Letzten Sonntag gelang also nach den Niederlagen gegen Nürnberg, 2x gegen Lissabon und in Leverkusen endlich mal wieder ein Sieg. Der war natürlich überlebensnotwendig, um den Anschluss, zumindest an den Relegationsplatz, nicht abreißen zu lassen. Das Spiel bei der Torlos-Eintracht stand lang auf des Messers Schneide, ehe zwei blitzsaubere Konter binnen 3 Minuten die Weichen auf Sieg stellten.
Das Spiel begann ja denkbar ungünstig. Bereits nach einer Viertelstunde ließ sich unser Kapitän nach Provokation des Ekelpakets Maik Franz zu einer Tätlichkeit hinreißen und schwächte sein eigenes Team in unentschuldbarer Weise. Von solchen Disziplinlosigkeiten habe ich ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll. In einem für den VfB solch vorentscheidenden Spiel nach 15 Minuten beim Stande von 0:0 die Nerven zu verlieren, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Als Fan auf der Tribüne, der so manche Strapaze für die vielen Auswärtsreisen auf sich nimmt, fühlte ich mich schlichtweg verarscht. Ähnlich wie in Hamburg, als der inzwischen suspendierte Ciprian Marica nach gut 10 Minuten den übrigens selben Schiedsrichter Stark ein Arschloch nannte, steht man auf der Tribüne und versteht die Welt nicht mehr. Den ersten Gedanken nach dem Platzverweis, erst einmal einen Bierstand aufzusuchen und von draußen zu verfolgen, wie die Dinge ihren Lauf nehmen, verwarf ich wieder. Dennoch hätte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling auf das Team mehr gegeben, das von nun an, mit dem schweren und auch demoralisierendem Europa League Spiel in den Köpfen und in den Knochen, 75 Minuten in Unterzahl bestehen musste. Im Block unter den zahlreichen mitgereisten VfB-Fans spürte man Fassungslosigkeit und zugleich eine Trotzreaktion die verbliebenen zehn Kämpen bis zur Heiserkeit zu unterstützen und dem Team zu helfen. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Boulahrouz rückte in die Innenverteidigung, Träschi auf die Rechtsverteidigerposition. So gelang es relativ schnell, die Ordnung wieder zu finden. Dass man vor der Eintracht keine Angst zu haben braucht, zeigt schon deren Torstatistik in 2011: auf 0:13 Tore haben es die Hessen nach diesem Spiel gebracht: Respekt! Dass die Eintracht 11 gegen 10 die Spielkontrolle erlangen würde war nicht wirklich überraschend. Insgesamt aber ließ der VfB den Umständen entsprechend wenig zu, konnte allerdings selbst kaum für Entlastung sorgen. In der Halbzeit brachte Labbadia dann Timo Gebhart für den abermals enttäuschenden Cacau. Ein Mittelfeldspieler für einen Stürmer, das bewirkte zunächst, dass die Überlegenheit der Eintracht immer drückender wurde. Die Torflaute indes wollte (zum Glück) nicht enden. Trotzdem war diese Auswechslung so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg, da Gebhart ein ums andere Mal präsent war, wenn sich Kontermöglichkeiten eröffneten und unermüdlich ins Eins gegen Eins ging und den ein oder anderen Nadelstich setzte. Gebhart war es dann auch der sich nach einem von Harnik schnell ausgeführten Freistoss ein Herz fasste und abzog, Fährmann im Tor der Frankfurter konnte nur abklatschen und Harnik staubte ab. 0:1. Was für eine Befreiung dieses Tor. Doch damit nicht genug, schon 3 Minuten später überwand Tamas Hajnal, der sich mehr und mehr zum Lenker des VfB-Spiels mausert, mit einem sehenswerten Lupfer zum 0:2. Danach brachen im Gästebereich alle Dämme und 4000-5000 VfB-Fans hüpften und sangen, dass sich die Balken bogen. Die Eintracht drückte natürlich noch einmal aufs Tempo, machte hinten auf und hoffte, dass den VfB die Kräfte verlassen würden. Doch war für die Eintracht das Tor auch an diesem Tag wie vernagelt und dem VfB war das Glück hold.
Matchwinner dieses Mal war, man höre und staune, Sven Ulreich. So schnell geht es manchmal im Fußball. Knapp eine Woche zuvor zur Nummer 2 verbannt, dann die Verletzung von Ziegler, nach seiner Einwechslung ein ordentliches Spiel gegen Lissabon und in Frankfurt wird er zum Mann des Tages. Er wurde nach dem Spiel zu Recht von den Fans mit Standing Ovations gefeiert. Möglicherweise ist es in der Tat so, dass einiger Ballast von ihm abfiel und er, zumindest was seine persönliche Situation angeht, nichts mehr zu verlieren hat. Dieses Mal war er nicht nur auf der Linie stark, sondern war präsent im Strafraum und strahlte eine von ihm ungewohnte Sicherheit aus. Ich gehöre ja zu den Zweiflern, was die Personalie Ulreich angeht, kann er aber diese Leistung stabilisieren, werde auch ich mit Sicherheit keine Torwartdiskussion mehr anzetteln. Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, warten wir ab, wie er sich in den nächsten Spielen präsentiert.
Heute kommt es zum Duell gegen Schulden 04. Die Gelsenkirchener kommen mit dem Rückenwind aus München, wo sie unter der Woche die Bayern düpierten und ins DFB-Pokal-Finale einzogen. Der VfB konnte endlich mal wieder eine Woche verschnaufen und sollte frischer sein und darauf brennen, rausgelassen zu werden, um den Schwung vom Frankfurt-Spiel mitzunehmen. Ich hoffe sehr, dass erstmals gelingt, den zweiten Dreier in Serie einzufahren. Dieses Glücksgefühl, also den Hauch einer Serie, durften wir in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal erleben. Ein Sieg zu zehnt wie in Frankfurt, der durch einen in dieser Saison selten erlebten Zusammenhalt der Mannschaft zustande kam, könnte für die kommenden Wochen beflügeln und das Team enger zusammen schweißen. Dass das Team nach dem Auswärtssieg unisono erklärte, sie hätten für ihren Kapitän gespielt, der bei einer Niederlage ganz sicher an den Pranger gestellt worden wäre, spricht für sie. Ich hoffe, das war nicht nur eine von der sportlichen Führung vorgegebene Sprachregelung. Mit einem solchen Zusammenhalt und der notwendigen Kompaktheit ist auch heute ein Erfolgserlebnis gegen die Schalker möglich. Es bedarf aber sicher einer gehörigen Portion Geduld, da die Schalker in der Defensive inzwischen wieder fast traditionell gut stehen. Die Offensive, allen voran Farfan und Raul, muss in Schach gehalten werden. Ich erhoffe mir, dass der VfB aus den Pleiten gegen den Club und gegen Freiburg gelernt hat. Ein frühes Gegentor wäre auch in diesem Spiel Gift. Lieber Geduld haben, vielleicht sogar mit einer defensiveren Ausrichtung und Taktik ins Spiel gehen, damit die Null stehen bleibt. Uns würde es auch reichen, wie anno 2001, wenn das Siegtor erst in der 90. Minute fiele. Damals stand man gegen Schalke, beim VfB auf der Bank im übrigen Felix Magath, noch mehr unter Druck als heute. Es war der 33. Spieltag, heute haben wir den 25. Dennoch muss der VfB eine Serie hinlegen, um die noch notwendigen 5-6 Siege in Angriff nehmen zu können. Ich bin mir sicher, dass es ein zähes, schwieriges Spiel werden wird. Am Ende werden wir sehen, was dabei herausspringt. Die Schalker haben in den letzten Jahren im Neckarstadion relativ wenig gerissen (allerdings setzte es in der letzten Saison die erste Heimpleite gegen die Knappen seit 1999), daher bin ich ganz optimistisch, dass wir heute zumindest nicht verlieren werden.
Ich muss zugeben, mittlerweile zähle ich schon die Spiele, die wir noch in dem halbfertigen Stadion verweilen müssen. Es ist schon ein Nachteil, wenn an vielen Ecken im Stadion die Gästefans fast lauter gehört werden als die heimischen. Da es den Spielern auf dem Platz auch nicht anders geht, ist das schon auch ein Nachteil in dieser Saison. Als Ausrede darf das aber natürlich nicht gelten.
Lamentieren wir also nicht darüber, sondern freuen uns, wenn wir nächste Saison wieder ein geschlossenens, richtiges Stadion haben, hoffentlich auch dann in der Bundesliga.
