Bilder vom Spiel in Hannover sind jetzt online. Gut 13 Stunden sind seit dem Abpfiff vergangen. Eigentlich genug Zeit diesen einen Punkt von gestern Abend einzuordnen. Das ist mir jedoch noch nicht gelungen, und das nicht nur weil ich auf der langen Rückfahrt und auch zu Hause einige Stunden geschlafen habe. Nicht Fisch, nicht Fleisch möchte man sagen, Befreiungsschlag verpasst! Hannover war von Beginn an nur darauf aus, diesen einen sie rettenden Punkt zu holen und wollte uns eigentlich nicht weh tun. Mit etwas Glück und mehr Zielstrebigkeit wäre der Dreier möglich gewesen. Schiri Stark war uns zum wiederholten Mal nicht wohlgesonnen und verweigerte uns den Elfer, nachdem der wiederum sehr bemühte und agile Daniel Didavi nach einem Rempler im Strafraum zu Boden gegangen war. Die Atmosphäre in der sonst so stimmungsvollen HDI-Arena war fast gespenstisch. Die Ultras von Hannover 96 befinden sich seit den Vorkommnissen, wie z. B. Reisebeschränkungen, rundum das Braunschweig-Spiel im Stimmungs-Boykott, so dass weitestgehend „nur“ die rund 2.500 VfBler zu hören waren. Die Voraussetzungen waren also gegeben, hier mehr als das torlose Unentschieden mitzunehmen.
Auf der anderen Seite ist Hannover traditionell kein gutes Pflaster für uns, wo man also diesen einen Punkt gerne mal mitnimmt. Die Mannschaft tritt seit Stevens das Zepter übernommen hat, weitaus stabiler auf und konnte sich das Remis sichern, weil eben nicht mehr zu holen war. Ein Punkt ist besser als keiner. Trainer-Novize Schneider dagegen hätte die Jungs mutmaßlich ins Verderben rennen lassen, in dem er auf Teufel komm raus das Tor erzwingen wollte, um sich am Ende einen Konter einzufangen und dem Gegner damit ins offene Messer gerannt wäre. Gott sei Dank haben wir nun einen alten Hasen an der Linie, für den eine solide Grundordnung das A&O ist.
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, auch das passt, helfen uns doch eigentlich nur noch Siege, um nicht auf den Goodwill und die Ergebnisse unserer Kontrahenten und derer Gegner angewiesen zu sein. So sitzen wir jetzt heute und morgen machtlos vor dem Fernseher und hoffen, dass tunlichst keiner der drei hinter uns platzierten Vereine einen Sieg einfahren möge. Sollte einer oder mehrere gewinnen, säße(n) uns diese(r) plötzlich wieder in Schlagdistanz im Nacken und der schöne Vorsprung, den wir uns gegen Schalke erarbeitet hatten, wäre dahingegen dahin, dass wir beim nächsten Sieg der- oder desselben überholt werden könnten.
Es sagt sich so schön: „noch haben wir alles selbst in der Hand“. Dennoch, das Spiel gegen Hannover 96 war von der Papierform her das leichteste unserer bis gestern drei Endspiele. Jetzt sind wir gegen den VfL Wolfsburg zum Siegen verdammt, was nicht einfach werden dürfte, in Anbetracht des Laufes und der CL-Qualikations-Chance der Autostädter. Auf der anderen Seite haben wir ein Heimspiel und sind gerade dabei, uns unter Huub Stevens eine neue Heimstärke zu erarbeiten. Das Publikum trägt die Bemühungen mit, die Mannschaft wirkt weitaus stabiler als noch unter Schneider und erarbeitet sich vor allem, insbesondere zu Hause, wieder mehr Torchancen. Daher gilt bange machen nicht, wir sind der VfB, wir haben ein Heimspiel und dem muss sich auch die Millionentruppe von VW erst einmal stellen. Essentiell wichtig wäre es vor allem von Verletzungen verschont zu bleiben. Es war ein betrübendes Bild wie der wiedererstarkte Martin Harnik gestern von Gerhard Wörn vom Feld geleitet wurde, was mir heute wenig Hoffnung gibt, dass wir ihn in dieser Saison noch einmal sehen werden. Dennoch drücke ich ihm natürlich die Daumen, dass nichts gebrochen oder gerissen sondern nur geprellt ist. Wenigstens muss er als Österreicher nicht um seine WM-Teilnahme bangen.
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Jetzt hat der VfB acht Tage (mehr als die Konkurrenz!) Zeit, den Fokus voll und ganz auf Wolfsburg zu richten und sollte mit der notwendigen Frische am nächsten Samstag auflaufen können. Mit einem Heimsieg könnten wohl alle Zweifel am Klassenerhalt beseitigt werden, so dass in München am letzten Spieltag nichts mehr anbrennen kann.
Mühsam ernährt sich der VfB
Neue Rolle für Cacau?
Dass sich Cacau große Verdienste um den VfB erworben hat, steht außer Frage. Ihn jetzt aber, nach einem einzigen zweifelsohne guten Spiel von Anfang an als Heilsbringer zu feiern und seine Vertragsverlängerung zu fordern, halte ich für übertrieben.
2010 schon stand Cacau kurz vor dem Absprung. Damals legte er seine beste Halbserie überhaupt für den VfB hin, so dass sich die Vereinsführung gezwungen sah, seine hohen Gehaltsforderungen zu erfüllen und den Vertrag zu verlängern, um das Hochkochen der Fanseele zu verhindern. Schließlich war einem damals schon ein rackernder Cacau, der dem Brustring verbunden ist und mit dem VfB Meister wurde, lieber als irgendwelche Legionäre wie Marica und Pogrebnjak, die auch nicht weniger einstrichen, als das was Cacau forderte.
Mittlerweile aber haben sich die Zeiten beim VfB geändert. Die Personalkosten wurden in den letzten Jahren halbiert, der Schmalhans ist nun Küchenmeister beim VfB. Aus diesem Grunde wäre es nur logisch, wenn nach Serdar Tasci, der mit kolportierten 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt bis letzten Sommer der Top-Verdiener war, auch Cacau mit einem Jahressalär von 3 Millionen Euro von der Gehaltsliste gestrichen werden würde.
Seien wir doch mal ehrlich! Stimmt das Preis-/ Leistungsverhältnis bei Cacau noch? Mehr und mehr muss Cacau seinen 33 Jahren Tribut zollen und verletzungsbedingt pausieren. In den letzten 1 ½ Jahren stand er ungefähr die Hälfte der Zeit nicht zur Verfügung. Auch davor, also unmittelbar nach seiner Vertragsverlängerung und in den Jahren danach begann sein schleichender Leistungsabfall. Wenn er zuletzt zum Einsatz kam, merkte man ihm an, dass er lang nicht mehr die Spritzigkeit besitzt wie früher. Ob er diese durch regelmäßige Einsätze je wieder erlangen kann, wage ich zu bezweifeln.
Ich finde, dass ihm sein Höhenflug bei der WM 2010 in Südafrika nicht gut getan hat. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als er beim Pokalspiel in Babelsberg seinen ersten Einsatz nach dem WM-Urlaub hatte und seine Mitspieler beim eigenen Torjubel wegschubste. Diese Aktion wirkte auf mich arrogant, als wähne er sich über seinen Mitspielern, die die Spiele davor in der Vorbereitung mehr schlecht als recht absolvierten und zudem in Babelsberg in Rückstand gerieten. Mit solchen Aktionen stellte er sein Licht über den Scheffel der Mannschaft, was ihm keine neuen Freunde einbrachte. Im Gegenteil, mal geriet er mit Gentner, dann mit Ulreich aneinander, weil er sich durch seinen Eigensinn mit aller Gewalt erneut ins Blickfeld von Joachim Löw spielen wollte, schließlich stand die Kadernominierung für 2012 an.
Cacau blieb schon lang den Beweis seines Wertes für die Mannschaft schuldig. Dass er jetzt, wo er gerne wieder einen neuen, schönen Vertrag hätte, besonders Gas gibt und womöglich erneut auf die Tränendrüse der Fans drückt, wundert mich nicht sonderlich. Ich hoffe nur, dass unsere Vereinsführung diesem Werben nicht erliegt, zumindest nicht zu diesen Konditionen.
Dass wir uns nicht falsch verstehen, ich beurteile an dieser Stelle lediglich das Preis-/ Leistungsverhältnis. Ich mag Cacau nach wie vor und würde ihn auch durchaus gern in der nächsten Saison noch im VfB-Trikot sehen. Das jedoch nur, wenn er mit einer Reduzierung seiner Bezüge um mindestens 50% und mit einer Rückstufung zum Standby-Profi einverstanden wäre. Über kurz oder lang wird Timo Werner die Planstelle als alleinige Spitze einnehmen, ich denke, daran führt kein Weg vorbei. Das bedeutet, dass Cacau in der nahen Zukunft allenfalls als Stürmer zwei oder drei fungieren kann und sich damit arrangieren müsste.
Da Cacau nicht dumm ist und seine Situation vermutlich ähnlich einzuschätzen weiß, finde ich diese Aussicht nicht einmal utopisch. Wie sein Standing in der und damit der Wert für die Mannschaft ist, müssen die beurteilen, die nah drin sind. Ich halte ihn nach wie vor für charakterlich einwandfrei und auch einen Musterprofi, wie ihn sich jeder Trainer nur wünschen kann. Die WM-Teilnahme, der Aufstieg vom Claudemir Jeronimo Barreto zum Bundes-Helmut, haben ihm möglicherweise die Sinne vernebelt, so dass er in dieser Zeit zu verbissen und zu ehrgeizig war. Nach seinen langen Verletzungspausen und vermutlich auch keinen besseren Optionen für ihn, traue ich es ihm zu, dass er geläutert ist und seine ihm noch verbleibende Zeit als Profi einfach weiter genießen möchte. Wenn er seinen Ehrgeiz in positive Energie umwandelt, unseren vielen jungen Spielern ein Vorbild in Sachen Berufsauffassung gibt, kann er auch in neuer Rolle eine große Stütze sein.
Der VfB ist wieder da!
Oh, wie ist das schön! Kaum zu glauben in einer Saison, in der der VfB von einer Peinlichkeit in die nächste schlitterte und Punkte, die auf dem Silbertablett da lagen, in schöner Regelmäßigkeit liegen ließ. Gestern griffen die Jungs aus Cannstatt beherzt zu und nahmen die Vorlagen aus Braunschweig, Nürnberg und Hamburg dankend auf.
Eine großartige Mannschaftsleistung gestern, daher fällt es schwer, einzelne herauszuheben und würde den anderen auch nicht gerecht werden. Das ganze steht und fällt jedoch mit Huub Stevens, der es verstanden hat, das Team zusammenzuschweißen und vielleicht nicht immer die besten Einzelspieler, jedoch die besten Teamplayer auf den Rasen zu bringen. Ich habe es schon mehrfach geschrieben, dass Huub für mich seit Gross der erste „richtige“ Trainer, im Sinne von Fußballlehrer ist. Anders noch, als bei seinen Vorgängern, kann sich niemand sicher sein, im nächsten Spiel dabei zu sein, wenn er unter der Woche nachlässt. Ibisevic scheint endgültig außen vor zu sein und das ist auch gut so. Solche lustlosen Individualisten in der Mannschaft können wir uns nicht leisten. Klasse daher der Schachzug mit Cacau anstelle vom angeschlagenen Werner, der die Aufstellung durch große Leidenschaft rechtfertigte. Seit dem Dortmund-Spiel, als Stevens erstmals Didavi und Gruezo brachte, hat unser Spiel spürbar an Struktur und Stabilität gewonnen. Auch das mutige, aber goldrichtige Maßnahmen von Stevens. Ich war mir sicher, ein harter, aber gerechter Typ wie Stevens hat diese Mannschaft gebraucht, befürchtete aber, dass der Trainerwechsel angesichts der zuvor verschenkten Punkte gegen Teams in unseren Tabellenregionen, zu spät kam. Seit gestern bin ich mir sicher, dass wir die Klasse halten werden. 31 Punkte sind zwar noch immer eine erbärmliche Ausbeute und kein Ruhmesblatt, wir haben jedoch das Glück, dass es tatsächlich 3 (!) Mannschaften gibt, die noch spärlicher punkten und dass ich keiner dieser Mannschaften zutraue, überhaupt noch mehr als vier Punkte einzufahren, die uns derzeit vom Relegationsplatz trennen. So gesehen, könnte es das schon gewesen sein. Der VfB ist natürlich gut beraten, kommenden Freitag in Hannover nachzulegen und den Sack womöglich schon dort zuzumachen. Das wäre Balsam für unser aller Nervenkostüm und würde uns die Möglichkeit eröffnen, zum letzten Heimspiel der Saison ganz entspannt mit dem Partyfloß anzureisen und den Tag einfach zu genießen.
Macht’s noch einmal, Jungs!
Oh VfB hier im Stadion, Du raubst mir noch den Schlaf. Toll, wenn man am Sonn- und Feiertag nach der inneren Uhr aufwacht und am liebsten sofort aufbrechen würde, um die so bitter, dringend benötigten drei Punkte einzuheimsen und dann zum “gemütlichen” Teil übergehen zu können. Nach den bisherigen Ergebnissen des Spieltags ist der Abstiegskampf zum Vierkampf geworden, bei dem wir als Tabellenführer ins Rennen gehen. Das ist das positive, das man mitnehmen kann, noch haben wir die beste Ausgangsposition und sollte der Glubb gegen die Pillendreher verlieren, hat sich daran, egal wie unser Kick gegen Gazprom ausgeht, auch nichts geändert.
Das Bild stammt vom 12.05.2001, als wir in ähnlich bedrohlicher Situation den Meisterschaftskandidaten Schalke ins Tal der Tränen stürzten und maßgeblichen Anteil an ihrer ersten “Meisterschaft der Herzen” hatten. Auch damals gab es keinen Schönheitspreis zu gewinnen, die Devise lautete zunächst einmal, sicher zu stehen und das Schalker Spiel zu zerstören, was auch gelang. So ergab das mehr oder weniger ein Gewürge von zwei nervösen Mannschaften, aber egal. Die Zuschauer hatten den Überlebenskampf lang angenommen, so dass kaum Pfiffe und kein Murren zu vernehmen waren, alle, wirklich so gut wie alle, standen hinter dieser jungen Mannschaft, die uns in den Folgejahren noch so viel Freude bereiten sollte.
In der 90. Minute schließlich fasste sich Krassimir Balakov ein Herz und hämmerte die Kugel in die Maschen. Der Torschrei von damals klingt mir heute noch in den Ohren und hallte bis nach München durch, die auf einmal wieder im Meisterschaftsrennen waren. Mit einem analogen Verlauf heute wäre ich einverstanden, auch wenn ich mich von Woche zu Woche frage, wieviele solcher Nervenspiele man in etwas gesetzterem Alter eigentlich noch ertragen kann. Die Hütte ist wieder zum zerbersten voll, langsam sollte auch der letzte kapiert haben, was die Stunde geschlagen hat. Ich bin überzeugt davon, gemeinsam können wir es schaffen und das Starensemble aus Gelsenkirchen ohne Punkte zurück in den Pott schicken. Heute haben wir zwar keinen Soldo mehr, auch keinen Balakov, dafür kam unser Dida wieder wie Phönix aus der Asche, der auch eine beachtliche linke Klebe hat. Die Mannschaft wirkte zuletzt immer stabiler. Sollten sie die Leistungssteigerung fortsetzen können, aus einer soliden Ordnung heraus eigene Angriffe mit den schnellen Harnik, Traore und Werner generiern können, die, da sehr variabel vorgetragen, für jeden Gegner schwer zu verteidigen sind, brauchen wir uns zumindest was die Offensive angeht, vor niemandem zu verstecken. So paradox es klingt, Gente wächst an der Seite von Gruezo und Didavi tut unserem Spiel einfach gut. Es gilt die einfachen Fehler zu vermeiden und bis zur 98. Minute, wenn es sein muss, die Konzentration hochzuhalten, dann können wir heute den perfekten Tag haben. Frühingsfest, gutes Fußballwetter, Nürnberger Niederlage, VfB-Sieg. Das wäre dann ein wahrer Bigpoint im Überlebenskampf. In diesem Sinne, alles geben heute, forza VfB!
Pech oder einfach „nur“ Unvermögen?
In letzter Zeit habe ich mich mit dem Schreiben und vor allem dem allzu heftigen Kritisieren im Blog zurückgehalten und mich diesbezüglich auf Facebook beschränkt. Teilweise schlicht aus Zeitgründen, aber auch, weil ich #Zusammenhalten verinnerlicht habe und überzeugt davon bin, dass draufhauen zu diesem Saisonzeitpunkt nichts mehr bringt. Die Schlüsse aus der Fehlentwicklung der letzten Jahre und die Konsequenzen daraus werden nach Saisonende im Vorblick auf die neue Saison, in welcher Liga auch immer, gezogen werden. Dass „wir nicht weitermachen können wie bisher“ hat Präsident Wahler ja schon verlauten lassen. Spätestens seit der Verein mit dem längst überfälligen Trainerwechsel die letzte Patrone gezogen hat, liegt die Zukunft des Vereins in den Händen der Spieler, die es auf dem Platz richten müssen.
Seit meinem letzten Kommentar auf dieser Seite gab es nach aufopferungsvollem Kampf und einer 2:0-Führung das 2:3 gegen Borussia Dortmund. Die hätten lieber mal ihre Leistungsträger geschont, dann wären sie im darauffolgenden Championsleague-Spiel in Madrid wohl nicht so unter die Räder gekommen. Auch der Dreifach-Torschütze Marco Reus, der sich die Unverschämtheit leistete, den VfB-Fans die herausgestreckte Zunge zu zeigen, hätte sich lieber den einen oder anderen Treffer für die Königlichen aufgehoben als uns ins Tal der Tränen zu schießen. Dieses Spiel lief sehr unglücklich für uns. Kirch hätte mit Gelb-Rot vom Platz gehört, ebenso wie Lewandowski, dem eine Zweikampfführung ohne Ellenbogeneinsatz fremd ist und der zu allem Überfluss noch einen Elfmeter geschunden hat, was die Rote Karte für Georg Niedermeier zur Folge hatte. Der VfB, zu diesem Zeitpunkt gegen den gewohnt laufstarken BVB bereits ausgepowert, hatte in Unterzahl leider nichts mehr entgegenzusetzen. Dennoch war das Spiel einmal mehr ein Hoffnungsschimmer, dass durchaus Qualität in der Truppe vorhanden ist. Stevens zog zudem Konsequenzen aus dem blutleeren Auftritt in Nürnberg und brachte erstmals Didavi und Gruezo in der Anfangsformation.
Danach folgte der überlebenswichtige Heimsieg gegen den SC Freiburg. Wie schon gegen den HSV stach unser Joker Alexandru Maxim nach toller Vorarbeit von Traore. Ulle machte ein starkes Spiel und hielt uns in der Schlussviertelstunde die Führung, ehe Martin Harnik den Deckel drauf setzte. Wieder bildeten Gruezo und Gentner die Doppelsechs, während Didavi auf der zentralen Offensivposition die Fäden zog. Viele hatten Dida ja schon abgeschrieben, umso mehr freut es mich, wie er sich wieder herangekämpft hat und wie gut er dem VfB-Spiel tut. Gruezo die Überraschung der letzten Spiele schlechthin. Sehr abgeklärt für sein Alter und technisch beschlagen füllt er die Position aus, wie schon lang niemand mehr beim VfB. Er versteht es dem Spiel Struktur zu verleihen und macht intuitiv das richtige, ob er einen Angriff einleiten oder wann er Tempo herausnehmen muss.
So war es logisch, dass diese beiden auch im Borussia-Park in Mönchengladbach zum Stammpersonal gehörten. Auch wenn ich was Stadien angeht eher ein Nostalgiker bin und den alten Stadien, die oft inmitten von Wohngebieten und mit vielen Bier- und Wurstbuden umgeben waren, nachtrauere, fahre ich immer wieder gerne in den Borussia-Park. Auf den Anfahrtswegen und in der Stadt findet keine übertriebene Fantrennung statt, die Polizei hält sich wohltuend im Hintergrund und auch die Ordnerschaft vermittelte eher einen kooperativen Eindruck. In dieser Hinsicht bilde ich es mir ein, vielleicht ist es ja auch so, dass bei Fußballvereinen, die mehr oder weniger zum Inventar der Liga gehören, wozu ich auch Gladbach, Lautern, Köln, etc. zähle, also solche, die über jahrzehntelange Bundesligaerfahrung verfügen, mit viel mehr Routine, auch mit mehr Gelassenheit, im Umgang mit den gegnerischen Fans zu Werke gehen als die Emporkömmlinge der Liga wie bspw. Mainz, Augsburg, Wolfsburg, Hoffenheim u. v. a. m. wo man nie den Eindruck hat, als Gast wirklich willkommen zu sein. In Gladbach davon keine Spur. Der Einlass war relaxed, man konnte mit den Ordnern flachsen, meine Kamera hat sie auch nicht die Bohne interessiert. Gestern war ich früh wie selten am und im Stadion, da ich nach dem Ausflug ins Düsseldorfer Nachtleben am Freitag mein Gepäck im RWS-Bus verstauen musste und daher bereits die Ankunft der Busse erwartete, um nicht Gefahr zu laufen, einmal mehr bei einem schönen Pils zu „verhocken“. Innen im Stadion traf man natürlich jede Menge Freunde und Bekannte, so dass die Zeit bis zum Anpfiff regelrecht verflog. Da eine Choreo angekündigt war ging ich rechtzeitig hinein und suchte mir einen guten Platz um diese bestmöglich in Szene setzen zu können.
Die Aufstellung bekam ich wie gewohnt per Whatsapp-Nachricht vom VfB-Tweet übermittelt. Überraschung, Überraschung, der Mann mit der vermeintlichen Stammplatzgarantie, Vedad Ibisevic, musste auf der Bank Platz nehmen und Timo Werner den Vortritt lassen. Stevens ist endlich mal wieder ein Trainer, der vor „großen Namen“ nicht Halt macht, sich aber auch nicht in die Karten blicken lässt. Den Medienvertretern jedenfalls hat er am Freitag noch Glauben gemacht, eine Herausnahme unserer Nummer 9 wäre kein Thema. Umso überraschter, aber auch positiv erfreut, war ich, als ich diesen Wechsel zur Kenntnis nahm, fiel Ibisevic doch auch nach Ablauf seiner Sperre mehr durch unfaire Einlagen und lustlosem Gekicke auf, als dadurch, der Mannschaft unbedingt aus dieser misslichen (Tabellen-)Lage heraus helfen zu wollen. Es scheint so, als hätten wir seit längerer Zeit mal wieder einen Übungsleiter, bei dem das Leistungsprinzip gilt. Ein (richtiges) Signal sicherlich für jeden einzelnen, dass er es sich nicht leisten kann nachzulassen, möchte er auch im nächsten Spiel in der Stammelf stehen. Ein solch konsequenter Mann an der Seitenlinie, finde ich, tut uns gut und weshalb sollte er, nach hoffentlich erfolgreich absolviertem Abstiegskampf, nicht auch in der nächsten Saison unser Trainer bleiben, wenn er denn möchte. Dazu müsste die Vereinsführung den Mut haben, diesen kauzigen und sicherlich nicht einfachen Typen, der den Herren auch nicht immer nach dem Mund reden wird, weiter zu beschäftigen und eine (konstruktive) Streitkultur wieder einkehren zu lassen. Sie müsste also endlich einmal über ihren eigenen Schatten springen. Dass er den vom Verein kolportierten Jugendstil nicht mittragen würde halte ich für eine Mär. Gestern standen mit Werner und Gruezo gleich zwei Youngster in der Anfangsformation, würde das Reservoir des Vereins mehr hergeben, bekämen sicherlich noch andere ihre Chancen. Wer sich in letzter Zeit aber die Auftritte unserer zweiten Mannschaft angeschaut hat, sieht eigentlich so gut wie keinen, dem man den Sprung in naher Zukunft zutrauen könnte. Vielleicht kommt als nächster Marco Rojas, der mit viel Vorschusslorbeeren als Kiwi-Messi angekündigte Neuseeländer, noch zum Zug, der derzeit wie zuvor Daniel Didavi bei den Amateuren Spielpraxis erlangt. Auf Teufel komm raus junge reinzuwerfen, nicht weil sie gut, sondern nur weil sie jung sind, bringt in unserer Lage nichts und damit tut man ihnen auch keinen Gefallen. Dafür fehlen uns die gefestigten Führungsspieler, an die sich anlehnen und von denen sie lernen könnten.
Außer Werner für Ibisevic kehrte Niedermeier nach Rot-Sperre für Sakai in die Startformation zurück. Der VfB-Block bot ein wunderschönes Bild, waren doch sehr viele dem Aufruf „Alle in Rot nach Gladbach“ gefolgt. Gut 4.000 VfBler machten von Beginn an gute Stimmung und wirkten bis in die Haarspitzen motiviert. Kurz vor dem Einlauf der Mannschaften fiel der Startschuss für die Fahnen-Choreo mit dem Motto „Kampf bis zum Schluss“. So ein beeindruckendes Bild musst Du auswärts erst einmal abgeben, Gänsehautatmosphäre also bereits bevor das Spielgerät rollte. Zum Fotografieren hatte ich einen tollen Platz, direkt am Zaun zur Gegengerade, so dass ich durch den Zaun in die Gladbacher Kurve fotografieren konnte und auf der anderen Seite auch unseren Block gut im Blick hatte. Nach einer kurzen Abtastphase, in der sich die Gladbacher mühten, unser Abwehr-Bollwerk zu knacken, jedoch nicht durchkamen, stand es plötzlich 1:0 für den VfB. Der VfB vorne sehr variabel und für die Gladbacher schwer auszurechnen, da Gruezo die Bälle klug verteilte und Didavi, Harnik, Traore und Werner ständig die Positionen tauschten, ging nach missglücktem Versuch von Werner schließlich durch Didavi in Führung. Es war Didavis erstes Bundesligator seit ziemlich genau zwei Jahren. Noch hat er keine Luft für 90 Minuten, dennoch zeigt er schon ín seinen ersten Spielen nach schier endlos langer Reha wie wertvoll er für den VfB sein kann. Mit Stevens haben wir endlich wieder einen Trainer, der erkennt, wie er den einen oder anderen Spieler einsetzen muss, damit seine Stärken zum tragen kommen, Labbadia jedenfalls konnte mit Didavi nichts anfangen, weshalb er ja auch damals nach Nürnberg verliehen wurde. Ich verfolge Didavi schon länger, war bei seinem allerersten Spiel bei unseren Amateuren gegen Eintracht Braunschweig dabei, als er wie Phönix aus der Asche kam und zwei Tore zum 4:0-Sieg beisteuerte. Sein starker linker Fuß kann eine Waffe für uns werden, hoffentlich bleibt er gesund, dann bin ich mir sicher, werden wir noch viel Freude an ihm haben.
Unmittelbar vor dem Führungstreffer gab es eine schön anzuschauende Pyro-Einlage unserer Ultras. Wer weiß, vielleicht wirkte diese „Show“ ja motivierend auf die Jungs oder lenkte die Gladbacher ein wenig ab. Ich sehe solche Zündeleinlagen durchaus mit gemischten Gefühlen. Ich schaue es mir unheimlich gern an, halte auch mit der Kamera drauf, was das Zeug hält, weil es einfach geile Bilder gibt. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt davon, dass ein teilweiser Fanausschluss bei uns nur noch eine Frage der Zeit ist, die DFL greift nach solchen „Vorfällen“ momentan gnadenlos durch und will mit aller Gewalt demonstrieren, wer Herr im Haus ist und wer die Hosen an hat. Ist ein wenig ein Katz- und Mausspiel, bei dem die Vereine und die Fans im Grunde nur verlieren können. Trotzdem verstehe ich die Ultras, die nicht bereit sind, jedes Verbot zu tolerieren und zu akzeptieren, da rund um den Fußball und besonders was das Fußballfan-Dasein angeht in den letzten Jahren viel an Freiheit verloren gegangen ist. Der Fußball und das Drumherum verlieren mehr und mehr seinen originären Charakter hin zum Event. Der Fan in der Kurve ist allenfalls noch Beiwerk, das Hauptevent findet in den Fresslogen auf den Haupttribünen statt, sind es doch die, die das meiste Geld bringen und die, mit denen man geschäftliche Kontakte knüpft, wovon man irgendwann in diesem Leben noch profitieren könnte. Nur gut, dass auch für die Großkopferten in den Logen das Fahnenmeer in der Kurve, die Gesänge, ab und zu eine beeindruckende Kurvenchoreographie und die Stimmung dazugehören und sie dies nicht missen möchten, sonst würde die Kommerzialisierung noch fatalere Ausmaße annehmen. Daher stimme ich in vielem mit der Intension der Ultras überein und bin auch froh, dass es sie gibt. Auf der anderen Seite habe ich eben vorhin den liberalen Umgang der Ordner in Gladbach gerühmt. Es steht zu befürchten, dass es im Spiel 1 nach einer Pyroshow an gleicher Stelle Restriktionen geben wird, sei es Choreo- und Fahnenverbot, seien es verschärftere Eingangskontrollen und/ oder Ausschank von nur noch alkoholfreiem Bier. Steht so etwas zu befürchten mache ich mir Gedanken darüber in einen neutralen Bereich zu gehen, um mich diesen Restriktionen (immer öfter auch Schikanen) nicht aussetzen zu müssen.
Der VfB war nach der Führung klar die bessere Mannschaft und ließ wenig bis nichts zu. Und wenn, war Sven Ulreich zur Stelle, der seit dem Dortmund-Spiel stark aufsteigende Tendenz zeigt in einer Mannschaft, die von Spiel zu Spiel stabiler wirkt, von negativen Ausrutschern wie in Nürnberg einmal abgesehen. Nach vorne setzte das Team immer wieder Nadelstiche und hätte die Führung ausbauen müssen. Vor allem unmittelbar vor der Pause, als Didavi und Werner das Tor einfach machen mussten.
Nach dem Wechsel übernahmen die Gladbacher mehr und mehr die Initiative, wechselten offensiv, ohne jedoch zu klaren Chancen zu kommen. Sie bissen beim VfB über weite Strecken auf Granit, was sich in Verzweiflungsschüssen zeigte, die meist das Tor weit verfehlten. Der VfB verfiel leider mit zunehmender Spieldauer in alte Verhaltensmuster und tat zu wenig für die Offensive. Dennoch hatten wir in der 87. Minute den erlösenden Torschrei auf den Lippen, als Traores Freistoß an die Latte prallte. Und dann kam es, wie man es als leidenserprobter Fan kommen sah, Boka zu weit weg von Kruse, der ungehindert flanken konnte, den Kopf von Arango traf und dieser mit seinem allerersten Kopfballtor den von den Gladbacher viel umjubelten Ausgleich erzielte. Niedermeier, gefühlt einen Kopf größer als Arango, hinderte ihn ebenso wenig dran wie Schwaab, der nur zuschaute. Eine Verkettung von eigenen Fehlern also mal wieder, so dass es mir schwer fällt von Pech zu reden. Diese Unkonzentriertheiten in der Schlussphase haben uns mittlerweile etwa 30 Punkte gekostet. Hier rächt sich das so hochgelobte Trainingslager in Südafrika, wo dem Anschein nach mehr Wert auf die Termine als DFL-Botschafter denn auf Schwerpunkte auf dem Trainingsplatz gelegt wurde. Wenn man da mal nicht für 200.000 Euro die Bundesligazugehörigkeit verkauft hat…
Auch wenn uns momentan nur noch Dreier so richtig weiter helfen, hätte ich vor dem Spiel für den einen Punkt unterschrieben. Nach diesem Spielverlauf ist es jedoch einmal mehr eine gefühlte Niederlage, die richtig weh tat. In Anbetracht der Ergebnisse der Konkurrenz hätten wir uns, zusammen mit Hannover und Freiburg, fürs erste von den letzten drei Plätzen absetzen können. Jetzt aber heißt es (mal wieder) Mund abwischen und Schalke schlagen. In den verbleibenden Heimspielen muss einfach gewonnen werden, um nicht von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig sein und in München den Rechenschieber rausholen zu müssen. Die Leistungen zuletzt, die Stimmung rund um den VfB, der Zusammenhalt unter uns Fans, die Initiative „Jetzt weiß-rot” der Stuttgarter Medien, ein erneut volles Haus gegen Schalke 04 am ersten Frühlingsfestwochenende, vieles, das mir Mut macht für die letzten Heimspiele. Unter Stevens scheinen die Jungs auch die chronische Heimschwäche ad acta gelegt zu haben und vor allem die Angst vor dem Heimsieg. Eine unglückliche Niederlage gegen den BVB sowie zwei so wichtige Heimsiege gegen Hamburg und Freiburg sind eine Bilanz, die Hoffnung macht. Zudem haben wir gegen die auf dem Papier stärkeren Schalker und Wolfsburger, die beide noch um die Championsleague-Qualifikation spielen, gute Erinnerungen was „Endspiele“ betrifft. Gegen Schalke gelang der so wichtige Sieg 2001, der uns aller Abstiegsängste entledigte und den Schalkern zum Titel „Meister der Herzen“ verhalf. Gegen Wolfsburg erreichten wir 2003 mit einem 2:0-Sieg und durch Schützenhilfe von Energie Cottbus in Dortmund erstmals die Champions League. Auch 2012, als Wolfsburg zum letzen Heimspiel im Neckarstadion seine Visitenkarte abgab, gewannen wir mit 3:2 (nach 0:2!) an einem großartigen Tag mit beeindruckender Choreographie in der Cannstatter Kurve.
Dazwischen geht es noch zu Hannover 96, gegen die wir zuletzt 2006 auswärts gewannen. Ich drücke Hannover die Daumen, dass sie am Donnerstag in Frankfurt den Auswärtssieg feiern und den Abstiegsplätzen damit endgültig entrücken können. Möglicherweise wäre dann die Konstellation bei unserem Auftritt im Niedersachsenstadion schon so, dass sie völlig entspannt antreten und wir die Situation möglicherweise ausnutzen können. Aber, auch dort wird das Spiel 90 + x Minuten dauern. Höchste Zeit, dass unsere Jungs das verinnerlichen und noch gieriger werden, eine Führung auch mal beizeiten auszubauen, um unsere und auch die eigenen Nerven zu beruhigen.
