31. Oktober 2010
In der Wolfsburger Volkswagen-Arena sind am Samstag mit dem VfL Wolfsburg und dem VfB Stuttgart zwei Mannschaften gegeinander angetreten, die bisher weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind – und für den VfB Stuttgart gilt dies auch nach wie vor. Der VfB unterlag Wolfsburg mit 0:2 (0:1).
Leidenschaft und Aggressivtät forderte Stuttgarts Trainer Jens Keller von seiner Mannschaft noch kurz vor dem Anpfiff. Zunächst setzten seine Spieler aber auf Sicherheit und versuchten, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, ohne Akzente in der Offensive zu setzen. Die Gastgeber aus Wolfsburg näherten sich dagegen mit Hilfe von Standardsituationen dem Stuttgarter Tor.
Fehlte dem Freistoß von Wolfsburgs Regisseur Diego in der fünften Minute noch der Abnehmer, lief beim Eckball – ebenfalls von Diego getreten – 60 Sekunden später alles glatt. Nach der Hereingabe von der rechten Seite hämmerte Wolfsburgs Abwehrspieler Simon Kjaer den Ball mit einem Kopfballkracher unter die Latte, von wo er hinter die Linie sprang und danach wieder aus dem Tor. Allerdings setzte Stürmer Edin Dzeko entschieden nach und köpfte den Ball endgültig in die Maschen. Schiedsrichter Wingenbach schrieb nach dem Spiel Dzeko den Treffer zu. Wem das Tor endgültig zugesprochen wird, entscheidet sich nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) » voraussichtlich am Montag. Der Ecke vorausgegangen war ein ungenauer Pass von Cristian Molinaro auf Christian Gentner, der den Ball an Wolfsburgs Sascha Riehter verlor und auf Kosten eines Eckballs klären musste.
Von Stuttgarts Offensive ist nicht viel zu sehen
Die Stuttgarter kamen erst in der elften Minute gefährlich vor das gegnerische Gehäuse. Doch Cacaus Schuss ging weit über das Tor. Bis auf diese Situation war auch nicht viel von der VfB-Offensive zu sehen. Das Angriffsspiel war zu behäbig sowie von Ungenauigkeiten geprägt. So bestimmten die Wolfsburger den Spielverlauf und kamen zu weiteren guten Torchancen:
Erst lief VfL-Stürmer Edin Dzeko Stuttgarts Verteidiger Khalid Boulahrouz davon. Dzeko stellte mit seinem schwachen Schuss Gäste-Torhüter Sven Ulreich allerdings vor keine Probleme (14.Minute). Nur kurz darauf hatte der VfB Stuttgart dann großes Glück, keinen höheren Rückstand zu kassieren. Erst kratzte Stuttgarts Molinaro nach einem Eckball einen Schuss von Andrea Barzagli von der Linie (23.). Nur zwei Minuten später scheiterte Wolfsburgs Torjäger Grafite an Ulreich und dem Pfosten (25.). Und auch beim anschließenden Eckstoß geriet der VfB wieder unter Druck. Sven Ulreich fliegt an der Hereingabe vorbei, sodass erneut Molinaro in höchster Not gegen Grafite klären musste.
Nach gut einer halben Stunde kamen die Stuttgarter dann etwas besser ins Spiel. Doch allein Martin Harnik sorgte mit einem Schuss aus 16 Metern für Gefahr (31.). Kurz vor dem Pausenpfiff versuchte Christian Gentner mit einem Lupfer zum Torerfolg zu kommen – vergeblich.
Der zweite Spielabschnitt begann dann mit einer Torchance für die Gastgeber. Ashkan Dejagah zielte aber völlig freistehend über das Tor (51.). Zehn Minuten später prüfte Stuttgarts Christian Träsch mit einem strammen Schuss aus 20 Metern, den Wolfsburgs Torhüter Marwin Hitz per Faustabwehr klärte. In der 68. Minute war es Harnik, dessen Schuss aus guter Position allerdings zu harmlos war.
Die Gastgeber aus Wolfsburg ließen es in der zweiten Halbzeit ruhiger angehen. Lediglich durch Standardsituationen sorgten sie für Gefahr vor dem Stuttgarter Tor. Wie in der 71. Minute als Dzeko seinen Kopfball freistehend nicht richtig platzieren konnte. Besser machte es der Stürmer in der 76. Minute, als er nach einer erneuten Diego-Ecke zum entscheidenden 2:0 für Wolsburg einköpfte. Danach brachten die Wolfsburger den Vorsprung sicher über Zeit.
Entscheidende Szene:
Wenn Wolfsburg gefährlich vor das Stuttgarter Gehäuse kam, ging meist eine Standardsituation von Diego voraus. Folgerichtig erzielten die Wölfe ihre beiden Treffer auch nach Eckstößen ihres Regisseurs.
Bester Spieler:
In der ersten Halbzeit waren Christian Gentner, Christian Träsch und Cristian Molinaro bemüht, das Offensivspiel anzukurbeln – allerdings erfolglos. In Halbzeit zwei tauchte lediglich Martin Harnik vereinzelt gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf.
Kommentar:
Dem Angriffsspiel des VfB Stuttgart fehlt es an Durchschlagskraft. Zu langsam und zu ungenau agieren die VfB-Spieler im Spiel nach vorne. Darüber hinaus präsentierten sich die Stuttgarter in der Defensive vor allem bei Standards unsicher.
VfL Wolfsburg:
Hitz – Pekarik, Kjaer, Barzagli, Schäfer – Josué – Riether, Dejagah – Diego (85. Kahlenberg) – Dzeko (80. Madlung), Grafite (66. Mandzukic)
VfB Stuttgart:
Ulreich – Celozzi, Boulahrouz, Tasci, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic (70. Audel), Harnik – Gebhart (80. Camoranesi), Gentner (80. Schipplock) – Cacau.
Schiedsrichter:
Markus Wingenbach (Diez)
Zuschauer:
29.043
Tore:
1:0 Dzeko (6.), 2:0 Dzeko (76.)
(STZ online 30.10.10)
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30. Oktober 2010
Harnik, Harnik, Harnik! In der 76. Minute wechselte ihn VfB-Trainer Jens Keller ein. In der 79. Minute traf Harnik zum ersten Mal, glich den Rückstand durch Benjamin Förster (73.) aus. In der 106. Minute nahm Harnik ein Zuspiel von Cristian Molinaro auf, zog nach innen und hielt drauf. Und in der 119. Minute verwertete Harnik ein Zuspiel von Pawel Pogrebnjak zum 3:1. Der VfB steht im Achtelfinale, ist um rund 600000 Euro Prämie reicher und hat weiter die Chance, sich durch den Pokalsieg fürs internationale Geschäft zu qualifizieren. “Wenn ich reinkomme, will ich etwas bewegen. Das gelingt mir zurzeit ganz gut”, sagte Harnik.
Das besänftigte dann auch Jens Keller. “Wir können mit unserem Auftreten nicht zufrieden sein”, monierte der Trainer, “aber Harnik war heute wieder Gold wert. Nicht viele können von außen so viel bewegen wie er.” Auch Serdar Tasci war erleichtert: “Zum Glück kam Martin rein und hat das Spiel noch gedreht.” Das war auch bitter nötig. Denn die Chemnitzer quälten die Roten bis aufs Blut – weil die es zuließen. Drei Spiele in Folge hatte der VfB zuletzt nicht verloren, doch mehr Sicherheit verlieh ihnen das nicht. Sie stolperten und stümperten über weite Strecken vor sich hin. Das lag auch daran, dass Chemnitz bei gegnerischem Ballbesitz ein Bollwerk bildete, gegen das der VfB kaum ein Mittel fand. Ohne Ideen rannten die Roten an und ließen sich durch das giftige Auftreten des Außenseiters den Schneid abkaufen. Die Folge: viele Fehlpässe, wenig Struktur, kaum Druck nach vorn.
Dennoch kam Ciprian Marica gleich zu drei Torchancen (4., 19., 20.), die Torhüter Philipp Pentke allesamt zunichtemachte. Das war’s dann aber auch auf beiden Seiten – bis zur 42. Minute, als Timo Gebhart eine Flanke von Zdravko Kuzmanovic ins Tor köpfte. Das 1:0? Von wegen: Marica hatte zuvor sein Gegenüber Rene Trehkopf im Strafraum weggestoßen – Schiedsrichter Günter Perl pfiff die Aktion zu Recht ab. Um ein Haar wäre der erste Treffer auf der Gegenseite gefallen, doch Benjamin Förster bekam den Ball freistehend nicht unter Kontrolle und verlor ihn an Tasci. Der Nationalspieler trug die Kapitänsbinde, weil Spielführer Matthieu Delpierre und sein Vertreter Cacau verletzt fehlten. Bisher war die Binde dann an Georg Niedermeier gegangen, doch Trainer Keller entschied sich für Tasci – eine deutliche Aufwertung des Innenverteidigers, der zur Halbzeit seinen Nebenmann Niedermeier mit Verdacht auf Bänderriss verlor. Für ihn kam Ermin Bicakcic vom VfB II zu seinem ersten Profi-Einsatz. Nach dem Wechsel trat der VfB etwas energischer auf.
Marica scheiterte beim Freistoß erneut an Pentke (48.). Dann kam Chemnitz zu seiner ersten Torchance: Chris Löwe flankte auf Förster, VfB-Keeper Sven Ulreich faustete den Ball zur Ecke, die nichts einbrachte (59.). Es war Ulreichs erste Großtat, aber nicht seine letzte: Einmal lenkte er den Ball mit den Fingerspitzen übers Tor (74.), dann wehrte er einen Schuss von Raphael Schaschko ab (87.), wenig später pflückte er den Ball vor Ronny Garbuschewski aus der Luft (90.). Für den VfB vergab Marica die dickste Chance, als er nach Foul von Schaschko an Gebhart den Foulelfmeter an den Außenpfosten setzte (72.)! Nach 95 Minuten war Pogrebnjak durch, Chemnitz’ Kapitän Andreas Richter zog die Notbremse und sah Rot. Gegen zehn Mann tat sich der VfB nicht unbedingt leichter. Aber zum Glück hatte er ja noch Harnik.
(STN 27.10.10)
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Die Freude musste raus – und so konnte Zdravko Kuzmanovic nicht anders, als sich verbotenerweise das Trikot vom Leib zu reißen. Die Gelbe Karte sah der Mittelfeldspieler, doch das war ihm egal. Denn entscheidend war, dass Kuzmanovic in dieser 79. Spielminute das zweite Tor geschossen und so berechtigte Zweifel am Sieg des VfB beseitigt hatte.
Mit 2:0 (1:0) besiegten die Stuttgarter am Sonntagabend den FC St. Pauli und feierten damit vor 40.000 Zuschauern im neunten Bundesligaspiel den zweiten Sieg. Vom letzten Tabellenplatz ist der VfB dadurch auf Rang 14 geklettert und bleibt unter dem neuen Coach Jens Keller ungeschlagen. Der Trainerwechsel hat also vorerst die erhoffte Wirkung erzielt. Allerdings zeigte sich auch gegen den Aufsteiger, dass dem VfB weiterhin sehr viel Arbeit bevorsteht.
In allen Mannschaftsteilen hatte Keller sein Team im Vergleich zum 1:0-Sieg unter der Woche gegen Getafe verändert. In der Innenverteidigung kehrte Serdar Tasci für Khalid Boulahrouz zurück, der wegen einer Muskelverletzung kurzfristig nicht einmal auf der Bank saß. Timo Gebhart ersetzte im Mittelfeld Mauro Camoranesi – ein klares Signal an den Italiener, der bislang weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Und im Sturm erhielt diesmal Pawel Pogrebnjak den Vorzug – sehr zum Verdruss von Ciprian Marica, der am Donnerstag gegen Getafe den Siegtreffer erzielt hatte.
Vom neuen Selbstvertrauen seiner Spieler, von dem Jens Keller zuletzt gesprochen hatte, war dann aber herzlich wenig zu sehen. Im Gegenteil: der Aufsteiger aus St. Pauli war es, der in der Anfangsphase das deutlich bessere Spiel zeigte. Unerschrocken suchten die Hamburger den Weg nach vorne, während dem VfB die Verunsicherung und Nervosität deutlich anzumerken war. Und so fragte man sich, ob es von der Stuttgarter Seite eine gute Idee gewesen war, diese Partie mit derart großer Bedeutung aufzuladen.
Vom “wichtigsten Spiel meiner Karriere” hatte gar Christian Gentner gesprochen – und man mag sich lieber nicht vorstellen, wie es aussieht, sollte der VfB in der Schlussphase der Saison immer noch im Abstiegskampf stecken. Der große Druck jedenfalls lähmte sichtbar (nicht nur) Gentners Beine, bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung kurz vor der Pause gelang dem Mittelfeldspieler fast nichts. Sehr schmeichelhaft war es, dass der VfB zu diesem Zeitpunkt mit 1:0 in Führung lag. Im Anschluss an einen Eckball von Gebhart hatte der Verteidiger Georg Niedermeier mit einem Kopfball ins Tor getroffen (19.) – es war die erste gefährliche Szene vor dem Pauli-Tor. Sicherheit gab allerdings auch die Führung nicht.
Vor dem eigenen Tor brannte es derweil mehrmals lichterloh. Erst kratzte der glänzend aufgelegte Sven Ulreich einen verdeckten Schuss von Matthias Lehmann von der Torlinie (23.). Und als auch der VfB-Torhüter chancenlos gewesen wäre, verhinderte die Unterlatte bei einem 25-Meter-Schuss von Carlos Zambrano den Ausgleich (31.). Zumindest das Glück, das zuletzt gefehlt hatte, stand dem VfB diesmal also zur Seite, und das nicht nur im ersten Abschnitt.
Auch nach der Pause zeigte sich zunächst, warum der VfB vor dem Spiel Letzter und St. Pauli Sechster war. Die Hamburger kamen auch weiter gefährlich vors VfB-Tor. Wieder fehlten nur Zentimeter zum Ausgleich, als Tasci einen Heber von Max Kruse per Fallrückzieher von der Torlinie zurück ins Feld bugsierte (55.). Immerhin hielt der VfB mit großem Einsatz dagegen – und kam nach schöner Vorarbeit des eingewechselten Marica zum erlösenden 2:0. Schon am Mittwoch (20.30 Uhr) geht es für den VfB in der zweiten Pokalrunde in Chemnitz weiter. Übermut ist Fehl am Platz – in Runde eins kegelte der Regionalligist den FC St. Pauli aus dem Wettbewerb.
Stuttgart:
Ulreich – Celozzi, Tasci, Niedermeier, Boka (85.Molinaro) – Träsch, Kuzmanovic – Gebhart, Gentner (38. Harnik) – Cacau – Pogrebnjak (71. Marica).
St. Pauli:
Kessler – Lechner, Zambrano, Thorandt, Oczipka – Boll (63. Bruns), Lehmann – Kruse (58. Naki), Asamoah (83. Takyi), Bartels – Ebbers.
Schiedsrichter:
Welz (Wiesbaden).
Tore:
1:0 Niedermeier (19.), 2:0 Kuzmanovic (79.).
(STZ 24.10.10)
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18. Oktober 2010
Und der Linienrichter hebt die Fahne
Die Fernsehkameras müssen ausbleiben, als Florian Meyer und seine Assistenten, die Herren Glindemann und Frank, weit nach dem Schlusspfiff Asche auf ihr Haupt streuen. Jeder habe gesehen, dass man beim 2:2 des VfB auf Schalke eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen habe, erklärt das Schiedsrichtergespann im kleinen Kreis, es bleibe nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen. Fredi Bobic fällt es jedoch sichtbar schwer, sich damit zu begnügen. “Es bringt uns nichts mehr, wenn sich die Schiedsrichter ständig entschuldigen, das geht mir auf den Keks. Uns fehlen die Punkte”, faucht der Manager des VfB. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison ist den Stuttgartern ein glasklares Tor aberkannt worden. In Nürnberg (1:2) zählte der Kopfballtreffer von Pavel Pogrebnjak nicht, gegen Eintracht Frankfurt (1:2) durfte Cacau nur kurz über den vermeintlichen Ausgleich in der Schlussminute jubeln – beide Male wegen eines angeblichen Foulspiels, das keines war.
Im Abseits soll nun Serdar Tasci vor dem Treffer von Cacau gestanden haben. Tat er aber nicht, was für den VfB erneut sehr bitter war, da es vor der Pause die 2:0-Führung bedeutet hätte. “Für so etwas brauche ich nicht einmal eine Zeitlupe, das habe ich in realer Geschwindigkeit erkannt, dass das nie und nimmer abseits war”, sagt Bobic. In allen drei Fällen waren es die Linienrichter, die verhängnisvollerweise ins Spiel eingriffen. Sönke Glindemann hieß auf Schalke der Mann, der an der Seitenlinie stand – und der auch in der zweiten Hälfte seine Fahne hob, als Christoph Metzelder im Luftkampf mit Tasci “wie vom Blitz getroffen” (Bobic) zu Boden ging. Elfmeter, so signalisierte er seinem Chef, “obwohl Metzelder klar im Abseits stand”, wie Bobic meint.
“Wir werden permanent benachteiligt”
Die Schlussfolgerung des VfB-Managers: “Der Linienrichter hat versucht, uns das Genick zu brechen.” Eine derartige Häufung solch spielentscheidender Fehler seitens der Schiedsrichter, die den VfB bis zu sechs Punkte gekostet haben, will Bobic in seiner Karriere noch nie erlebt haben. “Das ist ja Wahnsinn, so langsam habe ich den Eindruck, die Assistenten leiten das Spiel”, sagt er und will künftig nicht mehr tatenlos zuschauen. Er wolle zwar keinen ganz großen Aufschrei, “aber ich will den Finger immer wieder in die Wunde legen. Denn es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir permanent benachteiligt werden.” Gezielte Nadelstiche in Richtung der Schiedsrichter will Bobic setzen, auf dass sie in Zukunft im Zweifel für den VfB entscheiden.
Und es dürfte ihn bestärken, dass sich auch der Schalker Trainer Felix Magath vor dem Spiel gegen seinen Exclub öffentlich vehement über die Schiedsrichter beschwert hatte – und sich prompt über eine aus seiner Sicht sehr wohlwollende Regelauslegung freuen durfte. Eine andere Idee von Fredi Bobic, grobe Schiedsrichterfehler künftig zu vermeiden, dürfte hingegen schwer umsetzbar sein: “Vielleicht stellen wir ja einen Antrag, künftig ohne Linienrichter zu spielen.”
(STZ 18.10.2010)
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17. Oktober 2010
Die Entlassung von Trainer Christian Gross beim VfB Stuttgart empfinde ich als äußerst seltsamen Vorgang.
Denn die Gründe, die jetzt zur Trennung geführt haben sollen, wurden von den VfB-Verantwortlichen noch im Sommer angeführt, um die Erfolge von Gross zu erklären: zum Beispiel seine Kommunikationsfähigkeit und auch seine Konsequenz, die er in Verbindung mit den Spielern an den Tag gelegt hat.
Die Zufriedenheit war sogar so groß, dass sie in einer vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Gross münden sollte. Deshalb halte ich die Reaktion der Stuttgarter jetzt für inkonsequent und schwach. Denn man wusste, welchen Trainer man mit Christian Gross verpflichtet hat. Und hat sich dafür genug feiern lassen.
Aber vor allem die Spieler sind die Hauptschuldigen. Sie haben nicht ihr wahres Gesicht gezeigt in dieser Saison. Doch auch die vom Co-Trainer Jens Keller jetzt praktizierte Illoyalität hat ihren Teil dazu beigetragen. Keller hat tatsächlich in der Öffentlichkeit erklärt, dass es zwecklos gewesen sei, mit Gross zu reden. Einen solchen Co-Trainer kann man sich nur wünschen…
Sie haben nach Entschuldigungen gesucht und die ewig gleichen Alibi-Ausreden herangezogen. Etwa, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreiche. Sie haben nie ihr wahres Leistungspotenzial ausgeschöpft und damit den Verein in größte Schwierigkeiten gebracht. Und werden jetzt auch noch damit belohnt, dass ihr unbequemer Trainer entlassen wird.
Eine meiner vordringlichsten Aufgaben als Manager beim HSV war immer, den Trainer zu stützen. Weil ich mich für ihn verantwortlich gefühlt habe und bei Misserfolgen selbst zur Debatte gestanden hätte.
Deshalb ist ja die Trainer-Suche nach der Verpflichtung von Spielern die allerwichtigste Aufgabe für die Verantwortlichen eines Vereins. Dafür muss man ein Gespür haben. Und wissen, dass die erfolgreichen Trainer meist ein wenig verrückt und vor allem unbequem sind.
Hier haben die Verantwortlichen in Stuttgart mal wieder den einfachsten Weg gewählt.
(Bild.de 16.10.10)
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