27. Februar 2012
Nach dem Sieg gegen Freiburg fiel natürlich trotz des bevorstehenden Hamburg-Trips die 3. Halbzeit nicht komplett aus.
Daher war ich doch einigermaßen gerädert, als am Sonntag um 4 Uhr mein Wecker klingelte und ich fragte mich zunächst einmal, ob ich denn bekloppt wäre mal geschwind für ein Spiel durch die Republik zu düsen, zumal es ja nicht für meinen VfB sondern „nur“ zum Zweitligaspiel St. Pauli gegen die Eintracht aus Braunchweig war. Die Vorfreude auf das Millerntor und darauf einige Bekannte zu treffen, übertünchte diese Gedanken aber im Nu. Der VfB ist mein Herzensverein, St. Pauli kommt mit einigem Abstand aber direkt danach. In den überschaubaren Bundesligajahren des FC St. Pauli war es immer eine tolle Auswärtsfahrt, ohne Trouble wurden wir schon damals stets gastfreundlich aufgenommen.
Rund um unsere UEFA-Cup-Spiele gegen Celtic Glasgow entwickelte sich mit mehreren St. Pauli-Fans eine Freundschaft, die in Teilen bis heute Bestand hat. Mir war es wichtig, diese aufrecht zu erhalten und so finden bis heute regelmäßige Besuche und Gegenbesuche statt, und das nicht nur wenn ein Fußballspiel ansteht.
Für mich war die Begegnung von St. Pauli gegen Braunschweig bereits das 2. Spiel am Millerntor in dieser Saison. Unser Auswärtsspiel in Wolfsburg nutzten wir zur Weiterfahrt nach Hamburg und dem Besuch des Spitzenspiels gegen Eintracht Frankfurt (2:0). Dieses Spiel am Sonntag übte mich für mich, außer der immer faszinierenden Atmosphäre am Millerntor, einen besonderen Reiz aus, trafen doch unser an St. Pauli verliehene Patrick Funk und Ermin Bicakcic, der im Winter zu Braunschweig wechselte, aufeinander. Beide habe ich im Trainingslager als normal und authentisch gebliebene junge Kerle erlebt, die einfach sympathisch sind und deren weiteren Karriereverlauf ich gespannt verfolgen werde. Patrick Funk, der sich in St. Pauli sehr wohlfühlt, soll ja zum VfB zurück wechseln, während Ermin Bicakcic an Braunschweig verkauft wurde. Ermin konnte ich gestern noch persönlich zum Ausdruck bringen, dass ich es sehr schade finde, dass er es nach seiner in Wehen-Wiesbaden erlittenen Verletzung nicht mehr zurück ins Team schaffte und unser Trainer Labbadia scheinbar lieber auf arrivierte Kräfte denn auf den eigenen Nachwuchs setzt. Die Jungs haben doch bislang selten enttäuscht, wenn sie ins kalte Wasser geworfen wurden, wie z. B. erst Ermin und danach Bauer in Wehen-Wiesbaden. Die Verpflichtung von Maza verbaute diesen beiden Jungs den Weg zur nächsten Karrierestufe, ebenso wie die Verpflichtung von Ibisevic Hemlein den Weg ins Team versperrt. Soviel zum Stuttgarter Weg!
So war es mir also auch eine Herzensangelegenheit das Aufeinandertreffen dieser, im übrigen noch gut befreundeten, Jungs live und im Stadion anzusehen. Recht angeschlagen vom Vortag bestieg ich den um 5.51 Uhr startenden ICE nach Dortmund. In Mannheim musste ich umsteigen, hatte dort aber zunächst 40 Minuten Aufenthalt. Da wurde es mir dann bewusst, dass es vielleicht keine so gute Idee war, mit einer VfB-Tüte unterwegs zu sein, da am selben Bahnsteig ein Regionalexpress nach Mainz erwartet wurde, und mich doch etliche dunkle Gestalten unter den Nachtschwärmern deswegen schief anschauten. So war ich froh, als sich der Bahnsteig leerte, als deren Zug einfuhr und wieder lediglich „normale“ Reisende den Bahnsteig bevölkerten. Während des Halts versuchte ich dann erstmals an diesem Morgen feste Nahrung zu mir zu nehmen, was meinem Magen überhaupt nicht gut tat. Als mein Zug dann schließlich einfuhr trank ich entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten und auch der Tatsache geschuldet, dass die Maschine für den Cafe Crema ihren Dienst verweigerte, einen Schwarztee, der mir, toi, toi, toi, richtig gut tat. Die weitere Fahrt verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse. Kurz nach halb zwölf kam ich am Hamburger Hauptbahnhof, wo mir schon ein massives Polizeiaufgebot auffiel. Ich denke, die warteten auf einen Sonderzug aus Braunschweig. 2.500 Braunschweiger wurden erwartet. Ich fuhr dann gleich weiter mit der S-Bahn zum Bahnhof Reeperbahn. Geschickter wäre die U-Bahn gewesen, die direkt am Heiligengeistfeld hält, da mein Bahnticket aber auch in der S-Bahn Gültigkeit besaß, entschied ich mich für diese Variante und einen kurzen Fußweg die Reeperbahn hoch.
Am Stadion angekommen telefonierte ich mich dann gleich mit Bekannten zusammen, die auch „meine“ Karte hatten. Da ein Bekannter für das Spiel abgesagt hatte, kam ich mit einer Dauerkarte ins Stadion, wie früher bei uns auch, noch zum abknipsen. Da wir Stehplätze hatten und die Gruppe sich immer an einem bestimmten Platz im Stehplatzbereich trifft, gingen wir dann auch gleich ins Stadion hinein. Nach der obligatorischen Einlasskontrolle, inklusive dem Begutachten meiner Kamera, waren wir also schon recht früh im Stadion. Dort wurde dann bestätigt, was ich gerüchteweise schon hörte. Das Spiel galt als Risikospiel, daher gab es im gesamten Stadion nur alkoholfreies Bier. Mittlerweile hatte sich auch mein Magen erholt, so dass ich vor Betreten des Stehplatzbereiches, eine gute Stadionwurst essen konnte, wie in Hamburg üblich, mit spärlich Brot dazu.
Dann ging es also rein, in das altehrwürdige Stadion am Millerntor. Mir bereitet es jedes Mal aufs neue Gänsehaut, was die Fans dort abziehen und wie sich mit einigen Gesängen auch selbst auf die Schippe nehmen, wie z. B. gestern erstmals gehört „Ich liebe dich, Ich träum von dir, In meinen Träumen, Bist du Europacupsieger, Doch wenn ich aufwach, Fällt es mir wieder ein, Spielst ganz wo anders, In Liga 2.“ Zu diesem Spiel wurde eine riesige „Wir sind OOOOOH St. Pauli-Choreo“ auf der Südtribüne gezeigt, wofür gleich mal massig braune Fahnen im Block verteilt wurden. Da ich mittendrin war, konnte ich sie leider nicht schön fotografieren.

Die Geschichte des Spiels ist dann schnell erzählt. Das Spiel war von der ersten bis zur 92. Minute total zerfahren. Braunschweig stand gut und St. Pauli fiel wenig bis nichts ein, um die sich gut verschiebenden Braunschweiger Viererketten zu durchbrechen. Obwohl ich Paddy und Ermin mag, drückte ich gestern „natürlich“ St. Pauli die Daumen, auch weil St. Pauli die Punkte für den Aufstiegskampf dringender benötigt, als Braunschweig, die sich als starker Aufsteiger im gesicherten Mittelfeld befinden. Unsere beiden Stuttgarter machten ihre Sache ordentlich. Ermin Bicakcic war für einen Neuen als Innenverteidiger sehr präsent, dirigierte seine Vorderleute und war stets zur Stelle, wenn drohte, etwas anzubrennen. Und, Paddy Funk war bei St. Pauli der passsicherste Spieler. Das St. Pauli Spiel war von vielen Fehlpässen und Ungenauigkeiten geprägt, Paddy war weit und breit der einzige, der sich davon nicht anstecken ließ.
Ohne große Höhepunkte endete das Spiel also 0:0. Sehr ärgerlich aus St. Pauli-Sicht, da die Konkurrenz Federn ließ und mit einem Sieg der Sprung an die Tabellenspitze geglückt wäre. So ist bei St. Pauli weiterhin die Unbeständigkeit das Beständigste. Nächsten Montag geht’s zum Topspiel zu den Münchner Löwen, die derzeit einen Lauf haben und mittlerweile auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen sind.
Nach dem Spiel organisierte ich mir natürlich zuerst ein Astra. Wir warteten dann noch auf Paddy Funk und Ermin Bicakcic. Paddy Funk musste sich sputen, da er seinen Zug zum Treffpunkt der U21-Nationalmannschaft bekommen wollte. Diese spielt am Mittwoch in Halle gegen Griechenland. Dennoch nahm er sich kurz Zeit für einen Smalltalk durch die geöffnete Scheibe seines Daimlers. Dann kam schließlich auch noch Ermin aus dem abgeschirmten Bereich heraus und nahm sich Zeit für einen Plausch und Erinnerungsfotos, bis sich der Braunschweiger Mannschaftsbus in Bewegung setzte. Ich hatte dann noch etwa 2 ½ Stunden Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Diese nutzten wir noch für den Besuch des Schweinske auf der Reeperbahn, mittlerweile so etwas wie meine Lieblingsgastrokette in der Hansestadt. Einen Grillteller und zwei Franziskaner Weissbier später musste ich schon wieder Abschied nehmen. Um 19.24 Uhr war Abfahrt meines Zuges, gegen 1.10 Uhr, 20 Minuten verspätet, kam ich geschafft, aber wieder mit tollen Eindrücken in Stuttgart an. Die Fahrt selbst, die ich fast ausschließlich im Bordbistro verbrachte, war dann kurzweilig, bis Frankfurt hatte ich jedenfalls beste Unterhaltung.
Der Abschied von Hamburg tat dieses Mal nicht ganz so weh wie sonst. Bereits kommendes Wochenende hat Hamburg uns wieder, dann wieder mit dem VfB und der Hoffnung, dass wir seit langem mal wieder ein gutes Auswärtsspiel unseres VfB erleben dürfen.
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25. Februar 2012
Bilder von Spiel gegen Freiburg sind jetzt online auf www.Frankys-Stadionpics.de. Gegen das Schlusslicht der Tabelle gelang ein Pflichtsieg, den ich emotionslos wie selten zur Kenntnis nahm. Im Grunde ist die Saison gelaufen, wir befinden uns im grauen Mittelmaß der Tabelle. Dennoch ist es natürlich wichtig, Spiele wie gegen Hertha, dieses gegen Freiburg und die fogenden Heimspiele gegen Kaiserslautern und Nürnberg siegreich zu gestalten, um mit dem Abstiegskampf nicht zu tun zu bekommen. Diese Pflichtsiege erscheinen einfach wie lange nicht mehr, da es in der Saison 2011/12 tatsächlich einige Teams gibt, die noch schlechter als wir sind. So war dieser Sieg ein großer Schritt zum sicheren Klassenerhalt. Ich würde mir wünschen, dass, wenn es wirklich um gar nichts mehr geht, frühzeitig die Weichen für die neue Saison gestellt werden und einige unserer hoffnungsvollen Talente mehr Einsatzzeiten bekomme und andere, die keine Rolle mehr spielen sollen, nach und nach aussortiert werden. Eines ist klar, im Sommer muss ein Umbruch her.
Heute fasse ich mich kurz, da ich morgen schon wieder beizeiten aus den Federn muss. St. Pauli ruft. Paddy Funk gegen Ermin Bicakcic, zwei sympathische Jungs, die beim VfB nicht zum Zuge kamen und auf den Durchbruch über den Umweg 2. Liga hoffen. Bilder und ein Bericht folgen dann am Montag.
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20. Februar 2012
Als derzeitige Allesfahrer standen wir auch vor dem Sonntag-Abend-Spiel in Hannover (510 Kilometer, danke, DFL!) nicht vor der Frage, ob wir hinfahren, sondern nur wie wir es machen. Wir entschieden uns für die Ochsentour mit dem RWS-Bus, die der Fanclub dieses Mal kostenlos anbot. So ging es also gestern früh gegen halb acht in Ditzingen-Ost, von wo aus der Bus uns aufgabelte, mit einem weiteren Einstiegstopp in Untergruppenbach, über die A81 und die A7 ab in den hohen Norden. Die Busfahrten mit dem RWS sind bisher eigentlich immer lustig und einigermaßen zivilisiert von statten gegangen. Jetzt aber, nach der Leverkusen-Tour schon das zweite Mal in Folge, war es ziemlich nervig. Beide Male funktionierte die Bus-Toilette nicht. Wenn man dann Jungvolk an Bord hat, die meinen sich während der Fahrt abschießen zu müssen, hat das zur Folge, dass alle 45 Minuten eine Pinkelpause eingelegt werden muss, was das Vorankommen nicht gerade fördert. Aufgrund der Faschingsferien und einiger Absagen von „normalen“ Leuten waren dieses Mal unverhältnismäßig viele Rotzlöffel an Bord, die die lange Fahrt zu einer Tortur machten. Hamburg und Hoffenheim sind sowieso schon individuell geplant, wie es danach weiter geht, hängt auch von den noch nicht feststehenden Terminierungen ab. Unter diesen Umständen aber werden wir sicher mal wieder vermehrt auf Bahn oder Auto umsteigen.
Trotz der unsäglichen Pausen, die ihren Höhepunkt fanden, als eine 18-jährige, wohlgemerkt auf der Hinfahrt, nach gerade mal etwa 300 Kilometern sich urplötzlich übergeben musste, trotzdem erreichten wir das Ziel AWD-Arena überpünktlich etwa anderthalb Stunden vor Spielbeginn. Wir hielten uns dann noch längere Zeit, kurz geduscht von einem heftigen Graupelschauer, vor dem Stadion auf, wo wir einige Bekannte trafen und uns in optimistischen Prognosen übertrafen. Dennoch, war aus den Gesprächen herauszuhören, wäre wohl jeder mit einem Punkt bei den heimstarken Hannoveranern zufrieden gewesen.
Gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn schließlich gingen wir in unseren Block, wo ich zunächst einmal enttäuscht wurde. Wie in den letzten Jahren auch ging ich davon aus, dass unser Block unterhalb des VfB-Fanblocks, also im Unterrang liegt. Dieses Mal aber bekamen wir Karten im Oberrang zugeteilt, wo ich mich erst einmal orientieren musste. Unseren Fanblock konnte ich daher natürlich nicht wie gewünscht fotografieren, sehr schade, war doch eine beeindruckende Choreographie für das alte VfB-Wappen geplant. Wir hatten weder ein Klo noch einen Getränkestand im Block, was sich jedoch als nicht tragisch erwies. Ein freundlicher Ordner öffnete auf Wunsch stets das Tor zu unserem Fanblock. Zwei Vorteile hatte dies natürlich auch. Zum einen konnten wir uns auch in diesem Bereich aufhalten und den einen oder anderen Smalltalk halten, zum anderen benötigte man in diesem Bereich keine Arena-Card sondern konnte bar bezahlen. Als ich dann noch feststellte, dass im Gegensatz zu vielen Auswärtsfanblöcken sonst in der Liga Vollbier ausgeschenkt wurde, war die Welt zunächst für mich wieder einigermaßen in Ordnung.
Dies sollte sich mit dem eigentlichen Höhepunkt des Tages, dem Spiel, ändern. Mit dem Einlauf der Mannschaften erfolgte wie bereits erwähnt eine schöne Choreo, die ich von meiner Perspektive, wie erwähnt, bedauerlicherweise nicht besonders gut fotografieren konnte. Gegenüber dem Hertha-Spiel musste Labbadia Serdar Tasci, der mit Oberschenkelproblemen ausfiel, durch Maza ersetzen. Ansonsten nahm das gleiche Team die Herausforderung Hannover an, die vor acht Tagen die Berliner Hertha mit 5:0 aus dem Neckarstadion schoss. Wie schon in den letzten Auswärtsspielen begann der VfB für meinen Geschmack zu passiv und überließ dem Gegner schnell die Initiative. Hätte man nach einem solchen Kantersieg im Rücken doch mit breiter Brust antreten können, verhielt man sich einmal mehr zu demütig und attackierte die ballführenden 96er zu halbherzig, wodurch sich Hannover schnell ein Übergewicht erspielte. In der Anfangsphase noch waren deren Bemühungen selten zielstrebig, so dass in den ersten 20 Minuten reichlich wenig passierte. Dem VfB war in der Anfangsphase durchaus das Bemühen anzumerken nach vorne zu spielen, doch wie in letzter Zeit so oft, kam der letzte Pass nicht an oder Bälle wurden leichtfertig verstolpert und vertändelt. Hannover wirkte da schon zielstrebiger und sogar, in Anbetracht des Europaleague-Spiels gegen Brügge, frischer als der VfB.
Das Unheil für den VfB nahm dann in der 25. Minute seinen Lauf, als Haggui eine von Pander scharf getretene Ecke nahezu ungehindert einköpfen konnte. Nur 7 Minuten später köpfte dann Winter-Neuzugang Diouf eine Pander-Ecke zum 2:0 in die Maschen. Slomka nannte es später eine extreme Variante der Raumdeckung, die der VfB bei gegnerischen Eckbällen praktiziert, ich würde es eher stümperhaft nennen. Warum diese Anfängerfehler in der Trainingsarbeit nicht abgestellt werden können, verstehe ich nicht. Mittlerweile wird beim VfB also nicht mehr der Gegenspieler sondern nur noch der (leere) Raum gedeckt. An den Pfosten, weder am kurzen noch am langen, ist eine Absicherung postiert und Sven Ulreich schließlich ist auch nicht bekannt dafür, dass er sich bei Ecken ins Getümmel wirft. Harnik hatte zwischenzeitlich die Chance zum 1:1 auf dem Fuß gehabt, vergab aber leider kläglich gegen Zieler. Nach dem 2:0 war das Spiel quasi gelaufen und man musste Angst vor einem Debakel haben. Sinnbildlich war es noch kurz vor der Pause unser „Stabilisator“ William Kvist, der Schmiedebach den Ball in den Fuß spielte, dieser traf aber zum Entsetzen des Hannoveraner Publikums nur das Außennetz. So gesehen war der VfB mit dem 0:2 zur Halbzeit gut bedient. Dem VfB möchte ich ja nicht absprechen, dass man sich in der Halbzeit eingeschworen hat, noch einmal alles zu probieren. Als Beweis dafür, dass die Zeichen von nun an auf Sturm stehen, durfte die Einwechslung Cacaus für den Ersatzkapitän Gentner herhalten. Cacau war es dann auch, der beim Anstoß zur zweiten Halbzeit den Ball berühren durfte, ehe Sekunden später Pander mit einem satten Linksschuss seine Farben mit 3:0 in Front brachte. Hannover war nach wie vor die Belastung des Brügge-Spiels von unter der Woche nicht anzumerken und spielte Katz und Maus mit dem VfB. Die Slapstick-Einlagen in der VfB-„Verteidigung“ fanden ihren Höhepunkt als Hajnal erst unbedrängt einen Fehlpass am eigenen Sechzehner spielte und Sakai eine neuerliche Ecke verhindern wollte. Sein Befreiungsschlag landete allerdings bei den 96ern und über Umwege bei Stindl, der aus 13 Metern abzog und zum 4:0 einnetzte. An einem guten Tag hält Sven Ulreich den Ball vielleicht, spielentscheidend war diese Aktion aber nicht mehr. Dass der VfB kurz darauf durch Harnik zum 1:4 und Okazaki mit einem Seitfallzieher Marke Tor des Monats noch auf 2:4 verkürzen konnte, lag wohl weniger an der eigenen Moral als daran, dass Hannover den Kick schon abhakte und an das wichtige Europaleaguespiel in Brügge am kommenden Donnerstag dachte. Kurze Zeit später bot sich Ibisevic gar noch die Chance zum 3:4 aus Stuttgarter Sicht, die Zieler zu unserem Leidwesen spektakulär zunichtemachte. Ich möchte da jetzt aber gar nicht hadern und mir ausmalen, ob noch etwas drin gewesen wäre, wenn dieses Tor fällt. Ein Punkt wäre in Anbetracht unserer Leistung und der der Hannoveraner nicht verdient gewesen. Im Gegensatz zu Bobic und Labbadia sehe ich dieses Spiel als Ganzes und attestiere dem VfB keine gute Leistung, wären die Standardsituationen nicht gewesen. Diese gehören nun einmal zum Spiel dazu und gehören schleunigst verbessert. Ich kann es einfach nicht verstehen, weshalb es hochbezahlte Bundesligakicker nicht schaffen, sich einmal in der Woche für 90 Minuten zu konzentrieren und auf dem Platz das Besprochene in die Tat umsetzen. Wären es einmalige Aussetzer könnte man darüber hinweg sehen. Dem VfB gelangen in den letzten 13 (!) Bundesligaspielen gerade einmal 2 Siege gegen Augsburg und Hertha, kassierte aber sieben Niederlagen. Hier kann man nicht mehr von einer vorübergehenden Schwäche reden, der VfB steckt in einer Abwärtsspirale. Daran ändert auch ein zwischenzeitliches Strohfeuer wie gegen Hertha nichts. Auch wenn ich in letzter Zeit keine Weiterentwicklung oder gar Verbesserung der Mannschaft feststellen kann, bin ich gegen einen neuerlichen Trainerwechsel. Labbadia kämpft sicherlich mit Vehemenz gegen das Vorurteil sein, nur ein Halbjahrestrainer zu sein, wie zuvor schon in Leverkusen und beim HSV. Auch beim VfB könnte dieser Eindruck entstehen, war doch nur die letzte Rückrunde stark, diese allerdings sensationell nach nur 12 Punkten aus der Vorrunde und dem geschafften Klassenerhalt. Mit Abstrichen startete der VfB noch gut in die Saison, seit Mitte Oktober aber stagniert die Entwicklung. Mit welchem Personal, mit welcher Formation Labbadia auch antritt, nichts greift. Das Team ist nicht homogen, keine Einheit, harmoniert nicht und hat einfach auch nicht die Klasse für höhere Weihen. Es fehlt an Spielwitz und Ideen, dazu kommen dann noch die haarsträubenden Abwehrfehler. Hajnal, der in der letzten Rückrunde ein wichtiger Mosaikstein zur Leistungssteigerung war, ist nur noch ein Schatten seiner selbst und überfordert unser Spiel zu lenken. Wenn ich gerade gestern seine Standards mit denen von Pander vergleiche, ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Ich hoffe, dass diese Saison, in der wir nun sowohl acht Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz, als auch acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben, vernünftig zu Ende gespielt wird, ohne noch einmal ernsthaft unten rein zu rutschen. In den Heimspielen gegen Freiburg, Nürnberg und Kaiserslautern sollte dieser Sack zugemacht werden. Je früher der Blick nach oben gerichtet werden kann, desto besser. Dann könnten die ein oder anderen jungen Wilden zu mehr Einsatzzeiten kommen und der Abgesang einiger hochbezahlten Durchschnittskickern, deren Verträge hoffentlich, auch zu deutlich geringeren Bezügen, nicht mehr verlängert werden. Es gehört ein radikaler Neuaufbau her mit Jungs, die es wert sind, den roten Brustring zu tragen. Bobic‘ und auch Labbadias Arbeit können erst hundertprozentig bewertet werden, wenn die Altlasten aus der Ära Heldt ihren Spind in der Mercedesstraße geräumt haben. Ab dem kommenden Sommer beginnt hoffentlich eine neue Zeitrechnung und es steht dann hoffentlich nicht gleich wieder ein Übergangsjahr bevor. Diese Übergangsjahre nämlich lassen sich dem treuen VfB-Publikum von Jahr zu Jahr schlechter verkaufen.
Somit freue ich mich darauf, wenn am 5.5.2012 diese Saison über dem Strich beendet wurde und etliche Spieler zum Abschied Blumen überreicht bekommen. Ich hoffe auf vernünftige Weichenstellungen in der kommenden Sommerpause, die mit 16 Wochen lang genug ist, wegweisende Entscheidungen zu treffen.
Für mich ist es eher untypisch, dass ich eine solch lange Pause herbei sehne. Das sagt aber in diesem Fall einiges darüber aus, wie satt ich die Darbietungen in diesem Spieljahr habe!
Die Rückfahrt verlief dann ähnlich nervtödend wie die Hinfahrt. Gegen 2.30 Uhr schließlich waren wir daheim, geschafft, gestresst, körperlich am Ende und mit der Niederlage im Kopf.
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11. Februar 2012
Bilder vom Spiel gegen Hertha BSC sind jetzt online. Irgendwie traute man seinen Augen nicht. Der VfB fegte bei Temperaturen von minus 15 Grad wie ein Wintersturm durch die Mercedes Benz-Arena und fertigte den Berliner Sportclub mit 5:0 ab.
War der VfB jetzt so stark oder die unter Skibbe 0-Punkte-Hertha so schlecht heute? Ich denke, von beidem ein bisschen. Der VfB trat engagierter und willensstärker als zuletzt auf, die Hertha zog sich zunächst einmal zurück und ging äußerst passiv ins Spiel. So schaffte es der VfB früh Überzahlsituationen zu schaffen und kam zu ersten zaghaften Chancen, während Berlin in der Offensive nicht stattfand. So konnten unsere Außenverteidiger Boulahrouz und Sakai Akzente im Angriff setzen, während sie defensiv kaum gefordert waren. Sakai lieferte ein gelungenes Debut ab und harmonierte auf der linken Seite gut mit seinem Landsmann Okazaki. Nach diesem Auftritt befürworte ich es, dass er auch in Hannover im Team bleibt und damit den Vorzug vor Artur Boka, der bis dahin wieder vom Afrika-Cup zurück sein wird. Durch Bokas Absenz und Molinaros Sperre rückte Sakai fast zwangsweise in die Startformation, während Cacau und Schieber durch Harnik und Hajnal im Vergleich zum Pokalspiel ersetzt wurden.
Besonders die Herausnahme von Cacau sorgte für Erstaunen, war er doch bislang so gut wie immer gesetzt. Bobic und Labbadia kündigten nach dem Pokaldebakel Konsequenzen an, Cacau traf es nun eben. Meiner Ansicht nach war diese Maßnahme mehr als überfällig. Nicht erst seit seiner Abwahl aus dem Mannschaftsrat wirkt Cacau wie ein Fremdkörper und fällt mehr durch Lamentieren und Reklamieren denn durch Torgefahr auf.
Cacau saß also erst einmal draußen und „musste mit ansehen“ wie seine Teamkameraden sich in einen wahren Rausch spielten. Innerhalb von acht Minuten, zwischen der 24. und der 32. Minute war das Spiel entschieden. Ibisevic erzielte sein erstes Tor für den Traditionsverein aus Cannstatt, Harnik und Okazaki legten nach. Dazwischen flog Ottl noch zu Recht vom Platz als er Hajnal von hinten brutal ummähte. Damit war das Spiel natürlich entschieden und der VfB ließ Ball und Gegner laufen, während die Hertha quasi nicht mehr am Spiel teilnahm. Harnik ließ seine Treffer zwei und drei zum 5:0 noch folgen und war damit natürlich der Mann des Tages. Danach passierte nicht mehr allzu viel und man freute sich langsam auf das Spielende und das Aufwärmen später im SSC. Der Spielverlauf half aber natürlich mit, dass einem trotz der eisigen Temperaturen warm ums Herz wurde, die mehrmals durchs Oval schwappende La Ola tat ihr übriges.
Nach der Enttäuschung vom Mittwoch zog also das Trainerteam die angekündigten Konsequenzen und die Mannschaft zeigte eine Trotzreaktion. Mich kann die Leistung von heute aber lange nicht besänftigen, zu tief sitzt noch der Stachel, dass wir uns abermals den Bayern kampflos ergeben hatten, wäre doch der Weg nach Europa über den Pokal so kurz und Berlin immer eine Reise wert gewesen. Für meinen Geschmack hätten schon viel früher deutliche Worte fallen und die ein oder andere Änderung durchgeführt werden müssen. Das Bayern-Spiel war nur eine Fortsetzung von leblosen Auftritten zuvor, wie bspw. In Bremen, Wolfsburg, Schalke oder gegen Gladbach. Auch da konnte man schon weder den Willen noch einen Plan erkennen und es stand kein füreinander kämpfendes Team auf dem Platz. Wir befanden uns da bereits in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Warum nicht schon vorher wachgerüttelt wurde erschließt sich mir nicht. Der Zeitpunkt, dies jetzt nach dem Bayern-Spiel zu tun, dürfte unter Umständen damit zusammen hängen, dass sich der VfB dieses Mal vor der ganzen Fernsehnation lächerlich gemacht hatte und nicht „nur“ vor den eigenen Fans. Jetzt lautet die spannende Frage natürlich, wie nachhaltig diese Leistungsexplosion sein wird. Hat der VfB jetzt den Dreh gefunden, in die Erfolgsspur zurückzukehren oder war der Kantersieg gegen die Hertha nur ein Strohfeuer? Kommenden Sonntag tritt der VfB bei Hannover 96 an, deren Entwicklung in den letzten 1 ½ Jahren mich tief beeindruckt. Das ist eine schwer auszuspielende Mannschaft, die ihrerseits überfallartig zu kontern versteht. Gute Arbeit, die Mirko Slomka dort im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten leistet. In den beiden letzten Jahren gab es für den VfB jeweils in der AWD-Arena nichts zu holen. Hoffen wir mal, dass der VfB mit dem Rückenwind des heutigen Sieges dort selbstbewusster als zuletzt auftritt und aus der niedersächsischen Landeshauptstadt etwas Zählbares mitnimmt.
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9. Februar 2012
Es kam, wie es zu befürchten war. Einmal mehr war zwischen den Bayern und dem VfB ein Klassenunterschied zu erkennen. Der VfB präsentierte sich abermals wie das Kaninchen vor der Schlange. Mut- und ideenlos ergaben sich die Brustringträger in ihr Schicksal und konnten noch froh sein, dass die Bayern nicht ernst machten.
Das VfB-Spiel hatte den Anschein, als rechnete man sich sowieso keine Chancen aus und als würde man sich schon für den Samstag schonen. Man, was waren das für Spiele früher gegen die Bayern, als man zwar auch öfter den Kürzeren zog als dass man was Zählbares mitnahm. Aber der Kampf, die Leidenschaft stimmten und der Funke sprang vom Platz auf die Ränge über. Die letzten Duelle aber zeugten von einer immer größeren Kluft zwischen beiden Vereinen. Der VfB im Jahre 2012 ist weit davon entfernt die Liga aufzumischen und Begeisterungsstürme zu entfachen. Momentan fällt es schlichtweg schwer sich das auf dem Rasen dargebotene anzuschauen, hat es doch mit Fußball relativ wenig zu tun. Es fehlt an Spielfreude, an Laufbereitschaft, an Konzentration, an profihaftem Zweikampfverhalten, an Inspiration, an Handlungsschnelligkeit, einfach an allen Attributen, die den Fußball so faszinierend machen. Es offenbaren sich technische Mängel, die eines Profis nicht würdig sind. Bei der Ballan- und mitnahme wird sich Zeit genommen, die man im modernen Fußball nicht hat. So ist der VfB ständig am hinterher rennen und kommt gar nicht dazu die Initiative zu ergreifen.
Es steht ein zusammengewürfelter Haufen auf dem Platz, der vorne und hinten nicht zusammenpasst und den vielen Trainerwechseln in den letzten Jahren geschuldet ist.
Apropos Trainerwechsel: nach wie vor hoffe ich, dass, möglichst schon am Samstag, angefangen wird zu punkten und man an Labbadia festhalten kann. Zum einen wäre es schädlich, erneut einen Feuerwehrmann holen zu müssen und erneut hohe Abfindungen an ein Trainerteam bezahlen zu müssen, zum anderen wünsche ich mir nichts sehnlicher als Kontinuität im Verein und dass hier mal wieder etwas aufgebaut werden kann. Andererseits kann auch nicht sehenden Auges dem Abgrund entgegen gesteuert werden. Labbadia muss beweisen, dass er mehr als nur ein Halbjahres-Trainer ist und beweisen, dass er einen Plan hat, wie man aus der Abwärtsspirale hinaus kommen kann. Die nächsten Wochen werden ganz entscheidend. Vor allem die Heimspiele MÜSSEN gewonnen werden, warten doch hier allesamt Konkurrenten um den Nichtabstieg, wie Hertha, Freiburg, Lautern und Nürnberg. Um dies zu schaffen, müssen aber mehr Ideen aus dem Mittelfeld kommen und das Spiel schneller gemacht werden. Mit so pomadigen Auftritten wie zuletzt kann man selbst eine Regionalligamannschaft nicht überraschen, wenn es ihr gestattet wird, sich in aller Ruhe zu formieren. Es warten also ganz gefährliche Spiele auf uns, in denen vorne die Lücke gefunden werden muss und wir uns hinten nicht auskontern lassen dürfen, zumal derzeit ein 0:1 schon fast gleichbedeutend mit einer Niederlage ist. Sollte gegen die angeschlagene Hertha aus Berlin der nächste Rückschlag erfolgen, spätestens dann brennt bei uns wieder so richtig der Baum und spätestens dann wird sie wieder entflammen, die alljährliche Trainerdiskussion.
Da ich von Haus aus Optimist bin, glaube ich aber an das Gute im Profi und hoffe, dass sich die Jungs am Riemen reißen und ein anderes Gesicht zeigen als in den letzten Wochen und Monaten. Bilder vom Spiel und meine Einschätzung folgen wie immer so bald wie möglich.
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