23. Februar 2015

Dem Abgrund entgegen

Die Woche nach der Last-Minute-Niederlage in Hoffenheim war geprägt von der Furcht, unaufhaltsam und ungebremst in Richtung zweite Liga zu taumeln und auf der anderen Seite von der Hoffnung, dass Huub Stevens nach seiner zur Schau getragenen Ratlosigkeit doch über seinen Schatten springen und mit dem Mute der Verzweiflung gegen den BVB offensiver antreten würde. Dass wir mittlerweile in einer (Tabellen-)Situation angekommen sind, in der nur noch Siege helfen, müsste auch Huub Stevens mittlerweile begriffen haben und sein Handeln danach ausrichten.
Natürlich wäre es legitim gewesen, gegen Mönchengladbach, die Bayern und Borussia Dortmund erst einmal zu versuchen Beton anzurühren, um sich keine Mega-Klatschen einzufangen. Aber, bei heimschwachen Kölnern, bei formschwachen Hoffenheimern musste man einfach mehr erwarten dürfen, und den Willen auf Sieg zu spielen erkennen können. Bei und nach diesen beiden Spielen war ich maßlos enttäuscht. Wie das Kaninchen vor der Schlange zog man sich zurück, spielte quer und zurück anstatt zu versuchen den Gegner unter Druck zu setzen und sich Respekt zu verschaffen. Was dort über weite Strecken gespielt wurde, hatte mit Fußball wenig zu tun. Ängstlich, behäbig legte man den Rückwärtsgang ein und wenn es mal nach vorne ging, verloren wir die Bälle aufgrund technischer Unzulänglichkeiten schnell wieder. Und wenn dann noch lediglich zwei Spieler der Anfangsformation die Lizenz zum Stürmen haben, ist natürlich bei einem versprungenen Ball keiner da, der helfen könnte. So ist man naturgemäß nur am Hinterherlaufen und lässt sich zudem von einem verunsicherten Gegner in die eigene Hälfte drängen.
Noch ärgerlicher war der blutleere Auftritt von Sinsheim zu bewerten, wenn man als nächstes Borussia Dortmund vor der Brust hat. Zwar krebst auch der BVB in der zweiten Tabellenhälfte herum, befindet sich aber nach zuletzt zwei Siegen in Folge im Aufwind und hat die Qualität in seinen Reihen, jeden Gegner an die Wand spielen zu können. Als ernsthaften Rivalen im Abstiegskampf sah ich die Borussen ohnehin nie an, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Kurve kriegen würden.
Meine Hoffnung auf eine Trendwende gerade in diesem Spiel hielt sich daher von vornherein in Grenzen. Früher gehörte das Bier davor und danach dazu, um sich aufs Spiel einzustimmen und es danach zu analysieren. Heutzutage sind diese Treffen mit Freunden der Hauptteil und das Spiel lässt man dazwischen so über sich ergehen. Daher trafen wir uns am Freitag schon sehr frühzeitig in einem Brauhaus in der Stuttgarter Innenstadt und hatten eine große und lustige Runde beisammen, so dass ich schon gar keine Lust hatte, aufzustehen und in Richtung Stadion zu pendeln.
Aber, hilft ja nichts, wir sind natürlich rechtzeitig gegangen. Zehn Minuten vor Spielbeginn erreichte ich meinen Platz schließlich und hätte schon da am liebsten auf dem Absatz wieder kehrt gemacht, als mir per Whatsapp-Nachricht die Aufstellung zuging und ich ohne jedes Verständnis dafür zur Kenntnis nehmen musste, dass Huub Stevens offensichtlich nicht dazu bereit war, von seiner destruktiven Defensiv-Taktik abzurücken. Erneut mit Werner und Harnik gerade einmal zwei Offensiv-Akteure und dahinter nur Abräumer und Abwehrspieler. Abgesehen davon, dass diese defensive Ausrichtung bislang noch nicht von Erfolg gekrönt war, ist es beschämend für eine Heimmannschaft so aufzulaufen. Dem Gegner macht es das natürlich nicht leicht, aber, das Verständnis für einen solchen Antifußball hält sich sowohl beim Gegner als auch beim heimischen Publikum in Grenzen. So liefert der VfB weiterhin wenig Argumente, dass ihm irgendjemand eine Träne nachweinen würde, wenn er tatsächlich den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten müsste. Der VfB steht bislang zu Recht da, wo er steht, und hat offensichtlich nicht die Mittel, den Bock endlich einmal umzustoßen.
So begann das Spiel, wie es zu befürchten war. Der BVB nahm sofort das Heft in die , der VfB stand tief in seiner eigenen Hälfte. Der VfB hatte gegen die schnellen Dortmunder Außen von Beginn an einen schweren Stand und lief fast ausschließlich staunend hinter- oder bestenfalls nebenher. Nachdem Ulreich bereits zwei Mal parieren konnte, lenkte er in der 15. Minute einen Schuss direkt vor die Füße von Aubameyang, Glück, dass dieser im Abseits stand. Auch diesen Warnschuss begriff der VfB nicht, indem er eigeninitiativ geworden wäre, so dass es zehn Minuten später geschehen war und der BVB die längst fällige Führung erzielte.
Völlig überraschend kamen wir dann aber zum Ausgleich. Bei der ersten (!) Torannäherung nach einer halben Stunde lief Sahin Georg Niedermeier in die Hacken und hinderte ihn somit drei Meter vor dem Tor am Torschuss. Folgerichtige Entscheidung, Elfmeter, den Klein platziert verwandelte.
Ebenfalls folgerichtig, Rot für Sahin, hat er doch eine klare Torchance vereitelt. Das Regelwerk schreibt dafür zwingend die Rote Karte vor und lässt keinen Interpretationsspielraum. Weshalb Aytekin die Karte stecken ließ, weiß wohl nur er selbst. Natürlich ist diese Regel blödsinnig, aber, sie gilt nun mal (noch), so dass es eine bodenlose Frechheit des fränkischen Schiedsrichters war, an dieser Stelle Selbstjustiz zu üben und sich darüber hinweg zu setzen. Man stelle sich nur vor, im nächsten Spiel in Hannover, gleiche Situation im VfB-Strafraum und ein VfB-Spieler fliegt für ein solches Vergehen vom Platz. Ungerecht ist die Welt!
Vielleicht hat Aytekin die Szenen vom Gladbach-Spiel ja gesehen und daraus geschlossen, der Schorsch träfe bestenfalls die Latte. Für mich eine absolute Frechheit, welche Narrenfreiheit die Schiedsrichter haben und dass sie Woche für Woche ungestraft in den Spielverlauf eingreifen dürfen und dafür auch noch ein hohes Honorar erhalten.
Ein klarer Regelverstoß, Protest dennoch wohl sinnlos, handelt es sich doch selbst bei solch glasklaren Szenen nach Auffassung des DFB um eine Tatsachenentscheidung und bestenfalls Wahrnehmungsstörung des Schiedsrichters. Weshalb es noch Linienrichter und einen vierten Offiziellen gibt, die ebenfalls eingreifen könnten, das aber so gut wie nie tun, ist deren Geheimnis. Für mich war es die Schlüsselszene des Spiels. Gegen zehn Dortmunder wäre vielleicht ein Punkt drin gewesen. Dortmund hat ja das wichtige Champions League Spiel gegen Juventus Turin vor der Brust und hätte sich zu zehnt möglicherweise nicht voll verausgabt und wäre womöglich mit einem Punkt dann zufrieden gewesen. Auch wenn ein Protest gegen die Spielwertung wohl wenig Aussicht auf Erfolg hätte, an Stelle des VfB würde ich Schritte einleiten und diese Unverschämtheit nicht einfach schlucken. Richtig zornig verfolgte ich dann die gestrigen Diskussionsrunden, wo Aytekin für seinen “Mut” noch gelobt wurde, anstatt dass mit aller Deutlichkeit herausgestrichen wurde, dass festgeschriebene Regeln für alle gleich gelten müssen und alles andere eine schreiende Ungerechtigkeit ist.
Schon fast zum Lachen, dass es die Rote Karte in ähnlicher Situation beim Spiel Paderborn-Bayern, als Robben gelegt wurde, gab. Vielleicht sollte der DFB hier seine Schiedsrichter mal auf den gleichen Stand bringen oder es auch nur zugeben, dass es den vielzitierten Bayern-Bonus tatsächlich gibt.
So lief das Spiel wie schon davor weiter, Dortmund kombinierte wie in besten Zeiten und erzielte keine zehn Minuten nach dem Ausgleich die erneute Führung. Ich war schon da stinksauer. Natürlich ließ das 1:2 noch alle Möglichkeiten offen. Dennoch war es fürchterlich mit anzusehen, wie unterlegen der VfB war, dass wir überhaupt nichts entgegenzusetzen hatten und immer einen Schritt zu spät dran waren. Positiv herauszuheben war lediglich das Startelf-Debüt von Serey Dié und das Comeback von Carlos Gruezo, auch wenn er noch lang nicht der Alte ist und zu allem Überfluss später auch noch verletzt ausgewechselt werden musste.
Das VfB-Spiel übertraf meine schlechtesten Erwartungen. Es war überhaupt nichts zu sehen, das für den Rest der Saison Hoffnung geben würde. Vogelwild in der Abwehr, harmlos im Sturm und ein Mittelfeld mit null Akzenten nach vorne. Dann noch ein Torwart, der den Ball lieber ins Seitenaus drischt, anstatt ihn einem Mitspieler anzuvertrauen. Es tat einfach weh!
So spielt ein Schlusslicht, so spielt ein Absteiger, so spielt ein Haufen von Einzelspielern, die trotz deutlicher Transparente in der Cannstatter Kurve den AbstiegsKAMPF noch immer nicht angenommen zu haben scheinen.
Nicht nur das erbärmliche Auftreten der Mannschaft schmerzte. Im ausverkauften Neckarstadion befanden sich sicherlich zwischen 15.000 und 20.000 Dortmunder Fans und diese natürlich dort, wo es nicht ganz so viele Dauerkarten gibt, also beispielsweise bei uns. Da ich ohnehin einen megadicken Hals hatte und dann noch beim Dortmunder Führungstreffer viele aufsprangen und selbst zu „Steht auf, wenn ihr Dortmunder seid“ stehen blieben, zog ich es vor, ins Cancun zu gehen und dort die zweite Halbzeit anzuschauen. Das kam bei mir schon lang nicht mehr vor, dass ich noch vor der Halbzeit gegangen bin, dieses Mal aber war das Gesamtpaket ausschlaggebend, da meine Hoffnung auf eine bessere zweite Halbzeit nicht vorhanden war.
Bereut habe ich diesen Entschluss zu keiner Zeit. Es war allein der Dortmunder Schludrigkeit geschuldet, dass es ergebnistechnisch kein Debakel gab. Als Timo Baumgartl, bis dahin bester VfBler, kurz vor Schluss nach schlampigem Pass von Klein der Ball versprang und seine Rückgabe dadurch zu kurz geriet, war das Spiel ohnehin bereits so gut wie verloren, so dass ich dem Youngster keinen Vorwurf mache. Ulle hätte die Situation auch antizipieren und entschlossener herauslaufen können. Der Deckel war also drauf, daran änderte das 2:3 durch Niedermeier in der Nachspielzeit auch nichts mehr.
In der Woche tauchte im Netz eine ältere Fake-Geschichte wieder auf, die davon erzählte, Marcel Reif wäre vom DFB für Bayern-Übertragungen gesperrt worden, weil er sie immer so in den Himmel lobe und nicht neutral kommentiere. Mein spaßiger Kommentar dazu, natürlich mit einem Augenzwinkern, war, dass er dann zur Strafe die VfB-Spiele kommentieren müsse, davon Augenkrebs bekäme und mich das nicht tangieren würde, weil ich ohnehin bei jedem Spiel bin. Weit gefehlt, nun saß ich also im Cancun und musste sein Gesabber über mich ergehen lassen. Das mit dem Augenkrebs traf tatsächlich zu, er war nahezu entsetzt. „Was ist nur aus diesem VfB geworden“, „Schockstarre“, „keiner will den Ball haben“, „erbärmlich“, waren so noch die freundlichsten Vokabeln. Ganz Fußball-Deutschland wurde ganz deutlich vor Augen geführt, dass der erste Absteiger eigentlich schon feststeht. Man kann es sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie in dieser verfahrenen Situation noch eine grundlegende Wende kommen soll.
Unterm Strich stehen also weiterhin 18 Punkte nach 22 Spielen. Nach meiner Rechnung müssen noch mindestens sechs Siege her, um dem Abstieg noch entgehen zu können. Nur, gegen wen sollen die gelingen?
Die Transparente in der Kurve vor dem Spiel wie „Wadenkrampf und Bluterguss, statt Selfiescheiß im Mannschaftsbus“ oder auch „Auf geht’s Stuttgart, kämpfen ihr Nieten“ waren eine deutliche Ansage, was von der Mannschaft erwartet wird. Bereits nach dem Hoffenheim-Spiel passten ja einige Ultras die Mannschaft am Clubgelände ab und stellten sie zur Rede. Anscheinend soll dies für so manchen Spieler erleichternd gewesen sein, sich einmal konstruktiv den Frust von der Seele reden zu können und in friedlichem Rahmen abgelaufen sein. Die Zeiten auf dem Wasen werden also rauer, die Mannschaft zunehmend in die Pflicht genommen, dem Abstiegskampf alles unterzuordnen und persönliche Eitelkeiten und Befindlichkeiten beiseite zu schieben. Ich hoffe sehr, dass auch weitere Aktionen im friedlichen Rahmen verlaufen und es nicht zu Eskalationen kommt, die wir schon erlebt haben und auf die ich wirklich verzichten kann.
Nach dem Spiel spielten sich herzzerreißende Szenen in der Kurve ab, die ein engeres Zusammenrücken zwischen Team und Fans dokumentieren. Waren es doch die Fans, die die Spieler trösteten und aufmunterten und nicht etwa die Mannschaft, die uns Mut gemacht hätte. Wie die Häufchen Elend kamen die Jungs in die Kurve, offensichtlich am Boden zerstört. Es wirkte fast so, als wären sie genauso erschrocken über die indiskutable Darbietung wie wir Fans.
Gerade die Youngsters, , unsere Timos, die sich mit dem VfB sicherlich am meisten identifizieren, hatten Tränen in den Augen und machten aus ihrem Herzen keine Mördergrube, wie sehr ihnen diese Situation an die Nieren geht. Gerade für die beiden muss die Vorstellung besonders schlimm und auch lähmend sein, für alle Ewigkeit mit der dunkelsten Stunde der VfB-Vergangenheit in Verbindung gebracht zu werden. Unsere Youngster tun mir in dieser Lage am meisten Leid, da wir keine Führungsspieler haben, die sie an die Hand und wieder aufrichten können, zumindest keine, deren Leistung und Auftreten sie dazu befähigen und glaubwürdig machen würden. Aber auch ein Moritz Leitner, dem man ja zutraut, dass ihm die Situation egal ist, stand da wie ein reumütiger Bub.
Am Freitagabend merkte man deutlich wie nie zuvor, welch immenser Druck der Mannschaft lastet und auch wie ratlos sie sind, damit umzugehen. Der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft scheint also vorerst vorhanden zu sein, richten müssen es aber trotzdem diejenigen, die auf dem Platz stehen. Der Unterstützung dabei können sie sich nach wie vor sicher sein, so auch am nächsten Samstag in Hannover. Ob die Situation nach Niederlagen gegen Hannover und die Berliner Hertha noch die gleiche wäre, da habe ich meine Zweifel. Es ist purer Pragmatismus der Fanszene, still zu halten und das Team nicht noch weiter zu verunsichern, was dann womöglich noch kontraproduktiv wäre.
Sportdirektor Robin Dutt zählt inzwischen öffentlich den Trainer an, indem er ihn indirekt dazu auffordert, von seiner defensiven Grundordnung abzuweichen. Natürlich ist das in der Sache richtig, denkt doch fast jeder so, aber, ob es ein geschickter Schachzug ist, Stevens öffentlich Ratschläge zu erteilen, wage ich zu bezweifeln.
Wie ich Stevens einschätze kränkt ihn das, wenn man seine Überzeugung in Frage stellt und es würde mich nicht wundern, wenn er tatsächlich demnächst den Bettel hinwerfen würde. Da er ein ehrlicher, aber auch sturer Mensch ist, könnten die Äußerungen Dutts in die falsche Richtung gehen, nämlich dass Stevens, selbst sollte er schon andere Überlegungen angestellt haben, seine taktische Ausrichtung jetzt zum Bossen nicht ändern wird, nur um nicht den Eindruck zu erwecken, sich in die Aufstellung hineinreden zu lassen.
Inzwischen habe ich Zweifel, ob die Rückholaktion Stevens‘ richtig war. Nach Vehs Rücktritt war er zwar für mich der bestmögliche Nachfolger, da mir seine Art der Mannschaftsführung in der letzten Saison gefallen hat. Zudem merkte man ja unter Veh, dass der Hurra-Stil gefährliche Defensiv-Schwächen offenbarte. Mit Stevens erhoffte ich mir eine Stabilisierung der Defensive, aber natürlich nicht um den Preis, dass man sich sämtlicher Offensiv-Qualitäten berauben würde.
Maurizio Gaudino hat es letzte Woche beim Fußball-Stammtisch eigentlich plausibel erklärt, dass es falsch war, Stevens zurückzuholen. Die Spieler kannten ihn, so dass keine neuen Reize gesetzt wurden und somit auch keine Aufbruchsstimmung in der Mannschaft entfacht wurde. Natürlich ist das richtig, da Veh aber zurückgetreten war und sich die Mannschaft damals noch nicht ganz so schlecht präsentierte, waren diese Punkte für mich nicht vorrangig. Damals herrschte nach Vehs überraschendem Rücktritt erst einmal eine Leere und man war froh, diesen Abgang bestmöglich und vor allem schnell kompensiert zu haben.
Ob Stevens in den nächsten Spielen, in denen es weitestgehend gegen direkte Konkurrenten geht, bereit ist, mehr Risiko zu gehen, wird sich zeigen. Wenn nicht, muss eigentlich die Notbremse gezogen werden, denn so schlittern wir unweigerlich dem Abgrund entgegen.
Unser Königstransfer Kostic ist genauso außen vor wie Alexandru Maxim. Leitner darf genauso fast immer ran wie Hlousek. Martin Harnik soll den Stoßstürmer geben, während Ginczek zu den Amateuren verbannt wurde (und trifft und trifft).
Natürlich ist jede weitere Unruhe nicht förderlich und es spräche nicht für den VfB, beschäftigte man zum zweiten Mal in Folge drei Trainer in einer Saison. Aber, den Rücktritt Vehs würde ich da nicht einmal mitzählen, weil er ja selbst den Schlussstrich gezogen hatte und „freiwillig“ ging. Hier ist dem Verein „nur“ vorzuwerfen, dass er sich offensichtlich nicht über Veh informiert hatte, ob und inwiefern er sich seit seinem Rausschmiss 2008 verändert hat. Was so heraussickert, gab es mit Veh nämlich genau die gleichen Probleme, die man ihm schon damals nachgesagt hatte.
Ich möchte wahrlich keinen Trainerwechsel herbei reden, aber, wenn eine Situation verfahren ist, wenn einige Spiele hintereinander ähnlich und ohne Weiterentwicklung oder gar Verbesserung dahinplätschern, muss eventuell die letzte Patrone noch gezogen werden, um sich am Ende nicht vorwerfen zu müssen, nicht alles versucht zu haben.
Stevens wirkte schon in Sinsheim erschreckend ratlos und wusste auch nach dem Dortmund-Spiel keine Lösungsansätze. Dass die Kader-Zusammenstellung falsch ist, dass die individuellen Fehler abgestellt gehören und dass er kein Messias ist, sprach er in die Mikrofone.
Natürlich würde sich wohl jeder Trainer der Welt an diesem Kader die Zähne ausbeißen, aber, psychologisch scheint ihm in dieser Saison das Geschick zu fehlen, das ihn in der letzten Saison noch auszeichnete.
Die aufgeführten Thesen sind Tatsachen, die man weiß und jeder sieht, mir fehlt jetzt aber DER Spieler, den er stärkt (und der es ihm dann auch mit Leistung zurückzahlt), so wie er es in der letzten Saison mit Gruezo, Didavi und auch Traore schaffte. So etwas wäre ein Impuls, den man sich von einem Trainerwechsel erhofft, dieser ist leider seit Beginn seiner zweiten Amtszeit ausgeblieben. Mit Serey Dié hat man ja jetzt DEN Spielertyp, der gefehlt hat, der kratzt und beißt, so dass man das Mittelfeld offensiver ausrichten könnte. Mit neun defensiv denkenden Spielern werden wir es kaum aus dem Keller heraus schaffen.
Wenn man sich die Sportsendungen des Wochenendes wie den Fußball-Stammtisch und auch Sky 90 zu Gemüte geführt hat, muss man feststellen, dass dieser Offenbarungseid gegen Dortmund dazu geführt hat, das kaum noch jemand einen Pfifferling auf den VfB setzen würde. Alle sind mehr oder weniger sprachlos, wie hilf- und führungslos der VfB sich derzeit präsentiert.
Dennoch ist es natürlich verfrüht den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn sich immer mehr Teams aus der Abstiegszone verabschieden. Das nächste Spiel in Hannover dürfte (einmal mehr) richtungsweisend werden. Zeigt die Mannschaft eine Reaktion, hat der Zuspruch der Fans diese Wirkung und wird, Originalton Dutt, Energie freisetzen oder verfällt man weiterhin in die alte Lethargie und lässt das Spiel über sich geschehen. Natürlich haben wir in den letzten Jahren dort wenig gerissen, abgesehen vom 0:0 in der Rückrunde der letzten Saison, aber, der Sieg Paderborns in Hannover vor einer Woche sollte doch Mut machen, dass wir das auch schaffen könn(t)en. Sollte der Auswärtssieg gelingen, wäre Hannover zudem ebenfalls noch dick in der Verlosung.
Früher war Hannover der Inbegriff eines „Graue-Maus-Spiel“. Ein zugiges Stadion, überschaubare Unterstützung im Gästeblock und das in einer Stadt, wo man sonst eigentlich nur vorbei fahren würde. Mittlerweile hat sich Hannover gemausert. Nicht nur, dass sie sich seit Jahren in der Liga etabliert haben, das Stadion ist nach dem Umbau richtig schön geworden und es ist mittlerweile auch ein beliebtes Reiseziel des VfB-Anhangs. Die Stimmung im Stadion ist gut, auch wenn die Ultras „ihre Erste“ derzeit boykottieren. Ich freue mich also drauf, aber, wie immer in letzter Zeit, mehr auf das Drumherum und die Leute, als auf das Spiel.

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15. Februar 2015

Oh, Du wunderschöner VfB…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:59

…sangen wir einst und durften Fußballfesten beiwohnen, die sich auch Jahrzehnte später noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Was ist nur aus diesem einst so wunderschönen Verein geworden? Ein Abstiegskandidat, das Team, das den schlechtesten und langweiligsten Fußball der Liga spielt. Stand VfB früher für „Verein für Begeisterung“ praktizieren wir heutzutage Angsthasenfußball zum Abgewöhnen. Der VfB steht auf Platz 18 und damit genau dort, wo er auch hingehört.
Die Luft auf dem Wasen dürfte nach der Niederlage in Sinsheim deutlich dünner werden. Jetzt merkt es wohl der letzte Träumer, dass wir uns (unaufhaltsam?) auf rasanter Talfahrt in Richtung Zweite Liga befinden. Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, mich an einen Strohhalm klammern zu können und auf die noch verbleibenden 13 Spiele im Oberhaus positiv zu blicken. Soll der Bock gegen den wiedererstarkten BVB umgestoßen werden? In Hannover? Im Leben nicht. Mit blutleeren Auftritten ohne jegliche Kreativität, ohne Überraschungsmomente? Was soll denn Hoffnung machen? Wir haben eine Truppe, die mit Sicherheit die schlechteste ist, die je die Farben unseres Vereins tragen durfte. Diese schlechte Truppe muss es aber richten, weil wir nur die eine haben.
Ich habe jegliches Vertrauen in diese Truppe verloren, das Wort „Mannschaft“ meide ich bewusst schon seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dieser (Gurken-)Truppe.
Der gestrige Tag begann ja schon symptomatisch. Mit dem RWS ging es im Bus diese paar Kilometer in Richtung Autobahnraststätte Sinsheim. Um 12.30 Uhr war Abfahrt in ES-Berkheim, gegen 13.15 Uhr der Zustieg im Gewerbegebiet Ditzingen-Ost. Es lief ganz gut, bis Sinsheim-Süd, als plötzlich alles stand. Unser Kutscher nahm dann diese Ausfahrt, was ich mit dem Stau in Verbindung brachte und ihm durchaus einen guten Plan B zugetraut hätte. Abgesehen davon, dass wir auch auf dieser Route mehr gestanden als gefahren sind, wunderten wir uns mehr und mehr über Plan B, spätestens dann, als wir linkerhand das Stadion gesehen haben und doch nicht mal endlich diese Richtung eingeschlagen hatten. Der Kutscher aber fuhr unbeeindruckt weiter seinen Stiefel herunter, bis wir schließlich – ja, tatsächlich, im Ort Hoffenheim gestanden sind. Hat diese Koryphäe von Kutscher doch wohl offensichtlich „Hoffenheim“ ins Navi eingegeben. ;-)
Als die Uhr bereits auf 14.40 Uhr stand, stieg natürlich die Unruhe im Bus an. In der Ortsmitte also wieder gewendet, so dass wir wieder auf die Autobahn und auf dieser von der anderen Seite aus kommend ankamen, an der Ausfahrt vorne reingedrängt, so dass wir doch noch kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gästeplatz standen. Die meisten im Bus hatten Stehplätze und um diese Zeit sicherlich ihre Probleme, noch einen guten Platz im Block zu finden. Bei mir war es weniger tragisch, da ich einen Sitzplatz, den ich direkt beim Heimverein bestellt habe, hatte. Abgesehen davon, dass man von dort relativ gut in den Gästeblock fotografieren kann, dachte ich, dass es im „Heimbereich“ auch Vollbier geben würde. Weit gefehlt, auch dort nur alkoholfrei, hat der Veranstalter doch sicherlich realisiert, dass auch diese Kurve außer den paar Hansels mit Dauerkarten, weitestgehend in VfB-Hand sein würde. So war das Spiel also noch schwerer zu ertragen.
Unser Neuzugang Serey Dié musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie Schwaab und Ibisevic, die für Harnik und Timo Werner weichen mussten. Huub Stevens war also auch gegen die in der Rückrunde noch punktlosen Hoffenheimer nicht dazu bereit, über seinen eigenen Schatten zu springen und mehr als zwei Offensivkräfte aufzubieten.
Mein Verständnis für diesen Angsthasenfußball hält sich dabei in Grenzen. Die Null muss stehen, ist zwar ein Credo, das noch nicht von vornherein verwerflich ist, aber eben nur, wenn man vorne auch trifft und so sicher steht, um auch mal ein 1:0 nach Hause zu schaukeln. Das aber kann der VfB nicht, so dass es mir momentan lieber wäre, im Veh-Stil anzutreten, wo man nach einem 0:3 gegen Leverkusen noch zurückkommen konnte und auch in Frankfurt nach Rückständen jeweils eine passende Antwort geben konnte. Ist die Ausrichtung von vorne herein auf Catenaccio angelegt, fällt es umso schwerer den Schalter umzulegen, wenn es sein muss.
Unter Veh war durchaus Offensivpotential erkennbar, auf dem man aufbauen könnte. So kann und muss es zwar heißen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive endlich mal zu finden, jedoch nicht allein auf Kosten der Offensive, sondern um Kapital aus diesen Stärken zu ziehen und die Gegentoranzahl zu reduzieren.
Weshalb hole ich einen Kostic für gut sechs Millionen Euro, der, als Königstransfer eines klammen Vereins, nur auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt. Natürlich muss er es lernen, nach hinten mit zu arbeiten, aber, wenn dem „Team“ eingebläut wird und sie es auch annehmen, dass sie für den einen oder anderen Künstler zusätzliche Wege gehen müssen, kann und muss man einen solchen Spielertypen und auch einen Alexandru Maxim auf dem Platz vertragen können.
Das sind doch Spieler, die der Fan und Zuschauer sehen möchte, die durch einen Geistesblitz Torgefahr entfachen können. Wir aber haben pro Halbzeit ein, zwei harmlose Schüsschen zu verzeichnen, wodurch gestern sogar einer unhaltbar für Baumann abgefälscht wurde und wir das erste VfB-Tor im Jahre 2015 bejubeln durften. Unsere Bilanz aus den letzten fünf Spielen lautet also 1:5 Tore, zwei Punkte. Die Gegentore zwar noch aller Ehren wert für einen Abstiegskandidaten, offensiv dafür nicht bundesligareif. Mit einer solchen Spielweise wie zuletzt geht es unweigerlich runter. Wir sind in einer Lage angekommen, in der nur noch Siege helfen.
Es bringt weder etwas in Köln auf Unentschieden zu spielen, noch gestern in Hoffenheim. Das 1:2 in der Nachspielzeit hat mich gestern nicht einmal mehr groß aufgeregt, weil mir schon der eine Punkt zu wenig war und man mit einem Punkt seit Einführung der Dreipunkteregel sowieso nicht von der Stelle kommt. Natürlich kann man mal mit einem Unentschieden leben, aber eben nur dann, wenn man sich nicht vorwerfen muss, nicht alles für einen Sieg getan zu haben.
Ich bin der Meinung, ein Umdenken kann nur durch Niederlagen stattfinden, auch wenn jetzt von Spielern und Offiziellen doch wieder rumgeheult wird, wie bitter der Knockout in der Nachspielzeit gewesen sei. Nein, der VfB bietet Fußball zum Abgewöhnen, langweilig, langsam, harmlos, ideenlos, herzlos und schlecht. Der Gegner passt sich diesem schlechten Spiel an und gewinnt das Spiel trotzdem, zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber, er gewinnt und hat damit sein Ziel erreicht, im Gegensatz zum VfB. Stevens muss jetzt einfach das Risiko erhöhen und mehr Kreativpotential bringen.
Wie erfolgversprechend eine Umstellung bspw. auf eine Raute sein könnte, dafür reicht ein Blick nach Bremen. Nur wenn man dem Gegner suggeriert, dass man ein Spiel unbedingt gewinnen will, hat dieser Respekt vor einem. Wenn ich aber wie das Kaninchen vor der Schlange agiere und stets den Rück- dem Steilpass vorziehe, signalisiere ich Demut und Angst und das gegen die Bayern genauso wie gegen Paderborn. Mutmacher fallen mir heute wenige bis keine ein.
Stevens selbst wirkte gestern ja beängstigend ratlos – ich hoffe, dass er aus seiner Ratlosigkeit heraus sich und sein Spielsystem hinterfragt und gegen Dortmund mit dem Mute der Verzweiflung antritt. Eine große Chance liegt für mich in der Gelbsperre von Christian Gentner. Er mag ein Spieler sein, der in einem gut harmonierenden und kombinierenden Team mitspielen kann, er ist aber kein Leader, kein Kapitän und erst recht nicht einer, der sein Herz in die Hand nimmt und die Richtung fürs Team vorgibt. Gegen Dortmund muss die Truppe anders auftreten als in den ganzen letzten Spielen, sonst kann der VfB die Punkte gleich in den Pott schicken und wir können es beim gemütlichen Teil des Abends belassen und müssen nicht für einen erneuten Grottenkick unser Vorglühprogramm unterbrechen. Außer der des Kapitäns würde ich noch andere Positionen überdenken, Romeu hat endgültig das „Niveau“ dieser Truppe erreicht. Beim 2:1 gestern hat er mal wieder viel zu langsam geschaltet, sonst hätte der Fehlpass von Baumgartl vermutlich nicht diese verheerende Folge gehabt. Weshalb Hlousek, der keine vernünftige Flanke in den Strafraum bringt, Woche für Woche auflaufen darf, verstehe, wer will. Ein Leibold von den Amas bekommt keine Chance und flieht im Sommer, schlechter als Hlousek ist er auch nicht. Auch Rausch, den ich einst für einen guten Zugang hielt, ist völlig außen vor und dümpelt bei den Amas herum.
Harnik, absolut formschwach, stets überhastet verstolpert er die wenigen vielversprechenden Aktionen, diese Aufzählung könnte man fast quer durchs Team fortsetzen. Ich hoffe, dass Gruezo bald und Didavi überhaupt noch zurückkommen, waren es doch diese beiden, die auch in der letzten Saison, übrigens ab dem Dortmund-Spiel, für mehr Stabilität im Mittelfeld gesorgt hatten. Auch Ginczek, der gestern wieder bei den Amas getroffen hat, würde ich Ibisevic vorziehen.
Gestern auch wieder war unsere „Offensive“, ob Harnik, Werner oder später auch Ibisevic, hauptsächlich am Fallen und am Lamentieren, anstatt erst dann das Spielen einzustellen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es ist erbärmlich und beschämend zugleich mit anzusehen, wie erwachsene Männer von einer Windbö von den Beinen geholt werden und dann noch Mienen aufziehen, wie kleine Mädchen, denen man die Barbiepuppe weggenommen hat.
Da wir noch immer von Berufsfußballern sprechen, die in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer an den Tag legen, die Basics wie Ball stoppen und Passspiel verlernt zu haben scheinen, frage ich mich, was die Ursachen sind. Spielt die Mannschaft etwa mal wieder gegen den Trainer? Jeder Verstolperer ein kleiner Nadelstich gegen den Trainer? Da ich bei dieser Truppe keinen Charakter sehe, würde mich das jetzt nicht einmal verwundern, alles bereits dagewesen.
Es muss sich Grundlegendes ändern, wenn man die Chance auf den Klassenerhalt weiter wahren möchte. Seit gestern schließe ich dabei auch einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr aus. Wenn ein Trainer selbst zugibt, mit seinem Latein am Ende zu sein, ist es nicht nur fünf vor sondern bereits nach zwölf. Spätestens hier sollten die Alarmglocken schrillen, spätestens hier könnte der VfB mit einem Novum die Bundesligahistorie bereichern, nämlich indem man zwei Trainerrücktritte innerhalb ein und derselben Saison zu verzeichnen hätte. Das wäre nur ein weiteres Indiz dafür, dass es vorne und hinten nicht passt, was Bobic über vier lange Jahre zusammengestellt hat. Sowohl sportlich als auch menschlich passt es in der Truppe nicht, Stevens hat es bislang auch nicht geschafft, elf Spieler auf den Rasen zu schicken, die einigermaßen miteinander harmonieren und vor allem welche, die als Mannschaft auftreten.
Ich bin der Letzte, der einen weiteren Trainerwechsel fordert und schreibe lediglich, dass er mich nicht wundern würde. Jede weitere Unruhe ist nicht förderlich, allerdings muss der VfB auch jede noch seine kleine Chance ergreifen, der zweiten Liga noch zu entrinnen.
Ich unterstelle einmal, die meisten, die jetzt sagen, nur durch einen Abstieg würde sich grundlegend im Verein etwas ändern, spinnen dieses Szenario nicht weiter. Der VfB ist notorisch klamm, so klamm, dass Kimmich verkauft werden MUSSTE, um überhaupt die laufenden Kosten bis zum Ende dieser Saison gesichert zu haben. Bei einem Abstieg würden uns geschätzt noch einmal circa 20-30 Millionen Euro wegbrechen, was mich zunächst einmal um die Lizenz bangen lässt. Ich hoffe, die Finanzexperten im Verein können dazu Anfang März, wenn die Lizenzen vergeben werden, Entwarnung geben.
Dann sieht es zunächst einmal so aus, dass wohl so ziemlich alle Verträge für die zweite Liga gelten, es mag sein zu verringerten Bezügen, aber, wir haben diesen Kader zunächst einmal weiter an der Backe. Der Verein muss dann natürlich versuchen, diesen Kader auszudünnen und einen nach dem anderen an den Mann bzw. an den Verein zu bringen. Zu allererst werden dann die weg sein, die Geld einbringen (könnten), wie Rüdiger, Maxim, Baumgartl, Werner, Didavi, Gruezo, Vlachodimos und einige vielversprechende Talente mehr. Die Ulreichs, Gentners, Niedermeiers, Hlouseks, Ibisevic‘, Schwaabs usw. werden erst einmal ausloten, ob sie es überhaupt einen Abnehmer für sie gibt, der mehr bezahlt, als der VfB zahlen müsste und dann womöglich noch beteuern, dass sie beim Neuaufbau mithelfen wollen, weil ihr Herz so sehr am VfB hängt. Ich wiederum sähe nur Hoffnung auf eine grundlegende Besserung und vor allem Aufbruchsstimmung, wenn das Verhältnis genau andersherum wäre. Natürlich kann es sein, dass ein Timo Werner und vielleicht auch Timo Baumgartl ihrem Herz gehorchen und besseren Angeboten widerstehen, ob da aber auch der Verein mitspielt und nicht doch (mal wieder) lieber Kasse machen möchte, bliebe abzuwarten.
Es wäre also zu befürchten, dass wir in der zweiten Liga eine eben solche eierlose Gurkentruppe auf dem Platz stehen hätten, wie jetzt schon. Damit würden wir dann auch in der zweiten Liga nicht zwangsläufig eine gute Rolle spielen. Der Grat, nach einem ersten Abstieg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, ist schmal, dauert es im Normalfall doch Jahre, sich schon von einem einzigen Zweitligajahr zu erholen. Schafft man den Aufstieg nicht auf Anhieb, gerät man schon Lichtjahre in Rückstand und läuft Gefahr, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Spielt man in der 2. Liga nicht um den Aufstieg mit, werden Spiele mit 15.000 Zuschauern und noch weniger zum Alltag werden, so dass man eigentlich schon fast im städtischen Stadion zu Degerloch spielen und sich die hohen Betriebskosten des Neckarstadions sparen könnte.
Spätestens seit gestern muss man sich ernsthaft mit diesen Szenarien beschäftigen, so traurig es auch ist. Es ist diese Untätigkeit der Vereinsführung, vor allem dass man die letzte Saison nicht als letzten Warnschuss verstanden hat, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Abstieg wäre hausgemacht, jahrelang drauf hingearbeitet und nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Was mich gestern selbst erschrocken hat, war, dass ich wohl schon so abgestumpft bin, dass mich diese Lage nicht einmal mehr sonderlich fertig macht. 2011 in Gladbach war das noch ganz anders, da ist man mit Tränen in den Augen in der Halbzeit wildfremden Leuten um den Hals gefallen und hat, „das war’s“ gestammelt. Vier Jahre später, in denen man mehr oder weniger dahingesiecht ist und jetzt eben jemand den Stecker zieht, fühlt sich das dann eher wie eine Erlösung an.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es einmal soweit kommt. Als Fan kann man noch und nöcher „Kämpfen bis zum Schluss“ propagieren, wenn es die Truppe auf dem Platz nicht verinnerlicht und Woche für Woche enttäuscht, muss man die Situation eben irgendwann als gegeben hinnehmen und im Stillen leiden. Ändern können wir ja sowieso nichts mehr dran.
Ich würde sowieso in der 2. Liga bei der Stange und vor allem auch auswärts so aktiv bleiben wie bisher, so wie es die gewöhnungsbedürftigen Anstoßzeiten zulassen. Eines weiß ich aber schon jetzt: sollte der Abstieg Realität geworden sein und der VfB mich im Mai freundlich darum bitten, wie gewohnt Monate vor Saisonbeginn 430 Euro für meine Dauerkarte abzudrücken, können sie mich erst einmal gern haben. Da kann man dann in Ruhe beobachten, was der Verein gedenkt zu ändern, wie die künftige Mannschaft aussehen wird, wer das sportliche Sagen hat und vieles mehr.
Mein Pessimismus ist die eine Sache, meine Liebe zum Verein eine andere. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen, der Verein bleibt!

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11. Februar 2015

Nur noch 14 Endspiele!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 21:11

Nachdem das Buchprojekt endlich Konturen annimmt und sich in der Schlussphase befindet, finde ich endlich mal wieder Zeit, die aktuelle Lage unseres VfB zu kommentieren.
Die Winterpause verlief einigermaßen unspektakulär und doch machte sie mir zunächst einmal Sorgen. Unser Super-Talent Joshua Kimmich, mit Rückkaufoption an RB Leipzig verkauft, erklärte klipp und klar, dass er nicht mehr zum VfB zurückkehren wolle. Wer mochte es ihm verdenken? Er hatte es niemals vor, so früh sein hiesiges und familiäres Umfeld zu verlassen, wurde damals aber von Fredi Bobic und Bruno Labbadia dazu gedrängt, indem sie ihm nicht einmal einen Platz in der zweiten Mannschaft, also in der 3. Liga, zugestehen wollten. Er selbst wäre diesen Umweg gerne gegangen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Eine Leihe (bzw. Verkauf mit Rückkaufoption), oder besser Abschiebung, zu einem anderen Verein birgt immer das Risiko, dass der Spieler sich woanders wohler fühlt, und innerlich mit seinem Stammverein abschließt. Das war bei Julian Schieber so, das war auch zeitweise bei Daniel Didavi so, der am Ende nur froh war und es auch sein konnte, dass der VfB, als er mit einer schweren Verletzung vom Club zurück kam, ihm beigestanden hat und seinen Vertrag verlängerte, so dass er keine Zukunftsängste haben brauchte.
Bei der U19-Europameisterschaft fiel mir Kimmich sehr positiv auf, so dass ich mich sehr auf ihn freute und natürlich hoffte, dass der VfB auch hingeschaut hat und die Rückkaufoption in Anspruch nimmt.
Spieler, die man so leichtfertig fortschickt, erfahren in einem fremden Umfeld auf einmal Dinge, die es beim VfB schon lang nicht mehr gibt. Wertschätzung des Vereins, Wertschätzung der eigenen Fans und ein leistungsorientiertes Umfeld, wo eben der spielt, der besser ist und sich im Training aufgedrängt hat. Bei uns aber ist die Stammmannschaft seit Jahren ein mehr oder weniger geschlossener Kreis mit ein paar Positionen, die aus unterschiedlichen Gründen unantastbar sind. Sei es eine besondere Lobby, Stammplatzgarantien oder auch schädliche Geschäftsbeziehungen von (Ex-)Manager Bobic mit Spielerberater Schwab (Gentner, Ulreich). Solche Verstrickungen und das daraus resultierende jahrelange Durchschleppen von manchen Spielern sind für mich maßgeblich mitverantwortlich für die Misere, wie wir sie in den letzten Jahren hatten und haben.
Hätten solche Garantien oder „Freundschaftsdienste“ keine Rolle gespielt, stünde möglicherweise heute Leno im Tor und zwei der vielen schon neben und wegen Gentner gescheiterten Nebenmänner, nicht zuletzt wären die Chancen für einen Joshua Kimmich ungleich größer gewesen, es ins Team zu schaffen. An dieser Stelle zitiere ich mal User homer aus dem offiziellen VfB-Forum, wie ich finde, ein sehr guter Ansatz zur Personalie Gentner: „Bekommt Gentner einen reinen Abräumer neben sich gestellt (Kvist), wird nach kurzer Zeit dieser kritisiert, weil er kein Spiel aufbauen kann, obwohl es dann eigentlich Gentners Aufgabe war. Bekommt Gentner einen Spielorganisator, der feine Bälle von hinten heraus spielen kann zur Seite (Oriol, Leitner), hagelt es schon bald Kritik, dass diese keine Zweikämpfe gewinnen. Dabei wäre das dann Gentners Aufgabe. So oder so, Gentner kam immer gut raus aus der Situation…“.
Dies sind nur einige Nachwirkungen der Ära Bobic, die uns vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen werden.
Durch den Verkauf Kimmichs an den FC Bayern, der sogar noch die unendliche Güte besaß, einen Teil der Ablöse Cash auf den Tisch des Hauses zu legen, wurde verhindert, dass ob der notorischen Geldarmut gar ein Leistungsträger im Winter verkauft werden musste, „nur“ um die laufenden Kosten bis Saisonende zu sichern. So kam der VfB zu diesem Geld wie die Jungfrau zum Kinde und hat natürlich auch gleich zugegriffen, um Löcher zu stopfen, wie es schön hieß. Auch wenn viele Kimmich eine Karriere wie Sami Khedira zutrauen und der „Abgang“ höchst schmerzlich ist, blieb dem Verein im Grunde keine andere Wahl. Es bringt ja auch nichts, einen unwilligen Spieler zu holen, außerdem, wenn Bayern ruft, hat man als VfB Stuttgart im Grunde sowieso keine Chance, den Spieler zu halten. Das Tischtuch wurde bei seinem Wechsel nach Leipzig zerschnitten, daher war das Verhältnis jetzt nicht mehr zu kitten, schade!
Dann wurde am Dreikönigstag Robin Dutt als Bobic-Nachfolger vorgestellt. Ich gebe es zu, mein Favorit war er nicht. Nach wie vor halte ich es ihm vor, dass er den elementar wichtigen Posten des Sportdirektors beim DFB beim erstbesten Angebot eines Bundesligisten, hingeschmissen hatte. Das war für mich erstens schlechter Stil und zweitens das Verhalten eines Menschen, der nicht weiß, was er will. Natürlich ist er jetzt beim VfB wieder näher an einer Mannschaft dran, als er das beim DFB war, aber, seine Aufgaben dürften dort auch vor der Unterschrift schon bekannt gewesen sein. Selbstredend brachte sich der VfB selbst in diese Bredouille, mitten in einer Saison, den Sportdirektor wechseln zu müssen, weil unter die Personalie Fredi Bobic nicht wie von vielen erwartet und gefordert schon im Mai 2014 der Schlussstrich gezogen wurde. So brachte man sich wieder einmal selbst unter Zugzwang und musste aus den Resten, die der Markt hergab, die bestmögliche Lösung suchen. Einen Stefan Reuter anzubaggern, der beim FC Augsburg einen tollen Job verrichtet, hielt ich nicht nur für aussichtslos sondern auch für stillos. Ein Manager, der während der Saison alles stehen und liegen lässt, um wegen ein paar Euro fuffzig mehr woanders anzuheuern, wäre wohl alles nur nicht loyal und vertrauenswürdig.
Ich hätte, aus Mangel an wirklich guten Alternativen, damit leben können, wenn Jochen Schneider und Huub Stevens zusammen die Planungen vorangetrieben und den neuen Mann zum 1.7. erst präsentiert hätten. Dann hätte man sich durchaus (jetzt schon) darum bemühen können, jemanden, wie Reuter oder auch Schmadtke, um nur zwei potentielle Kandidaten zu nennen, aus ihrem Vertrag zu bekommen. Wäre man sich einig geworden, hätte der neue Mann ja trotzdem in Entscheidungen, die neue Saison betreffend, eingebunden werden können.
Hätte, wenn und aber, jetzt haben wir Dutt und ich drücke die Daumen, dass es gut wird und wieder aufwärts geht. In Sachen Verzahnung Nachwuchs – Amateure – Profis eilt ihm aus Freiburg ja ein guter Ruf voraus. Ist diese Durchgängigkeit wieder eine Selbstverständlichkeit und schafft er es die Leistungskultur in unserem Verein wieder zum Leben zu erwecken, wäre schon viel gewonnen. Wünschenswert wäre es auch, wenn dieser Sportdirektor seinen Urlaub dann nehmen würde, wenn die Arbeit getan ist und nicht im Juli. Bei zukünftigen Neuverpflichtungen soll ja in Zusammenarbeit mit dem Scouting, Management und Trainerstab eine Einstimmigkeit erzielt und erst dann jemand verpflichtet werden, wenn diese gegeben ist. Es wäre schon ein bahnbrechender Fortschritt, wenn von nun an die Spieler, die an den Neckar gelotst werden, auf ihren Charakter hin, ihr privates Umfeld, ihre (Spiel-)Intelligenz und weitere Kriterien durchleuchtet würden und man keine Spieler mehr ausschließlich nach einem DVD-Studium oder einem Telefonat aus New York City verpflichtet. Bisher hört man von Dutt beim VfB nur Gutes, ich hoffe, es bleibt so und wünsche ihm ein gutes Händchen und viel Erfolg.
Meine Vorbehalte habe ich jetzt bei Seite geschoben, ich wünsche mir einfach, dass Dutt uns wieder in ruhigere Fahrwasser führt und wir alle gemeinsam wieder bessere Zeiten erleben, angefangen natürlich mit dem Nichtabstieg. Vor Ablauf seiner ersten 100 Tage verbietet sich eine Beurteilung sowieso, nach ein, zwei Transferperioden kann man ein erstes Zwischenfazit ziehen.
In diesem Jahr waren wir erstmals im Wintertrainingslager in Lagos. Das Wetter ließ zu wünschen übrig, angeblich hatte es sechs Wochen lang nicht geregnet, bis der VfB dann kam. Wir hatten jeden Tag Regen, mal mehr, mal weniger und böigen Wind, so dass es zwar wärmer als in Deutschland war, nicht aber so warm, wie wir es uns gewünscht hätten. Stevens‘ Training hatte mir sehr gut gefallen, die Jungs haben richtig Gas geben müssen. Stevens, mal locker, mal streng, eine gute Mischung. Chima Onyeike und „Papa“ haben die „Mannschaft“ richtig schwitzen lassen, so dass sie eigentlich konditionell auf der Höhe sein sollten. Es fallen eben die extremen technischen Unzulänglichkeiten, die man auch in den Spielen sieht, auf und, da ich schon verschiedene Mannschaften in verschiedenen Trainingslagern gesehen habe, kann ich auch sagen, dass die Stimmung schon besser war als derzeit in der Truppe, aber, das sieht man ja auch bei den Spielen auf dem Platz. Wenn man dann noch manche Torschusstrainings sah, bei denen die meiste Laufarbeit Zeugwart Micha Meusch, der die Bälle suchen und einsammeln musste, kann es einem schon etwas angst und bange werden. Symptomatisch für dieses Trainingslager bei nicht ganz so optimalen Wetterbedingungen und kaum vorhandenen Testgegnern war dann noch, dass das erste von nur zwei Testspielen (leider auf der Hotelanlage, ohne Tribüne, vor allem ohne Bierstand!) gegen die albanische Spitzenmannschaft K.F Laci ins Visier der albanischen Wettmafia geraten ist und sich somit das 5:0 als wertlos herausstellte. War aber schon auch eine komische Taktik der Albaner, die in der zweiten Halbzeit ihre Viererkette an der Mittellinie postiert hatten. Von der Fanbetreuung war Klenky vor Ort, der uns etwa 25 Fans dann noch im Namen des VfB in die Bar des Mannschaftshotels auf ein paar Kaltgetränke eingeladen hatte. Von den Spielern war der Kapitän angekündigt, gekommen sind dann (bis zum Beginn des Mannschafts-Abendessens) zusätzlich noch Schorsch Niedermeier, Ulle, Flo Klein, Timo Werner und Mart Ristl. War ein kurzes Aufeinandertreffen, aber wirklich nett, auch wenn man schon den Eindruck bei so manchem hatte, dass er froh war, als es endlich vorüber war. Gerade in diesen düsteren Zeiten ist eben auch da nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sondern man hinterfragt schon das eine oder andere, wenn man schon mal die Gelegenheit dazu hat.
Positiv herausgestochen haben für mich in Lagos eigentlich ausschließlich die Youngsters. Von den überraschend Mitgenommenen Jugend- und Amateurspielern haben mich vor allem Ristl und Sama überzeugt, auch Vlachodimos machte einen starken Eindruck. Er hat etwas Katzenartiges wie einst Gerhard Heinze. Timo Werner besticht für mich durch sein normales Auftreten. Anfangs hatte kaum einer seine Lippen zu einem Guten Morgen auseinandergebracht, nicht so Timo Werner, der uns gleich ein, „hallo, Servus“ entgegenwarf. Auch Meuschi (und den anderen Teambetreuern) gegenüber, dem die meisten ihr Zeug nur hinwerfen, pflegt er einen normalen Umgang, reicht es ihm hin oder legt es noch zusammen und trägt auch jeden Tag als einer der wenigen Spieler einen Kasten Ensinger zurück ins Hotel. Es sind so Kleinigkeiten, die aber auf eine gute Erziehung, ein gutes Elternhaus schließen lassen und einen, der nicht meint, ihm gehöre die Welt und dass er etwas Besseres sei. Ich finde ihn einen klasse Burschen und hoffe inständig, dass er hier bei seinem Traumverein sein Glück findet und seine sportlichen Ziele erreichen kann. Es wäre ein Jammer, ihn verlieren zu müssen, nur, weil der Verein durch jahrelange Misswirtschaft an die Wand gefahren wurde. Natürlich steckt er im Formtief derzeit, ihn muss man aber stützen, weiß man doch, was er drauf hat. Läuft es in der Mannschaft wieder besser, spielen wir sicherer, kann auch er seine Stärken wieder besser ausspielen. Es ist immer schwer für einen Teenager die Bürde des großen Hoffnungsträgers zu tragen, der das Ruder herumreißen soll, verkehrte Welt bei uns, eigentlich sollten diesen Part die erfahrenen Spieler einnehmen…
Robin Dutt indes hat mit Serey Die, dem frischgebackenen Afrikameister, seinen ersten Neuzugang an Land gezogen. Anscheinend hatte er ihn schon zu seiner Freiburger Zeit auf dem Zettel, damals war er unbezahlbar. Da er bei seinem Ex-Club FC Basel in Ungnade gefallen ist, war er jetzt zum Schnäppchenpreis zu haben. Ihm eilt der Ruf des „Enfant terrible“ voraus, der immer „gut“ für eine rote Karte ist. Einige Szenen habe ich auch bereits vom Afrika-Cup gesehen, die das untermauern. Ich hoffe mal, dass er, der ja den europäischen aus Basel gewöhnt sein sollte, sich ein wenig zügelt, nicht dass er gleich wieder fehlt, bevor wir ihn richtig kennenlernen durften. Ein Spielertyp, der uns bisher fehlt, ist er auf jeden Fall, zweikampfstark, ein Kampfschwein und brutal schnell zudem und das trotz seiner schon 30 Jahre auf dem Buckel. Ich freue mich auf ihn und bin gespannt, wer aus unserem Hochgeschwindigkeitsmittelfeld für ihn weichen muss. Hoffentlich reicht es bereits für Hoffenheim, wenn er bereit ist. Wie man es vom VfB aber kennt, wird er sicherlich erst einmal einsam seine Runden an Clubheim drehen, anstatt mit der Mannschaft nach Sinsheim zu fahren. Ein Spielertyp, der uns gefehlt hat, ist er auf jeden Fall. Ob er auf Anhieb eine Führungsrolle einnehmen kann, wird man sehen. Verständigen kann er sich nur auf Französisch, aber, man weiß ja, die Fußballersprache ist international.
Die Rückrunde ist bereits wieder drei Spieltage alt. War es nun ein Fehlstart oder einfach nur dem schweren Startprogramm geschuldet? Einen Punkt mehr als zu Beginn des Jahres 2014 haben wir ja bereits gesammelt. Gegen Gladbach und Bayern rechnete ich jedenfalls schon vorher mit einer Niederlage. Gegen Gladbach fiel sie sogar knapper aus, als ich es befürchtet hatte. Der Beginn war katastrophal, so dass man schnell hätte in Rückstand liegen können, wenn nicht müssen. Danach wurde Gladbach dann schwächer, so dass das Spiel ausgeglichen war und sogar auch der VfB in Führung hätte gehen können. Just dann, als man nicht unbedingt mit der Gladbacher Führung rechnen musste, kam sie. Dämlich dabei, dass sich der VfB auskontern ließ. Irgendwie lernt die Mannschaft nicht aus den Fehlern der Vergangenheit. Dennoch hatte man noch Chancen und in der Nachspielzeit durch Georg Niedermeier DIE Chance schlechthin. Den muss er machen, unglaublich die Kugel aus vier Metern an die Latte zu hämmern. Dennoch war das Spiel ein Spiegelbild der Hinrunde. Unglaubliche Schwächen bei gegnerischen Standards und Konteranfälligkeit auf der einen, Harmlosigkeit im Angriff auf der anderen Seite, weil es eben so gut wie nie gelingt, hinter die gegnerische Abwehrreihe zu kommen. Dies verhindert zum einen das behäbige Spiel aus dem Mittelfeld, das oft beim eigenen anstatt beim gegnerischen Torwart endet oder technische Unzulänglichkeiten wie ungenaue Pässe oder Fehler beim Ballstoppen, die einem Angriff den Schwung nehmen. Das sind die sogenannten Basics, die ein Profi eigentlich drauf haben müsste.
Danach ging es nach Köln, endlich mal wieder, immer wieder ein Highlight die Atmosphäre in diesem Stadion und auch die Stadt. Die letzten sieben Bundesligaspiele in der Domstadt verlor der VfB nicht, zudem ist Köln nach dem VfB zweitschlechteste Heimmannschaft. Wenn nicht jetzt, wann dann, war man geneigt zu sagen, sollte es mit einem kleinen Befreiungsschlag klappen, zumal die nächsten Aufgaben gegen Bayern, in Hoffenheim, gegen Dortmund und in Hannover kaum einfacher werden dürften. Meine Hoffnung darauf bekam schon den ersten Dämpfer, als ich die Mannschaftsaufstellung vernommen hatte. Eine Offensive mit lediglich Sararer und Harnik fand ich von vornherein ein wenig dürftig und zeugte nicht unbedingt davon, dass man das Spiel unbedingt gewinnen wollte. Man hatte zwar durch Harnik und Leitner zwei Chancen, was aber in 90 Minuten insgesamt zu wenig ist. Weitere Offensivkräfte wie Ibisevic und Maxim wechselte Trainer Stevens erst in der 87. Und in der 90. Minute ein, so dass es schon den Anschein erweckte, Stevens wäre tatsächlich bei schwachen Kölnern mit dem 0:0 zufrieden, was ich nicht nachvollziehen konnte. Die Defensive stabiler aufzustellen als es Armin Veh tat, ist zwar ein probates Mittel, wenn diese neue Stabilität jedoch dann Offensivakteure und weitestgehend Offensivaktionen ausschließt, ist das Ganze nicht mit anzuschauen und zudem nicht sehr erfolgversprechend. Für mich war das folgerichtige 0:0 in Köln eindeutig zu wenig.
Dann kamen die Bayern. Auch wenn es nicht das befürchtete Debakel gab, auch für ein 0:2 und eine unerwartet gute Abwehrleistung gibt es keine Punkte. Die Bayern taten nicht mehr als nötig und siegten, so dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Bereits nach dem Hinspiel gab es Pappenheimer, die sich dafür feiern lassen wollten, weil es kein Debakel gab, auch dieses Mal gab es überwiegend lobende Stimmen aus der Mannschaft. Ich lese, man habe Pech gehabt, wenig zugelassen usw. Einen Torschuss, den von Sakai, haben wir in 90 Minuten zustande gebracht, Manuel Neuer musste keinen einzigen Ball halten, so kann man einfach nicht gewinnen. Und wenn man sich dann bei dem 0:1 wie auf dem Bierdeckel ausspielen lässt, Ulle zudem zu weit vor dem Tor steht, liegt man eben zurück und es ist doppelt schwer noch etwas Zählbares zustande zu bringen. Dann noch das 0:2 und die Bayern konnten das Ergebnis kraftschonend verwalten. So waren alle zufrieden, der VfB dass ja die Abwehr so toll stand und die Bayern, weil sie ihren ersten Rückrundensieg mühelos einfahren konnten. Alle? Nein, ich war nicht zufrieden. Natürlich hatte ich nicht ernsthaft dran geglaubt, dass wir den Bayern weh tun könnten, aber, ich bin eben auch Zeitzeuge früherer Schlachten und gebe mich nicht damit zufrieden, als Sparringspartner lediglich ein blaues Auge und keinen K. O.-Schlag versetzt bekommen zu haben. Verloren ist verloren, wir dümpeln weiterhin mit 18 Punkten im Keller vor uns hin, uns fehlen weiterhin noch sechs Siege, um gute Chancen auf den Klassenerhalt zu haben.
Nur, gegen wen sollen die gelingen? Wir haben zwar einige direkte Konkurrenten noch zu Gast im Neckarstadion, ob das jetzt gut ist in Anbetracht von zuletzt sechs (!) Heimspielen ohne eigenes Tor, sei dahingestellt. Spiele, wie das in Köln, wo einem in Anbetracht der unterirdischen Leistung des Gegners die Punkte auf dem Silbertablett serviert werden, müssen ohne Wenn und Aber gewonnen werden, soll das zarte Pflänzchen Hoffnung weiter blühen. Ich versuche es, positiv zu denken und daran zu glauben, dass es Huub ein zweites Mal richten wird. Nur gibt es derzeit sehr wenig, das mir Hoffnung macht. Der VfB ist die Mannschaft in der Liga, die den langweiligsten und langsamsten Fußball praktiziert, für die der Spielaufbau ein Fremdwort ist und die aus ihren einfachen Fehlern einfach nicht zu lernen imstande ist. So wird es sehr, sehr schwer.
Ob es ausgerechnet an der Autobahnraststätte Sinsheim am Samstag die Wende geben wird? Hoppenheim ist zwar noch schlechter in die Rückrunde gestartet als der VfB, hat aber spielerisch weit mehr zu bieten als wir, so dass zu befürchten ist, dass wir einmal mehr der ideale Aufbaugegner für einen am Boden liegenden Gegner sind. In ähnlicher tabellarischer Situation setzte es dort im letzten Jahr ein sang- und klangloses 1:4, damals allerdings noch im Hurra-Stil mit Thomas Schneider an der Linie. Hoffnung macht mir allenfalls, dass das Stadion in weiß-roter Hand sein wird. Wie viele andere auch, habe ich mein Ticket beim Heimverein direkt bestellt. Auch Stand heute gibt’s da noch Tickets, so dass auch jetzt noch VfBler die Chance haben, sich an diesem Kontingent zu bedienen, greift zu! Ob die Mannschaft diese Unterstützung als Auftrag betrachtet oder sich wie in einem Heimspiel wähnt und dann nicht einmal mehr ein Tor zustande bringt, warten wir es ab. Im Grunde kann es nur besser werden!

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