20. Dezember 2012

Der Tanz auf drei Hochzeiten geht weiter!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:56

Das letzte Spiel des Jahres war ein Spiegelbild der Vorrunde. Wenig souverän schleppten sich die Brustringträger zum Sieg, das Spiel stand auf des Messers Schneide, einmal mehr dürfen wir uns bei Sven Ulreich bedanken, dass wir im DFB-Pokal überwintern.

So stehen unter dem Strich 25 Punkte in der Bundesliga, mit Tuchfühlung zu den Championsleagueplätzen, der Einzug ins Sechzehntelfinale in der Europa League, wo mit Genk eine lösbare Aufgabe wartet und dem Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal, wo die Hürde zum Halbfinale auch nicht besonders hoch zu sein scheint. So gesehen eine erfolgreiche Halbserie, eine der besten in den letzten Jahren.

Wenn denn die oftmalige spielerische Armut nicht wäre. Hier ist noch viel Luft nach oben. Schaun wir mal, ob uns das Christkind noch eine Verstärkung unter den Baum legt. Große Hoffnungen hege ich in die Rückkehr von Daniel Didavi, der jetzt die große Chance haben wird, sich als Stammspieler zu etablieren und unser Kreativspiel zu beleben.

Maza wird uns wohl verlassen, in dieser Personalie sehe ich, wie Fredi Bobic auch, keinen großen Bedarf nachzurüsten, möchte man den Talenten Antonio Rüdiger, Benedikt Röcker sowie Patrick Bauer, der im Sommer zurück kommt, den Weg nicht verbauen. Es tut sich also etwas bei den Jungen Wilden reloaded. Auch Raphael Holzhauser hat einen großen Schritt nach vorn gemacht, auch wenn er sich im Klaren sein muss, dass er gerade im Defensivverhalten noch sehr viel lernen muss. In dem Karrierestadium, in dem sich Holzhauser befindet, entscheidet sich, ob er das Zeug zum Großen hat, indem er den Ehrgeiz an den Tag legt, sich stetig zu verbessern oder ob er sich damit zufrieden gibt, dass er in der Bundesliga angekommen ist. Wie ich Bruno Labbadia kennen gelernt habe, wird er gerade dies nicht dulden, so dass sich ein vermeintlicher Himmelsstürmer schneller wieder bei den Amateuren wiederfinden könnte, als er denkt.

Ob uns weitere Abgänge bevorstehen bleibt abzuwarten. Kuzmanovic ist ja immer wechselwillig, er sollte eben auch einmal einen Verein bringen und nicht nur Sprüche klopfen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Fredi gesprächsbereit wäre und ihn womöglich sogar für nen Appel und ein Ei gehen lassen würde, alleine schon um ihn von der Gehaltsliste zu bekommen und einen Unruheherd weniger im Team zu haben. Sportlich wäre er kein allzu großer Verlust, außerdem ist er im Sommer sowieso weg.

Der Kader ist groß genug, diesen „Verlust“ aufzufangen, ein gewisses Risiko ist trotzdem immer dabei, wenn man auf lauter Grünschnäbel setzt. Meiner Meinung nach ist dieser Weg dennoch der richtige für den VfB, der sich momentan wohl immer noch keine gestandenen Spieler, die uns sofort weiter helfen, leisten kann.

Jetzt ist erst einmal Pause. Zeit zum Durchatmen, für Fans und Spieler. Das Team kam schon seit Wochen auf dem Zahnfleisch daher, umso wichtiger wird es sein, dass die Mannschaft in der Weihnachtspause den Akku wieder auflädt, um im Trainingslager in der Türkei wieder voll angreifen zu können. Wenn auf diese (spielerisch) durchwachsene Vorrunde eine erneut traditionell starke Rückrunde folgen sollte, ja, träumen ist erlaubt, wer weiß, was dann alles drin ist im Jahr 2013.

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9. Dezember 2012

Ibisevic trifft dreifach

Meine Vorfreude auf die Partie gegen Schalke hielt sich zunächst noch in Grenzen. Zu tief sitzt noch immer der Stachel der Darbietungen der letzten Wochen, steht der VfB im Frühwinter 2012/2013 doch eher für fußballerische Magerkost denn für spielerisches Feuerwerk. Natürlich stimmen unter dem Strich die Ergebnisse, auch und besonders die in den letzten zehn Tagen errungenen. Zunächst siegte man 2:1 gegen den FC Augsburg in einem Spiel, in dem das Schlusslicht der Liga den VfB phasenweise an die Wand spielte, jedoch untermauerte, weshalb die bayerischen Schwaben ganz unten stehen – sie trafen eben das Tor nicht. Dann siegte man in Unterzahl in Fürth, beim Co-Schlusslicht, auch hier hatte der VfB den rechten Gegner zur rechten Zeit. Es genügte eine den Temperaturen angemessene unterkühlte Leistung und ein Tor zum Sieg, da alles Anrennen der Franken eher kopflos erfolgte und der VfB somit wenig Mühe hatte, den knappen Sieg über die Zeit zu retten.

Und dann schließlich der fußballerische Offenbarungseid gegen Molde FK, ein Team, das in den letzten 10 Jahren außer den beiden Siegen gegen den VfB international überhaupt keine Erfolgserlebnisse feiern konnte und das direkt aus dem Urlaub kam, da in Norwegen die Saison bereits seit dem 18.11. beendet war. Klar, es ging gegen den frischgebackenen norwegischen Meister, trotzdem, mit Verlaub, darf man in einem solchen Spiel nicht doch ein bisschen mehr erwarten, auch wenn unter dem Strich das Weiterkommen stand? Wir dürfen uns bei Steaua Bukarest bedanken, die in Unterzahl in Kopenhagen ein 1:1 erkämpften und das, obwohl sie bei der VfB-Niederlage auf jeden Fall weiter gewesen wären. Hut ab!

Müssen wir als Fans zufrieden sein, wenn wir aufgrund der Ergebnisse auf anderen Plätzen ein Ziel durch die Hintertür noch erreicht haben, das bis zum Schluss am seidenen Faden hing? Ich denke nein! Alle klagen über das mangelnde Zuschauerinteresse in der Europa League. Gerade unter diesen Umständen muss das Team doch bestrebt sein, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Stattdessen hatte man bei den VfB-Verantwortlichen lange Zeit nicht den Eindruck, dass sie selbst richtige Begeisterung für diesen Wettbewerb aufbringen können, sagte doch Bobic vor der Partie in  Molde, die Bundesliga wäre das täglich Brot, und die Europa League eher unwichtiger. Schon vor der Saison warf er in die Runde, die Europa League würde von den Fans nicht angenommen werden, was ja durchaus der Wahrheit entspricht, trotzdem ist es eine unkluge Marketingstrategie, wenn man Tickets an den Mann bringen möchte, den Fans aber gleich ein Alibi liefert, die die Europa League Spiele meiden. Auch ich hätte mir attraktivere Gegner in der Gruppe gewünscht, große Namen und Teams, die den Gästeblock füllen und somit ein wenig mehr internationales Flair durchs Neckarstadion wehen würde.

Leider war das nicht der Fall, alle drei Heimspiele waren mehr oder weniger trostlose Veranstaltungen ohne einen einzigen Heimsieg, die den Daheimgebliebenen also noch Recht gaben, sich diese Spiele nicht angetan zu haben.

Dass nach der peinlichen Schlappe gegen Molde, trotz des Weiterkommens, keine Jubelarien aufkommen würden, dürfte doch auch den Protagonisten auf dem Rasen klar gewesen sein. Wer gegen eigentlich harmlose Norweger wie eine Schülermannschaft in einen Konter läuft, wer gegen sie in zwei Spielen kein Tor zustande bringt, muss sich auch Kritik gefallen lassen. Meiner Wahrnehmung nach hielten sich die Pfiffe am Donnerstag schwer in Grenzen. Auslöser des Vogels, den Martin Harnik uns Fans zeigte, war aber wohl, dass der Gassenhauer „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“ angestimmt wurde und dieser Sarkasmus nach Auffassung der Spieler nicht angebracht sei.  Ich kann zwar nicht mit Gewissheit sagen, seit wann dieser Song bei internationalen Spielen gesungen wird, gefühlt aber schon zu einer Zeit, als die meisten unserer Spieler noch in den Kindergarten gingen. Dass ein Martin Harnik, der seit Monaten auf der Suche nach seiner Form der Vorsaison ist, sich das Recht herausnimmt den wenigen anwesenden Fans als Dank fürs Kommen noch den Vogel zu zeigen, dass ein Georg Niedermeier, der gegen Molde unerklärliche Anfängerfehler fabrizierte, sagen darf „Zuschauer, die nur zum pfeifen kommen, sollen zu Hause bleiben“ und diese Aussagen von den Verantwortlichen sogar noch goutiert werden, zeigt, welche Kluft inzwischen zwischen den Fans und der Mannschaft liegt und wie weit sich die Hauptdarsteller auf dem Rasen inzwischen von der Basis entfernt haben. Klar fordern wir Emotionen und sehen es durchaus gerne, wenn manche Spieler nicht alles so über sich ergehen lassen. Hier aber schossen alle über das Ziel hinaus, zumal die Vereinsseite auch, nachdem eine Nacht über diese Geschehnisse geschlafen wurde, nicht von ihrer Meinung abrückten. Den Vogel zu zeigen stellt durchaus den Tatbestand der Beleidigung dar und ist fast dem Mittelfinger eines Stefan E. aus M. gleichzusetzen, der seinerzeit daraufhin von der WM 1994 in den USA ausgeschlossen wurde.

Seit Mr. Jähzorn Mäuser auf dem Wasen das Zepter schwingt, ist der Umgangston merklich rauer geworden. Nicht von ungefähr verlassen Leute auf wichtigen Positionen in einer Häufigkeit den Verein, die Ihresgleichen sucht.  So passt es ins Bild, dass die Angestellten die zahlende Kundschaft beleidigen dürfen und von ihren Chefs auch noch Beifall dafür erhalten.

Ich möchte dabei diesen Vorfall keineswegs überbewerten, habe aber kein Verständnis dafür, dass von Vereins- und Spielerseite kein Wort der Entschuldigung über die Lippen kam und dass, nach dem Spiel gegen Schalke, das gesamte Stadion abgestraft wurde, anstatt sich für die Unterstützung in der Vorrunde zu bedanken, schließlich war es das letzte Bundesligaheimspiel im Jahre 2012.

Nach der Darbietung und den Vorfällen nach dem Spiel gegen Molde, hatte ich ehrlich gesagt zunächst keinen großen Bock, bereits 41 Stunden später erneut in die bitterkalte Arena zu pilgern. Was mich sportlich zu erwarten hatte, in dieser Hinsicht war ich zwiegespalten. Zum einen grenzt es natürlich an Wettbewerbsverzerrung, wenn Schalke zwei Tage mehr Pause hat und wir der einzige Europaleague-Starter mit einer solch kurzen Regenerationsphase waren. Zum anderen war mir ein Spiel vor einigen Jahren in Erinnerung, in dem wir Werder Bremen nach genau so kurzer Erholungsphase mit 4:1 vom Platz gefegt hatten, was zeigte, dass es durchaus Kopfsache ist, wie man eine solche Situation annimmt. Schalke kam mit zuletzt drei Auswärtsniederlagen in Folge  im Gepäck auch nicht gerade mit sehr breiter Brust ins Neckarstadion. Auf der anderen Seite war mir natürlich auch klar, dass mit einer ähnlich emotionslosen und schwachen Vorstellung wie gegen Molde gegen die Knappen nichts zu holen sein würde.

Die Schalker reisten wie gewohnt mit einem zahlreichen und lautstarken Anhang an, die, wie die VfB-Fans erneut 12 Minuten, 12 Sekunden schwiegen, um letztmals gegen das DFL-Sicherheitskonzept zu protestieren, das am 12.12.12. verabschiedet werden soll.

Das Spiel hatte kaum begonnen, da zappelte der Ball bereits im Netz des von unserem Meisterkeeper Timo Hildebrand gehüteten Tores. Boka, der anstelle des zuletzt schwachen Molinaro spielte, dribbelte sich durchs Schalker Mittelfeld, schaffte so Raum für Traore, der seine Schnelligkeit ausspielte und in der Mitte mustergültig unseren Knipser Vedad Ibisevic bediente. Dieser hatte mit seinem achten Saisontreffer keine große Mühe mehr und überwand Timo Hildebrand erstmals. Für Hildebrand war es das erste Spiel gegen den VfB, in seiner Zeit beim SAP-Werksclub fehlte er gegen den VfB stets krank oder verletzt… Das Spiel konnte für den VfB also nicht besser beginnen und man traute seinen Augen kaum, dass der gleiche VfB, der am Donnerstag noch knapp ins Sechzehntelfinale stolperte, plötzlich herzerfrischend und mit Elan nach vorne spielte. Es zeigte sich mal wieder allzu deutlich, dass es dem VfB deutlich mehr liegt, wenn es gegen einen Gegner mit  eigenen Ambitionen geht. Die Schalker wollten ihrerseits natürlich heraus aus der Negativspirale und waren relativ offensiv ausgerichtet, was dem VfB in die Karten spielte und Räume eröffnete. Leider gelang es nicht den Vorsprung zu halten. Marica war nach Flanke von Jones und Stellungsfehler von Niedermeier zur Stelle und netzte mutterseelenallein zum 1:1 ein, Gott sei Dank der einzige Grund zum Jubel für königsblau. Die Schalker erhöhten zwar daraufhin etwas den Druck, kamen aber nur Halbchancen. Der letzte Pass kam nicht an, so dass von Huntelaar zum Glück so gut wie nichts zu sehen war.  Nach einem ungeschickten Rempler von Jones gegen Gentner entschied Schiri Zwayer zu Recht auf Strafstoß für den VfB. Trotz seiner Fehlschüsse vom Punkt gegen Wolfsburg und Fürth, wo er allerdings als Gefoulter selbst schoss, schnappte sich erneut Ibisevic die Kugel und hämmerte diese in die von ihm aus gesehen rechte Ecke. Hildebrand ahnte zwar die Ecke, hatte aber gegen die Wucht des Balles keine Chance. Kurze Zeit später hätte Harnik im eins gegen eins mit Hildebrand noch die Chance zum 3:1, vergab aber, wie schon gegen Molde kläglich, und schoss Hildebrand direkt in die Arme.

Besser machte es nach einer guten Stunde Raphael Holzhauser, dessen Schuss wuchtiger war, so dass Hildebrand vor die Füße von Ibisevic abklatschte und dieser bei seinem dritten Treffer erneut keine große Mühe hatte. Der Dreierpack von Vedad bedeutet für ihn die Führung in der Torjägerliste mit zehn Vorrundentreffern und die Vorentscheidung im Spiel. Bedenken kamen dann aber doch noch einmal auf, als Sakai mit einer in der Heftigkeit unnötigen Grätsche von hinten gegen Holtby vom Platz flog. Dieser Aktion ging jedoch ein nicht geahndetes Handspiel eines Schalkers voraus, so dass man dennoch von einer fragwürdigen Entscheidung sprechen konnte. Als dann jedoch wenige Minuten später Rüpel Jermaine Jones nach überhartem Einsatz gegen den wiederum sehr engagierten Ibrahima Traore ebenfalls den roten Karton vor die Nase gehalten bekam, war wieder alles im Lot und der VfB hatte kaum Mühe mehr, das 3:1 über die Zeit zu bringen. Im Gegenteil, kurz vor Schluss hätte Antonio Rüdiger fast noch sein Tordebüt gefeiert, scheiterte aber am Pfosten. Am Ende stand ein verdienter Sieg und Punktgleichheit mit den zu Beginn der Saison so hoch gewetteten Schalkern. Eigentlich unglaublich, wie der VfB da steht, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Punkte regelrecht verschenkt wurden. Wie bereits angesprochen, hielt es die Mannschaft nicht für nötig, sich gebührend aus der Bundesligahinrunde zu verabschieden. Nach einem kurzen Gang in Richtung der Cannstatter Kurve drehten sie auch schon wieder ab. Die anderen Tribünen waren komplett außen vor und wurden keines Blickes gewürdigt. Bei den meisten anderen Vereinen, wo die Spieler rund ums Stadion, ob bei Sieg oder bei Niederlage, eine Runde drehen und alle vier Tribünen mit Applaus bedenken, sicherlich undenkbar, aber bei uns macht eben jeder sein Ding, das er für vertretbar hält.

Meine Euphorie hält sich somit auch in Grenzen, trotz der respektablen 25 Punkte, trotz der Tuchfühlung nach oben, trotz des Abstands von 13 Punkten auf den Relegationsplatz.

Kommenden Samstag in Mainz geht es dann weiter, dort fehlt dann schon (mindestens) die Hälfte unserer Viererabwehrkette. Ich denke, für Sakai bekommt Rüdiger eine Chance von Beginn an, zudem scheint sich Maza endlich zu stabilisieren, der gegen Molde und Schalke ordentliche Leistungen ablieferte. Die Mainzer spielen eine starke Saison, einfach wird es mit Sicherheit nicht. Seit langem hat der VfB mal wieder eine Woche Pause zwischen zwei Spielen, nach dem gestrigen Spiel bleibt zu hoffen, dass dieser Elan nicht verloren geht. Besonders die linke Seite mit Boka und Traore hat mir sehr gut gefallen, auch Holzhauser hat neben einigem Leerlauf, der für sein Alter aber normal ist, immer wieder tolle Momente im Spiel und ist eine absolute (kreative) Bereicherung.

Nach Mainz werde ich wieder mit dem RWS Berkheim im Bus mitfahren, bei Mainz wohl das Beste, was man machen kann. Sowohl das Stadion, mitten in der Pampa, als auch das Klatschpappen- und Karnevals-Publikum lässt dieses Spiel eher als Pflichtaufgabe denn als Saisonhighlight aussehen. Am Ende ist man einfach nur froh, wieder im Bus zu sitzen und diesen Ort möglichst schnell wieder zu verlassen, hoffentlich mit drei Punkten im Gepäck.

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2. Dezember 2012

Englische Woche endet versöhnlich

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 14:21

Zum vierten Spiel, dabei dem dritten Auswärtsspiel, binnen neun Tagen ging es also mal wieder ins Frankenland. Erstmals in 50 Jahren Bundesliga trat der VfB dabei beim Fusionsclub SpVgg Greuther Fürth an, den selbst ernannten Unaufsteigbaren, die es in der letzten 2. Liga Saison dann aber doch mal geschafft haben, diesen Nimbus zu durchbrechen. Nach 15 Spieltagen spricht allerdings vieles dafür, dass es sich dabei nur um ein einjähriges Intermezzo handelt, zu grün, nicht nur wegen ihrer Vereinsfarben, kommen die Fürther daher.

Eigentlich meint es der Spielplan mit dem VfB ja gut, in Zeiten, in denen eine englische Woche die andere jagt, und in denen der VfB sichtlich auf dem Zahnfleisch daher kommt. Nach der weiten und kraftzehrenden Bukarest-Reise ging es ins beschauliche Breisgau, um danach hintereinander gegen die beiden abgeschlagenen Schlusslichter Augsburg und Fürth antreten zu dürfen. Nach der Schmach in Freiburg, wurden wenigstens gegen Augsburg und Fürth sechs wichtige Punkte eingefahren, die dazu taugen, den Blick in der Tabelle wieder nach oben richten zu dürfen und vor allem, aller Voraussicht nach, in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Letztere ist die wichtigste Erkenntnis in dieser weiteren „Übergangssaison“.

Von mehr zu träumen verbietet sich fast von selbst. Der VfB ist nach wie vor ein sehr fragiles Gebilde, wo Kleinigkeiten den Anlass geben können, dieses einstürzen zu lassen. Dem VfB fehlen bundesligataugliche Alternativen, um dem einen oder anderen Leistungsträger auch einmal eine Pause gönnen zu können. So durfte gestern mal wieder ein Tamas Hajnal auf dem Platz sein Unwesen treiben, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Ihn stufe ich zwar nicht in die Kategorie „Fehleinkauf“ ein, da er uns in der Rückrunde 2010/11 sehr weitergeholfen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatte. Mittlerweile aber, sicherlich auch der wenigen Einsatzzeiten geschuldet, fehlt ihm jegliches Selbstvertrauen, so dass er auf dem Platz wie ein Fremdkörper wirkt. Seine Zeit dürfte abgelaufen sein. Zu langsam und statisch wirkt er, zu fahrig, wenn er den Ball hat. Dabei würde uns gerade ein Kreativspieler sehr gut tun, kommt doch aus dem Mittelfeld viel zu wenig Inspiration. Sollte diese Aufgabe in naher Zukunft einem Kevin Stöger nicht zugetraut werden, würde ich mir wünschen, dass der VfB in der Winterpause Geld in die Hand nimmt und handelt.  Wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass in der Wintertransferperiode als Vorgriff auf den Sommer Mittel freigesetzt werden, so würde ich es begrüßen, wenn der personelle Umbruch schon zu dieser Zeit seine Fortsetzung finden würde und unzufriedene Spieler wie bspw. Kuzmanovic und Maza abgegeben werden würden, sofern sich Abnehmer finden. Dann böte sich die Möglichkeit, junge Spieler noch näher an die Stammelf heranzuführen und Erfahrungen sammeln zu lassen, auch mit dem Risiko, dass sie Lehrgeld bezahlen. Nach dem Sieg in Fürth haben wir 22 Punkte auf dem Konto, gegen Schalke und in Mainz besteht noch die Möglichkeit, das Punktekonto weiter zu erhöhen, so dass, in Anbetracht der Schwäche einiger Abstiegskandidaten nach unten nichts mehr anbrennen sollte. Lieber also jetzt schon das Gerüst für 2012/13 einspielen, als wieder mit aller Macht in die Europa League zu drängen, um dann eine ähnlich konfuse nächste Saison zu spielen.

Vergnügungssteuerpflichtig sind die Auftritte des VfB in dieser Saison keineswegs. Besonders in den Heimspielen, wo gerade einmal zwei glückliche Siege heraussprangen, bietet der VfB meist fußballerische Magerkost. Die Spiele plätschern so dahin, das Team präsentiert sich äußerst einfallslos und versteht es nicht, eine kompakte Abwehr zu knacken. Gegen das Schlusslicht Augsburg ließ sich die Labbadia-Truppe phasenweise an die Wand spielen. Anstatt nach einer 1:0-Führung auf das 2:0 drängen, wird die Führung mehr schlecht als recht verwaltet und der Rückwärtsgang eingelegt, um so einen am Boden liegenden Gegner aus der Reserve zu locken. Ob dieses Sicherheitsdenken von der Bank vorgegeben wird oder die Spieler auf dem Platz dies eigenmächtig an den Tag legen, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass es von der Regionalliga aufwärts gegen jedes Team schwer sein dürfte, zu Torchancen zu kommen, wenn durch ständiges zurück spielen, Tempo aus dem Spiel genommen wird und sich der Gegner wieder in aller Ruhe formieren kann.

Auswärts dagegen läuft es deutlich besser. In der Auswärtstabelle belegt der VfB derzeit Platz zwei. In der Fremde kommt es dem VfB entgegen, nicht das Spiel machen zu müssen und man hat auch das eine oder andere Mal das Quäntchen Glück, das man braucht. Gestern brauchte es dieses Glück wie auch das Unvermögen des Gegners, das auch in Überzahl den Ball nicht über die Linie brachte. Die Fürther unterstrichen damit, weshalb sie in dieser Saison noch keinen Heimsieg zustande brachten, zu harmlos kamen sie über weite Strecken daher. Dem VfB genügte eine durchschnittliche Leistung, in dem der Kampf angenommen wurde. Das Tor des Tages erzielte der agile Shinji Okazaki, nachdem Ibisevic einen an ihm selbst verursachten Elfmeter noch vergab, Okazaki jedoch am schnellsten schaltete.

Der VfB hätte deutlich früher seine Ruhe haben können, wären die Konter sauberer zu Ende gespielt worden. Exemplarisch Martin Harnik, der, nach seiner Leistung gegen Augsburg zu Recht erst einmal draußen saß und zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Er ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst und vergab mehrere Konterchancen kläglich schon im Ansatz. So hieß es mal wieder zittern bis zum Schluss und man benötigte einen gut aufgelegten Sven Ulreich, um den wichtigen Auswärtssieg einzufahren. Diesen konnte letztendlich auch Thorsten Kinhöfer nicht verhindern, der nur so mit Karten um sich warf und unseren Kapitän Serdar Tasci vorzeitig zum Duschen schickte. War diese Hinausstellung hart, aber mit etwas Wohlwollen gerade noch vertretbar, waren die Karten danach mehr oder weniger lächerlich. In ein Spiel, das zwar kampfbetont aber keineswegs unfair ablief, brachte er eine Hektik rein, die sich gewaschen hatte. Gräbt der DFB weiterhin solche Pfeifen aus, braucht man sich nicht wundern, wenn die Emotionen auch außerhalb des Spielfelds hochkochen und manch einer durchdreht. Dieses divenhafte Auftreten von Kinhöfer und sein künstliches ringen um Autorität ging überhaupt nicht. Zudem „glänzte“ er durch eine sehr zweifelhafte Zweikampfauslegung und schwang sich zum Hauptdarsteller des Spiels auf. Immer ein tolles Armutszeugnis für einen Pfeifenmann, wenn sowohl Heim- als auch Auswärtsteam und –fans mit ihm hadern und ihm am liebsten an den Kragen gehen würden.

Apropos DFB bzw. DFL. Auch bei diesem Spiel wurde der Aktion „Ohne Stimme keine Stimmung“ gefolgt. Die Fürther blieben 12 Minuten, 12 Sekunden, ihrem Stimmungsblock komplett fern, auch das CC97 verzichtete in dieser Zeit auf jeglichen Support und hielt lediglich den Banner „Für den Erhalt der Fankultur“ hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion Früchte trägt und am 12.12. keine Entscheidungen gegen die Millionen von friedlichen Fans fallen. Im Übrigen, auch gestern wieder fühlte ich mich im Stadion sicher, https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/!

Weiter geht es bereits am Donnerstag gegen Molde FK und um den Einzug in das Sechzehntelfinale in der Europa League. Nach den Auswärtssiegen in Kopenhagen und in Bukarest hat der VfB das Weiterkommen in der eigenen Hand. Bei eigenem Sieg und wenn Bukarest in Kopenhagen nicht gewinnt, wäre der VfB sogar Gruppensieger. Dass dies aber sicher kein Selbstläufer wird, spätestens seit dem Hinspiel sollte der VfB gewarnt sein. Auch wenn Molde außer diesen drei Punkten keinen weiteren mehr gesammelt hat, dürfte es wieder ein hartes Stück Arbeit werden, denn auch die Norweger werden sicher nicht bestrebt sein, im Neckarstadion das Spiel zu machen. Trotzdem wäre natürlich alles andere als ein Sieg indiskutabel. Jedoch erscheint mir selbst dieses Unterfangen nicht als selbstverständlich, geht dem VfB doch die Leichtigkeit ab.

Wie der VfB wohl das Ende der Hinserie herbei sehnt, so geht es mir selbst auch. Alle drei, vier Tage ein Spiel, dazu mittlerweile eisige Temperaturen wie gestern in Fürth, man zählt die Spiele langsam herunter. Molde, Schalke, in Mainz und zum Abschluss das Pokalspiel gegen den 1. FC Köln, dann geht ein durchwachsenes VfB-Jahr zu Ende. Die Punkteausbeute ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Das Auftreten der Mannschaft weniger. Es fehlen mir die Begeisterung und der Spaß am Spiel. War der VfB lange durch herzerfrischenden Offensivfußball bekannt, wird bei uns Fußball über weite Strecken „nur“ noch gearbeitet. Dass die Mannschaft es besser kann als sie es zeigt, war in Bukarest zu sehen, als ein tolles Offensivfeuerwerk gezeigt wurde, das begeisterte.

In der Bundesliga dagegen gewannen wir nur in Nürnberg mit zwei Toren Unterschied, ansonsten waren es äußerst knappe Siege, die auf des Messers Schneide standen. Demgegenüber stehen deftige Niederlagen, ausgerechnet gegen die Vereine und Betriebssportgemeinschaften, die uns Fans besonders weh tun. Deswegen bin ich auch in dieser Saison schwer zu versöhnen, zu sehr drücken die 1:6, 0:3 und 0:3-Klatschen auf mein Gemüt. Bezeichnend, und das spricht für die oben angesprochene Fragilität, dass in diesen Spielen ein, zwei dumme oder unvorhergesehene Aktionen ausreichten, um das Team in sich zusammen fallen zu lassen.

Die von Labbadia vielfach erwähnte Stabilität ist also höchstens in Ansätzen zu erkennen. So wird sich auch ob des gestrigen Spiels auf die Schulter geklopft, dass man endlich einmal ein dreckiges Spiel nach Hause gebracht habe. Dass dieser dreckige Sieg aber erneut am seidenen Faden hing, blieb unerwähnt.

Schaun mer mal, was die Wundertüte VfB gegen Molde und zwei Tage später gegen Schalke zu bieten hat. Die Tabelle ist so eng, dass wir Schalke durch ein 7:0 überflügeln könnten, wobei mir ein (dreckiges) 1:0 natürlich auch genügen würde. :-) . Eine Konstellation, die vor einem Monat noch undenkbar gewesen wäre!

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