5. November 2018

Verarschen kann ich mich auch selbst!

Freitagabend, Flutlicht und ein fast volles Haus. Da muss doch das Herz eines jeden Fußballprofis vor Freude hüpfen, wenn man nach einer anstrengenden Trainingswoche von der Leine gelassen wird und zeigen darf, was man(n) drauf hat.

Auch als Fan liebe ich Freitagabendspiele. Einen schöneren Opener ins Wochenende kann man sich kaum vorstellen. Bei Zeiten Feierabend machen, Freunde treffen, sich aufs Wochenendbier freuen und zugleich mit Gleichgesinnten aufs Spiel einstimmen, bevor es schließlich ins Wohnzimmer Neckarstadion geht.

Gewinnt man das Auftaktspiel des Bundesligawochenendes auch noch, darf man sich erfreuen, wie die Konkurrenz Federn lässt, bekommt das Dauergrinsen nicht mehr los und hat ein ganzes Wochenende lang Zeit, sich von den Strapazen der Siegesnacht zu erholen.

Soweit die Theorie und die Glücksmomente, die ein Fan-Leben für einen bereit hält, wenn es denn läuft. Die Praxis sieht derzeit, bei mir zumindest, anders aus. Am liebsten würde ich an Spieltagen in Cannstatt sitzen bleiben, gehe aber dennoch, jedoch mit einer negativen Grundstimmung, „runter“.

Zu unterirdisch bislang die Vorstellungen, angefangen mit Rostock, zu dilettantisch die Fehler, die regelmäßig zu Toren führen, zu bemitleidenswert mit anzusehen, wie aussichtslos das Unterfangen ist, einem Rückstand hinterherzurennen. Immer wenn man dann denkt, schlimmer geht’s nimmer, setzt es den nächsten Tiefpunkt.

Wie schon beim 0:4 gegen Dortmund bin ich auch gegen die Frankfurter Eintracht in der Halbzeit gegangen, weil die Gefühlslage schwer in Richtung „verarschen kann ich mich auch selbst“ ging.
Dann doch lieber den Cannstatter Gastwirten Gutes tun, als sich das Herumgestümpere auf dem Rasen anzutun, schließlich fehlen die Lichtblicke, die Hoffnung auf eine Aufholjagd machen würden.

Es tut weh, unheimlich weh, den VfB von einem Debakel zum nächsten zu begleiten und keinerlei Ansatzpunkte zu finden, die Hoffnung auf zeitnahe Besserung machen würden. Im Grunde bin ich keiner, der das Geschehen vorzeitig verlässt. Schon die Chronistenpflicht als Fanfotograf und die Spannung, wie der Empfang der „Mannschaft“ in der Kurve nach dem Spiel denn ausfallen würde, sind Motivation genug, bis zum Schluss auszuharren und noch ein paar Bilder zu machen.

Gegen Dortmund war ich unheimlich sauer, weil man Weinzierl in seinem ersten Spiel derart im Regen stehen ließ, man zum propagierten Neuanfang schlafmützig ins Spiel ging und Konzentration schon in der dritten Minute nicht vorhanden war. Das schreibe ich dem elendigen Charakter dieser Truppe zu, zumal die Gegentore zwei und drei ja auch nicht lang auf sich warten ließen.

Gegen Frankfurt fielen die beiden Gegentore direkt vor meiner Nase, so dass ich den Dilettantismus und das nicht vorhandene Abwehrvorhalten aus nächster Nähe bewundern durfte. Mir fiel dazu wirklich nichts mehr ein, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun.

Was mir das Bleiben zuletzt besonders erschwerte, war, außer den grottenschlechten Darbietungen auf dem grünen Rasen, dass sich in meinem Bereich auf der Haupttribüne Richtung Untertürkheimer Kurve etliche Gästefans mit Tickets eindecken und bei solchen Spielverläufen für mich nur schwer ertragbare Partys feiern.

DIE Fankneipe für DIE Fans, den A-Block, hat man ja sinnigerweise in der Kurve untergebracht, zu der man mit Tickets von außerhalb der Cannstatter Kurve während der Spiele keinen Zugang hat. Das wäre sonst eine Alternative, mit Gleichgesinnten bei einem schnellen Bier das Geschehen verarbeiten zu können im Stadion zu bleiben.

Ich aber sitze, hauptsächlich wegen der Bilder, relativ „allein“ auf der anderen Seite und höre den Gästeblock meist lauter als die Cannstatter Kurve. So bin ich regelmäßig mittendrin im „Karneval in Stuttgart“, nach dem es mir so überhaupt nicht ist.

Feiern dann noch Gästefans in „meinem“ Block und posaunen ihre Freude zu impulsiv raus, provozieren oder versperren einem die Sicht bei „Steht auf, wenn ihr… seid“, gehe ich lieber, bevor ich einen Kropf bekomme oder zu pöbeln beginne.

Der Stachel sitzt also derzeit so tief, dass ich lieber das Stadion verlasse, als mir Demütigung um Demütigung live anzutun. Als Fan kann man sich nur verarscht fühlen, einmal mehr null Schüsse aufs Tor von Kevin Trapp (der hätte mit mir ein Bier trinken gehen können…) unterstreichen die hoffnungslose Unterlegenheit unseres Teams. Es ist auch bei weitem nicht so, dass man beim vorzeitigen Verlassen des Stadions Gefahr laufen würde, eine sensationelle Aufholjagd zu verpassen.

Nein, der Gegner richtet sich irgendwann ein und ist mit dem Ergebnis zufrieden, der VfB ist zufrieden, wenn der Gegner endlich Ruhe gibt und das Debakel im Rahmen bleibt, so dass man sich ein solch ungleiches Duell auch sparen kann. Zur Gewohnheit soll das bitte nicht werden. Ich erwarte schließlich auch keine Siegesserie, was ich jedoch erwarte, ist ein Team, das sich für den Brustring zerreißt und sich zusammenreißt. Diesen Eindruck hat man nicht. Reschke räumte nach diesem Spiel erstmals öffentlich ein, dass sowohl die Fitness fehlt, als auch, dass es Probleme mit dem Mannschaftsgeist gebe, auf gut deutsch, sie sind sich spinnefeind und weit davon entfernt, als Team aufzutreten.

Von der ersten Minute an war am Freitag zu sehen, dass unser Team sowohl körperlich als auch fußballerisch hoffnungslos unterlegen war. Wenn dann noch die Einstellung fehlt und sich gestandene Ex-Nationalspieler wie Holger Badstuber abkochen lassen, wie ein Breitensportler am Sonntag nach durchzechter Nacht, dann gute Nacht. Ich fühlte mich extrem verarscht und war fassungslos, dass das aberkannte Tor nicht Warnschuss genug war, sich endlich zusammenzureißen und den Frankfurtern das Leben schwerer zu machen.

Dass außer Badstuber auch die anderen erfahrenen Spieler wie Mario Gomez das Tor nicht treffen oder Ron-Robert Zieler zum wiederholten Male vor die Füße eines Gegenspielers abklatscht, runden den desolaten Zustand dieser Truppe ab. Vom sogenannten Kapitän möchte ich schon überhaupt nicht mehr sprechen, dem fehlt für mich schon lang die Daseinsberechtigung in einer Bundesligamannschaft.

Die Frage, die sich anhand dieser desaströsen Darbietungen stellt, ist, nachdem es den erhofften Trainereffekt nicht gegeben hat, ob Korkut die Truppe tatsächlich so kaputt trainiert hat, wie sie sich präsentiert und folglich in der Rückrunde der letzten Saison nur von Wolfs Grundlagenarbeit profitierte. Die Einheiten in Grassau jedenfalls waren ein Witz und nicht bundesligalike. Kaum ein Training dauerte länger als 45 Minuten. Da man als Unbeteiligter nicht mitbekommt, wie im Hotel, bei Waldläufen oder auf dem Fahrrad geschwitzt wird, maß ich dem allein noch nicht die ganz große Bedeutung zu, war es doch schließlich auch extrem heiß.

Erst jetzt, wo offenkundig wird, dass die Fitness komplett fehlt, man von der ersten Minute an dem Geschehen hinterherläuft und nach einem Rückstand nicht mehr zulegen kann, wird aus diesen Beobachtungen ein Schuh. Fehlt die körperliche Frische, macht sich das auch mental bemerkbar, nur so lassen sich die sich wiederholenden stümperhaften Aussetzer im Ansatz erklären.

Gentner bestritt nach dem Spiel zwar, dass es ein „gravierendes Fitnessproblem“ gäbe, doch, was könnten die sonstigen Gründe für die derzeit nicht vorhandene Konkurrenzfähigkeit sein?

Hätten wir nicht erst den Trainer gewechselt, könnte man meinen, das Team spiele gegen den Trainer. Oder spielen sie etwa gegen Reschke? Kommt er beim Team ähnlich unsympathisch rüber wie bei den meisten Fans. Stößt es dem Team etwa sauer auf, dass Reschke dem Trainer gerne „Ratschläge“ gibt und somit in dessen Kompetenzbereich eingreift?

Was ist dran an Jürgen Klinsmann, dessen Name seit ein paar Tagen über dem Wasen schwebt? Ist es Zufall, dass Buchwald gerade jetzt gegen Reschke wettert, wo sein Kumpel Jürgen Klinsmann in Planung sein soll, seine Zelte in Kalifornien abzubrechen?

Die Lichtgestalt Klinsmann hätte auch für mich einen gewissen Charme, keine Frage. Nur, welches Amt sollte er denn bekleiden? Trainer? Bitte keine erneute Diskussion. Bei diesem Sauhaufen, den Weinzierl vorgefunden hat, lässt sich dessen Arbeit erst nach der Winterpause bewerten, wenn er eine Vorbereitung absolviert hat und bei Kaderveränderungen mitreden durfte. Wie jeder Trainer, der mitten in der Saison übernimmt, muss er in erster Linie die Missstände verwalten. Zudem sind ihm die Hände gebunden, weil der Kader zu dünn besetzt und sehr verletzungsgeplagt ist.

Klinsmann als Sportdirektor? Jein! Ja, weil dieser unerträgliche Reschke von der Bildfläche verschwinden würde, nein, weil wir nach Heldt, Bobic, Dutt und Reschke wieder jemanden auf den elementar wichtigen Posten hieven würden, der ein solches Amt noch nie bekleidet hat. Wir verstehen uns zwar als Ausbildungsverein, aber doch bitte nicht auf den Führungspositionen!

Bliebe noch Klinsmann für Dietrich. Auch das würde ich sofort unterschreiben, weil Klinsmann ein Sympathieträger wäre, der den VfB nach außen gut repräsentieren würde. Die Außendarstellung derzeit ist katastrophal, schon alleine deshalb würde Klinsmann dem VfB gut tun. Zudem hat Klinsmann das Zeug zum Reformer und könnte dem VfB wieder eine Identität verschaffen, die uns derzeit abgeht. Dass es jedoch soweit kommt, ist schon deshalb utopisch, weil Dietrich den Sonnyboy wohl hauptsächlich gerne auf den Wasen locken würde, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen und weiter wie bisher machen zu können.

Daher glaube ich weder, dass Dietrich seinen Posten freiwillig vor Ende seiner Amtszeit räumen wird und auch nicht, dass er Reschke entlassen und sich damit die Blöße geben würde, eingestehen zu müssen, dass Reschke, für den Schindelmeiser weg musste, ein riesiger Fehler war.

Denkbar wäre es, dass Dietrich Klinsmann als Sportdirektor installiert und Reschke ins zweite Glied als Kaderplaner zurückversetzt werden würde. Dann aber, ich habe es angesprochen, hätten wir erneut einen Sportdirektor ohne Erfahrung und einen schlauen Herrn Reschke im Hintergrund, der nicht nur den Trainer sondern auch Klinsmann mit schlauen Ratschlägen beglücken würde.

Für mich ist jede dieser Konstellationen problembehaftet und ich glaube auch nicht, dass sich Klinsmann darauf einlassen würde. Er wird einen Machtanspruch mitbringen und gestalten anstatt sich ein- bzw. unterordnen zu wollen. Ihm dürften die Türen in Fußball-Deutschland ohnehin offen stehen, so dass ich denke, dass seine Verbundenheit zum VfB allein nicht ausreichen dürfte, ihn zurück an den Neckar zu lotsen.

Matthias Sammer, Eurosport-Experte beim Spiel gegen die Eintracht, war (wie wir alle) entsetzt von dem, was er zu sehen bekam. Er meinte unter anderem:

“Die meisten – nicht alle – haben nicht die notwendige körperliche Verfassung. Wenn das reguläre Training nicht reicht, muss ich als erfahrener Profi abends meine Turnschuhe anziehen und mir die Füße wund laufen. Wenn du das Selbstvertrauen nicht hast, dann arbeiten Spieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha – die arbeiten [wenn sie körperlichen Rückstand haben,] als gäbe es kein morgen. Wenn die körperliche Verfassung nicht stimmt, wird nie, nie etwas funktionieren.”

Dass Sammer das nicht nur so hingesagt hat, sondern als aktiver Profi selbst mit gutem Beispiel voranging, belegt eine Anekdote aus seiner Stuttgarter Zeit. Er wohnte damals nur wenige Meter von meinen Eltern in Remseck-Aldingen entfernt und war oft am Neckar zwischen Hofen und Aldingen beim Joggen anzutreffen. Als er dieser Freizeitbeschäftigung eines Tages auch in Neckarrems nachging und sah, dass auf dem Sportplatz Fußball gespielt wurde, fragte er höflich, ob er mitspielen dürfe. Dann verstärkte er die ortsansässige A-Jugend in einem Kick gegen die AH, der mein Vater angehörte und hatte großen Spaß dabei.

Ob es diesen Ansporn und diese Lust sich zu bewegen beim Großteil der heutigen Generation noch gibt, wage ich zu bezweifeln. In der jetzigen Situation wäre es für jeden Einzelnen angebracht, mehr als das Nötigste zu tun, um ein Level zu erreichen, mit dem man in der Bundesliga wieder konkurrenzfähig ist. Diese Konkurrenzfähigkeit sehe ich nicht, im Gegenteil, ich bin überzeugt davon, dass das Pokal-Aus in Rostock kein Zufall war und wir auch heute noch gegen jede Drittligamannschaft den Kürzeren ziehen würden, weil es einfach an allem fehlt.

Unseren Nationalspielern wäre es anzuraten, auf ihre Berufung zu verzichten und stattdessen die 13 Tage zwischen Nürnberg und Leverkusen zu nutzen, für den Verein, der sie fürstlich bezahlt, 24 Stunden am Tag da zu sein und Defizite aufzuarbeiten.

In dieser Verfassung sehe ich selbst für Nürnberg schwarz, und erst recht für die darauf folgenden Begegnungen. Wenn es „normal“ läuft und Weinzierl nicht das Unmögliche schafft, im laufenden Spielbetrieb das Team fit zu bekommen, könnten diese fünf Punkte unsere Marke zur Winterpause sein, was fast schon gleichbedeutend mit dem Abstieg wäre. Dieser wäre hausgemacht und wir stünden vor dem nächsten Neubeginn. Da die Ausgliederungsmillionen größtenteils in alternde Ex-Größen ohne Wiederverkaufswert investiert und somit verbrannt wurden und wohl jeder, der ein paar Euro einbringt, verkauft werden würde, mag ich mir heute die Situation im Sommer noch überhaupt nicht ausmalen.

Ein Jammer, wie man durch Lügen, Intrigen und falsche Personalentscheidungen nach dem Aufstieg so schnell so tief fallen konnte und dass es im Verein noch immer kein Regulativ gibt, welches Fehlentwicklungen schon im Ansatz anspricht und nicht hinterher erst auf schlau macht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Trotz meines Pessimismus bin ich auf Nürnberg gespannt. Bis zum Frankfurt-Spiel war ich noch der Auffassung, dass es unser Glück sei, dass es Vereine wie Nürnberg und Düsseldorf gibt, die man auf jeden Fall hinter sich lassen könne.

Dieser Meinung bin ich nach dem Debakel gegen zugegebenermaßen sehr starke Frankfurter nicht mehr. Ich hoffe, das Team straft mich Lügen und dass wir doch etwas Zählbares aus dem Frankenland mitbringen, allein, mir fehlt der Glaube.

Ich kann Fußball schauen, was ich will, ich sehe derzeit keinen uninspirierteren, langsameren und mit mehr Anfängerfehlern gespickten Fußball wie den vom VfB, so dass ich mir die Wende zwar wünsche, jedoch nicht mehr (so früh) an sie glaube.

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22. Mai 2018

Es hat nicht sollen sein!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 09:19

Völlig unerwartet haben die Bayern am Samstag nach dem Triple auch das Double verpasst und stehen nun als Dubbl da.

Die Bayern waren, wie schon gegen uns, ein Schatten ihrer selbst. Man merkt, dass sie in die Jahre gekommen sind und vor allem die Krücken in der Abwehr schnell vorgetragenen Konterangriffen nach einer langen Saison nicht mehr gewachsen sind. Wenn dann auch noch vorne ein inzwischen 35-jähriger Franck Ribéry weniger durch Tempodribblings denn durch bemitleidenswertes Hängenbleiben und sich fallen lassen auffällt und sich ein Lewandowski wohl endgültig bei einem Verein wähnt, der an der Championsleague nicht nur teilnehmen darf, sondern sie auch gewinnen kann, kommt es vor, dass die Bajuwaren nicht einmal mehr ihrem großen Trainer Jupp Heynckes einen würdigen Abschied zu bescheren imstande sind.

Wäre diese bittere Niederlage für die Bayern nicht schon bitter genug gewesen, verspielten sie nach dem Schlusspfiff weiteren Kredit, indem sie entgegen der Gepflogenheiten nicht bis zum Spalier geblieben sind, sondern beleidigt in den Katakomben verschwanden.

Für den Gipfel der Peinlichkeiten sorgte dann der selbsternannte beste Stürmer Deutschlands, indem er seine Silbermedaille respektlos ins Publikum warf. Da dieses Wurfgeschoss durchaus jemanden hätte schwer verletzen können, hoffe ich, dass der Sittenwächter unter den Fußballverbänden, der DFB, Ermittlungen aufgenommen hat und endlich auch Stadionverbote gegen die Rüpel auf dem Platz verhängt. Die Sportgerichtsbarkeit des DFB dürfte ohnehin allerhand zu tun haben und gegen sich selbst ermitteln, verhinderte er doch als Veranstalter das Einschmuggeln von Pyrotechnik beider Fanszenen ins Stadion nicht.

Jogi Löw darf sich bestätigt fühlen, den Flegel Sandro Wagner noch rechtzeitig vor der WM ausgebootet zu haben. Wagner war für mich ohnehin schon immer überschätzt und durfte sich glücklich schätzen, als Lückenbüßer beim Confed-Cup an der großen weiten Fußballwelt einmal schnuppern zu dürfen. Bei einem WM-Turnier aber, an dem sechs, sieben Wochen lang bestmögliche Harmonie innerhalb des Trosses herrschen sollte, kann man Stinkstiefel, die sich selbst über das Team stellen schlicht nicht gebrauchen.

Bayern-Niederlagen an sich sind ja schön, liefern sie doch Bilder der Bosse Rummenigge und Hoeneß zum Genießen, die man so schnell nicht vergisst.

Für mich als Fan, der den VfB gerne nächste Saison in der Europaleague-Qualifikation gesehen hätte, war es ohnehin befremdlich, den Bayern die Daumen drücken zu müssen. Fast grotesk war es dann, dass die Bayern in der letzten Minute der Nachspielzeit trotz Hinzuziehens des Video-Assistenten einen glasklaren Elfmeter nicht zugesprochen bekamen und somit das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine EL-Teilnahme zerplatzt war. Dass in gefühlt tausend Jahren bei einem Spiel ohne VfB-Beteiligung EINMAL der FC Bayern benachteiligt wird und der VfB der Dumme ist, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Unabhängig davon, dass die Europaleague in der kommenden Saison ohne den VfB stattfinden wird, gönne ich der Frankfurter Eintracht den Pokalsieg von Herzen. Genau 30 Jahre nach dem letzten Triumph wieder ein Titel, der in die Mainmetropole geht, herzlichen Glückwunsch. Wenn man die Bilder der Triumphfahrt vom Flughafen zum Römer gesehen hat, wie eine ganze Stadt den Helden von Berlin huldigte, konnte man sich eigentlich nur mitfreuen.

Da der VfB die EL-Teilnahme nicht mehr in der eigenen Hand hatte und auf „fremde“ Ergebnisse angewiesen war, hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Bitter ist es eben, dass die Bayern wohl in zehn Versuchen gerade eines solcher Endspiele gegen einen absoluten Underdog vergeigen und das ausgerechnet dann, wenn der VfB durch einen Bayern-Sieg in den Europapokal einziehen würde.

Hätten wir uns qualifiziert, hätte es mich sehr gefreut. Vor allem den VfB auswärts, ob auf den Balkan, in den Ostblock oder nach Skandinavien zu begleiten und zu repräsentieren, danach lechzt vor allem der Allesfahrer nach fünf Jahren europäischer Abwesenheit geradezu.

Das demütige Gerede vieler, Europa käme zu früh, wir müssten schauen, wo wir herkommen und davon, dass wir als EL-Teilnehmer erster Abstiegskandidat seien, ist für mich großer Quatsch. Da hat wohl die jahrelang von oben herab gepredigte Demut, das sich retten von einem Übergangsjahr zum nächsten auf weite Teile der Fans abgefärbt.

Für mich zerbrechen sich da zu viele den Kopf der Vereinsführung. Diese hätte einen Kader auf die Beine stellen müssen, der der Doppelbelastung sowohl physisch als auch mental gewachsen gewesen hätte sein müssen, während der Fan sich doch einfach mal über die Abwechslung und das Privileg Deutschland international vertreten zu dürfen, hätte freuen können.

Pragmatisch wie ich bin sehe ich natürlich auch Positives an der Nichtteilnahme. Die Heimspiele vor 15.000 Zuschauern hätten mich weniger erfreut, ebenso wie die vielen Sonntag- oder gar Montagspiele, die eine Teilnahme zur Folge gehabt hätte. Auch dass Leipzig diese Ochsentour ab Ende Juli jetzt bestreiten „darf“ und mit ihren handgezählten „Fans“ auf Fanszenen, die nicht „ohne“ sein dürften, treffen wird, das gönne ich ihnen. Denke, die sind weitaus weniger begeistert, als wir es gewesen wären.

Die Saison 2017/2018 ist nun Geschichte, nachdem sich gestern auch der VfL Wolfsburg den Verbleib in der Liga gesichert hat. Wann werden diese unsäglichen Relegationsspiele endlich wieder abgeschafft? Es ist ein ungleicher Kampf, in dem sich fast immer der Bundesligist durchsetzt und für seine grottenschlechten Darbietungen letztlich noch belohnt wird, während der unterlegene Zweitligist danach fast immer mit einem großen personellen Aderlass zu leben hat und nicht selten in der Folgesaison gegen den Abstieg kämpft oder gar absteigt, siehe Eintracht Braunschweig.

Für den VfB endete die Saison auf einem für einen Aufsteiger hervorragenden siebten Platz, wenngleich nach dem letzten Aufstieg sogar Platz vier heraussprang. In den allgemeinen Tenor „danke für eine geile Saison“ möchte ich jedoch nicht einstimmen, weil in der schwächsten Bundesliga aller Zeiten noch bedeutend mehr drin gewesen wäre. Ohne Zweifel, die Rückrunde war richtig geil, sensationell sogar, doch, um die Saison komplett zu bewerten gehören aber nun mal zwei Halbserien.

Die Vorrunde hat mir nämlich eher wenig Spaß bereitet. Ein einziger Auswärtspunkt und destruktiver Fußball über fast das gesamte Halbjahr bleiben hängen. Im Nachhinein betrachtet erfolgte der Trainerwechsel zu spät und wurde nur so lang hinausgezögert, weil der Heimnimbus oder auch der ordentliche Auftritt zu Hause gegen die Bayern Hannes Wolf ein ums andere Mal retteten.

Schade, dass Wolf offensichtlich zu großen Respekt vor dieser Liga hatte und nicht mutiger spielen ließ. So begann man meist erst mit Offensivfußball, als das Kind bereits im Brunnen lag, sprich, man einem Rückstand hinterherlaufen musste. Das Positivste an der Vorrunde war noch, dass man der einen oder anderen Negativserie ein Ende setzte, ob Wolfsburg, Augsburg oder Köln, seit dieser Saison sind diese keine Angstgegner mehr.

Die Rückrunde allerdings hat dann gerockt, vor allem das Ende, so dass ich es jetzt schon kaum erwarten kann, bis es Ende August endlich wieder weitergeht. Die Auftritte, der Zusammenhalt des Teams und auch die individuelle Klasse einiger lassen mich hoffnungsfroh auf die neue Saison blicken. Noch immer hoffe ich, dass Holger Badstuber bleibt und für Pavard nicht ein unmoralisches Angebot ins Haus flattert, bei dem der VfB nicht anders kann, als dieses anzunehmen und den Franzosen ziehen zu lassen. Hier ist die Fußball-AG gefragt, ihren hehren Versprechungen vor der Ausgliederung Taten folgen zu lassen und die derzeit funktionierende Mannschaft zusammenzuhalten. Dann und ergänzt durch „interessante Neuzugänge“ stünde ein vielversprechendes Gerüst, so dass wir uns vor den wenigsten Bundesligisten verstecken müssten.

Von der vergangenen Saison in Erinnerung bleiben, dürfte am nachhaltigsten die Einführung des Videoassistenten. Der VfB hat von ihm profitiert, wie kaum ein anderes Team. Vor allem nach dem Heimspiel gegen Köln stellte ich mir die Frage, ob es denn gerechter gewesen wäre, durch einen unberechtigten Elfmeter kurz vor Schluss zu verlieren, anstatt dieses gefühlt ewige Warten auf eine endgültige Entscheidung in Kauf zu nehmen. Die Geschichte ist bekannt, der Elfer für Köln wurde zurückgenommen und im Gegenzug gelingt Akolo durch ein Kullertor der Siegtreffer für den VfB.

Ich war schon immer ein Verfechter des Videobeweises, gerade wegen solcher Szenen und weil im Fußball einzelne Tore über Millionen entscheiden können. Auf der anderen Seite ist der Videobeweis, wie er in der Premierensaison praktiziert wurde, eine einzige Farce.

Die Entscheidungen dauern zu lang und es ist oft nicht einheitlich, wann sich der Mann am Ohr denn zu melden hat. Emotionen gehen verloren, weil man kaum mehr unvermittelt jubeln kann, sondern erst noch abwarten muss, ob der Referee ein Signal bekommt. Das Problem am Videoassistenten ist, dass dieser eben auch nur ein Schiedsrichter ist, der schon auf dem Platz nicht den richtigen Durchblick hat. Wird dann auch noch ein und dieselbe Szene von drei Schiedsrichtern dreimal verschieden bewertet, kann die beste technische Neuerung nicht funktionieren. Bestes Beispiel das Pokalendspiel, der eine gibt den Elfer, der andere nicht, also sind wir genauso weit wie ohne Videobeweis, so dass man diesen in dieser Form schleunigst wieder abschaffen sollte.

Schauen wir, wie sich der Videoassistent bei der WM, wo in der Regel bessere Schiedsrichter eingesetzt sind, bewähren wird. Meine Vorfreude auf die WM in Russland hält sich noch in Grenzen. Immer neue Vorwürfe über Staatsdoping, Einschränkung der Pressefreiheit und eine FIFA, die das alles nicht anzugehen scheint, weil es schließlich völlig egal ist, wie schmutzig das Geld ist, das man „verdient“.

Dazu eine deutsche Mannschaft, in der, nicht nur die Bayern, die Protagonisten auf dem Zahnfleisch daher kommen. Ich hoffe, Jogi Löw bringt die Truppe, wie es ihm bislang immer gelungen ist, auch dieses Mal rechtzeitig wieder auf Vordermann.

Zudem ist es mir sauer aufgestoßen, dass der DFB die Herren Özil und Gündogan nach deren Treffen mit „ihrem Präsidenten“ nicht suspendiert hat. Ich bin ohnehin noch vom alten Schlag und spreche von der Nationalmannschaft und nicht von „Die Mannschaft“, so erwarte ich, dass Spieler, die den Adler auf der Brust tragen, sich mit den Gepflogenheiten und Werten unseres Landes identifizieren und sich mindestens genauso deutsch wie türkisch fühlen, die Entscheidung für Deutschland also nicht nur wegen der größeren Erfolgsaussichten getroffen wurde.

Dass diese sich vor den Wahlkampfkarren von Erdogan spannen lassen, einem Despoten, der keine Gelegenheit auslässt über Deutschland zu wettern und unser Land mit dem Nasenring durch die Manege zieht, dafür fehlen mir die Worte. Dass sich die beiden, immerhin erwachsenen, Männer der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst waren, kann mir keiner erzählen.

Das nationale Interesse des Traums von der Titelverteidigung muss derart groß sein, dass sich selbst unser Bundespräsident instrumentalisieren lässt, schön Wetter zu machen und diese beiden Integrationsaushängeschilder medienwirksam ins Schloss Bellevue einlädt. Wie lang dauert es eigentlich beim Otto-Normalverbraucher, einen Termin beim Staatsoberhaupt zu bekommen?

Ich für meinen Teil möchte diese beiden nicht mehr im Nationalelftrikot sehen und hoffe, dass die deutschen Fans sie gnadenlos auspfeifen werden. Es widerstrebt zwar meinem Naturell, eigene Spieler während des Spiels auszupfeifen, doch hier sehe ich keine andere Möglichkeit, dem DFB und den beiden Spielern klarzumachen, dass der mögliche sportliche Erfolg nicht über allem steht.

Löw hat, man denke nur an Kuranyi und Kruse, Spieler wegen vergleichsweiser Lappalien aus dem Dunstkreis der Nationalmannschaft verbannt. Hier und jetzt, wenn ein Exempel statuiert werden müsste, kneift der gute Jogi, handelt es sich doch um vermeintliche Schlüsselspieler. Fußball ist halt doch nur ein verlogenes Geschäft.

Ich wünsche Euch eine schöne Sommerpause und mir einen nicht allzu heißen Sommer. Macht’s gut, man sieht und liest sich!

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15. April 2018

Fucking VfB-Gen

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 16:12

Spätestens seit der Wolf-Entlassung haben wir unseren alten VfB wieder. Hatte man unter Schindelmeiser und Wolf noch das Gefühl, die beiden würden den Verein auf links drehen und hatte man bei den meisten (Personal-)Entscheidungen den Eindruck, diese erfolgten zukunftsweisend und einem Plan folgend, kam mit Korkut ein Trainer, dessen beste Referenzen gewesen zu sein schienen, dass er in Cannstatt wohnt und sofort verfügbar war.

Zugegeben, der Start unter Korkut verlief verheißungsvoll. Binnen kürzester Zeit mutierten wir von einem Abstiegskandidaten gar zu einem Europaleague-Aspiranten. Mit einem gewissen Ehrgeiz und mehr Galligkeit wäre Platz sieben durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Doch, Stichwort „alter VfB“, die Selbstzufriedenheit machte sich schneller wieder breit, als man gucken konnte. Einige Herren hielten es nach einem beachtlichen Zwischenspurt für angebracht, die Füße hochzulegen und, nachdem der Klassenerhalt so gut wie erreicht war, die Saison für beendet zu erklären. Dieses Minimalistendenken wird dem Verein wohl erst gänzlich ausgetrieben sein, wenn auch der Letzte der Ära Gentner seine Schuhe an den Nagel gehängt hat oder wenigstens seine ach so glorreiche Karriere in einer Operetten-Liga ausklingen lässt.

Dass ein Trainer stoisch an immer den gleichen 12, 13 Leuten festhält, die es ihm auf dem Rasen schon lange nicht mehr danken und andere wiederum trainieren können wie sie wollen und doch keine Chance erhalten, solang die Platzhalter einsatzbereit sind, ist für mich im Mannschaftssport Gift und jetzt schon wieder der Anfang von seinem Ende.

Bis die Stunde der Edelreservisten schlägt, werden die Guten den Verein frustriert verlassen haben und die Anderen den Trainer, der sie so lang links liegengelassen hat, im Regen stehen lassen, wenn er denn mal aufgrund von Personalmangels auf sie angewiesen sein sollte.

Auch da wünsche ich mir einen wie Hannes Wolf zurück, bei dem kein Automatismus auftrat, der Spieler nach herausragenden Trainingswochen mit Einsätzen belohnte und nach Länderspielpausen genau hinsah, wer in welcher Verfassung zurückkehrte und ob andere nicht doch frischer sind. Dass Wolf zuletzt glücklos war, sei dahingestellt. Er schaffte es aber, die Spannung hochzuhalten und jedem im Kader das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen zu sein und dass alle stets bereit sein mussten, könnte ihre Stunde doch jederzeit schlagen.

Gerade jetzt, wo einige im Kader wieder denken, einen Schritt weniger machen und sich nicht mehr neunzig Minuten lang konzentrieren zu müssen, müsste der Trainer dazwischen grätschen und genau hinsehen, wer in einer Saisonphase, in der es vermeintlich um nichts mehr geht, bereit ist, sich zu quälen. Ich schreibe, „vermeintlich um nichts mehr geht“, weil es natürlich noch um sehr viel geht. Jeder Tabellenplatz besser ist bei der Verteilung der Fernsehgelder Millionen wert, aber das scheint in die Hohlköpfe so manchen Spielers nicht hineinzugehen oder es ist ihnen egal, so lang ihr Gehalt auch weiter pünktlich auf dem Konto ist.

Ich bin übrigens keiner derer, die eine Europaleague-Qualifikation als zu früh angesehen hätten und den Spielern damit schon im Voraus ein Alibi für eine schlechte nächste Saison gegeben hätten. Europa kann nie zu früh kommen! Uns Fans würden internationale Touren eine schöne Abwechslung vom tristen Ligaalltag bescheren, dem Verein wären eine bessere Wahrnehmung über die Landesgrenzen und damit bessere Vermarktungschancen gewiss. Unter diesem Gesichtspunkt handeln diejenigen, die diese Saison seit geraumer Zeit einfach nur noch austrudeln lassen, höchst vereinsschädigend.

Korkut scheint das alles egal zu sein, schwadroniert er auch gestern wieder von der Ziellinie, die er bei vierzig Punkten sieht, und welche erst noch überschritten werden müsse. Nicht genug damit, dass wir es mit einem Haufen von Minimalisten auf dem Rasen zu tun haben, auch der Trainer ist mit dem Erreichen des Minimalerfolges zufrieden, so dass wir uns schon jetzt auf die restlichen vier Spiele freuen dürfen, in denen das Ziel vorgegeben zu sein scheint, noch ein Pünktchen zu ergattern, um endlich die in Stein gemeißelten vierzig Punkte unser Eigen nennen zu können.

Korkut setzt nach wie vor auf „Altbewährtes“ und traut sich nicht, das vermeintlich so erfolgreiche Ensemble, das die Gegner regelmäßig an die Wand gespielt hat, zu ändern. Die Verfassung seiner Lieblinge ist da völlig egal, Hauptsache das ach so stabile Gerüst wird nicht gesprengt. Dabei bleibt ihm leider verborgen, dass der Korkut-Code geknackt und sein Glück aufgebraucht ist. Es gibt wohl derzeit kein Team in der Liga, das leichter auszurechnen ist als der VfB. Ein guter Trainer erkennt das und überrascht sein Gegenüber dann auch mal mit taktischen oder personellen Kniffen, nicht so Korkut, der lieber auf Holz klopft und hofft, dass das Glück weiterhin hold sein möge.

Nicht nur die Startaufstellungen gleichen sich bis auf Nuancen immer, auch bei den Auswechslungen hat man den Eindruck, diese stünden bereits vorher fest und seien nicht dem Spielverlauf oder der Müdigkeit des einen oder anderen Protagonisten geschuldet. Diesbezüglich fühle ich mich in schlimmste Labbadia-Zeiten zurückversetzt.

Wieso nimmt er auch gegen Hannover Thommy, den Torschützen und einzigen wirklichen Kreativspieler raus und bringt den deutlich formschwächeren und langsameren Özcan? Und wenn ich Thommy schon auswechseln muss, weshalb nicht gegen Donis, der durch seine Schnelligkeit bei den sich bietenden Konterchancen Gold hätte wert sein können? Was hat Donis verbrochen, dass er seit dem Wolfsburg-Spiel überhaupt keinen Einsatz mehr zu verzeichnen hatte?

Weshalb muss immer Thommy weichen und nicht beispielsweise Ginczek, der ab Minute fünfzig regelmäßig platt wirkt? Traut sich da einer an vermeintlich größere Namen nicht heran? Ist es Dankbarkeit derer gegenüber, die Wolf abgeschossen, sich dann unter Korkut zunächst zusammengerissen und ihm zu einem Traumstart verholfen haben? Ist es Zufall, dass der VfB mittlerweile Woche für Woche die älteste Startelf seit zwölf Jahren aufbietet? Wo ist der Jugendstil geblieben, wo die Nachhaltigkeit, wo der Plan für die Zukunft? Wie vor dem Abstieg auch, graut es mich gewaltig vor der nächsten Saison, weil (noch) nichts darauf hindeutet, dass sich das Gesicht (und damit auch die Mentalität) der Mannschaft entscheidend verändern wird.

Zunächst wurden beim gestrigen Spiel Konterchancen, bei denen Insúa als unser vorderster Spieler fungierte, leichtfertig verschenkt um, je näher es auf das Spielende zuging, immer weniger am Spiel teilzunehmen, Bälle nur noch blind nach vorne zu schlagen und somit um den Ausgleich zu betteln.

Dieser fiel dann auch folgerichtig in der Nachspielzeit und war schon allein deshalb verdient, weil der VfB sich den Sieg durch zu viel Passivität nicht verdient hatte. Der eine oder andere wird vielleicht jetzt noch wegen dem späten Ausgleich rumheulen und den Fußballgott verfluchen, für mich bekam der VfB genau das, was er sich durch seine mitunter destruktive Spielweise selbst zuzuschreiben hatte.

Ob sich der VfB einen Gefallen damit getan hat, den jungen und erfrischenden VfB unter Hannes Wolf gegen den biederen unter Korkut einzutauschen, wird man sehen. Fallen Blätter, fallen Trainer, derzeit kann ich es mir nicht vorstellen, dass Korkut zum Jahreswechsel noch VfB-Trainer ist.

Ich möchte jetzt nicht den Stab über den Trainer brechen. Nach Wolf, der das Team so böse intellektuell überfordert hatte, hätte wohl jeder kommen und kurzfristigen Erfolg gehabt. Bestimmte Spieler sind das Problem, nicht der Trainer. Diese haben die Macht und wenn vermeintliche Führungsspieler den Daumen für einen Übungsleiter senken, muss dieser eben gehen, so ist das Geschäft. Trennt man sich von diesen Spielern nicht über kurz oder lang, befinden wir uns wieder in genau der Endlosschleife, in der wir schon vor Hannes Wolf gefangen waren.

Noch kann ich nichts darüber sagen, für welchen Fußball Tayfun Korkut steht und wie er sich sein Team der Zukunft vorstellt. Übernimmt man mitten in der Saison und hat weder eine Vorbereitung noch eine Transferphase, ist ein Trainer zum Verwalten der Missstände verdammt und kann wenig beeinflussen. Daher wird es im Sommer interessant sein zu beobachten, ob er gewillt ist, die wirklichen Probleme konsequent und ohne Sorge um sein Standing im Team zu beheben oder ob es ihm, wie einem Politiker, in erster Linie darum geht, die „wichtigen“ Leute hinter sich zu scharen, um an seinem Sessel zu kleben. Der Hausmacht, die einige Leute haben und die es ihnen erlaubt Trainer um Trainer zu verschleißen, muss ein Ende gesetzt werden. Korkut oder sein Nachfolger benötigen dafür im Verein die Unterstützung und den Rückhalt, welche Schindelmeiser und Wolf nicht gegeben war. Dürfen sich weiter Spieler „oben“ ausweinen und Trainer weg mobben, wenn sie ihren Status als gefährdet ansehen, wird sich beim VfB nie etwas ändern.

Es gilt, dieses unsägliche VfB-Gen loszuwerden, welches immer dann im Weg steht, wenn die Möglichkeit bestünde, den nächsten Schritt zu gehen. Diese Selbstzufriedenheit kotzt mich an.

Manch einer beweihräuchert sich wohl noch immer selbst, weil man in der Vorwoche beim 0:3 in Dortmund eine halbe Stunde gut mitgespielt hat. Doch, wie sah das gut mitspielen denn aus? War es nicht etwa so, dass man sich gegen einen maximal verunsicherten Gegner an Ballbesitz ergötzte, ohne das gegnerische Tor auch nur einmal ernsthaft in Gefahr zu bringen? Ohne dass der gegnerische Torwart auch nur einmal eingreifen musste? Ist es schon das, nach dem wir streben, dass wir den Ball in den eigenen Reihen halten, den eigenen Torwart mehr ins Spiel einbeziehen als unsere Stürmer und damit zufrieden sind, dass in dieser Zeit Dortmund auch nichts gemacht hat?

Fußball ist Ergebnissport, unterm Strich stand ein 0:3, mit dem man noch gut bedient war, wenn der erste (echte) Torschuss erst gegen Ende der Partie zu verzeichnen war, als man schon aussichtslos zurück lag.

Holger Badstuber prangerte die Missstände hinterher an und bekam in den einschlägigen Foren und Facebook-Seiten ordentlich Prügel dafür. Was erlaubt sich schon einer, der (ehrlich) kommuniziert, dass er wieder Championsleague spielen möchte und der VfB daher nur eine Durchgangsstation für ihn sein könnte? Einer, bei dem die eigene Leistung an diesem Tage auch zu wünschen übrig ließ?
So der Tenor im Netz. Dass Badstuber in einem Formtief steckt und, wie Zieler, maßgeblich mitverantwortlich für das gestrige Gegentor waren, geschenkt. Beider Wert in dieser Saison ist nicht hoch genug einzuschätzen, etliche Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Daher empfinde ich es als ungerecht, auf die beiden, oder, um zum Thema zurückzukehren, Holger Badstuber einzudreschen. Selbst, sollte es bei einem einjährigen Intermezzo beim VfB bleiben, handelte es sich um eine Win-Win-Situation und beide Seiten hätten stark voneinander profitiert.

Ich hätte gerne ein Team mit elf Typen vom Schlage eines Holger Badstuber. Während viele ihn wegen seiner Bayern-Zeit und dem implementierten Bayern-Gen verfluchen, ist er für mich, zumindest wegen Letzterem, so wertvoll. Das fucking VfB-Gen habe ich oben beschrieben, das Bayern-Gen ist das krasse Gegenteil davon und äußert sich darin, dass Badstuber einer ist, der nicht verlieren kann und den Niederlagen extrem nerven.

Mir ist ein ehrgeiziger Spieler wie Badstuber tausend Mal lieber als der selbstgefällige Rest, der schon damit zufrieden ist, im Westfalenstadion nicht ganze neunzig Minuten an die Wand gespielt worden zu sein, sondern „nur“ sechzig.

Außer der Generalkritik, dass man leichtfertig die Chance zu punkten liegengelassen habe, wird Badstuber auf kicker.de wie folgt zitiert: “Wir müssen den nächsten Schritt machen, auch fußballerisch. Nur lange Bälle zu spielen, ist nicht das, was Sinn macht, und was unsere Entwicklung sein sollte. Irgendwann müssen wir mehr spielen. Aber das ist ein Prozess und kommt mit Erfolgen und positiven Ergebnissen.” Für mich klingt das nicht so, als ob Badstuber mit dem VfB abgeschlossen habe und eine Ausweitung seines Engagements ausgeschlossen sei. Eher im Gegenteil, wenn er kurz vor Saisonende eine weitere Entwicklung erwartet, kann er ja fast nur die kommende Saison meinen. Mit solchen Erwartungen setzt Badstuber zweifellos Reschke und die Vereinsführung unter Druck. Diese muss jetzt Farbe bekennen, auf welche Seite sie sich schlägt. Setzt man auf ehrgeizige Spieler mit Klasse oder auf jene vermeintlichen hundertprozentigen VfBler, weichgespült und mit dem fucking VfB-Gen behaftet.

Einem Spieler wie Badstuber, das unterstelle ich einfach mal, geht es bei einer Vertragsverlängerung mit dem VfB nicht ausschließlich um Geld. Sollte ein wirklich großer und ambitionierter Verein bei ihm anklopfen, ist es klar, dass der VfB schlechte Karten hätte. Aufgrund seiner Verletzungshistorie und seines Alters aber werden solche Vereine nicht Schlange stehen. Daher dürfte es Badstuber um die Perspektive seines künftigen oder weiteren Arbeitgebers gehen. Reschke und Dietrich werden Badstuber glaubhaft aufzeigen müssen, wie sie sich den VfB der kommenden Saison vorstellen und welche Rolle Badstuber zugedacht ist. Klingt das alles dann nicht nach einem ausgeklügelten und realistischen Plan sondern eher nach einem „weiter so“, dürften die Zeichen sicher auf Abschied stehen, wer will es ihm dann aber auch verdenken?

Auf die letzten vier Saisonspiele habe ich schon jetzt keine große Lust mehr. Wie immer freue ich auf das Drumherum und die vielen Weggefährten bzw. Leidensgenossen, nicht aber auf die trostlosen Veranstaltungen auf dem Rasen. Die Saison plätschert ihrem Ende entgegen, in einer schwachen Liga reichen größtenteils schwache Darbietungen zum sicheren Klassenerhalt, was nicht für den deutschen (Liga-)Fußball spricht.

Zum Schluss noch die Erklärung, weshalb ich mich auf meinem Blog zuletzt sehr rar mache. Es hat nichts damit zu tun, dass mir zum VfB nichts mehr einfallen würde, sondern schlicht und ergreifend, dass ich seit August aufgrund von Krankheit Einzelkämpfer im Geschäft bin und abends nur noch selten einen Kopf zum schreiben habe. Auf Facebook unter https://www.facebook.com/frankysstadionpics/ gebe ich öfter ein Statement ab als im Blog, liken und reinschauen lohnt sich also.

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