30. Juni 2012

Deutschland bei der Euro 2012

oder

Jogi Löw: Vom Liebling der Nation zur persona non grata?

Was wurde nicht alles schwarz gemalt vor dieser Euro 2012 in Polen und der Ukraine. Nicht nur, was die Zustände in beiden Ländern angeht, auch der Zustand unserer Nationalmannschaft wurde sehr in Frage gestellt. Wir selbst „mussten“ in Basel mit ansehen, wie sich eine deutsche Nationalmannschaft, noch ohne die sich vom Champions League-Frust erholenden Bayern-Spieler, von einer Wintersportnation wie der Schweiz nach allen Regeln der Kunst vorführen ließ. Auch der abschließende Test gegen Israel machte nicht gerade Mut, was die bevorstehende Euro anging. Ich persönlich wollte aber nicht in den Chor der Schwarzmaler einstimmen, da ich Vorbereitungsspiele einschätzen kann und in die Fähigkeit des Trainerstabs der Nationalmannschaft Vertrauen habe, die Jungs auf den Punkt topfit zu machen. In den letzten Turnieren gelang dies schließlich immer.

Selten zuvor formulierte der gesamte Tross das Ziel Europameistertitel so offensiv wie in diesem Jahr. Nach zuletzt zwei dritten Plätzen bei Weltmeisterschaften und der Vize-Europameisterschaft 2008 wäre der Titel ja auch nur die logische Folge der Weiterentwicklung des Teams, das gespickt ist von technisch und taktisch hervorragend ausgebildeten jungen Spielern. Jedem im 23er-Kader wäre zuzutrauen bei der Euro seinen Mann zu stehen und Deutschland würdig zu vertreten. So nahm ich es Joachim Löw auch nicht übel, auf unseren Cacau zu verzichten, der einfach eine schlechte Saison hinlegte und für die bevorstehenden Anforderungen auch nicht spritzig genug wirkte. Unterstrichen hat er diese Einschätzung nach seiner Einwechslung im Test in Basel, als er doch wie ein Fremdkörper und übermotiviert wirkte und sich bei seiner wohl letzten Chance nicht wirklich empfehlen konnte. Ich hoffe, er findet beim VfB zu alter Leistungsstärke zurück, so dass er, wie Löw nach seiner Ausbootung in Aussicht stellte, weitere Chancen in der Nationalelf erhält.

Am 9.6. war es endlich soweit. Die Vorgeplänkel hatten ein Ende, von nun an konnten Fakten auf dem Platz geschaffen werden. Deutschland bekam in der sog. Todesgruppe mit Portugal gleich einen dicken Brocken vorgesetzt. Portugal mit ihrem Superstar Cristiano Ronaldo gehörte in den letzten großen Turnieren stets zu den Mitfavoriten und fühlte sich dieses Mal reif für den großen Wurf. Ronaldo erlebte die bislang beste Saison seiner Karriere, 46 Ligatore in Spanien sprechen Bände. Dazu verfügen die Portugiesen noch über eine Reihe von guten Einzelkönnern, die bei den besten Vereinen des Kontinents unter Vertrag stehen, so dass das Rezept auch nicht ausschließlich heißen konnte, Ronaldo aus dem Spiel zu nehmen. Deutschlands Aufstellung bot keine größeren Überraschungen. Dass Boateng auf den vakanten Rechtsverteidiger-Posten rücken würde, zeichnete sich schon im Vorfeld ab. Auf den offensiven Außenbahnen vertraute Löw zunächst den altbewährten Kräften Podolski und Thomas Müller, lediglich die Nominierung von Hummels anstatt dem lange verletzten Mertesacker neben Badstuber kam etwas überraschend. Das Spiel wurde die erwartet zähe Angelegenheit mit zunächst kaum Torchancen, hüben wie drüben. Im ersten Spiel dieser schweren Gruppe war für beide verlieren eigentlich verboten. So neutralisierten sich die Teams weitestgehend, ohne groß ins Risiko zu gehen. Dann aber, als Miroslav Klose schon mit den Hufen scharrte und auf seine Auswechslung wartete, diese sich aber recht lange hinzog, weil sich der vierte Offizielle mit dem herrichten der Auswechseltafel enorm viel Zeit ließ, schlug doch noch der zur Auswechslung vorgesehene Gomez zu. Nach einer leicht abgefälschten Flanke von Sami Khedira schraubte sich Gomez hoch und köpfte den Ball in die rechte Torecke. Bis zu diesem Zeitpunkt war von Gomez wenig zu sehen, was den selbsternannten Experten Mehmet Scholl zu der Aussage hinriss, er hätte Angst gehabt, dass Gomez sich wund liegen würde. In meinen Augen völlig überzogen, man kann von Gomez halten was man möchte, letzten Endes aber ist er dazu da, Tore zu schießen, diese Aufgabe hatte er zu 100 Prozent erfüllt und war somit der Matchwinner an diesem Abend. Weitere Sieggaranten waren Manuel Neuer, der in der Schlussphase noch die eine oder andere gute Einschussmöglichkeit der Portugiesen zunichtemachte, Boateng, der Ronaldo so gut es ging aus dem Spiel nahm und Mats Hummels, der ein glänzendes EM-Debut gab. Das erste Spiel dieser Gruppe gewannen überraschend die Dänen gegen die hoch gewetteten Niederlande, so dass es für diese im Aufeinandertreffen mit der deutschen Nationalmannschaft schon um alles oder nichts geht.

Die Schlagzeilen zwischen den ersten beiden Gruppenspielen wurden von Scholls Gomez-Kritik und dessen Verteidigungsplädoyers bestimmt, der seinerseits auf seine tolle Torquote in der Saison verwies und sich daraufhin nicht mehr groß ändern müsse.

Löw vertraute gegen die Niederlande der siegreichen Elf des Portugalspiels, van Marwijk brachte im Vergleich zum Spiel gegen Dänemark mit dem wiedergenesenen Mathijsen lediglich einen neuen Spieler, so dass Huntelaar und van der Vaart weiterhin auf der Bank schmoren mussten. Die Niederlande waren nach der Auftaktniederlage zum Siegen verdammt und brannten zudem auf Revanche für die 0:3-Schmach von Hamburg im November des letzten Jahres. Die erste Chance hatte dann auch van Persie, doch er scheiterte am eins gegen eins gegen den bravourös sich dagegen stemmenden Neuer. Im Gegenzug dann hatte Özil das 1:0 auf dem Fuß, traf aber nur den Pfosten. Danach verflachte die Partie etwas, beide Teams waren um Sicherheit in ihren Aktionen bemüht. Bis zur 24. Minute, als Schweinsteiger einen Pass in die Schnittstelle der holländischen Abwehr spielte, Gomez den Ball sensationell mitnahm und im Kasten versenkte. An seinem verhaltenen Jubel merkte man Gomez an, wie sehr die Debatte um seine EM-Tauglichkeit an ihm genagt haben musste. Knapp eine Viertelstunde später sorgte er dann, wieder nach Zuspiel von Schweinsteiger, eiskalt für die Vorentscheidung. Danach, im Gefühl des sicheren Sieges, ließ die DFB-Elf etwas die Zügel schleifen, so dass die Niederlande stärker auf- und knapp 20 Minuten vor Spielende sogar noch zum Anschlusstreffer kamen. Die Niederlande riskierten in der zweiten Hälfte mit der Hereinnahme von Huntelaar, van der Vaart und später auch noch Kuyt alles, mehr als der Ehrentreffer sprang jedoch zum Glück nicht mehr heraus. Das einzige was man der deutschen Mannschaft an diesem Tag vorwerfen konnte, war, dass die Konter nicht sauber zu Ende gespielt wurden und man sich auf die knappe Führung verließ. So ließ sich diese Euro mit zwei Siegen gegen Top-Nationen für Deutschland hervorragend an. Dennoch stand man noch nicht sicher im Viertelfinale, da Portugal die Dänen noch im letzten Moment schlug. Im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark wurde also noch ein Punkt benötigt, um sicher weiter zu kommen, was auch der Tatsache geschuldet war, dass bei dieser Euro bei Punktgleichheit der direkte Vergleich mehr wert ist als das Torverhältnis, so dass uns die Dänen bei einem Sieg auf jeden Fall in der Tabelle überholen würden. Die Holländer ihrerseits hatten so ebenfalls noch eine Minimalchance weiter zu kommen, sollten sie die Portugiesen schlagen und Deutschland Dänemark mit zwei Toren Unterschied in die Knie zwingen. Tja, früher konnte man die Situation in der Gruppe einfach an den Ergebnissen und der Tabelle ablesen, heute braucht’s dazu im Zweifel noch den UEFA-Koeffizienten und ein Blick auf die Fairplay-Wertung…

Solch eventuelle Rechenspielchen konnte sich die deutsche Mannschaft aber zum Glück ersparen, da sie die Dänen letztendlich glücklich 2:1 schlug. Erstmals bei diesem Turnier musste Löw personell improvisieren, da sich Boateng gegen die Niederlande eine Gelbsperre einhandelte. Was sich in den Tagen davor bereits abzeichnete bewahrheitete sich schließlich: Lars Bender, eigentlich eher ein „6-er“, nahm diesen Part ein. An dieser Stelle kann ich mir einen schönen Gruß an Christian Träsch nicht verkneifen, der sicher gute Aussichten gehabt hätte, die rechte Außenverteidiger-Position zu bekleiden, wenn er nicht dem Lockruf des Geldes gefolgt wäre und diese Position beim VfB angenommen hätte. Beim VfB ist alles gut, wir haben schließlich jetzt Gotoku Sakai und in der Nationalmannschaft spielt den Posten Innenverteidiger Boateng oder wird, wie gegen die Dänen, von Mittelfeldspieler Bender ersetzt.

Um festzustellen, dass uns die Dänen nicht unbedingt liegen, genügt ein Blick in die Statistik. Seit Mitte der 90er-Jahre haben wir kein Spiel mehr gegen sie gewonnen, zudem verlor Deutschland das EM-Finale 1992 gegen Dänemark völlig überraschend. Gegen das dänische Abwehrbollwerk haben sich schon die vermeintlichen niederländischen Himmelsstürmer, trotz deutlichem Chancenplus, die Zähne ausgebissen. So wurde es auch die erwartet die schwere Aufgabe. Zwar brachte uns Podolski in seinem 100. Länderspiel bereits in der 19. Minute mit 1:0 in Führung, doch schon fünf Minuten später klingelte es im Kasten von Manuel Neuer. Eine Eckballvariante, die vorauszusehen war, da wenige Minuten zuvor schon einmal angewandt, auf den an der Strafraumgrenze postierten Bendtner, der den Ball in die Mitte zurück köpfte und dort von Krohn-Dehli versenkt wurde, brachte prompt dem Ausgleich. Danach glich das Spiel dem Tanz auf der Rasierklinge, erst recht als Mitte der zweiten Halbzeit Portugal gegen Holland führte und Deutschland fast den Rückstand durch den immer agilen Bendtner kassierte. In der 80. Minute war es aber nicht Bendtner sondern der Startelfdebütant Bender, der für den Siegtreffer, das eigene Weiterkommen und das Aus der Dänen sorgte. Deutschland hatte sich also in der schwersten aller Vorrundengruppen mit neun Punkten als Gruppensieger durchgesetzt und bekam zur Belohnung mit Griechenland den wohl leichtesten aller Viertelfinalteilnehmer vorgesetzt. Die Tage zwischen dem Dänemark- und dem Griechenlandspiel waren geprägt vom mehr oder weniger lauten Murren von Reservisten, die bisher kaum oder noch gar nicht eingesetzt wurden, namentlich von Reus, Götze und Kroos.

Vor allem Kroos kam offensichtlich mit der Reservistenrolle nicht zurecht, wähnte er sich doch als Stammspieler, da er im letzten Jahr fast in jedem Spiel mitwirken durfte. Dies allerdings meist dann, wenn Schweinsteiger und/ oder Khedira ausfielen, die sich beide völlig zu Recht auf der Doppel-Sechs festgespielt haben. Daher frage ich mich „was erlaube Kroos?“. Es zeugt allgemein nicht von gutem Stil während eines Turniers öffentlich Kritik zu üben und sich auszuheulen. In diesem Fall aber schlägt sie meiner Meinung nach dem Fass den Boden aus. Das deutsche Team war siegreich, Khedira überragend und Schweinsteiger, wenn auch nicht in allerbester Verfassung, dennoch als Teamleader (zu diesem Zeitpunkt noch!) unverzichtbar. Jener Tony Kroos, der im Champions League Finale keine Eier hatte und Manuel Neuer beim Elfmeterschießen den Vortritt ließ, meldete lauthals Ansprüche an. Hier war es einzig der Souveränität Löws geschuldet, dass aus Kroos‘ Vorpreschen keine Staatsaffäre wurde.

Kroos‘ Jammern wurde vom Bundestrainer auch gegen Griechenland nicht erhört. Dennoch wirbelte Löw die Startformation während dieser Euro erstmals gehörig durcheinander. Boateng ersetzte nach abgesessener Gelbsperre erwartungsgemäß wieder Lars Bender. Zudem kamen Reus für Müller, Schürrle für Podolski und Klose für Gomez zum Zug. Sehr zum Missfallen des Bundestrainers war dieses als Überraschung gedachte Wechselspiel bereits in den frühen Nachmittagsstunden am Spieltag publik geworden, so dass fortan die Suche nach dem Maulwurf auf der Agenda stand.  Griechenland musste ohne seinen Kapitän Karagounis auskommen, der im entscheidenden Gruppenspiel gegen Russland wegen einer vermeintlichen Schwalbe zu Unrecht seine zweite Gelbe Karte gesehen hat.

Löws Schachzüge gingen von Beginn an auf. Die deutlich agilere deutsche Offensive zwang die Griechen von einer Verlegenheit in die nächste. Einzig die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. In der 39. Minute schließlich war der Bann gebrochen. Lahm zog, ähnlich wie bei seinem Auftakttor gegen Costa Rica bei der WM 2006, nach innen und fasste sich ein Herz. 1:0, eines muss man dem Kapitän ja lassen. Wenn er trifft, dann meist in den wichtigen Spielen, wie zuletzt auch 2008 im Halbfinale gegen die Türkei.

10 Minuten nach der Pause passierte dann das, was es eigentlich zu vermeiden galt. Nach Ballverlust von Schürrle ging es ganz schnell, Samaras schloss den schulmäßigen Konter zum schmeichelhaften 1:1 ab. Deutschland schüttelte sich kurz und setzte die offensive Marschroute unvermindert fort. Die Folge: nur gute fünf Minuten später klingelte es erneut im griechischen Kasten durch einen wunderschönen Treffer „unseres“ Sami Khedira. Dadurch war der griechische Widerstand weitestgehend gebrochen. Klose und Reus legten noch nach, der Handelfmeter in der Schlussminute zum 4:2 war nur noch von statistischer Bedeutung.

Die Wechsel von Jogi Löw zahlten sich also voll aus, weshalb er in den Medien schon als „der Mann, der alles richtig macht“ gefeiert wurde. Leider aber zu viel der Vorschusslorbeeren, wie sich noch herausstellen sollte.

Deutschland hat also das Halbfinale gegen Italien erreicht, ein Team, das vor der Euro eher wenige auf dem Zettel hatten. Bezeichnend, dass fürs Halbfinale nur Teams aus den Gruppen B und C qualifiziert waren und die „Top-Gesetzten“ Gastgeber Ukraine und Polen sang- und klanglos in der Vorrunde ausschieden. Hier sollte sich die UEFA mal überlegen, ob es sportlich gerecht ist, Teams als Gruppenköpfe zu setzen, die in der Weltrangliste unter ferner liefen stehen, auch wenn sie Gastgeberländer sind.

Jetzt also gegen Italien, gegen das Deutschland noch nie ein Pflichtspiel gewonnen hat. Ich war sehr optimistisch, dass jetzt dafür die Zeit reif wäre. Deutschland trat sowohl auf als auch neben dem Platz mit breiter Brust auf, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass irgendetwas schief gehen konnte. Dass die Italiener gegen England 120 Minuten gehen mussten und zwei Tage weniger Zeit hatte als Deutschland, betrachtete ich aber nicht als Vorteil Italien. Zwischen Sonntag und Donnerstag konnten sich auch die Italiener ausreichend regenerieren.

Thema der Woche war der Knöchel der Nation. Bastian Schweinsteiger gab in einem Zeitungsinterview erstmals zu, dass er sich um seinen Knöchel große Sorgen mache und der Kopf mehr möchte, als sein Körper derzeit zu leisten imstande ist. Seit seinem im Februar beim DFB-Pokalspiel beim VfB erlittenen Außenbandriss kam er nie richtig in den Rhythmus und spielte, wenn er denn spielte, mit Schmerzen. Das ein oder andere starke Spiel legt er ja hin, meist aber hinkt er den Ansprüchen gehörig hinterher, so auch zuletzt gegen Griechenland, als er von ihm nicht gewohnte Fehlpässe fabrizierte. Da aber zwischen den beiden Spielen wieder sechs Tage lagen und er in den letzten Trainingseinheiten wieder mit trainieren konnte, stand hinter seinem Einsatz auch kein Fragezeichen.

Vor dem Italien-Spiel hatte sich unser Maulwurf offensichtlich frei genommen. Schade eigentlich, vielleicht hätte Löw seine Aufstellung sonst noch einmal überdacht. Er brachte wieder Podolski für Schürrle und Gomez für Klose. Dazu noch völlig überraschend Kroos, der helfen sollte, das Zentrum zuzumachen, für den gegen Griechenland überragenden Reus.

Für mich waren alle Wechsel nicht nachvollziehbar. Podolski ist nach dem Kölner Abstieg nur noch ein Schatten früherer Tage und wirkt ausgelaugt von einer langen Saison. Von Kloses Einsatz gegen Griechenland profitierte vor allem Özil, der eine Anspielstation mehr zum kombinieren gehabt hatte. Daher erhoffte ich mir, dass Klose drin bleibt. Und ganz unverständlich: Kroos für Reus. Diese Maßnahme sah sehr nach „Reagieren“ aus anstatt mit einem Reus, von mir aus auch Müller, Druck zu erzeugen. Hinterher ist man natürlich immer schlauer, so waren die Maßnahmen der berühmte Griff ins Klo. Deutschland legte eine ansehnliche Anfangsphase hin und hätte früh in Führung gehen können, wenn Pirlo nicht auf der Linie geklärt hätte. Italien näherte sich dem deutschen Tor eher zaghaft und versuchte es mit Weitschüssen, die jedoch keine große Gefahr erzeugten. Es war sicher kein Zufall, dass das 0:1 aus deutscher Sicht über die linke Seite fiel. Kroos zog es als sog. Zentrumsspieler (zu)  viel in die Mitte, weshalb seine Seite zu oft verwaist war. Cassano ließ Boateng und Hummels wie Schuljungen aussehen und kam zum flanken. Im Zentrum setzte sich Balotelli gegen Badstuber durch und köpfte unhaltbar für Neuer ein. Ausgerechnet das enfant terrible der Italiener, der in jedem Spiel eine tickende Zeitbombe ist, wurde eingeladen „Man of the Match“ zu werden. Denn auch beim 0:2 zeigte er seine Klasse, als er einen langen Ball Montolivos, nicht ernsthaft gehindert von Lahm, erlief und in die Maschen hämmerte. Damit war das Spiel so gut wie gelaufen. Gegen Italien einen Rückstand aufzuholen war schon seit eh und je schwer, so auch dieses Mal. Den Deutschen gelang es kaum, zwingend vor dem starken Buffon aufzutauchen, das Anschlusstor durch Özils Elfmeter fiel zu spät.

Das Finale 2012 lautet also Italien-Spanien, eine Ansetzung, die es schon als Gruppenspiel gab, übrigens war das eines der besseren Spiele der diesjährigen Euro, die fußballerisch mehr Magerkost als Leckerbissen bot. Viele Mannschaften traten äußerst defensiv an und suchten ihr Heil in überfallartigen Kontern. 2016 erwartet uns eine Europameisterschaft in Frankreich, erstmals aufgestockt auf 24 Mannschaften. So wird das Niveau weiter verwässert und die Gruppenphase fast bedeutungslos, wenn auch noch die vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale einziehen.

Mit dem Auftreten der deutschen Mannschaft war ich weitestgehend zufrieden. Kritik an manchen Entscheidungen habe ich oben geäußert. Nach dem Halbfinale muss man dazu die Frage stellen, ob man nicht Schweinsteiger die nötige Pause einräumen hätte müssen. Er war gegen Italien der schwächste Mann auf dem Platz, guten Ersatz hätte man mit Bender, Gündogan oder auch Kroos zur Verfügung gehabt. Im Finale 2008 war für mich mitentscheidend für die Niederlage, dass man Ballack auf Teufel komm raus fitgespritzt hatte, er der Mannschaft aber letztendlich nicht helfen konnte. Dieses Mal also Schweinsteiger und wieder hatte man den Eindruck, der Gegner hätte einen Spieler mehr auf dem Platz. Dies kann man Jogi Löw ankreiden, dass er hier seinen Worten, dass er nur 100%ig fitte Spieler einsetzen würde, keine Taten folgen ließ. Solche Entscheidungen sollte Löw künftig alleine treffen und seinem Bauchgefühl folgen. Dass er nicht alles richtig gemacht hat, hat Löw in Interviews ja auch eingeräumt und auch die Verantwortung für die Niederlage übernommen.

Dass aber jetzt von einigen Medien, allen voran die mit den vier großen Buchstaben, der Rücktritt von Löw gefordert wird und das komplette Spielermaterial in Frage gestellt wird, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Ich kann mir nach wie vor keinen besseren Trainer für die Nationalmannschaft vorstellen, der es versteht, wie kaum ein anderer, junge Leute ins Team einzubauen und ein super Klima zu schaffen. Wenn man ein Halbfinale eines großen Turniers erreicht hat, sind am Ende Nuancen oder die Tagesform entscheidend, die zum großen Wurf fehlen. Jetzt aber von Versagern zu sprechen halte ich für eine bodenlose Frechheit. Löw als erster wird sich in den Allerwertesten beißen, dass er für dieses Spiel einige falsche Entscheidungen getroffen hat. Für mich spielt die Nationalmannschaft weiter einen tollen Fußball, wenn man sich vor Augen führt, über welchen Rumpelfußball wir noch vor acht Jahren diskutiert haben. Die Mannschaft ist noch nicht am Ende ihrer Entwicklung, da ein riesen Reservoir an talentierten Spielern vorhanden ist. Der nächste, der mit Macht hinein drängt ist für mich Julian Draxler, der ja nur knapp aus dem Kader flog. Podolski wird Arsene Wenger bei Arsenal wieder in die Spur bringen und Reus wird bei Dortmund noch einen Sprung machen. Gegen Italien wurden die Schwächen auf der Rechtsverteidiger-Position und in der Innenverteidigung aufgedeckt. Hier haben wir noch das größte Steigerungspotential. Hummels ist für mich der Abwehrchef der Zukunft, Mertesacker und Badstuber sehe ich als Wackelkandidaten. Diese Vakanz sollte eigentlich unsere Innenverteidiger Schorsch Niedermeier und Serdar Tasci anspornen sich für höhere Weihen zu empfehlen. Bleiben also noch die Außenverteidiger, wo viel davon abhängt, welche Seite Lahm im Verein spielt. Sonst sehe ich uns hervorragend aufgestellt.

Ein weiterer Kritikpunkt, den ich in den letzten Tagen lese, ist, wir hätten zu viele „Weichspüler“ im Team und niemanden der in schlechten Phasen voran geht und dazwischen haut. Das können insbesondere Khedira und Schweinsteiger, wenn er denn fit ist. Auch Lahm vermag mal ein Zeichen zu setzen, siehe sein Tor gegen Griechenland. Was wird also erwartet? Wünscht man sich einen Typ van Bommel oder Jermaine Jones, der ständig am Rande des Platzverweises steht? Oder wünscht man sich einen Steffen Freund und Jens Jeremies zurück, die zwar fußballerisch limitiert waren, einem Gegner aber durch fieses Einsteigen oder versteckte Fouls den Schneid abkauften? Ich persönlich bin froh, dass wir inzwischen die meisten Situationen spielerisch lösen können und so in den letzten Jahren Gegner wie England, Argentinien, zwei Mal die Niederlande, Brasilien und Portugal geschlagen haben. Dass es gegen Italien nicht gereicht hat, mein Gott, so ist Fußball.

Unser ganzes Land trägt Trauer! Ja, das hängt womöglich damit zusammen, dass wir urplötzlich ein Volk von 80 Millionen Fußballfans sind. Schwarz-Rot-Geil! Ein Event über Wochen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, drei Wochen Party satt, in den Armen wildfremder Menschen feiernd! Dann, Niederlage gegen Italien, Party jäh gestoppt und plötzlich ist alles scheiße. Würden diejenigen, die jetzt am lautesten aufschreien, Bundesligaspieltag für Bundesligaspieltag ihrem Team hinterher reisen und mit der ein oder anderen bitteren Niederlage im Gepäck eine endlos lang erscheinende Strecke auch wieder zurückfahren müssen, dann würden sie möglicherweise verstehen lernen, dass auch Niederlagen zum Sport dazu gehören. Die Niederlage, wie sie zustande kam, war verdient, fertig, aus. Trotzdem verabschiedet sich Deutschland erhobenen Hauptes aus dem Turnier. Das kapieren hoffentlich auch möglichst bald die Boulevardmedien, ohne ein Trainer-Team aus dem Amt getrieben zu haben, für das es weit und breit keine Alternative gibt.

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28. Juli 2010

Beginn des Trainingslagers in Donaueschingen und WM-Halbfinale gegen Spanien

Durch die ereignisreichen letzten Wochen mit Donaueschingen, Hamburg und Grenchen kam ich leider nicht dazu, den ein oder anderen Bericht zu schreiben. Aufgrund der durchweg großen Hitze wurden die Trainingszeiten der Witterung angepasst, was für uns meist “früh aufstehen” hieß. Dann waren wir ja in der Gruppe unterwegs, so dass meistens irgend etwas auf dem Programm aufstand. Daher achtete ich lediglich darauf, zeitnah die Bilder der Trainingseinheiten und Testspiele online zu stellen und vernachlässigte meinen Blog. Dies möchte ich in den kommenden Tagen noch nachholen und meine Eindrücke der letzten drei Wochen schildern.

Letztes Jahr in Leogang waren wir erstmals bei einem VfB-Trainingslager dabei. Schon damals stand fest, dass es nicht unser letztes war. Zu schön waren die Eindrücke. Wir genossen es, so nah dran zu sein und die Arbeit, die in der Saisonvorbereitung geleistet wird, hautnah mitzubekommen. Wir lernten eine tolle Clique kennen, mit der wir in der letzten Saison sehr viel Zeit verbrachten, “den Trainingslagerstammtisch”. Wie der Name schon sagt, hat sich die Gruppe bei VfB-Trainingslagern gefunden und ist im Laufe der Jahre peu a` peu gewachsen. So manchem Bruddler, der meint, wir hätten nichts besseres zu tun, als dem VfB hinterher zu reisen, sei gesagt, dass der VfB sein Quartier meist in sehr schönen Regionen aufschlägt, wo allerhand unternommen werden kann.

In diesem Jahr erwies sich die Sommerplanung als sehr schwierig. Der VfB erreichte am letzten Spieltag der vergangenen Saison durch das 1:1 in Sinsheim gegen Hoffenheim als Tabellensechster die Qualifikation zur Europa League, was uns Qualifikationsspiele am 29.7 und 5.8. beschert, also mitten in der Saisonvorbereitung. Zusätzlich wird die Vorbereitung durch die Tatsache erschwert, dass Tasci, Khedira, Cacau und Boulahrouz im WM-Halbfinale standen und somit erst Ende Juli aus dem Urlaub zurückkehren. Die in der Vorrunde ausgeschiedenen Boka und Kuzmanovic stiegen bereits am 18. bzw. 19 . Juli wieder in den Trainingsbetrieb ein.

Aufgrund dieser Umstände entschloss sich der VfB gleich vier Trainingslager abzuhalten. Da war natürlich klar, dass wir nicht alles mitnehmen konnten in diesem Jahr. Ende Juni ging es nach St. Moritz, wo in erster Linie Teambuilding auf dem Programm stand und wenig mit dem Ball gearbeitet wurde. Vom 7.7. bis 14.7. ging es nach Donaueschingen, vom 20.-24.7. reiste der VfB-Tross nach Grenchen in die Schweiz, wo am 49. Uhren-Cup teilgenommen und in Solothurn trainiert wurde. Schließlich reist der VfB nach dem Europa League Qualifikationsspiel in Molde/ Norwegen direkt weiter zur Friedrichsruhe, wo der letzte Feinschliff einstudiert werden soll und auch die restlichen Nationalspieler, hoffentlich auch der von Real Madrid umworbene  Sami Khedira, zum Team stoßen werden.

Nachdem diese Planung irgendwann im Mai feststand, entschlossen wir uns, den VfB nach Donaueschingen und nach Grenchen zu begleiten. Nach Öhringen, wo der VfB bei seinem letzten Trainingslager in der Hohenlohe trainieren wird, werden wir sporadisch hinfahren, ob mit oder ohne Übernachtung überlegen wir uns noch.

Am 7.7. ging es also für uns los nach Donaueschingen, nachdem ich morgens noch die Fäden von einer Schleimbeutel-OP am Ellenbogen gezogen bekam. Die erste Nacht buchten wir, wie unser Stammtisch, im Hotel Hirschen im Zentrum von Donaueschingen. Ab der zweiten Nacht hatten Anita und ich dann eine Ferienwohnung in Bad Dürrheim gebucht. Die meisten anderen unseres Stammtisches erwarteten wir erst am Freitag zum Spiel gegen die Grasshoppers Zürich in Waldshut Tiengen, so dass wir zunächst “nur” zu sechst waren.

Wir testeten nach dem Einchecken im Hirschen natürlich als erstes den Biergarten und genossen bei großer Hitze erst einmal ein Fürstenberg-Radler und ließen ein erstes Gruppenbild machen.

Da wir am ersten Tag natürlich die Trainingszeiten noch nicht wussten, fanden wir uns gegen 16 Uhr beim Mannschaftshotel “Öschberghof” ein. Beruhigend war natürlich, dass der Mannschaftsbus und damit auch offensichtlich die Mannschaft bereits eingetroffen waren.

Wie wir erfuhren, waren wir etwas zu früh dran und hatten noch 1-1,5 Stunden Zeit bis zum Beginn des ersten Trainings im Schwarzwald. So setzten wir uns in den zum Hotel gehörenden “Hexenweiher”, um die Zeit zu überbrücken und bei brütender Hitze noch ein wenig Schatten abzubekommen. Herbert Rudel, Fotograf der Bildzeitung und vor allem Geli bestens bekannt, saß auch bereits dort und erklärte sich freundlicherweise bereit, ein nächstes Gruppenfoto von uns zu schießen. Die Preise im Hexenweiher waren erwartungsgemäß stattlich, so hätte ein Eiskaffee 7 Euro gekostet; so trank ich dann doch lieber erneut ein Radler.

Wenig später nahmen wir dann den Fußweg, zum Trainingsplatz vorbei am Golfplatz, in Angriff. Geli blies zur Begrüßung der Mannschaft dann zunächst einmal die Vuvuzela. Schließlich war ja noch WM und am Abend stand das Halbfinale Deutschland-Spanien an, dem wir alle entgegen fieberten.

Zu Beginn einer jeden Einheit bittet Trainer Christian Gross erst einmal das gesamte Team, inklusive aller Betreuer, einen Kreis zu bilden und klärt über die Trainingsinhalte des jeweiligen Tages auf.

Unser erster Weg eines jeden Trainingstages ist der, unsere Fahne, die wir im letzten Jahr fertigen ließen, zu platzieren. Diese sollte sich während der folgenden Wochen noch schön in Szene setzen.

Nach einer Laufeinheit und Koordinationsübungen stand noch ein kleines Trainingsspielchen auf dem Programm, wo Zweikampfverhalten trainiert wurde. Mehr als ein Aufgalopp war das erste Training nicht. Uns wurde schnell klar, dass es sicher eine heiße, im wahrsten Sinne des Wortes, Woche werden würde. Die Temperaturen sollen fast durchweg jenseits der 30° liegen, Schatten findet man auf dem Gelände des Trainingsplatzes allenfalls hinter den Toren und damit hinter den Fangnetzen, wo es sich allerdings schlecht fotografieren lässt. Diesbezüglich hatten wir in Leogang weitaus bessere Bedingungen.

Dass das Auftakttraining nicht übermäßig in die Länge geschoben wurde, lag sicherlich daran, dass die Mannschaft, wie auch wir, dem Halbfinale gegen Spanien entgegen fieberte. So fuhren wir schnell zurück zum Hotel, machten uns ein wenig frisch, und sicherten uns schon einmal die besten Plätze vor der Großbildleinwand im Hotel. Nach den großartigen Spielen gegen England und Argentinien waren wir sehr optimistisch, dass auch ein gegen Spanien ein Sieg drin war. Leider war dann gegen die Spanier nichts von dem zu sehen, was die deutsche Mannschaft zuvor so stark gemacht hatte. Dass das Fehlen des Shooting-Stars Thomas Müller schwer wiegen könnte, war mir vorher klar. Dass aber ohne jegliche Inspiration und Zweikampfhärte gespielt wurde und somit den Iberern in die Karten gespielt wurde enttäuschte mich doch schwer. Hoffnung hatte ich dennoch lang. Diese machte ich daran fest, dass nach der torlosen ersten Halbzeit Jogi Löw das Team noch einmal wachrütteln und der Schalter umgelegt werden kann. Doch auch in der zweiten Halbzeit änderte sich nichts. Und so kam es schließlich wie es kommen mußte. Puyol traf per Kopfball zur spanischen Führung. Danach plätscherte das Spiel dem abermaligen Halbfinal-Aus entgegen und Spanien triumphierte verdient. Dennoch hat Deutschland eine großartige, nicht für möglich gehaltene, WM gespielt. Wie vor vier Jahren waren wir erneut bis zum letzten WM-Wochenende dabei. Deutschland hat bei dieser WM einen erfrischenden Offensivfußball gespielt und war spielerisch die beste Mannschaft des Turniers. Im Halbfinale war leider Spanien die bessere Mannschaft. Die Spanier duselten sich ansonsten durchs Turnier, wie es früher die Deutschen machten, und waren da, als sie gefordert wurden. Nach der Auftaktniederlage gegen die Schweiz wäre ein Vorrunden-Aus möglich gewesen. Im zweiten Spiel gegen Honduras ließ sich David Villa zu einer Tätlichkeit hinreißen, die weder vom Schiedsrichter, noch nachträglich von der Sportsgerichtsbarkeit der FIFA geahndet wurde. Dass ausgerechnet Villa in den folgenden Spielen zur Lebensversicherung der Spanier werden sollte ist Ironie des Schicksals. Im dritten Spiel gegen die an sich bei dieser WM sehr spielstarken Chilenen, profitierte Spanien von einem ebenso unnötigen wie unmotivierten Herauslaufen des chilenischen Keepers, der es David Villa ermöglichte, aus 43 Metern aufs leere Tor und damit Spanien in Führung zu schießen. Dazu kam die harte Gangart der Chilenen, die bereits ab der 37. Minute zu zehnt spielen mußten und somit gegen die Dominanz der Spanier chancenlos waren. Im Achtelfinale war es erneut Villa, der aus schwer erkennbarer, aufgrund der Fernsehbilder aber doch klaren Abseitsstellung heraus, den Siegtreffer erzielte. Im Viertelfinale gegen Paraguay wurde erst ein korrektes Tor von Valdez für Paraguay nicht anerkannt. Als Paraguay dann einen Elfmeter, der verschossen wurde, bekam, hätte dieser aufgrund des in den Strafraumlaufens mehrerer Spieler wiederholt werden müssen. Schließlich war es wieder Villa, der Spanien in der 83. Min. erlöste. Mit diesen Ausführungen möchte ich aber behaupten, dass die Spanier ein unverdienter Weltmeister sind. Sie haben nach dem Titelgewinn bei der Euro 2008 fast durchweg überzeugt und ihre Spiele gewonnen. Dennoch wäre auf ein früheres Scheitern der Spanier möglich gewesen, was womöglich den Weg für Deutschland frei gemacht hätte. Allgemein haben die Schiedsrichter aber einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Turniers genommen, was den Ruf nach technischen Hilfsmitteln, denen sich die FIFA bislang immer verschlossen hat, erneut lauter werden ließ.

Wir waren also restlos bedient an unserem ersten Tag in Donaueschingen und gingen dann auch relativ früh geschlossen auf unsere Zimmer.

Letztes Jahr in Leogang waren wir erstmals bei einem VfB-Trainingslager dabei. Schon damals stand fest, dass es nicht unser letztes war. Zu schön waren die Eindrücke. Wir genossen es, so nah dran zu sein und die Arbeit, die in der Saisonvorbereitung geleistet wird, hautnah mitzubekommen. Wir lernten eine tolle Clique kennen, mit der wir in der letzten Saison sehr viel Zeit verbrachten, “den Trainingslagerstammtisch”. Wie der Name schon sagt, hat sich die Gruppe bei VfB-Trainingslagern gefunden und ist im Laufe der Jahre peu a` peu gewachsen. So manchem Bruddler, der meint, wir hätten nichts besseres zu tun, als dem VfB hinterher zu reisen, sei gesagt, dass der VfB sein Quartier meist in sehr schönen Regionen aufschlägt, wo allerhand unternommen werden kann.

In diesem Jahr erwies sich die Sommerplanung als sehr schwierig. Der VfB erreichte am letzten Spieltag der vergangenen Saison durch das 1:1 in Sinsheim gegen Hoffenheim als Tabellensechster die Qualifikation zur Europa League, was uns Qualifikationsspiele am 29.7 und 5.8. beschert, also mitten in der Saisonvorbereitung. Zusätzlich wird die Vorbereitung durch die Tatsache erschwert, dass Tasci, Khedira, Cacau und Boulahrouz im WM-Halbfinale standen und somit erst Ende Juli aus dem Urlaub zurückkehren. Die in der Vorrunde ausgeschiedenen Boka und Kuzmanovic stiegen bereits am 18. bzw. 19. Juli wieder in den Trainingsbetrieb ein.

Aufgrund dieser Umstände entschloss sich der VfB gleich vier Trainingslager abzuhalten. Da war natürlich klar, dass wir nicht alles mitnehmen konnten in diesem Jahr. Ende Juni ging es nach St. Moritz, wo in erster Linie Teambuilding auf dem Programm stand und wenig mit dem Ball gearbeitet wurde. Vom 7.7. bis 14.7. ging es nach Donaueschingen, vom 20.-24.7. reiste der VfB-Tross nach Grenchen in die Schweiz, wo am 49. Uhren-Cup teilgenommen und in Solothurn trainiert wurde. Schließlich reist der VfB nach dem Europa League Qualifikationsspiel in Molde/ Norwegen direkt weiter zur Friedrichsruhe, wo der letzte Feinschliff einstudiert werden soll und auch die restlichen Nationalspieler, hoffentlich auch der von Real Madrid umworbene  Sami Khedira, zum Team stoßen werden.

Nachdem diese Planung irgendwann im Mai feststand, entschlossen wir uns, den VfB nach Donaueschingen und nach Grenchen zu begleiten. Nach Öhringen, wo der VfB bei seinem letzten Trainingslager in der Hohenlohe trainieren wird, werden wir sporadisch hinfahren, ob mit oder ohne Übernachtung überlegen wir uns noch.

Am 7.7. ging es also für uns los nach Donaueschingen, nachdem ich morgens noch die Fäden von einer Schleimbeutel-OP am Ellenbogen gezogen bekam. Die erste Nacht buchten wir, wie unser Stammtisch, im Hotel Hirschen im Zentrum von Donaueschingen. Ab der zweiten Nacht hatten Anita und ich dann eine Ferienwohnung in Bad Dürrheim gebucht. Die meisten anderen unseres Stammtisches erwarteten wir erst am Freitag zum Spiel gegen die Grasshoppers Zürich in Waldshut-Tiengen, so dass wir zunächst “nur” zu sechst waren.

Wir testeten nach dem Einchecken im Hirschen natürlich als erstes den Biergarten und genossen bei großer Hitze erst einmal ein Fürstenberg-Radler und ließen ein erstes Gruppenbild machen.

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Da wir am ersten Tag natürlich die Trainingszeiten noch nicht wussten, fanden wir uns gegen 16 Uhr beim Mannschaftshotel “Öschberghof” ein. Beruhigend war natürlich, dass der Mannschaftsbus und damit auch offensichtlich die Mannschaft bereits eingetroffen waren.

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Wie wir erfuhren, waren wir etwas zu früh dran und hatten noch 1-1,5 Stunden Zeit bis zum Beginn des ersten Trainings im Schwarzwald. So setzten wir uns in den zum Hotel gehörenden “Hexenweiher”, um die Zeit zu überbrücken und bei brütender Hitze noch ein wenig Schatten abzubekommen. Herbert Rudel, Fotograf der Bildzeitung und vor allem Geli bestens bekannt, saß auch bereits dort und erklärte sich freundlicherweise bereit, ein nächstes Gruppenfoto von uns zu schießen. Die Preise im Hexenweiher waren erwartungsgemäß stattlich, so hätte ein Eiskaffee 7 Euro gekostet; so trank ich dann doch lieber erneut ein Radler.

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Wenig später nahmen wir dann den Fußweg, zum Trainingsplatz vorbei am Golfplatz, in Angriff. Geli blies zur Begrüßung der Mannschaft dann zunächst einmal die Vuvuzela. Schließlich war ja noch WM und am Abend stand das Halbfinale Deutschland-Spanien an, dem wir alle entgegen fieberten.

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Zu Beginn einer jeden Einheit bittet Trainer Christian Gross erst einmal das gesamte Team, inklusive aller Betreuer, einen Kreis zu bilden und klärt über die Trainingsinhalte des jeweiligen Tages auf.

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Unser erster Weg eines jeden Trainingstages ist der, unsere Fahne, die wir im letzten Jahr fertigen ließen, zu platzieren. Diese sollte sich während der folgenden Wochen noch schön in Szene setzen.

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Nach einer Laufeinheit und Koordinationsübungen stand noch ein kleines Trainingsspielchen auf dem Programm, wo Zweikampfverhalten trainiert wurde. Mehr als ein Aufgalopp war das erste Training nicht. Uns wurde schnell klar, dass es sicher eine heiße, im wahrsten Sinne des Wortes, Woche werden würde. Die Temperaturen sollen fast durchweg jenseits der 30° liegen, Schatten findet man auf dem Gelände des Trainingsplatzes allenfalls hinter den Toren und damit hinter den Fangnetzen, wo es sich allerdings schlecht fotografieren lässt. Diesbezüglich hatten wir in Leogang weitaus bessere Bedingungen.

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29. Juni 2010

Der Meister des Umbruchs

Irgendwann stößt die von Bundestrainer Joachim Löw beschworene Hochgeschwindigkeitstaktik auch an ihre Grenzen. Zwischen Tür und Angel schickte sein Spieler Thomas Müller während eines Fernsehinterviews bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika einfach mal Grüße an die Großeltern nach Deutschland – so viel Zeit muss sein. Was aber nichts daran ändert, dass der 20 Jahre alte Müller, der beim 4:1-Achtelfinalsieg über England gleich zweimal traf, das personifizierte deutsche Spielsystem darstellt: schnell, frech und unberechenbar.

Spätestens seit dem Viertelfinaleinzug staunt die Fußballwelt über die deutsche Mannschaft – allerdings weniger über die Tatsache, dass die DFB-Elf die Runde der letzten Acht erreicht hat, sondern über das mitreißende Wie. Dabei ist es lediglich eine Überraschung, dass die jüngste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten ihr Potenzial bereits in Südafrika voll ausschöpft und nicht – wie frühestens erwartet – bei der Europameisterschaft in zwei Jahren. Der von Löw verordnete Tempofußball scheint auch die Entwicklung der jungen Spieler ungemein zu beschleunigen.

Vorbild für einen geglückten Umbruch

Die Geburt des neuen deutschen Fußballs findet aber nicht zur Stunde in Südafrika statt, sie liegt bereits zwei Jahre zurück. Joachim Löw hat aus der EM und dem gegen Spanien verlorenen Finale das richtige Fazit gezogen: So geht es nicht weiter. Während seine Vorgänger nach einer Endspielteilnahme keinerlei Grund gesehen hatten, etwas zu ändern, machte Löw einen personellen und taktischen Schnitt und schob so den oft praktizierten Schlafwagenfußball aufs Abstellgleis. Fortan orientierte er sich am Europameister Spanien, der mit einem jungen, schnellen und kombinationssicheren Team den Titel geholt hatte.

2008 hat der Bundestrainer den notwendigen Positionswechsel verordnet, den er bereits ein paar Jahre zuvor als Assistent und Klinsmann-Flüsterer dezent in die Wege geleitet hatte. Aus dem oberlehrerhaft daherkommenden Fußball-Deutschland wurde so ein lernwilliger Schüler. Im Moment ist die Nationalmannschaft dabei, dieser Rolle auch schon wieder zu entwachsen. Schließlich sehen viele andere Länder in der DFB-Auswahl bereits das Vorbild für einen geglückten Umbruch.

Vor allem in den einstigen europäischen Vorzeigeländern Italien und Frankreich dürfte das jetzt viel zitierte “Neue Deutschland” auf große Beachtung stoßen. Schließlich erleben der noch amtierende Weltmeister und der Vizeweltmeister gerade die fußballerische Stunde null. Beide Teams stellen nach dem Vorrunden-Aus nur noch Trümmerhaufen dar – weil ihre Trainer Marcello Lippi und Raymond Domenech zu lange an satten Stars festgehalten haben.

Matthias Sammer steht schon lange als Löws Nachfolger bereit

Doch auch das deutsche Nationalteam steht vor einer ungewissen Zukunft, nachdem noch nicht klar ist, ob Joachim Löw über die Weltmeisterschaft hinaus im Amt bleibt. Mittlerweile würde der DFB-Chef Theo Zwanziger viel dafür tun, den Bundestrainer zum Weitermachen zu bewegen. Das war vor der WM nicht unbedingt der Fall, nachdem eine vorzeitige Vertragsverlängerung auch an Indiskretionen aus Verbandskreisen gescheitert war.

Erschwerend kommt hinzu, dass der aussichtsreichste Kandidat für die potenzielle Löw-Nachfolge nicht überzeugend ist. Der DFB-Sportdirektor Matthias Sammer steht schon lange bereit. Doch seine Ernennung zum Bundestrainer würde einen Rückschritt bedeuten. Sammers Philosophie basiert auf den altdeutschen Fußballtugenden Kampf, Einsatz und Wille. Diese Merkmale sind im Spitzenbereich mittlerweile aber lediglich noch Grundvoraussetzungen. Fast wünschte man sich deshalb, der deutsche Höhenflug würde nicht ganz so weit führen. Zum einen sähe Löw seine Mission dann noch nicht als abgeschlossen an, zum anderen schleichen sich auf höchstem Niveau oft gravierende Fehler ein – wie die Beispiele Frankreich und Italien zeigen.

(STZ online)

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21. Juni 2010

Deutschland vor dem Alles-Oder-Nichts-Spiel

Nach dem überzeugenden Sieg gegen Australien folgte gegen die Serben die große Ernüchterung. Nach verhaltenem Beginn beider Mannschaften und ausgeglichenem Spiel schwang sich der spanische Schiedsrichter Undiano zur Hauptperson des Abends auf. In einem an sich fairen Spiel brachte er durch leichtffertig verteilte gelbe Karten Hektik hinein, die darin gipfelte, dass Miroslav Klose bereits in der 37. Minute mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde. Wenn jeder Körperkontakt mit gelb bedacht wird, kann man das Fußball spielen langsam einstellen. Es waren in diesem Spiel so gut wie keine brutalen Fouls vorhanden, die Attacken galten meist dem Ball. Wenn man dann andere Spiele, wie zum Beispiel gestern Brasilien-Elfenbeinküste, sieht, wo brutalste Fouls nicht einmal mit gelb geahndet wurden, grenzt das an Schiebung seitens der Schiedsrichterzunft, da wir, und natürlich auch die Serben, im weiteren Turnierverlauf stark benachteiligt sind, da eine ganze Reihe von Sperren drohen. Schon die gelben Karten gegen Özil und Cacau im ersten Spiel gegen Australien waren fragwürdig, da es beide Male keine offensichtlichen Schwalben waren. Man kann im Fußball durchaus auch zu Boden gehen, ohne gefoult worden zu sein, und ohne, dass Vorsatz im Spiel war. Ich bin normalerweise kein Freund davon, dass die FIFA Schiedsrichter aus Föderationen beruft, deren Nationalteams nie eine WM-Endrunde erreichen, wie z. B. aus Malaysia oder Indonesien, da man denen nicht unbedingt große Erfahrungen mit dem Profifußball unterstellen kann. Dass aber in den besagten Fällen Schiedsrichter aus den Fußballnationen Frankreich und Spanien so einen Stuss zusammen pfeifen, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Im Allgemeinen finde ich, dass die Schiedsrichter bei dieser Weltmeisterschaft erheblichen Einfluß auf den Ausgang der Spiele nehmen, sowohl durch fragwürdige Platzweise, als auch inkorrekt erzielte Tore. Ich plädiere schon lange für den Einsatz von technischen Hilfsmitteln, um Gerechtigkeit herbeizuführen. Es muß ja nicht jede Szene aufgearbeitet werden, aber besonders strittige Szenen könnten so in den meisten Fällen aufgelöst werden. Eine Möglichkeit wäre, beiden Mannschaften pro Spiel bspw. 3 Möglichkeiten einzuräumen, das Spiel unterbrechen zu lassen, um Szenen aufzuarbeiten. Die Argumentation der FIFA mit ihrem Ober-Guru Sepp Blatter, dass dies dann bis in die untersten Ligen gelten müsse, kann ich nicht nachvollziehen. Man könnte dies doch auf die höchsten Ligen, den Europ-Cup und kontinentale bzw. Weltmeisterschaften beschränken, eben immer dort, wo es um besonders viel geht und wo auch viel Geld im Spiel ist. Auf dieser Weltmeisterschaft, angefangen mit Henrys Handspiel bei der Relegation gegen Irland, liegt bereits jetzt aufgrund der vielen Fehlentscheidungen ein dunkler Schatten.

Widmen wir uns jetzt aber dem anstehenden Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ghana. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ich schiebe die Niederlage gegen die Serben nicht alleine dem Schiedsrichter zu. Er hat nur in einer Phase, in der das Spiel sehr ausgeglichen war, maßgeblich Einfluß genommen. Die Serben haben eine mit Top-Stars gespickte Mannschaft, gegen die man durchaus verlieren kann, zumal uns Mannschaften aus Ex-Jugoslawien auch nicht unbedingt liegen, siehe die Niederlage bei der Euro 2008 in Klagenfurt gegen Kroatien. Daher sollten wir jetzt auch nicht Trübsal blasen, sondern nach vorne schauen.

Gegen Ghana werden die Karten wieder neu gemischt und ich bin überzeugt davon, dass unser Team diese Hürde nehmen wird. Wovor sollten wir auch Angst haben? Es geht gegen die Nummer 32 der Weltrangliste, die es gegen 10 Australier nicht geschafft hat, eine Führung nach Hause zu bekommen. Auch den “Heimvorteil” in Afrika schätze ich als nicht entscheidend ein. Durch das eintönige Vuvuzela-Getröte kommt sowieseo keine Stimmung auf, die Atmosphäre ist in allen Stadien gleich und potentielle Schlachtgesänge nicht zu vernehmen. Wir haben die besseren Einzelspieler und nach Ballacks Ausfall die Führungsverantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Bei Ghana wiegt der Ausfall Essiens schwerer, weil er schon DIE Führungspersönlichkeit in der Mannschaft ist. Die Abwehr Ghanas ist auf jeden Fall zu knacken. Sie geriet gegen 10 Australier gehörig ins Schwimmen, außerdem strahlt Torhüter Kingson keine allzu große Sicherheit aus und lässt Bälle oft nach vorne abprallen. Zweikampfstark und torgefährlich präsentiert sich allerdings im Mittelfeld Kevin-Prince Boateng, der Halbbruder unseres Nationalspieler Jerome Boateng. Kevin-Prince hat ja vor der WM unseren Kapitano Michael Ballack nach einigen Scharmützeln, an denen Ballack sicher auch nicht unschuldig war, mit einem dem Anschein nach absichtlichen Foulspiel aus dem WM-Kader getreten. Er hat sämtliche Jugendmannschaften des DFB durchlaufen, sich dann aber für die Nationalmannschafts-Karriere mit Ghana entschieden. In Deutschland hätte er es sicher schwerer gehabt, WM-Spieler zu werden, zumal ihm der Ruf des Ghetto-Boys und Rüpels vorauseilt, so dass er bei uns auch keine Lobby gehabt hätte. Er wird im Mittelfeld die Wege Özils kreuzen. Es bleibt zu hoffen, dass der Schiedsrichter bei der Zweikampfführung genau hinschaut und linke Touren sofort unterbindet, ohne natürlich so kleinlich zu sein wie der Spanier aus dem Serben-Spiel.  Stark auch Ayew, dribbelstark und schnell, der meist über die rechte Seite kommt. Hier sollte sich Joachim Löw genau überlegen, ob er die Bewältigung dieser Aufgabe dem gegen die Serben oft überforderten Holger Badstuber zutraut oder nicht doch ein Wechsel fällig wird. Auf die alleinige Spitze Gyan muss ebenfalls besonders aufgepasst werden. Er ist schnell und ballsicher und legt immer wieder passgenau auf die nachrückenden Mittelfeldspieler ab. Weitere Stützen des Teams sind Kapitän Mensah sowie die Bundesligalegionäre Vorsah, Sarpei und Prinz Tagoe, die Nationaltrainer Rajevac natürlich wertvolle Tipps über die deutschen Spieler geben können.

Für Deutschland besteht dennoch kein Grund Angst vor diesem Endspiel zu haben. Dass Deutschland das 2. Gruppenspiel vergeigt, hat inzwischen fast schon Tradition, um dann im alles entscheidenden dritten Gruppenspiel Nervenstärke zu beweisen. Die mentale Stärke könnte zum großen Vorteil Deutschlands erwachsen. Im Gegensatz dazu könnte der große Druck Ghana erdrücken. Nach dem schwachen Abschneiden nahezu aller afrikanischen Teams sollen die Black Stars die Ehre eines ganzen Kontinents retten. Deutschland muß hochkonzentriert zu Werke gehen und die gegen Australien gezeigten Stärken auf den Platz bringen. Nämlich eine Mannschaft ausspielen zu können und sich eine ganze Reihe von Torchancen erarbeiten.  Wenn das gelingt, ist mir vor dem Spiel nicht bange. Wer im Sturm den gesperrten Klose ersetzen darf, darauf bin ich gespannt. Nach den bislang gewonnenen Eindrücken, kann die Lösung nur Cacau heißen, der dem einstigen Super-Mario inzwischen den Rang abgelaufen hat. Dagegen könnte höchstens sprechen, dass Cacau auch als Einwechselspieler Schwung bringt und einen Wirbel entfacht, was Gomez nicht gelang, wenn er herein kam. Sollte die Denkweise unseres Bundes-Jogis dem entsprechen, wäre wieder einmal das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt. Nach den gezeigten Leistungen hätte es unser Cacau verdient.

Eine starke WM spielt auch Sami Khedira, der durch den Ausfall von Ballack plötzlich in den Blickpunkt rückte und seine Aufgaben bislang zur vollsten Zufriedenheit löste. Mit etwas mehr Glück hätte er gegen Serbien den Ausgleich besorgen und WM-Torschütze werden können. Der dritte Stuttgarter im Kader, Serdar Tasci, spielt derzeit keine Rolle. Nach den im Saisonverlauf gezeigten Leistungen für mich nachvollziehbar, auch wenn er das anders sieht und in einem Interview einen Startplatz für sich beanspruchte. Dass Christian Träsch kurz vor WM-Beginn ausgefallen ist, finde ich noch immer bitter. Er hatte eine Super-Saison, ist ein richtiges “Kampf-Schwein” und wäre im defensiven Mittelfeld erste Alternative zu Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira gewesen. Für das anstehende Spiel gegen Ghana wäre er sogar als Rechtsverteidiger denkbar gewesen, wenn man die bislang unsichere linke Seite durch Phillip Lahm hätte stärken wollen. Aber: hätte, wenn und aber hilft nicht. Träschi hat die WM unglücklich verpasst und kommt hoffentlich bald wieder auf die Beine, um mit dem VfB in der kommenden Saison wieder voll angreifen zu können.

Die deutsche Mannschaft hat also sicher das Zeug dazu, Ghana zu bezwingen. Wichtig ist Konzentration, “höckschte Disziplin” und auch ein bißchen mehr Glück im Torabschluss als gegen Serbien. Lukas Podolski, auf den Joachim Löw meiner Meinung nach zu Recht, nichts kommen lässt, versiebte zwei gute Chancen innerhalb weniger Minuten und kurz darauf noch den Elfmeter. Gerade nach diesen beiden vergebenen Chancen hatte ich schon ein ungutes Ungefühl, als er zum Punkt schritt, einfach weil ihm offensichtlich das Schussglück an diesem Tag fehlte. Hier hätte sich Bastian Schweinsteiger durchsetzen sollen oder Poldi vielleicht auch freiwillig verzichten sollen. Es ist natürlich hypothetisch zu mutmaßen, ob Schweinsteiger den Strafstoss verwandelt hätte…

Ich hoffe, dass uns die Mannschaft mit einem überzeugenden Spiel früh erlöst und wir nicht bis zum Schluss zittern müssen. Dazu gehört auch, dass man bei einer eventuellen Führung versucht nachzulegen und nicht Gefahr laufen muß, noch den späten Ausgleich zu kassieren. Eine sichere Führung hätte auch den Vorteil in der Höhe von Johannesburg dosiert weiter spielen zu können. Wer uns pfeift, darauf darf man natürlich auch gespannt sein. Bei einem Weiterkommen drohen ja jetzt schon etliche Sperren. Auch für diese Problematik ist Konzentration wichtig, nämlich nicht unbedacht in die Zweikämpfe zu gehen und Sperren zu riskieren. Hier muss die Mannschaft den Spagat finden zwischen nicht rohem Spiel, aber auch mal dazwischen zu hauen, wenn es notwendig ist. Hier bin ich aber überzeugt davon, dass das Trainerteam die Spieler darauf eindringlich hinweisen wird.

Ich bin sehr optimistisch vor dem Spiel, vielleicht auch, weil man es sich gar nicht vorstellen kann, dass Deutschland bei einer WM bereits nach der Vorrunde die Segel streichen muss. Aber, wie bereits erwähnt, es besteht kein Grund vor Ghana Angst zu haben. Unter normalen Umständen haben wir die stärkere Mannschaft, die stärkeren Einzelspieler und schon jede Menge Turniererfahrung in unseren Reihen. 2008 in Wien hatten wir eine ähnliche Konstellation. Gegen Österreich musste auch ein Sieg her, um sicher weiter zu sein. Dort, wir waren im übrigen im Ernst-Happel-Stadion dabei, erlöste uns ein gewisser Michael Ballack mit einem satten Freistoß und enormer Willenskraft. Für ihn müssen am Mittwoch die neuen Leitwölfe in die Bresche springen. Egal, wer spielt, sie spielen alle für Deutschland und damit für ein ganzes Volk. Sie werden sich zerreißen und alles geben, so dass die WM-Party in Deutschland auch nach dem Spiel weitergehen wird. Ich melde mich dann wieder mit einem Ausblick auf das Achtelfinale.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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19. Juni 2010

Aus allen Träumen gerissen

Port Elizabeth – Joachim Löw steht an der Seitenlinie und breitet flehentlich die Arme aus. Am liebsten würde der Bundestrainer selbst in das Geschehen auf dem Platz eingreifen. Aber das geht nicht. So muss Löw tatenlos zuschauen, wie sich seine Spieler die erste Niederlage bei dieser WM einfangen. Die Landung auf dem Boden der Tatsachen ist schmerzhaft. Nach dem 0:1 gegen Serbien droht gar ein Horrorszenario – das Aus in der Gruppenphase und das Verpassen des Achtelinales. Alles hängt von der Partie am Mittwoch gegen Ghana ab. “Wir stehen jetzt verstärkt unter Druck”, sagte Löw. Er war bereits vor dem Anpfiff nervös. Für ihn kam das Spiel gegen Serbien einer ersten echten Standortbestimmung gleich, nachdem sein Team beim 4:0 am Sonntag gegen Australien mit Lob überschüttet worden war. Wann hatte es das zuletzt gegeben? Deutschland spielt schönen Fußball, holländisch sozusagen, und die Welt staunt.

Fünf Tage später lautet das Fazit: der Härtetest wurde nicht bestanden. Die DFB-Auswahl will lange in Südafrika bleiben, möglichst bis zum Finale am 11. Juli. Gegen Australien machte sie den Anfang, aber dass Serbien nicht Australien ist, zeigte sich schnell. Zwar scheiterte Lukas Podolski in aussichtsreicher Position (7.), insgesamt jedoch kamen die Angriffe nicht recht auf Touren. Immerhin war die Bereitschaft erkennbar, sich gegenseitig zu helfen – eine Tugend, die diese Mannschaft auszeichnet, und vielleicht auch eine Folge davon, dass in dem verletzten Michael Ballack der Platzhirsch nicht dabei ist. Für die Gruppendynamik ist der Ausfall des dominanten Kapitäns eventuell sogar förderlich, aber sportlich fehlte er mit seinen Qualitäten zumindest gestern. Ballack hat schon viele wichtige Tore erzielt, doch gegen Serbien tat sich das Team schon beim Erarbeiten von Chancen schwer. Deutschland spielte auch nicht mehr holländisch, sondern ziemlich deutsch. Das bedeutete: viel Kampf, wenig Brillanz. So neutralisierten sich beide Mannschaften – bis zur 37. Minute, als die Karten neu gemischt wurden.

Die Partie als Lernprozess

Elf Serben gegen zehn Deutsche hieß es fortan, weil Miroslav Klose wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah. Das war die einzig auffällige Aktion des glücklosen Stürmers. Wenig später kam es noch schlimmer. Nach einer Kopfballvorlage von Zigic bugsierte der vor einem Jahr vom VfB Stuttgart umworbene Milan Jovanovic den Ball zum serbischen Führungstor über die Linie. So wie gegen Australien nicht alles gut war, so war jetzt aber trotzdem nicht alles schlecht. Ein Beispiel: Sami Khedira traf nur die Unterkante der Latte (45.). In Unterzahl rackerte die Elf und bemühte sich um den Ausgleich. “Wir haben eine gute Moral bewiesen”, sagte Löw. Als sich der zunächst blasse Regisseur Mesut Özil steigerte, wurden die Aktionen dann auch zwingender. Podolski schoss zweimal am serbischen Gehäuse vorbei (58., 59.), ehe der Kölner auch seine dritte Gelegenheit innerhalb von drei Minuten nicht nutzte – und das war die mit Abstand beste. Nach einem unnötigen Handspiel von Vidic im Strafraum gab es Elfmeter, den Podolski aber so schwach ausführte, dass Stojkovic fast mühelos abwehren konnte.

Auf der anderen Seite hatte erneut Jovanovic die Vorentscheidung auf dem Fuß, doch der Ball landete am Pfosten (67.). Obwohl sich Missverständnisse einschlichen, steckte die deutsche Mannschaft nicht auf – und Löw setzte auch noch ein Zeichen, indem er Marco Marin und Cacau für Özil und Thomas Müller einwechselte (70.), die nach ihrem glänzenden Auftritt gegen die Australier gestern etwas Lehrgeld zahlen mussten. Die ausgebufften Serben nahmen die beiden Talente an die kurze Leine. Insofern war die Partie auch ein Lernprozess für die vielen jungen Spieler im deutschen Team, zu denen auch Khedira und Holger Badstuber gehören. Sie präsentieren sich erstmals auf dieser Bühne – und dass es vor allem Badstuber an Erfahrung mangelt, deckten die Serben auf. So wurde Deutschland aus allen Träumen gerissen. Entscheidend für den weiteren Fortgang der WM wird sein, wie schnell der begonnene Lernprozess jetzt Früchte trägt.

Deutschland

Neuer – Lahm, Mertesacker, Friedrich, Badstuber ( 77. Gomez) – Khedira, Schweinsteiger – Müller (70. Marin), Özil (70. Cacau), Podolski – Klose.

Serbien

Stojkovic – Ivanovic, Vidic, Subotic, Kolarov – Stankovic – Krasic, Kuzmanovic (75. Petrovic), Ninkovic (70. Kacar), Jovanovic (79. Lazovic) – Zigic.

Schiedsrichter

Undiano (Spanien).

Zuschauer

38.294.

Tor
0:1 Jovanovic (38.). Besonderes Vorkommnis Podolski scheitert mit Handelfmeter an Stojkovic (60.). Gelb-Rote Karte Klose wegen wiederholten Foulspiels (37.).

(STZ online 18.6.10)

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