Eine turbulente Woche geht zu Ende. Fredi Bobic ist Geschichte beim VfB und der VfB hat mit vier Punkten aus zwei Spielen zuletzt scheinbar die Kurve gekriegt.
Gegen Hannover 96 spielten wir seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder hinten zu null und ließen so gut wie nichts anbrennen. Endlich entschloss sich Armin Veh zum Torwartwechsel. Für mich eine überfällige Maßnahme, hat Ulle zuletzt doch mehr und mehr gravierend gepatzt. Seine Schwächen konnte er eine zeit lang noch gut kaschieren, holte er doch auf der Linie manch einen Ball spektakulär, hielt aber auch zu dieser Zeit keine „Unhaltbaren“ oder hielt die Mannschaft mal im Spiel, wenn es nicht so lief. Oft war es der erste Torschuss, der drin war und das Spiel gleich in Bahnen lenkte, die kein VfB-Fan haben wollte. Vielleicht fehlte im zuletzt auch einfach das Glück, sei’s drum, ich bin froh über diese Maßnahme, weil Sven Ulreich für mich nie ein sehr guter Bundesligatorwart werden wird. Dafür fehlt ihm zu viel Grundsätzliches am Torwartspiel. Daher hoffe ich, dass Kirsche keine Zweifel aufkommen lässt, wer die wahre Nummer 1 ist und wenn, dass man alternativ entweder einem Youngster es zutraut oder sich nach einer Nummer 1 umschaut. Das aber ist Zukunftsmusik, der Anfang ist gemacht. Auch wenn Kirsche gegen Hannover nicht viel auf den Kasten bekam, hat mir seine Ausstrahlung gefallen. Hatte Ulle in Dortmund eine Passquote von lediglich knapp über 50% kam Kirschbaum gegen Hannover auf 77%. Augenscheinlich war, dass wir auch nach langen Bällen in Ballbesitz geblieben sind. Denke, wenn er richtig im Kasten angekommen ist, kann dies unser Spiel schneller machen. Daher, Chapeau, Armin Veh, alles richtig gemacht!
Ob es Zufall ist, dass dieser Torwartwechsel unmittelbar nach der Demission von Fredi Bobic erfolgt, vermag ich nicht so recht zu glauben. Oft hatte ich den Interessenkonflikt angesprochen, in dem Fredi Bobic durch seine geschäftliche Verbandelung mit Jürgen Schwab, dem Berater von Sven Ulreich und Christian Gentner, steckte. Habe hinein interpretiert, dass womöglich Bobic, als Freundschaftsdienst sozusagen, diese beiden stets geschützt und zu Leadern im Team beschworen hat, um seinem Kumpel Schwab deren Marktwert nicht zu versauen. Dass es schon lang nicht mehr nach Leistung ging auf dem Wasen, sondern der spielte, der die mächtigsten Fürsprecher hatte – diese Mutmaßungen bekommen jetzt ganz neue Nahrung. Wurde erst Bobic zur heiligen Kuh hochstilisiert (“absolut der Mann unseres Vertrauens”), waren es zuletzt noch Kapitän Gentner und eben Sven Ulreich, der auch von der Kurve nach wie vor großen Zuspruch erfährt.
Dass die Entlassung von Bobic richtig und einem neuen Leistungsklima förderlich ist, davon bin ich überzeugt. Allein der Zeitpunkt ist Schwachsinn. Wenn man das Herumgeeiere unseres Vorstands und Aufsichtsrats auf der Pressekonferenz und in den Tagen danach so sieht, muss man den Transparenten in der Kurve vom Samstag Recht geben – die Vereinsspitze hat schlicht geschlafen und es laufen gelassen.
Wurde der Zeitpunkt des offenen Briefes des CC kritisiert, kann ich dieser Kritik Stand jetzt zustimmen. Man hätte nämlich damit schon im Mai auf die Barrikaden gehen und dem Vorstand und Aufsichtsrat die Aufarbeitung der Vorsaison abnehmen müssen, dann wäre uns womöglich dieser abermals schlechte Saisonstart erspart geblieben. Wie schon die Entlassung von Labbadia wurde die von Bobic zu lang aufgeschoben und gezaudert statt gehandelt.
Jetzt hoffe ich, dass das Tandem Schneider/ Veh die Geschicke einige Zeit leiten wird, bestenfalls bis zum Ende der Saison. Mitten in der Serie bekommt man einfach keinen vernünftigen Mann. Dieser nämlich würde aus Loyalität zum bisherigen Arbeitgeber nicht alles stehen und liegen lassen, um beim VfB den Dienst anzutreten. Kritisiert man auf der einen Seite Spieler für ein solches Vorgehen, verurteilt man bei Trainern diese Söldnermentalität wie damals Magath, der quasi übergangslos von Wolfsburg nach Schalke wechselte, sollte man einen Manager, der so agiert, von vornherein äußerst kritisch beäugen und seinen Charakter in Frage stellen. Wer das tut, bei dem kann man auch nicht sicher sein, ob er den VfB beim nächstbesseren Angebot nicht auch sofort wieder im Stich lassen würde.
Der VfB soll sich Zeit lassen damit und möglichst nach Heldt und Bobic nicht schon wieder ein Greenhorn in den Ring schicken. Natürlich hat man jetzt mit Veh einen Fachmann an der Linie, sogar mit Crashkurs als Manager in Wolfsburg, ansonsten aber fehlt es nach wie vor an sportlicher Kompetenz in Aufsichtsrat und Vorstand. Da sitzt zwar ein Hansi Müller, der jedoch genauso wenig wie alle anderen die Fehlentwicklungen der letzten Jahre verhindert hat. Die Herren kommen mir vor wie Grüßgott-Onkel, die die Vorzüge des Funktionär-Lebens genießen, sich jedoch nicht befähigt oder bemüßigt sehen, auch einmal ihr Veto-Recht einzusetzen. Für die Musik zuständig ist einzig und allein der Aufsichtsratsvorsitzende. War es früher Dieter Hundt, der scheinbar die Geschicke des Vereins lenkte, ist es jetzt Dr. Schmidt. So jedenfalls mein Eindruck von der Pressekonferenz. Der Aufsichtsrat per se hat Prüfungs- und Überwachungspflichten, die Geschäftsführung jedoch sollte dem Vorstand vorbehalten sein. Beim VfB scheint es andersherum zu sein. Der Aufsichtsrat bestellt lediglich Vorstände, mit denen er Hugoles treiben kann und nicht solche, die sich auch mal aus Überzeugung durchzusetzen vermögen. Bernd Wahler hat mich bisher sehr enttäuscht, sah ich in ihm anfangs doch die eierlegende Wollmilchsau. Als Adidas-Manager in Berührung gekommen mit sämtlichen relevanten Personengruppen im Bereich des Sports. Mit Sportmanagern, mit Sportlern, Trainern, Funktionären, Sponsoren und nicht zuletzt mit den Endkunden. Daher versprach ich mir gute Kontakte und eine gute Kommunikation sowie den Blick fürs gesamte Konstrukt. Dass er aber trotzdem Bobic weiter wursteln und den Verein nahe ans Verderben führen ließ, das kreide ich ihm an. Bobic war eben nicht nur der nette Junge aus dem Hallschlag, er war ein misstrauischer Sturkopf, der andere Auffassungen kaum gelten ließ und seine alten Seilschaften beim VfB neu aufleben ließ. Hatte nur zu „seinen“ Leuten Vertrauen und vergraulte alte Institutionen im Verein, die nach und nach das Weite suchten. Hier ist der Verein jetzt gefordert, die Uhr ein wenig auf 2010 zurückzudrehen, um zu kitten, was zu kitten ist.
Ob dieser Befreiungsschlag auf Vorstandsebene zur sportlichen Trendwende geführt hat, lässt sich zumindest nicht gänzlich ausschließen. Schon lang empfand ich die Nähe von Bobic zur Mannschaft einfach nur schädlich, schon lang vertrat ich die Auffassung, die Ansprache an die Mannschaft sollte einzig und allein dem Trainer vorbehalten sein. Ein Manager kann ein, zwei Mal die Saison eine Brandrede halten, wenn es die Situation erfordert, sollte sich aber ansonsten fein heraushalten. Ein Schlüssel des Klassenerhalts in der Vorsaison war doch auch, dass just als Huub Stevens das Zepter übernahm, Bobic die Spiele schön von der Tribüne aus verfolgen durfte.
Hat der VfB bereits in Dortmund mit der Hereinnahme von Gruezo zu einer neuen Stabilität gefunden, setzte sich diese gegen Hannover, immerhin als Tabellendritter angereist, nahtlos fort. Natürlich kann man sagen, Hannover hat ja gar nichts gemacht, um uns in Verlegenheit zu bringen. Andererseits, Köln hat ja auch nichts gemacht und Hoffenheim auch nicht. Bei diesen Heimniederlagen fehlte die Präsenz im Mittelfeld, die wir gegen Hannover hatten. Ballsichere Spieler wie Romeu, Gruezo und zuletzt auch Leitner tun unserem Spiel sichtlich gut. Die erneute Auswechslung von Gentner wiederum signalisiert, dass Veh durchaus auch bereit ist, an dieser Stellschraube noch zu drehen. Die letzten Jahre gehören aufgearbeitet und hinterfragt und dabei natürlich an vorderster Front diejenigen Spieler, die immer dabei waren. Dass Gentner kein Kapitän im eigentlichen Sinne ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Veh arbeitet an einer neuen Hierarchie, gespannt darf man sein, ob sich diese innerhalb des vorhandenen Kaders herauskristallisieren kann oder ob man im Winter nachkaufen muss. Mir fällt leider auch keiner ein, der das Kapitänsamt aufgrund seiner Persönlichkeit für sich beanspruchen könnte.
Von der derzeitigen Präsenz her sicherlich Gruezo oder Romeu, die allerdings der deutschen Sprache nicht mächtig sind und, wie Romeu, auch nur ausgeliehen sind. Wer mich in den letzten Wochen positiv überrascht, ist Antonio Rüdiger. Auch ich war einer, der ihn liebend gern für das viele gebotene Geld verkauft gesehen hätte, habe aber jetzt den Eindruck, dass er in Sachen Nationalelf Morgenluft wittert und seit seiner Anwesenheit im Kreis der Elitekicker als ein anderer Toni zurückkam. Seine Fehlerquote hat er minimiert und besticht durch körperliche Präsenz und Einsatzwillen. Wenn er so weiter macht, haben wir einen Top-Mann in unseren Reihen. Wie genau es im Kreise der Nationalmannschaft zugeht, weiß man als Außenstehender natürlich nicht. Aber, es ist ja kein Geheimnis, dass Löw und Bierhoff großes Interesse daran haben, dass sich Nationalspieler wie Nationalspieler benehmen und der Öffentlichkeit vor allem kein Futter für Negativberichterstattung liefern. Auf die Etikette kommt es an und gerade hier hatte ich bei Rüdiger große Defizite festgestellt. Wenn er als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens daran arbeitet, sich seiner Verantwortung und seines Standings, aber natürlich auch seines großen Glücks Berufsfußballer zu sein bewusst wird, Autogrammwünsche in Gottes Namen als „dazu gehörend“ akzeptiert, ist bei ihm schon viel gewonnen. Bis vor kurzem habe ich ihn als arroganten Schnösel wahrgenommen und auch schon selbst so erlebt. Gerne aber beobachte ihn weiter und revidiere meine Meinung über ihn. Zuletzt hat mir sehr gut gefallen.
Nach dem Hannover-Spiel habe ich seit längerem mal wieder das Neckarstadion rundum zufrieden verlassen. Schönheitspreise erwarten wir ja schon lang nicht mehr. Der Dreier war eminent wichtig, sonst nichts. Ich hätte auch mit einem 0:0 leben können, wenn sich diese Chance zum Siegtreffer eben nicht geboten hätte. Hannover stand ja so tief, da ist es für jede Mannschaft schwer, durchzukommen, für den VfB im Jahr 2014 erst recht. So war es in erster Linie wichtig, selbst nichts zuzulassen, den Hannoveranern keine Möglichkeit zu bieten, ihrerseits das Tor zu machen. Die wollten den einen Punkt und hofften vielleicht insgeheim, dass wir den entscheidenden Fehler schon machen würden. Hoffenheims Trainer Gisdol hat schließlich vor Wochenfrist vorgeführt, wie dem VfB eigentlich immer beizukommen ist und auch keine Gelegenheit ausgelassen, dies der breiten Öffentlichkeit kundzutun. Daher ist es schon naheliegend, dass sich Korkut sicher war, im Neckarstadion mit der Hoffenheim-Taktik die drei Punkte entführen zu können. Weit gefehlt, es tut sich was beim VfB, was interessiert uns das Gegurke von vor einer Woche. ![]()
Der Rahmen an diesem ersten Wasen-Samstag passte zudem. Herrliches Frühherbstwetter und eine tolle Choreo in der Cannstatter Kurve nach dem Motto „Wenn die ganze Kurve tobt, schlägt mein Herz in weiß und rot“. Begleitet von unzähligen Spruchbändern verschiedenster Fanclubs und –organisationen, die den Zusammenhalt innerhalb der Kurve und seiner verschiedensten Gruppierungen zementierten. Man kann dem Verein ja tatsächlich vorwerfen, was auch naheliegt, sich dem tobenden Mob in der Kurve gebeugt zu haben. Vier Punkte später aber muss man tatsächlich konstatieren, dass der Zeitpunkt so falsch nicht gewesen sein kann und es ein Wachrüttler fünf vor zwölf gewesen ist.
Vor der Saison hatte ich uns die ersten fünf Spiel Zeit gegeben, gar prognostiziert, dass wir womöglich danach mit null Punkten dastehen könnten, und dann eben mit dem punkten angefangen werden muss. Ferner räumte ich ein, dass Veh nicht von heute auf morgen alles über den Haufen werfen könne und er Zeit benötige, den Bock umzustoßen. Das war natürlich auch in gewissem Maße Zweckoptimismus, einfach, weil hier nicht immer der Trainer schuld sein kann, und die Probleme tiefer sitzen. Zum anderen auch, weil ich den Typen Veh mag und er wirklich ein netter Mensch ist, wie ich im Zillertal und kürzlich auch auf dem Kabinenfest feststellen durfte. Eines der größten Probleme des Vereins wurde am Mittwoch eliminiert, die anderen in den Führungsgremien sollten tunlichst und unverzüglich angegangen werden. Sportlich darf’s jetzt gerne so weiter gehen.
Am Freitag in Berlin bietet sich die Gelegenheit nachzulegen. Freue mich wie die Sau auf das lange Wochenende. Am Freitag Hertha-VfB, Samstag dann St. Pauli-Union Berlin, Fußballerherz was willst Du mehr?
Ran an die heiligen Kühe!
Aus für Bobic – 2:2 in Dortmund
Gestern stand mal wieder eines der Saison-Highlights an. Flutlichtspiel im Westfalenstadion in Dortmund, wo natürlich sofort Erinnerungen an das 4:4 vor ein paar Jahren wach werden. Für mich keine Frage, obwohl unter der Woche, dabei sein zu wollen und zwei Urlaubstage dafür zu „opfern“. Dortmund ist für mich nicht nur wegen des größten Stadions Deutschlands mit der schwarz-gelben Wand ein gern bereistes Auswärtsspiel.
Mir gefällt’s einfach dort, wo man sich im Biergarten des Stadions Rote Erde unters schwarz-gelbe Volk mischen und das eine oder andere Bier mit BVB-Fans trinken kann, ohne dass einem feindselige Stimmung entgegenschlägt. Bei den Gesprächen mit den Dortmundern waren auch viele aufmunternde Worte dabei und, in Anbetracht dessen, dass sie die Auftritte der Brustringträger nicht jede Woche leidvoll mit ansehen müssen, die Meinung, dass unsere Qualität viel zu hoch wäre, um den Gang in die zweite Liga antreten zu müssen. Da musste dann schon das schwäbische Korrektiv eingreifen, indem wir unsere realistische Sicht der Dinge vertraten, nämlich, dass wir uns in dieser Saison tatsächlich ernsthafte Sorgen machen, weil einfach zu viel im Argen liegt.
Bereits zu Beginn unserer Busfahrt machte die Meldung die Runde, die Trennung von Sport-Vorstand Fredi Bobic sei beschlossene Sache und dass man diesen Schritt spätestens bis zur Winterpause vollzogen haben möchte. Dies war natürlich schnell Gesprächsthema Nummer eins und fast minütlich waren aktuellere Wasserstandsmeldungen zu erfahren, bis die Meldungen dahingehend lauteten, Fredi Bobic wäre mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
Die offizielle Bestätigung des VfB schließlich ließ bis kurz vor Spielbeginn auf sich warten. Der VfB dementiert zwar so lautende Meldungen, die Entlassung Bobic‘ wäre ihm am Telefon mitgeteilt worden, dennoch fällt kein gutes Licht auf die Art und Weise der Trennung. Ob jetzt am Telefon oder ob Bobic bereits in Dortmund verweilte und man ihn von dort zurück nach Stuttgart zitierte um ihm den Sachverhalt persönlich zu vermitteln macht für mich keinen Unterschied. Wurde von Vereins-Seite der Zeitpunkt der Veröffentlichung des offenen Briefs vom Commando Cannstatt angeprangert, kann man auch hier über die Richtigkeit des Zeitpunkts der Kündigung kritisieren.
Hätte der Verein konsequent gehandelt, hätte die Trennung auf der Klausurtagung im Dezember 2013 beschlossen werden und entweder nach Ende der Vorrunde, spätestens aber nach Saisonende 2013/2014 vollzogen werden müssen. Dass sich Bobic, spätestens seit der Vertragsverlängerung und (ebenfalls zu spät erfolgter) Beurlaubung von Bruno Labbadia heftigster Kritik ausgesetzt sah, war hinlänglich bekannt. Dass Bobic von sich aus nach Ende der letzten Saison seinen Rücktritt angeboten hat, ist ebenfalls Tatsache. Weshalb der Verein dieses „Angebot“ nicht angenommen hat und einen Schnitt vollzogen hat, verstehe ich wieder einmal nicht. Unser Aufsichtsrat und unsere Vorstandschaft vermittelt mehr und mehr den Eindruck, wie ein Politiker die Probleme auszusitzen und erst wenn das Volk aufmuckt und die Situation zu eskalieren droht, Konsequenzen zu ziehen, um in erster Linie ihren eigenen Allerwertesten zu retten. Präsident Wahler, der wie Bobic Zielscheibe der Proteste rund um das Hoffenheim-Spiel war, kroch erst jetzt, notgedrungen, aus seinem Schneckenhaus, um, so offiziell, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden, bzw. inoffiziell, sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Fredi Bobic tut einem in dieser Posse schon fast Leid und es wächst in mir der Eindruck, dass Bobic in diesem Ränkespiel „nur“ das Bauernopfer ist.
Natürlich habe ich in letzter Zeit oft genug aufgezählt, was ich Bobic vorwerfe, in Bezug auf schlechtes wirtschaften mit den knappen Mitteln, mangelnder Kommunikations- und Kritikfähigkeit, Dünnhäutigkeit, in gewisser Weise auch Arroganz. Ihn hier, wohlgemerkt zu diesem Zeitpunkt, zum Sündenbock abzustempeln, das hat er in dieser Form jedoch nicht verdient. Präsident Wahler und sein Gefolge haben in der Sommerpause ihren Job nicht gemacht, eine Trennung vom Sportdirektor zu diesem Zeitpunkt jetzt, macht wenig Sinn und sieht nach Aktionismus aus, da die Transfers getätigt sind, der Kader (für die Vorrunde) unumstößlich feststeht.
Bei einer früheren Demission hätte man sich ja um die tollsten Kandidaten bemühen können, auch solche, die bereits bei anderen Vereinen vertraglich gebunden sind. Auch Manager und Sportdirektoren lassen sich mittlerweile Ausstiegsklauseln für besondere Umstände in den Vertrag schreiben, so dass zumindest nichts unmöglich gewesen wäre. Jetzt aber, mitten in der Saison, würde nur ein einfältiger und charakterlich bedenklicher Manager, der bei einem anderen Verein in Lohn und Brot steht, diesen im Stich lassen und das nächstbeste Angebot annehmen. Hier ist fast nur zu hoffen, dass der VfB bei diesen Abwerbeversuchen erfolglos bleibt!
Jetzt einen Top-Mann zu bekommen, halte ich für äußerst unrealistisch. Ich hoffe, der VfB setzt hier keinen Schnellschuss, klappert einen nach dem anderen ab und hat bei Nummer elf oder zwölf vielleicht „Erfolg“. Die Interimslösung mit Armin Veh (Kaderplanung) und Jochen Schneider (das kaufmännische und Vertragsangelegenheiten) sollte meiner Meinung nach nicht nur eine kurzfristige sondern möglichst eine bis zum Saisonende werden. Würde Veh tatsächlich mittel- oder langfristig den Posten des Sportdirektors anstreben und der VfB Thomas Tuchel für die nächste Saison als Cheftrainer gewinnen können, wäre dies für mich im Moment die vielversprechendste Möglichkeit. Bei Armin Veh weiß man, was man an ihm hat und Thomas Tuchel ist ein ausgewiesener Fachmann, den man aber nicht mit falschen Versprechungen locken dürfte. Ob er, nach Jürgen Klopp der derzeit wohl zweitbegehrteste deutsche Fußballlehrer, jedoch an dieser schwierigen Aufgabe in einem brodelndem Umfeld interessiert wäre oder nicht doch lieber nach Schalke oder sonst einem ambitionierten Verein geht, der kurzfristig bessere Perspektiven böte, vermag ich nicht zu beurteilen. Er ist beim VfB „groß geworden“ als Trainer, hat durchaus noch ein Herz für den VfB, mag die Stadt, doch, ob diese emotionalen Kriterien den Ausschlag geben oder nicht doch die monetären, da habe ich meine Zweifel. Für mich wäre das die 1a-Lösung, da Tuchel ähnlich bekloppt ist wie Jürgen Klopp und es mit ihm nie langweilig werden würde. Ein Freigeist, der Mannschaft und Öffentlichkeit immer mal wieder mit neuen Ideen überraschen oder auch wachrütteln würde.
Von Leuten, die derzeit auch kolportiert werden, wie Todt und Zeyer, halte ich zunächst einmal überhaupt nichts. Todt, finde ich, hat noch keine großen Spuren im Manager-Business hinterlassen. Das einzige Kriterium, das ich mir vorstellen kann, das ihn möglicherweise (ein mögliches Interesse an ihm wird/ wurde vom VfB ja sowieso nicht bestätigt) zum VfB-Manager befähigen soll, ist wohl, dass er schon einmal, wenn auch ohne nachhaltigen Erfolg, seine Schuhe für den VfB geschnürt hat. Ihn jetzt aus dem KSC herauszubrechen, bei aller Feindschaft, hielte ich nicht für die feine englische Art. Auch Zeyer, ein Mann mit, wenn auch kurzer, VfB-Vergangenheit, mag bei den Kickers einen guten Job machen, was ihn aber nicht unbedingt automatisch zu einem guten VfB-Manager werden lassen würde. Auch er soll bei den Kickers bleiben. Ich gönne ihnen sogar den Aufstieg in die 2. Liga, mit Zeyer, da ich noch zum älteren Schlag gehöre und die Zeiten klasse fand, als beide (großen) Stuttgarter Vereine ihren festen Platz im bezahlten Fußball hatten.
Einen Mann wie Jens Lehmann zu holen, wie zuvor Heldt und Bobic, der keinerlei Erfahrung auf diesem Terrain vorzuweisen hat, birgt ein großes Risiko, auch wenn ich Jens Lehmann mag und schätze. Da aber dieses Mal der Schuss wirklich sitzen muss, um nicht endgültig ins finanzielle Fiasko zu stürzen, wäre mir persönlich dieses Risiko zum jetzigen Zeitpunkt zu groß.
Fredi Bobic ist also nun endgültig Geschichte beim VfB. Ich mochte ihn als Spieler und werde es nie vergessen, wie er 1994 wie Phönix aus der Asche kam und in seinen ersten fünf Bundesligaspielen auf Anhieb traf. Er war Teil des magischen Dreiecks und wurde mit dem VfB Pokalsieger. Eine unvergesslich schöne Zeit mit begeisterndem Offensivfußball. Leider erlag er 1999 dem Lockruf des Geldes und wechselte zum gestrigen Gegner Borussia Dortmund. So weit her war es also auch nicht mit dem VfB-Herz. Dennoch, als Spieler habe ich ihn in guter Erinnerung, jetzt als Manager leider weniger. Aus seiner Manager-Zeit bleibt bei mir eher haften, dass er sehr dünnhäutig auf Kritik reagiert und alle, die anderer Meinung sind als er, als Ahnungslose abtut. Als starker Mann hätte er der Öffentlichkeit gegenüber ehrlicher auftreten müssen, bspw. wenn er unterirdische Kicks schöngeredet und jede Kritik darüber harsch abgeschmettert hat.
Spieler- und Managerkarriere zusammengefasst möchte ich ihm danken für seine Zeit beim VfB und nehme es ihm auch ab, dass er stets bemüht war, zum Wohle des Vereins zu handeln. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute!
So drohte, das Spiel im Westfalenstadion fast in den Hintergrund zu geraten, was natürlich diesem Highlight nicht gerecht sein würde. Da wir ohne nennenswerten Stau die gut 430 Kilometer von ES-Berkheim nach Dortmund hinter uns brachten, erreichten wir schon gegen 17.30 Uhr den Gästebusparkplatz unweit des Stadions. Noch kurz ein Wulle am Bus geschnappt und schon machten wir uns auf den Weg zum Stadion Rote Erde. Leider setzte just in dem Moment, als wir dort waren, heftiger Regen ein, so dass wir unterm Dach eines Bierrundells eng zusammenrückten, mit einigen BVBlern die Situationen unserer beiden Vereine erörterten und das eine oder andere Bierchen zusammen tranken. Gegen 19.30 Uhr machten wir uns dann auf in Richtung des Stadions, das sich ja nur etwa 100-200 Meter Entfernung, je nachdem welchen Eingang man nehmen muss, erstreckt. Immer wieder beeindruckend, wenn man vor diesem Betonklotz steht, und sich an die 80er-Jahre zurückerinnert, als gerade Mal halb so viele Zuschauer ins Stadion passten. Trotz großer Menschenmassen vor „unserem“ Eingang ging es sehr zügig voran, so dass wir kaum 5 Minuten später bereits das Drehkreuz passiert hatten. Ich liebe es, wie professionell und unkompliziert die Einlasskontrollen bei „großen“ Vereinen mit viel Bundesligaerfahrung (meistens) ablaufen, ganz im Gegensatz zu Emporkömmlingen wie Mainz, Augsburg und Hoffenheim, die sich selbst am Eingang noch besonders profilieren müssen. So hatte ich keinerlei Probleme mit meiner Bridge-Kamera und der Fußballabend konnte beginnen. Ich hatte dieses Mal meinen Platz auf der Nord-Ost-Tribüne, Reihe 1, also schrägversetzt zu unserem Block mit einer herausragenden Sicht auf den Fanblock und aufs Spielfeld. Jedes Mal aufs Neue, wenn ich diesen Fußballtempel betrete, kribbelt es. Tolles Stadion, tolle Atmosphäre und einfach beeindruckend, wenn 80.000 Leute Stimmung machen. Spätestens nach der schwarz-gelben Schalparade zu YNWA gibt es schon mal einen Anflug von Gänsehaut.
Ich habe schon Bewunderung für den BVB übrig, mag deren Stil Fußball zu zelebrieren und ich mag Jürgen Klopp, der Dortmund zu dem gemacht hat, was es derzeit ist. Nämlich eine Hausnummer im deutschen und europäischen Fußball und DER Bayern-Jäger Nummer 1. Daher drücke ich ihnen im Kampf gegen die Bayern stets die Daumen und tat das auch beim CL-Finale im Wembley-Stadion, was ja leider bekanntlich nichts nutzte. Im direkten Duell aber, selbstredend, bin ich VfBler durch und durch und kenne keine Freunde, wenn das Spiel mal begonnen hat.
Die Vorzeichen waren so, dass beide Teams stark ersatzgeschwächt antreten mussten, den BVB hat es, wie so oft in letzter Zeit, aber härter erwischt, fallen dort doch immer wieder reihenweise hochkarätige Leistungsträger aus. Dennoch fällt es dem BVB leichter, seine Ausfälle zu kompensieren, weil der Kader qualitativ hochwertig und üppig ist. In den Gesprächen vor dem Spiel meinte ein Dortmunder, „Dortmund ist immer Dortmund. Egal wer ausfällt und dafür rein kommt, das Spiel des BVB ändert sich dadurch nicht“, womit er Recht behalten sollte. Dieses brutale Pressing, dieses bekämpfen des Gegners über 90 Minuten, dieses laufintensive Spiel, die klar verteilten Aufgaben auf dem Platz, sind es, die Dortmund eine klare Identität geben. Beim VfB hingegen, weiß man nicht so recht, ob es sich um eine Schwächung handelt, wenn der eine oder andere Spieler passen muss.
Ob die Personalie Bobic Einfluss auf die Leistung auf dem Platz gehabt hat, wage ich zu bezweifeln. Die Spielvorbereitung obliegt dem Trainer Armin Veh und oblag ihm hoffentlich auch in der Vergangenheit. Die Aufstellung ließ vermuten, dass der VfB sein Heil vorwiegend in der Defensive suchen würde. Ist ja auch durchaus vernünftig in Dortmund, dass man, zumal, wenn man als Tabellenletzter anreist, zunächst einmal auf Absicherung bedacht ist.
So durfte im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel unser WM-Fahrer Carlos Gruezo für den formschwachen Martin Harnik die Doppel-Sechs neben Oriel Romeu bilden. Diese Maßnahme erwies sich als Volltreffer, besticht Gruezo doch durch ein vorzügliches Spiel gegen den Ball und ist technisch versiert genug, den Ball nach einer Balleroberung nicht gleich wieder zu verlieren.
Insgesamt war die Raumaufteilung eine bessere als zuletzt, so dass Dortmund große Mühe hatte, ins Spiel zu finden und unser Tor zu gefährden. Außer dem Lattentreffer Kagawas brachten sie in der ersten Halbzeit nicht viel zustande, der VfB hatte alle Hände voll zu tun, um erst einmal zu verhindern, setzte aber auch vorne Nadelstiche, wann immer die Dortmunder Raum dafür anboten. Als leidgeprüfter VfB-Fan rieb man sich schon manchmal die Augen, wie forsch unsere Jungs den Kampf annahmen. So stand zur Pause ein verdientes 0:0, was in Anbetracht der letzten Resultate schon als Achtungserfolg zu werten war.
Wer dann dachte, der BVB könne den Druck erhöhen und würde uns irgendwann schon den erwarteten Rückstand bescheren, sah sich getäuscht. In der 48. Minute war es der VfB, der überraschend in Führung ging. Daniel Didavi verwertete eine Hereingabe von Christian Gentner zum 0:1. Dieser Treffer beeindruckte den BVB offenkundig, während die Brust beim VfB breiter und breiter wurde. Anstatt der BVB mit Vehemenz auf den Ausgleich drängte und hochkarätige Chancen herausspielte, nutzte der VfB einen seltenen Vorstoß zu Didavis 0:2.
Timo Werner, der mir als alleinige Spitze gestern hervorragend gefiel, spielte Dida klasse frei und hatte schließlich noch das Auge und die Passgenauigkeit, um dem Spielmacher den Treffer aufzulegen. VfB und Spielkultur passten in letzter Zeit wahrlich nicht zusammen, das aber war allererste Sahne.
Dieser Zwei-Tore-Vorsprung hielt leider gerade einmal fünf Minuten an. Nach Fehlpass Romeus verkürzte Aubameyang zum 1:2. Dennoch hatten Gentner und Ibisevic noch die Doppelchance zum 1:3 in der 84. Minute, was es wohl gewesen wäre. So aber kam es, wie es kommen musste, Immobile nutzte einen kapitalen Ulreich-Patzer zum Ausgleich. Wieder einmal musste der VfB spät noch Punkte einbüßen, wieder einmal konnte man die Führung nicht über die Zielgerade bringen. Auf der anderen Seite ist es für jeden Gegner schwer, diesen unwiderstehlichen Druck, den die Dortmunder ausüben, schadlos zu überstehen, vor allem, wenn das Publikum so richtig Alarm macht. Da ist es dann vielleicht auch Nervensache, diese enorme Lautstärke auszublenden und sich auf das Geschehen auf dem Platz zu fokussieren. Sven Ulreich schien es gestern nicht zu können, unerklärlich wie er beim 2:2 Ausgleich unter der Schmelzer-Flanke durch tauchen konnte. Immer offenkundiger wird, dass wir ein Torwart-Problem haben und ein Torwart-Wechsel kein Tabuthema mehr sein darf. Auch eine Passquote von gerade einmal knapp über 50% spricht nicht für unsere Nummer 1.
Alles in allem aber war es eine gute Mannschaftsleistung und endlich mal ein engagierter Auftritt unseres VfB. Vor dem Spiel hätte man natürlich einen Punkt liebend gern mitgenommen, danach, nach einer 2:0-Führung, sehe ich diesen mit gemischten Gefühlen. Sollten wir Hannover 96, immerhin Tabellendritter nach dem fünften Spieltag, schlagen und den Punkt vergolden, wäre alles gut und der Punkt hätte die langeersehnte Trendwende eingeleitet. Wenn sich das Neckarstadion aber wieder als Selbstbedienungsladen für unsere Gäste entpuppen sollte, muss man konstatieren, dass eine Mannschaft, die nicht fähig ist, das Spiel zu machen und sich auswärts leichter tut, dann auch auswärts die Punkte zum Klassenerhalt holen muss, dann wäre ein Punkt in Dortmund zu wenig gewesen.
Ich hoffe auf ersteres, einige gute Dinge hat man ja gestern gesehen. Wie ich finde, gehören Gruezo und Werner immer in die Startelf. Antonio Rüdiger machte erneut ein gutes Spiel und verhinderte in letzter Minute für den geschlagenen Ulreich gar das 3:2 für Dortmund. Eine Doppelte Absicherung mit Romeu und Gruezo verleiht dieser Mannschaft mehr Stabilität, ich hoffe, die war keine Ausnahme und dem Fehlen von Maxim sowie der Offensivstärke Dortmunds geschuldet. Und schließlich, Daniel Didavi, der Mann des Spiels, ist hinter einer einzigen Spitze Werner sehr gut aufgehoben.
So berechtigt der gestrige Tag zur Hoffnung auf Besserung in vielerlei Hinsicht. Sportlich wurde bewiesen, dass auch in diesem Kader durchaus Potential vorhanden ist, um zumindest einen Nichtabstiegsplatz anzustreben und in der Vereinsführung werden die Karten neu gemischt. Spannende Tage und Wochen stehen uns bevor.
Bobic: „Mir macht die Arbeit nach wie vor Spaß“
Schön, wenn der Herr Sportdirektor seinen Spaß hat. Mir ist er langsam vergangen, so früh wie selten in einer Saison.
Fünftes Pflichtspiel der noch jungen Saison, zum vierten Mal null zu zwei verloren. Spötter erkennen endlich mal wieder Konstanz und Kontinuität beim VfB. Mir macht diese neuerliche Heimpleite einfach nur Angst. In dieser Verfassung sind wir Abstiegskandidat Nummer 1 in der Liga. Holten wir in der letzten Saison wenigstens 32 Punkte, weil wir überwiegend die Schlussviertelstunde verschlafen haben, legen wir jetzt eine ordentliche Anfangsviertelstunde hin und verschlafen die restlichen 75 Minuten. Eine Weiterentwicklung der besonderen Art!
Fredi Bobic dagegen machte dieser Auftritt Mut. Würden wir es immer schaffen, ein solches Spiel hinzulegen, mache er sich keine Sorgen. Die Hoffenheimer in der gestrigen Verfassung waren sicher kein übermächtiger Gegner und trotzdem verstand man es kaum, Torchancen zu kreieren. Gegen den VfB im Spätsommer bzw. Frühherbst 2014 genügt es hinten geordnet zu stehen und mit ein paar Nadelstichen vorne unserer instabilen Truppe den Zahn zu ziehen. Dieses Rezept hat sich in der Liga herumgesprochen, mutierte doch unser Neckarstadion in den letzten Jahren zum Selbstbedienungsladen. Hoffenheim rückte damit sogar von seinem eigentlichen Stil ab und hatte damit Erfolg, so dass sie drei Punkte weitestgehend mühelos einsacken konnten. Da fragt man sich ernsthaft, gegen wen wir überhaupt gewinnen wollen. Am Mittwoch in Dortmund sicherlich nicht!
Zu Beginn sah es zwar noch so aus, als ob die Mannschaft engagierter zu Werke gehen würde und der erste Saisonsieg in greifbarer Nähe wäre. Der VfB begann mutiger als vor Wochenfrist in München oder auch gegen Köln, hatte sogar eine gute Kopfballchance zum 1:0 durch Martin Harnik, die Baumann parierte.
Wie aber so oft war es schnell vorbei mit der Herrlichkeit, da abermals gleich die erste Torannäherung des Gegners zum Rückstand führte. Daniel Schwaab verweigerte bei einem Rudy-Freistoß das Kopfballduell mit Modeste, so dass dieser unbehelligt zum 0:1 einköpfen konnte. Dieser Nackenschlag genügte schon wieder, die ohnehin verunsicherte Mannschaft völlig konfus werden zu lassen.
Nachdem sich die Mannschaft geschüttelt hatte, nahm sie zwar das Zepter wieder in die Hand, ohne allerdings zu glasklaren Chancen zu kommen. Meist handelte es sich doch um Zufallsprodukte, vielleicht fehlt tatsächlich auch etwas das Glück, dass einfach mal ein abgefälschter Ball reingeht und die Mannschaft aufbaut.
Was die Jungs dann in den Pausentee bekamen, darüber kann man nur mutmaßen. Da war sie wieder, die altbekannte Lethargie und Behäbigkeit. Anstatt herauszukommen und auf den Ausgleich zu drängen, wurde das ohnehin nicht hochklassige Spiel zum Langeweiler.
Hoffenheim weigerte sich am Spiel teilzunehmen, der VfB hatte zwar viel Ballbesitz, fand aber einmal mehr die Lücke nicht, um die Kraichgauer ernsthaft zu gefährden. Fredi Bobic gab zwar auch gestern wieder zum Besten „Die Qualität der Mannschaft ist ausreichend“, für welche Liga hat er allerdings nicht dazu gesagt.
Das VfB-Spiel geprägt von Ballverlusten und Fehlpässen, die immer und immer wieder einen Spielneuaufbau von hinten notwendig machen. Da es dann eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis der Ball wieder in der Nähe des gegnerischen Strafraums ist, verrinnen die Minuten und irgendwann läuft einem die Zeit davon. Erst nach den Einwechslungen von Maxim und Kostic ab Minute 70 wurden die Angriffe zielgerichteter und erst ab da war wieder so etwas wie ein Wille zu erkennen. Fünf Minuten vor Schluss mussten wir die Hoffnung auf den Ausgleich endgültig begraben, als nach Ballverlust von Alexandru Maxim das 0:2 fiel.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bereits vor dem Spiel keinerlei Hoffnung hatte, dass wir gewinnen könnten. So war dieser Knockout fast eine Erleichterung, weil es dem mutmaßlich aussichtslosen Hoffen ein Ende setzte. Ich konnte bei diesem Spiel nicht einmal die Abneigung gegen dieses Projekt „auskosten“ und, wie die Jahre davor, das Spiel mit der Faust in der Tasche verfolgen. In diesen Tagen ist man doch mehr mit dem VfB beschäftigt und macht sich große Sorgen um den eigenen Verein anstatt sich um Andere zu scheren.
Ich habe Verständnis für Armin Veh, der der Auffassung ist, zu viele Änderungen in der ersten Elf, wären der Sicherheit im Spiel abträglich und würden der Mannschaft nicht gut tun.
Auf der anderen Seite haben wir aber einige Schwachstellen in dieser „ersten Elf“, die diskussionswürdig wären. Nachdem der Spielplan veröffentlicht wurde, hatte ich schon die Befürchtung, dass wir nach den ersten fünf Spielen ganz ohne Punkt da stehen könnten. Die Auswärtsspiele in Gladbach, München und Dortmund haben es in sich, dazu noch der Heim-Angstgegner Köln und eben jenes Hoffenheim, das sich vor allem in der Defensive gut verstärkt hat. Gegen dieses Hoffenheim jedoch, stark ersatzgeschwächt, hätte man nicht verlieren müssen.
Danach, so „mein Plan“, müsste man jedoch mit dem punkten anfangen. Sprich, jetzt in Dortmund rechne ich mir realistisch nichts aus, am Samstag dann aber, gegen Hannover 96, sollte tunlichst der erste Dreier eingefahren werden. Mittlerweile bin ich skeptisch, ob der Bock „so schnell“ umgestoßen werden kann. Nach nunmehr fast zwei Monaten Vorbereitungszeit und fünf Pflichtspielen ist noch nicht zu erkennen, welchen Fußball der VfB eigentlich zu spielen gedenkt.
Es sieht auf dem Platz planlos aus, die Raumaufteilung passt nicht, der ballführende steht oft auf verlorenem Posten. Bei eigenem Ballbesitz ist der eigene Mann meist von drei Gegnern umringt und keiner eilt zu Hilfe. Es sind fußballerische Grundtugenden, die dieser Mannschaft fehlen, von Kreativität und der Lust ein geiles Spiel hinzulegen ganz zu schweigen.
Für mich wäre es an der Zeit einige personelle Wechsel in der Startelf umzusetzen. Leute wie Sakai und Schwaab sind mittlerweile Woche für Woche Schwachstellen, der Kapitän Christian Gentner versteht es wie kein zweiter sich während dem Spiel zu verstecken. Zumindest auf diesen Positionen würde ich an Armin Vehs Stelle neue Leute bringen.
Wenn gewisse Wechsel auch unter Armin Veh ausbleiben sollten, schenke ich der kolportierten „Verschwörungstheorie“ mehr und mehr Glauben, nämlich dass die Mannschaft unter anderem auch durch die Direktive „von oben“ oder vertraglichen Zusagen aufgestellt wird.
So lang Fredi Bobic das Sagen hat, liegt der Verdacht nah, dass er durch freundschaftliche und geschäftliche Bande mit Jürgen Schwab, dem Berater von Gentner und Ulreich, dem Trainer immer anraten dürfte, diese beiden aufzustellen. Wir haben ja einige Beispiele von Spielern, die bei uns massiv an Marktwert eingebüßt haben, bei diesen beiden soll das sicherlich nicht so sein. Wenn es nach der Leistung ginge, bekäme nämlich auch mal ein Konkurrent die Chance zu spielen.
Auch bei Ibisevic, der krankheitsbedingt passen musste (oder wurde er womöglich mit dieser Begründung aus der Schusslinie genommen?) liegt der Verdacht einer vertraglich zugesicherten Stammplatzgarantie nahe. Aus sportlicher Sicht hätte er sich längst eine Pause „verdient“. So vermute ich, werden in unserer Mannschaft aus politischen Gründen mehrere Positionen, und das schon seit Jahren, sprichwörtlich blockiert.
Als am Samstag die Aufstellung fürs Hoffenheim-Spiel verkündet wurde, war ich sehr enttäuscht und sagte gleich, „das kann nichts werden“. Gentner ist derzeit eigentlich nicht mehr vermittelbar. Als Kapitän nicht, nicht einmal als einer von vielen in dieser ohnehin schon schwachen Mannschaft.
Er läuft zwar viel, jedoch meist in seinen eigenen Räumen, da wo der Ball mit Sicherheit nicht hinkommt. Leaderqualitäten zeigt er überhaupt keine, wie auch, er ist einfach kein Leader und damit auch kein Kapitän. So taumelt die Mannschaft führungslos durch die Spiele, jeder, auch die Youngster, ist auf sich selbst gestellt, auch ein Grund, weshalb sie im Spiel durch ein einziges unerwartetes Ereignis aus der Bahn geworfen werden.
Antonio Rüdiger dagegen scheint seine Stippvisite bei der Nationalmannschaft, für mich etwas überraschend, sehr gut getan zu haben. Wie schon in München war er auch gegen Hoffenheim einer der Wenigen, bei denen die Körpersprache signalisierte, dass er gewillt ist, an der Wende zu arbeiten. Ihn sah ich insgesamt sicherer und auch nicht so hektisch wie vor der Länderspielpause. Ihm gelang zwar auch nicht alles, dennoch hob er sich für mich von den meisten seiner Mannschaftskameraden ab.
Fast schon paradox in diesen Tagen ist die Kluft zwischen der Mannschaft auf der einen und den Fans auf der anderen Seite. Dass Leute wie Strunz und Babbel, die mit Schimpf und Schande davongejagt wurden, das „schwierige Stuttgarter Umfeld und das erfolgsverwöhnte Stuttgarter Publikum“ mitverantwortlich für die Misere und die Unsicherheit der Mannschaft machen, ist man ja gewöhnt.
Dass aber Spieler wie Daniel Schwaab, der außer dem Assist zum Rückstand nichts erwähnenswertes zustande brachte, nach seiner Publikumsschelte gegen Köln am Samstag fast als Rädelsführer anzusehen war, der seinen Teamkollegen deutete, NICHT in die Kurve zu gehen, ist neu. Sven Ulreich leistete sich Ähnliches, auch andere Spieler suchen in den Fans Mitschuldige für die schwachen Darbietungen auf dem Rasen. Fredi Bobic bläst natürlich ins selbe Horn und der Präsident Wahler ist mal wieder weder zu sehen noch zu hören. Der VfB ist damit das einzige mir bekannte Unternehmen, bei dem all seine Angestellten ungestraft die zahlende Kundschaft beschimpfen dürfen. Verkehrte Welt eigentlich, zumal sich das Team über mangelnde Unterstützung wahrlich nicht beklagen braucht. Ein jeder, auch die externen Kritiker, sollte doch mal ins Stadion kommen, welchen „Fußball“ wir in den letzten Jahren über uns ergehen lassen müssen. Spiele, deren Tempo an Altherrenfußball erinnern, mit höchstens ein, zwei nennenswerten Torabschlüssen pro Halbzeit, und die als Massenware. Dennoch sind die Treuesten der Treuen immer da, ob daheim oder auswärts. Die Mannschaft wird angefeuert und angepeitscht, Pfiffe hagelt es in den meisten Fällen erst nach Spielende. Natürlich kommt es vor, dass bei einzelnen Spielern die Geduld verloren gegangen ist und schon die Erwähnung ihrer Namen im Stadion zu einem Pfeifkonzert führt. Das könnte aber auch daran liegen, dass jegliches Verständnis fehlt, wenn einzelne Akteure Woche für Woche ihre Unfähigkeit unter Beweis stellen dürfen. Woran das liegen könnte, habe ich weiter oben beschrieben…
Der Verein täte gut daran sich wieder Vertrauen bei seinem Anhang zu erarbeiten. Der offene Brief vom Commando Cannstatt 97 hat es auf den Punkt gebracht. Wir haben die Schnauze voll von Durchhalteparolen, vom „für dumm verkaufen“ der Anhängerschaft. Die Aufarbeitung der Vorsaison ist ausgeblieben. Es geht gerade so weiter, außer, dass wir in Traore noch einen Qualitätsspieler verloren haben, auf dem Papier also haben wir uns sogar verschlechtert, auch wenn Romeu und Kostic schon gute Ansätze gezeigt haben und ich mir auch von Ginczek einiges verspreche.
Das Vertrauen in die handelnden Personen beim VfB schwindet auch bei mir mehr und mehr. Wie schon öfter ausgeführt, hätte Fredi Bobic nach der missratenen letzten Saison abgelöst werden müssen. Mit seiner Aussage „an diesem Kader lasse ich mich messen“ gab er doch die perfekte Vorlage, die von Aufsichtsrat und Präsident Wahler nur nicht aufgenommen wurde. Stattdessen wird Bobic zum „absolut der Mann unseres Vertrauens“ hochgelobt, was mir nicht unbedingt große Hoffnung auf Besserung macht.
Wie immer wieder zu hören und zu lesen ist, soll es um die Finanzen hochkritisch bestellt sein. Umso mehr versteht man daher die Personalpolitik seit Bobic Amtsantritt nicht. Durchschnittsspieler mit fürstlichen Gehältern werden jahrelang mitgeschleppt, versperren einst vielversprechenden hinzugekauften Spielern den Weg in die Startelf, diese wiederum verlieren nach und nach Form und Lust, um am Ende ablösefrei gehen dürfen, nur, dass man sie von der Gehaltsliste hat. Solche „Fälle“ hatten wir in den letzten Jahren zur Genüge, rechnete man diese hoch käme man sicherlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der in den Sand gesetzt wurde. Durchleuchtet man doch noch, weshalb Spieler wie Marica, Kuzmanovic und Traore, für die man zum richtigen Zeitpunkt hohe (bzw. überhaupt) Transfererlöse hätte erlösen können, den VfB ablösefrei verließen, ließe sich die Rechnung fortsetzen. Durch die Entscheidung Gazi anstatt Porsche zum Hauptsponsor zu machen, die dem daimlerfreundlichen Aufsichtsrat angelastet wird, wurden nicht nur durch geringere Sponsoring-Einnahmen Millionen verschenkt, auch dem Merchandising-Umsatz war Gazi auf der Brust nicht gerade förderlich. Dies sind nur ein paar Beispiele, wie man mit mehr Sachverstand und weniger Eigeninteresse ein paar Millionen hätte einnehmen können, die uns heute fehlen.
Anstatt im Mai den Cut gemacht zu haben und Fredi Bobic‘ wohl angebotenen Rücktritt als Manager bzw. Sportvorstand zu akzeptieren, spricht man ihm auf der einen Seite das volle Vertrauen aus, möchte ihm aber gleich noch ein Expertengremium zur Seite stellen, das ihn beaufsichtigen soll. Dazu reagiert er oft bockig auf Kritiker und verscherzt es sich mit ihnen, also, was tun, schaffen wir eben den Posten des Kommunikationsdirektors. Einfacher (und billiger) wäre es an der Stelle, die Wurzel des Übels zu entfernen, anstatt den ohnehin schon teuren Verwaltungsapparat noch weiter aufzublähen.
Ob ein Rauswurf Bobic‘ zum jetzigen Zeitpunkt mehr als einen neuen Impuls bringen würde, weiß ich nicht. Diese Gelegenheit wurde verpasst. Der Transfermarkt ist geschlossen, Geld für Verstärkungen wäre wohl sowieso nicht da! Dass sich Bobic jetzt aber schon wieder gemüßigt sieht, betonen zu müssen, der Trainer stehe nicht zur Disposition, beunruhigt mich, ist eine solche Aussage doch oftmals der Anfang vom Ende. Diese Mannschaft scheint mittlerweile untrainierbar zu sein, Veh kann wohl am wenigsten für die Misere. Ihm traue ich es zu, den Karren wieder flott zu bekommen, auch wenn ich hoffe, dass die Zeit nicht gegen ihn arbeitet. Eher hätte ich Angst, dass er von sich aus hinschmeißt, vielleicht, weil man ihn mit falschen Versprechungen gelockt hat, dann stünden wir wohl endgültig vor dem Scherbenhaufen.
Alles muss ich ja nicht verstehen, was sich derzeit in den Räumen der Geschäftsstelle meines Herzensvereins abspielt, mein Problem derzeit ist, dass ich so gut wie nichts davon nachvollziehen kann. Ich möchte dem Verein zwar nicht absprechen, dass einige langfristige Projekte auf den Weg gebracht sind, deren Früchte wir in einigen Jahren ernten werden. Trotzdem wandelt der VfB auf einem schmalen Grat, wenn er meint, die Fangemeinde Jahr für Jahr aufs Neue nicht nur vertrösten, nein, auch verarschen zu können. Wo ist die Aufarbeitung? Wo sind die Kracher? Was ist mit dem „ein Weiter so wird es nicht geben“? Man hat das Gefühl, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Wie, wenn da unten auf dem Wasen einer säße, der austesten will, was man dem VfB-Fan noch so zumuten könnte. Meine Schmerzgrenze ist längst überschritten. Auch ich bin nicht mehr gewillt, eine weitere #Zusammenhalten-Saison mitzumachen, das war ein einmaliger, zugegebenermaßen intelligenter, Marketing-Gag, der es schaffte, Dampf aus dem Kessel zu nehmen, schließlich hätte schon letzte Saison nicht viel gefehlt, und die Lage wäre eskaliert. Umso fahrlässiger auch in der neuen Saison gerade so weiterzumachen.
Jetzt sind die Spieler, jetzt ist der Verein in der Pflicht zu liefern, sonst kehren dem Verein noch mehr Leute den Rücken. Welchen Imageverlust der VfB in den letzten Jahren erlitten hat, merkt doch jeder VfBler schon in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Wer, der nichts mit dem VfB am Hut hat, hat heute noch Verständnis dafür, dass man immer noch und der unterirdischen Darbietungen zum Trotz, bei jedem Spiel zugegen ist. Mittlerweile kann man fast überall im Ländle zahlreichere Fanartikel von Bayern, Dortmund und Schalke erwerben also vom VfB. Viele Schulkinder stehen lieber auf der Sonnenseite und wenden sich erfolgreicheren Vereinen zu, wenn sie nicht gerade aus einem dunkelroten Elternhaus kommen. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. Der VfB steht nur noch für schlechten Fußball, Misserfolg, Kundenunzufriedenheit und Chaos. Wenn die Vereinsoberen sich da noch auf die Schultern klopfen, welch tolle Arbeit sie machen, leiden sie unter totalem Realitätsverlust. Hier muss schleunigst die Kehrtwende eingeleitet werden und seit 2007 verlorenes Terrain zurückgewonnen werden.
Von der blinden Bratwurst zur beleidigten Leberwurst!
Fredi Bobic ist not amused über den offenen Brief des CC. Hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre, ist er doch die Kritikresistenz in Person. Natürlich kann man über den Zeitpunkt vor einem solch wichtigen Spiel streiten. Andererseits, wann ist der richtige Zeitpunkt? Der Verein hat während der Sommerpause seine Hausaufgaben nicht gemacht. Obwohl Wahler schon weit vor Ende der letzten Saison beteuert hat, „ein weiter so wird es nicht geben“, machen sie gerade so weiter.
Dann, finde ich, ist es auch das Recht der zahlenden Kundschaft Unmut zu äußern und, wenn es schon von innen nicht geschieht, von außen Zeichen zu setzen, dass man nicht weiterhin bereit ist, ohne größeres Murren Auftritte wie in Bochum, gegen Köln und in München einfach so hinzunehmen. Der Verein gehört wachgerüttelt, sonst gehen wir irgendwann in derer Selbstherrlichkeit und Selbstzufriedenheit unter. Man kann einfach nicht davon ausgehen, dass es ein zweites Mal gut geht. Die harte Hand von Stevens am Saisonende 13/14 war genau das, was dieses Sammelsurium an Einzelspielern braucht. Mit Hätscheln und Tätscheln oder wie Bobic gestern im Interview der STN zum Besten gab, „seine schützende Hand befände sich vor Mannschaft und Trainer“ ist es nicht getan. Die Jungs brauchen Feuer im Arsch um sie zum Laufen zu bringen und keinen Puder.
Gerade heute wäre es fatal, einen erneut blutleeren Auftritt hinzulegen. Gerade gegen den Emporkömmling von der Autobahnraststätte Kraichgau MUSS bis zum letzten Blutstropfen gekämpft werden und MUSS sich jeder konzentrieren und am Riemen reißen. Ich hoffe, Veh stellt diejenigen auf, die dem Druck noch am ehesten gewachsen sind und lässt die Heulsusen und Weicheier draußen. Sollten sich die unterirdischen Darbietungen heute fortsetzen, könnte es unschöne Szenen wie zuletzt 2009 geben.
Natürlich hat das CC durch den offenen Brief möglicherweise einige angestachelt, Grenzen zu überschreiten. Ich hoffe sehr, dass die Leute vernünftig bleiben. Gegen eine Protestkundgebung vor der Haupttribüne ist ja nichts einzuwenden, der Versuch diese zu stürmen oder dergleichen, bleibt hoffentlich aus und könnte vor allem kontraproduktiv sein!
Der Verein täte gut daran, die Leute endliche einmal ernst zu nehmen. Was, lieber Fredi Bobic, ist daran auszusetzen, vor dem vierten Spieltag ein Horrorszenario an die Wand zu malen? Es ist doch nur die Folge dessen, dass der Verein aus der letzten Saison nichts, aber auch gar nichts, gelernt hat. Für mich ist heute gefühlt nicht der vierte Spieltag sondern der 38. der Vorsaison.
Der Verein muss uns ernst nehmen und vor allem dankbar sein, dass wir das Neckarstadion nicht zu einem Geisterstadion (gut, sie können es auch mal probieren, die Pforten zu schließen, damit unsere Sensibelchen nicht nervös werden…) machen. Gut 30.000 treue Fans sind immer da und die haben verdammt nochmal ein Recht darauf, dass uns für das viele Geld, das sie uns Jahr für Jahr aus der Tasche ziehen, auch eine Mannschaft präsentiert wird, die bereit ist für ihre fürstliche Entlohnung alles zu geben und wir haben auch ein Recht auf eine sportliche Leitung, die eine Mannschaft zusammenstellt, in der die Mischung aus jungen, hungrigen Talenten und erfahrenen Haudegen, die Verantwortung übernehmen, stimmt. Nichts von alledem ist zu sehen. Mittlerweile kann man in fast jedes Stadion der Liga blicken, wo temporeicherer und leidenschaftlicherer Fußball gespielt wird, als bei uns. Unsere Spiele, zum Gähnen, und das schon seit Jahren.
Dann stellt sich der Herr Sportdirektor hin und erzählt, wie sie am Unterbau und den Strukturen arbeiten, und dass, wenn diese mal greifen, wir zukunftssicher aufgestellt seien. Bei anderen Vereinen läuft so etwas nebenher, ohne dem zahlenden Kunden jahrelang Grottenkicks darzubieten. Sähe man sich als Kunde und nicht als Fan, dessen Herzblut in diesem Verein (nicht bei den handelnden Personen!) steckt, würde man eben dann wiederkommen, wenn alles greift und man für sein Geld wieder eine Gegenleistung erwarten kann. Genau das machen nämlich die restlichen 30.000, die das Stadion voll machen könnten. Die kaufen sich sporadisch eine Karte (manche sagen schon vor dem Spiel „nie wieder“, nachdem sie mit dem Ticketing und den Verkaufskiosks kundenunfreundliche Erfahrungen machten) und kommen danach lang nicht mehr, weil es eben mit Fußball wenig zu tun hat, was sich da auf dem Rasen abspielt.
Wenn jetzt noch die Treuesten der Treuen zu Sündenböcken hochstilisiert werden ist das auch für mich der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Das geht gar nicht, zumal die Pfiffe NACH dem Spiel gegen Köln bzw. NACH der Auswechslung von Ibisevic erfolgten. Während der Spiele erstarrt man allenfalls auf dem Platz in Anbetracht der frostigen Auftritte, gepfiffen wird da kaum. Meiner Meinung nach müssen das Profis, die „ihr Können“ vor zig tausend Menschen vorführen, auch aushalten können.
Als Fazit kann ich festhalten, dass ich es also richtig finde, ein Zeichen von außen zu setzen. Ich habe allerdings nach wie vor großes Vertrauen in Armin Veh, dass er das Gesicht der Mannschaft verändern wird und wir spätestens zur Rückrunde auch wieder besseren Fußball zu sehen bekommen. Ihm muss man die Zeit einräumen, erste mutige Zeichen wurden ja in München gesetzt, ich hoffe, er bleibt da knallhart. Diese „Mannschaft“, die seit Jahren den Brustring spazieren trägt, gehört auf mindestens 5-6 Positionen verändert.
Mutlos, leblos, VfB
Die positiven Nachrichten vorneweg, wir haben es hinter uns! Wir haben „nur“ 0:2 in München verloren. Dass man dort auch durchaus eine Packung bekommen kann, haben wir vor fast genau zwei Jahren beim 1:6 erleiden müssen. Der Unterschied zu damals aber: vor zwei Jahren spielten wir nicht nur gut mit, wir gingen auch mit 0:1 in Führung und, wer weiß, hätte damals nicht Ulles Dauerformtief begonnen, hätte man damals das Zeug dazu gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Als er einen Schuss vor die Füße Müllers prallen ließ, war es damals schon vorbei mit der VfB-Herrlichkeit und man ließ sich regelrecht abschlachten.
Anders gestern, ohne Torschuss kann man nun mal kein Spiel gewinnen. Und, darauf zu bauen, bei den Bayern wenigstens ein 0:0 zu ermauern ist derzeit genau so unrealistisch wie ein Abstieg der übermächtigen Bayern.
Was waren das damals noch Spiele, die dem auch heute noch bemühten Begriff „Südschlager“ mehr als gerecht wurden. Wir zogen zwar im altehrwürdigen Olympiastadion meistens den Kürzeren, boten aber stets einen offenen Schlagabtausch und erarbeiteten uns den Respekt der Bayern, auch den der Fans. Ergebnisse wie ein 3:5 aus unserer Sicht waren keine Seltenheit, bei minus 16 Grad und dem ersten Spiel von Franz Beckenbauer auf der einen, Jürgen Röber auf der anderen Seite, erlebte ich gar „meinen“ ersten Sieg überhaupt bei den Bayern, dank der Hand Adrian Knups. Unvergessen danach die Polonäse „oberkörperfrei“ durch den Olympiapark und die Triumphfahrt über die von Schneewehen durchsetzte A8 zurück nach Stuttgart.
Damals waren die Fahrten nach München noch richtige Highlights in der Saison. Unter den Fans herrschte eine Gier dabei zu sein, nicht selten fanden bis zu 10.000 Schwaben den Weg nach München und man rechnete sich vor den Spielen etwas aus. Was hatten wir auch für Spieler in den 70er, 80er und 90er-Jahren. Da war zwar auch die eine oder andere Pfeife dabei, wir hatten aber Typen in unseren Reihen, die ihr Herz in die Hand nahmen und die Anderen mitzureißen wussten. Heute hat sich dieses Verhältnis leider dramatisch umgekehrt.
Mittlerweile nimmt man als Allesfahrer die Fahrt nach München eher mürrisch hin, viele andere kneifen von vornherein. Eines dieser Stadien „auf der grünen Wiese“, am A… der Welt, Gästeblock im dritten Rang, wo man weder sein Paulaner Light (gut, das boykottiere ich sowieso) noch eine Stadionwurst mit auf den Platz nehmen darf. Wo man von den überheblichen Bayern-Fans nur noch blöd angemacht oder belächelt wird, wo man sich auf gut deutsch schwer im Zaum halten muss, um nicht auszurasten und irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Mir schwillt da jedes Mal regelrecht der Kamm… Dann stellen sie uns noch eine Hundertschaft Turtles vor den Block, was auch nicht gerade zur allgemeinen Gelassenheit beiträgt. Fast schon lustig oder eher lächerlich in München, wie zwanghaft in manchen Bereichen auf Fantrennung geachtet wird und 50 Meter weiter wieder alles zusammenfließt. Da werden mal so richtig Steuergelder verschwendet, sollen sie sich doch ein Beispiel an NRW nehmen, wo sie es mit weniger Polizei und Deeskalation probieren, was bisher offensichtlich gut funktioniert.
Die Mannschaft hat schon die Hosen voll, wenn sie das Stadion betritt und schaut ehrfürchtig zu ihren Gegenspielern auf. Da scheint es manchmal, dass es im Vorfeld nur wichtig ist, wer von wem das Trikot abstaubt, von Selbstvertrauen und ernsthaftem Siegeswillen keine Spur.
Wir haben leider keine Führungsspieler mit Eiern in der Hose, die schon durch ihre Körpersprache ihrem Gegenüber klar machen, „wenn Du meinst Hugoles mit mir treiben zu können, gibt’s auf die Socken…“. Im Gegenteil, im Zweifel wird zurückgezogen, ein Foul an einem Bayern-Akteur wird in der Republik ja schon als Majestätsbeleidigung angesehen, solchen Diskussionen und dem Aufschrei der Bayern-Oberen möchte man lieber im Vorfeld gleich jegliche Nahrung nehmen.
Armin Veh hat schon nach dem Köln-Spiel angeprangert, die Jungs seien alle zu lieb. So hielt sich meine Hoffnung schwer in Grenzen, dass wir in München einen anderen VfB erleben würden, doch, auch meine Hoffnung stirbt zuletzt und immer erst nach dem Spiel.
Wie Kampf Berge versetzen kann, konnte man beim Freitag-Abend-Spiel Bayer 04 Leverkusen-Werder Bremen erleben. Leverkusen, eigentlich den Bremern übermächtig, hätte zur Pause gut und gern 4:0 führen können, wenn nicht gar müssen, wurde von den Bremern aber nach und nach der Zahn gezogen. Bremen hielt mit großem Kampf und, wenn sich die Möglichkeit bot, auch mit mutigem Spiel nach vorne, dagegen. Dort wurde um jeden Zentimeter Rasen gekämpft, kein Ball verloren gegeben. Solche Spiele kenne ich eher von der Insel, so dass ich schwer beeindruckt war, so etwas in unserer Liga verfolgen zu dürfen.
Nach diesem Kick sah ich mich sofort gemüßigt, Sven Ulreich, der auf Facebook postete, dass sie sich im Hotel aufs Spiel vorbereiteten, auf seine Pinnwand zu posten, dass ich hoffe, dass sie sich dieses Spiel angeschaut haben und dass sie verdammt noch mal ein ähnliches Engagement an den Tag legen sollen und so auch befähigt wären, den Bayern weh zu tun. Die Bayern, verletzungsgeplagt und vor anstrengenden Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen stehend, wollten die Partie im Schongang gewinnen und sich nicht außerordentlich verausgaben. Für dieses Vorhaben war der VfB natürlich der dankbarste Gegner, den man sich wünschen kann. Gerade störe ich mich beim vorigen Satz am Wort „Gegner“, Sparringspartner wäre treffender. Wir liefen ordentlich nebenher, ohne den Bayern zu nahe zu treten. Die Defensive stand zwar weitestgehend gut, die meiste Zeit liefen wir aber trotzdem nebenher und überließen den Bayern das Spielgerät.
Erschreckend fand ich einmal mehr die technischen Mängel, die bei uns zutage traten. Fehlpässe über drei Meter sind nicht bundesligatauglich. Und wenn dem einen oder anderen Spieler bei einem 3-Meter-Pass die Kugel noch 4 Meter wegspringt, bis man sie kontrolliert hat oder eben, wie meistens, der Gegner sich den Ball geschnappt hat, braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Spielfluss aufkommt und vor allem keine Überraschungsmomente entstehen, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Gefahr entstand allenfalls durch Kopfbälle von Antonio Rüdiger oder einem Distanzschuss von Timo Werner. Bayern hätte ohne Torwart spielen können, kein einziger Ball kam auf den Kasten von Manuel Neuer. Ich habe nunmehr in vier Pflichtspielen in der noch jungen Saison gerade einmal vier Torschüsse gezählt. Wenn man es in naher Zukunft nicht schafft, ein kombinationssichereres Offensivspiel mit gefährlichen Torabschlüssen, hinzulegen, wird es ganz schwer, auch nur ein einziges Spiel zu gewinnen. Unsere Abwehr ist nach wie vor zu instabil, um nicht zu null spielen zu können.
Armin Veh brachte in Leitner und Werner für Maxim und Didavi zwar zwei Neue, leider verpufften diese Wechsel, weil man nach dem Köln-Spiel auf allen Positionen hätte wechseln können und keiner der damaligen Totalausfälle besser aus der Länderspielpause kam.
Leitner zeigte auch gestern wieder, dass er ein Schönwetterfußballer ist. Wenn es in der Truppe läuft, kann er glänzen, ein Spieler, der Ordnung in ein nicht funktionierendes Team hineinbringt ist er nicht. Auf Timo Werner dagegen lass ich noch nichts kommen. Er ist blutjung und muss sich an den Rhythmus in der Liga weiterhin gewöhnen. In der zweiten Halbzeit, als er für Ibisevic in die Mitte rückte, war er auffälliger und hat mir (an der Seite von Kostic und Maxim) gut gefallen. Bevor ich den lustlosen und stets lamentierenden Sturmtank Ibisevic bringe, setze ich doch lieber auf Dauer auf Timo Werner, dem man anmerkt, dass er will und dass er sich verausgabt. Jedoch vertraue ich hier auch Armin Veh, der Tag für Tag am besten sieht, ob er der großen Belastung jede Woche schon jetzt gewachsen ist.
Veh muss möglichst schnell „seine“ Elf finden, die uns wieder mehr Freude macht und vor allem erfolgreicheren Fußball spielt. Momentan sieht es zwar nach einer ganz düsteren Saison aus, jedoch sollte man nach gerade einmal vier, zugegebermaßen sehr ernüchternden, Pflichtspielen die Kirche im Dorf lassen. Mir war es seit der Spielplanpräsentation klar, dass es durchaus sein könnte, dass wir nach fünf Spielen noch ohne Punkt da stehen. Gladbach, Bayern, Dortmund, zu Beginn gleich die denkbar schwersten Auswärtsaufgaben, dazwischen noch unseren (Heim-)Angstgegner Köln und die Hoffenheimer, die sich dank Hopps Millionen mal wieder namhaft verstärkt haben. Daher ist es noch viel zu früh, den Kopf in den Sand zu stecken. Erschreckend allenfalls für mich, wie wenig wir insgesamt an den Spielen teilgenommen haben, wie wenig Torgefahr entfacht wurde und wie leidenschaftslos, vor allem gegen Köln, der Brustring von der gesamten Truppe spazieren getragen wurde.
Veh scheint langsam zu merken, auf welch schwierige Aufgabe er sich hier eingelassen hat. Er beteuert, als Außenstehender den VfB nicht so schlecht gesehen zu haben, wie er wirklich geworden ist. Schade, dass diese Erkenntnis offensichtlich nicht schon während der Trainingslager gereift ist, auch wenn es sich langsam herausstellt, dass die kolportierten 15 Millionen Euro für Sommertransfers, unter Vorbehalt des Verkaufs von Altlasten und inklusive aller Gebühren, Handgelder, Gehälter, erfolgten. Für einen Lastminute-Einkauf, der so dringend nötig gewesen wäre, war angeblich schon kein Geld mehr da. Anstatt in ein kalkuliertes Risiko zu gehen und wenigstens noch einen erstklassigen Innenverteidiger zu holen, riskiert man hier also (sehenden Auges) den Super-GAU. Dieser wird zwar nicht zwingend kommen, Gegner, die mehr mit uns auf Augenhöhe spielen als die ersten fünf bekommen wir auch noch, angesichts der fragilen ersten Elf, die Woche für Woche auf dem Platz steht, halte ich ihn zumindest für möglich.
Bernd Wahler scheint Bobic einfach weiter „machen zu lassen“ und kümmert sich in erster Linie um die Ausgliederung der Profiabteilung. Ob diese Prioritätenfestlegung realitätsgetreu ist, wird sich herausstellen. Meiner Ansicht nach muss zuerst der sportliche Bereich attraktiv und erfolgversprechend aufgestellt sein, um überhaupt potente Geldgeber für den VfB begeistern zu können und sich am Ende, in Anbetracht der Gesamtsituation nicht unter Wert verkaufen zu müssen. Dass Bobic einfach weiter machen durfte nach der verkorksten letzten Saison ist für mich DER Kardinalfehler schlechthin. Auch diese bittere Tatsache laste ich Bernd Wahler an, der auf mich den Eindruck macht, (zu) bequem zu sein und sich aus dem sportlichen Bereich komplett herauszuhalten. Da hätte ich mir einen starken Mann wie früher MV gewünscht, der auf den Tisch haut und personelle Konsequenzen zieht. Das richtige Datum für den großen Schnitt ist immer der 1.7., hier wurde es versäumt Nägel mit Köpfen zu machen.
Auch wenn ich letzten Endes mit der Installation von Armin Veh als Cheftrainer einverstanden war und noch immer bin – ich hatte schon am Ende der letzten Saison bedauert, dass Huub Stevens nicht weiter machen und eine Auszeit nehmen wollte. Jetzt allerdings bröckelt langsam durch, dass Stevens durchaus zum weitermachen bereit gewesen wäre, man aber schon bei Armin Veh im Wort stand. Sollte das die Wahrheit sein, verstehe ich die Welt nicht mehr. Stevens kannte die Mannschaft immerhin schon und hätte wohl besser gewusst, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, als es Armin Veh wusste. So holte man lieber einen unbedarften Mann, dem die unbequemen Wahrheiten in der Mannschaft noch nicht so geläufig waren, beließ Bobic im Amt, der wiederum Armin Veh „einarbeiten“ durfte und seine (Fehl-)Sicht über die Mannschaft und ihr Innenleben an Veh weitergab.
Das Lamentieren über diese groben Fehler der Vergangenheit bringt uns jetzt aber leider auch nicht weiter, auch wenn es noch so traurig ist. Im Grunde sehe ich diese Mannschaft fast als untrainierbar an, zumindest kommt man mit Nettigkeiten bei ihr nicht weiter, siehe Stevens, der mit seiner knorrigen, kompromisslosen Art genau der Richtige war.
Veh merkt man die Akribie an, mit der sein Engagement antrat und er ist bereit, Änderungen durchzuziehen. Nach 2 ½ Monaten Arbeit an alter Wirkungsstätte hat er diese Woche Sven Ulreich angezählt bzw. in die Pflicht genommen, nämlich dass er fußballerisch und im Lesen des Spiels besser werden müsse um ein guter Bundesligatorwart zu werden. Meiner Ansicht nach sind dies jedoch Defizite, die ein Torwart hat oder auch nicht und kaum im vergleichsweise hohen Alter noch erlernt werden können. Vielleicht wollte Veh auch nur vorbauen, dass irgendwann einmal eine Ablösung Ulles, kein Tabuthema mehr ist.
Mit den Auswechslungen von Gentner und Ibisevic gestern setzte er (hoffentlich) ein Zeichen für die Zukunft, dass KEIN Platz in der Mannschaft in Stein gemeißelt ist. Neben den Genannten haben wir leider noch einige Baustellen mehr. Für gestern hatte ich gehofft, dass Schorsch Niedermeier anstelle von Daniel Schwaab in die Innenverteidigung rücken würde, dass Sakai und Harnik die längst überfällige Pause bekommen würden. Beide waren auch gestern wieder schwach und mit Unmengen an Stockfehlern. In Daniel Ginczek „wächst“ ernsthafte Konkurrenz für Ibisevic heran, möglicherweise sitzt er schon gegen Hoffenheim auf der Bank. Meiner Meinung nach scheut Veh (noch) den ganz großen Umbruch, um das ohnehin schon sehr fragile Gebilde nicht völlig zum Einsturz bringen. Andererseits, mir würde es Hoffnung machen und es könnte dadurch ein Ruck durchs Team gehen. Das Gros des Teams ist doch für die meisten unsäglichen Auftritte in den letzten Jahren maßgeblich verantwortlich, das hätte man auch schon im Sommer so analysieren müssen, geschehen ist so gut wie nichts, wie auch, wenn der Manager während der für einen „Einkäufer“ wichtigsten Phase der Saison mal eben so drei Wochen in den Urlaub geht.
So zielt mein Stückchen Hoffnung, die ich noch in diese Saison setze, darauf ab, bis zum nächsten Transferfenster den Schaden so gering wie möglich zu halten und dann den großen Umbruch einzuleiten. Gegen Hoffenheim habe ich schon jetzt ein ganz dummes Gefühl, dass es eine Niederlage geben könnte, die so richtig weh tut. Andererseits holten wir vor Jahresfrist im ersten Spiel unter Thomas Schneider mit dem 6:2 gegen Hoffenheim unseren ersten Saisonsieg und den noch richtig spektakulär.
Aufgeben gilt nicht, immer weiter kämpfen und dann siegen, für den Brustring, für den VfB, und nicht zuletzt für uns Fans. Gerade gegen Hoffenheim kann sich das Team keine so emotionslose Vorstellung wie im Heimspiel gegen Köln leisten, gerade da erwarten wir, dass sich jeder zerreißt und schon die Körpersprache im Kabinengang klar macht, dass es hier nur einen Sieger geben wird. Enttäuscht die Mannschaft erneut, kommen schwere Zeiten auf das Team zu, auch im Verhältnis zu den Fans. Der Vertrauensvorschuss, den man ihnen in der letzten Saison durch #Zusammenhalten und ähnliche Aktionen zugestand, ist langsam aber sicher aufgebraucht. Vor allem dann, wenn man von der Tribüne aus den Eindruck hat, dass die Mannschaft gar nicht will, dann muss sie sich ohne Wenn und Aber dem aufkeimenden Zorn stellen und darf nicht Bähmulle spielen wie nach dem Köln-Spiel! Das zeigte nämlich den „Charakter“ dieser Truppe schonungslos auf, nämlich die Schuld bei den Anderen zu suchen anstatt sich an die eigene Nase zu fassen. Der Rückhalt der Fans ist nach wie vor da, auch gestern in München wieder.
