Laut BLÖD und auch einiger Leipziger Printmedien soll Rani Khedira vor einem Wechsel zu den Dosen nach Leipzig stehen. Bevor die Personalie offiziell bestätigt wurde, ist der Aufschrei schon groß in der weißroten Fangemeinde. Ich finde, so lang wir nicht mehr wissen, gilt es den Ball flach zu halten. Handelt es sich um eine Leihe oder einen Verkauf mit Rückkaufaktion, unterstütze ich den Abgang, auch wenn man für diesen Retortenverein eigentlich keine Spieler ausbilden sollte. Auf der anderen, der finanziellen, Seite zahlt wohl auch kein anderer Verein so viel für Mittelmaß, wie es der von Mateschitz finanzierte Betriebssportverein aus Leipzig tut. Was Rani Khediras sportliche Qualitäten angeht, hat er mich noch nicht überzeugt. Natürlich war es eine undankbare Aufgabe für ihn, ins kalte Wasser und in eine Mannschaft geschmissen zu werden, die keine war. Ein erfahrener Nebenmann, der weniger mit sich selbst zu kämpfen hat, als in der letzten Saison z. B. Kvist, Gentner oder Leitner hätte ihm gut getan und er hätte womöglich wachsen können. Die genannten sind dem Vernehmen nach alle auch in der nächsten Saison noch im Kader, zudem kommt Holzhauser zurück, strebt Yalzin nach mehr Einsatzzeiten und nicht zuletzt hat sich Carlos Gruezo zurecht im defensiven Mittelfeld festgespielt. Die Situation in der Zentrale könnte sich noch zuspitzen, wenn Veh, Verfechter der Raute, sein bevorzugtes System spielen lässt und vermutlich Gruezo den einzigen echten Sechser geben würde. Daher sind die Chancen Khediras auf mehr Einsatzzeiten als in der vergangenen Saison äußerst gering und ein Wechsel, der Spielpraxis willens, würde Sinn machen. Gut wäre es aber, wenn der VfB das Heft des Handelns nicht gänzlich aus der Hand geben würde, sondern ihn zurückholen könnte, wenn er in seiner Entwicklung einen riesen Sprung macht.
Bedauerlich wäre es, erneut ein Eigengewächs an Leipzig zu verlieren, zumal er ein charakterlich einwandfreier Spieler mit dem richtigen Umfeld ist. Ein Khedira hebt nicht ab, ein Khedira lässt nicht nach und lässt sich nicht hängen. Tugenden, auf die Vater Lazhar bei seinen Sprösslingen stets achtet. Dass Khedira ein Ziehsohn von Frieder Schrof ist, den der Verein vergrault hat und der bei Leipzig im Nachwuchsbereich inzwischen die Strippen zieht, dürfte ihm den Abschied erleichtern. Ich finde es immer schade, wenn Jungs vom eigenen Nachwuchs den Verein mangels Perspektive verlassen und würde lieber einen Khedira als Backup auf der Bank sitzen haben, als einen mittelmäßigen externen Spieler. Wenn ihm das aber jetzt, mit 20 Jahren, nicht mehr genug ist, muss man ihn eben ziehen lassen.
Dennoch sollte man auch die o. a. Spieler hinterfragen. Leitner, der Diva, bleibt noch ein Jahr Leihe, um zu zeigen, weshalb man ihn geholt hat. Er muss endlich den nötigen Biss und eine profihafte Einstellung an den Tag legen, damit man ggf. an eine Weiterverpflichtung denken kann. Kvists Spielweise ist überholt, es ist zu hoffen, dass sich ein Abnehmer für ihn findet. Gentner sollte aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung eigentlich Führungsspieler sein, womit er aber überfordert ist. Er ist für mich nach wie vor der Alibifußballer schlechthin. Läuft es in der Mannschaft, ist eine gewisse Ordnung vorhanden, wie zum Schluss unter Stevens, wächst auch er. Auf der anderen Seite, läuft es nicht, taucht er mit unter. Einen solchen Spieler, der zudem zu den Topverdienern zählt, können wir uns eigentlich nicht leisten. Dafür tut es auch ein Yalzin oder Rani Khedira. Die Jungs haben gewisse Qualitäten, die in einer funktionierenden Mannschaft zum tragen kommen können und in der sie mit den Aufgaben wachsen können. Schließlich noch Raphael Holzhauser, der ähnlich wie Leitner, ein Luftikus ist und neben dem Platz derzeit mehr Schlagzeilen produziert als auf dem Platz. In Augsburg hatte er einen guten Start, sich dann aber durch die Nuttenaffäre in der österreichischen U21 selbst ins Abseits manövriert. Er dürfte es in einer Raute ähnlich schwer haben zu spielen wie die zuvor genannten, einfach weil er zu phlegmatisch rüber kommt und für die Außenbahn zu langsam ist. Ihn würde ich trotzdem ungern missen wollen, weil er einen starken linken Fuß hat und vor allem bei Standards höchst gefährlich ist.
Der Verein aber muss sich langsam schon die Sinnfrage stellen, wenn uns reihenweise Eigengewächse mangels Perspektive verlassen und die Stammpositionen durch Mittelmaß besetzt sind. Da würde es mir auch keinen Spaß mehr machen, wenn Platzhirsche Woche für Woche Minusleistungen abliefern dürfen und, allein aufgrund ihrer Erfahrung nicht in Frage gestellt werden. Ich hoffe, dass unter Veh wieder verstärkt zum propagierten Stuttgarter Weg zurückgekehrt wird und er sich gegen Bobic durchzusetzen weiß. Dieser ist in meinen Augen noch immer das Hauptproblem und dürfte auf der Mitgliederversammlung heftigen Gegenwind bekommen. Auch Wahlers Schonfrist ist vorbei, er muss endlich liefern und seinen markigen Worten Taten folgen lassen. Nach allem, was in der bisherigen Sommerpause geschah bzw. auch nicht geschah hält sich meine Vorfreude und Hoffnung auf eine bessere nächste Saison in sehr, sehr engen Grenzen!
16. Juni 2014
