28. März 2014

Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden (Hermann Hesse)

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 17:04

Ich gebe es zu. Auch ich habe auf der Rückfahrt von Nürnberg in den Abgesang unseres VfB in die 2. Liga mit eingestimmt. Zu erschütternd die Vorstellung, zu hilflos die Körpersprache der Spieler, die es letztlich richten müssen.

Wer hoffte, aus dem Ende der Sieglosserie gegen den HSV wäre neuer Mut geschöpft worden, musste sich prompt eines Besseren belehren lassen. Gegen einen Gegner, der seinerseits mit vier Niederlagen am Stück angetreten ist, ließ man sich nach einer Viertelstunde bereits nach und nach den Schneid abkaufen und nahm den Abstiegskampf gelinde gesagt nicht an. Der VfB war an Passivität nicht zu überbieten und überließ den Nürnbergern fast kampflos das Feld. Zwei einigermaßen ernsthafte Torschüsse in 90 Minuten, in einem solch existentiell wichtigen Spiel, dafür fehlen mir eigentlich immer noch die Worte.

Wenn die einzelnen Spieler schon nicht wegen uns Fans, schon gar nicht wegen sich selbst, für ihre fürstliche Entlohnung alles daran setzen, den größtmöglichen Schaden vom Verein abzuwenden, dann sollten sie wenigstens für die Firma VfB, für die Mitarbeiter, denen sie tagtäglich begegnen, kämpfen. Ein Abstieg würde u. a. Personalabbau auf der Geschäftsstelle und in anderen Bereichen bedeuten, und das von Leuten, denen es bei weitem nicht so gut geht, wie den Herren Profis.

Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass diese Truppe in dieser Zusammenstellung untrainierbar ist. In der Winterpause hätte man vielleicht noch entgegensteuern können, den einen oder anderen faulen Apfel aussortieren und stattdessen einen willigen Leitwolf holen können. Welchen Wert bspw. ein Julian Schuster in Freiburg für diese Rasselbande dort hat fasziniert mich immer wieder. Er wäre ein Spieler gewesen, dessen Vertrag ausgelaufen wäre (er hat kürzlich erst verlängert), dem man eventuell eine Rückkehr hätte schmackhaft machen können. Dies ist jetzt nur ein Beispiel, dass ein charakterlich einwandfreier Spieler mit Führungsqualitäten nicht unbedingt teuer sein muss!

Alles lamentieren hilft uns jetzt aber nicht weiter. Nach Schließen des Transferfensters war klar, dass Schneider, Bobic & Co. diesem Kader ihr Vertrauen schenkten und wir wohl oder übel damit über die Runden kommen müssen. Auch wenn momentan wenig für den Klassenverbleib spricht, muss bis zum letzten Blutstropfen und solang der Käs rechnerisch noch nicht gegessen ist, alles versucht werden, um das Unheil abzuwenden.

Mein heutiger Titel „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ sollte in der Kabine aufgehängt werden, damit es sich jeder verinnerlicht. Jeder Tag ist ein neuer Anfang, jeder Anpfiff eröffnet ein neues Spiel mit zunächst einmal den gleichen Chancen für beide Mannschaften. Jedes Spiel beginnt bei 0:0, kein Team, außer vielleicht den Bayern, ist unschlagbar. Jeder hat mal einen schlechten Tag, warum nicht gegen uns. Diesen hat jedoch kein Team von vornherein. Jede Mannschaft, die den Platz betritt, hat zunächst einmal vor, diesen wieder als Sieger zu verlassen. Wir müssen es uns erarbeiten, dass ein Gegner nachlässt und sich im Laufe des Spiels womöglich mit einer Niederlage anfreundet. Das geht allerdings nur über bedingungslosen Einsatz, volle Konzentration und mit der Bereitschaft Fehler der Mitspieler auszubügeln und über die Schmerzgrenze. Tugenden, die uns zuletzt völlig abgingen, die man aber von einem Profi erwarten kann und auch erwarten muss. Da es alle schon gezeigt haben, dass sie es besser können, ist auch bei uns noch nicht aller Tage Abend.

Ich habe mal zusammenfasst, was meiner Ansicht nach für und was gegen den Abstieg spricht und dabei natürlich das so wichtige Spiel morgen gegen Borussia Dortmund in den Vordergrund gestellt.

Pro: wer in Nürnberg so blutleer agiert, hat es nicht begriffen und hat keine Existenzberechtigung in der Bundesliga. Gentner (einige haben es nicht begriffen) und Rüdiger (nur 90% gegeben) mit ihren Statements machen mir Angst.

Der VfB hat in dieser Saison noch kein überzeugendes Spiel über 90 Minuten abgeliefert.

Die vielen späten Gegentore, die vielen Jokertore des Gegners, ein Indiz von schlechter Kondition und fehlender geistiger Frische und Flexibilität. Im Trainingslager wurde zwar Robben Island besichtigt, genügend trainiert aber nicht.

In der Winterpause wurde ein potentieller Stabilisator wie Kvist abgegeben. Moli, der zumindest für die Stimmung im Team gut war, verkauft und keinen Ersatz geholt. Wir haben keine Mannschaft auf dem Platz, die sich hilft, lauter kleine Grüppchen und Ich-AG’s, denen es größtenteils wohl wirklich am A… vorbei geht, wenn der VfB absteigt. Die heuern eben beim nächstbesten Club an und treiben dort ihre Spielchen weiter.

Das ist auch das, das mir am meisten Angst macht. Viele werden jetzt schon mit dem Kopf mehr beim nächsten Arbeitgeber sein, als hier ihre verdammte Pflicht zu tun.

Kontra:

Wir haben noch vier Heimspiele. Mit vier Heimsiegen wären wir ziemlich sicher gerettet. Der Heimfluch muss besiegt werden, Hamburg als guten Anfang sehen. Ganz wichtig, morgen gegen Dortmund: agieren wir wie das Kaninchen vor der Schlange, kassieren wir die nächste Packung. Gelingt es aber Präsenz in den Zweikämpfen zu zeigen, hart und nicht unfair, einfach den Dortmundern klar zeigen, dass es den Sieg nicht umsonst gibt, wer weiß, ob dann nicht der eine oder andere lieber zurückzieht, möchte er doch am Dienstag bei Real dabei sein. Gut möglich auch, dass Klopp, der sich bei den jüngsten Aufeinandertreffen massiv über unsere harte Gangart beschwert hat, den einen oder anderen vorsorglich gleich draußen lässt. Das müssen wir ausnutzen. Gestern hat mich stutzig gemacht, dass viele meinten „wer weiß, vielleicht holen wir ja einen Punkt gegen den BVB“. Zum einen helfen uns nur noch Siege weiter, zum anderen darf man aber gerade das der Mannschaft nicht vermitteln. Eher mal Videoanalyse betreiben, wie es der HSV geschafft hat, 3:0 gewinnen, übrigens auch vor einem CL-Spiel. Das muss der Anspruch sein, die Heimspiele zu gewinnen. Selbst die Bayern hatten wir ja lange am Wickel!

Wenn man den Worten von Bobic gestern Glauben schenken darf, hat die Mannschaft Stevens nach dem Nürnberg-Spiel so richtig kennengelernt. Absolute Fokussierung auf den Beruf, keine Privattermine bis auf weiteres und ein rauer Umgangston herrschen wohl seitdem. Hat die Mannschaft auch nur einen Hauch von Charakter, wird sie anders auftreten als in Nürnberg.

ZUSAMMENHALTEN, die Fans werden, wie gegen Hamburg ja auch, wie ein Mann hinter der Mannschaft stehen und alles mögliche versuchen, der Mannschaft zu helfen. An der Unterstützung wird es bei allen restlichen Spielen nicht mangeln. Auf der anderen Seite bleiben die Dortmunder Ultras lieber zu Hause und schauen ihre Amateure gegen Preußen Münster, Protestaktion wegen der überhöhten Eintrittspreise und, aus ihrer Sicht, Top-Zuschlag in jedem Spiel. Der Gästeblock wird zwar dennoch voll sein, gibt ja auch genügend Majas hier um die Ecke, ob die gleiche Stimmung dort herrschen wird, sie sich sogar wegen Uneinigkeit kloppen, werden wir sehen. Wir sind das Heimteam, also haben die sowieso keine Chance, akkustisch die Oberhand zu gewinnen.

Fragt sich, welche Argumente sich durchsetzen. Ich bin von der Mannschaft und damit von fast allen Spielern maßlos enttäuscht, aber die müssen es eben jetzt für uns richten. Notfalls noch eine attraktive Nichtabstiegsprämie ausloben (wäre zumindest weitaus günstiger als ein Abstieg), die den Spielern Beine macht, anders erreicht man einen Großteil der Söldner leider nicht mehr. Trotzdem sehe ich bei den vier Heimspielen durchaus eine Chance, nur, morgen muss einfach mal ein deutliches Signal gesetzt werden. Über den Kampf ins Spiel finden und nicht versuchen, den Dortmundern in technischer Hinsicht ebenbürtig zu sein. Da liegen nämlich Welten zwischen dem Champions League Finalisten und unseren Rumpelfußballern!

Mein Fazit: die Lage ist düster und doch nicht ganz aussichtslos!

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23. März 2014

Endlich!!!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 17:40

Endlich, der erste Sieg nach zuvor zehn (!) sieglosen Spielen. Endlich mal wieder zu null, was uns in den letzten 18 (!) Spielen nicht mehr gelungen war.
Ein Gegentor in zwei Spielen unter der Leitung von unserem neuen Mann an der Seitenlinie, Huub Stevens, liest sich sehr positiv. Seine Maxime „die Null muss stehen“ zeigt bereits nach knapp zwei Wochen Amtszeit Wirkung. Der VfB wirkt jetzt schon kompakter und organisierter, als noch unter Schneider. Mit Stevens habe ich erstmals seit Christian Gross wieder ein gutes Gefühl, was den Trainer angeht, ist er doch einer, der Respektperson ist, dem keiner etwas vormachen kann, der mit Argusaugen darüber wacht, dass Disziplin herrscht. Einen solchen Typen braucht die Mannschaft. Einen, der gerecht ist, vor dem die Spieler Respekt haben, dem die Spieler Glauben schenken und trotzdem nicht auf der Nase herumtanzen. Dann nämlich würden sie ihn richtig kennen lernen.
Hatte man unter Schneider noch den Eindruck eines Laissez-faire-Führungsstils gibt Stevens einfachste Dinge vor, die einzuhalten sind. Sei es die Einführung der Pflicht des Tragens von Schienbeinschonern auch beim Training, sei es ein gemeinsames Frühstück vor Vormittags-Trainingseinheiten, weil der Trainer früh schon festgestellt hat, dass es, vor allem den vielen Junggesellen im Team, daran mangelt, einen professionellen Lebensstil an den Tag zu legen. Er achtet auf Details, ändert eingefahrene Abläufe, und schafft es so bereits in kürzester Zeit neue Reize zu schaffen. Den Spielern wird durch diese Maßnahmen der Beginn einer neuen Zeitrechnung suggeriert und es ihnen ermöglicht, auch relativ kurz vor Saisonende den Reset-Knopf zu drücken.
Wie bei den meisten Trainerwechseln gibt es auch bei uns schon nach zwei Spielen Gewinner und Verlierer zu verzeichnen. Der große Gewinner bisher ist zweifellos Ibrahima Traore, der sich wieder ins Team gespielt hat und den Siegtreffer gegen den HSV mit großem Einsatz mustergültig vorbereitet hatte. Ein Spieler, der es sich mit den Fans bereits verscherzt hat, und sich auf Abschiedstournee befindet ist nun ebenfalls ein großer Hoffnungsträger wie Vedad Ibisevic, der erstmals nach seiner Sperre von fünf Spielen wieder zur Verfügung stand. Nach seiner Hinausstellung gegen Augsburg und seinen durchwachsenen Leistungen davor, wollte ich den Bosnier eigentlich schon gar nicht mehr im Trikot mit dem roten Brustring auflaufen sehen, hege jetzt aber, fünf sieglose Spiele später, die Hoffnung, dass er alles daran setzen möchte, seine Dummheit wieder gutzumachen und uns aus der Gefahrenzone zu schießen. Etwas ernüchtert muss man nach dem HSV-Spiel feststellen, dass er ähnlich unglücklich agierte als vor seiner Sperre. Trotzdem muss man konstatieren, dass dem VfB in den letzten zwei Jahren gerade einmal ein einziger Sieg gelang, als Ibisevic nicht auf dem Platz stand. Das unterstreicht schon seinen Wert fürs Team, sei es als Leistungsträger oder auch „nur“ als Glücksbringer. Acht Spiele hat er noch Zeit, seinen Teil dazu beizutragen, den VfB in der Liga zu halten.
Verlierer bisher sind höchstens die Youngster Timo Werner (vorwiegend aufgrund seines Abitur-Stresses), Rani Khedira und Robin Yalcin, die allerdings ja noch viel Zeit haben, ihre Bundesligatauglichkeit unter Beweis zu stellen. Fraglich ist, ob man ihnen einen Gefallen tun würde, sie auf Teufel komm raus zu bringen wie es Schneider tat, wenn der Druck so immens groß ist, wie im Moment. Auch Alexandru Maxim fand sich unter Stevens zunächst auf der Bank wieder. Gestern bewies Stevens ein glückliches Händchen und wechselte mit ihm den Sieg ein. Es war genau richtig nach dem Platzverweis von Calhanoglu die Offensive zu beleben, in der bis dahin vieles Stückwerk blieb. Es scheint fast so, dass mit Stevens ein Stück weit das Glück zurück kehrt, gelang Maxim doch unser erstes Jokertor seit einer gefühlten Ewigkeit, übrigens nach schöner Vorarbeit des Duos Westermann/ Traore. Bislang kassierten wir in schöner Regelmäßigkeit Tore von gegnerischen Einwechselspielern, gestern lief es endlich einmal wieder andersrum.
So durften wir uns gestern über einen existentiell wichtigen Sieg freuen, auch wenn das Spiel selbst mit Sicherheit das schlechteste in den letzten Monaten war. Der Rückfall auf Platz 17 am vergangenen Wochenende hat sichtlich Spuren hinterlassen. Auch dem letzten im Team wurde klar, dass es das fast schon gewesen sein dürfte, wenn man den HSV nicht schlagen würde. Diese Situation lähmte sichtlich, jeder hatte schwere Beine, jeder scheute das Risiko. Nach dem 1:0 trat noch ein weiteres Phänomen zutage. Die Angst vor der eigenen Courage bzw. vor dem Sieg. Die Aussicht darauf, gepaart mit der Erinnerung an viele späte Nackenschläge in der jüngsten Vergangenheit lähmten zusätzlich. Jeder war einfach nur froh, den Ball an den am nächsten stehenden Mitspieler wieder abgeben zu können, keiner traute sich mehr etwas zu. Auf der Tribüne wurde ich schier verrückt bei diesem Nervenspiel. Dass es am Ende reichte lag sicherlich daran, dass der VfB in Überzahl leichteres Spiel hatte und mit dem HSV ein Team auf Augenhöhe mit ähnlich großer Verunsicherung gegenüber stand.
Mund abwischen, abhaken und an Nürnberg denken. Der VfB hat mit Stevens einen relativ guten Start erwischt, vier Punkte aus zwei Spielen, die überlebensnotwendig und hoffentlich nicht doch zu wenig sind. In Bremen bot das Team eine gute Leistung und hatte das Spiel weitgehend im Griff, gab es jedoch unnötig durch einen Freistoß noch aus der Hand. Die Leistung gegen den HSV war an und für sich unterirdisch, was zählt sind einzig und allein die drei Punkte. Ich habe gestern kaum jemanden getroffen, der auf dem Zustandekommen des Sieges herumhackte, vielmehr war es jedem klar, wie groß der Druck war, der auf dem Team lastete. Der Start unter Stevens ist geglückt, wenn auch gegen die beiden derzeit wohl, neben Braunschweig, schwächsten Teams der Liga. Dies soll die Auftritte jedoch nicht schmälern, haben wir doch in letzter Zeit oft genug gerade die Sorgenkinder der Liga wieder aufgebaut.
Es ist klar, dass wir einpacken müssten, würden wir bis Saisonende nur noch Spiele wie das gestrige hinlegen. So dermaßen verunsicherte Gegner wie den HSV werden wir kaum mehr vorfinden.
In Nürnberg gibt es sicherlich schon wieder ein ganz anderes Spiel. Die Nürnberger, derzeit ebenfalls nicht mit riesengroßem Selbstvertrauen ausgestattet, stehen nach der derben Heimniederlage gegen Frankfurt erstmals seit dem 18. Spieltag wieder auf einem direkten Abstiegsplatz und werden einiges investieren und das Spiel machen müssen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand und werden mit ähnlich vollen Hosen ins Spiel gehen wie wir gestern gegen den HSV
Uns wiederum wird der Sieg einen Schub und neues Selbstvertrauen geben, so dass ich durchaus hoffnungsfroh nach Nürnberg fahren werde. Der Club steht, trotz einer bemerkenswerten Aufholjagd in den ersten Rückrundenspielen, auf dem Relegationsplatz. Egal, wie es ausgeht, beide Teams befinden sich auch danach noch in der Abstiegsverlosung. Wegweisende Wirkung könnte der Spieltag jedoch schon haben, stehen sich doch der 16. gegen den 14. und der 17. gegen den 15 gegenüber.
Anders als nach Schneiders Amtsantritt, der nach der Ära Labbadia wenig veränderte, dem in den ersten Spielen gegen Hoffenheim (indisponierter Sparringspartner) und Hertha (Ulles einziges sehr gutes Spiel in dieser Saison) großes Glück in die Karten spielte, hat man bei Stevens schon den Eindruck, dass er den Laden ganz schön umkrempelt. Meine Enttäuschung über Schneider und darüber, dass er die Spieler an der langen Leine ließ, nicht zu Beginn Exempel statuiert hatte, um an Respekt zu gewinnen, und es einfach laufen ließ, auch wenn es nicht lief, habe ich schon öfter zum Ausdruck gebracht. Im Nachhinein betrachtet hätte man Labbadia auch gleich behalten können, anstatt ein solch unerfahrenes Trainerteam zu installieren, das mehr oder weniger alles beim alten beließ und schleichend schlechter und chaotischer wurde. Vor Labbadia hatte das Team wenigstens noch einen gewissen Respekt!
Ich sehe es im Übrigen nicht so, wie von vielen kritisiert, dass man mit Stevens automatisch auch den Stuttgarter Weg und das „nach oben bringen“ von Talenten verlassen muss. Dieser bedingt ja nicht gleichzeitig einen jungen Trainer, der den jungen Spielern keine Stütze ist. Stevens coacht intensiver an der Linie als Schneider und greift ein, wenn er Dinge sieht, die ihm nicht gefallen, und das bevor das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Ich habe den Eindruck, dass Stevens unserer immer noch jungen und grün hinter den Ohren befindlichen Mannschaft eine Hilfe an der Linie ist. So einen Mann braucht es einfach, wenn man auf dem Platz keine Spieler hat, die den Laden zusammenhalten.
Auch die große Nähe Fredi Bobics zur Mannschaft hatte ich kürzlich bemängelt. Nicht, dass es unbedingt schädlich sein würde, wenn der Sportdirektor weiß, wie das Innenleben der Mannschaft ist, aber, die eigentliche Ansprache zur Mannschaft sollte dem Trainer vorbehalten bleiben. Kein Zufall in diesem Zusammenhang sicherlich, dass Fredi Bobic seit Stevens‘ erstem Spiel das Geschehen von der Tribüne aus verfolgt. Auch wenn er uns dummen Fans glauben machen möchte, er habe von oben den besseren Überblick, sei die Frage erlaubt, weshalb ihm das in den letzten 3 ½ Jahren nicht aufgefallen war.
Es sind Kleinigkeiten wie diese, die meine Hoffnung schüren, aus dieser Saison noch mit einem blauen Auge heraus zu kommen. Stevens arbeitet akribisch an Details und lässt scheinbar keinen Stein auf dem Anderen. Dadurch kommt automatisch Leben in den Laden, wo man kürzlich noch Angst haben musste, in totaler Lethargie zu erstarren. Im Training geht es weitaus lauter und ernsthafter zu als noch zu Thomas Schneiders Zeit. Bezeichnend auch, dass in dieser Woche eine Art Konditions- und Zirkeltraining angesetzt war, Übungen, die man eigentlich in der Vorbereitung und nicht mitten in der Saison macht, und für mich als Indiz zu werten sind, dass man in Südafrika seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die vielen Konzentrationsschwächen und Gegentore in der Schlussphase können ja auch nicht nur Zufall sein.
Wie man heraushören kann, bin ich also bisher sehr angetan von der Person Huub Stevens und kann es mir, trotz anderslautender Berichte, sehr gut vorstellen, dass er, den Klassenerhalt vorausgesetzt, auch in der neuen Saison unser Trainer sein könnte.
Dies ist jedoch noch Zukunftsmusik. Im Sommer wird so oder so alles rund um den VfB auf den Prüfstein gestellt werden und auch der eine oder andere Kopf in Vorstand und/ oder Aufsichtsrat rollen müssen. Jetzt gilt es zunächst einmal weiter zusammenzuhalten und in den nächsten Spielen die Weichen auf Bundesliga auch in der Saison 2014/2015 zu stellen. Das Spiel in Nürnberg ist nicht minder wichtig und ebenso richtungsweisend wie das gegen den HSV. Beim Club, mittlerweile wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, sahen wir oft gut aus, von 31 Heimspielen in der Bundesliga gewannen die Clubberer lediglich neun gegen den VfB, auch von unseren letzten fünf Auswärtsspielen am Valznerweiher ging nur eines verloren. Die Statistik und die derzeitige Formkurven stimmen mich optimistisch, den zweiten Bigpoint binnen weniger Tage einfahren zu können. Ob es ein Vorteil für uns ist, einen Tag mehr Regeneration zu haben, wird sich zeigen.
Am Donnerstag schließlich geht es mit „aktuellen und ehemaligen“ VfB-Spielern auf den Neckar, sponsered by Krombacher. Darauf freue ich mich riesig, habe ich doch von einigen Leuten, die auch schon an Bord waren, gehört, dass dies ein ganz tolles Event wäre. Sollte der VfB im Max-Morlock-Stadion seinen zweiten Dreier in dieser Woche respektive in diesem Jahr einfahren, wird die Stimmung sicherlich im wahrsten Sinne des Wortes „überbordend“ sein.

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9. März 2014

Stevens kommt! Wann geht Bobic?

Frühlingsgefühle, Sonne, Samstag 15.30 und ein ausverkauftes Haus, Fußballerherz was willst Du mehr? Eigentlich beste Voraussetzungen einen tollen Samstag mit dem VfB zu verleben. Zumal mit Eintracht Braunschweig das Schlusslicht der Liga seine Visitenkarte im Neckarstadion abgab. Dass nach acht Niederlagen in Folge mal wieder ein Punkt heraussprang, darüber konnte sich nun wirklich keiner freuen.
Braunschweig war in der ersten halben Stunde zielstrebiger und ging nicht ganz überraschend nach katastrophalem Schnitzer von Antonio Rüdiger in Führung. Da unser gestriger Gegner nicht gerade übermächtig war, gelang es den Rückstand innerhalb von fünf Minuten in eine Führung zu drehen. Nach der Pause hatte unser Kapitän Christian Gentner per Foulelfmeter sogar das 3:1 auf dem Fuß, scheiterte aber kläglich. Am Ende kam es wie es kommen musste. Jeder um mich herum ahnte es, als die Stadionuhr die 80. Minute anzeigte, dass nun die Zitterminuten anbrechen würden. Spätestens als Trainer Schneider unsere Kreativzentrale durch die Auswechslung von Maxim und Hereinnahme von Rani Khedira aufgab und unsere kampfstärksten Spieler Boka und Cacau auswechselte, standen die Zeichen auf Ergebnissicherung, anstatt gegen die längst nicht sattelfeste Braunschweiger Abwehr zu versuchen den Todesstoß zu setzen.
Dass es ausgerechnet „unserem“ Ermin Bičakčić vorbehalten blieb, für den Braunschweiger Ausgleich zu sorgen, passte ins Bild. Der Junge hat Anstand und freute sich lediglich in sich hinein, möchte er doch auch nicht, dass „sein“ VfB in den Niederungen der 2. Liga versinkt. Einer wie er würde uns nach wie vor gut tun, wenn man betrachtet, welche Abwehrschnitzer wir uns Woche für Woche leisten. Aber, leider hatte er unter Bruno einen schweren Stand und schaffte es nach seiner Verletzung, die er sich beim Pokalspiel in Wehen-Wiesbaden zuzog, wo er uns zuvor noch in Führung brachte, nicht mehr ins Team. Unter anderem wegen ihm war ich in den letzten beiden Spielzeiten jeweils beim Spiel FC St. Pauli-Eintracht Braunschweig, wo er sich sogar die Zeit und die Muse nahm, bis zur Abfahrt des Braunschweiger Busses herauszukommen, um mit uns über seine Karriere und den VfB zu reden. Ein netter Kerl, für den die Tür bei uns hoffentlich nicht endgültig zugeschlagen ist.
Am Ende standen wir, trotz des ersten „Punktgewinns“ 2014 wie die begossenen Pudel da. Mit Verlaub, gegen wen möchte man noch gewinnen, wenn nicht gegen den Tabellenletzten zuhause. Der harte Kern in der Cannstatter Kurve verharrte lange nach Spielende noch in der Kurve und forderte den Vorstand auf, herauszukommen und sich zu stellen, was sie auch in Person von Fredi Bobic und Präsident Wahler taten. Auffallend, wie sehr der Verein in letzter Zeit bemüht ist, dass Pulverfass vor dem explodieren zu bewahren. Aktionen wie „Zusammenhalten“, die Mitfahrt von Wahler im Fanzug nach Frankfurt, die Präsenz von Bobic und Wahler bei Fanausschuss und den Regionalversammlungen, sie bemühen sich „schön Wetter“ zu machen und die Kurve ruhig zu halten.
Dennoch wäre es schon lang an der Zeit gewesen, ein zweites Mal in dieser Saison den Trainer zu wechseln. Es ist ja schön und wunderbar, Visionen zu haben, von denen man überzeugt ist. Mit einem jungen Trainer und einem jungen Team die Liga zu rocken, den VfB attraktiver aufzustellen und sich durch nichts und niemanden davon abbringen zu lassen. Nur, die Realität holt einen eben manchmal im Leben schneller ein, als man es wahrhaben möchte. Die Entscheidung für den jungen Trainer Schneider muss nicht automatisch richtig gewesen sein, weil er ein VfBler, ein Trainertalent ist und weil er die Philosophie des Vereins verinnerlicht hat. Schneider hatte von Beginn an Autoritätsprobleme, fuhr in Sachen Aufstellung und Personalführung einen Schlingerkurs und verlor einige Spiele mutmaßlich aufgrund seiner Ein- und Auswechslungen. Die Spieler können Woche für Woche noch so beteuern, wie toll die Zusammenarbeit ist und dass sie für den Trainer durchs Feuer gehen würden. Umsetzen tun sie es nicht und würden sie sagen, der Trainer hat keine Ahnung, könnte man sie abmahnen. Daher sollte man solche Aussagen nicht auf die Goldwaage legen. Für mich war es schon lang klar, dass sie Schneider über kurz oder lang abschießen würden.
Enttäuscht bin ich darüber, dass Bobic sein Schicksal nicht mit dem von Schneider verknüpft hat, ist doch er der Hauptverantwortliche für die sportliche Talfahrt in den letzten Jahren. Er war doch maßgeblich mitverantwortlich, die Ansprüche nach und nach auf ein Minimum herunterzuschrauben, hat schlechteste Vorstellungen schön geredet und sich über die Erwartungshaltung beklagt. Damit, und mit seiner Personalpolitik, hat er es geschafft, das Stadion leer zu spielen und eine Emotionslosigkeit rund um den VfB zu schaffen, die es so noch nie gegeben hat. Es kommen (unter normalen Umständen) gerade noch höchstens 40.000 Zuschauer, die größtenteils emotionslos zur Kenntnis nehmen, was auf dem Rasen passiert, oder eben auch nicht. Ein Spektakel erwartet man schon lang nicht mehr, prickelnde Szenen während eines Spiels kann man, eigentlich schon in den letzten Jahren, fast an einer Hand abzählen. Diese Emotionslosigkeit wird von den Spielern vorgelebt, spulen sie doch lediglich ihr Pensum ab anstatt dass sie Spielfreude versprühen.
Im Rahmen der „Zusammenhalten“-Aktion kam der VfB dann auf die glorreiche Idee für die Spiele gegen Hertha und Braunschweig Dauerkarteninhabern die Möglichkeit zu eröffnen, zwei weitere Karten für 2,50 Euro in der Untertürkheimer Kurve zu erstehen. Diese Aktion wurde dann auf alle noch freien Bereiche im Stadion ausgeweitet, so dass in unserem Block auf der Haupttribüne Seite, wo die Tageskarte normalerweise um die 35 Euro kostet, massig Leute umherirrten, die nur wegen der Ramsch-Tickets ins Stadion kamen. Immerhin konnte der VfB dadurch „ausverkauft“ vermelden und auf die größtmögliche Unterstützung bauen. Ich finde diese Aktion äußerst fragwürdig und denjenigen gegenüber, die sich teure Karten gekauft haben, ungerecht.
Nach dem Spiel war der Unmut im weiten Rund groß und entlud sich mehr auf die Person Bobic als auf Schneider. Bobic kann in der Kurve noch so beteuern, dass er selbst mal dort gestanden hätte, solche Aussagen sind nicht zielführend und ändern an der Tatsache nichts, dass der Hauptverantwortliche für die Misere ebenfalls seinen Hut nehmen müsste.
So traf es heute früh mal wieder das schwächste Glied in der Kette, Thomas Schneider. Ich hoffe für ihn, dass er als Trainer bei uns nicht ein für allemal verbrannt ist. Labbadia hat ihm eine schwer zu trainierende Truppe hinterlassen, zudem stand er doch immer im Schatten von Übervater Bobic, der durch seine Nähe zur Mannschaft die Kompetenzen des Trainers automatisch beschneidet. Schneider soll, so die derzeitige Sprachregelung, dem Verein weiter erhalten bleiben, was mich freuen würde. Ich denke, die Absetzung als Cheftrainer kann für ihn mehr Segen denn Fluch sein. Mein Gefühl sagte mir, dass wir mit ihm kein Spiel mehr gewinnen würden, was dem Abstieg gleich gekommen wäre. Ob der vielbeschworene Stuttgarter Weg jedoch in der 2. Liga mit dem Abstiegstrainer noch vermittelbar gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Daher lieber jetzt eine Zurückstufung ins zweite oder dritte Glied, um irgendwann einmal, wenn die Zeit wieder reif ist, stärker zurückzukehren.
Nun soll es also Huub Stevens richten. Meiner Meinung nach von den in Frage kommenden Kandidaten die beste Lösung. Mein Wunschtrainer Gross war sowieso unrealistisch, zumindest solang Bobic hier noch am Ruder sitzt. Stevens ist sicherlich die bessere Lösung als die zuvor ins Gespräch gebrachten Fink, Stanislawski und Balakow. Besser deshalb, weil er ein strenger, knorriger Trainer ist, der sich von Bobic nicht sagen lassen wird, welche Führung das Team braucht. Daher vermute ich mal, dass Stevens eher von Wahler als von Bobic durchgedrückt wurde.
Ob es Stevens schafft, in der Kürze der Zeit, der Mannschaft seine Handschrift zu verpassen oder ob die Situation schon zu verfahren und der VfB nicht mehr zu retten ist, ich weiß es nicht. Für mich kommt der Trainerwechsel viel zu spät und muss sofort fruchten, wenn wir noch die Klasse halten wollen. Als dringlichste Aufgabe wartet die Stabilisierung der Abwehr auf „Die Null muss stehen“-Huub. In jedem Spiel mindestens zwei Gegentore sind einfach zu viel, vor allem, wenn man sieht, wie einfach wir die Gegentore bekommen. Auch im psychologischen Bereich müssen die Hebel angesetzt werden, kann es doch nicht sein, dass in schöner Regelmäßigkeit ab der 80. Minute die Beine anfangen zu zittern und wir aus dem Nichts noch einen eingeschenkt bekommen. Zudem muss Stevens möglichst schon in dieser Woche erkennen, wer dem Druck mental gewachsen ist, wer Luft für 90 Minuten hat, wer professionell lebt und wer in dieser schweren Phase alles der schweren Aufgabe unterzuordnen bereit ist. Dann gilt es noch festzustellen, wer mit wem im Team am besten funktioniert und wer sich lediglich als Einzelkämpfer sieht. Was man so hört, ist Stevens ja ein akribischer Arbeiter, der sicherlich schon jetzt im DVD-Studium vertieft sein dürfte.
Immens wichtig wäre es schon am Samstag in Bremen ein erstes Lebenszeichen zu senden und einen Auswärtssieg einzufahren. Uns laufen langsam aber sicher die Spiele davon, von den verbleibenden zehn Spielen müssen sicherlich die Hälfte gewonnen werden, um die Klasse halten zu können. Am Ende warten Aufgaben wie Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Bayern, wo diese eher nicht eingeplant werden können.
Ob Stevens den Stuttgarter Weg konterkariert, ob er eher auf erfahrene Kräfte als auf Jungspunde setzt, wie es nach der Saison weitergehen wird, all das interessiert heute doch überhaupt nicht. Erst einmal kommt der Existenzkampf für den Verein, für seine Bediensteten, für seine Fans und danach kann oder muss man weitersehen.

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3. März 2014

Mit Vollgas Richtung 2. Liga!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 20:54

Gestern bin ich seit langem mal wieder mit einem gewissen Optimismus zu einem Spiel gefahren. Nicht weil ich plötzlich von unserer Truppe und der sportlichen Leitung überzeugt wäre, aber, das Spiel gegen Hertha war zumindest in kämpferischer Hinsicht ein Fortschritt und außerdem gaben die Hessen schon des Öfteren unseren Aufbaugegner. Das emotionale Europaleague-Aus der Eintracht, das schwere Donnerstag-Spiel in den Knochen, taten ein Übriges. Und, ein klein wenig Fußballsachverstand darf man den Verantwortlichen ja schon auch unterstellen, was die Hoffnung nährte, dass sie nicht ohne Grund, trotz dieser unvergleichlichen Negativserie, an Bobic und Schneider festhielten.
So war Frankfurt für mich ein Schlüsselspiel, das wir unter keinen Umständen verlieren durften. Personell konnte Schneider auf den wiedergenesenen Kapitän Gentner und den nach Gelb-/Rot-Sperre zurückgekehrten Moritz Leitner zurückgreifen. Zudem stand Cacau erstmals nach 1 ½ Jahren wieder in der Anfangself. Nach druckvollem Beginn der Eintracht fand der VfB nach zwanzig Minuten zunehmend zu mehr Sicherheit und versuchte das Mittelfeld durch schnelles Konterspiel zu überbrücken, was uns nach einer guten halben Stunde das 0:1 durch Martin Harnik einbrachte. Groß war natürlich der Jubel und die Erleichterung, dennoch traute man dem Braten nicht so recht, zumal ernsthafte Torabschlüsse beim VfB weiterhin eine Seltenheit sind. Zu oft kommt der letzte Pass nicht an oder wird ein entscheidender Zweikampf verloren. Die Fehlpassquote und Zweikampfbilanz sprachen auch in diesem Spiel wieder eindeutig für den Gegner.
In der zweiten Halbzeit ließ sich der VfB mehr und mehr hinten rein drängen, ohne groß in Gefahr zu geraten, weil man noch weitestgehend gut stand und war im Sturm fast nicht mehr vorhanden. Glück hatten wir, als Aytekin nach vermeintlichem Foul von Cacau schon auf Elfmeter entschied, sein Assistent an der Linie aber intervenierte und er diesen schließlich (mutig) zurücknahm. Nicht einmal solche Umstände, die uns in die Karten spielen und den Gegner demotivieren könnten, vermögen wir in dieser Zeit auszunutzen. Trotz allem muss Alexandru Maxim in der 78. Minute das 2:0 machen und der Fisch wäre geputzt gewesen. Boka hat sich mit einer klasse Willensleistung gegen Zambrano den Ball erkämpft und passte mustergültig auf den mitgelaufenen Rumänen, doch diesem versprang der Ball, so dass er aus drei Metern den Ball nicht etwa im leeren Tor unterbrachte sondern meterweit vorbei schoss. Haste Scheiße am Fuß, hast scheiße am Fuß könnte man sagen, ich sage, es sind diese (späten) unsäglichen Konzentrationsmängel, die uns vermutlich die Liga kosten werden. So kam es, wie ich es befürchtet hatte und wie es im Grunde kommen musste. Nach einem erneut katastrophalen Abschlag von Ulreich, der wie ein Bumerang zurück kommt, hebt Rüdiger das Abseits auf und sage und schreibe drei Frankfurter haben freie Bahn. Frankfurts Joker Rosenthal war es schließlich, der zum Ausgleich vollendete. Ein Tor, wie ich es in der Bundesliga noch überhaupt nicht gesehen habe, so ein dilettantisches Abwehrverhalten, auch das wird uns letztenendes das Genick brechen. In der 90. Minute schließlich ließ sich unser selbst ernannter Führungsspieler Georg Niedermeier mit einem Beinschuss im Strafraum düpieren, so dass Alex Meier leichtes Spiel hatte und den Frankfurter Siegtreffer markieren durfte.
Der VfB stellt mit mittlerweile 49 Gegentoren nach dem HSV die zweitschlechteste Abwehr, auch wenn diese den Namen eigentlich nicht verdient hätte. 2,13 Gegentore pro Spiel, so viele kannst Du vorne gar nicht schießen, schon gar nicht, wenn man es kaum schafft Überraschungsmomente zu schaffen und niemand den Mut hat auch mal aus der zweiten Reihe abzuziehen.
So war die achte Niederlage in Folge und die elfte aus den letzten zehn Spielen besiegelt. Mal wieder schlichen die Spieler wie begossene Pudel in die Kurve um sich regungslos die immer lauter werdenden Schimpftiraden der treuen Fans anzuhören. Einige, wie Traore, der schon die Tage zählt, bis er uns verlassen darf, drehten gleich wieder ab, andere ließen sich noch auf das eine oder andere Gespräch ein.
Schneider trottete, die Hände in den Taschen vergraben, hinterher und scheint mit seinem Latein am Ende zu sein.
Klar kann er die Dinger, wie die hundertprozentige von Maxim, nicht selbst versenken. Auch klar, dass er einem gestandenen Spieler wie Ulreich nicht noch erklären müssen sollte, wie man Abstöße schlägt und dass er zu seiner Zeit noch anders zu Werke gegangen ist, als es Niedermeier beim 2:1 tat.
Dennoch wirft das bisherige Wirken Schneiders Fragen auf. Weshalb darf Sakai Woche für Woche seine Bundesligauntauglichkeit unter Beweis stellen? Unbedrängte Fehlpässe, gepaart mit katastrophalem Stellungsspiel, in dieser Verfassung hat er auf dem Platz nichts zu suchen. Kein Zufall schließlich, dass der entscheidende Treffer über Sakais Seite fiel. Das weiß inzwischen jeder Gegner, wo wir besonders leicht zu knacken sind.
Weshalb verhindert ein Gentner die Einwechslung von Haggui? Wer hat das Sagen? Kann es nicht doch sein, wie man immer wieder hört, dass die Mannschaft Schneider nicht ernst nimmt?
Auch die Wechsel erfolgten zu spät. Erfahrene Trainer nutzen diese auch einmal als eine Art „Auszeit“, um dem Gegner den Schwung in einer Drangphase zu nehmen, nicht so Schneider. Er hat ein Gottvertrauen und hofft, es werde schon irgendwie gutgehen.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass es mir um Schneider Leid täte, wenn er als schwächstes Glied der Kette seinen Spind räumen müsste. Sein Talent, ein guter Trainer zu werden, möchte ich ihm nicht absprechen, sicherlich sammelt er derzeit Erfahrungen fürs weitere „Trainer-Leben“, ob er jedoch in der Lage ist, den Bock umzustoßen, ich glaube es nicht. Das Grundübel ist die Mannschaft, in sich zerstritten, eine profihafte Einstellung (auf und außerhalb des Platzes) vermissen lassend, die es nicht schafft, wenigstens als Zweckgemeinschaft zu funktionieren und sich neunzig und nicht nur achtzig Minuten zu konzentrieren. (Mindestens) einer pennt immer, was zu der Flut von Gegentoren führt und die uns verzweifeln lässt.
Bobic, der diese nicht harmonierende Truppe zusammengestellt hat, wird als der Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen. Anscheinend gibt es auf der Geschäftsstelle keine Streitkultur mehr, seit Bobic auf den meisten Posten „seine“ Leute installiert hat. So hat er sich den Status als Alleinherrscher erarbeitet bzw. an sich gerissen, und es scheint, dass ihm der Erhalt dieses Status‘ mehr wert ist als das Wohl des VfB. Spieler, die unbequeme Wahrheiten aussprachen wurden nach und nach aussortiert, zuletzt William Kvist, der in der jetzigen Situation eine Stütze sein könnte.
So kämen wir bei einem Trainerwechsel wohl eher vom Regen in die Traufe. Leute wie Stanislawski und Fink würden in Bobic‘ Beuteschema passen, sind es doch eher stille Vertreter der Zunft und würden den Job mit Kusshand übernehmen. Alte Weggenossen wie Balakow und Soldo, die als Duo im Gespräch sind, würden ihm ebenso ähnlich sehen, sind es doch Freunde vergangener Tage, denen man zu gern einen gut dotierten Posten verschaffen würde.
Im Gegensatz dazu würde sich ein Bobic sicherlich nicht den von mir favorisierten Gross (den er ja selbst entlassen hat) ins Haus holen, abgesehen davon, dass es sich Gross sicher auch nicht antun würde, noch einmal unter Bobic zu arbeiten. Wenn Gross, dann als starker Mann und anstelle von Bobic.
Auch Stevens oder Schaaf, die für ihre knorrige Art bekannt sind, wären Alphatiere, die sich von Bobic nicht sagen lassen würden, wie der Hase hier zu laufen hat. Aufgrund ihrer großen Erfahrung wäre es ihnen zwar zuzutrauen, den Karren wieder flott zu bekommen, jedoch, wie es scheint, ist Bobic sein Machterhalt wichtiger als der Klassenerhalt.
Morgen also sollen Aufsichtsrat und Vorstand entscheiden, ob es tatsächlich mit Schneider weiter gehen und er gegen Braunschweig die neunte Niederlage in Folge anpeilen darf. Ich hoffe, man sieht den Tatsachen ins Auge und erkennt dass die Zusammenarbeit Mannschaft – Trainer vermutlich irreparabel beschädigt ist. Dann muss gehandelt werden und zwar sofort.
Mir ist es auch klar, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem gewandelt wird. Verlässt man den eingeschlagenen Weg mit einem jungen unerfahrenen Trainer, der das Konzept mit trägt, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen? Holt man einen Trainer-Fuchs wie z. B. Stevens, der sicherlich eher auf erfahrene Kräfte setzen würde, als auf unsere Grünschnäbel? Nimmt man den Abstieg bewusst in Kauf, weil keine andere Lösung den Erfolg garantieren würde? Oder setzt man noch einmal alle Hebel in Bewegung, um es wenigstens versucht zu haben? Je länger man wartet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unheil noch abgewendet werden kann. Langsam aber sicher laufen uns die Spiele davon. Diesbezüglich kann man es fast bedauerlich finden, dass der SC Freiburg und der Hamburger SV sich ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckern und (noch) hinter uns stehen. Hätten die etwas konstanter gepunktet und uns auf den vorletzten Platz verdrängt, wäre sicherlich schon die Reißleine gezogen worden.
Will man weiterhin bedingungslos an Schneider festhalten, notfalls mit ihm in die zweite Liga gehen, dann sollen die Vereinsoberen doch gleich einmal ein schlüssiges Konzept vorlegen. Bislang hört man nur von Horrorszenarien, die einen den Untergang vom VfB befürchten lassen im Falle des Worst Case. Stand jetzt dürfte so gut wie kein Spieler feststehen, der bereit ist, auch im Unterhaus die Stiefel für den VfB zu schnüren, ganz abgesehen davon, ob wir sie überhaupt noch sehen wollten. Geschweige denn kann sich noch niemand vorstellen, mit welchem Budget man dieses Abenteuer angehen müsste, in welchen Bereichen es Einschnitte geben müsste, ob wir die Raten fürs Stadion und fürs Nachwuchszentrum noch stemmen könnten, und, und, und. Würde es uns einmal jemand erklären, dass auch im Falle des Abstiegs nicht aller Tage Abend wäre, vielleicht kann man sich die zweite Liga dann auch schon mal schön reden. Vielleicht wäre es wert abzusteigen, schon allein, um nächste Saison keinen einzigen Spieler von der derzeitigen Zweckgemeinschaft mehr sehen und ertragen zu müssen. Ganz ehrlich, in dieser Truppe habe ich keinen Lieblingsspieler mehr, das gab es in meiner Zeit als VfB-Fan eigentlich noch nie. An die Spieltermine müsste man sich gewöhnen und reichlich Urlaub opfern, dafür gäbe es aber mal wieder jede Menge neuer Stadien und neue Eindrücke. Wir würden einige Auswärts- zu Heimspielen machen, wobei dann zu hoffen wäre, dass bis dahin der Heimkomplex abgelegt werden konnte. Vielleicht gelänge es, wie nach dem Abstieg 1975, eine spielstarke Mannschaft mit jungen Spielern, überwiegend aus der Region, zusammenzustellen, der es wieder Spaß macht, zuzuschauen, mit der man sich ein Stück weit identifizieren kann, die vor hat, den VfB wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die Bundesliga. Bei den Fans würde sich die Spreu vom Weizen trennen und die Dauerkarte (vermutlich) günstiger werden. Ich als Fan würde den Kopf nicht in den Sand stecken und wäre auch im Unterhaus so oft es geht dabei.
Seit gestern habe ich mich fast schon mit dem Abstieg abgefunden und kann mir derzeit nicht einmal vorstellen, wie wir Braunschweig schlagen wollen. Die stellen sich zu elft hinten rein, der VfB findet keine Lösungen dieses Abwehrbollwerk zu knacken und ein oder zwei Abwehrfehler fabrizieren wir sowieso jedes Mal.
Entweder es geschieht etwas, das noch einmal eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte oder wir gehen sang- und klanglos (r)unter. Die Hoffnungen mit der derzeitigen Konstellation habe ich gestern endgültig zu Grabe getragen.

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