Totgesagte leben länger, der VfB hat doch tatsächlich nochmal die Kurve gekriegt. Nach dieser so unterirdisch schlechten Saison grenzt diese Tatsache schon fast an ein Wunder. Auch drei Tage nach Paderborn kann ich es noch nicht so richtig fassen, was in der Benteler-Arena geschehen ist.
Erst der frühe Rückstand, der einmal mehr offenbarte, dass wir im Grunde ohne Abwehr durch die Saison stolperten, dann die Willensleistung von Daniel Didavi, der sich, wie schon in der Vorsaison, gerade noch rechtzeitig einsatzbereit meldete, um großen Anteil daran zu haben, den Super-GAU abzuwenden. Und schließlich das tolle 1:2 durch Daniel Ginczek, der erneut seinen immensen Wert für den VfB unterstrich und gerade noch rechtzeitig auf Touren kam.
Dass der VfB letztendlich gewann und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffte, lag an der herausragend guten Offensive. Wie Filip Kostić Gegenspieler um Gegenspieler verschliss, sie alle wie Anfänger aussehen ließ und immer wieder bis zur Grundlinie durchstieß, war fast schon Weltklasse. Lernt er bei allem Eifer noch das punktgenaue Flanken haben wir ein wirkliches Juwel in unseren Reihen. Seine Leistung in den letzten Spielen kann man nicht genug würdigen, bindet er doch die halbe gegnerische Abwehr, wodurch automatisch Räume für die Mitspieler geschaffen werden. André Breitenreiter, Coach des SC Paderborn, stellte fest, dass Filip Kostić der mit Abstand beste Spieler war, der in dieser Saison in Paderborn seine Visitenkarte abgab und das obwohl dort auch Spieler wie Robben, Ribery und Reus vorspielten. Noch hervorzuheben, bevor er zu kurz kommt, Alexandru Maxim, der diesen Zuckerpass auf Ginczek spielte und damit ebenfalls maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hat.
Für diese Gefühlswelt, die man an einem solch entscheidendem Spieltag im Stadion durchlebt, tut man sich das Ganze wohl Jahr für Jahr, Woche für Woche an. Unglaubliche Emotionen wurden freigesetzt, gestandene Mannsbilder liegen sich heulend in den Armen, Erleichterung allerorten und eine unfassbare Freude und Stimmung. Das ganze Spiel über bot der Gästebereich sein komplettes Repertoire auf, so dass man sich keinen schöneren Ort vorstellen konnte, das Wochenende zu verbringen. Ein prall gefüllter Block, eine unfassbare Lautstärke, die eine oder andere Pyro-Einlage und schließlich tumultartige Szenen bei den Toren und erstrecht beim Abpfiff. Auch wenn ich inständig hoffe, eine solche Zittersaison nicht noch einmal erleben zu müssen, ertappe ich mich tatsächlich beim Gedanken, dass mir dieses Gefühlschaos tausend Mal lieber ist, als wenn ich zur selben Zeit meine 25. Meisterschaft feiern und mich darüber ärgern „müsste“, dass nicht mehr daraus geworden ist.
So groß die Freude darüber ist, dass wir auch in der nächsten Saison im Oberhaus spielen dürfen und vor allem dass nicht alles auseinander gerissen wird, was die letzten Wochen so gut funktioniert hat, muss von nun an der Blick nach vorne gerichtet werden. Es ist zu hoffen, dass Eckpfeiler des Aufschwungs wie Serey Dié, Daniel Didavi, Filip Kostić, Daniel Ginczek, auch Martin Harnik und Alexandru Maxim gehalten werden können. Offensiv sind wir richtig gut aufgestellt. Ein Backup noch für Ginczek, sollte man für Ibisevic einen Abnehmer finden, dann wären wir sehr gut aufgestellt.
Martin Harnik wird sich hoffentlich nicht für Schalke entscheiden, sondern hier bleiben. Allerdings müsste man dann seinen Vertrag noch in der Sommerpause verlängert bekommen, bevor wir Gefahr laufen, dass er im nächsten Jahr ablösefrei geht. Dies kann und darf sich ein Verein wie der VfB im Grunde nicht (mehr) leisten, so dass es mir dann sehr leidtun würde, stünden die Zeichen auf Abschied. Harnik ist eines der wenigen Gesichter des VfB der Gegenwart, für mich noch mehr als unser Kapitän Gentner, so dass ich sehr hoffe, dass mit ihm eine Vertragsverlängerung erzielt werden kann. Natürlich durchlebte auch er zuletzt schwache Phasen, verlor zeitweise jeden Ball und konnte kaum mehr einen Ball stoppen, dennoch ist er wichtig für die Mannschaft, mit seiner Schnelligkeit durchaus eine Waffe, ein Kämpfer, der nie aufgibt und zudem auch immer klare Worte findet. Kurz gesagt, er ist einer dieser Typen, wie wir sie in unserem Kader sonst vergeblich suchen.
Im Defensivbereich müssen dagegen endlich Verstärkungen her. Ein moderner Torwart, ein gestandener Innenverteidiger und ein oder zwei Außenverteidiger sind nötig, um in der nächsten Saison wieder besser schlafen zu können.
Dass Antonio Rüdiger möglicherweise von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen würde, war gestern zu lesen. Etwas schade zwar, aber, auf der anderen Seite aber, käme dies Timo Baumgartl durchaus zugute, wenn ein erfahrener Mann für den VfB gewonnen werden könnte, von dem er lernen und zu dem er aufschauen könnte. Bei allen Bemühungen, die Truppe schlagkräftiger zu machen, darf man aber unseren eigenen Talenten, wie bspw. auch Timo Werner, den Weg ins Team nicht verbauen.
Gestern fand sie also statt, die so sehnlich erwartete Saisonabschluss-Pressekonferenz, die Robin Dutt schon vor Wochen angekündigt hat und uns auch wissen lassen hat, dann seine Eindrücke der ersten fünf Monate seiner Amtszeit schonungslos vorzutragen. Zunächst bemerkenswert, Bernd Wahler gab zu, die Fanproteste und die Banner in der Cannstatter Kurve gegen seine Person und die seiner Kollegen in Vorstand und Aufsichtsrat nicht nur wahrgenommen, sondern sich auch zu Herzen genommen zu haben. Nicht nur das, er gab ihnen recht, offenbarte, dass sie in den letzten Jahren planlos unterwegs waren, was einem Armutszeugnis gleich kam, aber auch erkennen ließ, dass sie Besserung geloben wollen.
Robin Dutt wurde noch deutlicher und kritisierte, ohne Namen zu nennen, Vorgänger Fredi Bobic harsch. Es werde keine One-Man-Show mehr geben, die Kaderplanung lasse ebenso wenig einen Plan erkennen wie das Scouting. Dort wären keine Leitlinien, keine Vorgaben vorhanden gewesen, sprich, es habe jeder vor sich hin gewurstelt, ohne Gehör „von oben“ gefunden zu haben. Von einer einheitlichen Spielphilosophie, die man sich schon Ende der 1990er-Jahre unter Ralf Rangnick auf die Fahnen geschrieben habe, wäre ebenso abgerückt worden wie von der Verzahnung des Jugend- und Amateurbereichs zu den Profis. Man habe in den letzten Jahren keine Transferüberschüsse eingefahren, sämtliche Spieler, die von außen geholt wurden, haben an Marktwert verloren und mussten schließlich oft und zu allem Überfluss gegen eine Abfindungszahlung von der Gehaltsliste herunter gebracht werden. Transfers wurden planlos getätigt, ohne überhaupt zu überprüfen, ob man nicht im Nachwuchsbereich ein entsprechendes Talent für die Planstelle habe, so dass wir nach und nach einen Kader aufblähten, wie wir ihn heute vorfinden und Nachwuchsspieler Frust schieben, weil ihnen ständig durchschnittliche und besserverdienende Spieler vor die Nase gesetzt wurden.
Schon am Tag nach dieser denkwürdigen PK bekommen Dutt und auch Wahler („wir haben an bestimmten Personen zu lange festgehalten“) für die öffentliche Schelte kräftig auf die Ohren. Es mag im ureigenen Interesse der Medienlandschaft liegen, Kriegsschauplätze aufzumachen und eine Reaktion von Fredi Bobic herauszufordern, ich fand die deutliche Kritik angebracht. Man kann nicht auf der einen Seite eine schonungslose Aufarbeitung verlangen, um dann pikiert zu sein, wenn diese kommt und transparent offengelegt wird.
Fredi Bobic wird diese Kritik schon aushalten können und auch müssen. Er hatte vier Jahre lang Zeit zu gestalten, wohin seine Amtszeit geführt hat, sieht man nun in schonungsloser Deutlichkeit. Der einst so stolze Verein dümpelt in den Niederungen der Liga herum und hat das zweite Mal in Folge die Klasse nur mit sehr viel Glück gehalten. Bobic zeichnet für diesen Niedergang maßgeblich mitverantwortlich, hauptsächlich weil er stur und beratungsresistent war. Vetterleswirtschaft wie noch nie, die sogar bis in die Mannschaftsaufstellung hineinreichte, erhielt mit Bobic Einzug, gute Kumpels wurden Experten vorgezogen. Schlimm genug und daher natürlich auch nicht von Kritik freizusprechen, seine Vorstandskollegen und der ach so tolle Aufsichtsrat, die diesem Treiben weitestgehend tatenlos zusahen. Bobic entließ gleich zu Beginn unseren besten Trainer der letzten Jahre Christian Groß, unter ihm verließen Urgesteine im Nachwuchsbereich wie Albeck und Schrof den Verein, weil sie kein Gehör fanden, was zur Folge hat, dass mehr und mehr Talente dem Verein den Rücken kehren und bei Red Bull Leipzig anheuern. Aufkeimende Kritik, intern wie extern, schmetterte er genauso harsch darnieder, wie sie ihm jetzt entgegenschlägt. Und, zu guter Letzt hält Bobic, obwohl dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste, mit Kritik an seinem früheren Arbeitgeber auch nicht hinterm Berg, so dass sich hier eigentlich niemand künstlich aufregen muss.
Dutt stellte klar, dass zukünftig die Vereinsphilosophie über allem stehen muss. Es müsse wieder erkennbar sein, für welchen Fußball der VfB stehe und danach werde das Personal ausgesucht. Es würden in allen Bereichen nur noch Trainer eingestellt werden, die diesen Stil voll mit zu tragen bereit seien. So wurden im U19- und im U17-Bereich Sebastian Gunkel und Kai Oswald als neue Trainer vorgestellt.
Vorgesetzter aller Trainer soll künftig der Cheftrainer der Profis sein. Erwartungsgemäß heißt dieser Alexander Zorniger, wie Dutt gestern erstmals öffentlich bestätigte.
Mir unverständlich, dass man in dieser Personalie bereits Ende Februar, Anfang März Nägel mit Köpfen machte und nicht den weiteren Saisonverlauf abwartete. Schon damals schien das Vertrauen in Huub Stevens nicht besonders groß gewesen zu sein. Laut Dutt war Stevens zwar damals bereits in diese Gedankenspiele eingebunden, ob er sie goutierte ließ Dutt jedoch offen. Die Einigung mit Zorniger dürfte zeitlich in etwa damit zusammengefallen sein, als Dutt erstmals öffentlich Kritik an der defensiven Ausrichtung der Mannschaft äußerte, was ein Huub Stevens sicherlich als Majestätsbeleidigung angesehen haben dürfte. Ob Stevens so verbohrt gewesen wäre diese mit acht Defensivspezialisten auf dem Platz bis zum Saisonende durchzuziehen und er sich reinreden lassen hat, was uns möglicherweise gerade noch den Allerwertesten gerettet hat, darüber zu spekulieren wäre hypothetisch. Auch ich hielt in jener Zeit, spätestens nachdem Stevens in Sinsheim zugab mit seinem Latein am Ende zu sein, einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr für ausgeschlossen. Da man sich in der Trainerfrage aber so früh festgelegt hatte, war dieser de facto nicht mehr möglich. Das Risiko wäre zu groß gewesen. Hätte man Zorniger gleich geholt und dieser wäre abgestiegen, wäre er für einen Neuanfang in Liga 2 kaum mehr vermittelbar gewesen. Wäre ein externer Feuerwehrmann geholt worden und man hätte überzeugend die Klasse gehalten, wäre eine Ablösung durch Zorniger nach Saisonende ebenso schwer zu verrargumentieren gewesen. So hat sich der VfB völlig unnötig der letzten Patrone beraubt und spielte mehr oder weniger mit dem Feuer.
Nach den letzten Spielen, die sicherlich nicht nur der Weisheit eines Huub Stevens wegen gut bestritten wurden, sondern auch weil sich Didavi fit meldete, Ginczek zu alter Stärke fand und die Außenspieler Kostić und Harnik ihren Anteil am guten Offensivspiel hatten, finde ich es äußerst schade, dass man sich mit Stevens nicht auf eine Ausdehnung seines Engagements geeinigt hat. Mir gefällt seine knurrige und doch humorige Art, wie er mit den Medien spielt und auch wie er die Mannschaft im Griff hat(te). Er findet das richtige Maß zwischen Zuckerbrot und Peitsche, hat das Gespür, wann er mahnen und wann er trösten muss. Ihn hätte ich gerne mal in einer Sommervorbereitung erlebt und ihm eine Sommer-Transferperiode zugestanden, um zu sehen, wie sein Kaderumbau ausgesehen hätte.
Es nützt alles nichts, Huub Stevens ist (leider) Geschichte beim VfB, man kann ihm nicht genug Dank zollen, für das was er in den letzten beiden Jahren hier geleistet und dass er uns zwei Mal vor dem Abstieg bewahrt hat.
Bei all meiner Wertschätzung für Huub Stevens und dem Unverständnis darüber, wie früh man sich auf Zorniger festgelegt hat, könnte dies auch für ein neues konsequentes Handeln, eben einen Plan, sprechen. Wenn Zorniger tatsächlich DER Mann ist, der die Spielidee, für die der VfB zukünftig stehen möchte, in sich vereint, war es schon wieder logisch just in dem Moment zuzupacken, als dieser frei wurde.
Ich denke da eher pragmatisch und sehe den Fußball als Tagesgeschäft und keine Planwirtschaft an. Dieses zuletzt doch funktionierende Gebilde auseinanderzureißen und ins Risiko zu gehen birgt Gefahren, wie man beim Wechsel von Stevens zu Veh gesehen hat, wobei man Veh wohl eher wegen der guten alten Zeit und nicht aufgrund eines ausgefeilten Zukunftsplans zurückgeholt hat.
Zorniger ist zwar nicht mein Wunschkandidat, als Co-Trainer fand ich ihn 2009 eher unscheinbar, seine Tätigkeit beim Brausehersteller machte ihn nicht sympathischer. Aber, wie jedem neuen, den der VfB vorstellt, gebe ich auch ihm vorbehaltlos die Chance mich zu überzeugen und wünsche uns allen, dass er für einen erfolgreichen Neuanfang beim VfB stehen wird.
Ob er im Gegensatz zu Leuten wie Thomas Tuchel, die auch im Gespräch waren, die für die Vereinsführung bequemere Lösung sein wird, glaube ich nicht einmal. Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf und kann richtig unbequem werden zu Leuten, die nicht mitziehen oder seine Vorstellungen konterkarieren. Er steht für modernen Fußball mit schneller Balleroberung, schnellem Umschaltspiel und auch schnellen Abschlüssen, was sicher Zeit und auch geeignetes Personal erfordert, um dem VfB in naher Zukunft ein Facelifting zu verpassen.
Der Kaderumbau indes muss bereits vor dem ersten Training am 29.06.2015 vorangetrieben werden. Sensationell charmante Worte fand Dutt ja für die Ladenhüter, für die man bereits im Winter vergeblich Abnehmer suchte. Er nannte sie, Spieler, für die es keinen Markt gibt, man könnte auch sagen, der VfB war lange ein Auffangbecken für gestrandete Fußballer. Diese anzupreisen, neue zu holen, die für die neue Spielphilosophie stehen (sofern man im Unterbau keine findet) ist die vordringlichste Aufgabe im Sommer. Eine Frage auf der PK war auch, ob auf der Torhüterposition Handlungsbedarf bestehe, da Ulle ja nicht gerade für das schnelle, moderne Torwartspiel stehe, die Dutt allerdings erfolgreich und ohne eine Antwort darauf zu geben umschiffte. Zorniger wird auch hier hoffentlich eine klare Vorstellung haben, nur so zur Erinnerung, als Zorniger 2009 beim VfB war, hieß der Torwarttrainer Ebo Trautner, vielleicht eine Überlegung, ihn, der beim aufwärmen stets der erste war, dem Anfeuerungsrufe entgegenschallten, zurückzuholen, da sich alle Torhüter, die Andi Menger anvertraut wurden, meiner Meinung nach zurückentwickelt haben.
Als Co-Trainer bringt Zorniger André Trulsen mit, den ehemaligen Assistenten von Holger Stanislawski, der mittlerweile Filialleiter eines Hamburger Supermarktes ist. „Truller“ kenne ich hauptsächlich als St. Pauli-Ikone und Kultfigur, ob er ein guter Co-Trainer ist, wird sich zeigen. Als „Co“ muss er ohnehin vorwiegend dem Chef-Trainer zuarbeiten und sollte möglichst einen guten Draht zur Mannschaft aufbauen. Ein positiver Typ ist er und er wird auch keine allzu großen Akklimatisierungsprobleme bekommen, lebt er doch ohnehin bereits in Stuttgart.
VfB-Legende Günther Schäfer tauscht seinen Posten bei der VfB-Fußballschule gegen den des neu geschaffenen Teammanagers. Dabei soll er koordinative Aufgaben bei den Profis übernehmen, sich um Top-Talente des Nachwuchsleistungszentrums ebenso wie um ausgeliehene Spieler kümmern. Eine Aufgabe, die die ihm auf den ersten Blick wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Schäfer verkörpert wie kaum ein anderer das VfB-Gen, von dem Dutt gestern immer sprach. Er ist sicherlich prädestiniert dafür, dieses Gen den Hoffnungsträgern von morgen einzuimpfen und sie zugleich auf dem Weg zum Profi begleiten und ein Auge darauf haben, dass sie bodenständig bleiben. Genauso wichtig ist es, verliehenen Spielern stetig klarzumachen, dass sie weiterhin ein Teil vom VfB sind und entgegen zu wirken, dass sie sich entfremden. Man hat es bei Kimmich gesehen, bei Schieber, bei Holzhauser, keiner wurde nach der Leihe wieder richtig warm mit dem VfB. Didavi bildet wohl auch nur deshalb eine Ausnahme, weil der VfB ihn nach seinen schwersten Verletzungen nicht fallen lassen hat und immer zu ihm stand. Die Gefahr war auch bei ihm groß, wusste Labbadia seinerzeit doch nichts mit ihm anzufangen.
Der ehemalige Bundesliga-Torwart Philipp Laux, unter anderem beim SSV Ulm 1846 aktiv, wurde zudem als Sportpsychologe vorgestellt. Bemerkenswert, dass der VfB sich modernen Herangehensweisen nicht mehr verschließt, gab es doch in der letzten Saison einige Momente, bei denen man den Eindruck hatte, „es helfe nur noch ein Psychologe“. Besonders veranschaulicht wurde uns dies bei diversen Interviews, wenn von mentalen Blockaden die Rede war.
Das Management-Team wird um Joachim Cast, der Scouting-Bereich um Guido Buchwald erweitert, wobei Buchwald vorwiegend den asiatischen Markt im Auge behalten und die Internationalisierung vorantreiben soll. Im Finanzressort wird es organisatorische Änderungen geben, im Aufsichtsrat der Nachfolger für Hansi Müller noch gesucht.
Und, schließlich wurde mit Philip Heise auch der erste Neuzugang für die kommende Saison bekanntgegeben. Der 23-jährige Linksverteidiger kommt vom 1. FC Heidenheim und soll auf Sicht eine der größten Schwachstellen im Team beheben.
Bis die tiefgreifenden Umstrukturierungsmaßnahmen erste Früchte tragen, wird (natürlich) einige Zeit ins Land ziehen. Diesen Scherbenhaufen, den wir ständig wechselndem Personal zu verdanken haben, aufzukehren, das geht leider nicht von heute auf morgen, so dass wir noch von mindestens einem weiteren Übergangsjahr ausgehen müssen. Als Saisonziel wurde ein gesicherter Mittelfeldplatz ausgegeben, von mehr zu träumen verbietet sich in Anbetracht der letzten Jahre ohnehin.
Der Verein stellt sich neu auf, hoffentlich der Aufsichtsrat auch. Es kann nicht sein, dass ein Dr. Joachim Schmidt als heimlicher Präsident in der Außendarstellung wahrgenommen wird, weil er, wie nach der Bobic-Entlassung gesehen, auch so auftritt. Der Aufsichtsrat muss sich auf seine eigentlichen Aufgaben rückbesinnen, den Vorstand zu kontrollieren und bestenfalls noch den finanziellen Rahmen vorgeben und ansonsten einfach mal die Klappe halten. Wer von diesen Herren den Stuttgarter Medien bereits Anfang März ausgeplaudert hat, dass Zorniger als Trainer feststehe, muss gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Der Aufsichtsrat muss des Weiteren zukünftig ausschließlich zum Wohle des Vereins agieren, es muss aufhören, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht und lediglich das Beste für seinen ursprünglichen Arbeitgeber im Blick hat. Zahlt Porsche als Hauptsponsor eines Tages wirklich mehr als der Daimler, dann müssen gewisse Personen eben über ihren Schatten springen oder den Posten beim VfB aufgeben, bevor sie Interessenskonflikten unterliegen.
Der Nachfolger von Hansi Müller, bei dem es mich noch immer brennend interessieren würde, welchen Teufel ihn geritten hat bei Servus-TV den zukünftigen VfB-Trainer auszuplaudern, wird noch gesucht. Zumindest dementiert wurde der Name Thomas Hitzlsperger nicht. Ich würde mich freuen, ihn wieder beim VfB begrüßen zu dürfen, habe aber meine Zweifel, ob dieser Posten tatsächlich das ist, was er machen möchte, in noch relativ jungen Jahren. Müller ist für mich trotzdem so etwas wie das Bauernopfer, die wahren Probleme im Aufsichtsrat stecken tiefer, der Maulwurf vermutlich noch immer da.
Das Commando Cannstatt stellt in seinem Saisonfazit, wie bereits zum Ende der letzten Saison, fest, dass nichts erreicht sondern nur verhindert wurde. Wahre Worte! Sie stellen den unglaublichen und gelebten Zusammenhalt in der gesamten Fanszene heraus, dessen Anteil am Klassenerhalt nicht zu unterschätzen ist. Welch ein beeindruckendes Bild, „ganz in rot“ auf Schalke oder „ganz in weiß“ gegen den HSV, welche Lautstärke im Neckarstadion herrschte, wie knapp 2.000 VfBler am Samstag das Spiel in Paderborn fast zu einem Heimspiel werden ließen, das war schon tief beeindruckend und bestärkt einen immer wieder darin, Teil des geilsten Clubs der Welt zu sein.
Das CC strich auch heraus, was ich schon vor ein paar Wochen geschrieben habe, dass wir Fans es uns nicht länger bieten lassen sollten, dass ewig so weiter gewurstelt wird und wir dem Verein bei der Aufarbeitung dieser Saison tunlichst mehr auf die Finger schauen sollten als zuletzt.
Die gestrige Pressekonferenz war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dem „Bla-Bla“ müssen jetzt jedoch Taten folgen. Dutt als der neue starke Mann, der gestern auf mich einen guten Eindruck machte, muss sich jetzt beweisen, von nun an werden wir auch ihn an seinen Taten messen. Wie Zorniger auf seinem Posten, hat nämlich auch Dutt als Sportdirektor noch nichts erreicht, seine Nagelprobe kommt jetzt, beginnend mit dem gestrigen Tag. Auch durch die vernichtende Kritik seiner Vorgänger hat er die Messlatte für sich sehr hoch gelegt, die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Maßnahmen wird zu gegebener Zeit zu überprüfen sein.
Der VfB wird runderneuert, wir befinden uns in der Stunde null, auch wenn der Super-GAU gerade noch abgewendet wurde. Getreu dem Motto „Jeder Tag ist ein neuer Anfang“ hat auch unsere (neue) Führungscrew diese neue Chance verdient. Auf der PK wurde das Vorhaben geäußert wieder näher an die Basis heranzurücken und transparenter zu arbeiten, so dass wir hoffentlich über die Fortschritte der einzuleitenden Maßnahmen auf dem Laufenden gehalten und genau beobachten können, wie die Erfolgskontrolle und ggf. Korrekturmaßnahmen aussehen. Nur wenn hier vehement am Ball geblieben wird, die sich auf die Fahnen geschriebenen neuen Leitsätze konsequent verfolgt werden und das Personal, das diese umsetzen soll, permanent und kontinuierlich hinterfragt wird und sich auch selbst hinterfragt, wird es wieder aufwärts gehen und nur dann werden wir zukünftig wieder mehr Freude an und mit unserem VfB haben.
Nicht nur die Herren Profis haben sich nach dieser Saison Urlaub und Erholung verdient, auch wir Fans. Das Gefühlschaos in den letzten Wochen war anormal und einfach nur anstrengend. Trotzdem graut es einen schon wieder vor elf Wochen Bundesligapause. Die Hoffnung ist zwar da, dass es eine kurzweilige Zeit wird, weil der VfB für knapp zehn Spieler, die keine Zukunft beim VfB mehr haben sollen, doch einen Markt findet, weil man einige Spieler, die tatsächlich auch für Aufbruch in ein neues Zeitalter stehen, für sich gewinnen kann. Ob es sich bewahrheitet und es noch vor Amtsantritt Zornigers Vollzugsmeldungen kommen, wird man sehen. Bis Mitte Juni stehen zumindest noch die Relegationsspiele sowie DFB-Pokal- und Championsleague-Endspiel wie auch noch Länderspiele auf dem Programm, so dass es bis dahin nicht langweilig werden dürfte.
Vor allem auf die Relegation bin ich sehr gespannt. Es ist diese Konstellation, die ich mir wünschte, zumindest nachdem klar war, dass der KSC Zweiter oder Dritter wird, da ich, bei allem Respekt, weder Darmstadt 98 noch dem 1. FC Kaiserslautern es zugetraut hätte, den HSV zu besiegen. Mit dem KSC, so meine ich, könnten die Hamburger richtige Probleme bekommen.
Daher haben wir jetzt eine Konstellation, bei der ich, so komisch es klingen mag, für keinen aber gegen beide bin. Beim KSC freue ich mich, wenn er in der 2. Liga hängen bleibt und weiter an Boden auf uns verliert, beim Abstieg des HSV fiele endlich diese blöde Bundesliga-Uhr und das Dino-Gehabe weg. Wie der VfB im Grunde auch, hätte der HSV den Abstieg mittlerweile mehr als verdient. Auf der anderen Seite würde mir das Auswärtsspiel in meiner deutschen Lieblingsstadt sehr fehlen, so dass ich ihnen höchstens ein Jahr Abstinenz vom Oberhaus gönnen würde.
Auf der anderen Seite ist der Reiz eines Derbys gegen den KSC in der nächsten Saison groß. Diese Spiele sind doch das Salz in der Suppe. Leider wurden diese Spiele, vor allem seit Ende der 1990er-Jahre, immer mehr zu einem Krieg hochstilisiert, so dass man sich vor allem im Wildpark seines Lebens kaum mehr sicher sein kann, wenn man daran denkt, was schon 2009 dort ablief und die gegenseitige Abneigung seither eher noch größer geworden ist. Für mich hört da der Spaß auf, meinetwegen können sich Gleichgesinnte die Köpfe einschlagen, wenn sie eben Unbeteiligte, die lediglich ihre Farben vertreten und Fußball schauen möchten, in Ruhe lassen.
Am 10.06. folgt dann bereits die erste Weichenstellung für die kommende Saison, die erste DFB-Pokalrunde wird in Reutlingen ausgelost. Auch auf diesen Tag fiebere ich hin und hoffe auf ein kultiges Stadion. Erstrundenspiele bei unterklassigen Vereinen üben auf mich einen großen Reiz aus. Der Fußball ist dort meist ursprünglicher, das Bier billiger, der VfB Gast zum Spiel des Jahres und hoch gewonnen wird auch noch meistens.
Stunde null beim VfB
Gerettet! Danke, Huub!
Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, wir habens geschafft. Wie oft in dieser Saison hielt man diesen Moment für ausgeschlossen. Gurkentruppe, Kindergarten, Anfängerfehler, kein Team, Kluft zwischen Team und Fans. Dazu der Hinschmiss von Armin Veh, der sich wie ein Schuss ins Kontor anfühlte. Vorher schon die längst überfällige Entlassung Bobic‘ zur Unzeit, so dass wir nicht nur ohne Sportdirektor da standen sondern ein möglicher neuer Mann auch nicht mehr viel ausrichten konnte.
Stevens war zwar nicht lang weggewesen, trotzdem war von der Stabilität des Teams, wie er es im Mai 2014 hinterlassen hatte, nichts mehr zu erkennen. Vogelwild rannte die Truppe nach vorn und vergaß dabei, dass Verteidigen auch zum Geschäft gehört. Dass er es nie schaffte, sein Credo „die Null muss stehen“ lag weniger an seinen Trainerfähigkeiten als an Unkonzentriertheiten und immer wieder kehrenden individuellen Fehlern einzelner Spieler, die einen Trainer nur wahnsinnig werden lassen. Kommt dann noch Unvermögen im Angriff dazu, hast Du die Situation, dass sich Niederlage an Niederlage reiht.
In der Winterpause wurde erst Robin Dutt als Sportdirektor installiert, dessen erste Verpflichtung Serey sich als Volltreffer entpuppte. Anstatt Schönwetterspieler wie bspw. Leitner hatte man plötzlich einen „Krieger“, einen Kämpfer, der dazwischen haut, einfach einer, der uns gefehlt hat.
Trotzdem, auch dem schweren Auftaktprogramm geschuldet, wurden keine Punkte eingefahren. Das einzige, das ich Stevens in dieser Saison vorwerfe, ist, dass er, gerade wenn man anfangs Heimspiele gegen Gladbach, Bayern und Dortmund hat, in den Auswärtsspielen in Köln und Hoffenheim und auch zu Hause gegen Hertha durch eine übertrieben defensive Ausrichtung Punkte verschenkt wurden. Ein bisschen spät, aber, besser spät als nie, erkannte Stevens, dass damit kein Blumentopf zu gewinnen ist und änderte die Aufstellung sukzessive. In die Karten spielte ihm, dass Ginczek nach Kreuzbandriss und später auch, doch sehr überraschend, Daniel Didavi, der bereits in der letzten Saison einen großen Anteil an der Rettung hatte.
Viel, was wir in dieser Saison durchmachen mussten, war hausgemacht. Die Aufarbeitung der letzten Saison, wo wir schon mit einem blauen Auge davongekommen sind, ist komplett ausgeblieben. Die Naivität, wie man in diese Saison gegangen ist, treibt mir noch immer die Zornesröte ins Gesicht. Armin Veh wurden nach seiner Aufgabe (vielleicht auch Rausschmiss!!!) genau die gleichen Wesenszüge nachgesagt, wie nach seiner ersten Entlassung, laissez-faire, Lebemann, nicht der fleißigste, um es charmant auszudrücken. Ich denke mal, es hat sich keiner in Frankfurt bei Heribert Bruchhagen erkundigt, ob er sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Zudem war nach der letzten Saison klar, dass die Abwehr stabilisiert werden muss, was man ihm verwehrte, weil kein Geld da war. Ich weiß ja nicht, was man ihm vor der Saison alles versprochen hat und weshalb er den vermeintlich sicheren Posten bei einem solide arbeiten Verein wie Frankfurt für das Himmelfahrtskommando beim VfB aufgegeben hat, vermutlich war es das Blaue vom Himmel. Ich denke, beide Seiten schwelgten in der Nostalgie vergangener Tage und vergaßen dabei die Gegenwart.
Ab dem Hannover-Spiel Ende Februar sprang Huub Stevens über seinen Schatten und ließ mutiger nach vorne spielen. Dass im Offensivbereich Qualität vorhanden ist, hat man ja auch schon in der Vorrunde gesehen. Defensivaussetzer blieben zwar weiterhin an der Tagesordnung, aber, man hatte auch immer die Hoffnung, dass man doch vorne ein Tor mehr schießen kann, als man hinten zulässt. Dennoch war lang zu befürchten, dass dies nicht ausreichen würde. Man hatte einfach keine Blinden in der Liga wie in der letzten Saison, als Braunschweig, Nürnberg und der HSV allesamt ihre letzten fünf Spiele verloren. Irgendwann fingen die Kellerkinder an zu punkten und die Luft für den VfB wurde immer dünner. Spätestens nach dem Nackenschlag gegen Schalke, als man die Führung noch völlig unnötig aus der Hand gab, war die Messe für mich fast gelesen. Natürlich kann auch ich rechnen und war mir sicher, würden wir die letzten drei Spiele gewinnen, dass es dann reichen würde. Aber, man fragte sich zunehmend, wie man überhaupt noch ein Spiel gewinnen wolle, wenn man jeden Gegner so zum Toreschießen einlädt. Schalke hatte in den letzten 2 ½ Monaten gerade gegen uns und gegen Paderborn gewonnen, was Bände spricht.
Gegen Mainz profitierten wir von einem Gegner, für den es um nichts mehr ging, aber, diesen Sieg hat sich die Mannschaft erarbeitet, weil sie wusste, was die Stunde geschlagen hat und Mainz eben dieses Mal nicht dazu einlud, mehr zu tun, als sie unbedingt vor hatten. Dann das nächste Endspiel gegen den HSV, wo wir klar die bessere Mannschaft waren und sie eigentlich hätten abschießen müssen, um eine noch bessere Ausgangsposition für den Showdown zu haben. Dennoch, die drei Punkte waren die unseren, das Team hat sich das Endspiel in Paderborn verdient.
Und dann schließlich gestern, ein Spiegelbild der Saison. Früher Nackenschlag, das darf doch nicht wahr sein. Wir lagen am Boden, schüttelten uns kurz und ließen kaum einen Zweifel zu, dass wir in die erste Liga gehören.
Sensationeller Support auf der Tribüne, von den Paderbornern nix zu hören. Es gibt nix Schöneres als fern der Heimat mit so vielen Gleichgesinnten zu leiden, zu zittern,, zu hoffen und schließlich zu jubeln. Außenstehende werden das wohl nie nachvollziehen können, welche Emotionen dabei freigesetzt werden. Nach dem frühen 1:0, Gott sei Dank so früh, hatte ich dieses Mal trotzdem keine großen Zweifel, dass es schief gehen könnte. Das Team, vor allem das magische Viereck Didavi, Harnik, Kostic, Ginczek und dahinter noch Serey Die, hat in den letzten Spielen mein Vertrauen zurückerobert, so dass immer davon auszugehen war, dass wir das Ding noch drehen. Didavi erzielte zum richtigen Zeitpunkt den so wichtigen Ausgleich, Ginczek nach Zuckerpass von Alexandru Maxim den Siegtreffer. Die Gefühle, die da in einem brodelten sind nicht zu beschreiben, da kullerte dann auch schon die eine oder andere Träne.
Jetzt gilt es, die Füße nicht hochzulegen sondern Fehleranalyse zu betreiben. Der Umbruch im Kader ist alternativlos. Hochbezahlte Ergänzungsspieler muss man loswerden und durch junge aufstrebende Talente ersetzen. Leistungsträger müssen gehalten werden, langjährige Ikonen in Frage gestellt werden, vor ihnen darf der Umbruch nicht Halt machen.
Wie Dutt gerade im Doppelpass bestätigte, sieht Huub Stevens seine Mission auf dem Wasen als erledigt an. Ob man von Vereinsseite Anstrengungen unternahm, ihn umzustimmen, davon sprach Dutt nicht! Ich bedauere das sehr, finde ich doch, dass Stevens für diese Truppe der genau richtige Mann ist. Kaum einer findet so das richtige Maß zwischen Zuckerbrot und Peitsche, kaum einer spielt so mit der Presse und fokussiert das Interesse auf sich, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Dann wird es also wohl Zorniger, Typ Trainertalent, Konzepttrainer und für mich im Moment nur das nach Veh nächste Hirngespinst der VfB-Bosse. Fußball ist Tagesgeschäft und keine Planwirtschaft, so dass es für mich unverständlich ist, ohne Not ein zuletzt funktionierendes Gebilde auseinanderzureißen, zumal Stevens noch nie die Möglichkeit hatte, selbst groß in die Kaderplanung einzugreifen.
Neben Paderborn steigt also auch der SC Freiburg in die 2. Liga ab. Ich finde es eigentlich schade, natürlich ist der Gästeblock dort scheiße, aber, sonst finde ich es immer recht nett dort. DAS Heimspiel meiner badischen VfB-Freunde fällt weg, was ich schon bedauere. Vielleicht lässt ja Robin Dutt seine Kontakte nach Freiburg spielen, die haben doch ein paar Spieler, die interessant für uns sein könnten. Allen voran Keeper Bürki, wie man weiß sähe ich Ulreich am liebsten abgelöst, aber auch Leute wie Mehmedi und Jonathan Schmid, bei denen man abwarten muss, ob sie für Freiburg auch in der 2. Liga auflaufen werden.
Das Hauptaugenmerk muss aber auf die Viererkette gelegt werden. Sollte Rüdiger tatsächlich mit dem Weggang liebäugeln und ein unmoralisches Angebot auf der Geschäftsstelle eingehen, darf man zumindest drüber nachdenken. Nicht weil ich ihm jetzt nicht noch Steigerungspotential zutrauen würde. Er erinnert ein wenig an Boateng in jungen Jahren und macht einen motivierten und lernwilligen Eindruck. Für die Stabilität unserer Innenverteidigung wäre ein erfahrener Mann notwendig wie früher Bordon, auch die Außenverteidigerpositionen stehen zur Diskussion und bergen viel Steigerungspotential.
Hoffen wir darauf, dass Dutt unsere Ladenhüter an den Mann bringt und Geldmittel auch nicht erst zur Verfügung stehen, wenn für diese ein Abnehmer gefunden wurde. Der Verein darf jetzt keine Zeit verlieren. Bobic meinte zwar immer, im Schlussverkauf mache man die besten Schnäppchen, was sich aber als Trugschluss herausstellte.
Jetzt aber dürfen wir uns erst mal freuen. Bin noch immer glückselig und kriege Gänsehaut, wenn ich an gestern im Block denke. Einfach geil, unbeschreiblich, phänomenal, glücklich. Danke Huub, ein zweites Mal, und auch ein zweites Mal richtig traurig, dass er schon wieder Geschichte ist.
Affengeil: Endspiel in Paderborn!
Was Huub Stevens geritten hat, seine Spieler auf dem Trainingsplatz als Affen zu titulieren, weiß wohl niemand außer ihm selbst so recht. Dass er das nicht so derb, wie es sich im Deutschen anhört, gemeint hatte und diese Form der Anrede in Holland eher eine verniedlichende Bedeutung hat, vermutete ich von Anfang an, was dann ja auch bestätigt wurde. Das Sprach- und Übersetzungsrisiko trage ich als Verein, wenn ich einen ausländischen Trainer, der, auch wenn Holländer, Deutsch eben nicht perfekt spricht und demzufolge auch nicht immer die Worte findet, die er seinen Jungs oder auch der Presse mit auf den Weg geben möchte. Dass es sich um ein Missverständnis handelte war in der Aufarbeitung weder für die Mannschaft noch für die Presse, die solche Geschichten ja gerne aufbauscht und Unruhe schürt, wichtig, Stevens hatte seine Spieler als Affen bezeichnet und das saß. Harnik gab es hinterher zu, dass die Mannschaft schon zunächst einmal perplex war, lasse sich doch niemand gerne von einem anderen als Affen bezeichnen.
In dieser entscheidenden Saisonphase, in der man jegliche Unruhe brauchen kann, wie Bauchweh, war es die Frage, wie das Team damit umgehen würde. Folgen sie noch ihrem Boss an der Linie oder machen sie einen auf beleidigte Leberwurst?
Von wegen beleidigte Leberwurst, von wegen Bähmullen, von denen ich noch vor einigen Wochen geschrieben hatte. Die Mannschaft stemmt sich seit Neuestem unbeirrt gegen den drohenden Abstieg, seit Samstag steht es fest, der VfB hat sich durch eine starke und couragierte Leistung sein Endspiel erspielt.
Mainz hatte Mut gemacht. Die Rückkehr Antonio Rüdigers ins Team anstelle von Georg Niedermeier, nach dessen wenig filigranen Aussetzern auf Schalke und auch die Hereinnahme von Schwaab als rechtem Verteidiger und die Versetzung Kleins auf die linke Seite hatten für Stabilität gesorgt, so dass es für Huub Stevens keinen Grund gab, an dieser Formation gegen den HSV etwas zu ändern. Die Vorstellung gegen Mainz, das wittern von Morgenluft danach, die Hoffnung auf drei Siege zum Saisonabschluss, all das ließ einen nur hoffen, dass die Woche schnell vorbeigehen und der Tag des Abstiegsgipfels gegen den HSV kommen möge.
Der Samstag indes begann früh, sehr früh. Schon traditionell vor dem letzten Saisonheimspiel, nämlich zum fünften Mal, lud der OFC Leintal-Power 05 ein zur Fahrt mit dem Partyfloß auf dem Neckar. Eine schönere Gelegenheit mit VfB-Fans von den verschiedensten Fanclubs die Saison Revue passieren zu lassen und die letzten beiden Spiele zu prognostizieren kann man sich nicht vorstellen. Gegen 9 Uhr brachten uns die Shuttle-Busse vom Bahnhof Ludwigsburg zur Anlegestelle nach Ludwigsburg-Poppenweiler, wo das Floß bestiegen wurde. Über Remseck, Mühlhausen, Hofen und Bad Cannstatt ging es bei Kaiserwetter direkt zum Anleger Mercedes-Benz-Museum, unweit des Neckarstadions. Die Fahrt war wie immer feucht-fröhlich, beste Stimmung an Bord und Optimismus, aber auch Angst. Angst davor, da man theoretisch bereits am Abend abgestiegen sein kann, sollte das Spiel gegen den HSV vergeigt werden. Ein gutes Omen vielleicht, 2011, nach der ersten Fahrt auf dem Partyfloß, als uns das Wasser ähnlich bis zum Halse stand, wurde der Klassenerhalt durch ein 2:1 gegen Hannover 96 perfekt gemacht. Allerdings, damals feierten wir noch Bruno Labbadia!
Das Wetter war genauso gut und zum Glück nicht ganz so heiß wie 2011, als man dem Bierkonsum bei großer Hitze schon Tribut zollen musste.
Also, ging es, nachdem wir gegen 12.45 Uhr angelegt hatten, weiter zum eigentlichen Vorglühen ins SSC-Sportheim, um mit Freunden noch die letzten Stunden vor dem Anpfiff zu verbringen. Zur abermals beeindruckenden Karawane vom Cannstatter Bahnhof bis zum Stadion hätte ich hetzen müssen, so dass ich darauf nach einigem überlegen verzichtet hatte.
Als mir dann beim SSC ein Vogel auf mein strahlend weißes Trikot mit dem roten Brustring geschissen hatte, war es mir klar, heute kann überhaupt nichts mehr schief gehen, soll doch Glück bringen.
Gutes Omen Nummer drei war dann schließlich noch der Auftritt von „Die Fraktion“ vor dem Spiel, als sie zuletzt da waren, setzte es Siege gegen Bremen und gegen Mainz. Auch deren Auftritt brachte im nachhinein betrachtet also wieder Glück, so dass ich hoffe, dass die Jungs auch den Weg nach Ostwestfalen in die Benteler Arena oder zumindest zum Busparkplatz finden, um uns dort noch einzuheizen und die Jungs später im Stadion zu unterstützen.
Der VfB traf auf die derzeit in einem Zwischenhoch befindlichen Hamburger, denen Bruno Labbadia, fast erwartungsgemäß, neues Leben eingehaucht hat. Für solch kurzfristigen Missionen scheint Labbadia der richtige Mann zu sein, der alle mitnimmt und offensichtlich auch die richtigen Worte zu finden scheint.
Als längere Lösung scheidet er für mich nach wie vor aus, es sei denn, er hätte sich während seiner Auszeit um 180 Grad gedreht. Müßig zu mutmaßen, wo der VfB stünde, hätte er Labbadia nicht entlassen, für mich war die Entlassung damals überfällig. Der große Fehler damals war doch seine Vertragsverlängerung und dass man den Vertrag nicht einfach zum 30.06.2013 hat auslaufen lassen. Damit wäre uns womöglich schon der Abstiegskampf der letzten Saison erspart geblieben, zum 01.07. einen Trainer zu verpflichten, der noch Justierungen am Kader vornehmen kann, bietet immer mehr Möglichkeiten, als einen Feuerwehrmann zu holen, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.
Labbadia mag ein besessener Fußballfachmann sein, ein guter Psychologe ist er nicht. Wäre er das, hätte er sich mehr um das Innenleben der Mannschaft geschert, Youngsters und andere Reservisten bei Laune gehalten, ihnen erklärt, weshalb der eine (immer) spielt und der andere gar nicht. Er hätte sich womöglich gar von seinem ewigen Assistenten Eddy Sözer getrennt, der in der Mannschaft unbeliebt war und eher als Petze denn als Vertrauensperson angesehen wurde. Zudem hingen ihm noch die Gerüchte nach, nach denen er seine Hände nicht von Spielerfrauen lassen konnte. All das waren keine guten Voraussetzungen, die Mannschaft hinter sich zu bringen, so dass es schon lange den Anschein hatte, die Mannschaft würde gegen den Trainer spielen. Daher bleibe ich dabei, dass es richtig war, sich von Labbadia zu trennen.
Dennoch muss ich es zugeben, dass auch ich ein flaues Gefühl im Magen hatte, als Labbadia HSV-Trainer wurde und ich mir das Szenario einfach nicht vorstellen wollte, dass ausgerechnet „sein“ HSV uns in die 2. Liga schießen könnte. Auf der anderen Seite habe ich die letzten HSV-Spiele gesehen und, wenn man diese mit den Vorstellungen des VfB vergleicht, einen Unterschied wie Tag und Nacht festgestellt. In Hamburg, ein Rumpelfußball sondergleichen, wie wir ihn aus der Labbadia-Ära ja auch noch kennen und dann wir mit unserer Mannschaft, die zuletzt wirklich einen hervorragenden Fußball spielte.
Der VfB übernahm zwar gleich die Initiative, trotzdem ging der HSV mit seinem ersten Torschuss nach einer Standardsituation durch Kacar in Führung. Jener Kacar, der lange keine Rolle bei den Rauten spielte, unter Labbadia, der ihn auch schon nach Stuttgart lotsen wollte, aber förmlich aufblüht und dessen Toren es allein zu verdanken ist, dass der HSV überhaupt noch Chancen auf den Klassenerhalt besitzt. Tunay Torun, auch so ein Wunschspieler Labbadias, spielte dieses 0:1 in die Karten. Unter der Woche meinte er noch in der Hamburger Morgenpost, dem HSV müsse ein frühes Tor gelingen, „die VfB-Fans werden schnell ungeduldig und fallen ihrer Mannschaft in den Rücken“. Na dann, schaun mer mal.
Die Stuttgarter Fans, „alle in weiß“, gaben von Beginn an ein beeindruckendes Bild und einen noch besseren Lautstärkepegel ab. Das Stadion bebte schon vor dem Anpfiff, jeder Einzelne motiviert bis in die Haarspitzen. So auch nach dem 0:1. Wurde früher (noch gar nicht so lange her) in Lethargie verfallen bei einem Rückstand, schüttelte man sich gegen den HSV kurz und weiter ging der Support. Man spürt es deutlich, diese Mannschaft hat nach den letzten Vorstellungen Kredit zurückgewonnen, außerdem hat es sich jeder verinnerlicht, dass wir alle im selben Boot sitzen und sich jeder bestmöglich für den Nichtabstieg einbringen muss. Nach der so unglücklichen wie unnötigen Niederlage auf Schalke, als die wenigsten außerhalb der VfB-Fanszene noch auf den VfB einen Pfennig gesetzt hätten, wurden die Kräfte noch einmal gebündelt und es wurden drei Endspiele ausgerufen, in denen sämtliche Misstöne ausgeblendet, Animositäten zurückgestellt werden sollen. Die Aufarbeitung muss dieses Mal kommen, ohne wenn und aber, aber, eben zu gegebener Zeit. Robin Dutt, dessen bisher einziger Einkauf Serey Die eingeschlagen hat und ins Team passt wie die Faust aufs Auge, wird sich im Sommer beweisen müssen. Durch die Blume hat er ja schon angedeutet, dass nach der Saison deutlich angesprochen und analysiert werden müsse, was im Argen liegt. Hier wird sich zeigen, ob er, vielleicht auch gegen Widerstände, bereit ist, alte Zöpfe abzuschneiden und wirklich jeden Stein umzudrehen, um endlich wieder ein ausschließlich leistungsorientiertes Arbeitsklima auf dem Wasen zu schaffen.
Das Spiel indes lief auch nach dem Rückstand nur in Richtung HSV-Tor. Bereits 13 Minuten nach Kacars Führungstreffer gab der VfB die passende Antwort. Schwaabs Flanke, die abgefälscht den Weg zu Gentner fand, nahm der Kapitän volley und drosch die Kugel durch die Beine von Adler zum Ausgleich in die Maschen. Riesen Jubel, riesen Erleichterung und eine Wahnsinns-Lautstärke im Neckarstadion.
Gentner ist irgendwie schon ein Phänomen. Läuft in der Mannschaft alles schief, versteckt er sich und geht sang- und klanglos mit unter, und zeigt dabei nie die Attribute, die man von einem Kapitän und Führungsspieler erwartet. Auf der anderen Seite, läuft es im Team, schafft er es, das eine oder andere Mal aus einer starken Mannschaft noch herauszustechen, so wie am Samstag. Einsatzstark und willensstark legte er nicht nur den Hamburger Kapitän Van der Vaart an die Kette, sondern kurbelte unser Angriffsspiel an und erzielte gar selbst den so wichtigen Ausgleich. Wiederum nur acht Minuten später war das Spiel gedreht. Westermann lenkte eine Kostic-Ecke an den hinteren Pfosten, von wo aus Harnik gekonnt einnetzte, ein Tor, das ihm so vor vier Wochen wohl auch nicht gelungen wäre. Der Jubel kannte keine Grenzen, das ganze Stadion war aus dem Häuschen und die Mannschaft gab Stevens die passende Antwort, in dem sie einen astreinen Affentanz aufführte. Gute Laune allerorten, Spielfreude auf dem Rasen, Euphorie auf den Rängen, als wenn wir uns in ganz anderen Tabellengefilden befänden. Ich hatte lang gefordert und darauf gehofft, dass die Spieler die Zuneigung vom Publikum nicht nur verbal einfordern, sondern sich diese auf dem Rasen erarbeiten und den Funken auf die Ränge überspringen lassen. Das scheint fürs erste gelungen. Schon lang nicht mehr habe ich es erlebt, dass bei uns auf der Haupttribüne mindestens die Hälfte des Spiels gestanden wurde und kollektiv ins rhythmische Klatschen der Cannstatter Kurve eingestimmt wurde.
Huub Stevens scheint nun endlich die Elf gefunden zu haben, die uns diese verkorkste Saison noch retten kann. Hatte auf Schalke noch Georg Niedermeier einen kapitalen Aussetzer und lud Schalke zum 1:0 ein, heißt nun die Devise richtigerweise „Safety first“. Keine versuchte Kabinettstückchen am oder im eigenen Strafraum mehr, stattdessen werden die Bälle humorlos aus der Gefahrenzone heraus gedroschen. Mit Rüdiger und Baumgartl in der Innenverteidigung scheint es zu passen, zumal Schwaab, ja auch gelernter Innenverteidiger, stark ansteigende Form zeigt und mich in den letzten beiden Spielen seit langem mal wieder überzeugt hat. Bei Baumgartl gefiel mir seine Aufmerksamkeit, hellwach der Junge und schon recht abgezockt für sein Alter. Im Mittelfeld ziehen Gentner und Serey Dié die Fäden und stellten zuletzt gut die Räume zu, sie harmonieren also immer besser miteinander. Und dann ist da ja noch Daniel Didavi, dessen Rückkehr uns schon letzte Saison so wahnsinnig gut getan hat. Einfach eine Augenweide, ihn am Ball zu sehen. Und vorne wirbeln Harnik, Ginczek und Kostic die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander. Zuletzt haben alle getroffen, so dass diese Offensiv-Power auch für den SC Paderborn schwer auszurechnen sein dürfte. Der VfB erspielte sich gegen den HSV ein Chancenverhältnis von 13:1, so dass man allenfalls die Chancenverwertung bemängeln kann, auch wenn René Adler hervorragend gehalten hat. Ich fand auch nicht, dass die Chancen kläglich vergeben wurden und wenn, dann ganz wenige. Ein 4:1 wäre zwar auch noch zu niedrig ausgefallen, hätte uns aber eine etwas bessere Ausgangsposition fürs Saisonfinale verschafft, nämlich für den Fall, dass wir unentschieden spielen und Hannover verlieren würde. Außerdem birgt ein Eintore-Vorsprung immer die Gefahr, noch einen dummen Ausgleich zu kassieren. Als der am Samstag gute Schiri Gräfe vier Minuten Nachspielzeit anzeigen ließ, ertönten bei mir schon wieder sämtliche Alarmglocken. Ein Standard für Hamburg, Adler kommt vor, Unordnung durch den überzähligen Mann im Strafraum, und… Nein!
Vor kurzem empfahl ich Stevens hier noch, Leute wie Kostic und Maxim durchspielen zu lassen, da die späten Gegentore gegen Freiburg und auf Schalke immer erst dann fielen, wenn die beiden ihr Tagwerk bereits vollbracht hatten und ausgewechselt waren. Gut, die Sache mit Maxim hat sich wohl erledigt, seit Didavi von Anfang an ran darf. Aber, Kostic durfte tatsächlich bleiben. Zum Glück! Wie der Junge die Bälle vorne festmachte, wie er im eins gegen drei noch Eckbälle herausholte, einfach zum Zunge schnalzen. Hamburg kam in der Nachspielzeit nicht einmal überhaupt in Tornähe, so dass der überlebenswichtige Sieg in Stein gemeißelt war. Endlich darf Kostic zeigen, was er drauf hat und das ist eine ganze Menge. Ich freute mich im Vorfeld ja bereits auf sein ungleiches Duell mit Westermann und sollte nicht enttäuscht werden. Mit seiner Schnelligkeit ist er eine Waffe im Abstiegskampf und unheimlich wichtig für die Mannschaft.
Der Dreier war eingefahren, die rote Laterne wurde an unseren nächsten Gegner weitergegeben. Stand heute würden wir die Relegation gegen den KSC spielen, ein Spiel, das sich wohl keiner so recht wünscht. Mehr Brisanz in sportlicher Hinsicht geht sowieso nicht, leider wäre bei dieser Konstellation aber auch abseits des Stadions, vor allem im Wald in Karlsruh, das Schlimmste zu befürchten.
Dass wir nicht noch weiter in der Tabelle hoch geklettert sind, lag zum einen daran, dass die Bayern nach dem verpassten Triple im Schongang dem Saisonende entgegen spazieren und Freiburg so den ersten Sieg gegen die Bayern seit 19 (!) Jahren einfuhren. Auch wenn sich viele gegen den Begriff „Wettbewerbsverzerrung“ wehren, kann man doch davon ausgehen, dass die Bayern im Breisgau nicht verloren hätten, wenn sie noch dringend Punkte für die Meisterschaft benötigt hätten. Hannover 96 profitierte zeitgleich von einer miserablen Schiedsrichterleistung in Augsburg und fuhr dadurch begünstigt seinen ersten Rückrundensieg ein. Auch das ging also nicht mit rechten Dingen zu. Dennoch, mit unerwarteten Ergebnissen von Mannschaften, die ihre Ziele bereits erreicht haben oder nichts mehr erreichen können muss man Jahr für Jahr rechnen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und sollte sich in eine Situation bringen, wo andere Ergebnisse von vornherein unwichtig sind.
In dieser Situation befinden wir uns vor dem großen Showdown in Paderborn. Wir müssen „nur“ gewinnen und klettern dann auf einen Nichtabstiegsplatz, da sich Hannover und Freiburg gegenseitig Punkte wegnehmen. Wir haben es in eigener Hand und sollten jetzt ernten, was wir in den vorigen beiden Spielen säten. Die zuletzt gezeigte (Spiel-)Stärke sollte Mut machen und auch gegen Paderborn zum Erfolg führen. Aber, die Einstellung wird wichtig sein am Samstag. Kleines, enges Stadion, Hexenkessel, Kampfspiel und wenns regnet womöglich auch ein wenig ein Schlammspiel. All das taugt das eine oder andere Mal dazu einer vom spielerischen daherkommenden Mannschaft den Zahn zu ziehen bzw. den Schneid abzukaufen. Was uns vielleicht in die Karten spielen könnte, ist der Ausfall eines Paderborner Schlüsselspielers, hier ein Auszug der VfB Statistikwelt in Facebook: „Daniel Brückner vom SC Paderborn 07 e.V. ist in der kommenden Woche gegen den VfB Stuttgart 1893 e.V. gelbgesperrt. In den zehn Partien ohne Brückner kassierte der SCP im Schnitt 3,1 Gegentore – in den übrigen 23 Saisonspielen mit ihm nur 1,4.“
Klammert man sich in besonders nervenaufzehrenden Zeiten an jeden Strohhalm, so natürlich auch an diesen. Ansonsten kann man die Tabelle drehen und wenden wie man will. Fakt ist, gewinnen wir, sind wir durch, verlieren wir, steigen wir ab, spielen wir unentschieden reicht es höchstwahrscheinlich allenfalls für den Relegationsplatz und das wohl auch nur, wenn der HSV gegen Schalke nicht gewinnt. Was man von Schalke noch erwarten darf, weiß ich nicht so recht. Die Spielersuspendierungen in der letzten Woche brachten nicht den gewünschten Erfolg. Schalke gewann zwar gegen Paderborn mit Ach und Krach 1:0, ließ sich dabei aber von unserem Abschlussgegner teilweise an die Wand spielen, so dass die Fans abermals unseren Chef- und ihren Jahrhunderttrainer Huub Stevens feierten und mit der eigenen Mannschaft und auch Horst Heldt hart ins Gericht gingen. Ob jetzt in Hamburg noch eine Trotzreaktion der Mannschaft, eine Versöhnung mit den Fans zu erwarten ist, bezweifle ich. Dort wird eher jeder froh sein, wenn der Schlusspfiff ertönt und die Saison vorbei ist. Beruhigend für unsere Nerven wäre dennoch, wenn aus Hamburg die Schalker Führung übermittelt werden würde.
Auf der sicheren Seite sind wir aber nur, wenn wir unser Glück selbst in die Hand nehmen und endlich den ersten Auswärtssieg 2015 einfahren. Der VfB muss einfach auf den Platz bringen, dass wir nicht nur die besseren Einzelspieler sondern auch die bessere Mannschaft haben. An Unterstützung wird es nicht mangeln, der kleinste Gästeblock der Liga ist (natürlich) restlos ausverkauft. Bei entsprechender Kapazität könnte man diesen wohl bei diesem Endspiel auch mit 5.000 bis 10.000 VfBlern füllen, so hoch ist derzeit die Nachfrage. Natürlich kommen auch viele jetzt angekrochen, die sich zu diesem Endspiel berufen fühlen, einen sonst aber für verrückt erklären, wenn man zu jedem Kick fährt.
Aber, auch andere, Vielfahrer, gingen leer aus, weil einfach nicht mehr Tickets vorhanden waren. Dies führt zu aberwitzigen „Angeboten“ bei Viagogo und Ebay, von einigen hundert Euro bis hin zu knapp 2.000 Euro für ein Stehplatzticket (Regulärpreis: 15,– €). Ob diese Mondpreise tatsächlich jemand bezahlt oder diese Abzocker auf ihren Karten sitzen bleiben, weiß ich natürlich nicht. Da Karten für den Gästebereich wirklich nur Hartgesottene bekommen haben und damit indirekt anderen echten Fans die Möglichkeit nehmen, bei diesem Finale dabei zu sein, sollte im Grunde jeder, der ein Ticket auf diesem Schwarzmarkt erworben und bei der Kaufabwicklung den Namen des Verkäufers bekommen hat, diesen beim VfB anzeigen, dass solche Leute nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden können.
Auch mit knapp 1.500 Away-Fans werden wir für einen Support sorgen, der sich gewaschen hat. Zudem ist mit vielen Anreisenden ohne Karte zu rechnen, so dass wir hoffentlich in Ostwestfalen eine weiß-rote Nichtabstiegsfeier und eine feuchtfröhliche Rückfahrt erleben werden. Ich kann es kaum erwarten, bis wir am Samstag Gewissheit haben. Hauptsache nicht direkt absteigen, notfalls über die Relegation die Klasse halten, auch für diese Busfahrt, ob nach Darmstadt, Kallsruh oder Kaiserslautern, habe ich mich bereits angemeldet. #mirschaffendas, #KampfbiszumSchluss.
Auf gehts Jungs aus Cannstatt!
Schön, dass nach Mainz gerade einmal zwei Arbeitstage anstanden und wir die letzten drei Tage mit (VfB-) Freunden im Badischen verbringen konnten. Eine komplette Woche im Geschäft unter Hochspannung wäre sicher schwer zu ertragen gewesen.
Morgen steht er also an, DER Showdown, DAS Abstiegsendspiel oder, wie es der VfB-Tross nennt, das Halbfinale. Die Spannung ist unerträglich, von “so gut wie gerettet” bis “sicher abgestiegen” ist alles möglich. Um diese innere Unruhe und Anspannung bis zum Anpfiff nicht alleine in sich hineinfressen zu müssen, hat der OFC Leintal-Power ’05 die tradionelle Saisonabschlussfahrt auf dem Partyfloß angesetzt. Jedes Jahr, auch für mich ein, wenn nicht DAS Saisonhighlight, vor allem in Zeiten, in denen Glanzvorstellungen auf dem Rasen zur Rarität geworden sind.
So trifft man sich bereits morgen früh um 8.45 Uhr, um zum Anleger nach LB-Poppenweiler kutschiert zu werden und um dort das Floß zu besteigen. Da man sich nie sicher kann, nicht doch in einen kleinen Stau zu geraten, deckt man sich vorsorglich am Bahnhof Ludwigsburg mit Kaltgetränken ein, so dass der Tag schon einmal einen feuchtfröhlichen Anfang nimmt. Auf dem Floß dann werden, die Erfahrung der letzten Jahre lehrt es, die guten Vorsätze wie “erstmal ein Radler”, “nicht durcheinander trinken” oder “iss was” schnell über Bord in den Neckar geworfen, weil einem doch immer wieder mal unerwartet etwas hingestellt wird und man ja nicht abweisend wirken möchte.
Der Tag nimmt damit also schon einen mehr als launigen Anfang mit sauguten Leuten an Bord. Natürlich dreht sich bei dieser Fahrt fast alles um den VfB, man analysiert, fachsimpelt, sinniert und hin und wieder kommt dann auch die missliche Tabellenlage ins Spiel. Man singt und lacht und genießt das Beisammensein mit Gleichgesinnten. Aber, die Zeit wie auch die Schleusen Aldingen, Mühlhausen, Cannstatt rasen an einem vorbei, so dass ich mir keine kurzweiligere Art des dem Spiel entgegenfieberns vorstellen könnte.
Alle Jahre wieder melde ich mich für die Floßfahrt an, weil es einfach geil ist und weil ich es noch geiler finde, wenn ein Fanclub ein solches außergewöhnliches Event von Fans und für Fans veranstaltet und damit einen Beitrag zum Zusammenhalt und zum besseren Kennenlernen innerhalb der Fanszene leistet. Ich weiß das sehr zu schätzen und halte mir daher den Vormittag des letzten Saisonspiels stets und gerne frei.
Wenn wir nicht gerade in Seenot geraten, die Schleusenwärter streiken oder sonstige unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, legen wir etwa drei Stunden vor Spielbeginn in Stadionnähe an und haben einen Großteil der (Warte-) Zeit bereits hinter uns gebracht, so dass es bald ans Eingemachte geht.
Wie schon vor den Siegen gegen Bremen und gegen Mainz heizen DIE FRAKTION vor dem Spiel ein und stimmen die Fangemeinde auf den Heimsieg ein.
Dann gehts also gegen den unter Bruno Labbadia wiedererstarkten HSV ins Alles-Oder-Nichts-Spiel. Eigentlich, ich gebe es ehrlich zu, gab es schon Gegner, vor denen ich mehr gezittert habe. Der HSV wäre eigentlich fällig. Schon die Witz-Rettung in der letzten Saison und dann dieser Komödienstadel in dieser, dazu noch dieser Anti-Fußball, der von den Rauten dargeboten wird. Wenns nach all dem ginge, könnte es nur heißen, ab in Liga 2.
Aber: in Sachen Komödienstadel stehen wir dem HSV inzwischen überhaupt nicht mehr nach. Auch, in Sachen verdientem Abstieg, man muss ehrlich bekennen, wer den Schuss letzte Saison nicht gehört hat, wer mit Armin Veh als vermeintlichem Heilsbringen so naiv in die Saison ging, auch der würde eigentlich nach unten gehören.
Trotzdem hoffe ich natürlich, dass wir mit zwei Siegen den Kopf noch aus der Schlinge werden ziehen können. Die Offensive macht derzeit Mut und noch mehr Spaß. Mit dieser Spielfreude, diesen Ideen, den Räumen, die ein Kostic und auch Didavi schaffen, kann dem HSV beizukommen sein. Ein Kostic in der Form vom Mainz-Spiel, spielt dem Westermann Knoten in die Beine, dass dieser noch in der Nacht danach Karussell fährt. Dida wieder auf dem Platz zu sehen tut gut und in der Mitte steht endlich wieder ein Stürmer, der weiß wo das Tor steht. Und auch Harnik, der Mann zwischen Genie und Wahnsinn, ist immer für die eine besondere Aktion gut. Serey Die gegen Mainz wieder bärenstark, bei ihm muss man eben hoffen, dass er von Schiri Gräfe (mein Gott!!!) nicht zu früh gelb sieht.
Die halbe Mannschaft also macht durchaus Mut und sollte in der Lage sein, die Schwächen der Hintermannschaft zu kaschieren oder zu übertünchen und einfach ein Tor mehr schießen als der Gegner. Gegen Mainz sah es doch einigermaßen vielversprechend aus, auch wenn sie nicht allzu sehr gefordert waren, was aber auch am Spiel gegen den Ball der kompletten Mannschaft lag.
Mit einem ähnlichen Willen wie gegen Mainz wird der HSV geschlagen, ohne Wenn und Aber. Ob das gestrige “Affentheater” noch zusätzlich motivierende oder eher hemmende Wirkung hat, wird man sehen. Ich unterstütze Stevens, diesem Haufen auch mal in den Allerwertesten zu dappen, wenn sie nach einem Sieg schon wieder auf Wolke sieben schweben und den Ernst der Lage verkennen. Es kann ja auch kein Zufall sein, dass wir bald zwei Jahre lang keine zwei Siege in Folge einfuhren. Die Wortwahl mutet merkwürdig an, kann aber natürlich Sprachproblemen geschuldet sein.
Der zweite Sieg in Folge muss jetzt zweifellos her, jede Serie geht einmal zu Ende. Die Vorzeichen sind doch klasse. Rückenwind vom Sieg gegen Mainz, volles Haus und eine mit Sicherheit unschlagbare Atmosphäre und die Chance eine verkorkste Saison aus eigener Kraft noch retten zu können.
Ein Abstieg wäre verheerend. Natürlich beschwören ihn einige fast herbei, “weil sich ja sonst doch nix ändert”, weil die Vereinsführung offensichtlich aus gröbsten Fehlern nichts lernt und man in gewisser Weise zu seinem Glück gezwungen werden will. Aber, was soll heilend sein bei einem Abstieg? Mit 1975 sind die Ligen nicht mehr zu vergleichen. Abgesehen davon, dass es noch zwei zweite Ligen gab und es der VfB dennoch erst im zweiten Jahr schaffte, wieder hoch zu kommen, würde es ungleich schwerer. Spieler wie Dieter Hoeneß, K. H. Förster, Hansi Müller und viele andere mehr konnten sich fast unbeobachtet zu Nationalspielern entwickeln, die Medienpräsenz war eine andere, Internet und Privatfernsehen gab es noch nicht. Heutzutage kennt europaweit jeder unsere Talente bis mindestens zur B-Jugend hinab, so dass die Geier ein und aus gehen würden, um die Jungs von anderen Vereinen überzeugen und abwerben zu wollen. Wie oben aufgeführt, haben wir schon ein paar vielversprechende Spieler, die ich so langsam in mein Herz schließe, die wären dann alle weg. Uns würde gerade bleiben, was die Anderen nicht wollen,nicht die besten Voraussetzungen, um gleich wieder hoch zu kommen.
Dutt ist so oder so gefordert im Sommer, der Umbruch muss her, Spielern, die uns bereits jahrelang nicht weiter bringen, muss der Abgang nahegelegt werden, ohne Rücksicht auf irgendwelche vermeintlichen Verdienste oder Identifikation mit dem Verein. Diese haben wir alle, jedoch ohne uns Woche für Woche auf den Platz zu stellen.
Soll heißen, der Abstieg muss unbedingt vermieden werden, um nicht um Jahre bis Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden.
Daher, morgen alles geben, alles aus sich herausholen, forza VfB. Bin heiß wie Frittenfett.
Hurra, wir leben noch!
Nach der ebenso ärgerlichen wie unnötigen Niederlage auf Schalke vor Wochenfrist und den Ergebnissen der Konkurrenz hatten sich die Aussichten des VfB auf den Klassenverbleib dramatisch verschlechtert. Es war daher im Vorfeld bereits klar, dass gegen den 1. FSV Mainz 05 nur ein Sieg zählen würde, jedes andere Ergebnis käme fast schon dem Abstieg gleich, auch wenn aufgrund der letzten Gegner und anderer direkter Duelle an den beiden letzten Spieltagen sicher war, dass man selbst im Falle einer Niederlage noch nicht abgestiegen wäre.
Der Spieltag begann mit dem Freitagspiel schon wie gemalt für den VfB. HSV-SC Freiburg 1:1, so dass man bereits vor dem Spiel anfing zu rechnen und auf die Losung kam, Mainz besiegen und danach mit einem Sieg gegen den HSV den Dino überholen zu können. Gar nicht einmal so unrealistisch, für Mainz geht es um nicht mehr viel und wenn man den HSV so spielen sieht und die Spielanlage der Rauten mit der unsere vergleicht, brauchen wir uns vor diesem HSV sicherlich nicht zu verstecken.
Auf der anderen Seite sind drei Siege aus drei Spielen natürlich leichter gesagt als getan, wenn man sich erinnert, dass wir aus 31 Spielen gerade einmal sechs zustande brachten und zudem seit mehr als eineinhalb Jahren keine zwei Spiele hintereinander mehr gewinnen konnten. Außerdem gefällt sich der VfB offensichtlich als Heilsarmee der Bundesliga und erweckt jedes Mal kriselnde Gegner zu neuem Leben, indem man sich die Dinger regelmäßig selbst ins Netz legt. Solche Anfängerfehler werden natürlich in Deutschlands Eliteklasse gnadenlos bestraft, so dass die Angst vor neuerlichen Slapstickeinlagen unserer Defensivstrategen stets mitspielt und man sich als VfB-Sympathiesant gegen keinen Gegner und bei keinem Spielstand wirklich sicher sein kann.
So empfing der VfB also am letzten Wasenwochenende den selbsternannten Karnevalsverein aus Mainz. Für Mainz ging es quasi um nichts mehr, auch wenn theoretisch noch die Europa League-Qualifikation und sogar der Abstieg, wenn auch äußerst unwahrscheinlich, möglich gewesen wäre. Im Vergleich zum Schalke-Spiel brachte Huub Stevens den wiedergenesenen Antonio Rüdiger für den angeschlagenen und auf Schalke kapital patzenden Georg Niedermeier. Außerdem stand erstmals in dieser Saison Daniel Didavi in der Startformation, für ihn musste Alexandru Maxim auf der Bank Platz nehmen.
Die Stimmung im Stadion zum „Top-Spiel der Woche“ war von Beginn an überragend. Frühlingshafte Temperaturen, das Frühlingsfest, 54.000 Zuschauer, man hatte den Eindruck, dass so langsam jeder kapiert hat, was die Stunde geschlagen hat. Wie schon vor dem letzten Sieg gegen Werder Bremen heizten auch dieses Mal die Schwaben im Berliner Exil von „Die Fraktion“ dem Anhang ein, ein Auftritt, der abermals Glück bringen sollte. Ich mag die Band nicht erst, seit sie einen Beitrag für „Das sind die Fans und ihre Geschichten“ beigesteuert haben, ihre Hymne „VfB ein Leben lang“ oder auch das zum Stadionsong gekürte „Für immer VfB“ begleiten einen schon seit einigen Jahren.
Der VfB indes übernahm sofort die Initiative und suchte sein Heil in der Offensive, hatte aber spürbar Probleme zu aussichtsreichen Abschlüssen zu kommen, da die Mainzer kompakt standen und geschickt die Räume zumachten. Gerade für dieses Spiel war es ein gelungener Schachzug dem laufstärkeren Didavi den Vorzug vor Maxim zu geben, versuchte doch auch Didavi sofort das Spiel an sich zu reißen. Bereits in der letzten Saison, als Didavi erst im Frühjahr ins Geschehen eingreifen konnte, hatte er maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt, so könnte er auch in dieser Saison wieder zu unserer Lebensversicherung werden. Für mich ist er der beste Fußballer in unseren Reihen, tragisch wie sehr er zuletzt von langwierigen Verletzungen gebeutelt war, so dass man schon Angst hatte, ob er denn überhaupt noch zurückkommen würde oder gar einen Eintrag auf Sportinvalidität stellen müsste. Ich drücke ihm und uns ganz fest die Daumen, dass er das Gröbste überstanden hat und uns auch mal eine Saison am Stück sein Können zeigen kann. Seit ich ihn zum ersten Mal spielen sah, bei seinem allerersten Einsatz als 17-jähriger bei den Amateuren, als er gleich doppelt traf, mag ich ihn und bin von seinen Qualitäten überzeugt. An die nächste Saison möchte ich noch gar nicht denken, zunächst einmal wäre es eine große Hilfe, wenn er in den restlichen Spielen dieser Saison mithelfen könnte, den Abstieg zu verhindern.
Außer Dida war gestern wieder einmal Filip Kostic der zweite Aktivposten. Endlich darf der Serbe zeigen, was er drauf hat. Lang hat’s gedauert, nun aber, vielleicht gerade noch rechtzeitig, hat er sich an den deutschen Fußball gewöhnt, hat gelernt defensiv mitzuarbeiten und trotzdem nach vorne Akzente zu setzen. Unwiderstehlich seine Dribblings, ein Typ Spieler, der auszusterben droht, der es mit mehreren Gegenspielern auf einmal aufnimmt und dadurch Platz und Räume für seine Mitspieler schafft. Schon auf Schalke der beste VfBler und auch gestern wieder bärenstark. Und überhaupt, wegen unserer Offensive brauchen wir uns keine Sorgen machen, in diesem Bereich sind wir von allen Abstiegskontrahenten mit Abstand am besten besetzt. Auch unser zweiter Langzeitverletzter Daniel Ginczek besticht in den letzten Spielen mit seiner herausragenden Form. Problem nach wie vor unsere Defensive einschließlich Keeper, die gestern zum Glück aber selten gefordert waren.
Je länger das Spiel dauerte, umso seltener wurden die VfB-Chancen. Der VfB zwar tonangebend, aber eben nicht zwingend genug, zudem verteidigten die Mainzer geschickt. Aber, was man dem VfB dieses Mal hoch anrechnen kann und muss, ist, dass die Körpersprache über 90 Minuten stimmte und man die Mehrzahl der Zweikämpfe für sich entschied. Es war eine engagierte und ob des immensen Drucks auch eine couragierte Leistung vom VfB in einem Spiel, in dem er geduldig seinen Stiefel herunterspielte und auf diese eine Chance wartete.
Diese kam dann auch in der 66. Minute, zu einem Zeitpunkt, als schon das nervöse Kribbeln einsetzte und man machtlos die Uhr herunterlaufen sah. Daniel Didavi, der noch eine halbe Stunde zuvor mit einem satten Diagonal-Kracher am Pfosten gescheitert war, fasste sich aus 34 (!) Metern ein Herz und packte den Hammer aus. Der Ball schlug zur Überraschung aller vom Schützen aus gesehen am linken Innenpfosten ein, wobei der Mainzer Keeper Karius keine gute Figur abgab. Sei’s drum, vielleicht hatte er, der ja aus der VfB-Jugend stammt, sein VfB-Herz wiederentdeckt, alles egal. 1:0, ein kollektiver Torschrei der Erleichterung, das Stadion bebte, selbst bei uns auf der Haupttribüne hielt es kaum mehr einen auf den Sitzen. Sollte tatsächlich wieder dieser langzeitverletzte Dida aus unserer eigenen Jugend der Retter werden? Fast schon frech aus dieser Distanz draufzuhalten, aber, er probiert es wenigstens. Vielleicht ein Verzweiflungsschuss, egal, er hat Vertrauen in seinen feinen linken Fuß und das Vertrauen hat sich ausgezahlt. Da war sie also, die fast schon lebenswichtige Führung, die es nun galt, nicht mehr leichtfertig zu verspielen. Man wusste nicht so recht, was man von den Mainzelmännchen noch zu erwarten hatte, ob sie mit aller Macht auf den Ausgleich drängen wollten oder diese Niederlage hinzunehmen bereit waren. Der VfB tat das einzig richtige und igelte sich nicht hinten ein, sondern versuchte nachzulegen. Die Erfahrung der letzten Spiele lehrte es uns ja, keine Führung kann hoch genug sein, um nicht doch noch Gefahr zu laufen, sie wieder zu verspielen. In der 76. Minute hatte Didavi seine Schuldigkeit getan. Unter tosendem Applaus verließ er das Feld, Maxim kam. Nur zwei Minuten später dann wurde der Sack zugemacht. Langer Schlag von Ulreich (fand er Harnik nicht?) auf Ginczek, der fein auf Harnik, welcher wiederum von der Grundlinie in den Rückraum passte, von wo Kostic die Kugel kompromisslos in die Maschen drosch, und somit seine starke Leistung krönte. Riesen Jubel im weiten Rund, pure Erleichterung und aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz auch wieder große Hoffnung auf den vielleicht sogar direkten Klassenerhalt. Zwar hält man auch zwei Spieltage vor Schluss weiter eisern die rote Laterne, doch, auf Platz 14 sind es gerade einmal zwei Punkte.
Standing Ovations nach dem Spiel, der Funke ist (endlich mal wieder) vom Rasen auf die Ränge übergesprungen, es scheint fast so, als bahne sich ein neuer Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft an, wo doch zuletzt das Tischtuch eher zerschnitten war. Um in Erinnerung zu rufen, dass auch nach diesem Sieg noch überhaupt nichts erreicht ist, berief Huub Stevens zum ersten Mal überhaupt das komplette Team noch auf dem Rasen zu einem Kreis zusammen und schwor sie auf die nächsten Spiele ein. Für den VfB gilt es gegen den HSV genau an diese Leistung anzuknüpfen, dann muss uns allen nicht bange sein. Noch ist alles möglich in diesem verrückten Abstiegskampf. Wenn es normale Ergebnisse gibt, sollten zwei Siege für Platz 15 reichen. Dann nämlich gewinnt der SC Freiburg nächste Woche nicht gegen die Bayern und Paderborn nicht auf Schalke. Aber, was ist schon normal. Die Bayern verlieren derzeit jedes Spiel und Schalke gewinnt gerade einmal gegen uns, weil wir sie reich beschenkt haben.
Schalke ist am letzten Spieltag auch noch beim HSV gefordert und könnte zu etwas wie dem Zünglein an der Waage im Abstiegskampf werden. Hoffnung macht hier nur, dass bei königsblau nach der heutigen Niederlage in Köln so richtig Feuer unterm Dach ist und sie noch Punkte benötigen, um in der nächsten Saison überhaupt international dabei zu sein. Auch die Bayern sollten, selbst nach dem wahrscheinlichen Ausscheiden aus der Königsklasse, die Saison ordentlich zu Ende spielen, auch wenn für Pep Guardiola Begriffe wie Ehre und Fairness Fremdworte zu sein scheinen.
Letzten Endes liegt es aber am VfB selbst, ob er die Klasse hält. Zwei Siege zum Abschluss und mindestens die Relegation wird erreicht werden. In der 2. Liga sehe ich kein Team, vor dem man sich fürchten müsste.
Seit gestern stehen für mich die Zeichen tatsächlich auf Klassenerhalt. Das Neckarstadion wird am Samstag ausverkauft sein, die Fans stehen inzwischen wie ein Mann hinter dem Team und wir spielen mit Abstand den besten Fußball aller Teams, die unten drin stehen.
Dem unter Bruno Labbadia wiedererstarkten HSV werden am Samstag die Grenzen aufgezeigt werden, davon bin ich überzeugt. Es war natürlich zu befürchten, dass Bruno dem HSV neues Leben einhauchen würde und kurzfristigen Erfolg haben wird, aber, ich bleibe dabei, langfristig ist er für mich kein guter Trainer. Für den VfB war er es nicht, für den HSV wird er es auch nicht sein, wenn er sich denn nicht grundsätzlich ändert. Er hat charakterliche Schwächen, ihm wird ja so einiges nachgesagt, welches für einen Mannschaftserfolg nicht gerade förderlich ist. Er hat stets eine geschlossene Gesellschaft an Spielern, die immer ran dürfen, um die anderen kümmert er sich nicht und spricht auch nicht mit ihnen, weshalb sie denn keine Rolle spielen. Beim VfB sind dadurch manche Karrieren bereits im Keim erstickt worden, und das von Spielern, die mittlerweile woanders ihre Rolle gefunden haben. Daher habe ich für die Spötter auch kein Verständnis, die diesen kurzfristigen Erfolg des HSV (wohlgemerkt hat dieser noch nichts erreicht zum jetzigen Zeitpunkt!) jetzt dazu verwenden, zu sagen „sehr her, es war ein Fehler Bruno zu entlassen“. Nach Bobic kommt für mich Labbadia nämlich gleich danach als einer der Totengräber vom VfB. Dankbar bin ich ihm für den Klassenerhalt 2011, für viel mehr aber nicht. Unter ihm verkaufte man Leno, er war an den Verpflichtungen von Granaten wie Torun, Sararer, halb Hannover 96 und vielem mehr maßgeblich mitverantwortlich. Er sprach zu wenig mit den Spielern und bemerkte daher mutmaßlich auch nicht die immer schlechter werdende Stimmung und die Grüppchenbildung im Team. Sein „kongenialer“ Partner Eddy Sözer war zudem bei der Mannschaft nicht wohlgelitten, was ebenfalls keine gute Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten war. Gerade ein Co-Trainer sollte als Bindeglied zwischen Team und Chef-Trainer fungieren, ein Vertrauensverhältnis zu den Spielern aufbauen und nicht als des Trainers Spion wahrgenommen werden.
Nichts destotrotz, positiv für den VfB, die beiden stehen nicht mehr auf der VfB-Gehaltsliste und sind somit endgültig Geschichte beim VfB, womit ich es jetzt auch belassen möchte.
Am Samstag dürfte es schon wegen dieser Personalie eine ganz heiße Kiste werden, ich freue mich drauf und versuche mich auf der vor dem Spiel stattfinden Partyfloßfahrt zurückzuhalten, um das Spiel und hoffentlich den Sieg ausgiebig erleben und genießen zu können.
