15. März 2016
Die Kennenlern-Wochen sind angebrochen. Für einen Alles-Fahrer ist ja viel zur Routine geworden. Man hat seine Highlights, man hat „Pflichtspiele“, die jedoch eines gemeinsam haben, es wiederholt sich alles.
Nicht so am Samstag in Ingolstadt, auch nicht nach der Länderspielpause in Darmstadt. Daher war ich zunächst einmal gespannt darauf, was uns bei diesem erst 2004 gegründeten und aus dem MTV- und ESV Ingolstadt hervorgegangenen FC Ingolstadt 04 erwarten würde.
Nach der Vereinsgründung trug der Verein seine Spiele zunächst im MTV-Stadion aus. Als der Aufstieg in die 3. Liga gelang, genügte diese Heimstätte nicht mehr den DFB-Anforderungen, so dass man ins ESV-Stadion umziehen musste, welches nach dem Aufstieg in die 2. Liga ebenfalls nur noch eine zweijährige Ausnahmegenehmigung erhielt, so dass für den Profifußball eine neue „Arena“ her musste.
Diese wurde, nicht wie so viele andere der neuen Arenen, auf der grünen Wiese gebaut, nein, es geht auch noch schlimmer, dort wo das Stadion heute steht, befand sich bis vor ein paar Jahren eine Ölraffinerie. Ob grüne Wiese oder Raffineriegelände, auch dieses Stadion befindet sich fernab jeder Zivilisation, in der Pampa auf gut deutsch, so dass es auch hier klar war, dass wir außer dem Busparkplatz und dem Stadion nichts zu sehen bekommen würden.
Wie bei vielen anderen Ligaemporkömmlingen auch, war die Nervosität und übertriebene Gängelung bei Polizei und Ordnungsdienst schon bei der Ankunft zu spüren. Provokant schwenkte die Staatsmacht mit den Kameras durch die Menge, der Gästebereich war (natürlich) abgetrennt, wehe dem, der diese Sperren durchbrechen wollte.
Von vielen habe ich gehört, dass sie beim Einlass gar die Schuhe ausziehen mussten und auf das Gründlichste durchsucht wurden. Wir selbst hatten Glück. Wohl auch dem Umstand geschuldet, dass wir Sitzplätze hatten und demnach nicht so frühzeitig rein „mussten“ wie diejenigen, die Steher besaßen. Wie es sich schnell erwies, war es goldrichtig, dass wir uns bis eine Viertelstunde vor Spielbeginn an den Bussen aufhielten, unzählige Freunde und Bekannte trafen, und noch das eine oder andere Bier tranken. Denn, es hatte sich schon herumgesprochen, drinnen gab es alkoholfrei. Und das in Bayern, einem Bundesland, in dem Bier zum Grundnahrungsmittel erklärt wurde. Völlig unverständlich für mich, kamen wir doch in friedlicher Mission und überhaupt, für diejenigen, die aufgrund überhöhten Alkoholkonsums über die Stränge schlagen, gibt die Stadionordnung genügend Handhabe her, „Übeltäter“ des Stadions zu verweisen.
Daher ist dies eine reine Schikane und wohl auch mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz des AGG nicht vereinbar, wenn nebenan, auf der Gegentribüne Vollbier geschlürft werden darf. Es ist eine Diskriminierung und Vorverurteilung aller Gästefans, wobei man „Gäste“ bei solchen Gastgebern wohl am besten in Anführungszeichen setzt. Leider macht dieses Vorgehen mehr und mehr Schule und wird von allen Beteiligten klaglos hingenommen, und das obwohl doch Fußball und Bier schon immer untrennbar miteinander verbunden waren.
Bei uns war die Einlasskontrolle „kurz vor knapp“ dann erfreulich lasch und war innerhalb weniger Sekunden erledigt. Ich hatte leider den Sitzplatz im Gästebereich gewählt, um bei „meinen“ Leuten zu sein, obwohl eine ganze Zeitlang Karten in anderen Stadionbereichen auf der Homepage der Schanzer zu bestellen gewesen waren. Schon dies ist ein Armutszeugnis für den nächsten Retortenclub im Profifußball, wenn man es nicht schafft, im allerersten Bundesligajahr ein 15.000 Zuschauer fassendes Stadion mit eigenen Fans bis auf den letzten Platz gefüllt zu bekommen.
Nicht nur, dass ich in anderen Bereichen des Stadions richtiges Bier bekommen hätte, auch der besseren Perspektive zum Fotografieren wegen wäre ein Platz zum Beispiel auf der Gegengerade schön gewesen. Als ich dann auch noch unter der Woche mitbekam, dass das Commando Cannstatt anlässlich seines 19. Geburtstags direkt am Spieltag eine Choreographie geplant habe, kam ich schon kurz ins Grübeln, ob ich mich nicht doch nach einer anderen Karte umsehen soll.
Die Choreographie erwies sich dann wirklich als absolut gigantisch, weil dreiteilig, so dass es doppelt bitter war, sich dieses Spektakel hinterher lediglich auf Bildern und Videos ansehen zu können. Ganz großes Kino des CC97, das in der Liga seinesgleichen sucht.
Ins Spiel ging der VfB nahezu mit der gleichen Elf wie gegen Hoffenheim, lediglich Timo Werner kam für Artem Kravets in die Mannschaft. Es war also auch der Kapitän mit an Bord, der gegen Hoffenheim noch zur Halbzeit ausgewechselt worden war und wegen Problemen mit der Achillessehne die Woche über lediglich sehr dosiert trainieren konnte.
Dass auch einem erfahrenen Profifußballer das volle Trainingsprogramm nicht unbedingt schaden würde, führte uns der Kapitän dann schon in der 4. Spielminute schmerzlich vor Augen, nämlich, als beim geplanten Rückpass auf Insúa offensichtlich das Timing fehlte und er den Ball somit dem Ingolstädter Hartmann in die Beine spielte. Dieser bedankte sich auf seine Art, nahm Fahrt auf und hämmerte den Ball am verdutzten Tytoń vorbei unter die Latte. Man kennt diesen Spieler in Stuttgart ja nicht so ganz genau, möchte aber mal annehmen, dass der den Ball nicht alle Tage so perfekt trifft und dieser genauso gut aufs Tribünendach hätte gehen können.
Dieses Tor unterbrach eine eigentlich ordentliche Anfangsphase vom VfB. Man war sich ja noch immer nicht so ganz sicher, welches DAS Gesicht des VfB in diesen Tagen ist. So schlecht, wie man sich beim 0:4 in Mönchengladbach präsentiert hatte, ist man nicht, so gut wie beim 5:1 gegen die wiedererstarkten Hoffenheimer allerdings auch nicht. Beide Spiele hatten ihre eigene Geschichte: Kollektivversagen in Mönchengladbach, von der Eins bis zur Elf grottenschlecht. Gegen Hoffenheim dagegen spielte uns das frühe Tor in die Karten und auch dass der Trainer-Novize Nagelsmann sich verzettelte, in dem er schon früh sämtliche Grundsätze, mit denen man ins Spiel gegangen war, über den Haufen schmiss und der VfB somit mehr oder weniger leichtes Spiel hatte.
In Ingolstadt bot der VfB im Spielverlauf dann beide Gesichter des VfB auf. Eine sehr gute Anfangsphase, eine klasse Reaktion auf den frühen Rückstand und der postwendende Ausgleich, um nach 17 Minuten eine Stunde lang den Spielbetrieb nahezu einzustellen.
Minute für Minute ließ man sich von den giftigen und zweikampfstarken Ingolstädtern mehr den Schneid abkaufen und kam meist einen Schritt zu spät, was unzählige Freistöße in oftmals aussichtsreicher Position für die Schanzer zur Folge hatte.
Ärgerlich dabei die frühe gelbe Karte für Georg Niedermeier bereits in der 22. Minute, als er einen Ball mit dem Arm abblockte. Dies allerdings bei einem Schuss aus kürzester Distanz und ohne Chance sich diesem „Handspiel“ zu entziehen. Früher gab es für solche Fälle die Regel „angeschossen“ und damit eben keinen Freistoß, während man heutzutage den Schusswinkel, eine unnatürliche Handbewegung und eine mögliche Vergrößerung der Körperfläche in Betracht ziehen muss, um ein vermeintliches Handspiel zu beurteilen. Dass solch schwammige Formulierungen nach einem aktiven Eingriff des Schiedsrichters in den Spielverlauf geradezu schreien, ist nur folgerichtig.
Gräfe war in Ingolstadt, wie schon so oft, dem VfB nicht wohlgelitten, so dass Kramny Niedermeier akut Gelb-Rot-gefährdet gegen Šunjić austauschte, was dem Abwehrverbund nicht gerade zu mehr Sicherheit verhalf, um es diplomatisch auszudrücken. Sunjic merkte man die mangelnde Spielpraxis an, er war, kaum im Spiel, mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator. Es verdichten sich die Anzeichen, dass Sunjic den VfB nach nur einer Saison schon wieder verlassen, weil er die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt hat, was für alle Seiten wohl das Beste ist.
Durch zweifelhafte Entscheidungen in vielen anderen Situationen, nahm Gräfe die unrühmliche Hauptrolle in diesem Spiel ein. Der Referee entschied gefühlt fast jede enge Szene zu Gunsten der Hausherren und verhalf ihnen damit maßgeblich zum zwischenzeitlichen 3:1.
Zunächst wurde Daniel Didavi bei einer Ecke vom Torschützen Leckie einfach aus dem Weg geräumt, wenig später wurde eigentlich Didavi gefoult, doch Gräfe entschied andersherum. So gab es Freistoß für rot-schwarz aus gut 20 Metern Torentfernung, den der Paraguayer Lezcano sehenswert in den Winkel drosch.
Kurze Zeit später ertönte gar die Tor-Musik zum vierten Ma, auch die Anzeigetafel wies das 4:1 aus, doch Lezcano traf lediglich aufs und nicht ins Tor. In dieser Situation hatte der VfB Glück, dass Gräfe das Textilvergehen Tytońs übersah, welches rot für den Keeper und Elfmeter für Ingolstadt zur Folge gehabt hätte.
Dass Gräfes Matchplan doch ein anderer war, als Ingolstadt einen hohen Sieg herausschießen zu lassen, konnte man bereits bei dieser Szene erahnen. Auch die Mannschaft hat verstanden, als Gräfe auf einmal die Brustringträger mitriss und nahm den Spielbetrieb 13 Minuten vor dem Abpfiff wieder auf.
Auch Kramny verstand die Signale des Mannes in schwarz und setzte nun auf totale Offensive. War er kampfeslustig oder doch fahrlässig, als er lieber Tashchy für Timo Werner einwechselte, anstatt Kevin Großkreutz herauszunehmen, den offensichtlich eine Muskelverletzung plagte und der nur noch über den Platz schlich? Für die Mannen auf dem Platz jedenfalls war es ein Zeichen, dass man unbedingt noch etwas reißen wollte. Mit dem Mute der Verzweiflung nahm der VfB sein Herz in die Hand und gewann wieder Oberwasser in einer Partie, in der sich der Kräfteverschleiß bei den Ingolstädtern nun bemerkbar machte.
Jener Tashchy, als neuer Turm in der Schlacht, bereitete dann auch mit dem Kopf den Anschluss durch Rupp vor, ehe fünf Minuten später Didavi vom Elfmeterpunkt aus für den vielumjubelten Ausgleich sorgte. Dieser Elfmeter war schon sehr schmeichelhaft. Kostic macht das richtig clever, weil er eigentlich keine Chance hatte, überhaupt an den Ball zu gelangen. Sein langes Bein, ein ungestümes Eingreifen von Matip und Gräfe zeigte auf den Punkt. Bleibt Matip einfach weg, ist die Situation so etwas von ungefährlich.
Dieses 3:3 war dann schließlich auch der Schlusspunkt einer Partie, in der der VfB zusammengerechnet gerade einmal eine halbe Stunde lang Fußball spielte und ansonsten die Passivität in Person war. Wie beide Teams am Ende, schien auch Gräfe mit dem 3:3 gut leben zu können, so dass er die Teams alsbald in den Feierabend entließ.
Natürlich ist es für eine Mannschaft auswärts nicht einfach, das richtige Maß der Zweikampfführung zu finden, wenn ein Schiedsrichter nahezu jeden Fight gegen einen auslegt. Und doch stellte sich der VfB zu naiv an, weil man oft ungestüm in die Zweikämpfe ging oder sich unnötig darin verstricken ließ. Natürlich ist diese Form immer noch besser als in Mönchengladbach, als man Zweikämpfe von vornherein vermied und Gladbach Ball und Gegner laufen lassen konnte.
Da wir unsere Punkte, die noch zum Klassenerhalt fehlen, vorwiegend auswärts holen sollten, gilt es für das nächste Auswärtsspiel bei Darmstadt 98 das gesunde Mittelmaß zwischen Passivität und ungestüm zu finden.
Eines unserer großen Probleme in Ingolstadt war die kaum vorhandene Schaltzentrale im Mittelfeld. Gentner offensichtlich nicht ganz auf der Höhe und auch Serey Dié hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Folge dessen waren zu viele Ballverluste, zu wenig Balleroberungen und dass Ingolstadt schnell die Hoheit im Mittelfeld erlangte.
Daniel Didavi, über auch am Samstag wieder viele schimpften, sah ich nicht einmal so schlecht, zumindest im Vergleich zum Mönchengladbach-Spiel. Er war immerhin noch bemüht, dem VfB-Spiel Struktur zu verleihen, Bälle zu halten und zu verteilen, wenn jedoch die Abnehmer fehlen oder sie sich hinter ihren Gegenspielern verstecken, was will er machen? Er biss sich nach dem Spiel merklich auf die Zunge und ließ sich keine Aussage zum „Unparteiischen“ entlocken, weil das in Zeiten der nicht mehr freien Meinungsäußerung bei der DFL teuer werden könnte.
Der VfB spielte den Schanzern mit seiner laxen Zweikampfführung in die Karten, ist es doch das Spiel der Ingolstädter, über Standards zum Erfolg zu kommen. Der VfB kam über weite Strecken des Spiels mit deren aggressivem Pressing nicht zurecht und verlor Ball um Ball.
Großkreutz zog sich nicht den zunächst kolportierten Muskelfaser- sondern einen Muskelbündelriss zu und fällt voraussichtlich für den Rest der Rückrunde aus. Angesichts der Schwere der Verletzung mutet es fahrlässig an, dass Kramny ihn nicht umgehend vorsorglich ausgewechselt hat, anstatt seinen Ferndiagnosefähigkeiten zu vertrauen und mit aller Macht das Spiel noch drehen zu wollen.
Dieser eine Punkt ist schließlich noch kein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt, der Ausfall von Großkreutz dürfte deutlich schwerer wiegen als ein Punkt weniger auf der Haben-Seite und könnte noch richtig weh tun. Durch seine Mentalität wurde er auf Anhieb zum unverzichtbaren Bestandteil dieser Mannschaft und tut einfach richtig gut.
Der Blick auf die Tabelle ist ein trügerischer. Zwar konnte der VfB den Vorsprung auf den Relegationsplatz auf acht Punkte ausbauen, jedoch ist im Keller gerade Hoffenheim jederzeit eine Siegesserie zuzutrauen, so dass man die Kraichgauer nicht unbedingt in die Rechenspiele mit einbeziehen kann. Zieht man sie ab, sind es nämlich auf den derzeit 15. Werder Bremen gerade noch fünf Punkte Vorsprung, die in Zeiten der Dreipunkte-Regel schnell aufgebraucht sein können.
Der VfB wird im weiteren Saisonverlauf noch zwei Siege benötigen, um sicher und aus eigener Kraft den Klassenverbleib perfekt zu machen. Die große Chance, einen davon schon am Samstag einzufahren, wurde leichtfertig vergeben, auch wenn man nach dem Spielverlauf mit dem einen Zähler zufrieden sein sollte.
Über die vergebene Chance zu lamentieren bringt uns nicht weiter und dennoch muss das Trainerteam seine Schlüsse aus dem Auftreten ziehen. In Darmstadt erwartet uns ein ähnlich unbequemer Gegner, der mit allen legalen und auch illegalen Mitteln versuchen wird, zum Erfolg zu kommen. Auch die Lilien werden um jeden Zentimeter Rasen kämpfen, bis die Fetzen fliegen, auch in Darmstadt gilt die Maxime, tunlichst Standards in Tornähe zu vermeiden.
Je früher der Deckel auf dem Klassenerhalt drauf ist, desto früher kann Robin Dutt die Planungen für die nächste Saison forcieren und dem einen oder anderen, der heute womöglich überhaupt noch nicht damit rechnet, den blauen Brief überreichen und jungen Nachwuchskräften, in denen man die Zukunft des Vereins sieht, zu Einsatzzeiten verhelfen.
Vor Darmstadt heißt am kommenden Sonntag der nächste Gegner aber zunächst einmal Bayer 04 Leverkusen. Der Werksclub zählt zu unseren Angstgegnern. 22 Siegen stehen in der Bundesliga 32 Niederlagen gegenüber, zuletzt dieses noch immer unfassbare 3:4 nach einer 3:1-Führung. Bayer befindet sich derzeit in einem Negativsog, der durch den gestrigen 1:0-Sieg gegen den HSV ein wenig abgemildert wurde.
Ob die Pillendreher in Stuttgart mit breiter Brust oder wie gebeutelte Hunde anreisen, hängt mit maßgeblich vom Europaleague-Rückspiel am Donnerstag gegen Villareal ab und davon, ob sie die 0:2-Hinspielniederlage drehen können.
Ich gönne ihnen ein 3:0 nach Verlängerung und damit größtmögliche Verausgabung, unter anderem auch deshalb, weil dann der BVB und Bayer vorwiegend Sonntags antreten müssten und für den VfB die Wahrscheinlichkeit weiterer Sonntag-Spiele gering wäre.
Den letzten Sieg gegen Bayer 04 gab es am 17.04.2010, ist also schon ein Weilchen her. Beim Blick auf die damalige Aufstellung tränen einem die Augen. Trainer Christian Gross spielte mit Lehmann, Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro, Träsch, Kuzmanovic, Gebhart, Hilbert, Cacau, Marica. Eingewechselt wurden Khedira, Hleb und Pogrebnjak, die Torschützen hießen Kießling sowie zwei Mal Cacau.
Bayer Leverkusen ist einer der vielen Vereine, die dem VfB seither auf Siebenmeilenstiefeln enteilt sind, müssen es doch heute die Gentners, Niedermeiers und Schwaabs dieser (neuen) VfB-Welt richten. Bange machen gilt trotzdem nicht. Der HSV brachte Bayer gehörig in die Bredouille, so dass dies an einem guten Tag auch dem VfB gelingen sollte.
Für den VfB folgt der nächste Charaktertest. Ohne Kevin Großkreutz, den Florian Klein ersetzen dürfte, muss das Team zeigen, welchen Entwicklungsschritt es seit dem letzten Herbst genommen hat und dass es auch ohne die Kampfsau Großkreutz geht. Klein, der mir in der letzten Saison deutlich besser gefallen hat als in dieser, muss ja auch Eigenwerbung in Sachen Euro-Kader-Nominierung betreiben, so dass ich gedämpft optimistisch bin, dass wir Kevins Ausfall wegstecken werden.
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7. März 2016
Ich bekenne mich schuldig! Ja, auch ich sah den VfB nach dem desaströsen 0:4 in Mönchengladbach und vor allem der Art und Weise wie es zustande kam, in einer rasanten Abwärtsspirale. Es war zwar nach Hannover „erst“ die zweite Niederlage in der Rückrunde, aber dafür eine, die es in sich hatte. Der VfB ließ alles vermissen, war von der Nummer eins bis zur elf grottenschlecht und ließ sich widerstandslos regelrecht abschlachten. Da wir in den letzten Jahren unzählige solcher Auftritte zu durchleiden hatten und diese stets für einen Trend und nicht eine Eintagsfliege standen, konnte man nach dem Mittwoch-Spiel sarkastisch anmerken, „wir haben unseren alten VfB wieder“. Nach einer solchen Vorstellung wird man dann vom VfB mit der quälenden Frage in den Schlaf entlassen, gegen wen man mit solchen Darbietungen denn überhaupt noch punkten wolle.
Die Stimmung unter den Fans, ich merkte es am Samstag vor dem Spiel extrem, gingen diesbezüglich weit auseinander. Die einen rieten, nach gerade mal einem schlechten Spiel, nicht total schwarz zu malen und trauten der Mannschaft eine Trotzreaktion zu. Die zweite Fraktion, zu der ich zu zählen war, erkannte nun mal den „alten“ VfB wieder und befürchtete, dass sich der Trend wieder in die andere Richtung verkehren würde.
Man kennt eben die „Mannschaft“ und hat oft genug schon erlebt, dass nach solch einem Debakel aufeinander eingedroschen wird und sich jeder selbst der Nächste ist, anstatt sich gemeinsam aus dem Schlamassel zu befreien.
Der Stachel der etwas unglücklich zustande gekommenen Heimniederlage gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 schien tiefer zu sitzen, als man angenommen hatte, so dass nach dem Strohfeuer zu Rückrundenbeginn, der „Alltag“ zurückgekehrt schien.
Weiteren Anlass für Nervosität bot ein Blick auf die Tabelle, nach absolvierten zwei Dritteln der englischen Woche. Die unter Nagelsmann wiedererstarkten Hoffenheimer kamen uns schon wieder bedrohlich nah, Werder Bremen, eine ähnliche Wundertüte wie der VfB, gewinnt 4:1 in Leverkusen und lässt damit den Abstand zum Relegationsplatz schrumpfen und auch andere Kellerkinder wie die Überraschungsaufsteiger sammeln ihre Punkte in Eichhörnchen-Manier. Schielte man vor einer Woche schon einmal auf die Europapokal-Plätze war plötzlich die akute Abstiegsgefahr wieder DAS beherrschende Thema.
So war meine Angst groß, dass Hoffenheim, ähnlich wie Mönchengladbach, unserer Abwehr mit ihren schnellen Leuten zusetzen und Katz und Maus mit ihnen spielen könnte, während bei den Unseren die Verunsicherung von Minute zu Minute wachsen könnte.
Hoffenheim hätte uns mit einem Sieg bis auf vier Punkte auf die Pelle rücken können. Nagelsmann, das Greenhorn auf der Dorfclubbank, machte sich am Neckar noch beliebter als er ohnehin schon ist, indem er großspurig ankündigte, den VfB in den Abstiegsstrudel mit hineinziehen zu wollen. Noch so’n Spruch, Kieferbruch, möchte man ihm erwidern, es hätte aber auch genügt, diese Aussage an die eigene Kabinentür zu nageln, um unseren Spielern die Extraportion Motivation zu verleihen. Da derjenige am besten lacht, der zuletzt lacht, kann man jetzt, nach dem Spiel, konstatieren, dass sich Nagelsmann ganz schön verzettelt hat.
Wie lässt es sich erklären, dass der VfB nach einer Demontage in Mönchengladbach gegen das Dorf von der Autobahnraststätte so ein Ding raus haut? Schwer! Vielleicht lässt sich die jetzige wirklich nicht mehr eins zu eins mit den Mannschaften der Vorjahre vergleichen.
In Serey Dié, Kevin Großkreutz und auch Lukas Rupp haben wir inzwischen Typen, denen bewusst ist, dass man Verein und Anhang Vorstellungen wie noch am Mittwoch am Niederrhein nicht in Serie zumuten darf und die vor allem Verantwortung auf dem Platz übernehmen und sich nicht hinter den anderen verstecken. Mit Tytoń anstelle von Ulreich haben wir inzwischen einen Rückhalt im Kasten, der nicht schon beim Einlauf den Eindruck erweckt, die Hosen gestrichen voll zu haben und sich mit Versagensängsten herumzuplagen. Auch nach einem schwächeren Auftritt strahlt er (Selbst-)Sicherheit aus und wirkt wie ein Ruhepol.
Natürlich spielte uns das frühe Tor von Georg Niedermeier, der nach Abpraller von Baumann am schnellsten reagiert hat, gehörig in die Karten. Ich möchte nicht wissen, wie es gelaufen wäre, hätte Hoffenheim das frühe Tor erzielt.
Auf der anderen Seite aber auch lief uns Hoffenheim, ähnlich wie beim 6:2 unter Thomas Schneider vor 2 ½ Jahren, ins offene Messer. Der Hoffenheimer Trainer ist ja noch jung und hat genügend Zeit, seine Erfahrungen zu sammeln, hoffentlich nach dieser Saison zunächst einmal im Unterhaus.
Nach eigenem Selbstverständnis ist die Spielweise der Hoffenheimer eine offensive, der Mauerfußball unter Stevens war sicherlich nicht das, was diese Elf spielen kann, aber, gegen einen spielstarken Gegner wie dem VfB kann dieser Schuss eben nach hinten los gehen.
Noch ein paar solcher Spiele und Nagelsmann könnte nicht nur der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten sein, sondern auch der jüngste, der wieder entlassen wurde. Hochmut kommt schließlich vor dem Fall. Die Naivität, mit der die Hoffenheimer im Neckarstadion antraten, hatte etwas vom Zorniger-Fußball, den wir mittlerweile und glücklicherweise hinter uns gelassen haben. Alle Mann nach vorn und hinten nicht ganz dicht.
Uns sollte es Recht sein. Es entwickelte sich ein Fußballnachmittag nach unserem Geschmack, der jedem VfBler das Herz aufgehen ließ.
Kramny brachte Rupp und Kravets anstelle von Harnik und Werner im Vergleich zum Gladbach-Spiel. Rupp steht ein wenig sinnbildlich für die bisherige Rückrunde aus VfB-Sicht. Bärenstark in die Runde gekommen, gegipfelt von seiner „Ruppinho“-Vorlage für Gentner in Köln oder auch seines Zauberpasses, wieder auf Gentner, in Frankfurt, um dann ab dem Schalke-Spiel zu schwächeln und überspielt zu wirken. Rupp, ablösefrei aus Paderborn gekommen und ein großer Transfer-Coup des Robin Dutt.
Ob er Martin Harnik im Nacken spürte und dadurch um seinen Stammplatz bangte? In Mönchengladbach jedenfalls saß er zunächst draußen und Harnik bekam erstmals 2016 die Chance von Beginn an, die er nicht nutzen konnte. Nervös braucht sich Rupp von Harnik sicher nicht machen zu lassen. Spielt er das was er kann, ist sein Stammplatz unumstritten.
Was Harnik betrifft, mache ich mir mehr und mehr Gedanken, ob seine Rückkehr nach langer Verletzungspause und der eingesetzte Negativtrend in einem Kausalzusammenhang stehen. Nach dem Offenbarungseid am Mittwoch las ich bereits Stimmen, die mutmaßten, die Mannschaft habe gegen Harnik gespielt, was natürlich harter Tobak wäre. Und doch ist dieses Gerücht nicht völlig aus der Luft gegriffen, weiß man doch wie bequem es sich Harnik gerne in der Wohlfühloase macht und dass er stets erst dann zu Hochform aufläuft, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht oder er um einen neuen Vertrag spielt. Letzteres scheint nun auch nicht mehr der Fall zu sein, stehen die Zeichen doch ohnehin längst auf Abschied im Sommer. Und doch scheint in diesem neuen Team kein Platz mehr für einen solchen Ego-Shooter zu sein. Ohne Harnik jedenfalls war der Zusammenhalt auf dem Platz am Samstag ein ganz anderer.
So setzte Kramny, mit Ausnahme der Hereinnahme von Kravets für Werner, auf die exakt gleiche Formation, die schon zu Beginn der Rückrunde für Furore sorgte und uns der gröbsten Abstiegsängste entledigte. An einem Lukas Rupp in der Form von Samstag kommt ohnehin keiner vorbei, Martin Harnik schon gleich gar nicht. Rupp ist ein Kampfschwein mit gutem Raumverhalten und hat zudem noch einen feinen Fuß Wenn man ihn so wie am Samstag spielen sieht, ist es fast ein Wunder, dass nicht schon im Sommer größere Vereine bei ihm angeklopft haben. Rupp war es, der maßgeblichen Anteil am Sieg hatte, leitete er doch das 1:0 ein und besorgte das beruhigende und vorentscheidende 2:0 selbst.
Beim 1:0 zog er nach einer schlecht abgewehrten Ecke von der Strafraumgrenze ab, so dass Baumann nur nach vorne abklatschen konnte. Georg Niedermeier reagierte am schnellsten, machte sich lang und bugsierte das Leder aus kurzer Distanz über die Linie. Es war sein zweiter Saisontreffer in seinem zwölften Saisonspiel, dem er ja auch noch den dritten folgen ließ. Seit Kramnys Amtsantritt durfte er bei jedem Bundesligaspiel ran und zeigt mehr und mehr, dass es einer der großen Fehler Zornigers war, so mit ihm umzuspringen. Ob er die unumstrittene Stammkraft auf Dauer bleiben wird, wird die Zukunft zeigen. Gerade in Phasen, in denen es eine Niederlage nach der anderen hagelte und Sunjic und Baumgartl offensichtlich überfordert waren, hätte Zorniger rückblickend betrachtet, über seinen Schatten springen und JEDEM, also auch dem Schorsch, eine Chance geben müssen. Auch wenn er fußballerisch nicht den Vorstellungen Zornigers entsprach, die Mentalität und Identifikation mit dem Verein, die Niedermeier in die Waagschale zu werfen hat, helfen der Mannschaft derzeit schon weiter.
Mit Niedermeier und seinem Pendant Daniel Schwaab hat sich offensichtlich eine Manndecker-Formation gefunden, auf die man im weiteren Saisonverlauf, ohne größere Bauchschmerzen haben zu müssen, setzen kann. Spannend dürfte es werden, wenn Federico Barba zurück ist. Von ihm möchte man sich ja schon auch noch ein Bild machen, bevor die Kaufoption gezogen wird, was wohl als ziemlich sicher gilt. Und, dann wäre da noch Timo Baumgartl, der sich nach einer Blinddarm-OP zurückkämpft und um den es mir Leid tut, dass er inzwischen komplett außen vor ist.
Es wäre wünschenswert, dass der VfB die für den Klassenerhalt noch nötigen zwei oder drei Siege bald einfährt, damit Dutt Planungssicherheit für die erste Liga hat. Dann hätte man die Chance, Spieler, mit denen man nicht verlängert bzw. nicht mehr verlängern kann, herauszunehmen und denjenigen, auf die man auch in Zukunft setzt, vermehrt Einsatzzeiten zu geben.
Dies hielte ich für sinnvoller als auf Teufel komm raus nach Europa zu schielen, und im Sommer dann eine völlig chaotische Saisonvorbereitung zu haben. Die Bundesliga startet wegen Euro und Olympia erst Ende August, der VfB hätte dann aber bereits im Juli Qualifikationsspiele zu bestreiten, zu einem Zeitpunkt, wo einige Euro-Fahrer noch nicht einmal aus ihrem Urlaub zurückgekehrt sind.
In der Haut von Robin Dutt möchte man indes nicht unbedingt stecken, wenn er einigen Akteuren eröffnen muss, dass sie sich einen neuen Verein suchen sollen.
Beim Niedermeier Schorsch bin ich, wie schon öfter ausgeführt, hin- und hergerissen. Er steht sicherlich nicht für die Zukunft, ist momentan jedoch ein wichtiger Baustein der derzeitigen defensiven Stabilität und hat ein gutes Standing in der Mannschaft, was sich auch am Samstag zeigte, indem sich alle für den Schorsch über seine zwei Tore mitfreuten. Robin Dutt ließ sich am Sonntag bei Sport im Dritten, angesprochen auf die Vertragssituation Niedermeiers, erstmals entlocken, dass die beiden Parteien wohl eine gemeinsame Zukunft hätten, so dass anzunehmen ist, dass die Würfel im Grunde schon gefallen sind. Es wäre nach den Entwicklungen der letzten Wochen eine logische Entscheidung und auch ein Entschuldigungsschreiben der besonderen Art für den Umgang mit ihm in der ersten Saisonhälfte. Solang man ihm keine Stammplatzgarantie in den Vertrag schreibt und er es sportlich und als Ansporn nimmt, sollten andere besser und gesetzt sein, kann ich damit gut leben.
Auch Schwaab gab am Samstag mal wieder Rätsel auf. Fußballerisch meist sehr limitiert, mit dem Hang die eigenen Fans zu kritisieren, um dann doch hin und wieder einen tadellosen Auftritt wie am Samstag hinzulegen und gar als Tor-Vorbereiter zu glänzen. Kramny hatte zweifellos ein glückliches Händchen, von Beginn seiner Amtszeit an auf Niedermeier/ Schwaab zu setzen, was für mich den positiven Nebeneffekt hat, dass Schwaab als rechter Verteidiger kein Thema ist. Auch Schwaabs Vertrag läuft aus, nach wie vor mit der Tendenz, dass er nicht verlängert wird und das wird sich hoffentlich auch nicht mehr ins Gegenteil verändern.
Weitere Garanten des enorm starken Auftritts gegen die Kraichgauer waren zum einen Serey Dié und zum anderen Daniel Didavi. Dida, zuletzt in Mönchengladbach noch total abgetaucht und mit einer fatalen Körpersprache, zeigte am Samstag dann eines jener Spiele, die einem beim Gedanken an seinen möglichen Abschied die Tränen in die Augen schießen lassen. Er war Dreh- und Angelpunkt im VfB-Spiel und der Taktgeber, wie man ihn sich wünscht. Beim 2:0 ließ er mit viel Übersicht auf Kravets und dieser dann eher unfreiwillig auf Rupp durch. Einzig die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ging Didavi ab, was jedoch zu verschmerzen ist, wenn die Kollegen fünf Mal treffen.
Bärenstark einmal mehr auch Filip Kostic, der seine Leistung mit tollem Solo und Tor zum 4:1 krönte. Der Schlusspunkt war dann Timo Werner vorbehalten, der sich einen Tag vor seinem 20. Geburtstag selbst beschenkte. Dieses Tor war sinnbildlich für die Floskel „wenn es läuft, dann läuft’s“. Eigentlich nahm er die Hereingabe von Schwaab unsauber direkt ab, und doch sprang die Kugel vom Innenpfosten ins Tor und nicht heraus und auch nicht in die Arme von Baumann. Werner war kurz davor für Kravets gekommen, der eine durchwachsene Partie hinlegte und vor dem Tor ähnliche Abschlussschwächen offenbarte wie normalerweise Timo Werner.
Da nach dieser geschlossenen Mannschaftsleistung keiner zu kurz kommen darf, sei noch erwähnt, dass sich Insúa gegenüber Gladbach stark verbessert präsentierte und ein super Spiel machte, Großkreutz gewohnt souverän seine Seite beackerte und Gentner, der zur Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden musste, leistungsmäßig auch nicht abfiel.
Von zu Tode betrübt nach himmelhochjauchzend binnen weniger Tage, eine solche Gefühlsexplosion bekommt man wohl nur im Fußball geboten. Seit dem Schlusspfiff am Samstag kann ich mich an der Tabelle kaum satt sehen. Der VfB hat sich in eine komfortable Situation gebracht und dürfte mit zwei weiteren Siegen endgültig gerettet sein. Zwei Siege aus neun Spielen, klingt machbar, ist machbar.
Allerdings sind diese auf dem Papier leichter auswärts als zu Hause zu erringen. Zu Hause geht es zunächst gegen Angstgegner Leverkusen, dann gegen die Bayern, dann gegen Dortmund ehe mit Mainz am vorletzten Spieltag eine lösbarere Aufgabe ansteht, während wir es auswärts ausschließlich mit Teams aus der zweiten Tabellenhälfte zu tun bekommen, die da heißen Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg und Bremen bevor es zum Saisonabschluss nach Wolfsburg geht.
Der VfB tut gut daran, das Restprogramm nicht zu unterschätzen und vor allem nach dem Sieg gegen Hoffenheim nicht zu glauben, schon irgendetwas erreicht zu haben. Weiterhin von Spiel zu Spiel denken und jede Aufgabe seriös angehen, dann ist mir vor den nächsten Spielen nicht bange.
Bereits nächsten Samstag, bei unserem ersten Spiel in Ingolstadt überhaupt, muss erneut alles in den Ring geworfen werden, um nicht mit leeren Händen heimzufahren. Die Audi-Städter spielen eine bemerkenswerte Runde und scheinen mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben.
Ihnen wird nachgesagt, den Zorniger-Style in Perfektion zu spielen, besser also, als ihn der VfB auf die Matte bekam. Stets gut eingestellt vom sympathischen Coach Ralph Hasenhüttl jagen die Ingolstädter ihre Gegenspieler mit enormer Laufleistung förmlich über den Platz und sind unangenehm zu bespielen, man erinnere sich nur an den Zittersieg aus der Vorrunde.
Der Hamburger Lewis Holtby warf ihnen kürzlich vor, eine unfaire und ekelhafte Mannschaft zu sein, was sich an den Statistiken aber nicht ablesen lässt. Das sagt man eben dann, wenn man kein Mittel gegen die Spielweise der Ingolstädter gefunden hatte.
Ich bin zuversichtlich, dass Kramny die Jungs gut darauf einstellen wird, was sie im Audi-Sportpark erwartet. Mit Schönspielerei dürfte dort kein Blumentopf zu gewinnen sein, es zählen andere Tugenden. Kampf, Einsatz, Leidenschaft, Wille und der Ehrgeiz, keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen und keinen Ball kampflos abzugeben. Es dürfte uns ein gnadenloser Abnutzungskampf erwarten und je länger das Spiel auf des Messers Schneide steht, dürfte es so richtig unangenehm werden.
Ingolstadt hat die letzten vier Heimspiele nicht verloren und drei davon gewonnen. Daher werden die Oberbayern mit breiter Brust antreten und versuchen ihr Spiel durchzudrücken. Der VfB muss von Anfang an dagegen halten und ein Gegner sein, der den Ingolstädtern kämpferisch in nichts nach steht und am Ende seine größere individuelle Klasse ausgespielt hat.
Da wir nun innerhalb weniger Tage die zwei möglichen Gesichter des VfB erlebt haben, stellt Ingolstadt nun eine echte Reifeprüfung dar. Wie weit sind wir bereits? Berauscht man sich noch am Spiel gegen Hoffenheim oder ist das Spiel abgehakt und der Fokus liegt voll und ganz auf dem nächsten Schritt in Richtung Klassenerhalt?
Eine Prognose darüber wage ich lieber nicht, lag ich doch zuletzt zum Glück weit daneben.
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3. März 2016
Wir befinden uns in einer der seltenen englischen Wochen im deutschen Fußball. Dem VfB bot sich dabei nur wenige Tage nach der Schmach gegen Hannover 96, die Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, dass die Heimniederlage ein einmaliger Ausrutscher war und dass die Mannschaft gefestigter ist als noch vor Weihnachten.
Einen Fan jedoch stellt eine englische Woche vor Probleme. Bekommt man Urlaub? Bekommt man keinen Urlaub und fährt trotzdem mit, im Bewusstsein am nächsten Arbeitstag gerädert zu sein und die Augen kaum aufzubringen? Ich hätte zwar zwei halbe Tage frei nehmen können, habe es dann aber doch sein lassen, weil ich heute auf der Arbeit nicht nur anwesend sondern auch leistungsfähig sein musste, die Vernunft hatte also gesiegt. Dennoch war es den ganzen gestrigen Tag über sehr befremdlich, von unzähligen Freunden und Bekannten zu lesen, „auf dem Weg nach Mönchengladbach“, während ich allenfalls einem schönen Fernsehabend entgegen blickte und mich darauf freute. Für die wenigsten, die dabei waren, war es ein großer Spaß, an diesem Mittwoch durch die halbe Republik zu rasen, so dass es eher als „Pflichtaufgabe“ angesehen werden kann, weil man als Fan ja schließlich dort zu sein hat, wo der Herzensverein gerade spielt.
Die „Mannschaft“ indes erklärte sich im Spiel von der ersten Minute an solidarisch mit den Fans. Auch sie fand es blöd, mitten in der Woche, im (kalendarischen) Winter, bei nasskaltem Wetter auflaufen zu müssen.
Von der ersten Minute an wirkte es so, als stünde die „Mannschaft“ überhaupt nicht auf dem Platz. Weder geistig, noch körperlich. Keine Konzentration, keine Passsicherheit, dilettantisches Stellungsspiel, kein Kampf, kein Wille, fußballerische Unzulänglichkeiten, alles, was man von einem Profifußballer erwarten können muss, ließen sie gestern vermissen.
Es war ein fußballerischer Offenbarungseid und ein Rückfall in die schlimmsten Zorniger-Zeiten, nämlich in jene Zeit hinein, in der die Mannschaft längst beschlossen hatte, ihren ungeliebten Trainer nach einem 0:4 gegen Augsburg hochkant hinaus zu katapultieren. Der VfB lud Mönchengladbach, das einen Stotterstart in die Rückrunde hinlegte und bereits drei Niederlagen zu verzeichnen hatte, geradezu ein, sich aus dem Sumpf zu ziehen und am Ende eine Gala-Vorstellung zu zelebrieren. Absolut unverständlich, wie man sich in „seinem“ Stadion, in dem man seit 2005 nicht mehr verloren hatte, derart hängen lassen und sich schließlich abschlachten lassen konnte.
Eine solche Solidarität mit den Fans ging dann eindeutig zu weit. Als Fan, der diese Strapazen auf sich nahm, musste man sich verarscht vorkommen. Verarscht von „Männern“, die im Grunde nichts anderes zu tun haben, als Fußball zu leben und Fußball zu spielen. Die tagtäglich trainieren (glaube ich zumindest, ich muss mal wieder vorbei schauen, um mich selbst davon zu überzeugen; nach einer Vorstellung wie gestern glaubt man eher, sie kommen lediglich zum fröhlichen Beisammensein zum Clubzentrum) und die das Einmaleins des Fußballs verinnerlicht haben sollten. Die einen Pass über drei Meter an den (eigenen) Mann zu bringen imstande sein sollten, die konzentriert und umsichtig den Rasen betreten sollten, die Spielsituationen erkennen und sich gegenseitig helfen sollten.
Nichts von alledem war zu sehen. Elf Einzel-Stümper auf dem Platz, die genug mit sich selbst zu tun hatten, als noch geistige Reserven zu besitzen, sich um den Nebenmann zu kümmern oder sogar noch die Gegenspieler im Blick zu behalten.
Schon das frühe 1:0 drückte die ganze Schlafmützigkeit aus. Mit einem einfachen Seitenwechsel, einem Ball der gefühlt fünf Minuten in der Luft war und auf dem schon Schnee zu liegen schien, auf Johnson, der mühelos am viel zu langsamen Emiliano Insúa vorbeizog, ein Hazard in der Mitte, den Georg Niedermeier komplett aus den Augen verloren hat und fertig war das 1:0.
Jeder Kreisligatrainer würde bei einem solch einfachen Tor fuchsteufelswild werden, einer Profimannschaft aber ist ein solches Verhalten, von Abwehrverhalten zu schreiben wäre übertrieben, nicht würdig.
Wer gehofft hatte, dieser Treffer wäre ein Weckruf für die davor lethargisch und desolat auftretende VfB-Mannschaft sah sich getäuscht. Nicht einmal das permanente Gewieher aus den Stadionlautsprechern, das über Spielstandsänderungen auf den anderen Plätzen informierte, schien unsere Jungs aus ihrem Tiefschlaf reißen zu können.
Gab es vor dem 1:0 noch zaghafte Versuche, eigene Angriffe zu initiieren, kam nach dem Rückstand – nichts mehr. Von Minute zu Minute wuchs die Verunsicherung. Jeder Versuch einer Ballstafette über mehrere Positionen blieb im Keim stecken, weil die technischen Unzulänglichkeiten derart gravierend waren. Einfachste Zuspiele landeten beim Gegner, im Zweifel, wenn einmal die Möglichkeit gegeben gewesen wäre, nach vorn zu spielen, drosch man die Kugel ins Aus, so dass gefühlt nur die Borussia vom Niederrhein in Ballbesitz und der VfB ständig am hinterher trotten war.
Die komplette „Mannschaft“ blieb alles schuldig, was man von ihr an diesem Abend erwartet hätte. Und doch gab es einige, die leistungstechnisch sogar noch abfielen, wobei die Einstufung lediglich zwischen schlecht und grottenschlecht zu erfolgen hat.
Niedermeier, völlig indisponiert, seit er die „3“ vor seiner Jahreszahl stehen hat. Er mag als Typ für das Teamgefüge ungemein wichtig sein, ist auch das eine oder andere Mal bei eigenen Standards torgefährlich, aber, wenn es drauf ankommt ist er zu langsam und zu unbeweglich und dadurch stets für plumpe Fouls „gut“.
Eine Zukunft in der Stammformation traue ich ihm nach derzeitigem Stand nicht zu, schon wenn Federico Barba wieder fit ist, könnte er seinen zurück eroberten Stammplatz wieder los sein. Bin sehr skeptisch und hin- und hergerissen, wenn es um das Thema Vertragsverlängerung geht, zumal er ja auch als vermeintlicher Führungsspieler zu den Besserverdienern gehört. Er ist zweifellos ein netter Kerl und identifiziert sich mit dem Verein, aber, ob das allein genügt, den Vertrag zu verlängern?
Insúa, schon angesprochen, leitete maßgeblich das 1:0 mit ein und war auch sonst nie Herr auf seiner Seite. Sobald er es mit schnellen, quirligen Leuten zu tun bekommt, zeigt sich deutlich, weshalb er sich noch nirgends dauerhaft durchsetzen konnte.
Serey Dié ging sang- und klanglos mit seinen Kameraden unter. Bei einem solchem Spielverlauf ist es wohl besser, ihn herunter zu nehmen, bevor er Amok läuft. Dies spricht wiederum auch für ihn, weil er noch einer der wenigen ist, die ein solch erbärmliches Auftreten extrem ärgert.
Christian Gentner, da war er wieder, der „Kapitän“ den man nicht sieht, gerade dann, wenn das Team einen Leader dringend bräuchte. Tauchte total ab, Slapstick vom feinsten das 2:0 in Co-Produktion mit Tytoń, als er seinem Keeper im Weg stand. Symptomatisch diese Szene, ein Kapitän, den man lang vergeblich suchte und bei dem man froh gewesen wäre, er wäre auch in dieser Situation irgendwo im Nirgendwo untergetaucht.
Martin Harnik, katastrophales Raumverhalten, was man ja am TV besser erkennt als im Stadion. Wie ein E-Jugendlicher rennt er in Richtung Ball und lässt seine eigentliche Position verwaist zurück anstatt sie zu halten und da zu sein, wenn er gebraucht wird.
Daniel Didavi, nach Schalke bereits das zweite Mal, dass er mich maßlos enttäuschte, nachdem er von einer Sperre, also nach einer Pause, zurückkam. Konnte dem Spiel ebenfalls keine Struktur verleihen und verlor in Anbetracht seiner Fähigkeiten viel zu viele Bälle.
Gut oder ordentlich war kein einziger. Tytoń bewahrte uns noch vor einem heftigeren Debakel, sah bei zwei Toren aber auch nicht glücklich aus. Viele fordern ja bereits jetzt schon wieder einen Torwartwechsel, vergesst dabei bitte nicht, wie viele Spiele Tytoń für uns schon gewonnen hat. Er steht und fällt mit den Leistungen seiner Vorderleute und die waren gestern einfach unterirdisch schlecht. Ernsthaft ankreiden muss man ihm ohnehin nur das vierte Tor und da war die Messe längst gelesen. Beim zweiten muss eher der Kapitän wegbleiben, damit sein Torwart den Ball in die Hand nehmen kann und nicht durch eine Ausholbewegung suggerieren, er schlüge den Ball weg, um dann seinem Keeper im Weg zu stehen.
Den weiteren Spielfilm nach dem 1:0 kann man sich im Grunde schenken. Nur durch den fahrigen Umgang der Gladbacher mit ihren Torchancen ging es mit diesem Ergebnis in die Kabinen, das eigentlich noch alle Möglichkeiten zugelassen hätte.
Via Facebook forderte ich in der Halbzeit die Einwechslung von Kravets und Rupp, was auch tatsächlich erhört wurde. Ich hätte zwar Martin Harnik und nicht Serey Dié herunter genommen, aber gut, bei den Auswechslungen hätte man gestern ohnehin nichts falsch machen können. Kramny hätte jeden Feldspieler herunter nehmen können.
Kurz nach der Einwechslung hatte Kravets dann auch gleich die einzige Chance des Spiels für unseren VfB, als sein Kopfball von Sommer pariert werden konnte. Doch, dieser Angriff gleich nach Wiederbeginn sollte ein Strohfeuer bleiben, danach kam einmal mehr – nichts!
Auch danach wieder, Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, an dem sich die Gladbacher von Minute zu Minute mehr berauschten und aufgrund dessen ich schon kaum mehr hinschauen konnte.
Nach einer Stunde schließlich dann die verhängnisvolle Szene mit den Hauptdarstellern Gentner und Tytoń. Raffael bedankte ich artig und schob ein zum vorentscheidenden 2:0. Der VfB schien einen großen Sack an Gastgeschenken dabei zu haben und dachte sich offensichtlich, bevor sich die Gladbacher weiterhin leidenschaftlich, aber erfolglos mühen, helfen wir eben nach. Diese Nächstenliebe, sieht man nicht oft im Profifußball!
Kurze Zeit später kam dann Patrick Herrmann zu seinem ersten Treffer nach gerade erst auskuriertem Kreuzbandriss. Er war gerade einmal 30 Sekunden auf dem Feld, ich unterstelle einmal, unsere schlafmützige Truppe hat seine Einwechslung überhaupt nicht mitbekommen, oder warum hatte keiner den deutschen Nationalspieler auf der Rechnung?
Als ob der schwäbische Komödienstadel nicht schon genügend Ahs und Ohs der negativen Art produziert gehabt hätte, hob man sich für den Schlussakkord noch eine besonders komische Szene auf. Tytoń segelte in Bahnschrankenmanier an einer Herangabe vorbei, Großkreutz war offensichtlich überrascht davon und lief fast mit dem Ball ins Tor. Noch ein Schenkelklopfer zum Abschluss, bevor die „Mannschaft“ in den dieses Mal nicht verdienten Feierabend entlassen wurde. Großkreutz‘ erstes Tor im VfB-Dress hatte ich mir auch anders vorgestellt.
Der Auftritt sah schwer nach kollektiver Leistungsverweigerung aus und erinnerte unweigerlich an das 0:4 gegen den FC Augsburg, durch das man sich schließlich Alexander Zornigers entledigte. Hätte man nicht die Bilder lachender und sich herzender Profis in Erinnerung, sei es aus Belek, sei es auch nach dem Start der Rückrunde, könnte man denken, auch Jürgen Kramnys wären die Kicker schon überdrüssig.
Ein Zufall, dass dieser Negativtrend gerade jetzt einsetzt, wo Martin Harnik wieder an die Tür zur Stammformation klopft? Ich könnte mir da schon einen Zusammenhang vorstellen, scheint er doch eines der großen Probleme der letzten Jahre und ein Egomane vor dem Herrn zu sein.
Auch ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ein solcher Leistungseinbruch in solch kurzer Zeit möglich wäre. Zu gut war die Stimmung seit dem Trainingslager, zu sehr haben die Neuzugänge eingeschlagen, zu gierig wirkte die Mannschaft. In den letzten Wochen stellte ich immer wieder in Frage, wie stabil oder etwa doch fragil dieses Gebilde denn wäre. Jetzt wissen wir es! Es hat sich nichts geändert, das Gebilde ist genauso fragil wie es in den vergangenen Jahren auch war. Da genügt eine einzige Heimniederlage gegen den Tabellenletzten, und die nicht einmal nach besonders schlechter Leistung, um das Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.
Wir sind nun wieder genau dort, wo wir bereits im November waren und müssen einer Truppe von lauter Häufchen Elend das Vertrauen schenken, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und die Klasse abermals zu halten. Die Selbstzweifel sind zurückgekehrt, Selbstbewusstsein Fehlanzeige.
Eine Darbietung wie in Mönchengladbach ist unentschuldbar und sollte vor allem nicht schon zum wiederholten Mal „passieren“. Nur, was macht Mut? Unter dem noch frischen Eindruck des Spiels sage ich unverblümt: gar nichts. Die „Mannschaft“ ist tot, die „Mannschaft liegt am Boden“, es gibt nichts, was mich positiv stimmt, dass wir am Samstag gegen Hopp punkten könnten. Der Dorfverein, bei dem Huub Stevens leider viel zu früh das Handtuch schmeißen musste, ist wiedererstarkt und schafft es mittlerweile wieder seine zweifellos vorhandene Qualität auf den Platz zu bringen. Dieser Fußball dürfte unseren Dauerläufern eine Nummer zu rasant sein, so dass mir Übles schwant.
Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass in den zwei „freien“ Tagen bis zum Spiel diese Demütigung lückenlos aufgearbeitet und die „Mannschaft“ wieder aufgerichtet werden kann. Man kennt doch unsere Pappenheimer. Der Kapitän, ein Leisetreter, der nicht mit Leistung vorangeht, die anderen Führungsspieler gehörten allesamt zu den Schwächeren, was wollen die groß erzählen? Wer hört auf sie, wenn sie in der Kabine große Sprüche klopfen und auf dem Platz untertauchen?
Tabellarisch besteht selbstredend kein Anlass, um schon wieder den Kopf in den Sand zu stecken. Die Siege von Bremen und Hoffenheim waren zwar ärgerlich, aber, im Tabellenkeller darf man auch nicht davon ausgehen, dass niemand auch hin und wieder punktet.
Der VfB hat es noch selbst in der Hand, hat noch Spiele in Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg und Bremen, bei denen man sich durchaus Siegchancen ausrechnen kann und wo die Möglichkeit besteht, die vermutlich noch fehlenden drei Siege einzufahren: Allerdings muss sich der VfB dann gehörig steigern. Mit Nicht-Leistungen wie gestern gewinnt man vermutlich nicht einmal bei einem Drittligisten.
Jürgen Kramny ist nun erstmals als Krisenmanager gefragt. Dabei wird es spannend zu beobachten sein, wie er dabei mit der „Mannschaft“ umgeht, die ihn so kläglich im Stich gelassen hat. Kann er auch harter Hund oder gibt es nur den netten Herrn Kramny? Finden ihn die Spieler dann auch noch toll, wenn er die Zügel anzieht und Strafmaßnahmen verordnet? Oder produziert so etwas gleich wieder beleidigte Leberwürste im Mannschaftsrat, so dass wir bereits wieder am Anfang vom Ende der Ära Kramny stehen?
Wollen wir es nicht hoffen. Es ist sehr wünschenswert, dass bei diesen Machtspielchen endlich mal der Trainer gewinnt und man sich im Sommer vom einen oder anderen sogenannten Führungsspieler trennt, damit wir uns nicht ständig weiter im Kreis drehen.
Jetzt gilt es aber zunächst einmal den Fokus auf den Samstag zu legen. Ich hoffe sehr, dass mich die Jungs widerlegen und Wiedergutmachung betreiben. Ein Sieg wäre ein riesengroßer Schritt in Richtung Klassenerhalt und für die Moral wichtig vor dem Auswärtsspiel in Ingolstadt. Dazu bedarf es aber Männern auf dem Platz, die ich nicht, wie zum gestrigen Spiel, in Anführungszeichen setzen muss. Das Team ist gefordert, am Samstag alles, wirklich alles besser zu machen als gestern im Borussia-Park, tut sie das nicht, lässt sie sich womöglich erneut kampflos demütigen, dürfte es endgültig wieder vorbei sein mit der Harmonie zwischen Fans und „Mannschaft“, dann ist gewaltig Feuer unterm Dach!
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29. Februar 2016
Die schlimmsten Befürchtungen wurden am Samstag im Neckarstadion leider bestätigt. Der VfB wurde seinem Ruf als Aufbaugegner einmal mehr gerecht und unterlag nach zuletzt acht nicht verlorenen Spielen in Folge dem Schlusslicht Hannover 96, das seinerseits acht (!) Niederlagen am Stück hatte hinnehmen müssen.
Wie konnte es nur dazu kommen? Vielleicht spielte ins Unterbewusstsein doch mit hinein, dass man dem abgeschlagenen Schlusslicht hochüberlegen sein sollte und Hannover unter Schaaf ja ohnehin nichts auf die Kette bringen würde. Waren es diese 10% weniger, die man in die Waagschale warf und die diese schließlich zu Gunsten der 96er senkte? War es Unvermögen oder fehlendes Glück oder fehlte doch unser Spielmacher Daniel Didavi an allen Ecken und Enden?
Ich finde, von allem etwas. Alexandru Maxim war einmal mehr kein gleichwertiger Ersatz für Dida. Seine besten Spiele macht er, wohl sehr zu seinem Leidwesen, als Einwechselspieler, so dass der VfB schon jetzt seine Rückschlüsse ziehen sollte und im Falle eines Weggangs von Didavi, einen möglichst gleichwertigen Ersatz parat haben sollte. Bei 17:1 Ecken und 22:12 Torschüssen, 60% Ballbesitz und einer ordentlichen Passquote muss einfach mehr herausspringen, als dieses mickrige von Werner erzielte Törchen. Die Ecken, ob von Maxim oder später von Kostic waren meist sichere Beute des guten und großgewachsenen 96-Keepers Zieler, der die hereingeschlagenen Bälle mühelos herunterpflücken konnte, sofern die Pille es überhaupt bis zu ihm schaffte und nicht schon beim ersten Abwehrspieler Endstation war. Großchancen von Timo Werner und Filip Kostic wurden leichtfertig vergeben, so dass am Ende zwei Unachtsamkeiten in der Abwehr genügten, um zwei vermeidbare Tore zu kassieren und am Ende mit leeren Händen dazustehen. Kommt dann noch Pech dazu und kann Sorg zwei Mal auf der Linie klären, geht der Schuss eben auch mal nach hinten los, alte Fußballerweisheit.
Die schlechte Chancenverwertung war grotesk und erinnerte an die ersten Saisonspiele unter Zorniger. Hier muss der Hebel angesetzt werden, auch wenn es fraglich erscheint, ob aus Timo Werner noch ein echter Goalgetter wird. Er rackert, reibt sich auf, ist durch seine Schnelligkeit eine Waffe, aber, den Torabschluss hat er nicht erfunden. Er verstolperte DIE Chance zum 2:1 in Mittelstürmerposition kläglich, so dass Stimmen lauter werden, die einen echten Mittelstürmer wie Kravets oder auch Martin Harnik in der Sturmmitte fordern und Timo Werner eher auf Außen oder gar auf der Ersatzbank sehen möchten.
Meine Geduld mit ihm ist noch lang nicht am Ende. Er ist noch jung (wird nächsten Sonntag 20!) und hat als Eigengewächs bei mir einen Bonus, zudem lebt er den VfB und identifiziert sich mit ihm, wie kaum ein zweiter im derzeitigen Kader. Er hat in dieser Saison einen gewaltigen Sprung gemacht und ist noch lang nicht am Ende seiner Entwicklung, so dass man nicht schon jetzt den Stab über ihn brechen sollte.
Vielleicht täte ihm eine Denkpause in Mönchengladbach gut, fallen lassen darf man ihn aber nicht. Immerhin erzielte er ja auch den vielumjubelten Führungstreffer, halb mit dem Kopf, halb mit der Schulter, als die Hannoveraner ihn bei einem Maxim-Freistoß sträflich frei ließen. Damit schraubte er sein Torekonto auf fünf hoch, und hat bereits jetzt so viele Treffer erzielt wie noch nie zuvor in seiner Bundesligakarriere.
Auf der anderen Seite lud der VfB Christian Schultz freimütig zum Toreschießen ein. Schultz, dem in den letzten vier Saisons gerade einmal jeweils ein Treffer gelang und der in dieser Saison vorher noch überhaupt nicht getroffen hatte, wurde gegen den VfB zum Doppelpacker, weil sowohl Schwaab als auch Großkreutz bei beiden von Kiyotake hereingeschlagenen Standards nicht auf der Höhe waren. Diese beiden Unkonzentriertheiten beraubten uns schließlich der Punkte, die gegen das Schlusslicht ohne Wenn und Aber eingeplant waren. Unterm Strich war es eine sehr ärgerliche und vermeidbare Niederlage und sie ist dennoch kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken.
Auch wenn der VfB ein klares Chancenplus zu verzeichnen hatte, ganz unverdient war der Hannoveraner Sieg auch wieder nicht. Schon vor dem 0:1 hatten die 96er die bessere Spielanlage zu bieten und wurden durch Distanzschüsse gefährlich, die dankbare Beute von Tytoń waren.
Mit der allerersten Chance ging der VfB dann (überraschend) in Führung, wodurch sich das Schlusslicht aber nicht hängen ließ. Für den VfB war das Spiel der Hannoveraner schwer zu durchschauen, da sie ohne echten Stürmer antraten und unsere Innenverteidigung um Schwaab und Niedermeier in der Luft hing und mit den vielen Freiheiten nicht wirklich etwas anzufangen wusste. Hier hatte Schaaf Kramny offensichtlich ausgetrickst, bis sich der VfB einigermaßen darauf einstellte, stand es auch schon 1:1.
Rühmte ich letzte Woche noch die Auswechslungen Kramnys, kamen mir die Wechsel dieses Mal zu spät. Vor allem die Herausnahme von Serey Dié konnte ich nicht nachvollziehen, war er doch bis zu diesem Zeitpunkt DER Antreiber, der es wenigstens noch versuchte, durch die Mitte Räume zu schaffen. In Anbetracht dessen, dass unsere Innenverteidiger ohnehin beschäftigungslos waren, hätte man, bei ein wenig mehr Flexibilität, auch auf eine Dreierkette umstellen und das Signal auf Attacke stellen können.
Ich hatte letzte Woche schon geschrieben, dass dies wohl das schwerste Spiel der letzten Wochen werden und einen echten Charaktertest darstellen würde, ernsthaft vorstellen konnte ich es mir aber auch nicht, dass ausgerechnet wir diejenigen sein würden, die Hannover zum Leben erwecken würden. Aber, so ist der Fußball und speziell der in der Bundesliga. Die Leistungsdichte ist enorm, ein Nachlassen oder gar ein Unterschätzen des Gegners wird gnadenlos bestraft. Und doch müsste man nicht darüber philosophieren, ob der VfB zu leichtfertig an die Aufgabe herangegangen ist, wenn aus dem Chancenplus Kapital geschlagen worden wäre.
Der VfB war drauf und dran die Herzen der Gelegenheitsstadionbesucher zurückzuerobern und verzeichnete mit 54.356 Zuschauern den besten Besuch seit langem. Hoffen wir, dass diese sich wegen der Niederlage nicht umgehend wieder abwenden und dem Verein und der Mannschaft wieder die kalte Schulter zeigen. Für Spektakel und guten Fußball ist in dieser Saison stets gesorgt, dass dies nicht immer mit einem befriedigenden Ergebnis einhergeht, bringt unser Lieblingssport so mit sich. Alles in allem war auch der Auftritt gestern wieder ein aufregender und zwar in jeder Hinsicht. Wenn der VfB im Rollen ist und ein Angriff nach dem anderen auf des Gegners Tor zurollt, ist das aufregend mitzuerleben, die Fehler in der Abwehr, die Hannover schließlich jubeln ließen, regten mich dann aber auch gewaltig auf.
Nach dieser großartigen Serie von acht Spielen ohne Niederlage, befinden wir uns nun in einer leichten Abwärtsspirale mit zuletzt zwei Spielen ohne Sieg. Den Punkt auf Schalke hätte man gegen Hannover versilbern können, während man jetzt doch eher den beiden verlorenen Punkten nachtrauert, vor allem, wenn man gesehen hat, wie Schachtjor Donezk die Knappen unter der Woche auseinandergenommen hat.
Die nächste Gelegenheit, diesen leichten Negativtrend zu stoppen, besteht bereits am Mittwoch im Borussia-Park zu Mönchengladbach. Es dürfte ein ganz schweres Spiel bei der drittbesten Heimmannschaft, die noch um die Championsleague-Qualifikation kämpft, werden.
Allerdings ist Gladbach auch ein extrem gutes Pflaster für uns, die letzte Niederlage im Borussia-Park liegt bereits knapp elf Jahre zurück, zuletzt holten wir dort vier Siege und fünf Unentschieden.
Nach dieser Niederlage besteht für Kramny durchaus Anlass, seine bisher meist unumstößliche Aufstellung zu überdenken. Wer ist frisch genug? Gönnt man Werner, Rupp und/ oder Insúa, die allesamt am Samstag überspielt wirkten, mal eine Pause? Geht man das Unternehmen Auswärtssieg mit frischeren Kräften an und zwingt Gladbach, ein hohes Tempo mitzugehen? Immerhin haben die Borussen noch einen Tag weniger zur Regeneration zur Verfügung, so dass sich am Ende, wie bereits auf Schalke, auszahlen könnte, noch zulegen zu können.
Kravets und/ oder Harnik drängen langsam aber sicher ins Team, während Didavi seinen angestammten Platz wieder einnehmen dürfte. Vielleicht dürfen die beiden genannten ja mal zusammen von Beginn an ran. Während man Werner 1:1 ersetzen könnte, fiele dies bei Rupp schwerer. Auch in den zuletzt nicht so überragenden Spielen, leistete er als Balleroberer und mit seinem guten Spielverständnis wertvolle Dienste fürs Team.
Die Gefahr bei einer übertriebenen Rotation besteht allerdings, dass etwas an Stabilität verloren geht, wie man beim Pokalspiel gegen den BVB leidvoll miterleben musste, wobei der Einschnitt damals gravierender war, weil man durch die Hereinnahme von Langerak und Šunjić die zuletzt funktionierende Abwehrformation auseinander gerissen hatte.
Auf der anderen Seite belohnt man gute Trainingsleistungen derer, die momentan etwas außen vor sind, am ehesten damit, dass diese belohnt werden und sie auch dann die Chance haben, ins Team zu rücken, wenn sich nicht gerade einer verletzt hat oder gesperrt ist.
Dieser Rückschlag ist (noch) kein Beinbruch, mit 28 Punkten stehen wir momentan noch voll im Soll. Das Team als Ganzes ist jetzt gefragt, die gute Stimmung und den respektvollen Umgang untereinander auch dann aufrecht zu erhalten, wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist und Gegenwind aufkommt. Hier wird sich zeigen, ob die Truppe an Charakterstärke gewonnen hat im Vergleich zum Vorjahr und ob die Trotzreaktion aus der Mannschaft heraus erfolgt.
Die Tabellensituation stellt sich noch komfortabel dar, was allerdings schon wieder anders aussehen könnte, sollten wir aus Mönchengladbach mit leeren Händen zurückkehren und auch gegen Hoffenheim, an dem sich gestern schon der BVB bis zur roten Karte extrem die Zähne ausgebissen hat, verlieren. Dieses Szenario ist nicht ganz unrealistisch, auf der anderen Seite aber hat der VfB in dieser Saison außer den großen Zwei schon jeden Gegner, zumindest phasenweise, an die Wand gespielt, so dass in fast jedem der ausstehenden Spiele eine reelle Siegchance besteht.
Vor einem neuerlichen totalen Absturz, den viele schon wieder prophezeien, habe ich keine Angst. Niederlagen gehören zum Spiel dazu, noch haben wir genügend Möglichkeiten es besser zu machen, noch ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz beruhigend groß und vor allem, von Hoffenheim vielleicht einmal abgesehen, stehen durchweg deutlich limitiertere Truppen hinter uns, als dass man vor irgendeinem Team im Tabellenkeller Schiss haben müsste.
Daher wird der VfB weiter seinen Weg gehen und, da nicht am Samstag, eben in den nächsten Spielen die nötigen Punkte einfahren, um die letzten Zweifel am Klassenerhalt zu beseitigen und die notorischen Schwarzseher zu besänftigen.
Mittlerweile herrscht ein ganz neuer Geist in der Truppe, wir haben wieder den einen oder anderen Typen im Team. Qualität, vor allem offensiv, ist vorhanden und, was uns die letzten Jahre total abging, es herrscht Spielfreude. Die einen pushen, die anderen berauschen sich an ihrem atemberaubenden Spiel, und mit Kramny steht ein Mann an der Linie, der den richtigen Ton zu treffen scheint und ein feines Gespür dafür hat, wie er die Mannschaft anzupacken und auch jetzt wieder aufzurichten hat. Das alles sind Faktoren, die mich zuversichtlich stimmen, dass wir in dieser Saison lang nicht so lang zittern müssen wie in den beiden Vorjahren.
Eine Rückrundenserie gilt es zumindest in Mönchengladbach zu verteidigen. Wir punkteten bisher ausschließlich gegen jene Mannschaften, gegen die wir in der Vorrunde mit leeren Händen dastanden und verloren nun just gegen das Team, gegen das in den ersten sieben Saisonspielen der einzige Siege heraus sprang. Gegen Gladbach setzte es Ende September eine 1:3-Niederlage, also, durchaus als gutes Omen zu werten!
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23. Februar 2016
Dass es bei der Terminierung des Spiels in der Arena auf Schalke auf einen Sonntag hinauslaufen würde, war wegen der Europaleague-Teilnahme der Schalker klar. Dass es aber gerade ein Abendspiel um 17.30 Uhr sein musste und das Aufeinandertreffen von Leverkusen und Borussia Dortmund um 15.30 Uhr stattfand, obwohl die beiden Stadien gerade einmal 80 Kilometer auseinander liegen, verdeutlicht einmal mehr, dass den Planern die Fanbelange am Hintern vorbeigehen und die TV-Quote wichtiger ist.
So war es vorprogrammiert, dass der Trip nur mit Urlaub zu bewältigen war oder man montags in Schule und Geschäft entsprechend kleine Augen haben würde. Dennoch wurden die Schwaben von etwa 2.500 Anhängern begleitet, eine stattliche Zahl in Anbetracht der Anstoßzeit.
Ich fuhr mit den Jungs und Mädels vom RWS Berkheim mit. Unsere Kutscher entschieden sich für die untypische Route über die Sauerlandlinie, anstatt der A3 zu folgen, weil sie der Auffassung waren, diese wäre verkehrsgünstiger und nur unwesentlich weiter.
So weit, so gut. Als wir aber dann aber, kurz nach Witten, die Autobahn verließen und uns im Stadtverkehr (Sonntags zum Glück nicht so von Belang) von Bochum, Herne und was ich noch was für verwegenen Flecken wiederfanden, kam uns die Sache dann doch spanisch vor.
Ein Navi ist ja schön und gut, sofern man den Anweisungen auch folgt. Das taten unsere etwas betagteren Busfahrer jedoch nicht, so dass wir uns ein ums andere Mal verfranzten und vor jeder Abzweigung das Lotteriespiel folgte, in welche Richtung wir denn fahren sollten.
Ich saß direkt hinter dem Fahrer und hatte das Navi stets im Blick, so dass ich mich schon allein darüber wunderte, weshalb die Rest-Entfernung zwischenzeitlich wieder anstieg und ich mich fragte, ob unser Kutscher wohl auch die richtige Zieladresse eingegeben hatte. Als wir dann auch noch am Bochumer Rewir-Power-Stadion vorbei fuhren, wurden Erinnerungen an unsere Hoffenheim-Fahrt vor ein paar Jahren wach, als wir plötzlich in der Ortsmitte von Hoffenheim standen, weil der damalige (vielleicht war es ja derselbe) Fahrer anstatt des Betonklotzes an der Autobahnraststätte das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim eingegeben hatte.
So war die Erleichterung groß, als die Arena erstmals angeschrieben und kurze Zeit später auch der Weg zum Gästebusparkplatz beschildert war, so dass sich diese Tort(o)ur dem Ende zuneigte.
Ironie des Schicksals war dann doch tatsächlich, dass wir mit der „gewählten“ Route wohl alles richtig gemacht hatten, da lediglich jene Busse schon angekommen waren, die eine ähnliche Route wie wir wählten und die wir zuvor schon auf einem Rastplatz getroffen hatten, alle anderen standen in einem Mega-Stau auf dem Weg zum Stadion und trudelten erst gut 45 Minuten später ein.
Zunächst wollte ich noch auf Freunde warten, verwarf dieses Vorhaben dann aber, als es gerade noch eine Stunde bis zum Anpfiff war. An einer Gabelung trennen sich dann die Wege derer, die zum Gästestehblock müssen und jener, die einen Sitzplatz hatten.
Am VfB-Fan-Mobil, das direkt vor der Gazprom-Tribüne seinen Platz gefunden hatte, traf ich dann noch einige Bekannte und entschloss mich spontan ein Bier mitzutrinken. Dabei schwelgten wir in der Vergangenheit und waren uns einig darüber, dass zu Parkstadion-Zeiten das VfB-Fan-Mobil, inmitten des Schalker Fanbereichs, wohl schneller gebrannt hätte, als man hätte gucken können.
Wie überall, wo moderne Arenen aus dem Boden gestampft werden, ging dies auch auf Schalke nicht ohne eine einschneidende Verteuerung der Eintrittskarten einher. Dadurch verschwanden viele der Kuttenträger, die sich die Preise nicht mehr leisten konnten oder die Arena nicht als ihre neue Heimat angenommen haben und die Event-Fans eroberten Schalke. Wurde man als Gästefan früher vom Oberrang aus mit Bierdosen beworfen und am Vorbeigehen von Rentnern bespuckt, geht es dort mittlerweile weitaus gesitteter zu, so dass weder das Fan-Mobil noch der weiß-rot gekleidete Fan Größeres zu befürchten haben musste.
Trotz langer Warteschlangen vor den Eingangskontrollen war ich im Nu drin, schnell noch die Knappenkarte aufgeladen, ein Bier geholt und schon ging es hinein in die Turnhalle, deren Dach erwartungsgemäß geschlossen war, war die Witterung doch ziemlich fies. Böiger Wind und Nieselregen, da macht der Schalker unseren Volkssport Nummer 1 eben im Handumdrehen zur Indoor-Veranstaltung.
Dass von den VfB-Fans eine Choreographie geplant war, sah man sofort. Zu meiner Freude, war der teuerste Block aus dem VfB-Kontingent bei weitem nicht ausverkauft, so dass fast freie Platzwahl herrschte. Der auf meiner Karte aufgedruckte Platz befand sich nämlich direkt an der Glasscheibe zum Gästeblock, so dass ich von dort aus überhaupt kein Bild unseres Anhangs hätte schießen können. Die Choreo betraf einmal mehr das Bekenntnis der Fanszene zum eingetragenen Verein und dem Willen, diesen Status auch über den Sommer hinaus beizubehalten.
Der VfB trat auf Schalke erwartungsgemäß wieder mit Didavi, der am Spieltag seinen 26. Geburtstag feierte, anstelle von Maxim an und ansonsten mit derselben Aufstellung wie bereits in den bisherigen Rückrundenspielen. Dass ein Geheimnis der zuletzt an den Tag gelegten Stabilität die Kontinuität in den Aufstellungen ist, sah man beim Pokalspiel gegen den BVB, als Kramny davon abrückte.
Auch wenn es in der zweiten Reihe mittlerweile durchaus Härtefälle gibt, hat Kramny keinen Grund, an dieser so erfolgreichen Mannschaftszusammenstellung zu rütteln. Auf der einen Seite ist es zwar verwunderlich, dass ausgerechnet diejenigen, die Kramny noch von den Amateuren am besten kannte, nun unter ihm überhaupt keine Rolle mehr spielen. Andererseits aber sah man allzu oft, dass der eine oder andere Youngster noch zu grün hinter den Ohren und vor allem dem großen Druck im Abstiegskampf nicht gewachsen ist. Nach dem Wild-West-Fußball der Zorniger-Ära setzt Kramny nun in erster Linie auf Stabilität und das Erreichen der kurzfristigen Ziele, anstatt das Team perspektivisch aufzustellen und Gefahr zu laufen, im Abstiegsstrudel unterzugehen.
Den neuen Teamgeist unterstrich die Mannschaft beim Einlauf dadurch, dass sie unisono in Einlaufjacken mit der Nummer 33 aufs Feld lief und somit ein weiteres Signal in Richtung Daniel Ginczek sandte, dass die Mannschaft in Gedanken bei ihm und seiner schweren Verletzung ist.
Der VfB startete selbstbewusst ins Spiel und hätte bereits nach sechs Minuten durch Gentner in Führung gehen können, wenn Fährmann, der Held des Hinspiels, nicht so stark pariert hätte. Auch Timo Werner, der insgesamt wieder einen starken Auftritt hinlegte, jedoch an seiner Abschlussschwäche dringend arbeiten muss, hätte unsere Farben in Führung bringen können.
Stattdessen erlaubte sich unsere Abwehr einen folgenschweren und kollektiven Blackout bei Belahandas Kopfballtor aus 15 Metern Torentfernung. Danach war der VfB erst einmal geschockt und sichtlich um Ordnung bemüht, während die Schalker mehr Spielanteile hatten, ohne jedoch zu hochkarätigen Chancen zu kommen. Tauchten sie dann doch mal vor dem VfB-Tor auf, war spätestens bei Tytoń Endstation, der erneut seine gute Form unter Beweis stellte und nicht nur nach Kräften die Bälle hielt, sondern auch immer wieder versuchte, das Spiel schnell zu machen.
Je näher das Spiel dem Halbzeitpfiff entgegensteuerte, desto mehr übernahmen die Gäste vom VfB das Kommando und drängten nun auf den Ausgleich, ließen jedoch noch die Passgenauigkeit im letzten Drittel vermissen.
Nach der Pause entwickelte sich phasenweise ein offener Schlagaustausch mit Chancen auf beiden Seiten. Die zuletzt so starken Rupp, Kostic und Geburtstagskind Didavi fielen in dieser Partie leistungsmäßig eher ab, was jedoch in einer homogener gewordenen Mannschaft von den Teamkollegen aufgefangen werden konnte.
War es bis in den Dezember hinein noch an der Tagesordnung, dass sich der eine auf den anderen verließ und jeder schon froh war, wenn man scheinbar ein Alibi vorzuweisen und der Nebenmann die Rolle des Sündenbocks innehatte, reißt man jetzt seine Mitspieler mit und springt für sie in die Bresche. Auf Schalke stach vor allem unsere Zentrale um Christian Gentner und Serey Dié hervor, die viele Bälle abfingen und eigene Angriffe ankurbelten. Auch Insúa zeigte sich stark verbessert, leider in Kombination mit einer schwächeren Partei von Filip Kostic. Haben beide gemeinsam einen Sahnetag, gibt es auf der linken Seite kaum ein besseres Pärchen in der Bundesliga.
Daniel Didavi, dem ich es gewünscht hätte, nach abgesessener Sperre und an seinem Geburtstag zum Matchwinner zu avancieren, fiel leider in erster Linie durch seine fünfte gelbe Karte auf, die ihn gegen Hannover 96 gleich noch einmal zum Pausieren zwingt.
Kramny zog seine Schlüsse aus Frankfurt und nahm seinen Spielmacher dieses Mal rechtzeitig runter. Bereits gelbverwarnt kam er rüde angerauscht, hat den Gegenspieler aber zum Glück nicht richtig getroffen. Ich schlug bei dieser Situation schon die Hände über dem Kopf zusammen, Kramny sah es ähnlich und tauschte Dida umgehend gegen Alexandru Maxim aus.
Binnen weniger Minuten kamen dann auch noch Kravets für Timo Werner und Martin Harnik für Serey Dié, was eindeutig als Zeichen zu werten war, dass man mit aller Macht noch etwas mitnehmen wollte.
Hier gefällt mir Jürgen Kramny bisher sehr gut. Seine Wechsel machen durchweg Sinn und vor allem wechselt er so rechtzeitig, um den Reservisten die Gelegenheit zu geben, noch etwas zu bewegen und dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.
Vor allem Maxim merkte man an, dass er sich etwas vorgenommen hatte. Zunächst scheiterte er mit einem Seitfallzieher knapp, kurz darauf köpfte Gentner eine Maxim-Ecke aufs lange Eck, Fährmann konnte nur abklatschen und Martin Harnik staubte aus kürzester Entfernung zum vielumjubelten und vor allem hochverdienten Ausgleich ab. Unser einziges Tor an diesem Abend bekam ich zu meinem Leidwesen „nur“ am Bierstand mit, als mir gerade ein kühles Blondes kredenzt wurde und ich das „Scheiße“ des Mannes hinter dem Tresen mit einem lauten „Yeahhhhhh“ erwiderte und ihm die Faust entgegen ballte.
Auf den Bildschirmen im Innenraum sah ich nicht nur das Tor in der Wiederholung, ich sah auch, dass der Torschütze dieses Mal auf seinen sonst zur Schau getragenen T(h)or-Jubel verzichtete, und stattdessen mit je drei Fingern die 33 Ginczeks symbolisierte, ein feiner Zug des Österreichers, der sich nach seiner Verletzung selbst hintenanstellen muss und dies wegen der Erfolge des Teams auch einsieht und die Aufstellungen des Trainers somit mitträgt. Dieses Tor wird ihm gut tun und weiter Auftrieb geben, schon nach seiner Einwechslung gegen Hertha gefiel er mir gut.
Im Gegensatz zu früheren Zeiten ließ sich der VfB nach dem Ausgleich nicht wieder zurückfallen und verfiel in Selbstzufriedenheit, im Gegenteil, das Team drängte nun auf die durchaus verdiente Führung. Schalke wurde immer müder, schließlich hatten sie das EL-Spiel in der Ukraine samt Reisestrapazen in den Knochen, der VfB versuchte den Vorteil der Ausgeruhtheit nun auszuspielen und Kapital daraus zu schlagen. Chancen waren vorhanden, einen Elfmeter hätten wir auch wieder bekommen können, doch, am Ende stand das 1:1, insgesamt leistungsgerecht, wenn man beide Halbzeiten zur Beurteilung heranzieht.
Nach zuvor fünf Siegen in Folge stellte man sich nun, nach einem Remis auf Schalke, durch das die Siegesserie gerissen ist, tatsächlich die Frage, ob es ein gewonnener oder ob es ein verlorener Punkt war.
Ich war schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit dem Punkt zufrieden. Vor dem Spiel hätte ich für diesen blind unterschrieben, noch zu präsent waren die Erinnerungen an die Vorsaison und den gefühlten Abstieg an gleicher Stätte. Noch ordne ich uns als ein Team ein, dessen vorrangiges Ziel ist, nicht abzusteigen, so dass ein Punkt bei einem Championsleague-Aspiranten einen Bonuspunkt darstellt, den man nicht unbedingt auf der Rechnung haben musste. Wir haben jetzt nacheinander gegen zwei Teams des oberen Tabellendrittels vier Punkte geholt und keines der Duelle verloren hat. Alle Achtung, darauf kann das Team stolz sein!
Behält man diese Spielfreude, die Leistungsbereitschaft, das Selbstvertrauen, den Teamgeist und die eingekehrte Selbstverständlichkeit bei, muss einem vor den nächsten Spielen nicht bange sein. Der VfB stellt nach wie vor die beste Rückrundenmannschaft und hat nun am Samstag gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 die große Chance seine Serie auszubauen.
Dass dies kein Selbstläufer wird, konnte man letzte Woche beobachten, als die 96er denkbar knapp im Westfalenstadion dem BVB mit 0:1 unterlagen. Doch Vorsicht, Hannover ist vielleicht das schwerste Spiel der letzten Wochen. Die 96er reisen mit der Negativserie von acht Niederlagen in Folge an, Neu-Trainer Schaaf holte mit seiner Mannschaft noch keinen einzigen Punkt. Der VfB tut gut daran, das Spiel mit der gleichen Seriosität anzugehen wie die vorherigen Aufgaben und darf die 96er auf keinen Fall unterschätzen, und dem Ruf des Aufbaugegners neue Nahrung geben. Vorsicht also!
Kramny kam es auf Schalke durchaus gelegen, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt und noch einige Dinge verbesserungswürdig sind. Vor allem darf die Mannschaft nicht zu ihrer früheren Denke zurückkehren, dass es nun von ganz alleine läuft. In der ersten Halbzeit auf Schalke sahen Körpersprache und Spielanlage zu selbstgefällig aus, so dass Kramny gut daran tut, rechtzeitig dazwischen zu grätschen. Wehret den Anfängen! Positiv festzuhalten ist aber, dass Kramnys Halbzeitansprache gefruchtet hat und sich das Team selbst aus diesem Sog herausgezogen hat.
Daniel Didavi wird dem Team gegen Hannover 96 also erneut fehlen. Dass er sich tatsächlich auf Abschieds-Tournee befinden soll, an diesen Gedanken kann und will ich mich nicht gewöhnen. Zu sehr mag ich ihn als Typen und als technisch beschlagenen Spieler, als dass ich ihn abschreiben würde, bevor sein Abgang offiziell verkündet wurde.
Im Grunde seines Herzens möchte er doch auch überhaupt nicht weg, ihn quält wohl lediglich sein inneres Ich, das sich fragt, ob er in zehn Jahren auf eine Karriere kontinuierlichen Abstiegskampfes zurückblicken möchte oder ob er es nicht wenigstens versucht haben sollte, sich bspw. in Leverkusen oder Wolfsburg durchzusetzen, wo die Wahrscheinlichkeit größer ist, Jahr für Jahr Championsleague zu spielen als beim VfB.
Dass sich Didavi nicht schon längst gegen den VfB entschieden hat, liegt am Spaßfußball, den die Mannschaft zu zelebrieren imstande ist und daran, welche Schlüsselrolle er bei diesem einnimmt. Immer wieder blitzt es auf, das Potential dieser Truppe. So zum Ende der letzten Saison, so über weite Strecken der Vorrunde, als man zwar in aller Munde war, aber die Ergebnisse nicht eingefahren wurden oder auch im Moment, wo man, bis auf die Bayern und den BVB, scheinbar jeden Gegner dominieren und auch besiegen kann.
Finanziell kann der VfB natürlich mit Werksclubs wie Wolfsburg und Leverkusen nicht mithalten, und dennoch darf der VfB sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Er hat Didavi andere Argumente, wie z. B. eine offensive Spielphilosophie, ein großes Stadion, begeisterungsfähige Fans und nicht zuletzt „Heimat“ zu bieten.
Das alles sind jedoch „weiche“ Beweggründe, die einen Spieler wie Didavi noch zum Bleiben bewegen könnten. Dafür dass diese letztlich den Ausschlag geben, muss sich der Verein strecken und alles daran setzen, Fixpfeiler der Mannschaft zu halten, auch wenn von besser betuchten Vereinen unmoralische Angebote ins Haus flattern sollten.
Fällt das Gerippe auseinander, stehen wir im Sommer erneut vor einem Übergangsjahr und drehen uns ewig weiter im Kreis. Deshalb verteufele ich Didavi auch nicht oder werfe ihm gar Undankbarkeit vor, wie es viele Fans tun, sondern kann seine Gedankengänge ganz gut nachvollziehen.
Eine Fußballerkarriere ist eben endlich, bei ihm ganz besonders, der momentan das bisher so selten erlebte Glücksgefühl hat, über einen längeren Zeitraum hinweg schmerzfrei zu sein und das tun zu dürfen, was er am besten kann und was ihm am meisten Spaß macht, Fußball zu spielen.
Wie bereits schon öfter von mir thematisiert, darf man die causa Didavi auch nicht nur einseitig sehen. Der VfB hat sich im Umgang mit ihm rund um seine Leihe zum Club auch nicht mit Ruhm bekleckert und in der Rückrunde der letzten Saison die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung versäumt. Noch ist es offensichtlich nicht zu spät für Spieler und Verein, sich aufeinander zuzubewegen, machen, bitte!
Für Didavi dürfte gegen Hannover Alexandru Maxim in die Startelf rücken. Ich wünsche es ihm, dass er Eigenwerbung betreiben kann und endlich auch einmal glänzt, wenn er beim Anpfiff auf dem Platz steht. Er befindet sich in zweierlei Maße in einem Dilemma. Zum einen kommt er an einem fitten Didavi nicht vorbei und zum anderen machte er seine besten Spiele für uns meist als Einwechselspieler. Er steht sinnbildlich für den neuen Teamgeist, da er seine Rolle als Reservist scheinbar klaglos annimmt und, wenn er denn eingewechselt wird, gleich auf Betriebstemperatur und voll da ist. In Bezug auf die zweite Garde scheint Kramny ein besonderes Händchen zu haben, sie bei Laune zu halten und jedem Einzelnen zu vermitteln, dass sie wichtiger Bestandteil des großen Ganzen sind. Schafft Kramny es, auch bei den Leuten, die momentan hintenanstehen, die Stimmung und die Spannung hochzuhalten, ist schon sehr viel gewonnen, was die Beibehaltung des derzeit guten Teamgeists angeht.
In dieser Hinsicht scheint Robin Dutt Wort zu halten und Spieler, bevor man sie verpflichtet, auf ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten und ihre Teamfähigkeit hin zu hinterfragen. Leute wie Serey Dié, Lukas Rupp, Emiliano Insúa und auch Kevin Großkreutz brachten einen neuen Geist in die Truppe. Da Kramny offensichtlich mehr Wert auf einen guten Teamgeist legt als es Zorniger getan hatte, war Belek Gold wert. Seither sind die Jungs in ihrem Miteinander kaum wiederzuerkennen.
Großkreutz goss ja bereits vor dem Aufeinandertreffen mit seinen speziellen „Freunden“ aus Herne-West Öl ins Feuer, als er von einer in Vorbereitung befindlichen Choreo des Schalker Anhangs ein Bild postete und den Schalkern mit auf den Weg gab, diese beim Spiel jetzt nicht mehr präsentieren zu müssen. Während des Spiels wurde er dann bei jedem Ballkontakt beleidigt und ausgepfiffen, was seiner Leistung glücklicherweise keinen Abbruch tat. Er verrichtete gewohnt solide seinen Job.
Großkreutz‘ Konter folgte auf dem Fuße via Instagram, indem er diejenigen, die ihn ausgepfiffen hatten, dazu einlud, das „Großkreutz-Museum“ besichtigen zu dürfen, um wenigstens einmal Tuchfühlung zur Meisterschale zu haben.
Die einen mögen urteilen, dass Schweigen manchmal eben doch Gold sei, ich fand den Konter großartig, zumal diese Nebenkriegsschauplätze seinen Leistungen auf dem Platz offensichtlich nicht schaden. Es ist doch gut zu wissen, einen echten Typen in unserer Mannschaft zu haben, der sich nicht alles gefallen lässt und der auch für die Medien interessant ist und das Geschreibsel über ihn auch aushält. Sind wir in den letzten Jahren nach und nach zur grauen Maus mutiert, haben wir nun endlich wieder einen echten Typen in unseren Reihen, für mich wieder der erste seit Jens Lehmann.
Mit dem Abstieg werden wir aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun bekommen, es sei denn, es käme noch ein totaler Einbruch. Hoffenheim wird wohl leider erneut dem Abstieg von der Schippe springen, da sie es unter dem Trainer-Greenhorn Nagelsmann zu schaffen scheinen, ihre Qualität auf den Platz zu bringen, aber, es gibt ja auch noch einige andere Teams in der Verlosung, die den Abstieg unter sich ausmachen können. Der VfB hat 28 Punkte auf seinem Konto, in den beiden letzten Jahren standen wir zum gleichen Zeitpunkt mit 19 bzw. 18 Punkten da und hatten bei weitem nicht so viele positive Ansatzpunkte wie jetzt.
Für unser Nervenkostüm wäre es wünschenswert, den Klassenerhalt schnellstmöglich klarzumachen. Einen Tag wie den 23. Mai letzten Jahres in Paderborn möchte wohl keiner mehr unbedingt miterleben. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle, von zu Tode betrübt zu himmelhochjauchzend, um in der letzten Minute doch noch fast des Klassenerhalts beraubt worden zu sein. Rückblickend war es zwar ein geiler Tag, vor allem, wenn man an die ekstatischen Ausbrüche unmittelbar nach dem Schlusspfiff zurückdenkt, bei höherer Dosis, also jährlicher Wiederholung, dürften diese Gefühlsexplosionen aber wohl keinem Organismus wirklich gut tun!
Daher wäre es schön, der VfB tut uns einfach den Gefallen und beseitigt die letzten Zweifel bereits in den nächsten Spielen. Drei Siege gegen Hannover 96, Hoffenheim und in Ingolstadt würden vermutlich schon genügen, um aller Sorgen entledigt zu sein.
Doch, was dann? Wenn ich offen darüber schwadroniere, für den Fall der Europacup-Qualifikation Urlaubstage aufzusparen, werde ich angegangen, wir sollten doch wissen, wo wir her kämen, dass ich nicht zu spinnen anfangen solle und dass wir doch alle schon zufrieden sein müssten, am Ende nicht in der allerengsten Abstiegsverlosung dabei zu sein.
Paradox mutet dann an, dass ich dem Gegenüber in allen Punkten Recht geben muss. Ich verlange ja auch gar keinen Europacup-Platz, er kann aber durchaus „passieren“. Hat man in der Bundesliga frühzeitig mit dem Abstieg nichts zu tun, ist man automatisch Europacup-Anwärter, ob man will oder nicht. Und, sollte in den letzten Spielen die Möglichkeit noch immer gegeben sein, wäre man blöd, man würde nicht alles in die Waagschale werfen, um zuzugreifen.
Der VfB steht derzeit acht Punkte vor dem Relegationsplatz, aber „nur“ sechs Zähler hinter Schalke 04 auf Platz 6. Als beste Rückrundenmannschaft mit der logischerweise besten Formkurve aller Teams kann das Ziel doch nur sein, die Serie auszubauen und von Spiel zu Spiel zu denken. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen.
Die Fahrt in den Pott hat sich, wie fast immer, wenn man dem Brustring hinterher reist, gelohnt. Auf der Rückfahrt nahmen wir dann die gewöhnliche Route. Als wir endlich den Stadionstau hinter uns ließen und rollten, verlief die Fahrt ohne größere Zwischenfälle, so dass ich um 2.30 Uhr im Bett lag. Etwas unchristlich zwar wenn der Wecker bereits um 7 Uhr wieder schellt, aber, siehe oben, der Optimist spart sich seine Urlaubstage und baut vor.
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