alles halb so wild), er wurde durch Kostic ersetzt, der noch in Leverkusen zur Startformation gehörte.
Auf einmal war mehr Zug im Spiel nach vorne. War der VfB nach dem 0:1 und den Minuten danach mausetot, musste man befürchten, wir würden jetzt endgültig abgeschossen, nahmen die Jungs ihr Herz plötzlich in die Hand. Ein Geistesblitz von Alexandru Maxim, der einen Ball akrobatisch in den freien Raum weiterleitete, Martin Harnik, der seine Schnelligkeit ausspielen konnte und wagemutig vor Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp an den Ball kam und herein spitzeln konnte und schließlich Daniel Ginczek in der Mitte waren die Protagonisten des wie aus dem Nichts gefallenen Ausgleichs. Mit einer einzigen Aktion wischte Harnik den schlechten Eindruck der ersten guten Stunde beiseite und zeigte, wie wertvoll er noch immer für die Mannschaft sein kann.
Ginczek in der Mitte hatte keine Mühe mehr, den Ball über die Linie zu bugsieren. So einfach es auch war, kam das Tor (s)einer Befreiung gleich. Ginczeks erstes Bundesligator für den VfB gut 13 Monate nach seinem Kreuzbandriss, den er noch im Trikot des 1. FC Nürnberg erlitten hatte.
Viele schimpften ja auch über diesen Transfer, wie es sein könne, einen so schwer verletzten Spieler zu holen. Ich hatte über diesen Transfer nie gemeckert, lediglich aber immer darauf hingewiesen, dass seine Verpflichtung nachvollziehbar war, wenn man sie als Vorgriff für die nächste Saison ansieht. Einen Spieler seiner Klasse kann man schon mal für 2,5 Millionen Euro holen, hat man doch die Chance eine gute Rendite einzufahren. Hätte man sich nicht um ihn bemüht, wäre ein anderer Verein gekommen und wir müssten womöglich seine Entwicklung zum Top-Spieler aus der Ferne beobachten. Als er noch für St. Pauli spielte, sah ich ihn einige Male live spielen und traute ihm einen ähnlichen Weg wie den von Max Kruse zu, der es auch von St. Pauli bis in die Nationalmannschaft geschafft hat. Daher war dieser Transfer für mich kalkulierbares Risiko, man durfte eben nicht zu früh schon Wunderdinge von ihm erwarten. Nachdem er bereits einige Male bei den Amateuren erfolgreich war, preschte er selbst vor nicht allzu langer Zeit hervor, er sei überzeugt davon, den VfB zum Klassenerhalt schießen zu können. Eine gewagte Prognose, vielleicht aber auch eine Kampfansage in Richtung Vedad Ibisevic und auch in Richtung Trainer die versteckte Bitte, im weiterhin das Vertrauen zu schenken.
War er noch in Leverkusen aus nächster Nähe an Bernd Leno gescheitert, platzte nun gegen die Eintracht endlich der Knoten. Keine drei Minuten später, ein genialer Lupfer von Maxim auf Ginczek, vorzügliche Ballannahme und direkt der Abschluss ins Glück. Eine tolle Aktion von beiden, die verdeutlicht, welche Rolle im Fußball der Kopf spielt. Das 1:1 war der Brustlöser, auf einmal machten die Füße wieder das, was der Kopf wollte. Plötzlich purzelten etwa 45.000 Herzen, man traute seinen Augen nicht, das sah nach Spielkultur aus.
Die zweite Geschichte des Spiels, neben Ginczek, schrieb Alexandru Maxim. Bereits zur Auswechslung vorgesehen, Wanitzek stand schon zur Einwechslung bereit, schwang er sich binnen Minuten zum Man of the Match empor. Zwei Geistesblitze dieses Spielers, der für mich eigentlich immer spielen müsste. Unser mit Abstand bester Fußballer, der immer dazu in der Lage ist, ein Spiel durch einen gut getretenen Standard, einen direkten Freistoß oder auch durch einen Geistesblitz aus dem Spiel heraus zu entscheiden. Natürlich hat er in der Rückwärtsbewegung seine Defizite, eine (laufstarke) Mannschaft muss diese aber kompensieren können und bereit sein, Drecksarbeit für diesen Genius zu verrichten, wenn sie sieht, dass letztendlich alle von ihm profitieren.
Als die Eintracht mehr schlecht als recht versuchte, dem Spiel abermals eine Wende zu geben, wie es ja im Hinspiel der Fall war, schlug die Stunde von Filip Kostic. Er zog einen unwiderstehlichen Sprint an, ließ Chandler fast stehen, hob kurz den Kopf, sah den heranbrausenden Alexandru Maxim und passte punktgenau in die Mitte, so dass Maxim nur noch einzuschieben brauchte. 3:1, unglaublich. Ich hatte Tränen in den Augen und konnte kaum etwas sagen. Wie der Mannschaft, so fiel auch mir ein riesen Stein vom Herzen, und das noch ohne dass ich bereits die Ergebnisse der Konkurrenz gekannt hätte. Nach dem Freiburger Sieg und dem Paderborner Punktgewinn wären wir im Falle einer Niederlage schon fast weg gewesen.
So geht es jetzt erleichtert in die Bundesligapause zwischen der Länderspiele gegen Australien und in Georgien. Natürlich bleiben wir Schlusslicht der Liga, natürlich war der Sieg nur ein kleiner Schritt in Richtung Klassenerhalt. Aber, er steigert das Selbstvertrauen, das Vertrauen in die eigene Stärke(n). Die Jungs haben mal wieder gesehen, dass sie doch zumindest nach vorne nicht ganz so schlecht besetzt sind, wie die bisher magere Torausbeute vermuten ließe. Und, Daniel Ginczeks erste Treffer nähren die Hoffnung auf die so dringend benötigten Stürmertore in den verbleibenden Partien. Das Restprogramm liest sich doch machbar. Nach der Pause geht es zwar zunächst nach Wolfsburg, die sich zur zweiten Kraft im Deutschen Fußball nach den Bayern aufgeschwungen haben. Dort hängen die Trauben für uns in den letzten Jahren immer sehr hoch, aber, auch dieses Spiel beginnt bei 0:0. Beim Championsleague-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen legte das Team ja auch eine gute erste halbe Stunde hin und hätte in Führung gehen können, weshalb soll das nicht auch bei den Wölfen gelingen, die mit den Köpfen vielleicht schon beim DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den SC Freiburg sind. Bange machen gilt nicht, auch dieses Spiel muss erst einmal gespielt werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man den Schwung der letzten halben Stunde gegen Frankfurt mitnimmt und dieser nicht durch eine desolate Vorstellung gleich verpufft. Danach kommen die Gegner, gegen die man punkten muss. Gegen Werder, in Augsburg, gegen Freiburg, später noch die Heimspiele gegen Mainz und Hamburg sowie in Paderborn, noch liegt alles drin, den Super-GAU Abstieg abzuwenden.
Natürlich dürfen wir diesen Sieg nicht überbewerten. Natürlich wurde er nur durch gütliche Mithilfe der Frankfurter möglich gemacht, aber, das so wichtige Erfolgserlebnis ist da und lässt sich auch nicht weg diskutieren. Im Fußball wird viel im Kopf entschieden, auf diesen Erfolg gilt es aufzubauen. Dass die ersten gut 60 Minuten einmal mehr nicht bundesligatauglich waren, dürfte den Protagonisten genauso klar sein wie dem Fan vor dem Fernseher oder auf der Tribüne. Zurücklehnen dürfen wir uns nicht. Mit einem Sieg ist noch überhaupt nichts erreicht, es muss konzentriert weitergearbeitet und weiterhin alles der Mission Klassenerhalt untergeordnet werden.
Unabhängig davon, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen werden, ein „Weiter so“ darf es auf keinen Fall noch einmal geben. Der Kader muss ein grundlegend anderes Gesicht bekommen. Identifikationsfiguren wie Ulreich und Gentner (wo war er eigentlich während des Spiels?) müssen ebenso hinterfragt und am besten ausgetauscht oder ins zweite Glied zurückgestuft werden, wie die ganzen Schwaabs, Hlouseks, Hagguis, Abdellaoues, Sararers und wie sie alle heißen. Wir brauchen eine Achse, an der sich unsere Nachwuchskräfte, die es weiter konsequent einzubauen gilt, aufrichten und zu der sie aufschauen können.
Egal, wer Trainer wird, für Robin Dutt wird es die vordringlichste Aufgabe sein, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, um aus der Wohlfühloase VfB (endlich) eine Leistungsgesellschaft zu entwickeln. Neben unzähligen wirtschaftlichen Fehlentscheidungen ist es für mich der Hauptgrund des Niedergangs der letzten Jahre schlechthin, dass kein Leistungsklima mehr vorhanden ist, einige Plätze im Team mehr nach der Lobby des Spielers als aus Leistungsgründen fest vergeben sind und Bessere dadurch nicht zum Zuge kamen. Die Konsequenz daraus war, dass uns die besonders ehrgeizigen deshalb verlassen haben und die bequemen geblieben sind und ihre Verträge notfalls abgesessen haben.
Im Grunde käme es einem Wunder gleich, wenn wir auch in dieser Saison wieder mit einem blauen Auge davon kämen. Darauf bräuchte sich keiner etwas einbilden, dies wäre einzig und allein der Schwäche der Konkurrenz geschuldet. Was dem Fan bzw. Kunden für teures Geld schon seit Jahren zugemutet wird, spottet jeder Beschreibung. Dass der Umbruch alternativlos ist, liegt auf der Hand. Fraglich ist, wie die betroffenen Spieler bis zum Saisonende damit umgehen, wenn sie nicht wissen, wie es für sie nach der Saison weiter geht. Können Sie das professionell ausblenden oder schleppt der eine oder andere gar einen zusätzlichen Rucksack mit sich herum? Ich denke positiv und glaube daran, dass sich keiner unserer Spieler den Stempel eines Absteigers aufdrücken lassen möchte und sie schon daher aus reinem Eigeninteresse bestrebt sein werden, den Abstieg noch abzuwenden.
Ein positives Beispiel, was Konzentration auf den Abstiegskampf und Identifikation mit dem Verein bedeuten, liefern ausgerechnet mal wieder unsere Youngsters. Sowohl Timo Werner als auch Timo Baumgartl verzichten auf die Länderspielreisen mit der U19 und konzentrieren sich in der Heimat auf die kommenden wichtigen Aufgaben, wobei Werner ja sowieso angeschlagen angereist wäre. Chapeau dafür und weiter so!

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19. März 2015

VfB weiter im Sinkflug

Die tolle Krombacher-Fan Tour wurde lediglich durch das Spiel getrübt. Ansonsten muss man sagen, alles richtig gemacht. Am Freitag um 10 Uhr ging es bereits vor der Schleyer-Halle los, natürlich mit reichlich Krombacher-Bier an Bord. Der Veranstalter hatte seine Rechnung zunächst ohne die Mitfahrer gemacht, denn, nach gerade mal knapp zwei Stunden war das Bier aufgebraucht und das Bus-Klo dafür voll. Für Nachschub wurde jedoch schnell gesorgt, so dass einer lustigen Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand. Gegen 16 Uhr bereits erreichten wir unser Domizil in Attendorn, im Sieger Land gelegen. Weshalb sie ausgerechnet VfB-Fans ins Sieger Land brachten, war uns nicht so ganz klar, vielleicht war es ja ein gutes Omen. Begrüßt wurden wir mit einer leckeren Gulaschsuppe und Krombacher Bier vom Fass, was ebenfalls in unserem All-Inclusive-Arrangement enthalten war. Von dort ging es dann wenig später weiter ins knapp 100 Kilometer entfernt gelegene Leverkusen, das wir zu einer guten Zeit erreichten. Es blieb genügend Zeit noch in die gegenüber der BayArena gelegene „Pille“ zu gehen, wo wir die RWSler und noch einige andere bekannte Gesichter trafen. Diese Location mit ihrem großen Biergarten, für mich immer ein Muss, wenn wir in Leverkusen sind, wobei mir Leverkusen sowieso immer gut gefällt. Werksclub hin oder her, dort ist doch noch mehr Tradition vorhanden als bspw. bei VW und SAP, mit den Fans dort hatte ich noch nie Probleme und auch in Bezug auf Einlass und Ordnungspersonal hebt sich Leverkusen für mich von vielen anderen Away-Stadien positiv ab. Zudem ist Leverkusen selten ausverkauft, so dass ich dort schon traditionell direkt meine Eintrittskarte bestelle und auf der Gegengerade sitze. Mein Eingang liegt, logistisch perfekt, kaum mehr als 50 Meter vom Eingang der Pille entfernt, so dass ich, wo die Stehplatzkarteninhaber schon lang weg waren, noch gemütlich ein Bierchen trinken konnte. Am Einlass hatte ich erwartungsgemäß auch mit meiner Bridge-Kamera keine Probleme, so dass es gleich hinein in dieses schmucke Stadion ging. Den Platz hatte ich mir bei der Bayer 04 Saalplanung perfekt ausgesucht, Reihe 1 und direkt am Gang. Vorne kann man sein Bier auf die Bande stellen, das man auch noch rasend schnell bekommt. Es gibt zwar im Stadion die Bayer-Card als Bezahlkarte, man hat aber auch die Möglichkeit, wenn der Geld Chip aufgeladen ist, mit EC-Karte zu bezahlen. Diese Bezahlart lasse ich mir gerne gefallen, da es sie in ein paar anderen Stadien auch schon in dieser Form gibt. Als „Bayer-Kunde“ konnte ich erstmals in einem Stadion das freie WLAN testen und konnte feststellen, wenn auch ein bisschen langsam, aber, es funktionierte.
Auch bis dahin, alles richtig gemacht. Dann allerdings kam das Spiel, welches sich zwar gut anließ, aber, wenn man keine Tore macht, rächt es sich meist hinten und wenn man die Gegentore dann noch herschenkt, setzt es eben auch bei einem Club wie Bayer 04, der mit den Köpfen schon beim Championsleague-Rückspiel bei Athletico Madrid war, eine 0:4-Klatsche, mit der man am Ende noch gut bedient war.
Es ist eigentlich unbegreiflich, wenn man sich die erste halbe Stunde vor Augen führt, in der der VfB sein Heil mutig in der Offensive suchte und Leverkusen keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bis eben zu jener 32. Minute, als erst Hilbert Timo Werner entwischte, von Sakai nicht an der Hereingabe gehindert wurde, Ulle den Ball, der halbhoch (!) durch den 5-Meter-Raum flog, nicht abfing, Klein zu allem Überfluss Schwaab anschoss und schließlich Gentner, Kostic und Dié am Ball vorbeiliefen, anstatt dass auch nur einer der Dreien die Kugel weg aus der Gefahrenzone befördert hätte. Wendell sagte danke und erzielte die Leverkusener Führung. Slapstick pur, eigentlich müsste man alle daran Beteiligten für den Comedy-Preis nominieren. Zum Lachen eigentlich, wenn es nicht so traurig wäre. Vorne ein zahnloser Tiger und hinten schießt man sich die Dinger selten rein, so ist es eigentlich nicht möglich, die Klasse zu halten.
Ich hatte erst einmal genug gesehen und ging Bier holen. Schwupps, kaum draußen, Jubel und die Tor-Hymne „Whatever you want“, die mir auch am Tag danach noch in den Ohren klingen sollte. Damit war das Ding gelaufen, ein Doppelschlag nach vielversprechender Anfangsphase, also, blieb ich erstmal in den Katakomben und steckte mir eine Zigarette an. Die BayArena ist ja, wie Hoffenheim auch, ein reines Nichtraucherstadion. Im Gästeblock mag dies keinen interessieren, in den anderen Bereichen des Stadions jedoch schon. Und, als Gast, der nicht die Intension hatte, negativ aufzufallen, hielt ich mich natürlich auch daran. Danach ging ich dann wieder auf meinen wirklich tollen Platz, wo ich die „Mannschaft“ kurze Zeit später auseinanderfallen sah.
Beim 3:0 spielte Bellarabi Gotoku Sakai Knoten in die Beine. Und überhaupt, was – erlaube – Sakai? An allen Gegentoren maßgeblich beteiligt, von Hilbert ein ums andere Mal wie ein Anfänger überlaufen, weshalb er nach unzähligen bundesligauntauglichen Auftritten immer wieder in der Startformation auftaucht, ist mir ein Rätsel. Natürlich rege ich mich auch über Hlousek auf, die beiden nehmen sich nicht viel. Hlousek wurde in dieser Woche seit längerer Zeit mal wieder in den Kreis der tschechischen Nationalmannschaft berufen, dieser Nationalmannschaft muss es wirklich schlecht gehen, mag man sich denken.
Dass Rausch, der bei den Amateuren vor sich hindümpelt so viel schlechter sein soll als diese beiden, kann ich mir nicht vorstellen. Bei dieser Misere auf der linken Seite trauert man selbst noch einem Arthur Boka nach. Er hatte zwar auch große Defizite im Defensivverhalten, war aber nach vorne wirkungsvoller und vor allem war ein Kämpfer, der mal dazwischengehauen hat, während Sakai ob der Fußballkunst seiner Gegenspieler, nur staunend und mit offenem Mund zuschaut.
Dies nur eine verbesserungswürdige Planstelle in der Anfangsformation von vielen. Die Torwartfrage stellt sich nach wie vor. Ich hoffe, dass der VfB im Sommer handelt und Vlachodimos das Vertrauen schenkt oder notfalls von extern jemanden holt. Dass Leno der eindeutig bessere Torwart ist, konnte man auch am Freitag wieder sehen. Er ist fußballerisch sowieso stärker, spielt aber auch besser mit, hat ein besseres Stellungsspiel und eine stärkere Ausstrahlung. Einer von sehr, sehr vielen Fehlern und Fehleinschätzungen der letzten Jahre, wobei bei dieser persönliche Seilschaften vor leistungsorientiertem Denken gingen.
Weshalb Timo Baumgartl nach seinem Fehler gegen den BVB plötzlich total außen vor ist und Schwaab das Vertrauen geschenkt wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Schwaab, der sich gerne mal mit den Fans, die die einzigen sind, die alles geben, anlegt und selbst Woche für Woche eine schwache Vorstellung an die nächste reiht, würde bei mir allenfalls noch ein Notnagel sein. Spätestens nach diesem Slapstick vom Freitag, an dem sämtliche Arrivierten einschließlich der Führungs-Ikone Gentner beteiligt waren, verbietet es sich eigentlich, dem Jungen Nervenstärke abzusprechen. Er war bei seinen Spielen immer einer der Wenigen, dem man Ballfertigkeit attestieren konnte und der den Kopf dabei noch oben hatte. Von Jugend und Amateuren ist er auch einen besser mitspielenden Torwart gewohnt, der besser antizipiert und schneller dem Ball entgegen kommt, wenn ein Rückpass zu kurz gerät, wie es Ulle gegen den BVB getan hatte.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass im Grunde jeder Einzige in der Startformation austauschbar wäre, kein Einziger ist dabei, der das Prädikat Leistungsträger verdienen würde.
Hoffnungsträger sind stets diejenigen, die ausfielen und wieder einsatzbereit sind, bis sie eben dann auch wieder enttäuscht haben. So hoffe ich derzeit auf eine baldige Rückkehr von Antonio Rüdiger und Daniel Didavi, wobei ich bei Letzterem nicht wirklich dran glaube, dass er noch mal auf die Beine kommt.
Ein Impuls fürs Team wäre eine Rückkehr sicherlich, ging es doch auch in der letzten Saison erst aufwärts, als er (und Gruezo) in die Mannschaft kamen. Auch auf Martin Harnik dürfen wir gegen die Frankfurter Eintracht wieder hoffen. Vielleicht haben ihm diese zwei Spiele Sperre gut getan, dass er jetzt frischer im Kopf ist und sich wieder über die volle Distanz konzentrieren kann. In den letzten Spielen, in denen er zum Einsatz kam, fiel er in einer schwachen Mannschaft eher noch ab. Seine Torgefährlichkeit vergangener Jahre könnten wir derzeit jedenfalls gut gebrauchen.
Nicht nur bei Harnik, auch beim Rest des Teams, ist ein riesiges Kopfproblem auszumachen. Ich schrieb schon vor einiger Zeit, die Jungs bräuchten einen guten Psychologen, der ihnen die Angst vor der eigenen Courage austreibt. Wie sie derzeit auftreten, wird es ganz, ganz schwer werden mit dem Klassenerhalt. Natürlich sind wir nominell besser als Paderborn und Freiburg besetzt, natürlich sind die beiden noch in Schlaginstanz, natürlich würde ein einziger Sieg genügen, um (zunächst und bei gleichzeitiger Niederlage der anderen) an beiden vorbeizuziehen.
Aber, die beiden haben, im Gegensatz zu uns, ein Team im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Platz, die füreinander durch dick und dünn gehen, was in der Endphase ein entscheidender Faktor werden könnte. Bei uns haben es viele noch immer nicht kapiert, dass es nur gemeinsam geht, dass sie sich helfen und auch mal den Fehler des Anderen bereit sein müssen auszubügeln. Freiburg hat jetzt zwei machbare Heimspiele vor der Brust, was bedeutet, wir müssen gegen die Frankfurter Eintracht unbedingt gewinnen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass dieses Schneckenrennen im Tabellenkeller endlos so weitergeht.
Wie es aussieht, wird Stevens auch gegen die Eintracht noch auf der Bank sitzen. Nach der ersten halben Stunde von Leverkusen sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung. Auf der anderen Seite könnte ein neuer Impuls in Form eines neuen Übungsleiters der Truppe noch einmal einen Schub verleihen, mir kommt das ganze derzeit sehr eingefahren vor, die Reaktion auf eine Niederlage ist stets die gleiche, nämlich „abhaken, hart weiter arbeiten und es im nächsten Spiel besser machen“. Nur, uns laufen die „nächsten Spiele“ weg, da waren’s nur noch neun.
Durch die völlig unnötige (so frühe und vermeintliche) Einstellung Zornigers als Trainer für die nächste Saison, hat sich der VfB dieser letzten Patrone beraubt und wird, wenn’s dumm läuft, sang- und klanglos runter gehen. Mir kommt es derzeit so vor, man nimmt den Abstieg mit Stevens jetzt bewusst in Kauf, denn, selbst wäre man von Stevens nicht mehr überzeugt, was sollen die Herren denn tun? Zum einen ist die Kasse sowieso klamm, fraglich, ob man sich die Abfindung überhaupt leisten könnte. Zum anderen, begänne Zorniger schon jetzt, mitten im Abstiegskampf, hätte man womöglich einen Trainer mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet, der im Mai seine Koffer wieder packen müsste, denn, mit dem Abstieg wäre er auf dem Wasen höchstwahrscheinlich verbrannt.
Oder aber, man holt einen Übergangstrainer, der, sollte er erfolgreich sein und den Abstieg verhindern können, sich im Nu einen Heldenstatus hier erarbeiten würde, so dass Zorniger auch dann eine schwere Hypothek belasten dürfte. Da weiter kein Dementi zu dieser Personalie vom VfB kommt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es Fakt ist, dass der Wechsel Zornigers zum VfB bereits in trockenen Tüchern ist. Stevens selbst wird nicht aufgeben, dazu ist er zu sehr Kämpfer, zudem ist er sicherlich auch nicht bereit, auf Geld zu verzichten. So dümpeln wir also weiterhin vor uns hin, ohne Hoffnung auf grundlegende Besserung.
Natürlich kommt mit Frankfurt jetzt ein Gegner, der prädestiniert dazu wäre, gegen ihn die Trendwende zu schaffen. Im Hinspiel haben wir ihnen fünf Dinger eingeschenkt, zudem bekamen sie selbst in Köln die Bude voll, die das Tore schießen auch nicht gerade erfunden haben.
Jedoch, wir haben in Frankfurt auch vier Tore kassiert, offensiv sind sie gefährlich und haben in Alex Meier den derzeitigen Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen. Ein Tier vorne, das schwer auszurechnen und zu verteidigen ist, der seine Tore mit jedem Körperteil und von innerhalb und außerhalb des Strafraums erzielt. Da ich mir immer nicht so ganz im Klaren bin, in wie weit sich unsere Spieler mit ihren kommenden Gegenspielern beschäftigen, an Ulle schon einmal der Tipp, es tunlichst zu vermeiden so weit wie sonst vor seinem Kasten zu stehen. Er hat in dieser Saison schon einige Tore gefangen, die zu vermeiden gewesen wären, wenn sein Stellungsspiel besser wäre, Meier hat das Auge und das Gefühl im Fuß genau solche (Stellungs-) Fehler auszunützen.
Man wird der Eintracht aber auch nicht gerecht, wenn man alles auf Meier reduziert. Er muss ja auch von seinen Mitspielern in Szene gesetzt werden und auch das machen bspw. Aigner und Inui vorzüglich. Gerade ein Aigner, an dem Veh schon zu VfB-Zeiten interessiert war und den er schließlich zur Eintracht holte, wird sich auf unsere Sakais und Hlouseks jetzt schon freuen.
Unsere Ultras hatte nach dem 3:0 kurz nach der Pause die Schnauze voll, hängten ihre Fahnen ab, stellten das Supporten ein und verließen den Block. Eine verständliche Reaktion und längst überfällig. Ist ja fast schon bemitleidenswert unseren einst so stolzen VfB als Sparringspartner sehen zu müssen, der dem Gegner in allen Belangen unterlegen ist und wo man jederzeit Angst haben muss, dass dieser mühelos noch einen Gang aufschalten könnte. Auch für die Fanszene ist es derweil ein schmaler Grat, wie man sich verhalten soll. Alle sind stinksauer, in jedem Einzelnen, dem der Verein so am Herzen liegt, brodelt es gewaltig, so dass es eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Frust so richtig entlädt. Aber, die Fans sind auch pragmatisch. Man sieht natürlich auch, welche nervlichen Wracks da auf dem Platz stehen, draufhauen, bringt da wohl am allerwenigsten. Derzeit haben wir es mit einer ähnlichen Gefühlslage wie in der Vorsaison zu tun, auch damals siegte am Ende der Pragmatismus. Wenn man als Fanszene eine Erkenntnis von damals mitnehmen und aus etwaigen Fehlern lernen möchte, so vielleicht aus diesem, dass man ruhig blieb, als das Ziel, der Klassenerhalt, erreicht war. Hätte man damals vehement auf die (versprochene) Aufarbeitung der Saison gepocht und Konsequenzen gefordert, vielleicht hätte man damals schon Fredi Bobic aus dem Amt drängen können und uns wäre diese Saison erspart geblieben.
Nach dem Spiel ging es direkt zum Busparkplatz, unser Busfahrer Ahmet hatte schließlich mehrfach darauf hingewiesen, dass er Punkt 23 Uhr abfahren würde. Dort noch die Jungs und Mädels vom RWS und von Leintalpower getroffen und ein Bier zusammen getrunken, ging es dann weiter in Richtung Hotel. Vier Businsassen hatten Ahmets Durchsage wohl nicht ernst genommen, fehlten bei der Abfahrt und wurden für 200 Euro kostengünstig von einem Taxi zum Hotel chauffiert. ;-) Im Hotel gab es bedauerlicherweise nichts mehr zu essen, so dass wir uns abermals an die Flüssignahrung halten mussten und dies feuchtfröhlich bis in die Morgenstunden auch taten. Nach einem tollen Frühstück ging es dann am Samstagmorgen weiter zur Brauereibesichtigung und Verköstigung in die Krombacher Brauerei, von wo es dann gegen 14.45 Uhr wieder in die Heimat ging. Gegen 19.30 Uhr waren wir zurück an der Schleyer-Halle, von wo es nicht etwa heim zum Regenerieren ging sondern direkt ins Jugendhaus nach Neugereut, wo das CC97 seinen 18. Geburtstag und damit seine Volljährigkeit feierte. Auch dort wieder jede Menge Bekannte getroffen, es wurde trotz der Tabellensituation vom VfB ein schöner und lustiger Abend.
Die Sicherheitsthematik kocht nach den Vorkommnissen rund um unser Hertha-Spiel sowie den Geschehnissen um das Spiel KSC gegen Red Bull Leipzig wieder hoch.
Eigens dafür sah sich Sport im Dritten dazu genötigt, das Thema zu erörtern und talkte mit Christoph Ruf (freier Journalist und Kenner der Fanszene), Rüdiger Seidenspinner von der Polizeigewerkschaft und Ingo Wellenreuther (Präsident KSC). Dazu wurde ein Interview mit einem „Stuttgarter Hooligan“ eingespielt, wie es sich gehört und dass die Leute vor dem Fernseher schön Angst bekommen, von hinten, mit Kapuzenpulli und nachgesprochener Stimme. Dieser war für mich schon einmal völlig fehl am Platze, da es ja nicht um irgendwelche Hooligan-Kämpfe auf der grünen Wiese ging, sondern um Vorkommnisse in Cannstatt, von denen nicht erwiesen ist, wer daran beteiligt war, also ob Hooligans, Ultras, Normalos, ja, nicht einmal ob wir von welchen aus dem VfB-, dem KSC- oder dem Hertha-Lager sprechen.
Beim zweiten Themenkomplex handelte es sich um KSC-Kinder, die dem Mannschaftshotel von Red Bull einen Besuch abstatteten, der sich inzwischen auch als weitaus weniger dramatisch herausstellte, wie ursprünglich von Ralf Rangnick geschildert.
Diese Runde hätten sich die Macher vom SWR schenken können, weil nicht mit einer Silbe versucht wurde zu erörtern, wie sich solche Vorfälle vermeiden ließen, nämlich beispielsweise durch cleverere Terminierungen, besonnenere Beamten und auch einer Kennzeichnungspflicht der Beamten, um den schwarzen Schafen darunter endlich den Garaus zu machen. Einzig der freie Journalist in der Runde räumte ein, dass es unverhältnismäßige Einsätze von Beamten gibt, die auch durchaus solche „Gelegenheiten“ nutzten, um sich auszutoben. Mir liegt es dabei fern, irgendwelche Sachbeschädigungen oder Angriffe auf Personen, die sich rund ums Hertha-Spiel ereignet hatten, schönzureden. Wie jeder Verein haben auch wir „Fans“ in unseren Reihen, die im Schutz der Menge und der Dunkelheit Straftaten begehen, weil das Entdeckungsrisiko relativ klein ist. Ich selbst lehne Gewalt und Vandalismus ab und hoffe, dass man die wenigen Hirnverbrannten schnappt und zur Rechenschaft zieht, sind es doch unter anderem diejenigen, denen wir die vielen Restriktionen rund um ein Fußballspiel „zu verdanken“ haben. Gerade aber weil man weiß, dass es die gibt, dass sie nicht aussterben, im Gegenteil, sie auch nachgeboren werden, wäre es wünschenswert, dass auf der Gegenseite die schwarzen Schafe vom Dienst suspendiert werden und man Polizeieinsätze erlebt, die auf Deeskalation abzielen. Dazu gehören ausgeklügelte Polizeistrategien mit wirklichen Kennern des Fanverhaltens und nicht irgendwelche Hardliner, die meinen, dann geht man eben mit Schlagstock und Pfefferspray in die Menge rein. Gerade dann „erreicht“ man nämlich solch chaotische Zustände, wie sie in Stuttgart vorgefallen sind. Dann trifft es auch viele Unbeteiligte und auch als „normaler“ Fan solidarisiert man sich mit den eigenen Leuten eher als mit der prügelnden Staatsmacht.
Dass sich Präsident Wahler, um den man sich zuweilen schon Sorgen macht, wo er sich rumtreibt, zu diesem Thema aus der Deckung wagte, als noch überhaupt nicht geklärt war, welche Darstellungen über die Vorkommnisse überhaupt der Wahrheit entsprechen, passt derzeit ins Bild, das der VfB abgibt. Erst einmal werden die eigenen Fans an den Pranger gestellt, anstatt Ursache und Wirkung zu durchleuchten. Man würde sich wünschen, Wahler äußerte sich mit solch klaren Worten zur inzwischen wieder einmal beispiellosen sportlichen Talfahrt und er würde Lösungsansätze aufzeigen. So aber überlässt er dies vollkommen dem Novizen und immer etwas unbeholfen erscheinenden Robin Dutt, während der VfB das schlechteste Jahr seiner bald 122-jährigen Vereinsgeschichte hinlegt. Das sind dann immer die Momente, in denen ich in Nostalgie schwelge und mich nach Gerhard Mayer-Vorfelder zurücksehne. Er nahm sich als Präsident stets das Recht heraus, den Jungs die Leviten zu lesen und sie an ihre Verantwortung dem Verein, den Fans, der Stadt und dem Umfeld zu erinnern, ob es dem Trainer und Manager passte oder auch nicht. Als Fan wusste man damals immer, dass es einen gibt, der Emotionen vorlebt und dem ein Niedergang nicht egal ist. Derzeit hat man aber den Eindruck, man lässt jeden vor sich hin wursteln, ob Trainer oder Manager, und, wenn das nächste Spiel verloren wird, hofft man einfach auf das übernächste. Es ist diese Lethargie, die mich wahnsinnig werden lässt und wenig Hoffnung auf ein gutes Ende macht.

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11. März 2015

Weiß bleibt Bad Cannstatt, jagt sie aus der Stadt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 17:42

Viel Zeit blieb nicht, sich über die neuerliche Nullnummer im Neckarstadion aufzuregen. Dafür sorgten DFL, Deutsche Bahn und die Polizei, die das größere Ärgernis an diesem Abend waren und die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnen, dass wir mehr über die Geschehnisse rund um und nicht mehr über das Spiel sprechen.
Zunächst einmal war es höchst fahrlässig, dieses Spiel gegen die Hertha an einem Freitag-Abend austragen zu lassen, während der KSC sein Heimspiel erst am Montag zu bestreiten hatte. Hier standen offensichtlich die Sender- über den Sicherheitsinteressen. Man kann davon ausgehen, bei gleicher Konstellation auswärts, wäre das Spiel aufgrund dortiger Sicherheitsbedenken kurzfristig verlegt worden, scheiß drauf, wer schon alles die Reise gebucht und sich auf den einmal festgelegten Termin eingestellt hat.
Nicht so in Stuttgart! Sehenden Auges rannte man ins Chaos, ein Schelm, der dabei nicht vermutet, dass es mal wieder ordentlich krachen sollte, um den Forderungen nach weiteren Restriktionen rund um den Fußball Nachdruck zu verleihen. Dass es kein normales Aufeinandertreffen werden würde, merkte man bereits Stunden vor dem Spiel, da in Cannstatt ein massives Polizeiaufgebot zu sehen war. Da es Verschwendung von Personalressourcen gewesen wäre, sie waren ja nun mal schon da und sollten nicht „arbeitslos“ herumstehen, wurde von Polizeiseite alles getan, einen arbeitsreichen Tag zu bekommen.
So beorderten sie etwa 150 Hertha- und KSC-Fans in Bad Cannstatt aus der S-Bahn, um sie von dort zum Stadion geleiten zu wollen. Eine Schnapsidee, wie es von vornherein absehbar war und sich auch als solche herausstellte. Man weiß, sicherlich auch die oberschlaue Polizei, dass sich stets am Bahnhofsvorplatz die VfB-Ultras sammeln, um dann gemeinsam zum Stadion zu marschieren. Dass, geleitet man eine Gruppe von Fans bzw. Krawallmachern des Erzfeindes an ihnen vorbei, diese nicht nur freundlich zuwinken würden, war wohl jedem klar, nur eben nicht den vom Steuerzahler finanzierten Ordnungshütern. Es mag daran liegen, dass für solche Einsätze mittlerweile Einsatzkräfte aus dem ganzen Land herangezogen werden, aber, selbst dann, wie im normalen Berufsleben auch, heißt das Zauberwort „Arbeitsvorbereitung“. Hinzu kommt, dass für uns VfB-Fans Bad Cannstatt ein heiliges Pflaster ist, das es notfalls auch zu verteidigen gilt. Die KSCler, die sich in die Landeshauptstadt aufmachten, waren ja nun auch keine „normalen“ Fans, die hatten es darauf abgesehen zu pöbeln, VfB-Devotionalien zu ziehen, sich zu prügeln und Sachbeschädigungen in der aus ihrer Sicht verbotenen Stadt zu verüben. Einen solchen Mob durch Cannstatt zu führen geht überhaupt nicht. Nachdem die Polizei damit die ersten Auseinandersetzungen erfolgreich provoziert hatte, zogen sie den Rückzug an und verstauten den Mob in der nächsten Bahn, um sie doch im Neckarpark abzuladen. Auch in dieser Bahn muss es zu übelsten Provokationen gegenüber „normalen“ Fahrgästen und VfBlern gekommen sein, da man ja nicht, wie in anderen Städten durchaus üblich, eine leere Bahn bereitgestellt hatte, die ausschließlich dem blauen Gesindel vorbehalten gewesen wäre.
Nach dem Spiel dann eskalierte die Situation zunehmend. Dies aber nicht etwa wegen randalierender Schwaben, sondern, weil die Polizei kurzerhand den Bahnhof zusperrte, um einer vom Neckarpark kommenden Bahn mit Gästefans eine störungsfreie Durchfahrt zu gewährleisten. Vor dem Bahnhof wuchs natürlich die Menschenmenge an, es war bereits nach 23 Uhr und auch die VfBler wollten nach Hause. Wir haben ein großes Einzugsgebiet, so dass viele noch ihren (letzten) Zug bekommen mussten, um nicht in Stuttgart stranden zu müssen.
Normalerweise ist es bei Hochrisikospielen Usus, dass dem Gästeblock eine Blocksperre auferlegt wird und die Gäste so lang im Block bleiben müssen, bis die Luft rein ist und die meisten Heimfans das Stadionumfeld verlassen haben. So war es vor ein, zwei Jahren auch in Berlin, dass wir freundlich aber bestimmt darum gebeten wurden, noch eine halbe Stunde zu warten, bis die meisten Berliner (und Karlsruher) weg waren. Bei uns aber, ein Hoch auf die Gastfreundschaft, ist es genau andersherum. Die Gästefans werden hofiert, wir dagegen müssen sehen, wo wir bleiben. Ähnliches war mir bereits während des Stadionumbaus sauer aufgestoßen, als uns der Zugang zum Neckarpark so lang verwehrt wurde, bis sich der Bayern-Block geleert hatte. Es war damals auch ein Abendspiel, unter der Woche, wo man eigentlich nur noch heim möchte.
Das gibt’s wohl exklusiv nur in Stuttgart, wie mit den eigenen Leuten umgegangen wird. Dass es sich bei solchen Umständen die einen oder anderen drei Mal überlegen, vor allem diejenigen, die eine weitere Anfahrt haben, ob sie auch die nächsten Abendspiele besuchen sollen, ist verständlich. Auch so vergrault man seine Zuschauer. Inwieweit der VfB ein Mitspracherecht bei den Terminierungen hat und in das Sicherheitskonzept eingebunden ist, kann ich nicht sagen. Ich würde mir aber wünschen, dass man sich hier mehr für seine eigene Kundschaft einsetzt und zu allererst Sorge dafür trägt, dass diese ohne Komplikationen den Heimweg antreten kann.
Ich selbst hatte nicht allzu viel mitbekommen und muss mich auf Presseberichte und Erzählungen von Bekannten verlassen. Lediglich gegen 23.15 Uhr, als wir am Bahnhof vorbei kamen, gab es zwei Mal eine Rennerei, der wir ausweichen mussten, weil vorne am Bahnhofseingang Pfefferspray zum Einsatz kam. Obwohl die Leute zwar ungeduldig, dennoch äußerst diszipliniert waren, sprühte die Polizei durch einen offenen Spalt an der Bahnhofstür Pfefferspray hinaus und hatte offensichtlich Spaß dabei. Welch eine feige, welch eine fiese Aktion! Dass durch solche Handlungen der Respekt vor und die Kooperationsbereitschaft mit den Ordnungskräften nicht wächst, ist doch ganz klar. So schufen die Einsatzkräfte ein aggressives Klima, welches sich später in ausufernder Gewalt einiger Unverbesserlicher niederschlug.
Angeblich wurden Polizisten von „Fans“ in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen, so dass sich diese nur mit Warnschüssen in die Luft zu helfen wussten, ebenso wurden einige Autos beschädigt. Für solche Exzesse habe ich null Verständnis und hoffe, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden. So verfahren die Situation war, so unverhältnismäßig und dilettantisch der Polizeieinsatz war, das alles rechtfertigt es nicht, fremdes Eigentum zu beschädigen und mit etwa 80 Mann zwei (!) Polizisten anzugreifen. Das ist purer Vandalismus, den ich im Zusammenhang mit Fußballspielen nicht sehen will.
Wie eingangs erwähnt liegt die Vermutung nahe, dass so manchem solche Geschehnisse gerade recht kommen. Die Reaktion von Polizeigewerkschaftsboss Wendt und auch Innenminister Gall folgte dann auch auf dem Fuß. Wendt meint, der Polizei würde es die Arbeit ungemein erleichtern, wenn er Leute einfach festnehmen lassen könnte, ohne dass sie eine Straftat begangen hätten, einfach so, nur um Ruhe zu haben. Wo kommen wir denn hin, wenn wir noch mehr der Polizeiwillkür ausgesetzt wären, wie ohnehin schon? Bei solchen und ähnlich lautenden Forderungen treten hoffentlich Juristen auf den Plan und verhindern die Einführung dieser. Man musste sich ja zwangsläufig in den letzten Jahren schon fast daran gewöhnen, dass die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland rund um ein Stadion, manchmal schon in der ganzen Stadt, nichts mehr wert sind, was für mein Rechtsempfinden schon sehr bedenklich ist.
Ich habe selbst keinerlei Verständnis für Gewaltausbrüche und versuche mich auch stets fernzuhalten, wo es danach aussieht, aber, als Vielfahrer bekommt man eben öfter unverhältnismäßige Einsätze mit und kann es verstehen, dass beim einen oder anderen Gewalt zu Gegengewalt führt.
Passend dazu gestern ein Vorfall im Kickers-Stadion. Wir waren oben auf den Golan-Höhen, um Chemie Halle bei den Blauen zu unterstützen. Ein Kumpel aus dem Fanclub, der aus Halle stammt und dessen zweite Liebe der Hallesche FC ist, nahm uns mit. Einige waren bereits mal in Halle dabei, letzte Saison waren wir mit ihnen schon in Degerloch gegen die Kickers im Block und auch letzten Samstag bei den Amateuren saßen wir nett mit Hallensern zusammen. Spricht grundsätzlich ja nichts dagegen, zumal wir in absolut friedlicher Absicht dort waren. Neutral angezogen, äußerlich identifizierte uns nichts als VfB-Fans. Wir waren also auf keinerlei Pöbeleien gegen die Kickers aus gewesen, wollten nur das Fußballspiel sehen und ein paar Bier mit den Hallensern trinken und hätten uns gefreut, wenn die Kickers eine auf den Sack bekommen hätten.
Nach unserem Eintreffen am Eingang genügte es dann schon, dass wir Bekannten „hallo“ sagten, die von der Polizei wohl in die Kategorie Problemfans eingestuft wurden. Jedenfalls wurden wir eingekesselt, einer Personenkontrolle unterzogen und schließlich nach kurzer (sinnloser) Diskussion in einen leeren Block verfrachtet, weil es angeblich bei den Hallensern nicht gut ankam, dass VfBler mit ihnen im Block sein wollten, „zu unserer eigenen Sicherheit“, wie uns der Bulle weismachen wollte. Dadurch verpassten wir schon einmal das Intro und den Anpfiff und fanden uns kurze Zeit später im Käfig wieder, so dass ich meine Kamera gleich mal stecken lassen konnte. Komisch nur, als wir uns nach der Halbzeit in der Menschenmenge doch noch in den Block schmuggelten, dass alle freundlich und uns wohlgesonnen waren. So viel zu der viel beschworenen Gefahrenabwehr. Für mich machen es sich die Ordnungshüter nur einfach und wollen Leute gleich mal wegsperren, bevor der eine oder andere ihnen Arbeit machen könnte, anstatt einfach nur ihren Job zu tun und die wirklichen Übeltäter mittels polizeilicher Ermittlungsarbeit festzustellen und zu sanktionieren. Uns war die Lust auf Fußball jedenfalls schon vor dem Spiel gründlich vergangen.
Am Tag danach sprach also kaum mehr jemand über das Spiel, das man erneut nicht gewinnen konnte. Aus VfB-Sicht war es ein 0:0 der besseren Art, 70% Ballbesitz und vor allem in der ersten Halbzeit ein recht gefälliges Spiel nach vorne. Man merkte, wie gut es dem VfB tat, mit Maxim und Kostic gleich zwei Spieler auf dem Platz zu haben, die den Ball zum Freund haben. Geburtstagskind Timo Werner auf links mühte sich zwar redlich, er brachte zwar seine Schnelligkeit gut ein, dafür aber keinen einzigen (!) guten Ball zum Mitspieler. Zudem vergab er die wohl beste Chance des Spiels nach einer Viertelstunde kläglich. Ein Stürmer muss diesen Ball einfach mit Wucht aufs Tor bringen, stattdessen kullerte der Ball ins Aus. Es ist inzwischen ein ausgemachtes Kopfproblem, die Stürmer wirken in den wenigen vielversprechenden Aktionen vor dem Tor zu überhastet und nervös im Wissen diese eine Chance, die sich ihnen bietet, nutzen zu müssen. Je länger dann ein Spiel dauert, desto fahriger wird man in den Aktionen und desto mehr sind Selbstzweifel festzustellen. Am Ende kann man den Kick sogar noch verlieren, so ist es eben, wenn man selbst kein Tor zustande bringt. Es war das neunte von zwölf Heimspielen ohne eigenes Tor, eine fatale Bilanz, die einem vor Augen führt, was uns Dauerkarteninhabern in diesem Spieljahr bereits zugemutet wurde.
Fast schon sensationell mutet es an, dass wir dennoch nicht den Kopf in den Sand zu stecken brauchen und noch Hoffnung, zumindest auf den Relegationsplatz, haben dürfen.
Paderborn scheint langsam aber sicher einzubrechen und hat seit Sonntag bei drei Punkten Vorsprung mittlerweile das schlechtere Torverhältnis. Auch die Freiburger treten nach dem 0:1 gegen Werder auf der Stelle und haben ein schweres Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg vor der Brust.
Für den VfB geht es nun nach Leverkusen, wo es in den letzten Jahren wenig zu erben gab. Vielleicht ist es ja ein Vorteil für den VfB, dass Leverkusen vier Tage später der schwere Gang zu Athletico Madrid in der Champions League bevorsteht, wo sie nach dem 1:0 im Hinspiel realistische Chancen aufs Weiterkommen haben. Es könnte durchaus sein, dass Trainer Roger Schmidt den einen oder anderen Leistungsträger schont oder auch herausnimmt und schützt, wenn der VfB endlich einmal eine härtere Gangart an den Tag legt. Mit Serey Dié haben wir jetzt wenigstens einen Spieler, der wie ein Löwe kämpft, keinen Ball verloren gibt und zudem noch ein gefälliger Ballverteiler im Mittelfeld ist. Der Rest aber holt sich seine Karten höchstens durch Festhalten oder Meckern ab, jedoch nicht durch harten Kampf um den Ball. Mit einem kampfbetonten Auftreten wäre in Leverkusen durchaus etwas drin. Der erste Sieg 2015 muss langsam mal her, auch, um die Köpfe wieder oben zu tragen und Selbstvertrauen zu tanken. Martin Harnik wird dort ebenso noch pausieren müssen wie Moritz Leitner, der sich gegen Hertha die fünfte gelbe Karte einhandelte. Wie die Sperre von Harnik sehe ich auch die von Leitner eher als Vorteil für uns an. Was Stevens geritten hat, in den Schlussminuten, in denen wir unbedingt ein Tor brauchten, Leitner einzuwechseln, weiß wohl nur er. Ein Signal zur Schlussoffensive hätte jedenfalls anders aussehen müssen. Leitner hat nun in über eineinhalb Saisons nicht zu überzeugen gewusst und ist ohnehin im Sommer weg. Auf ihn würde ich nicht mehr setzen, der nie den Eindruck erweckt, mit dem Herzen beim VfB zu sein. Er ist ein Schönwetterfußballer, der meint, er wär’s, dafür weder ein Teamplayer noch einer, bei dem man den Eindruck hätte, die Tabellensituation des VfB belaste ihn. Im Abstiegskampf sind andere Tugenden gefragt, die er nicht mitbringt. Von daher, Daumen hoch, dass er sich gleich nach seiner Einwechslung durch ein plumpes Foul die Verwarnung abgeholt hat. An der Startaufstellung würde ich gar nicht allzu viel ändern, Hlousek vielleicht ist immer diskutabel, er hat auch gegen Hertha wieder viele Bälle durch technische Unzulänglichkeiten verloren. Die ehemaligen Hannoveraner Haggui und Abdellaoue konnte ich am Samstag bei den Amateuren begutachten, ich denke, in die beiden brauchen wir keine Hoffnungen zu setzen…
Nach Leverkusen kommt dann der wohl momentan geeignetste Gegner ins Neckarstadion, um seine Torflaute zu beenden, die Frankfurter Eintracht. Der 1. FC Köln konnte am Sonntag gegen sie eine ähnliche Tordurststrecke vor eigenem Publikum, wie sie der VfB hat, beenden und siegte 4:2. Vielleicht ein gutes Omen!
Dass, wie wenn unsere Probleme und Baustellen derzeit nicht groß genug wären, Anfang der Woche noch ein Bericht der Freiburger Evaluierungskommission publik wurde, in dem angebliche Beweise für systematisches Anabolika-Doping in den frühen 1980er-Jahren im Fußball beim SC Freiburg und beim VfB enthalten sein sollen, passt auch noch ins Bild. Natürlich müssen diese Vorwürfe vom VfB ernst genommen werden und es wurde auch via Pressemitteilung darauf reagiert, aber, seien wir mal ehrlich, seit Toni Schumachers Buch „Anpfiff“ waren solche Praktiken bekannt, es wollte nur keiner der Protagonisten wissen und sich ernsthaft damit beschäftigen. Ob es nach über 30 Jahren noch Sinn macht, in dieser unrühmlichen Vergangenheit zu wühlen, bezweifle ich. Die Verantwortlichen sind meist schon im greisen Alter, die „Täter“ vertrauten damals noch blinder als heute den (Vereins-)Ärzten, gab es doch noch kein Internet, durch das man das eine oder andere heute ja auch selbst nachlesen kann. Wichtig ist doch, ob der Sport aktuell sauber ist und dies scheint er aufgrund einer Vielzahl an Dopingkontrollen ja zu sein. Zudem ist es immer noch sehr umstritten, ob Doping im Fußball tatsächlich zu einer Leistungssteigerung führt oder sich nicht lediglich der Sportler selbst schädigt.
Dies galt es also von Robin Dutt ebenso zu kommentieren, wie die Trainerdiskussion, in der er Huub Stevens weiterhin nur halbherzig den Rücken stärkt. Einige Medien wollen ja bereits erfahren haben, dass zur neuen Saison Alexander Zorniger als Trainer feststehen würde, er aber auch im Falle einer Entlassung Stevens‘ jetzt schon auf Abruf bereit stünde. Zu dieser Meldung habe ich kein eindeutiges Dementi von Dutt vernommen, so dass Stevens weiterhin ein Trainer auf Zeit zu sein scheint. Nach wie vor ist es für mich ein unwürdiges Spiel, das man mit ihm spielt, daher kann ich seine Dünnhäutigkeit und seinen Sarkasmus bei Interviews verstehen.
Bislang erfüllt Dutt meine Vorbehalte gegen ihn voll und ganz. Mit ihm ist ein weiterer Schönredner auf dem Wasen dazugekommen, dem außer Durchhalteparolen zu verkünden auch nichts einfällt. In der verfahrenen Situation, in der der VfB schon die ganze Saison, also auch bereits zu Dutts Amtsantritt, steckt, wäre es wünschenswert gewesen, einen Mann auf die Kommandobrücke zu bekommen, der die Leute mitnimmt und für einen Aufbruch in eine neue Zeitrechnung steht.
Einem Jens Lehmann beispielsweise gegenüber wäre ich zwar auch skeptisch gewesen, aber „nur“ weil er nach Heldt und Bobic der dritte Sportdirektor hintereinander gewesen wäre, der mit null Erfahrung auf dieser Position ins kalte Wasser geschmissen worden wäre. Als Typ aber wäre er einer, der den Finger in die Wunde legt und Missstände klar ansprechen und angehen würde, statt sie lediglich zu verwalten. Dutt bringt jetzt ebenfalls keine Erfahrung mit und redet zudem (bisher) nur recht dumm daher.
Vor ein paar Wochen noch äußerte er sich in die Richtung, eventuell mit Huub Stevens verlängern zu wollen, jetzt soll Zorniger bereits als Trainer feststehen. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, ist es ein fatales Zeichen an die Mannschaft, wenn nicht, muss er diese Meldung endlich glaubhaft dementieren.
Momentan ist noch überhaupt nicht absehbar, wohin die Reise gehen wird. Wer weiß, vielleicht rettet uns Huub noch einmal sensationell und hinten hinaus auch mit gutem Fußball und einem Gerüst, auf das wir in der nächsten Saison setzen könnten, dann spräche nichts dagegen, Huub einfach weitermachen zu lassen. Natürlich bin ich mit seiner Spielweise nicht immer einverstanden, aber, eines muss man ihm lassen, die defensive Stabilität hat er in Anbetracht der vorhandenen Mittel gut hinbekommen. Der Fußball, den er spielen lässt, ist sicherlich auch nicht seine Vorstellung von Fußball, er ist aber dem völlig verkorkst zusammengestellten Kader geschuldet.
Zuletzt stellt er immerhin etwas offensiver auf, so dass noch Hoffnung auf Steigerung besteht, der Knoten muss einfach nur platzen. Wir können froh sein, dass Stevens Profi durch und durch ist und sich durch die Spielereien außerhalb des Platzes nicht seine Motivation rauben lässt. Er ist sich seiner Verantwortung und der Ernsthaftigheit der Mission bewusst, so dass er sich auch weiter mit aller Kraft gegen den Abstieg stemmen wird. An Stelle des VfB hätte ich mir die Option einer Weiterbeschäftigung bis zum Ende offen gelassen.
Zorniger dagegen, würde er noch als Feuerwehrmann einspringen (müssen), wäre im Falle des Abstiegs verbrannt. Daher eine gefährliche Situation, in die sich der VfB, wie so oft hausgemacht, gebracht hat. Ob Zorniger ein guter Trainer ist, darüber mag ich nicht zu urteilen. Wer bei Red Bull zwei Aufstiege geschafft hat, muss jetzt noch nicht zwangsläufig der Heilbringer sein. Dort durfte er eben, in Zusammenarbeit mit Rangnick, einen Wunschzettel schreiben und die Spieler wurden ihm auf dem Silbertablett serviert. Unter diesen Voraussetzungen lässt es sich natürlich erfolgreich arbeiten. Beim VfB würde er ganz andere Voraussetzungen vorfinden. Was ausgerechnet ihn jetzt dazu prädestinieren soll, bei uns eine erfolgreichere Ära einzuläuten, weiß ich nicht. Als 2. Co-Trainer unter Babbel und nach Widmayer scheint er jedenfalls keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben, sonst hätte man ihn schließlich nicht mit Babbel vor die Tür gesetzt. Danach war er noch in Großaspach tätig, wo er zu Regionalligazeiten ebenfalls mehr investieren durfte, als die meisten Ligarivalen.
DER Übertrainer, den man sich jetzt unbedingt fix sichern musste, scheint er für mich jetzt nicht zu sein. Als derjenige, der Red Bull letztendlich in den bezahlten Fußball geführt hat, wird er bei uns zunächst sicherlich einen schweren Stand haben und Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Da von VfB-Seite kein Dementi wie „da ist nichts dran“ kam, muss davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um mehr als ein Gerücht oder eine BLÖD-Zeitungsente handelt.
Wie man auf Zorniger kam wäre noch interessant zu wissen. War es Ralf Rangnick, der noch gute Kontakte zum VfB hat, der ihn wegloben möchte, um Zorniger (Vertrag bei Red Bull bis 2016) von der Gehaltsliste zu bekommen? Oder ist er wieder einmal der Mann mit Stallgeruch, weil die Vereinsführung offensichtlich nicht über den Tellerrand hinausschaut? Ich träumte ja noch immer von der großen Lösung Thomas Tuchel und hoffe, der Verein muss es nicht vorwerfen lassen, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Was die Zukunft auch bringen mag, diese Trainerdiskussion kommt zur Unzeit. Stevens muss der Verein nun tunlichst Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen und ihm nicht, wie derzeit der Fall, suggerieren, dass sein Zenit überschritten wäre und er nur der Trainer bis zur nächsten Niederlage ist. Dutt versuchte nach dem Hertha-Spiel in dieser Angelegenheit krampfhaft zurück zu rudern, was bei ihm jedoch eher tollpatschig anmutete.
Nächste Ausfahrt, Leverkusen. Dort müssen wir mit aller Macht versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und einen wahren Big-Point zu landen. Ich freue mich drauf, „leider“ musste ich meine Fahrt mit dem RWS absagen, weil ich eine Krombacher Fan-Tour mit Übernachtung und VIP-Besichtigung- und Verköstigung in der Krombacher Brauerei gewonnen habe. Auch da freue ich mich drauf, neue Leute, ein anderes Ambiente, wenn wir gewinnen, fahre ich mit denen öfter mit. ;-)

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2. März 2015

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:47

So in etwa ordne ich den Punkt in Hannover ein. Da uns schon seit geraumer Zeit nur Siege tatsächlich weiterhelfen würden, überwiegt nach wie vor die Enttäuschung. Natürlich ist ein Punkt in Hannover, wo wir schon einige Zeit lang nicht mehr gewonnen haben, aller Ehren wert. Dennoch wurde es verpasst, ein weiteres Team mit unten hineinzuziehen und auf dieses Druck auszuüben.
Stevens sprang zwar tatsächlich seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder über seinen eigenen Schatten und stellte offensiver auf als zuletzt. Alexandru Maxim stand ebenso in der Startelf wie auch Daniel Ginczek, der zuletzt bei den Amateuren vorspielen musste. So kehrte wenigstens etwas mehr Spielkultur ein und man hatte den Eindruck, dass etwas, auch nach vorne, gehen könnte. Da unsere Jungs, allen voran Martin Harnik, jedoch nicht von heute auf morgen ihre technischen Mängel ablegen konnten, war das Spielniveau dem Tabellenstand der beiden Teams entsprechend, nämlich äußerst armselig.
Da Timo Baumgartl kurzfristig krank (!?) ausgefallen war, rückte Daniel Schwaab in die Innenverteidigung an die Seite unseres zuletzt torgefährlichsten Mannes Georg Niedermeier. Wie fragil die Mannschaft derzeit ist, zeigte sich darin, dass bereits diese eine Umstellung dazu führte, die ohnehin große Verunsicherung in der Defensive noch zu verschlimmern. Einem minderbemittelten Gegner, der mit sich selbst und gegen das ebenfalls unruhige Hannoveraner Umfeld zu kämpfen hatte, musste man schon die Bälle selbst auflegen, dass dieser Torchancen kreieren konnte. Dies tat Georg Niedermeier vorzüglich, als er als letzter Mann den Ball an Joselu verlor, so dass dieser freie Bahn hatte. Dieser wiederum schloss überhastet ab und lupfte den Ball über den Kasten.
Im Stadion herrschte eine merkwürdige Stimmung. Der VfB-Block, mit über 2.000 Unentwegten gut gefüllt, war durchgängig zu hören, auch auf der Haupttribüne. Die 96er ihrerseits müssen schon die komplette Saison auf überbordende Unterstützung verzichten, da die 96er-Ultras aufgrund schwerwiegender Differenzen mit der Clubführung um Martin Kind ausschließlich die eigenen Amateure unterstützen. So war aus der 96er-Kurve nur sporadisch „Kind muss weg“ zu hören, was von den anderen Tribünen jedoch stets mit Pfiffen quittiert wurde.
Das Tischtuch zwischen den Ultras, dem Verein, aber auch den „Normalo-Fans“ auf der anderen Seite ist spätestens seit Ende der letzten Saison zerschnitten. Nach dem schon einige Konflikte, beispielsweise dem bezüglich der Häufigkeit der Verwendung von Pyro-Technik und der Umlegung der Strafen auf die aktiven Fans, länger schwelten, wollte 96 für das Auswärtsspiel in Braunschweig für die Anreise nur von der Polizei begleitete Konvois zulassen, wogegen Auswärtsdauerkarteninhaber erfolgreich geklagt hatten. Der Verein stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Richterin, so dass sie nicht mehr rechtzeitig zugunsten der Kläger entscheiden konnte. Ein Affront gegen die Fans, die daraufhin für den Rest der letzten Saison den Support einstellten, den Protest gegen Kind jedoch ausweiteten. Dadurch kam es dann zu allem Überfluss auch noch zu Streitigkeiten mit den Normalos, die in Kind den Gottvater von 96 sehen, der die Geschicke des Vereins schon viele Jahre mit Herzblut und auch recht erfolgreich leitet.
Wenn man so möchte, war das ein Vorgeschmack darauf, wohin der moderne Fußball steuert, wenn der aktive Fan ausgegrenzt wird und jedes Mittel Recht ist, den Fußball zu verteuern und unbequeme, allzu kritische Kundschaft, einfach mal ausgesperrt wird. Die Atmosphäre erinnerte etwas an die in englischen Stadien, bis auf wenige Gesangseinlagen, in denen auf allen Tribünen das „96 ole“ zu vernehmen war, war es ruhig und fast gespenstisch, so dass wir im Unterrang sogar vereinzelt Rufe auf dem Feld wahrnehmen konnten.
Nach dem Platzsturm der Kölner Chaoten in Gladbach waren schon wieder Rufe nach einer Abschaffung der Stehplätze zu hören, so dass der Weg zwar schleichend ist, man aber den Eindruck hat, jede „Gelegenheit“ soll genutzt werden, um diese Diskussionen wieder anzuheizen und um eines Tages wie in England reine Sitzplatzarenen und ein zahlungswilligeres (und unkritischeres) Publikum zu bekommen.
Ganz aktuell blickt ja die Liga neidisch nach England, wo in naher Zukunft über 3 Milliarden Euro Fernsehgelder pro Saison in den Fußball fließen werden, etwa das Vierfache dessen, was die Bundesliga aus seinen Fernsehverträgen einnimmt.
Müssen wir das noch mitmachen und dafür den Preis der weiteren Zerstückelung der Spieltage und damit einhergehend wohl auch von noch kurzfristigeren Terminierungen bezahlen? Ein Montagspiel haben, womöglich eines zum Frühschoppen und noch am späten Samstag- oder Sonntagabend? Von mir hierzu ein ganz klares Nein. Für die Aussage von DFL-Boss Seifert im Fernsehen, „was wollt ihr denn, wir haben ja bereits ein Montagspiel“, dieser Termin stelle ja überhaupt keine Veränderung dar, fällt mir nichts mehr ein. Zum einen haben wir hier bisher „nur“ ein Zweitligaspiel, zum anderen stößt dies aber bei niemandem auf Gegenliebe. Was hat denn der Fernseh-Zuschauer und vor allem der Fan im Stadion davon, wenn in die Liga das Vierfache an Euronen gepumpt wird?
Bekomme ich meine Dauerkarte dann geschenkt? Nein, diese wird weiterhin Jahr für Jahr teurer werden, auch hier genügt ein Blick auf die Insel. Die einzigen Profiteure davon wären die Spieler, Berater und Funktionäre, also diejenigen, die bereits heute schon überbezahlt sind. Soll ich eine weitere Zerstückelung der Spieltage gutheißen, nur damit ein Spieler wie Gentner anstatt geschätzt 2,5 Millionen jährlich das Doppelte einstreicht? Nicht einmal die Vereine werden dadurch reicher werden, da sie in der Regel die eingenommenen Gelder wieder reinvestieren und sich, na klar, teurere Spieler damit leisten können. Auch dann wird es Vereine geben, die mehr und welche, die weniger investieren können, was auch dann noch zu Neid und den einen oder anderen Verein zu Größenwahn verleiten dürfte.
Die DFL muss aufpassen, sich durch diesen Größenwahn kein Eigentor zu schießen. Der englische Fernsehmarkt ist ein anderer als bei uns, dort sind mehr Leute bereit dazu, immense Summen fürs Pay-TV zu bezahlen als hierzulande. Für Sky Deutschland dürfte mittlerweile fast das Ende der Fahnenstange erreicht sein, man merkt, wie schwer sie sich tun, neue und vor allem langjährige Abonnenten zu gewinnen. Je fanunfreundlicher die Anstoßzeiten werden, desto weniger Leute werden ins Stadion gehen und desto trostloser wird die Atmosphäre in den Stadien sein. Man merkt es ja bereits jetzt, beim Freitagabend-Termin, wie viele Plätze, auch die von Dauerkarteninhabern, leer bleiben, einfach, weil es sich nicht jeder leisten kann und möchte, zu übernachten, und eine Rückfahrt, zumindest mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft nicht mehr möglich ist. Manch ein Verein hat Einzugsgebiete seiner Fans von mehreren hundert Kilometern, diese werden als erste fern bleiben.
Um zurück zum Boykott der 96-Ultras (und einiger Gruppierungen anderer Vereine) zu kommen. Die Vereine müssen den Spagat hinbekommen, sich zwar nicht die Vereinspolitik von den Ultras diktieren zu lassen, auf der anderen Seite aber stets bestrebt sein, einen Konsens mit ihnen zu finden. Es handelt sich hier durchaus um eine gegenseitige Abhängigkeit, bei der der eiserne Besen einfach der falscheste Ansatz ist. Wohl nicht zufällig steckt 96 gerade in dieser Saison im Abstiegsstrudel fest, in der sie der Bann des Liebesentzugs der Ultras getroffen hat…
Das Spiel war insgesamt geprägt von einer enormen Nervosität auf beiden Seiten, so dass es lange richtig niveauarm vor sich hin plätscherte. Beide Teams waren im Jahr 2015 noch sieglos, daher war die beiderseitige Verkrampfung auch irgendwie nachzuvollziehen.
Durch einen Abwehrfehler der Hannoveraner hatte Christian Gentner in der 52. Minute plötzlich freie Bahn, tauchte allein vor Zieler auf und erzielte mit links das 0:1. Erstmals in der Rückrunde lagen wir in Führung und waren dem so lang ersehnten Sieg sehr nah. Ein offensiver Doppelwechsel von Korkut aber brachte die Wende für die 96er. Einen solchen doppelten Offensivwechsel hätte Stevens überhaupt nicht vollziehen können, saß mit Kostic doch sage und schreibe nur ein einziger Offensivmann auf der Ersatzbank. Ibisevic wurde, nachdem der Entschluss gereift war, auf Ginczek in der Spitze zu setzen, gleich ganz zu Hause gelassen, hatte er nach Einwechslungen unlängst doch keine herausragenden Jokerqualitäten nachgewiesen. Der VfB hatte zwar in der Drangphase der Hannoveraner noch eine Chance durch Gentner, war aber jetzt mehr und mehr hinten gefordert und kassierte auch folgerichtig noch den Ausgleich. Nach verlorenem Kopfballduell von Niedermeier gegen Joselu kam der Ball in die Mitte, wo Stindl völlig frei stand und keine Mühe hatte, den Ball aus fünf Metern ins Tor zu bugsieren. Weder Sakai noch Schwaab waren hier auf der Höhe!
In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal turbulent. Als Stindl bei Freistoß für uns den Ball nicht herausrücken wollte, stieß Harnik ihn um und sah glatt rot, während Stindl, kurz zuvor verwarnt, „nur“ gelb-rot vor die Nase gehalten bekam. Von der Tribüne sah es für mich danach aus, dass Harnik auf gelb für beide spekuliert hatte, was das Aus lediglich für Stindl bedeutet hätte. So hatte er sich verkalkuliert und heute die Quittung dafür erhalten: zwei Spiele Sperre. Schon seit einiger Zeit rege ich mich nicht mehr darüber auf, wenn uns der eine oder andere Spieler eine Zeitlang fehlen wird. Brach früher schon mal eine Welt wegen eines „Verlustes“ zusammen, sehe ich es heute positiv und bin dankbar, diesen Spieler mal zwei Spiele nicht ertragen zu müssen. Ich mag Harnik eigentlich, erkenne bei ihm auch den Willen und merke ihm an, wie angefressen er ob unserer Lage ist, aber, was er seit einiger Zeit schon spielt, ist katastrophal, so dass ihm und uns die Pause gut tun wird. Schade nur beim VfB im Jahre 2015, was Besseres wird kaum nachkommen.
Am Ende stand also ein leistungsgerechtes Unentschieden, das den Hannoveranern wohl mehr nützen dürfte als uns. Wir treten auf Platz 18 auf der Stelle und brauchen bald, wenn wir nicht ganz gehörig aufpassen, ein Fernglas, um überhaupt den Relegationsplatz noch erspähen zu können. Die Reaktionen der Fans nach dem Spiel waren weitestgehend freundlich, bei einer möglichen Niederlage gegen Hertha BSC Berlin dürfte die Stimmung allerdings endgültig kippen.
Die Szenen nach dem Dortmund-Spiel waren schön und gut und vielleicht auch notwendig, um zu einem neuen Wir-Gefühl zurückzukehren. Die Wut der Fans richtet sich ja auch weniger gegen die einzelnen Spieler sondern gegen diejenigen, die die Spieler geholt und die letzte Saison nicht als letzten Schuss vor den Bug verstanden hatten. Für die katastrophale Zusammenstellung des Kaders können die Spieler ja nichts. Dass sie mit Absicht schlecht spielen, möchte ich ihnen auch gar nicht unterstellen, sie können es eben (leider) nicht besser.
Erschreckend fand ich die Szenen von vor gut einer Woche in der Cannstatter Kurve aber dennoch. Absolut untypisch in einer solchen Situation, dass enttäuschte Fans die Spieler aufrichten und ermutigen müssen und dies nicht andersherum der Fall ist.
Nachdem die Mannschaft seit Wochen nach den Spielen kaum weiter als bis zur Strafraumgrenze ging, um die Unmutsäußerungen in Empfang zu nehmen, führte Ersatzkapitän Georg Niedermeier da Team in die Kurve, um sich dem Anhang zu stellen. Was sich dann abspielte, war schon zwar herzzerreißend aber eben auch grotesk. Sie standen da wie kleine Kinder, gegen die sich die Welt verschworen hat, der Zuspruch der Fans muss sich da wie Balsam auf ihren geschundenen Seelen angefühlt haben.
Sie menschelten zwar, gaben aber zugleich auch ein jämmerliches Bild ab. Wir haben es mittlerweile offensichtlich nicht nur mit einem Qualitätsmangel im Team zu tun sondern auch noch mit nervlichen Wracks. Diese Verunsicherung war in Hannover greifbar. Die Füße zitterten, bei Ulle waren es die Hände. Gleich zwei Mal entglitt ihm ein sicher geglaubter Ball aus den Händen. Daher wiegt es doppelt schwer, den Sack in Hannover nicht einfach zugemacht und etwas fürs Selbstvertrauen getan zu haben. Jetzt müssen sie, komme was wolle, diesem immensen Druck standhalten und gegen Hertha BSC ohne Wenn und Aber gewinnen. Wenn mein Eindruck über den derzeitigen Zustand ihres Nervenkostüms nur annähernd zutrifft, ist der eine oder andere bestimmt schon jetzt feucht in der Hose, beim Gedanken daran, nächsten Freitag vor gut 40.000 Zuschauern beweisen zu müssen, dass er überhaupt noch eine Daseinsberechtigung im Oberhaus hat. Zusätzlich zur mangelhaften Qualität, zur miserablen Kaderzusammenstellung, zum aufgrund der letzten Ergebnisse und Darbietungen geschwundenen Selbstvertrauen kommen nun auch noch massive Versagensängste hinzu, die lähmen und einfachste Dinge nicht mehr gelingen lassen. Eigentlich hilft in einer solchen Situation nur noch ein guter Psychologe, der allerdings in begrenzter Zeit schon Wunderdinge vollbringen müsste, um diese Häufchen Elend wieder aufzurichten.
Das ist ein Problem, das meine Hoffnungen auf ein erfolgreiches Zu Ende bringen der Saison fast gegen null schrumpfen lässt.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Robin Dutt die obligatorischen 100 Tage der Einarbeitung zuzugestehen und mich, trotz meiner Vorbehalte, mit Kritik an ihm zurückzuhalten. Die dramatische Tabellensituation und das Taumeln der Mannschaft in Richtung Zweiter Liga lassen mich von dem Vorhaben nun doch leicht abrücken. Ob es Zufall ist oder nicht, dass Werder Bremen seit seiner Entlassung die Liga mit begeisterndem Fußball aufmischt, sei dahingestellt. Jedenfalls schätzte er offensichtlich die vorhandene Qualität falsch ein, was die Frage aufwirft, ob er sie denn nun in Stuttgart richtig einschätzt, wenn er meint, die Qualität unserer Truppe wäre ausreichend, um die Liga zu halten. Wie er bei Interviews in der Trainerfrage herumeiert, wie er gequält lustig wirken möchte, das passt wie die Faust aufs Auge zur Außendarstellung, die der Verein uns schon seit einigen Jahren zumutet. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sagen, da haben sich zwei gesucht und gefunden.
Dass Huub Stevens sich jetzt auch nur noch in Sarkasmus flüchtet und nicht gerade den Eindruck erweckt, mit vollem Herzen dabei zu sein, kann ich inzwischen sogar nachvollziehen. Er wird sich mittlerweile fragen, wo er hier hin geraten ist und weshalb er sich diesen Zirkus ein zweites Mal angetan hat. Wenn von oben kein klares Statement pro Stevens abgegeben wird, wenn die regionale Presse unwidersprochen Namen in den Ring werfen darf, die bereit stünden, sollte Stevens in Hannover oder jetzt aktuell gegen Hertha verlieren, dann ist es allzu verständlich, dass ein Mann, den man im letzten Mai noch auf Händen getragen hat, nur geduldig darauf wartet, bis man ihm den blauen Brief gibt.
Heute findet eine (turnusgemäße) Aufsichtsratssitzung statt, vielleicht kommen ja diese Herren dann schneller als gedacht zur Erkenntnis, dass sie sich von Stevens und Stevens wiederum von uns besser heute als morgen erlösen müssten. Der VfB muss diese Schmierenkomödie schnellstmöglich beenden, sind wir doch ohnehin schon das Gespött von ganz Fußball-Deutschland. Wenn Stevens sagt „die vier Monate werde ich auch noch überstehen“ und Dutt zum Besten gibt „Der Trainer und ich sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir einen Aufwärtstrend sehen“ ist es höchste Eisenbahn diesem Dilettantenstadel ein Ende zu setzen.
Stevens sendete ja schon seit dem Hoffenheim-Spiel (nicht erhörte) Hilferufe, weil er offensichtlich mit seinem Latein am Ende ist und mit dieser „Mannschaft“ nicht weiter kommt. Ihm, wie auch den Experten in den einschlägigen Diskussionsrunden, wird schlagartig plausibel, weshalb Armin Veh wohl von heute auf morgen die Brocken hingeschmissen hat.
Wenn denn der „richtige“ Zeitpunkt gekommen ist und wir Trainer Nummer sechs in den letzten 1 ½ Jahren suchen, hoffe ich, dass es nicht ein Alexander Zorniger oder sonst ein Konzepttrainer wird, der bereits den Aufbau und die Planungen für die zweite Liga forcieren soll. Zum einen befürchte ich dann, dass der Abstiegstrainer schneller verbrannt wäre, als er gucken könnte, zum anderen würde ich eher befürworten, einen Lautsprecher und Motivator an Land zu ziehen, der hier eine Minute vor Zwölf noch so etwas wie eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte und der den Glauben (sofern er denn vorhanden ist) an den Klassenerhalt vorleben würde. Mir schweben da dann eher Typen wie Felix Magath, Christoph Daum, Peter Neururer oder Hans Meyer vor, die eine Menge Erfahrung haben und die auch den ganz großen Druck von der Mannschaft nehmen und auf sich selbst fokussieren würden.
Seit Stevens (wieder) hier ist, hatte ich die Hoffnung, dass er der nach Vehs Rücktritt die bestmögliche Lösung war und er uns erneut zum Klassenerhalt führen würde.
Jetzt aber wundere ich mich über jeden zusätzlichen Tag, an dem er unser Cheftrainer bleibt.
Das aus dem Grund, weil er offensichtlich resigniert hat und sicherlich (verständlicherweise) nicht dazu bereit ist, die Brocken selbst hinzuschmeißen, und auf eine Abfindung zu verzichten. Auf der anderen Seite aber wartet er förmlich darauf, bis man ihm die Papiere gibt, und er diesem Irrenhaus endliche entkommen kann.
Ich hatte dies in Ansätzen nach seinem „Ratlos-Interview“ direkt nach dem Hoffenheim-Spiel thematisiert, dass er im Grunde nach solchen Aussagen sofort abgelöst gehört. Dutt ist natürlich näher dran, daher schenkte ich ihm Glauben, als er dies abtat, nach dem Last-Minute-Knockout wäre Stevens sehr frustriert gewesen. Wenn man Stevens aber seither beobachtet hat, verdichten sich die Anzeichen, dass dies ein erstes Signal in Richtung Aufgeben war und er jetzt häppchenweise nachlegt, bis es schließlich irgendwann auch unsere Koryphäen in Aufsichtsrat und Vorstand kapieren. Wartet man bis zur Niederlage gegen Hertha BSC, um den längst fälligen Schlussstrich zu ziehen, hat man in fast aussichtsloser Lage im Abstiegskampf sage und schreibe drei Spiele verstreichen lassen, und ein weiteres Absacken in der Tabelle billigend in Kauf genommen.
Wie schon bei den zu späten Entlassungen von Labbadia, Schneider und Bobic, vom Zaudern bei Zu- und (nicht erfolgten) Abgängen von Spielern ganz zu schweigen, werden notwendige Entscheidungen einfach ausgesessen und aufgeschoben anstatt im Sinne des Vereins notwendige, auch unbequeme, Entscheidungen zu treffen. Wer die Vereinspolitik bestimmt, wer diese Entscheidungen zu treffen hat, ist bekannt. Vielleicht erhält Robin Dutt ja heute in einer Sitzungspause eine Audienz und es werden Nägel mit Köpfen gemacht. Ob und inwieweit Präsident Wahler in solche Gedankenspiele eingebunden ist, weiß ich nicht. Er lässt sich in diesen Krisenzeiten weder sehen noch hören.
Es ist ein durch und durch peinliches Bild, das der VfB in diesen Tagen abgibt. Wir alle stehen vor einem Scherbenhaufen, der Verein mit mehr als einem Fuß bereits in der zweiten Liga, wir sind das Gespött der Fußballnation und das nicht nur der Außendarstellung sondern auch der blutleeren Leistungen auf dem Platz wegen. Alles deutet daraufhin, dass wir nun die Quittung für die jahrelang andauernde Misswirtschaft erhalten und dies auch noch völlig zu Recht.
Meine Hoffnungen auf ein glückliches Ende sind auf dem Tiefpunkt. Natürlich haben wir noch elf Spiele Zeit, natürlich haben wir in fünf Heimspielen lösbare Aufgaben, aber, wie die gelingen sollen kann ich mir in Anbetracht eines einzigen Heimsieges in dieser Saison nicht vorstellen. Zu schlecht die Mannschaft, zu katastrophal der ganze Verein im Moment und dazu haben wir uns noch einen Sportvorstand ohne jegliche rote Identifikation ins Haus geholt, der lieber den lustigen Maxe gibt und sich hinter Durchhalteparolen versteckt, statt Lösungsansätze aufzuzeigen und sein Dasein zu rechtfertigen.
Für die restlichen Spiele, die ich, so Gott und der Terminierungsverantwortliche der DFL will, alle machen werde, wünsche ich allen Leidensgenossen viel Kraft und immer ein erfrischendes Kaltgetränk in der Hand, ohne ist das Elend nämlich immer schwerer zu ertragen!

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