26. November 2012
Ein Spiel jagt das Andere, so schnelllebig wie die Zeit ist, so hetzt man derzeit als Allesfahrer von Spiel zu Spiel. Daher ist es auch nicht immer ganz einfach, nebenher noch ausführliche Spielberichte zu liefern.
So folgten dem Spiel in Kopenhagen, von dem ich letztmals berichtete, die Auftritte gegen Hannover (2:4), in Mönchengladbach (2:1), in Bukarest (5:1) und in Freiburg (0:3). So wie sich diese Ergebnisse leben, so fühlt sich die Saison an. Wie eine Achterbahnfahrt. Waren wir in Bukarest noch am höchsten Punkt angelangt, folgte gestern die rasante Fahrt in den Abgrund. Um den Bukarest-Bericht dem Erlebten angemessen launig werden zu lassen, klammere ich Freiburg an dieser Stelle aus und komme darauf separat zurück.
Zu Hannover und Gladbach auch nur ein kleiner Abriss, da diese Spiele schon wieder sehr weit weg sind. Gegen Hannover spielte der VfB 45 Minuten einen begeisternden Fußball und Hannover fast an die Wand. Da Hannover wie der VfB auch donnerstags noch in der Europa League unterwegs war, sollte sich der Substanzverlust nicht besonders nachteilig auswirken, Chancengleichheit war gegeben. Es ging nach Toren von Gentner und Ibisevic mit einer beruhigenden 2:0-Pausenführung in die Kabinen. Auf den Tribünen herrschte eine ausgelassene Stimmung, war der VfB doch an Hannover in der Blitztabelle vorbeigezogen und stand auf Platz 7. Doch wie schon jedes Mal in dieser Saison, wenn es möglich gewesen wäre, sich an die Europapokalplätze heranzupirschen, so folgte auch dieses Mal wieder der Einbruch. Innerhalb von 16 Minuten drehte Hannover das Spiel und machte aus dem 2:0 ein 2:4. Sven Ulreich leitete den Untergang ein, als er eine Hereingabe von der Seite dem Torschützen Sobiech vor die Füße abklatschte, der nur noch einzuschieben brauchte. Hannover nahm die Geschenke gnadenlos an, auch als der Schiedsrichter eine Schutzhand von Tasci als absichtliches Handspiel, unnatürliche Handbewegung oder was auch immer wertete und Schlaudraff den fälligen Elfer verwandelte. Das Spiel lief schon längst in eine fatale Richtung, ohne, dass man den Eindruck hatte, dass Labbadia eingreifen würde, obwohl das Unheil längst seinen Lauf genommen hatte. Standardmäßig kamen seine Auswechslungen ab der 70. Minute, als das Spiel bereits verloren war.
Spätestens seit dem Länderspiel Deutschland gegen Schweden im Oktober sollte man eigentlich begriffen haben, dass es auch mit einer eigentlich beruhigenden Führung im Rücken keinen Grund gibt, die Zügel schleifen zu lassen oder sich schon auf die dritte Halbzeit zu freuen.
Wenigstens zeigte der VfB sechs Tage später in Mönchengladbach eine Reaktion und holte sich die drei Punkte dort zurück Zwar etwas glücklich, doch durchaus aus verdient. Gladbach war zugegebenermaßen der richtige (Aufbau-) Gegner zur rechten Zeit, sind wir doch DER Angstgegner der Borussia. Mönchengladbach hat mittlerweile gerade einmal zwei der letzten 29 Begegnungen gegen den VfB gewonnen. Dem frühen 1:0 für Gladbach durch Stranzl, auch hier sah Sven Ulreich unglücklich aus, folgte nur zwei Minuten später der Ausgleich durch Martin Harnik. In einem offenen Spiel auf mäßigem Niveau, hatte der VfB dann in der zweiten Halbzeit das Glück, dass Brouwers eine harmlose Flanke von Kuzmanovic sehenswert unter die Latte zum Eigentor einnetzte. Gladbach wurde danach kaum noch richtig gefährlich, so dass der VfB den Dreier unter dem Strich recht souverän nach Hause brachte und uns eine launige Rückfahrt im Bus mit dem RWS bescherte.
Unser Trip nach Bukarest begann im Grunde bereits am Mittwochabend. Darauf arbeitete ich hin, darauf freute ich mich. Analog zur Reise zum Spiel nach Lissabon vor knapp zwei Jahren, flogen wir erneut von Köln/ Bonn aus. Analog zu damals reiste unser Freund Winne aus Konstanz bereits am Vortag des Fluges an, um bei uns zu übernachten. Die Fahrt mit dem Rail & Fly Ticket muss erst am Folgetag abgeschlossen sein, so dass dies möglich und auch praktikabel ist. Und, analog zu dem damals ebenfalls sehr gelungenen Ausflug trafen wir uns Mittwochabend in netter Runde in S-Freiberg zum essen und vorglühen. Trotz des frühen Aufstehens am nächsten Tag wurde es ein sehr langer Abend mit reichhaltigem deutschem Essen zum Abschluss und nicht minder schmackhaftem Bier. Ausklingen ließen wir den Abend bei uns zu Hause, in dem wir noch die Zusammenfassungen der Champions League Spiele anschauten, die leider in der Lokalität nicht liefen.
Am Donnerstag klingelte der Wecker bereits um 5 Uhr, da wir den ICE um 6.51 Uhr erwischen wollten. Trotz der nur etwas über vier Stunden Schlaf starteten wir einigermaßen fit und voller Vorfreude in den Tag. Planmäßig erreichten wir den Zug, den Anschluss in Mannheim, sowie die beiden S-Bahnen in Siegburg/ Bonn bzw. Porz-Wahn. Stuttgart Hauptbahnhof-Köln/ Bonn Flughafen in 2 ½ Stunden. Aufgrund dieser schnellen Verbindung und der Tatsache, dass ich mit Germanwings weitestgehend gute Erfahrungen gemacht habe und es bei dieser Airline möglich ist, den Zug zum Flug mit zu buchen, wird dies für mich immer eine der ersten Optionen sein, wenn ein Flug ab Stuttgart nicht möglich oder zu teuer ist.
Um 9.23 Uhr kamen wir planmäßig am Flughafen an und erreichten aufgrund der guten Beschilderung auch schnell das Germanwings-Terminal. Kurz durch die Passkontrolle und schon waren wir am Abfluggate, wo der Flug dann sogar etwas früher als geplant um 10.45 Uhr in Richtung der rumänischen Metropole abhob.
Ich muss zugeben, ein wenig Unbehagen beschlich mich schon, wenn ich in den Wochen zuvor an diese Reise dachte. Ich reiste zum ersten Mal nach Rumänien und wusste nicht, was mich erwartete. Die Warnungen waren groß, vor den dortigen Ultras, der Kriminalität, etc. So las ich mich durch diverse Erfahrungsberichte und wartete auf die Fan-Infos des VfB. Außer der Meldung, dass wir vor Ort unsere Eintrittskarten tauschen müssten, kam jedoch leider vom VfB überhaupt nichts. Zu jedem Kirmes-Kick werden Infos veröffentlicht, vor einer Reise ins Ungewisse, nichts, nothing! Ich für meinen Teil wäre hocherfreut gewesen, wenn der VfB einem Tipps zum Weg zum Stadion, was uns in Bezug auf die dortige Fanszene zu erwarten hätte, wo man sich gut und sicher bewegen kann, welche Kontrollen der dortige Ordnungsdienst vorgesehen hätte, wie man sich zu verhalten hat, etc. pp. mit auf den Weg gegeben hätte.
So waren wir also zunächst auf uns alleine gestellt bzw. mussten uns auf das berufen, was man im Internet sonst über Rumänien las und vor allem, wie man sich vor Betrügern beschützen kann. Wie ich feststellte, fängt der Nepp bereits am Flughafen an, wo man wohl, je nachdem wie naiv man ist, für die Fahrt in die Stadt zwischen 8 und 100 Euro los werden kann. Wir hatten das Glück, dass wir mit einer Deutsch-Rumänin im Flieger saßen, die uns den Tipp gab, zum Abflug-Terminal zu gehen, da dort die Taxis, die aus der Stadt kommen und Fluggäste zum Flughafen chauffieren, stehen würden, die oft sehr günstige Kilometerpauschalen auf den Türen stehen hätten. Eigentlich logisch, trotzdem unsicher, ob wir selbst darauf gekommen wären. So fuhren wir für 23 Lei ins Stadtzentrum, das immerhin 16 Kilometer vom Flughafen entfernt ist, was guten 5 Euro entspricht. Uns war dieser Preis geteilt durch drei schon fast peinlich, so dass wir dem Fahrer 30 Lei gaben, für uns auch leichter zum teilen.
. Den ersten Sieg des Tages hatten wir errungen. Mit Abstand die günstigste Taxifahrt von allen, die wir zu diesem Thema befragten. Wir konnten als gegen 15 Uhr bereits in unserem Hotel Berthelot im Zentrum von Bukarest, unweit des Radisson Blu gelegen, einchecken. Kurz darauf traf eine weitere Dreiergruppe, die mit uns gebucht hatte, ein, bevor eine gute Stunde später der Rest unserer Achtergruppe, die mit uns im Hotel logierten, eintraf. Die Nachhut wollte und konnte sich nicht mit uns über unser Schnäppchen bzgl. der Taxifahrt freuen, waren sie doch mit Bus und Taxi eine Stunde länger unterwegs und das doppelte Geld los.
. Joa, einer von, mich eingerechnet, sechs Berkheimern mit uns im Hotel, hatte das Hotel ausfindig gemacht. Schon als ich sah, dass das Hotel in den Bewertungsportalen als „exzellent“ eingestuft war, wusste ich, dass wir damit nichts falsch gemacht haben dürften, was sich auch bewahrheitete. Zentral gelegen, Zimmer tip-top, Frühstück einschließlich Kaffee einwandfrei, es gab aus meiner Sicht überhaupt nichts zu bemängeln, danke Joa!
Da sich welche im Hotel noch etwas zu essen bestellt hatten, die spät hinzugestoßenen sich erst noch häuslich einrichteten und Tom, Winne und ich es nicht erwarten konnten, die Stadt zu entern, machten wir uns bereits auf den Weg, um die „Partymeile“ zu suchen und uns ins Getümmel zu stürzen. An Spieltagen ist man ja doch gierig darauf, die Atmosphäre aufzusaugen, vor allem bei Auswärtsspielen international.
Eine grobe Wegbeschreibung incl. Stadtplan wurde uns vom Hotelpersonal mitgegeben, so dass wir keinen Schritt zu viel machten und auch recht schnell, etwa 1.000 Meter vom Hotel entfernt, die ersten Gesänge wahrnehmen konnten. Mitten in der Altstadt befand sich das Kneipenviertel, das für mein Empfinden bspw. dem in der Düsseldorfer Altstadt in nichts nachstehen sollte. Kneipe an Kneipe, für jeden Geschmack etwas, ob man jetzt Bierkneipe, Speiselokal, Heavy-Schuppen oder was auch immer suchte. In einem Lokal namens Oktoberfest tummelten sich dann schon jede Menge Brustringträger, vor dem Lokal ebenfalls, umringt von Polizisten, die das Geschehen beobachteten, aber einen recht freundlichen und entspannten Eindruck machten. Im Lokal trafen wir dann auch schon viele Bekannte, die Party konnte beginnen. Kurze Zeit später hielt ich auch schon meine erste Maß rumänisches Bier in Händen und war erfreut, wie gut und süffig es schmeckte. Die ersten Berührungsängste mit der Stadt und dem Land waren schnell verflogen. Gut, man muss zugeben, das was wir hier sahen war auch nicht Rumänien sondern eine rumänische Kneipe in (fast) deutscher Hand, dennoch, der erste Eindruck sollte sich nicht verschlimmern. Im Lokal wurde ich dann erst einmal von einem rumänischen Fernsehteam auf Englisch interviewt. Dass der VfB gewinnen muss, brachte ich noch heraus. Auf die Frage, was ich über Land und Leute wüsste, da musste ich (leider) passen. Schon etwas peinlich, aber, so ad hoc und dann noch auf Englisch mit einer Maß Bier in der Hand und jeder Menge Interessierter drum herum, war nicht ganz einfach. Hätten sie mir die Fragen Samstag vor dem Abflug gestellt, hätte ich mehr dazu sagen können.
Immer, wenn der VfB auswärts spielt, kommt man sich vor wie in einer großen Familie, so viele bekannte Gesichter, wie man immer trifft und wie viele Hände man schüttelt. Man kennt sich und freut sich jedes Mal aufs Neue, wenn man sich trifft. Bei einem Spiel wie in Bukarest ist das aber noch einmal etwas intensiver, hat doch jeder irgendwie über seine ganz spezielle Anreiseroute zu berichten und ist doch eher der ganz harte Kern da. Respekt vor den Jungs vom Commando Cannstatt, die eine 30-stündige Busfahrt hinter sich gebracht hatten. Ansonsten war an Reiserouten und Zwischenstopps fast alles anzutreffen, was Europa so zu bieten hat.



Irgendwann stießen die anderen Berkheimer auch noch dazu und wir genossen die (friedliche) Atmosphäre in der Stadt beim einen oder anderen Bierchen, und stimmten uns langsam aber sicher auf das Spiel ein. Dann folgte ein recht abrupter Aufbruch, der uns etwas überrumpelte. Es wurden uns Busse zur Verfügung gestellt, die uns zum Stadion bringen sollten. Wir wussten daher erst einmal nicht, wie uns geschah und wollten so früh auch noch nicht zum Stadion. Bier war noch fast voll und der Spielbeginn ja erst 22.05 Uhr rumänischer Zeit. Also blieben wir noch hocken und machten uns später individuell per Taxi auf den Weg. Hier machten wir zum ersten Mal schlechte Erfahrungen mit einem rumänischen Taxifahrer, war die Fahrt mit knapp 100 Lei doch reichlich überteuert. Dennoch jammert man hier auf hohem Niveau, denn die Rede ist von etwa sieben, acht Euro pro Person. Durch den Stadionverkehr zog sich diese Fahrt recht lang und war dennoch ein Erlebnis, wenn man sah, welch Schleichwege der Chauffeur in petto hatte und auch vor einem Ausweichen auf die Straßenbahnschienen nicht Halt machte. Am Stadion angekommen fanden wir sofort den Schalter, an dem wir unsere Eintrittskarten umtauschen konnten und ließen uns den Weg zu unserem Eingang weisen, der uns weiträumig ums halbe Stadion herum führte. Dass nach den Vorkommnissen von Kopenhagen die Kontrollen es in sich haben könnten hatten wir schon befürchtet. Dass man aber an drei Punkten durchsucht wird und deshalb der Weg ins Stadion so zähfließend sein würde, hatte ich nicht gedacht. Zwischenzeitlich befürchteten wir, den Spielbeginn zu verpassen, was mich nervös machte, hatte ich doch schon im Vorfeld gehört, dass die Steaua-Ultras eine Choreo geplant hatten. Je näher der Spielbeginn rückte, desto schneller gingen dann die Kontrollen, so dass wir doch noch rechtzeitig hinein kamen. U. a. musste man Feuerzeuge und Münzgeld abgeben, ich denke mal, für die Ordner ergab das Eingesammelte einen schönen „Mannschaftsabend“. Münzen hatte ich keine am Mann, die Euros blieben im Hotel, rumänisches Münzgeld hatte ich während der drei Tage nicht einmal in der Hand, dies der Tatsache geschuldet, dass der kleinste Schein, 1 Lei, nicht einmal 25 Cent entspricht.
Als wir endlich im Stadion angekommen waren, sortierten sich die verschiedenen Gruppen recht schnell, wir standen links versetzt, etwas oberhalb vom CC97. Aufgrund der Nähe und der Steile der Ränge natürlich nicht die optimale Position um unseren Stimmungsblock zu fotografieren, ansonsten war der Platz o. k. Mein Pech war, dass ich in diesem Nichtraucherstadion direkt an der von Ordnern und Polizei bewachten Pufferzone stand und somit unter Privatbeobachtung einer allzu eifrigen Polizistin stand. Überall qualmte es, mich hatte sie aber besonders auf dem Kieker und mir auch schon mal leicht mit dem Knüppel Haue angedroht.
. Die Stimmung unter den rund 600 mitgereisten VfBlern war klasse, auch wenn es natürlich nicht einfach war, gegen die Heimfans stimmlich mitzuhalten – dem einen oder anderen waren auch die Reisestrapazen anzumerken.
Die National Arena war mit 55.000 Zuschauern ausverkauft, was Steaua den Zuschauerrekord für ein Vorrundenspiel in der Europa League bescherte. Von so einer Kulisse dürfen wir bei Wochentagspielen leider nur träumen. Es hat den Anschein, dass die Steaua-Fans eben noch wegen ihrem Verein und nicht wegen dem Gegner ins Stadion kommen, denn, gegen Molde war es auch schon eine großartige Kulisse. Anders bei uns, wo sich bei solchen Spielen kaum einmal mehr als 15.000 Zuschauer ins weite Rund verirren. Gegen Molde sind nach meinem Kenntnisstand gerade einmal 10.000 Karten verkauft, ich hoffe, die Konstellation in unserer Gruppe und der glanzvolle Auftritt von Bukarest wir mehr Leute animieren, ins Stadion zu kommen. Ich habe ja Verständnis für diejenigen, die eine weite Anreise haben und für die es deswegen nicht zu schaffen ist, bei 19 Uhr Spielen rechtzeitig da zu sein oder bei 21.05 Uhr Spielen wieder heim zu kommen. Für diejenigen aber, aus Stuttgart oder unmittelbarer Umgebung fehlt mir das Verständnis. Oft höre ich dann noch die paradoxe Begründung, „bei einer solchen Geisterkulisse macht es keinen Spaß“, wobei doch jeder selbst dazu beitragen kann, den Rahmen ein bisschen würdiger erscheinen zu lassen.
Respekt also vor dem Bukarester Publikum. Gut, das Ticket in der Kurve kostet dort gerade einmal 15 Lei, was knapp 4 Euro entspricht, allerdings liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Rumänien auch nur bei etwa 350 Euro netto im Monat. Wenn man bedenkt, dass wir seinerzeit in Getafe in einem weitaus weniger komfortablen Stadion 50 Euronen hinblättern durften, war der Preis für uns natürlich mehr als lächerlich. Der VfB knöpfte uns für das Ticket sagenhafte 8 Euro ab, versprach aber in vfb direkt eine Rückerstattung der zu viel bezahlten eingenommenen vier Euro, hoffentlich mit Zins und Zinseszins.
. Wie schon erwähnt beglückte uns dann der Steaua-Anhang mit einer schönen Choreo „Magisches Steaua“, die dem Rahmen angemessen und nett anzuschauen war. Meine Erwartungen ans Stadion wurden erfüllt, ein immens lauter Hexenkessel mit begeisterungsfähigen Fans und Ultras-Blöcken in beiden Kurven. Nach der Seitenwahl, die unser Kapitän Serdar Tasci schon einmal gewann, ging es auch gleich los. Unserer Reisegruppe war nicht anzumerken, dass wir zu Spielbeginn bereits 16 Stunden auf den Beinen waren, wir gaben alles und das Spiel sollte ja auch alles andere als ermüdend werden. Ich hatte große Bedenken, wie beeindruckt unser Team von dieser Kulisse werden könnte und dass sie überrannt werden könnten. Doch nichts von dem! Der VfB war vom Anstoß weg hell wach, präsent in den Zweikämpfen, kompakt in der Defensive und mit blitzschnellem Umschalten auf Offensive bei Ballbesitz. So dauerte es gerade einmal bis zur 5. Minute, ehe Kuzmanovic eine Ecke in den Strafraum schlug und Tasci mit dem Kopf völlig freistehend einköpfte. Unserem Kapitän gönne ich diesen Treffer ganz besonders, beißt er doch schon seit Wochen mit dem einen oder anderen Wehwehchen auf die Zähne und stellt sich vorbildlich in den Dienst des Teams. Ein klasse Tor, ein klasse Auftakt und bei uns zum ersten Mal das Gefühl, dass hier was gehen könnte, war doch, wie bereits in Kopenhagen, ein Sieg Pflicht, um das Weiterkommen in eigener Hand zu haben.
Bukarest sichtlich beeindruckt von der Bissigkeit der Brustringträger, der VfB wie entfesselt. So nahm ein denkwürdiger Abend seinen Lauf, der mir jetzt noch, beim schreiben dieser Zeilen, Gänsehaut bereitet. Der VfB präsentierte sich ballsicher und zielstrebig, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe. Bei manchen Szenen hatte ich den Eindruck, da hätte jemand die brasilianische Nationalmannschaft in unsere weißen Trikots mit rotem Brustring gepackt, so wie die Rumänen phasenweise her gespielt wurden. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, hier ein Beinschuss, dort eine Finte, ich fühlte mich wie im falschen Film und konnte es stellenweise nicht glauben, dass das MEIN VfB ist, der dort auf dem Rasen eine Gala vom feinsten ablieferte. Als Harnik nach 18 Minuten, abermals nach Kuzmanovic-Flanke und unter gütiger Mithilfe des Steaua-Keepers am langen Pfosten zum 0:2 einköpfte, schien Steaua der Zahn bereits gezogen. Mit einem solchen VfB hatte Steaua sicherlich nicht gerechnet, wir ja, wie schon erwähnt, auch nicht. Zugegeben: in den Spielbeobachtungen der Steaua-Späher war sicherlich der ein oder andere Gurkenkick, so dass sie mit ihrer offensiven Ausrichtung wohl gedacht haben, uns mal kurz überrennen und den Sack in der Gruppe zumachen zu können. Steaua konsterniert, der VfB auf Wolke sieben. So ging es weiter. Mittlerweile waren auch unsere Japaner heiß gelaufen. Okazaki legte quer auf Sakai, der hämmerte mit seinem schwächeren linken Fuß den Ball volley ins Kreuzeck, Marke Tor des Monats. Sakais allererstes Tor im VfB-Trikot. Der war so happy, die ganze Mannschaft einschließlich Trainer- und Auswechselbank freute sich sichtlich mit ihm, so dass er sich umgehend revanchieren wollte. Gesagt, getan. Sakai-Flanke maßgerecht auf Okazakis Kopf, 0:4 in der 31. Minute. Auf der Tribüne hatte man wirklich Tränen in den Augen und konnte das Glück kaum fassen. An der Stelle auch einmal einen herzlichen Gruß an diejenigen zu Hause auf der Couch, die einen des Öfteren fragen, weshalb ich mir das alles „antue“. Neben dem Drumherum wie oben beschrieben und dem Zusammentreffen mit der VfB-Familie ist es einfach geil, an einem der denkwürdigsten Abende der VfB-Europapokalgeschichte dabei gewesen zu sein. Diese innere Befriedigung, die einen bei einem solchen Spiel beschleicht ist durch nichts zu ersetzen. Der VfB hatte noch Chancen, das Ergebnis höher zu schrauben, es ging jedoch mit der bis dato höchsten Pausenführung der VfB-Europapokalgeschichte, nämlich dem 0:4, hinein in die Katakomben.
Der VfB kam zurück mit Hajnal anstelle des starken, aber grippegeschwächten Gentner und baute die Führung in der 55. Minute durch das zweite Tor von Shinji Okazaki sogar noch aus. Harnik drang in den Strafraum ein, der Ball gelangte zu Hajnal, der ihn zu Okazaki weiter stocherte. Angesichts der wunderschön herausgespielten Tore zuvor ein fast schon unwürdiger Treffer an diesem Abend.
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Am Ende gelang den Rumänen noch der Ehrentreffer zum 1:5, den ich ihnen von Herzen gönnte. Phantastisch der Support und die Gesänge der Steaua-Fans, auch noch beim Stand von 0:5 wurde gesungen und supportet, es verließen nur einzelne „Fans“ die Arena. Nicht auszudenken welch Lärmpegel uns bei anderem Spielverlauf ins Gesicht geschlagen hätte.
Unvorstellbar so etwas in Stuttgart, bei einem Stand von 0:4 zur Pause hätte die Mannschaft das Neckarstadion sicherlich fast leer gespielt! Die Stimmung in unserem Block, natürlich unfassbar. „Oh, wie ist das schön“ wurde gesungen, bis die Stimmbänder versagten.














Die gut 20-minütige Blocksperre ließ sich nach dieser Vorstellung auch gut aushalten, persönlich konnte ich mich auch endlich meiner Bewachung entziehen. Für den Rückweg entschlossen wir uns, auf das „Busangebot“ zurück zu kommen, wurde man doch sicher und kostenlos zurück in die City befördert. Man wusste ja nicht, wie die Steaua-Fans drauf sein würden, also „Safety first“. Hinein also in die Busse, Baujahr schätzungsweise irgendwann in den 1970er Jahren, TÜV, in Deutschland sicherlich undenkbar. Normal ist es ja auch nicht, dass man während der Fahrt seinen eigenen Sitz festhalten muss, um nicht umzukippen.
Trotzdem, alter Schwabe, „am gschenkta Gaul, guckt mr net ens Maul“, so fand ich dies trotz allem einen tollen Service, zumal ja, wie oben beschrieben, keine Empfehlungen seitens des VfB vorlagen!
In der Stadt angekommen versammelten wir uns etwa mit einer zehnköpfigen Gruppe und testeten die eine oder andere Kneipe. Ich war wirklich angetan von der guten Stimmung und wie wir aufgenommen wurden. Die Steaua-Fans waren zwar ein wenig geknickt, gratulierten uns aber fair zur grandiosen Leistung und dass es am Sieg nichts zu deuteln gab. Den Rapid- und Dinamo Bukarest-Fans tat es sichtlich gut, dass Steaua so richtig eine auf den Sack bekam. So mussten wir in diesem armem Land wirklich aufpassen, nicht ausgehalten zu werden. Tolle Gastfreundschaft, die einem allerorten entgegenschlug. Wir waren sehr überrascht, wie viel dort in dem Kneipenviertel unter der Woche noch los war. Es wurde ein toller Abend, kurz vor 5 Uhr morgens lagen wir schließlich im Bett.
Knapp vier Stunden Schlaf später sind wir wieder aufgestanden, um das Frühstück, das es leider nur bis 10 Uhr gab, nicht zu verpassen. Wie aber weiter oben bereits aufgeführt, das Aufstehen hat sich gelohnt, wenn auch das Personal schon mit der Stoppuhr parat stand. Wie immer bei unseren Städtetrips sollte auch der Kulturteil nicht zu kurz kommen. Unser Plan war, einen der Sightseeing-Busse zu ergattern, um im offenen Doppeldecker an die eine oder andere Sehenswürdigkeit herangefahren zu werden. Leider stellte sich dann heraus, dass diese im November nicht mehr verkehren, so dass wir uns zu Fuß in Richtung des Palastes des Parlaments, errichtet nach den Vorstellungen Ceaușescus, aufmachten. Das größte Gebäude Europas und nach dem Pentagon das zweigrößte der Welt ist schon ein beeindruckendes Bauwerk. Auf dem Weg dorthin und durch unsere Taxifahrten, wovon uns die Fahrt vom Flughafen in die Stadt auch am Triumphbogen vorbei führte, konnte man schon einen Eindruck von der Stadt gewinnen, die geprägt ist durch Bauwerke verschiedener Stilepochen. Frappierend fanden wir den Wechsel von total zerfallenen Gebäuden zu hypermodernen, neu errichteten Gebäuden, was teilweise überhaupt nicht zusammen passt. Vierzig Jahre Sozialismus lassen sich eben auch dort nicht von heute auf morgen wegwischen, schon gar nicht, wenn man nicht einen solch potenten Geldgeber hat, wie seinerzeit die DDR mit der BRD zur Verfügung hat.
Eine große Sünde ist sicherlich der Straßenverkehr in der Stadt und damit die Luftverschmutzung. Ich selbst bin ja „Städter“ und nicht empfindlich was Lärm und Abgase angeht. Dort jedoch ging mir dies so sehr auf den Geist, so dass wir den Kulturteil um 13 Uhr einvernehmlich für beendet erklärten. Die Bukarester Stadtväter haben wohl weder etwas von Umweltzonen oder –plaketten, noch von Parkuhren und –zonen gehört. Beides gibt es natürlich nicht. Dort wird nach Herzenslust geparkt, wie Kraut und Rüben sozusagen, wo eben Platz ist, so dass man sich teilweise auch auf Fußwegen um die Autos herum schlängeln muss. Radfahrer leben dort sehr gefährlich, wahrscheinlich auch deswegen haben wir gerade einmal einen einzigen mutigen entdeckt.











Also, noch zu dritt gingen wir zurück ins Lipscani-Viertel, wie der Bezirk mit den vielen Kneipen offiziell heißt und kehrten bei erstbester Gelegenheit in einem netten Pub auf das erste Bierchen an diesem Tag ein. Dort verabredeten wir uns dann per Handy mit anderen Bekannten im Caru‘ Cu Bere, einer prächtigen Brauereigaststätte, in der es sich wunderbar speisen und trinken lässt. An einer elends langen Tafel ließen es sich schon gut 30 Schwaben schmecken, so dass wir uns dazu gesellten. Anschließend machten wir noch eine schöne Kneipentour und feierten zwei Mal (0 Uhr rumänischer, 0 Uhr deutscher Zeit) in Winnes Geburtstag hinein. Zu dieser Zeit befanden wir uns bereits in einer Karaoke-Bar, wo wirklich der Bär steppte und ob der einen oder anderen Einlage auch kein Auge trocken blieb. Hammer, was überall, wo wir hin kamen, los war.









Erneut blieben wir bis um 5 Uhr standhaft, ehe am Samstag der Abreisetag bevorstand. Ob der Abflugzeit 14.45 Uhr rumänischer Zeit blieb genügend Zeit langsam in den Tag zu starten und sich um sich auf den Weg zum Flughafen zu begeben. Am Flughafen trafen wir dann wieder auf unsere Hotelgenossen vom RWS und auch die Kumpelz aus dem Bierhexle, mit denen wir wirklich eine tolle Zeit erlebten. Von den Leuten her hat es absolut gepasst. Wir sind auch wunderbar ohne unsere Frauen ausgekommen, auch wenn man(n) auf das ein oder andere, das ihm sonst abgenommen wird, selbst achten musste.
Erneut überpünktlich ging es mit dem Flug nach Köln/ Bonn los. Um die Reise noch vollends abzurunden, fuhren wir, wie schon beim Lissabon-Trip, direkt nach der Landung nach Köln, schlossen das Gepäck ein und genossen noch reichlich Kölsch in der Kölner Altstadt und feierten Geburtstag, bevor wir um 21.55 Uhr mit etwas Wehmut den Zug nach Stuttgart bestiegen. Hätte ich nicht gerade Sonntagmorgen um 10 Uhr in ES-Berkheim zur Busabfahrt nach Freiburg sein müssen und hätte Tom keine Verpflichtungen zu Hause gehabt, hätten wir Köln sicherlich noch etwas später verlassen.
So endete die Tour standesgemäß, mit toller Gaudi, guter Laune und dem, was zählt, den drei Punkten im Gepäck!
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11. November 2012
„Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“, ein inzwischen geflügeltes Wort unter den Fans, die den VfB öfter auch über die Landesgrenzen hinaus begleiten. Eine Floskel, die durchaus wiedergibt, welch unnötige Niederlagen im Gepäck gegen nicht unbedingt als stärker einzuschätzende Teams man des Öfteren eingesteckt hat, wenn es wieder auf die Heimreise geht. „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“ kommt einem auch wieder in den Sinn, wenn man sich die Gruppengegner bewusst macht, und dass man gegen diese nach drei Spielen gerade mal zwei läppische Pünktchen auf der Haben-Seite hat. Noch bei der Auslosung sagte fast jeder, gut, die Gegner nicht besonders attraktiv, dafür ist das Weiterkommen kein Problem. Fahren wir eben in der nächsten Runde nach Liverpool oder Mailand….
Die Auswärtstouren an sich wollen ja frühzeitig, bestenfalls direkt nach der Auslosung, gebucht werden, da man schon am Tag der Auslosung stündlich beobachten kann, wie die Preise bei den Flugsuchmaschinen in die Höhe schnellen. Nachdem Molde bei mir leider zeitlich nicht hinhaute, entschied ich mich dafür, dann wenigstens Kopenhagen und Bukarest einzutüten. Lange musste ich also warten, auf die erste Auswärtstour nach Lissabon im Februar 2011. Meine größte Sorge war, dass nach dem Spiel in Kopenhagen in der Gruppe schon alles vorbei sein könnte und wir nur noch zum „Betriebsausflug“ ohne sportlichen Anreiz nach Bukarest reisen würden.
Doch, wie es auch für das Team gilt, sollte man zunächst den ersten Schritt bewältigen, bevor man an den zweiten denkt. Also ging es für uns am Mittwoch erst einmal in die dänische Hauptstadt. Ich freute mich wie ein kleines Kind darauf, endlich wieder international unsere Farben in die Welt hinaus zu tragen und darauf, mit etwa 2.500 Gleichgesinnten, die dänische Hauptstadt in ein weiß-rotes Meer zu tauchen. Wir buchten einen Flug ab Stuttgart, mit Umstieg in Amsterdam bei der Königlich Niederländischen Fluggesellschaft KLM. Der Rest unserer Clique nahm einen Direktflug vom Euroairport Basel-Mulhouse-Fribourg. Uns war dieser Weg zum Flug dieses Mal zu weit, flogen wir doch bereits nach Barcelona und Lissabon von diesem Airport ab und steckten auf der Rückfahrt jeweils freitags stundenlang im Wochenend- und Feierabendverkehr auf der A5 und A8 fest. So fanden wir uns am Mittwoch pünktlich gegen 13.45 Uhr am Boarding-Gate ein, um zu erfahren, dass der Flug aus Amsterdam erst gut zwei Stunden später als geplant eintreffen würde. Wie es dann weiter gehen würde, würden wir erst in Amsterdam erfahren, das konnte, wollte oder durfte uns das Stuttgarter Bodenpersonal nicht sagen. Für den ungeplanten, längeren Aufenthalt in Stuttgart erhielten wir jeweils einen 5-Euro-Gutschein, mit dem man bei den Preisen dort oben nicht weit kommt, blätterte ich doch schon für eine halbe Bier 5,70 € hin. Eine weitere Verzögerung in Stuttgart blieb uns erspart. In Amsterdam angekommen, machten wir uns am riesigen Amsterdamer Flughafen Schiphol auf den Weg, einen KLM-Schalter zu finden, leider erfolglos. Auf Nachfrage wurden wir zu Automaten gelotst, an denen wir erfuhren, dass wir auf den Flug um 20.55 Uhr umgebucht wurden. Neben dem Flugticket bekamen wir dort noch einen 10-Euro-Verzehrgutschein, einen 50 Euro-KLM-Fluggutschein sowie einen Voucher für eine niederländische Telefonkarte mit ausgedruckt, den wir am Flughafen hätten einlösen können. Da aber überall freies WLAN vorhanden war und wir niemanden groß zu informieren hatten, verzichteten wir darauf, diesen einzulösen. Bei den Preisen am Flughafen waren auch die 10 Euro nicht unbedingt das wert, was wir „draußen“ dafür bekommen hätten, aber immerhin. Wir „gönnten“ uns auf Kosten von KLM ein Menü beim dortigen Burger King und kamen wenigstens nicht hungrig in Dänemark an. Später erfuhr ich dann, dass der Rest unserer Truppe unweit des Hotels in Kopenhagen ein indisches Buffet zu sich nahm, was es mich auf einmal positiv sehen ließ, dass wir beim Burger King noch „gewohnte“ Kost zu uns nehmen konnten. Statt um 18.15 Uhr sollten wir knapp vier Stunden später als geplant in Kopenhagen eintreffen. Den Weg zum Hotel hatte ich bereits zu Hause verinnerlicht, so dass wir am Kopenhagener Airport Kastrup schnurstracks in Richtung Bahnhof liefen und von dort die etwa 10-minütige Fahrt zum Hauptbahnhof antraten. Dank Google Streetview liefen wir bereits im Hauptbahnhof in die richtige Richtung, so dass wir bereits knapp 45 Minuten nach der Landung im Copenhagen Crown Hotel einchecken konnten. Wenn man in einer großen Gruppe unterwegs ist und diese möglichst alle im selben Hotel untergebracht sein wollen, muss man sicherlich den ein- oder anderen Abstrich machen. So auch bei diesem Hotel, das für dänische Verhältnisse günstig war und zentral gelegen ist, Stichwort „kurze Wege“. Die sanitären Einrichtungen jedoch waren stark renovierungsbedürftig und nicht wirklich sauber. Das Frühstück sehr spartanisch und der Kaffee für mich ungenießbar. Als Kaffeejunkie, der einfach nicht in die Gänge kommt, wenn er morgens keinen gescheiten Kaffee bekommt, ein No-Go. Daher ließ ich am zweiten Tag das Frühstück komplett ausfallen und lief lieber in Richtung des Bahnhofs, um in einem Cafe meiner Sucht zu frönen.
Nach kurzem Check-In und frisch machen machten wir uns umgehend auf den Weg, die anderen zu suchen. Kaum aus dem Hotel raus kam uns schon ein Pärchen entgegen, die uns sagten, wo „ungefähr“ sich die anderen aufhalten würden. Die fanden wir dann auch, keine 200 Meter vom Hotel entfernt. Schnell merkten wir, dieser Anreisetag hatte dem Rest der Truppe Tribut abverlangt. Die Verluste waren riesig, saß doch gerade noch ein Haufen von fünf Leuten zusammen, alle anderen hatten sich mehr oder weniger heftig und zu früh abgeschossen oder waren einfach müde. Wir kamen eigentlich recht fit und vor allem durstig an, starteten wir doch noch recht spät und gemütlich in diesen Anreisetag. Auch die Wartezeit an beiden Flughäfen hat mich weniger geschlaucht oder geärgert, ändern konnte man es ja sowieso nicht, also nutzte auch alles herum lamentieren nichts, zumal wir ja noch am Tag vor dem Spiel ankamen. Wir freuten uns jedenfalls über die bekannten Gesichter und hatten in einem netten Pub auch noch einen schönen Restabend.
Am nächsten Morgen nach dem unbefriedigenden Frühstück hatte es ein Teil unserer Truppe eilig und konnte nicht warten, bis die letzten fertig waren, so dass diese bereits die Stadtbesichtigung in Angriff nahmen, während wir noch warteten und kurz darauf im, Gott sei Dank, kleinen Kreis aufbrachen. Gott sei Dank deshalb, weil ich es eher gemütlich haben wollte und noch irgendwo einen gescheiten Kaffee benötigte, anstatt dem „Reiseleiter“ ohne Rast und ohne Ziel hinterher zu hecheln. Trotz leichten Nieselregens entschieden wir uns, zum späteren Fantreffpunkt, Nyhavn, zu gehen und nicht, wie die Anderen, den Bus zu nehmen und marschierten also in Richtung Wasser. Kopenhagen-Erfahrene haben nicht zu Unrecht von der dänischen Metropole geschwärmt, es gibt schon sehr nette und urige Ecken in der mit vielen Wasserwegen gespickten Stadt. Zu einer anderen Jahreszeit ist es sicher noch prickelnder, um einen bleibenden Eindruck zu gewinnen, genügte aber auch dieser eine Tag. Am Nyhavn-Gebiet angekommen, sahen wir schon zur Mittagszeit einige VfBler, schließlich sind die Busse auch inzwischen eingetroffen. In einem Pasta-Schnellimbiss aßen wir noch kurz etwas, man weiß ja an Spieltagen nie, ob es nach dem Spiel noch etwas geben würde. Außerdem sah ich in diesem Laden ein Segafredo-Emblem, was für guten Kaffee sprach. Nachdem ich endlich etwas Vernünftiges im Magen hatte und zudem der Kopf langsam fit wurde, war die Zeit gekommen, sich fürs Spiel einzustimmen und das ein oder andere Bierchen zu trinken. Einige unserer Bekannten trafen wir dort auch gleich wieder, der Rest war noch mit der Stadtbesichtigung zugange. Dass die Preise skandinavisch hoch sein würden, darauf waren wir gefasst. Eine halbe Bier für etwa 7 Euro, schon happig. Ich allerdings sehe den Trip im Gesamtpaket mit Bukarest, wo wir sicherlich wieder einiges einsparen werden. So verweilten wir einige Zeit in einer netten Seemannskneipe. Wir nahmen morgens schon alles mit, was wir für den Stadionbesuch benötigen würden, die Anderen mussten noch einmal zurück zum Hotel. So waren wir kurzzeitig nur noch zu dritt und gingen nach draußen, wo sich die Straße zunehmend mit VfBlern gefüllt hatte und wo wir jede Menge bekannte Gesichter trafen und den einen oder anderen Smalltalk hielten. Unter Anderen sprach ich auch mit unserem Fanbetreuer Christian Schmidt sowie unserem Stadionsprecher und vfbtv-Gesicht Holger Laser, die beide mit der Mannschaft anreisten. Ich erkundigte mich natürlich sofort, wie die Jungs drauf sein würden und welchen Eindruck sie sonst machen würden. Mir wurde versichert, das Team wäre voll fokussiert darauf, aus Kopenhagen etwas mitzunehmen und dass der Trainer auch nicht in Erwägung ziehe, nicht mit der bestmöglichen Mannschaft aufzulaufen. Außerdem wäre es eine ungeheure Motivation für sie, dass sie von so vielen Brustringträgern begleitet werden würden. Diese Aussagen gingen natürlich runter wie Öl und machten mir erstmals Hoffnung an diesem Tag, dass das Team die diesjährige Europa League nicht sang- und klanglos abschenken würde, um sich nur noch auf Pokal und Bundesliga zu konzentrieren. An diesem Fantreffpunkt fielen mir aber auch Jungs auf, die ich noch nie gesehen hätte und welche, die man zwar kennt, auf deren Anwesenheit man bei Auswärtsspielen aber lieber verzichten würde. Polizeipräsenz war auch vorhanden, jedoch waren es die wahren Freunde und Helfer, die einem Infoflyer in die Hand drückten und für das eine oder andere Erinnerungsfoto zur Verfügung standen.
Je mehr sich der Platz füllte, desto mehr hatte man den Eindruck, die Bierpreise würden steigen, kostete doch ein Fläschchen Tuborg auf der Straße schon so viel, wie zuvor eine Halbe in der Kneipe. Zu dritt entschlossen wir uns dann, schon einmal in Richtung des Stadions zu laufen, in der Hoffnung, ferner ab des großen Trubels noch eine Kneipe mit moderateren Preisen zu finden. Tatsächlich fanden wir nach längerem Marsch eine nette Kneipe und kehrten noch einmal ein. Ich stürmte nach dem langen Weg erst einmal in die Toilette, nicht ohne die beiden Anderen zu beauftragen, mir eine Halbe mitzubestellen. Als ich zurück kam, bekam ich jedoch zu hören, sie hätten mir nichts mitbestellt, hier wäre das reinste Bierparadies, was sich beim Blick in die Karte auch bestätigte. Meine Leib- und Hausmarke, Franziskaner Weißbier, mitten in Kopenhagen, dazu bestimmt weitere 50 Sorten international bekannter Biermarken. Da ließ ich mich natürlich nicht zwei Mal bitten. Preislich in etwa so, wie wir zuvor auch schon bezahlt hatten, ging also… Dass wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten, bemerkten wir, als wir hörten, dass die Karawane der VfB-Fans lautstark, durch Gesänge, aber auch durch Kanonenschläge, unweit von unserem Lokal vorbei zog. Drei Franzis später liefen wir dann den Spuren, die die Karawane hinterlassen hatte, hinterher und kamen, nach viel längerem Fußweg als gedacht, erst gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn recht geplättet am Stadion Parken an.
Nach der Pyro-Einlage in Molde und nach der Erkenntnis von der Karawane, dass auch dieses Mal reichlich Munition vorhanden sein würde, rechnete ich eigentlich mit strengen Einlasskontrollen und machte mir ernsthaft Sorgen, ob wir rechtzeitig Einlass finden würden. Diese Sorge aber war unbegründet. Es befand sich zwar eine lange Schlange vor dem Eingang unseres Blockes D2, die Kontrollen waren aber vergleichsweise lasch, so dass sich kaum einer eine länger als 10 Sekunden andauernde Abtastprozedur unterziehen musste.
Nachdem ich an den Verpflegungsständen weitere Bekannte traf, ging es hinein in ein wirklich schmuckes Stadion, ein neuer Ground, sogar ein neuer Länderpunkt, wie die Groundhopper, zu denen ich nicht zu zählen bin, zu sagen pflegen. Dafür bin ich noch zu wenig und vor allem bei zu wenig Spielen ohne VfB-Beteiligung unterwegs. Dennoch freue ich mich jedes Mal tierisch darauf, wenn es in ein Stadion geht, in dem ich noch nicht war. Der Block war erwartungsgemäß bereits gut gefüllt. Aus Macht der Gewohnheit suchte ich zunächst die auf meiner Karte aufgedruckte Reihe 13 auf, um schnell festzustellen, dass es trotz der bei internationalen Spielen obligatorischen Sitzplätze, freie Platzwahl gibt und die vorderen Reihen dem Commando Cannstatt vorbehalten sind. Dennoch, wie es der Zufall so will, standen just in dieser Reihe direkt an der Treppe weitere Freunde von mir. Nach einem kurzen Plausch schaute ich rundherum, und sah ganz oben im Block die Arme von Anita wedeln und dass sich dort die Anderen, die wir teilweise seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatten, versammelt hatten. Also ging ich auch dort hoch und holte zum ersten Mal meine Kamera heraus, um einmal rundherum zu knipsen. Dass die Gastgeber eine Choreo geplant hatten, sah ich bereits an den auf Kopenhagener- und Gegentribüne an den Plätzen ausgelegten Tafeln. Die Spieler beider Mannschaften waren sich bereits eifrig am Aufwärmen und gingen kurze Zeit später schon zurück in die Katakomben, für eine letzte Konzentrationsphase und um die letzten Anweisungen der Trainer in Empfang zu nehmen.
Den Einlauf der Mannschaften verpasste ich, weil ich damit beschäftigt war, die Choreographie der dänischen Fans über zwei Tribünen zu fotografieren. Nachdem die VfBler, wie in den letzten Spielen auch, zu einem letzten Einschwören einen Kreis bildeten ging es auch gleich los.
Meine Erwartungen an das VfB-Team waren die, dass sie sofort untermauern sollten, dass hier unbedingt gewonnen werden muss. Trainer Labbadia unterstrich dieses Vorhaben, indem er anstelle vom zuletzt starken Spielmacher Raphael Holzhauser Shinji Okazaki als zweite Sturmspitze aufbot. Ansonsten spielte noch Molinaro für Boka im Vergleich zum Auftritt in Dortmund. Der Beginn des Spiels spiegelte meine Erwartungen leider noch nicht wider. Anstelle des VfB übernahmen zunächst die Dänen das Kommando und kamen zu ersten zaghaften Torannäherungen. Dass Fußball ein einfaches Spiel ist, zeigt sich immer wieder, wenn man international auf eigentlich limitiertere Teams trifft, die es schaffen, dem VfB durch eine solide Grundordnung den Zahn zu ziehen. Nach einer Viertelstunde hatten die Dänen die erst Großchance des Spiels, als sich Gentner und Tasci nicht einig waren, doch der seit Wochen solide spielende Sven Ulreich parierte glänzend. Auch nach gut 35 Minuten hatte der VfB bis auf zwei, drei zaghafte Torannäherungen nichts Nennenswertes zustande gebracht. Harmlos, wenig kreativ, nicht zielstrebig genug, Ballverluste im Spielaufbau und wenn mal freie Schussbahn war, kamen Schüsschen heraus, über die auch ein Kreisliga-B-Keeper nur milde gelächelt hätte.
Action gab es dann (leider) auf den Rängen anstatt auf dem Spielfeld. Angefangen hat es relativ harmlos mit einer Pyroshow. Als Stadionfotograf liebe ich solche Bilder und bin auch bei denen, die eine Legalisierung des kontrollierten Abbrennens fordern. Es macht die Stadionatmosphäre noch bunter und lebhafter und ist ein Stilmittel der Fankultur, wenn verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Nichts anderes fordern ja die Ultravertreter. Ich für meinen Teil fühle mich beim Stadionbesuch nach wie vor sicher und muss ja nicht mittendrin stehen, wenn ich Ängste hegen sollte, mich könnte so ein Teil verletzen. Was aber überhaupt nicht geht sind die danach abgefeuerten Feuerwerkskörper und das zünden von Böllern. Ein jeder wird es an Silvester schon einmal erlebt habe, welch Ohrensausen, bis hin zum Knalltrauma, ein in unmittelbarer Nähe abgefeuerter Böller verursachen kann. Trauriger Höhepunkt waren dann aber die Feuerwerksraketen, die vom Stadiondach abprallten und aufs Spielfeld fielen. Nicht auszudenken, wenn jemand davon getroffen worden wäre und Verbrennungen davon getragen hätte. In diesem Moment schämt man sich einfach nur noch für eine kleine Gruppe Unverbesserlicher, die unsere Stadt, unseren Verein, unser Wappen zutiefst beschädigen und in den Dreck ziehen. Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden können. Lange musste man mit einem Spielabbruch rechnen, dazu kam es Gott sei Dank nicht. Dass dem VfB die Punkte am grünen Tisch entzogen werde könnten, diese Befürchtung hege ich nicht. Nach meinem Kenntnisstand sind wir international nicht vorbestraft. Den VfB wird voraussichtlich eine hohe Geldstrafe und uns Fans womöglich in Bukarest strengere Einlasskontrollen und sonstige Restriktionen drohen. Das Commando Cannstatt hat sich inzwischen klar und deutlich von den Raketen- und Böllerabschüssen in Richtung Rasen distanziert und verwies auf den von der Ultra-Szene auferlegten Ehrenkodex, eben keine brennenden Gegenstände aufs Spielfeld zu werfen bzw. schießen und keine Böller zu zünden. Laut einiger Zeugenberichte besteht der Verdacht, dass diese Gegenstände überhaupt nicht von VfBlern sondern möglicherweise von Lauterer und Cottbusser „Fans“ geworfen wurden, die eine „Freundschaft“ zu Stuttgarter Althools hegen und mit denen im Stadion zugegen waren. Solche Gruppen sind meist auf der großen internationalen Bühne anzutreffen, so z. B. auch letztes Jahr beim EM-Qualifikations-Spiel Österreich-Deutschland in Wien. Ob dies damit zusammenhängt, dass einige derer in Deutschland Stadionverbot haben oder ob es darum geht im Ausland einen auf dicke Hose zu machen, weiß ich nicht, da ich in solchen Kreisen nicht verkehre. Fakt ist aber auch, dass sie die Karten durch beim VfB registrierte Fans erhalten haben müssen. Diese müssen sich fragen lassen, ob ihnen der VfB tatsächlich am Herzen hängt.
Die Aussagen dazu nach dem Spiel von Manager Bobic und Präsident Mäuser machen mir Hoffnung, dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt nach der Tat die Aufklärungsarbeit weit voran geschritten sein könnte, da beide sehr wohl zu differenzieren wussten und nicht auf „DIE Fans“ eingedroschen haben. Irritiert hat mich lediglich die Aussage von Mäuser, die dem Fanausschuss für den Fall ausbleibender Randale zugesicherten 15.000 Euro „hätten sie verspielt“. Vermutlich war es eine Gruppe von etwa 25 Leuten, also 1% der VfB-Anhänger, die das Image zutiefst beschädigten. Alle anderen, wirklich alle, gaben ein großartiges Bild in der dänischen Hauptstadt ab. Ich bin gottfroh, dass auch bei diesen Vorfällen die dänischen Ordnungs- und Sicherheitskräfte kühlen Kopf bewahrten und nicht planlos den Block gestürmt haben. Großen Respekt für diese Besonnenheit.
Ich habe mich unheimlich geschämt in diesen Momenten, weil mir sofort klar war, dass es, egal wie das Spiel ausgehen würde, diese Bilder sein würden, die in die Welt transportiert werden. Und das zur Unzeit. Wasser auf die Mühlen derer, die Käfighaltung für Fans fordern und möglichst alles abschaffen möchten, was den Stadionbesuch so einzigartig macht. Absolut kontraproduktiv für die Debatten um den Erhalt der Fankultur. Und das Traurige daran ist, dass sich diejenigen, die darum kämpfen, nicht einmal an die eigene Nase fassen müssen, sondern, offensichtlich, von Leuten konterkariert werden, denen es ausschließlich um die „3. Halbzeit“ geht. Bin immer noch stinksauer.
Danach war an ein ordentliches Fußballspiel kaum mehr zu denken. Wir schämten uns ob der Vorfälle und diskutierten, ob der Ausgang des Spiels womöglich letztendlich egal sein würde, weil uns ein möglicher Sieg sowieso wieder aberkannt werden könnte. Ich war in dieser Hinsicht weniger skeptisch als einige Bekannte, da beim VfB doch relativ wenig passiert. Wenn die UEFA solch harte Geschütze auffahren würde, müssten wahrscheinlich in jeder Runde Spiele am grünen Tisch umentschieden werden. Klar ist aber auch, dass so etwas nie mehr vorkommen sollte, um die UEFA nicht weiter herauszufordern. Rapid Wien hatte nach mehreren Verfehlungen seiner Fans anfangs dieser Saison ein Geisterspiel auszutragen. Wie gesagt, ich hoffe, Zeugenaussagen tragen dazu bei, die Täter ausfindig zu machen, dass diese zur Rechenschaft gezogen und zur Kasse gebeten werden können. Wie von mehreren Seiten kommuniziert, wird am Montag der Fanausschuss turnusgemäß zusammen kommen und auch (natürlich) über diese Vorfälle beraten. Hoffentlich wird der interessierten Öffentlichkeit das Ergebnis der Zusammenkunft nicht vorenthalten.
Das Spiel fand dann irgendwann doch seine Fortsetzung. Der für mich erste ernsthafte Torschuss stellte eine Kopfballchance von Okazaki in der Schlussminute der ersten Halbzeit dar. Eindeutig zu wenig in einem Spiel, das unbedingt gewonnen werden muss.
Nach Presseberichten sollen die Böllerwerfer in der Halbzeit schon das Weite gesucht haben, soviel dazu, wie viel diesen Feiglingen das Geschehen auf dem Rasen wert war.
Nach Wiederbeginn auf dem Platz das unveränderte Bild. Kaum zwingende Aktionen, beide Teams neutralisierten sich weitestgehend. Nach 65 Minuten, also bereits 155 gespielten Minuten beider Mannschaften stand noch immer auf beiden Seiten die Null, als Labbadia Boka für den dieses Mal wirkungslosen Traoré brachte. Ein Wechsel, den ich erst einmal überhaupt nicht mitbekam, wurde doch auf den Rängen weiter heftig diskutiert.
Schon bald aber erkannte ich unseren kleinen Ivorer auf dem Platz, da über dessen linke Seite auf einmal merklich mehr lief. Boka war unheimlich präsent, zog auch in die Mitte und versuchte zum Torabschluss zu kommen. Ihm war deutlich anzumerken, dass er sich etwas vorgenommen hatte. So war es schließlich kein Zufall, dass er es war, der knapp eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung punktgenau auf unseren Knipser Vedad Ibisevic flankte und dieser per Kopf zum 0:1 traf. Ein Tor, an das ich fast nicht mehr zu glauben wagte. Kurz zuvor stieg noch einmal Rauch aus dem Ultrablock auf. Hier denke ich, haben sich die Jungs selbst diszipliniert, und den Bengalo vorsichtshalber gleich wieder gelöscht haben, um nicht weiteren Ärger zu provozieren. Bravo, wenn die Selbstreinigung soweit funktioniert.
Kurz vor Spielende erlöste uns unser Ösi Martin Harnik, als er von seiner rechten Seite nach innen zog und sehenswert ins lange Eck schlenzte. 0:2, der so sehr ersehnte erste Sieg in der Europa League war unter Dach und Fach. Dieser Sieg spült uns in der Tabelle auf den zweiten Platz, was uns wieder alle Möglichkeiten eröffnet. Selbst der Gruppensieg ist jetzt noch drin, wenn in Bukarest gewonnen werden sollte. Der Mannschaft war es nach den Vorkommnissen und der aufgeheizten Atmosphäre (auch die Dänen ließen sich anstecken und warfen Feuerzeuge in Richtung Sven Ulreich) nicht nach großer Party vor der VfB-Kurve, wofür ich an diesem Tag vollstes Verständnis hatte. Die Spieler liefen kurz an uns vorbei und klatschten uns zu, danach verschwanden sie im Bauch des Stadions. Einzig der Ex-Kopenhagener William Kvist war ein gefragter Gesprächspartner und eilte von Kamerateam zu Kamerateam. Alles in allem also ein erfolgreicher Abend mit einem VfB, der zumindest vom Ergebnis her, den Aufwärtstrend unterstrich.
Sehr überrascht war ich dann, dass die im Flyer vorher angekündigte „mögliche“ Blocksperre nicht angewandt wurde und wir sofort das Stadion verlassen durften. Auch hier Kompliment an die Dänen, sowohl Fans als auch Sicherheitskräfte, die trotz der Vorfälle, genau so liberal, freundlich und hilfsbereit waren wie zuvor. Kein böses Wort, kein Gepöbele, auch hier noch einmal Respekt von meiner Seite. Wir wollten dann auf schnellstem Weg in die Stadt zurück, möglichst nicht mehr viel laufen und nahmen, nachdem auch in einer gefühlten Ewigkeit kein Bus kam, ein Taxi und fuhren direkt zu Streckers – Vesterbro Bryghus in der Nähe des Tivoli und des Hauptbahnhofs, wo bereits einige andere unserer Clique auf uns warteten. Dort verbrachten wir noch einen netten Abend, und trafen weitere Bekannte, die die Nacht noch in der Stadt verbrachten, was mich sehr freute.
Am Freitag ging es dann wieder zurück, drei Punkte im Gepäck und die Erkenntnis, dass einige wenige Idioten, die mit dem VfB rein überhaupt nichts am Hut haben (dazu zähle ich auch die, die denen die Karten besorgt haben!), einem einen solchen Trip vermiesen oder zumindest ein bitteres Gschmäckle verpassen können.
Jetzt bin ich froh, dass mein Bericht Sonntag um die Mittagszeit fertig geworden ist. Rechtzeitig noch, um ab sofort die Vorbereitungen für das Hannover-Spiel aufnehmen und mich frühzeitig bei unserem Treffpunkt im SSC einfinden zu können.
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4. November 2012
Nach Dortmund ging es mal wieder, zum ersten Mal in dieser Saison, mit dem Bus und dem RWS Berkheim. Anders als beim Freitag-Abendspiel in der letzten Saison und dem sensationellen 4:4, als wir aufgrund des all freitäglichen Wahnsinns auf den deutschen Autobahnen erst 10 Minuten vor Spielbeginn aus dem Bus stiegen, sollte dieses Mal alles reibungslos laufen. Abfahrt in Berkheim war um 7 Uhr. Auf der Strecke ins Ruhrgebiet war lediglich ein kleinerer Stau zu verzeichnen, so dass wir schon gegen 13.30 Uhr in Dortmund eintrafen und dem obligatorischen Brinkhoff’s im Biergarten des Stadion Rote Erde nichts im Wege stand. Obligatorisch deshalb, weil ich es mir ungern entgehen lasse, wenn ich im Fußballtempel schlechthin zu Gast bin. Dort vereint sich gelb-schwarz und weiß-rot, ohne dass es irgendwelchen Ärger gibt. Dass wir nicht unbedingt Freunde sind und beide Teams und damit auch die Fans aufgrund der Tabellensituation unter Druck stehen und dem Gegner, zumindest an diesem Tag, nichts Gutes wünschen, ist doch normal. Alles läuft aber auf einer vernünftigen und nicht feindschaftlichen Ebene ab, so dass man sich dort als weiß-rote Minderheit nicht unwohl fühlen muss. Nach den letzten Auftritten vom VfB gegen den BVB 09 schlug uns Respekt entgegen, die Dortmunder zeigten sich keineswegs siegessicher, ist doch auch beim Deutschen Meister im Herbst 2012 noch zu viel Sand im Getriebe.
Letzte Saison noch hatte ich Stehplatz, was angesichts unserer späten Ankunftszeit eine recht ungemütliche Angelegenheit war, kamen wir doch kaum mehr in den Stehbereich hinein. So entschied ich mich dieses Mal für einen Sitzplatz der teuren Kategorie. Der Platz an sich war gut, leider jedoch nicht ganz, wie ich ihn mir erhoffte, nämlich seitlicher zu unserem Fanblock. So konnte ich davon lediglich vor dem Spiel ein paar Bilder schießen. Vorteil dieser Platzkategorie war aber, dass ich einen anderen Eingang, nämlich den im Bereich Nordost, zu nehmen hatte und die Einlasskontrollen dort erfahrungsgemäß lascher sind, als im Bereich der Ultras. Aufgrund des Einsatzes von Pyrotechnik beim BVB in den letzten beiden Jahren, war mit strengen Kontrollen zu rechnen. Es waren weder Megaphon, Trommel noch Fahnen, geschweige denn Taschen und Rücksäcke erlaubt. So hatte ich es auch nicht besonders eilig hinein zu gelangen, genoss noch ein wenig die Zeit im Stadion Rote Erde und fachsimpelte mit Dortmundern und Stuttgarter Bekannten über den Saisonverlauf unserer beiden Teams.
Der VfB scheint sich ja tatsächlich zu stabilisieren. Zehn Punkte aus den letzten vier Spielen, langsam kann es kein Zufall mehr sein! Maßgeblich geht dieser Aufwärtstrend mit der Systemumstellung (Kvist alleiniger 6er) und der Hereinnahme von Raphael Holzhauser einher. Seit seinem Startelfdebüt in Nürnberg hält die Serie. Anders als die Dortmunder, die in Gesprächen gestern Tamas Hajnal großen Respekt zollten und ihn sogar teilweise gerne noch in ihren Reihen hätten (!), kräht bei uns kein Hahn mehr nach ihm. Allerdings haben sie natürlich eher seine Leistungen von vor vier Jahren in Erinnerung, unsere sind natürlich frischer. Hajnal machte zuletzt den Eindruck, dass er dem Tempo, Stichwort schnelles Umschaltspiel, nicht mehr standhalten kann und er seinen Zenit überschritten hat. Holzhauser wirkt gedanklich frischer und antizipiert Situationen schneller. Natürlich ist er ein junger Spieler, der Fehler macht und noch vieles lernen muss. Dennoch macht er mir zurzeit unheimlich Spaß. Weniger spaßig gestern allerdings seine Situation gegen Sebastian Kehl, der sich einen Nasenbeinbruch zuzog. Holzhauser war in der Szene mit Gelb sehr gut bedient und hätte sich über einen Platzverweis nicht beschweren dürfen. Hier bewies Schiri Zwayer das viel zitierte Fingerspitzengefühl und beließ es bei einer Verwarnung. Meiner Meinung nach reichte dieses Strafmaß aus, da man Holzhauser keine Absicht unterstellen konnte. Es war eine dumme Aktion, so darf er einfach nicht mit dem Ellenbogen ausholen. Dennoch empfinde ich es als äußerst unfair, wenn Trainer Klopp und Manager Zorc lautstark „rot“ fordern und auf die VfB-Bank und den vierten Offiziellen losgehen. Dem ganzen die Krone setzte dann noch Stadionsprecher, oder besser Dampfplauderer Norbert Dickel (warum schlägt mir die Rechtschreibprüfung hier Dackel vor?) auf, der sich in der Halbzeitpause anmaßte, zu fordern, wie solche Aktionen zu bewerten sein sollten. Für mich ein No-Go, während des Spiels den Versuch zu unternehmen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Absolut unfair!
Wir sahen im Westfalenstadion vor 80.645 Zuschauern, darunter rund 6.200 Schwaben, ein absolut intensives Spiel mit Haken und Ösen und den besseren Chancen für Dortmund. Dennoch verstand es der VfB immer wieder selbst Nadelstiche zu setzen und den Raum zu nutzen, den die Dortmunder anboten. Mit etwas mehr Glück am Ende, hätte der VfB auch das Siegtor erzielen können. Dortmund hatte Glück, dass der Schiedsrichter beim Foul von Hummels gegen Ibisevic nicht auf Elfmeter entschied. Womöglich spielte dabei eine Rolle, dass sich Ibisevic nicht fallen ließ, weil er trotzdem das Tor machen wollte. Auf der Gegenseite parierte Ulreich einige Male glänzend und hielt den VfB im Spiel.
Für mich war es alles in allem ein leistungsgerechtes Unentschieden, mit dem der VfB gut leben kann. In Zeiten der Dreipunkteregelung bin ich zwar kein Freund von Punkteteilungen, da weder Fisch noch Fleisch und man mit Remis‘ in der Tabelle nicht vom Fleck kommt. Wenn man aber dem deutschen Meister vor einer großartigen Kulisse auswärts einen Punkt abtrotzt, fühlt sich das trotzdem geil an. Der VfB zählt zweifellos zu den Angstgegnern der Borussen. Es war das vierte Remis beider Teams gegeneinander in Folge, sowie das vierte Remis im Westfalenstadion in Folge. Der VfB war der einzige Verein, den die Dortmunder in ihrer grandiosen letzten Meistersaison nicht bezwingen konnten. Auch die Befürchtung, die VfB-typisch gewesen wäre, dass unser Ex-Spieler Julian Schieber uns einen einschenken könnte, bewahrheitete sich nicht, da Sven Ulreich glänzend gegen ihn parieren konnte.
Ulreich wird von der Öffentlichkeit und vielen VfB-Fans einmal mehr in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gerückt. Bei aller Wertschätzung für ihn. Ich bin froh, dass Ulle, der das VfB-Wappen wie kein anderer Spieler mit Stolz trägt, beim VfB spielt und langsam auch wieder zu alter Stärke findet. Dennoch hat auch er Schwächen, an denen er weiter arbeiten muss. Gegen die Bayern leitete er das 1:1 ein, als er einen Schuss Müller vor die Füße abklatschte, auch gestern gab es in der Anfangsphase eine ähnliche Situation, die ins Auge hätte gehen können. Auch seine Spieleröffnung ist weiter stark verbesserungswürdig, was aber seine zuletzt gezeigten Leistungen nicht schmälern soll. Gestern war er, wie auch letzte Woche gegen Frankfurt, letztendlich der Garant dafür, dass wir drei bzw. einen Punkt(e) ergattern konnten. In der Nationalmannschaft allerdings dürfte es schwer für ihn werden. An Neuer führt (noch) kein Weg vorbei, Adler, der uns noch die Qualifikation zur WM 2010 rettete und dann durch eine schwere Verletzung aus der Bahn geworfen wurde, drängt mit Macht wieder ins Team. Dann stehen ja noch junge Leute wie Zieler, ter Stegen und Leno hintenan. Zumindest vor den Letztgenannten braucht sich Ulle gewiss nicht zu verstecken. Diese haben allerdings den Vorteil, dass sie bereits zum Kreis gehören und Ulle erst noch dazu stoßen muss. Dies dürfte nur durch eine beispiellose Verletzungsmisere gelingen, die man Jogi Löw nicht wünschen mag. Luxusprobleme auf der Position des Torhüters gab es in Deutschland schon immer, daher ist es auch kein Beinbruch oder mangelnde Wertschätzung, wenn ein hervorragender Torwart nicht zu Nationalmannschaftsehren kommen sollte. Um in diesen erlauchten Kreis zu gelangen, benötigt man etwas Glück und muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Daher liegt Sven Ulreich auch richtig, wenn er sich weiter nur auf den VfB konzentrieren möchte, weil er die Nationalmannschaftsberufungen sowieso nicht beeinflussen kann.
Für den VfB geht es am Donnerstag in der Europa League beim FC Kopenhagen weiter. Nach lediglich zwei Punkten aus drei Spielen muss aus VfB-Sicht ein Sieg her, um sich die Möglichkeit offen zu halten, ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Mit den zuletzt gezeigten Leistungen dürfte der VfB mit dem nötigen Selbstvertrauen anreisen. Im Hinspiel tat sich der VfB gegen die gut organisierte dänische Defensive sehr schwer, hätte aber einen Elfmeter bekommen müssen und somit einen knappen Sieg verdient gehabt. Vielleicht kehrt das Glück ja in Kopenhagen zurück. In dieser Gruppe wäre ein Ausscheiden schon blamabel und sehr ärgerlich. Mit einem Kraftakt in der letzten Rückrunde qualifizierte man sich für diesen Wettbewerb, der nach Vereinsaussagen auch fürs Renommee enorm wichtig ist. Wir Fans müssen durch die Teilnahme an diesem Wettbewerb einiges hinnehmen, wie z. B. unchristliche Anstoßzeiten, Donnerstag 21.05 Uhr, sowie enorm vieler Sonntagspiele (Pro Samstag 15:30). Allerdings gibt uns die Teilnahme ja auch etwas, z. B. Auswärtsreisen in Länder, in die man sonst nicht unbedingt reisen würde, wie nächste Woche Dänemark und zwei Wochen später Rumänien. Schön wäre es daher, wenn endlich auch die Resultate stimmen würden und man sich auch mal einen Blick auf die Tabelle gönnen könnte. Daher hoffe ich sehr auf einen Sieg bei den heimstarken Dänen, damit wir noch hoffnungsfroh nach Bukarest fliegen können, und nicht, dass es schon dort um nichts mehr geht. Die Mannschaft macht auf mich einen motivierten Eindruck, auch in diesem Wettbewerb noch etwas reißen zu wollen. Sie müssen einfach ihre Torchancen noch konsequenter als zuletzt nutzen, dann bin ich sehr optimistisch, dass die auch in Dänemark zahlreich anwesenden Schwaben das Team zum Sieg schreien werden und Kopenhagen am Donnerstag in weiß-rot erstrahlen wird.
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