26. September 2010

VfB geht mit 1:4 unter

Einfallslos, mutlos und chancenlos hat sich der VfB Stuttgart vor heimischen Publikum gegen Bayer Leverkusen präsentiert. Folgerichtig haben die Leverkusener das Spiel mit 1:4 (0:2) für sich entschieden. Durch diese Niederlage rutschten die Stuttgarter auf den letzten Tabellenplatz und blicken schweren Wochen entgegen.

Spielverlauf:

Von Beginn an dominierten die Gäste aus Leverkusen das Geschehen vor 38.300 Zuschauern in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena. In den ersten 15 Minuten konnte sich die Werkself keine nennenswerten Torchancen erarbeiten. Doch in der 19. Minute schlugen die Leverkusener den VfB mit ihren eigenen Stärken. Haben die Roten vier ihrer elf Saisontore mit dem Kopf erzielt und sorgten damit für einen Ligaspitzenwert, köpfte erst Leverkusens Abwehrhüne Sami Hyypiä in der 19.Minute ein nach einem Freistoß von Tranquillo Barnetta. Und nur zwei Minuten später schlugen die Gäste erneut zu: Michal Kadlec flankt erneut von der linken Seite auf Mannschaftskollegen Arutro Vidal, der den Ball ebenfalls mit dem Kopf zum 2:0 im Tor unterbringt.

Wer dachte, dass es nun nicht mehr schlimmer für den VfB kommen könnte, irrte. Erst verfehlt Barnetta aus 16 Metern das Gehäuse von VfB-Torhüter Sven Ulreich nur knapp (26.Minute) und in der 31. Minute foulte Mauro Camoranesi den einschussbereiten Barnetta kurz vor der Strafraumgrenze. Schiedsrichter Florian Meyer blieb nichts anderes übrig und zeigte dem Italiener die Rote Karte.

Camoranesi mit schwacher Leistung

Camoranesi verabschiedete somit mit einer äußert schwachen Leistung. Nie konnte der 33-Jährige seinen jungen Mannschaftskollegen den nötigen Halt geben und leitete mit einem Foul bereits die Führung der Gäste ein. Den anschließenden Freistoß von Eren Derdiyok parierte VfB-Torhüter Sven Ulreich stark. Mit zwei Toren Rückstand und einem Spieler weniger auf dem Feld tauchten die Stuttgarter in Person von Martin Harnik in der ersten Halbzeit doch noch vor dem Leverkusener Tor auf. Der Österreicher schoss allerdings aus zehn Metern weit vorbei (37.).

Pfeifkonzert zur Halbzeit

Danach machten VfB-Anhänger zur Halbzeit ihrem Unmut Luft und verabschiedeten ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Kabine. Dies schien Eindruck bei den Akteuren hinterlassen zu haben. Die Stuttgarter kamen deutlich engagierter aus der Kabine und verkürzten in der 53. Minute per Freistoß durch Zdravko Kuzmanovic auf 1:2. Das Aufbäumen der Stuttgarter blieb allerdings nur von kurzer Dauer. Zwar setzten die Gastgeber auf eine Karte, vernachlässigten ihre Defensivarbeit und versuchten Druck aufzubauen, doch zu ideenlos und ungenau präsentierten sie sich in ihren Angriffsbemühungen. Darüber hinaus nutzten die Leverkusener die entstandenen Lücken in der VfB-Defensive aus und kamen zu hochkarätigen Chancen.

Eine davon nutzte Hanno Balitsch in der 69. Minute zum 3:1, nachdem er nur eine Minute zuvor noch völlig freistehend an Sven Ulreich gescheitert war. Ein Treffer von Pawel Pogrebnjak sorgte noch einmal für einen kurzen Hoffnungsschimmer. Allerdings erkannte Schiedsrichter Meyer den Treffer wegen eines vorangegangen Handspiels nicht an (78.). Und so machte Bayer Stürmer Sidney Sam schließlich mit seinem Treffer zum 4:1 zwei Minuten vor Spielende die Blamage der Stuttgarter perfekt. Leverkusen feierte seinen zwöften Auswärtserflog in Stuttgart in der Bundesligageschichte. Nirgends hat die Werkself öfter gewonnen.

Entscheidende Szene:

Als Mauro Camoranesi in der 31. Minute aufgrund seiner Notbremse die Rote Karte sah, dürften nur noch die mutigsten VfB-Anhänger auf einen erfolgreichen Nachmittag gehofft haben. An dieser Situation wurde aber auch deutlich, dass sich selbst ein Routinier wie Camoranesi nicht als Führungsspieler in einer völlig verunsicherten Stuttgarter Mannschaft erweist.

Beste Spieler:

Bei einer schwachen Leistung wurde ein Spieler zur Stütze, der in den ersten Saisonspielen auch nicht immer als der sicherste galt: Torhüter Sven Ulreich. Doch gegen Leverkusen verhinderte das VfB-Eigengewächs zunächst in der ersten Halbzeit in mehreren Situationen einen höheren Rückstand und sorgte somit dafür, dass die Roten zu Beginn der ersten Halbzeit noch einmal kurz auf einen Punktgewinn hoffen konnte. Und auch in Halbzeit entschärfte er einige Chancen der Leverkusener.

Kommentar:

Der VfB Stuttgart ist erst aufgewacht als schon alles verloren war. In der gesamten ersten Halbzeit konnte die Mannschaft von Christian Gross keine ernsthaften Torchancen erspielen. Das Aufbäumen in der zweiten Halbzeit, der auch der Anschlusstreffer von Kuzmanovic fiel, war nur von kurzer Dauer. Das Stuttgarter Angriffspiel blieb ideenlos und zu ungenau. Das Spiel machte außerdem deutlich, dass dem VfB eine Führungspersönlichkeit auf dem Spielfeld fehlt. Mit Mauro Camoranesi verabschiedete, derjenige Spieler bereits nach 31. Minuten vom Platz, der in diese Rolle hätte schlüpfen können. Der VfB scheint schweren Zeiten entgegen zu gehen.

VfB Stuttgart:

Ulreich – Träsch, Delpierre, Tasci, Boka – Camoranesi, Kuzmanovic, Gentner, Harnik – Pogrebnjak, Cacau.

Bayer 04 Leverkusen:

Adler – Schwaab, M. Friedrich, Hyypiä, Kadlec – Renato Augusto, Reinartz, Vidal, Barnetta, Balitsch – Derdiyok.

Schiedsrichter:

Florian Meyer (Burgdorf).

Zuschauer:

38.300

Tore:

0:1 Hyypiä (19.), 0:2 Vidal (21.), 1;2 Kuzmanovic (53.), 1:3 Balitsch (69.), 1:4 Sam (88.)

(STZ online 25.9.2010)

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25. September 2010

Quo Vadis VfB?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 06:21

Heute steht mal wieder ein richtungsweisendes Spiel vor der Tür. Gelingt es dem VfB wenigstens seine Heimspiele zu gewinnen, wenn man schon auswärts in schöner Regelmäßigkeit die Punkte liegen läßt, oder stürzt die Bayer-Elf den VfB in eine handfeste Krise? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von den bisher gezeigten Leistungen halten soll.

Der VfB hat seit dem Pflichtspielauftakt Ende Juli mit Ausnahme des Kantersiegs gegen Gladbach vor Wochenfrist noch kein gutes Spiel abgeliefert. Es hakt in allen Mannschaftsteilen, angefangen bei Sven Ulreich für den die Fußstapfen von Jens Lehmann zu groß sind, weiter in der Abwehr, wo weder Molinaro noch Niedermeier an die Vorjahresleistungen anknüpfen. Christian Träsch muss aufgrund der Verletzung von Celozzi und der Krankheit von Degen als Rechtsverteidiger aushelfen, obwohl er im Mittelfeld viel wertvoller wäre. Kuzmanovic und Gentner haben noch immer riesige Abstimmungsprobleme im defensiven Mittelfeld und von den Außenbahnen kommt auch zu wenig verwertbares für die Stürmer. Cacau stand in Nürnberg völlig neben sich, Pogrebnjak beweist zwar einen Formanstieg, welcher aber auch nicht wirklich verwunderlich ist, wenn man sich vor Augen führt, wo er herkommt. Marica geht wieder total unter, trotz eigentlich guter Vorbereitung. Seine gute Rückrunde war wohl auch nur ein Strohfeuer. So hat Christian Gross einige Großbaustellen zu bewältigen und ich habe Angst, dass ihn die Mannschaft jämmerlich im Stich läßt und die Mannschaft mal wieder um einen neuen Trainer bettelt.

All das, was uns in der letzten Saison seit Christian Gross’ Amtsantritt stark gemacht hatte, ist verflogen. Damals fand der VfB zuerst über den Kampf zum Spiel. Die Raumaufteilung war besser als unter Babbel und es wurde von jedem einzigen mehr gelaufen, so dass auch mal gedoppelt wurde und die Spieler sich gegenseitig halfen, Bälle zu erkämpfen. Dadurch war der VfB in der Offensive nicht so leicht ausrechenbar, als bei dem statischen Spiel zuletzt unter Babbel wie auch jetzt wieder unter Gross. Der Trainer ist hier die ärmste Sau, er ist letztendlich doch auch nur von der Einsatzbereitschaft seiner Spieler abhängig. Gross kann man keine Blauäugigkeit unterstellen. Er mahnte seit Pflichtspielbeginn, dass der Aderlass gross war und die Mannschaft noch Verstärkungen benötigt. So war der VfB zum Transferschluss an Mladen Petric dran, ein Spieler, den er aus Basler Zeiten bestens kennt, im besten Fußballeralter und ein Mann, der den Unterschied ausmachen kann. Doch der VfB kam seinem Wunsch nicht nach und hoffte, der HSV würde ihn zu einem Spottpreis verramschen. Das ärgert mich bis heute maßlos, war sich der VfB doch mit dem Spieler schon einig. Wir wissen natürlich nicht, ob der HSV ihn nur abgegeben hätte, wenn sie Van der Vaart bekommen hätten, hierzu aber wünschte ich mir mal ein klares und ehrliches Statement vom VfB, wie es wirklich gelaufen ist, anstatt Fredi Bobic von Veh beleidigen zu lassen. Stimmt aber die Aussage von Veh, dass der VfB gerade mal 3,5 Millionen geboten hat, finde auch ich das “Bemühen” des VfB lächerlich. Dann sollen sie lieber keine Energie in solch aussichtslose Unterfangen investieren. So wurden uns Camoranesi und ein weiterer Sechser namens Bah als Heilsbringer präsentiert. Die ganze Transferperiode über war zu lesen, dass der VfB massiv das Gehaltsniveau senken muss und dann leistet man sich einen alternden Weltmeister, der sicher auch nicht für weniger als 3 Millionen jährlich seine Fußballschuhe schnürt. Das passt für mich nicht zusammen und mutet eher konzeptlos an und sieht nach wirrem Aktionismus aus.

Wann schafft es der VfB einmal, seine Mannschaft weitestgehend zum Trainingsauftakt zusammen zu haben? Wie funktioniert beim VfB das Scoutingsystem, wenn man sich meist (fast) nur aus der Ramschmasse gegen Ende der Transferperiode bedient?

Gut, Christian Gentner wurde schon im letzten Winter als Neuzugang präsentiert. So sehr ich ihn mag und mich auch ein Stück weit freue, dass er wieder zurück ist, frage ich mich doch nach dem Sinn dieses Transfers. Seine Lieblingsposition ist bekanntermaßen im zentralen defensiven Mittelfeld. Dort hatten wir aber zum Zeitpunkt der Verpflichtung eine funktionierende Achse mit Khedira und Träsch, dazu als Backup den 8-Millionen-Mann Kuzmanovic. Des weiteren waren damals noch Thomas Hitzlsperger und Martin Lanig da. Für mich also ein Transfer ohne Sinn, zumal Gentner in Wolfsburg sicher ein hohes Gehalt erhielt und beim VfB ebenso sicher nicht weniger verdienen wird. Er war zwar ablösefrei, doch fließen in diesem Fall in der Branche Handgelder, die in der Höhe der eingesparten Ablösesumme nahe kommen. Für mich wurde hier also ganz klar Geld verbrannt, welches in eine Kreativkraft hätte investiert werden können. Das ist nur eines von unzähligen Beispielen aus der jüngsten Vergangenheit, wo der gemeine Fan sich nach einem Konzept der Vereinsführung fragt. Gut, die meisten fragwürdigen Transfers hatte noch Horst Heldt zu verantworten, drücken wir Fredi Bobic die Daumen, dass er ein besseres Händchen hat und beim Präsidium nicht ständig auf Granit beißt.

Um zum heutigen Spiel zurück zu kommen. Die Entwicklung macht mir Angst. Ich befürchte eine Saison, in der es gegen den Abstieg geht, wenn sich die Spieler nicht schnellstens hundertprozentig auf ihre Aufgabe beim VfB konzentrieren und sich voll und ganz reinhängen. Nur, wenn sie bereit sind, in jedem Spiel bis an ihre Leistungsgrenze zu gehen, werden wir es in ruhigere Tabellenregionen schaffen. Mir fehlt bei den Jungs der Biss und bei den meisten die Freude am Beruf. In Nürnberg waren wir noch nicht mal im Stadion (Mega-Stau auf der A6), als schon das 0:1 aus unserer Sicht fiel. Wie zu erwarten, war es auch noch ausgerechnet Julian Schieber, dem Niedermeier mal wieder nur Spalier stand, der uns den frühen Knock-Out versetzte. Der VfB ließ sich von der harten Gangart der Franken den Schneid abkaufen. Das Schiedsrichtergespann half den Nürnbergern auch noch fleißig, durch eine nicht gegebene rote Karte für Pinola und einem aberkannten Tor von Pogrebnjak, dennoch dürfen diese Umstände auch nicht darüber hinweg enttäuschen, dass es der VfB in den verbleibenden 87 Minuten nicht verstand, wirklich große Torgefahr zu entfachen. Wenn ich heute in der Stadion Aktuell lese “Unglückliche Niederlage trotz guter Leistung” bekomme ich Zustände. Ich sah eine über weite Strecken unterirdische Leistung gegen einen minderbemittelten Gegner. Wie schon öfter in der noch jungen Saison fehlte dem VfB die Frische und damit die Laufbereitschaft, um mal Überzahlsituationen zu schaffen oder Bälle schnell zurückzuerobern. Die Nürnberger standen nach der frühen Führung sehr tief und der VfB hatte keine Ideen dieses Bollwerk zu knacken. Wir haben jetzt in Mainz (die zugegebenermaßen momentan herzerfrischenden Fußball spielen), in Freiburg und in Nürnberg verloren, alles Mannschaften, die eigentlich hinter uns einzustufen wären. Wo möchte der VfB überhaupt punkten, wenn nicht bei den Mannschaften, bei denen es zu allererst gegen den Abstieg geht? Im nächsten Auswärtsspiel auf Schalke? Oder im übernächsten in Wolfsburg? Mit solchen Leistungen holen wir uns da zwei Packungen ab und haben im Oktober wieder eine Trainerdiskussion, die keine Sau hier braucht. Bis zur nächsten Transferperiode im Januar müssen wir mit diesem Kader leben. Daher baue ich jetzt in erster Linie auf die Rückkehr unseres Kapitäns Matthieu Delpierre, dessen Präsenz schon letzte Woche gegen Gladbach gut tat. Er wird der Defensive mehr Stabilität verleihen, dennoch, wie schon eingangs geschrieben, geht es beim VfB nur mit voller Konzentration und großer Laufbereitschaft aller Spieler. Wenn die nicht abgerufen werden, sehe ich schwarz.

Heute trifft unsere zuletzt langsam denkende Abwehr auf schnell spielende Leverkusener. Schon dieser Gedanke weckt in mir Unbehagen. Nach der Niederlage beim Club, auch nach der Art und Weise wie der Nürnberger Siegtreffer zustande kam, auch nach den Stimmen zum Spiel, als man eher die Schuld beim Schiedsrichter als bei sich selbst suchte, habe ich heute ein sehr schlechtes Gefühl. Dennoch hoffe ich natürlich, dass mich mein Gefühl trügt, ich kann es mir aber nicht richtig vorstellen. Wir hatten bislang nur einen Gegner von echtem Format, die Dortmunder Borussia, und gegen die haben wir uns phasenweise vorführen lassen. Schauen wir mal, ob mich der VfB heute eines Besseren belehrt. Ein Bericht, wie es gelaufen ist und wo wir nach dem Spiel stehen, folgt an gleicher Stelle.

Wir beginnen den Tag erst einmal, wie es sich für einen Schwaben gehört, auf dem Cannstatter Wasen und gehen dann sicher gutgelaunt rüber zum Neckarstadion und harren der Dinge, denen wir ausgesetzt werden. Allen ein schönes Wochenende und drückt die Daumen heute, der VfB braucht die 3 Punkte und unsere Unterstützung.

Viele Grüße

Franky

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24. September 2010

Eine Niederlage in letzter Sekunde

Sie gestikulierten, sie grätschten, sie warfen alles nach vorne. Nichts ließen die Spieler des VfB in der Schlussphase unversucht, um gegen zehn Mann doch noch zum Sieg zu kommen. Gerade hatten sie das 1:1 geschossen, nun wollten sie noch mehr – und wurden bitter bestraft. Im Anschluss an einen Eckball liefen sie in einen Konter, den Javier Pinola überlegt abschloss. Und so standen die Stuttgarter am Ende mit ganz leeren Händen da. Mit 1:2 (0:1) hat der VfB am Mittwochabend beim 1.FC Nürnberg verloren und damit im dritten Auswärtsspiel die dritte Niederlage kassiert. Vorbei ist schon wieder das Hoch nach den beiden Siegen gegen Bern und Mönchengladbach – die Mannschaft von Christian Gross ist vor dem Heimspiel am Samstag gegen Leverkusen auf den drittletzten Tabellenplatz abgerutscht. Wieder einmal hatte Gross, normalerweise ein erklärter Freund eingespielter Abwehrreihen, seine Innenverteidigung umformiert.

Der Kapitän Matthieu Delpierre, der am Samstag gegen Gladbach eine sehr erfolgreiches Comeback gefeiert hatte, blieb auf der Bank, “weil drei Spiele in einer Woche zu viel für ihn wären”, wie der Trainer erklärte. Der zuletzt angeschlagene Serdar Tasci kehrte für Delpierre in die Mannschaft zurück . Auch Mauro Camoranesi bekam eine Verschnaufpause verordnet – Timo Gebhart rückte für den 33-jährigen Italiener ins rechte Mittelfeld. Viel Zeit, die Beine auf der Bank hochzulegen, blieb Camoranesi jedoch nicht. Schon nach sieben Minuten schickte Gross den Weltmeister zum Aufwärmen, denn der VfB lag bereits mit 0:1 im Hintertreffen. Wieder einmal war es Georg Niedermeier, der eine unglückliche Figur abgegeben hatte: Er ließ sich von seinem Gegenspieler Julian Schieber weit ins Mittelfeld locken – und eilte erfolglos hinterher, als Pinola den Club-Stürmer steil schickte. Mit einem Flachschuss überwand Schieber den VfB-Keeper Sven Ulreich (3.) – und erfüllte sich seinen großen Wunsch: einen Treffer gegen den Verein, der ihn nach Nürnberg ausgeliehen hat und bei dem er noch immer viele Freunde hat.

Eine fragwürdige Entscheidung des Linienrichters

Für Camoranesi wurde es nach 25 Minuten ernst. Er kam für Daniel Didavi ins Spiel, der bei einem Zweikampf unglücklich umgeknickt war und mit einer Sprunggelenksverletzung das Spielfeld verlassen musste. Bitter für den 20-Jährigen – ihm droht eine längere Pause. Der VfB war nach dem Rückstand die optisch überlegene Mannschaft, schaffte es aber nur selten, zwingend vors Tor zu kommen. Die Nürnberger, von Haus aus sehr defensiv eingestellt, zogen sich weit zurück, so gab es kaum ein Durchkommen. Nicht zum ersten Mal offenbarte sich, dass die zentrale VfB-Mittelfeldbesetzung mit Zdravko Kuzmanovic und Christian Gentner nicht die Ideallösung ist. Viel zu selten gelang es ihnen , die Stürmer in Szene setzen. Folglich resultierte die erste große VfB-Chance aus einer Standardsituation: Ein Freistoß von Arthur Boka klatschte aus 25 Metern an die Unterlatte (31.). Und einer Standardsituation war es auch, die acht Minuten später dem vermeintlichen Ausgleich vorausging. Mit dem Hinterkopf köpfte Pawel Pograbnjak eine Freistoßflanke von Gebhart ins Tor, jubelte aber nur kurz.

Der Linienrichter hob zum Entsetzen der Stuttgarter die Fahne, er wollte ein Foul gesehen haben – eine mehr als fragwürdige Entscheidung. In Ciprian Marica brachte Gross für den angeschlagenen Gebhart zu Beginn des zweiten Abschnitts einen weiteren Stürmer. Der VfB riskierte nun viel, während die Nürnberger leidenschaftlich dagegen hielten. Ein Kampfspiel entwickelte sich mit zahlreichen Nickligkeiten auf beiden Seiten. Wieder traf der VfB per Kopfball ins Tor, diesmal durch Tasci, wieder zählte der Treffer nicht – diesmal zu Recht, weil der Innenverteidiger im Abseits stand. Wegen wiederholten Foulspiels sah der Club-Kapitän Andreas Wolf Gelb-Rot (67.) – und der VfB warf vollends alles nach vorne. Die beste Kombination vollendete Cacau nach einem Zuspiel von Kuzmanovic zum Ausgleich – das bittere Ende jedoch folgte schon wenig später.

Nürnberg

Schäfer – Judt, Nilsson, Wolf, Pinola – Hegeler, Simons – Ekici (85. Frantz), Gündogan (68. Maroh), Eigler – Schieber.

Stuttgart

Ulreich – Träsch, Niedermeier, Tasci, Boka – Gebhart (46. Marica), Kuzmanovic, Gentner, Didavi (25. Camoranesi) – Cacau, Pogrebnjak (70. Harnik).

Schiedsrichter

Drees (Münster-Sarmsheim).

Tore

1:0 Schieber (3.), 1:1 Cacau (85.), 2:1 Pinola (90.).

Gelb-Rote Karte

Wolf (67.).

(STZ 23.9.2010)

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20. September 2010

Fußballfeuerwerk in Stuttgart

Der VfB Stuttgart hat sich in weniger als zwei Tagen aus der Krise geschossen: Nur 41 Stunden nach dem Europa- League-Erfolg gegen Bern (3:0) feierten die Schwaben am Samstag beim eindrucksvollen 7:0 (2:0) gegen Borussia Mönchengladbach auch ihren ersten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga. Pawel Pogrebnjak schoss für den wie aufgedreht und mit völlig neuem Selbstvertrauen spielenden VfB gleich drei Tore (2., 54. und 60. Minute). Die weiteren Treffer erzielten Georg Niedermeier (21.), Zdravko Kuzmanovic (64.), Matthieu Delpierre (72.) und Ciprian Marica (80.). Für die erschreckend schwachen Gladbacher war es nach dem 0:4 gegen Eintracht Frankfurt das zweite Debakel in Serie. Spiele gegen Stuttgart sind zudem so etwas wie eine aussichtslose Angelegenheit für sie: In den vergangenen 15 Jahren gewannen sie nur eines davon. Der VfB siegte zum fünften Mal in seiner Bundesliga-Historie mit 7:0, zuletzt war ihm das am 23. Februar 1991 gegen Dortmund gelungen.
Dazu feierte Kapitän Delpierre nach viermonatiger Verletzungspause (Knie-Operation) sein von Christian Gross “sehnlich erwartetes” Comeback. Seine Wunschformation im Abwehrzentrum konnte der VfB- Trainer aber schon wieder nicht aufbieten, da Serdar Tasci kurzfristig mit Adduktoren-Problemen ausfiel. Ansonsten änderte Gross im Vergleich zum Bern-Spiel nichts. Der Faktor Stabilität war ihm bei seiner Aufstellung wichtiger, als mögliche frische Kräfte einzubauen. Dieser Plan ging von Anfang an auf. Stuttgart spielte mit enorm viel Schwung und einer positiven Körpersprache – das Spiel gegen Bern hatte nicht etwa Kräfte gekostet, sondern neue freigesetzt. Schon in der zweiten Minute traf Pogrebnjak per Abstauber zum 1:0. Gerade, als das hohe Anfangstempo etwas abzunehmen drohte, erhöhte Niedermeier per Kopf nach einem Eckball von Mauro Camoranesi auf 2:0. Vor 39 500 Zuschauern spielten die Gastgeber zum ersten Mal in dieser Saison genau den druckvollen Fußball, den ihr Trainer immer predigt.

Die starken Außenverteidiger Arthur Boka und Christian Träsch trieben das Spiel nach vorn, wo der agile Camoranesi und der junge Daniel Didavi die spielerischen Akzente setzen und Cacau sowie Pogrebnjak permanent in Bewegung waren. Der Russe hätte die VfB- Führung schon in der 25. und 35. Minute ausbauen können. Die völlig indisponierten Gladbacher liefen in dieser Partie nur hinterher. Daran änderte nicht einmal etwas, dass Thorben Marx nach überstandener Oberschenkelzerrung wieder dabei war, Trainer Michael Frontzeck seine Spieler zur Pause schon nach wenigen Minuten aufs Feld zurückschickte und die Stuttgarter sich für die zweite Halbzeit eigentlich vorgenommen hatten, Kräfte zu schonen. Doch dann machte der VfB einfach da weiter, wo er vorher aufgehört hatte. Pogrebnjak, Kuzmanovic, Delpierre und der eingewechselte Marica trafen, wie sie wollten, während die Borussia nicht eine nennenswerte Torchance besaß. “Der VfB ist wieder da”, sangen die versöhnten Stuttgarter Fans dazu.
(STZ 18.9.2010)

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13. September 2010

Fehlstart zu Saisonbeginn: Alarmstufe eins beim VfB

Es sind 85 Minuten vorbei, als Joachim Löw einen Zwischenspurt einlegt und sich zügig auf den Heimweg macht. So muss er keine ragen zum VfB beantworten. Das ist gut für ihn, denn wenn der Bundestrainer bis zur 90. Minute geblieben wäre und dann die Wahrheit gesagt hätte, hätte er sich in Stuttgart keine Freunde gemacht. Schließlich konnte jeder im Stadion sehen, dass die Mannschaft in der Krise steckt. Nach dem 1:2 beim SC Freiburg und der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel ist der Fehlstart perfekt.

Durch seinen Abgang versäumt Löw eine Szene nach dem Schlusspfiff, die womöglich bezeichnend für die Stimmungslage ist. Wie üblich will sich Timo Gebhart bei den mitgereisten Anhängern für die Unterstützung bedanken. Im Mittelkreis wartet er auf seine Kollegen, die teilweise jedoch schon in der Kabine verschwunden sind. Gebhart winkt aufgeregt. Zumindest einige folgen ihm dann doch noch und marschieren in Richtung Kurve – um auf halber Strecke wieder umzudrehen. Ein Affront gegen die Fans soll das wohl nicht sein. Eher spiegelt sich darin das Innenleben der Mannschaft wider. Es herrscht der Eindruck, dass jeder in erster Linie an sich selber denkt. So spielen sie übrigens auch.

Der Teamgeist fehlt

Diese Entwicklung hat nun sogar Erwin Staudt auf den Plan gerufen. Am Sonntag redete er dem Team eindringlich ins Gewissen. Der Präsident forderte die Profis auf, sich wieder auf ihren Job zu konzentrieren. Das Fazit der Bestandsaufnahme lautete, dass es so nicht weitergehen kann. Staudt betonte, dass er mehr erwartet. Das zeigt: die Verantwortlichen beim VfB sind schon sehr nervös. Es herrscht Alarmstufe eins.

Wenn der Appell an die Spieler nicht fruchtet, wird sich Staudt an den Trainer wenden. So sind die Mechanismen, das weiß Christian Gross. Er ist der Erste, der sich am Samstag in die Katakomben zurückzieht – und danach ziemlich ratlos wirkt. Wie schon zuletzt sagt er erneut, dass die Niederlage unnötig gewesen sei. Oder dass die Gegentore nach Fehlern gefallen seien. Oder dass sich die Mannschaft das selbst eingebrockt habe. Oder dass es nun hart werde. “Wir müssen da bald rauskommen.” Wie das gelingen soll, sagt Gross nicht.

Vielleicht hat auch ihm die Körpersprache in der zweiten Halbzeit zu denken gegeben, als die Spieler mutlos über den Platz gelaufen sind. Da war kein Aufbäumen, kein Wille, kein Zusammenhalt. Der VfB schien auseinanderzufallen und wirkte, als sei er mit den Kräften am Ende – als Folge einer komplizierten Saisonvorbereitung? Jedenfalls gibt es Spieler, die nicht gerade begeistert über die vielen Trainingscamps im Sommer waren. Außerdem wird in der Mannschaft auch über den Sinn der intensiven Belastungseinheiten am Tag vor einigen Europa-League-Spielen diskutiert.

Vorbereitungsphase war schwierig

Allerdings war es auch nicht einfach für Gross, der zum einen dafür sorgen musste, dass der VfB international im Rennen bleibt – und andererseits auch fit in die Bundesliga geht. Zudem konnte der Trainer lange nicht mit dem kompletten Kader arbeiten, wegen der WM und weil viele Neuzugänge erst spät verpflichtet wurden. Dazu passt, dass die im August geholten Johan Audel und Philipp Degen sofort ausgefallen sind und bis auf weiteres fehlen. So kommt ein Problem zum anderen.

Offensichtlich ist beispielsweise auch, dass die Mannschaft keinen Anführer hat – eine Rolle, die Sami Khedira und Jens Lehmann in der Rückrunde zumindest teilweise ausfüllten. Beide sind nicht mehr hier. Der Aushilfskapitän Cacau versucht in die Bresche zu springen, aber dabei verzettelt er sich. Er meint, überall auf dem Spielfeld präsent sein und vieles auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Damit wird Cacau für die eigenen Kollegen jedoch noch unberechenbarer als für den Gegner.

Im Mittelfeld harmonieren Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic nicht. Den für diese Position bestens geeigneten Christian Träsch lässt Gross nur als Verteidiger ran. Auch die Entscheidung des Trainers, zu Saisonbeginn trotz schwacher Leistungen auf Georg Niedermeier und Khalid Boulahrouz zu bauen und Serdar Tasci draußen zu lassen, beschäftigt die Mannschaft weiter.

Insofern steht der VfB vor einer wichtigen Woche mit den Spielen am Donnerstag in der Europa League gegen Bern und am Samstag in der Liga gegen Gladbach. Der negative Lauf muss schnell gestoppt werden. Sonst dürfte es nicht lange dauern, bis Erwin Staudt seinen nächsten Auftritt hat.

Freiburg:

Baumann – Mujdza, Barth, Butscher, Bastians – Schuster – Abdessadki, Makiadi, Jäger (49. Nicu) – Cissé (83. Toprak), Reisinger (57. Yano).

Stuttgart:

Ulreich – Träsch, Niedermeier, Tasci, Molinaro – Kuzmanovic, Gentner – Camoranesi (61. Gebhart), Didavi (76. Boka) – Pogrebnjak (76. Harnik), Cacau.

Schiedsrichter:

Sippel (München).

Tore:

0:1 Pogrebnjak (27.), 1:1 Cissé (58.), 2:1 Schuster (71.).

(STZ 13.9.2010)

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