18. März 2013

“Wir haben uns endlich einmal belohnt”

Erleichterung pur. Der VfB holte in Frankfurt einen immens wichtigen Dreier, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Augsburg tags zuvor beim HSV gewann und somit der Relegationsplatz bei Anpfiff nur noch fünf Punkte entfernt war. Der VfB mit vier Pflichtspielniederlagen in Folge, die Hessen mit fünf Spielen ohne eigenem Tor, die Folge war ein anfangs zerfahrenes Spiel ohne Torszenen. Der VfB hatte nach gut einer Viertelstunde die erste Chance, als Ibisevic einen Ausflug von Kevin Trapp nicht bestrafen konnte. Just im Gegenzug kassierte der VfB das 0:1 durch Aigner. Ein Tor aus dem Nichts also, das einmal mehr verdeutlichte, welch große Probleme wir in der Viererkette haben. Die Frankfurter verpassten es in der Folge gegen nun noch mehr verunsicherte Schwaben das zweite Tor nachzulegen. Der VfB war zwar kämpferisch da, doch wie schon in den letzten Wochen und Monaten fehlte die Genauigkeit, so dass gewonnene Bälle sofort wieder verloren wurden. Zu dieser Zeit hätte ich keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet, war es doch ein Spiegelbild der bisherigen Saison und war zuletzt doch so oft ein 0:1 Rückstand gleichbedeutend mit der Niederlage.

Unverändert kam der VfB aus der Pause und auch zurück ins Spiel. Schwegler legte Boka, den Labbadia überraschend im defensiven Mittelfeld neben Kvist aufbot, elfmeterreif, Ibisevic verwandelte eiskalt, 1:1. Von da an wurde die Partie munterer, beiden Teams merkte man an, dass sie gewinnen wollten. Die besseren Chancen hatte zunächst die Eintracht, das Tor aber erzielte der VfB. Der kurz zuvor eingewechselte Alexandru Maxim schlug die bis dahin mit Abstand beste Ecke des Spiels direkt auf den Kopf von Schorsch Niedermeier, der brachial und mit Anlauf einköpfen konnte. Sein erstes Tor seit zwei Jahren, ein ganz wichtiges in der derzeitigen Situation vom VfB. Damit baute der VfB seine Serie in Frankfurt aus, wo man seit 2001 nicht mehr verloren hatte und verbesserte sich in der Tabelle auf Platz 12 bzw. auf Platz 9 der Teams, die das Mittelfeld und die Abstiegszone der Liga bilden. Die Bayern, Dortmund und Leverkusen spielen in einer anderen Liga, der überwiegende Rest darf sich gar noch Hoffnungen auf Platz vier und damit die Champions League Qualifikation machen. Paradox, dass dieser vierte Platz plötzlich näher ist als der Relegationsplatz.

Dennoch ist der VfB natürlich gut beraten, den Blick weiterhin nach unten zu richten und vor allem nur von Spiel zu Spiel zu denken. Jetzt steht erst einmal die Länderspielpause mit den Spielen der Nationalelf gegen Kasachstan auf dem Programm. Für den VfB bzw. die überraschend wenigen Spieler, die nicht zu ihren Nationalteams geladen wurden, die Gelegenheit nach der Vielzahl von englischen Wochen die Seele baumeln zu lassen, den Resetknopf zu drücken und den Akku wieder ein wenig aufzuladen. Denn, nach der Länderspielpause geht es gleich weiter gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund. Also sofort gegen eine Mannschaft mit einer unfassbar hohen Qualität, die man einfach gerne spielen sieht. Ein gutes Gefühl gibt einem aber auch, dass nicht nur wir vor dem BVB einen Heidenrespekt haben sondern wohl auch wir nicht zu den allerliebsten Gegnern der Dortmunder zählen. Immerhin endeten die letzten vier Liga-Duelle allesamt Remis, so dass kein Grund besteht, die Punkte von vornherein abzuschreiben.

Der VfB muss natürlich einen (sehr) guten Tag erwischen und auch das nötige Quäntchen Glück haben, um am Ende nicht mit leeren Händen da zustehen, doch, wer weiß, vielleicht setzt dieser Sieg in Frankfurt wieder neue Kräfte frei. Da der VfB in dieser Saison eher als Serientäter bekannt ist, war dies vielleicht ein neuer Anfang.

Was aber auch klar sein dürfte, ob der Absenz des Großteils des Kaders kann vor dem Dortmund-Spiel natürlich wenig daran gearbeitet werden, die Abstimmungsprobleme in der Defensive abzustellen. Ich möchte ja nicht unken, ob die Sperren von Molinaro, der Aigner vor dem 0:1 laufen ließ, und Kvist, der sich zwar verbessert zeigte, aber dennoch sehr verunsichert wirkt, ein Schlüssel zu einem guten Resultat sein könnten. Ein Maxim z. B. drängt in die Startelf. Er kann etwas am Ball und vor allem Standards. Ich bin guter Dinge, dass wir noch sehr viel Freude an ihm haben werden.

Die nächsten Wochen mit den Spielen gegen den BVB, in Hannover und gegen Mönchengladbach werden aufzeigen, wohin wir unseren Blick in der Tabelle zu richten haben. Ich kann es mir nach wie vor nicht vorstellen, dass wir mit den in dieser Saison gezeigten Leistungen noch viele Spiele gewinnen werden. Dieser Sieg nimmt natürlich jetzt Labbadia ein wenig aus der Schusslinie. In ruhigere Fahrwasser kommt er jedoch nur, wenn das Team konstant mehr Herz, Konzentration, Einsatzfreude und Spielkultur zeigt, als über weite Strecken seiner bisherigen Amtszeit. Die Zuschauerzahlen zuletzt sollten eigentlich Warnung genug sein, dass sich vor allem der Kunde, der sich teure Karten auf der Haupt- oder Gegentribüne kauft, Gedanken über das Preis-/ Leistungsverhältnis macht und lieber fern bleibt, als sich wegen Darbietungen wie zuletzt über sein rausgeschmissenes Geld aufzuregen. Wie bereits erwähnt, mittlerweile bin ich mehr als skeptisch, ob mit Trainer Labbadia diesbezüglich eine nachhaltige Verbesserung möglich ist. Seit zwei Jahren wird eigentlich nur auf Situationen reagiert anstatt agiert, ist das meiste (von außen betrachtet) auf Zufall aufgebaut. Auch gestern hätte das Spiel leicht in die andere Richtung laufen können, daher möchte ich den Sieg auf keinen Fall überbewerten. Es war ein Sieg der Moral zum richtigen Zeitpunkt und hoffentlich die Wende zum Besseren.

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16. März 2013

Ob Rom oder Mailand – Hauptsache Italien

Uns hat es diese Woche also nach Mailand verschlagen. Rom zum Glück noch nicht gebucht gehabt, Urlaub war schon eingereicht, also, was tun? Mit den Rom-Fahrern solidarisieren und zusammen Fußball in Rom schauen, jedoch nicht ins Stadion dürfen oder ein Alternativprogramm überlegen. Wir entschieden uns für letzteres und vor allem für Fußball. Dies sogar in doppelter Hinsicht. Wir hatten das Europa League Spiel Inter Mailand gegen die Tottenham Hotspurs auserkoren, Live-Fußball IM Giuseppe-Meazza-Stadion und, deshalb in doppelter Hinsicht, wir erwarteten Fußball und bekamen Fußball geboten. Im Neckarstadion ist ja diese Saison Magerkost und Fußball zum Abgewöhnen zu ertragen, in Mailand aber standen sich zwei topbesetzte Teams gegenüber, die ein Spektakel zu bieten bereit waren. Dies war aufgrund des Hinspielergebnisses so nicht zu erwarten, Inter ging in London mit 0:3 unter. Doch von Beginn an merkte man den Italienern an, dass sie noch an das Wunder glaubten. Zwar stets auf Sicherheit bedacht, ein einziges Gegentor hätte frühzeitig das Ende aller Träume bedeutet, dennoch mit Zug nach vorne gingen sie das Spiel an und gingen in der 20. Minute durch Cassano verdient in Führung. Tottenham, leider ohne den gesperrten Bale angetreten, enttäuschte auf der ganzen Linie. Schon die Anzahl der mitgereisten Fans enttäuschte mich, gerade einmal schätzungsweise 800 Engländer fanden den Weg ins riesige Meazza-Stadion, dem zweitgrößten Fußballtempel Europas. Tagsüber in der Stadt wunderte ich mich schon, dass man keinen Platz entdeckte, auf dem die Engländer Party machten, im Stadion war mir dann klar, weshalb. Ich rechnete eigentlich mit etwa 5.000 Tottenham-Fans, sind die Engländer im Allgemeinen und die Fußballfans im Besonderen doch als sehr reiselustig bekannt. Woran das lag, darüber kann ich nur mutmaßen. War es das klare Hinspielergebnis oder waren es die schlechten Erfahrungen der Tottenham-Fans in südlichen Ländern in den letzten Jahren, als ja von der einen oder anderen Messerstecherei mit Verletzten auf Tottenham-Seite zu lesen war.

Enttäuschend war auch die Kulisse insgesamt, gerade einmal 18.241 Zuschauer wohnten diesem Spektakel bei. Auch hier könnte das Hinspiel-Ergebnis und damit der verloren gegangene Glauben ans Weiterkommen eine Rolle gespielt haben. Die frühe Anstoßzeit um 19 Uhr wird ebenso eine Rolle gespielt haben. Am Gegner kann es ja nicht gelegen haben, traten an diesem Abend doch zwei klangvolle Namen im europäischen Vereinsfußball gegeneinander an. Oder wird die Europa League auch in Mailand nicht angenommen? Ich denke, dieser Wettbewerb hat allgemein ein Image-Problem, wenn man sich die leeren Ränge in einigen anderen Achtelfinalstadien so anschaut. Nein, ich rede nicht von den beiden Geisterspielen. Beim Spiel Rubin Kasan-Levante war eine Minuskulisse von 520 Zuschauern zu beklagen!

Zurück zu „unserem“ Spiel. Inter erhöhte bis zum Ende der regulären Spielzeit auf 3:0 und egalisierte somit das Resultat von der White Hart Lane. Tottenham blieb über weite Strecken harmlos und zeigte sich allenfalls bei zwei, drei Distanzschüssen. Die Regie führte eindeutig Inter, so dass eine Verlängerung her musste, um den Sieger dieses Achtelfinalduells zu ermitteln. Ich muss zugeben, so toll das Spiel war, so euphorisch auch die Stimmung auf den Rängen war, wäre ich doch froh gewesen, das Ding wäre nach 90 Minuten entschieden gewesen. Zum einen wollte ich eigentlich in Stadionnähe eine Sportsbar suchen, um den VfB anzuschauen, zum anderen war es auch aufgrund des böigen Windes extrem frisch geworden, so dass ich, nach gerade abklingender Erkältung, ziemlich gefroren habe.

Während der Pause zwischen dem Abpfiff und der Verlängerung konnte man sehen, wie die Aufholjagd von Inter ihren Tribut gefordert hatte. Fast alle Spieler wurden an den Waden massiert und lagen recht gezeichnet auf dem Rasen, während sich die Tottenham-Spieler Bälle zuspielten und sich allenfalls dehnten. So kam Tottenham, mit dem eingewechselten Lewis Holtby, wie verwandelt aus dieser Pause und machte auf einmal Druck, so dass das am Ende entscheidende Auswärtstor von Adebayor nicht lange auf sich warten ließ. Inter erzielte zwar noch das 4:1 und schöpfte wieder etwas Hoffnung, der Akku war aber leer, so dass ihnen kein fünftes Tor mehr vergönnt war.

Als neutraler Zuschauer taten mir die Tifosi in diesem Moment wirklich leid. Sie hatten alles versucht und wirklich ein riesen Spektakel geboten, so dass keiner der Inter-Fans sonderlich enttäuscht den Heimweg antrat.

Ich war bereits zum zweiten Mal im Meazza- oder auch San Siro genannten Stadion. Bei der WM 1990 fuhren wir zum Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (5:1), damals das einzige Spiel, für das es im Prä-Internet-Zeitalter problemlos Karten an den Tageskassen gab. Die Atmosphäre fand ich trotz der spärlichen Kulisse gut, zu fast jedem Tor gab’s noch ein Freudenfeuerchen in der Curva Nord. Lediglich die Affengeräusche, vor allem wenn Adebayor am Ball war, nervten. Ein wenig skurril finde ich das Verhalten dieser sog. Fans schon, wenn ich bedenke, dass vor nicht allzu langer Zeit u. a. Eto’o, Maicon und Balotelli das Inter-Trikot getragen hatten. Wie ich gelesen habe, gibt es eine offizielle Beschwerde von Tottenham bei der UEFA, so dass Inter sicherlich eine Strafe zu erwarten hat. Ein Geisterspiel möchte ich nicht fordern, da ich von dieser Form der Bestrafung überhaupt nichts halte, einen Denkzettel braucht es aber schon für dieses primitive Verhalten einiger Idioten.

Den Bogen zum Geisterspiel habe ich dennoch elegant gespannt. Die Vorfreude auf die Übertragung vom VfB und dessen Darbietung im leeren Olimpico in Rom wurde mir schon zu Beginn der Verlängerung genommen. Schnell erreichten mich SMSen vom 0:1 und 0:2 und Kommentare dazu, wir würden den deutschen Fußball blamieren, sie sollten einen Spielabbruch provozieren, dass das Ergebnis 0:2 oder 0:3 gewertet wird und es kein Debakel mehr geben kann und vieles mehr.

Mein erster Gedanke war „alles richtig gemacht“. Wir saßen im Meazza auf der Tribüne und „mussten“ uns die Demütigung nicht anschauen, im Gegenteil, wir wurden richtig unterhalten. Nach Ende der Verlängerung machten wir uns aber schnell vom Acker und gingen in eine Pizzeria in unmittelbarer Stadionnähe. In erster Linie konnten wir uns aufwärmen, in zweiter kam dort auch die Europa League Konferenz, u. a. mit dem VfB bei Lazio. Es war die schnellste Konferenzschaltung, die ich je gesehen habe, die Sky Italia ihren Abonnenten bietet. Bei uns kommt es ja vor, wenn auf anderen Plätzen nichts passiert, dass man mal vier oder fünf Minuten bei einem Spiel stehen bleibt und so auch einen Eindruck vom Geschehen gewinnen kann. Die Italiener aber schalten auch bei einem harmlosen Torschuss mal kurz ins andere Stadion und wieder zurück, und bleiben eigentlich nie länger als eine Minute bei einem Spiel. So war es natürlich schwierig dem Geschehen auf den Plätzen konzentriert zu folgen.

Nach dem Zwischenergebnis aus Rom war mir das an diesem Abend aber wirklich scheißegal.

Wie fast immer in der derzeitigen Phase wurden vor dem Spiel große Töne gespuckt. Man würde an sich glauben, wolle alles versuchen, wolle im Spiel Sicherheit gewinnen und nach und nach auch vorne Nadelstiche setzen. Wir haben uns noch nicht aufgegeben, wir wissen, was wir können, wenn wir als Team funktionieren und so weiter und so fort. Ich kann es nicht mehr hören.

Die Tore von Kozak in der 6. und in der 8. Spielminute rissen den VfB früh aus allen Träumen. Bei beiden Treffern nach simplen Diagonalbällen sahen unsere Innenverteidiger alles andere als souverän aus. Im Gegenteil, wie Schulbuben ließen sie sich von den abgezockteren Italienern düpieren. Wenn dann hinterher vom einen oder anderen noch hinaus posaunt wird, man wäre doch gut aus der Kabine gekommen und dass die ersten fünf Minuten ganz passabel waren, da fehlen mir die Worte.

Nach 8 Minuten war das Spiel also gelaufen, die Laziali konnten zwei Gänge herunter schalten und den VfB guten Gewissens kommen lassen, es hat sich schließlich bis nach Rom herumgesprochen, dass es unserem Spiel an Kreativität und Durchschlagskraft mangelt. So lag es auf der Hand, dass der VfB zu mehr Spielanteilen und auch Torabschlüssen kommen werde, mehr als ein Tor von Tamas Hajnal sprang aber auch dabei nicht heraus. Der VfB verabschiedete sich also sang und klanglos aus dem Wettbewerb. Wenigstens waren dieses Mal nicht die Zuschauer schuld.

Hinterher wurde wie üblich dann das positive herausgefiltert, dass das Team Charakter gezeigt habe, sich nicht habe abschlachten lassen, noch einmal alles versucht habe, viel dabei lernen konnte und sich endlich einmal belohnen müsse. Wofür eigentlich?

Ich frage mich, wie viel Streicheleinheiten das Team noch bekommen soll oder ob nicht einmal ein eiserner Besen vonnöten wäre. Wie kann ich überhaupt auf die Idee kommen, ein Spiel zu bewerten, das nach der 8. Minute eigentlich nicht mehr zu bewerten war. Die Römer mussten nichts mehr machen und hätten sicherlich zu jeder Zeit wieder einen Gang zulegen können, wenn es nötig gewesen wäre. Ein Arbeitnehmer im normalen Berufsleben kann es ja einmal versuchen, Montag und Dienstag so viele Böcke zu schießen, dass er Mittwoch bis Freitag damit beschäftigt ist, diese wieder zu bereinigen. Dass sein Chef Freitags dann zu ihm kommt, ihn bei der Hand nimmt und lobt, dass er nicht noch weiteren Mist gebaut hat, bezweifle ich in höchstem Maße.

Aber, nicht jeder Arbeitgeber ist eben wie der VfB. In der Wohlfühloase auf dem Wasen findet sich immer ein Schuldiger für die Verfehlungen seiner Angestellten, zuletzt wurde die zahlende Kundeschaft ausgemacht, Mitschuld an der Krise zu tragen.  Sogar die Zeitung mit den großen Buchstaben titelte „Spielermobbing durch die Fans“. Plötzlich hatten wir den schwarzen Peter, was auch umgehend zu einer Zerreißprobe zwischen den Fans untereinander geführt hat. Darf man eigene Spieler auspfeifen, wenn sie eingewechselt werden sollen, wenn zu befürchten ist, dass diese die Pfiffe, die ja eigentlich eher dem Trainer gelten, persönlich nehmen? Wie sonst kann man seinen Unmut über die Vereinspolitik und die mehr als dürftigen Darbietungen zum Ausdruck bringen, ohne, dass die Spieler sich über mangelnde Unterstützung beklagen müssen? Meiner Meinung helfen die Pfiffe dem Team sicherlich nicht. Daher wäre es für mich wünschenswert, dass diese ausbleiben oder sich nach dem Spiel entladen sollten. Trotzdem sollte man uns Fans auch zugestehen, kundzutun, dass wir mit den Leistungen in dieser Saison überhaupt nicht einverstanden sind.

Dass der Kader für drei Wettbewerbe dünn besetzt ist, die vielen Langzeitverletzten fehlen, vom Vorstand kein Geld für Neuzugänge, die uns weiter bringen, freigesetzt wurde, das sind alles Tatsachen, für die man mildernde Umstände geltend machen kann.

Jedoch wurde das Team, seit Labbadia da ist, nur auf wenigen Positionen verändert. In Anbetracht dieser Tatsache ist wenig Einstudiertes bei den Spielen zu erkennen. Man vermisst eine Spielidee, man vermisst einstudierte Standards, bundesligareifes Abwehrverhalten, schnelles Umschaltspiel und vieles mehr. Dazu weigerte sich Labbadia lange beharrlich Jungs aus dem 3. Liga-Team heranzuführen. Nur durch mit den Profis trainieren ist noch keiner besser geworden. Bereits in der letztjährigen Rückrunde hatte ich mir auf dieser Plattform gewünscht, nicht auf Teufel komm raus die Europa League erreichen zu wollen, sondern lieber im Hinblick auf diese Saison junge Leute zu Einsatzzeiten kommen zu lassen. Wäre dies gemacht worden, hätten wir uns heute sicher leichter getan, den einen oder anderen Ausfall zu kompensieren. Bis heute setzt Labbadia lieber noch einen (erfahrenen) Abwehrspieler auf die Bank, anstatt von der zweiten Mannschaft oder auch von der U19 einen Stürmer zu holen, wenn im Profireservoir keiner mehr vorhanden ist. Dann braucht sich Labbadia allerdings auch nicht über Pfiffe zu beklagen, wenn bei Rückstand ein Abwehrspieler eingewechselt werden soll. Diese gelten dann eindeutig ihm und nicht dem Spieler selbst.

Mir fällt es derzeit schwer, Hoffnung auf Besserung zu haben, wenn nichts Gravierendes geschieht. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist heute auf fünf Punkte zusammen geschrumpft, sollte morgen in Frankfurt nicht gepunktet werden bleibt es bis nach der Länderspielpause dabei. Die Statements von Labbadia und Bobic erwecken in mir nicht den Eindruck, dass sie sich der großen Abstiegsgefahr bewusst seien.

Mit Leistungen wie zuletzt wird es ganz schwer werden, die zum Klassenverbleib notwendigen ca. 10 Punkte zu holen.

Morgen geht es also zum Aufsteiger Eintracht Frankfurt, die überraschend Vierter sind. Ich wüsste nicht, was mir Hoffnung auf Besserung machen sollte. Klar, es ist ein Auswärtsspiel, wo wir uns zurzeit leichter tun. Bei der Eintracht könnte Unruhe herrschen ob des wohl bevorstehenden Abgangs von Armin Veh zu Schalke 04. Vielleicht ist dem VfB durch den Wegfall der Europa League Kür bewusst geworden, dass die Bundesliga das tägliche Brot ist und hier schleunigst gepunktet werden sollte, vor allem in Anbetracht der kommenden Aufgaben gegen Dortmund und in Hannover.  Andererseits kennt man den VfB in dieser Saison auch schon allzu gut. Es fallen wohl mehrere Stützen verletzt aus, Labbadia wird die, die auflaufen schon klein genug reden, dass sie sich am Ende nichts vorwerfen lassen müssen. Wenn die Leistung zu blamabel werden sollte, gibt es ja noch die Ausrede, dass die Eintracht frischer war, während wir noch die 90 Minuten von Rom in den Beinen hatten. Wobei, eigentlich waren es ja nur 5 Minuten Belastung und 85 Minuten auslaufen!

Schaun wir mal, was uns die Wundertüte VfB in Frankfurt bieten wird. Vor zwei Wochen in Leverkusen wäre ja auch ein, wenn auch glücklicher Sieg, möglich gewesen wäre. Wenn, ja wenn der VfB nach der Führung das nach vorne spielen nicht eingestellt hätte. Ich hoffe, diese Lektion haben sie endlich gelernt, dass wir keine Mannschaft sind, die ein 1:0 mal so eben locker über die Zeit schaukeln kann. Also, in einem solchen Fall, bitte endlich einmal nachlegen.

Oder wird es wie in Rom, noch auf der Suche nach der Klarheit und schon liegt man aussichtslos hinten? Auch nicht auszuschließen, zumal Veh in Frankfurt ein richtig gutes Team zusammengestellt hat.

Vor zwei Jahren war Frankfurt der Wendepunkt. Erst Delpierres Platzverweis, danach ein sensationell haltender Ulle und ein ganz wichtiger 2:0-Sieg. Ich würde mich freuen, wenn es heuer wieder so käme, allein mir fehlt der Glaube.

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11. März 2013

Eine Pleite jagt die nächste

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:47

Die Situation wird immer prekärer! Auf gerade einmal drei Heimsiege bringt es der VfB nach 25 Spieltagen. Gerade einmal vier Punkte sprangen aus acht Rückrundenbegegnungen heraus, gerade einmal fünf Törchen brachte der VfB in diesen acht Spielen zustande. Platz 14 in der Tabelle, (noch) nicht in allerhöchster Abstiegsgefahr, weil es drei Teams gibt, die tatsächlich noch um einiges schlechter da stehen als der VfB.

Alarmstufe rot? Mitnichten!!! Lauscht man zumindest den Ausführungen von Bobic und Labbadia, kurz Bobbadia, ist alles bestens. Einzig und allein die Ergebnisse stimmen nicht, sonst ist alles super. Das Team kämpft aufopferungsvoll und belohnt sich nur nicht. Wir sind neben den Bayern als einziges deutsches Team noch in drei Wettbewerben vertreten und können, sollten wir mit unserem Rumpelfußball ins Pokalfinale einziehen, über die Hintertür DFB-Pokal wieder in die Europa League einziehen. Aus heutiger Sicht muss ich sagen: bloß nicht, sonst stehen die Alibis für die nächste Übergangssaison auch schon wieder parat.

Bobbadia versteht jetzt natürlich die Welt nicht mehr. Zum einen rennen wir ihnen nicht (mehr) die Bude ein, die Lücken auf den Tribünen werden immer größer, und dann, ist ja wirklich die Höhe, applaudieren wir nicht mehr permanent, wenn sich unsere Spieler Scorerpunkte für Gegentore verdienen und der Kick & Rush-Fußball neu erfunden wird. Die unattraktive Spielweise ist das eine, darüber haben wir lange weggesehen, als die Ergebnisse stimmten. Jetzt aber ist die Spielweise unattraktiv, und man hat den Eindruck, dem einen oder anderen ist das Schicksal des Vereins egal, sie lassen es über sich ergehen, kein Kampfgeist, Konzentrationsschwächen, kein Helfen auf dem Platz, keiner, der voran geht, nichts, es plätschert alles so dahin. Wir schießen keine Tore, weil die Bälle planlos in den Strafraum geschlagen werden, in Situationen, die vielversprechend werden könnten, wird nicht richtig antizipiert und somit eine mögliche Chance schon im Ansatz vertan. Wir bekommen nichts geboten, was den Fußball so liebenswert macht und dann hat Bobbadia nichts Besseres zu tun, als in den Fans einen Mitschuldigen zu suchen und nach ihrem Gusto auch zu finden? Selbstkritik ist Bobbadia fremd! Wurde gegen Lazio wirklich Hajnal ausgepfiffen oder ist die Reaktion nicht auch der Tatsache geschuldet, dass Bobbadia den Vertrag mit einem Spieler verlängerte, dessen Zenit überschritten ist und der eigentlich keine Rolle mehr spielt. Galten die Pfiffe gestern tatsächlich Molinaro, als dieser eingewechselt werden sollte, oder hatte dies nicht vielleicht möglicherweise damit zu tun, dass beim Stande von 0:1 ein Abwehrspieler kommen sollte? Dass Labbadia seine Entscheidung, von der er ja wohl überzeugt gewesen sein musste, wieder zurück nahm, sagt einiges über dessen derzeitige mentale Verfassung aus und wirft bei mir die Frage auf, ob er wirklich einen Plan hat, wie er uns aus dieser Misere herausführen kann.

Dass die Situation und der vom Vorstand verordnete Sparkurs nicht einfach zu handeln ist, dass, angesichts der Dreifachbelastung und der Verletzten das Team auf dem Zahnfleisch daher kommt, leuchtet mir ein. Dennoch jammern wir sicherlich noch auf einem sehr hohen Niveau von den finanziellen Möglichkeiten her. Es gibt in der Bundesliga durchaus auch Mannschaften mit kleineren Etats, die uns den Rang abgelaufen haben, bei denen aber so etwas wie eine Spielidee oder ein Matchplan zu erkennen ist. Hat ein Team die Handschrift seines Trainers, haben die Spieler sein System verstanden, ist es auch einfacher, von der Bank jemanden zu bringen, der genau weiß, welche Rolle er im Korsett einzunehmen hat. Beim VfB 2013 hingegen wird es dagegen immer vogelwilder, je mehr Neue herein kommen, das ganze „System“ ist nur auf Kommissar Zufall aufgebaut.

Labbadia ist jetzt ziemlich genau 2 ¼ Jahre da und hatte einige Transferperioden Zeit ein schlagkräftiges Team zu formen oder Spieler unserer zweiten Mannschaft soweit aufzubauen, dass sie in die Presche springen können, wenn ein Spieler den Verein verlässt bzw. Not am Mann ist. Wie erwähnt, hier ist die Finanzmisere nicht das alles entscheidende Kriterium, dazu gehört auch ein gutes Auge und ein Plan, um den Kader im Rahmen unserer Möglichkeiten zu verstärken.

Ich war lange „Pro Bruno“ eingestellt, nicht weil ich ihn besonders mag, sondern, weil ich ihn als VfB-Trainer akzeptiere und vor allem, weil ich mich endlich nach Kontinuität beim VfB sehne und denke, dass „unser“ sauer verdientes Geld lieber in die Kaderverstärkung denn in eine Trainerabfindung investiert werden sollte.

Mittlerweile aber traue ich es Labbadia nicht mehr zu, das Ruder noch herum zu reißen. Vielleicht ist er auch zu lieb für das Geschäft, wenn er sich stets schützend vor sein Team stellt und gebetsmühlenhaft Ausreden auftischt, weshalb es nicht läuft und ständig am Jammern ist. Bei dieser negativen Grundstimmung, die er verbreitet, frage ich mich, wie die Spieler positiv gestimmt auf den Platz gehen sollen. Auch bzw. Oder von Bobic würde ich mir wünschen, dass er sich mal hinstellt, und zugibt dass es eine verdammte Scheiße ist, die sie zusammen spielen und wie sie gedenken, diesen Negativtrend wieder zu stoppen. Fredi Bobic muss aufpassen und sich ein Stück weit von Labbadia abgrenzen, wenn er auch nach einem möglichen Trainerwechsel noch Manager bleiben möchte. Seine Position bietet durchaus Spielraum ein eigenes Profil zu schärfen und trotzdem loyal zum Trainer zu stehen.

Da keiner im Verein Klartext spricht, keiner den unzufriedenen Fans ein Stück weit Recht gibt und Verständnis für die Unzufriedenheit aufbringt, muss ich davon ausgehen, dass der Ernst der Lage noch immer nicht in deren Köpfen angekommen ist. Unsere nächsten Aufgaben heißen in der Liga Frankfurt (a), Dortmund (h), Hannover (a) und Mönchengladbach (h). Allesamt Gegner, bei denen man sich fragt, wie gegen sie etwas zu holen sein soll, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Mit Leistungen wie in Leverkusen, gegen Lazio und jetzt gegen den HSV wird man jedenfalls nicht mehr viele Punkte einfahren können und hoffen müssen, dass Augsburg und Hopp ähnlich schlecht punkten werden.

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9. März 2013

Graue Maus dank Mäuser!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:15

Letztes Wochenende, zum 80. unseres Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder wurde ich kurz sentimental. Was war das noch für ein Präsident? Einer, der uns gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Wiederaufstieg beschert hat. Der VfB wurde damals bester Aufsteiger aller Zeiten und auf Anhieb Vierter mit den jungen Wilden 1 um Karl-Heinz Förster und Hansi Müller. Der VfB hielt sich über Jahre in der Spitzengruppe der Liga, obwohl man Abgänge von Leistungsträgern wie Hansi Müller oder Dieter Hoeneß zu verschmerzen hatte. Man schaffte es aber, diese zu kompensieren, weil MV gute Kontakte landein, landaus hatte, bspw. einen Asgeir Sigurvinsson an den Neckar lockte, dem bei den großen Bayern der Durchbruch verwehrt blieb. Zudem profitierte man vom damals noch starken, wenn auch immer im Hintergrund wahrgenommenen, zweiten Stuttgarter Profiverein, dem SV Stuttgarter Kickers, denen man in den 70ern Walter Kelsch, später dann Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald und in den 90ern noch Fredi Bobic abluchsen konnte.  Der VfB fuhr Erfolge ein, feierte Finalteilnahmen und hielt sich konstant in den Top-Five, auch wenn es hier und da mal eine oder zwei Saisons zur Konsolidierung gab. MV gelang es immer wieder mal einen Weltstar wie Carlos Dunga zu uns zu locken und verpflichtete unser magisches Dreieck, Bobic kam von den Kickers. Giovane Elber wurde bei den Grasshoppers Zürich entdeckt und Krassimir Balakov wurde von Sporting Lissabon losgeeist. Klar sagte man ihm nach, den Verein nach Gutsherrenart zu führen, er hörte sich alle Meinungen an, die Entscheidungen fällte er jedoch Höchstselbst, nicht selten nach seinem Bauchgefühl. Er hinterließ Schulden in beträchtlicher Höhe, was den VfB Anfang der 2000er in Existenzängste trieb. Daher war sicherlich nicht alles Gold was glänzte und als Folge dessen wurden ja die Kontrollmechanismen im Verein verschärft, so dass so etwas ohne Durchwinken der Gremien heute nicht mehr möglich ist.

Warum ich trotzdem sentimental werde, wenn ich an die Zeit zurück denke und mit heute vergleiche? MV als Präsident hatte Charisma, hatte zudem in Ligaverband und FIFA hohen Einfluss, war stets präsent und immer darauf aus, ja keinen Manager größer zu werden zu lassen, als er selbst es war. Er hatte den höchsten Posten im Verein inne und das kehrte er nach außen. Bei ihm kam es nicht vor, dass der Verein von einer Blamage in die nächste geschlittert wäre und er untergetaucht wäre oder immer seinen Manager vorgeschickt hätte. Es mag sicher auch daran gelegen haben, dass MV für die Pressevertreter ein interessanter Interview-Partner war, dem nicht selten aus einer Laune heraus eine Exklusivnachricht entlockt werden konnte. MV war interessant und hatte immer etwas zu sagen. Dadurch war auch der VfB in aller Munde und eine Marke. Und, der VfB stand jahrzehntelang für attraktiven Offensivfußball!

Ein Mäuser jedoch, Präsident von Hundts Gnaden, duckt sich stets weg und hält sei Gosch, manchmal sicher auch besser so, tritt er doch gerne vom einen Fettnäpfchen ins Nächste.  Durch sein jähzorniges Naturell vergrault er langjährige Mitarbeiter und sieht tatenlos zu, wie einer nach dem anderen das sinkende Schiff verlässt und zur Konkurrenz wechselt. Er predigt gebetsmühlenartig den Stuttgarter Weg, von dem er wohl exklusiv überzeugt ist. Die Realität sieht anders aus. Unseren jungen Spielern werden stets „erfahrene“ Durchschnittskicker von Reservebänken anderer Vereine vor die Nase gesetzt, ein präsidiales Eingreifen und Einflussnahme in die sportliche Leitung scheint tabu zu sein. Die sportliche Leitung wird den Medien zum Fraß vorgeworfen, Mäuser selbst hält sich vornehm im Hintergrund und tut Nichts.

Man geilt sich vielmehr daran auf, dass der VfB neben den Bayern als einziger Verein noch in allen drei Wettbewerben vertreten ist, dass dieser Umstand einzig und allein einem unglaublichen Losglück zuzuschreiben ist, vergisst man gerne. Man nimmt die Misere einfach hin, ohne einmal Eier zu zeigen und auf den Tisch zu hauen. Dass die Bilanz auf dem Papier besser aussieht als sie wirklich ist, wird genauso totgeschwiegen, wie dass man eine Trainerdiskussion auch nur im Ansatz zulässt. Ich sehne mich ja ebenso nach Kontinuität, jedoch nicht auf Teufel komm raus. Weshalb man noch unbedingt im Januar den Vertrag mit Bruno Labbadia um zwei Jahre verlängern musste, wobei der Verein ja ursprünglich sogar an drei Jahre dachte, ist mir ein Rätsel. Ist das unser Anspruch mit blutleeren Auftritten im Mittelmaß herum zu dümpeln, immer auch mit einem Bein in der zweiten Liga? Kann es im Interesse des Vereins liegen, alles nur noch schönzureden und die Kritiker einfach zu ignorieren? Sind es nicht Alarmzeichen genug, dass zu einem Samstag-Nachmittag-Spiel gegen Werder Bremen, das eigentlich immer für Spektakel steht, nur noch 40.000 Zuschauer kommen? Die Zuschauerresonanz im Europa- und DFB-Pokal möchte ich gar nicht überbewerten. Bei diesen Anstoßzeiten ist es für viele zeitlich einfach nicht machbar, die exorbitant gestiegenen Eintrittspreise tun ihr übriges. An der Preisschraube ist der VfB ja offensichtlich nicht bereit zu drehen, in vfb-direkt wird ständig darauf hingewiesen, wie hochwertig der Wettbewerb sei und dass die Preise angemessen wären. Die Quittung dafür sind eben halbe Geisterspiele im weiten Rund des Neckarstadions. Apropos vfb-direkt, auch eine Idee von Herrn Mäuser. Dieses Medium könnte sich der VfB sparen, liest man doch höchstens in 1% der Fragen und Antworten überhaupt etwas neues, erfolgen die Antworten selbstherrlich und mit Textbausteinen, die man schon hundertmal gelesen hat. Was ich aus diesem Medium lediglich herauslesen kann: „immer sind die Anderen schuld“. Wenn Lady Ländle peinlich ist, sind es verkaufte Werbezeiten, auf die der VfB keinen Einfluss hat, ist die Qualität der Trikots schlecht oder sind sie zu teuer, wird Puma der schwarze Peter zugeschoben, schmeckt die Stadionwurst nicht oder ist sie zu kalt, wird man an den Caterer verwiesen, funktioniert der Tageskartenverkauf nicht oder muss man bis lang nach Spielbeginn in der Schlange stehen, ist man selber schuld, weil man die Karte nicht im Vorverkauf erworben hat. Auch die Kritik an der ohne Abstimmung mit den Fans vorgenommenen und auf Teufel komm raus durchgeführten Wahl zur Stadionhymne wird einfach ignoriert bzw. zurückgewiesen. Dies könnte ich noch ewig so weiter führen, als Fan fühle ich mich von dieser Plattform eher verarscht, als dass sie einen Mehrwert brächte. Aber, man liest halt doch mit und regt sich jedes Mal aufs Neue auf.

In Sachen Viagogo wird auf konkrete Fragen schon überhaupt nicht eingegangen, sondern lediglich auf die Stellungnahme von Mäuser verwiesen, die er zu Beginn der Partnerschaft tätigte. Es wird auch immer stets betont, dass man die ursprünglich geplante Fassung noch geändert hatte, als der Fanausschuss intervenierte. Dann heißt es so schön „in Absprache mit dem Fanausschuss“, obwohl dieser strikt gegen diese Form von Legalisierung des Schwarzmarkts war.

Der Dialog mit dem Fanausschuss stand kürzlich kurz vor dem Aus, weil sich der Verein nicht an Absprachen hielt und seine Vorhaben sowieso umsetzt, man hat dann eben darüber gesprochen. Einflussmöglichkeiten sehen anders aus. Noch unter Erwin Staudt fanden die Fans weitaus mehr Gehör als jetzt unter Mäuser, mit dem eine konstruktive Zusammenarbeit offensichtlich nicht möglich ist.

Zum Wohle des Vereins kann es eigentlich nur eines geben, Mäuser Raus! Eine Abwahl eines VfB-Präsidenten während der Amtszeit wäre, soviel ich weiß, ein Novum in der fast 120-jährigen Geschichte vom VfB. Möglicherweise ist die Chance dazu bei der nächsten Mitgliederversammlung so groß wie nie, wird es doch auch in der Wappenfrage zu einer Abstimmung kommen. Dieser Tagesordnungspunkt wird viele Leute aus der Kurve mobilisieren die Mitgliederversammlung zu besuchen, wo sonst überwiegend alte Schergen und der Freundeskreis anwesend sind, die den Vorstand brav entlasten und alles ab nicken, was im letzten Geschäftsjahr so schief gelaufen ist. Es muss eine Palastrevolution her, um den Verein wieder nach vorne zu bringen. Auch ein Dieter Hundt, mittlerweile weit jenseits der 70, sollte abdanken und jüngeren den Vortritt lassen.

Der Fisch stinkt gewaltig vom Kopf, trotzdem kann man auch die sportliche Leitung nicht unbehelligt lassen. Es ist klar, dafür hat auch jeder Verständnis, dass nach wie vor ein Sparkurs eingehalten werden muss und somit die Hände ein Stück weit gebunden sind. Trotzdem wird mir zu sehr schwarzgemalt. Wir sind immer noch der VfB, haben noch immer die stärkste zweite Mannschaft in Deutschland, haben ein tolles Stadion, ein begeisterungsfähiges Umfeld, ein riesiges Einzugsgebiet und sind in einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas beheimatet. Das sind Pfunde, mit denen wir nach wie vor wuchern können, darin stecken Potentiale, die geweckt werden wollen.

Wenn man aber einen Trainager Bobaddia hat, ich fasse die Herren hier der Einfachheit halber zusammen, da sie sowieso dieselbe Sprache sprechen, der stets nur am jammern ist und alles schon im Vorfeld madig macht, dann wecke ich natürlich auch kein Interesse und muss mich über leere Ränge im Stadion nicht wundern Mit Aussagen wie „die Europa League wird von den Fans in Stuttgart nicht angenommen“, im Vorfeld eines Spiels, gebe ich doch denen, die nicht kommen wollen, schon im Vorfeld ein Alibi. Ich kann mich an Plakataktionen von früher erinnern, Verein für Begeisterung, wo einfach Lust geweckt wurde und ein Stück weit auch an die Ehre eines Fans appelliert wurde, den Verein zu unterstützen. Es wird jeder noch so kleine Gegner groß geredet, Demut, Lernprozess, „wir sind noch nicht so weit“, „brutal harter Wettbewerb“, „steiniger Weg“, „hohe Erwartungshaltung“, etc. pp. Kurz, es wird permanent gejammert, unser VfB wird kleingeredet, es werden schon im Vorfeld Alibis gesucht und auch gefunden. Wenn Bobaddia so auch mit den Spielern redet, wundern mich die ängstlichen, blutleeren Auftritte überhaupt nicht. Es wundert mich dann auch nicht, dass keiner auf dem Platz steht, der die Anderen mitreißt, wenn man mal 0:1 hinten liegt und es mit einem „brutal schweren Gegner“ zu tun hat, der womöglich noch „in einer anderen Liga spielt“. Bobaddia wird nicht müde zu wiederholen, dass ein einziges unvorhergesehenes Ereignis genügt, um das fragile Gebilde einstürzen zu lassen, sprich dass sich die Mannschaft danach abschlachten lässt. Ich denke „mit unvorhergesehenem Ereignis“ meint Bobaddia auch die individuellen Fehler, die die Jungs in unschöner Regelmäßigkeit auf den Platz bringen. Wenn man hinten anfällig ist und vorne das Tor nicht trifft, hat man ein richtiges Problem, so vor allem in den letzten Spielen, wo auch unser Torjäger Vedad Ibisevic Ladehemmung hatte. Umso weniger ist für mich nachzuvollziehen, dass der Fußball von Bobaddia darauf ausgelegt zu sein scheint, sich nach eigener Führung ins Schneckenhaus zurückzuziehen und den Gegner, der in diesem Moment ja am Boden liegt, kommen zu lassen und stark zu machen, anstatt selbstbewusst nach vorne zu spielen und nachzulegen. Das, was Bobaddia derzeit spielen lässt, ist Angsthasenfußball unterster Schublade, der mittlerweile nicht nur nicht zum anschauen ist, sondern dazu noch keine Punkte einbringt. Der VfB ist die schlechteste Rückrundenmannschaft und steht mittlerweile auch in der Europa League vor dem Aus. Es sieht jeder ein, dass wir keinen Kader besitzen wie die Bayern oder der BVB. Dass aber, gerade angesichts der hohen Belastungen und Formschwäche einiger Spieler, nur immer die gleichen 12,13 Feldspieler zum Einsatz kommen und Auswechslungen erst erfolgen, wenn das eintrat, was lange Zeit absehbar war, dafür fehlt mir jegliches Verständnis.

In Sachen Aufstellung und Ein-/ Auswechslungen komme ich auf Bruno Labbadia zurück. Er vertraut offensichtlich nach wie vor dem Gros der Tribünenhocker nicht, geschweige denn unseren Jungs von der Zweiten, die schon Profiluft schnuppern durften. Und wenn endlich ein Martin Harnik, der meilenweit von der Form der Vorsaison entfernt ist, wie gegen Rom, durch Alexandru Maxim ersetzt wird, kommt auch noch Pech hinzu, da er durch eine rüde Attacke mit Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste. Ein William Kvist ist momentan noch schwerer vermittelbar. Was er in der Rückrunde oder wie auch am Donnerstag gegen Lazio schon Gegentore verschuldete geht auf keine Kuhhaut. Dazu ist er, ganz Labbadias Liebling, ein Sicherheits- oder besser Rückpasskönig par excellance. Nicht selten kommt es beim VfB vor, dass, zehn Sekunden nach eigenem Eckball, der Ball zu Sven Ulreich zurück gespielt wird. Kvist macht das Spiel langsam und ist zudem völlig von der Rolle und offensichtlich ohne jegliches Selbstvertrauen, so dass er schon fast zwanghaft den Sicherheitsrückpass einer offensiven Aktion vorzieht. Wenn ein Trainerteam an sich selbst den Anspruch stellt, die Spieler von Tag zu Tag besser machen zu wollen, haben sie bei Kvist etwas falsch gemacht, er ist nur noch ein Schatten seiner Darbietungen aus der Vorsaison. Hatte man jahrelang ein Überangebot an talentierten und spielstarken Sechsern ist Kvist nun fast alternativlos, was meine Hoffnungen auf Besserung in der Spielweise doch dämpft. Den einzigen im Kader, den ich mir noch vorstellen könnte, ist Rani Khedira. Doch der ist jung und gleichzeitig unerfahren und wird so den Sprung in unser ach so funktionierendes Team sicherlich nicht allzu früh schaffen.

Wenn sich in einer Mannschaft die Unkonzentriertheiten und Slapstickeinlagen häufen, wenn die Laufbereitschaft zu wünschen übrig lässt, keiner dem anderen hilft, die Ordnung auf dem Platz nicht stimmt und der Gegner Spiel für Spiel zum Tore schießen eingeladen wird, stellt sich automatisch die Trainerfrage. Man fragt sich, erreicht der Trainer das Team noch? Spielt die Mannschaft gegen den Trainer? Ist es der Fußball, den der Trainer verlangt, wenn er offensichtlich nicht oder erst sehr spät korrigierend eingreift? Warum wechselt Labbadia nicht auch einmal schon nach 20 Minuten aus, wenn er von außen feststellt, dass ein Spieler bei der Mannschaftsbesprechung nicht zugehört hat und sein eigenes Ding macht? Da er diesbezüglich überhaupt keine Anstalten macht, unterstelle ich mal, dass das, was derzeit auf den Rasen gebracht wird, Fußball a` la Labbadia ist und dieser uns auch in der Zukunft drohen wird, wenn Labbadia am Ruder bleibt. Und dann braucht sich nun mal niemand zu beschweren, dass sich viele das nicht antun zu wollen und diese Zeit lieber der Familie widmen oder sich den weiten, beschwerlichen Anreiseweg ersparen. Und, nein, ich rede hier nicht von Erfolgsfans! Die meisten Fans akzeptieren ja die Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, sie akzeptieren, dass man nicht mehr zu den Top-Vier gehört und wohl auch so schnell nicht Stammgast in der Champions League sein wird. Doch, die Leute, die ihr Geld in Stadion tragen, welches wiederum den Millionären auf dem Rasen zufließt, erwarten eine Gegenleistung in Form von Identifikation, Kampfgeist, Willenskraft. Diese Attribute vermisst man derzeit völlig, man hat eher den Eindruck, das Team ergebe sich in sein Schicksal und außer Phrasen a` la Bobaddia bekommt man nichts zu hören. All dies macht wenig Hoffnung auf Besserung. Auch die traditionell starke Rückrunde, die oftmals Probleme kaschiert hatte, scheint in dieser Saison auszubleiben. Somit taumeln wir weiter durch die Liga und können uns mittlerweile daran ergötzen, dass Augsburg gestern gegen Nürnberg keine Punkte geholt hat. Der VfB wird noch zwei bis drei Siege benötigen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Momentan kann ich mir jedoch nicht vorstellen, gegen wen diese gelingen sollen. Mit Leistungen wie zuletzt, gewinnt man in dieser „brutal ausgeglichenen Liga“ kein Spiel! Es muss jetzt ein Befreiungsschlag her wie er in der letzten Saison beim 5:0 gegen Hertha gelang, von mir aus auch wieder begünstigt durch eine frühe rote Karte.

Die größte Möglichkeit, außer dem Nichtabstieg, diese verkorkste Saison noch zu retten, wäre das Pokalfinale in Berlin. Das Losglück blieb uns hold und bescherte uns abermals ein Heimspiel. Allerdings, mittlerweile habe ich höchsten Respekt, wenn ich an die Breisgau-Brasilianer denke. Klasse, was Christian Streich dort innerhalb eines Jahres aus der Truppe gemacht hat und welche Begeisterung er vorlebt. Er ist wie Labbadia ein Typ Trainer, der vor Ehrfurcht erstarrt angesichts der großen Namen, mit denen er es in der Bundesliga zu tun hat. Im Gegensatz zu Labbadia aber wandelt er diese Ehrfurcht in positive Energie um und kitzelt aus seinen Jungs, die er zum Großteil von Kindestagen an kennt, die paar Prozent mehr heraus, die nötig sind und den Unterschied ausmachen. Während Labbadia griesgrämig nur die Last sieht, versprüht Streich Lust, es den großen zu zeigen. So wird das Halbfinale sicherlich kein Selbstläufer. Noch haben wir fünf Wochen Zeit um in eine bessere Phase zu kommen und Selbstvertrauen zu tanken. Was mich in diesem Zusammenhang aber schon wieder tierisch nervt, ist, dass von fast allen vom VfB angesichts der Chance auf den Finaleinzug hervorgehoben wird, dass wir dann ziemlich sicher auch in der nächsten Saison international dabei wären, und keiner auf die Idee kommt, den Pokal dann auch gewinnen zu wollen. Minimalistendenken eben!

Morgen geht es gegen den wiedererstarkten HSV der jüngst im Westfalenstadion zu Dortmund mit 4:1 gewonnen hat. Danach geht’s zum starken Aufsteiger nach Frankfurt, dann Dortmund zu Hause und Hannover auswärts. Angesichts dieser Aufgaben wird mir eigentlich angst und bange. Hier bin ich wieder beim Einstiegsthema und würde mir jemanden wünschen, der jetzt wachrüttelt und vom allgemeinen Kuschel- und Streichelkurs abrückt und die Protagonisten an den Ernst der Lage erinnert und nicht erst aufwacht und in Aktionismus verfällt, wenn es fast schon wieder zu spät ist.

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3. März 2013

Happy Birthday, Mr. President!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:03

Happy Birthday, MV. Ein Präsident mit Ecken und Kanten, mit dem Bundesligaaufstieg, zwei Deutschen Meisterschaften, dem Pokalsieg 1997, zwei Europacupfinalteilnahmen etc. pp sportlich sehr erfolgreich. Ein Mensch, der es schaffte namhafte Spieler wie Carlos Dunga an den Neckar zu locken, der Ausstrahlung versprühte und eine unbändige Leidenschaft für den VfB. Kurz: ganz und gar keine graue Maus, wie wir sie jetzt auf dem Präsidentensessel erdulden müssen. Von MV habe ich persönlich von klein auf profitiert, in dem ich als Bub zu jeder Saison Autogrammkarten en masse und das unterschriebene Mannschaftsposter sowie einiges mehr bekam, meist von seinem Fahrer. Da mein Vater als Beamter, auch direkt unter MV, bei Betriebskicks mit ihm Fußball spielte, wurde auch des öfteren über die Dörfer getingelt und für einen guten Zweck gespielt, wo natürlich immer Volksfest angesagt war, wenn MV aufkreuzte. Auch da war ich öfter dabei und hatte, letztmals vor etwa fünf Jahren, immer wieder die Gelegenheit mit ihm über den VfB zu sprechen. Ob ihm die Vorliebe für guten Sekt und Wein durch sein Geburtsdatum 3.3.33 in die Wiege gelegt wurde, vermag ich nicht zu sagen. Dieses kann aber sogar ich mir leicht merken. ;-) . Aus diesen Gründen habe ich mich prinzipiell an “Vorfelder-Raus-”-Rufen, die immer wieder mal durchs Neckarstadion tobten, nie beteiligt. Es war wahrlich nicht alles Gold was glänzte unter seiner Ägide, dennoch war er ein Präsident, über den ich heutzutage glücklich wäre. Der durch seinen Einfluss in DFB und UEFA die Interessen des VfB vertrat, damals waren wir wer, heute lassen wir uns von allen nur noch über den Tisch ziehen. Das einzige, das ich ihm nicht verzeihe war die Entlassung von Jogi Löw und die Intrhonisierung von W. S. aus KA, und das nach einer Saison in der wir ins Pokalsiegerfinale in Stockholm einzogen. Überwiegen tun aber eindeutig die posiviten Erinnerungen und deshalb wünsche ich MV von Herzen alles Gute, vor allem Gesundheit und etwas mehr Ruhe und Gelassenheit im neuen Lebensjahrzehnt. Sein Herz wird es ihm danken!

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