31. März 2012

4:4 gewonnen!

Eines vorneweg: wenn man sich bei manch leidenschaftsloser Vorstellung fragt, weshalb man es sich antut, der Mannschaft überall hinterher zu reisen, um sich doch nur zu ärgern, so kann man nach dem gestrigen Abend festhalten, dass es genau diese Momente sind, wofür es sich lohnt, diesem wunderbaren Sport zu frönen. Ein Spiel, an Dramaturgie nicht zu überbieten. Und das in dem Fußballtempel in Deutschland schlechthin, dem Westfalenstadion in Dortmund. Am Ende gab es nur Gewinner. In vorderster Front natürlich der Fußball im Allgemeinen, die 80.720 Zuschauer, die diesem Spektakel beiwohnen durften und natürlich die Protagonisten in kurzen Hosen, die allerbeste Unterhaltung boten. Es war Gänsehaut pur, die einen den ganzen Abend begleitete. Selbst als wir in Rückstand lagen und die Dortmunder in Feierlaune waren. Die Schwarz-Gelben muss man einfach lieb haben, wenn man die Atmosphäre und die Schwarz-Gelbe Wand mit 30.000 Fans in der Südtribüne einmal erlebt hat. Dann die unfassbaren Glücksgefühle in unserem Block als der VfB innerhalb kürzester Zeit aus dem 0:2 ein 3:2 machte. Und, das an Emotionalität nicht zu überbietende Ende als Gentner in der Nachspielzeit zum 4:4 traf. Da nahmen wir auch die unfreiwilligen Bierduschen beim Torjubel gerne in Kauf.

Die Fahrt nach Dortmund begann für uns gegen 13 Uhr, als wir in Heimsheim den vom RWS Berkheim gecharterten Bus bestiegen und voller Vorfreude die Reise antraten. Schnell holte uns der ganz normale Wahnsinn am Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen ein. Es begann ja auch die erste Osterreisewelle, so dass wir schon bei Pforzheim den ersten von unzähligen Staus zu durchfahren hatten. Zwischenzeitlich hatte ich große Bedenken, überhaupt etwas vom Spiel zu sehen, so zäh zog sich die Fahrt hin. Etwa eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn erreichten wir Dortmund dann und reihten uns in den Stadionstau ein. Unser Busfahrer dachte dann besonders schlau zu sein, vertraute seinem Navi und ließ die Richtung Parkplatz abbiegenden rechts liegen, so dass wir uns plötzlich im Dortmunder Innenstadtverkehr wiederfanden. So sah ich unsere Felle immer mehr davon schwimmen und fühlte mich bestätigt, dass die Abfahrtszeit 12 Uhr in ES-Berkheim an einem Freitag recht knapp gewählt war. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatten wir den rechten Weg wieder eingeschlagen und standen auf der Brücke über die Bundesstraße, Richtung Busparkplatz im Stau, ehe der Busfahrer, nach Rücksprache mit der vor uns fahrenden Polizei, ein Einsehen hatte und uns aussteigen ließ. Den Weg zum Gästeblock bewältigten wir im Laufschritt, die Ordner an den Eingängen hatten Verständnis für unsere Eile und beschränkten die Abtast- und Durchsuch-Prozeduren aufs Nötigste. Im Stadion angekommen lief bereits You’ll never walk alone, was darauf hindeutete, dass der Einlauf der Gladiatoren unmittelbar bevorstand. Erst mal kurz durchatmen, geschafft…

Da wir für dieses Spiel Stehplatztickets hatten, war es natürlich äußerst ungünstig, so spät einzutreffen. Die Gänge im Stehblock waren nicht mehr als solche zu erkennen, so dass wir kaum rein kamen. Die wenigen Ordner hatten offensichtlich bereits aufgegeben, wenigstens die Gänge freizuhalten und die Leute zum durchgehen zu bewegen. Die ersten Augenblicke nach dem Eintreffen wollte ich nutzen, noch ein Bild von der Schwarz-Gelben Schalparade zu schießen, was genügte, meine Leute aus den Augen zu verlieren. Nachdem ich mich mit anderen Berkheimern bei den Ordnern beschwert hatte, dass es ja unmögliche Zustände wären, führten sie uns unten in den Stehplatzbereich, wo ich mich dann während der ersten Halbzeit aufhielt. Nicht optimal und schlechte Sicht, da ständig Ordner und Polizei vor einem herumturnte und das Gedränge auch immer größer wurde. Aber, darüber regte ich mich nicht groß auf. Weiß man doch, wenn man ein Stehplatzticket wählt, dass es sich empfiehlt, frühzeitig seinen Platz einzunehmen.

Ich fuhr durchaus optimistisch in den Ruhrpott. Der VfB erreichte in den letzten beiden Begegnungen gegen den BVB jeweils ein 1:1, was ich auch für dieses Aufeinandertreffen tippte. Beide Male war Dortmund favorisiert, doch der VfB schaffte es jeweils mit Glück und Geschick einen Punkt zu erringen, was ich als Vorzeichen sah, dass wir uns möglicherweise zum Dortmund Angstgegner aufschwingen könnten. Das Spiel begann wie erwartet. Mit druckvollen Dortmundern, die die VfB-Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste stürzten. Der BVB presste früh und zwang den VfB mit seinem druckvollen Hochgeschwindigkeitsfußball in die Defensive und kam zu ersten Chancen. Mit eigenen Nadelstichen in der Offensive (Schieber muss das 0:1 machen) zeigte der VfB dem Tabellenführer aber, dass er sich nicht zu sicher fühlen darf. Dennoch hatte der BVB natürlich ein deutliches Chancenplus. Ulreich, das Aluminium und mehr als einmal unser Turm in der Schlacht, Schorsch Niedermeier, verhinderten den frühen Rückstand. Nach etwa einer halben Stunde hätte der VfB allerdings einen Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen, als Weidenfeller Ibisevic in aussichtsreicher Position legte. Bitter, denn ein möglicher Elfer hätte auch die Rote Karte für Weidenfeller nach sich ziehen müssen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Spielleitung von Schiri Weiner gefiel, ließ er doch viel laufen, was dem Spielfluss gut tat.

Kurz darauf war es dann aber um den VfB geschehen. Kehl legte für Kagawa auf, der den Ball unter die Latte drosch. Aufgrund des Chancenplus des Meisters eine verdiente und auch fällige Führung. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr allzu viel. Dortmund hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt gut im Griff. Die Pause nutzte ich zum Plausch mit einigen Bekannten und einem zweiten Versuch von oben in den Stehplatzbereich zu gelangen, was dieses Mal auch funktionierte.

Auch die zweite Hälfte begann der BVB furios. Bei Pisczceks Pfostenknaller hatten wir noch das Glück des Tüchtigen, nur eine Minute später aber bezwang Kuba Sven Ulreich zum vermeintlich vorentscheidenden 2:0. Dortmund sah zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aus. Ich hoffte nur, dass es jetzt kein Debakel gibt, Chancen dazu waren für den BVB vorhanden. In der 61. Minute kam dann der längst überfällige Wechsel auf unserer linken Abwehrseite. Molinaro wurde für Boka aufs Feld geschickt, der einmal mehr völlig überfordert war. Kuba und Pisczcek spielten zeitweise Katz und Maus mit ihm, der ständig in die Mitte zog anstatt seine Seite zuzumachen. Wie schon gegen den Club eine grottenschlechte Vorstellung unserer Nummer 15. Mit Molinaro kam mehr Stabilität auf dieser Seite rein. Mitte der zweiten Hälfte bekam man den Eindruck, dass Dortmund einen Gang zurückschalten und der VfB noch einmal seine Chance suchen wollte. Kvist setzte mit seinem satten Pfostenschuss ein erstes Ausrufezeichen, Ibisevic hatte kurz darauf eine gute Kopfballchance. Dann folgte die Zeit der spielentscheiden Wechsel. Beim VfB kam Christian Gentner für Hajnal, bei Dortmund Bender für Gündogan. Ich hatte den Eindruck, dass dem BVB mit der Auswechslung von Gündogan Struktur und Stabilität verloren ging, während sich der viel gescholtene Gentner zum (fast) spielentscheidenden Mann aufschwang. Kaum im Spiel bediente Gentner Niedermeier, dessen Volleyablage Vedad Ibisevic im Stile eines kaltschnäuzigen Torjägers gegen die Laufrichtung von Weidenfeller im Kasten versenkte. Gerade einmal sechs Minuten später kam der Ball nach von Ibisevic gegen Subotic gewonnenen Kopfballduell zu Julian Schieber, der mit unbändiger Willenskraft den Ball unter Kontrolle hielt, Weidenfeller umkurvte und zum 2:2 einschob. Ihm gönne ich es besonders, wurde er unter der Woche doch noch von seinem eigenen Präsidenten unwürdig abqualifiziert. Wiederum nur zwei Minuten später schickte Kuzmanovic Schieber auf die Reise, der mit einem satten Linksschuss durch die Beine von Weidenfeller das sensationelle 2:3 markierte. Daraufhin brachen bei uns im Block natürlich alle Dämme und auch ich hatte ernsthafte Standprobleme, am Ende aber alles gut überstanden. Unfassbar, bei einem eigentlich übermächtigen Gegner innerhalb so kurzer Zeit aus einem 0:2 ein 3:2 zu machen. Der BVB aber, im Stile einer Klassemannschaft, schüttelte sich kurz und schlug, auch einer gewissen Passivität vom VfB in dieser Phase geschuldet, eiskalt zurück. Als Hummels und Perisic Dortmund mit 4:3 in Führung schossen war im Stadion natürlich ein Geräuschpegel zu vernehmen, den ich sonst nur aus schottischen Stadien kenne. Wir waren restlos bedient und sahen es jetzt, nach dieser Aufholjagd, als tragisch an, mit leeren Händen heimfahren zu müssen. Doch, der VfB raffte sich auch nach diesem Tiefschlag noch einmal auf. Der eingewechselte Bah setzte einem eigentlich schon verlorenen Ball in der Nachspielzeit gut nach, so dass der Ball zu Molinaro gelangte. Dieser tat das, was man macht, wenn man in der Nachspielzeit unbedingt noch ein Tor braucht und drosch den Ball hoch in den Dortmunder Sechzehner. Schmelzer legte unfreiwillig für Gentner auf, dieser umkurvte Kehl und hämmerte den Ball unter die Latte des Dortmunder Tores. Damit wurde Gentner tatsächlich zum „Matchwinner“, auch wenn es keinen Sieger gab. Dieses Remis fühlte sich wie ein Sieg an. Unbändiger Jubel natürlich in unseren Reihen und bedröppelte Dortmunder, die zwei Punkte auf die Bayern verloren, den (Meister-) Sack im direkten Duell aber ja noch selbst zumachen können. Außerdem, nach München fahren wir ja auch noch. ;-)

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich über ein Unentschieden schon einmal so gefreut hätte. Nach diesem Spielverlauf wäre es einfach bitter gewesen zu verlieren. Da habe ich sogar weniger an mich als Fan gedacht, als an die Mannschaft. Für dieses Aufbäumen musste es einfach die Belohnung in Form eines Punktgewinnes geben. Der VfB hat gestern, zumindest nach Kvist‘ Pfostenschuss, der als Startsignal zu sehen war, eine geile Leistung abgeliefert. Sie waren in dieser Phase unheimlich präsent in den Zweikämpfen und kämpften um jeden Ball. Das war Leidenschaft pur, wie ich sie vom VfB lange nicht mehr gesehen habe. Dass dieser Punktgewinn nicht unverdient war, zeigt die Statistik von Fussballdaten.de: Ballbesitz 49,5% zu 50,5%, gewonnene Zweikämpfe 47% zu 53%, Fouls 8 zu 10. Die Torschussstatistik von 27 zu 11 zu Gunsten des BVB war fast vorhersehbar. Dass man aber bestrebt war, selbst das Spiel zu machen und in den Zweikämpfen eine positive Bilanz ausweist, ist Beleg dafür, wie sich in der VfB in das Spiel hineingebissen hat. Auch die Foulstatistik von „nur“ 8 zu 10 finde ich bemerkenswert, ist es doch sauschwer diese wieselflinken Dortmunder mit fairen Mitteln zu verteidigen.

Ich behaupte mal, JEDER, der diesem denkwürdigen Abend live beiwohnen durfte, wird so ein Spiel niemals vergessen. Auch für mich reiht es sich ein in die ganz großen Sternstunden, die ich schon mit dem VfB erleben durfte. Den Dortmundern wünsche ich, dass auch sie das positive aus diesem Spiel ziehen können und in den nächsten Spielen ihre Chancen etwas konsequenter ausnutzen und den Bayern weiterhin die Stirn bieten.

Leider war nach dem Spiel nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses. Die Zeit reichte noch zu einem Bierchen am Stadion Rote Erde und ein kurzer Smalltalk nebst Aufmunterung zweier frustrierter BVB-Fans. Gerne wäre ich auch schon vor dem Spiel dort hin, ist es doch jedes Mal ein freundschaftliches Miteinander von BVB- und VfB-Fans.

Dann machten wir uns auf in Richtung des Busparkplatzes, wo ich mir von den Murgtalschwaben, die ebenfalls eigens für dieses Spiel einen Bus charterten, noch zwei, drei Bier für die Rückfahrt organisierte. Die RWS-Vorräte waren bereits nach der langen Hinfahrt aufgebraucht. ;-)

Gegen 5.30 Uhr schließlich lag ich dann in meinem Bett. Geschafft aber glücklich. Danke VfB, danke Jungs vom Neckar. Wir sind alle mächtig stolz auf Euch!

Wenn dieses Spiel keinen Rückenwind für die Europa League gibt, was dann. Gegen Mainz geht es darum, diesen Punkt zu vergolden und von der Schwäche der Konkurrenz um (mittlerweile) Platz 5 zu profitieren. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Bilder vom Spiel auf https://www.frankys-stadionpics.de//bilder/thumbnails.php?album=333.

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17. März 2012

Und schon wieder keine Punkte TSG!

Nach dem tristen 0:0 gegen das Schlusslicht Kaiserslautern hat sich der VfB mal wieder selbst in Zugzwang gebracht, um das zarte Pflänzchen Aufschwung am Leben zu erhalten. Immerhin war das Remis gegen Lautern das dritte Spiel in Folge ohne Niederlage.  Unter der Woche gab es gleich mehrere personelle Hiobsbotschaften. Unser zuletzt immer stärker werdender Kapitän Serdar Tasci fiel mit einer Reizung des Hüftbeugers aus. Shinji Okazaki zog sich im Training einen Innenbandanriss im rechten Knie zu und auch Martin Harnik, unser Top-Torjäger, war lange fraglich, sollte aber spielen können.

Zu den ersten beiden Begegnungen in der Rhein-Neckar-Arena, direkt an der A6 gelegen, sind wir jeweils mit dem RWS-Bus mitgefahren, was den Vorteil hat, dass man direkt vor dem Gästeblock parken kann und relativ wenig Kontakt mit den zugelaufenen „Fans“ des Retortenclubs bekommt. Dieses Mal aber wagten wir uns in doppelter Hinsicht in die Höhle des Löwen und nahmen dankend das Angebot der Mitfahrt bei Tom an. Wir stellten uns auf den massiven Freitag-Abend Feierabend- und Wochenendverkehr ein und fuhren bereits gegen 16.30 Uhr in Stuttgart-Zuffenhausen los. Überraschenderweise war zu dieser Zeit bis auf kurze Stopp-and-Go-Phasen der Verkehr einigermaßen fließend, so dass wir bereits eine gute Stunde später unser erstes Ziel, das Brauhaus Jupiter in Sinsheim-Steinsfurt, erreichten. Dort, etwa 20 Minuten Fußweg vom Stadion entfernt, bekamen wir noch problemlos einen kostenlosen Parkplatz und mit Glück auch ohne Reservierung drei Plätze im Lokal. Ein echter Geheimtipp, kann man dort doch gut essen und das Bier ist auch recht süffig. Die Gästeschaft teilte sich in etwa je zur Hälfte in VfBler und Hopp-Kunden auf. Ich kann mir nicht helfen. Auch im vierten Jahr der Ligazugehörigkeit von Hoffenheim kann ich deren „Fans“ nicht für voll nehmen und frage mich bei jedem einzelnen, welche Farben er wohl vorher getragen hat.  So war ich gestern wirklich mit Scheuklappen unterwegs und war froh, wenn ich mit Niemandem etwas zu tun bekam. Danach tranken wir noch ein Bierchen beim Elfmeter neben dem Museum, so etwas wie ein Onkel Otto für Arme, von wo wir dann auch schon den Marsch zum Stadion antraten.

In den letzten beiden Jahren hatten wir furchtbare Plätze im Gästekäfig, so dass wir dieses Mal Karten direkt bei Hoffenheim orderten. So wie der Stimmungsblock in der letzten Saison formiert war, erhoffte ich mir von unten einigermaßen brauchbare Bilder machen zu können. Wir saßen direkt hinter dem Tor, das hatten wir uns schon etwas anders vorgestellt, der Blick in den VfB-Block war aber einigermaßen o. k., auch wenn sich die Motive dort in Grenzen hielten, waren doch nach dem Abbrennen von Pyros in der letzten Saison Trommeln, Fahnen, Doppelhalter etc. untersagt. Ein Schelm, der auf die Idee käme, dass auf diese Art und die Weise die Hoffenheimer weniger zu übertönen hätten.  Um uns herum saßen wir fast mehrheitlich VfB-Fans, ansonsten viel Heimpublikum, die immer wieder herum zickten, wenn wir bei „Steht auf, wenn Ihr Schwaben seid“ mitmachten oder dem Spielverlauf geschuldet aufstanden. Es blieb aber, bis auf einige kleinere Scharmützel friedlich.

Als die Mannschaftsaufstellung unseres VfB verlesen wurde, gab es keine größeren Überraschungen. Maza ersetzte Tasci, Schieber spielte für Okazaki und Martin Harnik war wie erwartet dabei. Es folgt noch der Einmarsch der Fahnenträger, den sie sich wohl beim BVB abgeschaut haben und das obligatorische Badener Lied, bei dem ich mich auch fragte, wie viele Württemberger auf Seiten der Blau-Weißen da mit einstimmten. Es wirkt alles sehr aufgesetzt und lächerlich dort. Für mich als Allesfahrer ist das doch eher eine Pflichtveranstaltung. Die Kür folgt in den nächsten Wochen in Dortmund und Köln, wo einem Fußballfan einfach das Herz aufgeht.

Der VfB begann stark und ging bereits in der 8. Minute in Führung. Torschütze war ausgerechnet der in der Winterpause vom Hopp-Club gewechselte Vedad Ibisevic. Wurde in der Woche noch thematisiert, ob er denn bei einem Tor gegen die Ex-Kollegen jubeln würde, zeigte er deutlich für wen sein Herz nun schlägt. Er ging richtig aus sich heraus, was den Hoppenheimern natürlich nicht schmeckte. Der Pass auf Ibisevic kam im Übrigen durch schönes Direktspiel von Boulahrouz. Danach hatte der VfB das Spiel unter Kontrolle und ließ relativ wenig zu. Und wenn, waren meist Ersatzkapitän Georg Niedermeier oder Sven Ulreich zur Stelle. Zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt, kurz vor der Halbzeit, erzielte Ibisevic gar noch seinen zweiten Treffer, erneut vorzüglich bedient von Khalid Boulahrouz. Geil, wie schon im letzten Auswärtsspiel in Hamburg, ging der VfB erneut mit einer 0:2-Führung in die Kabinen. Es wäre wichtig gewesen, wie in Hamburg, kurz nach der Pause den dritten Treffer nachzulegen, doch das gelang leider nicht. Dazu wurden die Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt und es mangelte am letzten Funken Konzentration. Stattdessen kam jetzt Hoffenheim, nach der Pause mit Salihovic für Rudy, stärker auf und der VfB konnte sich beim starken Sven Ulreich bedanken, dass es nicht den Anschlusstreffer setzte. Mitte der zweiten Halbzeit dann zwei Wechsel beim VfB, die uns fast noch den Sieg kosteten. Dass Harnik, sowieso angeschlagen und mit den Kräften am Ende raus musste, zeichnete sich schon die gesamte zweite Halbzeit ab. Dass aber unser einziger Kreativspieler im Mittelfeld, Tamas Hajnal, vom Feld geholt wurde, entpuppte sich, wie schon gegen Kaiserslautern, als Schuss in den Ofen. Klar hatte Hajnal nicht seinen besten Tag, trotzdem ist er noch einer der wenigen, der auch in Bedrängnis den eigenen Mann findet.

Für die beiden kamen Gentner und Cacau ins Spiel, die fast ausnahmslos Bälle vertändelten, was den Gegner wieder aufkommen ließ. Auf der Tribüne waren wir uns einig, dass, auch gerne schon früher, eine Einwechslung Gebhart für Harnik Sinn gemacht hätte. Was Hajnal angeht, habe ich gerade einmal die Statistik bemüht. In 25 Saisonspielen, bestritt er gerade einmal sieben über die volle Distanz. Regelmäßig kommt ein Bruch ins Spiel, weil es an adäquatem Ersatz mangelt. Nach wie vor habe ich die Hoffnung, dass es Kevin Stöger einmal als Backup in den Kader schafft. Ihm traue ich es zu, Struktur im Spiel beizubehalten. Er ist ein ähnlicher Typ, mit Blick für die Situation und einem klaren Passspiel. Weder Gentner noch Cacau waren dazu gestern in der Lage.

Traut man Stöger diese Rolle nicht zu, tut eine Neuverpflichtung auf dieser Position im Sommer Not. Salihovic soll ja ein ernsthafter Kandidat sein, der aber auch nicht gerade für Hochgeschwindigkeitsfußball bekannt ist. Das alleine wäre an sich kein Problem und zu kompensieren, hat er doch andere Stärken, wie einen immens guten Schuss. Dann allerdings muss auf der Doppelsechs nachgebessert werden, da sowohl Kvist als auch Kuzmanovic zurzeit eher Altherrenfußball anbieten. Hier wünscht man sich mehr Dynamik, wie wir sie früher mit Khedira oder auch Träsch hatten. Vielleicht löst man dieses Problem auch aus den eigenen Reihen, erster Anwärter: Raphael Holzhauser.

Gebhart kam für mein Empfinden erneut zu spät, zeigte aber in den knapp 10 Minuten, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Clever, wie er in den letzten Minuten mehrere Freistöße an der Eckfahne herausholte und somit für Entlastung und das sorgenfreie herunterlaufen der Uhr sorgte.

Der Anschlusstreffer für Hoffenheim fiel durch einen von Maza dumm verschuldeten Foulelfmeter. Ansonsten war er ein guter Tasci-Vertreter.

Garant für den Sieg aber war die Achse Ulreich-Niedermeier-Ibisevic. Stark auch der zweifache Torvorbereiter Boulahrouz. Sakai gefällt mir immer besser und auch Julian Schieber merkte man zumindest die Freude an, wieder auf dem Platz zu stehen. Er war nah dran an seinem Tor und hat es sich vielleicht für seinen Ex-Glubb aufgehoben. Gegen Nürnberg dürfte er sicherlich wieder in der Anfangsformation stehen, nachdem sich Ibisevic in der Schlussphase die fünfte Gelbe Karte eingehandelt hat. In der jetzigen Verfassung ist Ibisevic trotzdem schwer zu ersetzen. Langsam beginne ich meine Skepsis bzgl. dessen Wechsel zum VfB zu überdenken. Es scheint, wir hätten seit langem mal wieder einen echten Torjäger, der auch immer eine Idee im Kopf hat. Er hat ein klasse Spiel gemacht gestern.

Nachdem wir die Mannschaft noch gebührend gefeiert und verabschiedet hatten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Busparkplatz und sagten den Jungs und Mädels vom RWS hallo, ehe wir uns noch ein Siegerbierchen beim Elfmeter gönnten und die Rückfahrt antraten.

Schön, wenn man samstagmorgens aufwacht und die drei Punkte schon eingesackt sind. So können wir uns genüsslich am restlichen Wochenende die Konkurrenz anschauen im Wissen, dass unser Tagwerk bereits vollbracht ist.

Leider verpassen wir aufgrund familiärer Verpflichtungen das nächste Spiel gegen Nürnberg, mein erster „Ausfall“ in der Bundesliga seit November 2009. Heute bin ich aber zuversichtlich, dass die Negativserie gegen den Club ein Ende findet und die Jungs es auch ohne uns packen. Jetzt, nachdem seit gestern der Nichtabstieg endgültig besiegelt sein dürfte, können wir es uns auch erlauben ausschließlich nach oben in der Tabelle zu blicken. Vielleicht geht ja doch noch etwas in Blickrichtung Europa League!

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10. März 2012

Not gegen Elend!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:22

Bilder von Spiel gegen Kaiserslautern sind jetzt online auf https://www.frankys-stadionpics.de//bilder/thumbnails.php?album=331. Wundertüte VfB! Wer gedacht hatte, mich eingeschlossen, ein 4:0 auswärts in Hamburg gebe den notwendigen Rückenwind, das Schlusslicht zu Hause einfach mal so aus dem Stadion zu schießen, wurde bitterlich enttäuscht. Das war mal wieder Fußball, der allenfalls dazu taugt, das Stadion leer zu spielen. Der VfB verfiel wieder in alte Strickmuster und schaffte es erneut nicht, einen kompakt stehenden Gegner auszuspielen, und das, wenn er auch noch so minderbemittelt ist wie die biederen Pfälzer. Labbadia scheint mit seinem Latein auch am Ende, anders lassen sich die Auswechslungen nicht erklären. Der einzige Kreativspieler Hajnal wird durch “Kopf nach unten Cacau” ersetzt. Am Ende hatten wir vier Mittelstürmer auf dem Platz und Boula und Tasci versuchten sich als Spielmacher. Verkehrte Welt! Freitagspiele sind einfach geil, allerdings nur, wenn man sie gewinnt und genüsslich zuschauen kann, wie die Konkurrenten Federn lässt. Nach einem solchen Grottenkick aber vergeht einem die Lust auf die anderen Spiele. Letzte Woche noch begann ich, seit langem mal wieder, nach oben in der Tabelle zu blicken und hatte die Europa League Plätze im Visier. Ein Spiel später sehne ich wieder einmal das Saisonende herbei und hoffe, dass der radikale Umbruch kommt. Auch der Trainer darf bei der Saisonanalyse nicht außen vor bleiben. Im Sommer gilt es alles zu hinterfragen und möglicherweise einen Trainer aus einem Vertrag heraus zu holen, der den Weg konsequent mitträgt, Eigengewächse einzubauen. Labbadia traue ich das nicht zu. Ich bin froh, dass wir im gesicherten Mittelfeld stehen und ein Trainerwechsel während der Saison kein Thema ist. Verpflichtet man während der Saison einen Feuerwehrmann hat man in der Regel einen Schuss frei, der sitzen muss. Im Sommer dann, möglichst unmittelbar nach Saisonende, stehen alle Türen offen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Management einen Plan hat und weiß, wo man hin möchte. Ich mache mir große Sorgen, dass unsere hochtalentierten Nachwuchsspieler mehr und mehr Frust schieben und den Verein verlassen könnten. Derzeit haben wir in unserer Reserve einen richtig guten Jahrgang, aus dem man Kapital schlagen muss. Wenn nicht jetzt, wo wir uns im gesicherten Mittelfeld zu etablieren scheinen, wenn nicht jetzt, wann dann, möchte man den Holzhausers, Stögers, Hemleins etc. die Gelegenheit geben, sich zu zeigen. Wo steht es geschrieben, dass die Jungs mit 18, 19 Jahren zu grün sind und sich erst über 2,3 Jahre in der 3. Liga beweisen müssen. Learning by doing, manch ein Junge wächst auch mit den Aufgaben. Unter Labbadia würde sehr wahrscheinlich auch ein Mario Götze heute noch in der 2. Mannschaft spielen. Da wünschte ich mir mehr Mut zum Jugendstil und zu unpopuläreren Entscheidungen. Zu verlieren haben wir doch jetzt nichts mehr.

Nächsten Freitag geht es dann nach Sinsheim, hoffentlich mit einer besseren Leistung wie gestern. Es gilt, gegen den aufgeblasenen Dorfclub weiterhin ungeschlagen zu bleiben und Babbel das Wiedersehen zu vermiesen. Die Vorzeichen, zumindest nicht zu verlieren, stehen gut. Hoffenheim kann zu Hause nicht mehr gewinnen, und das ist auch gut so!

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5. März 2012

Aus-, Aus-, Auswärtssieg!

Samstagnacht 4 Uhr in Stuttgart. Der Wecker klingelt und es heißt Aufstehen. Aufstehen für den VfB, aufstehen für die gut 660 Kilometer nach Hamburg, aufstehen, um den um 5.51 Uhr startenden ICE zu erreichen. Aufstehen für die Tour in meine Lieblingsstadt! Aufstehen für Hamburg, und das zum zweiten Mal innerhalb von 6 Tagen. Aber auch Aufstehen für den Auswärtssieg?

Wer’s glaubt, wird selig. Seit Ende September gab es keinen Auswärtssieg mehr. Mit Ausnahme des 2:2 in Leverkusen setzte es auswärts fast nur noch Niederlagen. So hielt sich mein Optimismus an diesem noch dunklen Samstagmorgen schwer in Grenzen. Woher also die Motivation nehmen, aufzustehen? Diese Frage stellt sich ein Fan gewöhnlich nicht, will man doch dabei sein, wenn sein Verein antritt. Als Fan malt man aber auch nicht schwarz, sondern hofft darauf, dass jede (Negativ-) Serie auch einmal ein Ende haben wird. Dazu kommt natürlich, dass bei so einer Tour der Spaß neben dem Fußball auch nicht zu kurz kommt. Dass wir in Hamburg einige Bekannte treffen würden, war ausgemachte Sache. Zufall war es aber, dass wir schon am Hauptbahnhof Stuttgart einige Freunde trafen, mit denen wir die komplette Fahrt in den hohen Norden schon feuchtfröhlich im Bistrowagen der Deutschen Bahn verweilten, so dass die Zeit wie im Flug, ähm Zug, verging. Um 11.34 Uhr erreichten wir pünktlich den Hamburger Hauptbahnhof, von wo aus wir die vorab gecheckte Verbindung mit der U3 bis zur Station „St. Pauli“ nahmen und alsbald in unserem Hotel, dem Holiday Inn Express Reeperbahn, einchecken konnten. Noch einen kurzen Snack im Maredo auf der sündigen Meile eingeworfen und wir machten uns auch schon auf den Weg zur Imtech-Arena, wie das Volksparkstadion neuerdings heißt. Gegen 14 Uhr trafen wir dort ein und überlegten gerade, ob wir schon rein gehen sollten, als die Ultras mit ihren Fahnen und Doppelhaltern um die Ecke kamen. Dies war dann Anlass genug, noch schnell hinein zu huschen, da sich deren Einlass erfahrungsgemäß zeitlich in die Länge zieht. Drinnen trafen wir dann gleich einige Mädels und Jungs vom OFC Roter Brustring Hamburg (RBHH), die schon fast traditionell zu „ihrem“ Heimspiel im Anschluss an das Spiel eine Barkassenfahrt auf der Elbe, inklusive Transfer vom Stadion zum Anleger, veranstalten. Zum dritten Mal in Folge habe ich uns dafür angemeldet. Lustig fand ich ja die Anekdote, dass die OFC-Mitglieder sich beim Einlass rechtfertigen mussten, weil sie „Hamburg“ in ihrem Logo haben und der Ordnungsdienst sie wohl am liebsten zu den Heimfans gesteckt hätte. Je näher der Spielbeginn rückte, desto mehr Bekannte trafen ein, so dass die Zeit rasend schnell um ging und wir uns langsam mal einen guten Platz im Stehblock suchen mussten. Relativ weit oben noch hörte ich es nach uns rufen, so dass wir uns gleich zu unseren Berkheimern gesellten. Im Stehblock war es natürlich wieder schwierig, vernünftige Fotos von unseren Ultras zu machen. Das nahm ich aber in Kauf, da vernünftige Geradentickets kaum unter 60 Euro zu haben waren und die auch wesentlich teureren Plätze über und neben dem Fanblock keinen besonderen Mehrwert diesbezüglich geboten hätten.

Gut elf Stunden nach dem Aufstehen, blickten wir also auf das weite Rund hinab und ich erinnerte mich daran, welch enttäuschende Vorstellungen der VfB in den vergangenen Jahren an gleicher Stelle abgeliefert hatte. Die letzten vier Vergleiche wurden allesamt verloren, wobei mir zwei davon in besonders schlechter Erinnerung sind. Als Meister setzte es 2007 eine herbe 1:4 Schlappe, der VfB in Gelb-Schwarz und mit einem gewissen R. S. aus N. im Kasten, der es unnachahmlich verstand, völlig hirn- und planlos durch seinen Strafraum zu irren, so dass auch der abgeklärteste Abwehrspieler dessen Welt nicht verstand. Gut, sagte ich mir schon damals, ohne Torwart verliert man auch in Hamburg… In der letzten Saison dann als unser rumänischer, noch von Heldt und Veh per DVD-Studium gesichteter und verpflichteter, „Wunderstürmer“ Ciprian Marica schon nach 16-Minuten Schiri Stark mit dem A-Wort bedachte und des Feldes verwiesen wurde. Eigentlich hat er ja Recht, dachte ich mir damals, trotzdem für einen Fan frustrierend, wenn man einmal durch fast ganz Deutschland fährt und dann auf dem Absatz wieder kehrt machen könnte, weil nach einer solchen Undiszipliniertheit in der Anfangsphase ein positives Ergebnis ziemlich unwahrscheinlich geworden war.

Zurück in der Neuzeit: als die Mannschaftsaufstellung vom VfB verlesen wurde, atmete ich zunächst auf, dass der VfB gegenüber dem Sieg gegen Freiburg unverändert antrat. Aufatmen deshalb, weil ich hoffte, dass Labbadia auch nach dem Ablauf von Molinaro’s Rotsperre Gotoku Sakai in der Mannschaft lassen würde. Dieser mausert sich immer mehr zu einer echten Verstärkung und harmoniert prächtig mit Shinji Okazaki auf der linken Seite. Ansonsten bestand auch wenig Grund zu tauschen, was bedeutete, dass Georg Niedermeier trotz Rippenprellung spielen konnte und Cacau, trotz Treffer in der Woche im Länderspiel gegen Frankreich, abermals auf der Bank saß.

Der VfB begann äußerst konzentriert und war zunächst einmal auf Sicherheit bedacht. Die ersten Chancen vergab Hajnal für den VfB, während die VfB-Abwehr sicher stand und nicht zu durchbrechen war.  Nach 20 Minuten begannen wir schon den Teufel an die Wand zu malen. Der VfB hatte auch in einigen zurückliegenden Auswärtsspielen ganz gefällig angefangen und brach nach einem Gegentor dann auseinander. Anders jedoch jetzt in Hamburg. Mitte der zweiten Halbzeit brachte uns Vedad Ibisevic mit einer Klasseaktion in Führung. Wer jetzt wütende und stürmende Hamburger erwartete, wurde enttäuscht, der VfB erspielte sich weitere Chancen und erhöhte nur 8 Minuten nach dem 1:0 durch Kuzmanovic per Elfmeter auf 2:0. Der einzige Aufreger aus VfB-Sicht erfolgte erst kurz vor dem Pausenpfiff, als der HSV einen Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen bekam. Ulreich hatte aber mit Petric‘ Schüsschen keine Problem. So konnten wir mit einer beruhigenden Führung das Pausenbier genießen, so richtig trauen wollte dem Braten aber noch niemand. Man kennt ja den VfB. Doch dieser kam auch mit Elan aus der Pause. Rajkovic, der schon den ersten Elfer verursachte, legte Harnik elfmeterreif im Strafraum. Kuzmanovic verwandelte auch den zweiten Elfer sicher, so dass eigentlich nichts mehr anbrennen sollte.

In der 54. Minute dann schließlich die endgültige Entscheidung in diesem einseitigen Spiel. Sven Ulreich sprintete in Richtung Eckfahne, um einen Ball abzuschirmen und ihn ins Aus trudeln zu lassen, als plötzlich wie von einer Tarantel gestochen Paulo Guerrero angerauscht kam und ihn aufs übelste abgrätschte. Schon im Stadion hatte man gesehen, dass der Peruaner vorsätzlich eine schwere Verletzung unseres Keepers in Kauf genommen hat. In Anbetracht der Eskapaden dieses Skandal-Spielers ringt sich das Sportgericht hoffentlich zu einem äußerst harten Urteil durch und zieht Guerrero für eine lange Zeit aus dem Verkehr. Fürs erste ist ein Strafmaß von acht Spielen gefordert, gegen das der HSV Einspruch eingelegt hat. Der HSV versucht das brutale Einsteigen zu bagatellisieren und vergleicht das Einsteigen Guerreros mit dem Platzverweis von Ottl, für das er nur drei Spiele Sperre erhielt. Dieser Vergleich hinkt allerdings gewaltig. Abgesehen davon, dass ich die drei Spiele für Ottl auch als zu wenig empfand, war bei seiner Aktion noch irgendwie der Ball in der Nähe. Außerdem war das Tackling Ottls knapp über der Grasnarbe, während Guerrero angestürmt kam und im Stile eines Weitspringers Ulreich umsenste. Wäre das getroffene Bein sein Standbein gewesen, es wäre mit Sicherheit durch gewesen und unser Ulle hätte die nächsten sechs bis neun Monate in der Reha verbringen müssen. Dass Guerrero immer wieder das Kind im Manne zeigt, beweisen seine trotzigen Aussagen nach dem Spiel „er ist ja wieder aufgestanden und hat weiter gespielt“. Das spielt beim Sportgericht nur eine untergeordnete Rolle, zumal er nicht wegen rohem Spiels sondern wegen einer Tätlichkeit gesperrt wurde. Dass Guerrero von einigen HSV-Fans noch gefeiert wurde zeugt vom Niveau dieser geistigen Tiefflieger.

Nach der Aktion war der weitere Spielverlauf fast zur Nebensache geworden. Das Ding war gelaufen, der VfB steuerte einem ungefährdeten Auswärtssieg entgegen und wir in der Kurve standen noch immer unter dem Eindruck des Brutalo-Fouls an Ulreich. Die HSV-Fans waren gar nicht mehr zu hören, es schallten nur noch VfB-Freudengesänge und hin und wieder ein mit Inbrunst gesungenes Scheiß HSV durchs Stadion. Mehr als 2.500 Brustringträger übernahmen das Kommando im Volkspark und verabschiedeten die nach Hause eilenden Rauten mit einem freundlich gemeinten „Auf Wiedersehen“. Der VfB derweil erspielte sich Chance um Chance, am Ende laut Kicker-Statistik 0:10, und hätte weitaus höher gewinnen können. Einer ging dann doch noch rein: Martin Harnik, derzeit bester Torjäger der Rückrunde, trug sich auch noch in die Torschützenliste ein und vollendete zum auch in dieser Höhe völlig verdienten 0:4, seinem 14. Saisontor.

Schrieb ich letzte Woche noch, dass man die Saison eigentlich langsam ausklingen lassen kann, sind jetzt plötzlich die Europa League Plätze in Reichweite. Sollte Fürth im Pokalhalbfinale an Dortmund scheitern, was ja nicht komplett ausgeschlossen ist, dürfte bereits der siebente Tabellenplatz zur Europa League Teilnahme reichen. Drei Punkte trennen uns von Hannover, vier von Bremen auf dem 6. Platz. Und, diese beiden treffen am Wochenende aufeinander, was bedeutet, dass wir, vorausgesetzt eines eigenen Sieges gegen Kaiserslautern, aufgrund des besseren Torverhältnisses Hannover überholen könnten, sollten die in Bremen verlieren. Verrückt, wie schnell das mit der 3-Punkte-Regelung geht. Vor 2 Wochen sah ich uns noch bis zum Ende gegen den Abstieg spielen, da sich eine unterirdische Leistung an die nächste reichte. Plötzlich, 17 Tore aus den letzten fünf Spielen, sind wir die Torfabrik der Liga. Eigentlich bin ich ja kein großer Freund der Europaleague. Die Reisen haben zwar schon ihren Reiz, die vielen Sonntagspiele nerven aber und als Tabellensiebenter würde man sicherlich bereits schon im Juli gegen den Meister aus Kasachstan um den Einzug in die nächste Qualifikationsrunde kämpfen, was eine vernünftige Saisonvorbereitung erschweren und ein richtiges Trainingslager, in dem alle Nationalspieler mit von der Partie sind, unmöglich machen würde. Andererseits hat der Umstand früh schon Wettbewerbsspiele zu haben manchen Mannschaften auch schon genutzt. Scheint also auch eine Kopfsache zu sein. Dem VfB unter Christian Gross hat eine solche Vorbereitung vor zwei Jahren nicht gut getan. Aber natürlich stehen die Chancen jetzt recht gut, angesichts der kommenden Gegner Lautern, in Sinsheim und gegen den Club. Und, der VfB macht mittlerweile wieder einen stabileren Eindruck als noch vor ein paar Wochen. Wird diese Stabilität in die nächsten Wochen mitgenommen, steigert sich auch das Selbstvertrauen des Teams, was Hoffnung auf weitere Heldentaten macht. Hamburg war jedenfalls eine wunderschöne Heldentat, auch aus dem Grund, dass wir damit unseren Freunden, die dem FC St. Pauli nahe stehen, eine riesen Freude machen konnten.

Nach dem Spiel ging es dann bestens gelaunt Richtung Bus des RBHH und von dort zum Anleger Nähe Baumwall. Noch kurz formiert für ein Gruppenbild und schon ging’s los. Die Barkassenfahrt war wieder richtig klasse organisiert und hat großen Spaß gemacht. Der Käpt’n hatte ein Einsehen und legte kurzerhand an, damit sich die Herren erleichtern konnten und das enge Schiffsklo ein wenig entlastet wurde. Es wurde viel gesungen und gelacht und Flensburger (zumindest von mir) getrunken. Auch die VfB-Fanbetreuung war mit Klenky und Christian vertreten, auch eine Reminiszenz an den Beistand von Oben, dem Beinamen des OFC’s, der die VfB-Farben in der Hansestadt hoch hält. Die Fahrt war wie immer sehr kurzweilig, für eine Hafenrundfahrt zwar sehr lang, trotzdem ging sie für alle viel zu schnell zu Ende.

Wir zogen danach noch weiter auf den Kiez und wurden dort noch einmal so richtig gefeiert. Die am Kiez ansässigen bzw. dort verkehrenden stehen nun mal eher zu ihrem Stadtteilclub als zum HSV, so dass wir noch zig Hände schüttelten und sich die meisten mit uns freuten. Ein rundum gelungener Ausflug also. Wäre „Hamburg, meine Perle“ nicht gerade DER HSV-Song, ich würde das heute noch summen, mit dem geilen Gefühl des Auswärtssieges im Kopf.

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