15. September 2015

Fußball ist ein einfaches Spiel

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:04

Auch nach dem vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga steht unser VfB noch ohne Punkte da. Die große Euphorie, die noch vor Saisonbeginn herrschte, schlug innerhalb von gerade einmal vier Wochen bei vielen VfB-Fans in Endzeitstimmung um. Ich empfinde es als angenehm und wohltuend, dass wenigstens die Verantwortlichen Ruhe bewahren und (noch) nicht in blinden Aktionismus verfallen und alles über den Haufen werfen, was ein paar Wochen vorher noch vielversprechend klang und als alternativlos bezeichnet wurde.
Fußball ist ein einfaches Spiel, nicht nur außerhalb des Platzes, wo jeder, quer durch alle Bildungsschichten, eine Meinung zu dem was sich auf dem Rasen abspielt hat und Verbesserungswünsche oder gar –forderungen äußert.
Der Fußball ist aber eben auch unberechenbar. Was helfen Systeme, Theorien, Gesetze der Serie, der Marktwert der Spieler, die vermeintliche Qualität einer Mannschaft, der beste Trainer, wenn Berufs-Fußballer aus zwei Metern das Tor nicht treffen, sich Spieler ungeschickt verhalten und unnötige roten Karten kassieren und sich, wie zuletzt in Berlin, auf einfachste Weise im eigenen Strafraum düpieren lassen. Auch das ist einfach, wer solche Fehler macht, steht am Ende in der Regel mit leeren Händen da. Im Grunde fehlten in den ersten Spielen, den ersten beiden zumindest, Nuancen, um die Liga zu rocken, stattdessen lamentieren wir und hadern mit dem Schicksal und der eine oder andere ist schon jetzt dabei, die Nerven zu verlieren.
Der VfB setzte in Berlin zwar zunächst auf größere Kompaktheit, lud dadurch aber auch die Berliner ein, selbst die Spielregie zu übernehmen. Die Hertha ließ sich nicht zwei Mal bitten und näherte sich dem VfB-Tor Stück für Stück an. Dass dieses passive Spiel unserer Mannschaft nicht liegt, erkannte man schon sehr früh, auch wenn die Berliner nicht gerade furchteinflößend daherkamen. Völlig plump ließen sich Insúa und Kostic schon nach einer knappen Viertelstunde nach einem Einwurf (!) übertölpeln und zu einfach von Weiser ausspielen, der dadurch zum freistehenden Haraguchi passen konnte, dieser wiederum sich Hlouseks amateurhaften Zweikampfverhaltens und zu viel Platz, im Strafraum wohlgemerkt, erfreuen und unter Vlachodimos hindurch mühelos zum 1:0 vollenden konnte. Ein sehr ärgerliches Gegentor, weil es den Berlinern zu einfach gemacht wurde und weil im heutigen Fußball das erste Tor oftmals die Richtung vorgibt, in die das Spiel letztendlich läuft und dem Gegner vor allem suggeriert, dass an diesem Tag der Sieg zu holen ist. Der VfB präsentierte sich großzügig in Geber-Laune.
In der Folge stand der VfB dann wieder etwas höher, erlangte dadurch mehr Spielanteile, woraus letztendlich der Ausgleich resultierte, als Sunjic eine Didavi-Flanke per Kopf verwertete. Toni Sunjic also, der alles in allem ein ordentliches Debüt im Dress mit dem Brustring abgab und ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft sein könnte. Schade, dass Timo Baumgartl, der von der U21 vorzeitig verletzt abreisen musste, auch für das Gastspiel an der Spree ausfiel. Mit zwei gelernten Innenverteidigern am Start, für die konsequente Zweikampfführung kein Fremdwort ist, wäre das 1:0 wohl nicht gefallen.
Bei Hlousek fragt man sich schon, was er in einer Bundesligamannschaft verloren hat. Er hatte gegen Man City zwar schon lichte Momente und gab ein ordentliches Debüt in der Innenverteidigung ab, im Verlauf der bisherigen Bundesligaspiele konnte er seine Bundesligatauglichkeit jedoch nicht nachweisen. Hlousek hat keine Technik, geht naiv in die Zweikämpfe und ist durch sein ungestümes Einsteigen stets für einen Freistoß- oder Elfmeterpfiff „gut“. Was fast noch bedenklicher ist, als die Tatsache, dass Hlousek der Stammelf angehört, ist, dass Niedermeier trotz Hlouseks schwacher Auftritte keine Chance bekommt. Da fragt man sich, was er denn verbrochen hat, dass er komplett außen vor ist, von seinem Lapsus auf Schalke in der letzten Saison einmal abgesehen. Auch Schwaab ist keine echte Alternative, für mich auf rechts übrigens auch nicht, und immer ein Kandidat, wenn es um mögliche weitere Abgänge geht.
In der Abwehr gründet sich meine Hoffnung auf Besserung auf das Duo Baumgartl/ Sunjic, das hoffentlich gegen Schalke 04 am nächsten Sonntag seinen Einstand gibt und darauf, dass die beiden sich schnell aufeinander einstellen und sich einspielen, dahinter ist es nach wie vor eng.
Dass ausgerechnet Sunjic Lustenberger vor dem 2:1 den Ball vor die Füße köpfte, schmälert den guten Eindruck nicht. Schlimmer war doch, dass dieser so frei zum Schuss kam, Pech dazu, dass er einen Sonntagsschuss auspackte, wie er ihm in seinem weiteren Fußballerleben wohl nicht mehr gelingen dürfte – sein erstes Tor seit sieben (!) Jahren. Für Vlachodimos, der den gesperrten Tytoń vertrat, gab es da nichts zu halten. Er feierte ein solides Startelf-Debüt ohne jedoch zu glänzen, so dass gegen Schalke wohl Tytoń ins Tor zurückkehren dürfte. Nach dem 2:1 in der dritten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ging es zum Pausentee.
In der zweiten Hälfte fehlte dem VfB die Durchschlagskraft und das Miteinander. Die Hertha verwaltete das Ergebnis fast mühelos, außer einem Schuss von Maxim gab es kaum nennenswerte Torannäherungen mehr. Der VfB agierte insgesamt zu hektisch und kopflos und verlor sich in Einzelaktionen. Insgesamt ein biederer, fast emotionsloser, Auftritt, mir fehlte da die Geilheit den Sieg erzwingen zu wollen und den Negativtrend dadurch zu beenden.
Seit dem sogenannten Deadline-Day, an dem einigen unserer Spieler noch einmal gehörig der Kopf verdreht wurde, wirkt unser magisches Offensiv-Dreieck auf mich gehemmt und frustriert. Hoffentlich besinnen sie sich in den nächsten Wochen wieder, wir benötigen sie dringend in Bestform und mit ihrer alten Spielfreude.
Die Zweifel, was eine positivere Entwicklung beim VfB angeht, werden im Umfeld mitunter größer, was in Anbetracht des verwaisten Punktekontos normal ist. Es scheint aber auch, dass in der Mannschaft das grenzenlose Vertrauen in die von Zorniger vorgegebene Marschroute nicht (mehr) komplett vorhanden ist. Die kleineren Korrekturen fürs Hertha-Spiel wurden nicht gerade goutiert, wie Florian Klein zugab, der meinte, man solle nicht über den Haufen werfen, was man sich in der Vorbereitung erarbeitet habe. Ist es mangelnde (geistige) Flexibilität des Teams oder doch schon ein Misstrauensvotum gegen den Trainer, wenn die Mannschaft offen zugibt, Vorgaben des Übungsleiters nicht erfüllen zu wollen oder auch nicht erfüllen zu können? Ist die Mannschaft also doch untrainierbar, wie man ihr schon seit Jahren nachsagt und das obwohl das Team mittlerweile eine Blutauffrischung erfahren hat? Ich hoffe es nicht, denn dann wären es ganz gefährliche Tendenzen und der Trainer müsste früher oder später als schwächstes Glied der Kette gehen oder es Armin Veh gleich tun und die Brocken hinschmeißen. Dem Trainerteam sollte es des Amtes wegen schon noch gestattet sein, die Richtung vorzugeben und die Spieler, als Angestellte des Vereins, müssen alles dafür tun, die Vorgaben umzusetzen und den Trainer damit nicht ins offene Messer rennen lassen. Hier stellt sich dann wirklich die Charakterfrage des Teams, welche auf der Tribüne im Berliner Olympiastadion auch schon diskutiert wurde.
Es wäre fatal, bereits jetzt schon wieder den Trainer in Frage zu stellen. Einige sehen bereits Huub Stevens wieder in den Startlöchern, andere träumen von Jürgen Klopp, ich für meinen Teil gebe dem Projekt mit Alex Zorniger noch Zeit. Abgesehen davon, dass es wirklich schwachsinnig wäre, einen neuen Trainer nach vier oder von mir aus auch sieben Spielen schon zu schassen, was käme denn dann? Zurück in die Steinzeit mit Huub Stevens und dem einzigen Ziel, die Klasse zu halten? Dann stünden wir im nächsten Mai wieder vor dem totalen Umbruch und würden unter Umständen „ausprobieren“, ob ein dann neuer Trainer die ersten vier Spiele erfolgreicher gestaltet oder man ihn wieder entlassen muss. Es wäre dann das dritte verlorene Jahr nacheinander, nachdem zuerst Labbadia, dann Bobic zu spät entlassen wurden und das Kind daher schon im Brunnen lag, bevor die Spielzeiten richtig angefangen haben.
Würde Stevens sich lieber weiter die Sonne auf Mallorca auf den Bauch scheinen lassen, was dann? Altmeister Christoph Daum? Bernd Schuster? Jos Luhukay? Felix Magath? Thomas Schaaf? Jens Keller? Mirco Slomka? Michael Oenning? Oder ein Anderer? Welcher Trainer würde denn schnelle Besserung und vor allem Punkte garantieren? Mir fällt keiner ein! Jürgen Klopp dagegen würde auch ich mit Kusshand nehmen, da dieser jedoch absolut unrealistisch ist, verbietet es sich auch, überhaupt darüber nachzudenken. Er wird, klug wie er ist, sein Sabbat-Jahr durchziehen und dann bei einem großen Club anheuern anstatt durch ein Himmelfahrtskommando beim VfB (und seinem schwierigen Umfeld) mitten in der Saison sein Image zu beschädigen. In Deutschland kämen für ihn allenfalls noch die Bayern oder die Nationalmannschaft in Frage, wobei ich hoffe, dass er sich aus Verbundenheit zu den BVB-Fans die Bayern nicht antun wird. Heute ist zu lesen, dass Liverpool-Fans eine Initiative „Klopp for the Kop“ gestartet haben und sich für Klopp als Trainer stark machen. Wenn man realistisch ist, wäre der Job an der Anfield Road und die Perspektive die Reds zurück an die Spitze der Premier League zu führen sicherlich eine reizvollere Geschichte für Jürgen Klopp, als mit dem VfB um Platz 15 zu spielen.
Natürlich sollte das Team langsam anfangen zu punkten, dass sich die Trainerfrage nicht irgendwann von selbst stellt. Endlos Zeit wird man auch Zorniger nicht einräumen können, Zeit ist in der Bundesliga ein knappes Gut und reicht zumeist nur von Spiel zu Spiel. Fußball ist nun mal in erster Linie Ergebnissport, es gibt weder eine B- noch eine Haltungsnote für besonders gute Leistungen. Ich habe meine Ruhe trotz der ausbleibenden Erfolgserlebnisse noch nicht verloren, weil ich die Saison als Ganzes sehe. Für den Klassenerhalt benötigen wir etwa 35 Punkte, bei 90 noch zu vergebenden sicherlich kein ganz unrealistisches Ziel. Alles, was darüber hinaus geht, nehmen wir gerne mit, ist in diesem Übergangsjahr und für die weitere Konsolidierung zwar wünschenswert aber nicht entscheidend.
Die Systemdiskussion an sich sehe ich positiv nach Jahren, in denen kein System erkennbar war und man daher auch nicht darüber debattieren musste. Der VfB befindet sich in allen Bereichen im Umbruch, die Aufarbeitung der letzten Jahre fand im Sommer statt, die Veränderungen sind nun in vollem Gange.
Vor ein paar Wochen wurde Dutt noch gefeiert, weil er es schaffte unsere in der letzten Saison phasenweise überragende Offensive gehalten und gleichzeitig die schwächelnde Defensive verändert zu haben. Es wurden „Altlasten“ aussortiert und Leute mit Entwicklungspotential dazu geholt.
Das Scouting-System wurde revolutioniert, Günther Schäfer, die gute Seele des Vereins, Vereinsikone und ein absolut positiver Typ als Team-Manager installiert und erstmals ein hauptamtlicher Sportpsychologe angestellt, der sich über mangelnde Arbeit zur Zeit nicht beklagen dürfte. Es wird zurückgekehrt zur Philosophie eines einheitlichen Spielsystems durch alle Altersklassen und Mannschaften im Verein hinweg, der eigene Nachwuchs steht stärker im Fokus als in den letzten Jahren.
Der Plan stimmt meiner Meinung nach, man muss sich bei derart tiefgreifenden Veränderungen nur im Klaren sein, dass es eine Zeit lang dauern wird, bis die Maßnahmen erste Früchte hervorbringen. Das Gesamtkonzept, zu dem eben auch der Trainer Zorniger gehört, jetzt schon wieder in Frage zu stellen, finde ich sehr verfrüht und auch nicht zielführend, da wir jede aufkeimende Unruhe gebrauchen können wie’s Bauchweh. Nach Jahren der Plan- und Systemlosigkeit muss sich der Verein für die Zukunft neu aufstellen und strategisch planen, und das immer im Rahmen der vorhandenen und noch immer begrenzten Möglichkeiten. Wir befinden uns mal wieder in einer Übergangssaison und am Anfang einer Entwicklung, so dass ich guter Hoffnung bin, dass wir uns im Saisonverlauf stetig steigern werden.
Zorniger wird von vielen eine überhebliche Art und Oberlehrer-Mentalität nachgesagt, die während seiner Zeit beim Brausehersteller und der Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick abgefärbt haben müsse. Zudem wird ihm fast schon sein schwäbisch bzw. weil er Interviews nicht auf hochdeutsch gibt, negativ ausgelegt, und weil er von der Ostalb kommt, ist er ein „Bauer“. Für diejenigen, die ihn von vornherein abgelehnt und sich nicht mit der Lösung arrangiert haben, finden sich tausend Gründe, diesen unliebsamen Trainer wieder loswerden zu wollen, ich sehe es eher pragmatisch und wünsche mir Kontinuität und keine weiteren Abfindungszahlungen für unseren Verein.
Ich finde es richtig, dass Zorniger nach außen den starken Mann mimt, nicht einknickt und auch mal jemandem über den Mund fährt. Bedenklicher wäre es doch, wenn er sich wie das Fähnchen im Wind drehen würde nur um zu gefallen, dann würde er seine Glaubwürdigkeit und seine Authentizität erstrecht verlieren und „der Meute“ zum Fraß vorgeworfen werden. Intern wird er sehr wohl an einer erfolgreicheren Mannschaft tüfteln und ihr vor allem einen Plan an die Hand geben, der sie nicht überfordert.
Als Bundesliga-Novize ist der Umgang mit „Stars“ oder solchen, die sich dafür halten, Neuland für ihn. Er, der Arbeiter, erwartet von seinem Personal eine gesunde Portion Eigeninitiative und nicht, dass sich Spieler auf dem „Erreichten“ ausruhen und sich damit zufrieden geben, einfach nur zum Kader zu gehören. Er möchte die Spieler besser machen. So ist wohl sein Zitat in Bezug auf Timo Werner zu verstehen, er sei nicht sein Kindermädchen. Dafür wird Zorniger nun in der Öffentlichkeit und von Teilen der Fans zerrissen, was erlaube Zorniger, UNSEREM Timo so die Leviten zu lesen und ihn fürs Berlin-Spiel auszubooten. Diejenigen, die Zorniger dafür jetzt am liebsten steinigen würden, sind womöglich die gleichen, die Timo Werner nach seinen letzten Einsätzen das Können absprachen und Zweifel äußerten, ob er es jemals noch packen würde. Sollte Werner für den Rest der Vorrunde außen vor bleiben und ihn der Frust zerfressen, käme auch von mir ein Aufschrei, aber doch nicht nach einem einzigen Spiel, bei dem er nicht zum Kader gehörte. Ich hoffe , dass an den Gerüchten, Dutt habe Werner nach England verscherbeln wollen, nichts dran ist, da ich noch immer die Hoffnung habe, dass Werner den Durchbruch bei uns schafft und eine der Identifikationsfiguren der Zukunft werden könnte.
Für Timo Werner selbst wäre es das Falscheste, was er tun könnte, in Selbstmitleid zu zerfallen. Er sollte diese Nichtnominierung vielmehr als Denkzettel und als Ansporn betrachten, in dieser Woche so richtig Gas geben und Zorniger das Signal senden, dass er verstanden hat. Ich habe irgendwie den Eindruck, Zorniger kann gerade machen, was er will, es wird ihm alles negativ ausgelegt, weil eben die Ergebnisse nicht stimmen und es einige schon immer gewusst haben, dass es mit diesem Zweitligatrainer nicht hinhauen würde.
Mein Wunschkandidat war er auch nicht. Jetzt aber ist er da, ich habe mich mit seiner nach außen schwäbisch-verbissenen, auf dem Trainingsplatz aber auch sehr lockeren, Art angefreundet und wünsche mir endlich Kontinuität in meinem Herzensverein. Im Training gefällt er mir sogar sehr gut, weil er nicht wie Feldherr Veh mit verschränkten Armen da steht und seine Assistenten machen lässt, sondern die Spieler notfalls auch durch eigenes Handanlegen auf dem Platz verschiebt und sich immer mal einen anderen herauspickt, mit dem er im Zwiegespräch die Einheit und was er verbessern muss, bespricht. Deshalb wehre ich mich vehement gegen jede aufkommende Trainerdiskussion zu diesem frühen Zeitpunkt.
Jeder Trainer steht und fällt mit den Leistungen, die ihm seine Mannschaft anbietet. Es wird noch die eine oder andere Transferperiode ins Land ziehen, bis Dutt/ Zorniger „ihren“ Kader beisammen haben und daran dann auch zu 100% gemessen werden können. Wer aber behauptet, der VfB habe nichts oder zu wenig personell geändert und dass es daher ja kein Wunder sei, dass man wieder unten herumkrebse, liegt trotzdem falsch.
Auf der Torhüterposition wurde vor Saisonbeginn bereits gehandelt, einfach nur Pech, dass die designierte Nummer 1, Mitch Langerak, auf unbestimmte Zeit ausfallen wird. Sein Knie scheint stärker geschädigt zu sein, wie zunächst von den VfB-Ärzten diagnostiziert, für mich sehr bitter dieser Ausfall, da Tytoń bislang noch nicht zu überzeugen wusste.
Rüdigers Verletzung machte uns bereits im Winter einen Strich durch die Verkaufs-Rechnung, im Sommer nun, nach wochenlangem Transferpoker dann erneut, so dass der VfB lange Zeit Ungewissheit hatte, welche finanziellen Mittel vorhanden sein würden, um die Defensive verstärken zu können. Erst kurz vor Transferschluss konnte in dieser Personalie Vollzug gemeldet und Sunjic als Nachfolger präsentiert werden. Nicht die feine englische Art Rüdigers, der dem VfB viel zu verdanken hat, ein solches Hickhack zu veranstalten und den VfB im Ungewissen zu lassen. Für mich ist das auch einer der Gründe, weshalb es gerade so hakt und weshalb wir uns überhaupt noch über Hlousek unterhalten.
Auf der Linksverteidigerposition wurde ebenfalls gehandelt und es wurden in Insúa und Heise gleich zwei Neue geholt, währenddessen man Sakai abgegeben und Hlousek zumindest als linken Verteidiger abgeschrieben hat.
Im Winter bereits holte man Serey Dié, der auf Anhieb einschlug und der wahre Leader auf dem Platz ist. Dazu gesellen sich noch Daniel Ginczek und Daniel Didavi, seit der späten Rückrunde ebenfalls gefühlte Neuzugänge, so dass de facto fast die halbe Mannschaft ausgetauscht wurde.
Auf allen genannten Positionen haben wir uns meiner Meinung nicht verschlechtert, wenn auch nicht auf allen verbessert. Trotzdem gibt es auch innerhalb des Teams weitere diskussionswürdige Baustellen. Neben Hlousek sah ich nämlich gegen die Berliner Hertha vor allem Martin Harnik und Christian Gentner äußerst schlecht. War der ganzen Mannschaft in der zweiten Halbzeit kein großes Aufbäumen zu attestieren, fielen diese beiden durch ihre Körpersprache und leichte Ballverluste sogar noch ab.
Ich fand es zwar richtig, Harnik, der mit zwei Toren und der EM-Qualifikation von der Nationalmannschaft mit neuem Selbstvertrauen zurückgekehrt war, erneut aufzubieten und auf Besserung zu hoffen. Leider reihte sich seine Leistung nahtlos ein in die schlechten Auftritte vor der Bundesligapause, so dass er folgerichtig als erster ausgewechselt und durch Robbie Kruse, der ein paar ordentliche Szenen hatte, ersetzt wurde. Harnik würde ich gegen Schalke endlich einmal eine Denkpause verordnen, auch wenn es gegen einen potentiellen Interessenten für ihn geht.
Gentner wiederum ist der Mann mit der inoffiziellen Stammplatzgarantie. Seit Jahren beißen sich Konkurrenten die Zähne aus und kommen nicht an ihm vorbei. Warum und weshalb erschließt sich mir nicht. Natürlich scheut sich der eine oder andere Trainer davor, seinen Kapitän auf die Bank zu setzen, Zorniger möglicherweise auch deshalb, weil schon Sven Ulreich der Abgang nahegelegt wurde und er nicht noch einen Dunkelroten demontieren wollte.
Jetzt aber, nach den ersten erfolglosen Pflichtspielen, darf durchaus über weitere Wechsel in der Anfangself nachgedacht werden. Für Zornigers überfallartigen Angriffsfußball fehlt Gentner nach meinem Empfinden die Handlungsschnelligkeit und das „nach vorne denken“. Er verschleppt das Tempo eher und spielt lieber zurück als schnell nach vorne, von wenigen Ausnahmen, wie bei seiner Torvorbereitung in Hamburg, einmal abgesehen. Läuft es beim VfB gut, spielt er ordentlich mit, läuft es schlecht, taucht Gentner unter. Gerade wenn es nicht läuft, wünscht man sich einen Kapitän, an dem sich die Mitspieler aufrichten können, der die Richtung vorgibt, das Spiel auch mal beruhigt. Bei Gentner aber hat man den Eindruck, dass er nur noch im Sinn hat, selbst gut auszusehen und den Ball versucht, schnellstmöglich wieder loszuwerden, und das auch durch schlampige Alibipässe, die Mitspieler in Bedrängnis bringen.
Im zentralen Mittelfeld würde ich gerne einmal Serey Dié und Lukas Rupp zusammen sehen. Ich möchte Gentner um Gottes Willen nicht verteufeln, sehe ihn derzeit aber nicht als Hilfe sondern fast schon als Belastung an. Wer weiß, vielleicht würde eine zeitweilige Herausnahme ja Fesseln beim Rest des Teams lösen, wenn der eine oder andere dadurch mehr in die Verantwortung genommen werden würde. Seit langem bemängele ich fehlenden Leistungsdruck beim VfB und dass eher nach Namen und Seilschaften als nach Leistung aufgestellt wird. Als Zorniger kam, hatte ich die große Hoffnung, dass diese Zeit der Vergangenheit angehört, hoffentlich enttäuscht er mich da nicht.
Gelegentliche Wechsel in der Startformation, vor allem nach schlechten Leistungen, fördern das Leistungsklima und belohnen diejenigen, die unter der Woche besonders Gas gegeben und sich aufgedrängt haben. So durfte in Berlin Arianit Ferati erstmals Bundesligaluft schnuppern, auch andere Youngster scharren bereits mit den Hufen und warten auf ihre Chance. Ferati legte ein erfrischendes Debüt hin und könnte schon in naher Zukunft Druck auf die Arrivierten im Mittelfeld machen.
Es gibt sie also durchaus, die Hoffnungsschimmer, den Silberstreif am Horizont! Auch nach vier Spieltagen und dem historisch schlechtesten Saisonstart vom VfB aller Zeiten besteht kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Natürlich werden die Aufgaben nicht leichter, auch haben wir gegen vier allenfalls durchschnittliche Teams keinen Punkt geholt, dennoch blitzt immer wieder auf, dass Potential und Klasse in der Truppe steckt und man an einem guten Tag auch (fast) jeden Gegner schlagen kann, sofern man Einladungen an den Gegner in der Rückwärtsbewegung minimiert und vorne eiskalt seine Chancen nutzt, denn – Fußball ist ein einfaches Spiel!

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30. August 2015

Trotz Fehlstart, bitte, keine Panik auf der Titanic!

Tja, was soll man sagen. Als Inhaber der roten Laterne fehlen einem die guten Argumente, die Schwarzseher und die Zweifler haben erst einmal Oberwasser. Zorniger als Trainer mit der schlechtesten Startbilanz aller VfB-Trainer hat zunächst einmal einen schweren Stand. Nicht nur nach außen, wo das große Murren schon wieder einsetzt, auch bei der Mannschaft, die sein System noch nicht mit der nötigen Überzeugung umsetzt und wohl auch schon daran zweifelt.
Ich dagegen sage (noch), kein Grund zur Panik, noch haben wir 31 Spiele Zeit, die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu schaffen. Um mehr geht es nicht, wer mehr erwartet hat nach den verkorksten letzten Jahren gehört zu den Phantasten und hat wohl nicht richtig hingesehen, wie der VfB fast schon systematisch heruntergewirtschaftet wurde.
Man muss einfach der Realität ins Auge blicken und sehen, dass seit der Meisterschaft 2007 zu viel schief lief auf dem Wasen. Zunächst einmal weckte der Erfolg Begehrlichkeiten, es wurde ein Gehaltsgefüge zugelassen, das nur mit dauerhaften Champions League Geldern zu stemmen gewesen wäre, danke Horst Heldt. Heldt machte (rechtzeitig) den Abflug und zog weiter zu Schalke, wo er im großen Managerspiel auf dem nächsthöheren Level sein Unwesen treiben darf.
Dann kam der Einzelhandelskaufmann und Sport-1-„Experte“ Fredi Bobic zu Manager- und Sport-Vorstands-Ehren, entließ zuerst Christian Groß, der davor noch eine sensationelle Rückrunde hingelegt hatte und installierte erst Jens Keller und später Bruno Labbadia als neue Übungsleiter. Der Kader wurde gnadenlos ausgedünnt und die Mannschaft Jahr für Jahr noch mehr geschwächt. Querdenker, die offen Kritik an den Personalentscheidungen Bobic‘ geäußert hatten, wurden mundtot gemacht oder weggemobbt, Ja-Sager und Bobic-Freunde wurden auf existentiell wichtigen Positionen installiert oder, auf Deutsch gesagt, „kamen unter“. Kritik war intern verpönt, ein Kuschelkurs begleitet vom sportlichen Niedergang. Der mächtige Aufsichtsrat sah diesem Treiben tatenlos zu, ging und geht es noch immer auch dort nur um das Behalten seines Postens und seiner Macht. Der Leistungsgedanke wurde lange Jahre ad absurdum geführt, der große Knall oder das Platzen dieser Seifenblase kam im letzten Jahr.
Zu einem Zeitpunkt, als es bereits klar war, dass die Liaison mit Labbadia sich dem Ende zuneigt, nickte der Aufsichtsrat sowohl dessen Vertragsverlängerung ab, wie 1 ½ Jahre später auch die Vertragsverlängerung von Vedad Ibisevic, der in der Fangemeinde spätestens seit seines Aussetzers gegen Augsburg eine persona non grata war. Die versprochene Aufarbeitung der vorletzten Saison blieb gänzlich aus, Bobic durfte noch weiter wursteln, um (endlich) im Herbst 2014 von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Wie bei Labbadia im Übrigen erst nachdem die Kurve mobil gemacht hat, davor wurden die Probleme ausgesessen und dem weiteren Niedergang tatenlos zugeschaut.
Armin Veh, für mich inzwischen ebenfalls eines der Gesichter unseres sportlichen Niedergangs, man erinnere sich nur an seine Wunschspieler Bastürk, Ewerthon und Gledson, aber auch an die Naivität, mit der er in der letzten Saison in seine zweite Amtszeit ging, kam also gestern als Eintracht-Trainer zurück ins Neckarstadion. Ihm würde ich in Frankfurt einen ähnlichen Abgang wünschen, wie er ihn bei uns im letzten Jahr hingelegt hat, umso bitterer, dass wir ihm zumindest gestern dazu verholfen haben, dass er sich erst einmal nicht über mangelndes Glück zu beklagen braucht.
Aber, zurück zu den Sünden der Vergangenheit. Nach Veh kam Retter Huub, dessen Aufgabe es lediglich war, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und uns die Bundesliga zu sichern, was er letztendlich, hauchdünn zwar, aber doch mit Bravour erledigt hat. Dennoch verstehe ich die Rufe nach einer erneuten Rückkehr des Niederländers nicht.
Für mich steht das Projekt Wiederaufbau unter Dutt/ Zorniger am Anfang und genießt eine Art Welpenschutz. Viele Jahre Misswirtschaft lassen sich nicht durch Handauflegen und auf einen Schlag wegwischen. Eine langfristig angelegte Strategie hat Dutt bei der vielbeachteten PK nach der Saison vorgestellt und uns dabei auch wissen lassen, dass es einige Transferperioden dauern würde, bis man sämtliche Altlasten beseitigt haben wird. Diese Geduld ist nicht nur gefragt, wenn es darum geht, Schwachstellen loszuwerden sondern auch, was Neuzugänge angeht, die Zornigers Personalpuzzle vervollständigen. Zorniger warb bei Amtsantritt ebenfalls um Geduld und bereitete uns darauf vor, dass das neue VfB-Spiel „wild“ werden würde.
So wild hat er es sich sicherlich auch nicht vorgestellt. Zehn Gegentore und zwei Platzverweise nach drei Bundesligaspielen sind eindeutig zu viel. Und trotzdem müssten wir darüber wohl nicht diskutieren, wenn alle hundertprozentigen Torchancen verwertet worden wären. Ich sehe eine Verbesserung und vor allem gesteigerte Attraktivität in unserem Spiel im Vergleich zu den Vorjahren. Phasenweise spielt der VfB einen begeisternden Fußball, der nicht mehr mit den einschläfernden Partien aus der Labbadia-Ära zu vergleichen ist. Es ist Action drin, Spielfreude, offensichtlich keine taktischen Fesseln für unsere Offensivkräfte. In Mittelfeld und Angriff sind wir sehr gut besetzt, die Abwehr ist und bleibt aber die Achillesferse. Das hohe Verteidigen, wie es im neuen System vorgesehen ist, birgt Risiken und hat einen Hauch von Harakiri, wenn man nicht die richtigen Spieler dafür hat. Dafür brauchst Du pfeilschnelle, aufmerksame und auch intelligente Spieler, die einen Blick für die Abseitslinie haben und gedankenschnell sind.
Hlousek ist zum einen kein gelernter Innenverteidiger, bringt für mich aber auch sonst nichts mit, was rechtfertigt, dass er Woche für Woche in der Startelf spielt. Sein gestriges Eigentor verstehe ich auch heute noch nicht, diesen Ball hätte er ins Aus klären müssen oder auch, mit einer gewissen Technik, gar mit der Hacke wegbefördern können. Zudem hebt er immer wieder das Abseits auf, so dass er für mich ein absolutes Sicherheitsrisiko darstellt und nach der Verpflichtung von Sunjic hoffentlich wieder ins zweite Glied zurückkehrt. Das eigentlich skandalöse bei diesem Trauerspiel Innenverteidigung ist, dass Schwaab und Niedermeier noch schwächer sind und wohl bis auf weiteres keine Alternative für die Position neben Timo Baumgartl sind. Konsequent wäre es also, in einer der nächsten Transferperioden auch Abnehmer für diese beiden zu suchen!
Schwaab durfte gestern dennoch (erwartungsgemäß) mal wieder sein Unwesen treiben, als Ersatz für den gesperrten Klein. Der Ex-Freiburger ist für mich einer derer Spieler, die nicht für #aufbruch1893 stehen sondern eher für #bauchschmerzenreloaded. In Co-Produktion mit Gentner und Werner leitete er unseren gestrigen Genickbruch, das 1:3 und damit auch die rote Karte von Tytoń ein.
Tytoń machte jetzt bereits im dritten Bundesligaspiel zum dritten Mal keine glückliche Figur, auch wenn er, wie erwähnt, gestern von seinen Vorderleuten sträflich im Stich gelassen wurde. Auf dieser Position haben wir uns noch nicht verbessert, was ich mir nach Ulreich nicht hätte vorstellen können. Umso bitterer, dass die vorgesehen Nummer 1 Mitch Langerak wohl mindestens noch zwei Monate ausfallen wird. Kommt jetzt die große Chance für Odisseas Vlachodimos oder wird doch noch ein weiterer Torwart, gestern soll Timo Hildebrand im Gespräch gewesen sein, verpflichtet? Bei Hildebrand würde zumindest die Zeit nicht drängen, da er derzeit vereinslos ist und somit auch noch nach dem 31.08. kommen könnte.
Sollte der Platzverweis Tytons aber der (vorgeschobene) Auslöser sein, doch noch einen Schlussmann zu verpflichten, wäre es ein Indiz dafür, dass man weder Tytoń noch Vlachodimos es so richtig zutraut Platzhalter für Langerak zu sein.
Apropos rote Karte, für mich hätte es gelb auch getan, weil ja noch Abwehrspieler auf gleicher Höhe angestürmt kamen und der Stürmer vom Tor weg zog. Der Schiri hat es aber allgemein nicht gut mit uns gemeint. Mindestens einen Elfer müssen wir bekommen. Auch Elfmeter, wie das Handspiel von Abraham, haben wir schon gegen uns bekommen, das sind immer die „Kann-„ aber nicht „Muss-Entscheidungen“, die einen Schiedsrichter gut aussehen lassen, egal was er zusammen pfeift. Die Leidtragenden, mal wieder wir.
Insgesamt habe ich zwei ordentliche Spiele vom VfB gegen Köln und in Hamburg gesehen, die wir aufgrund mangelnder Chancenverwertung und einer Dummheit von Florian Klein verloren haben. Natürlich ist es augenscheinlich, dass die Mannschaft gegen Ende platt ist und die Einwechselspieler mehr Chaos verursachen anstatt Ruhe reinzubringen, dennoch, verwerten wir unsere Chancen zu Beginn der Spiele, könnte man ein Spiel auch mal mit halber Kraft in den letzten 15-20 Minuten nach Hause schaukeln.
Auch nach dem Spiel gegen die Eintracht müssten wir heute nicht unsere Wunden lecken, wenn wir in der ersten Halbzeit die Chancen genutzt hätten. Unbegreiflich wie Martin Harnik es immer wieder „schafft“ in aussichtsreichsten Positionen den Ball zu verstolpern oder aus zwei Metern Torentfernung den Ball in Richtung Cannstatter Wasen zu dreschen. Ich habe lange meine schützende Hand über Harnik gehalten, was er aber in dieser Saison an hochkarätigen Chancen liegen gelassen hat, da fehlen mir die Worte. Stimmt es im Kopf nicht, ist es Unvermögen oder doch mangelnde Klasse? Hier wäre mal unser Psychologe Philipp Laux gefragt. Eine Denkpause auf der Bank dürfte ihm fürs erste gut tun.
Kostic und vor allem Didavi wirkten gestern teilweise gehemmt, kein Wunder nach den Wechselgerüchten dieser Woche und den Zahlen, mit denen den Jungs der Kopf verdreht wird. Es ist ein Unding, dass quasi mitten in der Saison durch einige Transfers eine Lawine losgetreten wird. Von den Engländern werden Summen ausgerufen, die jede menschliche Vorstellungskraft übersteigen. Wenn ein Son für 30 Millionen zu den Tottenham Hotspurs wechselt und Leverkusen, um diese Lücke zu schließen, einen erneuten Anlauf bei Didavi startet, ist das für einen Verein wie den VfB fatal. Natürlich kannst Du Deine Wertschätzung für den Spieler dokumentieren und ihm einen neuen Vertrag anbieten, gehst auch an Deine Schmerzgrenze, lass sie zwischen 2,5 Millionen und 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt sein, wenn dann aber ein Verein wie Leverkusen lockt und zwischen 6 und 10 Millionen bietet, hast Du als VfB keine Chance, den Spieler langfristig zu halten. Da kann man nur darauf hoffen, dass Dankbarkeit und Heimatverbundenheit mehr zählen als der schnöde Mammon, Dida seinen Vertrag vielleicht noch verlängert, um uns irgendwann einmal eine stattliche Ablösesumme zu sichern.
Bei Kostic ist der Fall etwas anders gelagert. Wolfsburg, durch den De Bruyne Transfer um mindestens 75 (!) Millionen Euro reicher, sucht, zwei Tage vor Transferschluss, Ersatz und ist natürlich auch auf Filip Kostic aufmerksam geworden. Ein Verkauf ist aus VfB-Sicht nicht notwendig, da Kostic einen Vertrag bis 2019 besitzt und sicherlich noch günstigere Zeiten kommen werden, ihn für viel Geld abzugeben, nämlich dann, wenn man noch ein ausreichend großes Zeitfenster hat, um sich um einen adäquaten Ersatz zu bemühen.
Auf der anderen Seite aber wird es für den klammen VfB immer eine Schmerzgrenze geben, bei der man fast nicht anders kann, als einem Wechsel zuzustimmen. Daher nehme ich die Statements von Dutt, dass kein Leistungsträger mehr abgegeben werde, nicht ganz ernst. Im Fußballgeschäft ist doch alles nur noch eine Frage des Preises.
Ob die Meldungen stimmen, nach denen Kostic unbedingt weg möchte, weiß man nicht. Schwach wäre es von ihm auf jeden Fall, da er den Vertrag bei uns sicherlich im Zuge voller geistiger Zurechnungsfähigkeit unterschrieben hat. Außerdem fiele ihm das recht früh ein, dass er sich hier und mit seiner etwas anderen Rolle nicht mehr wohlfühle. Seine „Unzufriedenheit“ scheint also seine Ursache darin zu haben, dass Bewegung in den Transfermarkt gekommen ist. Holt Wolfsburg einen De Bruyne Ersatz? Hat man sich Kostic ausgeguckt oder doch Draxler? Wenn Draxler, ist dann Kostic ein Thema auf Schalke als dessen Nachfolger? Sportlich wäre sein Abgang ein herber Verlust, mit seiner Schnelligkeit ist er in unserem Spiel eine Waffe, auf der anderen Seite sagte Zorniger ja bereits vor Saisonbeginn, wer sich mit der Aufgabe beim VfB nicht identifiziere und wer nicht gerne und mit Überzeugung das Trikot mit dem Brustring überstreife, solle bei ihm vorstellig werden und man würde eine Lösung finden.
Diese Möglichkeit nutzte bereits Antonio Rüdiger, der nach langem Hickhack und möglicherweise unter Wert zur Roma wechselt. Dieses Theater und auch seine Verletzung, die er sich zuzog, als es schon keinen Weg zurück mehr gab, sind für mich maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir mit einer Not-Innenverteidigung in die Saison gehen mussten. Dutt sind nun mal die Hände gebunden, so dass er zunächst Transfererlöse generieren musste, bevor er auf große Shopping-Tour gehen durfte. Das Ausdünnen des Kaders hat ja nicht nur Geld gebracht, sondern auch Abfindungszahlungen bis hin zu weiteren (Teil-)Gehaltszahlungen an Spieler, die uns verlassen haben, nach sich gezogen. Bis der Kader, an dem sich Fredi Bobic messen lassen wollte, endgültig Geschichte ist, dauert es also noch eine ganze Weile. Rüdiger war somit der einzige, für den ein fetter Transfererlös zu erwarten war. Daher umso ärgerlicher das Possenspiel, das sein Halbbruder Sahr Senesie und Rüdiger selbst über Wochen abgezogen haben, weil es den VfB wertvolle Zeit und mangelnde Planungssicherheit gekostet hat.
Heute wurde endlich der Abschied von Vedad Ibisevic, ausgerechnet zur Berliner Hertha, unserem nächsten Gegner, verkündet. Ich hätte ihn zwar lieber in der griechischen Liga gesehen bzw. nicht gesehen, aber, Hauptsache weg. Hoffentlich zahlt die Hertha wenigstens sein volles Gehalt, wenn auch schon vermutlich keine Ablöse fällig werden dürfte. Wie schon erwähnt, seine Vertragsverlängerung, eine dieser vielen nicht nachvollziehbaren Handlungen des Einzelhandelskaufmanns aus dem Hallschlag. Ich hoffe jetzt schon, dass sein bosnischer Nationalmannschaftskollege Sunjic in Berlin sein Debüt feiert und vor allem weiß, wie man Vedad an die Kette legt, sollte dieser überhaupt schon für die Hertha ran dürfen. Er wäre schließlich nicht der erste Ex-VfBler, der uns genüsslich ein Ei ins Nest legt.
Gut, dass auch dieses Kapitel beendet ist, ein Weg zurück in den Kader wäre schwer vorstellbar gewesen, auch wenn ich Ibisevic in St. Gallen fast schon als vorbildlichen und auch volksnahen Profi erlebt habe. Immer höflich, wohlerzogen und als vollwertiges Mitglied der Mannschaft. Als Tribünendauergast war er natürlich zu teuer, würde Ginczek mal wieder langfristig ausfallen, aber, wäre es noch einigermaßen beruhigend gewesen, auf einen Ibisevic zurückgreifen zu können. Kliment ist noch nicht so weit, Harnik und Werner treffen das Tor nicht und ob Dida und Kostic auch am Dienstag noch da sind, weiß man derzeit noch nicht. Daher darf Daniel Ginczek im Grunde nichts passieren, es sei denn, man holt noch eine weitere Alternative fürs Sturmzentrum.
Ich hoffe sehr, dass der VfB personell noch nachlegt bzw. auch nachlegen kann. Außer einem Stoßstürmer, evtl. einem Torwart, stünden uns auch ein weiterer Innenverteidiger (damit Hlousek nur noch zweite Alternative ist) und ein zentraler Mittelfeldmotor, der unserem Kapitän mal Beine macht, gut zu Gesicht.
Man weiß nicht, was Zorniger von Gentner hält, ob er ihn als Fixpunkt seines Systems sieht oder er ihn „nur“ übernommen hat und sich nicht getraute, gleich zu Beginn ein Denkmal, den Kapitän zu rasieren. Er ist für mich nach wie vor meist nur ein Mitläufer, im wahrsten Sinne des Wortes, einer, der mit dem Strom schwimmt und vor allem auch im Strom untergeht, ohne sich groß zu wehren. Sinnbildlich gestern vor dem 1:3, das durch seinen schlampigen Pass auf Schwaab eingeleitet wurde. Im Gegensatz zur Ära Bobic/ Labbadia sind die Stimmen zum Spiel von Dutt und Zorniger ja wohltuend selbstkritisch und vor allem realistisch. Keine Schönrederei, Klartext, man merkt endlich mal, dass diese Herren das gleiche Spiel gesehen haben. Wenn ich dann aber unter den Stimmen zum Spiel das Statement von Christian Gentner lese, führt mir dieses deutlich vor Augen, dass Gentner eben auch noch ein Überbleibsel aus der schlechten alten Zeit ist:
„Beim Spielstand von 1:3 zu zehnt gegen einen solchen Gegner zurückzukommen ist nicht einfach. Aber es ist, wie es ist. Und in der Pause gilt es, für die, die das sind, hart zu arbeiten, sodass wir topmotiviert zum nächsten Spiel zurückkommen.“
Hört sich fast so an, dass das Spiel erst beim Stand von 1:3 begonnen hat, „hart arbeiten“ und „topmotiviert zurückkommen“ kann man in den Stimmen aus den letzten vier Jahren wohl hundertfach nachlesen.
Aber, zurück zu den Transfergerüchten und der Hektik, die jetzt noch auf dem Transfermarkt herrscht. Meiner Meinung nach sollte der Transfermarkt vor Saisonbeginn geschlossen werden und, wenn nicht, ein Reglement ähnlich dem der europäischen Wettbewerbe eingeführt werden, wonach man innerhalb einer (wenigstens) Halbserie nicht für zwei Vereine im gleichen Wettbewerb auflaufen darf. Für die Öffentlichkeit und die zahlungskräftigen Vereine mag es ja ein Spektakel sein, für einen kleinen Verein wie den VfB, als den wir uns demütig zählen sollten, ist es sehr gefährlich, womöglich jetzt, zur Unzeit, noch einen Leistungsträger zu verlieren.
Zu Beginn dieses Berichts habe ich weit ausgeholt und Punkte aufgeführt, die zu unserem sportlichen Niedergang führten. Vom Deutschen Meister durchgereicht zu einer grauen Maus der Bundesliga, Vereine, die man 2007 noch gar nicht wahrgenommen hatte, haben uns inzwischen den Rang abgelaufen und uns überholt.
Wenn ich einmal die von Labbadia und Bobic vielzitierte Demut unterschrieben hätte, dann jetzt, wo alle Zeichen auf Neubeginn stehen. Darum ärgert es mich auch maßlos, wenn von vielen schon nach drei Spielen alles in Frage gestellt wird und dem Projekt keine Zeit zugestanden wird. Viel schlimmer wäre es für mich gewesen, wenn wir die Spiele chancenlos hergegeben hätten, dem war aber nicht so. Bis auf die zweite Halbzeit gestern waren wir die spielbestimmende Mannschaft, agierten aktiver, zwangen den Gegner zu Fehlern und arbeiteten uns hochkarätige Chancen heraus. Dass Zorniger diese offensive Ausrichtung selbst überdenken wird, hat er gestern verlauten lassen.
Was wir jetzt unbedingt brauchen, ist Ruhe im Umfeld und keine Panik. Diejenigen, die jetzt schon wieder nach Huub schreien oder zumindest prophezeien, dass Zorniger spätestens nach dem Schalke-Spiel nicht mehr auf der VfB-Bank sitzen würde, wünschen sich wohl den „Fußball“ der letzten Jahre zurück. Ich tue das nicht. Ich habe vollstes Vertrauen in die Arbeit von Dutt und Zorniger und bin bei ihnen, dass dieser Umbau Zeit braucht. Natürlich müssen schnellstmöglich Ergebnisse her, diese werden aber kommen, daran habe ich keine Zweifel. In der Liga gibt es einige Mannschaften, die wir am Ende hinter uns lassen können sollten, 30 Punkte plus „x“ zu erreichen sollte für die Truppe kein Problem darstellen.
Ich fände es fatal, schon jetzt wieder zurückzurudern und gegen seine eigene Überzeugung zu handeln. Zorniger trat seinen Dienst beim VfB topmotiviert an. Er hat es scheinbar geschafft – er darf erstmals als Trainer eines Bundesligisten fungieren, das dazu noch direkt vor der Haustür und wo man seinen schwäbischen Dialekt versteht und er zudem noch viele Bekannte aus seiner Co-Trainer-Tätigkeit 2009 wiedertraf. Ein richtiger Traumjob für ihn also und daher sicher als langfristiges Projekt angelegt. Er ist keiner derer Trainer, die eben weiterziehen, wenn es nicht funktioniert oder einfach abhauen, wenn das Glück fehlt. Zu letzterem wäre ja bereits nach den ersten drei Spielen der Anlass gegeben, aber, Zorniger wird kämpfen und versuchen mit aller Macht den Bock umzustoßen, bevor die Mechanismen der Branche zu greifen drohen. Er dürfte auch nicht so stur sein, die Mannschaft Woche für Woche ins Verderben rennen zu lassen, sondern wird, wenn man am Montagabend endlich weiß, wie die Mannschaft für den Rest der Vorrunde aussehen wird, die Mannschaft defensiv zu stabilisieren versuchen und sich vor allem auf die Suche nach einer ausgewogenen Balance zwischen Offensive und Defensive begeben, am besten ohne sich unseres enormen Offensivpotentials zu berauben. Zu denen, die ihm das nicht zutrauen, fällt mir immer noch der gute alte Trapattoni-Klassiker „Ein Trainer ist nicht ein Idiot“ ein.
Die Länderspielpause kommt für uns zur rechten Zeit. Der eine oder andere Nationalspieler wird mit einem Erfolgserlebnis und breiter Brust zurückkehren, Sunjic und vielleicht der eine oder andere weitere Neuzugang stehen in Berlin erstmals zur Verfügung und Leute wie Didavi und Kostic haben jetzt zwei Wochen lang Zeit, sich damit abzufinden, dass sie mindestens noch ein weiteres Jahr beim VfB bleiben werden. Als Schlusslicht werden wir dort erst einmal als Außenseiter antreten, ich bin aber vorsichtig optimistisch, dass wir dort die Wende einleiten können, wenn wir ähnlich forsch wie in Hamburg antreten. Freue mich schon darauf, den VfB in die Hauptstadt zu begleiten, und das ausnahmsweise mal nicht an einem Freitagabend.
Ein Wort noch zur gestrigen „Schweigeminute“ für unseren verstorbenen Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. Die Frankfurter Würstchen haben einmal mehr die Grenzen des schlechten Geschmacks unterschritten, ein No-Go und menschlich ein Armutszeugnis, wenn man nicht dazu imstande ist, einen Mann für einen Moment zu würdigen, der in seinem Leben allein mehr erreicht hat, als die 2.000 Assis im Gästeblock zusammen.

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18. August 2015

Klasse Auftakt, keine Punkte!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 07:33

Auch nach 24 Stunden Abstand sehe ich diese Niederlage nicht als Beinbruch an. Gegen DEN Angstgegner schlechthin nach guter Leistung sehr unglücklich verloren, da gab es in den letzten Jahren weitaus ärgerlichere Niederlagen, nämlich die, wo das Team alles vermissen ließ, was den Fußball ausmacht und nie den Hauch einer Chance hatte, die Partie positiv zu gestalten. Ich habe zwar heute auch schon Stimmen gelesen von Leuten, denen es lieber gewesen wäre, wenn schon verloren wird, dann bitteschön nach katastrophaler Leistung oder wenn der Gegner um Längen überlegen ist. Ich sehe das nicht so!
Bis zum Elfmeter war es doch ein begeisterndes Spiel der Mannschaft, das einen streckenweise von den Sitzen riss und wie man es schon lange nicht erlebt hat.
Aus dieser Niederlage kann man Hoffnung schöpfen. Eben weil man sich Chancen en masse herausgespielt hat und diese sicher nicht jedes Mal so leichtfertig vergeben werden. Weil wir in Daniel Didavi und auch Filip Kostic Spieler in unseren Reihen haben, die den Unterschied ausmachen (können). Weil Pressing und Gegenpressing immer besser funktionieren und den Kölnern so phasenweise keine Luft zum Atmen gelassen wurde. Weil sich die Mannschaft in den Zweikämpfen geschickter verhält und mehr Bälle zum eigenen Mann bringt als in den letzten Jahren. Das alles sind Ansätze, die mich hoffnungsfroh stimmen. Köln ist schließlich auch keine Kirmestruppe und vor allem in der Regel defensiv gut geordnet. Die muss man erst einmal so in Verlegenheit bringen, wie es der VfB gestern ein ums andere Mal tat.
Wir sind erst am Anfang einer Entwicklung. Sollte der Rüdiger-Transfer (endlich) über die Bühne gegangen sein, wird das eingenommene Geld sicherlich sofort in einen (vielleicht auch zwei) Nachfolger reinvestiert und eine weitere Baustelle geschlossen. Mitch Langerak, für mich die designierte Nummer 1, dürfte bald wieder zur Verfügung stehen, Serey Dié vermutlich schon in Hamburg. Vor allem Serey Dié ging uns mit seiner Robustheit gestern ab. 29% gewonnene Zweikämpfe von Gentner im zentralen Mittelfeld sind viel zu wenig, Gentner muss meiner Meinung nach den Schalter noch umlegen und sich schleunigst an das neue (schnellere) VfB-Spiel gewöhnen, die Zeiten des Phlegmatismus gehören offensichtlich der Vergangenheit an.
Es ist also noch einiges an Verbesserungspotential vorhanden. Man mag sich kaum ausmalen, was alles erst möglich ist, wenn ein Rädchen ins andere greift und vorne noch die Chancen genutzt werden.
Daher ist jetzt einfach mal Geduld gefragt und es gehört sich nicht, nach dem zweiten Pflichtspiel einer Saison schon wieder alles in Frage zu stellen. Selbst, sollte das Gastspiel im Volkspark auch noch in die Hose gehen, wäre es verfrüht den Stab über die Mannschaft, den Trainer, die Systemumstellung oder sonst noch etwas zu brechen. Nach vier Jahren Stillstand und Rückschritt ist erstmals wieder ein Konzept, ein Plan, eine Entwicklung zu erkennen, das genügt mir fürs erste und ich bin mir sicher, die Erfolgserlebnisse werden kommen, früher oder später, am liebsten natürlich schon am Samstag in Hamburg.

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1. August 2015

Der Worte sind genug gewechselt, lasst Taten sprechen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 09:56

Heute ist es genau zehn Wochen her, als Daniel Ginczeks Siegtor und Deniz Aytekins Schlusspfiff in Paderborn die gesamte VfB-Fangemeinde in Ekstase versetzte. Unvergessen die Szenen, die sich im Gästebereich (trotz alkoholfreiem Bier) abspielten, unvergessen auch die lange Heimfahrt und die Aufeinandertreffen mit anderen Fans auf den Rasthöfen der Republik, als man zahllosen wildfremden Menschen in den Armen lag und mehr als nur eine Träne der Freude verdrückte. So unfassbar der Schlussspurt war, der mir noch immer eine Gänsehaut bereitet, wenn ich daran denke, gilt es nun den Blick nach vorne zu richten.
Bereits seit Ende Juni bereitet sich der VfB auf die neue Saison vor. Akribisch genug, um uns (und sich selbst) eine weitere Zittersaison hoffentlich zu ersparen. Das von Präsident Wahler bereits in der vorvergangenen Saison so strapazierte „ein Weiter so wird es nicht geben“, wird nun von Robin Dutt, wie in der vielbeachteten Saisonabschlusspressekonferenz bereits angekündigt, mit großer Konsequenz und viel Elan vorangetrieben. Es ist so ziemlich alles neu auf dem Wasen. Allem voran der neue Cheftrainer Alex Zorniger, sein neuer „Co“ André Trulsen, Teambetreuer Günne Schäfer, Sportpsychologe Laux, um nur einige Veränderungen innerhalb des Funktionsteams zu nennen. In der Mannschaft stehen acht Abgängen acht Neuzugänge entgegen, wobei bei diesem „Kommen und Gehen“ das letzte Wort sicherlich auch noch nicht gesprochen ist. Der Kader ist nach wie vor zu groß, um ein effizientes und allen gerecht werdendes Arbeiten zu gewährleisten, zudem konnte in der Innenverteidigung noch immer keine Verstärkung an Land gezogen werden.
Das wochenlange von Antonio Rüdiger und dessen Halbbruder und Beraters Sahr Senesie initiierte Wechseltheater behinderte den VfB fatal in seinen Planungen. Zwölf Millionen Euro von Wolfsburg, 18 Millionen Euro von Athletico Madrid oder dem FC Chelsea, alles schien möglich. Offensichtlich aber hatte sich das Duo verzockt und es sich mit der einen oder anderen Partei verscherzt, da dem Vernehmen nach immer neue Forderungen auf den Tisch kamen, so dass nach und nach alle potentiellen Abnehmer schon allein aufgrund fehlender Seriosität Abstand von diesem Geschäft nahmen. Zumindest auf Wolfsburg trifft das zu, ins Ausland will Rüdiger (noch) nicht gehen, so dass von dort alle Anfragen abgeblockt wurden, wie berichtet wurde.
Zu allem Überfluss wurde bei Rüdiger nach seinem allerersten Mannschaftstraining nach seinem (Sonder-)Urlaub eine leichte Belastungsreaktion am im Dezember operierten Knie festgestellt, die einen arthroskopischen Eingriff notwendig machte. Von der anfangs kolportierten Verletzungspause von etwa vier Wochen ist längst keine Rede mehr. Mittlerweile geht man eher davon aus, dass man Rüdiger vor Oktober nicht mehr auf dem Platz sehen wird. Robin Dutt sind daher (finanziell) die Hände gebunden. Er muss jetzt den Spagat schaffen, einen adäquaten Ersatz zu holen, der (so gut wie) kein Geld kostet, wäre es doch ein enormes Risiko, lediglich mit Timo Baumgartl, Georg Niedermeier und Stephen Sama in die Saison zu gehen. Ich finde es äußerst unfair und egoistisch von den Herren Rüdiger und Senesie, den VfB über Monate im Unklaren zu lassen. Es hat den Anschein, sie bekämen den Hals nicht voll, dabei sollte einem Profi, der von einem Verein alle Möglichkeiten erhielt, sich zum Nationalspieler zu entwickeln, auch daran gelegen sein, dem Verein etwas zurückzugeben, und das erstrecht, wenn es noch einen laufenden Vertrag gibt. Der VfB kann dabei die Wechselbedingungen vorgeben, an die sich die andere Partei in Gottes Namen auch halten muss.
Mir erscheint die Angelegenheit so, als wolle Rüdiger auf Teufel komm raus seinen Marktwert checken, wer auf der Strecke dabei bleibt, ist der VfB und so mancher Verein, der Arbeit und Energie in einen möglichen Wechsel Toni Rüdigers steckte. Damit machen sich Rüdiger und Senesie keine Freunde und setzen ihren Ruf aufs Spiel. Toni wäre gut beraten zurückzurudern und die Verhandlungen wieder in die Hände von Uli Ferber zu legen.
Schaffen sie nicht bald Klarheit, könnten sie sich ganz schnell aufs Abstellgleis manövrieren, nämlich dann, wenn der VfB es doch schaffen sollte, einen adäquaten Ersatz zu holen, der mit Timo Baumgartl zusammen eine verlässliche Innenverteidigung bildet und Toni so vergessen macht, dass nach seiner Genesung überhaupt kein Anlass mehr besteht, dieses Duo auseinander zu reißen.
Ansonsten sehe ich uns ganz gut aufgestellt. Welch enormes Potential in der Offensive vorhanden ist, hat man ja bereits am Ende der Vorsaison gesehen. Schön, dass uns diese dem Anschein nach komplett erhalten bleibt. Sowohl Daniel Didavi als auch Alexandru Maxim scheinen sich mit dem Bleiben angefreundet zu haben, sogar eine Vertragsverlängerung ist wohl in beiden Fällen möglich, was mich sehr freuen würde. Im neuen System, in dem viel durch die Mitte gehen soll, wird es sicherlich das eine oder andere Spiel, die eine oder andere Spielsituation geben, wo beide gemeinsam auf dem Platz stehen können. Ein Opfer dieser neuen Philosophie könnte Filip Kostic werden, der ganz klar seiner Stärken beraubt werden würde. Hier möchte ich aber den ersten Pflichtspielen nicht vorgreifen, da ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass Alex Zorniger Kostic‘ enormes Potential nicht ausschöpfen möchte. Im defensiven Mittelfeld führt momentan kein Weg an Serey Dié und Christian Gentner vorbei, wobei sich der Kapitän umstellen muss, um mit dem schnellen Umschaltspiel Schritt zu halten. Als starke Alternative stehen Lukas Rupp und auch Perspektivspieler Mart Ristl bereit.
Auch der Angriff bereitet mir keine Bauchschmerzen. Gesucht wird wohl lediglich der Sturmpartner des gesetzten Daniel Ginczek, der, sofern er fit bleibt, einer jener Stürmer ist, die für 20 Tore pro Saison gut sind. Ob Timo Werner, Jan Kliment, Martin Harnik oder doch Vedad Ibisevic. Vielleicht findet sich ja noch ein Abnehmer für Ibisevic, wobei es sich allerdings als schwierig erweist, einen Verein zu finden, der ihm sein (gewohntes) Gehalt bezahlt und ihm zugleich eine sportliche Perspektive bieten kann. Wenn nicht, bleibt er eben. Ihn würde ich keinesfalls abschreiben, hat er doch noch immer eine gewisse Qualität zu bieten, die er bei Länderspielen immer wieder aufblitzen lässt. Natürlich hat er es bei uns seit seinem Fauxpas in der vorletzten Saison gegen Augsburg schwer, wünschen ihn viele zum Teufel, aber, wenn er denn mal wieder die Kiste trifft, sieht die Welt sicher auch schon wieder anders aus. Gewöhnt es ihm Zorniger ab, bei jeder noch so kleinen Berührung zu fallen, spielt er das Spiel, das ihn über Jahre ausgezeichnet hat, könnte es auch hier eine Wende zum Guten geben. In der Vorbereitung hat er mir sehr gut gefallen, wobei ich hier nicht einmal auf sein fußballerisches Können anspiele. Sein Auftreten hat mir imponiert. Trotz seiner verfahrenen Situation lässt er sich nicht hängen, zieht voll mit, ist freundlich, ob zu Fans, Mannschaftskameraden und den Mitgliedern des Funktionsteam. Wenn man so nah dran ist, wie wir beim Trainingslager in St. Gallen, erkennt man schon, dass er ein feiner Mensch ist und die Beurteilung von außen nicht immer zutrifft. Natürlich heiße und hieß ich die so überraschende Vertragsverlängerung und Gehaltsaufstockung, die ihm Fredi Bobic gab, vor allem zu diesem Zeitpunkt für einen Hohn und völlig unangebracht. Dafür kann aber Ibisevic nichts, jetzt gilt es für alle Seiten pragmatisch zu denken und das Beste aus der Situation zu machen.
Was lange mein „Lieblingsthema“ war, handele ich an dieser Stelle kurz ab: Mehr als ein Fingerzeig in puncto neue Nummer Eins war wohl, dass Mitch Langerak die Nummer 1 auf dem Trikot erhielt. Gut, auch wenn uns Sven Ulreich weismachen möchte, die Trikotnummer wäre unbedeutend, in diesem Fall war dies für mich schon ein wichtiges Indiz, mit wem der VfB zwischen den Pfosten plant, zumal Langerak auch kaum auf den Wasen gewechselt wäre, wenn er nicht eben diese Perspektive aufgezeigt bekommen hätte. Umso ärgerlicher, dass Langerak seit dem Trainingslager im Zillertal verletzt ausfällt und durch Przemysław Tytoń vertreten werden muss. Dieser macht seine Sache zwar ordentlich, ich sehe aber noch Steigerungspotential. Rückpässe auf ihn als Linksfüßer erinnern mich an die grausige Zeit mit Raphael Schäfer, ähnlich wie Ulreich hat auch er seine Stärken mehr auf der Linie als in der Strafraumbeherrschung und in der Spieleröffnung. In diesen Punkten sehe ich Langerak stärker. Nichtsdestotrotz habe ich mit diesen beiden Keeper, und, nicht zu vergessen Odi Vlachodimos, ein viel besseres Gefühl als in den letzten Jahren mit Ulreich.
Namen sind im neuen System Zornigers ohnehin Schall und Rauch. Wichtiger ist die Umsetzung der Spielidee, die Verinnerlichung der den Positionen beinhalteten Aufgaben und dass der Kopf mindestens genauso gut funktioniert wie der Körper. Man merkt es in diesen Tagen deutlich, wie sehr diese Kopfarbeit die Spieler fordert, den einen oder anderen vielleicht auch überfordert. Zornigers Augenmerk in den nächsten Wochen wird darauf liegen, aus seinem großen Repertoire an einsatzbereiten Spielern diejenigen Männer auszuwählen, die in das Puzzle am besten passen, die bereit sind dazu zu lernen und sich Neuerungen nicht von vornherein verschließen. Mein Eindruck der drei Tage im Zillertal und vor allem der knappen Woche in St. Gallen ist, dass alle hervorragend mitziehen und fast dankbar für die neuen Impulse sind. Es ist Bewegung in den Laden gekommen, Verdienste und Leistungen von gestern zählen kaum mehr, jeder ist in der Pflicht sich neu zu beweisen und sich dem neuen Trainerteam anzubieten. Jeder, wirklich jeder, zieht mit, einen Stimmungstöter oder gar einen Stinkstiefel sucht man (zum Glück) vergebens.
Stand für mich aufgrund der begrenzten Zeit von drei Tagen im Zillertal noch eher das Freunde treffen im Vordergrund und war es mir dort auch auf der sonnendurchfluteten Tribüne bei brütender Hitze schlicht zu anstrengend, die Einheiten konzentriert zu verfolgen, war es letzte Woche in St. Gallen weitaus entspannter. Zeitweise waren wir zwar auch der prallen Sonne ausgesetzt, die Temperaturen aber waren doch erträglicher als im Zillertal.
Zwischen Zillertal und St. Gallen nahmen wir noch den Test in Bern mit. Wenn wir uns schon seit einiger Zeit von internationalen Ambitionen verabschieden mussten, so ließen wir uns die Gelegenheit nicht nehmen, ein wenig „Stuttgart International-Flair“ im Rahmen der Saisoneröffnung der Young Boys Bern zu schnuppern. Machte uns beim letzten Besuch des Wankdorf-Stadions noch ein selten erlebtes Schneechaos zu schaffen, so mussten wir dieses Mal eher der Hitze trotzen. Trotz der Enttäuschung über das 1:4 und darüber, dass das Stadion nur sehr spärlich gefüllt war, hatten wir jede Menge Spaß, den wir uns nicht einmal durch die horrenden Preise nehmen ließen. Beim Wechselkurs von fast 1:1 kam man sich schon wie ein armer Mann dort vor, was mich dazu bewog, auf rein flüssige Nahrung sowie die mitgebrachten Fleischküchle zu setzen. 23 Euro für eine Pizza, 6,50 € für eine Stadionwurst, 10 Euro für einen Döner, 5,50 € für eine Butterbrezel oder gar 33 Euro für ein Cordon Bleu, zu viel für einen sparsamen Schwaben.
Bereits ein paar Tage vor dem Test in Bern gab der VfB bekannt, sein zweites Trainingslager in St. Gallen abhalten zu wollen. Lang hatten wir darauf gewartet, um endlich planen zu können. Der (frühe) Termin im Zillertal war eher der Tatsache geschuldet, dass man aufgrund der Werbepartnerschaft mit zillertal.at zu einer frühen Festlegung verpflichtet war, um dem Werbepartner die Gelegenheit zu geben, diesen Event zu vermarkten und kräftig die Werbetrommel zu rühren. Das Trainingslager im Zillertal musste daher bereits im März fix terminiert werden, zu einem Zeitpunkt also, das man noch überhaupt nicht wusste, ob man sich dort für die erste oder für die zweite Bundesliga vorbereiten würde. Als der Klassenerhalt dann endlich feststand, war es klar, dass dieses Trainingslager im Zillertal, in dem die Nationalspieler erst nach und nach dazu stießen, eher ein Lauf- und Grundlagentrainingslager werden und ein zweites folgen würde.
Der VfB tat sich schwer damit zu einem Zeitpunkt, wo bereits fast alles ausgebucht war, ein geeignetes Hotel mit idealen Bedingungen zu finden. So stand der Termin für St. Gallen gerade einmal knapp zwei Wochen vor dem Beginn dieses Trainingslagers, was uns Fans dann auch vor planerische Herausforderungen stellen sollte. Die Bodenseeregion ist im Hochsommer ohnehin stark frequentiert, hinzu kam der Beginn der Bregenzer Festspiele, so dass es an freien (und bezahlbaren) Quartieren mangelte. Eines war für uns aber von Anfang an klar: unser „Basislager“ wollten wir in Österreich aufschlagen und täglich die knapp 40 Kilometer zum Trainingsgelände pendeln. Sowohl die Hotels und Pensionen als auch die Lebenshaltungskosten für Essen und Trinken sind in Österreich, auch direkt an der Grenze, mit den unsrigen vergleichbar und somit absolut im Rahmen. Unsere Wahlheimat schlugen wir in Hohenems auf und überquerten daher in sechs Tagen unzählige Male die österreichisch-schweizerische Grenze. Im Nachhinein betrachtet kann man konstatieren, alles richtig gemacht zu haben, auch wenn unser Quartier nur bis Freitag frei hatte und wir für die letzten beiden Nächte bei Bekannten ziemlich in der Mitte zwischen Hohenems und St. Gallen unterkamen.
Das Trainingslager selbst war eines, wie man es schon in früheren Jahren kennen- und lieben gelernt hatte. Klein aber fein, überschaubar, kein Massenauflauf à la Zillertal. Etwa 30 Voyeure wohnten den Trainingseinheiten bei, einige bekannte Gesichter, die auch immer dabei sind und einige Schweizer oder rund um den Bodensee ansässige, die die Gelegenheit nutzten, ihren Herzensverein einmal hautnah zu erleben. Hautnah ist auch das Stichwort, man ist nah dran wie sonst eigentlich nie, hört die Kommandos der Trainer, schaut in die geplagten Gesichter der Spieler und ist in ständigem Kontakt und Austausch mit den Journalisten, Fotografen, vfb-tv und anderen VfB-Angestellten, dem Team ums Team quasi. So gefällt es mir sehr gut, es war die ganze Woche über eine sehr entspannte und angenehme Atmosphäre.
Da bekommt man natürlich auch Einblicke, wie die Stimmung im Team ist, wie alle mitziehen, ob sich der eine oder andere vor den Übungen drückt, etc. pp. Gerade letzteres habe ich in diesem Jahr kaum erlebt. Anders als Feldherr Veh, der die Arbeit auch gerne mal seinen Assistenten überließ, hat Alexander Zorniger seine Augen einfach überall und verfolgt jede Übung selbst mit und unterbricht, wenn ihm etwas nicht gefällt oder lobt, wenn er Fortschritte erkennt.
Auch wenn noch kein Pflichtspiel gespielt ist, bin ich nach wie vor sehr angetan davon, mit welchem Engagement und mit welchem vorgelebten Enthusiasmus Zorniger Tag für Tag den Platz betritt. Er ist Fußballlehrer im wahrsten Sinne des Wortes, lehrt „seinen“ Fußball und hat die Ambition jeden seiner Spieler besser machen zu wollen. Dazu bedarf es seiner Philosophie und eines Planes, den er stringent verfolgt. Auch die Symbiose mit Robin Dutt gefällt mir in diesem Sommer sehr gut. Die beiden sprechen eine Sprache und sind vor allem ehrlich zueinander und auch zu den Spielern. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wissen diejenigen, mit denen man nicht mehr plant, ganz genau, woran sie sind, so dass auch keiner mehr auf die Idee kommt, bequem seinen Vertrag auszusitzen.
Der nächste auf dem Absprung dürfte Mo Abdellaoue sein, dessen Zeit beim VfB unglücklicher nicht hätte verlaufen können. Mir tut der Junge wirklich leid. So schlecht fand ich den Einkauf damals gar nicht, vor allem zu Europa League Zeiten der 96er hat er mir sehr gut gefallen. Nur, was ich von Anfang an kritisierte, war, dass, bei dem damals praktizierten System mit einer Sturmspitze, die Ibisevic hieß, der Königstransfer Abdellaoue zu teuer war, um „nur“ den Backup für Ibisevic zu geben. Zudem weiß man, dass Mo ein sensibler Spieler ist, dem die Wertschätzung gegenüber seiner Person wichtig ist, so dass er sich recht schnell in sein Schneckenhaus zurückzog, wenn man das von außen überhaupt beurteilen kann. Er hat also innerlich bereits gekündigt, bevor er richtig angekommen war und hatte zudem mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen. Ich hoffe, dass auch dieses Missverständnis bald mit einer Lösung beendet wird, mit der beide Seiten gut leben können.
Dutt bewältigt seinen Job bisher mit einer wohltuenden Unaufgeregtheit und lamentiert nicht wegen der begrenzten Möglichkeiten. Er hat genau gewusst, auf was er sich hier einlässt und nimmt die Situation an wie sie ist. Ich habe derzeit ein sehr gutes Gefühl, dass uns das Duo Dutt/ Zorniger kurzfristig in ruhigere Fahrwasser und mittel- bis langfristig wieder dorthin führen wird, wo wir nach unserem eigenen Selbstverständnis hingehören, nämlich, zumindest heran an die Europa League Plätze. Bis sämtliche Veränderungen greifen, bis der Kader nach deren Vorstellungen umgestaltet ist, auch bis es einmal wieder gelingt Leistungsträgern ein Bleiben schmackhaft zu machen, werden sicherlich Jahre vergehen. Aber, so lang man erkennt, dass an bestimmten Stellschrauben gedreht wird, solang Bewegung im Laden ist, werden die Fans die Arbeit anerkennen und nicht ungeduldig werden. Da bin ich mir ziemlich sicher. Sehr hilfreich wäre dafür natürlich ein guter Start in Pokal und Liga, um erst überhaupt keine Unruhe aufkommen zu lassen.
Höhepunkt der Tage von St. Gallen war zweifellos der Fan-Abend im Mannschaftshotel Säntispark in Abtwil. Seit Bruno Labbadia in Längenfeld ist es gute Tradition, dass uns nicht mehr „nur“ die Neuzugänge und ein, zwei alte Hasen beehren, sondern die komplette Mannschaft einschließlich Trainer- und Betreuerstab zum Fanfest erscheinen.
Wie unser Fanbetreuer Peter Reichert treffend formulierte, waren an diesem Abend bald mehr Spieler als Fans anwesend, was uns die Gelegenheit zu langen und tiefgreifenden Gesprächen gab. Zu uns gesellten sich Lukas Rupp, Daniel „Ginni“ Ginczek und Daniel „Dida“ Didavi, wobei vor allem letztere beide in unmittelbarer Nähe zu mir saßen und ich sie nach Belieben „löchern“ konnte. Beide waren super drauf und sehr freundlich und betonten immer wieder, wie toll die Stimmung in den letzten Spielen war und wie gerne sie diese in die neue Saison hinüber retten würden.
Wir wollten natürlich von Ginni wissen, wie es sich anfühlt ein solch entscheidendes Tor wie das in Paderborn zu erzielen oder von Dida, wie die Chancen stehen, seinen Vertrag doch noch zu verlängern. Ebenso hat mich interessiert, nachdem beide von den Neuerungen und der Bewegung im Verein so schwärmten, was sie zu Günne Schäfer als neuem Mannschaftsbetreuer sagen. Günne tut einfach gut, auch uns Fans. Unglaublich mit welcher Offenheit und ständig guter Laune er in seiner neuen Aufgabe aufgeht. Eine seiner Aufgaben soll ja zukünftig sein, den Kontakt zu verliehenen Spielern zu halten, sie über Geschehnisse im Verein auf dem Laufenden zu halten und ihnen vor allem nicht vorzuenthalten, was der VfB nach der Rückkehr mit ihnen vor hat. Daher fragte ich Dida, wie es bei ihm gelaufen ist, als er nach Nürnberg verliehen war. Und siehe da, mein Eindruck, dass sich verliehene Spieler eher entfremden und als Teil des neuen Vereins sehen, täuschte mich nicht, von daher ist auch die Installation des Teammanagers eine Neuerung, die absolut zu begrüßen ist, zumal Günne wie kaum ein Zweiter in Vergessenheit geratene Werte vermitteln und die Jungs mitreißen kann.
Ginni schmierte ich noch ein wenig Honig ums Maul, indem ich ihm sagte, dass er mir erstmals so richtig beim 5:1-Sieg des FC St. Pauli gegen den bereits feststehenden Aufsteiger Eintracht Braunschweig auffiel, als ich am Millerntor war und seinen Werdegang seitdem aufmerksam verfolgte. Dass ich, trotz vieler Unkenrufe, seine Verpflichtung mit Kreuzbandriss immer verteidigt habe und ihm einen ähnlichen Werdegang wie den von Max Kruse zutraute. Legt Ginni eine verletzungsfreie Saison hin, ist er für mich ein heißer Kandidat für Jogis Kader zur Euro 2016.
Auch die Meinung der beiden zu Chima Onyeike, dem zurückgekehrten Athletiktrainer, wollte ich wissen. Ich muss sagen, wir haben uns sehr gefreut, als wir ihn überraschend auf einmal wieder auf dem Trainingsplatz gesehen haben, weil der Mann einfach etwas hergibt und den Jungs auch etwas vormachen kann. Auch die Spieler sehen ihn positiv, da er deren Belastbarkeit als Ex-Profi noch besser einschätzen kann als „Papa“.
Über dieses und noch viel mehr konnten wir uns an diesem tollen Abend in ungezwungener Atmosphäre unterhalten. Fast ein bisschen schade, dass unsere beiden Mädels am Tisch kaum Worte fanden und ich es so als unhöflich empfunden hätte, den Tisch zu wechseln, um noch mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Diese Gelegenheit kam dann vermeintlich, als sich die Spieler nach etwa zwei Stunden wieder verabschiedeten. Auf „unsere“ lasse ich ja sowieso nichts kommen, unheimlich nett bspw. wie Dida mich am Folgetag am Trainingsplatz und sogar gestern auf der Tribüne beim Amas-Spiel begrüßte, aber, auch bei Anderen kam die gute Kinderstube zum Vorschein, als sich zum Beispiel Kevin Stöger und Arianit Ferati von allen Anwesenden per Handschlag verabschiedeten.
Ich wollte mich eigentlich noch mit André Trulsen unterhalten. Nach einem Training ließ ich mich mit ihm ablichten und erzählte kurz, dass ich auch gerne mal bei St. Pauli bin und dort einige Freunde habe, woraufhin er ihnen schöne Grüße ausrichten ließ. Diese Unterhaltung hätte ich gerne noch vertieft und sah die Chance gekommen, als ich ihn noch von hinten an einem Tisch mit Fans sitzen sah. Also, kurz einen lockeren Opener überlegt und ihn von der Seite mit „darf ich kurz stören? Ja! Haben Sie sich beim VfB schon gut eingelebt?“ angesprochen. „Er“ entgegnete daraufhin in breitestem schwäbisch: „Ja, ich bin ja schließlich auch schon acht Jahre da“. Dumm gelaufen, hatte ich doch tatsächlich den Busfahrer erwischt, der André Trulsen von hinten ähnelte, wie mir, zu meiner Ehrenrettung, ein Bekannter bestätigte, der dem selben Irrtum erlegen war. Zwar trotzdem peinlich, aber eine Anekdote mehr, an die man sich noch lang erinnern wird.
Das Highlight des Abends aus emotionaler Sichtweise war aber der Heiratsantrag, den Raffael seiner Jule vor versammelter Mannschaft machte. Das hatte etwas, den eigentlichen Stars für einen Moment die Show zu stehlen und sich von den Spielern feiern zu lassen. Robin Dutt ließ sich dabei nicht lumpen und ließ den frisch Verlobten eine Flasche Sekt hinstellen. Fans und Mannschaft intonierten noch ein lautstarkes 1893, hey, hey, ehe man sich wieder den fruchtbaren Gesprächen zuwandte.
Auf dem Heimweg nahmen wir dann noch das Spiel in Konstanz gegen den FC Winterthur mit. Es war das Heimspiel unserer Konstanzer VfB-Freunde auf deren Empfehlung hin wir im Constanzer Wirtshaus landeten, welches sehr schön am Rhein gelegen ist, aber auch einen Blick auf den Bodensee bietet. Dort lässt es sich in schönem Ambiente und zu moderaten Preisen gut trinken und speisen, weil es so schön war, ließen wir dort den Abend dann auch, mit drei Winterthurern im Schlepptau, ausklingen. Das Spiel war phasenweise schon ganz gefällig, die Akzente setzten in der ersten Halbzeit Daniel Didavi mit zwei blitzsauberen Toren sowie in der zweiten Filip Kostic.
Auch wenn weder dieser Test noch der in Bern überbewertet werden darf, so zeigen sich schon so langsam Konturen des neuen VfB-Spiels. Ein echter Kracher steht uns heute bevor, wenn es gegen den englischen Vizemeister Manchester City geht. Der Scheich-Club, der Jahr für Jahr das Ziel des Financial Fairplay verfehlt und dafür auch bereits von der UEFA mit 60 Millionen Euro Strafe zur Kasse gebeten wurde, tritt mit einer ganzen Armada von Topstars in Stuttgart an und wird ein echter Prüfstein werden. Was ein solcher Test wert ist und ob er überhaupt einen Wert hat, werden wir dann in Kiel sehen. Es besteht schon die große Gefahr, ein Debakel zu erleben, fängt doch bereits in einer Woche der englische Ligabetrieb an, so dass die Engländer dieses Spiel sicher sehr ernst nehmen werden.
Auf der anderen Seite ist aber natürlich auch eine Überraschung möglich, welche die Erwartungen ins Unermessliche steigen lassen würde. Man könnte also meinen, dass wir heute nur verlieren können. Das Spiel wird sicher Erkenntnisse darüber aufzeigen, wo wir stehen, was bereits sehr gut funktioniert und wo wir uns noch verbessern müssen. Das erkennt man am allerbesten, wenn man sich mit den Besten misst und nicht, wenn man sich vermeintliches Kanonenfutter zum Test einlädt.
Dass dieser wohl einmaligen Gelegenheit, sich mit einem internationalen Top-Team zu messen, das Opening zum Opfer gefallen ist, ist zwar bedauerlich, für mich jedoch nachvollziehbar. Würde, wie im Vorjahr, das Opening vor dem Test stattfinden, wären unsere Jungs den Tag über zu sehr abgelenkt, um hinterher noch ein vernünftiges Spiel hinlegen zu können. Dann lieber diese Generalprobe nutzen, den Tag mit den gleichen Abläufen verbringen, wie man es bei einem Pflichtspiel tun würde, und die volle Konzentration diesem hochkarätigen Gegner widmen. Ich freue mich sehr drauf, endlich wieder ins Neckarstadion zu pilgern und in einer Woche beim Pflichtspielauftakt in Kiel dabei zu sein.
Mein Optimismus und mein Vertrauen in „den neuen VfB“ ist also groß. Dutt und Zorniger wissen genau, was noch getan werden muss. Auch wenn sich Dutt im Bemühen um einen erfahrenen Innenverteidiger Absage um Absage einhandelt, er bleibt am Ball und wird uns noch jemanden präsentieren.
Ich hoffe sehr, dass wir einen vernünftigen Start hinlegen und Zorniger in Ruhe arbeiten kann. Im Umfeld höre ich sehr viel Skepsis, da sich SO viel ja gar nicht verändert habe und wir vor allem in der Defensive noch immer sehr wackelig sind.
Ich selbst sehe dieses (Defensiv-)Gebilde zwar auch als noch fragil an, setze aber darauf, dass die neuen Automatismen nach und greifen und wir uns stetig verbessern und vor allem in der neuen Saison mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden.

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25. Juni 2015

Aufbruch 1893! Der VfB erfindet sich neu!

Ein Ende der Saure-Gurken-Zeit ist in Sicht. Zum Glück. Jeden Tag neue Gerüchte über Zu- und Abgänge, mit der Zeit nervt es und man lechzt nach Vollzug in der einen oder anderen Personalie. Man sollte meinen, in Zeiten von Berateragenturen, Internet und Mobiltelefonie wäre es egal, in welchem Zipfel der Welt sich die Spieler, Trainer und Manager aufhalten, deren Zukunft (und die der Vereine) könnte auch ohne ihre Anwesenheit geklärt werden, dem ist aber wohl doch nicht so. So freue ich mich darauf, dass sie Anfang nächster Woche nach und nach eintrudeln werden und sich endlich auch persönlich erklären können. Ich freue mich insbesondere darauf, wenn unser neuer Trainer Alexander Zorniger erstmals erklären wird, was er mit dem VfB vor hat, wie er sich den VfB der Zukunft vorstellt, auf wen er setzt, auf wen nicht und was Robin Dutt seiner Meinung nach noch am Kader verändern muss.
Was wird aus Spielern wie Vedad Ibisevic, Adam Hlousek, Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch, denen man dem Vernehmen nahegelegt hat, sich einen neuen Verein zu suchen. Werden sie, für den Fall dass sie es vorziehen ihren gut dotierten Vertrag lieber absitzen zu wollen, „normaler“ Teil der Mannschaft sein, wird es eine Trainingsgruppe 2 geben oder wird man sie ohne Wenn und Aber auf der Tribüne versauern lassen? Ich hielte es als Druckmittel durchaus für eine charmante Lösung, diese Spieler komplett von der Mannschaft fern zu halten, ihnen Tag für Tag klar zu machen, dass sie mehr geduldet als erwünscht sind und verspräche mir davon noch am ehesten, dass sie ihren Allerwertesten bewegen, um doch, notfalls für kleineres Salär, irgendwo unterzukommen. Ein Sportler sollte doch nach meinem Verständnis den natürlichen Ehrgeiz haben, sich im Training stetig zu verbessern, den täglichen Konkurrenzkampf zu spüren und sich im wöchentlich im Wettkampf zu messen. Man kann sich doch nicht damit zufriedengeben, nur zu trainieren, dafür fette Kohle zu kassieren, sportlich aber in Vergessenheit zu geraten. Über den (schlechten) Charakter solcher Spieler braucht man kein Wort mehr zu verlieren…
Vielleicht zieht ja auch, dass im nächsten Jahr die Euro in Frankreich ansteht, wo, durch eine weitere Aufblähung des einstigen Elitenturniers halb Europa dabei sein wird und sich damit auch Nationen wie Bosnien-Herzegowina, Tschechien und Norwegen berechtigte Chancen ausrechnen dürften, dabei zu sein. Für Spieler, deren Stammplatz die Tribüne ist, dürften die Chancen dabei zu sein, schwer sinken, so dass sie es sich genau überlegen dürften, was ihnen wichtiger ist, viel Geld zu kassieren fürs Nichtstun oder für ihr Vaterland bei einer Europameisterschaft aufzulaufen, auch unter dem Hintergrund, dass sie alle nicht mehr die Jüngsten sind und eine solche Chance demnach wohl kein weiteres Mal kommen dürfte.
Thorsten Kirschbaum steht vor einem Wechsel zum 1. FC Nürnberg, laut kicker.de habe man sich inzwischen weit unter den einst geforderten 750.000 Euro geeinigt. Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass er seine Chance Ulle zu beerben nicht nutzen konnte. Die Bürde, Ulle vergessen machen und gleichzeitig Ulles große Fangemeinde überzeugen zu müssen, war zu groß. Ich kenne ihn ja aus einigen Trainingslagern und habe ihn da schon weitaus stärker halten sehen, wie das, was er dann in der Bundesliga auf den Platz brachte. Er war übernervös, was sich natürlich auch auf die Abwehr übertrug, so dass der Wechsel zurück zu Ulle fast schon wieder folgerichtig war. So hat er sich hier in kürzester Zeit verbrannt, so dass der Abgang die logische Folge ist.
Setzt Zorniger weiter auf Gotoku Sakai? Wie schon einige Spieler vor ihm, hatte Go seine beste Zeit beim VfB, als er uns noch nicht gehörte und als Leihspieler Werbung in eigener Sache betreiben musste. Damals wollte man ihn schon am liebsten „eindeutschen“, damit er für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt gewesen wäre. Er wäre in seiner damaligen Form das optimale Pendant zu Philipp Lahm gewesen, wobei die beiden sogar beliebig die Seiten hätten wechseln können. Einen Weltklasseauftritt von ihm habe ich noch in guter Erinnerung, als er beim 5:1 bei Steaua Bukarest den Rumänen mit Okazaki zusammen Knoten in die Beine wirbelte. Vielleicht hält man Japaner ja am besten paarweise, es fällt bei ihm frappierend auf, dass seine Formkurve, seit uns Shinji Okazaki verlassen hat, dramatisch nach unten zeigt. Vielleicht bekommt Zorniger ihn ja wieder hin, er dürfte es aber schwer haben, in die erste Elf zu kommen. Auf der linken Seite sähe ich lieber einen Linksfüßer und rechts stünde er zunächst einmal höchstens als Backup für Florian Klein zur Debatte.
Wenig halte ich davon, auf der Rechtsverteidigerposition auf einen gelernten Innenverteidiger wie etwa Daniel Schwaab zu setzen. Auch wenn er, wie die gesamte Mannschaft, im Finale der Vorsaison stark verbessert agierte, ist er für mich ein Spieler, den man gerne abgeben darf. Sicherlich ist er ein untadeliger Profi und privat eher ruhig und solide, aber, einer der Ruhe und Sicherheit im Spiel ausstrahlt ist er eben auch nicht. Im Gegenteil, er hat immer wieder riesen Schnitzer in seinem Repertoire, die es nicht rechtfertigen, danach dann über das allzu kritische Stuttgarter Publikum herzuziehen. Es ist noch immer so, dass der Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen muss und es andersherum schwierig ist. Im Saisonfinale war der Rückhalt der Fans grenzenlos, allerdings nur, weil man genau ein Gespür dafür entwickelt hat, dass es Huub Stevens gelang, eine Formation, eine Einheit auf den Platz zu bringen, die sich für den Brustring aufgerieben und zum Schluss auch einen brutalen Willen gezeigt und Zusammenhalt demonstriert hat.
Antonio Rüdiger wird den VfB wohl verlassen und dem VfB angesichts der kolportierten Ablöse im zweistelligen Millionenbereich wichtigen Handlungsspielraum ermöglichen. Es scheint so, dass alle Transferaktivitäten mit dieser Personalie stehen und fallen. Bei Rüdiger sehe ich zwar noch großes Entwicklungspotential, aber, Reisende soll man nicht aufhalten. Ein klares Bekenntnis zum VfB ist ihm nicht zu entlocken, im Gegenteil, er macht keinen Hehl daraus, dass er sich zu höherem berufen fühlt, als den steinigen Weg mit dem VfB mitzugehen. Daher kann man nur hoffen, dass eine baldige Einigung mit dem VfL Wolfsburg erzielt werden kann und Robin Dutt so viel wie möglich Ablöse generieren kann, möglichst natürlich nahe der 20-Millionengrenze.
Nicht nur wenn Rüdiger uns verlässt aber dann besonders benötigen wir einen Abwehrchef, wie es Bordon, Meira oder auch Verlaat waren. An dem Belgier Sébastien Dewaest sei der VfB interessiert (ja, wieder nur ein Gerücht…), was man von ihm so hört und liest, hört sich nicht schlecht an. Seit dieser Woche scheint auch Ermin Bičakčić auf dem Markt zu sein, der mit Hoffenheims Trainer Gisdol nicht klar kommen soll. Dass er von Hoffenheim käme, wäre für mich jetzt nicht von vornherein ein K. O. –Kriterium, da er nicht, wie viele andere ehemalige Spieler von uns, den VfB wegen Hopps schnödem Mammon verlassen hat. Mit ihm wusste Labbadia nichts anzufangen, so dass er für lächerliche 350.000 Euro zu Eintracht Braunschweig geflüchtet ist und sich dort für höhere Weihen empfehlen konnte. Dort verpasste man ihm den Spitznamen „Eisen-Ermin“, was seiner Spielweise gerecht wird. Ermin ist ein eisenharter Verteidiger und dazu technisch beschlagen. Sollte er bezahlbar sein, würde ich mich über seine Rückkehr sehr freuen, auch, weil er ein super Typ, normal und im Herzen sowieso ein VfBler geblieben ist.
Georg Niedermeier, auch ein guter Typ, sehe ich allenfalls noch als Lückenbüßer an, sollten die oben genannten oder auch Timo Baumgartl mal ausfallen. Er ist, trotz seines gesetzteren Alters, keiner, der die Richtung vorgeben und eine Abwehr organisieren kann und technisch zu grobschlächtig, nicht umsonst sein Spitzname „Niederstrecker“.
Im Mittelfeld führt kein Weg an Serey Dié vorbei. Der Ivorer hat sich binnen kürzester Zeit als Leader etabliert und großen Anteil am Klassenerhalt. Allein mit Schönspielern und Zweikampfallergikern wie Leitner und Gentner ließ sich keine Hoheit im Mittelfeld herstellen. Es hat einen gebraucht wie Dié, der dazwischen haut und sich nichts gefallen lässt. Es ist auch wirklich köstlich, ihn im Training zu beobachten, wie lautstark er dort von Anfang an auftrat, wie engagiert er ist und wie er sämtliche Voodoo-Geister anruft, um ein Trainingsspielchen doch noch zu gewinnen.
Christian Gentner steht wohl kurz vor einer Vertragsverlängerung. In einer funktionierenden Mannschaft kommen seine Stärken zum Tragen, wenn es nicht so läuft, ist er jedoch ein Mitläufer wie die meisten anderen auch und der Kapitänsbinde nicht würdig. Mit dem neuen Trainer, einigen Neuzugängen und den Spielern, die sich im Abstiegskampf besonders hervor getan haben, entsteht zwangsläufig auch eine neue Hierarchie. Da ich von Dutt und Zorniger erwarte, dass auch mannschaftsintern jeder Stein umgedreht wird, hoffe ich, dass Zorniger nach seinen Eindrücken aus knapp sechs Wochen Vorbereitung kurz vor dem Pokalspiel bei Holstein Kiel den Kapitän selbst bestimmen wird.
Überrascht war ich gestern, dass Daniel Didavi in der Sportbild offen über einen möglichen Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen gesprochen hat. Bislang ordnete ich Meldungen zu diesem Thema in die Ecke „Gerüchteküche“ ein. Didavi, den ich als VfBler durch und durch einschätze, wirft dabei die Frage auf, ob man von einem Profisportler Dankbarkeit und auch Vereinstreue einfordern kann, oder ob man Verständnis dafür haben muss, wenn ein hochveranlagter Spieler nach höherem strebt, als jahrelang um den Nichtabstieg zu spielen und jetzt Teil eines möglicherweise vielversprechenden Neuanfangs bei seinem Herzensverein sein könnte. Mit seinen nunmehr 25 Jahren ist er nun mal nicht mehr der Allerjüngste, so dass ihm schnell die Zeit davon laufen könnte, wenn er die Chance jetzt nicht wahrnimmt, mit Leverkusen Championsleague zu spielen und gegen die ganz Großen des Fußballs antreten zu dürfen.
Zweifellos hat der VfB ihm alle Zeit gegeben, sich von seinen schweren Verletzungen zu erholen und wieder vollständig zu genesen. Aber, seien wir mal ehrlich, hätte der VfB eine andere Wahl gehabt? Der VfB hat zwar 2012, als er schwer verletzt von der Leihe aus Nürnberg zurückkam, seinen Vertrag vorzeitig verlängert, sicher aber auch aus Eigennutz und auch um Didavi wieder eine Heimat zu geben. Labbadia wusste vor seinem Wechsel zum Club nichts mit Didavi anzufangen, so dass man ihn mehr zu den Franken abschob, als dass man sich eine Leistungsexplosion von ihm erhoffte. Was er kann, wusste man schließlich bereits. Dort blühte Dida dann auf und wäre damals gerne beim Club geblieben, ein Spieler mehr, der durch die Ausleihe im Herzen bereits mit dem VfB abschloss. Durch solche Beispiele wird ja jetzt auch Günther Schäfer als Teammanager installiert, um den verliehenen Jungs klar zu machen, dass sie weiterhin Teil vom VfB sind und sich nicht entfremden.
So gesehen wäre die damalige Vertragsverlängerung ohne seine Verletzung womöglich schon nicht zustande gekommen. In diesem Winter, als noch nicht absehbar war, ob Dida überhaupt nochmal wieder auf die Beine kommen würde, wäre er wohl zu einer Vertragsverlängerung bereit gewesen, was dem VfB zu unsicher war.
Ich wäre Didavi nicht böse, wenn er die neue Herausforderung annehmen würde, dann aber am liebsten sofort, so dass der VfB noch eine stattliche Ablöse generiert und beide Seiten damit glücklich sind. Die bisher kolportierten drei Millionen, die Leverkusen zu zahlen bereit wäre, erscheinen mir recht wenig, bei gebotenen sechs bis acht Millionen käme Robin Dutt dagegen sicherlich ins Grübeln, zumal man ja auch noch Maxim und Stöger zur Verfügung hat.
Seit Bosman bin ich der Auffassung, dass ein Vertrag vor Beginn der Saison verlängert sein muss, wenn der Vertrag am Saisonende ausläuft. Nicht nur, dass ein ablösefreier Spieler Begehrlichkeiten weckt und dadurch automatisch Unruhe vorprogrammiert ist, auch kann (und sollte) es sich ein Verein wie der VfB nicht erlauben, auf eine Ablösesumme zu verzichten.
Am allerliebsten wäre mir eine Vertragsverlängerung zu deutlich verbesserten Bezügen vor Saisonstart. Wie man an (inoffiziellen) Gehaltstabellen ablesen kann, findet man Dida teamintern unter ferner liefen, was seinem Leistungsvermögen überhaupt nicht entspricht. In den letzten beiden Jahren stand er uns gerade noch rechtzeitig zum Saisonfinale zur Verfügung und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass wir uns weiterhin Bundesligist schimpfen dürfen.
Sollte Didavi nicht nach der ganz großen finanziellen Sicherheit streben sondern sich auf ein nach Einsätzen gekoppeltes Vertragsmodell einlassen, wäre der VfB sicherlich nicht abgeneigt, sein Einkommen leistungsgerecht aufzustocken. Alles andere wäre für den VfB ein (zu) hohes Risiko, wenn man sich Didas Einsatzzeiten aus den letzten Jahren anschaut.
Wer ihm dann, auch schon jetzt in diversen Foren, Undankbarkeit und Söldnertum vorwirft, kann nur mit auf den Weg gegeben werden. Willkommen in der Realität. Einige sind bereits nach der Verkündung von Ulles Abschied auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen, für die anderen bricht dann eben jetzt die heile Welt zusammen. Der moderne Fußball bietet nun mal keinen Platz mehr für nostalgische Gefühle, es geht dabei nur noch ums Geld, für die Medien, die Vereine, die Vereinsvertreter und auch für die Spieler, egal was der Fan auf der Tribüne darüber denkt.
Wer nicht damit klar kommt, dass ein (einstiger) Liebling den Verein verlässt, dem sei die Traditionself ans Herz gelegt, dort spielen die wahren Legenden, die den Brustring im Herzen tragen und dem Verein ein Leben lang treu geblieben sind, wie unter anderen mein Allzeit-Lieblingsspieler Karl “Wasenkarle” Allgöwer.
An der Personalie Didavi hängt wohl auch die Zukunft von Alexandru Maxim. Bliebe Didavi wäre Maxim wohl weiterhin nur Backup für Didavi, was sicherlich nicht sein Anspruch ist. Dann ist es fraglich, ob es Sinn macht, einen bekanntermaßen sensiblen Spieler wie Maxim gegen seinen Willen zu halten, zumal er auf der Insel hoch im Kurs steht und die Engländer aufgrund ihrer gut dotierten Fernsehverträge Ablösesummen ausrufen, von denen man hierzulande nur träumt. Ich fände es sehr schade, wenn Alex uns verlassen würde, da ich von seinen Qualitäten überzeugt bin und er ein Typ Spieler ist, für den man Woche für Woche gern ins Stadion pilgert.
Würde uns Maxim verlassen, stiegen automatisch die Einsatzchancen für Kevin Stöger, der nach zweijähriger Ausleihe vom 1. FC Kaiserslautern zurückkehrt. Ich hoffe, dass er den nächsten Schritt machen kann, technisch beschlagen ist er jedenfalls und scheint sich im Stahlbad Zweite Liga auch die nötige Robustheit angeeignet zu haben, ich freue mich auf ihn.
Auch Carlos Gruezos Einsatzchancen dürften durch die Abgänge von Romeu und Leitner wieder gestiegen sein. Er hat ein Seuchenjahr hinter sich und wird hoffentlich wieder an seine Leistungen der Rückrunde 13/14 anknüpfen, auch wenn es schwer sein dürfte an Dié und Gentner vorbei zu kommen.
Für Martin Harnik gilt das gleiche wie für Didavi, Vertrag verlängern oder an den Meistbietenden verkaufen. Auch bei ihm hoffe ich jedoch, dass man sich auf eine Ausweitung des Arbeitspapiers verständigen kann. Ich hatte vor einiger Zeit schon über ihn unter dem Titel „Zwischen Genie und Wahnsinn“ geschrieben, und denke, das beschreibt ihn ganz gut. Oftmals misslingen ihm einfachste Dinge, dann wieder, manchmal nur wenige Minuten später, bringt er Dinge auf den Platz, die nur ganz wenige können. Mangelnden Einsatz, mangelnde Identifikation mit dem Verein, auch mangelnde Selbstkritik kann man ihm nie vorwerfen. Er ist ein echter Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt, geradeaus und für mich einer der wenigen Führungsspieler, die wir haben. Daher wäre es sehr schade, wenn er seine Zelte bei uns abbrechen würde.
Auch die anderen Protagonisten des geglückten Klassenerhalts wecken Begehrlichkeiten finanziell potenterer Clubs. So soll Filip Kostic beim Championsleague-Finalisten Juventus Turin hoch im Kurs stehen und auch der eine oder andere Verein ein Auge auf Daniel Ginczek geworfen haben. Bei beiden wäre es bitterschade, wenn sie uns nach nur einem Jahr wieder verlassen würden.
Unverkäuflich gibt es für den VfB nicht, daran sei auch an dieser Stelle erinnert. Flattert ein unmoralisches Angebot herein, zu dem es schon fahrlässig wäre, nein zu sagen, dann wäre es halt so. Es spricht doch auch für den VfB bzw. für die Leistungen in den letzten Spielen, wenn andere Vereine auf unsere Spieler aufmerksam geworden sind.
Zu guter Letzt ein paar Worte zu Timo Werner. Er hat zuletzt in seiner Entwicklung stagniert und bei seinen Kurzeinsätzen nicht überzeugt und meist keine Bindung zum Spiel gefunden. Ihn schreibe ich noch lange nicht ab und hoffe viel mehr, dass er eines der Gesichter „des neuen VfB“ sein wird. Vielleicht tut ihm die Berufung zur U19 EM gut und gibt ihm einen weiteren Schub. Ich finde es positiv, dass es der VfB ihm und auch Timo Baumgartl nicht verwehrt hat, dieses Erlebnis mitzunehmen. Bringt ihm sicherlich (persönlich und sportlich) mehr, als mit dem VfB zu trainieren, Zorniger wird auch so wissen, was er an ihm hat.
Selbstredend wünsche ich mir kaum etwas weniger als den totalen Aderlass, gerade jetzt, wo sich vielversprechende Konturen im Kader abzeichnen. Auf der anderen Seite ist unser Verein weiterhin notorisch klamm und hätte höchstwahrscheinlich, wäre man nicht wie die Jungfrau zum Kinde in der Winterpause zu den Kimmich-Millionen gekommen, schon damals einen Leistungsträger verkaufen müssen, um überhaupt bis zum Saisonende finanziell über die Runden zu kommen. Finanzieller Aufwand und sportlicher Ertrag stehen schon lang nicht mehr im Einklang miteinander, so dass wir jetzt den Preis für die jahrelange Misswirtschaft bezahlen müssen.
Auch wenn es viele nicht hören wollen, dass Dutt nachtritt und ohne Namen zu nennen Fredi Bobic ein Armutszeugnis ausstellt. Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass jahrelang planlos vor sich hin gewurstelt wurde, dass die Sicherung der eigenen Position über den Interessen des Vereins stand, dass gute Leute (und Spieler) weggemobbt wurden und man Ja-Sager um sich geschart hat. Dadurch kam man weg von einem Leistungsklima, was sich bis in die Mannschaft niederschlug. Da wurde weniger nach Leistung als nach dem Namen des Beraters aufgestellt, andere, die man wohl nur holte, um den Kader noch mehr aufzublähen, hatten, egal wie sehr sie sich im Training reinhingen, so gut wie keine Chance auf Einsätze. Dass diese irgendwann resignierten und innerlich kündigten, bevor sie richtig ankamen, konnte dabei nicht verwundern. So wurde ohnehin schon diskussionswürdiges Kapital zu totem Kapital.
Diesen Scherbenhaufen, den Bobic hinterlassen hat, muss Robin Dutt jetzt aufkehren und die finanzielle Balance wiederherstellen. Dass dies mehrere Transferperioden in Anspruch nehmen dürfte, hat Dutt bereits verlauten lassen. Je mehr Transfereinnahmen während dieser Zeit generiert werden, desto schneller wird der VfB wieder handlungsfähig sein und desto früher können wir es uns auch wieder leisten, Spieler tatsächlich für unverkäuflich zu erklären. Jetzt sind wir leider noch nicht so weit, so dass man meiner Meinung nach in dieser Transferperiode noch mit allem rechnen muss.
Dutt sprach von kreativen Lösungen, die es zu finden gelte, dann mal viel Glück dabei. Ich bin keiner, der bei den Zugängen große Namen erwartet. Derzeit vertraue ich voll und ganz Dutt und Zorniger, dass sie einen Plan haben, welchen Fußball der VfB in der neuen Saison spielen soll, welche Korsettstangen erhalten bleiben sollen und welche Puzzleteile hinzugefügt werden müssen. Dafür bedarf es nicht immer eines großen Namens, wichtig ist, dass ein Neuzugang charakterlich in Ordnung ist, gut ausgebildet, ein Teamplayer ist und genügend Grips im Kopf hat, die ihm zugedachte Rolle zu verinnerlichen und seine Aufgabe gut zu erfüllen.
Auf solche Attribute wurde in den letzten Jahren kein großer Wert gelegt, obwohl sie im Mannschaftssport unabdingbar sind. Deshalb verspreche ich mir auch von einem Lukas Rupp mehr, als ich es von einem Sidney Sam tun würde, der wohl ein Vielfaches kosten würde, jedoch kein guter Charakter zu sein scheint. Ich hoffe doch schwer, dass wegen des Rupp-Wechsels nicht gleich wieder jene um die Ecke kommen, die meinen, einen Ex-Karlsruher zu verpflichten ginge überhaupt nicht.
So wenig ein namhaft verstärkter Kader die Garantie für eine erfolgreiche und sorgenlose Saison gibt, so wenig muss ein mit „Namenlosen“ ergänzter oder auch verstärkter VfB automatisch noch schlechter aufgestellt sein als in den letzten beiden Jahren. Wenn am Montag Zorniger seinen Dienst antritt, ist alles neu und sollte alles auf „null“ gestellt werden. Er muss der Mannschaft ein Gesicht verleihen, seine Spielphilosophie durchsetzen und die Spieler dafür einbauen und möglicherweise auch wie Schachfiguren auf andere Positionen versetzen. Natürlich geht das alles nicht von heute auf morgen, die Zeit dafür sollte man ihm geben. Ein Sieg im Pokal in Kiel und ein machbares Auftaktprogramm im am Freitag erscheinenden Bundesligaspielplan wäre dabei durchaus hilfreich.
Die Voraussetzungen für Zorniger, sich in kürzester Zeit ein Bild von der Mannschaft zu machen und alles umzukrempeln sind in dieser Vorbereitung denkbar schlecht. Das eigentliche Haupttrainingslager im Zillertal musste früh terminiert werden, da man bei zillertal.at in der Pflicht stand und man ja lang nicht wusste, ob für uns der Bundesliga- oder der 2. Ligaspielplan gelten würde. So wurde ein Termin gewählt, der für beide Ligazugehörigkeiten gepasst hat. Jetzt, zum Glück als Bundesligist, wird dieses Trainingslager ein fast reines Lauftrainingslager werden, bei dem sämtliche Nationalspieler, die noch bis Mitte Juni für ihre Nationalteams im Einsatz waren, fehlen.
Ob es Ende Juli noch ein reguläres zweites Trainingslager geben wird, steht derzeit in den Sternen. Wegen der späten Planungssicherheit tut sich der VfB offensichtlich damit schwer, so kurzfristig noch etwas zu finden. Ich hoffe darauf, dass es diesbezüglich zum Trainingsauftakt Neuigkeiten geben wird.
Ich begleitete sowohl die Inthronisierung Dutts als Sportvorstand wie auch die Ernennung Zornigers zum Trainer mit großer Skepsis. Bei Dutt muss ich mich schon teilweise revidieren, die Verpflichtung Dié’s war ein Volltreffer und im Nachhinein betrachtet war auch sein besonnenes Auftreten im Abstiegskampf richtig. Seit der ominösen PK hat er Pluspunkte dazu gesammelt, jedoch muss er den großen Worten nun Taten folgen lassen. Anknüpfend daran klingt die Verpflichtung Zornigers konsequent und plausibel, vor allem auch nach dem, was man von ihm so liest und hört. Dass er eben eine Spielidee mitbringt, einen Plan im Kopf hat und diesen konsequent verfolgt und durchzieht und es Leute unter ihm schwer haben werden, die nicht mitziehen oder dessen Pläne gar konterkarieren. Ich gehe da jetzt absolut positiv ran und freue mich darauf, verfolgen zu dürfen, wie sich der VfB (zum Besseren) verändert.
Für seine wohl ziemlich erste spürbare Amtshandlung hat er bei mir schon einmal einen Stein im Brett. Der Verein hat es Sven Ulreich offensichtlich nahegelegt, sich einen neuen Verein zu suchen. Wie ich bereits vor einigen Wochen schrieb, hätte es Ulle unter Zorniger wohl schwer gehabt, mit seiner trägen und behäbigen Art die Nummer 1 zu bleiben. Ulle als Ersatztorhüter hätte nur Unruhe gebracht, außerdem wäre es auch nicht konsequent gewesen, einen Torhüter auf der Bank zu haben, dem man nicht vertraut. Mit Odisseas Vlachodimos hat sich ein Nachwuchstalent die Beförderung zur Nummer 2 verdient, mit nunmehr 21 Jahren hätte er sich sicherlich auch nicht mehr mit der Rolle des Amateur-Keepers zufrieden gegeben.
Spieler kommen und gehen, der VfB bleibt. Das ist schon seit eh und je meine Devise und sollte sich die/ der eine oder andere auch auf die Fahnen schreiben, die/ der jetzt menschlich so wahnsinnig von oder über Ulle enttäuscht ist. Nichts ist im Leistungssport vergänglicher als die Verdienste von gestern. Wenn die Leistung nicht mehr stimmt, rückt nun mal ein besserer nach. Dieses Prinzip scheinen einige verdrängt oder vergessen zu haben, war bei uns der Leistungsgedanke doch (zu) lange außer Kraft gesetzt. Es ging mehr um irgendwann einmal gegebene Versprechen, Erbhöfe und Vitamin B. Sehr gut, dass jetzt ein anderer Wind zu wehen scheint.
Für mich war es ein sehr guter Tag für den VfB, als Ulles Abschied publik wurde, der große Chancen für die Zukunft bietet, ich jedenfalls weine ihm keine Träne nach.
Er hatte für mich nach seiner Ausbootung gegen Benfica Lissabon eineinhalb gute Jahre, das war’s aber auch schon mit seiner Herrlichkeit. Herzlich wenig in acht Jahren Profifußball beim VfB. Für den schnellen, modernen Fußball, den Zorniger mutmaßlich spielen lassen möchte, ist Ulle nicht geschaffen. Dafür fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit, schnelle Angriffe einzuleiten und vor allem auch das fußballerische Können abgefangene Bälle zum eigenen Mann zu bringen.
So bin ich froh, dass er weg ist und meine, besser hätte es nicht kommen können. Beide Seiten haben ihr Gesicht gewahrt, so dass ich ihm nicht einmal böse sein kann, dass er ausgerechnet zu den Bayern geht. Für mich ist das eine klare Win-Win-Situation, zumindest was den VfB und Ulle angeht, auch wenn ich mich schon insgeheim frage, ob die Bayern bei diesem Transfer daran gedacht haben, dass auch ein Manuel Neuer mal langfristig ausfallen könnte.
Natürlich wird es Ulle helfen, tagtäglich mit dem wohl besten Torhüter der Welt zusammenarbeiten und sich von ihm einiges abschauen zu dürfen. Er wird sich verbessern, davon bin ich überzeugt. Es war zu viel eingefahren beim VfB, ernsthafte Sorgen um seinen Status musste er sich bei uns nie machen. Obwohl bereits Christian Groß, später Labbadia und zuletzt Armin Veh gerne etwas auf dieser Schlüsselposition gemacht hätten, wurde deren Wunsch nach einer neuen Nummer 1 nicht erhört. Stattdessen gab man Marc Ziegler das Gnadenbrot im Herbst seiner Karriere, den braven Bankdrücker zu mimen und holte danach Thorsten Kirschbaum, der, als er die Chance erhielt, den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit schuldig blieb.
Stichwort mentale Stärke, diese habe ich Ulle zuletzt auch abgesprochen. Er strahlte nicht die notwendige Sicherheit einer Nummer 1 aus, war sich unsicher in seinen Aktionen, überlegte zu viel und traf so oft die falsche von zwei möglichen Entscheidungen, anstatt intuitiv das Richtige zu tun. An dieser Schwäche wird er bzw. werden die Bayern mit ihm sicherlich arbeiten müssen.
Einen Zappelphilipp im Tor werden sie sich nicht leisten können, für den Fall, dass er mal in einem wichtigen Spiel für Manuel Neuer in die Bresche springen muss. Dann wäre wohl ganz schnell Tom Starke die Nummer 2 und Ulle säße noch nicht einmal auf der Bank.
Auch jetzt, nachdem ich den Wechsel sacken lassen habe, verstehe ich die Bayern nicht, dass sie gerade auf Ulle gekommen sind. Der Fußball-Ästhet Pep Guardiola muss doch verzweifeln, wenn jede Rückgabe Slapstickpotential in sich birgt oder wenn Ulles Abschläge mal wieder im Seitenaus landen. Von der Spielweise, die man von den Bayern gewohnt ist, hoch zu verteidigen, werden sie mit Ulle im Kasten abrücken müssen, weil er nicht die Übersicht eines Manuel Neuer hat und weil man ihn nicht bedenkenlos, auch scharf, anspielen kann.
Beim VfB hat mich Ulle nie überzeugt. Schon im Wechselspiel mit der Oberpfeife Raphael Schäfer nutzte er die große Chance nicht und wurde ins zweite Glied zurückgestuft. Damals schützten ihn noch seine Jugend und seine Unerfahrenheit davor, ihn frühzeitig abzuschreiben!
Dann kam Jens Lehmann für zwei Jahre und Ulle wurde versprochen, in diesen zwei Jahren von Lehmann lernen zu dürfen und danach die Nummer 1 zu werden. Der Zusatz „unter Leistungsvorbehalt“ fehlte offensichtlich bei dieser Zusage.
Gestern wurde erwartungsgemäß Przemysław Tytoń als neuer Mann zwischen den Pfosten bestätigt. Von ihm habe ich bisher nur das eine oder andere Youtube-Video gesehen. Tolle Reflexe hat er ja, ein solches Video könnte man von Ulle aber sicher auch zusammenschneiden. Fußballerisch und in der Spieleröffnung soll er jedoch auch nicht der Beste sein, so dass wir mit ihm womöglich vom Regen in die Traufe kommen. Hier lasse ich mich gerne eines Besseren belehren und vertraue darauf, dass es der Typ Torhüter ist, den wir für unser Spiel brauchen. Mein Urteil bilde ich mir sowieso am liebsten selbst und freue mich daher umso mehr aufs Trainingslager im Zillertal. Auf dieser Position können wir meiner Ansicht nach nur besser werden, ich hoffe, die einstigen Ulle-Jünger machen ihm das Leben durch ständiges Hinterhergeheule nicht unnötig schwer. Ihm eilt ein guter Ruf voraus und dass er „nur“ Nummer vier in der Gilde der polnischen Keeper ist, hat auch keine negative Aussagekraft in Anbetracht der starken Konkurrenz mit Fabiański, Szczęsny und Boruc.
Um auf Ulle zurückgekommen: Er wurde also aufgrund einer Versprechung und nicht aufgrund seiner Leistungsstärke unsere Nummer 1. Von Beginn an sah man frappierende Unterschiede zwischen dem Weltklasse-Keeper Lehmann und Ulreich. Konnte man sich zwei Jahre lang bei gegnerischen Eckbällen entspannt zurücklehnen, begann nun die fünf lange Jahre andauernde Zeit der Schnappatmung. Fing Lehmann Flanken, die in den Strafraum segelten locker ab und leitete den schnellen Gegenangriff ein, gab es nun todlangweilige Kicks, an denen Ulles träge Art einen großen Anteil hatte. Was wedelte er mit den Armen, „Leute, rausrücken“, um dann, wenn alle einschließlich der Gegner aufgerückt waren, die Kugel dem am nächsten stehenden Abwehrspieler zuzurollen. Im heutigen Fußball kommt es in erster Linie darauf an, Überraschungsmomente zu schaffen und Lücken zu reißen. Mit dem behäbigen Spielaufbau à la Sven Ulreich jedoch, gelang es jedem Gegner seine Grundordnung wieder herzustellen, selbst unterklassigen Teams bspw. im DFB-Pokal, gegen die wir oft genug unsere Müh und Not hatten, ich erinnere mich nur an Babelsberg oder auch den BFC Dynamo.
Christian Groß erkannte das, wurde aber leider kurz nach Bobic‘ Amtsantritt entlassen. Mit der Installation von Bobic als Sportdirektor begannen vier lockere Jahre für Sven Ulreich, ist doch Ulles Berater Jürgen Schwab bester Kumpel und Geschäftspartner von Bobic, so dass öffentliche Kritik bereits im Keim erstickt wurde und Bobic stets seine schützende Hand über den schon lange schwächelnden Torhüter legte.
Als Armin Veh zum zweiten Mal kam, attestierte er Ulreich zwar, sich seit seiner Entlassung verbessert zu haben, stellte aber auch fest, dass Ulle kein Spiel lesen könne und sprach ihm damit durch die Blume (Spiel-)Intelligenz ab.
Für das Kabinenfest während der Länderspielpause letzten September nahm ich mir von vornherein vor, nur mit Georg Niedermeier, mit dem man von diversen Trainingslagern bekannt ist und mit Armin Veh, der mich noch vom Zillertal kannte, ausführlicher zu sprechen. Mit Bobic hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, so dass mich seine Sicht der Dinge genauso wenig interessierte wie die von bspw. Christian Gentner oder von Sven Ulreich.
Veh sprach ich direkt auf seine Achse, also Torhüter, Abwehrchef, Mittelfeldchef, Stoßstürmer an, was er denn dazu sage. Er entgegnete, ich müsse Verständnis dafür haben, dass er nicht über seine Spieler spreche. Akzeptiert, sagte ich, aber ich dürfe doch etwas dazu sagen, worauf er mit „selbstverständlich“ antwortete.
Also, legte ich los: „ich war selbst mal Torwart, Stichworte Strafraumbeherrschung, Spieleröffnung, Antizipation, fußballerisches Können, Ausstrahlung, es ist so viel, was ihm meiner Auffassung nach fehlt“. Ich merkte, dass ich damit bei ihm offene Türen einrannte und, als ich fragte, ob ein Torwartwechsel denkbar wäre, meinte er nur „lass dich überraschen, ich geh jetzt, du weißt mir zu viel“, war ein netter Plausch. Es kam sicher nicht von ungefähr, dass der Wechsel ausgerechnet im Spiel 1 nach der Bobic- Entlassung vollzogen wurde. Dass der Wechsel insgesamt derart in die Hose ging, konnte man nicht ahnen. Daher bleibe ich dabei, dass der Wechsel gerechtfertigt war. Ulle war spätestens ab diesem Zeitpunkt angezählt und stand nur noch mangels ernsthafter Alternative im Kasten.
Eines kann man Ulle nicht absprechen, nämlich dass er den VfB über Jahre verkörpert hat wie kaum ein Zweiter. Er betonte stets, dass der VfB sein Traumverein ist und dass er den Brustring im Herzen trage. Allein diese Vereinsliebe genügte vielen, ihn zur Ikone hoch zu stilisieren, ohne seine Leistungen zu hinterfragen. Wann hat er uns denn das letzte Mal ein Spiel gewonnen? Ich erinnere mich an das 1:0 in Berlin unter Thomas Schneider im Spätsommer 2013, was also auch schon eine Weile her ist.
Aus den genannten Gründen wurde es Ulle beim VfB zu leicht gemacht, über Jahre die Nummer 1 zu bleiben, ohne dass er sich diese Nominierung(en) stets aufs Neue erarbeiten musste.
Von Haus aus ist er doch ein Arbeiter und ein Kämpfer. Nach dem frühen Tod seines Vaters, als er gerade einmal 14 Jahre alt war, setzte er seinen ihm gegenüber erklärten Schwur, eines Tages für den VfB aufzulaufen, in die Tat um. Alleine, um es so weit zu schaffen, bedingt es Ehrgeiz, eiserne Disziplin, Können und auch den Willen sich ständig zu verbessern.
Lang hatte man den Eindruck, er arbeite viel an sich und schaue über den Tellerrand hinaus. Man las immer wieder davon, was er individuell noch macht, zum Beispiel Gehirntraining mit einer Privattrainerin, wo er sich Spielsituationen vorstellen musste und Entspannungstechniken lernen sollte, an seiner Beweglichkeit feilte er im Kunstturnforum.
Vor allem die Zusammenarbeit mit Life-Kinetik-Trainer Efthimios Kompodietas schien Früchte zu tragen. Ob sein Eifer in den letzten Jahren nachgelassen hat, vielleicht weil er sich zu sicher war und ihm nur noch Honig ums Maul geschmiert wurde, kann ich nicht beurteilen. Meine Internetrecherchen bezüglich seiner individuellen Anstrengungen enden jedenfalls im Jahr 2011. Ich sah ihn seit dem 1:6 in München, als er die Niederlage maßgeblich selbst einleitete, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, einfach nur noch schlecht. Analysiert man die letzte Saison kann man bei etwa der Hälfte der Gegentore die Rolle des Torwarts hinterfragen, wenn man sein Stellungsspiel und sein mangelndes Spielverständnis betrachtet oder die Szenen zurücklaufen lässt und feststellt, dass erst ein Abschlag von ihm oder eine nicht abgefangene Ecke zum Ballverlust führte.
Was seit 2011 mit ihm passiert ist, ob er private Probleme hat und ihn etwas bedrückt, mit dem man nicht an die Öffentlichkeit geht, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht kehrte auch eine schädliche Selbstzufriedenheit ein, vielleicht war er sich seines Status zu sicher.
An dieser Stelle muss sein Torwarttrainer Andreas Menger hinterfragt werden, der noch auf dem Fanfest im Zillertal erklärte, zur Zeit des Abgangs von Leno sei Ulle der bessere Torhüter gewesen. Natürlich verleugnete er nicht, dass die Entwicklung der beiden Keeper seither weit auseinander ging, aber, er schaffte es in den letzten Jahren nicht, Ulle besser zu machen oder sich durchzusetzen, eine echte Konkurrenz für Ulle zu holen. Im Training, bspw. diesen Winter in Lagos, war er mir stets zu lasch. Man übte Abschläge, diese flogen, wie man es gewohnt ist, reihenweise aus dem Feld, so dass Meuschi, der die Bälle einsammeln musste, der vielbeschäftigste Mann war, und Menger hielt es nicht für nötig, einzugreifen und seine Mannen zurechtzustutzen. Hier wünschte ich mir wirklich den von Fredi Bobic abgesägten Ebo Trautner zurück, der über Jahre ein gutes Torwarttraining abgehalten hat und bei den Fans äußerst beliebt ist.
Für Ulles bis zum Anfang der letzten Woche gelebte Vereinsliebe danke ich ihm, auch für das eine oder andere gute Spiel. Eines ist mir in besonderer Erinnerung geblieben, nämlich der Sieg bei der Frankfurter Eintracht 2010/2011, als er nach Delpierres Platzverweis vor allem gegen Gekas sensationell hielt und uns damit im Rennen um den Nichtabstieg hielt.
Nachhaltiger bleiben mir jedoch sein ständiges zögern und seine schlechten Abschläge in Erinnerung. In der Gilde der besten VfB-Torhüter nimmt er für mich keinen vorderen Rang ein. Sawitzki und Bögelein vor meiner Zeit, später dann Heinze, Roleder, Immel, Franz Wohlfahrt, Timo Hildebrand und natürlich Jens Lehmann waren allesamt bessere und vor allem zuverlässigere Keeper.
Mit diesen Ausführungen ist das Thema Ulle beim VfB für mich abgeschlossen. Ich sah mich lediglich noch einmal dazu genötigt, die Gründe fundiert darzulegen, weshalb ich Ulle schon seit Jahren äußerst kritisch sehe. Im Internet wurde ich lange von vielen seiner Jüngern angefeindet, in Facebook vom einen oder anderen blockiert, ein Internet-Troll drohte mir gar mit Anzeige wegen Beleidigung, weil ich in einer der fragwürdigen Facebook-Gruppen, die Ulle in die Nationalmannschaft schreiben wollten, schrieb, dass Ulle einer der schlechtesten Bundesligakeeper ist und ihm zu viel fehlen würde, je ein guter Torwart zu werden. Daher ist der Abgang jetzt schon eine Genugtuung, das Grinsen darüber bringe ich bis jetzt nicht aus meinem Gesicht, wenn ich daran denke.
Nicht nur, dass er geht, sondern auch darüber, dass er den Weg des geringsten Widerstands gewählt hat und sich mit 26 Jahren schon fast aufs Altenteil zurücksetzt. In Zeiten des Söldnertums ist es natürlich legitim, dorthin zu wechseln, wo am meisten gezahlt wird, vielleicht auch, um den einen oder anderen Titel in seiner Vita stehen zu haben, aber, bei aller Liebe, welchen Anteil er daran haben wird, das steht auf einem anderen Blatt.
Was bei den Bayern aus ihm wird, ist mir ziemlich egal. Über Bayern-Spieler lasse ich mich ohnehin ungern aus. Denjenigen, die jetzt noch damit kommen, „warum ausgerechnet zu den Bayern“, sei gesagt, dass er, zumindest in Deutschland, nicht viele Alternativen mit Perspektive zur Nummer 1 hatte. Ins Ausland wollte er nicht, auch das ein Indiz fehlenden Selbstbewusstseins und fehlendenden Ehrgeizes. Daher irgendwie konsequent sich aus dem großen Rampenlicht herauszunehmen und trotzdem noch finanziell außerordentlich abzusahnen, wenngleich seine (Bundesliga-) Karriere für mich damit beendet ist.
Ich blicke, wie schon dargelegt, recht optimistisch in die Zukunft und freue mich auf die neue Saison. Bis Ende August wird sich noch einiges tun auf dem Transfermarkt. Es wird schmerzhafte Abgänge geben, sicher auch die eine oder andere vielversprechende Neuverpflichtung. Der eingeschlagene Weg ist alternativlos, der VfB benötigt eine Frischzellenkur. Er muss die Balance finden zwischen erfahrenen Führungsspielern, sinnvollen Ergänzungen und dies stets, ohne dem eigenen Nachwuchs den Weg zu verbauen. Diese Nachwuchsspieler sind unser Kapital der Zukunft, diese müssen wir hegen und pflegen, diese müssen eine Perspektive erkennen und müssen dann da sein und sich zeigen, wenn ein Leistungsträger ausfällt. Daher freue ich mich auf die Wanitzeks, Kiesewetters und Ristls und wie sie alle heißen. Dutt und Zorniger haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Jungs Vertrauen schenken zu wollen, gerne mit ihnen arbeiten und sie auch spielen lassen, wenn sie besser sind als ein Arrivierter. Mit einer derartigen Philosophie identifiziere ich mich persönlich mehr, als mit der nicht vorhandenen in den letzten Jahren. Spieler, die beim VfB groß geworden sind und es in den Profikader schaffen, sind doch mehr mit dem Herzen dabei als jene Durchschnittsspieler, die aus aller Herren Länder hinzugekauft wurden.
An dieser Stelle zwei Zitate von Legende Buffy Ettmayer:
„Bei lauter ausländischen Spielern kann man auch gleich einen Doppeldeckerbus hinstellen – die Spieler unten und die Übersetzer oben rein.“
„Wer ist Tunay Torun? Brauchen die den, dass sie Elf gegen Elf spielen können, oder was? Oder Abdellaoue – oder wie heißt der? Solche Spieler kann der VfB auch zwischen Deizisau und Plochingen holen.“
Ich bin großer Hoffnung, dass dies nun auch in der VfB-Führungsriege angekommen ist und man lieber hungrige Spieler mit Entwicklungspotential holt, als abgehalfterte Altstars. Natürlich geht es nicht ohne die eine oder andere erfahrene Korsettstange, die weiterhin dazu verpflichtet werden muss. Wenn das neue Scouting-System greift, wenn man sich mit den betrauten Personen abspricht und über Neuzugänge diskutiert und zum Schluss kommt, dass ein Spieler geholt werden soll, wird er wenigstens so weit durchleuchtet sein, dass er ein Teamplayer, ein guter Typ ist und zu der Truppe passt.
Zugegebenermaßen viel Theorie, vieles von der PK aufgegriffen, was Mut macht für eine bessere Zukunft. Die Praxis wird zeigen, was alles umgesetzt werden kann und auch wie so manche Entscheidung, die vielleicht auch weh tun wird, vom Umfeld mitgetragen wird.
Sehr hilfreich wäre natürlich ein gutes Auftaktprogramm im morgen erscheinenden Spielplan. Schwieriger als in der letzten Saison, was uns gleich ins schlechte Fahrwasser gespült hat, ging es kaum. Auswärts in Gladbach, München, Dortmund und Berlin, zu Hause gleich gegen einen von der Euphorie getragenen Aufsteiger. Da wir letzte Saison auswärts starteten, erhalten wir nun wohl ein Heimspiel, hoffentlich gegen einen machbaren Gegner wie bspw. Frankfurt oder Bremen, so dass von Beginn an Ruhe herrscht und sich der VfB frühzeitig ins gesicherte Mittelfeld absetzen kann.
Für mich beginnt morgen mit der Veröffentlichung des Spielplans die Saison. Wenige Tage später werden die ersten Terminierungen einschl. des Pokalspiels in Kiel erfolgen, so dass es endlich wieder etwas zu planen gibt. Am Montag dann der Trikotlaunch im Schlienz-Stadion und das erste Training, bevor es am Freitag, wenigstens für drei Tage, ins Zillertal geht. Nach wie vor hoffe ich noch auf ein zweites Trainingslager Ende Juli, wofür wir ursprünglich Urlaub eingereicht hatten. Eines ist sicher, langweilig wird es nicht, die Gerüchteküche wird weiter brodeln, mindestens so lang, wie sich die Bundesliga noch im „Sommerschlaf“ befindet.

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