18. März 2013

“Wir haben uns endlich einmal belohnt”

Erleichterung pur. Der VfB holte in Frankfurt einen immens wichtigen Dreier, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Augsburg tags zuvor beim HSV gewann und somit der Relegationsplatz bei Anpfiff nur noch fünf Punkte entfernt war. Der VfB mit vier Pflichtspielniederlagen in Folge, die Hessen mit fünf Spielen ohne eigenem Tor, die Folge war ein anfangs zerfahrenes Spiel ohne Torszenen. Der VfB hatte nach gut einer Viertelstunde die erste Chance, als Ibisevic einen Ausflug von Kevin Trapp nicht bestrafen konnte. Just im Gegenzug kassierte der VfB das 0:1 durch Aigner. Ein Tor aus dem Nichts also, das einmal mehr verdeutlichte, welch große Probleme wir in der Viererkette haben. Die Frankfurter verpassten es in der Folge gegen nun noch mehr verunsicherte Schwaben das zweite Tor nachzulegen. Der VfB war zwar kämpferisch da, doch wie schon in den letzten Wochen und Monaten fehlte die Genauigkeit, so dass gewonnene Bälle sofort wieder verloren wurden. Zu dieser Zeit hätte ich keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet, war es doch ein Spiegelbild der bisherigen Saison und war zuletzt doch so oft ein 0:1 Rückstand gleichbedeutend mit der Niederlage.

Unverändert kam der VfB aus der Pause und auch zurück ins Spiel. Schwegler legte Boka, den Labbadia überraschend im defensiven Mittelfeld neben Kvist aufbot, elfmeterreif, Ibisevic verwandelte eiskalt, 1:1. Von da an wurde die Partie munterer, beiden Teams merkte man an, dass sie gewinnen wollten. Die besseren Chancen hatte zunächst die Eintracht, das Tor aber erzielte der VfB. Der kurz zuvor eingewechselte Alexandru Maxim schlug die bis dahin mit Abstand beste Ecke des Spiels direkt auf den Kopf von Schorsch Niedermeier, der brachial und mit Anlauf einköpfen konnte. Sein erstes Tor seit zwei Jahren, ein ganz wichtiges in der derzeitigen Situation vom VfB. Damit baute der VfB seine Serie in Frankfurt aus, wo man seit 2001 nicht mehr verloren hatte und verbesserte sich in der Tabelle auf Platz 12 bzw. auf Platz 9 der Teams, die das Mittelfeld und die Abstiegszone der Liga bilden. Die Bayern, Dortmund und Leverkusen spielen in einer anderen Liga, der überwiegende Rest darf sich gar noch Hoffnungen auf Platz vier und damit die Champions League Qualifikation machen. Paradox, dass dieser vierte Platz plötzlich näher ist als der Relegationsplatz.

Dennoch ist der VfB natürlich gut beraten, den Blick weiterhin nach unten zu richten und vor allem nur von Spiel zu Spiel zu denken. Jetzt steht erst einmal die Länderspielpause mit den Spielen der Nationalelf gegen Kasachstan auf dem Programm. Für den VfB bzw. die überraschend wenigen Spieler, die nicht zu ihren Nationalteams geladen wurden, die Gelegenheit nach der Vielzahl von englischen Wochen die Seele baumeln zu lassen, den Resetknopf zu drücken und den Akku wieder ein wenig aufzuladen. Denn, nach der Länderspielpause geht es gleich weiter gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund. Also sofort gegen eine Mannschaft mit einer unfassbar hohen Qualität, die man einfach gerne spielen sieht. Ein gutes Gefühl gibt einem aber auch, dass nicht nur wir vor dem BVB einen Heidenrespekt haben sondern wohl auch wir nicht zu den allerliebsten Gegnern der Dortmunder zählen. Immerhin endeten die letzten vier Liga-Duelle allesamt Remis, so dass kein Grund besteht, die Punkte von vornherein abzuschreiben.

Der VfB muss natürlich einen (sehr) guten Tag erwischen und auch das nötige Quäntchen Glück haben, um am Ende nicht mit leeren Händen da zustehen, doch, wer weiß, vielleicht setzt dieser Sieg in Frankfurt wieder neue Kräfte frei. Da der VfB in dieser Saison eher als Serientäter bekannt ist, war dies vielleicht ein neuer Anfang.

Was aber auch klar sein dürfte, ob der Absenz des Großteils des Kaders kann vor dem Dortmund-Spiel natürlich wenig daran gearbeitet werden, die Abstimmungsprobleme in der Defensive abzustellen. Ich möchte ja nicht unken, ob die Sperren von Molinaro, der Aigner vor dem 0:1 laufen ließ, und Kvist, der sich zwar verbessert zeigte, aber dennoch sehr verunsichert wirkt, ein Schlüssel zu einem guten Resultat sein könnten. Ein Maxim z. B. drängt in die Startelf. Er kann etwas am Ball und vor allem Standards. Ich bin guter Dinge, dass wir noch sehr viel Freude an ihm haben werden.

Die nächsten Wochen mit den Spielen gegen den BVB, in Hannover und gegen Mönchengladbach werden aufzeigen, wohin wir unseren Blick in der Tabelle zu richten haben. Ich kann es mir nach wie vor nicht vorstellen, dass wir mit den in dieser Saison gezeigten Leistungen noch viele Spiele gewinnen werden. Dieser Sieg nimmt natürlich jetzt Labbadia ein wenig aus der Schusslinie. In ruhigere Fahrwasser kommt er jedoch nur, wenn das Team konstant mehr Herz, Konzentration, Einsatzfreude und Spielkultur zeigt, als über weite Strecken seiner bisherigen Amtszeit. Die Zuschauerzahlen zuletzt sollten eigentlich Warnung genug sein, dass sich vor allem der Kunde, der sich teure Karten auf der Haupt- oder Gegentribüne kauft, Gedanken über das Preis-/ Leistungsverhältnis macht und lieber fern bleibt, als sich wegen Darbietungen wie zuletzt über sein rausgeschmissenes Geld aufzuregen. Wie bereits erwähnt, mittlerweile bin ich mehr als skeptisch, ob mit Trainer Labbadia diesbezüglich eine nachhaltige Verbesserung möglich ist. Seit zwei Jahren wird eigentlich nur auf Situationen reagiert anstatt agiert, ist das meiste (von außen betrachtet) auf Zufall aufgebaut. Auch gestern hätte das Spiel leicht in die andere Richtung laufen können, daher möchte ich den Sieg auf keinen Fall überbewerten. Es war ein Sieg der Moral zum richtigen Zeitpunkt und hoffentlich die Wende zum Besseren.

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5. März 2011

Beginn der Aufholjagd?

Letzten Sonntag gelang also nach den Niederlagen gegen Nürnberg, 2x gegen Lissabon und in Leverkusen endlich mal wieder ein Sieg. Der war natürlich überlebensnotwendig, um den Anschluss, zumindest an den Relegationsplatz, nicht abreißen zu lassen. Das Spiel bei der Torlos-Eintracht stand lang auf des Messers Schneide, ehe zwei blitzsaubere Konter binnen 3 Minuten die Weichen auf Sieg stellten.

Das Spiel begann ja denkbar ungünstig. Bereits nach einer Viertelstunde ließ sich unser Kapitän nach Provokation des Ekelpakets Maik Franz zu einer Tätlichkeit hinreißen und schwächte sein eigenes Team in unentschuldbarer Weise. Von solchen Disziplinlosigkeiten habe ich ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll. In einem für den VfB solch vorentscheidenden Spiel nach 15 Minuten beim Stande von 0:0 die Nerven zu verlieren, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Als Fan auf der Tribüne, der so manche Strapaze für die vielen Auswärtsreisen auf sich nimmt, fühlte ich mich schlichtweg verarscht. Ähnlich wie in Hamburg, als der inzwischen suspendierte Ciprian Marica nach gut 10 Minuten den übrigens selben Schiedsrichter Stark ein Arschloch nannte, steht man auf der Tribüne und versteht die Welt nicht mehr. Den ersten Gedanken nach dem Platzverweis, erst einmal einen Bierstand aufzusuchen und von draußen zu verfolgen, wie die Dinge ihren Lauf nehmen, verwarf ich wieder. Dennoch hätte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling auf das Team mehr gegeben, das von nun an, mit dem schweren und auch demoralisierendem Europa League Spiel in den Köpfen und in den Knochen, 75 Minuten in Unterzahl bestehen musste.  Im Block unter den zahlreichen mitgereisten VfB-Fans spürte man Fassungslosigkeit und zugleich eine Trotzreaktion die verbliebenen zehn Kämpen bis zur Heiserkeit zu unterstützen und dem Team zu helfen. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Boulahrouz rückte in die Innenverteidigung, Träschi auf die Rechtsverteidigerposition. So gelang es relativ schnell, die Ordnung wieder zu finden. Dass man vor der Eintracht keine Angst zu haben braucht, zeigt schon deren Torstatistik in 2011: auf 0:13 Tore haben es die Hessen nach diesem Spiel gebracht: Respekt! Dass die Eintracht 11 gegen 10 die Spielkontrolle erlangen würde war nicht wirklich überraschend. Insgesamt aber ließ der VfB den Umständen entsprechend wenig zu, konnte allerdings selbst kaum für Entlastung sorgen. In der Halbzeit brachte Labbadia dann Timo Gebhart für den abermals enttäuschenden Cacau. Ein Mittelfeldspieler für einen Stürmer, das bewirkte zunächst, dass die Überlegenheit der Eintracht immer drückender wurde. Die Torflaute indes wollte (zum Glück) nicht enden. Trotzdem war diese Auswechslung so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg, da Gebhart ein ums andere Mal präsent war, wenn sich Kontermöglichkeiten eröffneten und unermüdlich ins Eins gegen Eins ging und den ein oder anderen Nadelstich setzte. Gebhart war es dann auch der sich nach einem von Harnik schnell ausgeführten Freistoss ein Herz fasste und abzog, Fährmann im Tor der Frankfurter konnte nur abklatschen und Harnik staubte ab. 0:1. Was für eine Befreiung dieses Tor. Doch damit nicht genug, schon 3 Minuten später überwand Tamas Hajnal, der sich mehr und mehr zum Lenker des VfB-Spiels mausert, mit einem sehenswerten Lupfer zum 0:2. Danach brachen im Gästebereich alle Dämme und 4000-5000 VfB-Fans hüpften und sangen, dass sich die Balken bogen. Die Eintracht drückte natürlich noch einmal aufs Tempo, machte hinten auf und hoffte, dass den VfB die Kräfte verlassen würden. Doch war für die Eintracht das Tor auch an diesem Tag wie vernagelt und dem VfB war das Glück hold.

Matchwinner dieses Mal war, man höre und staune, Sven Ulreich. So schnell geht es manchmal im Fußball. Knapp eine Woche zuvor zur Nummer 2 verbannt, dann die Verletzung von Ziegler, nach seiner Einwechslung ein ordentliches Spiel gegen Lissabon und in Frankfurt wird er zum Mann des Tages. Er wurde nach dem Spiel zu Recht von den Fans mit Standing Ovations gefeiert. Möglicherweise ist es in der Tat so, dass einiger Ballast von ihm abfiel und er, zumindest was seine persönliche Situation angeht, nichts mehr zu verlieren hat. Dieses Mal war er nicht nur auf der Linie stark, sondern war präsent im Strafraum und strahlte eine von ihm ungewohnte Sicherheit aus. Ich gehöre ja zu den Zweiflern, was die Personalie Ulreich angeht, kann er aber diese Leistung stabilisieren, werde auch ich mit Sicherheit keine Torwartdiskussion mehr anzetteln. Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, warten wir ab, wie er sich in den nächsten Spielen präsentiert.

Heute kommt es zum Duell gegen Schulden 04. Die Gelsenkirchener kommen mit dem Rückenwind aus München, wo sie unter der Woche die Bayern düpierten und ins DFB-Pokal-Finale einzogen. Der VfB konnte endlich mal wieder eine Woche verschnaufen und sollte frischer sein und darauf brennen, rausgelassen zu werden, um den Schwung vom Frankfurt-Spiel mitzunehmen. Ich hoffe sehr, dass erstmals gelingt, den zweiten Dreier in Serie einzufahren. Dieses Glücksgefühl, also den Hauch einer Serie, durften wir in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal erleben. Ein Sieg zu zehnt wie in Frankfurt, der durch einen in dieser Saison selten erlebten Zusammenhalt der Mannschaft zustande kam, könnte für die kommenden Wochen beflügeln und das Team enger zusammen schweißen. Dass das Team nach dem Auswärtssieg unisono erklärte, sie hätten für ihren Kapitän gespielt, der bei einer Niederlage ganz sicher an den Pranger gestellt worden wäre, spricht für sie. Ich hoffe, das war nicht nur eine von der sportlichen Führung vorgegebene Sprachregelung. Mit einem solchen Zusammenhalt und der notwendigen Kompaktheit ist auch heute ein Erfolgserlebnis gegen die Schalker möglich. Es bedarf aber sicher einer gehörigen Portion Geduld, da die Schalker in der Defensive inzwischen wieder fast traditionell gut stehen. Die Offensive, allen voran Farfan und Raul, muss in Schach gehalten werden. Ich erhoffe mir, dass der VfB aus den Pleiten gegen den Club und gegen Freiburg gelernt hat. Ein frühes Gegentor wäre auch in diesem Spiel Gift. Lieber Geduld haben, vielleicht sogar mit einer defensiveren Ausrichtung und Taktik ins Spiel gehen, damit die Null stehen bleibt. Uns würde es auch reichen, wie anno 2001, wenn das Siegtor erst in der 90. Minute fiele. Damals stand man gegen Schalke, beim VfB auf der Bank im übrigen Felix Magath, noch mehr unter Druck als heute. Es war der 33. Spieltag, heute haben wir den 25. Dennoch muss der VfB eine Serie hinlegen, um die noch notwendigen 5-6 Siege in Angriff nehmen zu können. Ich bin mir sicher, dass es ein zähes, schwieriges Spiel werden wird. Am Ende werden wir sehen, was dabei herausspringt. Die Schalker haben in den letzten Jahren im Neckarstadion relativ wenig gerissen (allerdings setzte es in der letzten Saison die erste Heimpleite gegen die Knappen seit 1999), daher bin ich ganz optimistisch, dass wir heute zumindest nicht verlieren werden.

Ich muss zugeben, mittlerweile zähle ich schon die Spiele, die wir noch in dem halbfertigen Stadion verweilen müssen. Es ist schon ein Nachteil, wenn an vielen Ecken im Stadion die Gästefans fast lauter gehört werden als die heimischen. Da es den Spielern auf dem Platz auch nicht anders geht, ist das schon auch ein Nachteil in dieser Saison. Als Ausrede darf das aber natürlich nicht gelten.

Lamentieren wir also nicht darüber, sondern freuen uns, wenn wir nächste Saison wieder ein geschlossenens, richtiges Stadion haben, hoffentlich auch dann in der Bundesliga.

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27. Februar 2011

Und wieder mal ein “Schicksalsspiel”

Die launische Diva VfB Stuttgart vom Neckar trifft heute um 15.30 Uhr also auf die launische Diva vom Main. Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart, ein schon immer brisantes emotionsgeladenes Spiel. Anfang bis Mitte der 90er-Jahre war es stets ein Spitzenspiel, in den letzten Jahren reiste der VfB meist als großer Favorit an, doch in dieser Saison ist es ein Abstiegsduell. Der VfB bleibt auch nach 23 Spieltagen auf seinen 19 Pünktchen sitzen, die Eintracht hat zwar acht Punkte auf dem Konto, jedoch im Jahr 2011 noch kein einziges Tor erzielt und könnte durch einen VfB-Sieg mit unten rein gezogen werden. Im Hinspiel verlor der VfB zu Hause durch äußerst fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen mit 1:2. Der Gipfel dabei war das nicht gegebene Tor von Cacau zum 2:2 kurz vor Schluss.

Der VfB präsentiert sich fraglos launig in diesen Tagen. Dem Offenbarungseid gegen Nürnberg folgte eine zumindest über 60 Minuten ansprechende Leistung in Lissabon. Auch in Leverkusen wäre mehr drin gewesen als das 2:4. Die Leistung insgesamt war in Ordnung, allerdings präsentierte sich unsere Abwehr einmal mehr löchrig wie Schweizer Käse. So fanden von insgesamt sieben Torschüssen der Pillendreher vier den Weg ins VfB-Tor. Bruno Labbadia monierte auch, dass wir gar nicht so viele Tore schießen können wie wir einfangen und kündigte an, einen Torwartwechsel vorzunehmen. Meiner Meinung nach vollkommen angebracht, da Sven Ulreich einfach noch nicht so weit ist. Klar wird es ihm von seinen Vorderleuten auch nicht einfach gemacht. Ulreich macht mir allerdings oft einen übernervösen Eindruck, was sich auch auf seine Vorderleute zu übertragen scheint. Vieles wirkt bei ihm aufgesetzt. Er weiß zwar, was er zu tun hat aber nicht, wie er es umsetzen kann. Beispiel: Spieleröffnung!

An anderer Stelle hatte ich allerdings auch schon bemerkt, dass es mir lieber gewesen wäre, wir hätten während der Transferperiode im Januar einen gestandenen Keeper geholt, da ich Sven Ulreich die nötige Nervenstärke im Abstiegskampf nicht zutraue. Er ist zwar sicherlich einer der wenigen im “Team”, dem die Situation spürbar an die Nieren geht. Am Willen liegt es bei ihm nicht. Und, er wäre sicher auch einer der wenigen, die bei einem Abstieg für einen Neuaufbau bereit stünden. Ob er auf Dauer eine Nummer 1 in einem Bundesliga-Tor sein kann, muss er noch beweisen. Ich habe schon meine Zweifel, was seine Klasse betrifft. Andere junge Torhüter in der Bundesliga scheinen mir da weiter zu sein.

Marc Ziegler hatte ich schon in seiner ersten Zeit beim VfB die ganz große Torwartkarriere nicht zugetraut und er hatte mich auch bei den Testspielen in dieser Saison nicht überzeugt, als er auflaufen durfte. Dennoch erhoffte ich mir durch diese Maßnahme noch einmal ein Zeichen. Dass dann diese Maßnahme sofort wieder verpuffte, als Ziegler gegen Lissabon bewußtlos liegen blieb, ist natürlich großes Pech. Bruno Labbadia scheint das große Pech mit nach Stuttgart gebracht zu haben. Jede als Zeichen an die Mannschaft verstandene Maßnahme verpufft ins Wirkungslose, wie auch die Suspendierung Maricas. Dass sich am Tag danach Pogrebnjak mit Rippenbruch abmeldet, Harnik und Cacau ständig an Aduktorenproblemen laborieren und somit der Youngster Sven Schipplock auf einmal fast der einzig gesunde Stürmer ist, damit konnte zum Zeitpunkt der Suspendierung noch keiner rechnen. Für mich ist diese allerdings jetzt purer Aktionismus und schwächt den VfB eher, als dass es etwas bringt. In der Wintertransferperiode wäre die Gelegenheit da gewesen, sich vom ein oder anderen Stinkstiefel zu trennen und das Gefüge des Kaders zu korrigieren. Gerade über Marica hatte ich aus gut unterrichteter Quelle erfahren, soll ein Angebot von Galatasaray Istanbul vorgelegen haben. Warum der VfB dem nicht entsprochen hat, kann ich mir nicht erklären. Unsere Vereinsführung hatte wohl gehofft, die 8 Millionen Euro, die man 2007 für diesen Söldner gezahlt hatte, wieder zu bekommen. Dabei muss man einfach froh sein, einen solch miserablen Charakter von der Gehaltsliste zu haben. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Vielleicht scheiterte ein eventueller Transfer auch daran, dass in der Zeit, in der man eigentlich Trnsfers einfädelt, nämlich zum Trainingsbeginn bzw. zum 1.1., unser Manager-Azubi im Urlaub in New York weilte? Selbst wenn mit den heutigen Möglichkeiten der Kommunikation über die Neuen Medien vieles möglich ist, ein schlechtes Zeichen an die Mannschaft und die Fans war dieser Ego-Tripp von Bobic allemal. Dennoch wäre ich dafür alle Kräfte zu bündeln und auch Marica zu begnadigen. Gerade, sollte Pogrebnjak weiter ausfallen, könnte er mit seiner Schnelligkeit weiter helfen.

So kann ich mich nur immer wieder wiederholen. Im Sommer hatte Gross einen Torwart, einen Innenverteidiger und einen schnellen Außenbahnspieler gewünscht und nichts von alledem bekommen, weil es unsere Fußballfachleute in Vorstand und Aufsichtsrat ja besser gewußt hatten. Als sich in der Vorrunde der Absturz abzeichnete wurden uns sowohl von Bobic, als auch von Staudt Veränderungen im Kader in Aussicht gestellt doch nichts Nennenswertes geschah, zumindest nicht auf den Positionen, wo es notwendig gewesen wäre. Man ließ sich einlullen von einer kämpferisch guten Leistung im Pokal gegen die Bayern (wie tief sind wir gesunken, wenn wir schon mit Grundtugenden, die man von einem Profi erwarten muss, nämlich, dass er in JEDEM Spiel bis an die Schmerzgrenze geht, mit stehenden Ovationen bedenken???) und von den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Mainz und in Dortmund als überraschend vier Punkte eingefahren wurden. Wie diese zustande kamen, wurde nicht hinterfragt. Es waren äußerst glückliche Punktgewinne, die wir gerne mitgenommen haben, aber auch nicht mehr. Dass die Probleme tiefgründiger sind, als dass sie durch Handauflegen von Labbadia schnell mal gelöst werden könnten, sollte nach 12 Pünktchen in der Vorrunde jedem klar gewesen sein. Für mich haben wir jetzt die Situation, dass wir keineswegs stärker geworden sind, als das was uns im August in den Spielen gegen Molde, Bratislava und Babelsberg vor Augen geführt wurde.

So ist meine Hoffnung auf den Klassenverhalt sehr gedämpft. Ich traue es der Mannschaft kaum zu, das Ruder herumzureißen. Gegen Lissabon, wohlgemerkt schon eine Klassemannschaft, ging das Team sang- und klanglos unter. Ob man jetzt befreiter aufspielen kann, da die Doppelbelastung wegfällt, muss sich erst noch zeigen. Spielerisch war es einmal mehr ein Offenbarungseid. Ich hoffe, dass heute Tasci zurückkehrt, was Georg Niedermeier seit seiner festen Verpflichtung spielt, ist gelinde gesagt unterirdisch. Aus der Abwehr wurde gegen die Portugiesen kein einziger ansehnlicher Angriff aufgebaut. Es wurde nur quer und dann zurück zum Torwart gespielt, der die Bälle nach vorne und meist in die Füße des Gegners drosch. Auch unser defensives Mittelfeld schafft es derzeit nicht, Angriffe nach vorne zu tragen. Selbst Träschi, in der Vorrunde noch weitestgehend eine Bank, lässt sich jetzt mehr und mehr von den Unsicherheiten seiner Mitspieler anstecken. Die Neuzugänge Hajnal und Okazaki waren zwar stets bemüht, schafften es aber auch nicht, die Stürmer in Szene zu setzen. So klaffen zwischen den Mannschaftsteilen einfach zu große Lücken. Mit diesem Spiel sind wir für jeden Gegner leicht auszurechnen, was meine Hoffnungen für heute nicht gerade bestärkt. Ich befürchte, wir könnten der ideale Aufbaugegner für die Hessen sein. Lasst sie ein Tor schießen und damit den Knoten platzen, wird es gefährlich für uns, zumal bei uns schon des öfteren nach einem Gegentor alle Dämme gebrochen sind.

Wenn man gestern die Dortmunder bei den Bayern gesehen hat, blutet einem fast das Herz. Wie die mit einem hohen läuferischen Aufwand und einer Passgenauigkeit, dazu einer Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, die Allianz-Arena gestürmt haben, hat mich schwer beeindruckt. Die Jungs waren ständig in Bewegung und schafften es, Robben zu zweit oder dritt zu attackieren, ohne zu viele Räume für die anderen Bayern-Spieler entstehen zu lassen.  Passwege wurden konsequent und fast über 90 Minuten zugelaufen, so dass die Bayern zu so wenig Torabschlüssen kamen, wie zu Hause schon lange nicht mehr.

Ich hoffe, unsere Jungs haben sich das angeschaut und nehmen die Erkenntnis mit, dass sich dieser Aufwand auszahlt. Unser Spiel ist viel zu statisch und mit wenig Überraschungsmomenten gespickt. Wir sind allzu leicht auszrechnen. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass man sowohl unsere Viererkette als auch unsere Doppel-Sechs einfach nur ständig attackieren muss, um Ballverluste zu provozieren. Wenn man dann noch schnell nach vorne spielt, geht beim VfB schnell jegliche Ordnung verloren. Es treten technische Unzulänglichkeiten zutage, die man eigentlich bei Profi-Fußballern nicht vermuten sollte. Es ist ja nicht so, dass ich lauter Messis auf dem Platz erwarte. Aber, wenn man schon mit der Ballbehandlung Probleme hat, sollte wenigstens der läuferische Einsatz und die Konzentration vorhanden sein. Sollte es am Ende gut gehen, hat man im Sommer die Gelegenheit notwendige Korrekturen vorzunehmen.

Für heute habe ich mal trotz meiner Schwarzmalerei mutig 3:4 getippt, auch, weil ich mir alles andere als einen Sieg nicht ausmalen möchte. Die Frankfurter, wie wir auch, haben massive Abwehrprobleme, so dass es durchaus denkbar ist, dass aus jeder halbwegs Halbchance eine Bude herausspringt. Der VfB ist zum Siegen verdammt, durch eine Niederlage würde der Rückstand auf Platz 16 schon auf fünf Punkte anwachsen. Für uns wäre es wichtig, endlich mal wieder den Anschluss zu schaffen, um an einem Spieltag mal wieder die Chance zu haben, bei optimalen Ergebnissen, die Abstiegsplätze zu verlassen. Dies könnte dann durchaus als zusätzliche Motivation dienen.

Wir sind, wie immer in dieser Saison, vor Ort, um 10 Uhr geht es mit dem Bus los. Alle Daheimgebliebenen: drückt fest die Daumen. Auch WIR würden gerne einmal wieder mit einem Erfolgserlebnis die Heimreise antreten.

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5. Oktober 2010

VfB stürzt immer tiefer in die Krise

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , – Franky @ 19:11

Cacau fiel in die Knie und brüllte die Freude aus sich heraus. Ein Tor hat der VfB-Stürmer gerade geschossen, das vermeintliche 2:2 gegen Eintracht Frankfurt, in der 89. Minute. Eine Erlösung schien es für Cacau – doch dann realisierte er, dass der Linienrichter die Fahne gehoben hatte und der Treffer nicht galt. Keiner wusste, warum – ein reguläres Tor war es erneut, wie schon im Spiel gegen Nürnberg, als Pawel Pogrebnjak nur kurz hatte jubeln dürfen. An Pech mit den Unparteiischen mangelt es dem VfB also nicht.

Das alleine erklärt jedoch keineswegs, dass die Stuttgarter am Sonntag mit 1:2 (0:1) gegen Eintracht Frankfurt verloren haben. Denn wahr ist auch, dass die Mannschaft von Christian Gross nach einem guten Start und vor beherzten fünf Schlussminuten wieder einmal einen beängstigend schwachen, teils leblosen Eindruck hinterlassen hat. Von sieben Spielen hat der VfB nun sechs verloren, er hat 15 Gegentreffer kassiert und liegt auf dem letzten Tabellenplatz – es ist eine Bilanz des Grauens.

Er habe zu offensiv aufgestellt, hatte der Trainer Gross nach dem 1:4 gegen Leverkusen eingeräumt – und ließ seine Elf diesmal vorsichtiger zu Werke gehen. Im Mittelfeld stellte er – auch aufgrund des Fehlens von Mauro Camoranesi, Daniel Didavi, Timo Gebhart und Johan Audel – vier etatmäßige defensive zentrale Spieler auf: Mamadou Bah und Zdravko Kuzmanovic in der Mitte, Christian Träsch rechts und Christian Gentner links.

Nicht nur die taktische Ausrichtung, auch die Einstellung war zunächst anders als gegen Leverkusen. Aggressiv und einsatzfreudig begann der VfB das Spiel. Flüssig lief der Ball in der Anfangsphase, in der die Stuttgarter, meist initiiert von Träsch, zu einer Reihe guter Chancen kamen. Ein paar Zentimeter fehlten zur Führung als Träschs 25-Meter-Schuss von der Unterlatte auf die Torlinie prallte (3.). Pogrebnjak schoss von halbrechts nur ans Außennetz (8.).

Und Cacau scheiterte an dem Eintracht-Torwart Oka Nikolov (14.). Sehr ordentlich spielte der VfB in der Startviertelstunde, vergaß jedoch das Toreschießen – und wurde dafür bitter bestraft. Mit der ersten gefährlichen Aktion kam Frankfurt zu Führung – es war ein Tor, das sich der VfB quasi selbst ins Netz legte. Niemand griff ein, als ein Einwurf von links in den Strafraum flog, Bah machte sogar einen Schritt zur Seite, und so durfte Theofanis Gekas unbehelligt per Kopf sein fünftes Saisontor erzielen (18.).

Nach dem Gegentreffer riss der Faden beim VfB komplett. Verschwunden war das Selbstvertrauen und die Zuversicht der Anfangsphase – wieder einmal fiel die Mannschaft förmlich in sich zusammen. Große Verunsicherung machte sich breit, die Angst vor der nächsten Pleite lähmte die Spieler, die Fans begannen zu pfeifen. Und wieder einmal gab es keinen auf Stuttgarter Seite, der in dieser Situation furchtlos vorneweg marschiert wäre. Es ist das große Problem des VfB: die Spieler haben eigentlich genug Qualität, um viel weiter oben mitzuspielen – der Mannschaft fehlt jedoch die Struktur und die Mentalität. Glück hatte der VfB, dass es zur Pause nicht schon 0:2 stand, nachdem Gekas nach einem Stellungsfehler von Delpierre vorbeigeköpft hatte (33.).

Auch in der zweiten Hälfte fand der VfB zunächst keinen Weg aus seiner Lethargie. Frankfurt dominierte das Spiel nach Belieben und hätte durchaus mehr Tore schießen können als das 2:0 durch Chris. Im Anschluss an eine Ecke traf der aufgerückte Abwehrspieler mit dem Kopf, nachdem sein Gegenspieler Kuzmanovic darauf verzichtet hatte, mit hochzusteigen (68.).

Nach einem rüden Frustfoul wurde Delpierre sechs Minuten vor Schluss vom Platz gestellt (und muss mit einer mehrwöchigen Sperre rechnen). Ausgerechnet mit zehn Mann wachte der VfB noch einmal auf und kam durch Pogrebnjak zum Anschlusstreffer (85.). Zu mehr reichte es in dieser dramatischen Schlussphase jedoch nicht mehr, weil Cacaus Treffer vom Schiedsrichter Felix Brych die Anerkennung verweigert wurde.

Im nächsten Spiel nach der Länderspielpause gastiert der VfB am 16. Oktober auf Schalke. Vor der Saison hätte man gedacht, es sei ein Spitzenspiel – nun ist es das Duell des Tabellenletzten beim Vorletzten.

Mannschaften und Statistik
VfB Stuttgart:

Ulreich – Celozzi (69. Harnik), Tasci, Delpierre, Molinaro (56. Boka) – Träsch, Bah, Kuzmanovic, Gentner (69. Marica) – Pogrebnjak, Cacau

Eintracht Frankfurt:

Nikolov – Jung, Franz (70. Meier), Russ, Tzavellas – Schwegler – Ochs (86. Kittel), Chris, Altintop, Köhler – Gekas (90.+1 Amanatidis)

Schiedsrichter:

Brych (München)

Zuschauer:

44.000

Tore:

0:1 Gekas (18.), 0:2 Chris (68.), 1:2 Pogrebnjak (85.)

Gelbe Karten:

Boka (2), Pogrebnjak (1) / Franz (3), Russ (3), Schwegler (2), Tzavellas (3)

Rote Karten:

Delpierre (84./grobes Foulspiel) / -

(STZ online 3.10.10)

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14. März 2010

Hleb will gehen

Category: Presse — Tags: , , , , , – Franky @ 10:15

Alexander Hleb sieht für sich keine Zukunft beim VfB Stuttgart. “Die Wahrscheinlichkeit, in Stuttgart zu bleiben, ist gleich Null”, sagte der weißrussische Fußball-Nationalspieler völlig verärgert über seine erneut frühe Auswechslung beim 2:1-Sieg der Schwaben in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt. “Keine Ahnung, was er von mir sehen will. Er ist nicht zufrieden”, kritisierte Hleb seinen Trainer Christian Gross. Und ergänzte: “Ich weiß nicht, wie viele Monate er mir noch gibt.”

Abgesehen vom Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona, der Hleb in dieser Saison an die Stuttgarter ausgeliehen hat, durfte der 28 Jahre alte Spielmacher beim VfB noch nie durchspielen. Gross wechselte ihn in neun Bundesliga-Partien immer nach 55 oder maximal 74 Minuten aus. Der Coach wehrte sich gegen den Vorwurf, Hleb mit diesen Maßnahmen zu demontieren. “Ich will die Spiele mit Alex gewinnen”, sagte der Schweizer. Gross fordert von Hleb noch mehr Engagement, Tordrang und Spielgestaltung.

(STZ online 28.2.10)

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