31. Dezember 2010
Seit einigen Tagen zieren zwei kleine, blutrote Kratzer die Nase des VfB-Cheftrainers Bruno Labbadia, was durchaus als ein Zeichen dafür zu werten ist, dass sich der 44-Jährige in sein neues Amt richtig reinhängt. Im Achtelfinale des DFB-Pokals, als seine Stuttgarter Profis drei Tage nach dem 3:5 in der Bundesliga erneut die Elf des FC Bayern München empfingen, hat dann aber auch Labbadias junge VfB-Trainerkarriere eine zweite, wiederum kleine Schramme abbekommen.
Die 3:6 (2.2) am Mittwochabend bedeutet im achten Aufeinandertreffen die siebte Pokalniederlage gegen eine Auswahl des FC Bayern. Der einzige Stuttgarter Sieg, ein 3:0, datiert vom 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls. Auf ihre sportliche Wende müssen die Profis des Bundesliga-17. dagegen weiter warten. “Die Spieler haben wieder viele individuelle Fehler gemacht. Aber wir haben es geschafft, eine Moral in die Mannschaft reinzubekommen und das Publikum mitzunehmen. Nur so geschlossen werden wir es in der Bundesliga-Rückrunde schaffen”, sagte Bruno Labbadia, denn seine Elf hatte sich trotz des Ausscheidens im Pokal gegen die Bayern nie aufgegeben.
Beim VfB stimmten vor der sechstägigen Weihnachtspause der Einsatz und die Leidenschaft. Darauf lässt sich aufbauen, wenn die Stuttgarter Profis am 29. Dezember wieder zum Training zusammenkommen. Nach einem einwöchigen Trainingslager im türkischen Belek beginnt dann am 15. Januar mit dem Heimspiel gegen den FSV Mainz die Bundesliga-Rückrunde. Zunächst hatte Labbadia seinen personellen Spielraum weitgehend ausgeschöpft und seine Startformation im Vergleich zur Bundesligapartie vom Sonntag auf drei Positionen verändert. Für den überforderten Ermin Bicakcic lief Khalid Boulahrouz, an dem Eintracht Frankfurt Interesse zeigt, als rechter Verteidiger auf. Christian Gentner begann anstelle von Zdravko Kuzmanovic im defensiven Mittelfeld, während Martin Harnik rechts daneben den verletzten Timo Gebhart ersetzte. Doch es half zunächst alles nichts: Dem VfB genügten acht Minuten, um ins Hintertreffen zu geraten.
Zu diesem Zeitpunkt lagen die Stuttgarter bereits mit 0:2 zurück: Zunächst zog der Münchner Mittelfeldmann Andreas Ottl aus 30 Metern aus zentraler Position ab. Der VfB-Torhüter Sven Ulreich bekam zwar noch eine Hand ans Leder, konnte den platzierten Ball aber nicht entscheidend abwehren – 0:1 (6.). Wenig später folgte der zweite Münchner Streich: Nach einem Querpass von Thomas Müller stand Boulahrouz nicht dicht genug bei Mario Gomez, der aus vier Metern zum 0:2 traf (8.). Wieder fehlte Ulreich, dem der Ball durch die Beine ging, das nötige Glück.
Wie am Sonntag lag der VfB durch teilweise dilettantisches Defensivverhalten schnell zurück. Bis zum 0:2 hatten die Stuttgarter Abwehrspieler nicht einen entscheidenden Zweikampf für sich entschieden. Doch die Hausherren konnten froh sein, vor dem erneut clever aufspielenden Martin Harnik einen Stürmer in ihren Reihen zu haben, dessen persönliche Formkurve deutlich nach oben zeigt: Pawel Pogrebnjak.
Dem blonden Russen war es zu verdanken, dass es zur Pause 2:2 stand: Zunächst erzielte Pogrebnjak nach schöner Vorarbeit von Harnik aus sechs Metern das 1:2 (32.). Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff folgte dann die beste Szene des 1,89-Meter-Mannes aus Moskau, als er sich gegen drei Bayern-Spieler im Strafraum durchsetzte und den Ball mit links wuchtig unter die Latte hämmerte – 2:2.
Dabei zeigte sich, dass die Münchner Innenverteidigung um den wackligen Breno immer für ein Gegentor gut ist – doch in Sachen Defensivschwäche wusste der VfB die Bayern noch zu übertreffen. Nach einem Steilpass schaute der besser positionierte Matthieu Delpierre nur teilnahmslos zu, so dass der eingewechselte Miroslav Klose beim 2:3 wenig Mühe hatte (52.).
Wieder fand der VfB über den Kampf zurück ins Spiel – und Delpierre konnte seinen Fehler selbst korrigieren. Nach einer Ecke köpfte der Franzose das 3:3 (77.). Es passte zu diesem emotionalen Pokalabend, dass die Stuttgarter zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zehnt waren – und obendrein einen Elfmeter verschossen hatten. Nach einer Grätsche an Bastian Schweinsteiger flog Khalid Boulahrouz mit Gelb-Rot vom Platz (67.). Kurz darauf scheiterte Christian Gentner mit einem von Jörg Butt an Cacau verursachten Foulelfmeter am Schlussmann des FC Bayern (73.).
Weniger glücklich sah Butts Gegenüber aus. Denn den 4:3-Treffer der Münchner bekam Sven Ulreich erneut durch die Beine (81.), während der Goalie nach der Hinausstellung von Delpierre (87.) beim 3:5 und 3:6 durch Klose und Franck Ribéry chancenlos war.
Mannschaften und Statistik
Stuttgart
Ulreich – Boulahrouz, Tasci, Delpierre, Molinaro (35. Kuzmanovic) – Träsch, Gentner (89. Bicakcic) – Harnik, Boka – Cacau, Pogrebnjak.
München
Butt – Lahm, Breno, Timoschtschuk, Pranjic – van Bommel (54. van Buyten), Ottl – Müller, Schweinsteiger, Ribéry – Gomez (30. Klose).
Schiedsrichter
Meyer (Burgdorf).
Zuschauer
40.500 (ausverkauft).
Tore 0:1
Ottl (6.), 0:2 Gomez (8.), 1:2 Pogrebnjak (32.), 2:2 Pogrebnjak (45.), 2:3 Klose (52.), 3:3 Delpierre (77.), 3:4 Müller (81.), 3:5 Klose (86.), 3:6 Ribéry (90.).
Gelb-Rote Karten
Boulahrouz (67.), Delpierre (87./ beide wiederholtes Foulspiel).
(STZ online 22.12.2010)
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Am Ende haben große Teile der eigenen Anhängerschaft einfach nicht mehr hinsehen wollen. Also drehten sich die meisten VfB-Fans in der Untertürkheimer Kurve, wo diese Saison die Treuesten der Treuen stehen, einfach um. Die Fans zeigten den Profis nach dem Schlusspfiff tief frustriert den Rücken. Das Szenario in der Arena änderte sich nach dem 3:5 gegen den FC Bayern erst, als der neue Cheftrainer Bruno Labbadia gemeinsam mit dem Stürmer Cacau ganz dicht vor den Fanblock schritt. Die anderen Spieler hatte das Duo dabei im Schlepptau. Einige der VfB-Getreuen waren aber trotz der beschwichtigenden Gesten des Trainers nicht zu beruhigen. “Wir haben die Schnauze voll!”, brüllten sie ohne Pause.
Auch wenn der niedergeschlagenen VfB-Equipe auf ihrem Trauermarsch in Richtung Kabine anschließend von einigen Besuchern der Haupttribüne aufmunternder Applaus gespendet wurde – eines wurde auch weit nach Spielschluss gegen den deutschen Rekordmeister deutlich: Der VfB besitzt in der sportlichen Krise nun auch ein ernstes Fanproblem.
Wie viel Druck angesichts von fünf Punkten Abstand zum rettenden Ufer beim VfB im Kessel ist, das zeigte sich auch noch eine Stunde nach dem Spielende. Während vor einem Jahr nach dem 1:1 gegen Bochum aufgebrachte Fanmassen die Mercedesstraße belagert hatten, machte diesmal eine Gruppe von mehreren hundert Anhängern hinter der Haupttribüne ihrem Unmut Luft. Also griff Erwin Staudt zum Megafon und versuchte, die Menge zu beruhigen: “Wir werden in der Winterpause alles tun, um gut gerüstet in die Rückrunde zu gehen”, sagte der Präsident. Und in den Katakomben erklärte der Manager Fredi Bobic: “Den Frust der Leute verstehe ich – aber ich habe etwas gegen Aggressionen.”
Nachdem die Anhängerschaft am Donnerstag beim sportlich bedeutungslosen 5:1-Erfolg gegen Odense BK in der Europa League noch demonstrativ geschwiegen hatte, wurde der Frust diesmal auch während der Partie lautstark artikuliert: “Vorstand raus!”, das war eine der Parolen der verärgerten Fans. Nach dem Treffer zum 3:5 durch Christian Gentner ebbte die Protestwelle zumindest ein bisschen ab.
Bereits vor dem Anpfiff war die Stimmung aufgeheizt gewesen. Da verteilte eine Fangruppierung vor dem Stadion Flugblätter mit dem dringenden Appell, beim VfB eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Auf dieser soll nach dem Willen der Initiatoren der Führungsriege das Vertrauen entzogen werden. Für eine außerordentliche Versammlung ist nach den VfB-Statuten ein Drittel der Unterschriften aller Mitglieder notwendig, die über 18 Jahre alt sind und die mindestens sechs Monate dem Verein angehören.
Bruno Labbadia kann mit derlei Vorhaben nichts anfangen – und tut dies nicht nur deshalb, weil die Protestler, die die Absetzung des Präsidenten Staudt, des Aufsichtsratschefs Dieter Hundt und ihrer Crew fordern, keine Alternativlösung präsentieren. “Wir versuchen, das ganze Umfeld des VfB mit einzubeziehen und auf das vorzubereiten, was uns alle in der Rückrunde erwartet”, sagte Labbadia nach seinem ersten deftigen Rückschlag: “Es gilt, im Abstiegskampf vieles auch mental gemeinsam durchzustehen.”
(STZ online 20.12.2010)
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Es hätte alles so schön werden können. Bruno Labbadia, der neue Hoffnungsträger auf der VfB-Bank , feierte sein Ligadebüt, der Gegner war der große FC Bayern. Und die Fans, die die Mannschaft am Donnerstag in der Europa League gegen Odense (5:1) mit demonstrativer Teilnahmslosigkeit gestraft hatten, waren wieder voll bei der Sache, vor dem Anpfiff hüpften und sagen sie. Hinterher jedoch wendeten sie sich mit Grausen ab.
Mit 3:5 (0:3) hat der VfB in einem denkwürdigen Spiel gegen die Bayern verloren und beendet damit die Vorrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz, mit der kläglichen Ausbeute von zwölf Punkten. Die Angst vor dem Absturz in die zweite Liga wird immer größer, denn auch der erneute Trainerwechsel hat, zumindest kurzfristig, nicht den erhofften Befreiungsschlag gebracht. Gnadenlos bekam Labbadia vor Augen geführt, dass es eine mehr als undankbare Aufgabe ist, den VfB in der Liga zu halten – trotz aller guter Vorhaben, mit denen er sein Team ins Spiel geschickt hatte.
Der Trainer veränderte die Mannschaft auf gleich fünf Positionen. Serdar Tasci und Matthieu Delpierre kehrten in den Innenverteidigung zurück, Christian Träsch spielte wieder im zentralen Mittelfeld, Cacau im Sturm. All das war im Vorfeld erwartet worden – sehr überraschend hingegen war die Besetzung des rechten Verteidigerpostens: Dort kam Ermin Bicakcic zum Einsatz, ein gelernter Innenverteidiger aus der zweiten Mannschaft. Es war eine mutige Maßnahme, die sich als kapitaler Fehlgriff erwies.
Der 20-Jährige begann stark. Schon nach sieben Minuten hatte er die Chance zur Führung, köpfte nach einem Freistoß von Arthur Boka aber zu unplatziert. Und zur zweiten VfB-Chance leistete Bicakcic die Vorarbeit, als Christian Träsch am Bayern-Torwart Jörg Butt scheiterte (11.). Es war also ein durchaus engagierter Beginn der Stuttgarter, die in der Folgezeit jedoch wieder einmal in sich zusammenfielen.
Sehr abwartend hatten die Bayern begonnen und den VfB spielen lassen. Dann schlugen sie eiskalt zu. Bicakcic vertändelte den Ball gegen Thomas Müller, dessen Zuspiel Mario Gomez zum 1:0 verwertete (31). Der frühere Stuttgarter revanchierte sich fünf Minuten später und lieferte Müller die Vorarbeit zum 2:0, nachdem diesmal Delpierre gepatzt hatte. Und erneut Bicakcic ließ kurz vor der Pause Franck Ribery gewähren – der Franzose bedankte sich und traf zum 3:0.
Im zweiten Abschnitt keimte zunächst Hoffnung auf, als der eingewechselte Martin Harnik zum 1:3 traf (50.). Dann jedoch machte sich der VfB mit weiteren haarsträubenden Fehlern alles selbst zunichte: Erst traf Gomez zum 4:1, nachdem Sven Ulreich eine harmlose Hereingabe von Ribéry aus den Händen hatte gleiten lassen. Dann krachte der VfB-Torwart mit Christian Träsch zusammen – erneut war Gomez zur Stelle und erzielte mit seinem zwölften Saisontor das 5:1. Konfuser als in diesen Minuten hat man den VfB selten gesehen.
Erst jetzt korrigierte Labbadia seine Fehlentscheidung und holte den gegen Ribéry völlig überforderten Bikacic vom Feld. Die Bayern stellten das Fußballspielen ein – mit dem Mute der Verzweiflung stemmte sich der VfB gegen das drohende Desaster. Vor allem Pawel Pogrebnjak schritt dabei mit unermüdlichem Einsatz voran. Erneut Martin Harnik und danach Christian Gentner betrieben mit ihren Toren Ergebniskosmetik und verhinderten eine Blamage. Die VfB-Fans ließen sich dadurch nicht milde stimmen. Sie drehten sich um, als sich die Spieler nach dem Schlusspfiff bedanken wollten. Zur sportlichen Krise gesellt sich vor dem Pokalspiel gegen die Bayern am Mittwoch ein echtes Fanproblem.
Mannschaften und Statistiken
VfB Stuttgart:
Ulreich – Bicakcic (60. Boulahrouz), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic (68. Gentner) – Gebhart (46. Harnik), Boka – Cacau, Pogrebnjak
Bayern München:
Butt – Lahm, Breno, Timoschtschuk, Contento – van Bommel, Ottl – Altintop (46. Pranjic), Müller (77. Alaba), Ribéry – Gomez (67. Klose)
Schiedsrichter:
Kinhöfer (Herne) – Zuschauer: 40.500 (ausverkauft)
Tore:
0:1 Gomez (31.), 0:2 Müller (36.), 0:3 Ribéry (43.), 1:3 Harnik (49.), 1:4 Gomez (52.), 1:5 Gomez (54.), 2:5 Harnik (64.), 3:5 Gentner (70.)
Gelbe Karten:
Pogrebnjak (2), Tasci (2), Träsch (3) / Timoschtschuk (2)
Beste Spieler:
Harnik, Pogrebnjak / Ribéry, Gomez, Müller
(STZ online 19.12.2010)
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Der VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen stehen in der Zwischenrunde der Europa League vor lösbaren Aufgaben. Der in der Fußball-Bundesliga gegen den Abstieg kämpfende VfB hat bei der Auslosung am Freitag in Portugals Meister Benfica Lissabon zumindest einen klangvollen Gegner zugeteilt bekommen. Dagegen muss sich Bayer in den beiden K.o.-Spielen am 17. und 24. Februar mit dem unbekannten Team von Metalist Charkow aus der Ukraine auseinandersetzen. Als Gruppensieger besitzen die deutschen Vereine den Vorteil, im Rückspiel Heimrecht zu haben.
“Ein Champions-League-Absteiger, da braucht man nicht viel zu sagen”, erklärte der neue Stuttgarter Cheftrainer Bruno Labbadia nach der Auslosung durch die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Freitag in Nyon (Schweiz). “Eine Top-Mannschaft, ein super-interessantes Los.” National ist Benfica derzeit aber klar hinter Tabellenführer FC Porto zurückgefallen. In der Champions League standen sie in der Gruppe B mit dem FC Schalke 04, schieden als Dritter jedoch aus.
VfB-Sportdirektor Fredi Bobic stellte allerdings sofort klar, dass der Fokus der Schwaben “absolut auf der Bundesliga” liegt. Denn dort steht der VfB vor dem Süd-Schlager am Sonntag (17.30 Uhr) gegen den FC Bayern München auf einem Abstiegsplatz.
Auch Leverkusen geht mit Respekt an die Aufgabe gegen Charkow, den Zweiten der Europa-League-Gruppe I, heran. Wer Sampdoria Genua aus dem Weg räume und 0:0 gegen Eindhoven spiele, “muss ein starker Gegner sein”, erklärte Bayer-Trainer Jupp Heynckes. “Aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine Runde weiterkommen.”
Sollten sich die Leverkusener gegen die Ukrainer durchsetzen, würden sie im Achtelfinale am 10. und 17. März auf den Sieger der Partie zwischen dem SSC Neapel und dem FC Villareal treffen. Stuttgart müsste sich im Erfolgsfall mit BATE Borissow aus Weißrussland oder Paris St. Germain auseinandersetzen.
Bei Bayer hatte es am Donnerstag nach dem 1:1 im letzten Spiel der Gruppe B gegen den damit ausgeschiedenen Titelverteidiger Atlético Madrid zwei Sieger gegeben: Heynckes und Rückkehrer Stefan Kießling. “Als der Trainer sagte, ‘lauf dich warm’, war das eine Befreiung”, sagte der 26-jährige Nationalstürmer nach seinem tollen Comeback 88 Tage nach dem Riss eines Syndesmosebands. Kießlings Kopfball-Vorlage nutzte Sturmpartner Patrick Helmes (69. Minute) zur 1:0-Führung, die Fran Mérida (72.) fast postwendend ausglich.
In Kießling und dem ins Training zurückgekehrten Mittelfeldstar Michael Ballack, der eine Fraktur des Schienbeinkopfes auskurieren musste, hat der Verfolger des in der Europa League gescheiterten Bundesliga-Spitzenreiters Borussia Dortmund zwei Trümpfe in der Hand. Doch auch Heynckes sammelte weitere Pluspunkte: Schließlich führte er seine Elf ungeschlagen durch die Gruppenphase.
Dagegen machte in Stuttgart auch der gelungene Einstand von Labbadia im bedeutungslosen Gruppenfinale gegen Odense BK kaum Mut für die Partie gegen die Bayern. “Da war noch viel Sand im Getriebe”, stellte Bobic trotz des deutlichen 5:1 (1:0) fest. “Das darf gegen die Bayern nicht passieren, da brauchen wir ein perfektes Spiel.” Labbadia weiß, “dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben”.
(STZ online 17.12.2010)
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Bruno Labbadia hat gleich Maßstäbe gesetzt. Der neue VfB-Trainer stand im bedeutungslosen Europa-League-Spiel gegen Odense 90 Minuten am Spielfeldrand und feuerte seine Mannschaft unermüdlich an. Die Premiere schien ihm ausgesprochen wichtig zu sein, und die kann angesichts eines 5:1-Erfolges auch als geglückt bezeichnet werden.
Labbadia schonte sich selbst nicht, dafür aber einige Stuttgarter Stammkräfte. So tauchte der erkältete Matthieu Delpierre vorsichtshalber gar nicht im Kader auf. Christian Träsch, Cacau und Christian Gentner saßen auf der Bank – neben Fredi Bobic. Gut sichtbar rückt der VfB-Manager in der Krise näher an die Mannschaft heran. Im Gegensatz zu den Anhängern. Die verweigerten die Unterstützung bis zur 88. Minute und rollten im mit 12 000 Zuschauern spärlich gefüllten Stadion ein Plakat aus, auf dem zu lesen war: “So fühlt sich zweite Liga an.”
Nach dieser deutlichen Ansage hatte der VfB so seine Anlaufschwierigkeiten gegen die Dänen. Es dauerte immerhin 20 Minuten, ehe der VfB den ersten ansehnlichen Angriff startete und damit auch gleich in Führung ging. Nach einer Flanke von Cristian Molinaro und einem abgeblockten Kopfball von Pawel Pogrebnjak staubte Timo Gebhart zum 1:0 ab. Danach spielt der VfB flüssiger, zwingende Aktionen gab es in der ersten Halbzeit aber nicht mehr zu bewundern.
In dieser Partie, aus der in Richtung Stuttgarter Zukunft nicht viel herauszulesen war, sorgte der VfB dann aber doch sehr früh für die Entscheidung. Eine Hereingabe des sehr engagierten Timo Gebhart lenkte Daniel Hoegh ins eigene Tor ab (48. Minute). Nachdem die Dänen Mitte der zweiten Halbzeit fast keine Gegenwehr mehr leisteten, trafen Christian Gentner (65.) und Pawel Pogrebnjak (70.) zum zwischenzeitlichen 4:0. Odenses Nigerianer Utaka verkürzte (72.), ehe Marica den 5:1-Endstand besorgte.
Nach dem Stuttgarter Aufwärmtraining unter Wettkampfbedingungen am Donnerstagabend wird es dann aber wieder richtig ernst für den VfB, wenn Bruno Labbadia damit beginnt, seine Mannschaft auf das letzte Bundesligaspiel in diesem Jahr einzustimmen. Und das könnte – im Gegensatz zur Partie gegen Odense – zum Stuttgarter Befreiungsschlag taugen.
Ein Heimsieg am Sonntag gegen den FC Bayern würde die völlig verpatzte Vorrunde in einem etwas sanfteren Licht erscheinen lassen und den Spielern vermutlich den Glauben an sich selbst zurückgeben. Auch für Bruno Labbadia wäre ein Sieg eine große Argumentationshilfe bei der Frage, ob er eigentlich der richtige VfB-Trainer ist. Angesichts dessen dürfte die heutige Europa-League-Auslosung beim 44-Jährigen nicht über den Status einer Randnotiz hinauskommen. Im schweizerischen Nyon entscheidet sich, auf wen der VfB in der K.o-Runde der letzten 32 Mannschaften (17. und 24. Februar) trifft. Beim Stuttgarter Gegner handelt es sich entweder um einen Gruppenzweiten (so wie zum Beispiel der FC Sevilla) oder einen der vier schlechteren Drittplatzierten aus der Champions League (Glasgow Rangers, Benfica Lissabon, Rubin Kasan, FC Basel).
Erst vor der nächsten in weiter Ferne liegenden internationalen Begegnung wird sich Labbadia wieder daran erinnern, dass er mit dem Hamburger SV in der vergangenen Saison im Halbfinale der Europa League gestanden hatte. Doch es dürften gemischte Gefühle sein, die der VfB-Coach damit verbindet. Denn unmittelbar vor dem Rückspiel im April wurde Labbadia in Hamburg entlassen. Doch daran denkt der neue Stuttgarter Trainer sicher nicht. Er hat jetzt nur noch Bayern (am Sonntag) und nochmal Bayern (Mittwoch) im Kopf.
Mannschaften und Statistik
Stuttgart
Ulreich– Degen, Niedermeier, Bicakcic, Molinaro – Kuzmanovic, Bah (60. Gentner) – Gebhart (59. Camoranesi), Boka – Marica, Pogrebnjak (71. Cacau).
Odense
Ousager – Helveg, Høegh, Møller Christensen, Sørensen – Djemba-Djemba, Andreasen – Ruud, Traoré (79. Feldballe) – Utaka (88. Jensen), Toft (76. Johansson).
Schiedsrichter
Hauge (Norwegen).
Zuschauer
12.000.
Tore
1:0 Gebhart (20.), 2:0 Hoegh (48./Eigentor), 3:0 Gentner (65.), 4:0 Pogrebnjak (70.), 4:1 Utaka (72.), 5:1 Marica (90.+3)
(STZ online 17.12.2010)
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