30. September 2013

Auswärtssiegen ist schön!

Bilder vom Auswärtssieg in Braunschweig sind jetzt online. Nach denkwürdiger An- und Abreise, die mich zunächst der Einlaufbilder, später dann des Schlafs beraubte, kann man trotz allem auf eine erfolgreiche Auswärtsfahrt zurück blicken. Gegen das noch sieglose Schlusslicht Eintracht Braunschweig kamen wir zu einem vielleicht zu hoch ausgefallenen 4:0-Erfolg. Braunschweig begann engagiert und bissig, man merkte ihnen an, dass sie schon ein wenig mit dem Mute der Verzweiflung ankämpfen. In der ersten Hälfte hatte Braunschweig mehr vom Spiel und hatte durchaus Chancen, selbst in Führung zu gehen. Der VfB kämpfte sich nach und nach ins Spiel hinein und ging wenige Minuten vor der Halbzeit schmeichelhaft mit 0:1 in Führung. Wieder einmal war der Türöffner eine von Alexandru Maxim getretene Freistoßflanke, die Ibisevic per Kopf verwerten konnte. Dabei entledigte er sich durch einen Schubser seines Bewachers, dem Ex-VfBler Ermin Bicakcic. Hätten die Unparteiischen dies gesehen, hätten wir uns nicht beklagen dürfen, wenn der Treffer aberkannt worden wäre. Schade eigentlich, dass dem sympathischen Aufsteiger durch einen irregulären Treffer der Zahn gezogen wurde. Danach nämlich, vor allem in der zweiten Hälfte, kontrollierte der VfB das Spiel und den Gegner nach Belieben und erspielte sich gegen die mittlerweile überforderten Niedersachsen Chance um Chance. Spätestens nach Maxims tollem Abstaubertor aus spitzem Winkel war die Gegenwehr der Gastgeber gebrochen. Dem VfB boten sich Räume, die in der Bundesliga seinesgleichen suchen. Mann des Spiels neben Maxim war Ibrahima Traore, der nicht zu stoppen und an drei Toren beteiligt war.

Ob beim VfB endgültig die Leichtigkeit zurückgekehrt ist, wird sich gegen stärkere Gegner zeigen. Braunschweig war dafür nur phasenweise ein Gradmesser. Trotzdem sollte man den Sieg jetzt nicht kleinreden. 4:0 musst Du in der Bundesliga erst einmal auswärts gewinnen, auch in Braunschweig.

Der Aufsteiger mit seinem phantastischen Publikum im Rücken dürfte es schwer haben, die Klasse zu halten. Dies mache ich jedoch nicht am gestrigen Auftritt fest. Zu groß ist mittlerweile die Kluft zwischen etablierten Bundesligavereinen, Fahrstuhlmannschaften, für die ein Abstieg einen Betriebsunfall darstellt und die mit großem finanziellen Aufwand den sofortigen Wiederaufstieg anstreben und solchen Vereinen, wie im letzten Jahr auch Düsseldorf und Fürth, die jahrzehntelang unterklassig spielten und in der Bundesliga finanziell auf verlorenem Posten stehen. Da muss schon alles zusammen passen, um, ohne finanzielle Drahtseilakte (Alemannia Aachen läßt grüßen!), die nötigen Punkte einzufahren und zwei oder drei Vereine hinter sich zu lassen. Braunschweig vertraut weitestgehend den Aufstiegshelden, die schon in der 2. Liga ihre Siege weniger zelebrierten denn sich erarbeiteten. Daher ist es für mich keine Überraschung, dass das Team so schlecht da steht. Ich hoffe, dort behält man die Ruhe, vertraut weiterhin den Garanten der letzten fünf erfolgreichen Jahre Marc Arnold und Thorsten Lieberknecht und verfällt nicht in den branchenüblichen Aktionismus.

Für den VfB geht es weiter, man höre und staune, Samstag 15:30, gegen Werder Bremen. Bremen ist im Jahr Eins nach Schaaf auf der Suche nach sich selbst und nach der Konstanz. Dem Derby-Sieg in Hamburg folgte nach 2:0-Führung ein 3:3 gegen den Club. Das zeigt durchaus auf, welche Chancen sich uns am nächsten Spieltag bieten könnten. Ihre Abwehrprobleme haben die Werderaner nach wie vor nicht im Griff, so dass es ein Spektakel geben könnte, wenn unsere Jungs eine ähnliche Spielfreude an den Tag legen wie gegen Hoffenheim oder auch in der zweiten Hälfte in Braunschweig. Nach dem gestrigen Sieg und der noch andauernden Freude darüber kann ich es kaum erwarten, bis es (endlich) weiter geht, auch deshalb, weil es das einzige Heimspiel während des Volksfestes ist.

Seit Schneiders Amtsantritt können wir zwar nicht mehr Pokal, dafür jedoch umso mehr Liga. Zehn Punkte aus vier Spielen, keine Niederlage, so darf es gerne weiter gehen.

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23. September 2013

Feierstimmung – Katerstimmung

So eng liegen manchmal Euphorie und Frust, Freude und Trauer, Sieg und (gefühlte) Niederlage beieinander. In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient hatte, wird uns in buchstäblich letzter Sekunde, nach Foul von Rode an Traore, der Sieg in Form eines Elfmeters auf dem Silbertablett serviert. Wir, in Person von Vedad Ibisevic, hätten nur noch zugreifen müssen, stattdessen setzte Vedo die Kugel am Tor vorbei. Der Frankfurter Keeper Kevin Trapp lag schon in der linken Ecke, Vedad hätte den Ball „nur“ ins rechte Eck schieben müssen und der Siegestaumel, die Euphorie, wären sicherlich grenzenlos gewesen. So überwiegt zunächst einmal der Frust an diesem Tag, der wie gemacht schien, den Brustring siegen zu sehen.

Begonnen hatte das Spektakel mit einer beeindruckenden Choreographie unserer Ultras anlässlich des 120. Geburtstages vom VfB 1893 (Bilder online unter https://www.frankys-stadionpics.de//bilder/thumbnails.php?album=439). Dieser lag zwar bereits knapp zwei Wochen zurück, doch das Spiel gegen die Eintracht war das erste Heimspiel seitdem. Unsere Jungs traten bei dieser einmaligen Aktion im wunderschönen Traditionstrikot mit durchgängigem Brustring und ohne Werbung an, wofür der Verein eine Sondergenehmigung der DFL und natürlich auch des Hauptsponsors einholen musste. Der Rahmen stimmte also. Die Vorzeichen schienen für den VfB zu sprechen. Nach dem Trainerwechsel ging spürbar ein Ruck durch die Mannschaft, die Ergebnisse zuletzt stimmten wieder ein wenig versöhnlich.

Dem grandiosen 6:2-Sieg gegen Hoppenheim ließen die Schneider-Schützlinge einen glanzlosen, aber immens wichtigen 1:0-Auswärtssieg beim Aufsteiger und Angstgegner Hertha BSC Berlin folgen. Die Eintracht nach den 3:0-Siegen in der Europa League gegen Bordeaux und zuletzt in der Liga bei Werder Bremen zwar im Aufwind, ich hatte aber die große Hoffnung, dass die Eintracht die Doppelbelastung nicht gewohnt wäre und uns das in die Karten spielen könnte. Zudem wartete auf uns ein spielstarker Gegner, der sein Heil eher im Angriff suchen und nicht mauern würde, was uns seit je her mehr liegt.

Das Spiel begann dann leider anders, als ich es mir ausgemalt hatte. Die Frankfurter, unterstützt von etwa 5.000 Anhängern, begannen forsch und hatten die ersten Torchancen. Der VfB kam sehr schwer ins Spiel und meist einen Schritt zu spät. Folgerichtig erzielte Russ für die Frankfurter nach einer knappen Viertelstunde aus dem Gewühl heraus das 0:1. Fast postwendend danach schickte Sakai Harnik auf die Reise, der noch an Trapp scheiterte. Die daraus resultierende Ecke von Maxim verlängerte Gentner am kurzen Pfosten per Kopf, so dass unser Youngster Timo Werner am langen Pfosten nur noch einzunicken brauchte. Nachdem Werner schon als jüngster VfB-Bundesligaspieler in die Annalen einging, hält er nun auch den Rekord des jüngsten Torschützen der VfB-Bundesligageschichte.

Dieser Junge ist ein Rohdiamant, der das Zeug dazu hat, ein ganz Großer zu werden. Dafür muss er auf dem Boden bleiben und den Verlockungen widerstehen. Konzentriert weiter an sich arbeiten, die Schule ordentlich beenden und sich nicht in die „Obhut“ falscher Freunde und „Berater“ begeben. In Karl-Heinz Förster hat er einen Berater, der sicherlich seinen Teil dazu beitragen wird und der dem VfB auch wohlgesonnen ist. Letztendlich aber liegt es am Spieler selbst, ob er bereit ist, einen Schritt nach dem Anderen zu gehen und an seiner Familie mit dafür zu sorgen, dass er die Bodenhaftung bewahrt. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass er abzuheben droht. Weiter so, Timo!

Nach 16 Minuten stand das Endergebnis also schon fest. Die Frankfurter hatten über weite Strecken die reifere Spielanlage, vom VfB kam vor allem über die Flügel zu wenig und es blieb vieles Stückwerk. Erst als in den letzten 15 Minuten die Kräfte bei den Hessen schwanden, kam der VfB stärker auf und erzielte u. a. ein Abseitstor. Auch hier machte Vedad Ibisevic keine glückliche Figur, weil er, ohnehin im passiven Abseits befindlich, eine aktive Bewegung in Richtung des Balles machte und dadurch der Treffer zwingend abzuerkennen war. Ibisevic hatte an diesem Spätnachmittag ohnehin nicht seinen besten Tag, trotzdem hätte er mit dem Abpfiff zum „Man of the Match“ werden können. Hypothetisch zu fragen, ob ein Mann, dem 90 Minuten lang wenig bis nichts gelang, unbedingt den Strafstoß schießen musste. Das aber regeln die Jungs auf dem Platz, was auch gut so ist – wer sich sicher fühlt, soll schießen. Er wäre sicherlich nach seinem Fehlschuss selbst am liebsten im Erdboden verschwunden, so verbietet es sich von selbst, auf Vedo herumzuhacken, der uns schon so viele Punkte gerettet hat. Herum lamentieren bringt sowieso nichts mehr, der VfB muss mit dem einen Punkt vorlieb nehmen und kann meiner Ansicht nach auch damit gut leben. Wenn man ehrlich ist, hatte die Eintracht ihrerseits ja genügend Chancen, den Siegtreffer zu erzielen, so dass sie eine Niederlage eigentlich auch nicht verdient hatten. Vor ein paar Wochen noch wäre dieses Spiel sicherlich verloren gegangen, jetzt haben wir wenigstens einen Punkt mehr auf der Habenseite und holen uns die verspielten Punkte eben am nächsten Sonntag in Braunschweig. Wichtig war, dass die Serie in der Bundesliga unter Thomas Schneider hielt, wir nun mit ihm sieben Punkte aus drei Spielen holten und damit so etwas wie die Mannschaft der Stunde sind, lässt man einmal die in einer anderen Liga spielenden Dortmunder, Bayern und Leverkusener außer Acht!

Vor Braunschweig steht allerdings noch das wichtige Zweitrundenduell im DFB-Vereinspokal beim SC Freiburg auf dem Programm. Man darf gespannt sein, mit welcher Aufstellung Schneider dem Ziel „Finale 2014“ entgegen steuern möchte. Gestern in „Sport im Dritten“ kündigte er an, etwas rotieren zu wollen. DIE Chance sich zu zeigen also für diejenigen, die seit Schneiders Amtsantritt etwas außen vor waren. Wie ich soeben, beim Verfassen dieser Zeilen, zur Kenntnis nehmen muss, fällt unsere Nummer Eins, Sven Ulreich definitiv verletzungsbedingt aus und wird durch Thorsten Kirschbaum vertreten. Unfreiwillig muss also auch auf der Torwartposition rotiert werden.

Freiburg ist nach der großen personellen Fluktuation in der Sommerpause noch auf der Suche nach sich selbst und kann scheinbar nicht mehr gewinnen. Dem 2:2 in der Europa League folgte gestern ein 1:1 gegen Hertha BSC. Ein kleiner Vorteil für uns dürfte darin liegen, dass die Südbadener mitten in den für sie ungewohnten englischen Wochen stecken und die Rotationsmöglichkeiten für Streich eher limitiert sind. Dennoch sehe ich uns vor einer ganz schwierigen Aufgabe. Für die Freiburger Fans wird es das Spiel des Jahres, sie sinnen unbedingt auf Revanche für die Halbfinalniederlage aus dem Vorjahr. Die Mannschaft spürt das natürlich und wird versuchen über sich hinauszuwachsen und den Bock umzustoßen. Ein Sieg im Pokal, der freilich keine Punkte bringt, würde Kräfte für die Liga freisetzen und ihnen neuen Mut machen können.

Als einer von wenigen VfBlern muss ich zugeben, dass mir die ehemals „Breisgau-Brasilianer“ genannten Freiburger nicht unsym“badisch“ sind. In ihrer ersten Aufstiegssaison 1993 drückte ich ihnen in Degerloch auf der Haupttribüne inmitten des Blauen Adels bei den Stuttgarter Kickers die Daumen und gönnte ihnen den Aufstieg. Mein Arbeitgeber hatte damals VIP-Dauerkarten bei den Kickers, die ich mir für dieses Spiel ausschließlich wegen des Gegners sicherte. Damals fand ich es erfrischend, eine neue Kraft aus Baden-Württemberg (Stichwort: kurze Wege) in der Liga zu haben und fand Volker Finke richtig gut. Ein innovativer Trainer einer neuen Generation, der sich von den alten Schergen positiv abgehoben hat. Schon damals war der SC Freiburg nicht gerade auf Rosen gebettet und darauf angewiesen einen besseren Job zu machen als das Establishment, dafür stand Finke in seiner Anfangszeit in Freiburg.

Dazu kam, dass mein Vater beruflich Kontakt mit dem damaligen Präsidenten Achim Stocker pflegte, so dass ich mir in den ersten Jahren der Freiburger Bundesligazugehörigkeit meine (Frei-) Karten direkt an seiner Haustür abholen durfte. Zu dieser Zeit, als das Freiburger Stadion gerade einmal 15.000 Zuschauer fasste und die Euphorie riesig war, war es selbst für den Präsidenten schwierig, an Karten heran zu kommen, vor allem, wenn ich mich kurzfristig anmeldete. So kam es auch schon einmal vor, dass ich zwei Dauerkarten zum abknipsen erhielt, die ich nach dem Spiel wieder zurück brachte. Aufgrund dieser Anekdoten und natürlich auch aus Dankbarkeit dem leider viel zu früh verstorbenen Stocker fällt es mir schwer, ein böses Wort über den Verein zu verlieren.

Auch heute noch verdient Bewunderung, was in Freiburg geleistet wird. Momentan leiden sie unter dem Fluch der guten Tat, nämlich dass sie viele Spieler hervorgebracht haben, die für andere besser situierte Vereine von Interesse und daher nicht in Freiburg zu halten waren. Sie befinden sich mitten im kompletten Neuaufbau und tun sich momentan noch schwer in der Liga mitzuhalten. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass sie ein ernsthafter Abstiegskandidat sein werden. Christian Streich ist ein toller Typ und ein noch besserer Fußballlehrer, einer, der diese Bezeichnung wirklich verdient. Unter ihm wird eine Saison nie nur so dahin plätschern. Er hat die Fähigkeit Spieler und eine Mannschaft tatsächlich von Training zu Training weiter zu entwickeln und zu verbessern. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Freiburger irgendwann in dieser Saison, spätestens zu Beginn der Rückrunde, die Kurve kriegen werden und die notwendigen Punkte für sicherere Gefilde in der Tabelle einfahren werden.

Meine Sympathie für den SCF und die Wertschätzung, die ich ihrer Arbeit entgegenbringe, bedeutet allerdings nicht, dass ich es für gutheiße, wie man dort vom Ordnungsdienst und der Polizei behandelt wird und dass der Gästeblock der fanunfreundlichste in der ganzen Liga ist.

Wenn man mit dem Bus am Stadion ankommt, wird man direkt vor den Gästekäfig gefahren und hat Probleme die Absperrungen in Richtung „Freiheit“ passieren zu dürfen, selbst wenn man seine Karte in einem anderen Bereich hat. In Freiburg gönne ich mir wegen der besseren Perspektive zum Fotografieren öfter mal einen Platz auf der Gegentribüne. Um auf der Gegentribüne im „neutralen“ Bereich Karten zu bekommen, benötigt es allerdings Kontakte nach Baden, mit einer württembergischen Postleitzahl ist eine Bestellung von Tickets direkt beim Sportclub leider nicht möglich. Dieses Tamtam um Fantrennung, das oftmals unverschämte und unangemessene Auftreten der Ordnungskräfte und der Staatsmacht stehen in keinem Verhältnis zu dem, was dort wirklich  geboten ist.

Wenn genügend Zeit ist, gehe ich sehr gerne in den Biergarten nebenan, war sogar auch schon in der Fankneipe auf der Freiburger Seite und bekam noch nie Probleme mit den Freiburger Fans.

Außer harmlosen Frotzeleien, die dazu gehören, habe ich in Freiburg noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Natürlich bin ich auch nicht der Typ der provoziert und weiß wie ich mich, vor allem in der Höhle des Löwen, als Gast zu verhalten habe.

Die Damen und Herren von der Obrigkeit scheren jedoch, wie überall, alle über einen Kamm, anstatt, wie es in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein sollte, geschehene Vergehen zu verfolgen und zu ahnden und nicht präventiv alle Anwesenden in Sippenhaft zu nehmen! Im Deutschen Rechtssystem gibt es normalerweise keine Kollektivstrafen, im Fußball (schon deshalb wohl ein rechtsfreier Raum) dagegen schon.

Ich wage einmal die These, dass es, würde man die Fans „einfach machen lassen“ und die Polizei sich im Hintergrund halten würde, weitaus weniger Probleme gäbe, als es sie mit der gängigen Praxis gibt. Vor den Spielen werden meist lächerliche (weil grund- und sinnlose) Verbote verhängt und ein Benimm-Brief des am jeweiligen Spielort obersten Schutzmannes veröffentlicht, in welchem dann reglementiert ist, wie man sich als Fan zu verhalten hat und wo man sich aufhalten darf. Dass den noch so unsinnigen Anweisungen ohne Murren Folge zu leisten wäre und dass sie nett zu uns sein würden, wenn wir gehorsam und nett zu ihnen sind. Mit mündigen Bürgern, die nichts verbrochen haben, geht man (in einem Rechtsstaat) anders um.

Sportlich erwarte ich vom VfB, dass er konzentriert spielt und Freiburg nicht durch dumme Leichtsinnsfehler oder lasches Auftreten aufbauen möge. Unsere Jungs haben beim Pokalendspiel in Berlin Blut geleckt und werden sicherlich alles dafür tun, das Finale erneut zu erreichen, dieses Mal den Pokal selbst in die Höhe zu strecken und nicht nur Staffage bei der Siegerehrung zu sein. Auf dem Papier sind wir stärker besetzt als die Freiburger, kommen mit Selbstvertrauen ins Dreisamstadion, spielen gegen einen verunsicherten Gegner, was also sollte uns davon abhalten, in die dritte Runde einzuziehen. Habe ich weiter oben gemutmaßt, dass ein Spiel wie gegen die Eintracht unter Labbadia noch verloren gegangen wäre, so darf man an dieser Stelle auch die Hoffnung hegen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir der ideale Aufbaugegner für die Krisenclubs der Liga waren. Nach Freiburg und nach Braunschweig sind wir in dieser Hinsicht schlauer!

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14. September 2013

Ulle hält den Sieg fest

Category: Frankys Blogs — Franky @ 20:21

Der Aufbruch 1893 geht offensichtlich weiter. Erstmals seit 2010 und erst zum zweiten Mal in den letzten 15 Anläufen nimmt der VfB drei Punkte aus der Hauptstadt mit. Nach dem 6:2 gegen Hoffenheim für Thomas Schneider der zweite Sieg im zweiten Spiel. Nach dem Motto „never change a winning team“ schickte unser neuer Chef an der Linie die gleichen elf Protagonisten auf den Rasen, die Hoppenheim so eindrucksvoll zurück an die Raststätte geballert hatten. Ich fand es gut, dass er den nach Sperre wieder spielberechtigten Traore zunächst auf der Bank ließ und nicht den im letzten Spiel so starken Timo Werner für ihn opferte. Unter Labbadia bemängelte ich oft, dass er seine Elf stets im Kopf hatte und Reservisten, die jemanden seiner ersten Elf wegen Verletzung bzw. Sperre ersetzten, spielen konnten, wie sie wollten – wenn der Platzhirsch wieder zur Verfügung stand, war derjenige wieder draußen. Ein Leistungsprinzip sieht anders aus. Das sind so kleine Zeichen, die aufzeigen, dass eine neue Zeitrechnung begonnen hat.

Angetan war ich auch davon, wie der VfB ins Spiel startete. Ich meinte eine viel höhere Aggressivität erkannt zu haben als noch in den Auswärtsspielen in Mainz und in Augsburg, als man viel verhaltener in die Partie startete und den Gegner von Beginn an aufforderte, das Spiel an sich zu reißen. Leider hielten die ersten Eindrücke nur fünf Minuten an. Hertha bot ein gutes Heimspiel und ist mit einem „normalen“ Aufsteiger eigentlich auch nicht zu vergleichen. Die haben richtig Qualität in ihren Reihen und diese im Sommerschlussverkauf durch die Zukäufe von Skjelbred und Cigerci sogar noch einmal erhöht. Vor allem über außen gelang es ihnen immer wieder bis zur Grundlinie vorzudringen und von dort sogar noch nach innen zu ziehen. Unsere Außenverteidiger Sakai und vor allem Boka waren in der einen oder anderen Situation sichtlich überfordert mit den schnellen Außenstürmern der Berliner Hertha. Auch die Raumaufteilung der Berliner hat mir imponiert, zeitweise hatte ich den Eindruck die Berliner hätten einen Mann mehr auf dem Platz.

Gut für uns, dass die Herthaner das Tore schießen nicht gerade erfunden haben und Sven Ulreich einen Sahnetag erwischt hat. Kurz vor der Halbzeit kam der VfB zum ersten (!) Abschluss, als Maxim den Kopf von Gentner fand und Kraft dessen Kopfball überragend parierte.

Mit einem schmeichelhaften 0:0 ging es also in die Kabine, aus der der VfB dann schwungvoll wieder herauskam. Kurz nach dem Seitenwechsel nämlich war es wieder Maxim, der einen Standard punktgenau auf den Kopf von Christian Gentner schlug und der dieses Mal Thomas Kraft im Tor der Berliner keine Chance ließ. Im Grunde wussten wir nicht so recht, wie uns geschah. In einem Spiel quasi ohne Abschlüsse, in dem die Berliner deutlich mehr in die Waagschale warfen, war der Auswärtssieg auf einmal zum greifen nahe. Die Berliner rannten weiter an, fanden jedoch immer wieder in Ulle ihren Meister. Auch Antonio Rüdiger machte ein starkes Spiel und stemmte sich in seiner Heimatstadt gegen den Ausgleichstreffer. Er zeigte großes Herz und hatte auch irgendwie immer einen Fuß dazwischen.

Sven Ulreich darf nach dem Spiel als Matchwinner gefeiert werden. Auch die „Ulle, Ulle-Rufe“ nach dem Spiel hat er sich verdient, was auch damit unterstrichen wird, wie er von seinen Mitspielern geherzt wurde. Trotzdem, ihn jetzt nach einer einzigen überragenden Vorstellung in den Dunstkreis der Nationalmannschaft schreiben zu wollen, halte ich für übertrieben und denke auch nicht, dass man ihm einen Gefallen damit tut. Er tut gut daran, seine Leistungen zu stabilisieren und an seinen Schwächen, die ich bei ihm noch zuhauf sehe, weiter konsequent zu arbeiten. In der letzten Saison und zu Beginn dieser Saison hat er sich schon den einen oder anderen schwerwiegenden Lapsus geleistet. Vor allem das 0:1 gegen Rijeka kostete uns letztendlich die Europa League Teilnahme. Deshalb geht s in aller erster Linie darum, diese Fehler abzustellen und konzentriert weiter zu arbeiten. Wenn er solche Leistungen konserviert und Woche für Woche darbietet, kommt der nächste Schritt von selbst.

Am Ende konnten wir (taten wir auch) den VfB-Sieg ausgiebig feiern und auskosten. Die Reise zur Berliner Hertha muss man mittlerweile durchaus mit gemischten Gefühlen antreten. Ihre duppelige Fanfreundschaft mit unseren „Freunden“ aus Baden auf der einen Seite, der Schwabenhass in Berlin auf der Anderen. Selten habe ich so oft und aus so vielen Kehlen „Stuttgarter Arschlöcher“ gehört als gestern. So gilt es dort stets wachsam zu sein und auf Pöbeleien möglichst nicht zu reagieren, selbst wenn einem einmal eine K**-Flagge halb im Gesicht weht. Da ist es nicht immer einfach Contenance zu bewahren, doch, die Vernunft siegt dann, wenigstens bei mir, immer! Umso besser tut es dann, wenn man diesen Ort mit einem Sieg verlassen kann und nicht noch Häme über sich ergehen lassen muss.

Mit dem Sieg hat der VfB den Anschluss ans Mittelfeld geschafft. Die spielerische Leichtigkeit vom Hoffenheim-Spiel ist zwar in der Länderspielpause geblieben, egal, auch dieser glückliche Sieg bringt uns weiter. Jetzt hat das Team neun Tage Zeit, sich auf Frankfurt vorzubereiten. Der Prozess der Weiterentwicklung und Veränderung der Spielweise nach den Vorstellungen Schneiders ist noch lange nicht abgeschlossen, jetzt gilt es einen Schritt nach dem anderen zu machen. Wenn dieser Prozess dann auch noch mit Siegen einhergeht, umso besser. Mittlerweile freue ich mich schon wieder auf die nächsten Spiele, so auch auf das Frankfurt-Spiel. Es wäre schön, wenn wir wieder eine Gala wie gegen Hoffenheim erleben dürften. Die Voraussetzungen dafür sind durchaus gegeben. Der Aufbruch1893, die wieder zu erkennende Spielfreude, dazu der internationale Auftritt der Eintracht unter der Woche gegen Bordeaux. Da Frankfurt diese Belastung und auch diese emotionalen Höhepunkte unter der Woche nicht gewöhnt ist, rechne ich mir schon auch gegen Frankfurt einen Heimsieg aus. Noch ist der Aufschwung ein zartes Pflänzchen, das man nicht überbewerten sollte. Andererseits fängt es schon sehr vielversprechend an, was Lust auf mehr macht und Hoffnungen weckt, dass in naher Zukunft eine neue Euphorie ausbrechen und die Mannschaft das Stadion wieder voll spielen könnte.

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9. September 2013

Hoch soll er leben,

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 11:46

hoch soll er leben, drei Mal hoch!

Glückwunsch VfB, Glückwunsch 1893, mein Verein, der Du am 09.09.1893 das Licht der Welt erblicktest und heute 120 Jahre jung wirst.

Seit ich vor knapp 39 Jahren das erste Mal im Neckarstadion war, hast Du mich in Deinen Bann gezogen. Die glorreichen 50er-Jahre konnte ich noch nicht miterleben, doch auch „zu meiner Zeit“ gab es viele Highlights, angefangen mit dem Aufstieg 1977, dem Durchstarten in der Bundesliga mit dem 4. Platz auf Anhieb und einem Zuschauerschnitt von weit über 50.000. Danach hielt sich der VfB konstant in der Spitzengruppe der Liga und wurde schließlich und endlich 1984 mit Helmut Benthaus an der Seitenlinie zum dritten Mal deutscher Meister. 1986 machten wir zunächst in einem Spiel gegen Werder Bremen, in dem es für uns um nichts mehr ging, die Bayern zum Meister, indem wir Bremen mit 2:1 zurück an die Weser schickten. Eine Woche später dann in Berlin, Undank ist der Welt Lohn, zeigten die Bayern keine Gnade und holten durch ein 5:2 den DFB-Pokal. Den VfB und das VfB-Fan-Sein macht es einfach aus, dass bittere Niederlagen genauso dazu gehören wie große Siege. So setzte es 1985 eine bittere 0:6-Niederlage in Bremen, als Flieger noch nicht erschwinglich und ICEs noch ein Fremdwort waren. Wir saßen gefühlt das ganze Wochenende im Zug und hatten vor allem auf der Rückfahrt (leider) viel Zeit, über das Erlebte zu sinnieren. Noch dramatischer 1989 die 1:2 Niederlage in Neapel, als wir machen konnten, was wir wollten, der griechische Schiedsrichter hätte niemals einen Auswärtssieg geduldet. Keine Ahnung mit was ihn die Camorra & Co. bestochen hatten, es muss jedenfalls ein sehr lukratives Geschäft für ihn gewesen sein. Er hat, glaube ich, danach nie mehr ein Spiel geleitet. Im Rückspiel bedeutete das 3:3, dem letzten Spiel von Jürgen Klinsmann im VfB-Dress, die Finalniederlage gegen den SSC Neapel mit Diego Maradona. Schon damals wurden mir für dieses Spiel vom italienischen Wirt meiner damaligen Stammkneipe 500 DM für mein Ticket geboten, was ich natürlich ablehnte. Damals wir heute käme es für mich nie Frage, ein Ticket zu verhökern, erst recht nicht an einen Fan der gegnerischen Mannschaft.

Dies war im Grunde schon eine Zeit, wie wir sie heute kennen. Konstanz war beim VfB seit eh und je ein Fremdwort. Mal schaffte man es in die Phalanx an der Tabellenspitze einzubrechen, kurz danach setzte es wieder unsägliche Niederlagenserien und das Abrutschen in Richtung Abstiegsregionen. Die einzige Konstante zu dieser Zeit war unser Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der stets schnell, manchmal überstürzt, die Reißleine zog, wenn „sein“ VfB drohte im Niemandsland der Tabelle zu versinken. So auch im November 1990 (ja, auch damals schon war es im Herbst für VfB-Trainer ungemütlich…), als Christoph Daum Willi Entenmann beerbte. An sein erstes Spiel als Chef-Trainer erinnere mich noch gut, es ging ausgerechnet gegen seine alte Liebe 1. FC Köln, den man nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 niederringen konnte. Die Zeit mit Daum brachte uns die Meisterschaft 1992 und endete kurz nach dem ärgerlichen Wechselfehler gegen Leeds United. Auch heute noch ärgere ich mich darüber, dass dieser das Ende seiner VfB-Zeit einläutete, waren doch noch genug andere Leute um ihn herum, denen es hätte auffallen müssen, dass ein Ausländer zu viel auf dem Platz stand. Heute hat diese Aufgabe einer aus dem im Laufe der Jahre angewachsenen Betreuerstab inne, der darüber wacht, dass die Regularien eingehalten werden.

Ab Mitte der 90er-Jahre bereitete uns das magische Dreieck so viel Freude und bescherte uns unter Trainer-Newcomer Jogi Löw mit dem Pokalsieg 1997 sogar einen weiteren Titel. Im Folgejahr erreichte der VfB nach einer durchwachsenen Saison, die man am Ende immerhin noch im oberen Tabellendrittel abschloss, das letzte Finale im Wettbewerb „Europapokal der Pokalsieger“ im Rasunda-Stadion zu Stockholm, bei dem ich natürlich zugegen war.

Leider wurde auch dieses europäische Finale gegen den FC Chelsea London unglücklich verloren. Heute noch hallt mir der Stadionsprecher in den Ohren, der die Einwechslung Gianfranco Zolas in mehreren Sprachen durchsagte, einzig, unsere Jungs auf dem Rasen schienen dies nicht mitbekommen zu haben. Kurz nach seiner Einwechslung nämlich dribbelte er unbehelligt durch unsere Reihen und nagelte das Runde ins Eckige. Unserem in die Jahre gekommenen Präsidenten MV missfiel bedauerlicherweise die lockere, kumpelhafte Art von Jogi Löw und meinte festgestellt zu haben, dass seine Autorität darunter entscheidend gelitten habe, so dass er den allseits beliebten Löw durch das Hassobjekt der 90er-Jahre schlechthin, Winfried S. aus KA, ersetzte.

Völlig ohne Not also leitete MV eine Saison ein, die wohl als die „trainerreichste“ in die Annalen eingegangen ist. Schäfer wurde nach gerade einmal fünf Monaten durch seinen ebenfalls nicht beliebten „Co“ Wolfang Rolff ersetzt, dieser nach noch nicht einmal einem Monat Amtszeit durch die nächste Interims-Lösung Rainer Adrion, bis schließlich Ralf Rangnick das Zepter übernahm, der seinen Dienst eigentlich erst zum 1.7. antreten sollte. Zu Zeiten des Vertragsabschlusses stand er noch beim SSV Ulm in der Verantwortung, wo er jedoch, nachdem feststand, dass er den Verein verlassen würde, nicht mehr glücklich und schließlich vorzeitig gefeuert wurde.

Auch danach war beim VfB die einzige Konstante die Inkonstanz. Nach dramatischem Abstiegskampf 2001 und der Rettung durch Balakovs Treffer gegen Schalke 04, damals schon mit Felix Magath auf der VfB-Bank, führte uns dieser zunächst in den UEFA-Cup und später dann in die Champions League. Großartige Erlebnisse wie die Spiele gegen Celtic und gegen ManU und die Jungen Wilden Vol. 1 bleiben aus dieser Zeit für immer im weiß-roten Gedächtnis haften. Nachdem Magath seinen Wechsel zu den Bayern erzwungen hatte, folgten auf der Trainerposition kurze Gastspiele bzw. Missverständnisse von Sammer und Trapattoni, ehe Heldt, damals zum Manager-Azubi von den Profis weggelobt, seinen alten Spezi aus 1860er-Zeiten Armin Veh aus dem Hut zauberte und zum Nachfolger des Maestro kürte. Unter Veh wurde mit der Meisterschaft 2007 der größte Erfolg der Neuzeit gefeiert. Nach dem Sommermärchen 2006 setzte das Stuttgarter Publikum noch einen drauf. Unvergessen, der über mehrere Stunden andauernde Autokorso vom Neckarstadion zum Schlossplatz. Eine Viertelmillion Menschen säumten die Straßen, die Begeisterung für diese Truppe um Hitzlsperger, Delpierre, Gomez, Khedira, Hildebrand und die Mexikaner kannte keine Grenzen.

Es heißt ja so schön, die größten (Management-) Fehler mache man in Zeiten des Erfolgs, was sich nach der Meisterschaft 2007 und der damit verbundenen Teilnahme an der Champions League bewahrheitete. Für viel Geld wurde Masse statt Klasse verpflichtet. Verdienten Meisterspielern wurden zweitklassige bzw. dauerverletzte Großverdiener vor die Nase gesetzt, was bei den Platzhirschen natürlich zu Missgunst führte. Dadurch und durch eine erneute Champions League Teilnahme zwei Jahre später geriet das Gehaltsgefüge des VfB aus den Fugen, was zwangsläufig, ohne Champions League Einnahmen, zum finanziellen Kollaps führen musste.

Unter Anderem dadurch begann der schleichende Abstieg, mit Krisen allerorten, sei es auf der Präsidentenebene, der Managerebene, Trainerebene und auch was den Charakter der Herren Profis anging, die Jahr für Jahr auf ihre Weise beschließen, einen neuen Impuls auf der Trainerposition haben zu wollen und diesen Wunsch dann auch nach Monaten des Leidens erfüllt bekommen.

In meine Zeit als VfB-Fan fallen die höchsten Siege wie auch die derbsten Niederlagen. Beim 7:0 in Düsseldorf, als Klinsmann fünf Mal traf, war ich ebenso anwesend, wie bei den 7:0 Heimerfolgen gegen Nürnberg, Hannover, Dortmund (mit 3x Sverisson) und Mönchengladbach. Bemerkenswert, dass wir in der Meistersaison 1984 nach dem 7:0 zu Hause gegen den Club, ein 6:0 auswärts drauf setzten. Unvergessen, der damalige Stadionsprecher, der, berauscht von der Spielweise der Brustringträger,  bereits einige Spieltage vor Saisonende anmerkte „wohl den neuen Deutschen Meister gesehen zu haben“. Außer dem angesprochenen 0:6 in Bremen, setzte es in grauer Vorzeit zu Hause ein 0:4 gegen Bochum und ein 0:5 gegen Dortmund. Auch das 0:4 gegen Freiburg in ihrer ersten Bundesligasaison tat weh, als die gesamte Untertürkheimer Kurve in Freiburger Hand war. Aus der jüngeren Vergangenheit wären in der Kategorie „Größte Enttäuschungen“ noch das 0:3 gegen SAP Sinsheim sowie das 1:5 gegen die Bayern im Pokal zu nennen.

Beim VfB weiß man nie woran man ist und das macht das VfB-Fan-Dasein so spannend. Nach 2 ½ Jahren Labbadia, in denen wir Demut kennengelernt haben, schätzen gelernt haben, dass ein dreckiges 1:0 mehr zählt, als ein Fußballfest, bei dem man mit wehenden Fahnen untergeht, dass das Stuttgarter Umfeld zu anspruchsvoll wäre und „Nicht-Leistungen“ nicht noch mit entsprechendem Beifall goutiert, stehen wir einmal mehr vor dem Scherbenhaufen der vergangenen Jahre und einem Neubeginn. Der Anfang ist durch das 6:2 gegen Hoffenheim gemacht. Jetzt gilt es dran zu bleiben und Thomas Schneider eine glückliche Hand beim Formen der Mannschaft zu wünschen.

Die Voraussetzungen für den Aufbruch in eine bessere Ära scheinen gut zu sein. Wir haben einen neuen Präsidenten, der einen guten Eindruck macht. Mir kommt die Wahl auf Wahler immer noch so vor, als hätten wir die eierlegende Wollmilchsau gefunden. Ein VfB-Fan, ein Top-Manager, ein Mann des Sports mit Kontakten aus Wirtschaft und Sport, besser geht es eigentlich nicht. Ich hoffe, er kann diesen Vorschusslorbeeren gerecht werden und steuert das in Schräglage geratene Schiff VfB wirtschaftlich wieder in sicherere Fahrwasser. Die Voraussetzungen wären da, wichtig wäre jetzt ein Miteinander, vom Vorstand bis zum Kurvenfan, um verloren gegangene Harmonie wiederherzustellen. Außerdem noch bekommen wir das Wappen unserer Väter zurück und haben zu guter Letzt einen neuen Mann an der Linie, der jung und forsch wirkt und seinen Worten hoffentlich Taten folgen lässt, nämlich, indem er den Fundus unserer hervorragenden Jugendarbeit nutzt, um in naher Zukunft wieder einmal einen Nationalspieler aus Reihen des VfB hervorzubringen.

Das Feld ist bereitet, Aufbruch 1893, auf die nächsten 120 Jahre!

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