19. Februar 2013

Zwischen Genk und Genk

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 18:50

Auch drei Tage danach habe ich den dämlichen Ausgleichstreffer der Belgier in der Nachspielzeit des Hinspiels gegen den KRC Genk noch nicht so recht verdaut. Nach fünf Pleiten in der Liga in Serie lechzt der VfB nach einem Erfolgserlebnis und lässt sich dann noch so leichtfertig die Butter vom Brot nehmen, indem man den Belgiern beim Ausgleichstor Geleitschutz lieferte anstatt beherzt, auch über die 90. Minute hinaus, an- und einzugreifen. So wurde aus einem guten Europapokalergebnis ein sehr gefährliches. Immerhin, meine Befürchtungen, dass nach dem Hinspiel bereits alles aus sein könnte, bewahrheiteten sich Gott sei Dank nicht.

Das Spiel an sich war, wie so oft in der letzten Zeit, ein Langeweiler. Es traf ein verunsicherter VfB auf ein international allenfalls drittklassiges Genk, das allerdings, im Gegensatz zum VfB, die Gruppenphase u. a. gegen den FC Basel und Sporting Lissabon unbesiegt überstand. Der VfB seinerseits war ja bekanntlich auf Schützenhilfe von Steaua Bukarest angewiesen, um trotz der Heimniederlage gegen Molde FK in die Zwischenrunde einzuziehen. Dieses 1:1 im Hinspiel lässt die Hoffnung am Leben, in Genk den Einzug ins Achtelfinale klar machen zu können.

Hilfreich für dieses Bestreben wäre natürlich, wenn man sich an der Autobahnraststätte Sinsheim Selbstvertrauen würde holen können. Auch im 5. Jahr der Bundesligazugehörigkeit von Hopps Spielzeug kann ich mich nicht daran gewöhnen, zu einem Bundesligaspiel ins Kraichgau zu fahren. Das einzig Positive, bei einer Entfernung von rund 60 Kilometern stört selbst ein Sonntagabendspiel nicht besonders, kommt man doch zu einer zivilen Zeit heim und ohne Urlaub aus. Trotzdem prickelt es bei jedem anderen bevorstehenden Spiel mehr als bei diesem.

So fragte ich mich den ganzen Sonntag über, als ich mir die Zeit mit Ski-WM und Stammtisch in Sport 1 vertrieb, was mich denn motivieren sollte, überhaupt aus dem Haus zu gehen. Am meisten freute ich mich auf die Truppe vom RWS Berkheim und die (kurze) Busfahrt und dass ich wusste, dass ich im Gästeblock jede Menge Bekannte treffen würde. Auch in schlechten Zeiten ist der Zusammenhalt und das „in einem Boot sitzen“ unter den Fans der Hauptgrund anhaltend hoher Motivation, den VfB überall hin zu begleiten. Und, natürlich hofft man auch jedes Mal aufs Neue, dass es endlich gelingt den Bock umzustoßen und tabellarisch wieder in ruhigere Gefilde vordringen zu können. Bei Leistungen, wie weitestgehend an der Tagesordnung in der Saison 2012/2013 hätte das Team den einen oder anderen Stimmungsboykott mehr verdient.

Als Außenstehendem ist mir ein Kollektivversagen von Profisportlern in dieser Fülle unbegreiflich. Dass einer einmal einen schlechten Tag hat, den hat jeder von uns einmal. Dass aber regelmäßig außer Unkonzentriertheiten, die den Gegner zum Tore schießen einladen, auch mangelnder Kampfgeist, mangelnde Lauf- und Hilfsbereitschaft zu beklagen sind, dafür habe ich kein Verständnis. Wie man immer wieder hört, scheint es in der Mannschaft nicht zu stimmen, was auch auf dem Rasen zu erkennen ist. Hier muss eigentlich das Funktionsteam eingreifen und den Spielern einbläuen, worauf es im Mannschaftssport ankommt und dass irgendwelche Animositäten hinten anstehen müssen, wenn es um das große Ganze geht. Die Spieler, oder besser Gehaltsempfänger haben die verdammte Pflicht, für ihren Arbeitgeber und die Fans, die sie letztendlich bezahlen, alles abzurufen und auf dem Platz Gas zu geben. Momentan hat man eher den Eindruck, dass die Spiele lästige Pflichterfüllung sind und fast keiner mit Freude und Motivation zu Werke geht. Viele im Team spielen ihren Stiefel herunter, man wünschte sich mehr Spieler wie Ibrahima Traore, dem man den Willen jederzeit anmerkt. Ein William Kvist in seiner derzeitigen Form ist ein Bremser und keiner, der uns weiter bringt. Abgesehen von den unbegreiflichen Stockfehlern, die er produziert, wählt er jederzeit den Sicherheits(rück)pass, anstatt das Spiel einmal schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Ein moderner Sechser ist Sicherheitskraft und Spielmacher in einer Person, von letzterem ist bei Kvist überhaupt nichts zu sehen. Hier wünschte ich mir mehr Dynamik  in seinem Spiel. Hoffnung auf Besserung macht mir, dass er schon zeigte, dass er als Stabilisator schon bessere Spiele ablieferte. Wenn Labbadia, wie zuletzt schon das eine oder andere Mal gezeigt, umstellt und Kvist alleiniger Sechser bleibt, ist er als defensiv denkender Stabilisator vertretbar. Auf der Doppelsechs  jedoch, wo beide Spieler fürs Aufbauspiel zuständig sind, ist er für mich, zumindest derzeit, eine Fehlbesetzung. Heute habe ich mir Kvist herausgepickt, wobei man über weitere Unzulänglichkeiten (Abwehr) und Formkrisen des einen oder anderen Spielers weitere Worte verlieren könnte.

Dass Labbadia vergleichsweise wenig rotiert und meist seine Lieblingsspieler aufstellt, das verstehe ich nicht, zumal wir ja nicht gerade überragend spielen und damit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird. Dem einen oder anderen (und uns allen!) würde sicherlich zwischendurch die Pause eines Stammspielers gut tun, um sich wieder sammeln zu können und um über Sinn und Unsinn des Profifußballerlebens nachdenken zu können. Und, wenn von der Bank einer kommen sollte, der den Job besser macht und/ oder besser in Form ist, mein Gott, dann muss sich der Herausgenommene eben wieder hintenan stellen. Bei uns jedoch kommt einer mal rein, macht ein ordentliches Spiel und wird dann über Wochen wieder nicht berücksichtigt. Dass ein solches Vorgehen nicht stimmungs- und leistungsfördernd sein kann, um dies festzustellen muss ich weder Fußballlehrer noch Psychologe sein..

Nun also nach Sinsheim, dem Retortenclub, der sich eines Tages selbst, ohne die Milliönchen von Hopp, tragen soll und derzeit am Abgrund steht. Der voller Panik seit der Ära Rangnick Trainer um Trainer und Manager um Manager, verschleißt. Der voller Panik in der Winterpause noch einmal gut neun Millionen Euro investierte und sich damit den Titel des Winter-Einkaufsmeisters sicherte. Der es sich leisten kann, einen Unruheherd und Ex-Nationalspieler wie Marvin Compper für 300.000 Euro nach Italien zu entsorgen, Das Spielzeug Hopps, das auf Teufel komm raus in der Liga gehalten werden soll. Gut, die Ansprüche sind gesunken, wollte man noch vor der Saison noch in die Champions League. :-) .

Mit Chancengleichheit und Financial Fairplay hat diese Einkaufspolitik natürlich nichts zu tun. Wollte man ursprünglich noch ein Team mit jungen Spielern aus der eigenen Jugend/ Region aufbauen, setzt man jetzt auf namhafte Akteure, die in Sinsheim ihren letzten großen Vertrag unterschreiben. Mit welchen Gehältern Hopp lockt, offenbarte ja vor Jahren schon Uli Hoeneß, der ausplauderte, zu einer Zeit, als der FC Bayern an Salihovic interessiert war, dass die Bayern im Gehaltspoker ausgestiegen wären, weil Hopp mehr geboten hatte. So erklärt sich auch, dass der FSV Mainz 05 in der Winterpause einen unumstrittenen Stammspieler wie Igor Polanski, seines Zeichens immerhin polnischer Nationalspieler, ziehen ließ. Der Preis muss eben stimmen! Auch dass im Sommer u. a. Delpierre (ehemals 4,3 Mios Gehalt vom VfB), Tim Wiese und Derdiyok im Kraichgau unterschrieben, unterstreicht, dass in Hoffenheim weiterhin Gehälter fernab der Vernunft gezahlt werden. Solche Vereine, die sich wirtschaftlich nicht selbst tragen müssen,  machen den Markt kaputt und treiben die Gehälter immer weiter in die Höhe, was es einem Verein wie dem VfB natürlich nicht leichter macht. Zudem wird hier auch noch die 50 + 1 Regel unterlaufen. Diese besagt, dass der Geldgeber weder Stimmenmehrheit noch Geschäftsführung ausüben darf. Für das übt Hopp seit Jahren einen großen Einfluss auf die Geschehnisse aus. Um diesbezüglich keine Konsequenzen befürchten zu müssen, zahlt es sich eben aus, wenn man hochrangige Freunde beim FC Bayern und dem DFB sitzen hat…

Umso mehr würde es mir gut tun, wenn Hopp am Saisonende vor einem Scherbenhaufen stehen würde und den Gang in Liga 2 antreten müsste. Mir ist allerdings auch bewusst, dass Hopp so schnell nicht aufgeben würde und den „Betriebsunfall“ dann mit womöglich noch höherem finanziellem Engagement schnellstmöglich zu korrigieren versuchen würde.

So kann ich also mit diesem Konstrukt so überhaupt nichts anfangen. Dazu kommt, dass auch Fankultur in Hoffenheim ein Fremdwort ist. Das Stadion wird gefüllt von SAP-Mitarbeitern, die fleißig Freikarten erhalten, und Kunden, die die VIP-Bereiche auslasten. Auswärtsspiele mit weniger als 100 Hoffenheim-„Fans“ sind an der Tagesordnung. Selbst den kurzen Weg nach Stuttgart ins Neckarstadion finden selten mehr als 500 Auswärtsfans. Der Hoffenheimer Präsident Hofmann lieferte 2011 ja eine plausible Erklärung: Dass unsere Fans nicht mitfahren, hat damit zu tun, dass sie teilweise Angst haben, nicht heil aus Stuttgart rauszukommen. Das letzte Mal mussten sich einige unter dem Auto verstecken!“. Selten so gelacht. :-)

Als wir VfBler mit über 2.000 Fans in Babelsberg beim Pokalspiel bei Falkensee-Finkenkrug verweilten, verloren sich zur gleichen Zeit handgezählte 65 Hoffenheimer im Stadion des Berliner AK, was deren Präsident Ali Han zu der Aussage hinriss, „Ein Bundesligist, der so wenige Zuschauer mitbringt, soll sich lieber für die Bezirksliga anmelden”.

Vielleicht schwingt ja im Unterbewusstsein der Hoffenheimer diese Aussage mit, tun sie doch momentan alles dafür, um dieses Intermezzo so kläglich wie nur möglich wieder zu beenden.

Nach kurzer Busfahrt erreichten wir also die Ausfahrt Sinsheim und fuhren im Schritttempo weiter in Richtung unseres Gästeblockes. Bei Spielen wie diesen bin ich froh, direkt vor den Gästeblock gekarrt zu werden und möglichst auf keinen Heim“fan“ zu treffen. Noch ein kurzes Bierchen am Bus, wohlwissend, dass es im Gästeblock wieder kein Vollbier geben würde und schon ging es auch hinein. Die Einlasskontrollen zogen sich etwas in die Länge, selbst den Geldbeutel mussten wir öffnen, wurde doch vor einigen Jahren von VfBlern schon einmal ordentlich gezündelt. Insgesamt hielten sich die Kontrollen aber noch im ertragbaren Rahmen. Da der Stehplatzbereich (oder besser Käfig) erfahrungsgemäß brechend voll ist, bestellte ich Sitzplatzkarten für stolze 35 Euro, Preislich langen sie hin wie die ganz Großen… Noch kurz den einen oder anderen Smalltalk im Block gehalten und schon näherte man sich dem Spielbeginn. Das unvermeidliche Badener Lied wurde wie immer von den weit mehr als 3.000 VfBlern lautstark niedergepfiffen, so dass ich persönlich nicht vernehmen konnte, ob jemand mitgesungen hat. Da das Einzugsgebiet des Retortenclubs über die badischen Grenzen hinaus reicht, ein Service der besonderen Art. Für die „Neubadener“ wird auch noch im fünften Jahr der Text dieser Hymne eingeblendet. Kann ich verstehen, bei einer solchen Fluktuation unter den Kunden, muss dieser Service einfach sein. ;-) .

Zum Einlauf der Mannschaften gab es noch eine kleine Choreographie namens „Rote Karte für Viagogo“ im VfB-Block, mit der einmal mehr die Ablehnung der meisten VfB-Fans gegen den vom VfB durch die Partnerschaft mit Viagogo unterstützten (legalisierten) Schwarzmarkt verdeutlicht werden sollte. Auch ich stehe diesem Portal ablehnend gegenüber und verstehe nicht, weshalb es zwar verboten sein soll, seine Karte in Ebay zum Originalpreis zu verkaufen, es jedoch vom VfB goutiert wird, die Karten bei Viagogo zzgl. abzockerischer Gebühren zu verhökern. Langsam kommt es mir so vor, dass dem VfB jedes Mittel recht ist, ein paar Euro fuffzig zu verdienen. Gerne wird vom VfB via Homepage und vfb-direkt vorgeschoben, den Deal ausgiebig mit dem Fanausschuss diskutiert zu haben, wobei der Fanausschuss ja nie Möglichkeit hatte, soviel Einfluss zu nehmen, den Deal platzen zu lassen. Es ging also nur um das kleinstmögliche Übel!

Das Spiel begann dann vielversprechend, wenn nicht gar euphorisch für uns. Noch keine drei Minuten waren gespielt, als der seit Wochen beste VfBler Ibrahima Traoré

auf der linken Seite Andreas Beck wie einen Statisten aussehen ließ, in den Strafraum eindrang und scharf an den zweiten Pfosten flankte und der seit Monaten kriselnde Martin Harnik einen Kopfball-Torpedo an die Unterkante der Latte setzte, von wo aus der Ball schließlich im Tor landete. Ein Tor wie ein Donnerschlag. Die Erleichterung im Block war greifbar, war es doch ein immens wichtiges Spiel für uns. Sollte es tatsächlich Sechs-Punkte-Spiele geben, dieses war eines. Mit einem Sieg könnten wir uns 12 Punkte von Hoffenheim absetzen, bei einer Niederlage wären es nur noch sechs Punkte auf den Relegationsplatz und das Zittern würde so richtig beginnen. Es wird immer so viel von der Qualität geredet, die wir angeblich besitzen, doch, mit Leistungen wie in den letzten Wochen kann eben auch jedes Spiel verloren gehen. Nicht nur aufgrund der  Tabellenkonstellation war ein Sieg Pflicht, es galt auch die Scharte aus dem Hinspiel auszuwetzen, als wir uns sang- und klanglos ergeben hatten und mit 0:3 den Kürzeren zogen. Jetzt also lag der VfB, erstmals in der Bundesliga im Jahre 2013, in Führung. Den Hoffenheimer, auch nicht gerade mit Selbstvertrauen im Übermaß bestückt, merkte man die große Verunsicherung an. Leider konnte der VfB kein Kapital daraus schlagen. Anstatt, für die mitgereisten Schwaben wäre es natürlich Balsam auf die geschundene Seele gewesen, auf einem am Boden liegenden ungeliebten Nachbarn herumzutreten und sie zu demütigen, machte es der VfB leider wieder einmal allzu gnädig. Man war mit der Führung zufrieden und beschränkte sich aufs Verwalten des knappen Vorsprungs. Für mich unverständlich, hat man doch erst drei Tage davor schmerzlich erfahren, wie sehr eine 1:0-Führung am seidenen Faden hängen kann. Außerdem haben wir ein miserables Torverhältnis zu beklagen, an dessen Verbesserung zu arbeiten erstrebenswert gewesen wäre. So plätscherte das Spiel dann der Halbzeit entgegen, der VfB wollte nicht mehr, Hoffenheim konnte nicht.

Als die zweite Hälfte ähnlich ereignislos begann, brachte der schwäbische Trainer Marco Kurz 10 Minuten nach der Pause in Derdiyok und Weis zwei frische Kräfte, was den Hoffenheimern zwar mehr Spielanteile, jedoch kaum nennenswerte Torchancen bescherte. In den zwei, drei brenzligen Situationen, die es zu überstehen galt, war unser Goalie Sven Ulreich zur Stelle, der dieses Mal wie ein Fels in der Brandung stand.

Einer meiner absoluten „Lieblingsschiedsrichter“, spätestens seit Mainz im Dezember 2011, als er die Mainzer im Alleingang auf die Siegerstraße geleitete, Guido Winkmann, war das Gekicke dann zu langweilig. Ließ er noch in der ersten Hälfte das eine oder andere brutale Vergehen der Gastgeber gänzlich ungeahndet, hielt er in der zweiten Hälfte bei jedem noch so harmlosen Foul einem unserer Spieler die gelbe Karte unter die Nase. Auch diesen Ball wussten die Hoffenheimer nicht aufzunehmen, so grottenschlecht waren sie, so dass am Ende ein knapper, wenn auch verdienter 1:0 Auswärtssieg für den VfB zu Buche stand.

Es war ein Spiel wie der Tabellenstand, Fünfzehnter gegen Sechzehnter, Not gegen Elend.

Der VfB konnte sich mit diesem Sieg ein wenig Luft verschaffen und muss, zumindest vorerst, in der Tabelle nicht mehr nach unten schauen. Hoffnung macht die in diesem Spiel ansteigende Form von Martin Harnik und auch Georg Niedermeier, der leider jetzt in Genk gesperrt ist. Auch Gentner und Holzhauser machten für mich über weite Strecken ein ordentliches Spiel. Jetzt gilt es diesen Rückenwind mitzunehmen und in Genk selbstbewusster aufzutreten als zuletzt. Dass Genk keine Übermannschaft ist, davon konnten wir uns am letzten Donnerstag überzeugen.

Auch ich werde in Belgien am Start sein, wieder einmal mit dem Bus vom RWS Berkheim,  dieses Mal ohne Übernachtung. Von der Entfernung her ist das doch eher ein gefühltes Bundesligaauswärtsspiel, der nächste ausgedehnte Europa League Trip folgt dann hoffentlich Mitte März zum Achtelfinale bei Lazio Rom, sofern sie nicht zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach verlieren. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich mich über ein Weiterkommen von Gladbach nicht auch freuen würde… Es kommt wie es kommt, erst einmal ist sowieso der VfB am Zug!

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10. Februar 2013

Die Luft für Bruno wird dünner

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 13:26

Fünfte Niederlage in Folge! So viele am Stück wie seit 1987 nicht mehr. Wie tief wollen wir noch sinken? Das Beispiel Eintracht Frankfurt, das im Winter 2010/2011 ebenfalls noch vom Europacup träumte und am Saisonende den bitteren Gang in Liga 2 antreten musste, sollte warnende Mahnung genug sein. Die Talfahrt nimmt beängstigende Züge an. Die Protagonisten auf dem Rasen erwecken den Eindruck, ihr, und damit unser aller (sportliches) Schicksal, einfach so über sich ergehen zu lassen. Es ist keiner da, der mit Leistung vorangeht und mal dazwischen haut, schlimmer noch, sind es gerade die vermeintlich erfahrenen, die dilettantische Fehler aufs Parkett legen, die eines Profis nicht würdig sind. War es gegen die Bayern Molinaro, in Düsseldorf Kvist und Tasci, so luden gestern abermals Kvist sowie Gentner und Niedermeier die keineswegs überragenden Bremer zum Tore schießen ein. Der VfB bleibt jetzt nicht nur bei 25 Punkten stehen, auch das Torverhältnis von mittlerweile 23:39 spricht Bände.

Bei Leistungen wie zuletzt dargeboten stellt man sich natürlich die Frage, was uns Hoffnung auf Besserung machen könnte. Ein Punkt ist sicherlich der, dass wir alle wissen, dass das Team es besser kann, was es oft genug schon bewiesen hat. Also stelle ich mir die Frage, wieso es die Jungs nicht auf den Platz bekommen. Was geht in den Spielern vor, die uns Tag für Tag, Woche für Woche, weismachen, sie wüssten worum es gehe, dass kein Grund bestehe, in Panik zu verfallen, um dann in schöner Regelmäßigkeit auf dem Rasen zu versagen. Die Wahrheit liegt nun mal eben auf dem Platz und diese Wahrheit, von der ich Woche für Woche Zeuge werden muss, macht mir Angst. Es ist ein rasanter Absturz zu verzeichnen, sollte Düsseldorf heute punkten sind wir Fünfzehnter, dem schleunigst entgegen gewirkt werden muss. Doch wer will bei uns das Ruder herumreißen? Ist es der richtige Weg, die Fußball-Millionäre auf dem Rasen in schöner Regelmäßigkeit aus der Schusslinie zu nehmen und zu streicheln, anstatt auch einmal Zeichen zu setzen und die Zügel anzuziehen. Hilft es einer Mannschaft, wenn ein Fredi Bobic die Niederlage an einem nicht gegebenen Elfmeter festmacht, der, wäre er denn gegeben worden, zumindest sehr glücklich gewesen wäre. Wäre es nicht sinnvoller, er würde den Finger in die Wunde legen, und einmal auf den Tisch hauen. Darauf hinweisen, dass mit diesem Angsthasenfußball (wirkungsloses Ballgeschiebe und hinten rum spielen) in der Bundesliga kein Spiel zu gewinnen ist? Dass keine Weiterentwicklung der Mannschaft zu erkennen ist, dass die Truppe nach wie vor nicht eingespielt wirkt, dass alles nur auf Zufall denn auf (Match-)Plan aufgebaut ist. Dass es eben nicht reicht, pro Spiel gerade einmal gut 20 Minuten konzentriert und zielstrebig aufzutreten.

Aufgrund dieser Umstände erschließt es sich mir nicht, dass ein Hoffnungsträger wie Maxim, der immerhin mit Vorschusslorbeeren an den Neckar gewechselt ist und als „Mario Götze Rumäniens“ gilt, noch nicht einmal im Kader stand. Dieser Junge kommt mit Spielpraxis und auch nicht aus Afrika, so dass er sich an die eisigen Temperaturen gewöhnen müsste. Aber nein, ein Training mit der Mannschaft genügt eben nicht, um es in diese uneingespielte Truppe zu schaffen. Bei uns werden Spieler allzu oft solange herangeführt und integriert, bis sie den größtmöglichen Frust schieben und uns dann auch nicht mehr weiter helfen können. Warum nicht einen unbelasteten Spieler rein werfen, findet sich doch ein guter Spieler in jeder Mannschaft zurecht. Stattdessen dürfen Woche für Woche die meist gleichen Stammkräfte, oder besser, Brunos Lieblinge, ihren Stiefel herunterspielen. Gestern war wiederholt keine Konzentration, Inspiration, Spielfreude, Kampf und Identifikation mit der Schwere der Aufgabe zu erkennen. Ich sah eher eine Laissez-Faire-Mentalität und niemanden, weder auf dem Platz noch an der Seitenlinie, der dazu taugte, das Ruder herum zu reißen. Die Luft wird dünner, für alle handelnden Personen. Da es beim VfB aussichtslos erscheint, das Übel (endlich) bei der Wurzel zu packen und den Vorstand und Aufsichtsrat in die Wüste zu schicken, müssen wir ein, zwei Stufen tiefer ansetzen, um Ursachenforschung zu betreiben. Ich finde nach wie vor, dass Fredi Bobic aufgrund des von oben verordneten Sparkurses einen guten Job macht und sich seine Transferbilanz bislang sehen lassen kann. Außerdem nehme ich ihm die hohe Identifikation mit dem Verein ab und glaube auch, dass ihm die derzeitige Talfahrt sehr an die Nieren geht. Was ich ihm aber ankreide, ist, dass er Anfang Januar völlig unnötig Druck in die Debatte um die Vertragsverlängerung von Bruno Labbadia hineingebracht hat, indem er klipp und klar sagte, diese Personalie bis Ende Januar vom Tisch haben zu wollen. Und das in einer Situation, wo noch nicht klar war, wohin die Reise gehen würde. Einem Verein kann doch eigentlich nichts Besseres passieren, als einen Trainer zu haben, der selbst absolut entspannt mit dieser Situation umgeht. Dass von beiden Seiten genau abgewogen werden muss, ob man den schwierigen Weg weiterhin gemeinsam bestreiten will, halte ich für legitim. Genauso legitim wäre es aus Vereinssicht aber auch, zu hinterfragen, ob Bruno Labbadia für den so oft propagierten Stuttgarter Weg der Richtige ist oder ob man nicht zum 1.7.2013 getrennte Wege gehen sollte, um einen Trainer zu holen, der mehr dafür steht als Bruno Labbadia, junge Spieler wirklich weiter zu bringen. Ich verstehe nicht, dass zum jetzigen Zeitpunkt der Vertrag bis 2015 verlängert wurde, wo das Gebilde VfB nach wie vor sehr fragil ist. Auch schon in der Vorrunde, die sich in der Bilanz mit 25 Punkten und dem Überwintern in drei Wettbewerben sehen lassen konnte, wirkte der VfB nicht stabil und bot keinen Fußball zum Zunge schnalzen, auch damals schon, bot der VfB Vorstellungen, die dazu taugen das Stadion leer zu spielen. Aber, die Ergebnisse stimmten unter dem Strich, wenn auch mit katastrophalen Ausschlägen nach unten.

Jetzt aber, im Januar, Februar 2013 sehen wir Fußball zum Abgewöhnen, der keine Punkte mehr bringt. Und, abermals in der Krise, tritt vonseiten des Trainers ein „Sicherheitsdenken“ zutage, das sich in den Aufstellungen niederschlägt. Bruno Labbadia wird IMMER einen vermeintlich erfahrenen Recken einem Jungspund vorziehen, weil für ihn Erfahrung das höchste Gut in einer Mannschaft ist. Ein Antonio Rüdiger, der gegen die Bayern ein ordentliches Spiel machte, ist seitdem außen vor. Ein Benedikt Röcker, der bei den Amateuren großartige Leistungen ablieferte und zu Recht zu den Profis befördert wurde, führt im Kader ein Schattendasein und wird erst seine „Chance“ erhalten, wenn Tasci, Niedermeier und Felipe gleichzeitig ausfallen. Ein Didavi, dem man bei seiner Vertragsverlängerung gläserweise Honig ums Maul geschmiert hatte, muss sich hinter einem Hajnal anstellen, der derzeit außer Erfahrung rein gar nichts zu bieten hat. Ein Raphael Holzhauser ist in dieser schwierigen Phase ebenfalls außen vor, so formschwach sich Kvist und Gentner auch präsentieren, wo er doch einer wäre, der wenigstens noch für den einen oder anderen (kreativen) Lichtblick sorgen und auch mal Bälle nach vorne spielen kann. Rani Khedira, der sicherlich große Anlagen hat, spielt (noch) überhaupt keine Rolle.

Ein für vier Monate ausgeliehener Macheda muss sich genauso erst einmal anbieten, oder besser anbiedern? Bei seinen zwei Einwechslungen hat er schon in Ansätzen gezeigt, dass er eine Verstärkung sein könnte, aber, man muss es ihn eben auch zeigen lassen. Vedad Ibisevic würde es sicherlich freuen, nicht immer nur auf sich alleine gestellt zu sein.

Dass es in der Mannschaft nicht stimmt, merkt man auf dem Platz. Wo die Gründe liegen und wer sich mit wem nicht grün ist, vermag ich als Außenstehender nicht zu beurteilen. Wenn aber das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird und der eine oder andere sich reinhängen kann, wie er will und doch nicht spielt, trägt dies sicherlich nicht zu einer besseren Stimmung bei. Hier anzusetzen liegt im Verantwortungsbereich des Trainerteams. Bruno Labbadia muss endlich zeigen, dass er Fähigkeiten als Krisenmanager hat und dem Team den Weg aus der Misere aufzeigen. Andererseits kann ein Trainer natürlich auch nichts für die leichten Fehler, die die Spieler auf dem Platz begehen. Wenn ein erfahrener Spieler wie Kvist so tölpelhaft den Ball vertändelt und somit den Untergang einleitet, gibt es eigentlich nur eines, dem Spieler eine Denkpause zu verordnen. Auch wenn von Insidern immer wieder gebetsmühlenartig betont wird, dass es das nicht gäbe, dass eine Mannschaft gegen den Trainer spielt, für mich sieht es momentan danach aus, wenn so viele Spieler auf einmal Slapstickeinlagen hinlegen, die eigentlich in den Zirkus gehören und so gut wie keiner zur Normalform findet.

Die Luft wird also dünner beim VfB. Auch und insbesondere für Bruno Labbadia. Ein Trainer, der noch nie geliebt wurde beim VfB, dem man aber die Erfolge in den vergangenen beiden Jahren anerkennt. Der Druck von außen wächst. Es macht sich derzeit eine bedenkliche Anti-Stimmung rund um den VfB breit. Von Sarkasmus bis zur Gleichgültigkeit. Dem VfB laufen die Zuschauer weg, gerade noch 40.000 Zuschauer gegen Werder Bremen sollten warnendes Beispiel genug sein, von den erwarteten 10.000 Unentwegten gegen Genk (darunter 2.500 Belgier) ganz zu schweigen. Die Leute fühlen sich nach und nach verschaukelt von der Vereinsführung, die wie eine leiernde Schallplatte von einer Übergangsaison nach der anderen referieren und einen Stuttgarter Weg erklären, den man in der Praxis nicht sieht.  Und, wohin dieser Weg führt, in eine bessere Zukunft oder in die zweite Liga wird man erst noch sehen.

Sollte nicht schnellstens die Kurve gekriegt und die Wende geschafft werden, könnte auch der Trainer-Vertrag bis 2015 das Papier nicht mehr wert sein, auf dem er gedruckt ist. Dann haben wir wieder die altbekannte Situation, einen Feuerwehrmann präsentieren zu müssen, der nicht bei drei auf dem Baum ist, Philosophie hin, Philosophie her. Fußball ist eben Tagesgeschäft, beim VfB ganz besonders. Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt, sondern glaube nach wie vor an das Gute im Team, würde mir aber sehr den einen oder anderen Wechsel in der Startformation wünschen, der schon beim Anblick der selbigen eine Art Aufbruchsstimmung entfachen und Hoffnung machen würde. Und dies nicht nur bei einem Spiel wie am Donnerstag gegen Genk, wo ich mir vorstellen kann, dass die Europa League innerlich abgeschenkt und demnach rotiert wird, um unsere hoch beanspruchten Kicker für den Abstiegsgipfel an der Autobahnraststätte zu schonen, sondern auch in der Liga, wo es wirklich darauf ankommt.

Ich wünsche mir natürlich, dass am Donnerstag gegen Genk eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel herausspringt und der Trip nach Belgien nicht zu einer reinen Ausflugsfahrt werden möge. Abstiegskampf hin, Abstiegskampf her, der VfB hat international etwas fürs Renommee des deutschen Fußballs zu tun und nicht zuletzt die verdammte Verpflichtung den wenigen Zuschauern, die sich Donnerstags 21.05 Uhr bei vermutlich eisiger Kälte ins Neckarstadion verirren, mit Einsatz und Leistung zu danken, anstatt über die zu lamentieren, die nicht gekommen sind!

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Keine Punkte in Düsseldorf

Category: Frankys Blogs,Spielberichte — Tags: , , – Franky @ 10:54

Ein paar Pics aus Düsseldorf jetzt online. Scheiß Tag gestern, hab mich durchgeschleppt mit Magen-Darm-Virus und dann ein solches Gegurke. Mit Fußball hat das schon lange nichts mehr zu tun, was Labbadias Team auf den Platz bringt. Mit dieser Abwehr kann einem angst und bange werden. Jetzt fängt auch noch Ulle das wackeln an und kassiert in schöner Regelmäßigkeit haltbare Kisten.
Weshalb Lopes und nicht Röcker. Weshalb nicht Sakai links und Rüdiger rechts? Warum zum Teufel Hajnal und Torun in der Startformation? Wenn man sich die Spiele in dieser Saison vor Augen führt, klingt Labbadia bis 2015 fast wie eine Drohung. Diese Aufstellungen versteht kein Mensch! Labbadia bringt seine Lieblinge, gute Leistungen, siehe Rüdiger gegen Ribery, werden nicht anerkannt, wenn er die Woche darauf wieder auf der Bank Platz nehmen darf. So demoralisiert man die Jungs, wenn man sich beim Trainer nicht durch Leistung aufdrängen kann, sondern wohl anderweitig einschleimen muss. Ich erkenne nach wie vor kein System und sehe im Mittelfeld fast nur Standfußballer und Rückpasskönige. Mit einer solchen Spielweise wird es schwer, überhaupt einen Gegner zu überrumpeln. Am Samstag geht es gegen einen unserer Lieblingsgegner, Werder Bremen. Da muss die Wende her, sonst könnte es in der Tabelle auch wieder nach unten eng werden!

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